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Freitag, 27. Dezember 2024

William Roy & Sylvain Dorange : "Hedy Lamarr"

William Roy & Sylvain Dorange :
"Hedy Lamarr" - Wienerin, Hollywoodstar, Erfinderin
original "The incredible Life of Hedy Lamarr"
2018, La Boite a Bulles
Aus dem Französischen von Yara Haidinger
2024, Bahoe Books
172  Seiten
ISBN 978-3-903478-20-6

Die Graphic Novel beginnt 1957 bei amüsantem Menschen erraten Quiz, zu einem Zeitpunkt an dem Hedy Lamarr als schönste Frau der Welt bekannt ist. Dann wird ihr Leben gezeichnet'/ erzählt : Kindheit in Wien, erste Filme, erster Ehemann, Übersiedlung nach USA, Filme, Ehen und Kinder, eigene Filmproduktion, Ansprechpartner für ihre technischen Erfindung in George Antheil, Sexistisches in der Filmbranche, spät aber doch Anerkennung ihrer technischen Erfindungen und was sie bewirken, und erleben, daß ehemals sehr schöne Frauen es im Alter nicht leicht haben.

Diese Graphic Novel erzählt die Geschichte ziemlich gerade oder Verzweigungen; leider gibt es mir zu wenig graphische Feinheiten in den Illustrationen - was für mich in Graphic Novels ein wichtiges Element ist.
Beispielsweise ist auf Seite 11 der Blick auf Wien ohne auch nur ein klassisches Wien-Bauwerk gezeichnet - Stephansdom und Riesenrad gab es in der Zwischenkriegszeit, und die Berge sind auch anders (hier erwarte ich von einer 30 EUR Graphic Novel doch bessere Recherche).

Das Leben dieser vermutlich sehr faszinierenden Frau wird wie in dem üblichen Nachschlagwerk im Internet erzählt; es gibt bis auf die sexistischen Bemerkungen kaum Neues zu entdecken, was mich enttäuschte.

Wer anfängt sich mit Hedy Lamarr zu beschäftigen für den ist diese Graphic Novel richtig; wer schon mehr weiß und graphisch mehr sehen möchte, weiß ich nicht ob zufrieden ist.

Montag, 15. Juni 2020

Andrea de Carlo : "Yucatan"

Andrea de Carlo :
"Yucatan"
Roman
original "Yucatan"
1986, Gruppo Editoriale
Aus dem Italienischen von Jürgen Bauer
1988/1991, Diogenes
250 Seiten
ISBN 978-3-257-219141-1

Dru Resnik, berühmter Regisseur aus ex-Yugoslavien, und sein britischer Assistent Dave, reisen in Amerika mit dem reichen Nesbitt, der einen Film produzieren möchte. Der Reise zwischen Los Angeles und Mexico schließen sich Nesbitts Freundin Elaine an, an der sich später deren Freundin Rickie anschließt. Eigentlich sollte sich Camaro, anschließen, und mit seiner Spiritualät einen neuen Film initiieren. Es kommen geheimisvolle Texte und Anrufe, die den Film inspirieren sollen. Dru, Dave, Nesbitt und Elaine fahren durch negative und positive Kraftorte in Mexico, billige und teure Hotels, billige und teure Gastronomiestätten; Dru gewinnt Frauen durch seine Ausstrahlung und läßt die anderen Männer damit stehen. Am Ende steht weder ein neuer Film, noch sonst etwas Neues.

In kursiv sind die Gedanken von Dru gesetzt, der sich mehr Initiative von Dave erhofft und seine Zweifel an seiner eigenen Kreativit für neue Filme hat.

Auf dem Cover der Rückseite wird von der Mystischen und metaphysischen seite Mittelamerikas geschrieben, was ich leider überhaupt nicht wahrgenommen habe.
Für mich ist der Roman ein Roadtrip von Suchende, mit ein bißchen Carlos Castaneda gewürzt. Für mich war auch der Weg der Reise kein Weg der Lernen brachte, da alle Positionen am Ende unverändert waren.
Etwas nervig war, daß der berühmte Regisseur fast alle hübschen Frauen in den Bann zieht.

Unterhaltsam ist das viele Herumfahren in den 80-er Jahren, ohne Handy, ohne Internet, dafür Offenheit für Spirituelles.

Leider ist mir der Roman zu langatmig geworden, und ich habe nur durchgehalten, weil ich wissen wollte welche Ende dem Autor eingefallen ist. Ein Lachanfall ist mir aber zuwenig.

Hoffentlich gefällt der Roman anderen Menschen besser als mir. 

Andrea De Carlo wurde am 11. Dezember 1952 in Mailand geboren. Er studierte Literaturwissenschaften, und arbeitete später als Photograph. 1981 erschienen sein bekannter  Roman "Creamtrain (Treno di panna)". Mittlerweile sind 20 Romane in 26 Sprachen übersetzt worden. Er ist auch als Rockmusiker und Maler künstlerisch kreativ, und arbeitete mit Fellini als Regieassistent.

Freitag, 6. Juli 2012

Hernán Rivera Letelier : "Die Filmerzählerin"


Hernán Rivera Letelier :
"Die Filmerzählerin"
original "La cantadora de películas"
2009, Aguilar Chilena de Ediciones, Santiago de Chile
aus dem Spanischen von Svenja Becker
2012, Insel Verlag Berlin
96 Seiten
ISBN 978-3-458-35822-0

Diese Erzählung/Novelle/kleine Roman erzählt eine berührende Geschichte eines Mädchens, das mit viel Phantasie Filme nacherzählt und dann auf dem Boden der Wirklichkeit landet.

María Margarita ist das jüngste von fünf Kinder und einziges Mädchen. Die Familie lebt in einer löchrigen Wellblechhütte nahe den Salpeterabbaustätten in Chile. Den familieninternen Wettbewerb wer am besten einen Kinofilm nachherzählen kann - die Familie kann sich nur eine Kinokarte leisten - gewinnt sie. Mit etwas Material, viel Phantasie und Einfühlvermögen ergänzt durch ihre Singstimme holt sie die Filme in die Hütte der Familie. Sie geht auch auf Besuch zu Menschen die nicht mehr ins Kino gehen können und legt sich einen Künstlernamen zu.
Die Wirklichkeit holt sie aus ihren Filmträumen als männlicher Übergriff, der erste Fernseher im Dorf, der Tod des Vaters, Pinochets Machtergreifung und das Abwandern der Brüder bis zum Auflassen der Minensiedlung sie alleine im Dorf zurücklassen.

Die Personen sind spürbar, aber nicht detailgenau gezeichnet. María Margarita erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht - auch daß die Mutter die Familie nach dem Unfall verlassen hatte, was ihre Brüder so tun, wie das Kino aussieht, wie sie sich die Filme erarbeitet (sie sieht es als Aufgabe die gut zu lösen ist).
Die Armut in der Siedlung, das Leben der Familien, die Alkoholsucht der Mienenarbeiter, die Kälte des Wucherers, die alten Weibleins die sich kaum mehr bewegen können aber irgendwo noch einen Laden haben den Verwandte führen - diese Umgebung ist mit paar Strichen wie ein Aquarell angezeichnet und greifbar.

Die Geschichte habe ich langsam gelesen und genossen - sie läßt einen Zauber zurück. Ich empfehle das Buch gerne weiter.

Sonntag, 8. April 2012

Viktorija Tokarjewa : "Der Baum auf dem Dach"

Viktorija (Samojlovna) Tokarjewa :
"Der Baum auf dem Dach"
original "Derevo na kryse"
aus dem Russischen von Angelika Schneider
2010, Diogenes Verlag AG Zürich
Roman
191 Seiten
ISBN 978-3-257-06749-1

Das Buch ist ein starker intensiver Roman, der sich meiner Ansicht nach mehr auf die Frauen konzentriert. Die Geschichte und die Personen haben mich fasziniert.

Im Mittelpunkt steht Vera. Sie stammt aus einem kleinen Dorf, möchte Schauspielerin werden, heiratet in eine Professorsfamilie und überlebt als einzige Hunger und Kriegswirren in Leningrad. Daß ihr damaliger Mann sie vor die Tür setzt, weil er ihre Lebensmittelkarten will, versteht sie sogar.
Nach dem Krieg arbeitet sie wieder im Theater, lebt heimlich in den Kulissen, hat eine Affäre mit einem jungen sehr kreativen, aber kranken Mann und wird gezwungen das/sein/ihr Kind abzutreiben.
Sie lebt weiter in den Kulissen und lernt den zehn Jahre jüngeren Alexander kennen. Wider Erwarten wird sie wieder schwanger, bekommt das Kind diesmal und mit Unterstützung von Alexanders Mutter, die glücklich ist einen Enkel zu haben, bauen die zwei 2 Frauen eine Familie um die Männer auf.
In der Zeit mit Alexander entstehen viele Filme und Vera wandelt sich von einer bläßlichen in eine starke, intensive, sehr russische Filmschauspielerin. Wenn sie nicht filmt oder spielt, sorgt sie für den reibungslosen Ablauf des Haushalts.
Alles könnte gut gehen, wenn Alexander nicht auch andere Frauen sehr sehr gut gefallen. Meist kommen und gehen sie. Vera versteht, daß ihr Mann hin und wieder inspirierende Abwechslung braucht. Eine aber wird aber wirklich wichtig : sie schreibt Drehbücher, ist verheiratet und hat eine Tochter. Wie die Geschichte weitergeht, wie sich wer entscheidet, oder nicht entscheidet, dazu sollte man das Buch selber lesen.

Mich haben die Schilderungen der Frauen in den Bann gezogen - Vera (Schauspielerin, Gattin, Mutter, Hausfrau, kümmert sich um alles), Margo - Alexanders Mutter (charismatische Frau die auf ihr Aussehen schaut, Chorleiterin, zieht gerne die Fäden, liebt ihren Sohn und ihr Enkelkind), Lena (schreibt Drehbücher, erhält ihre Familie, schreibt Bücher und Erzählungen, liebt verheirateten Mann auf dessen Entscheidung sie wartet), Rabja - Rebekka (Sohn von Iwan, Enkelin von Vera und Alexander, Kind einer Frau aus dem Dorf die Alexander und Vera nicht gut genug war, sie gibt Alexander Hoffnung).

Immer wieder blitzen die Situationen aus dem Regime der Sowjetunion auf, bei denen die Menschen in Freiheit und Kreativität gehemmt werden. Sie dürfen oder auch nicht ins Ausland, Filme werden gezeigt oder landen in der Schublade, Bücher werden veröffentlicht oder landen in der Schublade, irgendwelche Beamte greifen ein. Nach dem 'Prager Frühling' wurde es für die Kreativen enger, die 'Perestroika' gab allen Hoffnung und Aufschwung.

Mich hat der Roman fasziniert und in den Bann gezogen. Einzelne Bilder arbeiten noch in mir nach. Ich kann das Buch nur empfehlen.