Posts mit dem Label Kuba werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kuba werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 30. März 2023

Gabriela Garcia : "Von Frauen und Salz"

Gabriela Garcia :
"Von Frauen und Salz"
original "Of Women and Salt"
2021, Flatiron Books
Aus dem Amerikanischen von Anette Grube
2022, Claassen / Ullstein Buchverlag GmbH, Berlin
293 Seiten + 4 Seiten Dank
ISBN 978-3-546-10011-3

Carmen denkt an ihre Tochter Jeanette in Miami, María Isabel hört in Camagüey in der Zigarettenfabrik dem Vorleser zu, Jeanette kommt in Miami weder vom Abscheu an ihren Vater noch vom Drogenkonsum ihres Freundes los, Gloria und Ana haben sich mühsam nach Miami geschmuggelt und werden nach Mexico zurückgeschickt, Dolores und Maydelis bekommen Besuch von Carmen und Jeanette in La Habanna, Dolores denkt zurück, es endet mit Ana.

Vier dieser Frauen gehören zu einer Familie, die Kuba zur Zeit von Batista, CheGuevara und Miami erlebt und drei versuchen ernsthaft zu Überleben. Männer sind nur in Nebenrollen vorhanden. 

Interessant ist wie die jeweilige Zeitgeschichte erzählt wird. Kuba mit dem Kampf gegen Batista und seine Clique ist spürbar, wie die Arbeiterschichte dagegen kämpft, ist interessant; es wird auch unnötig Brutales gegen Frauen geschildert. Miami ist als amerikanische Stadt nicht spürbar; das Frauenanhaltelager ist dagegen sehr spürbar geschildert.

Das Buch wird als Roman bezeichnet, was ich nicht nachvollziehen kann. Ich empfinde diese zwölf Kapitel, in denen episodenhaft zwischen 1866 bis 2019 zeitlich unchronologisch von Frauen erzählt wird, als kleine Erzählungen, die für sich stehen.

Manche dieser Frauengestalten haben mich interessiert, bei manchen ist das Interesse gestiegen, aber eine Frau wurde mir beim Lesen unsympathisch. Alle sind nachvollziehbar geschildert.

In Summe ein interessanten Buch über Frauen, und deren Ziele oder Nicht-Ziele.

Gabriela Garcia ist die Tochter von Immigranten aus Cuba und Mexico, die Miam aufwuchs. "Of Women and Salt" ist ihr erster Roman.

Sonntag, 6. Januar 2019

Giuliano Ramella & Stefano Cattaneo : "El Che"

Giuliano Ramella (Szenario) & Stefano Cattaneo (Zeichnungen):
"El Che"
original "El Che - la victoire ou la mort"
2012, Heupé Sarl / Emmanuel Proust Editions, Paris
aus dem Französischen von Anja Kootz
2018, Knesenbeck, München
100 Seiten Graphic + 2 Seiten über Che Guevara von Marcel Niedergang
ISBN 978-3-95728-221-7

In assoziativen Geschichten wird einiges aus dem Leben von Che Guevara erzählt. Es beginnt mit seiner Jugend und dem Bestreben etwas zu ändern und springt dann zwischen Kuba, Bolivien, Kongo, der Rede vor der UNO und Kuba. Die Szenerien sind im Wald, in der Guerilla, etc. Mittendrin ist seine Erschießung, aber auch daß er selbst zur Waffe zur Disziplinierung griff; das Ende ist die Vision vor Sonnenuntergang, daß um Gerechtigkeit gekämpt werden muß.

Ich habe das Buch auch wegen meines Interesses für die Zeichnungen gekauft. Diese sind sehr statisch, was mitten um Regen-/Urwald fasziniert. Die Zeichnungen wenn ein Soldat am Fluß steht und raucht, wirken wie erstarrt - auch der Rauch in seiner fein ziselierten Strichelweise. Auch die flache Architekturzeichnung funktioniert.
Die Gesichter sind rauh, und ausdrucksstark.

Am Anfang dauert es bis ich in die Geschichte gekommen, dann war es einfacher den auch geographischen Sprüngen zu folgen.
Aus dem an sich schon vielfältigen und spannenden Leben Che Guevaras wurden einige Punkte herausgeholt und betont; damit fehlen bei dem Seitenumfang andere Themen.

Bei der Übersetzung sind mir paar Hoppalas und Eigenheiten bei Phrasen aufgefallen.

In Summe ein beeindruckendes Buch über einen brutalen, aber visionären Menschen. Alleine schon die Graphiken sprechen auch für sich und machen damit eine Empfehlung aus. Viel Freude beim Einlassen auf dieses Buch.

Giuliano Ramella heißt eigentlich Giuliano Ramella Peza, studierte an der Hochschule für Comic-Kunst in Mailand und arbeitete bereits an der italienischen Comic-Serie 'John Raider'.
Stefano Cattaneo ist Italiener, der in England lebt. Sein Zeichenstil ist italienische Schule, beeinflußt von Pratt à Giardino.

Donnerstag, 25. Januar 2018

José Triana : "Die Nacht der Mörder"

José Triana :
"Die Nacht der Mörder"
Original "La noche de los asesinos"
UA 1965 durch das Cubanische Theater
Deutsch von Yvonne Sturzenegger
1969, Suhrkamp - Speculum XII 6 Theaterstücke von Frisch, Walser, Handke, Triana, Müller, Havel
37 Seiten (S.183 - 221 dieses Bandes) + 3 Seiten Information (S.304 - 306 dieses Bandes)
keine ISBN

Beba, Cuca und Lalo sind drei vermutlich junge Menschen, die einen möglichen, oder geplanten oder gewünschten Mord an ihren Eltern in Tat und vor Gericht nachspielen. Sie übernehmen dabei abwechseln die Rollen inklusive Mutter, Vater, Nachbarin, Nachbar, Richterin und Staatsanwältin und Angeklagter.
Vor dem Hintergrund von ehemaligem Wohlstand spielt sich die Armut der Familie ab und alle Frustrationen der Eltern, sowie der Kinder.

Am Schluß des 2-aktigen Theaterstücks geht es aber nur darum, eines der Geschwister von den anderen mit Machtspielen fertig zu machen.

Daß das Stück in Kuba einige Jahre nach der Übernahme von Fidel Castro geschrieben wurde ist nicht merkbar. Politik findet hier nicht statt, sondern Familienhaß der mich an Stücke von August Strindberg erinnert.


Umstellen von einigen Einrichtungsgegenständen wird bereits als Aufstand interpretiert und führt zu Krisen.

Lalo spielt mit Genuß die verschiedenen Menschen und schiebt ihnen damit Fehler und Verantwortung zu, ein Spiel bei dem die temperamentvollere Schwester Cuca mit Vergnügen mitmacht, während Beba den Eindruck hinterläßt, daß sie gerne in Ruhe gelassen werden möchte (was ihr nicht hilft, denn sie muß mitspielen). Jeder der dreien sieht, daß es so nicht weitergeht, und als Alternative nur den möglichen Mord an den Eltern.


Der Text (und/oder die Übersetzung) sind eindrücklich und ziehen in die enge Gedankenwelt der Drei hinein.

Die Wandelbarkeit der männlichen Partie in den Mund gelegt wird hat mich beim Lesen fasziniert. Die Frauenrollen scheinen mir weniger vielseitig und faszinierend angelegt.

In Summe ein eindrückliches Stück für das man drei sehr gute Schauspieler brauchen wird, damit dieses enge Kammerspiel die geistige Beklemmung wiedergeben kann. Viel Freude beim Lesen (oder mal auf der Bühne sehen).

José Triana wurde am 8. August 1931 in La Habanna / Kuba geboren. Er studierte Philosophie und Literatur in Kuba bis 1952, studierte bis 1955 in Madrid, und arbeitet nach seiner Rückkehr bei einer Telephongesellschaft in Kuba. Später arbeitete er im Literaturbetrieb Kubas mit. 1958 erschienen sein erster Gedichtband in 'De la madera del sueño' in Madrid. 'La noche de los asesinos' gilt als sein Hauptwerk. Er hat auch viele Hörspiele und Essays verfaßt. Seit 1980 lebt er mit seiner Frau in Paris; oder in Kuba.

Donnerstag, 23. November 2017

Wendy Guerra : "Alle gehen fort"

Wendy Guerra :
"Alle gehen fort"
Roman
original "Todos se van"
2006 Indent Literary Agency
Aus dem Spanischen von Peter Tremp
2017, Unionsverlag Taschenbuch
197 Seiten + 3 Seiten Worterklärungen (Namen, Schlagworte)
ISBN 978-3-293-2077-5

Nieve schreibt in Tagebüchern über ihr Leben, zuerst als Kind, dann als Jugendliche. Sie lernt früh, daß wichtige Menschen gehen, entweder ins Gefängnis oder weil sie Kuba verlassen (müssen). Ihre Mutter, eine kreative Frau die Puppen bastelt und im Radio Kindersendungen macht, glaubt zwar dem kubanischen Kommunismus, versteht aber die Reglementierungen und die Unmenschlichkeit der Diktatur sowie die Brutalität gegen Kunst nicht. Nieves Vater wird als Alkoholiker mit Wandertheater geschildert, der zwar seine Tochter beherrschen, sie aber nicht versorgen will. (Die Abschnitte über Gewalt und Hunger sind heftig). Fausto, der liebevolle freundliche schwedische Freund der Mutter, wird des Landes verwiesen. Nieve verliert alle Kontakte bei jedem Schulwechsel. Sie lernt sich oft zu verabschieden.
Als Jugendliche ist sie in kreativen Kreisen. Sie lernt Osvaldo, einen berühmten Künstler kennen und lieben. Als er nach Paris eingeladen wird, heißt es lange warten, bis klar wird, daß sie nicht nachreisen kann. Filmemacher Antonio bringt sie darauf das echte Leben zu betrachten, nicht nur durch die Seiten der Tagebücher, die sie schreibt.

Die Geschichte wird aus der Ich-Sicht in Tagebuchform erzählt, in die manchmal Gedichte einfließen. Der einzige Teil der nicht aus Nieves Sicht beschrieben ist, ist ein langer Brief von Antonio.

Ich bin eingetaucht in die Welt und die Beschreibungen des Mädchens und später der jungen Frau. Diese Welt bestand am Anfang aus Liebe der Mutter und ihres Freundes, sowie der Brutalität ihres Vaters. Früh lernt sie Angst und Mund halten kennen, weshalb sie sich nur den Tagebüchern anvertraut (was - wie sie weiß - politischer Wahnsinn ist).
Die Stellen in denen kreativ gearbeitet wird und Menschen einfach Kunst und Musik leben wollen sind stark; ebenso die in denen verbotene Literatur, weil zensuriert, versteckt werden muß.

Es gibt einige deftige erotische Absätze.

Politischer Hintergrund ist die Zeit der Repressionen und Hungerszeit der 70-er auf Kuba, in der viele Menschen gehen wollen. Ich habe einiges nachgelesen in der Geschichte Kubas : über die Zeit als die Menschen in der peruanischen Botschaft Zuflucht suchten, als Ausreisewillige wüst beschimpft wurden und die künstlerisch 'graue' Ära auf der Insel.

Die Namen der Worterklärungen führen zu einigen Künstlern die mir neu waren.

Im Summe ein dichter Roman bei dem sich Menschen und Rundherum gut vorstellen lassen - sowohl das Lebensgefühl, auch auch die Diktatur der Lebensverweigerung. Viel Freude beim Lesen !

Wendy Guerra wurde am 11. Dezember 1970 in Havanna (Kuba) geboren. Mit 17 veröffentlichte sie ihren ersten Lyrikband, dann ging sie auf die Kunsthochschule. Später arbeitete sie als Radio- und Fernsehsprecherin und Schauspielerin und besuchte die Filmhochschule um Regie zu lernen. Nach dem außenpolitischen Erfolg ihrer Gedichte, wurde sie in Kuba negiert, was sie dazubrachte in spanischen Zeitungen zu schreiben. Mittlerweile sind drei Gedichtbände und fünf Romane von ihr erschienen. Sie lebt weiterhin auf Kuba.

Freitag, 9. Dezember 2016

Leonardo Padura : "Der Schwanz der Schlange"

Leonardo Padura :
"Der Schwanz der Schlange"
Kriminalroman
original "La Cola de la serpiente"
2011, Tuesquets Editores, Barcelona
Aus dem kubanischen Spanisch von Hans-Joachim Hartstein
2010, Unionsverlag Zürich
174 Seiten + 3 Seiten Anmerkungen des Autors
ISBN 978-6-293-00440-5

Teniente Mario Conde ist wieder unterwegs, diesmal den Mord an einem Chinesen im chinesischen Viertel von Havanna zu klären. Die Tochter eines Chinesen und einer Afrikanerin, die sehr attraktive Polizistin Patricia Chion, bittet ihn hier mit Respekt vorzugehen, und holt auch die Hilfe ihres verschlossenen Vaters ein. Conde irrt zwischen chinesischer Mafia mit Drogenmöglichkeit, altem Glauben, aktueller Verzweiflung, Abschottung innerhalb der sprachlichen und kulturellen Herkünfte, Alkohol und Sturheit hin und her. Er löst den Fall, ist aber wie gewohnt nicht glücklich damit.

Diesmal schildert der Autor das Leben, die verschwundenen Träume der Chinesen die nach der chinesischen Revolution auf Kuba Geld verdienen wollten, und hier nochmals von einer Revolution überrollt worden. Überleben ging nur unter teilweiser Bewahrung der Rest der ursprünglichen Verhaltensweisen.

Schräg sind die Ausflüge in denen chinesischer Aberglauben, afrikanische Zauber vermengt mit jüdischem Zauber. Worte wie 'mayombe', 'palo', 'nganga', 'zarabanda', 'yoruba' sollten vertraut sein, oder nachgeschlagen werden.

Faszinierend wie das Schönheitsideal von Condes Traumfrau ist - oben schmal, hüftabwärts mehr als breit. Deutlich werden die Bewegungen breiten Hüften und Beine beschrieben. Die Jugendliebe Tamara taucht auf der Suche nach ihren Wurzeln wieder auf.

Condes Wohnung beherbergt einen Goldfisch, der immer wieder Rufino genannt wird. Und Bücher, deren Lesen in aus dem Frust der Polizeiarbeit herausholen.
Im polizeilichen Umfeld sind Sergante Manolo, der Vorgesetzte Mayor Rangel und als Hilfe der dicke Contreras an seiner Seite.

Der Titel des Buches resultiert aus den Condes philosophischen Überlegungen ob die Lösung am Kopf oder am Schwanz der Schlange beginnt.

Der Roman ist dicht beschrieben, und es gut zu verfolgen welche Schritte der Teniente verfolgt. Die Menschen sind gut vorstellbar.

In Summe ein wunderbares Buch, auch wenn es nicht ganz einfach zu Lesen ist. Viel Freude beim Lesen !

Leonardo Padura Fuentes wurde 1955 in Havanna geboren. 1980 schloss er sein Studium der Literatur an der Universität Havanna ab und begann dann als Journalist zu arbeiten. 1989 begann er Kriminalromane zu schreiben, für die er Auszeichnungen erhielt. 1991 erschien das erste Buch mit Teniente Conde, das erst 2003 auf deutsch erschien.

Mittwoch, 6. August 2014

Cristina Garcia : "Träumen auf Kubanisch"

Cristina Garcia :
"Träumen auf Kubanisch"
Roman
original "Dreaming in Cuban"
1992, Alfred A. Knopf, New York
Aus dem Amerikanischen von Carina von Enzenberg und Hartmut Zahn übersetzt
1994, S. Fischer Verlag Gmbh, Frankfurt
263 Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnung + 1 Seite Stammbaum
ISBN 3-10-024406-0

Drei Generationen von Frauen sind die wichtigen Menschen in diesem Roman über Kuba mit Ausläufern nach USA.

Celia, die Großmutter erlebt die Doppelbödigkeit ihres Vaters der zwei Familien hatte und die nach Havanna abgeschoben wird. Sie erlebt Liebe, heiratet einen anderen, gebiert drei Kinder und wird Fan von 'El Lider' Castro und der Revolution. Sie ist mit Kuba verwurzelt aber Realistin.
Ihr Sohn Javier geht in die damalige CSSR, heiratet und bekommt dort eine Tochter, die Celia nie sieht.
Die älteste, die Tochter Lourdes, verliebt sich in einen reichen jungen Mann und verläßt Kuba nach der Revolution. Sie baut eine Bäckerei in New York auf, hat Erfolg, ernährt Mann und künstlerische Tochter Pilar. Sie hat mit dem toten Vater spirituellen Kontakt, ihe Tochter mit Celia.
Anders ist die zweite Tochter Felicia, die Gefühl für Übersinnliches hat. Sie bringt Zwillingen auf die Welt und später einen Sohn, Ivanito. Sie fühlt sich zu den mystischen Riten hingezogen und stirbt kurz nach der Initiation.
Pilar und Lourdes besuchen Celia. Pilar findet ihr Wurzeln, während Lourdes die Stätten der Vergangenheit aufsucht und Verfall findet; und sich nach New York sehnt. Sie hilft Ivanito außer Landes. Am Schluß löst sich Celia auf.

Das Buch ist vielschichtig mit einem Gemisch aus Geschichte, Landeskunde, starken Persönlichkeiten, und Spiritualität der Yoruba. Mich haben die Erzählungen der unterschiedlichen Gesellschaften, Gruppen und Menschen in Kuba am meisten fasziniert.

Liebe ist ein großes Thema, aber keiner ist glücklich damit. Celia schreibt ihrer alten Liebe nie abgeschickte Briefe nach Spanien, ihr Mann ist deshalb eifersüchtig, Lourdes fühlt sich von den Eltern ungeliebt und geht ihren eigenen Weg, Felicia hüllt sich in eine andere als die irdische Welt, und erleidet Schiffbruch in ihren Beziehungen, nur Ivanito ist ihr nahe und eine gute Freundin.

Es ist ein starkes Buch für das sich der Leser/die Leserin Zeit nehmen sollte. Mich haben die Beschreibungen gefangen genommen, die Ausflüge Celia in Gedicht Lorcas fasziniert. Viel Freude beim Lesen !

Cristina García wurde am 4 Juli 1958 in Havanna geboren - ihre Mutter ist Kubanerin, ihr Vater aus Guatemala.1961 Flucht der Familie nach New York. Sie studierte "International Relations", begann aber nach einem kurzen Ausflug ins Marketing bei einem Weltkonzert als Journalistin. 1983 bis 1990 arbeitete sie für das 'Time Magazin'. Seit diesem Zeitpunkt schreibt sie Romane. 1992 erschien "Dreaming in Cuban", das sofort großen Erfolg hatte, 1997 "The Agüero Sisters", 2003 "Monkey Hunting", 2007 "A Handbook to Luck" und 2010 "The Lady Matador's Hotel". Auf deutsch sind "Träumen auf Kubanisch" und "Die Agüero Schwestern" erschienen. Sie lebt derzeit in Los Angeles.

Samstag, 15. Juni 2013

Jordi Sierra i Fabra : "Tod in Havanna"

Jordi Sierra i Fabra :
"Tod in Havanna"
Distelkrimi
original "Cuba, la noche de la jinetera"
1996,
aus dem spanischen von Horst Rosenbauer
2000, Distel Verlag
270 Seiten
ISBN 3-923208-42-1

Der Journalist Daniel Ros wird nach Kuba geschickt, um die Story seines Kollegen und Freundes fertig zu schreiben. Dieser Freund Estanis war an einer Dosis Rauschgift gestorben, was bei seiner Umgebung Befremden auslöst. Daniel geht in Havanna auf die Suche nach einer Frau, von der er nur ein Photo und ein rotes Stückchen Unterwäsche gefunden hat. Daniel sieht viele attraktive kubanische Frauen, die versuchen mit Liebe aus dem Land zu kommen. Sie definieren sich als "Jinetera" - Sex ist Lebensfreude, Geld ist nett aber steht nicht an erster Stelle. Auch ihm geht die Nähe einer dieser schönen sinnlichen Frauen ziemlich unter die Haut.
Es ist Mitte der 90-jahre Jahre des 20. Jahrhunderts, und wieder versuchen viele Kubaner auf abenteuerlichen Instrumenten das Meer nach Miami zu ihren Familien zu erreichen. Die Armut auf der Insel ist vielen zu viel, was Flucht oder Attentatsversuche auf Castro nach sich zieht. Fast wird Daniel in so ein Attentat verwickelt.
Auf den letzten Seiten löst Daniel das Rätsel um das Rauschgift in seines Freundes Blut.

90-er Jahre des 20. Jahrhunderts heißt, daß Handy, Internet oder sonstige rasche Kommunikation noch nicht üblich sind. Daniel findet Nachrichten bei der Rezeption oder daheim im Barcelona auf dem Anrufbeantworter. Orientierung im Auto findet noch anhand von Straßenkarten statt.

Die Frauen sind als schön geschildert, Männer vorhanden aber deren Schilderung geht unter. Mir sind zuviele Sexszenen beschrieben.
Die Armut mancher Szenerien mit ausgemergelten, harten, brutalen Gestalten im Gegensatz zu den Hotellandschaften mit Pool, Drinks und anschmiegsamen jungen Frauen ist hart. Das Leben des Erotiktouristen mit seiner Dummheit und seinem abgeschottet-sein von der kargen Umgebung dürfte ziemlich den Punkt getroffen haben.

Die Geschichte geht leider in zuviel Erotik und wiederholtem Jinetera-erklären unter. Der Roman ist aber trotzdem unterhaltend, und mit seiner Art Kuba zu beschreiben auf diese Insel neugierig machend.

Jordi Sierra i Fabra wurde am 26. Juni 1947 in Barcelona geboren. Er ist ein spanischer Jugendbuchautor und Autor von Kriminalromanen und schreibt auf castillan und catalan.
Von 1972 bis 2006 hat er über 400 Bücher verfasst, wobei er mit 12 Jahren seinen ersten Roman veröffentlichte . Er hat viele Bücher für Kinder und Jugendliche veröffentlich und eine lange Liste an Romanen für Erwachsene. Für sein Engagement für Kinder- und Jugendliteratur hat er viele Preis erhalten. Im Jahr 2004 gründete er zur Nachwuchsförderung die Fundación Jordi Sierra i Fabra in Barcelona und die Fundación Taller de Letras Jordi Sierra i Fabra in Medellin (Kolumbien). Viele seiner Bücher wurden außer ins Deutsche auch ins Englische, Französische, Russische, Koreanische, Chinesische und in andere Sprachen übersetzt. Einzelne Werke wurden verfilmt oder für die Bühne bearbeitet.
auf deutsch gibt/gab es :

  • Ungebeten Gäste (Cambio de cerebro). Ravensburger Buchhandl. 1998.
  • Der letze Miwok-Indianer: (El último verano miwok). Signal 1989
  • Tod in Havanna (Cuba, la noche de la jinetera). Distel 2000
  • Gauditronix. Dressler 2009 ([978-3791519098]
  • 1970 hat er als Musikkommentator begonnen. Mittlerweiler ist er ist Gründer mehrerer Musikzeitschriften wie beispielsweise Disco Exprés, Extra, oder Súper Pop (ab 1977) und gilt als Experte für spanische Pop- und Rockmusik.

    Sonntag, 26. September 2010

    Ana Menéndez : "Damals in Kuba"


    Ana Menéndez :
    "Damals in Kuba"
    original "In Cuba I was a German Shepherd"
    bei Gove Atlantic, NY 1997
    aus dem Amerikanischen von Barbara Schaden
    2001 Karl Blessing Verlag
    220 Seiten
    3 Seiten Glossar kubanisch - deutsch
    ISBN 3-89667-140-5

    Erzählungen:
    * In Kuba war ich Schäferhund (27 Seiten)
    * Hurrikangeschichten (15 Seiten)
    * Die perfekte Frucht (24 Seiten)
    * Warum wir gegangen sind (14 Seiten)
    * Geschichte eines Papageis ( Seiten)
    * Verwechselte Heilige (20 Seiten)
    * Baseballträume (18 Seiten)
    * Die letzte Rettung (19 Seiten)
    * Verwandtschaft in Miami (14 Seiten)
    * Das Fest (20 Seiten)
    * Das Haus ihrer Mutter ( 25 Seiten)

    Die Autorin ist Tochter von Kubanern, die aus Kuba ausgewandert sind, und ihre Geschichten über Menschen die aus Kuba nach Miami etc. gekommen sind, in sehr schöner dichter, manchmal skurriler Weise schreibt.

    In "in Kuba war ich Schäferhund" sind die Protagonisten 4 Männer, die gemeinsam Domino spielen und sich Witze erzählen. 2 Männer sind aus Kuba, 2 aus der Dominikanischen Republik. Für Amerikaner sind diese Domino spielenden älteren Herren beliebte Photomotive, was sich die Herren an einem Weihnachtsabend verbieten.

    In "Die perfekte Frucht" kocht die Dame das Hauses 3 Tage lang nur Banenen ein, macht Bananenschnitten, Bananenfrapees etc. um die Seitensprünge ihres Ehemannes zu überwinden und um ihm ihre Liebe zu zeigen. Die Geschichte und die Besessenheit des Banenenverwertens war etwas gespenstisch.

    "Warum wir gegangen sind" hat mich in den Bann gezogen. Der Mann vergräbt sich in Münzen zählen und die Frau sieht im schneebedeckten Teil der USA Birken mit Hibiskusblüten, dann kommen auch blaue Blüten. Das Paar war aus dem warmen Miami weggezogen, um den Tod ihres Kindes zu überwinden. Am Schluß versinkt die Frau in ihren Träumen von Wärme und blühenden Bäumen im realen tiefen Schnee, und der Mann kann sie nicht mehr zurückholen (?).

    In "Geschichte eines Papageis" weckt der Besuch einen wunderschönen bunten Papageis bei einem frustrierten Ehepaar mittleren Alters, die Lebenslust der schönen Frau und sie beginnt wieder an ihre Träume und Kraft etwas umzusetzen zu glauben.

    In "Verwechselte Heilige" wartet eine Amerikanerin kubanischen Ursprung auf das illegale Einwandern ihres Ehemanns. Freunde und Familie deuten an, daß sie (möglicherweise) nur geheiratet wurde, damit ihr Ehemann einen Aufenthaltsgrund hat. Er ertrinkt beim Fluchversuch. Ein Überlebender der Flüchtlingsgruppe des Tages zuvor kommt um die Nachricht zu bringen, und gesteht, daß er einen Brief und eine Schnitzerei leider verloren hat - - der Ehemann hat seine (für andere) unschöne Frau geliebt.

    Die verrückteste Geschichte war für mich "Verwandschaft im Miami" bei der dem Großvater ein Radio aus dem Ohr wächst und die Antennen im Wind tanzen, die Großmutter im Baum sitzt und sich mit den Zehen festkrallt, Tante Julia Menschen beißt, aber alle auf Info von Onkel aus Kuba warten. In fast jedem Absatz werden verrückte Bilder gemacht, von denen das für mich verrückteste "das Haus füllt sich mit purpurnen Haien" ist.
    Ein anderer schöner Satz : "Das wahre Kunststück im Leben besteht darin, für die Traurigkeit einen rosaroten Namen zu finden" (Seite 163)

    In "Das Fest" warten viele Menschen bei einer Party auf einen ehemaligen Freund, einen ehemaligen Mächtigen von Kuba von dem die einen als "El Aleman" (weil er so groß und blond war) sprechen, aber auch einige als Mörder bezeichnen, weil er manche Probleme parteifreundlich regelte.

    Im "Haus ihrer Mutter" entdeckt eine erfolgreiche Redakteurin, zweite Generation in Miami, daß die Erzählungen ihrer Eltern und v.a. ihrer Mutter über das Haus, die gesellschaftliche Stellung, das Ansehen das sie erzählte erlebt zu haben, nur Phantasie ist. Aber sie wird von Menschen erwartet, die hoffen, daß sie doch wieder zurück nach Kuba kommen wird - was nie sein wird. Detail, das mir in der Geschichte gut gefiel, war, daß der Eheman der Redakteurin jedes Tag zum Frühstückstoast ein selbstverfaßtes Gedicht gelegt hat.

    Die Geschichten sind unterschiedlich faszinierend, evozieren unterschiedliche Bilder in mir. Manche habe ich dreimal gelesen, weil mich die bunten, fast papageienhaften, Farben und Assoziationen angesprochen haben und auch unter die Haut gingen.
    Ich wünsche auch anderen Lesern viel Freude beim Lesen und Genuß bei den teilweise griffig und angreifbar beschriebenen Menschen, Familien und Pflanzen.

    Montag, 9. August 2010

    Leonardo Padura : "Der Nebel von gestern"


    Leonardo Padura :
    "Der Nebel von gestern"
    2005 'La neblina de ayer'
    bei Tusquets Editores, Barcelona
    aus dem kubanischen Spanisch von Hans-Joachim Harstein
    2008, Unionsverlag, Zürich
    359 Seiten
    2 Seiten Nachbemerkungen und Dank von Leonard Padura, 2004
    2 Seiten mit Biographien von Autor und Übersetzungen, und Bibliographie von Padura
    ISBN 978-3-293-00388-0

    Das Buch ist eigentlich eine Kriminalgeschichte, aber mich haben die Bezüge auf Leben und Geschichte von und in Kuba mehr interessiert.

    Die Geschichte erzählt wie der ehemalige Polizist Mario El Conde, der seit Jahren als Buchhändler überlebt, eine wunderbare alte private Bibliothek mit Schätzen der Buchkunst aus Kuba entdeckt, ihm beim schmökern in einem Buch ein Zeitungsausschnitt einer Bolerosängerin aus der Zeit knapp zur Revolution entgegenfällt und von dem Foto der Sängerin Violeta del Rio dermassen fasziniert ist, daß er wissen will wer diese Frau wirklich ist.
    Mithilfe von Freunden, alten Verbindungen, Bekannten bei der Polizei entwickelt sich gebrochen von kursiv gesetzten Briefen einer Frau an einen Mann, einem Ermordeten, Einblicken in das Lebens Kubas, daß sich der Chef einer alter Patrizierfamilie, der excellenter Geschäftsmann mit Verbindungen hatte, als Witwer in die 30 Jahre jüngere faszinierende schöne Frau verliebt hatte. Gemeinsam wollten sie Kuba verlassen, aber der Zyankalitod der Sängerin kam dazwischen.
    40 Jahre später gesteht die illegitime Tochter des Patrizierhauses, die aus einer langen Beziehung zwischen ihm und seiner getreuen Sektretärin entstand, die Vergiftung der Sängerin - und die Hoffnung, daß der Patrizier endlich ihre Mutter heiraten würde (was dann nicht geschah).

    Faszinierend bis erschreckend ist wie das Leben der Menschen auf Kuba geschildert wird - wie die Menschen die es nicht in eine Cooperativa oder ein Büro schaffen, mit Drogen, betrug, Schlägerein, etc. zu überleben suchen. Andere Menschen müssen um zu Essen kaufen zu können Bücher, Bilder, Mobiliar etc. verkaufen. Und beide Gruppen der Gesellschaft sind nicht klein.
    Der Autor läßt Menschen die die Zeit vor dem Sturz Battistas erzählen, als für die Menschen Unterhaltung und Musik möglich gewesen sein dürften - im "jetzt" wird davon nichts mehr erzählt.
    Der Enttäuschung, daß die Revolution zwar Battista vertrieben hat, aber die anderen Wünsche nach Gerechtigkeit und Chancen für mehr Menschen nicht erfüllte, ist greifbar.

    Greifbar sind die Menschen, die das Buch bevölkern, wie die Freunde Conde's, der Händler Yogi, der Rollstuhlfahrer "der Dünne", Cantido, aber auch der Polizist Manolo bis zu der ehemaligen Prostituierten, Puffmutter und Näherin Elsa Contreras.

    Schön sind für mich die Passagen, in denen dem die Liebe des Buchhändlers zu Büchern beschrieben wird, und daß ihm die Beziehung der Menschen zu Büchern wichtig ist. Die Art wie über Bücher geschrieben wird, deren Entstehungsgeschichten, wie auf das Besondere in Druck, in Farbgestaltung bis zur teilweise exklusiven Verpackung in Leder und Geld habe ich beim lesen sehr genossen.

    Leider kann ich nicht genug spanisch um das Buch in seiner Originalsprache zu lesen - aber Formulierungen wie 'Erinnerungsfetischist', 'auf das Wohl der tapferen Leber geleert' und 'Mitglied der Vereinigung unbekehrbarer Alkoholiker' machten mir beim Lesen großes Vergnügen (und danke an den Übersetzer, denn ich erhoffe mir hier den Einfluß seines Sprachgefühls).

    Was mir abgeht bei dem Buch ist ein bzw. mehrere Glossare: eines für die spezfisch kubanischen Wörter (auch wenn sie nachher im Text erklärt werden) z.b. torreja, Bolero, teniente, anejo; ein anderes Glossar wäre schön über all die Bücher die angeführt werden, und ebenso die Musikernamen.

    Das Buch kann ich jedem empfehlen, der gerne sich in eine andere Welt begeben will, eine Welt mit Musik, Lebenswillen, und Büchernarren, um dessen Lebensart ein Krimi mit etwas Brutalität erzählt wird.