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Montag, 9. Mai 2016

Radek Knapp : "Reise nach Kalino"

Radek Knapp :
"Reise nach Kalino"
Roman
2012, Piper Verlag München GmbH
251 Seiten
ISBN: 978-3-492-30222-7

Julius Werkazy ist mit seinem Technik verliebten Partner Bruno als mäßig erfolgreicher Detektiv tätig. Ein Auftrag ruft ihn in die mysteriöse Stadt Kalino, in der ihn der Chef Osmos persönlich den Auftrag gibt einen Mord (hier Verschwinden, weil die Kalanianer den Tod nicht kennen) des genialen Wissenschaftlers Buschart aufzuklären. Das Leben in Kalino ist jung, attraktiv aber sehr kontrolliert. Es gibt keine Fenster, aber alle persönlichen Daten sind am Auto außen abgedruckt. Werkazy besucht den Chef Wissenschaftler Kliszt, den Chauffeur von Buschart und Witwe Buschart sowie den Gründerfreund von Osmos Dornort mit seiner Assistentin Wiweka. Werkazy durchschaut immer mehr was alles unstimmig ist, bis er mit Hilfe in der Stadt einiges ändern kann und rechtzeitig entkommt.

Der Roman ist gut geschrieben, wobei die Gedanken und Aktionen von Werkazy begleitet werden. Er, der gerne Alkohol trinkt, wird bei der Grenze seines Otards beraubt und mit dem Denkmantel der Gesundheit auf Abstinenz gesetzt. Er muß eine Schlucht hinunterkraxeln, klaut ein superschnelles futuristisches Auto, und trixst die Bewacher aus.
Kalino ist blitzsauber und steril, die Aussicht von der Villa Osmos auf die Stadt grandios, die Türen sind schwer und lautlos, aber eine alte Stadt zerfällt, genauso wie einiges in den Menschen.

In einem Absatz wurde kurz Mord diskutiert; ob nicht das den Geist einschränken genauso Mord wäre. Freies Denken wird in Kalino bereinigt - alles Schädliche wird dem Körper entzogen.

Der Krimi ist gut lesbar, die Geschichte entwickelt sich gut verfolgbar, und die Personen gut vorstellbar. Viel spaß bei Lesen !
 
Radek Knapp, wurde am 3. Oktober 1964 in Warschau geboren. 1976 kam er mit seiner Mutter nach Wien, wo er nach der HAK Philosophie an der Universität Wien studierte. Jetzt lebt er als freier Schriftsteller in Wien und in der Nähe von Warschau.
1994 kam sein Durchbruch als Schriftsteller mit dem aspekte-Preis ausgezeichnete Band »Franio«. außerdem erschienen von ihm : Roman »Herrn Kukas Empfehlungen«, Erzählungssammlung »Papiertiger«, eine »Gebrauchsanweisung für Polen«.

Samstag, 12. Juni 2010

Andrej Wolos : "Der Animator"

Andrej Wolos :
"Der Animator"
original 2005, Zebra-E in Moskau
aus dem Russischen von Christiane Körner
2007, Carl Hanser Verlag München
285 Seiten
ISBN 978-3-446-20827-8

Ein gut geschriebenes Buch, daß Aufmerksamkeit fordert, mit Begriffen wie Noosphäre etc. herausfordert und mit seinem Grenzgang Seelen am Leuchten zu halten, oder dem Versuch die Seelen Lebender zu lesen und damit womöglich Terrorattaken zu verhindern im Futurismus landet.

Barmin, geschieden, eine Tochter, hat die Gabe die Seelen Verstorbener im Kolben durch die Informationen der Verwandten zum Leuchten zu bringen. Die Qualität dieses Leuchtens hat verschiedenen Stufen und es liegt beim Menschen seines Berufe, den Animatoren, so gut wie möglich zu sein. Der Beruf strengt an und jeden Tag gilt es zu beweisen, daß die Gabe immer noch vorhanden ist. Auf der anderen Seite holt er sich dann die Energie bei Alkohol, Frauen anplaudern, noch mehr Alkohol und Essen.

In hineingeschnittenen Kapiteln werden einige der beendeten Leben erzählt, die am Anfang sehr willkürlich wirken, aber dann zusammenführen da es Berichte aus Katschirien sind - verschleppte Menschen erzählen, ein religiöser Fanatiker, einer russischer bestechlicher Offizier, etc.

Als quasi dritte Ebene kommt eine quasi offizielle/militärische Linie, in der versucht wird Selbstmordattentate aufzuhalten, Terroristen zu verfolgen (was jämmerlich schief geht) und dem Bürgerkrieg in Katschirien zu begegnen.

Katschirien - es geht um Tschetschenien: die Geschichte, den Kampf um Freiheit, aber auch um die Attentate in der Oper (hier im Theater), den religiösen Auseinandersetzungen bis zu den Selbstsprengungen im Bus etc.

Die Liebesgeschichte zwischen Barmin und der 26-jährigen Klara, die sich von ihm trennt weil er immer gesagt hat kein Kinder (mehr) zu wollen, in der Trennungsphase sein Kind auf die Welt bringt, findet kein happy end, den sie überlebt die Geiselnahme im Theater nicht, im Gegensatz zu Barmin.

Für mich war es ein spannendes Buch, das vielleicht etwas kompliziert zu lesen war, weil mir Begriffe wie Noosphäre und Kosmologie neu waren/sind und weil ich erst sehr spät Katschirien nicht als Fiktion, sondern tschetschenische Wirklichkeit erkannt habe.
Es ist keine Gute-Nacht-lesebuch, sondern eines das Fragen evoziert : über Tod, über Geschichte, über Terror etc ....