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Mittwoch, 14. August 2024

Beate Maly : "Tod am Simmering"

Beate Maly :
"Tod am Simmering"
2016, Emons Verlag
262 Seiten + 2 Seiten Nachwort
ISBN 978-3-95451-995-8

Ernestine Kitsch, eine pensionierte Lateinlehrerin, erhält Karten für einen Tango-Kurs in einem illustren Hotel am Simmering, und hat als Begleitung den Apotheker Anton Böck auserkoren. Im Hotel treffen sie auf einen Arzt und seine Schwester, eine Bankierswitwe und Sohn, Industriellen Ehepaar und Industriellen Familie, einen Chemiker, das Tanzpaar und seine Musiker und sehr wenig Personal im Hotel. Bereits am ersten Abend prallen die Temperamente und intolerante arroganten Manieren aufeinander, was Ernestine mit Neugier für Menschen lebhaft stimmt. In der ersten Nacht wird ein besonders unangenehmer Mann ermordet und alle Beteiligten finden sich eingeschneit im Hotel. Ernestine organisiert mit ihrer natürlichen Autorität Untersuchungen und Gespräche, ein zweiter Mord passiert, bis am Schluß die Lösung kommt.

Neu für mich waren die Informationen, daß Ende des ersten Weltkrieges chemischen Waffen in Kombination eingesetzt wurden, das "Buntschießen" genannt wurde und hier viele Soldaten und Zivilisten um eine weitere erbärmliche Art starben; einige wurden mit diesen chemischen Versuchen reich.

In die Kriminalgeschichte ist eingebaut, daß die sozialistische Arbeiterpartei Zulauf erhält damit Kinder überhaupt und bessere Ausbildungen erhalten (können). 

Die Typen und Menschen dieser Geschichte sind schön und detaillreich geschildert, ohne zu ausführlich zu werden. 

Eine Liebesgeschichte bahnt sich auch, und auch die zarten Bande zwischen Ernestine und Anton werden stärker.

Meist ist das österreichische Deutsch gewahrt, allerdings geht man in Österreich nicht die Treppe 'hoch', sondern die Stiegen 'hinauf'; leider ist hier das deutsche Lektorat zu hart vorgegangen, denn 'hoch gehen' heißt in Österreich wütend werden.

In Summe ist der Kriminalroman sehr gut geschrieben, er unterhält und informiert. Viel Freude beim Lesen !

Sonntag, 19. Juni 2022

Lisa Gallauner : "Teufelsstimmen"

Lisa Gallauner :
"Teufelsstimmen" - Meierhofers 1. Fall
2013, Verlag Federfrei
185 Seiten
ISBN 978-3-9502751-8-6

Chefinspektor Hans Meierhofer und sein ihm neu zugeteilter Gruppeninspektor Stefano Staudinger werden zu einem Mord gerufen. Ein Mann hatte mit seinem Gewehr gezielt auf Camper geschossen, und war nachher ganz glücklich, daß Stimmen weg seinen. Tage später läßt ein Mann seine Ehefrau in Flammen aufgehen, und ist nachher ebenfalls glücklich, daß die Stimmen weg sind. Ein Selbstmord passiert auch noch. Spät kommmt das ungleiche Polizistenpaar, das sehr gut miteinander zusammenarbeitet, auf die Gemeinsamkeit bis es zur Wendung und Lösung kommt.

Ort der Handlung ist die Wachau mit teilweise echten, aber auch erfundenen Örtlichkeiten. 

Die geschilderten Menschen sind teilweise gelungen  - mir gefällt der halbitalienische Gruppeninspektor -, manche sind nachvollziehbar, manche eher konstruiert. Die permanente Sucht nach Kaffee des Chefinspektors ist am Anfang unterhaltsam, beginnt sich aber dann zu ziehen.

In Summe ein netter Wachaukrimi, ideal für den Urlaub.

Lisa Gallauner wurde 1978 in St. Pölten geboren. Sie hat Kinderbücher geschrieben, bevor sie einen Kriminalroman schrieb.

Freitag, 9. Juli 2021

Günter Pfeiffer : "Hawelka & Schierhuber laufen heiß"

Günter Pfeiffer :
"Hawelka & Schierhuber laufen heiß" - ein Waldviertel Mordbuben-Krimi
2015, Haymon Taschenbuch
265 Seiten + 1 Seite Nachbemerkung + 3 Seiten Glossar und Anmerkungen
ISBN 978-3-7099-7803-0

In einem winzigen Ort im Waldviertel ist ein Mann eigentümlich verstorben, worauf aus Wien zwei Mitarbeiter, einer kommt aus dem Waldviertel, zu Lösung geschickt werden. Es wird viel Alkohol getrunken und geredet, bis sich langsam und sehr mühsam eine sehr sehr alte Geschichte und Erbwunsch sichtbar werden.

Es gibt viele und sehr unterschiedliche Menschen in diesem Kriminalroman.
Am unterhaltsamsten finde ich die vier-Frauen-Recherche&Organisier-Gruppe der Polizei in Wien : eine strenge, humorvolle, gewitzte Vorgesetzte; eine unschöne die blitzschnell arbeitet; eine bildschöne die mit Lächeln alles herausbekommt und eine die kombiniert gewitzt und blitzschnell arbeitetet.
Der Vorgesetzte von Hawelka und Schierhuber liebt es seine Position und Macht auszuüben, schreit seitenweise durchs Telephon und wurde von mir nur quer gelesen, weil er mich nervte.
Die Menschen vor Ort sind eingespielt aufeinander, und lassen (fast) niemanden in ihr Leben; Bürgermeister, Gastwirt, Großgrundbesitzer werden beschrieben wenn sie allabendlich trinken, und Karten spielen.

Obwohl ich das Waldviertel sehr mag, bin ich mit diesem Krimi nicht wirklich warm geworden. Vielleicht geht es anderen Lesern & Leserinnen hier besser, viel Spaß !

Mittwoch, 7. Juli 2021

Beate Ferchländer : "Das Zimtschneckenfiasko"

Beate Ferchländer :
"Das Zimtschneckenfiasko"
2017, Emons Verlag
311 Seiten + 2 Seiten Danksagung
ISBN 978-3-7408-0172-4

Minerva, genannt Minnerl, unterrichtet mit Leidenschaft, bezaubert mit dem Oma Rezept der Zimtschnecken, lebt gesund und ökologisch und ist mit ebenfalls Lehrer Wolfram verheiratet. einziges Problem: sie will Kriminalautorin werden. Zweites Problem : eine ungute machtlüsterne Inspektorin soll die Schule bewerten und schafft Probleme. Mitte des Buches ist die Inspektorin ein Leiche, ihr Hund kläfft, und Minnerl hat alle Hände voll zu tun mit einem Call Boy, Videoaufnahmen der Inspektorin, und Probleme mit Überwachungstechnik. Mit Hilfe kann sie am Ende das Chaos so glätten, daß fast keine Nachteile für die Überlebenden sind, und sie ein neues Leben hat.

Die Kapitel sind bis Mitte des Buches nicht chronologisch, sondern bauen die Geschichte auf. Dazwischen sind in kursiv immer wieder einige Absätze mit immer kruder werdenden Gedanken abgedruckt.

Die Personen der Handlung und Seitenstränge sind mit Humor geschildert, wobei Autorin bei den Schilderungen der Lehrer und der Struktur der Lehrerschaft auf dem vollen zu schöpfen scheint. Es gibt die sexy junge Lehrerin mit kurzem Rock, und viel Humor; es gibt die bodenständige Freundin die bei Schülern und Kollegin wegen ihrer wenigen Probleme viele Freunde hat; es gibt die hochkorrekte aber dumme und humorlose Lehrerin die nicht merkt wenn sie auf der Schaufel ist; es gibt den braven biederen Lehrer, der keinerlei Rückgrat oder Werte hat; es gibt den netten freundlichen Lehrer der weil er EDV unterrichtet bei den Schülern beliebt ist; der Schuldirektor hat wenig Rückrat.
Zusätzlich gibt es noch besserwissende Schwiegereltern und einen knackigen Mann, der sich als hilfreich entpuppt.
Minnerl ist eine dünne Frau, die sehr auf Bio und gesund achtet, und vegane Schuhe trägt; eine Schiene die mich beim Lesen etwas nervt. 

Ort der Handlung ist das Weinviertel mit kleinem Ausflug nach Wien. 

Die Situationen sind am Anfang immer wieder sehr humorvoll, und leben von der Situationskomik die im Kopf abläuft. Gegen Ende wird es dann ziemlich skurril, obwohl der Grund des Mordes in sehr unguten Machtspielen und dem Loswerden eines ungewünschten Kindes liegen.

In Summe ein sehr unterhaltsamer Roman, bei dem ich immer wieder sehr Lachen konnte.

Samstag, 6. Februar 2021

Bernhard Görg : "Dürnsteiner Würfelspiel"

 Bernhard Görg :
"Dürnsteiner Würfelspiel" - ein Wachau-Krimi
2017, edition a, Wien
266 Seiten + vereinfachte Karte von Dürnstein und Rossatzbach in der vorderen Buch-Innenseite + vereinfachte Karte von Mautern und Unterloiben in der hinteren Buch-Innenseite
ISBN 978-3-90320-005-0

Eine Leiche in einem Weingarten bei Krems wird gefunden. Die Leiterin der Kremser Mordkommission Doris Lenhart muß nicht nur ermitteln, sondern sich auch mit einem aalglatten politischen Vorgesetzten auseinander setzen. Sie und Stellvertreter 'Spencer' ermitteln bei einer kurvigen Gemeinderätin, einem Chirurgen, einem Anästhesisten und brauchen leider auch die Mitarbeit eines einfachen Polizisten, der einige Schwierigkeiten verursacht. Mühsam und trotz der Schikanen des neuen Vorgesetzten recherchieren sie in der Vergangenheit um Kindergrausamkeiten und ein Würfelspiel aufzudecken.

Wenn man sich in der Gegend Krems, Stein, Mautern, Rossatzbach etc auskennt macht das Lesen Spaß, da als Leseratte möglich geistig mitzufahren.  

Die Personen der Handlung und auch kurzzeitige Nebenpersonen sind mit Humor und Einfühlungsvermögen geschildert und bringen zum Schmunzeln. Bei Schilderung des schmierigen ehrgeizigen Vorgesetzten und seinen Intrigen wäre interessant zu wissen ob es hier eine konkrete Vorlage gab, die es zu karikieren galt.

In Summe ein gut zu lesender Krimi, dessen Stärke meiner Ansicht nach bei den Personenbeschreibungen ist. Viel Spaß beim Lesen !

Bernhard Görg wurde am 9. Februar 1942 in Horn in Niederröstereich geboren.  Er studierte Geschichte und Jus in Wien. Er arbeitete bei IBM, später für die ÖVP, wobei er zwischen 1996 und 2001 Vizebürgermeister von Wien war. Nach dem Ausscheiden aus der Politik begann seine Karriere als Sachbuch- und Krimiautor.

Freitag, 16. Oktober 2020

Christian Schleifer : "Tod in Perchtoldsdorf"

Christian Schleifer :
"Tod in Perchtoldsdorf" - ein tragisches Kriminallustspiel in fünf Aufzügen
2020, emons Verlag
266 Seiten
ISBN 978-3-7408-0818-1

Bei der "Romeo und Julia" Premiere der Sommerfestspiele in Perchtoldsdorf wird der "Romeo" ermordet. Die Winzerin und ehemalige Polizistin Charlotte Nöhrer bringt zwar gerade ihren neu gekellterten Wein unter das Publikum, schafft es aber doch einiges in Erfahrung zu bringen. Sie hilft der Witwe des berühmten ermordeten Schauspielers, sie fragt ihren Cousin bei der Polizei und engagiert sich für den von den Eltern übernommen Heurigen mit Prachtblick. Ihre Lebensgefährtin hilft ihr bei Heurigen und Recherche. Eine weitere Schauspielerin wird ermordet. Der Bürgermeister und Chef der lokalen Weininnung verhält sich unprofessionell und zerstörerisch. Am Schluß ist klar, daß er der Ermordete zwar berühmt, aber ein rücksichtsloser Erpresser und sehr unangenehmer Zeitgenosse gewesen war, und es gibt eine überraschende Auflösung des Mordes.

Inhaltlich wird viel über die Intrigen am Theater erzählt und unterhaltsame Typen vor und hinter der Bühne geschildert. Der andere inhaltliche Pfad erzählt von Modernisierung beim Heurigen, wie man Publikum gewinnt und Zusatzideen bringt.

Die Menschen der Handlung sind interessant und vielfältig. Es gibt von der betrogenen Ehefrau die temperamentvoll ist, der kleine verliebten Geliebten, der berechnenden Geliebten, dem dicklichen Regisseur, den versteckten Liebhaber, die gutmütige Großmutter, die italienische Gastfamilie, König Fußball, Neidern bei den Winzern alles im Angebot

Ein stilistisches Element macht mich beim Lesen etwas "kirre", nämlich wenn vor die Namen der Menschen bestimmende Artikel gesetzt werden. Diese Eigenheit mag ich auch nicht im gesprochenen Deutsch.

Der Krimi war für mich etwas mühsam zu lesen, aber unterhaltend. Mitraten des who-dunnit ist möglich. Viel Spaß beim Lesen.

Freitag, 28. Juni 2019

Ernest Zederbauer : "Da draussen im Wald"

Ernest Zederbauer :
"Da draussen im Wald" - ein Waldviertel Krimi
2014, Styria Verlag
152 Seiten
ISBN 978-3-222-13443-2

Der Förster wurde in einem dunklen Wald- und Felsteil im schönen Waldviertel erschossen aufgefunden. Dorfpolizist Raffl und Kripo Ebert recherchieren bei der Witwe und im Klatsch des Dorfes. Viel boshaftes das sonst unter der höflichen Fassade des Dorflebens begraben ist, kommt ans Tageslicht. Erst dem Verdacht der Witwe daß ihr Ehemann eine Freundin gehabt haben könnte und nach Canada wollte, hilft auf die Spur des eifersüchtigen, besitzergreifenden und jagenden Mörders.

Ort der Handlung sind ein Ort im Waldviertel, ein Försterei gebiet mit Forsthaus, und ein Heurigen bei Krems.

Die Menschen sind sehr unterschiedlich. Witwe Susanne ist Lehrerin, hat für mystische Plötze und Wald viel übrig und war über die Kinderlosigkeite ihrer Ehe sehr unglücklich; sie ist in ihren Gedanken und Entwicklungen  Dorfpolizist Raffl muß sich den örtlichen Gepflogenheiten anpassen, was ihm nicht immer leicht fällt; er füllt sich zur Witwe hingezogen, was ihm schlechtes Wissen macht. Der hinzugezogene Polizist Ebert trampelt auf den Menschen herum und hält alle für schuldig. Die Freundin des Ermordeten ist durchaus sympathisch, hat aber beim Ehemann einen schlechten Griff getan.

Die Geschichte ist spannend geschrieben, wobei mir der Showdown am Schluß mit den Damen unnötig brutal wurde.

In Summe ist der Krimi gute Unterhaltung. viel Spaß beim Lesen !

Ernest Zederbauer wurde 1947 in Unserfrau bei Weitra (NÖ) geboren. Er war Spengler, und ist jetzt in der Pension Fremdenführer in Weitra. 2013 erschien sein erster Krimi "Mord an der Grenze"

Sonntag, 10. März 2019

Werner Baumüller : "Veltliner-Rausch"

Werner Baumüller :
"Veltliner-Rausch"
Kriminalroman
2018, emons verlag GmbH
217 Seiten
ISBN 978-3-7408-9

Pfarrersschwester und Hobby-kriminologin Hemma ist zwei verschiedenen Tätern auf der Spur. Vier Viehbauernhöfe gehen in Flammen auf, einer davon wird verdächtigt, während parallel ältere Frauen plötzlich obszön reden und vier Wochen später sterben. Der Pfarrer ist keine Hilfe in diesem sympathischen Weindorf, nur der Langzeitverehrer und Polizist Huber. Am Schluß gibt es ziemlich unerwartete Lösungen der beiden Fällen, die nochdazu verquiqut sind.

Hemma ist ein wunderbare Köchin, Organistin und an Mitmenschen interessierte Persönlichkeit. Ihr Bruder Pepperl ist da abgehobener, liebt die lateinische Messe und feilt an Predigten; ab und zu blitzt Humor auf. Hubert ist ein freundlicher Polizist der etwas länger braucht um in Fahrt zu kommen; er und Hemma treffen sich einmal pro Woche gemütlich zum Essen. Gerlinde ist eine gute Freundin von Hemma. Die "narrische Nani" ist als gottesfürchtige Frau bekannt, die sich liebevoll um kranke Menschen kümmert. Es gibt den älteren Gemeindearzt, und einen jüngeren der im Nachbarort im Krankenhaus arbeitet.

Ort des Krimis ist ein Weinort mit Kirche, und Polizei und vielen Bauernhöfen. Es gibt auch einen Versicherungsmakler, und einen reisenden Makler. Feste werden zur Taufe, zum ersten Mai, und zu Pfingsten gefeiert.

Die Geschichte ist humorvoll erzählt und folgt Hemmas Taten und Gedanken.

Mitraten wer der oder die Täter ist oder sind, ist möglich, aber nicht ganz einfach. Spannender ist es Hemmas Windungen und Temperament zu folgen. Viel Spaß beim Lesen !

Werner Baumüller wurde am 20. Dezember 1956 in Kollerschlag / Oberösterreich geboren. Er arbeitete als Werbetexter in Wien und Düsseldorf. 1985 gründete er mit seinen Brüdern die Werkstatt Kollerschlag als Basis für Kunstprojekte. ist Kunstmanager und Buchautor. 2005 erschien "Die Essigmutter", und 2017 "Veltiner-Leich".

Freitag, 22. Februar 2019

Wolfgang Fenz : "Mit den Bienen kam der Tod"

Wolfgang Fenz :
"Mit den Bienen kam der Tod"
2016, Verlag CCU Perchtoldsdorf
173 Seiten
ISBN 978-3-9503849-7-0

Der in seiner Pension als Imker tätige Karl Schachner ist die zentrale Gestalt dieses Buches. Er wird zur Schwägerin gerufen, als viele Bienen in ihr Haus kommen, genauso wie er der Polizei einige Schlüsselhinweise gibt und mit seiner Hündin Riga bei einer Entführung zur Lösung beiträgt.

Sympathisch sind die zwei Polizisten, die Schwägerin und ein aufgeweckter Bub mit seiner alleinziehenden Mutter gezeichnet. Eine übergeordnete Polistin ist eine unfreundliche Gegenperson. Karl selber war vor seiner Zeit als Hobby-Imker  LKW-Fahrer gewesen, verbringt seine Zeit jetzt mit einer ehemaligen Polizeihündin, die ihm und dem Buben treu zur Seite steht und genießt den Sommer.

Die Gegend ist im südlichen Niederösterreich mit einem kleinen Ort indem sich alle Menschen kennen, gute Lauf- und Radrouten sind, eine verfallene Ruine und ein Gasthaus mit excellenter Küche.

Es ist kein Mitraten wer hinter dem Einsatz der Bienen gegen Menschen(leben) ist möglich. Diese Figur beginnt sich sehr schemenhaft abzuzeichnen, und bleibt es auch.

Die Geschichte ist gemütlich, unterhaltsam und spannend geschrieben, ohne daß die Fingernägel in Gefahr sind. Eigentlich sind die Fragen nicht restlos geklärt - das warum und warum die Bienen eingesetzt werden, bleibt offen. Der Prolog bleibt komplett offen, und wird im Folge-Krimi gelöst, was aber kein Unbehagen auslöst.

Viel Wissenswertes über Bienenverhalten und Honiggewinnung steht in diesem Buch. Es wird aber nicht aufdringlich, sondern genau passend angebracht.

Viel Spaß beim Lesen.

Wolfgang Fenz wurde 1956  in Seebenstein geboren. Vor seiner Pensionierung war er als Leiter für forschung und Entwickliung im Maschinenbau tätig und war viel auf Reisen. Bei einem Urlaub in Kärnten kam über Familienwunsch der erste Bienenschwarm in seinen Garten. Mittlerweile betreut er 20 Bienenstöcke, und gibt sein Wissen auch an Schulkinder seiner Umgebung weiter.

Freitag, 12. Oktober 2018

Lisa Lercher : "Jenseits auf Rezept"

Lisa Lercher :
"Jenseits auf Rezept"
Kriminalroman
2018, Haymon Verlag
266 Seiten + 2 Seiten Glossar (nieder/österreichische Ausdrücke)
ISBN 978-3-7099-7898-6

Polizist Paul Eigner ist froh wieder in einer (fiktiven) Gemeinde in der schönen Wachau zu arbeiten. Kaum Verbrechen, und nur Einbruchsschulung sind der Ausblick. Diesmal stört die Leiche einer schönen Physiotherapeutin und eine übersinnlich begabte Tochter einer älteren zu Tode gekommenen Frau die Ruhe. Recherchen bei Arztpraxis und Physiobereich bringen einigen Verdächtige. Letztendlich gibt es einen überraschenden Mörder mit sehr klassischem Motiv.
Nebenbei emanzipiert sich seine Schwester von dem seitenhüpfenden Ehemann, und es beginnt sich zarte Liebe bei ihm selbst anzubahnen.

Der Roman ist sehr gut lesbar.
Die dargestellten Personen sind gut vorstellbar : Paul Eigner selbst mit Glatze und gutmütig, seine Schwester die die Marillenernte organisiert tough, der schmierige anlassige Schwager, seine freundliche Tochter und Enkelsohn, der engagierte attraktive junge Arzt, seine bissige als Dame auftretende Mutter, das Physiotherapeutenteam, Polizistinnen mit denen Eigner zusammenarbeitet und einem Fast-Chef mit dem es nur Probleme gibt.

Wer Fußball mag, findet zwei Seiten mit Spielbeschreibungen. Wen es in die Pathologie zieht, der findet auch seine Details.
Der Hintergrund von Abrechnungen an die Krankenkassen und daß es Möglichkeiten zum Mogeln gibt, war interessant zu Lesen.
Die Umgebung der Wachau rund um den fiktiven Ort ist real, und für Wachau-Liebhaber zum Grinsen.

Am Cover ist der Schatten einer Katze; diese Entscheidung des Verlags kann ich nicht nachvollziehen, da in dem Krimi keine Katze relevant ist.

In Summe in sehr nett lesbarer Roman, der gut unterhält und von Wetter, Arbeitssorgen gut abzulenken versteht. Viel Spaß beim Lesen !

Lisa Lercher wurde am 13. Februar 1965 in Hartberg geboren. sie studierte Erziehungswissenschaften und arbeitet dann in Organisationen gegen Gewalt. Zuerst veröffentlichte Sie Sachbücher gegen Gewalt, später entstanden daraus ihre ersten Krimikurzgeschichten und -romane. Ihr bekanntestes Buch "die Mutprobe" entstand 2006 und wurde 2009 mit exzellenten Schauspielern verfilmt.

Montag, 18. Juni 2018

Christine Neumeyer : "Spargelmorde"

Christine Neumeyer :
"Spargelmorde"
2017, Kriminalroman Verlag NY
257 Seiten
ISBN 978-0997757972

Elfriede Volkmann als Polizistin in Wien wird zu dem Mord an ihrem ehemaligen Lehrer in Spargelstein gerufen. Wenig später wird eine Leiche in Schloß Hof gefunden, und dann noch eine wieder in Spargelstein. Elfriede hat nicht nur den Fall zu lösen, sondern auch Probleme innerhalb der Polizei und daß ihr Vater im Nachbarorts Spargelsteins ihre Aufmerksamkeit möchte. Spät entdeckt sie daß moralische Engstirnigkeit betreffend Homosexualität zu den Morden geführt hatte.

Die Geschichte wird fast ohne Charme erzählt, nur der frisch gefangte Polizist mit seiner Angst, und der vorgesetzter Heinz Huber der in Pension gehen wird sowie die beste Freundin Psychologin Sylvia mit ihren Beziehungsproblemen sind als sympathische Menschen geschildert. Die anderen sind meist sehr ungemütlich, engstirnig und verbohrt.
Die Menschen sind unterschiedlich. Elfriede als burschikose Polizistin die mit Panikattacken durch den Nazi-, dann Monarchie-wahn ihres Vaters fertig werden muß. Huber der sich auf die Pension und die Fahrt mit dem Motorrad freut. der neue Polizist Grün zaubert am Computer. Der Spargelwirt wird als extrem charmanter wirt geschilder. Der geistig einfache Sebastian wird als hilfreicher sehr gläubiger Mensch beschrieben, der Pfarrer ist von den christlichen Werten so überzeugt, daß er die Menschen ringsum vergißt.

Eine Romanze zwischen Elfriede und Heinz Huber bahnt sich an, trotzdem einer der Mitarbeiter um Elfriede wunderschöne Augen hat.

Das Buch hat mich sprachlich nicht angesprochen.

Witzig wird es wenn ein bekannter Spargeltempel im Marchfeld beschrieben wird. Die beschriebene Sammelleidenschaft von Gegenständen aus der Monarchie und der Zwischenkriegszeit aus dem Militär- oder Privatbereich ist jedem der die Vorlage zu dem Lokal kennt bekannt.

Hoffentlich gefällt der Krimi anderen besser als mir.

Christine Neumeyer wurde 1965 in Straßhof (Marchfeld, Niederösterreich) geboren. Nach Abschluß der HAK arbeitete sie lange im Direktionsbüro des Belvedere. 2013 erschien ihr erster Marchfeld-Krimi.

Mittwoch, 3. August 2016

Alfred Komarek : "Polt"

Alfred Komarek :
"Polt"
Kriminalroman
2009, Haymon Verlag Innsbruck-Wien
163  Seiten
ISBN 978-3-85218-604-7

Simon Polt, ist ex-Gendarm im Wiesbachtal. Er hilft im Nahversorgungsladen des Ortes aus und sitzt damit bei Frau Aloisa an der Quelle des Dorftratsches; die Abende verbringt er mit Freundin Karin oder mit alten Freunden vor oder in deren Presshäusern und Weingärten. Als ein unbekannter Toter in den Weingärten gefunden wird, wird ein ortsfremder Kriminalist geschickt, gegen den eine Wand des Schweigens entsteht. Auch Polt kommt auf seine Art hier zu klären wenig weiter. Am Schluß ist Gewalt der Schlüssel des Mordes.

Die Menschen sind zurückhaltende Weinbauern, die niemandem, schon gar keinem fremden Polizisten trauen. Polt ist einer von ihnen; der Kommisar Primel der geschickt wird hat es schwer, auch weil er als ehemaliger Alkoholiker keinen Wein mehr anrührt. Ortspolizist Nobert gilt als ehrgeiziger Mann, der durch einen Weingarten und Presshaus aber ernst genommen wird. Häusliche Gewalt, v.a. gegen Frauen, ist leider etwas normales, wird aber weniger selbstverständlich akzeptiert als in der Generation davor.

Die getrunkenen Weine sind sehr unterschiedlich: von sehr saurem irgendwie gemischten Trauben bis zu önologisch feinen Tropfen wird alles beschrieben.

Polt liebt die Kellerstraße. Leider geben immer mehr Weinhauer diese Kellerlokale auf. Witzig sind die Situationen, indenen für eine Filmszene plötzlich Schulkinder organisiert und ein Festl verschoben wird, damit sich in der Kellergasse was tut. Auch aus dem Nachbardorf kommen Menschen, woraus sich wider alle Üblichkeiten Kontakte für die Zukunft ergeben.

Die Zukunft für Polt wird auch privat anders, da ihm eröffnet wird daß seine langjährige Freundin von ihm schwanger ist. Wie die beiden die ihr gewohntes sehr eigenes Leben habe, diese Situation besprechen, ist langsam und sehr liebevoll beschrieben.

Sein Kater heißt Czernohorski, kurz Czerno genannt. (Im Film ist es ein dicker roter Kater).

In Summe ein schön lesbares Buch, bei dessen Lesen, mir der Film (u.a. mit den Schauspielern/-innen Steinhauer, Karl, Orth, Rehberg, Obonya, etc.) vor Augen war, der sich v.a. in den Dialogen sehr genau an das Buch hält. Viel Freude beim Lesen !

Alfred Komarek wurde am 5. Oktober 1945 in Bad Aussee geboren. Er arbeitete neben dem Jus-Studium am Journalist und schrieb Texte, später wurde daraus Texte fürs Radio. Seine Texte wurden im ORF, und auch dem Bayerischen und Hessischen Rundfunk ausgestrahlt. Am bekanntesten sind diejenigen für die Natur Serie "Universum".
1998 erschien der erste von bisher sieben Kriminalromanen mit dem Gendarmen "Polt" der im niederösterreichischen Weinviertel nahe der tschechischen Grenze spielt. 2004 erschien der erste der bisher vier Kriminalromane mit Daniel Käfer, die in und um Bad Aussee spielen
Er lebt als freier Autor in Wien, Bad Aussee und in Niederösterreich.

Dienstag, 21. Januar 2014

Jacqueline Gillespie : "Schade um die Lebenden"

Jacqueline Gillespie :
"Schade um die Lebenden" - Ein Schneeberg-Krimi
2013, Haymon-Verlag, Innsbruck-Wien
182 Seiten
4 Seiten Glossar mit umgangssprachlichen Ausdrücken
ISBN 978-3-85218-918-5

Der Kriminalroman am Schneeberg erzählt eine etwas krude Geschichte mit zwei Morden, einem Unfall, drei Kriminalbeamten aus der Sicht von zwei Erzählperspektiven.

Charlotte von Schwarz, 'die Schallott', wird nach einem Fest ermordet aufgefunden. Mögliche Täter sind die Familie oder ein ortsbekannter Besoffener, der die Gastgeberin zu einer Ohrfeige provoziert hatte. Sie war aus Deutschland als zweite Gattin mit Herrn von Schwarz gekommen, und hatte sich nie wirklich wohl gefühlt - trotz des gemeinsamen Sohnes, der ein genialer junger Violinist ist. Die Söhne aus der ersten Ehe sind unterschiedlichst - der eine ein Berg-& Natur-Fan, der andere der von der großen Politik träumt. Erst nach dem zweiten Mord und dem Unfall ist klar, wer den Mord warum begangen hatte.

Den Krimi erzählen eine ältere Frau aus Nieselbach, Frau Apollonia, aus Ich-Sicht mit ihren niederösterreischen Satzsstellungen und ostösterreichischen Dialekt-Vokabeln. Sie schaut sich die menschliche Seite an und denkt über deren Verhalten nach.
Auf der anderen Seite stehen Polizeijurist Dr. Patrick Sandor (er hat seinen Zweitwohnsitz in Neiselbach), Kriminalinspektor Müller (vornamenslos) und der Revierinspektor Simon Singer. Hier ist die klassische Krimibetrachtung, in der aus der Außensicht und in Schriftdeutsch beschrieben wird.

Nieselbach ist der fiktive Ort der Handlung. Kirche, Pfarrer, Gasthaus, Bauern, Wiener Gäste etc - alles ist vorhanden. Das soziale Leben wird genauer geschildert; wer mit wem redet oder gemeinsam trinkt ist wichtig. Zur Erzählerin kommen die diversen Menschen in ihren Nöten um einfach reden zu dürfen. Die Liebesgeschichte zwischen dem Kriminalinspektor Müller und seiner Lisi findet Platz, genauso wie der Wunsch geliebt zu werden von Thesi, einem unglücklich agierenden leider unhübschen sechszehnjährigen Mädchen des Dorfes, das noch dazu immer mit ihrer Mutter im Krach ist.

Der Titel wird im letzten Satz genannt, da die Lebenden mit den Scherben aus den Morden umzugehen haben.

Die Geschichte ist gut; leider berührt mich keine der Personen. Wer einen Krimi sucht, der in naßkalten Bergen und doch Sommerhitze spielt, ist bei diesem Roman sicher gut aufgehoben.

Jacqueline Gillespie wurde 1958 als Tochter einer Wienerin und eines Schotten in Wien geboren. Sie studierte Romanistik (Mag.Dr.phil) und war etliche Jahre im Managementbereich tätig. Sie absolvierte die Ausbildung zur Reittrainerin an der Wiener Neustädter Militärakademie. Seit 2001 schreibt sie hauptberuflich. 2004 erschien "Nimm dir was du willst" (Verlag Pro Mente), 2006 "Alles was Recht ist" ( Edition Innsalz) ihr zweiter Kriminalroman. "Schade um die Lebenden" ist ihr dritter Kriminalroman. Sie lebt in Miesenbach/Bezirk Wiener Neustadt in Niederösterereich .

Mittwoch, 4. Juli 2012

Annie Hruschka : "Schüsse in der Nacht"

Annie Hruschka :
"Schüsse in der Nacht"
erstmals 1914 erschienen
2007, Verlag Federfrei, Marchtrenk
Edition 'Alte österreichische Krimi-Meister'
216 Seiten
ISBN 978-3-9502370-4-7

Der unterhaltsame, gut geschriebene Rätselkrimi beinhaltet alle netten Inkredienzien eines etwas altmodischen Krimis - mit zeitlosem Mordmotiv.

Die Zwillingen Mara und Jolanthe sind wunderschöne junge Damen mit sehr unterschiedlichem Wesen und Charakter, leben daheim bei Vater, einem wissenschaftlich denken Ritter und ihrer hübschen jungen Stiefmutter, und deren Patenonkel der sich liebevoll um das Anwesen um das Schloß kümmert. Eine der Töchter hat einen Verehrer, was aber heimlich bleibt. Der Ritter wird erschossen aufgefunden. Polizei und Detektiv Silas Hempel machen sich auf die Suche nach Motiv und Mörder.
Während die einen Damen ihres Standes gemäß entweder vor der Wirklichkeit oder schal wirkender Verehrung davonreisen, findet die andere Trost darin den Gedanken des Vaters nahe zu sein. Während sich die Polizei auf einen Verdächtigen konzentriert, geht der Detektiv seinen Recherchen nach und löst am Schluß das Rätsel, indem auch so manche Existenz als sehr unehrenhaft und betrügerisch aufgedeckt wird.

Die Geschichte ist nett lesbar und vergnüglich geschrieben. Nur das sogenannte zarte Gemüt der Damen geht mir etwas auf die Nerven. Da sticht die klar kalkulierende Art einer der Schwestern ziemlich hervor.

Ort ist Kreuzstein bei Wien und es macht Spaß den Weingärten bei Wildgrube, Schreiberweg und Heiligenstadt gedanklich nachzugehen.

Die Personen sind anschaulich geschildert - sei es eine einfache Frau im Schloß, der treue Diener des Herrn, die liebevolle Tante des Verdächtigten, der herrlich kochende Hausdrachen des Detektivs. Mobiliar und Häuser ebenfalls. Der Film lief vor meinem geistigen Auge ab.

Im Summe ein sehr nettes Buch (nett ist österreichisch, nicht deutsch gemeint), das gut unterhält. Ich kann den Krimi und das gemütlich eintauchen in eine andere Zeit gut empfehlen.

Frau Annie Hruschka lebte in Östereich, und hat 15 Kriminalromane geschrieben - die meisten unter dem Pseudonym Erich Ebenstein. Leider habe ich nicht herausfinden können, ob das auch bei diesem Krimi der Fall war, und welcher der Erstverlag war.