Antti Tuomainen :
"Todesschlaf"
original "Synkkä Niin Kuin Sydämeni"
2013, Like Kustannus Oy, Helsinki
Aus dem Finnischen von Anke Michler-Janhunen
2014, List Taschenbuch
324 Seiten
ISBN 978-3-548-61229-4
Aleksi verliert mit 13 seine Mutter und sucht mit 31 noch immer nach ihr, nachdem er sich die Position des Hausmeisters bei einem charismatischen reichen älteren Ex-Industriellen erarbeitet hat. Dort lernt er die attraktive Tochter des Hauses kennen, den durchtrainierten Chauffeur und die Haushälterin und Köchin, die den ehemaligen Industriellen seit Langem kennt. Die kalt-heiße Art der Tochter bringt ihn durcheinander, ein alter Polizist und der ex-Industrielle krachen aneinander. Er spät entschlüsselt sich ihm wer wirklich seine Mutter getötet hat (es ist einer der ältesten Gründe).
Die Kapitel springen vom Zeitraum der Ermordung der Mutter Aleksis und der Suche nach ihrem Mörder, und werden alle aus Sicht von Aleksi beschrieben. Sie beschreiben seine Zielgerichtet, aber auch sein Unvermögen mit Menschen umzugehen oder wieder etwas Vertrauen aufzubauen.
Der Millionär wird als gut aussendend, mit Lächeln beschrieben, die Tochter als bildschön und eiskalt, der Chauffeur weiß daß er kräftig ist, die Köchin daß sie gut kocht. Der alte Polizist begleitet Aleksi seit dem Tod der Mutter und dürfte der einzig Vertraute sein. Es gibt einige Sex-szenen.
Der Originaltitel heißt laut automatischer Internetübersetzung "Dunkel wie mein Herz" was mir zur Geschichte besser gefällt, als der Titel der Übersetzung.
Die Geschichte ist sehr spannend geschrieben. Die Spannung zog mich in die Erzählung hinein. Das Ende hat dann ziemlich überrascht. Viel Spaß beim Lesen !
Antti Tuomainen wurde 1971 geboren. Der erste Roman "Tappaja, toivoakseni" erschien 2006. Sein Durchbruch war "Parantaja" / dt. 'Der Heiler' der 2010/2012 erschien.
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Montag, 24. Februar 2020
Samstag, 26. Dezember 2015
Arto Paasilinna : "Die Giftköchin"
Arto Paasilinna :
"Die Giftköchin"
Roman
original "Suloinen Myrkynkeittäjä"
1988, Wsoy, Helsinki
Aus dem Finnischen von Regine Pirschel
1998, BLT, Verlagsgruppe Lübbe, Bergisch Gladbach
204 Seiten
ISBN 3-304-92054-6
Linnea Ravaska ist eine charmante ältere Dame, Witwe eines Oberst, deren Ziehneffe sich brutal ihr gegenüber benimmt und ihr Einkommen verpraßt. Kauko findet daß es ihm als armen jungen arbeitslosen Menschen mehr zusteht als einer alten Dame - sie ist hier ziemlich anderer Meinung. Als ihr die Übergriffe zu viel werden, beschließt sie zu ihrem eigenen Schutz Gift bei sich zu haben. Wie die Situationen so spielen, wendet sich das Gift gegen zwei Kumpels von Kauko; Kauko selber besiegt ein ganz anderer Zufall. Als Ende verhilft ihr ein russischer Kapitän an der finnisch-russischen Wassergrenze charmant weiter; auch der Ausblick auf weitere charmante Unterstützung bleibt gewahrt.
Die erste Hälfte ist ein bißchen kolprig zu lesen da der sinnlosen Brutalität von Kauko/Kake, Jari und Pera viel Platz gegeben wird; dann bekommt die Geschichte viel Schwung und skurrilen Humor.
Die Personen sind schön beschrieben : Linnea die eine ältere gepflegte Dame ist, die auf sich achtet und sich elegant anzieht, und mit Charme und Freundlichkeit Menschen auf ihre Seite zieht;
Raako Kivistö ist Lizentiat der Medizin, und ein alter Freund und auch nach der Ehe Liebhaber der Dame; die drei Grobiane Kauko/Kake, Jari und Pera werden als brutal, versoffen, verfressen, unsensibel geschildert, einer der drei hat sogar eine liebe, etwas dumme Freundin, die er rücksichtslos prügelt; die Texte in denen sich die drei im Selbstmitleid drehen weil sie sich nur durch Gesetzlosigkeiten über Wasser halten können, aber die Welt für böse halten, sind tragikomisch skurril. Die Nebenfiguren sind ebenfalls unterhaltsam, auch wenn es nur kleine Partien sind wie die Psychologin, die sich über einen bodenständigen Mann erfreut, ein Päarchen das sich am Seitensprung erfreut, der russische Kapitän der sich freut als Überraschungsgast eine Offizierswitwe zur Unterhaltung zu haben ...
Ort der Handlung ist zuerst ca. 50 km von Helskinki entfernt, und dann die Stadt selber und auf dem Wasser; es werden Autos und Schiffe gekapert - leider oft zerstört oder beschädigt zurückgelassen.
Ich habe das Buch an einem wettergrauen Tag gelesen und mich gut dabei unterhalten. Viel Spaß beim Lesen !
Arto Paasilinna wurde am 20. April 1942 in Kittilä geboren. Seine Eltern arbeiteten bei der Polizei. Er absolvierte eine Ausbildung bei einer Zeitung und arbeitete dann als Redakteur bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. Sein erster Roman 'Operaatio Finlandia' erschien 1972 .Seine Bücher wurden in 45 Sprachen übersetzt, viele Romane sind verfilmt worden. Er lebt heute mit seiner Familie im südfinnischen Espoo-Westend, nahe Helsinki.
"Die Giftköchin"
Roman
original "Suloinen Myrkynkeittäjä"
1988, Wsoy, Helsinki
Aus dem Finnischen von Regine Pirschel
1998, BLT, Verlagsgruppe Lübbe, Bergisch Gladbach
204 Seiten
ISBN 3-304-92054-6
Linnea Ravaska ist eine charmante ältere Dame, Witwe eines Oberst, deren Ziehneffe sich brutal ihr gegenüber benimmt und ihr Einkommen verpraßt. Kauko findet daß es ihm als armen jungen arbeitslosen Menschen mehr zusteht als einer alten Dame - sie ist hier ziemlich anderer Meinung. Als ihr die Übergriffe zu viel werden, beschließt sie zu ihrem eigenen Schutz Gift bei sich zu haben. Wie die Situationen so spielen, wendet sich das Gift gegen zwei Kumpels von Kauko; Kauko selber besiegt ein ganz anderer Zufall. Als Ende verhilft ihr ein russischer Kapitän an der finnisch-russischen Wassergrenze charmant weiter; auch der Ausblick auf weitere charmante Unterstützung bleibt gewahrt.
Die erste Hälfte ist ein bißchen kolprig zu lesen da der sinnlosen Brutalität von Kauko/Kake, Jari und Pera viel Platz gegeben wird; dann bekommt die Geschichte viel Schwung und skurrilen Humor.
Die Personen sind schön beschrieben : Linnea die eine ältere gepflegte Dame ist, die auf sich achtet und sich elegant anzieht, und mit Charme und Freundlichkeit Menschen auf ihre Seite zieht;
Raako Kivistö ist Lizentiat der Medizin, und ein alter Freund und auch nach der Ehe Liebhaber der Dame; die drei Grobiane Kauko/Kake, Jari und Pera werden als brutal, versoffen, verfressen, unsensibel geschildert, einer der drei hat sogar eine liebe, etwas dumme Freundin, die er rücksichtslos prügelt; die Texte in denen sich die drei im Selbstmitleid drehen weil sie sich nur durch Gesetzlosigkeiten über Wasser halten können, aber die Welt für böse halten, sind tragikomisch skurril. Die Nebenfiguren sind ebenfalls unterhaltsam, auch wenn es nur kleine Partien sind wie die Psychologin, die sich über einen bodenständigen Mann erfreut, ein Päarchen das sich am Seitensprung erfreut, der russische Kapitän der sich freut als Überraschungsgast eine Offizierswitwe zur Unterhaltung zu haben ...
Ort der Handlung ist zuerst ca. 50 km von Helskinki entfernt, und dann die Stadt selber und auf dem Wasser; es werden Autos und Schiffe gekapert - leider oft zerstört oder beschädigt zurückgelassen.
Ich habe das Buch an einem wettergrauen Tag gelesen und mich gut dabei unterhalten. Viel Spaß beim Lesen !
Arto Paasilinna wurde am 20. April 1942 in Kittilä geboren. Seine Eltern arbeiteten bei der Polizei. Er absolvierte eine Ausbildung bei einer Zeitung und arbeitete dann als Redakteur bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. Sein erster Roman 'Operaatio Finlandia' erschien 1972 .Seine Bücher wurden in 45 Sprachen übersetzt, viele Romane sind verfilmt worden. Er lebt heute mit seiner Familie im südfinnischen Espoo-Westend, nahe Helsinki.
Donnerstag, 15. März 2012
Constantin Göttfert : "Satus Katze"
Constantin Göttfert :
"Satus Katze"
2011, C.H.Beck, München
Roman
132 Seiten
ISBN 978-3-406-62164-2
Katze am Cover, Katze im Titel, und ich dachte das kann schön werden. Katzen gibt es im Buch - mystische die alles überleben, kleine die getötet werden, alte die auf der Theaterbühne machen was sie wollen.
In dem Roman sind verschiedene Stränge die mir verschieden gut gefallen. Der Hauptstrang ist der des Auslandsstudenten aus Wien in Finnland, der sich weigert finnisch zu lernen, der wenige Kontakt hat aber mit der Germanistikprofessorin Dr. Karjalainen eigenartig viel Kontakt hat. Sie erzählt ihm von Kalevala und Louhi, der starken Frau in der finnischen Mythologie, nach der er ein gerettetes Kätzchen nennt. Sein Geschichtsstrang ziemlich springt zwischen Aufenthalt in Finnland und Wien nachher, als ihn ein Theaterposter mit Katze an Finnland erinnert.
Dieses Theaterposter führt zu einem kursiv gedruckten Text von Satu, der die Erinnerungen an seine Eltern erzählerisch festhält, deren gemeinsam unglücklich sein, bis zum Krankenhausaufenthalt der Mutter und Selbstmord des Vaters führt. Die letzten Tage des Vaters hat ihn eine große eigentümlich krank wirkende Katze begleitet. Dieser Strang hat mich fasziniert und ich finde ihn stark und eindrücklich.
Kurzer Nebenstrang ist Dr. Karjalainen und ihrer unglücklichen Ehe gewidmet. Ihr Mann ist von einem Elternteil her Deutscher und gilt als solcher als Feind aus dem zweiten Weltkrieg. Er hat keine Chance auf Arbeit aber weiß viel über Wald und Sagen. Das gemeinsame Kind erstickt an einer Katze.
Die Erotik die den Studenten mit der Professorin in Finnland und auch mit der Schauspielerin des Satu-Textes in Wien verbindet, ist kalt und ziemlich unsinnlich.
Als kalt und distanziert wird auch das Miteinanderleben der Studenten etc. in Finnland beschrieben : nur dumpfes Herumsitzen und trinken. Als einer der finnischenStudenten in der klirrenden Kälte draußen erfriert, kann niemand die Fragen des Vaters beantworten.
Die Menschen in den Buch sind jeder in sein Leben vertieft - Kommunikation findet selten bis mühsam statt. Hoffnung ist keine zu spüren.
Ob ich das Buch empfehlen kann ? Die mythologischen finnischen Elemente habe mir gut gefallen, die Art und Weise mit Katzen umzugehen nur bedingt und die kühle Art der Menschen wenig.
"Satus Katze"
2011, C.H.Beck, München
Roman
132 Seiten
ISBN 978-3-406-62164-2
Katze am Cover, Katze im Titel, und ich dachte das kann schön werden. Katzen gibt es im Buch - mystische die alles überleben, kleine die getötet werden, alte die auf der Theaterbühne machen was sie wollen.
In dem Roman sind verschiedene Stränge die mir verschieden gut gefallen. Der Hauptstrang ist der des Auslandsstudenten aus Wien in Finnland, der sich weigert finnisch zu lernen, der wenige Kontakt hat aber mit der Germanistikprofessorin Dr. Karjalainen eigenartig viel Kontakt hat. Sie erzählt ihm von Kalevala und Louhi, der starken Frau in der finnischen Mythologie, nach der er ein gerettetes Kätzchen nennt. Sein Geschichtsstrang ziemlich springt zwischen Aufenthalt in Finnland und Wien nachher, als ihn ein Theaterposter mit Katze an Finnland erinnert.
Dieses Theaterposter führt zu einem kursiv gedruckten Text von Satu, der die Erinnerungen an seine Eltern erzählerisch festhält, deren gemeinsam unglücklich sein, bis zum Krankenhausaufenthalt der Mutter und Selbstmord des Vaters führt. Die letzten Tage des Vaters hat ihn eine große eigentümlich krank wirkende Katze begleitet. Dieser Strang hat mich fasziniert und ich finde ihn stark und eindrücklich.
Kurzer Nebenstrang ist Dr. Karjalainen und ihrer unglücklichen Ehe gewidmet. Ihr Mann ist von einem Elternteil her Deutscher und gilt als solcher als Feind aus dem zweiten Weltkrieg. Er hat keine Chance auf Arbeit aber weiß viel über Wald und Sagen. Das gemeinsame Kind erstickt an einer Katze.
Die Erotik die den Studenten mit der Professorin in Finnland und auch mit der Schauspielerin des Satu-Textes in Wien verbindet, ist kalt und ziemlich unsinnlich.
Als kalt und distanziert wird auch das Miteinanderleben der Studenten etc. in Finnland beschrieben : nur dumpfes Herumsitzen und trinken. Als einer der finnischenStudenten in der klirrenden Kälte draußen erfriert, kann niemand die Fragen des Vaters beantworten.
Die Menschen in den Buch sind jeder in sein Leben vertieft - Kommunikation findet selten bis mühsam statt. Hoffnung ist keine zu spüren.
Ob ich das Buch empfehlen kann ? Die mythologischen finnischen Elemente habe mir gut gefallen, die Art und Weise mit Katzen umzugehen nur bedingt und die kühle Art der Menschen wenig.
Freitag, 21. Oktober 2011
Matti Rönka: "Bruderland"
Matti Rönka :
"Bruderland"
- Kriminalroman
original "hyvä veli, paha veli"
2003 Gummerus Kustannus Oy, Helsinki
aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara
Deutsche Erstausgabe, 2008, Grafit Verlag GmbH, Dortmund
217 Seiten
ISBN 978-3-89425-656-2
Viktor Kärppä lebt in Helsinki und organisiert Arbeiter für Baustellen. Zmindest ist das der offizielle Job. Früher hat er für die russische und die finnische Schimannschaft Dopingmittel und andere Drogen besorgt. Durch seinen Vater kann er russisch, durch die Familie seiner Mutter finnisch. Diese Sprachkenntnisse setzte er bei auch bei Übersetzungen für Arbeitsvermittlungen ein.
Der Polizist Korhonen, der christliche Zitate von sich gibt und leise christliche Lieder vor sich hinsummt, ist auf ihn angesetzt, da neues Heroin bereits einige Menschenleben gefordert hat. Viktor muß die Lieferanten finden, denn es glaubt ihm niemand, daß er nichts mehr mit Drogen zu tun hat.
Viktors Bruder Aleksej, kommt von Rußland nach Finnland und bereitet - da er bereits mit Drogen zu tun hatte - noch mehr Sorgen.
Freundin Marja ist zur Zeit in den USA und e-mails erzählen von gegenseitiger Sehnsucht - was Viktor nicht von Flirts oder mehr abhält.
Die Umgebung sind Baustellen, Lagerhallen, Polizeidienststellen, Fahrt nach Rußland und retour, Wohnungen mit mühsam erworbenen Habseligkeiten. Es gibt einige Machtorganisationen (Polizei, Mafia mit Schmuggel von Drogen, Porno-Dvds bis Baumaterial).
Spannend für mich war das Wort 'Rückwanderer' mit dem die Menschen bezeichnet werden, die Finnen waren, aus Karelien in die Sowjetunion abgezogen worden waren, und nun zurückkommen. Es gibt nicht nur Sprachschwierigkeiten, Rückwanderer und Menschen deren Eltern aus beiden Kulturen (russisch und finnisch) kommen, bekommen mehr als nur dumme Kommentare ab.
Die Menschen sind eher vierschrötig geschildert, als Menschen die anpacken, aber moralisch-ethische Standpunkte wegen Überlebens beiseite lassen (müssen).
Ein kleines Happy End gibt es da Viktor das Haus in dem er bisher gewohnt hat, erwirbt und viele Freunde ihm bei der Sanierung helfen.
Das Buch ist gut, aber es bleibt etwas kühl in seinen Schilderungen, was vielleicht am Temperament im Norden Europas liegen mag.
"Bruderland"
- Kriminalroman
original "hyvä veli, paha veli"
2003 Gummerus Kustannus Oy, Helsinki
aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara
Deutsche Erstausgabe, 2008, Grafit Verlag GmbH, Dortmund
217 Seiten
ISBN 978-3-89425-656-2
Viktor Kärppä lebt in Helsinki und organisiert Arbeiter für Baustellen. Zmindest ist das der offizielle Job. Früher hat er für die russische und die finnische Schimannschaft Dopingmittel und andere Drogen besorgt. Durch seinen Vater kann er russisch, durch die Familie seiner Mutter finnisch. Diese Sprachkenntnisse setzte er bei auch bei Übersetzungen für Arbeitsvermittlungen ein.
Der Polizist Korhonen, der christliche Zitate von sich gibt und leise christliche Lieder vor sich hinsummt, ist auf ihn angesetzt, da neues Heroin bereits einige Menschenleben gefordert hat. Viktor muß die Lieferanten finden, denn es glaubt ihm niemand, daß er nichts mehr mit Drogen zu tun hat.
Viktors Bruder Aleksej, kommt von Rußland nach Finnland und bereitet - da er bereits mit Drogen zu tun hatte - noch mehr Sorgen.
Freundin Marja ist zur Zeit in den USA und e-mails erzählen von gegenseitiger Sehnsucht - was Viktor nicht von Flirts oder mehr abhält.
Die Umgebung sind Baustellen, Lagerhallen, Polizeidienststellen, Fahrt nach Rußland und retour, Wohnungen mit mühsam erworbenen Habseligkeiten. Es gibt einige Machtorganisationen (Polizei, Mafia mit Schmuggel von Drogen, Porno-Dvds bis Baumaterial).
Spannend für mich war das Wort 'Rückwanderer' mit dem die Menschen bezeichnet werden, die Finnen waren, aus Karelien in die Sowjetunion abgezogen worden waren, und nun zurückkommen. Es gibt nicht nur Sprachschwierigkeiten, Rückwanderer und Menschen deren Eltern aus beiden Kulturen (russisch und finnisch) kommen, bekommen mehr als nur dumme Kommentare ab.
Die Menschen sind eher vierschrötig geschildert, als Menschen die anpacken, aber moralisch-ethische Standpunkte wegen Überlebens beiseite lassen (müssen).
Ein kleines Happy End gibt es da Viktor das Haus in dem er bisher gewohnt hat, erwirbt und viele Freunde ihm bei der Sanierung helfen.
Das Buch ist gut, aber es bleibt etwas kühl in seinen Schilderungen, was vielleicht am Temperament im Norden Europas liegen mag.
Sonntag, 10. Juli 2011
Matti Y. Joensuu : "Blinder Neid"
Matti Y. Joensuu :
"Blinder Neid"
1993, Otava, Helsiniki
"Harjunpää ja kiusantekijät"
aus dem Finnischen von Stefan Moster
Deutsche Erstveröffentlichung 2002, Wilhelm Goldmann Verlag
246 Seiten
ISBN 3-442-72856-8
In dem Buch wird die Geschichte von zwei armen Menschen erzählt, die einem willkürlich gewählten erfolgreichen Menschen das Leben so schwierig gestalten, daß am Schluß alle unglücklich und einige nicht mehr am Leben sind.
Jari und Sanna Lehikonen sind ein erfolgreiches Ehepaar, denen seit Monaten unwillkommene Bestellungen vor die Haustür gestellt werden oder nicht bestellte Handwerkerbesuche erhalten etc. Als ein Spanner von Baum stürzt und dabei umkommt, wird zuerst das Ehepaar verdächtig.
Kommissar Hajunpää und seine Kollegin Onerva ermitteln wegen der Belästigungen, bleiben aber erfolglos.
Parallell dazu verliert Dödö (Raikas) Poikolainen seine schlechte Arbeitsstelle bei einem Wachdienst und beim jüngsten Kind wird grauer Star diagnostiziert, was seinen Haß auf die reichen Lehikonens verstärkt. Er plant die Erpressung von Jari Lehikonen - dessen Frau Sanna mittlerweile überzeugt ist, daß er die unwillkommenen Besucher angezettelt hat und ihn daher verlassen hat.
Die Erpressung geht schief, aber Jari Lehikonen ist von den Ereignissen dermassen gezeichnet, daß er auf in die psychiatrische Anstalt kommt und Dödö einen Selbstmordversuch unternimmt - Dödös dummer Gehilfe Antull ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, aber die Polizei findet bei ihm alle Anrufe zur Belästigung der Lehikonens gelistet.
Das Buch ist gut geschrieben, die Menschen und ihre Beweggründe gehen unter die Haut - zumindest mir. Alle Beteiligten kämpfen ums Überleben : Dödö und Antull in ihrer unziemlichen Art und Weise, die reichen Lehikonens und auch die Polizeimitarbeiter. Leider finden wenige positive Lösungen, sodaß Traurigkeit am Schluß in mir übrig blieb.
Da das Buch fasziniert, kann ich es nur empfehlen.
"Blinder Neid"
1993, Otava, Helsiniki
"Harjunpää ja kiusantekijät"
aus dem Finnischen von Stefan Moster
Deutsche Erstveröffentlichung 2002, Wilhelm Goldmann Verlag
246 Seiten
ISBN 3-442-72856-8
In dem Buch wird die Geschichte von zwei armen Menschen erzählt, die einem willkürlich gewählten erfolgreichen Menschen das Leben so schwierig gestalten, daß am Schluß alle unglücklich und einige nicht mehr am Leben sind.
Jari und Sanna Lehikonen sind ein erfolgreiches Ehepaar, denen seit Monaten unwillkommene Bestellungen vor die Haustür gestellt werden oder nicht bestellte Handwerkerbesuche erhalten etc. Als ein Spanner von Baum stürzt und dabei umkommt, wird zuerst das Ehepaar verdächtig.
Kommissar Hajunpää und seine Kollegin Onerva ermitteln wegen der Belästigungen, bleiben aber erfolglos.
Parallell dazu verliert Dödö (Raikas) Poikolainen seine schlechte Arbeitsstelle bei einem Wachdienst und beim jüngsten Kind wird grauer Star diagnostiziert, was seinen Haß auf die reichen Lehikonens verstärkt. Er plant die Erpressung von Jari Lehikonen - dessen Frau Sanna mittlerweile überzeugt ist, daß er die unwillkommenen Besucher angezettelt hat und ihn daher verlassen hat.
Die Erpressung geht schief, aber Jari Lehikonen ist von den Ereignissen dermassen gezeichnet, daß er auf in die psychiatrische Anstalt kommt und Dödö einen Selbstmordversuch unternimmt - Dödös dummer Gehilfe Antull ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, aber die Polizei findet bei ihm alle Anrufe zur Belästigung der Lehikonens gelistet.
Das Buch ist gut geschrieben, die Menschen und ihre Beweggründe gehen unter die Haut - zumindest mir. Alle Beteiligten kämpfen ums Überleben : Dödö und Antull in ihrer unziemlichen Art und Weise, die reichen Lehikonens und auch die Polizeimitarbeiter. Leider finden wenige positive Lösungen, sodaß Traurigkeit am Schluß in mir übrig blieb.
Da das Buch fasziniert, kann ich es nur empfehlen.
Montag, 8. Februar 2010
Leena Lander: "Im Sommerhaus"

Leena Lander
"Im Sommerhaus"
aus dem Finnischen und mit einem Nachwort versehen von Angela Plöger
Original "Iloisen kotiinpaluun ausinsjat"
1997, Verlag Söderström, Helsinki
deutsch Wilhelm Goldmann Verlag, München
1. Auflage Taschenbuch September 2001
352 Seiten
ISBN 3-442-72770-7
Ein schönes intensives Buch, das es trotz der Schwierigkeit mehrerer Zeitebenen schafft, die Spannung und Neugier zu halten, und dessen dicht beschriebene Szenen und Menschen unter die Haut gehen.
Lys Bergmann besucht ihren Jugendfreund Olavi Harjula. Hier starten die unterschiedlichen Zeitebenen und verwobenen Handlungsstränge der Menschen, denn sie sucht Hanna Aalto. Nebenbei lernte ich einiges über die Geschichte Finnlands nach dem 2. Weltkrieg.
Lys Bergman - Tocher eines Archäologen in Afrika - kehrt mit ihrer Familie kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges nach Finnland zurück. Ihr Vater wird geschätzt und beneidet - geschätzt weil er im Kinderheim der einzige ist, der die Kinder mit seinen Geschichten zu unterhalten und motivieren weiß.
Olavi Harjula ist der einzige Sohn einer Angestellten in der Schiffswerft, deren russisch Kenntnisse ihr die Arbeit für die Herstellung der als Reparationszahlungen verlangten Schiffe verschafften.
Im der Stadt hat ein Schwesternpaar ein Heim für Kinder aufgemacht - Kinder, die nach Schwedern geschickt worden waren, nun alle zurückkommen müssen, aber nicht immer willkommen sind. Sie versuchen Kindern die finnisch verlernt haben, wieder ein Heim zugeben - das Buch deutet an, welche Wunden die doppelte Entwurzelung für die Kinder (zuerst Familie und Finnland zu verlassen, dann Schweden und neue Familie zu verlassen) geschlagen hat. Daß es nicht alle Kinder so gut hatten eine neue Familie zu finden, sondern nur als gratis Arbeitskraft gegolten haben dürften, ist auch festgehalten.
Hier lebt ein Mädchen, das Hanna Aalto genannt wird und (fast) nicht spricht. Dieses Mädchen nimmt Lys Vater als zweite Tochter in sein Haus - bzw. das seiner Frau und seines Schwiegervaters - auf.
In Szenen wird beschrieben wie Lys und Olavi ihre Teenager-Körperlichkeit miteinander entdecken, daß niemand Hanna vermißte, daß Lys Vater seiner Frau nicht treu war, daß den Schwestern die Arbeit im Heim nicht leicht fiel, daß es die Finnen schafften fast unlösbare Reparationszahlungen in Form von Schiffen wirklich zurückzuzahlen, daß Karrelien im 2. Weltkrieg heiß umkämpft war, und immer wieder im jetzt wie Lys und Olavi sich schwer tun im Großelternalter (beide haben längst Kinder und Enkelkinder) miteinander zu reden.
Knackpunkt ist, daß Lys von Olavi zu einem Zeitpunkt schwanger wurde, als Lys Vater des Sex mit seiner Ziehtochter Hanna angeklagt worden war, aber Hanna nichts zur Klärung beitragen konnte, da sie verschwunden war. Olavi wußte nichts von seiner Vaterschaft. Lys hatte aber einen Brief ihres Kindes (eines Buben) mit ihm erhalten, der um die Geschichte seiner Eltern ersuchte. Lys ersucht Olavi ihr zu helfen den Ruf ihres Vaters zu reinigen - den Ruf als Kindsverführer, der bei einem Unfall das Leben ihrer Eltern gekostet hatte, und sie in ihrer Schwangerschaft in den Wahnsinn getrieben hatte - sodaß sie sich überreden hatte lassen ihr Kind zur Adoption freizugeben.
Lys versucht Hanna zu finden, damit diese ihr helfen möge und langsam entrollt sich, daß Hanna ein russisches Konzentrationslager als einzige der Familie überlebt hat. Als Reparationsleistung hätte sie sofort nach Rußland zurück übergeben werden müssen. Einige Zeit lang war sie als billige Arbeitskraft in einer Fuchsfarm untergebracht, wo sie da sie bei den Füchsen schlief/schlafen mußte. Das jetzt aber auch wohin sie nach ihrer Zeit bei Lys Familie entschwunden war, bleibt aber verborgen.
Ein eigener Erzählungsstrang wird einem Stein auf einer Insel gewidmet, der eigentümliche rote Zeichnungen aufweist, die Lys Vater faszinieren. Phantasietiere und ein Phallus snd wichtige Elemente der Zeichnungen. Es sind aber keine archaischen alten Zeichnungen, sondern Rache der Mädchen die den Zieh- resp. Vater beim außerehelichen Vergnügen beobachtet hatten.
Teile der Zeichungen werden dann zum Puzzlestein zu Hanna, denn die Tiere weisen auf russischen Ursprung genauso wie ihre vier Puppen, die die Namen ihrer vier Schwestern haben, die im Konzentrationslager umgekommen waren.
Befriedigendes Ende gibt es für mich nicht. Es bleiben Fragen : Fragen über die Zeit damals und Fragen wie sich die Geschichte der Darsteller weiter entwickeln würde.
Mir ging der Roman unter die Haut. Ich kann ihn gerne weiterempfehlen an Leser die sich gerne in andere Landschaften entführen lassen, denn vor meinem Auge lief fast ein Film ab.
Labels:
1997,
2001,
Autorin,
Finnland,
Historie,
Nachkriegszeit,
Roman,
Übersetzerin,
Wertung - 5 Bücher
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