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Sonntag, 1. Februar 2026

Gordon Tyrie : "Schottenkomplott"

Gordon Tyrie :
"Schottenkomplott" - Ein Hebriden krimi
2022, Droemer Taschenbuch
1 Seite Karte der Insel Colonsay + 1 Seite Hauptpersonen + 370 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-426-30857-8

Thin Lizzy, eine eigenwillige schottische Hochwildkuh mit zielsichererr Angriffs- und Verteidigungstechnik wird von einer Insel auf die andere verfrachtet, um in einem Ressort Menschen bei der Entspannung zu helfen. Dort hilft ihr das spanische Eselchen Santiago in der nicht willkommenden Tierwelt zu überleben.
Hynch, ein ausgestiegener Profikiller, hat Kontaktanzeigen aufgegeben, und hofft auf die passende Herzdame. Ihm ist eine Killerin auf den Fersen. Alle Damen der Theatertruppe der Insel versuchen ihn einem Crash-kurs in Kontakt zu Frauen zu geben, wenn sie nicht an die erhoffte Macbeth Aufführung denken.
In der Tierwelt wollen einige Gelegenheiten zur Revanche für Beleidigungen genutzt werden, unter den Menschen ist dies ebenso als Hynchs Erzfeind ankommt, und eine ziemliche Keilerei und strategisches Waffeneinsetzen abläuft.
Am Ende haben sich einige Paare gebildet.

Die Kapitel sind entweder aus der Ich-Sicht von Thin Lizzy geschrieben, und Menschen beobachtet, wobei Hynch die Hauptperson ist.

Mich haben die Kapital aus Sicht der Kuh sehr gut unterhalten, diese sind mit viel Situationshumor geschildert. Wie Thin Lizzy die anderen Tiere in dem esoterischen Streichelzoo beschreibt, die Hackordnung und freundlichen bis machtgierigen tierischen Charaktäre bescchreibt ist sehr unterhaltend.
Die Beschreibung der Personen, v.a. der Frauen ist breit gefächert.

Dieser Band ist der dritte Band cosy Crime der in Schottland spielt.
Wer einen gemütlichen Krimi mit tierischer Unterhaltung schätzt, und manch deftigen Kommentar aushält wird sich vermutlich gut unterhalten. Viel Spaß beim Lesen !

Gordon Tyrie ist das Pseudonym des Glauser-Preisträgers Thomas Kastura, geboren 1966 in Bamberg. Er studierte Germanistik und Geschichte, arbeitet als Autor für den Bayerischen Rundfunk und schreibt seit 20 Jahren Kriminalromane und Erzählungen.

Mittwoch, 24. Dezember 2025

Beate Maly : "Mord im Stadtpalais"

Beate Maly :
"Mord im Stadtpalais" - ein Weihnachtskrimi
2025, Emons Verlag
2016 Seiten + 2 Seiten Nachwort + Leseprobe "Mord in der Wiener Werkstätte"
ISBN 978-3-7408-2051-0

Mila Sokol aus einer kinderreichen Familie in Böhmen nach Wien abgeschoben, hat es geschafft als geniale Köchin einen guten Arbeitsplatz in einem Stadtpalais im Herzen Wiens zu haben. Die Arbeitgeber erwarten die Familien für den ganzen Advent - und so kommen zu dem Ehepaar, und der unverheirateten Tochter, der Sohn mit Familie, die gerade schwangere andere Tochter, und die Schwestern des Gastgebers, sowie der Verlobte der Tochter und der Familienarzt.
Bereits am ersten Abend gibt es einen Toten, und der gemütliche und Essen genießende Kommissar Felix Zack sieht Familie und alle Mitarbeiter im Haus kennen, und muß sich der Frage ob die zuckerfreien Marillentascherln oder Powidltascherln mit Gift versetzt waren stellen.
Kommissar Zack bekommt Hilfe nicht nur von Mila, sondern auch von einem liebevollen freundlichen Streuner, der sich den Rang eines Polizeihunds erarbeitet.
Mitraten nach dem Mörder ist möglich.

Ort der Handlung ist Wien im Dezember 1906.

Die Menschen sind gut vorstellbar geschildert inklusive ihrer Probleme. Mila Sokol ist als neue in dem Palais mit einigen Gepflogenheiten dort sehr gefordert; es geht unter die Haut, daß sie trotz verletztem Bein arbeiten muß, weil es für verletzte Dienstboten keinen Kündigungsschutz gibt.
Die Sympathien liegen bei Mila, der unverheirateten Tochter, und Felix Zack.

Der Grund des Mordes ist ein klassischer.
Liebensgeschichten gibt es auch.

Ich habe diesen "Cosy Crime" im verschneiten Advent in Wien mit vielen guten Süßigkeiten mit Vergnügen lesen. Viel Spaß !

Biographie siehe Beate Maly "Tod an der Wien".

Mittwoch, 10. Dezember 2025

S J. Bennett : "Die unhöfliche Tote"

S J Bennett :
"Die unhöfliche Tote" - ein Queen-Elizabeth-Krimi
original "A three Dog Problem"
2021, Zaffre, Bonnier Books, London
Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence
2023, Knaur Taschenbuch Lizenz
358 Seiten + 1 Seite Dank
ISBN 978-3-426-52734-4

Queen Elisabeth II, hat nicht nur die Verantwortung für ihre Land und Sorgen um ihre Familie, sondern braucht auch Hilfe um ein Bild, das sie gemeinsam mit ihrem Mann in den ersten Zeiten ihrer Ehe gekauft hatte. Sie bitte Rozie Oshodi, ihre Privatassistentin um deren energische Hilfe; als plötzlich die unbeliebte Haushälterin ermordet am Pool gefunden wird.
Rozie fährt zu dem früheren Leiter der kunsthistorischen Sammlung, entdeckt einen Geheimgang im Buckinghampalace, und legt sich mit Bediensteten an; und erzählt alles der Queen.
Die Queen grübelt während der Spaziergänge mit ihren Corgis nach, während sie zu Portrait sitzt, fragt manches ihren Mann, und langsam entwickelt sich ein Muster, das zu Betrug mit Kunstwerken führt.

Mit viel Humor wird erzählt wie die Queen in ihrem persönlichen Umfeld agiert, aber mit Zähigkeit an ihren Zielen bleibt. Ihre Assistentin Rozie wird als gutaussehende, große, sportliche, höfliche und gescheite junge Frau geschildert, die kein Problem hat anzupacken.

Hintergrund sind Zeichnungen der Artemisia Gentileschi. Es geht um Menschen die Kunstgeschichte und Künstler/Künstlerinnen lieben, aber auch um Menschen die sich der Werke zu eigenem Wohlstand bedienen. 

Das Buch feinfühlig und mit Respekt für die Menschen in der königlichen Familie beschrieben. Nur sehr von der Ferne wird auch die aktuellen Mitglieder der Familie Bezug genommen, ebenso auf die hohe Politik im Parlament.
Auf Bürokratie machen sich alle immer wieder lustig.

Für Hundefans gibt es einige nette Anekdoten mit den Corgis, und auch Sorgen um sie.

Der Roman ist mit Humor geschrieben; ich habe beim Lesen in der Straßenbahn öfters Lachen müssen. Viel Spaß beim Lesen !

Sophia Bennett wurde 1966 in Yorkshire geboren. 
Ihr erstes Buch erschien 2004; sie hat zuerst viele Kinderbücher geschrieben, die in viele Sprachen übersetzt worden sind.
Den Namen "SJ Bennett" verwendet sie für Kriminalromane für Erwachsene, bei denen Queen Elizabeth II als geheimer Privatdetektiv agiert, unterstützt von ihrer fiktionalen Privatassistentin mit Stammbaum in Nigeria, Captain Rozie Oshodi. Mittlerweile gibt es fünf Kriminalromane
mit Queen Elizabeth II und ihren Corgis, die auf deutsch übersetzt worden sind.

Sonntag, 19. Oktober 2025

Christian Klinger : "Eine Corsa in Triest"

Christian Klinger :
"Eine Corsa in Triest" - Gaetano Lamprecht ermittelt
2024, Picus Verlag
318 Seiten
ISBN 978-3-7117-2123-5

In Triest beginnen sich nach dem ersten Weltkrieg die neuen Gruppen aufzustellen - alte Österreicher, junge Menschen die Arbeit suchen, und sehr nationale Gruppen. Aus Wien kommt die Familie Kinsky in ein ererbtes Haus, in dem Walter Kinsky seine Erfindung zu einem Auto mit Elektroantrieb entwickeln möchte.
Parallel ist Gaetano Lamprecht, als ehemaliger Soldat auf Arbeitssuche bei der Polizei, die ihn als kritisch sehen, da er Österreicher ist. Erst nach Umstieg auf die italienische Staatsbürgerschaft erhält er Arbeit, ebenso wie seine Schwester die italienische Staatsbürgerschaft annimmt um Aufstiegschancen im Architekturbüro zu haben.
Der Erfinder verschwindet, die Schlägertruppen werden mehr, Gaetano geht seinem Verdacht über die Hintergründe der Schlägergruppen nach und wird als Commissario suspendiert.
Ein Corsa - eine Wettfahrt - findet zwischen einem Auto mit Elektroantrieb und mit Benzinantrieb statt, welche dort Orts- also Kurvenkenntnis gewonnen wird. Am Schluß kommt es zu einem Showdown zwischen rechten Schlägertruppen und der Polizei und Soldaten.

Ort der Handlung ist Triest, das sich nach dem ersten Weltkrieg, neu aufstellt. Es gibt die politischen die auf Machtgefüge setzen und die vielen Menschen, die sich anpassen müssen und in den neuen Umständen überleben wollen. Die Anpassung schaffen nicht alle.
Die Familie Kinsky sind als Vater, Mutter und Kind freundlich geschildert, wobei der erfindende Vater mit entwendeten Plänen und politischer Fehleinschätzung agiert; allerdings findet er Schlupfwinkel.
Familie Lamprecht ist mit Vater, Mutter, Gaetano und Schwester Adina, und Onkel eher zerrissen; anhand dieser Familie ist die Situation der alten Österreicher im neuen Italien, und deren Fragen wie sie selbst mit der neuen Situation umgehen sollen, aber auch wie sie gesehen werden, exemplarisch geschildert.

Dazwischen findet viel Radfahren statt.

Der Roman ist mit seinen unterschiedlichen Handlungslinien wie Commissario Lamprecht, zwei Männer aus der rechtsextremen Szene, und technischen Erneuerungen spannend geschrieben; die technischen Informationen waren gerade in Zeiten wie aktuell bei denen es um Einsatz von Ressourcen den Erde geht, hochinteressant.

Viel Freude beim Lesen !

Christian Klinger wurde am 15. Jänner 1966 in Wien geboren. Er studierte in Wien Jus, und war Musiker. 2005 erschien mit 'Die Spur im Morgenrot' sein erster Krimi rund um Ermittler Chefinspektor Seidenbast, um den der Autor noch zwei weitere Kriminalromane schrieb. 2012 begann Klinger eine neue Serie um den Privatermittler Marco Martin, um den noch weitere drei Romane veröffentlicht wurden. 2022 begann er mit dem Polizeibeamten Gaetano Lamprecht eine neue Serie, die im Triest des frühen 20. Jahrhunderts angesiedelt ist.
Seit 2017 ist sein Zweitwohnsitz  in Triest.

Freitag, 12. September 2025

Lisa Stidl : "Adalinde Addix ermittelt - Die letzte Aufführung"

Lisa Stidl :
"Adalinde Addix ermittelt - Die letzte Aufführung"
2020, Buchschmiede
282 Seiten
ISBN 978-3-99125-4347-8

Im einem zentral gelegenen gemütlichem Wiener Hotel mit Spa und schönen Salons kommen zusammen : Adalinde Addix, die zum ersten Mal aus München in diesem Hotel ist; der attraktive Stefano, dem Kellner und einer der guten Geister des Hotels; die pflichtbewußte Rezeptionistin Gabi Hicks; Ellen Bay, eine frühere hochgefeierte aber intrigante sehr selbstbewußte  Schauspielerin; Ruben und Torin, alte Freunde von Adalinde älteren Alters aus dem Zirkus kommend; dem Hotelbesitzer Richard; Lia Hubertus, eine schöne junge rothaarige Frau mit heimlicher Liebe; Samuel Bay, Enkelsohn von Ellen Bay; der erfolgreiche Geschäftsmann Antony Storm; Rose, ein Zimmermädchen; Nora Menke, eine alte Freundin von Richard und von früher von Ellen; ein freundliches Pensionistenehepaar Amanda und Harald
Ellen Bay wird getötet gefunden, Adalinde findet, daß sie hier ihr aktiv werden muß, bis der Mord geklärt ist; und auch einige andere Geheimnisse gelüftet sind.

Das Hotel ist gut vorstellbar geschildert. Manche Menschen sind klar vor, andere eher stereotyp und unspürbar. Leider habe ich auch länger gebraucht, um mich bei den Paaren auszukennen.

Es wird viel über Theater und Intrigen erzählt, auch daß manche Auswirkungen spät und gründlich kommen. Liebe findet statt - manchmal geglückt, manche unerfüllt, und manche nie erfüllbar.

Leider ist mir die Hauptperson Adalinde nicht sympathisch durch ihre durchaus besserwisserische Art; es wird ein Geheimnis um sie angedeutet, daß nicht gelöst wird, vermutlich um in Band zwei erzählt zu werden.

Mitraten nach dem Mörder ist möglich - die Geschichte dahinter ist gelungen.

Lisa Stidl ist Schriftstellerin, und Lektorin bei Goldegg-Training (Buch-, Medien- & Verlagsakademie).

Samstag, 16. August 2025

Robert Thorogood : "Murder on the Marlow Belle"

Robert Thorogood :
"Murder on the Marlow Belle" - A Marlow Murder Club Mystery
2025, Harper Collins Publishers Ltd
308 Seiten +2 Seiten Acknowledgements + weitere Seiten für Folgeroman
ISBN 978-0-00-856738-5

Drei Damen in einem entzückenden Dorf machen sich unauffällig auf die Suche nach dem Mörder eines die Aufmerksamkeitn suchenden Direktors einer dilettantischen Dorfteeatergruppe. Der Mord war auf einem Ausflugsschiff mit nur wenigen Menschen geschehen, weshalb Judith Potts, Suzie und Becks die Geheimnisse über Bigamie, wirtschaftliche Probleme, Tratschsucht, etc aufgedecken und versuchen möglichst unauffällig an ihre geschätzte Polizistien Tanika zu geben, damit diese freundliche Dame keine Probleme bekommt. Judith nimmt an den Proben und Aufführung der Theatergruppe teil, um an die Geheimnisse zu kommen. Spät kommt die entscheidende Information, die zur Lösung führt.

Der Roman ist in sehr schön reichhaltigen Englisch mit vielen Pflanzennamen geschrieben.
Die Personen sind liebevoll in ihren Verschiedenartigkeiten, Ecken und Kanten geschildert. Es gibt den verstorbenen geltungssüchtigen Direktor des Theaters; seine Frau die eher korrekt ist aber nicht mehr bereit nur zurückzustecken; zwei weitere Schauspieler die mehr oder minder begabt und ausstrahlungstark sind, und eine aufgetaktelte sich wichtig machende ältere Dame in der Theatergruppe. Dazu kommt eine Frau, die bei diesem Theater gestartet hatte und Jahre später eine anerkannte Hollywood-schauspielerin ist.
Judith Potts hat eine eigenartige Vergangenheit mit Spionage und weltweiten Einsätzen und kaum Skrupeln zu Information zu kommen, sie ist auch wagemutig; Suzie hat Familie und sorgt sich um den neuen Freund ihrer Tochter; Becks muß mit ehemaligen Freunden fertig werden.

Ich habe mich gut beim Lesen dieses Romans unterhalten. Viel Freude.

Robert Thorogood wurde 1972 in Colchester, Essex geboren. Er ist Drehbuchautor und Romanschriftsteller. am bekanntesten ist er für die Drehbücher für "Death in Paradiese" .

Samstag, 14. Juni 2025

Liza Markland : "Prime Time"

Liza Markland :
"Prime Time" - ein Annika Bengtzon - Roman
original "Prime Time
2002, Piratförlaget, Stockhom
Deutsch von Susanne Dahmann
2005, Rowohlt Taschenbuch Verlag
408  Seiten + 3 Seiten Danksagung
ISBN 978-6-499-23298-7

Annika muß nach der Geburts des zweiten Kindes nach der Karenz wieder zurück in ihre journalistische Arbeit, während ihr Partner mit den beiden gemeinsamen  Kindern einige Tage bei seiner Familie im Urlaub ist. Eine charismatische Fernsehmoderatorin war ein einem dort Regen abgeschlossenen Ort ermordet worden - weshalb es genug eindeutige Verdächtige aus der Medienbranche gibt, von denen jeder einiges zu verbergen hat.
Nebenbei kämpft der Herausgeber der Zeitung, in der Annika angestellt ist, gegen das Gefühl, daß der aktuelle Besitzer die Zeitung in den Abgrund und Verkauf führen möchte, und setzt Annika auf heimlich Recherche an.
Am Schluß hat Annika Insiderhandel aufgedeckt, die Zeitung gerettet und in einem großen Showdown wird der Mord aufgeklärt.

In dem Kriminalroman wird einiges aus dem Hintergrund des Fernsehjournalismus erzählt - Bänder recherche, Datenbank, Machtkampf und Intrigen mit Terminen, Menschen die es nie schaffen werden aber notwendig sind, und zerstörte Visionen weil zuwenig Kameracharisma vorhanden sein kann. Diese Abschnitte sind sehr glaubhaft, und habe mich am meisten berührt.

Nebenbei gibt es Familienthemen weil Annikas Partner einige Erwartungen seiner Familie zurecht rückt, und mit Glück sich auch seiner Arbeit neue Türen auftun.

Der Roman ist gut geschrieben und durchaus unterhaltend. Viel Spaß beim Lesen über die Medienbranche.

Eva Elisabeth „Liza“ Marklund wude am 9. September 1962 in Parmark, einem Dorf bei Pitea , in Stadt in der Provinz Norrbottens geboren . Sie  eine schwedische Journalistin, Krimiautorin und Gründerin des Verlages Piragförlaget. Annika BengtzonRomane erschienen ab 1999 auf schwedisch; mittlerweile gibt es 13 Romane. Ihr erster Roman war 'Mia. Ein Leben im Versteck', Originaltitel 'Gömda' (1995, überarbeitete Auflage 2000).

Dienstag, 29. April 2025

Gerhard Roth : "Der Strom"

Gerhard Roth :
"Der Strom"
Roman
3. Auflage 2002 S. Fischer
337  Seiten + 4 Seiten Inhaltsverzeichnung + blaues Lesebändchen
ISBN 3-10-066056-0

Thomas Mach wird vom Reisebüro seines Onkels in Österreich nach Ägypten gesandt um herauszufinden, was mit seiner Vorgängerin Eva Blum als Fremdenführerin passiert ist, da sie über den Hotelbalkon gefallen oder gesprungen war. Er folgt hier mehr seiner inneren Stimme und den Notizen Eva Blums als den Wünschen eines deutschen ehemaligen Polizisten und einen Arbeitskollegen von Frau Blum. Er kutschiert durch Kairo und seine Vororte, er fährt nach Alexandria und in die Oase, er besucht eine Moschee und Menschen auf Hausbooten in der Corniche von Kairo. Er bleibt in Ägypten.

Eigentlich soll ein möglicher Mord aufgeklärt werden, aber in dem Roman bewegt sich Thomas durch eigenartige, skurille und sehr ägyptischen Situationen und Gegenden; er hat keine Scheu vor den Handwerksbezirken, den Friedhöfen in denen die Armen leben.
In den Notizen Eva Blums findet er mehrsprachige Informationen über Orte, und ein Kloster in einer Oase; auch stellt er fest, daß sie koptisch kann.

Die Stimmung ist für mich oft unwirklich als ob Thomas mach wie in einer Traumlandschaft unterwegs ist; wenn der den Witwer von Eva Blum einen Tag lang verfolgt wird es teilweise sehr skurril.
Ebenso unwirklich wirkt es wenn er sich mit seinem Chauffeur einem älteren Mann versucht zu unterhalten, ohne daß einer auch nur eine Sprache des anderen sprechen kann. Die beiden finden eine gemeinsame Sprache.

"Der Strom" ist Teil des Romanzyklus "Orkus", an dem der Autor 1995 bis 2011 geschrieben hat.

Der Roman hat mich in den Bann gezogen. Der Nil glitzert und ist ruhig, und immer vorhanden als Lebensmotor in Kairo und Alexandria. Der Krimi ist für mich kein Krimi, sondern ein träumender Roman. 

Viel Freude beim Lesen.

Gerhard Roth wurde am 24. Juni 1942 in Graz, er starb am 8 Februar 2022. Er begann Medizin zu studieren, sattelte dann auf Organisationsleiter eines Rechenzentrums um, und hatte seine erste Veröffentlichung 1972. Später reiste er nach Amerika und schrieb weiter. Er war Erzähler, Dramatiker und Essayist und auch Drehbuchautor.

Samstag, 11. Januar 2025

Pedro Badrán : "Verbrechen in der Provinz"

Pedro Badrán :
"Verbrechen in der Provinz" - Auch ein Kriminalroman
Kolumbien in der edition 8
original "Crimenes de providencia"
2022, Penguin Random House Grupo Editorial, Bogota
Aus dem kolumbianischen Spanisch übersetzt von Richard Gross
2024, edition 8
170 Seiten + 4 Seiten sehr umfangreiches Glossar + mauve-farbenes Lesebändchen
ISBN 978-3-85990-515-3

Rodolfo Cuesta beginnt sich mit dem Tod seines besten Freundes, Horacio, Sohn des Senators in einer fiktiven Stadt zu beschäftigen. Er war erschossen worden. Horacio war ein lebensfroher aber auch idealistischer Arzt gewesen, der sich mehr für die Armen engagiert hatte, als für die Karriere, wie es seinem mächtigen Vater besser gefallen hätte.
Rodolfo trifft sich mit Horacios Schwester Marielita und erzählt über die Zeit als er, als Kind einer Ladenbesitzerin und eines getöteten Aufständischen, im Haus des Senators immer willkommen war.
Sehr vorsichtig versucht er, selbst Arzt, das Geheimnis des eigenen Vaters, die vielen Geheimnisse um den Senator und gesellschaftliche Verstrickungen zu entwirren. Auch lernt er die letzten Freundin von Horacio kennen. Unterlagen werden versprochen und kommen nie an; Menschen sterben mit denen er sprechen möchte. Sehr langsam tastet er sich vor und fragt im Umfeld des Senators, den viele als Wohltäter der Stadt sehen.
Der Senator stirbt ebenfalls - aber einen natürlichen Todes. Ende gibt es keines.

Der Roman ist in Ich-Form aus Sicht von Rodolfo geschrieben.

Mich fasziniert die Langsamkeit in diesem Buch, in der sich einiges zäh entwickelt oder anderes nie entwirren wird.
Polizei, Gesellschaft, Politik und Überleben sind eng verkettet. Mord eines Sohnes wenn er gesellschaftlichen Normen widerhandelt wird in dieser Stadt nicht nur toleriert, sondern auch gut geheißen.

Die Rolle einer Tochter, oder Frau ist in dem Buch sehr unterschiedlich. Die Schwester ist Langzeitstudentin und hinterfragt alles. Ihre frühere beste Freundin war zuerst mit ihrem Bruder verheiratet, und nach dessen Ermordung mit ihrem früheren Schwiegervater und mit diesem glücklicher als zuvor. Rudolfos Mutter findet, daß der Senator ein Held ist und nicht kritisiert werden darf. 

Mich hat der Roman in den Bann gezogen. Viel Freude beim langsamen Lesen.

Pedro Badrán wurde 1960 geboren in Magangué (Departamento Bolívar), im Hinterland der karibischen Küste Kolumbiens. Er ist Nachkomme palästinensisch-syrischer Einwanderer. Er wuchs in Cartagena auf und studierte Linguistik in Bogotá, wo er heute als freier Schriftsteller lebt. Mit je fünf Romanen und Erzählungsbänden gilt er in der kolumbianischen Literatur als einer der herausragenden Vertreter der Post-post-García-Márquez-Generation. Sein erster auf Deutsch erschienener Roman "Der Mann mit der magischen Kamera" (edition 8, 2019) schaffte es auf die Hotlist der zehn besten Bücher aus unabhängigen Verlagen.

Mittwoch, 14. August 2024

Beate Maly : "Tod am Simmering"

Beate Maly :
"Tod am Simmering"
2016, Emons Verlag
262 Seiten + 2 Seiten Nachwort
ISBN 978-3-95451-995-8

Ernestine Kitsch, eine pensionierte Lateinlehrerin, erhält Karten für einen Tango-Kurs in einem illustren Hotel am Simmering, und hat als Begleitung den Apotheker Anton Böck auserkoren. Im Hotel treffen sie auf einen Arzt und seine Schwester, eine Bankierswitwe und Sohn, Industriellen Ehepaar und Industriellen Familie, einen Chemiker, das Tanzpaar und seine Musiker und sehr wenig Personal im Hotel. Bereits am ersten Abend prallen die Temperamente und intolerante arroganten Manieren aufeinander, was Ernestine mit Neugier für Menschen lebhaft stimmt. In der ersten Nacht wird ein besonders unangenehmer Mann ermordet und alle Beteiligten finden sich eingeschneit im Hotel. Ernestine organisiert mit ihrer natürlichen Autorität Untersuchungen und Gespräche, ein zweiter Mord passiert, bis am Schluß die Lösung kommt.

Neu für mich waren die Informationen, daß Ende des ersten Weltkrieges chemischen Waffen in Kombination eingesetzt wurden, das "Buntschießen" genannt wurde und hier viele Soldaten und Zivilisten um eine weitere erbärmliche Art starben; einige wurden mit diesen chemischen Versuchen reich.

In die Kriminalgeschichte ist eingebaut, daß die sozialistische Arbeiterpartei Zulauf erhält damit Kinder überhaupt und bessere Ausbildungen erhalten (können). 

Die Typen und Menschen dieser Geschichte sind schön und detaillreich geschildert, ohne zu ausführlich zu werden. 

Eine Liebesgeschichte bahnt sich auch, und auch die zarten Bande zwischen Ernestine und Anton werden stärker.

Meist ist das österreichische Deutsch gewahrt, allerdings geht man in Österreich nicht die Treppe 'hoch', sondern die Stiegen 'hinauf'; leider ist hier das deutsche Lektorat zu hart vorgegangen, denn 'hoch gehen' heißt in Österreich wütend werden.

In Summe ist der Kriminalroman sehr gut geschrieben, er unterhält und informiert. Viel Freude beim Lesen !

Samstag, 22. Juni 2024

Ahmet Ümit : "Das Derwischtor"

Ahmet Ümit :
"Das Derwischtor"
Kriminalroman
original "Bab-i-Esrar"
2012, Verlag Everest Yarinlari, Istanbul
Aus dem Türkischen von Sabine Adetepe
2020, btb verlag bei Verlagsgruppe Random House GmbH
499 Seiten + 2 Seiten Anmerkungen der Übersetzerin (betreffend Aussprache, Anrede und Begrifflichkeiten; Schreibweisen) + 1 Seite Danksagung + 3 Seiten Quellen
ISBN 97-3-442-71765-1

Karen Kimya Greenwood wird wegen einer Versicherungssache und weil sie Türkisch kann, nach Konya geschickt. Dort hat sie mehrere mystische Begegnungen mit einem geheimnisvollen charismatischen Mann und arbeitet das Verschwinden ihres Vaters auf.
Bei dem charismatischen Mann geht es um mystische Erlebnisse mit Shams-e Tabrizzi und den Sufi-Meister und Poeten Rumi, deren Freundschaft und wie diese anderen Menschen irritierte.
Ihr Vater hatte die Familie verlassen, weil der Ruf des Sufi-Ordens wieder stärker für ihn geworden war, wie ihr in Koya langsam vermittelt wird.
Parallel muß sich Karen Kimya entscheiden, ob sie ihre Schwangerschaft leben möchte oder nicht.

Konya ist faszinierend geschildert. In dem Roman ist geschildert wie schöne alte Häuser mit Innenhöfen neuen Hotel-bauten ohne Ausstrahlung weichen müssen; aber der Zauber der alten Häuser ist spürbar.
Für Touristen ist diese Stadt durch die "drehenden Derwische" bekannt.

Die Menschen sind für mich leider wenig spürbar, bis auf Karen Kimya selbst (mit den Problemen und Entscheidungen, die anstehen) und ihre flippige Mutter. 

Rumi und Sufi-Orden sind verzaubernd. Die Kapitel, in denen nach Spiritualität gesucht wird, finde ich gut geschrieben.

In Summe ein angenehmer Urlaubs-Roman mit etwas Krimi, bei dem ich mich gut entspannen konnte. Gutes Lesen !                                       

 Ahmet Ümit  wurde 1960 in Gaziantep (Südanatolien) geboren. Er studierte Verwaltungswissenschaften und begann zu schreiben. Seine erste Erzählung entstand 1983. Er veröffentlichte mehrere Kriminalromane, von denen einige auch ins Deutsche übersetzt wurden, außerdem Gedichte, zahlreiche Kurzgeschichten und ein Märchen. Außerdem schreibt er Drehbücher.   

Donnerstag, 7. März 2024

Britta Habekost : "Stadt der Mörder"

Britta Habekost :
"Stadt der Mörder"
Kriminalroman
2021, Penguin Verlag
450  Seiten mit Lesebändchen + 6 Seiten Nachwort + 3 Seiten Dank
ISBN 978-3-328-60195-1

Lieutenant Julien Vioric wird beauftragt besonders grauenerregende Morde in Paris aufzuklären. Eine Gouvernante wurde ermordet, deren Schützling ein adeliger Jüngling ebenso
Lysanne Magloire kommt vom Land nach Paris um ihre Schwester zu suchen; die sie spät aber doch durch Hilfe der Surrealisten findet, allerdings an eine Krankheit verliert. Sie arbeitet ihre Jugendliebe auf, die trifft den ehemaligen Ortsarzt wieder, und läßt sich vom Charme Paris einfangen.
Lysanne trifft inzwischen eine Künstlertruppe, wobei ihre die Phantasie von Luis Aragon am meisten zusagt. Die anderen der Surrealisten, wie Breton, irritieren sie mehr , wobei Bretons Frau ihre wichtige Ideen gibt.
Juliens Bruder Edouard, der kein Kriegstrauma hat, erklimmt die Karriereleiter bei der Polizei, ist mittlerwweile Polizeipräfekt, pflegt Kontakte zu den besseren Kreisen und traktiert seinen Bruder sooft er kann.
Eine farbefrohe, fröhliche neugierige Frau arbeitet als Journalistin und geht der Polizei mit Fragen auf die Nerven. Sie hilft Lyssanne weiter.
Das Ende ist überraschend.

Die Menschen sind gut beschrieben - mit Mitgefühl Lysanne die den Dorf-Mief abschüttelt bzw abschütteln muß und Julien, der das Traum aus dem ersten Weltkrieg und den Verlust seiner großen Liebe aus Südfrankreich, zu verarbeiten hat. Der Krimi ist mit 1924 datiert - und hier wird beschreiben, wie manche Menschen die Kriegsgreuel nicht verarbeiten, während manche gut mit der Vergangenheit leben.

Ort ist Paris bevor Passagen und dunkle Winkel vor den Olympischen Spielen 1924 abgerissen werden. Viele billige Wohnungen gehen durch diese Maßnahmen verloren.

Die Szenerie der Surrealisten ist unterhaltsam geschildert, v.a. wenn die kleinen Ankündigungen ein Großaufgebot der Polizei verursachen.

In Summe ein unterhaltsamer Kriminalroman.

Freitag, 2. Februar 2024

Alex Beer : "Die rote Frau"

Alex Beer :
Die rote Frau - ein Fall für August Emmerich"
Kriminalroman
2018, Limes in Verlagsgruppe Random House GmbH
400 Seiten + 3 Seiten Nachwort + 2 Seiten Danke + 2 Seiten Quellenangaben
ISBN 978-3-8090-2676-1

Rayoninspektor August Emmerich, humpelnd nach Kriegsverletzung, und sein Mitarbeiter Ferdinand Winter mit kaputtem Arm nach dem Krieg, werden von ihrem Vorgesetzten mit dummer Papierarbeit gequält. Erst die Morddrohung an einer Filmdiva bringt die beiden in Recherche. Parallel wurde ein Stadtrat ermordet, der viel für die vielen Bedürftigen in Wien um 1920 macht.
Ausgehend von dem Arbeiterwohnheim in dem er wohnen muß, weiß er, daß der Beschuldigte nicht der Mörder sein kann, und sucht mit Genehmigung, weiter.
Es gibt Gesellschaften die den Armen nach dem Weltkrieg weiterhelfen (wollen), und ebenso gibt es Gesellschaften die einzelnen Auserlesenen mit Verletzungen mit Prothesen aushelfen wollen.
Erst spät tut sich Emmerich auf, daß die rote Frau bei den einzelnen Gesellschaften mit unterschiedlichen Utensilien gezeichnet ist und erschreckend andere Konzepte zur Beseitigung der Massenarmut angestrebt werden.

Wien ist in seinen verschiedenen Örtlichkeiten der Armut genau beschrieben : Das menschliche Elend und die Machtspiele im Männer-Obdachlosenheim, die Kohlefabriken mit Dreck und Hitze, das Leben der Menschen die überall sparen müssen.
Einige wenige können sich Leben leisten, ohne auf Geld achtgeben müssen.
Die Beschreibungen gehen unter die Haut.

Die Menschen sind stark und eindrücklich beschrieben. Es sind sowohl die direkte als auch süffisante Brutalität der Menschen spürbar, als auch wenn jemand versucht sich noch ein bißchen die restliche Würde zu bewahren.
Emmerichs Verzweiflung daß er seine Liebe an ihren aus dem Krieg zurückgekehrten brutalen Ehemann verloren hat, ist greifbar. 

In Summe ist dieser Kriminalroman trotz seiner Düsterkeit empfehlenswert. Gutes Lesen !

Alex Beer, eigentlich Daniela Larcher wurde am 8. April 1977 in Bregenz geboren. 2008 erschien ihr erster Kriminalroman . Mittlerweile gibt es vier Kriminalroman-Reihen : Otto Morell, August Emmerich, Isaak Rubinstein  und Felix Blom sind die Hauptprotagonisten.

Samstag, 6. Januar 2024

Anjali Deshpande : "Mord"

Anjali Deshpande :
"Mord"
original "Hatya"
2019,
Aus dem Hindi übersetzt von Almuth Degner
2023, Draupadi Verlag, Heidelberg
202 Seiten
ISBN 978-3-945191-80-4

Adhirath ist suspendierter Polizist in Chhatarpur, da er einem anderen Polizisten zur Seite stand. Er lebt in einem kleinen Haus mit seiner Ehefrau Puschpa, die aus einer niedrigen Kaste als er kommt aber als Polizistin auf der Karriereleiter ist, deren beider Sohn Varun, und seinen Eltern, die immer an seiner Frau kritisieren.
Als er in der erzwungenen Freizeit einen Kollegen begleitet kommen sie zu der Leiche einer vorerst unbekannten schönen Frau. Adhirath ist der einzige der sich auf die Suche nach dem/den Mörder(n) macht und stößt auf eine Wand von Schweigen aus der eigenen Familie (dort hatte sie Schande gebracht), und im Dorf (keiner wollte offiziell mit dieser Frau mit verschiedenen Namen zu tun haben). Basanti oder Suryabala, hatte ihre Schönheit und Erotik zum Aufstieg in ein besseres Leben nutzen wollen, und war am Schluß unter anderem die Geliebte eines reichen einflußreichen Mannes gewesen.
Adhirath fragt den Ortsvorsitzenden, einen reichen Mann, dessen Frau, deren Verwalter der auch Chauffeur war, bis er wirklich den Mörder herausgefunden hat. Ob dieser wirklich eine Strafe erhalten wird, ist allerdings fraglich.

Die Orte der Handlung sind faszinierend beschrieben. Adhirath und seine Familie leben in einem unfertigen Haus neben einer Baustelle, und in einer lauten Straße. Das Dorf und das Landgut auf dem die Leiche gefunden wurde, sind abgelegen; auf dem Landgut wird viel angebaut an Gemüse und schönen Bäumen. Ganz anders ist die Villa des reichen Ehepaares, die mit viel Platz und schönen Dingen ausgestattet ist.

Die Menschen sind facettenreich geschildert. Die Ermordete wird als sehr schöne Frau geschildert, die nicht wie ihre Familie zufrieden war daß sie aus einer unteren Kaste entstammte. Auch die Frau des Polizisten ist aus einer unteren Kaste, die die ganze Zeit arbeitet und kocht, und zu ihrem Mann hält, allerdings von dessen Eltern nur gehässige Kommentare erhält. Eine weitere starke Frau ist die Ehefrau des reichen Mannes, die großartige Kleidung trägt, freundlich zu Adhirath ist und ihrem Mann und seinem Gehabe eiserne Maske bewahrt.
Adhirath ist beim Auflösen des Mordes konzentriert, sonst hat er aber den Boden unter den Füßen durch die Suspendierung und die drohende Kündigung verloren.

Daß Ärzte für Obduktionen bestochen werden müssen, war ein eigene Szenerie für mich.

Ich hatte einige Probleme beim Merken der Namen und bis ich mich ausgekannt habe, wer wer ist.

In Summe für mich ein starker Kriminalroman, der einiges an Konzentration gefordert hat. Viel Freude beim Lesen !

Leider habe ich keine Biographie der Autorin im Internet gefunden.

Mittwoch, 6. Dezember 2023

Xavier-Marie Bonnot : "Die Melodie der Geister"

Xavier-Marie Bonnot :
"Die Melodie der Geister" - der fünfte Fall für Michel de Palma
Kriminalroman
original "Le pays oublié du temps"
2011, Actes Sud, Arles
Aus dem Französischen von Gerhard Meier
2015, Unionsverlag, Zürich
357 Seiten
ISBN 978-3-293-00484-9

Polizeikommandant Michel de Palma muß den Mord in Marseille an einem alten Forscher Delorme aufklären, auf dessen Gesicht eine alte Maske aus Neuguinea gesetzt worden war. Mithilfe der Tochter versucht er das Leben des Forschers nachzuvollziehen und bekommt einiges aus dessen Zeit der Forschung gemeinsam mit dem alten Freund Ballancourt erzählt. Die beiden waren in den 30-er Jahren bei den Einheimischen gewesen und haben Masken gegen Waffen eingetauscht. Diese Masken haben Jahrzehnte später hohen Sammlerwert und auch die ursprünglichen Stämme sind an den Masken interessiert. Später kommt heraus, daß es vor Jahrzehnten auch zu einer Liebesgeschichte zwischen einem der Forscher und einer einheimischen Witwe gekommen war.
In Marseille wird ein Händler ermordet, ebenso wie ein Matrose eines unter Observation stehenden Schiffes, und ein kleiner Dieb. de Palma muß Sigmund Freud über Totem und Eros nachlesen, und verstaubtes Denken über Urvölker beseite räumen um an des Rätsels Lösung zu kommen.
Als Parallelgeschichte beginnt zwischen dem Polizeikommandanten und seiner alten Liebe eine Romanze aufzuflackern.

Die Regionen und Flüsse auf Neuguinea mußte ich nachlesen.

Faszinierend fand ich wie beschreiben wird wie die Schädel der Feinde/Freunde behandelt werden, verziert werden, mit Muscheln und Knebmaterial aus Köpfen ausdrucksstarke Bewältigung von Furcht, Liebe und Trauer werden.

Den deutschen Titel hat das Buch weil leise Melodien erklingen, wenn der gespannte Bogen, mit dem der Pfeil abgeschossen wird, klingt.

Die Geschichte ist spannend. Aber leider bin ich nicht in den Stil hineingefallen.

Xavier-Marie Bonnot wurde am 7 Dezember 1962 in Marseille geboren. Er promovierte in Geschichte und studierte Soziologie und französische Literatur. Seine berufliche Karriere begann er als Filmregisseur von Dokumentarsendungen und Reportagen. 2002 feierte er mit der Veröffentlichung seines ersten Kriminalromans 'La première empreinte' /dt. 'der große Jäger' mit Band eins sein literarisches Debüt. Seither erschienen weitere Fälle mit dem Marseiller Polizeikommandanten Michel de Palma. Sie wurden mehrfach ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt.

Donnerstag, 30. November 2023

Karl Rittner : "Die Toten von Wien"

Karl Rittner :
"Die Toten von Wien" - ein Fall für Alexander Baran
2023, Goldmann Verlag
13 Seiten Prolog + 400 Seiten + 3 Seiten Danksagung
ISBN 978-3-442-49090-5

Im Prolog wird von der kurzen aber glücklichen Ehe zwischen Szonja und Anton Graf von Waldstetten, die zeitgleich mit dem Jagdbesuch des Kronprinzen vor dem ersten Weltkrieg endet, und einem Fluch erzählt.

1922 in Wien, ist Alexander Baran, eigentlich Sandor von Barany, Kriminalbeamter, der immer noch nach seiner vermissten Schwester Szonja sucht; ihm zur Seite steht Bezirksinspector Florian Meisel.
Eine Balletttänzerin wird ermordet gefunden, ein pensionierter Hofrat vor die Straßenbahn gestossen, ein Student (der sich als Dieb entpuppt) verhaftet, eine weitere Balletttänzerin ermordet .
Eine junge Anwältin, Frau Eleonore Wertheim, vertritt zuerst den Studenten, hilft Baran dann weiter. Ein ehemaliger Graf, Otto Schöntan, hat ein Unterhaltungsetablissement mit Tänzerinnen. Pathologe Alfred Bernstein mit seiner Kartenspielrunde u.a. mit dem Schriftsteller Hugo Bettauer, den Herausgebern Robert Sticker und Arthur Freud, bringt Baran auf richtige und falsche Spuren; und wird ebenfalls als Wissender ermordet. Ein mysteriöser Mann mit blauen, sehr kalten Augen aber sonst wenig  Wiedererkennungsmerkmalen, entpuppt sich als Strippenzieher, da er als Kind nicht so umsorgt worden war wie sein Zwillingsbruder. 
Hintergrund war auch eine politische Verschwörung und ein Zusammenhang mit Geheimpolizei gewesen.
Letztendlich kann Baran auch die Sache mit seiner verschwundenen Schwester lösen, und einen unguten Vorgesetzten dank eines Fehlers loswerden.

Der Kriminalroman ist sehr gut geschrieben. Wien damals ist nachvollziehbar, mit seinen reichen Villen, aber auch armen Gegenden im zweiten Bezirk und elendsarmen, menschenunwürdigen Zuständen in Baracken. Der Ausdruck "Grabennymphen" für käufliche Frauen war mir bis dato nicht bekannt gewesen.

An Wiener Örtlichkeiten gibt es die Wiener Staatsoper, die American Bar (auch: Loos Bar genannt), den Wiener Wurschtl-prater mit Rotunde, Café Siller (wurde 1945 zerbombt), Martinkirche im 18. Bezirk, Villen in Dornbach, Sechs-Schimmel-hof im 8. Bezirk, Chatham-Bar in 1. Bezirk (jetzt Café Hawelka), ehemaliges Kriegsspital im 19 Bezirk aus dem Wohnbaracken gemacht wurden; Gasthaus "zur güldenen Waldschnepfe" in Dornbach, das es als Lokal allerdings mit anderem Namen immer noch gibt.

Die Persönlichkeiten sind greifbar geschildert, auch wie eigentlich alle sehr daran arbeiten müssen in diesen Zeiten über die Runden zu kommen und die Einsamkeit zu bewältigen.

In Summe ein sehr guter Kriminalroman, der spannend ist.

Karl Rittner ist das Pseudonym eines österreichischen Schriftstellers und Hochschulprofessors. Er wurde 1960 im Land Salzburg geboren, und lebt zur Zeitpunkt der Buchveröffentlichung in Wien.

                      

Samstag, 8. Juli 2023

Paul Grote : "Bitterer Chianti"

 Paul Grote :
"Bitterer Chianti" - Ein Wein-Krimi
2005 / 4. Auflage April 2006
300 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 9778-3-499-23998-4

Frank Gatow (den die italiener wie Gatto also Katze ausprechen) ist als Photograph geschickt worden um Weingüter in der Toskana zu photographieren; die Termine sind bereits ausgemacht. Hier kommen ihm Schläger in die Quere, die seine Ausrüstung ruinieren und auch sonst zusetzten. Ein Termin wird nicht gehalten, weil der Winzer nicht wie vereinbart erscheint. Dafür lernt er eine sympathische Winzerin kennen, die leidenschaftlich feinen, aber wenig Wein macht. Als einem Winzer seine Maschinen gestohlen werden, und befreundete Winzer helfen und dafür behördliche Probleme bekommen, beginnen sich die Machtspiele einer überregionalen Gruppe zu erkennen. Ein sehr arroganter Mann wird am Schluß von seinem Dünkel gestossen.

Der Roman ist gut geschrieben, läßt die Menschen und Landschaft vor dem geistigen Auge entstehen, sodaß man als Leser/in fast mitwandern könnte.

Es wird auch Wissenswertes über Wein geschrieben, das interessieren kann oder auch nicht.

Bei den Personen sind der zwielichte Weinkenner Scudiere nicht uninteressant. Politiker Strozzi ist ein Politiker aus dem Abziehbuch. Als Garnierung gibt es eine aufmerksame Vermieterin mit sehr aufdringlicher Tochter mit teilweise unerwünschten Verbindungen.

In Summe ein herrliches Urlaubsbuch. Viel Spaß beim Lesen

Montag, 20. März 2023

Leonora Christina Skov : "Das Inselhaus"

Leonora Christina Skov :
"Das Inselhaus"
Kriminalroman
original "Hvor intet bryder vinden"
2015, Politikens Forla, Kopenhagen
Aus dem Dänischen von Nora Pröfrock
2018, btb Verlag
408 Seiten
ISBN 978-3-442-71424-7

Sieben Menschen werden auf eine Insel in ein Glashaus eingeladen, wo kein Internet vorhanden ist, und  die Meeresströmung den Zugang zum Festland quasi unmöglich macht. Robin Lee, eine Reisejournalistin in mittleren Jahr; Anne Elizabeth Solvtoft, perfekte Ehefrau und engagierte Mutter ohne Anerkennung, die Scherenschnitte macht; Sofie Lynggard, eine junge Frau die dünn und nervös ist; Greta Eek, eine bekannte Geruchsexpertin und eher kühle Frau mittleren Alters; Kevin Bergman, dessen Freundin mit ungewollten und kranken Kind schwanger ist, er aber nichts weiterbringt; Joachim Wedel Nordgren, erfolgreicher Krimiautor, der seiner geschiedenen Frau nachtrauert; Poul Erik Norgaard, Lehrer, dessen Frau Krebs hat.
Langsam entwickelt sich heraus, daß der Großteils dieser Menschen die schöne faszinierende Marcella gekannt hatten - einige als Kind, andere als Jugendliche, immer jedoch mit Einfluß und oft Zerstörung hinterlassend.
Einer der sieben Menschen verschwindet, einer stürzt die Stiegen unglücklich hinunter, weitere verschwinden, bis am Ende zumindest einiges erklärt wird.

Die Geschichte wird sprunghaft erzählt; spannend lesen sich die Kapitel in den Marcella agiert. Interessant sind auch die Kapitel in denen Marcella, Anne die hauptberufliche Ehefrau und Robin als Reisejournalistin in verschiedenen Ländern und Kulturen unterwegs sind. Während Robin neugierig ist, ist Anne bemüht ein gewissen Maß an elitärem Benehmen zu behalten; Marcella ist als Kind und Jugendliche bemüht nicht unterzugehen.

Die Menschen sind eher unsympathisch, wobei die kühle Greta, die sich weigert bei gewissen gesellschaftliche Konventionen mitzuspielen, im Laufe des Romans durchaus Qualitäten zugeschrieben bekommt. Anne die zuerst die perfekte Ehefrau und Mutter spielt, wird in ihren selbstgefääligen dummen Stereotypen immer unerträglicher. Robin ist eine weltoffene Charakterfrau, deren Charakter durchgängig ist. Die Männer sind alle eher unerträglich weinerlich, auch wenn einer erfolgreich ist.
Marcella ist vielschichtig - von schön und liebenswürdig und hilfsbereit, bis durchtrieben und manipulativ; letztendlich war sie überfordert und man hatte ihr zuviel zugemutet.

Der steigende Druck in dem Glashaus ist gut geschildert. Glaswände, die je nach Belieben mit einem Vorhang zugezogen werden können, gefallen nicht jedem der Protagonisten.
Es ist auch spannend zu lesen, wie mache der Protagnisten sich an das Leben anpassen zu vermögen, und anderer im aggressiver werden.
Sex wird mir zu aggressiv geschildert.

In Summe nicht uninteressant, auch wenn das Genre daß Menschen augenscheinlich willkürlich, aber doch mit Absicht zusammen sein müssen und einige ums Leben kommen, nicht neu ist.

Samstag, 4. März 2023

Mercedes Rosende : "Krokodilstränen"

Mercedes Rosende :
"Krokodilstränen"
Kriminalroman
original "El Miserere de los Cocodilos"
2016, Estuario Editora Montevideo
Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
2018, Unionsverlag Zürich
216  Seiten
ISBN 978-3-293-00536-5

German und Sergio hatten entführt, die Gattin hat nicht gezahlt, German sitzt im Gefängnis weil die Gattin für ihn ausgesagt hatte. Der Name der Dame stimmte, aber es war nicht die Gattin - üppige Frau mit vielen Komplexen versus schlanke Frau, die alles hat. Ein Anwalt, der in Gut und Böse verwickelt ist, ist auch in einem Geldüberfall eingebunden; German soll fahren, ein brutaler ex-Häftling macht mit und eine der Ursulas, die von Geld träumt. Polizistin Leonilda möchte in der Polizei einiges richtig machen, und fühlt sich nicht unterstützt. 

Ursula, die Üppige, wurde von ihrem Vater immer wegen ihres Gewichts gemaßregelt, in ein dunkles Zimmer eingesperrt, und taucht auch nach seinem Tod immer wieder in Zwiegesprächen auf. Während sie sich auf ihr Übergewicht reduziert sieht, sind andere von ihrer üppigen Schönheit fasziniert. Langsam entwickelt sich, daß sie durchaus kriminelles Potential hat.
Ihr gegenüber werden einige Männer geschildert. Allen voran German, dem eigentlich die ganze Zeit nur schlecht ist, und dessen Lahmarschigkeit mich beim Lesen kribbelig gemacht hat. Es gibt weiters einen brutalen Gangster der vor nichts zurückschreckt. Mehrdimensional ist ein bestens gekleideter, mit allen Parteien vernetzer Anwalt, den selbst sein imbrünstig gelebtes Christentum vom Einsatz von Waffen bei einem Überfall abhält.

Krokodilstränen heißt das Buch, weil sie niemandem weiterhelfen (werden).

Der Kriminalroman ist spannend geschrieben und hat in der zweiten Hälfte Drive. Die Personen sind gut vorstellbar geschildert. Das Ende bleibt offen.

Samstag, 28. Januar 2023

Constanze Scheib : "Der Würger von Hietzing"

Constanze Scheib :
"Der Würger von Hietzing"- Die Gnä' Frau ermittelt
Roman
2021, ein Oktopus Buch bei Kampa
277 Seiten
ISBN 978-3-311-30014-4

Helene Ehrenstein, elegante Gattin im noblen 13. Wiener Bezirk in den 70-er Jahren, lebt ihr höflich gelangweiltes Leben, und interessiert sich für Kriminalgeschichten. Eines der Dienstmädchen, Marie, teilt den Faible für Kriminalgeschichten. Nachdem die Tante eines der anderen Dienstmädchens ermordet worden war, beginnt sich Frau Ehrenstein manchmal geschickt, manchmal ungeschickt nachzulesen und zu recherchieren, denn es waren mehrere ältere Damen in Hietzing bestohlen und ermordet worden. Bei der Polizei bekommt sie wenig Information, aber ein Besuch bei einer Hippie Kommune, zu der Marie sie mitnimmt, bei der sie erstmals eine Jeans trägt und Gras raucht wird interessanter. Der Besuch bei einem möglichen Hehler bringt die schauspielerischen Talente der beiden noch mehr heraus. Am Schluß wird es spannend.
Parallel findet das Leben der gehobenen Dame mit sehr altmodischen (sehr klischeehaften) Haushalt und Tagesroutinen statt. Ehe- und Familienleben sind strukturiert - Wärme ist nicht spürbar.

Die Orte der Handlung wie die Villa in Hietzing, das Respalbüro der Polizei, die gemütliche Hippiewohnung sind gut vorstellbar geschildert.

Die Personen sind zwar gut geschildert, haben mich aber nicht berührt. Die Herzlosigkeit der Räuber-Mörder ist heftig.

Die Sprache in Wien - sowohl die der Dame, als auch die der Zimmermädchen mit wienerische - sind stimmig und es wurde nicht germanisierend eingegriffen, was wohl tut.
Bei Band 2 wurde ein Glossar erstellt, um Menschen die kein Wienerisch kennen resp verstehen, das Nachlesen zu erleichtern.

In Summe ist dieser Kriminalroman ist unterhaltsam zu lesen.