Freitag, 24. Dezember 2021

Andrea Schacht : "Weihnachtskatze gesucht"

Andrea Schacht : 
"Weihnachtskatze gesucht" 
2012, 2. Auflage Aufbau Verlag 
134 Seiten + 1 Seite Personen (und Katzen) + 2 Seiten Nachwort
ISBN 978-3-7466-2881-3

Blumenhändlerin Silvia ist unglücklich, weil sie SueSue ihre innig geliebte Katze vermißt und für tot hält. Bei einer Photoausstellung sieht sie ein Photo auf einem Friedhof mit einer Katze, die ihrer sehr ähnlich sieht. Der Photograph ist ein grantiger Zeitgenosse, der bei Kriegsphotos ein Bein verloren hat.
Parallel dazu erzählt eine Katze wie es ihr in einem Gnadenhof gemeinsam mit anderen Katzen und Katers, auch Pferden und Schafen geht. Dort trifft sie den dreibeinigen Mac und den blinden weisen Kater Ormuz, dem sie beim orientieren hilft. Sie erzählt von Menschen, die ein drittes gläsernes Auge haben, für das sie schon posiert hat. Es dauert etwas bis sich die zwei Erzählschleifen finden, aber es gibt für einige Menschen und vor allem Katzen/Katers ein "Happy End".

Die Menschen haben Charakter und sind durch diverse Ereignisse nicht mehr einfach zu behandeln. Die Katzen und Kater ebenfalls, wobei ich bei den Katzen/Kater mehr Durchhaltevermögen lese.

Es wird viel über Rangordnungen im Gnadenhof erzählt, wobei sich die dreifarbige erzählende Katze als durchsetzungsfähig erweist. Auch einige Katzenrassen werden genannt - SueSue ist eine Devon Rex.

Ein wunderbares Buch für einen verregneten oder sonst trübsinnigen Tag. Miau !

Sonntag, 19. Dezember 2021

Donna Leon : "Flüchtiges Begehren"

Donna Leon : 
"Flüchtiges Begehren" - Commissario Brunettis dreißigster Fall 
original "Transient Desires" 
Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz 
2021, Diogenes Verlag 
307 Seiten 
ISBN 978-3-257-07120-7

Zwei verletzte amerikanische Touristinnen werden vor einem Krankenhaus abgelegt, die jungen Männer die das tun verschwinden. Gemeinsam mit der Küstenwache kommt rasch heraus, daß diese beiden ein junger Anwalt aus guter Familie und der Neffe eines groben Schiffunternehmers waren, wobei diese beiden rasch die Geschichte zu dem Unfall erzählen. Parallel tut sich die Geschichte einer illegalen Prostituierten auf, die unter falschen Zukunftsaussichten ins Land geschmuggelt worden war, und erzählt wie ihre mitflüchtenden Frauen jämmerlich ertrunken waren. Die des Menschenhandels verdächtigen Personen werden erwischt, leider gibt es dann einen sympathischen Toten zuviel.

Brunetti liest in diesem Buch viel aus Tacitus, und geht der Idee nach wie es zu Gerüchten kommt - damals und heute.

Um Brunetti ist das bewährte Team aus Vianello, Griffoni und Singbar Elettra; auch Patta gibt es. zu Hause sind Paola und die beiden Kinder - wie gewohnt. Neu sind die jungen Männer Berto und Vito, der erfolgsgewohnte brutale Onkel von Vito, und die Mitarbeiter der Küstenwache. 

Behutsam wird das Thema Freundschaft behandelt. Auch wenn sich daraus mehr entwickeln kann.

Ich bin mit dem Ende gar nicht einverstanden; es hat mich geschockt, auch wenn ich mittlerweile die manchmal unbefriedigenden Geschichtsenden bei Frau Leon gewohnt sein sollte.

In Summe ein gewohnt guter Venedig-Roman, der diesmal viel auf der Giudecca spielt. Viel Freude am Lesen !

Mittwoch, 15. Dezember 2021

Stephan Haas : "Belgische Finsternis"

Stephan Haas :
"Belgische Finsternis" - ein Fall für Piet Donker
2020, Emons Verlag
328 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-7408-0912-6

Piet Donker, Polizist, dessen Ehe zerbrochen ist, und mühsam versucht für seine Tochter da zu sein, wird in den kleinen deutschsprachigen Teil Belgiens bei Raafburg geschickt, weil dort 15 Jahr nach erschreckenden Morden ein neues Detail aufgetaucht ist. Vor Ort arbeitet er mit teilweise engagierten, oder destruktiven Polizisten zusammen und versucht alte Zeugen aufzutreiben. Erst nach einem Anschlag auf ihn, einen weiteren auf eine Journalistin und zwei gelungenen Morden wird einiges aufgeschlüsselt. Die Toten vor 15 Jahren werden endlich richtig recherchiert, alte Liebensbande aufgeräumt, traditionelle Verachtungen genannt, und aufgeklärt welche Unfälle wie vertuscht wurden. Das Ende ist dann doch überraschend.

Der Roman ist unterschiedlich zu lesen. Der Krimi-plot ist spannend geschrieben, und ich war neugierig wer der oder die Täter sind. Etwas störend waren die Probleme von Piet und die Launen der Polizisten.

Die Personen waren gut geschildert. Die gehemmte und manipulierte Ella, die schön kühle als Frau nicht geschätzte Rebecca Rehnhof, ihr braver Bruder Frank, der Matcho Marlon der meinte bei Frauen gut anzukommen was eher nicht mehr der Fall war, die gutmütig scheinende Pensionsinhaberin Wilma, die attraktive zu neugierige Journalisten Sina. Bei den Polizisten gibt es : Lechat der den Fall vor 15 Jahren schon bearbeitet hatte und den Willen hat ihn zu lösen, den braven dann wichtigen Bender, und den meist aggressiven Vanderhagen.

In Summe ein guter, wenn auch etwas grauslicher Krimi. Viel Spaß beim Lesen !

Mittwoch, 8. Dezember 2021

"Mord auf leisen Pfoten - Kriminell gute Katzengeschichten"

"Mord auf leisen Pfoten - Kriminell gute Katzengeschichten"
Herausgegeben von Rotraut Schöberl
Illustrationen von Livia Klingl
2020, Residenz Verlag gmbH
253 Seiten + 2 Seiten Einführung mörderische Katzenerlebniss + 1 Seite Textnachweise + 2 Seiten Inhaltsverzeichnis
ISBN 978-37017-1738-5

20 Kriminalgeschichten von arrivierten Autoren und  -innen wie Agatha Christie, Patricia Highsmith und Edgar Alan Poe werden mit Geschichten von aktuellen Schriftstellern und -innen vermischt.

Lilian Jackson Brown : Madame Phlois Sünde (1988)
spannenden Geschichte über 2 Siamkatzen, bei denen Madame die gescheite und neugierige Katze ist, die leider ihren Sohn auf einen gefährlichen Trip mitnimmt, sich aber dann katzenhaft für die Gemeinheit revanchiert.

Rita Mae Brown & Sneaky Pie Brown: Entdeckung im Tunnel (1992/94)
Kapitel aus einem der Katzenkrimis in Corzet mit Sneaky Pie Brown

Agatha Christie : Der seltsame Fall des Sir Arthur Carmichael (1964)
in der sich ein verhexter Mann in Form einer Katze um seine Verlobte kümmert, und seine gierige Stiefmutter überführt

Patricia Highsmith : Mings fetteste Beute (2004/06)
in der ein Kater bösartige Menschen ausspielt, und auch den geldgierigen Liebhaber seiner liebevollen reichen Schmusemenschin

Livia Klingl : Katzenmord
wieder serviert ein Kater den Liebhaber seiner Schmusemenschin ab, der diesmal nur stört.

Bestrix Kramlovsky : Nichts ist von Dauer hier
Kater deckt Mord auf, zeigt es aber nicht, sondern erpresst Menschen

Sharyn McCrumb : Nine Lives to Live (1992/2001)
Mensch kommt als wunderschöner flauschiger Kater wieder auf die Welt, und versucht die ehemaligen Geschäftspartner zu beseitigen.

Edgar Allan Poe : die schwarze Katze
Klassiker ! ein Alkoholiker macht seiner Familie das Leben schwer, ermordet seine Frau und rechnet nicht mit einer Katze.

Theresa Prammer : Sieben Leben
Katze möchte ihren Hauptmenschen um sich, und entledigt sich der Damen um ihn.

Thomas Raab : Das letzte Abendmahl
Koch bekocht berechnende Frau, die am Schluß flüchtet, und deren schöne Angorakatze endlich glücklich macht. (Das Gericht Katzengschroa beinhaltet kein ! Katzenfleisch)

Julya Rabinovich : Chronik eines angekündigten Supperls
Mann ermordet Katze, und stirbt darauf an Pilzgericht

Eva Rossmann : K.
Katze bekommt während des Lockdowns mit, daß in Nachbarwohnung gequälte Geräusche hörbar sind. Sie schickt Krähen aus, und der Quäler ist beseitigt.

Tex Rubinowitz : Die Maus mit den fünf Beinen
eigentümliche Detektivsache

Dorothy L. Sayers : Die Tigerkatze
Klassiker ! Mann erschießt eine Katze, und eine Frau ist tot. Spannend !

Susanne Scholl :  Herr Moritz ermittelt
und entdecket, daß seine Liebe verstorben ist, aber findet auch einen Ehering.

Margit Schreiner : Der Mörder mit der weißen Weste
2 Katzen und eine Katzenschmuserin verhindern, daß sich ein vogelmördender Kater bei ihnen wohlfühlt und einnistet.

Justin Scott : Der weiße Tod (1989)
Kater in Conneticut muß eingreifen, als er entdeckt, daß Hütehunde nicht die Kojoten sondern anderen Hütehunde töten.

Cornelia Travnicek : Purrlock Bowles und die Hunde von Barkerville
Catson, Kater des Doktors als Revier-Detektiv

Peter Zirbs : Der Hai
bei dem ein aus einem ausländischen Hotel mitgenommener Kater mitbekommt, wie ältere Herrschaften systhematisch aus einem gemütlichen Miethaus sekkiert werden, und er das mit seiner eigenen Methode bereinigt, um es weiterhin gemütlich zu haben.

Manche Geschichten gefallen mir gut, weil sie nicht nur spannend sonder auch gut geschrieben sind. Andere sind mir zu einfach, und auch zu wenig mit bösem feinen Humor.

In Summe ein gutes Buch, ideal als Geschenk, oder sonst für kurze Unterhaltung; viel Spaß ! Miau !

Samstag, 4. Dezember 2021

Clarice Lispector : "Aber es wird regnen"

Clarice Lispector :
"Aber es wird regnen" - sämtliche Erzählungen II
original "Todos os contos"
2016, Editora Rocco Ltda
Herausgegeben von Benjamin Moser
Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Luis Ruby
2020, Pinguin Verlag
Band I war 2019 auf deutsch erschienen
253 Seiten + 3 Seiten Inhaltsverzeichnis + 2 Seiten Auflistung der Originaltitel + 6 Anhang (bibliographische Notizen)
Lesebändchen !
ISBN 978-3-328-60095-4

In diesem Band sind kurze und lange Erzählungen gesammelt. Die Geschichten sind zwischen bezaubernd bis sehr unter die Haut gehend; manche wirken lange nach. Die Erzählungen sind über einen längeren Zeitraum entstanden. 

Von den vielen Geschichten zogen mich vor allem "Wo wart ihr in der Nacht", "Brasilia" und "Bericht vom Ding" zogen mich in ihren Bann.

In den Geschichten ist viel von Einsamkeit und kleinen und großen Unglücken der Menschen zu lesen. Es gibt wenig Hoffnung.

Ich habe einige Monate an den Geschichten gelesen, weil sie weder einfach noch schnell zu lesen waren, und sehr eindrücklich sind. 

In Summe ein sehr intensives, sehr empfehlenswertes Buch. Viel Freude an diesen Erzählungen.

 Clarice Lispektor (eigentlich Chaja Pinkussowna Lispektor) wurde am 10 Dezeber 1920 in Tschetschelnyk / Ukraine geboren. Die Familie kam 1922 in Brasilien an. Sie arbeitete als Lehrerin und schrieb Artikel. 1944 erschien ihr erster Roman "Perto do coração selvagem" (Nahe dem wilden Herzen). Nach der Scheidung schrieb sie weiter Artikel, betrieb eine Zeitschrift, und machte Interviews. Sie starb am 9. Dezember 1977 in Rio de Janeiro / Brasilien.

Mittwoch, 24. November 2021

Tanja Brandt : "Die Eulenflüsterin"

Tanja Brandt :
"Die Eulenflüsterin" - Was ich von meinen Tieren über das Leben lernte
2021, Bastei Lübbe
210 Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-404-61720-3

Die Autorin, die vielen durch ihre Tierphotographie bekannt ist, beschreibt hier ihre Kindheit, ihre Liebe zu Tieren, ihre Beziehungen - und für sie viel wichtiger das Zusammenleben mit ihren Tieren. Hund Ingo war Eigenbrötler bis er lernte, daß er für einen kleinen Steinkauz ein guter Freund ist. 

Mich haben die verschiedenen Eulen und Kauze fasziniert die mit der Autorin gelebt haben, und wie unterschiedlich sie die Temperamente beschreibt. Die Charaktere der Eulen und Käuze sind grundverschieden von freundlich bis supergrantig, stetig bis launenhaft geschildert. Auch in ihrem Verhalten zu ihr sind die Vögel unterschiedlich, weil Bussarde sofort in den Beschützermodus verfallen, Eulen aber ruhig und abwartend agieren. Eulen sind offenbar die Meister der Ruhe, die bei allem was Hektik oder Stress sein könnte, abtauchen können. Witzig wird es wenn die Autorin beschreibt, daß sie bei Spaziergängen von einer Eule zu fuß begleitet wird (fliegen war offenbar anstrengender), oder wenn sie mit Bussard auf der Schulter spazieren ging, und Kinder bis Polizei sie vorsichtig ansprachen.

Die Geschichten mit den Tieren - vor allem mit den von mir so geschätzten - Eulen und diversen Käuzen sind herzerwärmend und unterhalten. Auch wenn einige Tiere sterben - weil sie kürzere Lebenserwartung haben, oder etwas dazwischenkommt - ist viel Wärme und Zuneigung zwischen Autorin und den Tieren spürbar.

In Summe ein bezauberndes Buch, das gerade in Pandemie- und Lockdownzeiten gut tut. Viel Freude beim Lesen - und beim Betrachten der Photos im Mittelteil des Buches !

Tanja Brandt wurde am 15. Juni 1968 in Stuttgart geboren.  Sie lernte zuerst Bürokauffrau, später arbeitete sie in einer Spedition und als LKW-Fahrerin. Seit ca. 5 Jahren ist sie Tierfotografin und lebt heute in Remscheid und Grevenbroich, zusammen mit Ihren Hunden, Eulen und Greifvögeln.

Donnerstag, 18. November 2021

Grégoire Hervier : "Vintage"

Grégoire Hervier :
"Vintage"
original: "Vintage"
2016, Au diable vauvert
Aus dem Französischen von Alexandra Baisch und Stefanie Jacobs
2019, Diogenes Verlag
392  Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis + 1 Seite Credits
ISBN 978-3-257-24450-2 

Thomas Dupré erzählt in ich-form, wie er aus Paris mit einer seltenen Gitarre nach England geschickt wird. Im Schloß erwartet ihn ein Lord im Rollstuhl und beauftragt ihn eine seltene Gitarre, deren Existenz ungesichert ist, für seine Sammlung zu finden. Thomas reist nach USA, fährt durch die Gegend, trifft einen trunksüchtigen Gitarrensammler, reist nach New Orleans, trifft eine engagierte Musikstudentin in Mississippi die auf der Suche nach einem Künstler ist, von dem es nur Demobänder mit grandiosem Klang gibt. Dieser Musiker war mit dieser Gitarre abgebildet worden, was zu weiterer Recherche führt. Am Schluß gibt es diese Gitarre .....

Das Buch ist für Blues Gitarren Fans ideal. Die Ich-person spielt Gitarre, fachsimpelt über alte und neue Gitarren, erzählt von Riffs, von Übergängen innerhalb von Songs, und von wunderbaren Gitarrenspielerlebnissen. 

Inhaltlich geht es um die "Gibson Moderne", eine Gitarre, die 1957 als Prototyp entstand, damals aber nicht in die Produktion übernommen wurde, aber zu grandiosem Klang inspirierte.
Faszinierend war für mich die Recherche nach dem Musiker "Li Grand Zombi Robertson", den es so nicht wirklich gab, aber mit seinem Lebenslauf und als seinen Klang suchende Persönlichkeit eine grandiose Komposition ist.

In Summe ein spannender Roman. Viel Spaß beim Lesen !

Grégoire Hervier wurde 1977 in Villeneuve-Saint-Georges im Département Val-de-Marne geboren. Sein erster Roman "Scream Test" erschien 2006, 2009 erschien "Zen City". 2020 erschien "Dark was the night" 

Sonntag, 14. November 2021

Kaspar Panizza : "Glückskatz"

Kaspar Panizza :
"Glückskatz" - Frau Merkel und der Racheengel
2019, Gmeiner Verlag
276 Seiten
ISBN 978-3-8392-2408-3 

Band drei mit der besserwissenden Katze Frau Merkel und ihrem "Personal", dem Kommissar Steinböck, die diesmal den Mord an einem ekelhaften Menschen lösen müssen. Steinbeck recherchiert bei unlauteren Methoden Inkassobeträge für angebliche Programmdownloads aus dem Internet einzufordern. Es gibt Folgemorde, die zur Lösung des Falles führen, wobei der Tod einer jungen Frau sich als Ursache der Mord entschlüsselt.
Parallel löst Steinböck das Rätsel, warum ihm eine chinesische Grinsekatze zugeschickt wurde. Hier geht es um Kriminalität mit Chemotherapieprodukten.
Nebengeschichte sind junge Leute aus der Filmschule, die über Müll im Senegal berichtet habe, und verwandte Frauen aus Beschneidung retten und nach Deutschland bringen.

Aus der Truppe um Kommissar Steinböck gibt es weiterhin Ilona Hasleitner, die abgenommen hat, und damit einige Kollegen verwirrt. 

Der Roman ist rasch lesbar. Leider sind die Kommentare der Katze nicht mehr so humorvoll, wie in "Saukatz". Trotzdem viel Spaß beim Lesen.

Biographie des Autors bei "Saukatz" von 12 November 2016

Mittwoch, 10. November 2021

Michael Schnitzler : "Der Geiger und der Regenwald"

Michael Schnitzler :
"Der Geiger und der Regenwald" - Erinnerungen
Mitarbeit und Vorwort : Petra Hartlieb
2021, Amalthea Signum Verlag
250 Seiten (mit zahlreichen Abbildungen) + 2 Seiten Inhaltsverzeichnis + 3 Seiten Vorwort + 3 Seiten Prolog + 2 Seiten Epilog + 1 Seite Dank + 1 Seite Bildnachweis + 5 Seiten Namensregister
ISBN 978-3-99050-204-4

Michael Schnitzler, Musiker und Regenwald-Engagierter, hat seine Lebensgeschichte und einiges über seine Familie in engagierter und humorvoller Weise zusammengefaßt. In den ersten Kapiteln geht es um seine Großeltern, inklusive dem berühmten Großvater den er selbst nie kennengelernt hat, und wie sie es geschafft haben aus dem Nazi-Reich herausgekommen.
Er selbst kam erst in Amerika zur Welt, haßte Sport und begann früh Violine zu spielen.
Als Teenager zurück in Wien wurde er von Prof Samohyl unterrichtet, war Substitut bei den Wiener Philharmonikern, und seine berufliche Karriere begann. Er wurde rasch Konzertmeister bei den Wiener Symphonikern, mit denen er ein großes Repertoire aufbaute, und war Mitglied von Kammerensembles und kleineren Musikergruppen. Die "Schnurren" aus dem Musikerleben, in denen Situationen oder Menschen liebevoll bis trocken erzählt werden, sind zum Lesen sehr unterhaltend.
Der Autor erzählt viel über Bergsteigen in den USA, und Schweiz und - wie er sich in Costa Rica in den Regenwald verliebt. Zuerst kauft er ein Haus, dann beginnt das Engagement für diese Region, die Gründung des "Regenwald der Österreicher" und seine Verhandlungen für Hilfe. Die Erzählungen über nicht klappende Installationen, einbrechende Dächer, Regengüsse die Bäche in Sturzbäche verwandeln ziehen in den Bann.
Der Epilog bleibt zwiespältig in seiner postiven Einschätzung für die Zukunft der "klassischen" Musik, aber negativen für den Regenwald.

Der Stil ist leicht lesbar und unterhaltend, trotz der nicht einfachen Themen wie Flucht und Regenwald.

Die Seiten, in denen über die großen Dirigenten und Solisten in der klassischen Musikbranche erzählt werden, sind für Liebhaber der Branche unterhaltend bis weiterbildend; mit Sympathie wird nicht gegeizt.

Die gleiche Leidenschaft, die über viele Seiten für Kammermusik zu spüren ist, wird später dem Regenwald zuteil. Als Unterstützer des 'Regenwald der Österreicher' hat mich vorallem der Beginn dieser Idee fasziniert.

Berührend ist wie der Autor erzählt, daß seine Mutter in Amerika mit Krankenschwesterjob und Kammermusik glücklich, während sein Vater mit Studententheatern unterfordert war, und daß es in Wien umgekehrtwar das der Vater im Theater glücklich wurde, aber seine Mutter nicht mehr als Krankenschwester arbeitete und auch wenig von Musikmachen erzählt wurde.

In Summe ein interessantes Buch mit ernsten Themen aber auch humorvollen Absätzen. Viel Freude beim Lesen !

Mittwoch, 3. November 2021

Laetitia Colombani : "Der Zopf"

Laetitia Colombani :
"Der Zopf"
Roman
original "La Tresse"
2017, Editions Grasset & Fasquelle Paris
Aus dem Französischen von Claudia Marquardt
2018, Fischer // 2020, Fischer Taschenbibliothek
273 Seiten + 1 Seite Danksagung + 1 Seite Zitatnachweise
ISBN 978-3-52266-8

Die Geschichte dreier unterschiedlicher Frauen auf drei Kontinenten werden wie ein Zopf geflochten.
Strähne eins : Smita, eine Dalit (Unberührbare), erhofft in Indien ihrer Tochter das niedrige verachtete Leben als menschliche Toilettereinigerin zu ersparen, und möchte, daß sie lesen und schreiben lernt. Die anderen Kasten versagen dem Mädchen dieses Ziel auf brutale Weise. Smita kämpft weiter und reist mit ihrer Tochter in eine andere Region Indiens, wo sie auf Hilfe hofft.
Strähne zwei : Giuli, die von ihrem Vater das Perückenmachen gelernt hat, muß feststellen, daß die Firma ihrer Väter auf Sizilien verloren ist. Ein Freund hilft ihr zu eine anderen Strategie zu Haaren für Perücken zu kommen.
Strähne drei : Sarah, erfolgreiche Anwältin in Montreal, geschieden, drei Kinder, ist kurz vor ihrem hart erarbeiteten beruflichen Erfolg, als Krebs entdeckt wird. Ihr Verstecken der Termine fliegt auf, in der Kanzlei wird ihr der Boden unter den Füßen weggezogen. Sie rafft sich auf.

Der Zopf ist hier Bindeglied der Struktur als auch ganz konkret als es um Haarverlust in einem Tempel in Indien, Perückenmacherfabrik auf Sizilien und eine Perücke durch Chemotherapie geht.

Interessant sind die drei Hauptfrauengestalten, die sehr unterschiedlich gezeichnet sind. Eine Liebesgeschichte ist nur in Sizilien eingeflochten. Die Ziele der drei Frauen sind am Ende gleichgeblieben.

Mir ging der frauenfeindliche Hintergrund bei den Dalits und in der Gesellschaft Indiens am meisten unter die Haut. Wie in bitterarmen Gegenden mit Frauen von Beginn an respektlosest und direkt ans Überleben gehend umgegangen wird, läßt beim Lesen schaudern. Die Toiletten der höheren Kasten zu reinigen ist notwendig, aber ungeachtet und wird selten durch etwas Essen entlohnt. Auch Rattenfänger sind wichtig, aber ungeachtet; die Ratte darf mitgenommen und gegessen werden.

In Summe ein dichter Roman mit drei Frauenfiguren, die nicht aufgeben, sondern weiterkämpfen. Viel Freude beim Lesen !

Lætitia Colombani wurde 1976 in Bordeaux geboren. Sie ist Schauspielerin, Regisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin. "La tresse" ist der erste von ihr veröffentlichte Roman. Auf franzöisch gibt es derzeit drei weitere Romane zu Lesen.

Samstag, 23. Oktober 2021

Jean-Yves Ferri + Didier Conrad: "Asterix und der Greif" (Asterix Band 39 )

Jean-Yves Ferri + Didier Conrad: "Asterix und der Greif" (Asterix Band 39 )
original "Astérix et le Griffon"
2021, Editions Albert René
aus dem Französischen übersetzt von Klaus Jöken
2021, Egmont Comic Collection
46 Seiten
ISBN 978-3770424399
 
Cäsar möchte einen Greif, den er nur von einer Amphore kennt, als Unterhaltung für den Zirkus in Rom, und schickt einen Geographen mit Unterstützung in die Wüste. Parallel sind Asterix, Obelix, Idefix und Miraculix ebenfalls in diese Richtung unterwegs, weil der dortige Schamane Terrine um Hilfe gebeten hat. In der Wüste sind Amazonen mit sehr unterschiedlichen Temperamenten, Figuren und Haartrachten am Entscheiden und Kämpfen - die Namen der kampftüchtigen Frauen und haushaltenden Männern sind übrigens zum Zerbröseln. Nach einigen diplomatischen Zwischenfällen befreit sich eine bildschöne gefangene Amazone gemütlich selbst, der Schamane wird mithilfe von Idefix befreit. Am Schluß gibt es zwei Feten.

Die Zeichnungen habe mich sehr gut unterhalten, die Phantasietiere sind schön, das Pferd das Obelix trägt hat eine eigene Linien, Miraculix ist diesmal mehr verkühlt als zaubernd.

Idefix schließt Freundschaft mit Wölfen, die entzückend gezeichnet ist; den armen Obelix aber in seiner Sorge um Idefix einiges kosten.

In Summe habe ich mich sehr gut beim ersten Lesen und Ansehen unterhalten, und werde vermutlich viele Feinheiten beim zweiten Durchgang entdecken. Viel Spaß !

Biographien von Autor und Illustrator bei Band 35 (Asterix bei den Pikten).

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Peter May : "Die Katakomben von Paris"

Peter May :
"Die Katakomben von Paris" - Ein Fall für Enzo Mackay
original "Extraordinary People"
2006, Poisend Pen Press, Scottsdale AZ
Aus dem Englischen von Anke und Eberhard Kreutzer
2011, Rowohlt Taschenbuch Verlag
437 Seiten + 2 Seiten Danksagung
ISBN 978-3-499-25402-4

Den schottischen Forensiker Enzo Mackay hat die Liebe nach Frankreich gebracht, wofür seine Familie in Schottland zerbrochen war. Aufgrund einer Wette beginnt er nach dem Verbleib eines hochintelligenten Menschen oder deren Reste zu suchen, wobei ihm die Recherchen des Journalisten Raffin behilflich sind. In der Kirche, in die der letzte Kalendereintrag führt, findet er die erste Bestätigung seines Verdachtes. Später wird ihm von einem Koffer mit einem Schädel und fünf eigenartigen Utensilien erzählt. Enzo setzt diese fünf Elemente zu neuer Information zusammen - wobei er Hilfe durch das Wissen aus dem Internet hat. Nachdem ein zweiter Koffer mit weiteren Körperteilen und wieder einigen Utensilien gefunden wurde, wird ihm von der bildschönen berechnenden Justizministerin mitgeteilt, daß die weitere Recherche von Offiziellen übernommen wird. Quer durch Frankreich tauchen noch weitere Koffer mit Körperteilen und Hinweisen auf, es sterben noch einige Menschen gewaltsam, eine junge Frau verschwindet und es kommt zum Showdown in den Katakomben von Paris.

Enzo wird als großer Mann mit längeren Haaren, einer weißen Haarsträhne geschildert, der gerne trinkt, und mit Geld nicht umgehen kann. Er löst die Rätsel mit Leidenschaft, leider ist er bei seinen Damen, hier seine Töchter und auch bei Charlotte nicht ganz so erfolgreich. Der Journalist Raffin wird als gut aussehender, gut gekleideter Pariser Mann geschildert, der mit Coolness durch die Situationen geht. Tochter Sophie ist die Tochter seiner großen Liebe, die Enzo alleine aufgezogen hat, und die sich in einen nicht nur gut aussehenden Fitnesstrainer verliebt hat. Tochter Kirsty aus erster Ehe, ist spröder geschildert. Charlotte ist eine sehr gut aussehende Frau, Psychiaterin, Ex-freundin von Raffin, hilft Enzo einige zeitlang weiter.

Faszinierend ist der Hintergrund der Elite-Universität ENA, deren Ruf, deren Anspruch, das Wissen, daß dort alle Politiker und Wirtschaftstreibenden ausgebildet werden und später netzwerken werden. Enzo merkt an, daß es kein Wunder ist, daß die Politiker nicht mehr wissen, was das Volk möchte, wenn alle Politiker aller Parteien auf eine gemeinsame Elite-Universität gehen. 

Der Roman ist gut geschrieben. Auch wenn viel in der Gegend herumgefahren wird, sind die Ort vorstellbar, und auch die menschlichen Tragödien. Viel spaß beim Lesen !

Donnerstag, 30. September 2021

Roland Freisitzer : "Frey"

Roland Freisitzer :
"Frey"
Roman
2021, Septime Verlag
251 Seiten + 1 Seite Porträt + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-99120-005-5

Daniel Frey, frustriert in seinem Job in einem Verlag, streitet mit seiner Frau, haut aus der Wohnung ab, hat einen kleinen Verkehrsunfall, fährt zum Flughafen und fliegt mit dem ersten Flugzeug - und das ist nach Tokyo. Im Flugzeug plaudert er mit seinem Sitznachbarn Daniel Bernhaugen, der mit seiner japanischen Frau in Nagasaki eine wunderbare Buchhandlung hat - und bucht weiter. Im Anflug auf diese Nachbarinsel kommt es zu einem Flugzeugunfall, aus dem D Frey als D Bernhaugen erwacht, was er immer wieder hinterfragt, aber dann auch zu akzeptieren bereit ist, denn seine quasi Frau ist wunderschön, seine quasi Angestellte für ihn hochinteressant und anregend. In einem Kaffeehaus lernt er den aggressiven Amerikaner Charles kennen, der erzählt, daß er der Enkel des Piloten sei, der die zweite Atombombe - die auf Nagasaki - fallen gelassen habe. Dann nimmt der Roman an Geschwindigkeit auf, denn Charles wird angeblich ermordet, er wäre der Mörder, ein Schwert verschwindet, der vertrauensvolle Arzt weiß merkwürdig viel Bescheid, einige japanische Mafia-gruppen jagen ihn, Charles und die Angestellte, plötzlich könnte D Bernhaugen auftauchen ..... bis der Roman ein plötzliche Wendung macht.

Ort des Buches sind Wien (sehr erkennbar), und Nagasaki (keine Ahnung ob erkennbar oder nicht). Das Museum, das sich den Auswirkungen der 'fat boy' widmet wird detailreich und zugleich spannend beschrieben. Die Buchhandlung dort sei fiktiv, aber trotzdem gut vorstellbar.

Daniel Frey ist um die 40, lebt sein Leben vor sich hin, bis er durch die zuerst Kommunikationslosigkeit, dann lauten Streit mit seiner langjährigen Frau alles in Frage stellt. Er ist die zentrale Figur, durch die sich alles entwickelt. Er ist aktiv, und sei es bei einer halsbrecherischen Autofahrt, oder als er versucht gegen die Mafiagruppen mit seinen Mitmenschen zu überleben.
Greifbar ist auch die Angestellte Yuki, die zwar nicht hübsch ist, aber Ausstrahlung und Netzwerk hat. Charles ist als Amerikaner ein Gemisch aus Elephant im Porzellanladen, aber dann mit positiver Energie dabei. 
Der Arzt ist freundlich-zurückhaltend-positiv-hilfreich, aber ob er wirklich der ist, bleibt zwischen den Zeilen stecken.

Der Roman ist teilweise grandios geschrieben, die Beschreibungen ziehen in den Bann, die Unsicherheiten  von D Frey nachvollziehbar, die 6-szenen brauche ich nicht.

In Summe ein empfehlenswerter Roman. Viel Freude beim Lesen !

Samstag, 25. September 2021

Donna Leon : "In Sachen Signora Brunetti"

Donna Leon :
"In Sachen Signora Brunetti" - der achte Fall
original "Fatal Remedies"
1980,
Aus dem Amerikanischen von Monika Elwenspoek
2000, Diogenes
    Seiten
ISBN 3-257-06262-1

Paola Brunetti schlägt wiederholt Fensterscheibe eines Reisebüros ein, weil dieses Reisen in Länder mit Kinderprostitution vermittelt. Kommissarin Guido Brunetti wird aufgefordert zu helfen, hält sich aber aus allem zurück, weil er das für die Entscheidung seiner Frau hält. Als ein Unternehmer ermordet wird, wird zuerst ein Zusammenhang mit den Reisen vermutet. Wie aus dem englischen Titel des Buches zu lesen ist, geht es aber um Medikamentenhandel und Herstellung von Produkten, deren Zusammensetzung keine Medikamente und deren Komponenten tödlich sind. Am Schluß hilft die Eifersucht einer Frau den Beweis für den Mord an dem Unternehmer zu beweisen.

Bei den Abschnitten in denen über den Handel mit abgelaufenen Medikamenten, der vor allem an Organisationen, die den besonders Armen der Welt helfen wollen, geht und dann die Steigerung in lebensnotwendige Medikamente Frostschutzmittel zu geben, das getrunken tödlich ist, wurde mir beim Lesen fast schlecht.

Damals wie heute hat Elletra ihre genialen Giftfinger bei der Datenrecherche, Patta versucht den Prominenten ihre Launen zu erfüllen, nur die Kinder von Paola und Guido gehen noch in die Schule und sind noch unkritisch. Es gibt noch Lire, kein telefonino, und die Technik der 80-er einfach anders.

Inhaltlich ist der Krimi interessant vor allem mit der zweiten Thematik der Kinderprostitution in anderen Ländern, und daß es fast nicht möglich ist den Konsumenten hier einen Riegel vorzuschieben.

Ich hatte überraschend Probleme beim Lesen, weil mich diesmal die Sprache nicht wie gewohnt in den Bann gezogen hat. Entweder hat die Autorin damals anders geschrieben, oder die Übersetzung ist nicht wirklich gelungen.

Wie auch immer - Viel spaß beim Lesen !

Montag, 20. September 2021

Dani Scarpa : "Mord in Parma"

Dani Scarpa :
"Mord in Parma" - Paolo Ritter ermittelt
2020, Rowohlt Taschenbuch Verlag
345 Seiten + 2 Seiten Rezept Lucias Maltagliati / Stadtplan von Parma in Innencover
ISBN 978-3-499-00242-7

Paolo Ritter, Ermittler, wird aus Deutschland mit einem Raubkunst Gemälde nach Parma geschickt. Bei der großen Enthüllung des Denkmals lernt er einige wichtige Menschen kennen, von denen prompt einer an Abend darauf tot aufgefunden wird. Paolo vermutet Mord, die italienische Polizei Tod durch Medikament. Er macht sich auf die Suche nach dem Original des Gemäldes, denn kurz nach der Präsentation ist dieses gegen eine ausgezeichnete Fälschung ausgetauscht worden. Hilfe ist ihm bei der Recherche, die ehemalige Mitarbeiterin seines verstorbenen Bruders bei seinem Hotel-Ristorante an der Küste, Lucia; sie weckt nicht nur seine schönen Erinnerungen an Italien aus der Kindheit, sondern bringt ihm bei wieder menschlich bei den Befragungen vorzugehen, was den Durchbruch bringt. Am Schluß ist das original Gemälde zurück, und einige Beziehungen geklärt.

Parallel zum Krimistrang wird Paolo, der fast authistisch agiert, mit seinen Kindheitserinnerungen konfrontiert. Ihn hatten seine Eltern in ihrer Liebe für Italien mit einem italienischen Namen versehen. Sein verstorbener Bruder erscheint ihm immer wieder um mit ihm zu reden. In der Stadt an der Küste begegnen ihm durch Lucia Warmherzigkeit und Fröhlichkeit, die seine Pedanterie aufweichen. 
Seine Beziehung zu einer erfolgreichen blonden Frau wird der lebhaften, warmherzigen, temperamentvollen Italienerin gegenübergestellt. Die Sympathie des Autors ist klar.

Die weiteren Personen sind unterschiedlich: es gibt einen engagierten, aber deutsche nicht mögenden Kommissar, einen engagierten Kurator der die Kunstwerke leidenschaftlich liebt, einen aalglatten aufstrebenden Politiker, einen eigenartigen Kunstsammler, freundliche Nachbarn.

Orte der Handlung sind München, Parma und die Küstenstadt. Es ist Sommer und allen ist heiß.

Die Absätze über Kunstfälschung sind sehr interessant und lehrreich.

Der Roman ist gut geschrieben, die Personen gut vorstellbar. Viel Spaß beim Lesen !

Freitag, 17. September 2021

Yann Sola : "Tödlicher Tramontane"

Yann Sola :
"Tödlicher Tramontane" - ein Südfrankreich Krimi
2016, Kiepenhauer &Witsch
346 Seiten
ISBN 978-3-462-04868-1

Perez, rundlicher Gastronom mit Hang zum Detektiv, geht an der Cote Vermeille den Gerüchten um eine exorbitanten Hafenerweiterung und der Explosion eines Schiffes nach. Noch engagierter ist er, als eine sehr gute Freundin von ihm bedroht wird, und verschwindet. Bei der Suche nach Unterlagen zu den Gerüchten über Hafenerweiterung, die alles charismatische der Gegend kosten würde, tappt er zuerst ein Falle, später sucht er sich Hilfe bei einem einflußreichen Mann mit Bodygard. Am Schluß wird eine alte Rechnung mit einem zutiefst unsympathischen Menschen beglichen, einige größenwahnsinnige Menschen verhaftet und ein wirklich reicher Mann stellt sicher, daß der Charme des Ortes und seine Umgebung gewahrt bleibt.
Parallel gibt es viel über das excellente Essen und Trinken der Gastro um Perez zu lesen. Alle Zutaten sind vom Feinsten, oft über Schleichwege aus dem benachbarten Spanien gebracht. Sein Anspruch an Weintrinker, daß diese gewissen "Trinkintelligenz" mitbringen sollten, denn Wein schmeckt nun mal unterschiedlich je nach Jahrgang, hat mich gut unterhalten.

Die Geschichte spielt zur Zeit des Tramontane / Tramontana, einem Wind der an den Nerven zerrt und und alle unruhig macht. Alles Schlechte und Unangenehme wird sofort auf die Launen dieses Windes geschoben. Ort der Handlung ist meist Banyuls sur Mer, und die Berge dahinter.

Das Projekt mit dem rücksichtslos Natur gesprengt, und willkürlich ergänzt werden soll, wobei nur einige wenige profitieren und den großen Gewinn teilen wollen, ist erschreckend.

Interessant ist, daß dieser Teil Südfrankreichs Nord-Katalonien ist. Sprachfetzen in dem Buch sind katalonisch. Hier möchte ich geschichtliches Nachlesen

Dieser Roman ist mit viel Schwung geschrieben und macht Spaß zu lesen, und brachte mich oft zum Kichern. Viel Freude beim Lesen !

Yann Sola ist das Pseudonym des Romanautors Werner Köhler. Er lebt und arbeitet in Deutschland und an der Côte Vermeille, im äußersten Südwesten Frankreichs, in unmittelbarer Nähe zur spanischen Grenze.

Samstag, 11. September 2021

Philip Gwynne Jones : "Venezianische Vergeltung"

Philip Gwynne Jones :
"Venezianische Vergeltung"
original "Vengeace in Venice"
2018, Constable/Little London
Aus dem Englischen von Birgit Salzmann
2021, Rowohlt Taschenbuch Verlag
355 Seiten + 3 Seiten Glossar
ISBN 978-3-499-17660-6

Nathan Sutherland lebt als - unbezahlter - Honorarkonsul in Venedig, und macht Übersetzungen ins englische für die Biennale. Kunstinteressiert und Vernissagen schätzend ist er auch dieses Jahr bei der Eröffnung des Britischen Pavillons anwesend, als ein bekannter, für seine Verrisse bekannter Kritiker in die spitze Glasinstallation stürzt. Nathan sieht sich verpflichtet dem britischen Pavillon und dem schüchternen Künstler zu helfen, arbeitet mit der Polizeit zusanmmen, legt sich mit einem schmierigen Journalisten an, verletzt sich in einem Bereich der Biennale und kann mit Hilfe seines Katers Gramsci und seiner Freundin Frederica gerade noch sein Ende abwenden.

Dieser zweiter Band mit Nat Sutherland ist für Genießer des Charmes Venedig und der alle zwei Jahre stattfindenden Kunstbiennale wie mich ein Genuß. Es macht Freude den Straßerln, Vaporetto-linien und Kirchenbesuchen in Venedig zu folgen, sowie die Beschreibungen der Kunstpavillons zu lesen.

Nathan selber wohnt in einer Wohnung mitten in Venedig, seine Freundin wohnt am Lido. Er wohnt mit seinem grantigen, sportsüchtigen Kater Gramsci zusammen, kocht gut, und ist ohne Kaffee nicht ansprechbar. Seine Freundin Frederica / Fede ist Kunsthistorikerin, und arbeitet gerade in einer der schönsten Kirchen Venedigs. Freund Dario hilft ihm am Schluß des Romans zur Lösung des Falles, auch wenn es brenzlig wird.

Im Glossar sind italienische und venezianische Redewendungen und Worte abgedruckt, die Freude machen nachzulesen.

Der Kriminalroman ist sehr gut geschrieben, und hat mir Freude gemacht ihn zu lesen. Mitraten des Who-dunnit ist möglich. Viel Freude beim Lesen !

Sonntag, 29. August 2021

Goscinny, Uderzo, Molden : "Es Brojeggd" - Asterix redt Wienerisch 5

"Es Brojeggd"  - Asterix redt Wienerisch 5
Gschichtl : René Goscinny
Büdln : Albert Uderzo
original "Le Domaine des Dieux" / "Die Trabantenstadt" (15. Band)
1971/1999, Hachette Livre
aus dem Französischen übersetzt von Gudrun Penndorf M.A.
Iwadrogn von Ernst Molden
2020, Egmont Berlin
44 Seiten + 1 Seite "klaans Glossarium"
ISBN 978-3-7704-4014-6

'Die Trabantenstadt' hat es ins Wienerische geschafft, und wurde zur "Großfeldsiedlung". Liebevoll bis bösartig hat Ernst Molden bei der fünfte Geschichte um das gallische "Deafö"/Uatschaft" - diesmal mit dem ehrgeizigen Architekten Quadratus - die Dialoge ins Wienerische übertragen.

Idefix wird Rattla genannt, die römischen Soldaten versuchen sich mit einem Gschnaasfestl herauszureden, und die Gallier versuchen es wieder mit Geschäftstüchtigkeit.

Viel Spaß und Auflachen beim Lesen !

Biographien bei "Köölch uman Asterix" - Asterix redt Wienerisch.(13. Nov 2018)

Samstag, 21. August 2021

Ines Eberl : "Blunzengröstel"

Ines Eberl :
"Blunzengröstel" - kulinarischer Alpenkrimi
2015, Emons Verlag
200 Seiten Roman inklusive Kochrezepte + 1 Seite Nachwort
ISBN 978-3-95451-547-9

Mark Vanlathen, ehemaliger Koch und jetzt Autor von Kochbüchern, fährt von der Nordsee nach Altausee um einen alten Freund und Koch zu besuchen; findet dort nur seine Witwe Olga, deren Sohn und eine junge Frau Melusine vor, sie sich als Tochter des Hauses entpuppt. Mark hört verschiedene Geschichten wie Anton um gekommen sein soll, fragt nach, hört daß das Haus sollte als Restaurant und Hotel umgebaut werden sollte, trifft einen ehemaligen Kollegen der ein sehr gutes Restaurant führt und kennt sich nicht mehr aus ob ihm die rothaarige bildhübsche Witwe nicht mehr als ihm gut tut gefällt. Ein Versicherungsmakler kommt ums Leben, Mark verletzt sich und verträgt Medikamente nicht und Mark entdeckt ein eigenartiges Video. Im  Showdown kann Mark sein Leben retten, und ein geübter Mörder wird gestellt.

Ort der Handlung sind großteils Altausee, eine alte Villa, ein See, ein klappriger Seezugang, und ein exzellentes Restaurant.

Die Geschichte ist aus Sicht von Mark in Ich.sicht erzählt - und am Ende jeden Kapitels wird ein Rezept erzählt, das manchmal sehr einfach nachzukochen ist, manchmal auch komplizierter.
Mark ist großteils des Buches von der Witwe und deren Lächeln faszininiert, und von deren rundlichen, handfesten Stieftochter abgestossen. Sein ehemaliger Koch-Kollege wird etwas schmierig beschrieben.

Der Roman ist durchaus spannend, aber es stellte sich bei mir kein gemütliches Krimilesegefühl ein, was sowohl an der Beschreibung sehr eigenartigen Essens liegt als auch daß ich mit den Personen nicht warm wurde. Mitraten des Who-dunnit ist möglich.

Freitag, 13. August 2021

Alexander McCall Smith : "Übles Spiel mit Mma Ramotswe"

Alexander McCall Smith :
"Übles Spiel mit Mma Ramotswe"
original "Tea Time for the Traditionally Built"
2009, Little Brown London
aus dem Englischen von Verena Kilchlin
2013, Wilhelm Heyne Verlag
295 Seiten
ISBN 978-3453265707

Die gemütliche Mma Precious Ramotswe ist die Chefin der "No 1 Ladies Detective Agency" gemeinsam mit ihrer zur Präzision neigenden Assistentin Mma Grace Makutsi.
Sie werden von dem neuen Besitzer einer Fußballmannschaft zu Rate gezogen, da seine Mannschaft alle Spiele verliert und er einen Verräter vermutet.
Parallel befürchtet Grace um die Zuneigung ihres Verlobten, einen gut situierten Möbelhausbesitzer, an den sich ihre Intimfeindin die schöne Violet heranmacht.
Die dritte Handlungsebene ist
Mma Precious Ramotswe gewidmet, die mit dem wunderbaren Mechaniker
Mr J. L. B. Matekoni verheiratet ist, der es aber unter seinem Stolz sieht, daß seine Frau in einem kleinen klapprigen sehr kaputten Lastwagen durch die Gegend tuckert und nicht merkt daß seine Frau sehr an diesem kleinen Gefährt hängt. Auch der geschicktere der beiden Mechanikergesellen kann hier nicht viel helfen.
Am Schluß ist die überraschend einfache Lösung für die Fußballmannschaft gefunden.

Der Originaltitel bezieht sich auf die üppige Form der Detektivin, die in der deutschen Übersetzung als 'traditionell gebaut' zu lesen ist, und der sich auch der Sitz des Lieferwagens anpassen muß.

Der Stil ist langsam, bei den Gesprächen läßt sich fast jeder Zeit. Platz ist auch für Überlegungen wie Menschen miteinander umgehen und umgehen sollten, damit es ihnen und der Gesellschaft gut geht. Überallem steht der Respekt für Botswana und daß es ein gutes Land zum Leben ist, egal ob Stadt oder Land.

In Summe ein Kriminalroman der weniger Krimi ist (es gibt keine Leiche oder Mord), sondern mehr Detektivgeschichte, die in eine andere Welt einlädt. Viel Spaß beim Lesen !

Alexander McCall Smith wurde am 24. August 1948 in Bulawayo (in Simbabwe) geboren. Er studierte in Simbabwe und Edinburgh Rechtswissenschaften. Er baute in Botswana einen neuen Studienzweig auf. 1999 erschien der erste Kriminalroman mit der "No 1 Ladies Detective Agency" . 2020 erschien der bislang 21. Kriminalroman der "No 1 Ladies Detective Agency"  mit dem Titel "How to Raise an Elephant".

Freitag, 6. August 2021

Marc Elsberg : "Zero"

Marc Elsberg :
"Zero" - Sie wissen, was du tust
Roman
2014, Blanvalet Verlag München + Lesebändchen
463 Seiten + 1 Seite Anmerkung + 4 Seiten Glossar + 1 Seite Figurenverzeichnis + 2 Seiten Nachwort und Dank
ISBN 978-3-7645-0492-2 
 
Daten sammeln und Menschen lenken könnte das große Geschäft werden. Eine Gruppe von Menschen verfolgt diesen Plan und schafft es Menschen mit Action Apps zu anderem Benehmen zu verleiten. Eine andere Gruppe - "Zero" - ist gegen Überwachung der Daten von einigen (sondern wenn dann für alle verfügbar), möchte daß Datenkraken zerschlagen werden und scheut nicht davor zurück den Präsidenten der Vereinigten Staaten mit Filmchen bloß zu stellen. Dazwischen wird die Journalistin Cyn(thia) beschrieben, die als Mutter einer technik-affinen Teenagerin, mühsam den Kontakt mit der Technik und ihren Job in London behält. Das Blatt dreht sich als ein Freund der Tochter bei dem Einsatz einer Datenbrille, zu Tode kommt, und sich alle Medien (von print bis zu bloggs etc) auf Tochter und Mutter stürzt.
Ein weiterer Freund der Tochter recherchiert Nebeneffekte der Action apps, die Mutter reist nach Wien später New York, und in mehrere Fluchten verwickelt; geheime Besprechungen finden statt, Videozuspielungen von "Zero" kommentieren, lenken und helfen.

Der Roman ist sehr spannend geschrieben. Das Aufeinanderprallen der Freidenkenden kritischen Computergruppe gegen die anderen Computergruppen, die entweder machtpolitisch oder wirtschaftlich agieren, ist mit Energie geschildert. Die Flucht Cynthias durch Wien und später das Kanalsystem, und dann auch in New York durch das metro-system haben mich an berühmte Stellen aus Filmen erinnert.

Eine kleine Romanze zwischen Cynthia und einem attraktiven jüngeren Computertechniker lebt auf; sie ist für mich der Teil der am wenigsten empathisch beschrieben ist.

Die Zahl der Menschen die an den Machthebeln sitzen und keinerlei Rücksicht auf die Vielzahl der Menschen nehmen, sind zahlreich und erschreckend. einige nennen die Wichtigkeit des Präsidenten als Grund, andere nur Macht, andere Geld, einige sind zu krank für Mitgefühl, und bei erschreckend vielen ist komplett übersteigertes Selbstwertgefühl und Wichtigkeit skizziert.

Als Lösung für das Datensammeln einige  Firmen, die ihre Daten zu ihrem  Eigennutz benützen wollen, wird eine open source Technologie angeboten, bei der ich mich frage wiewenige Menschen damit umgehen können, um hier eine echte Lösung gegen Datenkraken anzubieten.

In summe jedoch ein sehr spannender Roman, der auch etwas Generationenkonflikt zwischen technik-affinien Teenagern und deren Elterngeneration, die nicht ganz so firm ist, inkludiert. Viel Freude beim Lesen !

Dienstag, 13. Juli 2021

Kerry Greenwood : "Tod am Strand"

Kerry Greenwood :
"Tod am Strand" - Miss Fischers Mysteriöse Mordfälle (Band 1)
original "Queen of the Flowers"
2004, Allen & Unwin
aus dem australischen Englisch von Regina Rawlinson
2019, Insel Verlag
   Seiten
ISBN 978-3-458-36405-4

Phyrne Fischer - schön, reich, sexy, unkonventionell, angstlos, bewandert in Konversation, - lebt in einer Vorort Melbournes in der Zwischenkriegszeit. Dort wird ihr Leben mit zwei Adoptivtöchtern, vertrauter, aktuellem verheirateteen Liebhaber sogar von betulichen Gesellschaftsdamen akzeptiert, da sie sehr charmant ist. Als ein ausgewähltes Mädchen, das für den Blumencorso ausgewählt wurde, verschwindet macht sie sich auf die Suche. Die besucht deren gewissenlose ausnützerische Familie, den Chef eines Bordell-clubs, alte Zirkusfreunde, eine Orchideenausstellung um am Schluß das Mädchen in Richtung besseres Leben zu bringen.

Sie selbst ist als schlanken Frau mit grünen Augen geschildert, die durchtrainiert ist, aber genau weiß wie sie mit sich umgehen muß. Ihr aktueller Lieberhaber Lin ist verheiratet, seine Frau weiß Bescheid; er steht ihr bei manchen Aktionen bei. Dessen Diener ist ebenso hilfreich, da er Phrynes Zielgerichtetheit bewundert und wie sie mit den Elementen in Einklang steht. Die Stieftöchter sind sehr unterschiedlich im Temperament, was nicht einfach zu führen ist. Auch die charaktäre der anderen Blumenmädchen sind fast mit Genuß unterschiedlich von lieblich bis bösartig geschildert.

Der Krimi ist sehr unterhaltsam. ich habe öfters gelacht. Viel Spaß beim Lesen !

Sonntag, 11. Juli 2021

Friedrich Dönhoff : "Der englische Tänzer"

Friedrich Dönhoff :
"Der englische Tänzer" - ein Fall für Sebastian Fink
2010, Diogenes Verlag
288 Seiten
ISBN 978-3-257-24018-4

Bei den Vorbereitungen zu einem neuen Musical in Hamburg wird eine Leiche gemeldet, die verschwunden ist, als die Polizei erscheint. Die Premiere und Feier danach werden ein voller Erfolg; Kommissar Sebastian Fink ist dorthin eingeladen und sieht wie die die Menschen die für den Erfolg verantwortlich sind miteinander umgehen. Er kommt mit Linda Berick - sie hat das Musical zusammengestellt und damit ihre Jugenderinnerungen verarbeitet - ins Gespräch, da sie halbe Deutsche ist. Nach einer von Sebastian durchtanzten Nacht (Techno) wird der wichtigste und auch charismatische englische Haupttänzer, Max-Andreas, des Musicals tot aufgefunden - erstickt. Sebastian und sein Polizeipartner Jens arbeiten sich in die Musicalszene und deren Hintergründe ein, lernen über Strukturen im Musicalbetrieb wer eigentlich den meisten Gewinn erhält und die meiste Macht hat. Es gibt dann eine Leiche, die wie die erste verschwundene trapiert ist, und Sebastian löst beide Morde.

Ort der Handlung ist Hamburg, mit einem kleinen Abstecher nach London; Zeitpunkt Winter.

Sebastian Fink ist Mitte Dreißig, single, und lebt mit einer alten Freundin und deren Kind, nachdem deren Ehe zerbrochen ist, zusammen. Für das Kind ist er mittlerweile zu einer Art Ersatzvater geworden. Er läßt sich bei der Recherche auf die Stimmung an der Mordszene ein
Polizeipartner Jens ist verläßlich.
Linda Berick ist eine dickliche nicht schöne Frau, die versucht mit dem späten durch das Musical gewonnene Geld ihre Zuneigung zu zeigen. Sie hat sich eine Machtposition für ihr Musical geschaffen, das es anderen schwer macht wie üblich zu agieren.
Max-Andreas ist eine wunderbare Erstbesetzung für die Hauptrolle - attraktiv, mit Ausstrahlung.
Olga ist die weibliche Hauptrolle. Duncan Preston, ist die Hauptrolle in London, und hat eine behinderte Tochter, die im Rollstuhl sitzt, und alles mitkriegt. Es gibt noch Musicalproduzenten in London, und Theatermacher in Hamburg mit allen Beleuchtern, Souffleuren-Souffleusen, bis Maskenbildnern.

Der Kriminalroman ist flüssig geschrieben, und die Szenerie ist gut vorstellbar. In Summe ein sehr empfehlenswerter Krimi. Viel Spaß beim Lesen.

Freitag, 9. Juli 2021

Günter Pfeiffer : "Hawelka & Schierhuber laufen heiß"

Günter Pfeiffer :
"Hawelka & Schierhuber laufen heiß" - ein Waldviertel Mordbuben-Krimi
2015, Haymon Taschenbuch
265 Seiten + 1 Seite Nachbemerkung + 3 Seiten Glossar und Anmerkungen
ISBN 978-3-7099-7803-0

In einem winzigen Ort im Waldviertel ist ein Mann eigentümlich verstorben, worauf aus Wien zwei Mitarbeiter, einer kommt aus dem Waldviertel, zu Lösung geschickt werden. Es wird viel Alkohol getrunken und geredet, bis sich langsam und sehr mühsam eine sehr sehr alte Geschichte und Erbwunsch sichtbar werden.

Es gibt viele und sehr unterschiedliche Menschen in diesem Kriminalroman.
Am unterhaltsamsten finde ich die vier-Frauen-Recherche&Organisier-Gruppe der Polizei in Wien : eine strenge, humorvolle, gewitzte Vorgesetzte; eine unschöne die blitzschnell arbeitet; eine bildschöne die mit Lächeln alles herausbekommt und eine die kombiniert gewitzt und blitzschnell arbeitetet.
Der Vorgesetzte von Hawelka und Schierhuber liebt es seine Position und Macht auszuüben, schreit seitenweise durchs Telephon und wurde von mir nur quer gelesen, weil er mich nervte.
Die Menschen vor Ort sind eingespielt aufeinander, und lassen (fast) niemanden in ihr Leben; Bürgermeister, Gastwirt, Großgrundbesitzer werden beschrieben wenn sie allabendlich trinken, und Karten spielen.

Obwohl ich das Waldviertel sehr mag, bin ich mit diesem Krimi nicht wirklich warm geworden. Vielleicht geht es anderen Lesern & Leserinnen hier besser, viel Spaß !

Mittwoch, 7. Juli 2021

Beate Ferchländer : "Das Zimtschneckenfiasko"

Beate Ferchländer :
"Das Zimtschneckenfiasko"
2017, Emons Verlag
311 Seiten + 2 Seiten Danksagung
ISBN 978-3-7408-0172-4

Minerva, genannt Minnerl, unterrichtet mit Leidenschaft, bezaubert mit dem Oma Rezept der Zimtschnecken, lebt gesund und ökologisch und ist mit ebenfalls Lehrer Wolfram verheiratet. einziges Problem: sie will Kriminalautorin werden. Zweites Problem : eine ungute machtlüsterne Inspektorin soll die Schule bewerten und schafft Probleme. Mitte des Buches ist die Inspektorin ein Leiche, ihr Hund kläfft, und Minnerl hat alle Hände voll zu tun mit einem Call Boy, Videoaufnahmen der Inspektorin, und Probleme mit Überwachungstechnik. Mit Hilfe kann sie am Ende das Chaos so glätten, daß fast keine Nachteile für die Überlebenden sind, und sie ein neues Leben hat.

Die Kapitel sind bis Mitte des Buches nicht chronologisch, sondern bauen die Geschichte auf. Dazwischen sind in kursiv immer wieder einige Absätze mit immer kruder werdenden Gedanken abgedruckt.

Die Personen der Handlung und Seitenstränge sind mit Humor geschildert, wobei Autorin bei den Schilderungen der Lehrer und der Struktur der Lehrerschaft auf dem vollen zu schöpfen scheint. Es gibt die sexy junge Lehrerin mit kurzem Rock, und viel Humor; es gibt die bodenständige Freundin die bei Schülern und Kollegin wegen ihrer wenigen Probleme viele Freunde hat; es gibt die hochkorrekte aber dumme und humorlose Lehrerin die nicht merkt wenn sie auf der Schaufel ist; es gibt den braven biederen Lehrer, der keinerlei Rückgrat oder Werte hat; es gibt den netten freundlichen Lehrer der weil er EDV unterrichtet bei den Schülern beliebt ist; der Schuldirektor hat wenig Rückrat.
Zusätzlich gibt es noch besserwissende Schwiegereltern und einen knackigen Mann, der sich als hilfreich entpuppt.
Minnerl ist eine dünne Frau, die sehr auf Bio und gesund achtet, und vegane Schuhe trägt; eine Schiene die mich beim Lesen etwas nervt. 

Ort der Handlung ist das Weinviertel mit kleinem Ausflug nach Wien. 

Die Situationen sind am Anfang immer wieder sehr humorvoll, und leben von der Situationskomik die im Kopf abläuft. Gegen Ende wird es dann ziemlich skurril, obwohl der Grund des Mordes in sehr unguten Machtspielen und dem Loswerden eines ungewünschten Kindes liegen.

In Summe ein sehr unterhaltsamer Roman, bei dem ich immer wieder sehr Lachen konnte.

Mittwoch, 30. Juni 2021

Magne Hovden : "Die Kunst, einen Elefanten zum Tanzen zu bringen"

 Magne Hovden :
"Die Kunst, einen Elefanten zum Tanzen zu bringen"
Roman
original "Cirkus"
2019, Cappelen Damm Oslo
aus dem Norwegischen von Frank Zuber
2020, Knaur Verlag
295 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-426-22714-5

Lise Gundersen, die seit einigen Jahren einem toughen Geschäftsmann zu Seite steht, Firmen aufzukaufen und viele Menschen durch Merger zu entlassen, erbt von dem unbekannten Bruder ihres Vaters einen Zirkus; sie erbt nur wenn sie einige Zeit mit dem Zirkus lebt und fünf Vorstellungen - inklusive daß Elephantendame Lucille tanzt - durchhält.
In der Zirkus gibt es Fillipp - einen Clown -, Tatjana - eine Trapezkünstlerin -, Miranda - mit trainierten Kaninchen -, Schwertschlucker und einen tanzenden Elephanten. Onkel Hilmar hatte eine Freundin im Zirkus, die warmherzige Diana, die als einzige versucht zwischen der wirtschaftsorientierten Lise und dem zerfledderten Zauber des Zirkus zu vermitteln.
Lises Chef Borge hat als Käufer des Zirkus einen Künstler, der bereit ist die Mindestsumme zu zahlen, zum Zirkus eingeladen. Das Ende ist ziemlich überraschend.

Die Beschreibungen sind entweder cooles Stadt-ambiente in gestyltem Mobiliar oder wie der Zirkus durch ländliche Gegend fährt, nette Dörfer mit Fluß, oder sonst abgelegene Gegenden. 

Lise ist die Hauptperson, die entweder für menschliches Miteinander und Mitgefühl oder genau das andere Extrem nämlich Mitarbeiter in Arbeitslosigkeit bringen pendelt. Ihr abendliches bei der Elephantendame Lucille sitzen und reden, bringt sie durcheinander.
Borge, ihr Chef, von dem sie das Handwerk des Mergens und Kündigens gelernt hat, ist der kühle, gefühllose Punkt in diesem Märchen.
Die Artisten und Acrobaten im Zirkus bilden das menschliche Sammelsurium mit heimlicher Liebe, enttäuschte Liebe, verletzte Liebe, und später dann etwas Hoffnung in Liebe.
Der Künstler der sich für den Zirkus interessiert ist als ziemlich bizarre Figur gezeichnet.

Im Hintergrund wird die Geschichte von Vater und Onkel Ilses erzählt, und in kurzen Kapiteln in Briefen Onkel Hilmars erste Eindrücke Ilse übermittelt.

Der Roman ist liebevoll geschrieben, und macht Hoffnung auf Menschen und daß doch Entscheidungen, die gut tun getroffen werden können.

Dienstag, 22. Juni 2021

Antonio Hill : "Der Sommer der toten Puppen"

Antonio Hill :
"Der Sommer der toten Puppen" - ein Barcelona-Krimi
original "El verano de los juguetes muertos"
2011, Debolsillo Barcelona
Aus dem Spanischen von Thomas Brovot
2013, Suhrkamp Taschenbuch
362 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-518-46467-0

Hauptperson ist der argentinische Inspektor Hector Salgado, dem in Barcelona die Wut über einen Mädchenhändler Schwierigkeiten beschert hat. Ein Freund ersucht ihn  zu untersuchen ob ein Teenager wirklich beim Rauchen aus dem Fenster gefallen ist, oder ob mehr dahinter steckt.
Aus mehreren Blickpunkten wird spannend erzählt und auch in die Vergangenheit gesprungen, wie ein Kindheitserlebnis - bei dem Puppen um eine Leiche im Wasser trieben - Jahre später endlich gelöst wird, und weitere Tote bringt.
Die Lösung und das wieso hatte ich nicht erwartet, es geht aber um Kindesmißbrauch.

Hector Salgado, war der Liebe wegen in Barcelona hängen geblieben; seine Ex-Frau liebt jetzt eine Frau; es gibt einen Sohn. Innerhalb der Polizei hat er Menschen die ihn  unterstützen, was wichtig ist, da aus dem Mädchenhändlerring ein sehr bösartiger Rachefeldzug gegen ihn aktiv ist. Er wird als schwierig, verschwiegen und eigenbrötlerisch beschrieben.
Die neue ihm zugeteilte Kollegin Leire ist jung, gescheit, denkt schräg und ist sexuell sehr aktiv.
Marc Castell ist der Teenager, der aus dem Fenster gefallen war; er war sehr verschlossen, hatte sich erst im Auslandssemester wegen Englisch zu öffnen begonnen, und eine junge Frau kennen gelernt.
Sein bester Freund Aleix Rovira hat Krebs besiegt, ist sehr attraktiv und charmant, und spielt mit der Gefahr und Frauen. Seine Familie zählt zu den wichtigen und reichen der Stadt; liebevoll und ihm durch die Krankheit geholfen hat ihm allerdings nur sein Bruder Eduard.
Deren gemeinsame Freundin Gina Ballester ist lieb, besorgt und läßt sich leider zu leicht zu führen.
Enric Castell, der Vater von Marc, ist erzkatholisch, zeigt wenig Liebe, was zu einem Teil des Problems wird.
Joanna, die Mutter Marcs, hat ihren Mann und Sohn verlassen, ist aber diejenige die nicht aufgibt die Lösung um ihren Sohn zu wissen zu wollen.
Felix Castell ist der Onkel von Marc, ein Priester, der sich immer um seinen Neffen liebevoll gekümmert hat, und der ihm wichtig ist. Er weiß mehr über die Leiche mit den Puppen, sah sich aber veranlaßt zwei  Menschen zu schützen.

Der Roman ist spannend geschrieben.
Die Menschen sind oft einsam und in ihren Gedanken und Problemen geschildert.

In Summe ein sehr empfehlenswerter Kriminalroman der auch unter die Haut geht. Viel Freude beim Lesen !

Antonio Hill, wurde 1966 in Barcelona geboren. Er studierte Psychologie und arbeitet dann als Übersetzer aus dem Englischen. Er lebt und arbeitet in Barcelona.

Mittwoch, 16. Juni 2021

Frida Gronover : "Dänische Schuld"

Frida Gronover :
"Dänische Schuld" - Gritte Madsen ermittelt
2020, Ullstein Verlag
361 Seiten
ISBN 978-3-548-06078-1

Gitte Madsen lebt in einer freundlichen Feriensiedlung am Meer in Dänemark, und arbeitet bei einem Bestatter. Als beim Abendessen in einem Restaurant am Nachbartisch ein Mann vergiftet wird, bemüht sie sich den/die Mörder herauszubekommen, und trifft wieder mit Kommissar Ole zusammen. Parallel versucht sie weiterhin herauszubekommen, wohin und warum ihr Vater verschwunden ist.
Die Familie des Ermordeten ist interessant, ihre Nachbarn in der Feriensiedlung ebenfalls, und auch andere Begräbnisse bringen interessante Menschen.
Am Schluß ist der Mord gelöst - der Tod eines Kindes hatte Reaktionen nach sich gezogen - , und ein Puzzlestein über ihren Vater ist dazugekommen.

Gitte stammt aus Münster, und hat nach einer Beziehung mit einem besitzergreifenden Mann beschlossen zu übersiedeln um sich wohl zu fühlen.
Es ist einiges über verschiedene Bestattungen und Vorbereitungen zu lesen, was wenig mordid, dafür humorvoll unterhaltend ist und zeigt wie verschieden die Kunden in den Metier sind.

Gitte fährt entweder im Auto oder auf dem Rad durch die Gegend. Der Ferienort ist nett beschrieben.
Das Sammelsurium an Menschen die hier beschrieben werden ist unterhaltend : ein charismatischer junger Mann im Rollstuhl, eine bodenständige Großmutter, zwei Künstlerinnen, ein attraktiver Kommissar, tätowierte Männer mit Hund, eine faszinierende Witwe, und eine von Gerüchten umwitterte Frau sind mit Mitgefühl und Humor beschrieben.

Die Liebe bzw der Wunsch nach Liebe kommt nicht zu kurz, sowohl für Gitte als auch für ihren Chef könnte sich etwas entwickeln.

Mir ist die betonte Freundlichkeit, die die Dänen (angeblich) leben, etwas zu viel, vor allem in Kombination daß jeder jeden dutzt und das auch noch freundlich findet.

Mitraten im Sinn des Who-dunnit ist möglich.
 
In Summe ist der Krimi ein schwungvoll geschriebener Kriminalroman. Viel Spaß beim Lesen.

Donnerstag, 10. Juni 2021

Giulia Conti : "Lago Mortale"

Giulia Conti :
"Lago Mortale" - Ein Piemont-Krimi
2019, Hoffman und Campe Verlag, Hamburg
280 Seiten + 2 Seiten Nachbemerkungen der Autorin / Karten auf den Innenklappen
ISBN 978-3-455-00546-2

Simon Strasser, deutscher Journalist mit italienischer Mutter, lebt seit Jahren am Ortasee mit der Tochter einer Freundin, die ihn als Vater sieht. Er entdeckt eine führerlose Segelyacht auf dem See, und eine Leiche, was ihn wieder in Kontakt mit der toughen Maresciallo Carla Moretti in Kontakt bringt. Sie folgen gemeinsam der Spur zu einer Hippiekomune, Drogen, Homosexualität, besserer Gesellschaft in wichtigen Wirtschaftszweigen, und Simon auch einigen Segelfahrten. Auch Besuch bei einem Steinmetz und in ein Krankenhaus ist bei den Ausflügen im Hochsommer. Am Schluß kommt heraus, wie schwer sich manche Eltern mit der Homosexualität ihres Kindes tun.

Parallel sieht er sich als Ersatzvater gefordert und hinterfragt seine Beziehungsfähigkeit. Da er einige Auswahl an interessanten Frauen in seiner Umgebung hat, ist der Strang etwas mühsam.

Interessant sind die Erzählungen über die Alessi und andere reale Firmen, die im Piemont ihren Unternehmensstandort haben; hier wurde schriftstellerische Freiheit und Wirklichkeit gemischt. Es gibt dort eine Dombauhütte des Mailänder Doms, die nicht so wie beschrieben ist, aber dieser Teil ist faszinierend zu Lesen.

Als Hintergrund kommt immer wieder die Geschichte der Partisanenrepublik Ossola, die 44 Tage im Jahr 1944 mit eigenem Parlament, eigener Währung, Zeitungen und demokratischem Leben hatte. Die Hälfte der Menschen flohen beim Zusammenbruch durch Kriegsinvasion in die Schweiz.

Ort ist der See und die Region mit ihrem Bergen, und auch kleinen Dörfern. Es ist Hochsommer und sehr heiß.
Es gibt viel über schöne Segelschiffe und auch eine traditionelle Segelregatta zu lesen.

Mitraten des Who-dunnit ist möglich.

Der Summe ist der Krimin ein wunderbarer Ferienkrimi, bei dem über Wirtschaft, Geschichte und auch über bodenständiges italienisches Essen erzählt wird. Viel Freude beim Lesen !

Mittwoch, 2. Juni 2021

Claudia Pineiro : "Der Privatsekretär"

Claudia Pineiro :
"Der Privatsekretär"
Thriller
original "Las Maldiciones"
2017, Verlag Alfaguara, Buenos Aires
Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
2020, Unionsverlag
308 Seiten
ISBN 978-3-293-20882-7

Román Sabaté, groß, schlank, grüne Augen, wird zu seinem eigenen Erstaunen als Mitarbeiter der neuen Partei "Pragma" aufgenommen und unterstützt den charismatischen Fernando Rovira als Personaltrainer, und nach der Ermordung dessen Frau als Betreuer seines kleinen Sohnes. In den fünf Jahren, die er dort arbeitet bringt er seinen Freund Sebastian Petit, einen klar denkenden und sehr strukturierten Menschen, in die Partei ein, der sich bei dem Projekt der Splittung der Provinz Buenos Aires einbringt. Parallel lernt er die Journalistin Valentina Sureda, genannt "China", kennen, die eigentlich ein Buch schreiben möchte, zu einem anderen Buch manipuliert wird und versucht an 'die' große Geschichte zu kommen - und in Román verliebt ist.
In strukturell nicht linearen Kapiteln wird erzählt wie Román mit dem Kleinen flüchtet, in der Partei nach ihm gesucht wird, und springend aus verschiedenen Persektiven diese Situtionen beschrieben und rückblickend die letzten fünf Jahre.

Román wird groß, attraktiv, aber nicht sehr engagiert beschrieben. Er wundert sich lange warum er ausgesucht wurde, was sich cirka in der Mitte des Buches entschlüsselt.
Sebastian Petit ist hoch intelligent, begeistert von der Firma, lange sehr loyal zu dieser, aber auch loyal zu Román.
Valentina Sureda, genannt "China", ist Journalistin. Die Passagen, in denen beschrieben wird, wie sie manipuliert und gezwungen wird, an dem Buch über Flüche, die über Politikern hängen zu schreiben, sind gespenstisch, weil hier ihr keinerlei künstlerische Freiheit mehr gegeben wird; Vorschuß wird auch keiner für die viele Vorarbeit geleistet. Für die manche Menschen gilt sie als attraktive Frau, für andere ist sie nicht einen zweiten Blick wert.
Fernando Rovira ist ehemaliger Bauunternehmer, der die neue schneidige Partei Pragma gegründet hat, und Präsident werden möchte, nachdem er Gouverneur von Buenos Aires gewesen sein möchte. Er ist attraktiv, berechnend, manipulativ, grandios in Rhetorik und erwartet rückhaltlose Loyalität.
Seine Mutter ist offiziell nicht merkbar, aber sie zieht im Hintergrund ihre spirituellen Fäden, und Mitinitiatorin der eigenartigen Menage a trois die zu dem kleinen Joachín führt. Sie ist eine eigentümliche Mischung aus Mutterglucke, Hexe, Unberechenbarkeit, schlechtem Gewissen und Skrupellosigkeit.
Handlanger Sylvestre umgibt Rovira ohne auch nur einen Gedanken an Skrupel zu verwenden.
Románs Onkel Adolfo hat Gemisch aus Tischlerei und Möbelgeschäft am Land, und hat seine kommunistischen Verbindungen nie verleugnet, aber im Alter selten aktiviert.

Der Roman spielt in Buenos Aires und am Land. Orte sind zwischen hypermoderner Parteizentrale bis zum Möbelgeschäft am Land eines politisch anders denkenden Onkels.

Die Geschichte ist im Jetzt angesiedelt. Handies sind selbstverständlich, deren Überwachung auch, die älteren Damen beherrschen die sozialen Plauder-netze.

Die Partei an sich und die Menschen darin sind zwar erfunden, die Systeme wie Menschen benutzt und manipuliert werden, und unliebsame mehr oder minder rüde ausgeschaltet werden, ist faszinierend.

Die Welt der Flüche, die Politiker trifft, ist unterhaltsam zu lesen.

Mich hat der Roman in den Bann geschlagen, da er sehr sehr spannend geschrieben ist. Ich war sehr neugierig wie das Ende sein wird, war dann von der Einfachheit aber etwas enttäuscht. Viel Freude beim Lesen !

Montag, 31. Mai 2021

Marjane Satrapi : "Persepolis"

Marjane Satrapi :
"Persepolis"
2001 / 7. Auflage 2021 Edition Moderne, Zürich
Übersetzung : Stephan Pörtner
342 Seiten
ISBN 978-3-03731-210-0

Endlich habe ich mich in diese Graphic Novel begeben.
In dieser Ausgabe werden die Jugend von Marjane in Teheran zur Zeit des Schahs, die Änderungen unter dem Regime danach, ihr Leben als 14 bis 18-jährige in Wien mit französischer Schule und dann weitere vier Jahre in Teheran an der Kunstuniversität und mit ihrer (ersten) Ehe gezeichnet, erzählt, beschrieben, nachvollziehbar gemacht.

Sie beschreibt sich als denkende eher links-liberale einzige Tochter, für die der Glauben durchaus wichtig ist, auch ohne Kopftuch. Sie geht mit ihrer Mutter gegen die Einschränkungen demonstrieren. Sie widerspricht den engstirnigen doktrinären Lehrerinnen im islamischen Staat, weil nur Respekt gefordert, aber keiner gezollt wird.

In Wien hilft ihr die Freundin der Mutter leider nicht weiter, schiebt sie zu Nonnen ab, und in der französischen Schule muß sie sich erst Freunde/Freundinnen suchen. Sie lebt vier Jahre in Wien, lernt hier aber nur genug Deutsch um im Supermarkt einkaufen zu gehen. Hier hat sie immerhin ihre erste Liebe, der diese aber nicht zu schätzen weiß. 

Zurück in Teheran schreibt / zeichnet sie eine Doppelgesellschaft : einerseits verschleiert und brav als Frau zu sein, andererseits wilde Partys mit allem was verboten ist. 

Diese Graphic Novel erzählte mir fast wie in einem Buch die Geschichte der Halbwüchsigen, die Sorge der Eltern um diese, viele Menschen die nicht da sind, viele Cliquen, und viel Entwicklung.

Die Graphiken sind klare eher dicke Linien, die mich an Linolschnitte erinnern. Manchmal wird das schwarz-weiß umgedreht, das mir sehr gut gefallen hat.

In Summe ein faszinierendes Buch, das ich weiterborgen werde. Viel Freude beim Ansehen und Lesen !

Marjane  Statrapi wurde am 22. November 1969 in Rascht, im jetzigen Iran geboren. Sie lebt jetzt in Paris und ist Comiczeichnerin.

Samstag, 22. Mai 2021

Jaume Cabré : "Eine bessere Zeit"

Jaume Cabré :
"Eine bessere Zeit" (Der Schatten des Eunuchen)
Roman
original "L'ombra de l'eunuc"
1996, Edicions Proa, Barcelona
Aus dem Katalanischen von Kirsten Brandt und Petra Zickmann
2019, Insel Verlag
547  Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis (am Ende des Buches)
ISBN 978-3-458-36416-0

Miquel Gensana II ist ein Industriellensohn in Katalonien, der einen anderen Weg sucht.  Er studiert, schließt sich einer aggressiven kommunistischen Gruppe an und geht in den Untergrund, verliebt sich fast immer unglücklich, scheitert in seiner Ehe, verliert seine große Liebe, enttäuscht seine Mutter und seinen Vater, und erzählt dies in einem Abendessen seiner Journalistenkollegin Julia.
In parallelen Kapiteln erzählt sein Großonkel Maurici Sicart sein Leben als geliebter Sohn dessen Eltern zu früh starben, wie er im Haus mit Michel II lebt und diesem die Liebe zu Musik beibringt, bei der Familie als Versager gilt da er homosexuell ist, und sich in seine eigene Welt zurückzieht.

Der Roman spielt in Katalonien, in der Zeit von Franco, und geht bis in die 80-er Jahre. 

Miquel und sein bester Freund Bolos, der in die Politik ging, haben aus der Zeit des Widerstands einen Tarnnamen. Der dritte Freund Rovira im Bundes hat keinen politischen Weg hinter sich, sondern scheiterte im priesterlichen Weg und jagt seinem Bild der idealen Frau nach.

Obwohl Miquel der zweite in seinem Leben nichts weiter bekommt, und auch verweigert dem Vater in der Fabrik zu helfen, helfen ihm Mutter und Onkel so gut es geht.
Die Frauen in dieser Familie sind meist sehr zurückhaltend, selten hält das Leben Liebe für sie bereit - oder aber es ist die große Liebe.

Miquel gibt sich in diesem Roman viele Beinamen die der aktuellen Situation entsprechen - von Versager bis großem Liebenden sind alle Abstufungen genannt. Manche triefen vor Selbstmitleid, andere sind humorvoll und brachten beim Lesen zum Lachen.

Sprachlich ist der Roman bzw seine Übersetzung faszinierend, als Miquel manchmal von sich in der Ich-form erzählt und öfter mitten im Satz zur beobachtenden dritten Person wechselt. Onkel Maurici erzählt konsequent in ich-Form aus seinem Leben und wie er die Familie wahrnahm.

Es gibt vier Familienstammbäume, in denen es von Menschen gleichen Namens wimmelt, und das Buch beim Lesen nicht immer leicht machen. 

In dem Buch ist viel von Musik zu lesen. Onkel Maurici spielt selbst Klavier; es ist von bekannten Komponisten wie Chopin, weniger bekannten wie Satie und für mich einen neuen Kompinisten namens Mompou (Katalane, lebte im 20. Jahrhundert) zu lesen. Miquel spielt nicht Klavier, geht aber gerne in den Palau in Barcelona und schwärmt von Schubert, Debussy bis Schostakowitsch und ist imstande die Probleme einer Violinistin bei Alban Bergs Violinkonzert zu verstehen.

Ich habe länger an diesem Familienroman gelesen, und empfehle auch anderen Lesern & Leserinnen sich Zeit zu nehmen.

In Summe ist der Roman faszinierend mit seinen geschichtlichen und familiären Verstrebungen, Wahrheiten und Träumereien, Musik und Politik. Der Stil ist sehr dicht, und lädt zum Versinken ein. Viel Freude beim Lesen !


Donnerstag, 29. April 2021

Norman Thelwell : "Für die Katz"

 Norman Thelwell (Autor und Illustrator):
"Für die Katz"
original "Magnicicat"
1983, Methuen Ltd, London
Übertragen von Karl-Heinz Mulagk / Schrift : Monika Knittel
1984, Helmut Buske Verlag Hamburg
128 Seiten - Katzen in den Innencovers
ISBN 3-87118-654-6

Thelwell zeichnete bereits als Kind Katzen - Vorbild war eine, die er gerettet hatte.
In zehn Kapiteln beschäftigt sich der Autor und Zeichner mit den wunderbaren und vielschichtigen Wesen, Aussehen und Benehmen "der Katze".
Es gibt Charakterstudien, wie man zu einer Katze kommt, was die Katze zu Hause aufführt, Wohlbefinden der Katze, Rassen, Aberglaube und neurotische Katzen.

Meist schaut die Katze freudlich-unschuldig durch die Gegend und bringt damit das Publikum zum Schmunzeln, manchmal ist sie etwas diabolisch unterwegs. In den meisten Zeichnungen merkt man als Katzenfan, daß die Zeichnungen und Bemerkungen ebenfalls von einem Katzenfan stammen und schmunzelt gemütlich beim Betrachten.

Katzen sind entweder als Kratzbürsten (seite 62), freundlich (Seite 21) oder groß & flauschig (Seiten 31 und 79 [mein persönlicher Favorit]) gezeichnet.

In Summe ein wunderbares Buch, daß Menschen die gute Zeichnungen und Katzen lieben, gute Unterhaltung schenkt. Viel Freude beim Blättern !

Norman Thelwell wurde am 3 Mai 1923 in Birkenhead geboren. Er war während des zweiten Weltkrieges in East Yorkshire Regiment und begann war bereits in dieser Zeit künstlerischer Herausgeber eines Armee Magazins. Sein erster veröffentlicher Cartoon hatte mit Indien zu tun. Nach dem Kriege machte er Ausbildungen an Kunst-colleges, arbeitete eine Zeit lang angestellt, bis er 1956 selbstständig wurde. Mehr als 25 Jahre wurden seine Cartoons im "Punch" veröffentlicht; sein erstes Buch mit Cartoons war 1957 "Angels on Horseback". Bekannt wurde er für seine Zeichnungen über Ponies und Pferde, später über das Leben am Land. Er starb am 7. Februar 2004.

Samstag, 24. April 2021

Andreas Schnabel : "Tod unter Pinien"

Andreas Schnabel :
"Tod unter Pinien" - Mallorca-Krimi
2016, emons Verlag
227 Seiten + 2 Setiten Plan von Mallorca vorne
ISBN 978-3-95451-827-2

Menschen werden trickreich ermordet, indem kunstvoll Unfälle inszeniert werden. 'Residente' Michael Berger und seine Verlobte Kriminalkommisarin (und Gräfin in spe) Rosa werden verfolgt, Tante Auguste zieht einige Fäden und Wolfshund Shakespeare rettet seine Menschen vor einer giftigen Schlange. Inspector Cristobal Garcia Vidal und seine Comisaria Carmen Lucas gehen einer koreanischen Gang nach und decken ein dunkles Kapitel Mallorcas auf, als 1976 während des Putschversuchs des Militärs einige alte Rechnungen mit Brutalität und Mord beglichen wurden, und endlich Gebeine gefunden werden können. Immerhin ein Geheimnis kann gelüftet werden, ein anderes wird durch Politik und Beziehungen von oben endgültig begraben.
Unterhaltsame Momente bieten die situationen mit Filou dem Schwein, die mich sehr zum Lachen brachten.

Dieser Band ist der siebente, der auf den Balearen spielt, und der zweite den ich gelesen habe. Leider war es diesmal für mich mühsamer die Namen und Personen, und wer mit wem wie verbunden ist, zu verfolgen. 

Es werden einige grandiose Schiffsarten genannt, und nautisches erzählt. Manche Szenen bringen auch hier zum Schmunzeln.

Die kurz gehaltenen Abschnitte in denen die Geschichte um den versuchten Militärputsch und die Grausamkeiten einer Nacht erzählt wird, gehen unter die Haut. Die politischen Lager und verfeindeten Familien haben sich nicht verändert, vorallem da eine der Familien immer noch Macht besitzt.

In Summe ein Kriminalroman, der auch das Fernweh nach Urlaub und Sonne deckt. Viel Spaß beim Lesen. !

Freitag, 16. April 2021

Eva Maaser : "Tod unter Whiskey-Freunden"

Eva Maaser :
"Tod unter Whiskey-Freunden"
2018, KBV Verlags-Mediengmbh, Hillesheim
343 Seiten
ISBN 978-3-95441-433-8

Kommissar Karl Roeleff wird von seinem Onkel Gustav, einem gut situierten Arzt in Pension nach einer feuchtfröhlichen Zeit in Hamburg, auf eine Schottlandreise mit Whiskey-Genuß eingeladen. Die Reisegruppe ist gemischt vom Whiskeykenner, Whiskeysammler, keine Ahnung von Whiskey, Ehefrau, Freundin, Single Frau, und einigen nicht klassifizierbaren Typen. Roeleff hofft auf Chancen bei der Mitreisenden Rosa und später bei der Reiseleiterin Eileen, während Gustav bei einer anderen Mitreiserin anbandelt. Zuerst ist Roeleff von den Whisky Destillerien und deren Produkten mehr als überfordert, lernt aber nach (auch Mitlesende werden dadurch über Whiskey gebildet). Eine Leiche bereits in der ersten Destillerie macht den gelernten Kommissar mißtrauisch, und er bleibt es auch da eigenartige Unfälle passieren. Spät fügen sich die Elemente zu Whiskyhandel und leider Whiskypantscherei zusammen. Auch die Nachfolgen eines lange zurück liegenden Todesfalles, die aktuell zu Mord geführt hatten, werden geklärt.

Roeleff wird als braver bis biederer Mensch geschildert, der eigentlich nicht über seine Grenzen gehen mag, was ihm einige Probleme bei von ihm angeschwärmten Frauen macht. 
Onkel Gustav hat Schnurrbart, Erfolg bei Damen und sieht manches praktischer.
Rosa Wurm, ist eine bildhübsche Mitreisende, die ihren vierpfötigen Talisman - ein Tricolorkaterchen - im Rucksack durch die Reise schmuggelt; je länger die Reise wird, desto mehr Hilfe hat sie mit dem fröhlichen Katertier.
Architekt Fieztig mit Glatze und Hängewangen sammelt Minuspunkte weil er rücksichtslose Angebergeschichten erzählt.
Whiskeykenner ist Victor Murnau. Seine fröhliche Frau Regine begleitet ihn, obwohl sie bekennende Weintrinkerin ist.
Fabian ist der rothaarige Reiseleiter. Weitergibt es einen Staatssekretär in Pension und einen pensionierten Staatsanwalt. Eine liebenswürdige Frau ist die langjährige Freundin eines der Herren etc ..

Es wird viel über Whiskey erzählt, über Geschichte, Produktion, verschiedene Regionen und deren sehr unterschiedlichen Geschmacksrichtungen, und den steigenden Handel mit teilweise nicht mehr nachvollziehbaren Preisen. Für Whiskeyfans unterhaltsam, für andere auch überfliegbar geschrieben, da die Handlung nicht von diesen Stellen abhängig ist.

Die Geschichte wird eher gemütlich als spannend erzählt, wobei mich die Schilderungen der Personen, einige Dialoge und Situationskomik sehr zum Lachen gebracht haben.

Ein kleiner Plan der Reise in Schottland wäre hilfreich gewesen. 

In Summe in freundlicher unterhaltender Kriminalroman, der ohne umnotwendige Grobheiten auskommt, und mehr auf menschliches mehr - oder minder miteinander auskommt. Viel Spaß beim Lesen.

Eva Maaser wurde am 23. November 1948 in Westfalen geboren. Sie studierte Germanistik, Pädagogik, Theologie und Kunstgeschichte in Münster. Ihre Romane spielen bisher durchweg in Westfalen. Seit 1999 ist sie freie Schriftstellerin und schreibt Kriminalromane, Jugendromane, und Historische Romane. Der erste Kriminal mit Kommissar Karl Roeleff ist "Das Puppenkind" und ist 2000 erschienen.

Dienstag, 6. April 2021

Julen Zabache : "Baskischer Tod"

Julen Zabache :
"Baskischer Tod" - Rafael Ibara ermittelt
2020, Harper Collins Hamburg
247 Seiten
ISBN 978-3-95967-417-1

Comisario Rafael Ibara, der seine Polizeiausbildung in Deutschland hatte, lebt seit Jahren mit seiner Teenagertochter bei seiner Schwiegermutter auf ihrem Bauernhof im Baskenland. Als eine Touristin ermordet aufgefunden wird, und darunter alte Knochen liegend, werden dem Team vor Ort eine übergeordnete Gruppe vor die Nase gesetzt. Vor allem macht der fette und unhöfliche Comisario Arbos jegliche Art der Zusammenarbeit schwer, sodaß Rafa(el) sich selber aufmacht um kleine Ungereimheiten zu klären, und um einen unschuldigen Ziegenhirten zu entlasten. Eine alte Geschichte, die mit der ETA zu tun hat, sowie ein Geheimnis um ein Grundstück bringen Ibara auf die richtige Idee.
Parallel wird Ibara als alleinerziehender Vater einer Teenagertochter in Zeiten der sozialen Medien ziemlich gefordert.

Die Personen sind gut vorstellbar geschildert. Ibara der sehr großgewachsen ist, und Ruhetechniken beherrscht, ist sympathisch, genauso wie seine Tochter Isobel und seine Schwiegermutter Finia, die dies unter einer Portion Grant versteckt. Im Kommissariat gibt es positive Menschen und überforderte, sowie einen sehr unsympathischen Zeitgenossen, der die Antipathie zum motivieren zum Erfolg einsetzen möchte. Das Mordopfer war sympathisch, der Mörder aalglatt und berechnend, die Menschen vor Ort sind eckig aber mit Liebe gezeichnet.

Ort der Handlung sind Getaria und Zarautz in der Provinz Gipuzkoa, die teilweise am Meer liegt, und ein wunderschönes Gebiet ist, das teilweise von zu vielen Touristen besucht wird.
Die Geschichte spielt im Hochsommer.

Es wird einiges über das spanische Baskenland erzählt, wie die Franzosen dazu stehen, Erfolge und Mißerfolge der ETA und die Komplexheit der baskischen Sprache. 
Netterweise wird etwas lokales Essen in dem Roman genannt : zum Frühstück 'pastelitos' und dann über den Tag hinweg 'pintxos', die Spanien gewohnt Menschen 'tapas' nennen würden, was im Baskenland streng verpönt ist, und oft aus anderen Zutaten besteht.

Die Geschichte ist spannend geschrieben. Für den Leser ist der Prolog aus Sicht einer alten Dame und dann alles aus der von Raffael Ibara beschrieben.

In Summe ein gut geschriebener Kriminalroman, der ein bißchen Sommerfeeling erzeugt. Mitraten des Who dunnit ist nicht möglich. Viel Spaß beim Lesen.

Julen Zabache ist das Pseudonym eines deutschen Autors, der bereits einige Romane veröffentlicht hat. Er arbeitet als Hochschuldozent.

Sonntag, 21. März 2021

Georg Koytek & Lizl Stein : "Wien kann sehr kalt sein"

Georg Koytek & Lizl Stein :
"Wien kann sehr kalt sein" - Kriminalroman
2015, btb Verlag, München
472 Seiten
ISBN 978-3-442-74996-6

Paula Kisch, Kommissarin in Wien und Mutter einer unehelichen Tochter, wird zu einem toten, sehr bekannten Schauspieler ins Burgtheater kommandiert. Sie vermutet Mord, was nicht sein darf, und schleust ihren ehemaligen Kollegen Oberinspektor Conrad Orsini als Komparse bei einer aufwendigen "Hamlet"-Produktion ein. Er beobachtet in der Kantine, plaudert mit dem Cheftonmeister und wird aus dem Chef der Theaterfeuerwehr nicht schlau. Während die Proben mit der neuen Besetzung für die Schauspieler und die Komparsen immer anstrengender werden, geschehen noch zwei Morde. Orsini kann einen weiteren Mord verhindern, entdeckt den untypischen Grund der Morde.
Einer kleiner theaterinterner Drogenschmuggel wird nebenbei entdeckt, bleibt aber ohne große Folgen.  

Einerseits ist der Kriminalroman mit seinem Geschehen im Theater mit den intensiven Proben und den Eifersüchteleien zwischen den kreativen Menschen und dort arbeiten spannend geschildert, andererseits bleiben manche Menschen merkwürdig un-spürbar. 
Die Probleme und Zerrissenheit der Kommissarin sind nachvollziehbar, ihre fast permanente nicht notwendige Grobheit ihrer Umgebung gegenüber macht Mitgefühl schwierig. Orsini ist zwar ein Eigenbrötler, ist aber faszinierend wie er versucht an die Mitwirkenden des Theaters heranzukommen. Die Tendresse zwischen Kisch und Orsini ist für mich nicht nachvollziehbar.

In Wien ist es zu dieser Zeit gerade sehr kalt, weil die Proben im Advent stattfinden, und die Aufführung für die geprobt wird, kurz nach Weihnachten über die Bühne geht.

Etwas Realismus ist spürbar, weil die Steuerthematik über die ein Wiener Theaterdirektor kurz vor Erscheinen des Buches gekündigt wurde, angedeutet ist. 

Der Kriminalroman ist stellenweise spannend geschrieben, teilweise mit Humor. Mitraten nach dem Täter ist, wenn man genau mitliest, möglich. Viel Spaß beim Lesen.

Lizl Stein wurde  am 25. Dezember 1961 in Wien geboren und wuchs in Österreich und England auf. Sie studierte in Wien Komposition, klassisches Klavier, Jazzklavier und Rhythmik. 1980 gründete sie die Band »Liszl«, produzierte u. a. die erfolgreiche CD »Talk about Job-Sharing« und gab zahlreiche Konzerte. Seit 1990 unterrichtet sie Klavierimprovisation an der Universität für Musik in Wien. 
Georg Koytek wurde 1964 in Wallsee/Donau geboren. Er studierte Audio-Engineering an der Universität für Musik. Er arbeitete 16 Jahre lang als Tontechniker am Burgtheater in Wien und betreute unter anderem Produktionen wie »Hamlet«, »Woyzeck« und Heldenplatz". Seit einigen Jahren ist er als freischaffender Maler tätig.
 

Montag, 22. Februar 2021

Claudia Santana : "Der Tote von Sines"

Claudia Santana :
"Der Tote von Sines" - Inspector Cabral ermittelt
2020, Aufbau Taschenbuch Verlag
342 Seiten
ISBN 978-3-7499-3594-1

Inspector Nuno Cabral muß aus privaten Gründen in den Alentejo. Beruflich muß er gerade eine Pause machen, was niemanden in seinem Heimatort interessiert da eine häßlich ermordete Leiche gefunden wurde. Ein Netzwerk aus älteren Damen und Herren hilft ihm mehr oder weniger auffällig den Hintergrund des Opfers und aktuelle Immobilienverstrickungen aufzudecken. Auch eine junge Frau die überlegt als Journalistin zu arbeiten hift ihm manchmal freundlich, manchmal unfreundlich weiter. Nebenbei wird ihm die Chance gewährt sich bei einem alten Rivalen innerhalb der Polizei zu rächen. Der Hintergrund des Mordes liegt in einem grauslichen Kapitel Portugals im Umgang mit Regime.gegnern und Kapverde und Angola.

Cabral wird als Mitte 30 und sehr eigen in Kleidung geschildert. Seine Umgangsformen sind unhöflich bis ruppig, ohne die Bereitschaft etwas zu ändern. Die Menschen seines Netzwerks sind im Gegensatz zu ihm freundlich, tolerant, und mehr als hilfsbereit geschildert. Die Selbstverständlichkeit dieser dörflichen Gemeinschaft ist faszinierend geschildert. Gewissen Fußball-Jargon mußte ich aber überlesen.

Orte sind ein kleines Dort und die Küste mit der Kraft des Meeres, und bizarren Felsen.

Bei Schilderung des relevanten Hintergrunds sind große zwischenmenschliche Grausamkeiten beschrieben, die sehr unter die Haut gehen.

Das Buch ist Großteils sehr gut zu lesen und ich habe es genossen; die Grobheit der Hauptperson hat mich allerdings abgestoßen. Trotzdem viel Spaß beim Lesen !

Claudia Santana wurde in Hamburg geboren. 2009 war sie zum ersten Mal nach Portugal, und lernte Mann, Menschen, Kultur und Geschichte des Landes lieben

Samstag, 6. Februar 2021

Bernhard Görg : "Dürnsteiner Würfelspiel"

 Bernhard Görg :
"Dürnsteiner Würfelspiel" - ein Wachau-Krimi
2017, edition a, Wien
266 Seiten + vereinfachte Karte von Dürnstein und Rossatzbach in der vorderen Buch-Innenseite + vereinfachte Karte von Mautern und Unterloiben in der hinteren Buch-Innenseite
ISBN 978-3-90320-005-0

Eine Leiche in einem Weingarten bei Krems wird gefunden. Die Leiterin der Kremser Mordkommission Doris Lenhart muß nicht nur ermitteln, sondern sich auch mit einem aalglatten politischen Vorgesetzten auseinander setzen. Sie und Stellvertreter 'Spencer' ermitteln bei einer kurvigen Gemeinderätin, einem Chirurgen, einem Anästhesisten und brauchen leider auch die Mitarbeit eines einfachen Polizisten, der einige Schwierigkeiten verursacht. Mühsam und trotz der Schikanen des neuen Vorgesetzten recherchieren sie in der Vergangenheit um Kindergrausamkeiten und ein Würfelspiel aufzudecken.

Wenn man sich in der Gegend Krems, Stein, Mautern, Rossatzbach etc auskennt macht das Lesen Spaß, da als Leseratte möglich geistig mitzufahren.  

Die Personen der Handlung und auch kurzzeitige Nebenpersonen sind mit Humor und Einfühlungsvermögen geschildert und bringen zum Schmunzeln. Bei Schilderung des schmierigen ehrgeizigen Vorgesetzten und seinen Intrigen wäre interessant zu wissen ob es hier eine konkrete Vorlage gab, die es zu karikieren galt.

In Summe ein gut zu lesender Krimi, dessen Stärke meiner Ansicht nach bei den Personenbeschreibungen ist. Viel Spaß beim Lesen !

Bernhard Görg wurde am 9. Februar 1942 in Horn in Niederröstereich geboren.  Er studierte Geschichte und Jus in Wien. Er arbeitete bei IBM, später für die ÖVP, wobei er zwischen 1996 und 2001 Vizebürgermeister von Wien war. Nach dem Ausscheiden aus der Politik begann seine Karriere als Sachbuch- und Krimiautor.

Samstag, 30. Januar 2021

Heide Schmidt : "Ich sehe das so"

 Heide Schmidt :
"Ich sehe das so" - "Warum Freiheit, Feminismus und Demokratie nicht verhandelbar sind"
2020, Christian Brandstätter Verlag Wien
167 Seiten
ISBN 978-3-7106-0485-0

Dr. Heide Schmidt beschreibt hier in fünf Kapiteln daß und wieso ihr das Engagement für Demokratie und demokratische Prozesse so wichtig ist. 

In einem starken Gemisch aus nüchternen Erklärung und doch starkem Engagement tritt sie für aktive demokratische Prozesse, offenen respektvollen Diskurs mit anders denkenden Menschen egal welchen Hintergrunds ein.
Sie geht auf ihre Zeit bei der FPÖ ein, beleuchtet die Arbeit gemeinsam mit Jörg Heider, dessen Weg zum BZÖ wird aber nicht genannt.

Sehr kritisch sieht sie die das Krisenmanagement durch den Virus in Österreich und vergleicht ihn mit Deutschland.

Sie tritt auch für gleiche Bezahlung gleichwertiger Arbeit von Männern und Frauen ein, und führt hier den Vergleich körperlicher Belastung von Schwerarbeitern und Pflegekräften an. Auch für sie sieht Frauenarbeit oft strukturell schlechter bezahlt, obwohl sie zugibt damit nicht konfrontiert gewesen zu sein. Mir fehlt der Bezug, daß Frauen aufgrund möglicher Schwangerschaft schlechtere Berufschancen haben.

Sie geht auch auf das Thema bedingungsloses Grundeinkommen ein, daß über dem Mindesteinkommen sein sollte, da sonst niemand mehr arbeiten geht.

Die Überlegungen sind sehr interessant und fordern Mitdenken heraus. Ich konnte das Buch nur seitenweise lesen - bei manchen Absätzen mußte ich länger verweilen um den Gedankengängen zu folgen.

In dem Buch fehlt mir ein kleiner Abschnitt über die Autorin, der sonst immer im kleinst-punkt-größe zu Lesen ist.

In Summe ein hochinteressantes Buch das Gedanken und Werte hinterfragt und zu aktiver Demokratie bzw zum Einfordern eines respektvollen Miteinanders in einer Demokratie aufruft. Fast ein Pflichtbuch in Zeiten von Corona und Beschränkungen !

Heide Schmidt, geb. Kollmann wurde am 27. November 1948 in Kempten im bayerischen Allgäu geboren. Als Kleinkind kam sie nach Wien, studiert hier Jus (Abschluß mit Dr juris ab) und später Wirtschaftswissenschaften. Sie arbeitete bei der Volksanwaltschaft, beim Österreichischen Rundfunk. Als Mitglied der FPÖ war sie im österreichische Parlament tätig. 1993 trat sie aus der FPÖ aus, und gründete gemeinsam mit vier anderen Abgeordneten das Liberale Forum. Das LIF war bis 1999 im österreichischen Parlament. Sie engagiert sich jetzt im sozialen und demokratie-politischen Bereich.

Freitag, 15. Januar 2021

Veit Heinichen : "Borderless"

 Veit Heinichen :
"Borderless" - Thriller
2020, Piper Verlag
458 Seiten
ISBN 978-3-492-31608-8

Xenia Ylenier Zannier ist eine eigenwillige Polizistin, Commissario, die in Grado versucht einer skrupellosen Politikerin endlich das Handwerk zu legen. Diese Politikerin ist mit ehemaligen Handlangern aus der yugoslawischen Zeit im Waffengeschäft, bereichert sich an Flüchtlingsdramen und Immobiliendeals. In Grado taucht auch ein deutscher hochrangiger - machtbesessener und intriganter - Beamter auf, der sich bereichert, und dessen Frau aus dem ehemaligen Bereich Yugoslawien stammte. Eine ehemalige DDR-Schwimmerin und jetzt Photographin taucht mit ihrem Freund, der aus Slowenien, ist, auf, und macht noch einiges mehr an Komplikationen, bevor Xenia endlich die Politikerin und ihren extremistischen Bruder, sowie einen lange gesuchten Verbrecher der ex-Yugoslawien-Zeit verhaften kann.

Die Personen des Buches sind sehr unterschiedlich, manchmal auch ambivalent gezeichnet.
Xenia ist eigenwillig, dünn-attraktiv, mit Kindheitstraumata und ehrgeizig, aber nicht immer sympathisch. Wichtig sind ihr Cousin-Bruder Floriano, der aufgrund der Machenschaften der Politikerin ums Leben kam, und Jordon S Becker, ein Journalist, der wie ein ex-68-er geschildert wird, und zäh an Politikern, die meinen sich alles richten zu können, dran bleibt.
Wichtig war ihr auch ein ehemaliger Vorgesetzter, der attraktive und unbestechliche Nicola Bonnani, der aus Rom versucht zu helfen, und mit dem sie eine schöne Zeit verband.
Als "Bösewichte" sind die Politikerin, deren Bruder, die Waffenschieber in Deutschland und ex-Yugoslawien, sowie deren Hanglanger geschildert.
Dann gibt es noch den charismatischen ehemaligen Broker und jetzt Gemüse- und sonstiges Händler Valerio Alfieri, der nicht ganz einschätzbar ist, aber zwischendurch doch hilft. Und Clarissa die als ehemalige DDR-Schwimmerin mit Atemtechnik grausliche Folter übersteht. Milos ist ihr Fahrer, und Freund der so lange zu ihr hält, wie er es aushält, um dann zurück nach Slowenien zu kehren.

Es gibt einige sehr grausliche und brutale Szenen, die im Krieg als Yugoslawien auseinanderfällt und Zivilbevölkerung schikaniert wird, sind. Die Art und Weise der Dialoge der machtgeilen Menschen untereinander, sind erschreckend und respektlos gegenüber vielen zwischenmenschlichen Werten.

Der Roman ist spannend erzählt. Manchmal ist es mühsam den Zeit- und Ortsprüngen innerhalb der Kapitel zu folgen, die bis zu 20 Jahre auseinander sind, und Italien, Deutschland, Salzburg und Slowenien. 

Der Widerwillen gegen Politiker wird nach diesen Buch nicht weniger. Viel Spaß beim Lesen und der Spannung folgen.