Almudena Grandes :
"Sieben Frauen" - Stadtgeschichten
original "Modelos de mujer"
1996, Tusquetes Editores, Barcelona
aus dem Spanischen von Wanda S. Wild
1997, Scherz Verlag Bern - München - Wien / Fretz & Wasmuth
184 Seiten + 8 Seiten Nachwort (Erinnerungen eines Zigeunermädchens)
ISBN - keine im Buch abgedruckt
Sieben Geschichten über Frauen, über Töchter und Mütter, über Liebe und Leben sind in stringenten Bildern und immer aus der Ich-Form der Erzählerin geschildert. Das Ich ist unterschiedlich : mal unterdrückte Tochter, dann regierende Mutter, hungernde Liebende, gescheiterte Mutter ..
Die gute Tochter (1995) ist die jüngste am wenigsten geliebte Tochter Berta einer Familie. Um sie hatte sich ein warmherziges Kindermädchen gekümmert. Erwachsen wird ihr die Aufgabe sich um die demente unangenehme Mutter aufgetragen, die sie tyrannisiert, bis sie - sie liebt Mathematik - ganz logisch ihre Aktionen zur Befreiung plant und durchzieht.
Zwei Frauen (1995) sind die rundliche Dolmetscherin Lola fürs Russische sowie Englische und das bildschöne Mannequin Eva, das mit einem bekannten russischem Regisseur einen Film drehen soll. Daß der Regisseur für die rundliche Dolmetscherin entflammt, kann das schöne junge Modell gar nicht verstehen.
Balkongespräche (1994) schildert wie eine Liebesgeschichte seid der Kindheit erst langsam und spät über Balkon-Pantomime ins Laufen kommt.
Mutterliebe (1994) ist fast beängstigend, wie eine besitzergreifende Mutter ihre hübsche Tochter Marianne, die das Leben etwas genießen will, durch einen Unfall wieder unter ihre Kuratel bekommt, und auch einen braven Ehemann erzwingt; alles ohne einen Hauch von schlechtem Gewissen.
Barbara und der Tod (1991) ein Mädchen das einen Regenwurm mit Brombeermarmelade ißt.
Malena, ein Leben auf Sparflamme (1990) - indem die Hauptperson lange auf Essen verzichtet, lernt sie über Schauen - Riechen - Fühlen die Sinnlichkeit des Essens anders aufzunehmen. Die Gedanken an ihre Jugendliebe lassen sie durchhalten, bis sie merkt, daß sie zwar blendend aussieht, aber der Vergötterte keiner ihrer Erwartungen entspricht. Zuerst überlegt sie noch Suizid, sie findet jedoch einen lebensbejahendere Antwort.
Blinde Augen (1989) räumt etwas mit Geschichte auf. Ausgehend von zwei verwirrt wirkenden Frauen im Irrenhaus werden die Gräueltaten der ersten Jahre unter Franco mit Denunzianten und Vergewaltigungen aufgeräumt. Hilfreich ist ein Geist, den nur diese beiden sehen können. Migue (Miguela) schafft es in unbeobachteten Momenten aus ihrem Down Syndrom durch ihre Erinnerung an ihre Liebe Orcencio vor der Franco-zeit, und Queti (Maria Enriqueta) die nach dem Tod ihres Lieblingssohnes Rafa gekippt war, helfen einander. Die herumschusselnde Krankenschwester ist Gregoria, die nicht nur der Direktorin des Haues den Nerv zieht. Die Geschichte kommt ins Laufen, als bei Gartenarbeiten Gebeine gefunden werden, Freund und Feind vereint, was nicht überall gut ankommt.
Nachwort : Erinnerungen eines Zigeunermädchens - hier erzählt die Autorin, daß ihre ersten Märchen immer eine Geschichte über ein Mädchen war, daß von Zigeuern im Zirkus mitgenommen wurde, aber später zur Mutter zurückkam. Hier reflektiert sie über die einzelnen Geschichten.
Die Orte sind meist eher skizziert. Wichtig sind die Menschen mit ihren Handlungen und Beweggründen. Manche Begründungen sind sehr eigen, manche einfach nur menschlich.
Obwohl mir Erzählungen oft einfach zu kurz sind um mich einzulesen, haben mich diese Geschichten sehr angesprochen und durch ihre Dichte, und schönen Metaphern ins Geschehen hineingezogen.
Die Frauen sind sehr gut vorstellbar. Ich hatte beim Lesen das Gefühl ich würde sie durch die Geschichten in die Szenerien - wie eine Freundin - begleiten; auch die nicht so liebenswerten Gestalten.
Viel Freude beim Lesen !!
Almudena Grandes Hernández wurde am 7. Mai 1960 in Madrid geboren. Sie studierte Geographie und Geschichte und arbeitet als freie Verlagsmitarbeiterin. 1989 erschien ihr ersten Roman 'Lulú' in Spanien, der sofort Auszeichnungen erhielt. (Lulú. Die Geschichte einer Frau. Aus dem Spanischen übersetzt von Christiane Rasche. Galgenberg, Hamburg 1990); diese Buch wurde verfilmt. Der zweite Roman der Bestsseller wurde ist 'Malena es un nombre de tango' eschien 1994 (Malena. Aus dem Spanischen übersetzt von Christian Rasche und Wanda S. Wild. Goldmann, München 1996). Weitere schöne Roman erschienen, in denen sie sich auch mit dem Franco-Regime, dem Exil vieler Spanier in Frankreich widmet - vor allem 'El corazón helado' 2007 (Das gefrorene Herz. Aus dem Spanischen übersetzt von Roberto de Hollanda. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2009), über das viel diskutiert wurde.
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Montag, 13. Juni 2016
Almudena Grandes : "Sieben Frauen"
Dienstag, 22. März 2016
Arnon Grünberg : "Statisten"
Arnon Grünberg :
"Statisten"
Roman
original "Figuranten"
1997, Nijgh & Van Ditmar, Amsterdam
Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
1999, Diogenes Zürich
454 Seiten
ISBN 3-257-06198-6
In dem Roman geht es um drei junge Menschen - Ewald, Michael und Elvira. Ewald Stanislaus Krieg erzählt das Leben mit diesen Freunden aus seiner Welt. Er selbst in 19 jahre jung und auf der Suche nach Arbeit, nach Zielen und Wünschen und lebt passiv in den Tag hinein. Michael Eckstein nennt sich derzeit 'Broccoli' und gibt das Geld seiner Familie aus, indem er Menschen zum Essen einlädt und viele leider erfolglose Projekte startet. Er versucht Ewald mit seiner Filmkarriere zu schubsen, gründet den "Club der Genialen", beauftragt verrückte Visitenkarten und unterstützt Elvira. Elvira ist aus Buenos Aires, wo sie Serviererin und Filmschauspielering gewesen war, dann in Paris hatte sie einen Film gedreht und hofft in Holland weiter. Zu dritt trinken sie Artischokenliqueur und pflegen eine menage-a-trois. Elviras Mutter kommt mit ihrem Liebhaber und verbreitet Chaos. Noch chaotischer wird es als später 'Broccoli's Eltern kommen, das Haus halb ausräumen und weiter fliehen. Ewald beginnt einen Monolog für eine bekannte blau-äugige Schauspielerin zu schreiben und läßt sich in Privat leben verwickeln. Parallel scheitert 'Broccoli's Theaterversuch in Elvira - beide reisen nach New York. Jahre später folgt Ewald, immer noch auf der Suche nach einem Job und findet keine Spuren.
Die etwas mehr als 400 Seiten sind eher mühsam zu lesen, weil es wenig Kraft, Hoffnung oder Spannendes zu Lesen gibt. Einige Ideen sind skurril wie das Streben wie-Marlon-Brando-auszusehen, die Liebesgeschichten der blauäugigen Schönheit die doch zu keinem Monolog führen können, oder auch der "Club der Genialen" der hier aus Menschen ohne Ziel besteht.
Die Figuren sind alle ziellos oder chaotisch, oder beides geschildert. Eltern Eckstein leben in der Furcht vor irgendwas erwischt zu werden; das Packen der restlichen wichtigen Sachen im Haus ist nur chaotisch. Herr Berc(owicz) der getreu helfen möchte verliert nach dem entgültigen Rückzug der beiden den Halt; seine Schwester ist eine überzeugte Jüdin die den Übertritt des Bruders zum Christentum verhindern möchte. Der ehemalige Chef und Pelzhändler Galani in Buenes Aires trinkt die ganze Zeit Chamagner und ist zur Hälfte des Films pleite - aber er hat versucht seinen Traum einen Film zu machen umzusetzen.
Der Buch war mir zu chaotisch und auch zu hoffnungslos. Leider fand ich auch am Schluß keine Pointe. Hoffentlich fangen andere Leser und Leserinnen mehr mit diesem Roman an und finden einen Witz darin, der mir verborgen blieb.
Arnon (Yasha Yves) Grünberg wurde am 22. Februar 1971 in Amsterdam geboren. Er ist Journalist und Schriftsteller; Teile seiner Publikationen sind unter dem Pseudonym 'Marek van der Jagt' publiziert. Er lebt seit 1995 in New York.
"Statisten"
Roman
original "Figuranten"
1997, Nijgh & Van Ditmar, Amsterdam
Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
1999, Diogenes Zürich
454 Seiten
ISBN 3-257-06198-6
In dem Roman geht es um drei junge Menschen - Ewald, Michael und Elvira. Ewald Stanislaus Krieg erzählt das Leben mit diesen Freunden aus seiner Welt. Er selbst in 19 jahre jung und auf der Suche nach Arbeit, nach Zielen und Wünschen und lebt passiv in den Tag hinein. Michael Eckstein nennt sich derzeit 'Broccoli' und gibt das Geld seiner Familie aus, indem er Menschen zum Essen einlädt und viele leider erfolglose Projekte startet. Er versucht Ewald mit seiner Filmkarriere zu schubsen, gründet den "Club der Genialen", beauftragt verrückte Visitenkarten und unterstützt Elvira. Elvira ist aus Buenos Aires, wo sie Serviererin und Filmschauspielering gewesen war, dann in Paris hatte sie einen Film gedreht und hofft in Holland weiter. Zu dritt trinken sie Artischokenliqueur und pflegen eine menage-a-trois. Elviras Mutter kommt mit ihrem Liebhaber und verbreitet Chaos. Noch chaotischer wird es als später 'Broccoli's Eltern kommen, das Haus halb ausräumen und weiter fliehen. Ewald beginnt einen Monolog für eine bekannte blau-äugige Schauspielerin zu schreiben und läßt sich in Privat leben verwickeln. Parallel scheitert 'Broccoli's Theaterversuch in Elvira - beide reisen nach New York. Jahre später folgt Ewald, immer noch auf der Suche nach einem Job und findet keine Spuren.
Die etwas mehr als 400 Seiten sind eher mühsam zu lesen, weil es wenig Kraft, Hoffnung oder Spannendes zu Lesen gibt. Einige Ideen sind skurril wie das Streben wie-Marlon-Brando-auszusehen, die Liebesgeschichten der blauäugigen Schönheit die doch zu keinem Monolog führen können, oder auch der "Club der Genialen" der hier aus Menschen ohne Ziel besteht.
Die Figuren sind alle ziellos oder chaotisch, oder beides geschildert. Eltern Eckstein leben in der Furcht vor irgendwas erwischt zu werden; das Packen der restlichen wichtigen Sachen im Haus ist nur chaotisch. Herr Berc(owicz) der getreu helfen möchte verliert nach dem entgültigen Rückzug der beiden den Halt; seine Schwester ist eine überzeugte Jüdin die den Übertritt des Bruders zum Christentum verhindern möchte. Der ehemalige Chef und Pelzhändler Galani in Buenes Aires trinkt die ganze Zeit Chamagner und ist zur Hälfte des Films pleite - aber er hat versucht seinen Traum einen Film zu machen umzusetzen.
Der Buch war mir zu chaotisch und auch zu hoffnungslos. Leider fand ich auch am Schluß keine Pointe. Hoffentlich fangen andere Leser und Leserinnen mehr mit diesem Roman an und finden einen Witz darin, der mir verborgen blieb.
Arnon (Yasha Yves) Grünberg wurde am 22. Februar 1971 in Amsterdam geboren. Er ist Journalist und Schriftsteller; Teile seiner Publikationen sind unter dem Pseudonym 'Marek van der Jagt' publiziert. Er lebt seit 1995 in New York.
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Sonntag, 28. September 2014
Christoph Ransmayr : "Morbus Kitahara"
Christoph Ransmayr :
"Morbus Kitahara"
Roman
1997, S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt
434 Seiten + 2 Seiten Inhaltsverzeichnis
ISBN 3-596-13782-9
Das Buch ist ein wunderschöner, dichter, düsterer Roman der mit feinen und starken Strichen den Untergang einer Region nach dem Krieg erzählt.
Der Untergang ist von oben befohlen : es werden die Schienen zerlegt und Maschinen entfernt, damit die Menschen die früher um ein Konzentrationslager gelebt haben Sühne leisten. Unter den Menschen leben ein Schmied, seine bigotte Frau und ein Junge der zuerst wie ein Vogel spricht und erst spät die menschliche Sprache erlernt. Bering lernt Schmied wie sein Vater und mit Tricks schafft es die Familie, daß sie es ihren Amboß nicht verlieren. Die Schmiedekünste führen Bering zu einem mächtigen Mann, der in einer verfallenen Villa mit herrenlosen Hunden lebt. Sie folgen ihm, weshalb Ambras als Hundeführer gilt. Als dritte Persönlichkeit ist Lily geschildert - sie träumt von Brasilien, ist aber kundig in Geheimpfaden übers Gebirge zu anderen Menschen, zum Leben hin.
Passierscheine gibt es fast nicht zu ergattern, sondern Sühne wird in theatralischen militärischen Shows verlangt. Dann beschließt das Militär auch noch den letzten Stolz der Menschen zu demontieren - den Steinbruch mit grünem Granit. Alle werden ausgesiedelt, da dies Sperrgebiet wird. Jetzt dürfen sie weg - sind aber nicht glücklich. Lily, Bering und Ambras fahren wirklich nach Brasilien - ob jeder zum seinem Ziel, seinem Wunsch kommt ?
Das Buch ist faszinierend geschrieben. Menschen die deprimiert sind, ist diesen Buch nicht zu empfehlen, aber anderen die in diese beschriebene Welt der Düsternis, des Bergwerks, des Militärs das zwingt und demütigt, Bering der sich mit dem Bau eines vogelartigen Autos (die Krähe) verwirklichen darf, eine zarte unerfüllte Liebe zu Lily spüren darf, Ambras dessen Frau (eine zarte schöne Jüdin) schwer mißhandelt wurde und ihm im Steinbruch/Konzentrationslager die Schultergelenke ruiniert wurden, Lily die nie ihr Ziel vor Augen verliert und überall behende durchkommt.
Morbus Kitahara ist das Wort für die blinden / schwarzen Flecken in Berings Augen. Die Frage des Arztes lautet: was willst du nicht sehen ? beantworte die Frage, dann gehen die Flecken wieder weg.
Mich hat die Sprache des Autors mit seinem Metaphern fasziniert. Er schreibt von der 'Wildnis der Kabel' und ähnliche Vergleiche die mich in den Roman hineingezogen haben.
Ich wünsche viel Freude beim Eintauchen in diesen großartigen Roman.
Christoph Ransmayr wurde am 20. März 1954 in Wels (OÖ) geboren. Er studiert Ethnologie und Philosophie in Wien und arbeitete als Redakteur/Autor für Zeitschriften. Seit 1982 ist er hauptberuflicher Schriftsteller. Er hat viele renommierte Preise und Auszeichnungen erhalten.
"Morbus Kitahara"
Roman
1997, S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt
434 Seiten + 2 Seiten Inhaltsverzeichnis
ISBN 3-596-13782-9
Das Buch ist ein wunderschöner, dichter, düsterer Roman der mit feinen und starken Strichen den Untergang einer Region nach dem Krieg erzählt.
Der Untergang ist von oben befohlen : es werden die Schienen zerlegt und Maschinen entfernt, damit die Menschen die früher um ein Konzentrationslager gelebt haben Sühne leisten. Unter den Menschen leben ein Schmied, seine bigotte Frau und ein Junge der zuerst wie ein Vogel spricht und erst spät die menschliche Sprache erlernt. Bering lernt Schmied wie sein Vater und mit Tricks schafft es die Familie, daß sie es ihren Amboß nicht verlieren. Die Schmiedekünste führen Bering zu einem mächtigen Mann, der in einer verfallenen Villa mit herrenlosen Hunden lebt. Sie folgen ihm, weshalb Ambras als Hundeführer gilt. Als dritte Persönlichkeit ist Lily geschildert - sie träumt von Brasilien, ist aber kundig in Geheimpfaden übers Gebirge zu anderen Menschen, zum Leben hin.
Passierscheine gibt es fast nicht zu ergattern, sondern Sühne wird in theatralischen militärischen Shows verlangt. Dann beschließt das Militär auch noch den letzten Stolz der Menschen zu demontieren - den Steinbruch mit grünem Granit. Alle werden ausgesiedelt, da dies Sperrgebiet wird. Jetzt dürfen sie weg - sind aber nicht glücklich. Lily, Bering und Ambras fahren wirklich nach Brasilien - ob jeder zum seinem Ziel, seinem Wunsch kommt ?
Das Buch ist faszinierend geschrieben. Menschen die deprimiert sind, ist diesen Buch nicht zu empfehlen, aber anderen die in diese beschriebene Welt der Düsternis, des Bergwerks, des Militärs das zwingt und demütigt, Bering der sich mit dem Bau eines vogelartigen Autos (die Krähe) verwirklichen darf, eine zarte unerfüllte Liebe zu Lily spüren darf, Ambras dessen Frau (eine zarte schöne Jüdin) schwer mißhandelt wurde und ihm im Steinbruch/Konzentrationslager die Schultergelenke ruiniert wurden, Lily die nie ihr Ziel vor Augen verliert und überall behende durchkommt.
Morbus Kitahara ist das Wort für die blinden / schwarzen Flecken in Berings Augen. Die Frage des Arztes lautet: was willst du nicht sehen ? beantworte die Frage, dann gehen die Flecken wieder weg.
Mich hat die Sprache des Autors mit seinem Metaphern fasziniert. Er schreibt von der 'Wildnis der Kabel' und ähnliche Vergleiche die mich in den Roman hineingezogen haben.
Ich wünsche viel Freude beim Eintauchen in diesen großartigen Roman.
Christoph Ransmayr wurde am 20. März 1954 in Wels (OÖ) geboren. Er studiert Ethnologie und Philosophie in Wien und arbeitete als Redakteur/Autor für Zeitschriften. Seit 1982 ist er hauptberuflicher Schriftsteller. Er hat viele renommierte Preise und Auszeichnungen erhalten.
Samstag, 17. November 2012
Sandor Márai : "Das Wunder des San Gennaro"
Sándor Márai :
"Das Wunder des San Gennaro"
Roman
original "San Gennaro Vére"
Nachlaß Sándor Márai
1997, Ujváry Griff Verlag, München
Aus dem Ungarischen übersetzt und mit einem Nachwort von Tibor Simányi
2004, Piper München Zürich
274 Seiten
1 Seite Widmungen an die Menschen in Posillipo
4 Seiten Nachwort und 1 Seite Biographie des Übersetzers
ISBN 3-492-27044-1
Das Buch ist kein Roman im Sinne einer logisch erzählten Geschichte, sondern erzählt in drei Kapiteln zuerst über die Menschen in Posillipo, über den Umgang mit Heiligen und erwarteten Wundern und dann von Flucht, Heimatlosigkeit und Erlösung.
Die Schilderungen im ersten Teil wie die Menschen in Posillipo leben, wie sie von bißchen Essen leben, wie sie mit Armut umgehen, aber auch wie sie zu handeln/feilschen vermögen sind schön gelungen. Fast duften die Mimosen des Frühjahrs dort durch das Buch. Die Schilderungen auch der arrivierten Menschen wie Anwalt, Bürgermeister etc. sind gut vorstellbar. Die Ruhe und Gelassenheit wie die Menschen dort Natur, Leben, Fischen, Trinken erleben, entschleunigen beim Lesen. Das fremde Paar ist zwar vorhanden, aber nicht das Hauptaugenmerk.
Im zweiten Teil wird viel von Glauben, Wunder, und wie mit den Heiligen verhandelt wird erzählt.
Im dritten Teil wird in langen Gesprächen enthüllt, warum der Mann des fremden Paares tot aufgefunden wurde.
Zuerst erzählt ein Polizist der viel mit Flüchtlingen zu tun hat seine Gedanken und Gespräche. Er enthüllt den Kampf der Exilanten um die Akzente ihres Namens (für einen Italiener sind die Hackerln über Vokalen und Konsonanten aus Sprachen wie z.B. Ungarisch, Tschechisch und Polnisch vermutlich höchst anstrengend). Er kannte den toten Mann aus Gesprächen - als intelligenten gebildeten Mann, der außerdem ein Visum nach Australien erhalten hatte.
Dann ist ein Priester im Gespräch mit dem Polizeichef - auch er hatte intensive Gespräche mit dem Toten erlebt. Der Mann hat am Ende des Lebens fast einen Ruf als Heiliger gehabt, der Wunder vollbringen könnte und zu dem alle gekommen waren. Mit dem Priester hatte er viel über Erlösung gesprochen, über die Erwartungen an Heilige, über das Leben des Franziskus von Assisi und ob so ein Leben im 20. Jahrhundert möglich wäre.
Das letzte Gespräch findet zwischen der Lebensgefährtin des Mannes und einem x-beliebigen Priester statt. Sie erzählt von der Flucht, den dem nicht mehr leben können wenn man rundherum die Repressalien mitkriegt, auch wenn persönlich noch alles gut läuft. Sie erzählt wie man langsam aber sicher die Identität verliert auf der Flucht - bei jeder Übersiedlung geht etwas mehr von verloren. Sie erzählt wie sie beide in Assisi wieder das Leben spürten, aber auch klar wurde, daß der Mann einen anderen Weg als die Frau gehen würde.
Das Buch ist nicht einfach zu lesen, sondern hat bei mir einiges an Konzentration und Vorstellungsvermögen gefordert. Die Schilderungen im ersten Teil und die Dialoge im dritten Kapitel haben mich stark berührt.
Es ist auch ein politisches Buch, denn es fragt an warum für so viele Menschen klar war, daß der Nationalsozialismus wie er im dritten Reich gelebt wurde, unmenschlich und verbrecherisch war, aber diese Bewertungen nicht für den Bolschewismus galten. Hier hatte man noch versucht eine Menschlichkeit zu erkennen, die es längst nicht mehr gab.
In Summe ist das Buch sehr empfehlenswert, weil es helfen kann die Probleme der Nachkriegszeit in Europa zu verstehen, die Probleme von Menschen in Exil zu sehen und sehr gut geschrieben ist.
Sándor Márai wurde 1900 in Kauschau (heute Slowenien) geboren, er verließ 1948 Ungarn und lebte mit Frau und Adoptivsohn danach bei Posillipo bei Neapel. Hier schrieb er vermutlich "Das Wunder des San Gennaro", das der Autor in Amerika Mitte der 60-er im Eigenverlag publizierte. Er schrieb alle seine Bücher im Exil auf ungarisch. Später wanderte die Familie nach Amerika aus, wo Márai 1989 in San Diego durch Selbstmord verstarb.
Der Übersetzer Tibor Simányi wurde 1924 geboren, war Verlagslektor, Rundfunkredakteur, Übersetzer und Buchautor. Eines seiner Bücher ist der Briefwechsel zwischem ihm und Sándor Márai.
"Das Wunder des San Gennaro"
Roman
original "San Gennaro Vére"
Nachlaß Sándor Márai
1997, Ujváry Griff Verlag, München
Aus dem Ungarischen übersetzt und mit einem Nachwort von Tibor Simányi
2004, Piper München Zürich
274 Seiten
1 Seite Widmungen an die Menschen in Posillipo
4 Seiten Nachwort und 1 Seite Biographie des Übersetzers
ISBN 3-492-27044-1
Das Buch ist kein Roman im Sinne einer logisch erzählten Geschichte, sondern erzählt in drei Kapiteln zuerst über die Menschen in Posillipo, über den Umgang mit Heiligen und erwarteten Wundern und dann von Flucht, Heimatlosigkeit und Erlösung.
Die Schilderungen im ersten Teil wie die Menschen in Posillipo leben, wie sie von bißchen Essen leben, wie sie mit Armut umgehen, aber auch wie sie zu handeln/feilschen vermögen sind schön gelungen. Fast duften die Mimosen des Frühjahrs dort durch das Buch. Die Schilderungen auch der arrivierten Menschen wie Anwalt, Bürgermeister etc. sind gut vorstellbar. Die Ruhe und Gelassenheit wie die Menschen dort Natur, Leben, Fischen, Trinken erleben, entschleunigen beim Lesen. Das fremde Paar ist zwar vorhanden, aber nicht das Hauptaugenmerk.
Im zweiten Teil wird viel von Glauben, Wunder, und wie mit den Heiligen verhandelt wird erzählt.
Im dritten Teil wird in langen Gesprächen enthüllt, warum der Mann des fremden Paares tot aufgefunden wurde.
Zuerst erzählt ein Polizist der viel mit Flüchtlingen zu tun hat seine Gedanken und Gespräche. Er enthüllt den Kampf der Exilanten um die Akzente ihres Namens (für einen Italiener sind die Hackerln über Vokalen und Konsonanten aus Sprachen wie z.B. Ungarisch, Tschechisch und Polnisch vermutlich höchst anstrengend). Er kannte den toten Mann aus Gesprächen - als intelligenten gebildeten Mann, der außerdem ein Visum nach Australien erhalten hatte.
Dann ist ein Priester im Gespräch mit dem Polizeichef - auch er hatte intensive Gespräche mit dem Toten erlebt. Der Mann hat am Ende des Lebens fast einen Ruf als Heiliger gehabt, der Wunder vollbringen könnte und zu dem alle gekommen waren. Mit dem Priester hatte er viel über Erlösung gesprochen, über die Erwartungen an Heilige, über das Leben des Franziskus von Assisi und ob so ein Leben im 20. Jahrhundert möglich wäre.
Das letzte Gespräch findet zwischen der Lebensgefährtin des Mannes und einem x-beliebigen Priester statt. Sie erzählt von der Flucht, den dem nicht mehr leben können wenn man rundherum die Repressalien mitkriegt, auch wenn persönlich noch alles gut läuft. Sie erzählt wie man langsam aber sicher die Identität verliert auf der Flucht - bei jeder Übersiedlung geht etwas mehr von verloren. Sie erzählt wie sie beide in Assisi wieder das Leben spürten, aber auch klar wurde, daß der Mann einen anderen Weg als die Frau gehen würde.
Das Buch ist nicht einfach zu lesen, sondern hat bei mir einiges an Konzentration und Vorstellungsvermögen gefordert. Die Schilderungen im ersten Teil und die Dialoge im dritten Kapitel haben mich stark berührt.
Es ist auch ein politisches Buch, denn es fragt an warum für so viele Menschen klar war, daß der Nationalsozialismus wie er im dritten Reich gelebt wurde, unmenschlich und verbrecherisch war, aber diese Bewertungen nicht für den Bolschewismus galten. Hier hatte man noch versucht eine Menschlichkeit zu erkennen, die es längst nicht mehr gab.
In Summe ist das Buch sehr empfehlenswert, weil es helfen kann die Probleme der Nachkriegszeit in Europa zu verstehen, die Probleme von Menschen in Exil zu sehen und sehr gut geschrieben ist.
Sándor Márai wurde 1900 in Kauschau (heute Slowenien) geboren, er verließ 1948 Ungarn und lebte mit Frau und Adoptivsohn danach bei Posillipo bei Neapel. Hier schrieb er vermutlich "Das Wunder des San Gennaro", das der Autor in Amerika Mitte der 60-er im Eigenverlag publizierte. Er schrieb alle seine Bücher im Exil auf ungarisch. Später wanderte die Familie nach Amerika aus, wo Márai 1989 in San Diego durch Selbstmord verstarb.
Der Übersetzer Tibor Simányi wurde 1924 geboren, war Verlagslektor, Rundfunkredakteur, Übersetzer und Buchautor. Eines seiner Bücher ist der Briefwechsel zwischem ihm und Sándor Márai.
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Samstag, 19. Mai 2012
Ethan Hawke : "Hin und Weg"
Ethan Hawke :
"Hin und Weg"
Roman
Original "The Hottest State"
1996, Ethan Hawke
Deutsch von Kristian Lutze
1997, Kiepenhauer & Witsch
Hinweis: alle Figuren und Ereignisse in diesem Buch sind fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig und nicht vom Autor beabsichtigt.
198 Seiten und 1 Seite Danksagung
ISBN 3-462-02647-X
Neugier ließ mich zu dem Buch des Schauspielers greifen, der mich im 'Club der toten Dichter', 'Gattaca' und 'Taking Lives' fasziniert hat.
In diesem Roman erzählt er die Gefühle eines 21-jährigen amerikanischen Schauspielers zu einer jungen Frau. Die Geschichte ist in Ich-form erzählt und alles ist ausschließlich aus seiner Sicht geschildert - egal ob es sich um Gefühle, Wohnungen /Straßen oder Menschen handelt.
Er verliebt sich in eine Sängerin, hilft ihr die Wohnung einzurichten, erlebt mit ihr eine schöne Zeit tw. auch in Paris und muß dann aus den Staaten um zu filmen. Als er zurückkommt trennt sich die Sängerin von ihm. Als Shakespeare zitierender Romeo versucht er wieder einen Platz in ihrem Herzen zu erhalten, scheitert aber. Obwohl er schon längst wieder erotische Beziehungen hat, u.a. zu einer sehr attraktiven Langzeitfreundin, die bereits zwei Kinder von ihm abtreiben lassen mußte (er mag keine Kondome), kann er die Sängerin, die eigentlich Kindergärtnerin ist noch länger nicht vergessen.
Humorvoll finde ich die Stellen, an deren 'Romeo' im Schnee auf der Straße in New York steht, Monologe an 'Julia' rezitiert und dannach auf dem Anrufbeantworter die Nachricht der 'Julia' findet, sich bitte nicht so aufzuführen, da die Nachbarn wegen seines Verhaltens nicht mehr mit ihr reden.
Die Menschen, v.a. die Eltern, deren unterschiedliche Lebensweisen, die Art der Trennung, die gedankenlosen Versprechen an ihn bei der Trennung, aber auch der Versuch neue Familien aufzubauen sind stark.
Es gibt einige Sex-szenen, die ziemlich unsinnlich und unerotisch bei mir angekommen sind.
Ich bin mir nicht sicher ob die Menschen wie sie geschildert wurden, nicht doch aus dem persönlichen oder erzählten Erlebnisschatz des Autors kommen, und nicht doch eine unglücklige, gewünschte Liebe hier den Ausdruck fand.
Das Buch war etwas mühsam zum Lesen - ich habe ein für mich leichter lesbares anderes Buch in der Hälfte gelesen und dann wieder hier weitergelesen. Spannung fehlt, die Frage wie das Buch denn endet brachte mich zum Fertiglesen. (Es endet wie viele Beziehungen - nämlich offen).
"Hin und Weg"
Roman
Original "The Hottest State"
1996, Ethan Hawke
Deutsch von Kristian Lutze
1997, Kiepenhauer & Witsch
Hinweis: alle Figuren und Ereignisse in diesem Buch sind fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen sind zufällig und nicht vom Autor beabsichtigt.
198 Seiten und 1 Seite Danksagung
ISBN 3-462-02647-X
Neugier ließ mich zu dem Buch des Schauspielers greifen, der mich im 'Club der toten Dichter', 'Gattaca' und 'Taking Lives' fasziniert hat.
In diesem Roman erzählt er die Gefühle eines 21-jährigen amerikanischen Schauspielers zu einer jungen Frau. Die Geschichte ist in Ich-form erzählt und alles ist ausschließlich aus seiner Sicht geschildert - egal ob es sich um Gefühle, Wohnungen /Straßen oder Menschen handelt.
Er verliebt sich in eine Sängerin, hilft ihr die Wohnung einzurichten, erlebt mit ihr eine schöne Zeit tw. auch in Paris und muß dann aus den Staaten um zu filmen. Als er zurückkommt trennt sich die Sängerin von ihm. Als Shakespeare zitierender Romeo versucht er wieder einen Platz in ihrem Herzen zu erhalten, scheitert aber. Obwohl er schon längst wieder erotische Beziehungen hat, u.a. zu einer sehr attraktiven Langzeitfreundin, die bereits zwei Kinder von ihm abtreiben lassen mußte (er mag keine Kondome), kann er die Sängerin, die eigentlich Kindergärtnerin ist noch länger nicht vergessen.
Humorvoll finde ich die Stellen, an deren 'Romeo' im Schnee auf der Straße in New York steht, Monologe an 'Julia' rezitiert und dannach auf dem Anrufbeantworter die Nachricht der 'Julia' findet, sich bitte nicht so aufzuführen, da die Nachbarn wegen seines Verhaltens nicht mehr mit ihr reden.
Die Menschen, v.a. die Eltern, deren unterschiedliche Lebensweisen, die Art der Trennung, die gedankenlosen Versprechen an ihn bei der Trennung, aber auch der Versuch neue Familien aufzubauen sind stark.
Es gibt einige Sex-szenen, die ziemlich unsinnlich und unerotisch bei mir angekommen sind.
Ich bin mir nicht sicher ob die Menschen wie sie geschildert wurden, nicht doch aus dem persönlichen oder erzählten Erlebnisschatz des Autors kommen, und nicht doch eine unglücklige, gewünschte Liebe hier den Ausdruck fand.
Das Buch war etwas mühsam zum Lesen - ich habe ein für mich leichter lesbares anderes Buch in der Hälfte gelesen und dann wieder hier weitergelesen. Spannung fehlt, die Frage wie das Buch denn endet brachte mich zum Fertiglesen. (Es endet wie viele Beziehungen - nämlich offen).
Montag, 20. Februar 2012
Jô Soares : "Sherlock Holmes in Rio"
Jô Soares :
"Sherlock Holmes in Rio"
1995, Companhia das Letras, Sao Paulo
"O Xangô de Baker Street"
Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Karin von Schweder-Schreiner
1997, Insel Verlag
307 Seite
auf den U2 und U3 ein alter Stadtplan von Rio
sorry - in der alten Ausgabe (hardcover, rot) fand ich nirgends eine ISBN
(aber aus dem Internet fand ich: ISBN-10: 3458168400 ; ISBN-13: 978-3458168409)
Der humorvolle, und leicht respektlose Kriminalroman ist gut zu lesen und macht Spaß.
Der Geliebten des Königs wird eines seiner Geschenke gestohlen - eine Stradivari. Junge Frauen werden ermordet - es ist kein Schema bei den Frauen zu erkennen. Sarah Bernhardt, die große Umschwärmte + Bewunderte, gastiert in Rio und empfiehlt den größten Detektiv, der ihr einmal geholfen hat, zu Hilfe zu rufen. Sherlock Holmes und Dr. Watson kommen wirklich.
Kommissar Mello Pimenta freut sich über die Unterstützung. Leider werden noch 2 Frauen ermordet, aber die verschwundene Geige taucht - allerdings ohne Saiten - wieder auf. Da je eine Saite in den ermordeten Frauen gesteckt war, schließen alle, daß der Serienkiller damit seinen persönlichen Zweck erfüllt hat und nicht mehr morden wird. Die gefeierte Schauspielerin und die beiden Briten fahren wieder nach Europa.
Der Begriff des Serienkiller wird diesmal von Holmes geprägt, der sein portugiesische vor Ort testet. Alle sind fasziniert. Witzigerweise sind seine - uns durch Doyle - gewohnten Schlußfolgerungen jedesmal grottesk falsch, und auch sonst ist der berühmte Detektiv eher als Mensch der die Schönheit v.a. einer Frau entdeckt und v.a. Cannabis zu schätzen lernt gezeichnet. Er läuft in weißem Anzug herum und befremdet damit alle Brasilianer, die lieber in europäisch zu warmer Kleidung schwitzen.
Watson hat noch weniger als sonst zu lachen - aber : ihm wird die Erfindung des Caipirinha in die Schuhe geschoben, da er tw. wie ein Hirt angezogen ist, um die brasilianischen Temperaturen besser zu ertragen.
Mit viel Witz ist beschrieben, wie sich Kaiser, Hofstaat, die schleimenden Hofschratzen benehmen - Gegenpol sind einige Bohemiens wie die Operetten schreibende und rauchende Chinqhinha, der Buchhändler Miguel Solera de Lara und paar andere Marques von verschiedenen Intelligenzgraden und passenden oder eben nicht passenden Bemerkungen.
Eine andere Welt ist die der schwarzen Sklaven, die als Sache gehandhabt werden, sich aber tw. ihre eigene Sprache und Magie bewahrt haben. Sie haben das Gespür für den Serienkiller, nehmen das Bösartige wahr und lenken Holmes auch auf die richtige Spur - wo sie dann versandet.
Ich habe den Krimi als Entspannung zwischen einem anspruchsvollen, aber großartigen Buch gelesen und mich sehr gut dabei unterhalten und entspannt. Wer kein bierernster Sherlock-Holmes-Fan ist und ihm seine Amour in Brasilien zu gönnen bereit ist, wird den Roman hoffentlich genießen. Wer einen who-dunn-it-Krimi sucht, kann auch hier mitraten wer der Mörder ist - die Lösung ist beschrieben.
Viel Lesevergnügen im rauschhaften Rio.
"Sherlock Holmes in Rio"
1995, Companhia das Letras, Sao Paulo
"O Xangô de Baker Street"
Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Karin von Schweder-Schreiner
1997, Insel Verlag
307 Seite
auf den U2 und U3 ein alter Stadtplan von Rio
sorry - in der alten Ausgabe (hardcover, rot) fand ich nirgends eine ISBN
(aber aus dem Internet fand ich: ISBN-10: 3458168400 ; ISBN-13: 978-3458168409)
Der humorvolle, und leicht respektlose Kriminalroman ist gut zu lesen und macht Spaß.
Der Geliebten des Königs wird eines seiner Geschenke gestohlen - eine Stradivari. Junge Frauen werden ermordet - es ist kein Schema bei den Frauen zu erkennen. Sarah Bernhardt, die große Umschwärmte + Bewunderte, gastiert in Rio und empfiehlt den größten Detektiv, der ihr einmal geholfen hat, zu Hilfe zu rufen. Sherlock Holmes und Dr. Watson kommen wirklich.
Kommissar Mello Pimenta freut sich über die Unterstützung. Leider werden noch 2 Frauen ermordet, aber die verschwundene Geige taucht - allerdings ohne Saiten - wieder auf. Da je eine Saite in den ermordeten Frauen gesteckt war, schließen alle, daß der Serienkiller damit seinen persönlichen Zweck erfüllt hat und nicht mehr morden wird. Die gefeierte Schauspielerin und die beiden Briten fahren wieder nach Europa.
Der Begriff des Serienkiller wird diesmal von Holmes geprägt, der sein portugiesische vor Ort testet. Alle sind fasziniert. Witzigerweise sind seine - uns durch Doyle - gewohnten Schlußfolgerungen jedesmal grottesk falsch, und auch sonst ist der berühmte Detektiv eher als Mensch der die Schönheit v.a. einer Frau entdeckt und v.a. Cannabis zu schätzen lernt gezeichnet. Er läuft in weißem Anzug herum und befremdet damit alle Brasilianer, die lieber in europäisch zu warmer Kleidung schwitzen.
Watson hat noch weniger als sonst zu lachen - aber : ihm wird die Erfindung des Caipirinha in die Schuhe geschoben, da er tw. wie ein Hirt angezogen ist, um die brasilianischen Temperaturen besser zu ertragen.
Mit viel Witz ist beschrieben, wie sich Kaiser, Hofstaat, die schleimenden Hofschratzen benehmen - Gegenpol sind einige Bohemiens wie die Operetten schreibende und rauchende Chinqhinha, der Buchhändler Miguel Solera de Lara und paar andere Marques von verschiedenen Intelligenzgraden und passenden oder eben nicht passenden Bemerkungen.
Eine andere Welt ist die der schwarzen Sklaven, die als Sache gehandhabt werden, sich aber tw. ihre eigene Sprache und Magie bewahrt haben. Sie haben das Gespür für den Serienkiller, nehmen das Bösartige wahr und lenken Holmes auch auf die richtige Spur - wo sie dann versandet.
Ich habe den Krimi als Entspannung zwischen einem anspruchsvollen, aber großartigen Buch gelesen und mich sehr gut dabei unterhalten und entspannt. Wer kein bierernster Sherlock-Holmes-Fan ist und ihm seine Amour in Brasilien zu gönnen bereit ist, wird den Roman hoffentlich genießen. Wer einen who-dunn-it-Krimi sucht, kann auch hier mitraten wer der Mörder ist - die Lösung ist beschrieben.
Viel Lesevergnügen im rauschhaften Rio.
Dienstag, 1. November 2011
Brigitte Aubert : "Im Dunkel der Wälder"
Brigitte Aubert :
"Im Dunkel der Wälder"
1996, Editions Du Seuil, Paris
"La Mort Des Bois"
aus dem Französischen von Eliane Hagedorn und Barbara Reitz
btb Taschenbuch Goldmann Verlag
3. Auflage
deutsche Erstveröffentlichung 1997
277 Seiten
ISBN 3-442-72163-6
Elise Andrioli ist nach einem Bombenattentat blind, stumm und schwer gelähmt - und hat auch ihren Verlobten verloren. Aber ihr Verstand ist komplett da und sie hört und versteht alles um sie herum.
Die kleine Virginie erzählt ihr, daß sie weiß wer die Bestie ist und wo der Leichnam eines kleinen Buben liegt.
Elise und ihre Haushälterin/Pflegerin Yvette werden über die Eltern von Virginie in einen Kreis von unterschiedlichen Menschen aufgenommen, die sich um Elise tw. auch kümmern.
Achtjährige Buben um Umkreis werden weiterhin vermißt und tw. verstümmelt als Leichen gefunden.
Virginie spricht nur mit Elise über ihre Beobachtungen - Elise antwortet mit einem Heben eines Fingers.
In dem sehr spannend geschriebenen Buch zieht sich der Kreis immer enger um Elise, es werden noch weitere Morde begangen, bis am Schluß eine Geschichte aus Mißbrauch und daraus Wahnsinn zum Täter führt.
Das Buch ist aus der Sicht von Elise geschrieben, die die Menschen hört, die merkt wenn ihr Rollstuhl geschoben wird, und die sich das Aussehen von Menschen zu den Stimmen vorstellt. Stimme, Schritte und Geruch sind die einzigen Merkmale die ihr dabei helfen.
Sie beschreibt aber auch das Ausgeliefert sein, weil sie nicht/wenig vermitteln kann, was sie will (sei es Essen, Trinken, aber auch wohin sie will oder ob ihr heiß oder kalt ist).
Die Menschen um sie herum sind greifbar: der verstorbene Freund Benôit, die Eltern von Virginie Hélène und Paul, Stéphane ein Freund von ihnen, Jean Guillaume der sich in Yvette verliebt, Kommisar Yssart und am Schluß Tony. Die hübschen Häuschen, der Stadtpark, der Kinderspielplatz sind alles schön vorstellbar.
Mich hat das Buch nicht losgelassen, bis ich es zu Ende gelesen hatte. Viel Vergnügen beim Lesen !
"Im Dunkel der Wälder"
1996, Editions Du Seuil, Paris
"La Mort Des Bois"
aus dem Französischen von Eliane Hagedorn und Barbara Reitz
btb Taschenbuch Goldmann Verlag
3. Auflage
deutsche Erstveröffentlichung 1997
277 Seiten
ISBN 3-442-72163-6
Elise Andrioli ist nach einem Bombenattentat blind, stumm und schwer gelähmt - und hat auch ihren Verlobten verloren. Aber ihr Verstand ist komplett da und sie hört und versteht alles um sie herum.
Die kleine Virginie erzählt ihr, daß sie weiß wer die Bestie ist und wo der Leichnam eines kleinen Buben liegt.
Elise und ihre Haushälterin/Pflegerin Yvette werden über die Eltern von Virginie in einen Kreis von unterschiedlichen Menschen aufgenommen, die sich um Elise tw. auch kümmern.
Achtjährige Buben um Umkreis werden weiterhin vermißt und tw. verstümmelt als Leichen gefunden.
Virginie spricht nur mit Elise über ihre Beobachtungen - Elise antwortet mit einem Heben eines Fingers.
In dem sehr spannend geschriebenen Buch zieht sich der Kreis immer enger um Elise, es werden noch weitere Morde begangen, bis am Schluß eine Geschichte aus Mißbrauch und daraus Wahnsinn zum Täter führt.
Das Buch ist aus der Sicht von Elise geschrieben, die die Menschen hört, die merkt wenn ihr Rollstuhl geschoben wird, und die sich das Aussehen von Menschen zu den Stimmen vorstellt. Stimme, Schritte und Geruch sind die einzigen Merkmale die ihr dabei helfen.
Sie beschreibt aber auch das Ausgeliefert sein, weil sie nicht/wenig vermitteln kann, was sie will (sei es Essen, Trinken, aber auch wohin sie will oder ob ihr heiß oder kalt ist).
Die Menschen um sie herum sind greifbar: der verstorbene Freund Benôit, die Eltern von Virginie Hélène und Paul, Stéphane ein Freund von ihnen, Jean Guillaume der sich in Yvette verliebt, Kommisar Yssart und am Schluß Tony. Die hübschen Häuschen, der Stadtpark, der Kinderspielplatz sind alles schön vorstellbar.
Mich hat das Buch nicht losgelassen, bis ich es zu Ende gelesen hatte. Viel Vergnügen beim Lesen !
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Samstag, 23. April 2011
Alexander Trocchi : "Wasserläufe"
Alexander Trocchi :
"Wasserläufe"
1954 erster Entwurf
mehrere Fassungen - 1957 "Young Adam"
Nachwort 1996 John Pringle
aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Beck und Marie Rahn
1997, Ullstein Verlag Berlin
164 Seiten
9 Seiten Nachwort
ISBN 3-548-24226-X
Ein starke Geschiche mit einer eigenartigen Eindringlichkeit.
Fischer finden eine Frauenleiche in einem Fluß, die Polizei kommt und Mord wird vermutet. Die Fischer sind Leslie und sein Helfer Joe, der die Geschichte in Ich-Form erzählt. Joe beginnt eine Affäre mit der Frau von Leslie, als Leslie dahinterkommt verläßt er das Boot. Ein Installateur wird des Mordes an der Frau - Cathy - verdächtigt, Joe beobachtet den Prozess.
Mitte des Buches kippt die Geschichte und Joe erzählt wie die Frau bei einem Unfall ums Leben gekommen war. Ab hier ist das Geschehen auf Joe, sein Leben und seine Sichtweise konzentriert. Seine Wahrnehmung der Frauen wird geschildert, das Sehen, das Berühren, die Affäre mit Leslies Frau Ella, der Versuch mit deren Schwester und Rückblenden auf die Zeit mit Cathy.
In langen Passagen wird das Leben dreier Menschen auf einem Boot erzählt, das tägliche Leben, die Einöde beim Betrachten des Lebens neben dem Fluß und erfüllte und unerfüllte Sexualität.
Ich habe das Buch in 2 Tagen ausgelesen, weil mich die Spannung in der Geschichte gehalten hat.
"Wasserläufe"
1954 erster Entwurf
mehrere Fassungen - 1957 "Young Adam"
Nachwort 1996 John Pringle
aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Beck und Marie Rahn
1997, Ullstein Verlag Berlin
164 Seiten
9 Seiten Nachwort
ISBN 3-548-24226-X
Ein starke Geschiche mit einer eigenartigen Eindringlichkeit.
Fischer finden eine Frauenleiche in einem Fluß, die Polizei kommt und Mord wird vermutet. Die Fischer sind Leslie und sein Helfer Joe, der die Geschichte in Ich-Form erzählt. Joe beginnt eine Affäre mit der Frau von Leslie, als Leslie dahinterkommt verläßt er das Boot. Ein Installateur wird des Mordes an der Frau - Cathy - verdächtigt, Joe beobachtet den Prozess.
Mitte des Buches kippt die Geschichte und Joe erzählt wie die Frau bei einem Unfall ums Leben gekommen war. Ab hier ist das Geschehen auf Joe, sein Leben und seine Sichtweise konzentriert. Seine Wahrnehmung der Frauen wird geschildert, das Sehen, das Berühren, die Affäre mit Leslies Frau Ella, der Versuch mit deren Schwester und Rückblenden auf die Zeit mit Cathy.
In langen Passagen wird das Leben dreier Menschen auf einem Boot erzählt, das tägliche Leben, die Einöde beim Betrachten des Lebens neben dem Fluß und erfüllte und unerfüllte Sexualität.
Ich habe das Buch in 2 Tagen ausgelesen, weil mich die Spannung in der Geschichte gehalten hat.
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Samstag, 6. November 2010
Natalia Ginzburg : "Die Straße in die Stadt"
Natalia Ginzburg :
"Die Straße in die Stadt"
Pseudonym: Allesandra Tornimparte
original "La strada che va in città"
1942, Einaudi, Turin
aus dem Italienischen von Maja Pflug
1997, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin
88 Seiten
ISBN 978-3-803111661
Der Roman wird auf 88 Seiten erzählt und handelt von der jungen Frau Delia, die immer wieder aus dem Dorf entwischt um in der Stadt - hübsch gemacht - die Straße auf und ab zu gehen.
Sehr trocken, fast unbeteiligt schildert Delia wie sich spazieren geht, Männern gefällt, schließlich mit einem reichen Sohn aus ihrem Dorf in einer Absteige immer wieder verkehrt und prompt schwanger wird. Ihre Eltern versuchen die Schande zu verschweigen, und arrangieren zuerst, daß Delia zu ihrer Tante in ein noch trostloseres Dorf als ihr Heimdorf kommt und schließlich doch die Hochzeit mit dem Kindesvater, der inzwischen mit dem Studium fast fertig ist. Als das Kind dann da ist, bekommt es eine Kinderfrau und Delia geht wieder in hübschen Kleidern die Straße auf und ab.
Daß Delia von dem Ziehsohn der Eltern, dem Neni, verehrt und geliebt wird, merkt sie zu spät. Neni ist der einzige der Familie, der regulär in der Stadt arbeitet und der einzige Mensch, der versucht ihr einen Arbeitsbegriff beizubringen.
Delias Schwester Azalea ist das Vorbild - sie hat hübsche Kleider, legt die Kinder bei der Kinderfrau ab und hat wechselnde Liebhaber hinter dem Rücken ihres älteren gut verdienenden Mannes.
Das Ende ist nicht wirklich zufriedenstellend - Einsamkeit, Leere und Oberflächlichkeit bleiben, denn der einzige der etwas ändern und bewegen wollte, Neni, ist um die Zeit der Geburt des Kindes gestorben.
Alles wird trocken geschildert: das Dorf, die Kleider, die Häuser, die hysterische Mutter, der betrunkene Vater, die Trostlosigkeit im Haus der Tante zu der Delia abgeschoben wird. Landschaft und Menschen bleiben etwas wie Scherenschnitte, sind aber trotzdem gut erfaßbar und vorstellbar.
Ob ich das Buch empfehlen kann, ist mir derzeit noch nicht klar. - vielleicht ergänze ich meine Meinung später noch.
"Die Straße in die Stadt"
Pseudonym: Allesandra Tornimparte
original "La strada che va in città"
1942, Einaudi, Turin
aus dem Italienischen von Maja Pflug
1997, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin
88 Seiten
ISBN 978-3-803111661
Der Roman wird auf 88 Seiten erzählt und handelt von der jungen Frau Delia, die immer wieder aus dem Dorf entwischt um in der Stadt - hübsch gemacht - die Straße auf und ab zu gehen.
Sehr trocken, fast unbeteiligt schildert Delia wie sich spazieren geht, Männern gefällt, schließlich mit einem reichen Sohn aus ihrem Dorf in einer Absteige immer wieder verkehrt und prompt schwanger wird. Ihre Eltern versuchen die Schande zu verschweigen, und arrangieren zuerst, daß Delia zu ihrer Tante in ein noch trostloseres Dorf als ihr Heimdorf kommt und schließlich doch die Hochzeit mit dem Kindesvater, der inzwischen mit dem Studium fast fertig ist. Als das Kind dann da ist, bekommt es eine Kinderfrau und Delia geht wieder in hübschen Kleidern die Straße auf und ab.
Daß Delia von dem Ziehsohn der Eltern, dem Neni, verehrt und geliebt wird, merkt sie zu spät. Neni ist der einzige der Familie, der regulär in der Stadt arbeitet und der einzige Mensch, der versucht ihr einen Arbeitsbegriff beizubringen.
Delias Schwester Azalea ist das Vorbild - sie hat hübsche Kleider, legt die Kinder bei der Kinderfrau ab und hat wechselnde Liebhaber hinter dem Rücken ihres älteren gut verdienenden Mannes.
Das Ende ist nicht wirklich zufriedenstellend - Einsamkeit, Leere und Oberflächlichkeit bleiben, denn der einzige der etwas ändern und bewegen wollte, Neni, ist um die Zeit der Geburt des Kindes gestorben.
Alles wird trocken geschildert: das Dorf, die Kleider, die Häuser, die hysterische Mutter, der betrunkene Vater, die Trostlosigkeit im Haus der Tante zu der Delia abgeschoben wird. Landschaft und Menschen bleiben etwas wie Scherenschnitte, sind aber trotzdem gut erfaßbar und vorstellbar.
Ob ich das Buch empfehlen kann, ist mir derzeit noch nicht klar. - vielleicht ergänze ich meine Meinung später noch.
Sonntag, 26. September 2010
Ana Menéndez : "Damals in Kuba"
"Damals in Kuba"
original "In Cuba I was a German Shepherd"
bei Gove Atlantic, NY 1997
aus dem Amerikanischen von Barbara Schaden
2001 Karl Blessing Verlag
220 Seiten
3 Seiten Glossar kubanisch - deutsch
ISBN 3-89667-140-5
Erzählungen:
* In Kuba war ich Schäferhund (27 Seiten)
* Hurrikangeschichten (15 Seiten)
* Die perfekte Frucht (24 Seiten)
* Warum wir gegangen sind (14 Seiten)
* Geschichte eines Papageis ( Seiten)
* Verwechselte Heilige (20 Seiten)
* Baseballträume (18 Seiten)
* Die letzte Rettung (19 Seiten)
* Verwandtschaft in Miami (14 Seiten)
* Das Fest (20 Seiten)
* Das Haus ihrer Mutter ( 25 Seiten)
Die Autorin ist Tochter von Kubanern, die aus Kuba ausgewandert sind, und ihre Geschichten über Menschen die aus Kuba nach Miami etc. gekommen sind, in sehr schöner dichter, manchmal skurriler Weise schreibt.
In "in Kuba war ich Schäferhund" sind die Protagonisten 4 Männer, die gemeinsam Domino spielen und sich Witze erzählen. 2 Männer sind aus Kuba, 2 aus der Dominikanischen Republik. Für Amerikaner sind diese Domino spielenden älteren Herren beliebte Photomotive, was sich die Herren an einem Weihnachtsabend verbieten.
In "Die perfekte Frucht" kocht die Dame das Hauses 3 Tage lang nur Banenen ein, macht Bananenschnitten, Bananenfrapees etc. um die Seitensprünge ihres Ehemannes zu überwinden und um ihm ihre Liebe zu zeigen. Die Geschichte und die Besessenheit des Banenenverwertens war etwas gespenstisch.
"Warum wir gegangen sind" hat mich in den Bann gezogen. Der Mann vergräbt sich in Münzen zählen und die Frau sieht im schneebedeckten Teil der USA Birken mit Hibiskusblüten, dann kommen auch blaue Blüten. Das Paar war aus dem warmen Miami weggezogen, um den Tod ihres Kindes zu überwinden. Am Schluß versinkt die Frau in ihren Träumen von Wärme und blühenden Bäumen im realen tiefen Schnee, und der Mann kann sie nicht mehr zurückholen (?).
In "Geschichte eines Papageis" weckt der Besuch einen wunderschönen bunten Papageis bei einem frustrierten Ehepaar mittleren Alters, die Lebenslust der schönen Frau und sie beginnt wieder an ihre Träume und Kraft etwas umzusetzen zu glauben.
In "Verwechselte Heilige" wartet eine Amerikanerin kubanischen Ursprung auf das illegale Einwandern ihres Ehemanns. Freunde und Familie deuten an, daß sie (möglicherweise) nur geheiratet wurde, damit ihr Ehemann einen Aufenthaltsgrund hat. Er ertrinkt beim Fluchversuch. Ein Überlebender der Flüchtlingsgruppe des Tages zuvor kommt um die Nachricht zu bringen, und gesteht, daß er einen Brief und eine Schnitzerei leider verloren hat - - der Ehemann hat seine (für andere) unschöne Frau geliebt.
Die verrückteste Geschichte war für mich "Verwandschaft im Miami" bei der dem Großvater ein Radio aus dem Ohr wächst und die Antennen im Wind tanzen, die Großmutter im Baum sitzt und sich mit den Zehen festkrallt, Tante Julia Menschen beißt, aber alle auf Info von Onkel aus Kuba warten. In fast jedem Absatz werden verrückte Bilder gemacht, von denen das für mich verrückteste "das Haus füllt sich mit purpurnen Haien" ist.
Ein anderer schöner Satz : "Das wahre Kunststück im Leben besteht darin, für die Traurigkeit einen rosaroten Namen zu finden" (Seite 163)
In "Das Fest" warten viele Menschen bei einer Party auf einen ehemaligen Freund, einen ehemaligen Mächtigen von Kuba von dem die einen als "El Aleman" (weil er so groß und blond war) sprechen, aber auch einige als Mörder bezeichnen, weil er manche Probleme parteifreundlich regelte.
Im "Haus ihrer Mutter" entdeckt eine erfolgreiche Redakteurin, zweite Generation in Miami, daß die Erzählungen ihrer Eltern und v.a. ihrer Mutter über das Haus, die gesellschaftliche Stellung, das Ansehen das sie erzählte erlebt zu haben, nur Phantasie ist. Aber sie wird von Menschen erwartet, die hoffen, daß sie doch wieder zurück nach Kuba kommen wird - was nie sein wird. Detail, das mir in der Geschichte gut gefiel, war, daß der Eheman der Redakteurin jedes Tag zum Frühstückstoast ein selbstverfaßtes Gedicht gelegt hat.
Die Geschichten sind unterschiedlich faszinierend, evozieren unterschiedliche Bilder in mir. Manche habe ich dreimal gelesen, weil mich die bunten, fast papageienhaften, Farben und Assoziationen angesprochen haben und auch unter die Haut gingen.
Ich wünsche auch anderen Lesern viel Freude beim Lesen und Genuß bei den teilweise griffig und angreifbar beschriebenen Menschen, Familien und Pflanzen.
Labels:
1997,
2001,
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Erzählungen,
Familie,
Frau,
Kuba,
Menschen,
Übersetzerin,
Wertung - 4 Bücher
Montag, 8. Februar 2010
Leena Lander: "Im Sommerhaus"

Leena Lander
"Im Sommerhaus"
aus dem Finnischen und mit einem Nachwort versehen von Angela Plöger
Original "Iloisen kotiinpaluun ausinsjat"
1997, Verlag Söderström, Helsinki
deutsch Wilhelm Goldmann Verlag, München
1. Auflage Taschenbuch September 2001
352 Seiten
ISBN 3-442-72770-7
Ein schönes intensives Buch, das es trotz der Schwierigkeit mehrerer Zeitebenen schafft, die Spannung und Neugier zu halten, und dessen dicht beschriebene Szenen und Menschen unter die Haut gehen.
Lys Bergmann besucht ihren Jugendfreund Olavi Harjula. Hier starten die unterschiedlichen Zeitebenen und verwobenen Handlungsstränge der Menschen, denn sie sucht Hanna Aalto. Nebenbei lernte ich einiges über die Geschichte Finnlands nach dem 2. Weltkrieg.
Lys Bergman - Tocher eines Archäologen in Afrika - kehrt mit ihrer Familie kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges nach Finnland zurück. Ihr Vater wird geschätzt und beneidet - geschätzt weil er im Kinderheim der einzige ist, der die Kinder mit seinen Geschichten zu unterhalten und motivieren weiß.
Olavi Harjula ist der einzige Sohn einer Angestellten in der Schiffswerft, deren russisch Kenntnisse ihr die Arbeit für die Herstellung der als Reparationszahlungen verlangten Schiffe verschafften.
Im der Stadt hat ein Schwesternpaar ein Heim für Kinder aufgemacht - Kinder, die nach Schwedern geschickt worden waren, nun alle zurückkommen müssen, aber nicht immer willkommen sind. Sie versuchen Kindern die finnisch verlernt haben, wieder ein Heim zugeben - das Buch deutet an, welche Wunden die doppelte Entwurzelung für die Kinder (zuerst Familie und Finnland zu verlassen, dann Schweden und neue Familie zu verlassen) geschlagen hat. Daß es nicht alle Kinder so gut hatten eine neue Familie zu finden, sondern nur als gratis Arbeitskraft gegolten haben dürften, ist auch festgehalten.
Hier lebt ein Mädchen, das Hanna Aalto genannt wird und (fast) nicht spricht. Dieses Mädchen nimmt Lys Vater als zweite Tochter in sein Haus - bzw. das seiner Frau und seines Schwiegervaters - auf.
In Szenen wird beschrieben wie Lys und Olavi ihre Teenager-Körperlichkeit miteinander entdecken, daß niemand Hanna vermißte, daß Lys Vater seiner Frau nicht treu war, daß den Schwestern die Arbeit im Heim nicht leicht fiel, daß es die Finnen schafften fast unlösbare Reparationszahlungen in Form von Schiffen wirklich zurückzuzahlen, daß Karrelien im 2. Weltkrieg heiß umkämpft war, und immer wieder im jetzt wie Lys und Olavi sich schwer tun im Großelternalter (beide haben längst Kinder und Enkelkinder) miteinander zu reden.
Knackpunkt ist, daß Lys von Olavi zu einem Zeitpunkt schwanger wurde, als Lys Vater des Sex mit seiner Ziehtochter Hanna angeklagt worden war, aber Hanna nichts zur Klärung beitragen konnte, da sie verschwunden war. Olavi wußte nichts von seiner Vaterschaft. Lys hatte aber einen Brief ihres Kindes (eines Buben) mit ihm erhalten, der um die Geschichte seiner Eltern ersuchte. Lys ersucht Olavi ihr zu helfen den Ruf ihres Vaters zu reinigen - den Ruf als Kindsverführer, der bei einem Unfall das Leben ihrer Eltern gekostet hatte, und sie in ihrer Schwangerschaft in den Wahnsinn getrieben hatte - sodaß sie sich überreden hatte lassen ihr Kind zur Adoption freizugeben.
Lys versucht Hanna zu finden, damit diese ihr helfen möge und langsam entrollt sich, daß Hanna ein russisches Konzentrationslager als einzige der Familie überlebt hat. Als Reparationsleistung hätte sie sofort nach Rußland zurück übergeben werden müssen. Einige Zeit lang war sie als billige Arbeitskraft in einer Fuchsfarm untergebracht, wo sie da sie bei den Füchsen schlief/schlafen mußte. Das jetzt aber auch wohin sie nach ihrer Zeit bei Lys Familie entschwunden war, bleibt aber verborgen.
Ein eigener Erzählungsstrang wird einem Stein auf einer Insel gewidmet, der eigentümliche rote Zeichnungen aufweist, die Lys Vater faszinieren. Phantasietiere und ein Phallus snd wichtige Elemente der Zeichnungen. Es sind aber keine archaischen alten Zeichnungen, sondern Rache der Mädchen die den Zieh- resp. Vater beim außerehelichen Vergnügen beobachtet hatten.
Teile der Zeichungen werden dann zum Puzzlestein zu Hanna, denn die Tiere weisen auf russischen Ursprung genauso wie ihre vier Puppen, die die Namen ihrer vier Schwestern haben, die im Konzentrationslager umgekommen waren.
Befriedigendes Ende gibt es für mich nicht. Es bleiben Fragen : Fragen über die Zeit damals und Fragen wie sich die Geschichte der Darsteller weiter entwickeln würde.
Mir ging der Roman unter die Haut. Ich kann ihn gerne weiterempfehlen an Leser die sich gerne in andere Landschaften entführen lassen, denn vor meinem Auge lief fast ein Film ab.
Labels:
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2001,
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Wertung - 5 Bücher
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