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Freitag, 12. Juni 2026

Adriana Altaras : "Besser allein als in schlechter Gesellschaft"

Adriana Altaras :
"Besser allein als in schlechter Gesellschaft" - meine eigensinnige Tante
3. Auflage 2024, Kiepenheuer & Witsch
230 Seiten + 1 Seite Dank
ISBN 978-3-462-00702-2

Das Buch ist aus zweierlei Sicht zweier starker Frauen geschrieben - der von Adriana, die 60 ist, geschieden, in Deutschland lebend, und ihrer Tante die ihren 100-ten Geburtstag wegen Corona nicht im Alters-Pflegeheim, feiern kann.
Adriana die sich nach der Scheidung wieder sammeln muß, Theater spielt, sich um ihre Tante sorgt - mit Skype und Telephon die Tante in Norditalien, die mit Stärke, Humor und Zähigkeit der Nichte Tips gibt (Kauf Dir ein Leinenkleid, Nimm' dir einen Liebhaber, warum ist es ein deutscher Mann kein jüdischer ...).
Die Tante hat die Ustascha in Kroatien überlebt, wurde in Italien gerettet, heiratete dort einen Mann mit gräßlicher Mutter und nettem Vater, und hat ihr Leben mit Stärke gemeistert. Sie schaute auf sich, auf ihr großbürgerliches (im Buch steht es so) Niveau, geistige Offenheit, auf gepflegte Erscheinung, gönnte sich einen Liebhaber, denkt an ihre erste Liebe und wie das Leben mit ihm gewesen wäre, und reflektiert über den Abbau von Geist und Körper.

Ich mußte zugegebermassen über die Geschichte Kroatiens nach dem zweiten Weltkrieg nachlesen.

Beim Lesen hat mir gut gefallen, daß immer wieder italienische Phrasen verwendet werden !

Mich haben die Kapitel der Tante mehr angesprochen, und ich habe mir überlegt wie es wäre so eine lebensfrohe, kontroversielle Tante als Gesprächspartner zu haben. Viel Spaß beim Lesen.

Adriana Altaras wurde am 6. April 1960 in Zagreb, damals Jugoslawien geboren. Ihre Eltern sind jüdische Partisanen aus dem heutigen Kroatien. Mit vier Jahren wurde sie nach Mantua, Italien geschmuggelt und lernte dort italienisch. Mit sieben Jahren kam sie zu ihren Eltern nach Gießen, Deutschland. Sie studierte Schauspiel in Berlin und ist mittlerweile Schauspielerin, Theater- und Opernregisseurin und Autorin.
2011 erschien ihr erstes Buch "
Titos Brille. Die Geschichte meiner strapaziösen Familie". In ihrem 2014 erschienen Roman "Doitscha. Eine jüdische Mutter packt aus" ist das Kapitel 'man briderl' zweisprachig in Jiddisch und Deutsch geschrieben."Besser allein als in schlechter Gesellschaft" ist ihr fünftes Buch.

Freitag, 19. Dezember 2025

Bernhard Schlink : "Der Vorleser"

Bernhard Schlink :
"Der Vorleser"
Ausgabe Eine Stadt. Ein Buch
copyright 1995, Diogenes Verlag 2023 Echomedia Buchverlag / Eine Stadt. Ein Buch.
203 Seiten + 8 Seiten Interview Bernhard Schlink
keine ISBN 

Der Teenager Michael Berg lernt durch einen Zufall die etwas über 30 jährige Hanna Schmitz kennen, die als Bahnschaffnerin arbeitet. Er verliebt sich in ihre warmherzige bodenständige sinnliche Art, und beginnt ihr auf ihren Wunsch hin vorzulesen. Die erotische Beziehung und den Kontakt mit ihr verschweigt er seiner Umgebung komplett. Später im Gymnasium hat er mehr Kontakt mit gleichaltrigen, und die Beziehung zerbricht.
Während des Studiums wird eine Gruppe um einen Professor dazu eingeteilt einen Gerichtsprozeß zu verfolgen, bei dem einige KZ-aufsehende Frauen jüdische Gefangene bei dem Transport weg von den russischen Soldaten in einem brennenden Gebäude eingeschlossen haben und umkommen lassen, zu diesem Verbrechen angeklagt werden. Michael erkennt Hanna, die sich zu manchem bekennt, manches hinterfragt, und ihm wird klar, daß sie Analphabetin ist, was nicht bekannt ist. Um ihre Souveränität nicht zu verletzen sagt er nichts; sie wird zu langer Gefängnisstrafe verurteilt. Die Auseinandersetzung mit der Arbeit als KZ-Aufseherin unterbleibt.
Als seine Ehe gescheitert ist, beginnt er Kassetten mit Text aus Romanen vorzulesen und zu besprechen und schickt diese an Hanna ins Gefängnis. Jahre später kommt Antwort in eckiger Schrift; die Zeilen werden mit der Zeit flüssiger. Hanna bringt sich kurz vor der Entlassung aus dem Krankenhaus um, und Michael erfährt von der Gefängnisleiterin, daß sie sich am Ende ihres Lebens mit Biographien anderer KZ-Aufseherinnen beschäftigt hat, und ihr Geld Angehörigen der damals verbrannten Frauen vermacht hat.

Der Roman ist dreiteilig aufgebaut - Teenagerzeit, Student, nach seiner Ehe; und in Ich-form aus Sicht von Michael Berg geschildert.

Als Person werden nur Michael Berg geschildert und wie er die anderen Menschen sieht. Er fühlt sich bei der rundlichen geraden Hanna wohler als bei vielen anderen Menschen, auch wenn sie ihn - um ihren Analphabetismus zu vermeiden - immer wieder hart behandelt. Der Vater ist zwar da, aber ferne und kalt.
Die Abschnitte, in denen es um das/die Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus geht, werden überraschend unemotional beschrieben, vermutlich das Grauen im Kopf den Lesern/Leserinnen überlassend.

Der Roman ist sehr gut geschrieben; die Szenerien laufen vor Auge ab. Die Kontakte zwischen Michael und Hanna sind spürbar, auch wenn eigentlich kein Kontakt mehr vorhanden ist; die Einsamkeit der beiden ist ebenfalls spürbar.

In Summe ein Roman der eindrücklich bei mir in Erinnerung bleibt.

Bernhard Schlink wurde am 6. Juli 1944 in Großdornberg / Bielefeld geboren. Er ist Jurist und wurde Professor für öffentliches Recht in Deutschland. 1987 begann er zu schreiben, zuerst als als Co-Autor, später alleine vor allem als Kriminal-Schriftsteller.

Donnerstag, 8. Mai 2025

Karosh Taha : "Beschreibung einer Krabbenwanderung"

Karosh Taha :
"Beschreibung einer Krabbenwanderung"
Roman
2018, DoMont Buchverlag Köln
200 Seiten + 1 Seite Danksagung + rotes Lesebändchen
ISBN 978-3-8121-9880-0

Sanaa lebt mit ihren Eltern, ihrer jüngeren Schwester und vielen ebenfalls kurdischen Familien in einem deutschen Hochhaus. Sie ist Studentin, trifft sich aber parallel mit zwei jungen Männern, und lebt ein westliches Leben. Ihr Sorge gilt ihrer Mutter Asia, die meist träumend am Balkon steht, oft vergißt etwas zu kochen, und dünn und schmal ist. Ihre Schwester ist einiges jünger, und am Beginn der Pubertät. Ihr Vater, der die treibende Kraft zur Übersiedlung nach Deutschland war, wechselt dauernd seine Hilfsjobs und ist selten bei seiner Familie.
Meist sitzt Besuch auf der Wohnzimmercouch; zwei dicke Tanten machen es sich bequem, rauchen und lästern und manipulieren nach Lust und Laune. Es dauert bis Sanaa es schafft sich deren Einfluß zu entziehen und ihre Mutter wieder Lust am Kochen, v.a. am Backen wieder entdeckt und damit auch ihre Würde.

Der Roman ist aus der Sicht von Sanaa geschrieben. Sie kann sich noch Kurdistan, den Irak, die Farben des Flußes und der Erde erinnern; und denkt oft an ihre damalige beste beste Freundin, die etwas älter war und bereits mit der Pubertät begann.
Es ist spannend wie sie versucht an das Hochzeitsvideo ihrer Eltern zu kommen, um zu sehen ob ihre Eltern jemals glücklich miteinander waren; es gibt unterschiedliche Erzählungen wie sich die beiden kennen lernten und dann je nach Sichtweise heirateten bzw heiraten mußten. 

Die titelgebenden Krabben bzw deren Wanderung ist ein Bild das die Autorin/ Saana öfters verwendet, sei es um die Bewegungen und Ziele der Menschen zu beschreiben, aber auch um die Schrammen durch die Handwerkarbeiten am gesamten Arm ihres Vaters zu charakterisieren. Manchmal beschreibt sie eine Krabbe alleine, manchmal auch viele die gerade einen ziemlich eigenartigen Weg gehen.

Die Beschreibungen der Menschen sind gut gelungen: die fetten Tanten wie sie am Tisch sitzen, die Heimlichtuerei mit ihrem deutschen Universitätsfreund, die Doppelbödigkeit der kurdischen Familien auch in Deutschland.

Die Rezepte, die ihre Mutter zubereitet, lesen sich wunderbar.

Der Roman ist gut geschrieben; mich hat die Geschichte der jungen Frau die den Spagat aus zwei Kulturen macht fasziniert, und die Liebe wie sie über ihre Großmutter im Irak schreibt.
Viel Freude beim Lesen.

Karosh Taha wurde 1987 in Zaxo, Kurdistan - Irak geboren. 1997 kam sie mit ihren Eltern nach Deutschland, wo sie in Duisburg aufwuchs. Sie absolvierte zuerst eine Lehramtsstudium für Englisch und Geschichte und arbeitete auch als Lehrerin, ehe sie ab 2021 ausschließlich als Schriftstellerin tätig ist.

Dienstag, 20. August 2024

Michael Köhlmeier : "Matou"

Michael Köhlmeier :                                                                                          
"Matou"
2021, Hanser Verlag
947 Seiten + rotes Lesebändchen
ISBN 978-3-446-27079-4 

Matou ist ein hübscher roter Kater mit weißer Schwanzspitze, der bereits in seinem ersten Leben entdeckt, daß er menschliches Sprechen lernen kann. Später lernt er auch Lesen, und liest sich im Laufe des Romans durch die Enzyklopädien, Romane, Philosophischen Traktate der Weltgeschichte des Menschen.
Im ersten Kapitel lebt er zur Zeit der französischen Revolution bei Camille Desmoulins, dessen Frau, Kind und Schwiegermutter und lernt auch die wichtigen Menschen der französischen Revolution kennen. Der Kater lernt Liebe, Romantik, Charme, Machtspiele kennen. Und menschliches Sprechen
Für das zweite Leben sucht er sich das Leben bei E.T.A. Hoffman und seiner Frau aus. Hier lernt er Lesen. Hoffmans Frau ist allerdings sehr mißtrauisch. Später unternimmt er eine Schiffreise, überlebt im Dschungel und perfektioniert sein intrigantes Spiel indem er Menschen gegeneinander aufhetzt.
Im dritten Leben lebt er auf einer Insel mit anderen Katzen, schwingt sich mit einigen Schlägerkatzen um Diktator auf, hält manipulative Reden, erzählt eigenartige Narrative und kommt am Schluß drauf, daß ihn auch das nicht interessiert.
Im vierten Leben ist er in Afrika und lebt als Leopard, erzählt die Übergriffe aus dem belgischen Königreich auf deren Kosten viele Menschenleben gingen und zieht mit einem verstümmelten Mädchen als Albtraumerinnerung durchs Land.
Das fünfte Leben ist in Prag bei einem Ehepaar mit dick gefüllter Bibliothek, deren Enzyklopädie er liest. Paulina Bartok ist eine sensible Künstlerin, die das Wilde sucht. Bei Kriegsausbruch 1914 ist alles vorbei.
Sein sechstes Leben verbringt er in den USA, was für europäische Katzen sehr ungewöhnlich ist. Er hat sich Andy Warhol ausgesucht, weil er sich ein luxuriöses Leben gewünscht hat und eine große Bibliothek, was beides nicht geklappt hat.
Im siebenten Leben ist er in Wien, und wohnt bei einer netten älteren Frau und ihrem etwas faden Neffen, den er bereits als Kind tröstet. Der Neffe studiert Philosophie und der Kater hilft ihm dabei, und versucht ihm die Wichtigkeit von Charme beizubringen.

Zwischen den verschiedenen Leben erzählt der Kater vom Leben im "Weggemachten" mit den anderen Katern und Katzen in der Zeit zwischen den sieben (europäische Katzen) bis neun (amerikanische Katzen) Leben der Katzen.
Eine der Katzen merkt sich wie Matou (wie er sich selbst nennt, auch wenn ihm Menschen anderen Namen geben) die verschiedenen Leben; Fragnichtchen ist eine schöne Katze mit blauen Augen, die Matou vom dritten bis fünften Leben immer wieder trifft.

Die Geschichte ist aus Ich-Sicht des Katers geschrieben, und springt dementsprechend auch in den Erzählebenen, und es gibt jede Menge Hinweise auf andere Leben.

Es gibt lange Abhandlungen über den "Charme", wer ihn hatte oder gehabt haben mag, und wie man Charme lernen kann. Viel ist über Macht und Machtspiele zu lesen. Matou vergräbt sich auch in die Werke der großen Philosophen und versucht damit den Menschen zu entschlüsseln, denn ihm bleibt immer unklar warum manches für Menschen wichtig ist und einiges nicht.

Da ich zugegebenermassen den Stil des Autors sehr mag habe ich mich in die langen Sätze, komplizierten Schachtelungen gerne eingelassen.
Es gibt viele Hinweise und lange Leselisten für weiterführendes Lesen.

Ich habe fast drei Jahre an diesem Buch gelesen, das mich zwar sehr interessiert hat im Sinne von wie geht es weiter, mußte aber meinen Widerwillen gegen diesen obergescheiten arroganten intriganten und eigentlich mir nicht sympathischen "Kater" kämpfen.

In Summe ein wunderbares Buch, das mich viele Stunden gut unterhalten und in den Bann gezogen hat.

Michael Johannes Maria Köhlmeier wurde am 15. Oktober 1949 in Hard (Vorarlberg) geboren. In den 70-er Jahren begann er mit Hörspielen, in den 80-er Jahren wurden die ersten schriftstellerischen Arbeiten veröffentlicht.

Sonntag, 30. Oktober 2022

Thomas Bernhard : "Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mir essen"

Thomas Bernhard :
"Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen"
Drei Dramolette (1986/1986/1987)
1990, Suhrkamp Verlag Frankfurt
72 Seiten
ISBN 3-518-38722-7

Dramolett 1 : 'Claus Peymann verläßt Bochum und geht als Burgtheaterdirektor nach Wien'
Claus Peymann ist beim Kofferpacken bzw gibt Anleitungen an seine Sekretärin was und wie alles in den Koffer zu packen sei. Hier sind Stücke und Menschen durcheinander gemischt, Zeitgenössisches und Abgelaufenes, Politiker bis Kritiker, wohlwollende wie kritische Menschen.
Manches ist humorvoll, manches zynisch; in Summe tut mir die Sekretärin bei dem launischen Chef leid.

Dramolett 2 : 'Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen'
Claus Peymann kauft sich eine italienische teure Hose in Wien in einer der teuersten Einkaufsstraßen Wiens, und plaudert mit dem Ich / Thomas Bernhard darüber. Dann raisoniert Peymann darüber, daß man als Burgtheaterdirektor stark genug sein muß, die alte Hose selbst zu tragen, daß er das Theater liebt, daß er gerne in ein Geschäft gehen würde um sich einen neuen Kopf zu kaufen, und daß er sich vom Ich ein echte Welt-ekel-Stück wünscht. Am Schluß sitzen beide vor Tafelspitz mit Beilagen.

Ich habe zwei faszinierende Wörter kennen gelernt : 'Kleiderhausprobierzellenschlag' - hier geht es darum, daß man beim probieren von Kleidung im Kaufhaus einen schlaganfall erleiden könnte;
und 'Andernaseherumführer', das mich sehr zum Schmunzeln brachte.

Dramolett 3 : 'Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese'
Beide haben kaltes Schnitzel eingepackt und schauen auf Wien. Peymann erzählt von einer Idee den "Sturm" und am liebsten alle Shakespeare stücke auf einmal aufführen zu lassen. Dann erzählen sie sich gegenseitig von ihren Albträumen, die bei Beil voll mit Theater und bei Peymann voll mit Politikern sind.

In Summe schöne kleine böse Dramolette in denen die Politiker schlechte Kritik erhalten, und nur das Theater wichtig ist.

Freitag, 11. März 2022

Marta Donato : "Flucht über den Brenner"

Marta Donato :
"Flucht über den Brenner" - Ein Italien- & Bayern-Krimi / Fontanaros & Breitwiesers dritter Fall
438 Seiten
ISBN 978-3-944936-40-6 

Eine intrigante schöne Frau wird in einem Museum in Verona ermordet. Vier wichtige Bilder des Barock werden in dem gleichen Museum gestohlen. Hier wird Antonio Fontanaro eingeschaltet.
In Bayern werden die Grenzen auf Flüchtline aus Syrien durchsucht - und auch gefunden. Hier wird Georg Breitwieser aktiv, der die Verbindung nach Italien und zu Antonio aufnimmt.
Dritter aktiver in diesem Fall ist der attraktive Michele Vivani aus Rom, der in Verona in mehreren Verkleidungen auftritt, und den Kunst-handel untersucht bzw etwas sucht.
Der Mord hat sehr persönliche Gründe, die Bilder werden gefunden, und es wird einiges über skrupellose Flüchtlingsschmuggler erzählt.

Den drei Herren sind schöne Herrenschuhe wichtig - ich habe noch nie so viel über "Budapester" gelesen, wie in diesem Kriminalroman. 

Die Personen sind unterschiedlich. Fontanaro schlendert durch Verena, befragt Galleriesten, den Museumsdirektor, dessen Frau, dessen Geliebte, und mißtraut Berichten über reiche Russen, die alte Pallazzi herichten und Kindergärten bezahlen sollen. Breitwieser bleibt in seinem Job menschlich und versucht allen eine Chance zu geben. Vivani spielt mehrere Rollen, kennt den machtgierigen Staatsanwalt in Verona, und versucht an kunstsinnige reichen Russen im Hintergrund heran zu kommen.
Die verschiedenen Galleristen in Verona sind unterschiedlich und durchaus unterhaltsam beschrieben - die Barocken Meister ebenso.
Wie es sich manche Menschen zu richten versuchen sind bei dem Museumsdirektor und einem Elektro-unternehmer zu beobachten.
Die Frauen sind entweder schön und durchtrieben, oder alt und feindselig.

Die geschichte ist durchaus Spannend beschrieben. Die Kunstschiene hat mich am meisten angesprochen. Für die Geschichte mit den Flüchtlingen  gibt es wenig positives zu sehen - außer aufblitzende Hilfsbereitschaft. 

Viel Spaß beim Lesen !

Mittwoch, 24. November 2021

Tanja Brandt : "Die Eulenflüsterin"

Tanja Brandt :
"Die Eulenflüsterin" - Was ich von meinen Tieren über das Leben lernte
2021, Bastei Lübbe
210 Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-404-61720-3

Die Autorin, die vielen durch ihre Tierphotographie bekannt ist, beschreibt hier ihre Kindheit, ihre Liebe zu Tieren, ihre Beziehungen - und für sie viel wichtiger das Zusammenleben mit ihren Tieren. Hund Ingo war Eigenbrötler bis er lernte, daß er für einen kleinen Steinkauz ein guter Freund ist. 

Mich haben die verschiedenen Eulen und Kauze fasziniert die mit der Autorin gelebt haben, und wie unterschiedlich sie die Temperamente beschreibt. Die Charaktere der Eulen und Käuze sind grundverschieden von freundlich bis supergrantig, stetig bis launenhaft geschildert. Auch in ihrem Verhalten zu ihr sind die Vögel unterschiedlich, weil Bussarde sofort in den Beschützermodus verfallen, Eulen aber ruhig und abwartend agieren. Eulen sind offenbar die Meister der Ruhe, die bei allem was Hektik oder Stress sein könnte, abtauchen können. Witzig wird es wenn die Autorin beschreibt, daß sie bei Spaziergängen von einer Eule zu fuß begleitet wird (fliegen war offenbar anstrengender), oder wenn sie mit Bussard auf der Schulter spazieren ging, und Kinder bis Polizei sie vorsichtig ansprachen.

Die Geschichten mit den Tieren - vor allem mit den von mir so geschätzten - Eulen und diversen Käuzen sind herzerwärmend und unterhalten. Auch wenn einige Tiere sterben - weil sie kürzere Lebenserwartung haben, oder etwas dazwischenkommt - ist viel Wärme und Zuneigung zwischen Autorin und den Tieren spürbar.

In Summe ein bezauberndes Buch, das gerade in Pandemie- und Lockdownzeiten gut tut. Viel Freude beim Lesen - und beim Betrachten der Photos im Mittelteil des Buches !

Tanja Brandt wurde am 15. Juni 1968 in Stuttgart geboren.  Sie lernte zuerst Bürokauffrau, später arbeitete sie in einer Spedition und als LKW-Fahrerin. Seit ca. 5 Jahren ist sie Tierfotografin und lebt heute in Remscheid und Grevenbroich, zusammen mit Ihren Hunden, Eulen und Greifvögeln.

Sonntag, 14. November 2021

Kaspar Panizza : "Glückskatz"

Kaspar Panizza :
"Glückskatz" - Frau Merkel und der Racheengel
2019, Gmeiner Verlag
276 Seiten
ISBN 978-3-8392-2408-3 

Band drei mit der besserwissenden Katze Frau Merkel und ihrem "Personal", dem Kommissar Steinböck, die diesmal den Mord an einem ekelhaften Menschen lösen müssen. Steinbeck recherchiert bei unlauteren Methoden Inkassobeträge für angebliche Programmdownloads aus dem Internet einzufordern. Es gibt Folgemorde, die zur Lösung des Falles führen, wobei der Tod einer jungen Frau sich als Ursache der Mord entschlüsselt.
Parallel löst Steinböck das Rätsel, warum ihm eine chinesische Grinsekatze zugeschickt wurde. Hier geht es um Kriminalität mit Chemotherapieprodukten.
Nebengeschichte sind junge Leute aus der Filmschule, die über Müll im Senegal berichtet habe, und verwandte Frauen aus Beschneidung retten und nach Deutschland bringen.

Aus der Truppe um Kommissar Steinböck gibt es weiterhin Ilona Hasleitner, die abgenommen hat, und damit einige Kollegen verwirrt. 

Der Roman ist rasch lesbar. Leider sind die Kommentare der Katze nicht mehr so humorvoll, wie in "Saukatz". Trotzdem viel Spaß beim Lesen.

Biographie des Autors bei "Saukatz" von 12 November 2016

Sonntag, 11. Juli 2021

Friedrich Dönhoff : "Der englische Tänzer"

Friedrich Dönhoff :
"Der englische Tänzer" - ein Fall für Sebastian Fink
2010, Diogenes Verlag
288 Seiten
ISBN 978-3-257-24018-4

Bei den Vorbereitungen zu einem neuen Musical in Hamburg wird eine Leiche gemeldet, die verschwunden ist, als die Polizei erscheint. Die Premiere und Feier danach werden ein voller Erfolg; Kommissar Sebastian Fink ist dorthin eingeladen und sieht wie die die Menschen die für den Erfolg verantwortlich sind miteinander umgehen. Er kommt mit Linda Berick - sie hat das Musical zusammengestellt und damit ihre Jugenderinnerungen verarbeitet - ins Gespräch, da sie halbe Deutsche ist. Nach einer von Sebastian durchtanzten Nacht (Techno) wird der wichtigste und auch charismatische englische Haupttänzer, Max-Andreas, des Musicals tot aufgefunden - erstickt. Sebastian und sein Polizeipartner Jens arbeiten sich in die Musicalszene und deren Hintergründe ein, lernen über Strukturen im Musicalbetrieb wer eigentlich den meisten Gewinn erhält und die meiste Macht hat. Es gibt dann eine Leiche, die wie die erste verschwundene trapiert ist, und Sebastian löst beide Morde.

Ort der Handlung ist Hamburg, mit einem kleinen Abstecher nach London; Zeitpunkt Winter.

Sebastian Fink ist Mitte Dreißig, single, und lebt mit einer alten Freundin und deren Kind, nachdem deren Ehe zerbrochen ist, zusammen. Für das Kind ist er mittlerweile zu einer Art Ersatzvater geworden. Er läßt sich bei der Recherche auf die Stimmung an der Mordszene ein
Polizeipartner Jens ist verläßlich.
Linda Berick ist eine dickliche nicht schöne Frau, die versucht mit dem späten durch das Musical gewonnene Geld ihre Zuneigung zu zeigen. Sie hat sich eine Machtposition für ihr Musical geschaffen, das es anderen schwer macht wie üblich zu agieren.
Max-Andreas ist eine wunderbare Erstbesetzung für die Hauptrolle - attraktiv, mit Ausstrahlung.
Olga ist die weibliche Hauptrolle. Duncan Preston, ist die Hauptrolle in London, und hat eine behinderte Tochter, die im Rollstuhl sitzt, und alles mitkriegt. Es gibt noch Musicalproduzenten in London, und Theatermacher in Hamburg mit allen Beleuchtern, Souffleuren-Souffleusen, bis Maskenbildnern.

Der Kriminalroman ist flüssig geschrieben, und die Szenerie ist gut vorstellbar. In Summe ein sehr empfehlenswerter Krimi. Viel Spaß beim Lesen.

Samstag, 12. Dezember 2020

Jörg Maurer : "Den letzten Gang serviert der Tod"

Jörg Maurer
"Den letzten Gang serviert der Tod" – der 13. Alpenkrimi
2020, Scherz Fischerverlag
402 Seiten + 3 Seiten Nachwort (mit amüsanten Betrachtungen eines Fast-food-Restaurant-besuchs)
ISBN 978-3-651-02589-9 

Vier Tote werden in einem Sternerestaurant auf einem Hügel in Bayern gefunden – alle Mitglieder eines illustren Kochzirkels, denen das Kochen Freude macht. Kommissar Hubertus Jenewein, und Polizeimeister Franz Hölleisen (kurz auch Hölli genannt) und ihr Team tauchen ein in eine Welt des Sternekochens, gekauften Restaurantbewertungen und dessen Algorithmus, Eifersüchteleien innerhalb des Zirkels, mögliche Mafia-Einflüsse und Spielsucht. Am Schluß entdecken die Polizisten daß jemand sehr falsch gespielt hat und in eine show-down in einem Flugzeug werden die Morde geklärt.

Parallel wird in Abschnitten von einem eher häßlichen Pilze-sammler und Pilze-maler erzählt der entweder auf Pilz-rausch ist oder Panik, weil er Augenzeuge war und jetzt Albträume hat. In diesen Absätzen wimmelt es von originellen (aber richtigen) Pilznamen (meine Favoriten : der 'Gemeine Gurkenschnitzling' und der 'Klebrige Schleimfußsaftling') und es werden Analogien zur Kunstgeschichte gezogen, die mich gut unterhalten haben.

Als dritte Schiene werden Restaurantbewertungen aus dem Internet zitiert. Bei manchen wird erklärt  wie man erkennt, daß das gekaufte Rezensionen waren, andere sind bodenständig gut oder vernichtend geschrieben. Mein Favorit hier die Kritik eines 10-jährigen Buben – grandios.

Im Roman werden mindestens drei Versionen - sehr unterhaltsam - erzählt wer wann in welchem Land der Erde die Niedriggarmethode als erstes entwickelt hatte. 

Die Personen die zu vernehmen sind, sind unterschiedlich geschildert: es gibt die biedere korrekte   Ehefrau die auf den Ruf ihres Ehemanns bedacht ist. Es gibt die etwas übertriebene Ehefrau eines Piloten. Es gibt einen zurückhaltenden koreanischen Herren, einen pedantischen Herren der Gerüchte streut. Ein zwielichtiger Gastwirt wird geschildet.

Der Stil ist unterhaltend, viele Situationen laufen vor im Kopfkino ab und brachten mich laut zum Lachen, weil sie so komisch waren.

Dienstag, 22. September 2020

Kerstin Cantz : "Fräulein Zeisig und der frühe Tod"

Kerstin Cantz :
"Fräulein Zeisig und der frühe Tod"
Kriminalroman
2019, Knaur Verlag
275 Seiten
ISBN 978-3-426-52261-5

Ein totes Kind wird gefunden, später eine erwürgte Jugendliche. Hauptkommissar Manschek holt sich Hilfe bei der Weiblichen Kriminalpolizei in Gestalt der jungen Frau Zeisig, die sich engagiert aber mit Gefühl den toten Menschen und deren Familien widmet. Sie befragt die Familien, die Umgebung, und Freunde der toten um am Schluß dem Tod des Kindes erklären zu können. Ludwig Maria Seitz, der als Journalist zwar Schlagzeilen braucht, aber doch mit Respekt vor Menschen schreibt, kommt dem Mörder der jungen Frauen gefährlich nahe.  

Parallel zu den Geschehnissen krachen Jugendliche und Polizisten mit Gewalt aneinander, da kleine Ausgelassenheit und strikter Gehorsam aufeinanderprallen, was viele Verletzte auf beiden Seiten und emotionale Gräben produziert. Selbst beobachtende Journalisten und neutrale Photographen werden aufgemischt.

Ein dritter Handlungsstrang der nur kurz ist, aber mir unter die Haut ging widmete sich einer jungen Frau, die im KZ gewesen war, und von einer Barackenleiterin als hure eingeschätzt wurde und ins Soldatenbordell gesteckt worden war. Sie hat zwar körperlich überlebt, aber diese Zeit und die Leiterin nie vergessen gehabt. Diese Rechnung wird drastisch beglichen.

Ort der Handlung ist München Anfang der 60-er Jahre. Frauen müssen im Beruf - wenn sie dies überhaupt dürfen - Röcke tragen, und freundlich unaufdringlich sein; oder sie sind als veritable Schreckschrauben gezeichnet. 

Die Menschen sind zwar distanziert beschrieben, aber nicht unfreundlich und mit Mitgefühl für die vielen persönlichen Enttäuschungen die jeder Person in diesem Roman zu tragen hat.

Der Roman ist gut geschrieben, und läßt nach dem Lesen nicht los. Viel Freude dabei.

Kerstin Cantz wurde 1958 in Potsam geboren. Sie studierte Publizistik, arbeitet als Journalistin, und sattelte dann auf Drehbuchautorin und Schriftstellerin um.

Dienstag, 8. September 2020

Hans-Jürgen Raben : "Tod über der Elbe"

Hans-Jürgen Raben :
"Tod über der Elbe" : Ein Fall für Brock: Hamburg-Krimi
Dateigröße : 765 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe : 170 Seiten
Word Wise : Nicht aktiviert
Herausgeber : Uksak E-Books (2. Dezember 2019)
Verbesserter Schriftsatz : Aktiviert
Text-to-Speech (Vorlesemodus) : Nicht aktiviert
X-Ray : Aktiviert
ISBN-Quelle für Seitenzahl : 3750265720
Sprache: : Deutsch
ASIN : B082876R58

Eine Leiche wird spektakulär in der faszinierenden Elbphilharmonie zur Schau gestellt. Die Familie des Ermordeten, eine Reedereisippe, ist ratlos. Hauptkommissar Cornelius Brock macht sich mit Kommissarassisten Spenger auf die Suche, und tut ein Netz um brutale Russen, und Menschen die gut auf Kosten anderer mit Drogen leben wollen auf. Am Schluß sind die Bösewichte geschnappt.

Die Geschichte ist gut beschrieben. Die Menschen sind gut vorstellbar : vom Familienpatriarchen, dem verwöhnten Teenagersohn, dem Managersohn, die Power Point afine Abteilungsleiterin in der Polizei, dem trockenen Pathologen etc ..

In Summe ein gutes Lesevergnügen, vor allem als Ablenkung in den Öffis. Viel Spaß.

Hans-Jürgen Raben  wurde am 24. August 1943 in Oppeln geboren. Er war lange Jahre Public-Relations-Manager in einem großen internationalen Konzern.

Sonntag, 6. September 2020

Keip Rainer : "Eine Kogge aus Gotland"

Keip Rainer :
"Eine Kogge aus Gotland" - Ein Küsten-Krimi
Dateigröße : 923 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe : 116 Seiten 
e-publi : 2019
Herausgeber : Uksak E-Books (17. Juli 2020)
Word Wise : Nicht aktiviert
ASIN : B07XLF8GCS

Kommissar Falk Möller wird nach Polen geschickt um mit der Kommissarin Ewa Stepinska vor Ort den Tod eines Tauchers in der Ostsee aufzuklären, der einen mittelalterlichen Fund in der Hand umkrallt hält. Zwischen den beiden Kommissaren prickelt es fast sofort, auch die Tochter der polnischen Kommissarin schließt den neuen Mann sofort ins Herz.
Beruflich recherchieren die beiden bei den Besitzern des Bootes, und kommen einem groß angelegten Antiquitätenschmuggel auf die Schliche.

Der Roman ist gut vorstellbar geschrieben. Landschaft, Ostsee und Menschen, sind klar umrissen. Die Sexszene hätte ich nicht gebraucht. Als aktuellen Touch ist von "Nord Stream 2"geschrieben.

Als harmloses Lesevergnügen inkl. Mitraten nach dem Mörder ist das Buch empfehlenswert.

Rainer Keip wurde 1957 in Düsseldorf geboren. Nach der Beendigung seines Berufslebens als Angestellter eines Versicherungsunternehmens, wandte er sich dem Schreiben von Geschichten zu. In seiner Freizeit ist der Autor als ehrenamtlicher Helfer des Bodendenkmalamtes tätig. 

Donnerstag, 27. August 2020

Karl von Holtei : "Ein Mord in Riga"

Karl von Holtei :
"Ein Mord in Riga"
erstmals 1854 in Graz erschienen
Dateigröße: 403 KB
ASIN: B004UBDTUI

In dieser episch geschriebenen Geschichte geht es um das Leben in Riga, in dem Lebensbereich zwischen und mit Russland, Deutschland, im damaligen Livland, in dem der betuchte Kaufmann Sigward mit seiner Frau mit viel Personal. Zuerst geht es hier immer wieder um den hübschen intriganten Simeon, dann um Iwan dessen Vater aus politisch-religiösen Gründen verschleppt worden war. Iwan arbeitet bei einem Geldverleiher, und wird nach dessen Ermordung des Mordes verdächtigt und gefoltert. Gerade noch rechtzeitig wird der neue Stadtvorsteher auf die Situation aufmerksam gemacht, er macht sich auf die Suche und findet genug Beweismaterial um Iwan zu entlasten, und ihn in die Freiheit entlassen zu können.
Später verreist Iwan und muß in Deutschland untertauchen. Auch hier macht ihm das Leben durch Mißtrauen das Leben schwer, bis endlich ein happy end beschrieben wird.

Der Stil ist altmodisch und langsam; es werden viele nicht mehr geläufige deutsche Wörter verwendet, auch einige russische Umschreibungen gibt es.

Der Autor nimmt sich Zeit die Stimmung der Orte, die Gepflogenheiten im Haus, mit Gästen oder in der Öffentlichkeit zu erzählen, er beschreibt die Gegend um Riga, Riga selbst und einige Gebiete in Deutschland ziemlich genau.
Es gibt in Riga bereits Verkehrsregeln, bei denen der Rücksicht auf Fußgänger seitens der Kutschen-fahrer genommen werden muß; bei bereits leichter Berührung mit einem Fußgänger gibt es heftige Strafen für Kutscher und Besitzer der Kutsche.

Die Menschen in Haushalt der Sigwalds sind schön beschrieben : die Gutmütigkeit des Kaufmanns und seiner Frau, die Fehde zwischen Köchin und Kammerzofe, die Intrigen des hübschen Dieners, die unscheinbare bösartige 'Muhme' des Dieners, Pferdenarr und positiver Mensch Iwan, der ehrgeizige neue Stadtherr der noch die richtigen Entscheidungen treffen kann.

Ein Drittel lang wird beschrieben, wie das Leben in Riga abläuft, welche Einflüsse aus Rußland und Deutschland auf Livland einwirken, welche großzügigen Lebensregeln herrschen. Ein Drittel lang wird beschrieben wie Iwan verdächtigt und gefoltert wird, und auch wie der echte Täter überführt wird. Im letzten Drittel lebt Iwan in Deutschland.

Mich hat diese Kriminal-Erzählung interessiert weil sie zu den ältesten des Genre Kriminalromans gezählt wird. Mitraten des Who-dunnit für den Kriminalteil ist möglich.

Für das Lesen mußte ich mir Zeit und Ruhe nehmen, weil das Tempo sehr gemütlich ist.
Meine Gedanken gingen einige Zeit durch die alten schönen Straßerln in Riga mit.

Viel Freude beim Lesen !

Karl Eduard von Holtei, auch Carl (von) Holtei, eigentlich Karl Eduard von Holtey wurde am 24. Jänner 1798 in Breslau, damals Schlesien in Königreich Preußen, geboren. Er spielte Theater in Breslau, war auf Wanderschaft in Frankfurt Paris Prag Dresden Weimar Berlin Hamburg sowohl als Schauspieler als auch Theaterleiter. ab 1850 schrieb er in Graz Theaterstücke und Romane, ab 1863 lebte er wieder in Breslau, wo er am 12. Februar 1880 starb.

Samstag, 1. August 2020

Friedrich Schiller : "Der Verbrecher aus verlorener Ehre "

Friedrich Schiller :
"Der Verbrecher aus verlorener Ehre"
erstmals 1786 veröffentlicht
Dateigröße: 537 KB
ASIN: B00XK6NJZ4

Der Sonnenwirt Christian Wolff, ist ein häßlicher junger Mann, und hat kein Glück. Zuerst wildert er aus Hunger und wird verurteilt, seine Liebe wird nicht erwidert, er wird ins Gefängnis nochmals wegen Wilderns diesmal länger eingesperrt. Er verläßt das Gefängnis als böserer Mensch als er ursprünglich gewesen war, und schließt sich einer Räuber- und Wildererbande an. Dort steigt das gegenseitige Mißtrauen, weshalb er versucht als Soldat unterzukommen um doch noch etwas für sein Vaterland zu leisten. Dies scheitert, er wird in einer Stadt als gesuchter Verbrecher erkannt und den Stadtobersten vorgeführt.

Schiller moralisiert vor dem Beginn der Erzählung. Es geht um hartes Rechtssystem, das wenig Bereitschaft für unglückliche oder enttäuschte und häßliche Menschen, die einen Fehler begangen haben, hat.
Die Geschichte basiert auf einer 'true story'.

Spannend ist, daß Schiller hier nur dem Leben, den Gedanken und Gefühlen der auch dem Verbesserungswillen des Christian Wolff folgt.

Die Geschichte ist wie von einem Großmeister nicht anders zu erwarten, gut und spannend geschrieben. Menschen und Wälder sind gut vorstellbar.

Mich hat die Geschichte interessiert, weil sie als erste Kriminalgeschichte, als Vorläufer des auch von mir geliebten Krimis/Kriminalromans gilt.

Samstag, 25. Juli 2020

Oliver Schlick : "Das Crime Zertifikat - Verbrechen mit Qualität"

Oliver Schlick :
"Das Crime Zertifikat - Verbrechen mit Qualität"
2020, Ueberreuter Verlag
288 Seiten + 1 Seite Glossar (mit umgangssprachlichen Wörtern)
ISBN 978-3-8000-9000-6

Pius Nordberg, zwei Meter groß und etwas breit gebaut, ehemaliger Sozialarbeiter arbeitet für ein  inoffizielles Inkassounternehmen, das von einem herzensguten Mann geführt wird. Nach dessen Tod übernimmt sein Sohn und führt mit eine neuen mittleren Ebene Qualitätsmanagement ein. Pius und seine Kollegen werden mit Dokumentations-unwesen überfordert, die Investoren des Sohnes ebenso. Parallel geht Pius mit der Qualitätsmanagerin Lena auf Suche nach dem Mörder des ehemaligen Unternehmers. Einige Leichen später kommt es zu einem überraschenden Ende, bei dem der Mörder erwischt wird, aber auch einige andere Fallen zuschnappen.

Die Geschichte wird humorvoll mit herrlich unterhaltsamen Wortkreationen in Ich-Form erzählt.

Pius sieht von seiner langen Warte vieles mit Humor und weiß sich rein verbal durchzusetzen. Die Figur seiner Mutter, Tabea, eine anarchistische Soziologieprofessorin, die genußvoll eine Seniorenresidenz durcheinander bringt, ist fast die einzige die ihm den Boden unter den Füßen wegziehen kann. Die Dialoge sind für mich zum zerbröseln !

Unterhaltsam ist die quasi-Abrechnung mit ausbordenden und hier wirklich unsinnig gebrachtem Qualitätsmanagement. Wie mit den Floskeln und Schlagworten herumgeworfen wird, und damit einem Unternehmen wirklich geschadet wird, brachte mich zum öfters zum Lachen.

Die Charaktäre sind unterschiedlich in ihren persönlichen Ecken und Kanten oder Lebenslauf. Die Arbeitsbereiche sind privates Inkasso, Drogen, privat als Lockvogel arbeiten. Die Nebenfiguren wie Pius' Nachbarin Anoushka, oder ein lästiger Nachbar sind ebenfalls unterhaltend.
Auch in Liebensdingen gibt es einen vergnüglichen Handlungsstrang.

Ich habe mich beim Lesen sehr gut unterhalten. Viel Spaß beim Lesen !

Oliver Schlick wurde 1964 in Neuwied/Rhein geboren. Nach Abitur und Zivildienst studierte er Sozialarbeit in Düsseldorf. Er arbeitet zuerst in der stationären Jugendhilfe, dann in  der Flüchtlingsarbeit, aber auch als Schlagzeuger, Schaufenstergestalter, Marktforscher. 2014 erschien sein erstes Jugend-Kinder-Buch "Salamandersommer".

Dienstag, 26. Mai 2020

Jan Seghers : "Ein allzu schönes Mädchen"

Jan Seghers :
"Ein allzu schönes Mädchen"
Kriminalroman
2004, Rowohlt Taschenbuch Verlag
728 Seiten + 3 Seiten Epilog
ISBN 978-3-499-33278-4

Das titelgebende 'allzu schöne Mädchen' wird als wunderschöne junge Frau geschildert, die schöne rote Haare hat, ein bezauberndes Gesicht, schöne Figur und viel Ausstrahlung. Leider macht diese Kombination nur Probleme - vorallem bei und mit Männern.
Kommissar Robert Marthaler in Frankfurt ist auf der Suche nach einem Mörder, einigen verschwundenen Männern und reist auch ins Elsaß um Licht in einen alten Unfall und eine bigotte Familie zu bringen.
Ein junger ermordeter Mann wird gefunden, später ein weiterer, dann ein Mann in einem Hotel, was keine Klarheit bringt. Auch ein Szuzid bringen die Polizei auf der Recherche nicht weiter. Erst spät wird die junge schöne Frau gefunden, die sich nicht artikuliert; durch Gesten werden mißbräuchliche Übergriffe klar.

Die Menschen sind nachvollziehbar geschildert. Marthaler der seiner verstorbenen idealen Ehefrau nachtrauert, und dann doch die Tür zu einer neuen Frau aufmacht. Er kämpft sich auf dem Fahrrad durch den Hochsommer in Frankfurt, alte Daten, weite Strecken und gegen seine Furcht sein Interesse an einer Frau zu zeigen. Letztendlich gelingt doch alles.
  
Im Team um Marthaler sind die energische Assistentin Elvira, ein junger Mitarbeiter Manfred Petersen, Laborleiter Carlos Sabato (Katzenfan), Kerstin Henschel, eine junge engagierte Polizistin. Einige zusätzliche Polizisten sind sympathisch, manche nicht gut für den Ruf der Polizei.

Der Roman erzählt einerseits was die schöne Frau, Manon, macht, begleitet andererseits die Gedanken Zweifel und Überlegungen des Kommissars. Manon merkt nicht welchen Aufruhr sie bei Männern verursacht und erschrickt über zu viel plötzliche Nähe. Auch Marthaller schätzt die geistige und körperliche Distanz zu Menschen.

Der Roman zieht manchmal in den Bann, manchmal ist mir die Geschichte zu langatmig und ich wünschte mehr Inhalt. Die Szenen in Park zwischen Polizei und Presse sind beängstigend, weil der Wunsch eine Situation zu deeskalieren und Druck der Presse nach Information hier nicht zu vereinen sind.

Der Großdruck ist angenehm mit den großen Buchstaben, die gemütlich auch bei nicht idealem Licht zu lesen sind !

In Summe ein nicht uninteressanter Roman, der durchaus zu empfehlen ist.

Matthias Altenburg wurden 1958 in Fulda geboren. Er studierte Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft, war Lektor und entwickelte sich als Schriftsteller, der auch unter seinem eigenen Namen veröffentlicht.
Unter dem Pseudonym Jan Seghers schreibt er Kriminalromane mit Kommissar Rober Marthaler als Hauptperson. 2007 erschien der erste Roman mit dem Titel "Die Braut im Schnee".

Samstag, 25. April 2020

Gisa Pauly : "Inselzirkus"

Gisa Pauly :
"Inselzirkus" - ein Sylt -Krimi
2011, Piper Verlag München
484 Seiten
ISBN 978-3-42-26450-1

Auf Sylt wird für eine Herz-Schmerz-Serie gedreht. Die italienische Großmutter Carlotta aus Umbrien steht mit ihren Enkeln als Komparsen zur Verfügung, als der Schwiegersohn der Polizist ist zu einer Leiche gerufen wird. Es ist ein Journaillist, der für ein Revolverblatt möglichst saftige Geschichten aus dem Leben der Fernsehstars ausgräbt. Polizist Erik und sein Kollegen Sören fragen sich durch das Fernsehteam, und lernen die Machtspiele des Regisseurs kennen, den gutaussenden Gaststar, einer jungen Schauspielerin Andrea und der Lehrerin des Ortes Alina. Mamma Carlotta unterhält sich inzwischen mit den nicht mehr ganz jungen Schauspielerinnen, der sehr rundlichen und gemütlichen Organisatorin, und zeigt diesen auch ein abgewohntes Gasthaus. Als der Regisseur tot aufgefunden wird, gerät die Polizei kurzfristig unter Druck kann aber dann doch beide Morde auflösen.

Die Personen des Buches sind sehr unterhaltsam beschrieben.
Hauptperson ist die temperamentvolle, fürsorgliche, plaudernder Großmutter Carlotta. Sie kocht der Familie der verstorbenen Tochter immer wieder für Wochen wunderbares italienisches Essen und bemuttert. sie bezaubert nicht nur die Kollegen ihres Schwiegersohns mit ihren Antipasti, sondern auch den Wirten und einen Obdachlosen.
Enkelin Carolin zickt als Teenager, Enkel Felix ist ein netter Lausbub; Schwiegersohn Erik ist ein braver ordentlicher Polizist der seine verstorbene Frau Lucia immer noch vermißt.
Bruce Margreiter ist cooler gutaussehender Star mit bewegter Frauen-Vergangenheit. Die junge hübsche Schauspielerin Andrea Zielcke tanzt um ihn herum und spioniert ihm nach. Die nette gescheite hübsche Deutschlehrerin Carolins, Alina Olsted, wird immer wieder mit Bruce gesehen. Harry Jumperz wird als unguter Regisseur beschrieben, der nicht attraktiv aber mächtig ist, und Frauen ausnutzt. Luca ist der Stuntman für Bruce und sieht ihm, wenn er geschminkt ist, wirklich ähnlich. Tanja Möck ist ruhig und sehr rund - und die einzige die in der Fernsehtruppe ruhig und freundlich ist. Heidi, Beate und Kristen sind nicht mehr junge, nicht mehr schöne Frauen die weiterhin auf größere Rollen im Fernsehen hoffen.

Die Geschichte aus entweder aus der Sicht von Carlotta erzählt, oder aus der des Polizisten Erik.
Dieser Roman ist der fünfte Band mit Mama Carlotta - es ist nicht irritierend die Romane davor zu lesen, was sehr angenehm ist.

Am Anfang habe ich mich sehr gut beim Lesen unterhalten. Später hat die Geschichte dann für mich an Schwung verloren. Vor allem das Ende hat mich enttäuscht, hier hatte ich auf etwas Spannenderes gehofft.

In Summe habe ich mich gut beim Lesen unterhalten, das beschriebene Essen macht Gusto. Viel Spaß beim Lesen !

Gisa Pauly wurde am 23. Februar 1947 in Gronau im Münsterland geboren. Sie arbeitete als Lehrerin einer Berufsschule, wurde dann freie Autorin ab 1993 und schrieb als Autorin für eine Telenovelas der ARD. Der erste Roman mit Mama Carlotta erschien 2007 'Die Tote am Watt'. 2013 erschien bereits der dreizehnte Roman mit dieser Großmutter. Die ersten Romane der Autorin erschienen bereits in den 90-er Jahren



Dienstag, 17. März 2020

Frida Mey : "Radieschen von unten"

Frida Mey :
"Radieschen von unten" - ein Bestatter Krimi
2013, Aufbau Verlag, Berlin
275 Seiten
ISBN 978-3-7466-2976-6

Elfie Ruhland soll buchhalterische Genauigkeit für eine Überprüfung eines Bestattungsunternehmens einbringen. Während sie dem Chaos der Belege nachgeht. beobachtet sie die diktatorische Chefin, und ihren unterdrückten Sohn. Ein Witwer beschwert sich und wird erschlagen aufgefunden. Später wird die Chefin tot über einem der Särge aufgefunden. Kommissarin Alex hat einiges zu tun um hier zu klären was abgelaufen ist.
 
Am Cover schaut ein Mops-Gesicht aus einem Karton heraus. Der etwas rundliche Mops Amadeus wurde eigentlich nur für eine Kreuzfahrtreise geparkt, wird aber ins Polizeikommissariat mitgenommen, begleitet zum Bestatter und auf den Friedhof und liebt Pralinen.

Elfie plaudert auch noch nach 30 Jahren mit ihrem Gefährten am Friedhof, auch wenn die Zeichen der Kerze nicht immer klar sind. Sie glaubt lange an das Gute im Menschen, aber wehe denjenigen die bei ihr Minusstriche in geheimen Buch ansammeln; da hilft manchmal ein Unfall um neue Liebe in die Wege zu leiten.
Alex ist eine attraktive fröhliche Frau, die nicht bereit ist von ihrem Freund an der Nase herum führen zu lassen. Sie packt in der Polizei an, und löst ihre Fälle.
Der Sohn der Bestatterin wird höflich, unterdrückt und verliebt geschildert. Die Azubine ist mit Piercings übersäht, was die Chefin nicht mag, die anderen aber nicht stört.

Das Buch ist humorvoll geschrieben. Es gibt einige skurrile Szenen, die mit Vergnügen zelebriert werden.

Es ist von Vorteil wenn man Hundefan ist, um das Buch komplett zu genießen . Viel Spaß beim Lesen !

Frida Mey ist ein Pseudonym, das  für Friedlind Lipsky (Frida) und Ingeborg Struckmeyer (Mey) steht.  
Friedlind Lipsky (Frida) wurde 1957 in Weserbergland geboren, studierte Lehramt für Englisch und Französisch, und arbeitete in einer PR-Agentur. und d
Ingeborg Struckmeyer wurde in Bottrop geboren, studierte in Münster und Köln,und war anschließend als Diplom-Bibliothekarin tätig.
2012 erschien der erste Roman der beiden Autorinnen mit Elfie Ruhland "Manchmal muß es eben Mord sein".

Sonntag, 8. März 2020

Guido Buettgen : "Champagnertod"

Guido Buettgen :
"Champagnertod" - Oberbayern Krimi
2018 Emons Verlag
384 Seiten
ISBN 978-3-7408-0314-8

Kriminalrat Mads Madsen den es als Kommissar aus dem Norden Deutschlands nach Oberbayern verschlagen hat, muß diesmal auf seiner Maschine die gräßlichen Ermordungen zweier harmloser Ehefrauen aufklären. Polizeikommissar Maximilian von Werdenfels der sich mit den digitalen Medien gut auskommt, entdeckt daß die Ehefrauen nebenbei einen Erotikkreis aufgebaut haben und tut einen schmierigen Gigolo auf. Auch ein Computernerd wird als Kontaktmann entdeckt. Nach Einbeziehen des Bundesheeres wird nach einem Showdown der Mörder erwischt.

Die Romanze zur attraktiven Immobilienmaklerin Lissy Berghammer kommt endlich in die richtigen Gänge und beide trauen sich zu ihren Gefühlen zu stehen.

Die Personen der Handlung und auch Randfiguren sind detailreich und mit Schwung geschildert. ich habe mich sehr gut bei deren Schilderung unterhalten. Bei der Polizei gibt es den homosexuellen Werdenfels, einen alten grantigen Polizist der nur negativ ist, einen jungen der den Menschen Chancen geben möchte. Die Beschreibung des schmierigen Gigolos mit seiner Überheblichkeit, und den trockenen Kommentaren einer Kellnerin ist sehr unterhaltend.

Es gibt viele sprachliche Spielereien, die beim Lesen zum Lachen bringen. Werdenfels verdreht beim Brainstorming oft Sprichwörter, die seine Umgebung und auch den Lesen irritiert, aber auch die Denkzellen durchputzt.

Die Geschichte ist spannend und durchaus rasant erzählt. Mitraten nach dem who-dunnit ist hier nicht möglich. Ich habe öfters laut gelacht. Viel Spaß beim Lesen !

Guido Buettgen, wurde geboren 1967. Er studierte visuellen Kommunikation und war für Werbeagenturen tätig. Einige Zeit verdiente sein Geld als Boxtrainer. 2012 erschien sein Reiseführer; 2016 sein erster Krimi "Champagnerblut".