Posts mit dem Label Übersetzerinnen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Übersetzerinnen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 18. November 2021

Grégoire Hervier : "Vintage"

Grégoire Hervier :
"Vintage"
original: "Vintage"
2016, Au diable vauvert
Aus dem Französischen von Alexandra Baisch und Stefanie Jacobs
2019, Diogenes Verlag
392  Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis + 1 Seite Credits
ISBN 978-3-257-24450-2 

Thomas Dupré erzählt in ich-form, wie er aus Paris mit einer seltenen Gitarre nach England geschickt wird. Im Schloß erwartet ihn ein Lord im Rollstuhl und beauftragt ihn eine seltene Gitarre, deren Existenz ungesichert ist, für seine Sammlung zu finden. Thomas reist nach USA, fährt durch die Gegend, trifft einen trunksüchtigen Gitarrensammler, reist nach New Orleans, trifft eine engagierte Musikstudentin in Mississippi die auf der Suche nach einem Künstler ist, von dem es nur Demobänder mit grandiosem Klang gibt. Dieser Musiker war mit dieser Gitarre abgebildet worden, was zu weiterer Recherche führt. Am Schluß gibt es diese Gitarre .....

Das Buch ist für Blues Gitarren Fans ideal. Die Ich-person spielt Gitarre, fachsimpelt über alte und neue Gitarren, erzählt von Riffs, von Übergängen innerhalb von Songs, und von wunderbaren Gitarrenspielerlebnissen. 

Inhaltlich geht es um die "Gibson Moderne", eine Gitarre, die 1957 als Prototyp entstand, damals aber nicht in die Produktion übernommen wurde, aber zu grandiosem Klang inspirierte.
Faszinierend war für mich die Recherche nach dem Musiker "Li Grand Zombi Robertson", den es so nicht wirklich gab, aber mit seinem Lebenslauf und als seinen Klang suchende Persönlichkeit eine grandiose Komposition ist.

In Summe ein spannender Roman. Viel Spaß beim Lesen !

Grégoire Hervier wurde 1977 in Villeneuve-Saint-Georges im Département Val-de-Marne geboren. Sein erster Roman "Scream Test" erschien 2006, 2009 erschien "Zen City". 2020 erschien "Dark was the night" 

Samstag, 22. Mai 2021

Jaume Cabré : "Eine bessere Zeit"

Jaume Cabré :
"Eine bessere Zeit" (Der Schatten des Eunuchen)
Roman
original "L'ombra de l'eunuc"
1996, Edicions Proa, Barcelona
Aus dem Katalanischen von Kirsten Brandt und Petra Zickmann
2019, Insel Verlag
547  Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis (am Ende des Buches)
ISBN 978-3-458-36416-0

Miquel Gensana II ist ein Industriellensohn in Katalonien, der einen anderen Weg sucht.  Er studiert, schließt sich einer aggressiven kommunistischen Gruppe an und geht in den Untergrund, verliebt sich fast immer unglücklich, scheitert in seiner Ehe, verliert seine große Liebe, enttäuscht seine Mutter und seinen Vater, und erzählt dies in einem Abendessen seiner Journalistenkollegin Julia.
In parallelen Kapiteln erzählt sein Großonkel Maurici Sicart sein Leben als geliebter Sohn dessen Eltern zu früh starben, wie er im Haus mit Michel II lebt und diesem die Liebe zu Musik beibringt, bei der Familie als Versager gilt da er homosexuell ist, und sich in seine eigene Welt zurückzieht.

Der Roman spielt in Katalonien, in der Zeit von Franco, und geht bis in die 80-er Jahre. 

Miquel und sein bester Freund Bolos, der in die Politik ging, haben aus der Zeit des Widerstands einen Tarnnamen. Der dritte Freund Rovira im Bundes hat keinen politischen Weg hinter sich, sondern scheiterte im priesterlichen Weg und jagt seinem Bild der idealen Frau nach.

Obwohl Miquel der zweite in seinem Leben nichts weiter bekommt, und auch verweigert dem Vater in der Fabrik zu helfen, helfen ihm Mutter und Onkel so gut es geht.
Die Frauen in dieser Familie sind meist sehr zurückhaltend, selten hält das Leben Liebe für sie bereit - oder aber es ist die große Liebe.

Miquel gibt sich in diesem Roman viele Beinamen die der aktuellen Situation entsprechen - von Versager bis großem Liebenden sind alle Abstufungen genannt. Manche triefen vor Selbstmitleid, andere sind humorvoll und brachten beim Lesen zum Lachen.

Sprachlich ist der Roman bzw seine Übersetzung faszinierend, als Miquel manchmal von sich in der Ich-form erzählt und öfter mitten im Satz zur beobachtenden dritten Person wechselt. Onkel Maurici erzählt konsequent in ich-Form aus seinem Leben und wie er die Familie wahrnahm.

Es gibt vier Familienstammbäume, in denen es von Menschen gleichen Namens wimmelt, und das Buch beim Lesen nicht immer leicht machen. 

In dem Buch ist viel von Musik zu lesen. Onkel Maurici spielt selbst Klavier; es ist von bekannten Komponisten wie Chopin, weniger bekannten wie Satie und für mich einen neuen Kompinisten namens Mompou (Katalane, lebte im 20. Jahrhundert) zu lesen. Miquel spielt nicht Klavier, geht aber gerne in den Palau in Barcelona und schwärmt von Schubert, Debussy bis Schostakowitsch und ist imstande die Probleme einer Violinistin bei Alban Bergs Violinkonzert zu verstehen.

Ich habe länger an diesem Familienroman gelesen, und empfehle auch anderen Lesern & Leserinnen sich Zeit zu nehmen.

In Summe ist der Roman faszinierend mit seinen geschichtlichen und familiären Verstrebungen, Wahrheiten und Träumereien, Musik und Politik. Der Stil ist sehr dicht, und lädt zum Versinken ein. Viel Freude beim Lesen !


Donnerstag, 8. August 2019

Diana Fiammetta Lama : "Die toten Mädchen vom Cilento"

Diana Fiammetta Lama :
"Die toten Mädchen vom Cilento" - Maresciallo Santomauro jagt ein Phantom
original "Il Circo delle Maraviglie"
2012,
Aus dem Italienischen von Esther Hansen und Julia Gehring
2012, Aufbau Verlag
418 Seiten
ISBN 978-3-7466-2833-2

Maresciallo Santomauro und sein Team sind diesmal auf der Suche nach dem Mörder von jungen Mädchen. Da die ersten Mädchen aus dem gerade anwesenden Zirkus sind, ist der Vorgesetzte des Maresciallo großem Einsatz abgeneigt. Erst als auch ein einheimisches verwahrlostes Mädchen tot aufgefunden wird, arbeiten Santomauro, Pietro Gnarra und Manfredi Toto, sowie der arrogante Pathologie noch aktiver zusammen. Nachdem ein Mädchen aus ansässiger wohlhabender Familie ermordet aufgefunden wird, verhindert die Polizei mühsam Lynchjustiz an einem Unschuldigen; es gibt aber doch noch einige Tote bis die Polizei die Hintergründe und den Mörder stellen kann.

Die Geschichte ist großteils Santomauro mit seinen Aktionen und Gedanken begleitend geschrieben. Einige Kapitel sind dem teuflisch gutaussenden Jesuitenpater Lillo und dessen Probleme mit dem Schweigegelübde gewidmet, zwei anderen jungen Menschen aus der Gemeinde, oder anderen einsamen Menschen. Kursiv sind die Gefühle über den Angreifer der Mädchen gedruckt.

Maresciallo Santomauro lebt lieber getrennt von den anderen Polizisten am Strand und in der Einsamkeit. Die Beschreibungen des Lebens der anderen Polizisten, die gemeinsam mit den Familien in der Kaserne wohnen, wo der Klatsch blüht, sind unterhaltsam.

Die Menschen sind vielfältig. Maresciallo Santomauro ist ein sensibler Glatzkopf, dem bewußt ist daß die Recherchen nach einem Schuldigen viel lieber geheim gebliebenes bei Unschuldigen zutage befördert. Pietro Gnarra ist attraktiv und durchtrainiert, und bei den Damen sehr beliebt. Manfredi Toto ist mit einer schönen lebhaften Frau verheiratet, hat Kinder und ist sehr eifersüchtig.
Der Pathologe der Polizei ist als großer, grottenarroganter Mensch geschildert der hohe Privathonorare schreibt, dafür gratis den Dienst für die Gemeinde absolviert; dieser Charakter ist sehr brüchig geschildert.
Ebenso wie der neu hinzu gekommene gescheite attraktive Jesuitenpater, dem allerdings alle Schulung nicht aus seinem Problem heraushelfen können.
Im Dorf ist die Familie des Don Carmelo Morace sehr anerkannt. Don Carmelo ist ein Familientyrann, seine Tochter zurückhaltenst bis eisig, ihre Tochter ein temperamentvolles Mädchen, der Sohn des Hauses attraktiv, kreuzunglücklich und will abhauen.
Neben dieser Familie lebt die Famile Folchi, bei denen der Vater ruhig und liebevoll agiert, Tochter Carolina sich um ihre Eltern kümmert statt fertig studiert, die Mutter mit Augenkrankheit die sich im Krankenhaus wohler als draußen fühlt.
Zusätzlich sind ein Kinderpsychiater vor Ort, der seine Ehefrau betrogen hat und auf Abstand gehen muß, und die Zirkusleute, von denen der Chef Mustafa Parsi verantwortungsvoll und beschützend für seine Truppe agiert.

Ort der Handlung sind Badeorte im Cilento, das südlich von Neapel liegt und ein Naturschutzgebiet hat.
Die Namen und das Essen der Gegend sind mir neu. Der Vornamen Sbangiulieddu war mir bis dato ungekannt.

Der Roman ist zuerst eher ruhig. Es werden eher trocken die verschiedenen Handlungstränge und Unglücklichkeiten der Menschen des Dorfers geschildert. Am Schluß wird es sehr spannend.
Mitraten nach dem Mörder ist möglich, mir ist ist es allerdings nicht gelungen.

Die Stimmung ist dicht. Die seelischen Probleme, oft Einsamkeiten, der Menschen sind nachfühlbar geschildert. Mich haben die verschiedenen Menschen mit ihren Schicksalen in diesem Roman sehr angesprochen.

Viel Freude beim Lesen !

Diana Fiammetta Lama wurd am 15. Juli 1960 in Neapel geboren. Sie studiert Medizin und spezialisierte sich auf Herzchirurgie. Später ging sie wieder auf die Universität und studierte Literatur. 1995 erschien der erste Roman gemeinsam mit Vincenzo de Falco. Seit 2003 schreibt sie eigene Romane, von denen über dreißig erschienen sind. Ihre Romane sind in viele Sprachen übersetzt worden.

Donnerstag, 4. Juli 2019

Elizabeth George : "Wer Strafe verdient"

Elizabeth George :
"Wer Strafe verdient" - ein Inspector Lynley Roman
original "The punishment she deserves"
2018, Viking, Penguin Random House NY
Ins Deutsch übertragen von Charlotte Breuer, Nobert Möllemann und Marion Matheis
2018, Wilhelm Goldmann Verlag
848 Seiten + 2 Seiten Danksagung
ISBN 978-3-442-31373-0

Ein Priester scheint sich in Polizeiwahrsam umgebracht zu haben, nachdem er Übergriffe auf Kinder beschuldigt sein soll. Dessen Vater macht eine Untersuchung geltend, die Barbara Havers und ihre Vorgesetze Ardery in dem Ort durchzu führen haben. Gespräche mit dem Hilfspolizisten Gaz, und Studenten wie Bruce/Brutus, Dena genannt Ding, Finn(egan), Francie und Missa bringen Barbara Havers zwar viel Informationen, aber da sie streng überprüft wird steigen die Probleme. Arderys Alkoholprobleme werden offensichtlich und Lynley gemeinsam mit Havers nochmals vor Ort geschickt. Diesmal wird alles untersucht und hinterfragt. Falsche Erwartungen an Eltern, Kinder, den Hilfpolizisten und den Priester brechen auf, bis ziemlich plötzlich sexuelle Übergriffe und deren Vertuschung als Mordursache aufpoppen.

Einige Frauenschicksale sind in den Roman verwoben.
Clover und Timothy sind die Eltern von Finn(egan), wobei Clover als Polizistin in hohem Rang, mehr als vermutet ihre Finger in dem Fall hat. Sie ist als toughe durchtrainierte, sehr attraktive und entscheidungsfreudige Frau geschildert, die problemfrei über Leichen geht.
Yasmina ist Mutter von Missa und erfolgreiche Kinderärztin; ihr Ehemann ist Apotheker und nach dem Tod einer gemeinsamen Tochter mittlerweile drogenabhängig. Die jüngste Tochter wird zwischen den Erwartungen der Mutter, der Hilflosigkeit des Vaters und daß Missa sich zurückzieht fast zerrieben. Yasmina stammt aus einer indischen Familie die ihr die frühe Schwangerschaft nicht verziehen hat und deshalb von Ehrgeizg für sich und ihre Familie zerfressen wird.
Das dritte Frauenschicksal ist Havers und Lynleys Vorgesetzte Ardery, die nicht mehr vom Alkohol loskommt und lange braucht um dies zu erkennen; erst als der letzte Kontakt zu ihrer Familie zu zerbrechen droht, schafft sie es doch um Hilfe zu ersuchen.

Bei der Studentengruppe handelt es sich großteils um eine WG mit lockeren erotischen Angewohnheiten, die manchen ziemliche Probleme macht, und einige Freundinnen dazu.
Der Hilfspolizist wird als liebenswürdiger freundlicher immer offener Mensch geschildert, bei dem die Firnis erst spät zu bröseln anfängt.
Die hohen Tiere in der Polizeihierarchie in London bekommen wenige Sympathiepunkte.

Ort der Handlung sind Ludlow und London.

Der Titel bezieht sich auf die Situation, die später zum Mord führt.

Die Geschichte ist gewohnt spannend geschrieben. Ich konnte das Buch trotz seiner mehr als 800 Seiten nicht aus der Hand lesen bis der Mord gelöst war. Mitraten beim who-donnit ist möglich. Viel viel Freude beim Lesen !

Susan Elizabeth George wurde am 26. Februar 1949 in Ohio geboren. Sie wuchs in Kalifornien auf, studierte Englisch, und arbeitet als Englischlehrerin. Später unterrrichtete sie "creative writing". sie lebt in Seattle und Kensington/London. 1983 begann sie ihren ersten Kriminalroman mit Inspector Lynley, der in Großbritannien und im englischen Ambiente spielt, der 1988 veröffentlich unter "A great deliverance" / "Gott schütze dieses Haus" (1989) . 2018 erschient der 21. Band in der Serie mit Inspector Lynley und Barbara Havers.

Freitag, 13. Juli 2018

Ingrid Betancourt : "Kein Schweigen, das nicht endet"

Ingrid Betancourt :
"Kein Schweigen, das nicht endet" - Sechs Jahre in der Gewalt der Guerilla
original "Même la silence a la fin"
2010, Gallimard Paris
Aus dem Franzöischen von Maja Ueberle-Pfaff, Elisabeth Liebl und Claudia Feldmann
2012, Knaur
736 Seiten + 3 Seiten Inhaltsverzeichnis
ISBN 978-3-426-78414-3

Detailreich erzählt die Autorin von der Gefangennahme, den Jahren im Regenwald mit den unterschiedlichsten Gruppen der FARC bis zur Befreiungsaktion.

Sie erzählt von den Wäldern, den Flüssen, den Tieren und den Menschen denen sie begegnet ist. Sie erzählt gut vorstellbar vom Gruppenterror, von der Angst bei den Wanderungen und lebensgefährlichen Klettereien durch den Regenwald und an Felsen, von der Enge in Schiffen, aber auch von Demütigungen sei es durch angekettet sein, durch Mobbing in der Gefangenengruppe (aus Angst ums eigene Leben oder weil nichts zu tun war) oder was ihr als einziger Frau an sexuellen Respektlosigkeiten zugemutet wurde.
Da sie schon vorher eine bekannte, weil politische Gestalt in Kolumbien war und weil sich Frankreich (dessen Doppelstaatsbürgerschaft sie hat) für sie eingesetzt hat, fühlte sie sich Gehäßigkeiten durch Neid ausgesetzt. In der Aufarbeitung anderer Mitgefangener in der Freiheit wird klar, daß die Sonderbehandlungen und Sonderaufmerksamkeiten von außen und daß für anderen Gefangenen wenig bis gar nicht gestritten wurde, offene wunde Punkte für strapazierten Seelen der Menschen verursachte.
Spannend sind die unterschiedlichen Farc-Gruppen geschildert: es gibt Teenagergruppen die noch etwas lockerer und freundlicher waren, durchgedrillte Soldaten ohne Fragen, die unterschiedlichen Geliebten der Gruppenführer die manchmal halfen oder auch intrigierten, die durchaus brutale Hackordnung in den Gruppen bis hin zum Kommando an Guerillafrauen die auf Zuruf Geliebte werden mußten. Manche Gruppenführer hatten etwas Respekt vor den Gefangenen, die anderen (die gefühlte Mehrheit) spielten rücksichtslos ihre Macht aus.

Sie schreibt, daß sie sich oft an der Bibel (es gab wenig Probleme eine als Gefangene zu erhalten) und wenn möglich mittels eines Lexikons das Denken erhalten hat. Manchmal durfte sie anderen Gefangenen Sprachen beibringen, wie einem der Amerikaner spanisch und einer anderen Gefangenen französisch.

Mich haben die vielen Details der langen "Reise" fasziniert, in denen die unterschiedlichen Lager, Toiletten, Quasi-Gefängnisse, aber auch Flüsse, Bäume, Blumen und Papageien, Kaimane, Seeschlangen geschildert sind. Hier frage ich mich ob und wie man sich die Autorin das gemerkt hat, ob sie nachrecherchiert hat oder ob beim Schreiben die Erlebnisse aufgepoppt sind und verarbeitet werden konnten.

Der Titel ist einem Gedicht von Pablo Neruda entnommen.

Das Buch ist als Buch schön geschrieben, mit vielen Beschreibungen und mit dichten, vielschichtigen Worten fast farbig geschildert (und übersetzt).

Mich hat dieses Buch in den Bann gezogen, und ich empfehle es gerne trotz seiner hohen Seitenzahl weiter. Achtung : manche der geschilderten Erlebnisse wirken nach und lassen erst langsam los.

Ingrid Betancourt, geb. am 25. Dezember 1961 in Bogotá, studierte Politik in Paris. 1989 kehrte sie mit ihren Kindern nach Kolumbien zurück, wo sie von 1994 bis 1998 Abgeordnete im Repräsentantenhaus war. Sie erhielt Morddrohungen und brachte 1996 ihre Kinder ins Ausland, eine Erfahrung, die sie in ihrem ersten Buch »Die Wut in meinem Herzen« beschrieb. Als Präsidentschaftskandidatin auf Wahlkampftour, wurde sie am 23. Februar 2002 entführt und erst am 2. Juli 2008 aus der Hand der FARC-Guerilla befreit. Heute lebt sie in den USA und Frankreich.

Montag, 11. Juni 2018

Laurence, Tiana : "Blockchain für Dummies"

Laurence, Tiana :
"Blockchain für Dummies"
original "Blockchain for Dummies"
2017, Wiley Publishing, Inc
Übersetzung aus dem Amerikanischen von Judith Muhr
Fachkorrektur von Isolde Kommer
2018, Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim
198 Seiten + 5 Seiten Stichwortverzeichnis
ISBN: 978-3-527-71439-1

Eigentlich hatte ich gehofft hier Basisinformation über Blockchain zu erhalten, wie z.B. was eigentlich geblockt wird; oder anders ausgedrückt : was wird hier eigentlich möglichst sicher und verschlüsselt und vereinheitet verarbeitet.

Das Buch ist von einer Programmiererin in Blockchain geschrieben. Sie beschreibt detailliert wie man sich einloggt, und mit seinen Wallets umgeht, welche Informationen man angeben muß,  und springt direkt in die Anwendungen von Blockchain hinein. Sie beschreibt detailliert Bitcoin, Ethereum, Ripple, Factcom .. es wimmelt von Ausdrücken wie Matrix, Smart Contracts, peer-to-peer, Hash, Merkle-Baum, etc.

Positiv an den Teilen des Buches die ich als Nicht-Programmierer aber hoffentlich halbwegs intelligenter User gelesen habe, sind die Cartoons und die klare Information daß es keine 100 % ige Sicherheit gibt. Aber man kann es Hackern mühsam machen.

Trotzdem hat das Buch meine Erwartungen nicht erfüllt, denn ich wollte nicht wissen wie ich in den Foren einen Acccount /Wallet anlege, sondern greifbare Information, womit eigentlich agiert wird, erhalten.

Tiana Laurence hat Wirtschaft und Führerschaft studiert und gründet gerne neue Unternehmen. Sie ist Mitbegründerin von Factom. Leider habe ich nicht herausgekriegt, ob sie 25, 30 oder 40 Jahre jung ist.

Sonntag, 15. April 2012

Lilja Sigurdardóttir : "Zwölf Schritte"

Lilja Sigurdardóttir :
"Zwölf Schritte"
2009 Bjartur, Reykjavík
original "spor"
aus dem isländischen übersetzt von Ursula Giger und Angela Schamberger
2011, Rowohlt Taschenbuch Verlag
Deutsche Erstausgabe
247 Seiten
ISBN 978-3-499-25658-5

Dieser Debütroman ist ein spannender Thriller, bei dem sich ein Serienmörder unter anonymen Alkoholikern herumtreibt.

Idunn bekommt ihren ersten großen Fall bei der Polizei und fragt Magni, ihren Exmann um Hilfe.
Magni ist Übersetzer von Romanen, und war nach dem Tod ihres gemeinsamen einwöchigen Kindes in die Alkoholsucht abgeglitten. Er ist gerade aus dem Krankenhaus nach gelungenem Entzug entlassen worden und muß sich im Leben ohne Alkohol behaupten.
Es sind einige Leichen gefunden worden, deren gemeinsamer Nenner Treffen bei den Anonymen Alkoholikern sind. Da diese treffen anonym sind, soll Magni, der diese Treffen besuchen muß, sich dort umhören. Ihm ist das Spion sein unangenehm, und nur die Hoffnung daß doch wieder eine Beziehung mit Idunn möglich sein könnte, veranlaßt ihn mitzumachen.

Bei den Treffen der Anonymen Alkoholikern gibt es als spirituelle Unterstützung die 12 Schritte, bei denen es darum geht zur eigenen Schwäche zu stehen, Fehler gutzumachen zu versuchen aber auch spirituelle/christliche Hilfe anzuerkennen und anzunehmen. Die Treffen sind unterschiedlich religiös oder einfach nur als tägliche Zusammentreffen geschildert.

Die bisherigen Morde werden durch Magnis Hilfe unterschiedlichen Stufen dieses 12-schritte-programms zugeordnet. Leider passieren noch einige Übergriffe und Morde die aus dem näheren Umfeld von Magni sind, bis Idunn und Megan, eine norwegisch-amerikanische Profilerin, und die Polizei Magni aus der Gewalt des Serienkillers (er wollte Gott helfen) befreien.

Der Roman ist in Ich-Form geschrieben und schildert wie Magni mit den Polizeiphotos, den Anonymen Alkoholikern - Treffen und auch seiner Freizeit umgeht, um möglichst nicht wieder dem Alkohol zu verfallen. Die anderen Personen bewegen sich wie Planeten um ihn herum - auch die Auflösung des Falles wird ihm erzählt.
Die Schilderungen des täglichen Kampfes gegen den Wunsch nach Alkohol und welche Strategien Magni entwickelt - z.B. kochen und essen - sind faszinierend.

Die Menschen sind schön geschildert - Idunn, Megan auch sein Bruder Egill, die attraktive Frida, der sympathische vertrauenerweckende Geir, der handfest Atli oder der Polizist Njördur. Islands Weite ist bei einem Ausflug geschildert, als die beiden im Schnee stecken bleiben und dann im Konvoi mit anderen Autos hinter einem Schneepflug herfahren dürfen.

Der Krimi ist empfehlenswert und spannend geschrieben - ich hatte einen anderen 'Mörder' in Verdacht gehabt, muß aber gestehen, daß ich dieses Buch nur bei Tag gelesen habe.

Dienstag, 24. Januar 2012

Martín Solanes (alias Martine Mairal) : "Mallorquinisches Blut"

Martín Solanes (alias Martine Mairal) :
"Mallorquinisches Blut"
2008 Flammarion, Paris
"Quand la lune sera bleue"
aus dem Französischen von Ute Bechberger und Cornelia Weinkauf
2009, Piper München Zürich
302 Seiten
1 Seite köstliche Küchenspezialitäten
3 Seiten Lokale, Hotels, Einkaufsmöglichkeiten
3 Seiten Kultur, Sehenswürdigkeiten & Ausflugstipps
ISBN 978-3-492-05259-7

In diesem dicht geschriebenen Kriminalroman auf Mallorca klärt die Polizei einige sehr brutale Morde eines Serienmörders inklusive das 'warum' auf.

Pilar Más, eine junge intelligente etwas eigensinnige aber excellente Mitarbeiterin der Spurensicherung - mit ihrer Kamera - kehrt nach Jahren der Ausbildung und beruflichen Bewährung auf ihre Geburtsinsel Mallorca zurück. Hier werden Teile von Menschen gefunden, die nicht zu einem Menschen alleine gehören. Die Art und Weise wie mit den Teilen umgegangen war, weist auf einen bösartigen Menschen, der geplant und gezielt vorgeht.
Eine Spezialtruppe der Polizei wird zusammengestellt - was auch helfen soll, die Intrigen und bewußte Nicht-Weitergabe von Information zu untergraben. Bruno Montaner, in Mallorca verliebter Polizist dessen Frau und Kinder lieber am Festland wohnen, und Gerónimo, Chef der Spurensicherheit, bilden ein Team gegen den arrogant gezeichneten Madrilenen Polizisten Olazabal.
Es werden weitere Leichenteile, verkohlte Körperstücke und auch ein vermisster Freund von Pilar - leider ermordet - gefunden. Kurze Zeit weisen die Hinweise des Mörders auf Pilar, die beim dramatischen Showdown noch von ihren Freunden bei der Polizei vor dem Tod durch den Serienmörder gerettet wird.

Eine spannende Geschichte - bei der einiges von der Insel beschrieben wird. Vor allem die Insel "La Dragonera", die jetzt ein Naturschutzgebiet ist, ist ein wichtiger Angelpunkt. Mit liebevollen Details wird auf Gastronomie, Landschaft, Flora und Geologie der Insel Mallorca eingegangen.

Die Personen sind schön beschrieben, ohne daß die Geschichte deshalb an Tempo verliert.
Pilar - der Angelpunkt - ist als gescheite, sportliche Frau geschildert, deren Familie sie ziemlich verachtet hat. Daß der Grund der Morde in der Geschichte aus ihrem tyrannischen selbstherrlichen Großvater kommt, wird erst spät entdeckt.
Bruno Montaner lebt lieber bei seiner übersinnlich begabten Mutter auf Mallorca, als bei Frau und Kindern auf dem Festland oder gar in einer großen Stadt. Er kennt die Insel genausogut wie Pilar. Da er ein gutes Netzwerk in der Bevölkerung hat, löst er seine Fälle anerkanntermaßen gut.
Auch die anderen Personen sind gut und greifbar geschildert, Carmen die Spurensicherin, Virus der seinen Spitznamen aus seinem Umgang mit dem Computer hat, die Geliebte von Montaner, Tauchfreunde von Pilar, der alte Verwalter auf dem Gut des Großvaters, etc ...

Der originale französische Titel "la lune bleue" bezieht sich auf den (Aber-)Glauben, daß der zweite Vollmond im gleichen Monat ein blauer Mond sei und Unglück bringe / oder zumindest Unannehmlichkeiten.

Mir hat es Freude gemacht den Krimi der im Hochsommer im Mittelmeer spielt zu lesen und kann das Buch nur empfehlen.

Dienstag, 1. November 2011

Brigitte Aubert : "Im Dunkel der Wälder"

Brigitte Aubert :
"Im Dunkel der Wälder"
1996, Editions Du Seuil, Paris
"La Mort Des Bois"
aus dem Französischen von Eliane Hagedorn und Barbara Reitz
btb Taschenbuch Goldmann Verlag
3. Auflage
deutsche Erstveröffentlichung 1997
277 Seiten
ISBN 3-442-72163-6

Elise Andrioli ist nach einem Bombenattentat blind, stumm und schwer gelähmt - und hat auch ihren Verlobten verloren. Aber ihr Verstand ist komplett da und sie hört und versteht alles um sie herum.
Die kleine Virginie erzählt ihr, daß sie weiß wer die Bestie ist und wo der Leichnam eines kleinen Buben liegt.
Elise und ihre Haushälterin/Pflegerin Yvette werden über die Eltern von Virginie in einen Kreis von unterschiedlichen Menschen aufgenommen, die sich um Elise tw. auch kümmern.
Achtjährige Buben um Umkreis werden weiterhin vermißt und tw. verstümmelt als Leichen gefunden.
Virginie spricht nur mit Elise über ihre Beobachtungen - Elise antwortet mit einem Heben eines Fingers.
In dem sehr spannend geschriebenen Buch zieht sich der Kreis immer enger um Elise, es werden noch weitere Morde begangen, bis am Schluß eine Geschichte aus Mißbrauch und daraus Wahnsinn zum Täter führt.

Das Buch ist aus der Sicht von Elise geschrieben, die die Menschen hört, die merkt wenn ihr Rollstuhl geschoben wird, und die sich das Aussehen von Menschen zu den Stimmen vorstellt. Stimme, Schritte und Geruch sind die einzigen Merkmale die ihr dabei helfen.
Sie beschreibt aber auch das Ausgeliefert sein, weil sie nicht/wenig vermitteln kann, was sie will (sei es Essen, Trinken, aber auch wohin sie will oder ob ihr heiß oder kalt ist).

Die Menschen um sie herum sind greifbar: der verstorbene Freund Benôit, die Eltern von Virginie Hélène und Paul, Stéphane ein Freund von ihnen, Jean Guillaume der sich in Yvette verliebt, Kommisar Yssart und am Schluß Tony. Die hübschen Häuschen, der Stadtpark, der Kinderspielplatz sind alles schön vorstellbar.

 Mich hat das Buch nicht losgelassen, bis ich es zu Ende gelesen hatte. Viel Vergnügen beim Lesen !

Samstag, 23. April 2011

Alexander Trocchi : "Wasserläufe"

Alexander Trocchi :
"Wasserläufe"
1954 erster Entwurf
mehrere Fassungen - 1957 "Young Adam"
Nachwort 1996 John Pringle
aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Beck und Marie Rahn
1997, Ullstein Verlag Berlin
164 Seiten
9 Seiten Nachwort
ISBN 3-548-24226-X

Ein starke Geschiche mit einer eigenartigen Eindringlichkeit.
Fischer finden eine Frauenleiche in einem Fluß, die Polizei kommt und Mord wird vermutet. Die Fischer sind Leslie und sein Helfer Joe, der die Geschichte in Ich-Form erzählt. Joe beginnt eine Affäre mit der Frau von Leslie, als Leslie dahinterkommt verläßt er das Boot. Ein Installateur wird des Mordes an der Frau - Cathy - verdächtigt, Joe beobachtet den Prozess.

Mitte des Buches kippt die Geschichte und Joe erzählt wie die Frau bei einem Unfall ums Leben gekommen war. Ab hier ist das Geschehen auf Joe, sein Leben und seine Sichtweise konzentriert. Seine Wahrnehmung der Frauen wird geschildert, das Sehen, das Berühren, die Affäre mit Leslies Frau Ella, der Versuch mit deren Schwester und Rückblenden auf die Zeit mit Cathy.

In langen Passagen wird das Leben dreier Menschen auf einem Boot erzählt, das tägliche Leben, die Einöde beim Betrachten des Lebens neben dem Fluß und erfüllte und unerfüllte Sexualität.

Ich habe das Buch in 2 Tagen ausgelesen, weil mich die Spannung in der Geschichte gehalten hat.