Arto Paasilinna :
"Die Giftköchin"
Roman
original "Suloinen Myrkynkeittäjä"
1988, Wsoy, Helsinki
Aus dem Finnischen von Regine Pirschel
1998, BLT, Verlagsgruppe Lübbe, Bergisch Gladbach
204 Seiten
ISBN 3-304-92054-6
Linnea Ravaska ist eine charmante ältere Dame, Witwe eines Oberst, deren Ziehneffe sich brutal ihr gegenüber benimmt und ihr Einkommen verpraßt. Kauko findet daß es ihm als armen jungen arbeitslosen Menschen mehr zusteht als einer alten Dame - sie ist hier ziemlich anderer Meinung. Als ihr die Übergriffe zu viel werden, beschließt sie zu ihrem eigenen Schutz Gift bei sich zu haben. Wie die Situationen so spielen, wendet sich das Gift gegen zwei Kumpels von Kauko; Kauko selber besiegt ein ganz anderer Zufall. Als Ende verhilft ihr ein russischer Kapitän an der finnisch-russischen Wassergrenze charmant weiter; auch der Ausblick auf weitere charmante Unterstützung bleibt gewahrt.
Die erste Hälfte ist ein bißchen kolprig zu lesen da der sinnlosen Brutalität von Kauko/Kake, Jari und Pera viel Platz gegeben wird; dann bekommt die Geschichte viel Schwung und skurrilen Humor.
Die Personen sind schön beschrieben : Linnea die eine ältere gepflegte Dame ist, die auf sich achtet und sich elegant anzieht, und mit Charme und Freundlichkeit Menschen auf ihre Seite zieht;
Raako Kivistö ist Lizentiat der Medizin, und ein alter Freund und auch nach der Ehe Liebhaber der Dame; die drei Grobiane Kauko/Kake, Jari und Pera werden als brutal, versoffen, verfressen, unsensibel geschildert, einer der drei hat sogar eine liebe, etwas dumme Freundin, die er rücksichtslos prügelt; die Texte in denen sich die drei im Selbstmitleid drehen weil sie sich nur durch Gesetzlosigkeiten über Wasser halten können, aber die Welt für böse halten, sind tragikomisch skurril. Die Nebenfiguren sind ebenfalls unterhaltsam, auch wenn es nur kleine Partien sind wie die Psychologin, die sich über einen bodenständigen Mann erfreut, ein Päarchen das sich am Seitensprung erfreut, der russische Kapitän der sich freut als Überraschungsgast eine Offizierswitwe zur Unterhaltung zu haben ...
Ort der Handlung ist zuerst ca. 50 km von Helskinki entfernt, und dann die Stadt selber und auf dem Wasser; es werden Autos und Schiffe gekapert - leider oft zerstört oder beschädigt zurückgelassen.
Ich habe das Buch an einem wettergrauen Tag gelesen und mich gut dabei unterhalten. Viel Spaß beim Lesen !
Arto Paasilinna wurde am 20. April 1942 in Kittilä geboren. Seine Eltern arbeiteten bei der Polizei. Er absolvierte eine Ausbildung bei einer Zeitung und arbeitete dann als Redakteur bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. Sein erster Roman 'Operaatio Finlandia' erschien 1972 .Seine Bücher wurden in 45 Sprachen übersetzt, viele Romane sind verfilmt worden. Er lebt heute mit seiner Familie im südfinnischen Espoo-Westend, nahe Helsinki.
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Samstag, 26. Dezember 2015
Sonntag, 4. Mai 2014
Luiz Alfredo Garcia-Roza : "Die Tote von Ipanema"
Luiz Alfredo Garcia-Roza :
"Die Tote von Ipanema" - ein Fall für Kommissar Espinosa
original "Achados e perdidos"
1998, Companhia das Letras, Sao Paulo
aus dem brasilianischen Portugiesisch von Karin von Schweder-Schreiner
2003, Berliner Taschenbuch Verlag
305 Seiten
ISBN 3-442-76166-22
Kommissar Espinosa wird ein Fall zugeteilt, bei dem eine Prostituierte ermordet aufgefunden worden war. Ihr Freund und Begleiter des Abends zuvor ist der pensionierte Polizist Vieira, der genau an dem Abend seine Geldbörse mit Dokumenten verloren hatte und durch Alkohol ein Loch in der Erinnerung hat. Die Ermordete nannte sich als Prostituierte Magali, privat war sie Lacimar und umsorgte den Pensionierten. Ihre Freundin Flor - ebenfalls Prostituierte übernimmt den Mann und Pflege. Eine andere Freundin Berufsname Vanessa ist sachlich distanziert.
Nicht nur Espinosa ist auf der Suche nach der Geldbörse, auch ein Straßenjunge geht den Dokumenten nach, was ihm, einen anderen Straßenjungen und einer Ansprechperson für diese Buben das Leben kostet. Auf den letzten Seiten erledigen die beiden Männer den Mörder der unschuldigen Straßenjungen und lösen den Mord an Magali.
Liebe, Erotik und Sehnsucht sind für die beiden Männer auf unterschiedlichen Ebenen wichtig. Vieira, verwitwet, den Magali umsorgt hatte, wird von Flor 'übernommen', die ihre Ausstrahlung und schönen Körper tw. sehr bewußt einsetzt. Sie möchte aus der billigen Absteige heraus.
Espinosa lernt bei seinen Ermittlungen die Kunststudentin Kika kennen. Zwischen ihr und dem Kommissar beginnt es zu flirren; daß er die junge attraktive Frau vor einem kalt berechnenden Menschen beschützen muß verstärkt die sich entwickelnde Beziehung.
Die Menschen sind schön beschrieben. Viera und Espinosa als die letzten aufrechten Polizisten. Prostitierte in der Doppelmoral, in der schöne Frauen sich mit Glück etwas hinaufarbeiten können, das triste bis vertrackte Leben der Straßenbuben und deren Ansprechperson Clodoaldo.
Die Szenen sind auf den großen Straßen von Rio de Janeiro mit Bettlern, Straßenjungen, Künstlern, netten Bistros und guten Lokalen; Espinosa denkt mit Vorliebe am Strand über seine Fälle nach.
Der Originaltitel heißt "Achados e perdidos" was auf deutsch "Fundbüro" heißt - "achado" ist das Aufgefundene, "perdido" das Verlorene.
Mir war das Ende fast zu abrupt. Der Handlungsstrang mit der verlorenen Geldbörse und sich daraus entstehenden Drogengerüchten und Morden war mir zu unklar - und zu rasch zu Ende.
Sonst habe ich das Buch genossen und kann es gut weiterempfehlen.
Luiz Alfredo Garcia-Roza wurde 1936 in Rio de Janeiro geboren. Er unterrichtete 35 Jahre Psychoanalyse und begann danach als Schriftsteller zu arbeiten. Bereits mit seinem ersten Roman hatte er 1996 seinen literarischen Durchbruch. Bis jetzt sind zehn Bücher von ihm erschienen - einige in mehreren Sprachen. Kommissar Espinosa spielt oft die zentrale Rolle.
"Die Tote von Ipanema" - ein Fall für Kommissar Espinosa
original "Achados e perdidos"
1998, Companhia das Letras, Sao Paulo
aus dem brasilianischen Portugiesisch von Karin von Schweder-Schreiner
2003, Berliner Taschenbuch Verlag
305 Seiten
ISBN 3-442-76166-22
Kommissar Espinosa wird ein Fall zugeteilt, bei dem eine Prostituierte ermordet aufgefunden worden war. Ihr Freund und Begleiter des Abends zuvor ist der pensionierte Polizist Vieira, der genau an dem Abend seine Geldbörse mit Dokumenten verloren hatte und durch Alkohol ein Loch in der Erinnerung hat. Die Ermordete nannte sich als Prostituierte Magali, privat war sie Lacimar und umsorgte den Pensionierten. Ihre Freundin Flor - ebenfalls Prostituierte übernimmt den Mann und Pflege. Eine andere Freundin Berufsname Vanessa ist sachlich distanziert.
Nicht nur Espinosa ist auf der Suche nach der Geldbörse, auch ein Straßenjunge geht den Dokumenten nach, was ihm, einen anderen Straßenjungen und einer Ansprechperson für diese Buben das Leben kostet. Auf den letzten Seiten erledigen die beiden Männer den Mörder der unschuldigen Straßenjungen und lösen den Mord an Magali.
Liebe, Erotik und Sehnsucht sind für die beiden Männer auf unterschiedlichen Ebenen wichtig. Vieira, verwitwet, den Magali umsorgt hatte, wird von Flor 'übernommen', die ihre Ausstrahlung und schönen Körper tw. sehr bewußt einsetzt. Sie möchte aus der billigen Absteige heraus.
Espinosa lernt bei seinen Ermittlungen die Kunststudentin Kika kennen. Zwischen ihr und dem Kommissar beginnt es zu flirren; daß er die junge attraktive Frau vor einem kalt berechnenden Menschen beschützen muß verstärkt die sich entwickelnde Beziehung.
Die Menschen sind schön beschrieben. Viera und Espinosa als die letzten aufrechten Polizisten. Prostitierte in der Doppelmoral, in der schöne Frauen sich mit Glück etwas hinaufarbeiten können, das triste bis vertrackte Leben der Straßenbuben und deren Ansprechperson Clodoaldo.
Die Szenen sind auf den großen Straßen von Rio de Janeiro mit Bettlern, Straßenjungen, Künstlern, netten Bistros und guten Lokalen; Espinosa denkt mit Vorliebe am Strand über seine Fälle nach.
Der Originaltitel heißt "Achados e perdidos" was auf deutsch "Fundbüro" heißt - "achado" ist das Aufgefundene, "perdido" das Verlorene.
Mir war das Ende fast zu abrupt. Der Handlungsstrang mit der verlorenen Geldbörse und sich daraus entstehenden Drogengerüchten und Morden war mir zu unklar - und zu rasch zu Ende.
Sonst habe ich das Buch genossen und kann es gut weiterempfehlen.
Luiz Alfredo Garcia-Roza wurde 1936 in Rio de Janeiro geboren. Er unterrichtete 35 Jahre Psychoanalyse und begann danach als Schriftsteller zu arbeiten. Bereits mit seinem ersten Roman hatte er 1996 seinen literarischen Durchbruch. Bis jetzt sind zehn Bücher von ihm erschienen - einige in mehreren Sprachen. Kommissar Espinosa spielt oft die zentrale Rolle.
Freitag, 15. Februar 2013
Robert Hültner : "Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski"
Robert Hültner :
"Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski"
1998 (6. Auflage), Verlagsgruppe Random House GmbH
2 Seiten Einleitung, 227 Seiten und 3 Seiten Erläuterungen
ISBN 3-442-72144-X
In diesem gut geschriebenen, dichten und spannenden Kriminalroman wird erzählt wie der brave, korrekte Inspektor Kajetan versucht seine Polizeiarbeit zu verrichten. Alle Werte sind nach dem ersten Weltkrieg in Frage gestellt, Hunger und der Wunsch zu überleben treibt die Menschen zu politischen Veranstaltungen und Vereinigungen. Menschenleben zählen genauso wenig wie im Krieg - Gefühle wie Respekt und Ehrlichkeit sind untergegangen.
Ein Haus ist abgebrannt. Eine Leiche wurde gefunden, der zweite Bewohner, ein Mieter - einer der Journalist werden will - ist unauffindbar. Der Journalist wurde als Test losgeschickt eine haarsträubende Geschichte zu beweisen und stolpert dabei über die Hintermänner der Ermordung des gewählten Präsidenten Kurt Eisner. Er ist in eine junge Frau verliebt, die aus einem der tiefen dunklen Täler Bayerns herkommt. Dort herrscht nach dem Krieg, der vielen jungen Männern aus der Stadt und vom Land das Leben oder auch nur die Seele gekostet hat, nur Mühsal. Der Inspektor folgt den Spuren des Journalisten, findet das Gasthaus in dem die junge Frau kellnert und entdeckt die Ähnlichkeit des Gasthausbesitzers zum Attentäter auf den Präsidenten. Parallel nimmt die Gewalt in München zu - Gruppen links- oder rechtspolitischer Gesinnungen halten Versammlungen ab, und beginnen einander zu bekämpfen. Mittlerweile taucht die Leiche des Journalisten auf, und der einzige dem er vertraut hatte - ein Dramaturg - wird ebenfalls ermordet und alles Belastende vernichtet gefunden. Das Vertrauen in die Polizei sinkt - Kajetan muß erleben, daß sein Vorgesetzter bestochen worden ist und ihn letztendlich auch verrät. Als er bei seinen Nachforschungen bei dem Thule-Verband ermitteln will, wird er verhaftet, aber durch zwei Glücksfälle und aus München ins bayerische Hochland (das die Heimat der Kellnerin ist) gerettet. Ein Zug mit bezahlten Jünglingen, die die Rechtsradikalen unterstützen soll, fährt gen München.
Das Buch hat 'Drive'. Ich habe es an einem Nachmittag gelesen und konnte nicht aufhören, bis ich auf der letzten Seite war.
Die Stimmung ist dicht geschildert, die tw. extreme Armut ist fast körperlich spürbar, ebenso der Zerfall der Werte und daß noch nichts neues Haltbares nachgekommen ist. Politische Extremisten haben es leicht in Lokalen oder Vereinen die Menschen aufzuwiegeln, und wenn es plötzlich Sold gibt dann kommen die Scharen von Arbeitssuchenden.
Am Land wird anhand des Bruders der jungen Frau Jule geschildert, daß er da er im Krieg nur stundenlang verschüttet gewesen war, aber keinen körperlichen Makel aus dem Krieg vorweisen kann, selbst vor Ärzten als Simulant gilt (meilenweit von Trauma-erkennung entfernt).
In der Einleitung weist der Autor darauf hin, daß der Roman zwar auf geschichtlichen Fakten und Hintergründen basiert, aber Namen und Personen und auch Orte geändert sind und nicht eins zu eins zu nehmen sind. Für mich war die Information über die Räterepublik in Bayern nach dem ersten Weltkrieg mit den extremen linken und rechten Positionen und Vereinigungen trotzdem aufschlußreich. Auch daß ein Präsident erstochen werden kann, ohne daß der Attentäter dadurch wirklich zu Schaden kommt, ist ein erschreckendes Element.
Dieses Buch ist Krimifreunden sehr zu empfehlen und auch Lesern, die gut recherchierte geschichtlich glaubwürdige Geschichten mögen. Viel Spaß !
"Inspektor Kajetan und die Sache Koslowski"
1998 (6. Auflage), Verlagsgruppe Random House GmbH
2 Seiten Einleitung, 227 Seiten und 3 Seiten Erläuterungen
ISBN 3-442-72144-X
In diesem gut geschriebenen, dichten und spannenden Kriminalroman wird erzählt wie der brave, korrekte Inspektor Kajetan versucht seine Polizeiarbeit zu verrichten. Alle Werte sind nach dem ersten Weltkrieg in Frage gestellt, Hunger und der Wunsch zu überleben treibt die Menschen zu politischen Veranstaltungen und Vereinigungen. Menschenleben zählen genauso wenig wie im Krieg - Gefühle wie Respekt und Ehrlichkeit sind untergegangen.
Ein Haus ist abgebrannt. Eine Leiche wurde gefunden, der zweite Bewohner, ein Mieter - einer der Journalist werden will - ist unauffindbar. Der Journalist wurde als Test losgeschickt eine haarsträubende Geschichte zu beweisen und stolpert dabei über die Hintermänner der Ermordung des gewählten Präsidenten Kurt Eisner. Er ist in eine junge Frau verliebt, die aus einem der tiefen dunklen Täler Bayerns herkommt. Dort herrscht nach dem Krieg, der vielen jungen Männern aus der Stadt und vom Land das Leben oder auch nur die Seele gekostet hat, nur Mühsal. Der Inspektor folgt den Spuren des Journalisten, findet das Gasthaus in dem die junge Frau kellnert und entdeckt die Ähnlichkeit des Gasthausbesitzers zum Attentäter auf den Präsidenten. Parallel nimmt die Gewalt in München zu - Gruppen links- oder rechtspolitischer Gesinnungen halten Versammlungen ab, und beginnen einander zu bekämpfen. Mittlerweile taucht die Leiche des Journalisten auf, und der einzige dem er vertraut hatte - ein Dramaturg - wird ebenfalls ermordet und alles Belastende vernichtet gefunden. Das Vertrauen in die Polizei sinkt - Kajetan muß erleben, daß sein Vorgesetzter bestochen worden ist und ihn letztendlich auch verrät. Als er bei seinen Nachforschungen bei dem Thule-Verband ermitteln will, wird er verhaftet, aber durch zwei Glücksfälle und aus München ins bayerische Hochland (das die Heimat der Kellnerin ist) gerettet. Ein Zug mit bezahlten Jünglingen, die die Rechtsradikalen unterstützen soll, fährt gen München.
Das Buch hat 'Drive'. Ich habe es an einem Nachmittag gelesen und konnte nicht aufhören, bis ich auf der letzten Seite war.
Die Stimmung ist dicht geschildert, die tw. extreme Armut ist fast körperlich spürbar, ebenso der Zerfall der Werte und daß noch nichts neues Haltbares nachgekommen ist. Politische Extremisten haben es leicht in Lokalen oder Vereinen die Menschen aufzuwiegeln, und wenn es plötzlich Sold gibt dann kommen die Scharen von Arbeitssuchenden.
Am Land wird anhand des Bruders der jungen Frau Jule geschildert, daß er da er im Krieg nur stundenlang verschüttet gewesen war, aber keinen körperlichen Makel aus dem Krieg vorweisen kann, selbst vor Ärzten als Simulant gilt (meilenweit von Trauma-erkennung entfernt).
In der Einleitung weist der Autor darauf hin, daß der Roman zwar auf geschichtlichen Fakten und Hintergründen basiert, aber Namen und Personen und auch Orte geändert sind und nicht eins zu eins zu nehmen sind. Für mich war die Information über die Räterepublik in Bayern nach dem ersten Weltkrieg mit den extremen linken und rechten Positionen und Vereinigungen trotzdem aufschlußreich. Auch daß ein Präsident erstochen werden kann, ohne daß der Attentäter dadurch wirklich zu Schaden kommt, ist ein erschreckendes Element.
Dieses Buch ist Krimifreunden sehr zu empfehlen und auch Lesern, die gut recherchierte geschichtlich glaubwürdige Geschichten mögen. Viel Spaß !
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Dienstag, 11. Oktober 2011
Anne Cuneo : "Herz aus Eisen"
Anne Cuneo:
"Herz aus Eisen"
- der erste Fall der Marie Machiavelli
original "Ame de bronze"
1998, Bernard Campiche Editeur, Orbe
aus dem Französischen von Peter Sidler
2000, Limmat Verlag, Zürich
231 Seiten
2 Seiten Nachwort
ISBN 3-85791-340-1
In der Detektivgeschichte geht es um Marie Machiavelli, die in Lausanne ihr Büro hat.
Einerseits geht es um einen arroganten Engländer, der sie beauftragt Geld einzutreiben - was sie erledigt.
Dann geht es um eine Politkergattin, die ein gestohlenes Paket wieder haben möchte - was nicht gelingt.
Große Sorgen bereiten ihr, daß ihre beste Freundin vergewaltigt worden war.
Nebenbei versucht sie ihr Gewissen rein zu halten und recherchiert wiederholt bei der Geldeintreibesache des arroganten Engländers nach. Als dieser in Bern ermordet aufgefunden wird, kommt bei Recherchen heraus wie unbeliebt er gewesen war, da er sich den Kick im Leben durch erpresserische Spielchen geholt hat (Geld hatte er genug).
Am Schluß führen fast alle Handlungsstränge zu diesem unsympathischen ermordeten Zeitgenossen, und auch die Vergewaltigung wird hoffentlich leichter verarbeitbar. Ob er ein Herz aus Eisen (deutsche Übersetzung) oder Bronze (französisches Original) hatte, ist nur noch Geschmackssache.
Das Buch ist nett geschrieben, die Menschen skizziert, sodaß mir manchmal die Tiefe fehlt, aber die Spannung hält. Auch wenn viele verschiedene Fäden verkreuzt sind, sind mir die Linien doch klar geblieben. Irritierend war für mich der Umgang mit Zeit, da mir hier einiges im Ablauf nicht wirklich klar war.
Die Hauptfigur gefällt mir gut mit ihrem Spiel mit dem berühmten Namen, den sie wirklich von dem berühmten Mann hat, und dem Eingehen auf zweisprachiges Aufwachsen und die Schwierigkeiten in zwei Sprachen (italienisch und französisch) zu denken, das autobiographisch ist.
Die Nebenfiguren sind zahlreich aber signifikant geschildert : der gut kochende Journalisten-Freund, der Anwalt der auch Schauspieler ist, der englische Detektiv im Rollstuhl, die Freundin und Lehrerkollegin der Freundin, der schweizerische hartnäckige Polizist, die Onkels des Engländers bis zur geschiedenen zarten Ex-Frau des Engländers und ihrer Großmutter.
Das Buch kann ich empfehlen - ob ich die Folgebücher (es gibt 2) lesen möchte, oder doch lieber etwas ganz anderes, muß ich netterweise nicht gleich entscheiden.
"Herz aus Eisen"
- der erste Fall der Marie Machiavelli
original "Ame de bronze"
1998, Bernard Campiche Editeur, Orbe
aus dem Französischen von Peter Sidler
2000, Limmat Verlag, Zürich
231 Seiten
2 Seiten Nachwort
ISBN 3-85791-340-1
In der Detektivgeschichte geht es um Marie Machiavelli, die in Lausanne ihr Büro hat.
Einerseits geht es um einen arroganten Engländer, der sie beauftragt Geld einzutreiben - was sie erledigt.
Dann geht es um eine Politkergattin, die ein gestohlenes Paket wieder haben möchte - was nicht gelingt.
Große Sorgen bereiten ihr, daß ihre beste Freundin vergewaltigt worden war.
Nebenbei versucht sie ihr Gewissen rein zu halten und recherchiert wiederholt bei der Geldeintreibesache des arroganten Engländers nach. Als dieser in Bern ermordet aufgefunden wird, kommt bei Recherchen heraus wie unbeliebt er gewesen war, da er sich den Kick im Leben durch erpresserische Spielchen geholt hat (Geld hatte er genug).
Am Schluß führen fast alle Handlungsstränge zu diesem unsympathischen ermordeten Zeitgenossen, und auch die Vergewaltigung wird hoffentlich leichter verarbeitbar. Ob er ein Herz aus Eisen (deutsche Übersetzung) oder Bronze (französisches Original) hatte, ist nur noch Geschmackssache.
Das Buch ist nett geschrieben, die Menschen skizziert, sodaß mir manchmal die Tiefe fehlt, aber die Spannung hält. Auch wenn viele verschiedene Fäden verkreuzt sind, sind mir die Linien doch klar geblieben. Irritierend war für mich der Umgang mit Zeit, da mir hier einiges im Ablauf nicht wirklich klar war.
Die Hauptfigur gefällt mir gut mit ihrem Spiel mit dem berühmten Namen, den sie wirklich von dem berühmten Mann hat, und dem Eingehen auf zweisprachiges Aufwachsen und die Schwierigkeiten in zwei Sprachen (italienisch und französisch) zu denken, das autobiographisch ist.
Die Nebenfiguren sind zahlreich aber signifikant geschildert : der gut kochende Journalisten-Freund, der Anwalt der auch Schauspieler ist, der englische Detektiv im Rollstuhl, die Freundin und Lehrerkollegin der Freundin, der schweizerische hartnäckige Polizist, die Onkels des Engländers bis zur geschiedenen zarten Ex-Frau des Engländers und ihrer Großmutter.
Das Buch kann ich empfehlen - ob ich die Folgebücher (es gibt 2) lesen möchte, oder doch lieber etwas ganz anderes, muß ich netterweise nicht gleich entscheiden.
Mittwoch, 15. September 2010
Alice Munro : "Der Traum meiner Mutter"
Alice Munro : "Der Traum meiner Mutter"
unter "The Love of a Good Woman"
1998 bei A. Knopf, New York
aus dem Englischen von Heidi Zerning
2002, S. Fischer Verlag, Frankfurt
221 Seiten
7 Seiten Nachwort von Judith Hermann
Die Landschaften, die Häuser, deren Einrichtung, das Geschirr sind schön skizziert, das Gewand und die Szenerie sind wie eine aquarellierte Bleistiftzeichnung beschrieben.
unter "The Love of a Good Woman"
1998 bei A. Knopf, New York
aus dem Englischen von Heidi Zerning
2002, S. Fischer Verlag, Frankfurt
221 Seiten
7 Seiten Nachwort von Judith Hermann
ISBN 3-10-048817-2
* Der Traum meiner Mutter (62 Seiten)
* Die Kinder bleiben hier (44 Seiten)
* Stinkreich (50 Seiten)
* Vor dem Wandel (50 Seiten)
* Der Traum meiner Mutter (62 Seiten)
* Die Kinder bleiben hier (44 Seiten)
* Stinkreich (50 Seiten)
* Vor dem Wandel (50 Seiten)
Das Buch enthält vier starke, dicht beschriebene Geschichten, in denen Frauen in ihrem Leben , in ihrer Entwicklung beschrieben werden.
Der 'Traum meiner Mutter' beschreibt wie eine junge Frau Jill, die Musikerin werden möchte, von einem Mann der im Krieg umkommt ein Kind auf die Welt bringt. Sie ist so überfordert, daß die Schwestern des Mannes einspringen. Erst als die jungen Mutter einen Tag alleine mit dem Baby ist, ist es möglich, daß die beiden miteinander eine Beziehung aufzubauen beginnen.
In die 'Kinder bleiben hier' erzählt eine junge Frau und doppelte Mutter Pauline, wie sie beim Schauspielen in eine Affäre gleitet, und ihr Mann am Schluß als Rache die Kinder behält. Schön sind hier die Beschreibungen des Strandes an dem die Familie mit ihren Schwiegereltern ist.
Das Stück das geschauspielert werden soll, ist die "Eurydike" von Jean Anouilh, in dem die junge Mutter die Eurydike spielt, und der spätere Geliebte der Regisseur ist.
Der 'Traum meiner Mutter' beschreibt wie eine junge Frau Jill, die Musikerin werden möchte, von einem Mann der im Krieg umkommt ein Kind auf die Welt bringt. Sie ist so überfordert, daß die Schwestern des Mannes einspringen. Erst als die jungen Mutter einen Tag alleine mit dem Baby ist, ist es möglich, daß die beiden miteinander eine Beziehung aufzubauen beginnen.
In die 'Kinder bleiben hier' erzählt eine junge Frau und doppelte Mutter Pauline, wie sie beim Schauspielen in eine Affäre gleitet, und ihr Mann am Schluß als Rache die Kinder behält. Schön sind hier die Beschreibungen des Strandes an dem die Familie mit ihren Schwiegereltern ist.
Das Stück das geschauspielert werden soll, ist die "Eurydike" von Jean Anouilh, in dem die junge Mutter die Eurydike spielt, und der spätere Geliebte der Regisseur ist.
In "stinkreich" geht es um drei Frauen und einen Mann. Die drei Frauen sind die Ehefrau, eine Lektorin und deren Tochter. Die Tochter Karin ist die bei der die Entwicklungen, die Versuchungen ans Lebens erzählt werden. Als sie sich spaßhalber das Hochzeitskleid der Ehefrau ausborgt, gerät sie in Kerzen und holt sich schlimme Hautverletzungen. Auf der letzen Seite ist die Zeile, daß sie ihre innere Kraft gefunden hat.
„Vor dem Wandel“ ist für mich fast gespenstisch, da die junge Frau die heimkehrt ins Haus ihres wortkargen Vaters fast keine Kommunikation findet. Erst als Erwachsene findet sie heraus, daß ihr Vater als Landarzt Besuch von Stadtfrauen zur heimlichen Abtreibung bekommt. Als er nach einem Schlaganfall stirbt, entdecken alle daß er nie Geld damit gemacht hat und es fast nichts zum Erben gibt. Parallel zur den vergeblichen Kommunikationsversuchen erzählt die junge Frau, daß sie in der Hauptstadt beim Studium einen Theologiestudenten kennengelernt hatte, dieser aber einen Schwangerschaftsabbruch gefordert hatte, der für sie nicht möglich war, weshalb das Kind jetzt Adoptiveltern hat.
Der Aufbau der Geschichten erscheint mir sehr ähnlich, denn mehr als drei Viertel der Geschichte verlaufen in einem ruhigen deskriptiven Strom, und dann plötzlich schlägt die Geschichte einen Hacken und man landet ganz woanders.
Im 'Traum meiner Mutter' hat es die junge Mutter geschafft als Musikerin in einem Orchester zu spielen; in 'die Kinder bleiben hier' ist klar, daß der Regisseur nur eine Affäre und ja nichts wichtiges war.
Der Aufbau der Geschichten erscheint mir sehr ähnlich, denn mehr als drei Viertel der Geschichte verlaufen in einem ruhigen deskriptiven Strom, und dann plötzlich schlägt die Geschichte einen Hacken und man landet ganz woanders.
Im 'Traum meiner Mutter' hat es die junge Mutter geschafft als Musikerin in einem Orchester zu spielen; in 'die Kinder bleiben hier' ist klar, daß der Regisseur nur eine Affäre und ja nichts wichtiges war.
Im „Vor dem Wandel“ befreit der unerwartete Tod des Vaters die junge Frau von engen Erwartungen, auch wenn nicht klar ist, was sie damit tun möchte.
Mir gefällt sehr gut wie die ruhigen, beobachtenden (fast passiven) Menschen beschrieben sind. Trotzdem dreht sich die Geschichte um sie, und die Welt dreht sich um sie herum.
Beim Lesen der Geschichten habe ich mich gefragt wann diese Geschichten handeln – für mich haben sie eine Enge, die mich an den konservativen Filme aus den 60-Jahren erinnert. Für Frauen gab es einige Lebensperpektiven und wenige Ausdrucksmöglichkeiten.
Die Landschaften, die Häuser, deren Einrichtung, das Geschirr sind schön skizziert, das Gewand und die Szenerie sind wie eine aquarellierte Bleistiftzeichnung beschrieben.
Das Buch kann ich allen Lesern empfehlen, die sich gerne in eine andere - in dem Fall die der kanadischen Landschaft – Welt ziehen lassen und das Gefühl, daß die Zeit still gestanden sein könnte genießen wollen.
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Übersetzerin
Montag, 23. August 2010
Daniel Múgica : "Die Stadt von unten"
Daniel Múgica :
"Die Stadt von unten" 1996 Plaza & Janés Editores, Barcelona
"La ciudad de abajo"
aus dem Spanischen von Ulrich Kunzmann
1998, Ullstein Taschenbuch
140 Seiten
ISBN3-548-24342-8
1. Krankheit
2. Die Schulen
3. Die Freunde
4. Der Alkohol
5. Die Reise
6. Die Frauen
7. Die Trauer
8. Der Unfall
9. Die Kinder
10. Die Gegenwart
Ein faszinierendes Buch, das - chronologisch gesehen - die Geschichte eines Buben erzählt, der als Kind eine Hüftkrankheit hat, dann gesund wird, die Adolezenz erlebt, als Jüngling immer wieder in die verschiedenen Suchtmittelräusche abstürzt .... und am Schluß 'Sicherheit' im klassischen Rahmen der Familie mit Frau und Kindern findet.
Die Chronologie der 10 Kapitel wird in Erzählform gesprengt - der Jugendliche ist einmal der kranke Bub und zwei Sätze später der erwachsene Mensch, der Familienvater und Ehemann ist, und genau dort ankert.
Die Stadt von unten ist einerseits ein Bild für die Schmerzen, die ihn immer wieder abstürzen lassen oder in die er sich immer wieder geistig rettet, um mit den Schmerzen und den Behinderungen fertig zu werden.
Später ist die Stadt von unten die Welt der Räusche, die er entweder alleine oder mit wechselnden Partnerinnen und Freunden hat. Im Detail schildert der Autor die verschiedenen 'Aufnahmearten' der unterschiedlichen Drogen. Preisgelder, die mit 22 Jahren für Schriftstellerarbeit genommen werden, werden mit Drogen verheizt.
Schilderungen sind auch das idylle Familienleben mit Frau und Zwillingen, die wie ein Happy End am Ende des Romans stehen.
Kurz, aber intensiv schreibt der Autor über terroristische Angriffe auf Menschen mit Idealen, die familiär aus dem dritten Reich und später das Baskenland und dortigen Terror betreffen.
Mich hat die Dichtheit und das Rauschhafte in dem Beschreiben des Drogenkonsums, des Wegtretens, des Alkoholkonsums, das Absacken wenn Drogen wichtiger werden als Miete zahlen oder sich um die Wäsche kümmern fasziniert; das Familiengetue und Happy End war mir zu kitschig.
Mich faszinieren die sprachlichen Bilder des Autors/ vielen Dank an den Übersetzer :
.. daß man immer allein ist, wenn das auch gegen den Willen derjeniger geschieht, die dich lieben (S.12)
.. das Schwimmbecken .. ein flüssiger Planet ..
.. impulsive spontane Verabredungen mit der Traurigkeit (S.23)
Ich ging in den Klängen auf und schlich mich wie ein heimlicher Untermieter in ihre Seele ein (2.35)
.. der Mond ... warf seine Messerklingen in die Wellen (2.49/50)
.. eine riesige Schlingpflanze aus blauem und orangerotem Feuer rankte sich an einem Firmament aus Alkohol empor (S.52)
S. 81 ... daß ich Illusionen sammelte und mir keine mehr blieben.
S. 84 .. Garten, in dem der Herbst, ..., Laubwirbel umherstreute.
S. 123 Die Bücher überziehen die Wände wie Schlingpflanzen und klettern die Treppe empor, überfluten die Schlafzimmer und finden Ruhe.
Donnerstag, 8. Juli 2010
Rafael Arozarena : "Mararía"

Rafael Arozarena :
"Mararía"
1973, unter Mararía
Verlag Noguer, Barcelona
aus dem Spanischen von Gerta Neuroth übersetzt
1998, Gustav Lübbe Verlag GmbH
232 Seiten
1 Seite Glossar
4 Seiten Nachwort der Übersetzerin
ISBN 3-7857-1503-X
Es ist ein sprödes Buch bei dem man so langsam weiterkommt wie man durch den Sand waten kann, oder bei Hitze einen kargen Berg erklettert. Es ist die Geschichte einer wunderschönen Frau auf einer Insel in einer Männergesellschaft, die zwar Erwartungen für das Schöne entzündet aber keiner damit glücklich wird.
Ort des Romanes ist die Insel Lanzerote, die als Skelett eines Kamels beschrieben wird, der Kampf ums Überleben in einem Dorf mit Gasthaus, Landwirtschaft, aber von dem die Männer weggehen um als Matrosen zu arbeiten.
Sprunghaft wird durch Erzählungen von ausschließlich Männern die Geschichte einer wunderschönen jungen Frau erzählt, die im Alter nur noch abends außer Haus geht und den Ruf als Hexe hat.
Sie hatte eine Kind von einem Mann, wollte einen anderen heiraten der am Tag der Hochzeit von betrunkenen Männern ihres Dorfes spaßhalber erschlagen wurde, verlor ihren Sohn an das Meer das ihn nicht mehr hergab, und bewahrte ihre Würde und ihre kerzengerade Haltung aber auch das Feuer in ihren Augen bis ins hohe Alter.
Männer wollten sie heiraten, sie besitzen, mit ihr angeben, verloren durch sie Berechnung oder Ziele aus den Augen, oder beteten sie einfach nur an.
Die Erzähler sind der Gasthausbesitzer, der Bucklige, der Pfarrer, ein Landbesitzer, ein Matrose der mittellos heimkehrt, ein Arzt am Strand etc. Andere Frauen haben keine Chance und hier auch keine Stimme zur Äußerung.
Die Geschichte fasziniert, aber sie ist trocken und spröde wie die baumlosen Berge, die herumliegende Gerippe der Tiere, und erst langsam baut sich auf warum die kerzengerade Gestalt, vor der sich die Hunde fürchten, so ein Faszinosum birgt.
Das Buch ist jedem zu empfehlen der sich die Zeit und Lust nimmt, langsam eine Landschaft und auch Art des Lebens auf sich einwirken zu lassen und dabei die Personenschilderungen zu genießen.
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1998,
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Lanzarote,
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Sonntag, 18. April 2010
Viktoria Platowa : "Die Frau mit dem Engelsgesicht"
Viktoria Platowa
"Die Frau mit dem Engelsgesicht"
original "в тихoм oмуте"
1998 bei EKSMO-Press, Moskau
aus dem Russischen von Olga Kouvchinnikova und Ingolf Hoppmann
2002, Aufbau Taschenbuch Verlag GmbH Berlin
404 Seiten
ISBN 3-7466-1875-4
Rasch lesbares Buch, das aber eine ziemlich unglaubwürdige, aber nicht einmal skurile Geschichte erzählt.
Eine unscheinbare Frau, die auf der Filmakademie Moskau nur ihren Freunden hilft, und nachher weiterhilft in dem sie blutrünstige Pornoplots schreibt, wird in den Mord an zwei guten Freunden verwickelt.
Sie läßt sich ihr Gesicht operieren und beschließt den Mord an ihren Freunden zu rächen. Ihre Porno-Storys mit viel künstlichem Blut waren alle Mord durch erschlagen etc. also natürlichem Blut umgesetzt worden. Das Entstehen so eines Gewaltpornos war durch einen der Freunde mitgeschnitten worden - was den Mord an ihm erklärt.
Mit der Ausstrahlung einer schönen selbstbewußten Frau nimmt Eva, in ihrem neuem post-operativen Namen, Kontakt zu einer attraktiven einflußreichen lesbischen Frau auf (die ihr einen Paß machen läßt), zu dubiosen Ladenbesitzern, und wärmt mit neuem Gesicht und neuem Namen alte Bekannte auf. Sie pendelt zwischen Moskau und St. Petersburg hin- und her - die Schilderungen beider Städte sind nicht wirklich anheimelnd. Nebenbei vereitelt sie einen Mord an einem einflußreichen Geschäftsmann, der ihr dafür mit Geld, Wohnung und Rechtsanwalt bei etwaigen Problemen weiterhilft. Dazwischen gibt es weiter Morde - zufällige mit einem Badezimmerhacken oder welche bei denen eine Kugel in einer Pistole vergessen worden war. Auch ein kleiner Ausflug ans Meer mit dem Mann der Träume wird nicht vergessen. Nachdem wieder ein Mann ungebracht wurden war, entpuppt sich, daß genau der Mann der Träume derjenige ist, der hinter den blutigen Pornos steht, aber Eva ist auch hier geschützt also kann sie nach dem Showdown mit Tod des Manns der Träume die Illusion starten, daß jetzt das neue Leben wirklich für sie beginnt.
Die Menschen bleiben für mich ungreifbar, eher Abziehbilder oder Fassaden. Maus/Eva spüre ich leider gar nicht. Witztig ist nur Serga ein ehemaliger Studienkollege, dessen Art immer am flaschen Platz zu sein, einige hilfreiche zu haben und v.a. zu malen einigermassen Konturen hat. Dan, der Mann der Träume erscheint mir als "Mann/Matcho/Macher" zu konstruiert, und Oleg, der rettende Jurist, zu ruhig und zu hilfreich und damit - für meinen Geschmack - zu unwahrscheinlich skizziert wird.
Der Krimi ist gut lesbar, auch wenn er mich immer wieder zum Kopf-schütteln bringt, weil Elemente nicht zusammenpassen (einmal Geldnot, dann ohne Quellenangabe von Einkommen Einkaufsorgien, u.ä.m.).
"Die Frau mit dem Engelsgesicht"
original "в тихoм oмуте"
1998 bei EKSMO-Press, Moskau
aus dem Russischen von Olga Kouvchinnikova und Ingolf Hoppmann
2002, Aufbau Taschenbuch Verlag GmbH Berlin
404 Seiten
ISBN 3-7466-1875-4
Rasch lesbares Buch, das aber eine ziemlich unglaubwürdige, aber nicht einmal skurile Geschichte erzählt.
Eine unscheinbare Frau, die auf der Filmakademie Moskau nur ihren Freunden hilft, und nachher weiterhilft in dem sie blutrünstige Pornoplots schreibt, wird in den Mord an zwei guten Freunden verwickelt.
Sie läßt sich ihr Gesicht operieren und beschließt den Mord an ihren Freunden zu rächen. Ihre Porno-Storys mit viel künstlichem Blut waren alle Mord durch erschlagen etc. also natürlichem Blut umgesetzt worden. Das Entstehen so eines Gewaltpornos war durch einen der Freunde mitgeschnitten worden - was den Mord an ihm erklärt.
Mit der Ausstrahlung einer schönen selbstbewußten Frau nimmt Eva, in ihrem neuem post-operativen Namen, Kontakt zu einer attraktiven einflußreichen lesbischen Frau auf (die ihr einen Paß machen läßt), zu dubiosen Ladenbesitzern, und wärmt mit neuem Gesicht und neuem Namen alte Bekannte auf. Sie pendelt zwischen Moskau und St. Petersburg hin- und her - die Schilderungen beider Städte sind nicht wirklich anheimelnd. Nebenbei vereitelt sie einen Mord an einem einflußreichen Geschäftsmann, der ihr dafür mit Geld, Wohnung und Rechtsanwalt bei etwaigen Problemen weiterhilft. Dazwischen gibt es weiter Morde - zufällige mit einem Badezimmerhacken oder welche bei denen eine Kugel in einer Pistole vergessen worden war. Auch ein kleiner Ausflug ans Meer mit dem Mann der Träume wird nicht vergessen. Nachdem wieder ein Mann ungebracht wurden war, entpuppt sich, daß genau der Mann der Träume derjenige ist, der hinter den blutigen Pornos steht, aber Eva ist auch hier geschützt also kann sie nach dem Showdown mit Tod des Manns der Träume die Illusion starten, daß jetzt das neue Leben wirklich für sie beginnt.
Die Menschen bleiben für mich ungreifbar, eher Abziehbilder oder Fassaden. Maus/Eva spüre ich leider gar nicht. Witztig ist nur Serga ein ehemaliger Studienkollege, dessen Art immer am flaschen Platz zu sein, einige hilfreiche zu haben und v.a. zu malen einigermassen Konturen hat. Dan, der Mann der Träume erscheint mir als "Mann/Matcho/Macher" zu konstruiert, und Oleg, der rettende Jurist, zu ruhig und zu hilfreich und damit - für meinen Geschmack - zu unwahrscheinlich skizziert wird.
Der Krimi ist gut lesbar, auch wenn er mich immer wieder zum Kopf-schütteln bringt, weil Elemente nicht zusammenpassen (einmal Geldnot, dann ohne Quellenangabe von Einkommen Einkaufsorgien, u.ä.m.).
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