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Samstag, 16. August 2025

Robert Thorogood : "Murder on the Marlow Belle"

Robert Thorogood :
"Murder on the Marlow Belle" - A Marlow Murder Club Mystery
2025, Harper Collins Publishers Ltd
308 Seiten +2 Seiten Acknowledgements + weitere Seiten für Folgeroman
ISBN 978-0-00-856738-5

Drei Damen in einem entzückenden Dorf machen sich unauffällig auf die Suche nach dem Mörder eines die Aufmerksamkeitn suchenden Direktors einer dilettantischen Dorfteeatergruppe. Der Mord war auf einem Ausflugsschiff mit nur wenigen Menschen geschehen, weshalb Judith Potts, Suzie und Becks die Geheimnisse über Bigamie, wirtschaftliche Probleme, Tratschsucht, etc aufgedecken und versuchen möglichst unauffällig an ihre geschätzte Polizistien Tanika zu geben, damit diese freundliche Dame keine Probleme bekommt. Judith nimmt an den Proben und Aufführung der Theatergruppe teil, um an die Geheimnisse zu kommen. Spät kommt die entscheidende Information, die zur Lösung führt.

Der Roman ist in sehr schön reichhaltigen Englisch mit vielen Pflanzennamen geschrieben.
Die Personen sind liebevoll in ihren Verschiedenartigkeiten, Ecken und Kanten geschildert. Es gibt den verstorbenen geltungssüchtigen Direktor des Theaters; seine Frau die eher korrekt ist aber nicht mehr bereit nur zurückzustecken; zwei weitere Schauspieler die mehr oder minder begabt und ausstrahlungstark sind, und eine aufgetaktelte sich wichtig machende ältere Dame in der Theatergruppe. Dazu kommt eine Frau, die bei diesem Theater gestartet hatte und Jahre später eine anerkannte Hollywood-schauspielerin ist.
Judith Potts hat eine eigenartige Vergangenheit mit Spionage und weltweiten Einsätzen und kaum Skrupeln zu Information zu kommen, sie ist auch wagemutig; Suzie hat Familie und sorgt sich um den neuen Freund ihrer Tochter; Becks muß mit ehemaligen Freunden fertig werden.

Ich habe mich gut beim Lesen dieses Romans unterhalten. Viel Freude.

Robert Thorogood wurde 1972 in Colchester, Essex geboren. Er ist Drehbuchautor und Romanschriftsteller. am bekanntesten ist er für die Drehbücher für "Death in Paradiese" .

Freitag, 27. Dezember 2024

William Roy & Sylvain Dorange : "Hedy Lamarr"

William Roy & Sylvain Dorange :
"Hedy Lamarr" - Wienerin, Hollywoodstar, Erfinderin
original "The incredible Life of Hedy Lamarr"
2018, La Boite a Bulles
Aus dem Französischen von Yara Haidinger
2024, Bahoe Books
172  Seiten
ISBN 978-3-903478-20-6

Die Graphic Novel beginnt 1957 bei amüsantem Menschen erraten Quiz, zu einem Zeitpunkt an dem Hedy Lamarr als schönste Frau der Welt bekannt ist. Dann wird ihr Leben gezeichnet'/ erzählt : Kindheit in Wien, erste Filme, erster Ehemann, Übersiedlung nach USA, Filme, Ehen und Kinder, eigene Filmproduktion, Ansprechpartner für ihre technischen Erfindung in George Antheil, Sexistisches in der Filmbranche, spät aber doch Anerkennung ihrer technischen Erfindungen und was sie bewirken, und erleben, daß ehemals sehr schöne Frauen es im Alter nicht leicht haben.

Diese Graphic Novel erzählt die Geschichte ziemlich gerade oder Verzweigungen; leider gibt es mir zu wenig graphische Feinheiten in den Illustrationen - was für mich in Graphic Novels ein wichtiges Element ist.
Beispielsweise ist auf Seite 11 der Blick auf Wien ohne auch nur ein klassisches Wien-Bauwerk gezeichnet - Stephansdom und Riesenrad gab es in der Zwischenkriegszeit, und die Berge sind auch anders (hier erwarte ich von einer 30 EUR Graphic Novel doch bessere Recherche).

Das Leben dieser vermutlich sehr faszinierenden Frau wird wie in dem üblichen Nachschlagwerk im Internet erzählt; es gibt bis auf die sexistischen Bemerkungen kaum Neues zu entdecken, was mich enttäuschte.

Wer anfängt sich mit Hedy Lamarr zu beschäftigen für den ist diese Graphic Novel richtig; wer schon mehr weiß und graphisch mehr sehen möchte, weiß ich nicht ob zufrieden ist.

Mittwoch, 22. Mai 2019

Elia Barceló : "Das Licht von Marokko"

Elia Barceló :
"Das Licht von Marokko"
Roman
Lesebändchen
original "El Color del Silencio"
2017, Roca Editorial, Barcelona
Übersetzung aus dem Spanischen von Anja Rüdiger
2017, Pendo Verlag / Piper Verlag München
481 Seiten
Stammbaum der Familie in den Innenseiten des Buch
ISBN 978-3-86612-433-2

In dem Roman geht es um eine Familiengeschichte aus Spanien und Marokko, die vor der Übernahme Francos beginnt, sich lange zwischen Marokko und Spanien abspielt und in der Gegenwart durch einen Besuch aus Australien und der hinterlassenen Kiste mit Photos und Briefen aufgelöst wird.
Hauptperson ist Helena, das jüngste Kind von Blanca und Gregorio/Goyo, deren Schwester vor Jahrzehnten in Marokko ermordet worden war, die sich dann in die Ehe mit dem falschen Mann geflüchtet hatte, und später über Indien nach Australien gereist war, um als Malerin berühmt zu werden.
Sie erzählt aus ihren Erinnungen um Rabat in Marokko, sie bekommt alte Briefe und Photos ihrer verstorbenen Mutter, und ihre Enkelin bringt sie zu einer Modeschöpferin.
Parallel dazu wird von der großen Liebe ihrer Eltern zueinander erzählt, und den Geschäften ihres Vaters, bei dem sich erst langsam entschlüsselt, daß er einer der wichtigen Geheimagenten Francos gewesen war. Auf Grund dieser Machtposition konnte er auch den brennenden Kinderwunsch nach dem ersten Kind erfüllen; diese Einflußnahme wirkt sich Jahrzehnte später auf viele Menschen aus.

Im Hintergrund der Geschichte ist vieles recherchiert. Es geht nicht nur Francos Politik Kinder mißliebeigen Eltern wegzunehmen und regimefreundlichen Eltern zu übergeben, sondern es wird auch die Geschichte Francos auf den Kanarischen Inseln erzählt, und den Zusammenhang von Spanien und Marokko und der Loslösung von Marokko.

Nicht nur Helena ist Künstlerin, sondern auch der Sohn der zweiten Frau ihres Sohnes. Es ist faszinierend zu Lesen wie die Künstler um ihre Ideen und Authenzität ringen.
Der spanische Originaltitel heißt eigentlich übersetzt : " Die Farbe der Stille/des Schweigens". Einige Kapitel gehen darum wie Helena auf allen ihren Bildern Schatten, eine schattenhafte Figur hat. In der Auflösung ist das Licht ganz anders geworden.

Die vielen Figuren in dem Roman sind gut greifbar. Manche sind schön und liebenswürdig, manche intrigant und vom schlechten Gewissen hinterfragt (wie der Schwager Jean Paul), manche selbstherrlich intrigant aber liebend wie der Vater Helenas, aber auch liebenswürdig gelassen und gescheit der Freund Helenas Charlie.

Der Roman ist gut und dicht geschrieben. Die Orte, die Menschen, die Gefühle laufen vor dem inneren Auge ab. Wie sich einiges um Leben und Tod von Alicia entschlüsselt, und Auswirkungen ist spannend zu lesen. Viel Freude beim Lesen.

Elia Eisterer-Barceló wurde am 29 Jänner 1957 in Elda / Alicante geborten. Sie studierte Anglistik, Amerikanistik und Hispanistik on London, München, Paris, Florenz, und Innsbruck. Sie untererrichtet an der Universität Innsbuck spanische Literatur und nimmt an Literaturfestivals in Europa teil. 1989 erschien der erster ihrer immer auf spanisch geschriebenen Roman "Sagrada". Es erschienen auch Jugend- und Sachbücher und Kurzgeschichten von ihr.

Samstag, 19. August 2017

Bernhard Aichner : "Nur Blau"

Bernhard Aichner :
"Nur Blau"
Roman
2012, Haymon Innsbruck
222 Seiten
ISBN 978-3-85218-903-1

In diesem dichten großartigen Roman geht es um das Blau und dem Maler Yves Klein. Mehrere Fäden werden erzählt, die sich lose miteinander verbinden :

Der eine ist Jo, ein ungestümer junger Mann der so lange mit blau probiert, bis der das Yves Klein blau hat und Kopieren herstellen kann. Mosca ist sein Freund, Literaturagent, gepflegt, elegant und belesen. Ben ist Taxifahrer in Frankfurt und hat grausliche Alpträume durch Tabletten. Oliver ist Mistmann, findet ein Bild von Yves Klein in einer Mülltonne und verliebt sich in Herta die von einem eigenen Restaurant träumt. Anna war mit Ludwig einem Radiosprecher zusammen, der sich quälte - jetzt zeichnet sie mit Bleistift und arbeitet in einem Restaurant; nebenbei hatte sie was mit Ben laufen. Mirella ist aus Italien, lebt in einem Wohnwagen und kannte Yves Klein als sie jung war und er in einer Galerie in Mailand ausstellte. Onnie ist Däne, dünn und hat ein Harnproblem und schnupft Rauschgift; als Mosca ihm helfen will wird das von Ming, einer ehrgeizigen Asiatin, vereitelt. Am Schluß ist ein Fenster offen.

Mich hat der Roman fasziniert und ich mußte weiter- und durchlesen bis ich auf der letzten Seite war. Die Menschen und ihren 2-er oder auch 3-er Beziehungen sind gut spürbar, aber auch die Suche nach wie-will-ich-leben bei denen die Haupt- und Nebenplaneten ist nachvollziehbar.

Die Beziehung zwischen Mosca und Jo ist haptisch und in ihrer Sinnlichkeit schön vorstellbar. Auch die Beziehung zwischen Anna und Ludwig, die Ludwig durch Verletzungen ruiniert, ist in ihrer Körperlichkeit nachvollziehbar.
Als Gegenpole sind Jo der dem abstrakten Klein-Blau nachjagt und Anna die viele Bleistiftzeichnungen ihres eigenen verletzten Körpers zeichnet aufgebaut.

Im Gegensatz zu einem Kriminalroman des Autors bei dem mir die Eigenschaftswörter fehlten, gibt es hier genug vorstellbares und ich konnte in die spannenden Erzählfäden eintauchen.

In Summe : ein grandioses Buch, das ich gerne weiterempfehle !

Yves Klein lebte von 28. April 1928 in Nizza bis 6. Juni 1962 in Paris (Herzinfarkt).

Sonntag, 25. Oktober 2015

Adolf Opel : "Wo mir das Lachen zurückgekommen ist"

Adolf Opel :
"Wo mir das Lachen zurückgekommen ist - Auf Reisen mit Ingeborg Bachmann"
2001, Langen Müller / Herbigs Verlagsbuchhandlung GmbH, München
208  Seiten + 1 Seite Quellen- und Bildnachweis
ISBN 3-784-2830-4

In Tagebuch- und damit ich-form erzählt der Autor von seinen Reisen die er ab Jänner 1964 in Bezug auf Ingeborg Bachmann und mit ihr unternommen hat. Auf Besuch in Berlin im Jänner entstanden Ideen zu Reisen nach Prag und über Griechenland nach Äygpten. Beides haben sie auch wirklich unternommen : sie haben das graue Prag erlebt und mit Flauberts Beschreibungen unterstützt vieles von Ägypten gesehen. Im Juni 1964 reisen sie wieder über Griechenland zurück und das Buch endet - mit einer Stichwortliste wann die beiden danach noch in Verbindung miteinander waren.

Mich hat die Sprache und die Art und weise des Lebens in diesem geschilderten halben Jahr in einer Künstler- und Kreativenszene sehr fasziniert. Es werden bereits anerkannte, halbberühmte Menschen geschildert, und auch welche, in deren Zukunft doch keine Berühmtheit gelebt wird. Es ist verzaubernd wie diese Menschen ein Gemisch aus Wissen, Bildung mit Neugier mischen, wie selbstverständlich französisch und spanisch eingeflochten wird (ohne Übersetzung als Fußnote) und wie vergnüglich manche Berühmtheiten mehr oder weniger liebevoll gezeichnet werden.
Erstaunlich war zu lesen wie der Autor um die Hauptperson Frau Bachmann quasi 'herumgetanzt' und sorgsam versucht hat ihr alles so schön und wenig schmerzvoll zu machen (wenn dies nicht wahr ist, ist es zumindest sehr schön zu lesen).
Die große Dichterin, die viele aufgrund ihrer Art mit Worten wunderbar umzugehen, lieben und schätzen wird nach einer offenbar nicht gelungen Beziehung geschildert. Sie ist als sensibler, unsicherer Mensch gezeichnet, für den manches in dieser 'rauhen' Welt zuviel (geworden) sein dürfte.

Exkurs über Ingeborg Bachmann :  Ingeborg Bachmann wurde ab 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren und starb am 17. Oktober 1973 in Rom. Sie studierte Philosophie, Psychologie, Germanistik und Rechtswissenschaften, schrieb Geschichten, Gedichte, Hörspiele, Libretti und Prosatexte. Wichtige Männer in ihrem Leben waren Wiener Essayist und Literaturkritiker Hans Weigel, Komponist Hans Werner Henze und der Autor Max Frisch. Berühmt ist sie u.a. für Prosawerke wie "der Fall Franka" (1966), "Malina" (1971), Libretti für "Der junge Lord" und "Der Prinz von Homburg" und viele Gedichte und Erzählungen.

Die Schilderungen von Prag Mitte der 60-er Jahre mit den damaligen Besuchsproblemen beim Visum und wie unterschiedlich die Menschen dort waren gehen unter die Haut. Ganz anders ist Athen und die Menschen dort geschildert : faszinierend wie der Autor die Häuser, die Antiquitäten und dortige Künstlerszene beschreibt. Ägypten ist unterschiedlich mit Leben am Hausboot, in schlechten und sehr guten Hotels, Wüste mit Kamelknochen, und der vermutlich letzten Bootsfahrt zu Abu Simbel bevor diese beeindruckenden Riesenstatuen zu ihrem jetzigen Ort Transport vor der Flutung für den Stausee transportiert wurden.

Mich hat der Zauber dieser Reisen und Art und Weise der beiden Reisenden gemeinsam mit Flauberts Tagebuch über Ägypten fasziniert. Ich wünsche auch anderen Lesern und Leserinnen das gleiche Vergnügen.

Adolf Opel wurden am 12. Juni 1935 in Wien geboren. Er studiert zwischen 1953 und 1959 an der Universität Wien und der State University of Iowa (Iowa City, USA) Psychologie, Literatur- und Theater- und Filmwissenschaften Ab 1956 war er Journalist, Kritiker und Auslandskorrespondent und schrieb auch Theaterstücke, Radio-Features und Musicals. Er reiste auch viel.

Dienstag, 23. Juni 2015

"Die andere sicht : sammlerin und künstlerin"

"Die andere sicht : sammlerin und Künstlerin"
Ausstellung 19.03. - 21.09. 2014
Katalog Essl Museum Kunst der Gegenwart
ISBN 978-3-902001-81-8

2014 gab sich die Sammlerin Agnes Essl das Vergnügen ausschließlich Werke von Künstlerinnen auszustellen; manches enstand erst aus Gesprächen in den Ateliers zwischen Frau Essl und den Künstlerinnen.

Werke der bekannten großen Damen der österreichischen Kunst sind ausgestellt - mich fasziniert immer wieder die Weise wie Elke Krystufek den Pinsel zieht, einiges von Maria Lassnig ist präsent, Hasen von Deborah Sengl, Buntes von Kiki Kogelnik, Aquarelle von Martha Jungwirth, Klassiker von Valie Export (ohne die die Ausstellung nicht komplett wäre) ...

Es gibt auch "haptisches" : wie den roten Bildteppich von Franka Lechner, eine Gegenzeitfigur von Meina Schellander, Alu-arbeiten von Barbara Szüts und Peddigrohrarbeiten von Ilse Haider ...

Sehr gut gefielen mir auch die Landschaften von Brigitte Bruckner, und die Lichtarbeiten von Astrid Bechtold.

Es gibt zwar ein Abbildungsverzeichnis, aber leider kein Information über die Vitae der Künstlerinnen; bei manchen hätte mich interessiert in welchem Metier die Ausbildung gewesen war und wohin der Weg zum Zeitpunkt der Ausstellung geführt hat.

In Summe aber ein ziemlich gelungener Katalog nach einer sehr schönen Ausstellung.