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Samstag, 8. Juli 2023

Paul Grote : "Bitterer Chianti"

 Paul Grote :
"Bitterer Chianti" - Ein Wein-Krimi
2005 / 4. Auflage April 2006
300 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 9778-3-499-23998-4

Frank Gatow (den die italiener wie Gatto also Katze ausprechen) ist als Photograph geschickt worden um Weingüter in der Toskana zu photographieren; die Termine sind bereits ausgemacht. Hier kommen ihm Schläger in die Quere, die seine Ausrüstung ruinieren und auch sonst zusetzten. Ein Termin wird nicht gehalten, weil der Winzer nicht wie vereinbart erscheint. Dafür lernt er eine sympathische Winzerin kennen, die leidenschaftlich feinen, aber wenig Wein macht. Als einem Winzer seine Maschinen gestohlen werden, und befreundete Winzer helfen und dafür behördliche Probleme bekommen, beginnen sich die Machtspiele einer überregionalen Gruppe zu erkennen. Ein sehr arroganter Mann wird am Schluß von seinem Dünkel gestossen.

Der Roman ist gut geschrieben, läßt die Menschen und Landschaft vor dem geistigen Auge entstehen, sodaß man als Leser/in fast mitwandern könnte.

Es wird auch Wissenswertes über Wein geschrieben, das interessieren kann oder auch nicht.

Bei den Personen sind der zwielichte Weinkenner Scudiere nicht uninteressant. Politiker Strozzi ist ein Politiker aus dem Abziehbuch. Als Garnierung gibt es eine aufmerksame Vermieterin mit sehr aufdringlicher Tochter mit teilweise unerwünschten Verbindungen.

In Summe ein herrliches Urlaubsbuch. Viel Spaß beim Lesen

Mittwoch, 24. November 2021

Tanja Brandt : "Die Eulenflüsterin"

Tanja Brandt :
"Die Eulenflüsterin" - Was ich von meinen Tieren über das Leben lernte
2021, Bastei Lübbe
210 Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-404-61720-3

Die Autorin, die vielen durch ihre Tierphotographie bekannt ist, beschreibt hier ihre Kindheit, ihre Liebe zu Tieren, ihre Beziehungen - und für sie viel wichtiger das Zusammenleben mit ihren Tieren. Hund Ingo war Eigenbrötler bis er lernte, daß er für einen kleinen Steinkauz ein guter Freund ist. 

Mich haben die verschiedenen Eulen und Kauze fasziniert die mit der Autorin gelebt haben, und wie unterschiedlich sie die Temperamente beschreibt. Die Charaktere der Eulen und Käuze sind grundverschieden von freundlich bis supergrantig, stetig bis launenhaft geschildert. Auch in ihrem Verhalten zu ihr sind die Vögel unterschiedlich, weil Bussarde sofort in den Beschützermodus verfallen, Eulen aber ruhig und abwartend agieren. Eulen sind offenbar die Meister der Ruhe, die bei allem was Hektik oder Stress sein könnte, abtauchen können. Witzig wird es wenn die Autorin beschreibt, daß sie bei Spaziergängen von einer Eule zu fuß begleitet wird (fliegen war offenbar anstrengender), oder wenn sie mit Bussard auf der Schulter spazieren ging, und Kinder bis Polizei sie vorsichtig ansprachen.

Die Geschichten mit den Tieren - vor allem mit den von mir so geschätzten - Eulen und diversen Käuzen sind herzerwärmend und unterhalten. Auch wenn einige Tiere sterben - weil sie kürzere Lebenserwartung haben, oder etwas dazwischenkommt - ist viel Wärme und Zuneigung zwischen Autorin und den Tieren spürbar.

In Summe ein bezauberndes Buch, das gerade in Pandemie- und Lockdownzeiten gut tut. Viel Freude beim Lesen - und beim Betrachten der Photos im Mittelteil des Buches !

Tanja Brandt wurde am 15. Juni 1968 in Stuttgart geboren.  Sie lernte zuerst Bürokauffrau, später arbeitete sie in einer Spedition und als LKW-Fahrerin. Seit ca. 5 Jahren ist sie Tierfotografin und lebt heute in Remscheid und Grevenbroich, zusammen mit Ihren Hunden, Eulen und Greifvögeln.

Samstag, 14. Dezember 2019

Pedro Badrán : "Der Mann mit der magischen Kamera"

Pedro Badrán :
"Der Mann mit der magischen Kamera" - Roman aus Cartagena de Indias
original "El hombre de la cámera mágica"
2015, Random house Kolumbien
Aus dem kolumbianischen Spanisch von Peter Schultze-Kraft und Rainer Schultze-Kraft / die deutsche Übersetzung berücksichtigt geringfügige spätere Änderungen des Autors
2019, Edition 8
209 Seiten + 6 Seiten Worterklärungen (zugleich eine kleine Kolumbienkunde, verfaßt von den Übersetzern)
Lesebändchen
ISBN 978-3-85990-359-3

Alle erzählen über Tony Lafont. Dieser war vor vielen Jahren mit seiner Polaroidkamera und Logbuch in Cartagena in Stadt, Strand und Strandhotel unterwegs. Besucher aus den USA ermutigen ihn weiterzumachen, während sich in seiner Familie und Bekannten die Begeisterung teilt.
In den Kapiteln werden aus verschiedenen Seiten über das Zusammensein mit dem jungen Photographen, bis zum endgültigen Niedergang des Hotels erzählt.
Tony selbst kommt nicht zu Wort, nur sein Logbuch und die Beschreibung seiner Photos.
Im Hotel ist Rezeptionist Charlie der die Reste verwaltet. Ein junger Künstler, der glückbringende Eulen aus Metalldose und Draht herstellt, verbringt einige Zeit im Hotel und lernt die dort lebenden Menschen mit ihren Träumen kennen, wobei er selber leider wenig Glück hat. Einige Frauen die im Hotel leben und lebten kommen zu Wort - erst spät fügt sich alles zusammen, da hier in Zeiten gesprungen wird, und Lebende und Tote gemischt werden.

Die rundliche Karen wird geschildert, die überhaupt kein Gefühl für passende Kleidung hat, aber ein wunderbares Lachen. Maribel wirft sich jedem Ausländer an den Hals, in der Hoffnung aus dem Elend heraus zu kommen. Claudia Soraya kommt aus den USA, und genießt das gemeinsame Leben mit Tony. Ein Tango Orchester wird genannt, große Schachweltmeister, ein Mönch sucht den Sinn des Lebens, ein pensionierter Arzt sitzt oft mit Zigarre in dem Patio des Hotels umgeben von Katzen.

Danke für die Erklärung der Worte aus Kolumbien und die Ergänzung der kolumbianischen Geschichte.

Die Geschichte wird spröde, sprunghaft und stellenweise sinnlich erzählt. Man erfährt viel über die Träume der Menschen aus ihrem elenden Leben herauszukommen, oder auch nicht. Am Schluß hebt der Surrealismus zumindst für mich ab.

Gutes Lesen und eine andere Welt genießen ! 

Pedro Badrán wurde 1960 in der Nähe des Rio Magdalena in Magangué (Departamento Bolívar) , einem heissen Ort im Hinterland der karibischen Küste Kolumbiens, geboren. Er ist Nachkomme palästinensisch-syrischer Einwanderer und wuchs in Cartagena auf. Er studierte Linguistik in Bogotá, wo er heute als freier Schriftsteller lebt. Mit je fünf Romanen und Erzählungsbänden gilt er in der kolumbianischen Literatur als einer der herausragenden Vertreter der Post-post-García-Márquez-Generation.

Samstag, 13. Januar 2018

Tom Ang : "Die Geschichte der Fotografie"

Tom Ang:
"Die Geschichte der Fotografie" in über 1500 Bildern
original "Photography - The Definitive Visual History"
2014, Dorling, Kindersley Ltd, London
Übersetzung Susanne Ochs
2015, Dorling, Kindersley Verlag, München
400 Seiten
ISBN 978-3-8310-2828-3

Das ist ein faszinierendes Buch mit Seiten über Photos, zeigt alte bis ultramoderne Techniken und Geräte, sich wandelnde Methoden, sich ändernde Themen wie Krieg, Hunger, Mode, Architektur, andere Kulturen, inszenierte Aufnahmen und Photos zum genau richtigen Zeitpunkt, und vieles mehr.

Dazwischen sind immer wieder Seiten über einige der Top-Photographen (beispielhaft, Capa, Stieglitz) im Laufe der Zeit, die Photos gschaffen haben die mittlerweile als Ikonen ihrer Zunft gelten.
Bei einzelnen ausgesuchten Photos ist der Aufbau erläutert.

Ich stöbere gerne in dem Buch und lasse mich in die visuelle Welt verführen; oder lese z.B. konzentriert über alte Techniken nach.

In Summe ein wunderbares Buch, über das ich mich sehr freue.

Tom Ang wurde am 25. März 1952 geboren. Er ist ein britischer Photograph, Autor und Reisender. Er arbeitete für die BBC und unterrichtete an der University of Westminster.

Freitag, 30. Dezember 2016

Leonardo Finotti : "A Collection of Latin American Modern Architecture"

Leonardo Finotti :
"A Collection of Latin American Modern Architecture"
2016, Lars Müller Publishers, Zürich
104 Seiten Photos + Karte Südamerika + 4 Seiten Beschriftungen + 3 Seiten Text Barry Bergdoll + 3 Seiten von Leonardo Finotti
ISBN 978-3-03778-503-4

Die seitengroßen Photographien diese Buches in A4 - Querformat zeigt Gebäude meist aus dem südamerikanischen Modernismo zwischen 1930 und 1980. Der Charme der Gebäude aus Beton bis Ziegel manchmal im Grünen oder mitten im Stadtdschungel funktioniert durch die schönen Photos.

Die Architekturphotographien sind aus Montevideo (Uruguay), Valparaíso (Chile), Asunción (Paraguay), Sao Paulo (Brasilien), Belo Horizonte (Brasilien),  Lima (Peru), Bogotá (Kolumbien), Ciudad de México (Mexico), La Habana (Kuba).
Die Gebäude sind Wohnblöcke, Friedhof, Einkaufszentren, Schulen, Kirchen und sonst privat sowie öffentliche Gebäude.

Aus Valparaíso gibt es keine bunten Häuser, für die die Stadt den UNESCO-schutz hat.
Aber in Belo Horizonte sind einige der Architekturen von Oscar Niemeyer zu sehen.
Aus Ciudad de Mexico sind Gebäude mit mexikanischen alten Dekor gezeigt - ein Theater, eine Bibliothek und ein anderes öffentliches Gebäude.

Das Cover ist leuchtend grün und hat die Silhouette Lateinamerikas eingestanzt. Die Photographien sind faszinierend und reizen,  selbst hinzufliegen und sich die Gebäude anzusehen. Viel Freude beim Ansehen und Genießen.

Leonardo Finotti wurde 1977 geboren. Er studierte Architektur  in Uberlândia (Brasilien) und wurde dann Photograph. Mittlerweile verbindet er beides und hat als Photograph mehrere Ausstellungen gefüllt.

Dienstag, 29. November 2016

Peter Henisch : "Suchbild mit Katze"

Peter Henisch :
"Suchbild mit Katze"
2016, Deutike im Zsolnay Verlag Wien
198 Seiten
ISBN 978-3-552-06327-31

Auf dem Cover ist ein Bub mit Katze, umrahmt von Menschen die den beiden zusehen könnten. Der Autor beschreibt in Ich-Form in Bezug zu der Katze seiner Kindheit, einem schwarzen Kater namens Murli, und dem 'Jetzt', mit einer dreifarbigen Katzenschönheit namens Mimí beides in Wien.
Großteil der Geschichte nimmt sprunghaft die Kindheit des Buben der drei Jahre alt ist, als der zweite Weltkrieg vorbei ist, dessen Vater als Photograph zuerst für die Wehrmacht, dann für alle Zeitungen tätig ist, wie das Wien nach dem Weltkrieg für ein Kind aussieht. Er beschreibt den Schutt, den Aufbau, den Schwarzhandel, aber auch die Eltern seines Vater mit 'belesener' Großmutter und den Eltern seiner Mutter deren Vater Lokomotivfahrer und überzeugter Sozialist ist. Das Jetzt ist in einem hübschen Haus mit Blick ins Grüne, wo er einer jungen Journalistin versucht seine Welt zu erzählen. Es kommt noch eine Katze vor - der rote Kater Hoffmann, den sich die Tochter wünscht und der lange bei der Familie lebt.

Der Autor zeichnet die Szenerien schön in die Phantasie. Wie er die Annäherung und Entfremdung an die Nachbarstochter Friedi beschreibt, die roten Haare deren Mutter, die Streitereien und Anziehungen zwischen seinen attraktiven Eltern mit all ihren Problemen.

Orte des Geschehens sind der dritte Bezirk um die Keinergasse, der achtzehnte um die Schulgasse, der zehnte um die Hasengasse und auch der fünfte.
Situationskomisch war es beim Lesen hier über die Stichwahl mittels kleinen Plakaten an Zäunen zwischen Schutt und Baustellen zwischen Körner und Geißler 1951 als Bundespräsidentschaftskandidaten für Österreich zu lesen, und gleichzeitig den österreichischen Wahlkampf zwischen Van der Bellen und Hofer in den aktuellen Medien mitzubekommen.

Witzig ist wenn er beschreibt, daß die Software am Computer bei älteren Wörtern wie 'belesen' und 'umfehdet' (aus der neuen österreichischen Bundeshymne) rote Linien baut. Auch 'bakschierlich' wird erklärt.

Das Buch ist zwar schön zu lesen, aber keines das 'verschlungen' werden kann; dazu sind mir die Szenen zu behutsam und zu sehr wie  ein Aquarell geschrieben. Viel Freude beim Lesen !

Peter Henisch wurde am 27. August 1943 in Wien geboren. Sein Vater arbeitete als Photograph während des zweiten Weltkrieges und auch danach. Peter Heinisch studierte Germanistik, Philosophie, Geschichte und Psychologie. Er war Lokalredakteur bei der sozialistischen 'Arbeiterzeitung'. Seit 1971 lebt er als freier Schriftsteller in Wien, Niederösterreich und in der Toskana. Er gründete die Zeitschrift für Literatur 'Wespennest' und war auch musikalisch aktiv.
1971 erschien sein erste Werk 'Hamlet bleibt'. Das bekannteste Werke ist der Roman 'Die kleine Figur meines Vaters' 1975 / 2003 aktualisiert.

Freitag, 15. Januar 2016

Alison Nastasi : "Artists and their cats"

Alison Nastasi :
"Artists and their cats"
2015, Chronicle Books, San Francisco
101 Seiten
ISBN 978-1-4521-3355-3

Künstler und ihre Katzen sind ein wunderbares Thema. In diesem Buch sind auf einer Seite Photo oder Gemälde eines Künstlers/einer Künstlerin meist mit Katze/Kater/Katzen abgebildet - gegenüber wird entweder erzählt wie es zu diesem Photo kam, oder wer es aufgenommen hat, oder welche Beziehung zu Katzen im allgemeinen oder zu diesem Zimmertiger im Speziellen hatten.

Die Künstler sind mehrheitlich männlich, aber es gibt einige großartige Pionierinnen dabei. Es sind viele Photographen angesammelt aber auch ein Puppenkünstler. Der Großteil der Künstler/-innen ist aus den amerikanischen Staaten, einige Franzosen, ein Asiate, eine Mexikanerin, und sonst gemischte Europäer/-innen sind genannt. Einige Menschen sind Ikonen der Kunst, andere waren mir eher unbekannt. Die Liste ist nach Vornamen sortiert.

Im Vorwort wird ausgeführt, daß Künstler oft Grenzübertreter sind, die teilweise mit Charme (wenn notwendig auch ohne) ihre Ideen weiterentwickeln - ähnlich wie Katzen die meist eher rücksichtlos ihr Leben durchzusetzten versuchen (allerdings meist mit Charme).

Pablo Picasso, John Lennon (mit Yoko Ono) und Paul Klee (mit Lily Blum) genossen z.B. die Gesellschaft vieler unterschiedlicher Katzencharaktere. Salvador Dali hatte einen exotischen kolumbianischen Ozelot. Frida Kahlo hatte eine Menagerie von Tieren - darunter auch eine Katze.

Die Namensgebungen sind von humorvoll bis einfach gehalten. John Lennon und Yoko Ono nannten u.a. eine schwarze Katze 'Salz' eine weiße 'Pfeffer', eine andere wiederum 'Jesus'. Gustav Klimt nannte eine seiner Zimmertiger einfach "Katze", Hermann Hesse seine "Lion" und "Tiger", Matisse lebte unter anderem mit einer "Minouche".

Bei den Katzen gibt es von gemütlich schlafenden Schoßtieren bis zu neugierig den Schreibtisch inspizierenden bis etwas drastisch gesetzten eher unglücklich schauenden Schnurrwesen.
Es gibt viele Siamkatzen, und auch einfache gestreift-gestromte Hauskatzen; und wenige aber vorhandene Langhaar-/Perserkatzen.

Das Englisch ist teilweise 'sophisticated' mit feinen, eher selten genutzten Vokabeln um die besondere Atmosphäre von Künstlern und Katzen feinnervig zu beschreiben.

In Summe ein schönes Buch das Katzenfans viel Freude macht.

Alison Nastasi wurde 1976 geboren. Sie ist internationale Künstlerin und Journalistin. Sie lebt bis 2012 in Philadelphia.