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Samstag, 14. Juni 2025

Liza Markland : "Prime Time"

Liza Markland :
"Prime Time" - ein Annika Bengtzon - Roman
original "Prime Time
2002, Piratförlaget, Stockhom
Deutsch von Susanne Dahmann
2005, Rowohlt Taschenbuch Verlag
408  Seiten + 3 Seiten Danksagung
ISBN 978-6-499-23298-7

Annika muß nach der Geburts des zweiten Kindes nach der Karenz wieder zurück in ihre journalistische Arbeit, während ihr Partner mit den beiden gemeinsamen  Kindern einige Tage bei seiner Familie im Urlaub ist. Eine charismatische Fernsehmoderatorin war ein einem dort Regen abgeschlossenen Ort ermordet worden - weshalb es genug eindeutige Verdächtige aus der Medienbranche gibt, von denen jeder einiges zu verbergen hat.
Nebenbei kämpft der Herausgeber der Zeitung, in der Annika angestellt ist, gegen das Gefühl, daß der aktuelle Besitzer die Zeitung in den Abgrund und Verkauf führen möchte, und setzt Annika auf heimlich Recherche an.
Am Schluß hat Annika Insiderhandel aufgedeckt, die Zeitung gerettet und in einem großen Showdown wird der Mord aufgeklärt.

In dem Kriminalroman wird einiges aus dem Hintergrund des Fernsehjournalismus erzählt - Bänder recherche, Datenbank, Machtkampf und Intrigen mit Terminen, Menschen die es nie schaffen werden aber notwendig sind, und zerstörte Visionen weil zuwenig Kameracharisma vorhanden sein kann. Diese Abschnitte sind sehr glaubhaft, und habe mich am meisten berührt.

Nebenbei gibt es Familienthemen weil Annikas Partner einige Erwartungen seiner Familie zurecht rückt, und mit Glück sich auch seiner Arbeit neue Türen auftun.

Der Roman ist gut geschrieben und durchaus unterhaltend. Viel Spaß beim Lesen über die Medienbranche.

Eva Elisabeth „Liza“ Marklund wude am 9. September 1962 in Parmark, einem Dorf bei Pitea , in Stadt in der Provinz Norrbottens geboren . Sie  eine schwedische Journalistin, Krimiautorin und Gründerin des Verlages Piragförlaget. Annika BengtzonRomane erschienen ab 1999 auf schwedisch; mittlerweile gibt es 13 Romane. Ihr erster Roman war 'Mia. Ein Leben im Versteck', Originaltitel 'Gömda' (1995, überarbeitete Auflage 2000).

Samstag, 8. Juli 2023

Paul Grote : "Bitterer Chianti"

 Paul Grote :
"Bitterer Chianti" - Ein Wein-Krimi
2005 / 4. Auflage April 2006
300 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 9778-3-499-23998-4

Frank Gatow (den die italiener wie Gatto also Katze ausprechen) ist als Photograph geschickt worden um Weingüter in der Toskana zu photographieren; die Termine sind bereits ausgemacht. Hier kommen ihm Schläger in die Quere, die seine Ausrüstung ruinieren und auch sonst zusetzten. Ein Termin wird nicht gehalten, weil der Winzer nicht wie vereinbart erscheint. Dafür lernt er eine sympathische Winzerin kennen, die leidenschaftlich feinen, aber wenig Wein macht. Als einem Winzer seine Maschinen gestohlen werden, und befreundete Winzer helfen und dafür behördliche Probleme bekommen, beginnen sich die Machtspiele einer überregionalen Gruppe zu erkennen. Ein sehr arroganter Mann wird am Schluß von seinem Dünkel gestossen.

Der Roman ist gut geschrieben, läßt die Menschen und Landschaft vor dem geistigen Auge entstehen, sodaß man als Leser/in fast mitwandern könnte.

Es wird auch Wissenswertes über Wein geschrieben, das interessieren kann oder auch nicht.

Bei den Personen sind der zwielichte Weinkenner Scudiere nicht uninteressant. Politiker Strozzi ist ein Politiker aus dem Abziehbuch. Als Garnierung gibt es eine aufmerksame Vermieterin mit sehr aufdringlicher Tochter mit teilweise unerwünschten Verbindungen.

In Summe ein herrliches Urlaubsbuch. Viel Spaß beim Lesen

Donnerstag, 7. Juli 2022

Robert Whitaker : "Die Frau des Kartographen"

Robert Whitaker
„Die Frau des Kartographen und das Rätsel um die Form der Erde“
Original : „The Mapmaker's Wife. A True Tale of Love, Murder and Survival in the Amazon“
2004, Basic Books, New York
Aus dem amerikanischen Englisch von Enrico Heinemann und Werner Roller
2005, Karl Blessing Verlag
327 Seiten (inkl. Abbildungen) – vordere und hintere Innenseite Karte des oberen Südamerika mit der Reise von Isabel Godin – 1 Seite Inhaltsverzeichnis – 4 Seiten Vorwort – 3 Seiten historische Persönlichkeiten – 18 Seiten Anmerkungen – 7 Seiten Bibliographie – 3 Seiten Danksagung – 4 Seiten Register
ISBN 3-89667-235-5

Der Autor vermengt zwei Erzählstränge : auf der einen Seite erzählt er vom Bestreben der Wissenschaftler zur Zeit der Aufklärung die Form der Erde zu bemessen, um herauszugekommen ob die Erde eine Kugel, eine Melone und wie abgeplattet die Pole der Erde sind. Frankreich und Spanien sind in den 30-ger Jahren des 18 Jahrhunderts verfeindet, Spanien läßt (fast) niemanden in das reiche Land Peru, die Wissenschaftler sind entweder für Newton oder Cassini, als eine Gruppe Wissenschaftler 1735 nach Südamerika zu Vermessung geschickt wird, und eine kleine Truppe nach Lappland, auch hier um Bogendirektionen nach zu triangulieren. Während Lappland einfach und kurz gehandhabt wird, dauert die Reise nach und in Südamerika fast ein Jahrzehnt.

Leiter der Expedition waren Charles-Marie de La Condamine, Pierre Bouguer und Louis Godin, unterstützt von weiteren Wissenschaftlern, Assistenten, und Dienern (denen nicht einmal ein Name zugestanden wurde / neben dem Ruhm gab es weitere Ungerechtigkeiten, denn nur den drei Leitern wurde die Rückreise nach Frankreich gezahlt, was ziemliche Probleme machte).
In Südamerika wurden ihnen zwei naturwissenschaftlich interessierte Offiziere zur Seite (und eigentlich zur Kontrolle) gestellt, die später selbst durch genaue Informationen bekannt wurden.

Die Forschungstruppe reiste oft in getrennten Gruppen, die einen über die Anden, die anderen im Flußbereich und sammelten Erfahrungen, verloren Gepäck, widmeten sich der Aufnahme von Flora und Fauna und sachlichen Betrachtungen, die frei von religiösem, politischen oder fantasiesüchtigen Ansätzen waren (im Gegensatz zu vielen Berichten davor. Sie beschrieben ebenfalls wie schlecht mit den Indios umgegangen wurde).
In den Städten galten wie in Frankreich und Spanien übertriebene Ehr-Regeln, die auch hier zu Problemen führten.

Der zweite Strang geht um Isabel Gramesón, verheiratet seit 1741 mit Jean Godin (Neffe von Louis Godin), die es als Frau durch den unwirtlichen Amazonas von Ecuador bis Französisch-Guyana schaffte um nach mehr als zwanzig Jahren endlich wieder ihren Ehemann zu treffen.

Während mich die Kapitel, in denen die Wissenschaft um die Vermessung der Welt (und persönliche Befindlichkeiten) diskutierte, der Einfluß von Politik und Religion, die Arroganz und Brutalität mit der Militär und Kirche in Südamerika vorging und damit viele Indio-Stämme auslöschte sehr faszinierte, hat mich die bellitristische Art wie über Isabel Gramesón und die Liebesgeschichte, sowie die Religiösität der Dame geschrieben wurde, abgestossen.

Die fünfzehn Kapitel sind mit alten Stichen, die Portraits und Landkarten zu diversen Zeitpunkten zeigen ergänzt. Einige zeigen auch die Meßinstrumente die über die Meere und durch die Berge geschleppt wurden. 

Der Autor ist Journalist / Wissenschaftsjournalist. Leider fand ich kein Geburtsdatum von ihm. 2001 erschien sein Buch "Mad in America", 2011 erschien "Anatomy of an Epidemic".

Montag, 13. Januar 2020

Jonathan Safran Foer : "Extrem laut und unglaublich nah"

Jonathan Safran Foer :
"Extrem laut und unglaublich nah"
Roman
original "Extremly loud and incredibly close"
2005, Houghton Mifflin
Aus dem Amerikanischen von Henning Ahrens
2007, Fischer Verlag / Auflage November 2009
352 Seiten
ISBN 978-3-596-16922-1

Oskar Schell ist ein neugieriger, nicht einfacher Bub im Zentrum New Yorks, der damit fertig werden muß, daß sein Vater, der einzige Mensch der ihn beruhigen und gleichzeitig fordern kann, plötzlich nicht mehr da ist. Es entschlüsselt sich, daß Thomas Schell, der Vater, in den Zwillingstürmen zum Zeitpunkt der Flugzeugseinschläge war; er hat Nachrichten am Telephonantworter hinterlassen, die Oskar vor seiner Mutter versteckt. Er sucht ein verstecktes Zeichen seines Vaters, findet einen Schlüssel und das Wort Black, worauf er sich auf die alphabetische Suche nach den Blacks in New York macht. Ein älterer Mann begleitet ihn einige Monate lang. Im Haus gegenüber wohnt seine Großmutter, die Mutter seines Vaters, bei der später ein Mieter auftaucht. Dieser hilft Oskar und seiner Mutter mit dem Tod des Vaters/Ehemann fertig zu werden.
Parallel wird in das Leben von Oskars Großeltern in Dresden Ende des zweiten Weltkriegs erzählt. Oskars Großvater, der die Schwester von Oskars Großmutter liebte, die bei den Bombardierungen um Leben kam, und der durch die Geschehnisse die Sprache verlor. Er kommunizierte über Zeilen in Heften und seinen Händen und verschwand als sein Sohn auf die Welt kam. Die Großmutter, die in ihrer Liebe zweimal den Großvater Oskars in ihr Leben läßt.

Viele Abschnitte gingen mir beim Lesen unter die Haut. Die Stellen in denen die Sehnsucht des Buben nach der Ruhe des Vaters geschildert wird, wie er versucht den gefundenen Schlüssel als Rätsel zu begreifen (was schief geht) und die Beschreibungen der Brandbombenvernichtungen in Dresden.
Die Dialoge zwischen den Menschen, die manchmal sehr abgebrochen und assoziatitiv sind lesen sich beindruckend.

Es sind viele Photos in diesem Buch abgebildet, die in Beziehung zu dem Text stehen. Oskar findet für sich eine Lösung, die er in Photos umsetzt.

Auf der einen Seite ist die Figur des Oskar faszinierend wenn er "gugolplexviele" Erfinderideen hat, sachlich Probleme durchdenkt und mit seiner Begeisterung die wichtigsten Genies wegen Mitarbeit anschreibt. Auf der anderen Seite stelle ich mir das Leben mit ihm der Angst vor vielem hat, mit Tambourin (die "Blechtrommel" läßt grüßen ?) durch die Straßen geht nicht einfach vor.
Leider bekommt seine Mutter, die mit dem Tod des Ehemanns fertig werden muß, weniger Mitgefühl des Autors. Dafür der Großvater, der der großen Liebe nachtrauert, mit der Schwester der Liebe lebt und sich vor der Verantwortung für seinen Sohn entzieht, umso mehr.

Der Titel "Extrem laut und unglaublich nah" bezieht sich im Gegensatz zu meinen Erwartungen, daß es etwas mit den Flugzeugeinschlägen zu tun hat, auf das Erlebnis eines älteren Herrn Black, als dieser erstmals mittels Hörgeräten einen Schwarm Vögel als laut laut und nahe erlebt.

Dieses Buch ist mir bereits 2009 geschenkt worden, allerdings war offenbar erst jetzt der richtige Zeitpunkt um die Welt des kleinen Oskar Schell einzutauchen.

In Summe ein starkes Buch für das ich länger gebraucht habe, und sehr unter die Haut geht. Ich wünsche gutes intensives Lesevergnügen !

Jonathan Safran Foer wurde am 21. Februar 1977 in Washington, DC geboren. Er war zuerst Ghostwriter und Rezeptionist, bevor er beschloß Schrifsteller zu sein.
2002 erschien Foers Debütroman 'Everything Is Illuminated' ( dt "Alles ist erleuchtet 2003). 'Extremely Loud & Incredibly Close' ist sein zweiter Roman. 2009 erschien sein erstes Sachbuch 'Eating Animals' (dt. Tiere essen).

Freitag, 9. Februar 2018

Stieg Larsson : "Verblendung"

Stieg Larsson :
"Verblendung"
Roman
original " Män som hatar kvinnor" (dt. „Männer, die Frauen hassen“)
2005, Norstedts
Aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn
2006, Wilhelm Heyne Verlag, München
683 Seiten
ISBN 978-3-453-43245-1

In dem Thriller werden die Suche nach einer Vermißten mit der Recherche gegen einen gut vernetzen Wirtschaftsboss.
Am Anfang steht daß der Journalist Mikael in eine Falle getappt ist, weswegen er eine Auszeit nimmt. Diese nutzt ein anderer Wirtschaftsboss um ihn zu beauftragen eine Familienchronik zu verfassen, aber ihm vor allem das Verschwinden bzw den Tod seiner Enkelin Harriet aufzuklären. Parallel wird die Hackerin Lisbeth zu Recherchezwecken eingeschaltet. Für das Verschwinden von Harriett arbeiten sie zusammen, was ihm letztendlich das Leben rettet. Am Ende werden die Netze des betrügerischen Wirtschaftsbosses medienwirksam entflochten.

Die Familie des Wirtschaftsmagnaten Vanger wird mit vielen Menschen geschildert, von denen die meisten ziemlich ungemütlich bis eigen sind, nur wenige sind liebenswert und bereit sich positiv für anderen Menschen einzusetzen. Es gibt nicht nur Workoholics, Alkoholiker, Religionsbesessene, politisch einseitige Persönlichkeiten, sondern auch wirklich Schädliche für Menschen und Gesellschaft.

Als wichtige handelnde Personen sind der Journalist Mikael Blomkvist der eine privat finanzierte also unabhängige Zeitschrift mit einer uralten Freundin führt. Er hinterfragt politische und wirtschaftliche Machenschaften und hat jede Menge Feinde.
Ihm gegenüber und gleichzeitig als Hilfe ist Lisbeth Salander, die etwas ähnliches wie Asperger Syndrom hat, damit Menschen emotional neutral bleibt aber grandios mit Daten ist. Ihr Leben war gezeichnet von Menschen die sie dirigieren wollten, und auch Übergriffen, sie saftig geschildert sind.
Während Mikael journalistisch getrieben ist, ist Lisbeth entweder neutral denkend oder auf Seiten der unterdrückten und gequälten Frauen aktiv. Von ihr kommt cirka der Satz "auch nur ein Mann der Frauen haßt".

Die Geschichte ist spannend geschrieben (und übersetzt). Die Sprache ist direkt und schnörkellos, ohne großartige Metaphern, fällt manchmal ab, ist aber nicht störend tief.

Der Roman ist der erste Teil der Trilogie. Ich habe mich noch nicht entschieden ob ich die beiden weiteren Teile lese, oder mich den vielen anderen von mir noch nicht gelesen Büchern widme. 

In Summe ein spannender Roman, bei dem mir die Frauengestalten mehr unter die Haut gingen, den ich gerne weiterempfehle.

Karl Stig-Erland Larsson - als Schriftsteller unter Stieg Larsson - wurde am 15. Augugust 1954 in Skelleftehamn Västerboten (Nordschweden) geboren. Er war Jounalist,  arbeitete bei einer Nachrichtenagentur, gab das Magazin "Expo" heraus und Schriftsteller über Extremismus. Die "Milleniumstrilogie" kam posthum heraus; der vierte Band blieb unfertig; weitere vier bis sechs Bücher liegen als Expose vor. Er starb am 9. November 2004 (Herzinfarkt).

Freitag, 25. August 2017

Jeff Lindsay : "Dearly devoted Dexter"

Jeff Lindsay :
"Dearly devoted Dexter"
2005, Orion Books / 2006, paperpack edition
296 Seiten
ISBN 978-0-7528-7788-4

Dexter Morgan, Blutspezialist bei der Polizei in Miami, hat eine nette Freundin mit Kindern und einen 'dunklen Passagier', der gerne Menschen tötet. Dexters Adoptivvater hat ihm beigebracht daß er erst sicher sein muß, daß ein Mensch bewiesenermaßen Böses getan hat und durch die Lücken der Gesellschaft keine Strafe erwartet oder erwischt wird bevor er zuschlagen darf. Ein Kinderschänder ist hier genau das richtige um die dunkle Stimme in ihm zu beruhigen. Mitten in den Vorbereitungen wird er genauso wie seine Schwester und das andere Polizeiteam zu einem Tatort gerufen, bei dem ein menschliches verstümmeltes Wrack gefunden wird. Externe Hilfe trifft ein und wir den Leuten vor Ort vor die Nase gesetzt. Es werden noch einige Menschen verstümmelt, eine Falle aufgestellt die leider nicht wie geplant funktioniert bis ab Schluß der Verstümmelnde getötet wird und Dexter - und der 'dunklen Passagier' endlich den Kinderschänder seiner Strafe zuführen darf.

Parallelgeschichte ist daß sich Dexters Schwester Debra in den externen Polizisten verliebt. Und Dexter sich irrtümlich mit Rita verlobt, was in einer ziemlich alkohol-lastigen Party gefeiert wird.

Das ist Buch 2 aus der Dexter Serie, das auf deutsch mit dem Titel "Dunkler Dämon" übersetzt wurde. Da ich Dexter, die Serie zwar nur teilweise gesehen habe, interessiert mich die Vorlage. Eingeweihten zufolge ist diese Geschichte nicht eins-zu-eins in einer Serie gelandet.
Das wirkliche Problem ist für das auseinanderklaffen der Figur von Debra, die im Buch eher üppig beschrieben wird, in der Serie aber eine dünne Frau ist. Netterweise ist die mich ziemlich nervende Rita im Buch weniger präsent.

Ich habe mich köstlich beim Lesen amüsiert. Der böse schwarze Humor, das Spiel zwischen echter Emotionslosigkeit, bemühen um freundliche Fassade als emotionaler Mensch aber professionellem Interesse an der Technik des Verstümmelnden sind zynisch unterhaltend beschrieben. Zynisch unterhaltsam sind auch Kommentare über eine Pädophilenvereinigung, von der Dexter gar nichts hält.

Das Englisch ist unterhaltsam v.a. wenn der Autor mit Aussagen wie "Dexter the Avenger" oder "Dutiful Dexter" spielt. Gewisse Vokabel wie 'dismemberment' mußte ich nachblättern.

In Summe ein herrlich rabenschwarzes Buch. Viel Freude beim Lesen !

Jeffry P. Freundlich,  Pseudonym Jeff Lindsay, wurde am 14. Juli 1952 in Florida geboren. 
Sein erster Roman 'Tropical Depression: A Novel of Suspense' wurde 1994 veröffentlicht. In den 1990er-Jahren folgten noch drei Werke, jedoch erst 2004 feierte Lindsay mit Darkly Dreaming Dexter den Durchbruch und seinen ersten großen Erfolg. Mittlerweile gibt es acht Bücher mit Dexter Morgan.

Montag, 26. Dezember 2016

Andrea Schacht : "Katzen Weihnacht"

Andrea Schacht :
"Katzen Weihnacht"
2008, Aufbau Verlag GbmH
* "Die himmlische Weihnachtskatze"
2003, Rütten & Loening Berlin
* "Die Katze und der Weihnachtsengel"
2005, Rütten & Loening Berlin
99 Seiten + 107 Seiten
ISBN 978-4-746-2499-0

In dem Buch sind zwei Katzengeschichten, die beide um Weihnachten angesiedelt sind.
In der "himmlischen Weihnachtskatze" kommt eine bildhübsche dreifarbige Wunderkatze auf die Welt, die hier einem Mädchen verhilft, daß ihr Vater wieder liebevoll wird und eine neue Frau - die Katzen liebt - findet. Nebenbei erfüllt die Katze Wünsche, wird von dummen Buben gejagt und hilft dem schwarzen Kater auch zu einer liebevollen Familie.
In "Katze und Weihnachtsengel" fällt ein Engel aus den Wolken, verändert eine Großmutter ihr Leben und ein verwöhnter schwarzer Kater büxt aus weil er sich nicht mehr als Puppe verkleiden möchte. Erzengel Michael wird ausgesandt, den Engelbengel zu finden, der sich durch die praktische und nicht hysterische Hilfe der Großmutter überraschend gut auf der Welt zurecht findet und vielen Menschen und Katzen helfen kann. Als Gegengewicht ist auch ein böser Dämon auf der Welt, der allen schwarzen Katzen ans Fell möchte. Auch hier geht alles gut aus.

Menschen und Orte der Handlung sind gut vorstellbar, wobei den liebevollen Menschen etwas mehr Raum gegeben wird. Wie im klassischen Märchen geht für die 'Guten' alles gut aus, und die 'Bösen' nicht.

Die Darstellung des Himmels mit den Figuren auf den Wolken ist sehr unterhaltsam, wenn sie auch für puristische Christen zu frech sein dürfte. Für andere sind die Szenen zum Kichern einladend.

Es sind wunderbare Geschichten mit wunderbaren Katzen - 'Sternchen' als Himmelskatze stelle ich mir wunderschön vor. Die Geschichten sind gut lesbar und tun bei den Grauslichkeiten der Welt rundherum einfach gut. Viel Freude dabei - miau !

Andrea Schacht wurde 1956 in Schleswig-Holstein geboren. Sie studierte Werkstofftechnik und Betriebswirtschaft  und war anschließend im industriellen Großanlagenbau tätig. Seit 1992 widmet sie sich nur noch dem Schreiben - inspiriert durch einen schwarzen Hotelkater im Urlaub. 1994 erschien der erste Katzenroman, dann Roman deren Heldin im Mittelalter lebt. Schacht lebt in Wachtberg (Nordrhein - Westfalen).

Donnerstag, 3. November 2016

Rick Riordan : "Percy Jackson and the lightning thief"

Rick Riordan :
"Percy Jackson and the lightning thief"
2013, Published by Penguin books
2005 first published,
375 Seiten
ISBN 978-0-141-34680-9

Percy (eigentlich Perseus) Jackson ist ein 12 jähriger Bub mit Problemen wie einem gräßlichen Stiefvater, attestierter Hyperaktivität, Legasthenie und kaum Freunden da er dauernd Schule wechseln muß. Bei einem Sommerurlaub am Meer mit seiner liebevollen Mutter sind wieder mal Monster hinter ihnen her, von denen er zwar eines tötet, aber seiner Mutter nicht helfen kann. Hilfe kommt im Camp Half-blood Hill, wo lauter Kinder wie er - nämlich kleine Halbgötter von griechischen Göttern leben. Spät aber doch bekennt sich der Meeresgott Poseidon zu ihm womit die wirklichen Probleme erst beginnen und ihm eine Aufgabe gestellt wird. Mit seinem Freund, dem Satyr Grover und einer der Töchter Athenes, Annabeth reist er quer durch Amerika trifft ungemütliche Monster und Fabelwesen aus der griechischen Mythologie und auch Götter bis er die Aufgabe erledigt. Paar andere Angelegenheiten gehen auch gut aus.

Diese amerikanische Antwort auf den britischen Harry Potter wirbelt die griechischen Götter durcheinander und hängt ihnen einige menschliche Eigenschaften um, was für erwachsene Leserinnen und Leser - die sich in deren Pubertät mit der griechischen Mythologie beschäftigt hatten - ziemlich unterhaltsam ist. Die amerikanische Theorie daß die Götter im Zentrum der Welt, das offenbar derzeit nur in Amerika und New York sein kann, nervt etwas.

Die Figuren sind manchmal unterhaltsam, manchmal etwas einseitig geschildert. Percy - der die Geschichte aus der Ich-Sicht erzählt, ist ein witziges Gemisch aus Latein- und Geschichte-interessiertem Buben und sonst Querkopf, Satyr Grover frißt mit Vergnügen Blechdosen und Spielkarten und arbeitet am erwachsen werden, Annabeth ist eine attraktive klar denkende junge Frau, Chiron sitzt als Lateinlehrer für die Menschen in einem Rollstuhl ist aber sonst der Weise und Heiler aus der Mythologie, Mr. D als Camp Vorstand ein frustrierter Dionysos im Hawaihemd, die Beschreibungen von Hades + Zeus + Poseidon im coolen Anzug bis buntem Hemd und Jesuslatschen liest sich ziemlich unterhaltsam. Die Probleme in der Unterwelt sind für Menschen die sich mit Herkules Besuch dort beschäftigt haben, vermutlich zum Schmunzeln bringend. Die Darstellung des Ares als dump-listigen Biker-Boy hat mich gestört, da Ares vielschichtiger als Mars und in der Kriegslist bewandeter beschildert worden war. Selbst eine Gestalt tritt als Orakel auf.

Es gibt jede Menge an Kampf-Szenen, einerseits zum üben als auch draußen in der bösen Welt gegen die Monster. Das ist Geschmackssache.

Das Englisch ist gut zu lesen, und der Roman unterhält gut. Ich überlege mir einen der Folgeromane zu Lesen um zu sehen ob und wie die Figuren und die Spannung hält.
Viel Spaß beim Lesen !

Rick Riordan wurde am 5. Juni 1964 in San Antonio, Texas geboren. Er studierte Englisch und Geschichte an der Universität in Texas Austin  und war danach Lehrer an Schulen in Kalifornien und San Antonio. Sein erste Buch erschien 1997 "Big Tequilla" , aus dem dann die Krimiserie 'tres navarre' entstand. Seinen Durchbruch hatte er 2005 mit dem ersten Buch über Percy Jackson
Außerdem schreibt er die Buchreihe 'Helden des Olymp'. Rick Riordan lebt mit seinen zwei Söhnen und seiner Frau in Boston.

Sonntag, 23. November 2014

Mary Higgins Clark : "Du entkommst mir nicht"

Mary Higgins Clark :
"Du entkommst mir nicht"
original "On the street where you live"
2001
aus dem Amerikanischen von Karin Dufner
2005, Wilhelm Heyne Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Taschenbuchausgabe
382 Seiten
ISBN -453-72054-7

Nachdem ich vor Jahren einige Kriminalromane von Mary Higgins Clark auf englisch gelesen hatte, ist mir diese deutschsprachige Taschenbuchausgabe mit Katze am Cover in die Hände gefallen.

Die geschiedene Strafverteidigerin Emily Graham zieht in ein Haus der Küstenstadt Spring Lake. Dort waren in den 90-er Jahren des 19. Jahrhunderts drei junge hübsche Frauen spurlos verschwunden. 110 Jahre später verschwinden wieder zwei. Beim Aufarbeiten der alten Geschehnisse liest Emily alte Briefe, Tagebücher, Zeitungen und baut die kleine alte Straße aus Spielzeugboxen wieder auf. Der Mörder hat sie als drittes Opfer auserkoren, was sie aber nicht merkt, denn sie wird durch Photos gestalkt. Die Polizei findet zwar noch einige andere tote Frauen, kann bei ihr aber rechtzeitig dazwischen schießen.

Die Geschichte wird in sieben großen Kapiteln geschrieben. Das jeweils erste Unterkapitel ist aus der Sicht des Mörders aus Ich-Sicht geschrieben; sonst ist das Buch wie gewohnt aus der Autoren-Beobachtungs-Perspektive.

Ort der Handlung ist ein Ferienort an der Küste, an dem langjährige Bewohner seit Generationen wohnen, aber auch nur am Wochenende bewohnt werden, da New York nahe liegt oder überhaupt als Ferienidylle dient.
Die Personen im Buch sind als alle Altersstufen und Charaktere geschildert. Die Polizisten werden engagiert gezeichnet; ein alternder Rektor mit seiner dominierenden Frau, ein alternder Geschäftsmann mit seiner jungen schönen Frau, ein Immobilienanwalt, eine Journalistin, eine Psychologin, Vater und Sohn einer Rechtsanwaltskanzlei und ältere Herrschaften sind liebevoll mit feinen Details gezeichnet

Das Buch ist genau das richtige für einen grauen Tag, den der Leser/die Leserin lieber auf der Couch lesend als draußen verbringen möchte.

Mary Higgins Clark (geboren als Mary Theresa Eleanor Higgins) wurde am 24. Dezember in New York City geboren - die Jahreszahlen sind unterschiedlich 19291927, 1928 oder 1931. Sie arbeitete eine Zeitlang als Stewardess, bis sie nach ihrer Heirat zu schreiben begann. Nach dessen frühem Tod begann sie mit Kriminalgeschichten und studierte Philosophie. 2013 ist ihr 43. Kriminalroman erschienen ("On the street where you live" ist der 26.)

Sonntag, 13. Juli 2014

Juan Marsé : "Liebesweisen in Lolitas Club"

Juan Marsé :
"Liebesweisen in Lolitas Club"
Roman
original, "Canciones de Amor en Lolita's Club"
2005, Arete, Barcelona
aus dem Spanischen von Dagmar Ploetz
2007, Wagenbach Verlag Berlin
247 Seiten
ISBN 978-3-8031-3213-0

Raúl Fuentes ist frustrierter, zynischer Polizist, der zum Zuschlagen neigt. Als er zwei Frauen beschützt und dumme Motorfahrer zusammenschlägt, ist leider der Sohn eine mächtigen Mannes dabei. Er wird suspendiert und fährt zur Vater, Zwillingsbruder und deren Pferden in Galicien. Valentín, der Zwillingsbruder, ist der einzige Mensch dem er Zuneigung entgegenbringt - allerdings ist Valentín durch Probleme bei der Geburt geistig zurückgeblieben, dafür liebevoll und vorurteilslos. Er hat sich in eine traurige illegal eingereiste Prostituierte verliebt. Keiner kann ihm das ausreden. . Auch oder gerade Raúl mit seinem Haß und Verachtung auf und für alle Frauen - die Mutter hat sie beide verlassen - nicht. Valentín hilft in dem Etablissement als Koch/Kellner/Bote/Mädchen für alles aus. Ein Irrtum löst Valentíns Problem, das der anderen nicht.

Der Roman ist irgendwie spröde. Manchmal geht die Geschichte überhaupt nicht weiter, dann ist plötzlich Dynamik drin. Die Stellen in denen die beruflichen Unterhaltungsmädchen auf den Abend warten und nichts tun, ziehen sich mir etwas zu lange.

Die Menschen sind in ihren Träumen und Traumata gefangen. Raúl mit seinem Ansatz, daß alle Frauen Huren wären, der Vater der die Willkür der Franco-Ära nicht überwunden hat, die Mädchen die in die Fremde geschleppt wurden und denen es nun schlechter als vorhin geht, die Freundin des Vaters (die Raúls Ex-irgendetwas war) und nun den Haushalt der Männer schupft.

Kurz wird es politisch, als ein arrivierter Arzt und der Raúls Vater die sich aus alten Zeiten kennen und etwas schuldig sind, versuchen Raúl zu helfen. Die Frage nach den Werten in der Politik, gerade das diktatorische rechts und die Frage wie Demokratie funktionieren kann wird kurz angerissen. Wie paßt man hier seine Werte an, oder nicht ? und wie reagieren anderen darauf ?

Wer sich für Spanisches interessiert und einen eher mißmutigen Hauptdarsteller (Beschreibung im Buch : Herz wie ein Stachelsaurier) umgehen kann, dem wird das Buch vermutlich gut gefallen. Wer freundliche heitere Urlaubslektüre möchte, ist hier nicht gut aufgehoben. Mich hat das Buch angesprochen.

Juan Marsé ( geboren als Juan Faneca Roca; adoptiert Marsé) wurde 1933 in Barcelona geboren. Er arbeitete in einigen Berufen (Spanischlehrer, Übersetzter, Laborgehilfe, bei einem Goldschmied etc) und schrieb Filmskripten und für die Werbebranche. 1961 erschien sein erstes Buch, 1966 mit 'Últimas tardes con Teresa' (auf dt.: Letzte Tage mit Teresa) war der Durchbruch. 1973 wurde 'Si te dicen que caí' (auf dt. Wenn man Dir sagt, ich sei gefallen...), da es durch die spanische Zensur fiel in Mexico herausgebracht und brachte ihm einen internationalen Preis. Er erhielt 2001 den 'Premio Nacional de la Crítica' und für sein bisheriges Gesamtwerk den 'Premio Nacional de Literatura'.

Sonntag, 7. April 2013

Carlos María Domínguez : "Wüste Meere"

Carlos María Domínguez :
"Wüste Meere"
original "mares baldíos"
2005, Carlos María Domínguez
aus dem Spanischen übersetzt von Elisabeth Müller
2006, Eichborn AG, Frankfurt
158 Seiten
ISBN 3-8218-5774-9

In diesem Buch sind sieben wunderschöne dichte Erzählungen abgedruckt, die sich alle mit dem Thema Wasser, Fluß oder Meer beschäftigen. Allen Geschichten ist für mich auch eine Art von Laissez-faire oder auch Toleranz eigen - man läßt dem anderen sein Tun. Die Geschichten sind dicht und schön geschildert, und gehören zu den wenigen Erzählungen die ich gerne gelesen habe und nicht mit dem Gefühl übrig geblieben bin, um einen Teil quasi betrogen worden zu sein.

In 'Johnnys Bekenntnis' lernt ein junger Uruguayer mitten unter seinen argentinischen Schwimmkollegen den großen Star Johnny Weißmüller kennen. Als alternder Star gibt er Masterclasses für die schwimmbegeisterte Jugend. Bei einem Wettschwimmen läßt der Junge den Alten gewinnen, weil er es braucht. Das Idol bekommt Risse, aber mit Menschlichkeit kommen die beiden auf neue Ebenen.

In 'Der Baum mit den Reihern' wird eine winzige Insel mit einem Baum, einer miserablen Hütte, einem Menschen und vielen Reihern von einem Orkan heimgesucht. Obwohl Orkane gewohnt, ist diesmal die nassen und windigen Elemente doch stärker als gewohnt. Der Mensch versucht Hütte und sich zu retten, verliert die Hütte aber überlebt. Die Reiher müssen ihn zwischendurch wärmen.

'Mancuso' ist ein alternder berühmter Pirat. Er versucht mit seiner Crew ein Schiff, das auf eine Sandbank gelaufen ist, zu heben und sich des Guts zu bemächtigen. Der Versicherungsbetrug des Eigentümers inkl. dessen machtvolle Vernetzungen sind stärker als er und seine Crew. Mißtrauen steigt, der Ruhm ist am Ende dahin. Die Mafia hat gesiegt.

'Die Falle im Sand' erzähltvon einem Schiff, das gute und schlechte Frachten gehabt hat und bereits mehrere Namen getragen hatte. Der Kapitän versucht das zu verheimlichen, denn Schiffe mit vielen Namen haben einen schlechten Ruf. Als sie auf einer neuen Sandbank des Rio Plato auflaufen (die Sandbänke sind hier tückisch und flexibel), werden ihm und seinen drei Leuten das Wohl des Schiffes anvertraut. Versicherungen, Beamte, Eigentümer streiten wie es weitergehen soll. Die Crew hält das Schiff bei einem Orkan. Später wird das Schiff gesichtet - es hat wieder einen neuen Namen.

In 'Delta' erzählt ein alter Mann gegen paar Schnäpse die Geschichte eines Mannes der Frau und Kind am Gardasee verläßt um wieder am Wasser zu arbeiten. Er schließt sich Marcia Brooke, einer Piratin in den Flüssen an. Als es durch die Entwicklung immer schwerer wird mit Piraterie Erfolg zu haben, zieht sich die Gruppe zurück. Der Sohn taucht auf und findet statt dem ersehnten reichen Vater ein Wrack, das sein Hirn durch zuviel Alkohol vernichtet hat. Als der Sohn geht, läßt er eine Schachtel zurück - ein Finger mit einem Ehering.

In 'Brände' erzählt ein ehemaliger erster Schiffsoffizier wie er im Irakkrieg auf einem imponierenden hochmodernen Tanker, der mit Inertgasen fährt (unbrennbar), bei einem Überfall und anschließender Panik, leider einen Menschen tötet/töten muß um die Hierarchie aufrecht zu halten. Er rettet damit das Schiff und die vielen Menschen an Mord. Reederei, Ministerium, alle anderen sprechen ihn von Verantwortung frei - nur er kann sich nicht verzeihen und zieht ans Land, mit Blick auf die großen Schiffe im Hafen.

'Eine aufrichtige Unterhaltung' findet zwischen einem polnischen Maschinisten (Mirko) und einem lateinamerikanischen Offizier (Adrede) bei einer Flasche Grappa statt. Jeder spricht nur seine Muttersprache. Sie sprechen von Zweifeln, alten Geschichten und alten Lieben. Keiner versteht die Wort, nur die Mimik. Am Schluß entdecken sie einen erfrorenen Chinesen (blinder Passagier) in der defekt geglaubten Klimaanlage an Bord und wickeln das Geheimnis in beider Fremdsprache (englisch) ab.

Die Geschichten sind zwischen 15 und 20 Seiten lang. Nur die letzte Erzählung braucht fast 30 Seiten.

Alle Geschichten habe ich gerne gelesen, und nach dem fertigwerden etwas nachwirken lassen. Es ist keine Hektik, sondern Gelassenheit vorherrschend.

Die Landschaften und Zustände des Wassers sind schön geschildert. Die handelnden oder erzählenden Personen gut vorstellbar. Kein Knick stört.

In Summe ein sehr schönes Buch, das ich Menschen die sich entspannen und gleichzeitig mit den Gedanken reisen wollen, sehr empfehlen kann.


Carlos María Domínguez wurde am 23. April 1955 in Buenos Aires geboren. Er lebt seit 1989 in Montevideo, wo er als Journalist für Wochenzeitschriften und literarische Wochenendbeilagen, Literaturkritiker und Schriftsteller arbeitet.
Andere auf deutsch erhältliche Bücher von ihm sind : 'Das Papierhaus'. Erzählung. Eichborn Verlag, Frankfurt 2004 (Originaltitel: 'Casa de Papel', übersetzt von Elisabeth Müller); 'Die blinde Küste'. Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin 16. August 2010 (Originaltitel: 'Costa Ciega', übersetzt von Susanne Lange). Seit 1985 schreibt er Erzählungen und Berichte die in Verlagen aus Argentinien und Uruguay verlegt sind. 2002 erhielt er 2 einheimische und einen spanischen Preis, 2004 einen aus Darmstadt und 2005 den Preis der jungen Autoren in Österreich.

Samstag, 8. Dezember 2012

Leonie Swann : "Glennkill"

Leonie Swann :
"Glennkill" - ein Schafskrimi
2005, Wilhelm Goldmann Verlag, München
12. Ausgabe 2007
2 Seiten Dramatis Oves (die wichtigen Schafe der Handlung)
366 Seiten
ISBN 978-3-442-46415-9

Mit Daumenkino  von Weibke Rossa und Richard Igel :-)
(Daumenkino: hier ein tanzendes Schaf im rechten unteren Eck der rechten Seite - entzückend !)

Der Schäfer George Glenn wird von seiner Schafherde tot aufgefunden - eine Schaufel in seinem Körper finden auch die Schafe dubios, allen voran das intelligenteste Schaf der Herde Miss Maple (sie hatte in ihren Jugend den Ahornsirup vom Brot des Schäfers geschleckt). Die Schafe mit Leitwidder Sir Ritchfield, beobachten, erlauschen und erriechen die Reaktionen der Menschen auf den Tod ihres Schäfers. Komisch kommt ihnen das Gerede von 'Gras', denn warum sollte man das verstecken müssen, wenn es vor der Nase wächst. Miss Maple schafft es mithilfe von Othello, einem vierhörnigen schwarzen Widder, der das Zeug zum Leitwidder hat, und Mopple the Whale, einem dicken flauschigen Merinowidder mit Supergedächtnis, den Rest der Herde zu motivieren, daß es gerecht ist beim Tod des Schäfers zu helfen. Die Menschen sind wenig hilfreich : ein Mann den sie Gott nennen, weil er in einem Haus mit spitzen Dach wohnt, riecht ungut; dem Fleischhauer Ham mißtrauen sie aus logischen gründen und weil er komisch riecht, auch der zwischendurch Schäfer Gabriel stellt sich als schlechter Mensch heraus. Nur eine Frau in rotem Kleid ist nett zu den Schafen. Im Testament stellt sich heraus, daß die Herde die allen Menschen komisch vorkam, die letzte Herde Irlands ist, in der alte fast ausgestorbene Schafrassen gezüchtet werden, und daß sie - die Schafe - das Geld für eine Europareise geerbt haben. Die Frau im roten Kleid wird sich darum kümmern.
Beim Wettbewerb des intelligentesten Schafes spielen die Schafe eine Charade um der Klärung des Todes ihres Schäfers nachzuhelfen, was klappt.

Das Buch ist kein Reißer oder Thriller, sondern ist gemütlich wie eine grasende, nur manchmal nachdenkende Schafherde. Wer Spannung erwartet, wird enttäuscht. Wer bereit ist, sich auf die Schilderungen der unterschiedlichen Schafe, ihrer Temperamente und Intelligenzen einzulassen, wird humorvoll unterhalten.

Etwas metaphysisch sind die Teile in denen Melmoth auftaucht, seine Beiträge liefert, und dann wieder verschwindet. Ob es Wolkenschafe wirklich gibt ? Ob ein Schaf wenn es stirbt ein Wolkenschaf wird ? Melmoth war Zwillingsbruder von Sir Ritchfield, der jahrelang verschollen war, und plötzlich wieder der Herde hilft, indem er ihnen gedanklich weiterhilft, sich dann aber plötzlich auflöst und (wieder) verschwindet. Bei Othello hat er den stärksten Einfluß, da er ihn gedanklich - als Stimme aus dem off - schon lange begleitet hatte.

In Summe ein schönes Buch, bei dem etwas Geduld von Nöten ist, das mir mit seinen Schilderungen von Schafen, von Landschaft, und der nicht-Hektik sehr gut gefallen hat.

Samstag, 23. Juni 2012

Alicia Giménez - Bartlett : "Samariter ohne Herz"

Alicia Giménez - Bartlett :
"Samariter ohne Herz"
Petra Delicado löst ihren sechsten Fall
"Un barco cargado de arroz"
2004, Editorial Planeta, S.A. Barcelona
Aus dem Spanischen von Sybille Martin
2005, BLT, Verlagsgruppe Lübbe GmbH & co KG, Bergisch Gladbach
404 Seiten
ISBN 978-3-404-92246-8

Nachdem ich vor Jahren den ersten 'Fall' von Petra Delicado gelesen hatte, war ich neugierig wie sich dieser Fall in Barcelona entwickelt.

Petra Delicado, die resche durchsetzungsfähige attraktive Inspectora und ihr rundlicher konservativer Subinspector Fermín Marquéz lösen ziemliche brutale Morde an Obdachlosen und kommen einer betrügerischen karitativen Organisation auf die Spur.
Große Hilfe ist die junge Polizistin Yolanda, die so begeistert von der Inspectora ist, daß sie zur Mordkommission wechselt um weiter mit ihr zusammenzuarbeiten.
Erotische, sinnliche und streitbare Abwechslung für Petra bietet Ricardo, ein blitzgescheiter origineller Psychiater, der sich wünscht mit Petra gemeinsam zu Leben.

Bösartig entwickelt sich der Strang, daß es einige schwarze Schafe unter den karitativen Organisationen gibt, die nur für sich selber Geld sammeln - der offizielle Hilfszweck wird nicht annäherungsweise erfüllt. Früher nahm man Blinden das Geld aus dem Hut, heute sanieren sich Unternehmen mit solchen Konstrukten. Daß hier eine alte Waffe und emotionslos brutale Jungs aus dem Schlägermilieu zur Wahrung der Konstruktion eingesetzt werden, ist hoffentlich nur Fiktion.

Der Originaltitel 'eine Schiffsladung voll Reis' zieht sich durch das Buch: Anselmo, einer der ermordeten Obdachlosen träumt davon und später wird diese Formulierung als Sinnbild für den Wunschtraum des Lebens verwendet. Bei einem ist es Familie, bei anderen so leben zu dürfen wie man möchte etc.

In diesem Roman ist mehr Platz für das Privatleben von Inspectora und Subinspector, bei denen Veränderungen anklopfen, geprüft und verworfen werden. Die beiden sind ein wunderbar eingespieltes Team und ihre Wortgeplänkel um Emanzipation und Traditionalismus sind meist ziemlich amüsant. Ebenso wie sie mit ihrem Chef Herrn Canares umgehen.

Ich habe den Krimi sehr genossen, und beschlossen möglichst bald nach Barcelona zu reisen um mir etwas von dem Stadtgefühl mit seinem guten Essen zu gemüte zu führen.



Donnerstag, 31. Mai 2012

Albert Sánchez Piñol : "Im Rausch der Stille"

Albert Sánchez Piñol :
"Im Rausch der Stille"
2002, Edicions La Campana, Barcelona
aus dem Katalanischen von Angelika Maass
2005, S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt
Roman
246 Seiten
ISBN 3-10-061602-2

Ein Mann wird auf eine Insel inmitten der antarktischen Eisberge gebracht. Er soll dort für ein Jahr das Wetter beobachten. Der Wetterbeobachter, der abgelöst werden soll, ist nicht zu finden, dafür ein wortkarger Leuchtturmwächter. Das Schiff fährt ab. Der Kampf ums Überleben gegen eigenartige Wesen mit fischartigen Klaueen, die das Licht fürchten, und nur nächtens kommen beginnt.

Dank seines Vorlebens als irischer Untergrundkämpfer überlebt der Neuankömmling - bis ihn der andere Mann in den Turm läßt. Batís entpuppt sich als der frühere Wetterbeobachter, und geht in Strategien im nächtlichen Kampf gegen die - wie er sie nennt - Froschmänner auf. Eines der Wesen hat er trainiert: es warnt ihn vor den Angriffen, fängt ihm Fische Krebse und Muscheln und wird auch zu häuslichen und erotischen Zwecken eingesetzt.

Lange wird gekämpft - mit Gewehren, bengalischen Feuern und auch mit unter Mühsal ertauchtem Dynamit. Der Erzähler beginnt sich langsam mit dem weiblichen Froschwesen anzufreunden, und entwickelt über etwas ähnliches wie Zuneigung Interesse für die Wesen. Er beginnt aus dem Singen des Wesens zu interessieren - es entstehen einen Namen für die Wesen (Citauren) und dieses speziellen eine (Aneris). Und er beginnt mit den Kindern zu spielen.

Die Zusammenarbeit der beiden Männer bröckelt, Batis kommt um, ein neuer Wetterbeobachter wird abgeliefert und das Spiel beginnt fast von Neuem.

Die Männer werden charakterlich unterschiedlich geschildert: Batís Caffó, dem österreichische Nationalität angedichtet wird (was bei dem Namen ziemlicher Unfug ist) ist als ehemaliger Förster zwar den Umgang mit Natur gewöhnt, aber trotz Schach spielens kein Stratege. Der Erzähler ist zumindest ein Weg mehr offen, nämlich die Wesen als eigenständig zu verstehen, und in ihrem Handeln auch freundliches Tun zu suchen.

Spät beginnt man sich zu fragen, warum der Batís nicht die Chance ergriff von der Insel zu gehen. Die gleiche Frage stellt sich als der neue Wetterbeobachter kommt und der Erzähler die Chance zu gehen nicht erkennt /erkennen will.

Das Buch ist aus Sicht des neuen Wetterbeobachters geschrieben - Namen hat er keinen. Nur die anderen wie Batís, und Tom der Freund aus der Kinderzeit sowie sein alter Tutor etc.
Spannend finde ich die Hintergrundgeschichte aus Irland, in der beschrieben wird, welche Aufgaben er erfüllte und v.a. als dann endlich die Befreiung da war sich die neuen Menschen, denen er vertraut war, plötzlich wie die alten Machthaber benahmen.

Das Buch ist spannend, es zieht wie ein Tornado hinein und hat Zug bis zur letzten Seite.

Freitag, 5. August 2011

Veit Heinichen : "Der Tod wirft lange Schatten"

Veit Heinichen :
"Der Tod wirft lange Schatten"
Ein Proteo-Laurenti-Krimi - sein vierter Fall
2. Auflage August 2007, Dtv München
2005 Zsolnay Verlag Wien
355 Seiten
ISBN 978-3-423-20994-6

Commissario Proteo Laurenti hat einige Fäden zu entwirren : Eine Nachkriegsgeschichte mit Waffen aus dem zweiten Weltkrieg, die bis ins 21. Jahrhundert in einer Lagerhalle verstaubt sind. Den Tod eines Mannes, der an einem Ohrring erstickt ist. Tieraktivisten, die versuchen mit Aktionen das Augenmerk auf komplett ungepflegte Schlachttiere zu wenden. Und seinen Kontakt zu dem charismatischen ehemaligen Gerichtsmediziner Galvano, der eine alte Geschichte eines vor langem ermordeten Professors endlich klären möchte, dann aber weil er einer taubstummen Frau, die in eine mafia-ähnlichen Organisation zu überleben versucht, helfen will, plötzlich in ziemlichen Schwierigkeiten steckt. Und Dokumente, die Greueltaten aus dem zweiten Weltkrieg dokumentieren, und damit jetzt promimenten Menschen ziemliche Schwierigkeiten machen können.

Die Liebe kommt auch zu Schrift, da die Besitzerin der Lagerhalle mit den Waffen, eine junge Frau aus Australien - ihre Großeltern waren aus Triest ausgewandert - mit dem faszinierenden aber unehrlichen Gehilfen der Notarin eine leider lausige Liebesgeschichte hat. Laurentis eigene Parallelliebe mit der Staatsanwältin Ziva hat kurz Platz, macht aber irgendwie nicht glücklich.

Laurentis 'alter Feind' Drako zieht auch einige Fäden, und beschleunigt mit dem Auftritt seiner Agentin das Geschehen ziemlich.

Am Schluß ist der Tod des Mannes aufgeklärt. Die Waffen aus der Lagerhalle werden den offiziellen Dienstweg gehen. Die taubstumme Frau ist der Organisation mit ihren menschenunwürdigen Behandlungsweisen entrissen, und der Gerichtsmediziner Galvano hat unter dem Schutz der Polizei Erpressungen um einen Geldkoffer und Dokumente überlebt.

Neu war für mich die Geschichte um Triest nach dem zweiten Weltkrieg, die Alliertenzone und das hin und her um die Stadt am Mittelmeer. Ebenfalls interessant der Teil der dann jugoslawischen Seite der Geschichte nach dem zweiten Weltkrieg. Eher erschreckend die Möglichkeit, daß die Geheimdienste der jetztigen Staaten entweder mit- oder gegeneinander arbeiten.

Nett ist der Ausflug ins Kulinarische, als der Sohn Marco ein kaltes Fischmenü zaubert.

Böse werden die sogenannten Grillpartys von Laura, des Commissarios Gattin beobachtet.
Spaß machen die Schilderungen des alterndes Gerichtsmediziners Galvano und eine älteren Triestiner Dame mit Temperament und Niveau und deren verbales Scharmützel. Unter die Haut gingen mir die Schilderungen der Organisation die die taubstummen Menschen ohne Paß und unter Druck losschickt.

Das Buch ist gut, will aber konzentriert gelesen werden. Auch wenn einige Handlungsstränge klassisch gelöst werden, bleiben doch einige Fragen im Raum stehen. Vielleicht sollte ich mir doch die Folgebände zu lesen organisieren ?

Samstag, 28. Mai 2011

Gisa Klönne: "Der Wald ist Schweigen"

Gisa Klönne:
"Der Wald ist Schweigen"
2005, Ullstein Buchverlage GmbH Berlin
365 Seiten
ISBN 978-3-550-08633-5
ISBN 3-550-08633-4

Die Krähe am Cover sprach mich an, diese spannende Geschichte zu lesen. Die Geschichte ist spannend und in einem Rutsch durchzulesen.

Frau Kommisarin Judith Krieger wird zu einer Leiche, die von Krähen angeknabbert wurde, gerufen. Es ist ihre letzte Chance, da sie sich den Tod ihres Polizeipartners und sehr guten Freundes noch immer vorwirft und ziemliche Probleme mit Alkohol (und auch einer daran zerbrochenen Beziehung) hat.
In der Umgebung ist ein Yogazentrum/Ashram, das von den Dörfer rundum scheel betrachtet wird, und eine junge Frau, die zuvor 3 Jahre in Afrika beim Wiederaufbau eines Dorfes mitgearbeitet hat, ist vor kurzem Försterin des umliegenden Waldes geworden.

Die Leiche ist ein Sportlehrer, der mit Schülerinnen Seitensprünge von seiner wohlhabenden Frau unternommen hatte. Mit einer der Schülerinnen war es ernster geworden, worauf sie in das Yogazentrum abgeschoben worden war.

Die Geschichten, Gedanken, Pläne der drei Frauen (Kommisarin, Försterin, Schülerin) werden durcheinander gewoben, und im Showdown helfen sie einander daß keine zusätzlichen Leichen mehr entstehen und - wie erwartet - den Mörder zu überwältigen.

Die Frauen sind genau geschildert, die Autorin geht auf ihre Beweg- und Hintergründe spezieller ein, der zusätzliche Gedankenmonolog gehört dem Mörder (der sich erst spät zu erkennen gibt). Die meisten Männer bleiben ein Schema. Auch auf die Frau des Ermordeten geht die Autorin näher ein.
Die Szenerien sind klar geschildert - die unterschiedlichen Gegenden genau beschrieben.
Schön finde ich die Sympathie mit der die Leute im Yogazentrum geschildert werden, und auch deren Probleme mit einer Dorfstruktur die Yoga/Meditation überhaupt nicht gewohnt sind.

Ich habe das Buch in der Früh nach dem Frühstück begonnen und konnte es erst ausgelesen am Abend wieder weglegen. Viel Genuß bei Spannung und Lesen

Donnerstag, 19. Mai 2011

Pierre Emme : "Schnitzelfarce"

Pierre Emme :
"Schnitzelfarce" - Ein Palinski-Krimi
276 Seiten
2005, Gmeiner Verlag GmbH
ISBN 978-3-89977-644-7

Palinski wird in seinem zweiten Fall zur Hilfe gerufen, als die Frau eines Politikers bei einer Wahlwerbeveranstaltung im 19. Bezirk in Wien - wie es scheint - zufällig erschossen wird. Nachdem jede Menge unguter Politiker gezeichnet werden, wie sie versuchen den Mord als Attentat zu tarnen um damit politischen Erfolg zu machen, wird ein Show-down vor laufender Kamera erzählt, indem der trauernde Politikergatte seine Schuld an dem Mordauftrag und die Hintergründe gestehen muß. Abschluß sind einige bitterböse Kommentare über Einschaltquoten im Fernsehen.

Parallel ist eine Entführungsgeschichte, die leider nicht gut ausgeht, bei der es um eine familieninterne Firmenstreitigkeit geht, hingewebt.

Buchnamensgebend ist aber ein Schnitzlwettbewerb, ausgehend von der skurrillen Idee, daß Österreich beweisen muß, daß hier das Schnitzl entstand und in einem Wettbewerb das originellste Schnitzl ausgezeichnet wird. Unser Held Palinski hat eine besonders scharfe Füllung für 'sein' Schnitzl und gewinnt leider nicht.

Mich haben leider weder Held noch die Geschichte wirklich erfreut, obwohl ich das Wiener Ambiente inkl. Caféhaus in der Innenstadt nachvollziehen kann. Die Hauptgestalten haben fast alle unsympathische Züge - auch der Herr Detektiv, der zwar auf moralisch macht, aber letztendlich genauso herzlos und egoistisch agiert wie die anderen Personen in dem Buch. Mich interessiert weder Band eins oder ob es nachfolgende Detektivgeschichten gibt.

Mittwoch, 6. April 2011

Ian Ranking : "Verborgene Muster"

Ian Ranking :
"Verborgene Muster"
Ein Inspector-Rebus-Roman
original "Knots and Crosses"
1987, The Bodley Head, London
aus dem Englischen von Ellen Schlootz
2005 neuveröffentlicht bei Goldmann Verlag
224 Seiten
ISBN 3-442-05523-7

Inspector John Rebus, ehemaliger SAS Soldat, und jetzt Inspector in Edinburgh, das durch mehrere grausam ermordete Mädchen am Rande der Panik ist, erhält eigenartige Briefe, und löst am Ende durch die Hypnosehilfe seines Bruders die Serienmorde.

Erdrosselte Mädchenleichen werden in Edinburgh gefunden. Es gibt keine Zusammenhänge. John Rebus, unbeliebt bei der Polizei, weil er nach dem Militär zur Polizei ging, der zuviel trinkt, eine geschiedene Ehe und damit nur Besuchszeiten für die gemeinsame Tochter hat, wird in einer Gruppe auf die Serienmorde angesetzt.
Daß die eigenartigen Briefe, die ihm unter die Wohnungstüre durchgeschoben werden, etwas mit den Morden zu tun haben könnten, entdeckt erst die Polizeipressechefin, mit der den Inspector aufkommende Gefühle verbindet.
Als dann der Geliebte seiner Ex-Frau ermordet wird und seine Tochter entführt wird, wird es spannend.

Edinburgh wird als schmuddelige Stadt, mit Gasserln, Beisln, Alkoholikern, zahnlosen abgestumpften Gestalten geschildert; man sucht vergeblich etwas Liebevolles oder Nettes im Umgang miteinander - außer den aufkeimenden Gefühlen zwischen Inspector und Pressechefin.
Die Polizeiarbeit wird als Administration, Einöde und Durchführung der internen Hackordnung ohne Zusammenhalt beschrieben.
Fast als Gegengewicht wird Jim Stevens, ein nikotinsüchtiger Journalist beschrieben, für den Hierarchien nicht existieren, der nur seiner journalistischen Nase vertraut.

Erschreckend intensiv ist das Kapitel in dem John mittels Hypnose in seine Militär-Trainings-Vergangenheit geführt wird. Mitleidslos wird beschrieben wie Menschen die Würde, die Integrität, die Persönlichkeit abtrainiert werden um im Ernstfall niemanden zu verraten. Leise wird hier der Sinn dieser Trainingsnotwendigkeit hinterfragt.

Das Buch, der Roman, der Krimi sind gut geschrieben. Die triste Geschichte, die graue Umgebung, die tw. freudlosen Menschen lassen nicht los und das Buch möchte rasch ausgelesen werden. Viel Lesenvergnügen !

Samstag, 26. Februar 2011

Raj Kamal Jha : "Wenn Du Dich fürchtest vor dem Fall"

Raj Kamal Jha :
"Wenn Du Dich fürchtest vor dem Fall"
Englische Originalausgabe
„If You Are Afraid Of Heights“
2003 Picador, London
Deutsch von Walter Ahlers
2005, Goldmann Verlag
349 Seiten
ISBN 3-442-31015-6

Von diesem Buch geht ein eigener Zauber aus, eine zarte Magie die sich für mich nicht wirklich greifen ließ.

Es werden drei Geschichten erzählt:
die von Amir, der einen Unfall hat und von Mira gesund gepflegt wird. als er wieder in die Arbeit geht stellt er fest, daß sich nichts geändert hat und seine Abwesenheit nicht aufgefallen ist. oder hatte er gar keinen Unfall ? Mira ist auf jeden Fall nicht mehr da - kein Spur ihrer Anwesenheit in seinem Appartment als Erinnerung zu finden.
In der zweiten Geschichte geht Mala auf Suche was wirklich mit einem toten Mädchen in einem Dorf passiert ist. Sie lernt verschiedene Menschen kennen, rollt ihre eigene Kindheit (Übergriff eines Erwachsenen ?) wieder auf. Am Schluß erscheint eine Figur - Alam - der versucht ihr anderes sehen beizubringen. Aber was mit dem Mädchen in dem roten Kleid wirklich geschah, bleibt ungelöst.
Die dritte Geschichte blieb für mich an ungreifbarsten, denn sie erzählt in Ich-Form von einem Mädchen, das einen unsichtbaren Freund hat, das ihr das Leben ihrer Eltern in Form von Photos aus deren Alltag erzählt. Einzelne Elemente aus den anderen Geschichten kommen hier wieder vor, wie z.B. das eigenartige Hochhaus der ersten Geschichte, das wie ein Cubus aussehen dürfte, und die Vitrine mit den vier Puppen im Zimmer des Polizeikommissärs aus der zweiten Geschichte.

Das Buch entführt in eine Phantasiewelt, oder mehrere Phantasiewelten, die aber auch wahr sein können oder werden. Es ist eigen, weil einiges un-begreifbar bleibt, aber ich kann das Buch empfehlen. Schönes Lesen und Eintauchen !

Sonntag, 30. Januar 2011

Vikas Swarup : "Rupien ! Rupien!"

Vikas Swarup :
"Rupien ! Rupien!"
Englisches Original "Q &A"
übersetzt von Berhard Robben
Clubtaschenbuch
2006 Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln
Printed in Germany 2009 - Buch 105025
(keine ISBN Nummer zu finden)

337 Seiten
1 Seite Danksagung
3 Seiten Erläuterungen der verwendeten indischen Wörter, das leider nicht alphabetisch ist

Zu dem Buch habe ich gegriffen, weil ich die Vorlage zum Film "Slumdog Millionär" lesen wollte.
Gleich vornweg - einige Kapital im Vergleich zwischen Buch und Film sind komplett unterschiedlich.
Nichtsdestoweniger ist das Buch sehr gut und gut zu lesen.

Es geht um die Geschichte eines Waisenbuben mit hindu-moslem-christlichem Namen, der um seine Liebe - eine Prostituierte - zu finden und sie freizukaufen an dem Millionenspiel macht. Er hat Glück mit den Fragen und kann wider die Wahrscheinlichkeit und die Berechnungen der Showleute alle Fragen beantworten.
Aus der Folter und den Befragungen rettet ihn eine junge Anwältin- und dieser erzählt der junge Mann dann die Teile aus seinem Leben, durch die er die Fragen richtig beantworten konnte.
Da er Waisenjunge ist und wenig Hilfe in seinem Leben hatte, sind die Abschnitte immer wieder von Brutalität, Einsamkeit gekennzeichnet - sei es weil er es erlebt oder miterlebt hat bzw. sieht.
Das Buch hat ein Happy End, weil die Anwältin - eine frühere Nachbarin, der er geholfen hatte - das gewonnene Geld für ihn erstreitet, er seine Liebe heiratet und einigen Kindern, die ähnlich wie er ausgenutzt wurden, helfen kann.

Das Buch ist gut geschrieben, die Szenerien und Menschen sind plastisch geschildert. Auch die Reisen in den Zügen, und Beschreibung der Städte wie Mumbai, Delhi und Agra sind faszinierend - bis zu den Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen (dem arbeitslosen versoffenen ehemaligen Universitätsprofessor, der Schauspielerin, der reichen Frau, dem Zuhälter, dem spionierendem Diplomaten, etc.) .
Nicht schlüssig ist für mich die Reflexionsfähigkeit dieses jungen Menschen, dessen Geschichte in Ich-form geschrieben ist.

Empfehlenswert ist das Buch für alle, die sich eine Geschichte gut erzählen lassen wollen, aber die Gleichgültigkeit und Brutalität im Überleben im Kontinent Indien gut verarbeiten können.