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Sonntag, 8. März 2020

Guido Buettgen : "Champagnertod"

Guido Buettgen :
"Champagnertod" - Oberbayern Krimi
2018 Emons Verlag
384 Seiten
ISBN 978-3-7408-0314-8

Kriminalrat Mads Madsen den es als Kommissar aus dem Norden Deutschlands nach Oberbayern verschlagen hat, muß diesmal auf seiner Maschine die gräßlichen Ermordungen zweier harmloser Ehefrauen aufklären. Polizeikommissar Maximilian von Werdenfels der sich mit den digitalen Medien gut auskommt, entdeckt daß die Ehefrauen nebenbei einen Erotikkreis aufgebaut haben und tut einen schmierigen Gigolo auf. Auch ein Computernerd wird als Kontaktmann entdeckt. Nach Einbeziehen des Bundesheeres wird nach einem Showdown der Mörder erwischt.

Die Romanze zur attraktiven Immobilienmaklerin Lissy Berghammer kommt endlich in die richtigen Gänge und beide trauen sich zu ihren Gefühlen zu stehen.

Die Personen der Handlung und auch Randfiguren sind detailreich und mit Schwung geschildert. ich habe mich sehr gut bei deren Schilderung unterhalten. Bei der Polizei gibt es den homosexuellen Werdenfels, einen alten grantigen Polizist der nur negativ ist, einen jungen der den Menschen Chancen geben möchte. Die Beschreibung des schmierigen Gigolos mit seiner Überheblichkeit, und den trockenen Kommentaren einer Kellnerin ist sehr unterhaltend.

Es gibt viele sprachliche Spielereien, die beim Lesen zum Lachen bringen. Werdenfels verdreht beim Brainstorming oft Sprichwörter, die seine Umgebung und auch den Lesen irritiert, aber auch die Denkzellen durchputzt.

Die Geschichte ist spannend und durchaus rasant erzählt. Mitraten nach dem who-dunnit ist hier nicht möglich. Ich habe öfters laut gelacht. Viel Spaß beim Lesen !

Guido Buettgen, wurde geboren 1967. Er studierte visuellen Kommunikation und war für Werbeagenturen tätig. Einige Zeit verdiente sein Geld als Boxtrainer. 2012 erschien sein Reiseführer; 2016 sein erster Krimi "Champagnerblut".

Samstag, 12. November 2016

Kaspar Panizza : "Saukatz"

Kaspar Panizza :
"Saukatz"
2016, Gmeiner Verlag
  Seiten
ISBN 978-3-8392-1936-2

Kommissar Steinböck ist auf Wohnungssuche, wird zu einem Mord gerufen und lernt dort nicht nur die mehr als rundliche Polizeianwärterin Ilona Hasleitner sondern auf dem Ermordeten selber auch eine schöne schwarze Katze kennen, die freundlich zu ihm ist. Zuerst forschen sie bei einem Pharmakonzern, der in DDR Zeiten an Gefängnisinsassen nicht abgesprochene und gefährliche Medikamente ausprobiert hatte. Damit sind sie zwar auf der falschen Fährte, klären aber den Unfalltod eines Strichers nebenbei auf. Das Ende ist ziemlich überraschend.

Nebenschienen sind Ilona Hasleitner, die ihre Leibesfülle dem Schutz vor den Übergriffen ihres Vaters zu verdanken hat. Hier hilft der Kommissar mit Druck nach, daß der Vater sie in Ruhe läßt.
Als Verstärkung hilft ihnen ein humorvoller dunkelhäutiger (Besatzungskind) Bayer im Rollstuhl (Verletzung durch Schußwechsel), der als Computerexperte das Team unterstützt.

'Saukatz' wird die intelligente schwarze Katze nur einmal vom Kommissar genannt. Im Haus nennt man sie 'Frau Merkel' was ihr nicht gefällt und sie dadurch zeigt, daß sie Pflanzen als Katzentoilette mißbraucht.
Einige verstehen was die Katze sagt, was durch Gedankenübertragung passiert. Für die verrückte Hippie-Nachbarin ist das weniger ein Problem, aber für den g'standenen Kommissar einige unterhaltsame Zeit hindurch doch.

Die Gedanken/das Sprechen der Katze wird durch kursiven Druck im Buch angezeigt und erfolgt als aus der Ich-Sicht. Die anderen Personen und Handlungen sind aus Erzählersicht beschrieben.

Die Menschen sind gut vorstellbar geschildert, wobei auch die Hausbewohner mit ihrer gemütlichen Lebensart angenehm gezeichnet sind. Einzig ein Polizeimann, denn die schwarze Katze gründlich gekratzt hat (selber schuld vermutlich) wird in seiner Zielsetzung die Katze erwischen zu wollen und einer Polizeimann in den oberen Chargen unsympathisch geschildert.

Das Buch ist ein Katzenkrimi, denn die Katze ist nicht nur Dekoration, sondern lebhaft im Geschehen. Außerdem gibt sie erfrischend freche bis respektlose Kommentare von sich.

Viel Freude beim Lesen ! Miau !

Kaspar Panizza wurde am 8. Juli 1953 in München geboren. Nach dem Pädagogik-Studium machte Kaspar Panizza eine Ausbildung zum Fischwirt. Später entdeckte er seine Liebe zur Keramik. Nach abgeschlossener Ausbildung mit Meisterprüfung arbeitete Kaspar Panizza zunächst als Geschirr-Keramiker und später als Keramik-Künstler im Allgäu. 2004 übersiedelte er nach Mallorca, wo er eine Galerie mit Werkstatt betrieb und zu schreiben begann - 2 Mallorca Krimis sind auf seiner Website angeboten. Seit 2009 lebt Kaspar Panizza in Ribnitz-Damgarten an der Ostsee und betreibt dort zusammen mit seiner Ehefrau ein Keramik-Atelier.

Sonntag, 15. November 2015

Fredrika Gers : "Gut getroffen"

Fredrika Gers :
"Gut getroffen" - Holzhammer ermittelt / Ein Alpen-Krimi
2014, Rowohlt Taschenbuch Verlag
281 Seiten
ISBN 978-3-499-26850-2

Dieser Alpenkrimi ist der dritte mit Hauptwachtmeister Franz Holzhammer und Christine.

Der rundliche Hauptwachtmeister Franz Holzhammer muß in Berchtesgaden um die Weihnachtszeit einige Rätsel und auch einen Mord lösen. Die Rätsel sind Überfälle und gestohlene Brauchtumsgewänder aus Fell mit Glocken; der Mord ist an einem unangenehmen Orthopäden der bei den Nachbarn nur noch unbeliebt ist. Gemeinsam mit Christine, einer Psychologin aus dem Norden Deutschland, und Matthias, ihrem Freund aus Berchtesgaden, geht er mithilfe eines jungen geschickten Polizisten (und zu trotz gegen den eher oberflächlichen Polizeichef vor Ort) der Rercherche nach.
Am Schluß ist der Mord gelöst, der Raub einer Häßlichkeit aus dem 1000-jährigen Reich und einiger sündhaft teuren nutzlosen Esoterik-Wässerchen geklärt, Weihnachten mit Freunden und Familie gut erlebt und auch das Brauchtum ausgekostet.

Die Personen sind treffend und gut vorstellbar, manches leicht im Klischee, aber passend beschrieben. Es mangelt nicht an Seitenhieben auf die örtliche Informationsstruktur (die beste Ehefrau hier vor Ort, die Tante die nicht schlafen kann, der Damenverein etc.), die bestens informiert ist und manchmal persönliche Beziehungen über den Datenschutz stellt, was der Geschwindigkeit der Aufklärung sehr dienlich ist. Sympathisch ist, daß der Hauptwachtmeister nicht findet, daß er recht haben muß, sondern durchaus ein Gefühl für Gerechtigkeit behalten hat. Seinem Chef, der aus München versetzt worden war und ein schlechtes Gespür für das Anpassen an neue Gegebenheiten hat, ist eine wunderbar unterhaltende Figur.
Die Handlung ist durchaus nachvollziehbar und das warum und wieso wer wem hilft ebenso.

Am meisten hat mich die Sprache unterhalten. Wenn z.B. ein Auto "breitbratzig" parkt, oder ein Gamsbüschel am Hut mit dem Haarbüschel des Yeti verglichen wird, mußte ich sehr Schmunzeln. Mit Genuß wird auf das weihnachtliche Brauchtum eingegangen, die Buttnmandln erklärt und der Christbaum/Weihnachtsbaum-behang beschrieben. Auch die Schwierigkeiten mit sehr bayerischen Ausdrücken und mehr der konsonantenfrei Umgang mit ihr wird auch auf die sprachliche Schaufel genommen.

Ich habe das Buch genossen und bin lesend - lachend auf dem Sofa gesessen. Diesen Spaß wünsche ich anderen Lesern und Leserinnen ebenfalls !

Fredrika Gers wurde in Hamburg geboren (leider finde ich kein Geburtsjahr). Sie war Bankkauffrau, Schiffsmaklerin, und ist jetzt Werbetexterin und Autorin. Seit 2003 lebt sie in Bayern. Der erste Roman erschien 1995- "Lange Leitung".  Seit 2012 ermittelt sie mit 'Hauptwachtmeiste Franz Holzhammer'.

Dienstag, 28. April 2015

Ida Ding : "Jungfernfahrt"

Ida Ding :
"Jungfernfahrt - Ein Starnberger See-krimi"
Roman
2015, Rowohlt Taschenbuch Verlag
288 Seiten
ISBN 978-3-499-26990-5

In diesem köstlich humorvollen gemütlichen Krimi erzählt Muck Halbritter in Ich-form wie seine Tochter Knochenteile findet, ein Prunkschiff auf dem Starnberger See untergeht und ein alter und ein neuer Mord gelöst werden.

Simon (Nepomuk) Muck ist Schreiner und Nebenerwerbsbauer, kennt Possenhofen gut, die Nachbargemeinden weniger und plaudert sich durch die Gegend und hilft auf diese Art seiner Frau Sophie bei der Kriminalpolizei.

Vergnüglich sind die Menschen geschildert  :-)
der alte Maler Filps, die neureichen Familie Wunderer, bei der der kleine alte Mann eine junge Schönheit geheiratet hat, die Bäckerfamilie Metzger, der Fleischhauer, die Schwierigkeiten wer mit wem nicht mehr redet, und auch die Geschichte wie paar Mädchen ihre Unschuld verloren wollten. Die Rivalität mit dem blitzsauberen, aber angeberischen Polizeikollegen Wolfgang Jäger die bereits aus der Kindheit der beiden Buben stammt, wird weitergetragen .

Die Schilderungen wie die Handwerker am Schiff die letzten Vorbereitungen machen, die Enthüllung der Gallionsfigur, die Einzelheiten des Hingleiten bis zum Sinken des Angeberschiffs inkl. der Entourage auf See sind witzig und gelungen. Muck ist weniger glücklich, denn er sucht verzweifelt seine Tochter auf dem Schiff; er hat Glück denn Taucher helfen ihm weiter.
Ein Kater und einige Schafe bereichern die Umgebung.

Besuch ist auch da. Ein Franzose. Die Sätze die der Kerl von sich gibt müssen erst mal entknobelt werden - viel Spaß dabei :-)

Ida Ding wurde 1967 am Starnberger See geboren, hat eine Ausbildung als Graphikdesignerin aus München. Sie lebt mit ihrer Familie am Starnberger See.

Auf der Website der Autorin http://www.idading.de/ ist ein kurzer gezeichneter Trailer zu finden, auf dem das Prunkschiff sehr pituresk untergeht. Ich mußte sehr lachen - danke für den Trailer !

Sonntag, 16. November 2014

Rita Falk : "Schweinskopf al Dente"

Rita Falk :
"Schweinskopf al Dente" - ein Provinzkrimi
2011, Deutscher Taschenbuch Verlag München
222 Seiten + 3 Seiten Glossar + 7 Seiten Rezepte + Danksagung
ISBN 978-3-423-24892-1

Das ist der dritter Krimi mit Franz Eberhofer, seinem verkifften Vater und der wunderbar kochenden Großmutter. Diesmal müssen sie einen ängstlichen Richter vor den Rachegelüsten eines ausgebrochenen Psychopathen retten. Franz Eberhofers Vater nimmt sich des Richters an, teilt Gras mit ihm und hört - zum Gefallen des Sohnes - nach 40 Jahren Beatles endlich mal was anderes : nämlich die Stones. Bis der Psychopath endlich wieder im Gefängnis landet, fahren die drei kurz nach Italien, und retten die Susi und der befreundete Installateur beglückt mehr Damen als es seiner Ehe gut tut.

Die Geschichte ist diesmal etwas chaotisch, da die Suche nach dem Psychopathen eher mühsam ist. Unterhaltsamer sind die Männergespräche beim Wirten über - nona - 'die Damen'. Witzig Eberhofers Vater und sein Musikgeschmack, und die excellent kochende Oma (mit tw. rosa Haaren). Liebe besteht zwischen den Brüdern Franz und Leopold immer noch nicht - und daß seine Nichte ihn mehr liebt als seinem Bruder Freude macht, ist sowieso ein Problem.

Der Roman ist unterhaltend, aber kein Krimi im klassischen Agatha Christie oder Maigret stil. Der Böse wird am Schluß erwischt, sonst aber die Polizei ziemlich auf die Schaufel genommen :-) .

Rita Falk wurde  am 30. Mai 1964 in Oberammergau (Bayern / Deutschland) geboren. Sie ist gelernte Bürokauffrau. 2013 ist der fünfte der Franz Eberhofer Krimis erschienen.

Dienstag, 4. November 2014

Jörg Maurer : "Föhnlage"

Jörg Maurer :
"Föhnlage" - Alpenkrimi
2009, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. Main
320 Seiten + 2 Seiten Anhang 1 (Rezept des Hoba) + 2 Seiten Anhang 2 (Gedicht des Jägers Jennerwein aus dem späten 19. Jahrhundert) + 4 Seiten Letzte Worte (fiktiver Dialog mit dem Autor)
ISBN 978-3-596-18237-4

Auf den 320 Seiten wird ein humorvoller Krimi in Bayern mit Tracht, Kurgästen, Mord, Leichen, Polizistenteam erzählt, der sehr gut unterhält.

Bei einem klassischen Konzert mit der Skandalpianistin mit verrücktem Hut, fällt ein Mann ins Publikum. Zwei Leichen sind nun zu erklären, v.a. das warum der Mann aus der Höhe fiel. Im morschen Dachboden findet sich vieles, trotzdem ist der Weg den Fall eines durchaus unsympathischen unbeliebten Menschen zu erklären für die Polizei eher mühsam. Für den Leser/ die Leserin allerdings nicht, denn die Seitenhiebe auf Verschiedenartigkeit von Trachten, Benehmen der Kurgäste, etc sind witzig-griffig bis bösartig und manchmal etwas respektlos (aber nicht untergriffig). Die Komik des Augenblicks vor dem geistigen Auge siegt auf fast jeder Seite.
Die Nebengeschichte des Bestatterehepaares Grasegger mit originell zweifelhaften Einkünften und Handlungsweisen ist bar jeglicher Moral und vergnüglich geschildert. Auch das Ende hat Humor.

Die Geschichte wird meist aus der Sicht von Kommissar Jennerwein erzählt, gemischt mit seinen Problemen die ihm die Augen spielen.

Die Personen sind sehr unterhaltsam griffig geschildert : Kommisar Jennwein, die Polizeipsychologin Maria Schmalfuß, Ehepaars Grassegger, Familie Schmidinger, etc.

Manch bayerisches Vokabel hätte ich gerne in einem Glossar hinten erläutert gehabt. 'Ratschkathl' konnte ich übersetzen, bei 'schluchtln bin ich ausgestiegen

Ich habe das Buch an einem grauen Nebeltag gemütlich ausgelesen und sehr genossen. Es ist gute Unterhaltung - ich habe mehrmals beim Lesen laut aufgelacht (auch in den Öffis).

Jörg Maurer wurde 1953 in Garmisch-Patenkirchen (Bayern/Deutschland) geboren. Er studierte Germanistik, Anglistik und Theaterwissenschaften, arbeitet als Deutschlehrer und Hochschuldozent und begann auf Kleinbühnen aufzutreten. Mittlerweile ist er als Musik-Kabarettist bekannt und beliebt. "Föhnlage" ist sein erster Alpenkrimi - bis jetzt sind fünf weitere Bücher von ihm erschienen.

Freitag, 15. Februar 2013

Robert Hültner : "Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski"

Robert Hültner :
"Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski"
1998 (6. Auflage), Verlagsgruppe Random House GmbH
2 Seiten Einleitung, 227 Seiten und 3 Seiten Erläuterungen
ISBN 3-442-72144-X

In diesem gut geschriebenen, dichten und spannenden Kriminalroman wird erzählt wie der brave, korrekte Inspektor Kajetan versucht seine Polizeiarbeit zu verrichten. Alle Werte sind nach dem ersten Weltkrieg in Frage gestellt, Hunger und der Wunsch zu überleben treibt die Menschen zu politischen Veranstaltungen und Vereinigungen. Menschenleben zählen genauso wenig wie im Krieg - Gefühle wie Respekt und Ehrlichkeit sind untergegangen.

Ein Haus ist abgebrannt. Eine Leiche wurde gefunden, der zweite Bewohner, ein Mieter - einer der Journalist werden will - ist unauffindbar. Der Journalist wurde als Test losgeschickt eine haarsträubende Geschichte zu beweisen und stolpert dabei über die Hintermänner der Ermordung des gewählten Präsidenten Kurt Eisner. Er ist in eine junge Frau verliebt, die aus einem der tiefen dunklen Täler Bayerns herkommt. Dort herrscht nach dem Krieg, der vielen jungen Männern aus der Stadt und vom Land das Leben oder auch nur die Seele gekostet hat, nur Mühsal. Der Inspektor folgt den Spuren des Journalisten, findet das Gasthaus in dem die junge Frau kellnert und entdeckt die Ähnlichkeit des Gasthausbesitzers zum Attentäter auf den Präsidenten. Parallel nimmt die Gewalt in München zu - Gruppen links- oder rechtspolitischer Gesinnungen halten Versammlungen ab, und beginnen einander zu bekämpfen. Mittlerweile taucht die Leiche des Journalisten auf, und der einzige dem er vertraut hatte - ein Dramaturg - wird ebenfalls ermordet und alles Belastende vernichtet gefunden. Das Vertrauen in die Polizei sinkt - Kajetan muß erleben, daß sein Vorgesetzter bestochen worden ist und ihn letztendlich auch verrät. Als er bei seinen Nachforschungen bei dem Thule-Verband ermitteln will, wird er verhaftet, aber durch zwei Glücksfälle und aus München ins bayerische Hochland (das die Heimat der Kellnerin ist) gerettet. Ein Zug mit bezahlten Jünglingen, die die Rechtsradikalen unterstützen soll, fährt gen München.

Das Buch hat 'Drive'. Ich habe es an einem Nachmittag gelesen und konnte nicht aufhören, bis ich auf der letzten Seite war.

Die Stimmung ist dicht geschildert, die tw. extreme Armut ist fast körperlich spürbar, ebenso der Zerfall der Werte und daß noch nichts neues Haltbares nachgekommen ist. Politische Extremisten haben es leicht in Lokalen oder Vereinen die Menschen aufzuwiegeln, und wenn es plötzlich Sold gibt dann kommen die Scharen von Arbeitssuchenden.
Am Land wird anhand des Bruders der jungen Frau Jule geschildert, daß er da er im Krieg nur stundenlang verschüttet gewesen war, aber keinen körperlichen Makel aus dem Krieg vorweisen kann, selbst vor Ärzten als Simulant gilt (meilenweit von Trauma-erkennung entfernt).

In der Einleitung weist der Autor darauf hin, daß der Roman zwar auf geschichtlichen Fakten und Hintergründen basiert, aber Namen und Personen und auch Orte geändert sind und nicht eins zu eins zu nehmen sind. Für mich war die Information über die Räterepublik in Bayern nach dem ersten Weltkrieg mit den extremen linken und rechten Positionen und Vereinigungen trotzdem aufschlußreich. Auch daß ein Präsident erstochen werden kann, ohne daß der Attentäter dadurch wirklich zu Schaden kommt, ist ein erschreckendes Element.

Dieses Buch ist Krimifreunden sehr zu empfehlen und auch Lesern, die gut recherchierte geschichtlich glaubwürdige Geschichten mögen. Viel Spaß !

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Rita Falk : "Dampfnudelblues"

Rita Falk :
"Dampfnudelblues"
- Ein Provinzkrimi
2011, Deutscher Taschenbuch Verlag
Glossar 4 Seiten mit bayerischen Ausdrücken ins Schriftdeutsche erklärt
Rezepte der Großmutter 6 Seiten
Danksagung 2 Seiten
238 Seiten
ISBN 978-3-423-24850-1

In diesem humorvollen, aber auch verfressenen Krimi löst Franz Eberhofer, Polizist im Bereich Landshut, den Mord am Realschulinspektor Höpfl, der anerkanntermaßen ein ziemlich ungeliebter Zeitgenosse war.

Franz Eberhofer lernt den Lehrer Höpfl kennen, als dieser wegen Schmiererei auf seiner Hauswand Anzeige erstattet. Das Geschmiere fordert den raschen Tod des allseits ungeliebten Lehrers. Kurz darauf werden Teile von ihm auf den Bahngeleisen entdeckt.
Es dauert einige Zeit bis Homosexualität und Drogen entdeckt werden und die Lösung zum Täter freigeben.

Abwechslung bieten die Schilderungen der Familie von Franz Ebenhofer - sein Vater mit Cannabis und Tabak im Garten, die ausgezeichnet kochende Großmutter, und sein Bruder der sich für seine dritte Ehe in eine schöne zarte Thailänderin verliebt hat und mit ihr ein kleines Mädchen hat.
Schön handfest werden auch die Freunde des Polizisten wie der Fleischhauer (dt. Metzger), der Installateur, ehemalige Polizeikollege und jetziger Detektiv Birkenberger geschildert - ebenso seine (Langzeit- oder nicht)Freundin Susi und paar plaudersüchtige Damen.
Zusätzlich bahnt sich eine Liebesgeschichte zwischen der Schwester des Ermordeten und einem Mann der Spurensicherung an.
Mit leichter Bosheit beschreibt die Autorin die 'Landshuter Hochzeit' - eine Periode in der die Stadt Fasching feiert. Offenbar finden Männer in Strumpfhosen nicht überall Beifall.
Trocken wird das Mißtrauen zu Menschen aus anderen Ländern und Kulturen festgehalten indem markige Kommentare über den Fußballer aus Angola und die junge Frau aus Thailand volksnahe zitiert wirken.

Das Glossar mit bayrischen Worterklärungen und die deftigen Hausmannskost-rezepte machen großes Vergnügen zu Lesen.

Der rasch und gut lesbare Krimi macht Spaß zu lesen, unterhält gut mit seinen Personenbeschreibungen und hält die Spannung der Frage wer denn wirklich der Mörder ist. Das Buch ist jedem zum Empfehlen der sich auf die bodenständige bayerische Atmosphäre einlassen und mit Franz Eberhofer durch Wald und Mordfall spazieren möchte.

Das ist übrigens Band 2 mit Franz Ebenhofer - Band 1 und Band 3 dürften ebenso unterhaltsam sein.