Posts mit dem Label Sprache werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sprache werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 19. Dezember 2025

Bernhard Schlink : "Der Vorleser"

Bernhard Schlink :
"Der Vorleser"
Ausgabe Eine Stadt. Ein Buch
copyright 1995, Diogenes Verlag 2023 Echomedia Buchverlag / Eine Stadt. Ein Buch.
203 Seiten + 8 Seiten Interview Bernhard Schlink
keine ISBN 

Der Teenager Michael Berg lernt durch einen Zufall die etwas über 30 jährige Hanna Schmitz kennen, die als Bahnschaffnerin arbeitet. Er verliebt sich in ihre warmherzige bodenständige sinnliche Art, und beginnt ihr auf ihren Wunsch hin vorzulesen. Die erotische Beziehung und den Kontakt mit ihr verschweigt er seiner Umgebung komplett. Später im Gymnasium hat er mehr Kontakt mit gleichaltrigen, und die Beziehung zerbricht.
Während des Studiums wird eine Gruppe um einen Professor dazu eingeteilt einen Gerichtsprozeß zu verfolgen, bei dem einige KZ-aufsehende Frauen jüdische Gefangene bei dem Transport weg von den russischen Soldaten in einem brennenden Gebäude eingeschlossen haben und umkommen lassen, zu diesem Verbrechen angeklagt werden. Michael erkennt Hanna, die sich zu manchem bekennt, manches hinterfragt, und ihm wird klar, daß sie Analphabetin ist, was nicht bekannt ist. Um ihre Souveränität nicht zu verletzen sagt er nichts; sie wird zu langer Gefängnisstrafe verurteilt. Die Auseinandersetzung mit der Arbeit als KZ-Aufseherin unterbleibt.
Als seine Ehe gescheitert ist, beginnt er Kassetten mit Text aus Romanen vorzulesen und zu besprechen und schickt diese an Hanna ins Gefängnis. Jahre später kommt Antwort in eckiger Schrift; die Zeilen werden mit der Zeit flüssiger. Hanna bringt sich kurz vor der Entlassung aus dem Krankenhaus um, und Michael erfährt von der Gefängnisleiterin, daß sie sich am Ende ihres Lebens mit Biographien anderer KZ-Aufseherinnen beschäftigt hat, und ihr Geld Angehörigen der damals verbrannten Frauen vermacht hat.

Der Roman ist dreiteilig aufgebaut - Teenagerzeit, Student, nach seiner Ehe; und in Ich-form aus Sicht von Michael Berg geschildert.

Als Person werden nur Michael Berg geschildert und wie er die anderen Menschen sieht. Er fühlt sich bei der rundlichen geraden Hanna wohler als bei vielen anderen Menschen, auch wenn sie ihn - um ihren Analphabetismus zu vermeiden - immer wieder hart behandelt. Der Vater ist zwar da, aber ferne und kalt.
Die Abschnitte, in denen es um das/die Verbrechen aus der Zeit des Nationalsozialismus geht, werden überraschend unemotional beschrieben, vermutlich das Grauen im Kopf den Lesern/Leserinnen überlassend.

Der Roman ist sehr gut geschrieben; die Szenerien laufen vor Auge ab. Die Kontakte zwischen Michael und Hanna sind spürbar, auch wenn eigentlich kein Kontakt mehr vorhanden ist; die Einsamkeit der beiden ist ebenfalls spürbar.

In Summe ein Roman der eindrücklich bei mir in Erinnerung bleibt.

Bernhard Schlink wurde am 6. Juli 1944 in Großdornberg / Bielefeld geboren. Er ist Jurist und wurde Professor für öffentliches Recht in Deutschland. 1987 begann er zu schreiben, zuerst als als Co-Autor, später alleine vor allem als Kriminal-Schriftsteller.

Freitag, 29. August 2025

Javier Marías : "Berta Isla"

Javier Marías :
"Berta Isla"
Roman
original "Berta Isla"
2017, Alfaguara Barcelona
Aus dem Spanischen von Susanne Lange
2022, Fischer Taschenbuchverlag
648 Seiten
ISBN 978-3-596-70341-8

Berta Isla ist eine intelligente junge Frau, die bereits früh in einer Beziehung mit Tomás ist. Sie ist Spanierin, er halb spanisch halb britisch weshalb er als diese beiden Sprachen und als Sprachtalent in vielen Akzenten spricht. Sie heirateten, es kommt er Kind, er arbeitet die ganze Zeit in einem Arbeitsbereich über den er nicht sprechen darf in England, oder wo aus immer. Kind zwei kommt, und einige Zeit später erfährt Berta, daß ihr Mann umgekommen sei, aber seine Leiche nicht gefunden wurde. Berta hat zwar Affären und Beziehungen, ist aber nicht überzeugt, daß Tomás nicht mehr am Leben sei.
      Parallel wird Tomás Leben erzählt - mit einer Affäre in England, die scheitert, und Gesprächen, die ihn überzeugen seine Talente in den Dienst des englischen Geheimdiensts zu stellen. Sein mentaler Anker in den Einsätzen bleibt der Glaube an Berta, auch als er in Pension in verschiedenen kleinen Städten Englands lebt.
   Die Endwendung ist sehr überraschend, und plötzlich sieht alles anders aus.

Die Kapitel sind abwechselnd aus der Sicht von Berta und Tomás geschrieben, aber nicht in I-form, und begleiten die beiden seit ihrer gemeinsamer Studienzeit. Tomás ist ein fröhlicher kommunikativer Mensch, sie ist eine korrekte Spanierin - beiden ist klar daß sie zusammen sind.

Vor dem Hintergrund der Margaret-Thatcher-regierung in England, den Attentaten der ETA in Spanien, und anderen europäischen Themen wird die Geschichte von viel Abwesenheit des Ehemannes erzählt, in der Berta die Kinder aufzieht, selbst Lehrerin ist, und auch ein sehr unangenehmes Erlebnis mit Agenten hat.

Dieses Buch ist mehr aus der Sicht von Berta geschrieben.
Die andere Sichtweise ist hier : 2021: Tomás Nevinson. Alfaguara, Madrid, dt. von Susanne Lange als Tomás Nevinson, S. Fischer, Frankfurt 2022.

Ich habe in  den 90-er Jahren "Sein Herz zu weiß" gelesen, und war damals von dem Stil nicht begeistert, weil ich mir nicht in den Bann gezogen hat.
Dieses Buch ist - obwohl distanziert - so geschrieben (oder übersetzt), daß die coole beherrschte logische Berta mit ihren Ängsten, Sorgen, Gedanken stimmig und fühlbar war. 

Die intellektuelle Auseinandersetzung zwischen den beiden ist spürbar. Faszinierend wird es wenn Berta englischer Literatur zitiert, die mehr die Heimat von Tomás ist, um sich verständlich zu machen.

In Summe ein intensiver Roman; viel Freude beim Lesen.

Javier Marías Franco wurde am 20. September 1951 in Madrid geboren und verbrachte einige Jahre seiner Jugend in USA, da sein Vater sich der spanischen Republik zugehörend bekannte. Er studierte Literaturwissenschaften und Philosophie. war ein Schriftsteller, Kolumnist und Übersetzer. Er starb am 11. September 2922.
Er begann früh schrifstellerisch zu arbeiten.
Zu seinen Werken gehören die Romane 'El hombre sentimental' (1982, deutsch: Der Gefühlsmensch) , Todas las almas (1986, deutsch: Alle Seele und sein siebenter Roman Corazón tan blanco (1992, deutsch: Mein Herz so weiß), der ein internationaler Erfolg wurde. Seine Romane sechszehn und siebzehn sind "Berta Isla" und "Tomás Nevinsson".

Sonntag, 15. September 2024

Francesc Miralles : "Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen"

Francesc Miralles :
"Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen"
Roman
original "Amor en minúscula"
2006, Vergara, Barcelona
Aus dem Spanischen von Anja Lutter
2010, List Verlag
296 Seiten + 1 Seite Danke
ISBN 978-3-548-60936-2

Samuel lebt sein sehr organisiertes Leben in Barcelona als Literaturdozent für deutsche Sprache & Literatur. Am ersten Jänner sitzt eine Katze vor seiner Türe, nennt sie Mishima und er muß sich um sie kümmern indem er unter anderem eine/n Tierarzt/ärztin sucht. Auf einer Straßenkreuzung begegnet ihm seine Schulliebe, die er seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Der Zufall führt ihn in genau das Musikgeschäft, in dem diese Frau arbeitet.
Parallel kommt er mit einem Nachbarn ins Gespräch und bemüht sich um dessen Angelegenheiten, während dieser im Krankenhaus ist. Und er hilft einem obdachlosen Professor.
Am Schluß gibt es Liebe.

In fünf Kapiteln denkt, liest, sinniert und läuft Samuel durch sein Barcelona.
Witzig wird es wenn er beschreibt, daß die Studenten nicht mal die rudimentärsten Grundlagen haben und sie nur durchläßt, damit er sich nicht mehr mit ihnen beschäftigen muß.

Samuel ist für mich leider nicht fühlbar geworden; nur sein Faible für das Wörterbuch der Wörter, deren Bedeutung es nur in einer Sprache gibt, hat mich angesprochen. Die warmherzige Tierärztin war für mich gut spürbar. Die Jugendliebe Gabriele bliebt leider etwas ferne. Unterhaltsam sind der weise wißbegierige Nachbar & Journalist, sowie der Professor der von der geplanten Zukunft schreibt.

Leider ist zu wenig von der Katze geschrieben. 

Ich hatte mir mehr von diesem Roman versprochen, und hatte bei der Liebe doch auf anderes Ende gehofft.

Francesc Miralles Contijoch  wurde am 27. August in Barcelona geboren. Er ist ein Catalanischer Schriftsteller, Essayist, Übersetzer, und Musiker. Er war viel gereist, und hatte sich auf Indien spezialisiert. Sein erster Roman auf katalanisch war 'Perdut a Bombai' (Lost in Bombay) (2001); auf spanisch 'El lector de Kafka', Ed. Océano, 2000. Er hat auch einige Jugend- und Kinderbücher geschrieben.

Samstag, 22. Juni 2019

Pascal Mercier : "Nachtzug nach Lissabon"

Pascal Mercier :
"Nachtzug nach Lissabon"
Roman
2006, Btb Taschenbuch
484 Seiten
ISBN 978-3-422-73436-8

Raimund Gregorius, Lehrer für Griechisch und Latein wird durch den versuchten Selbstmord einer Portugiesin mit einem Buch auf portugiesisch aus seinem Lebenstrott gerissen. Er reißt mit dem Zug nach Portugal und lernt dabei den Geschäftsmann Silviero kennen. In Lissabon lernt er eine Augenärztin kennen, deren Verwandt Erca, dessen Hände zerbrochen worden waren, und andere Menschen des Autors des Buches Amadeu Prado. Dieser war ein hochintelligenter Mensch gewesen, der schon in der Schulzeit über die Grenzen gedacht hatte, und proviziert hatte. Hier begann die lebenslange Freundschaft mit dem Apotheker O'kelly, und mit seiner Seelenfreundin Maria. Er studierte Medizin, rettete seiner Schwester das Leben, rettet einem der brutalsten Menschen der Militärdiktatur das Leben, und rettet auch eine junge attraktive Frau mit phänomenalem Gedächtnis die alles über den Widerstand wußte.
Gregorius besucht die Menschen und Orte an denen Prado gelebt und gedacht hat, und spricht mit vielen Menschen über den charistmatischen, leidenschaftlichen, suchenden aber auch enorm egoistischen Menschen.

Der Roman besteht aus vier Kapiteln, die 'Der Aufbruch', 'Die Begegnung', 'Der Versuch' und 'Die Rückkehr' heißen.
Die Gedanken die Amadeu Prado zu Papier gebracht hatte, sind in kursiv abgedruckt und ziehen sich bruchstückhaft durch den Roman.

Die vielen Menschen in dem Buch sind stark, faszinierend, eigenwillig, stur, eindrücklich, und prägen sich beim Lesen ein. Dies obwohl sehr viele Menschen geschildert und miterlebt werden.
Amadeu selber wird als eigenwillig, hochintelligent, engangiert, geschildert, aber auch als jemand der Menschen die nicht ihm kognitiv oder menschlich das Wasser reichen konnte, liegen ließ. Mich hat negativ berührt, daß ihm der seiner Frau Kinder verwehrte Jahre später meinte Anspruch an eine Frau zu haben seine Ergänzung nach seinem Wunsch zu werden.
Der Erzähler Raimund Gregorius ist zurückhaltend, in seine alten Sprachen hinter seinen Brillengläsern versunken, der erst lernen muß wieder mit Menschen umzugehen und sich auf sie einzulassen.
Die Unterschiedlichkeit der beiden Schwestern von Amadeu ist schillernd, die drei Frauen im Leben Amadues ebenso wobei seine Frau Fatima die er um ihren Kinderwunsch betrügt mein größtes Mitgefühl hat, die beiden anderen Frau bewahren ihre Mitte und Abstand. Der alte Widerstandskämpfer im Altersheim ist berührend in seiner inneren Kraft und Überlebenswillen.

Orte der Handlung sind Bern, die Züge nach Portugal, Lissabon, Coimbra, Finisterre und Salamanca. Alles ist gut vorstellbar und mit den Stimmungen vor Ort geschildert.

Der Beginn des Buches hat sich für mich gezogen, die ersten Texte von Amadeu habe ich nur überflogen, da ich wissen wollte wie der Roman weitergeht. Die Geschichte zog mich immer mehr in den Bann.
Beim Hintergrundlesen über die PIDE und die Militärdiktatur unter Salazar fiel auf wie wenig im Internet nachzulesen war.

Die Sprache in dem Roman hat mich sehr angesprochen. Formulierungen wie 'Goldschmied der Worte' finde ich wunderschön.

In Summe ein wunderschöner beeindruckender Roman. Viel viel Freude beim Lesen !

Peter Bieri wurde am 23. Juni 1944 in Bern geboren. Er ist Philosoph und Schriftsteller, wobei er unter dem Namen Pascal Mercier - nach einem Sprachmix aus Blaise Pascal und Louis-Sebastien Mercier - publiziert. Sein erster Roman "Perlmanns Schweigen" erschien 1995.

Freitag, 31. August 2018

Andrea Camilleri : "Jagd nach einem Schatten"

Andrea Camilleri :
"Jagd nach einem Schatten"
Roman
original "Inseguendo un'ombra"
2014, Sellerio editore, Palermo
Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki
2018, Nagel & Kimche
195 Seiten
ISBN : 978-3-312-01086-8

Diese Jagd nach einem Schatten gilt einem Mann im 15 Jahrhundert. Geboren als Jude - vermutlich unter dem Namen Samuel Ben Nissim Abul Farag - merkt er die Nachteile als Juden in Sizilien, konvertiert - und nimmt den Namen Guglielmo Raimondo an-, wird mit Hetzpredigten gegen Juden und grandioser Rhetorik zu einem der Stars im Vatikan. Nach einer 'Verfehlung' - es wird Mord vermutet - flieht er zuerst nach Deutschland, und dann zurück diesmal in die Toskana, wo er unter dem Namen Flavio Mitridate, Übersetzer für Pico della Mirandola wird. Nachdem die Verfehlung nach Jahren wieder verfolgt wird, geht sein weiteres Schicksal unter - Camilleri hat einige Endvorschläge.

Camilleri geht hier auf Spuren anderer Schriftsteller und Historiker wie Leonardo Sciascia, und schreibt drei Kapitel in denen zuerst romanhaft wie gescheit, sprachengenial aber unangenehm und launenhaft der Mensch Samuel/Guglielmo/Flavio gewesen sein könnte / dürfte. In anderem Font arbeitet Camilleri die Unterschiede zwischen seiner Romanfigur und dem, was als es als Belegen gibt, auf.

Ob diese Menschen mit unterschiedlichem Namen wirklich ein Mensch sind, ist nicht geklärt. Geklärt ist die Homosexualität von Flavio, sowie eine Amoure die ihm vielleicht wichtig gewesen sein dürfte. Camilleri macht eine Liebesgeschichte daraus. Daß Flavio einen Liebensjungen vertraglich gesichert hat und diesen wiederholt einfordert, gilt als gesichert.

Die Menschen und Beziehungen im Vatikan zeichnen ein machtgieriges Beziehungsgerüst, in dem erotische Leidenschaften und Cliquen Jahrzehnte vor Luther und Papst Alexander VI den Kirchstaat diktieren.

Samuel/Guglielmo/Flavio ist das Zentrum des Romans. Ihm werden Gefühle, Gedanken und Handlungen im Roman angedichtet; seine Verwandlungen, sein Ehrgeiz und Geldgier sind die Angelpunkte seines Handelns. Einzig sympathisch wirkt seine Vorliebe für wunderbare Bücher.

Die Geschichte ist spannend erzählt, auch wenn etwas zu viele Fachvokabel wie Neophyt (bekehrter Jude), Sbirren (quasi Geheimpolizei in Rom/Vatikan) und v.a. lateinische Sätze aus dem Kirchenbereich, die ich mit den Resten meines Schullateins irgendwie sinnhaft übersetzen konnte. Sinngemäß wird oft im darauf folgenden Satz darauf hingewiesen und einigermaßen erklärt.

Das Buch ist für Menschen die sich gerne in die Renaissance einlesen vermutlich große Freude. Mich hat die Spannung und Ambivalenz zwischen Fantasie und Recherche fasziniert. Viel Freude beim Lesen !

Andrea Camilleri wurde am 6. September 1925 in Porto Empedocle auf Sizielien geboren. Er ist Drehbuchautor, Regisseur und ermutlich am bekanntesten als Schriftsteller. 1978 erschien sein erster Roman, 1994 sein erster Kriminalroman mit Commissario Montalbano (1999 auf Deutsch).

Samstag, 23. Juni 2018

Anfänge - Neue österreichische Literatur

Anfänge - Neue österreichische Literatur
Herausgegeben von Heinz Sychrovsky
Welttag des Buches - 23. April 2018
Hauptverband des Österreichischen Buchhandels

Jeweils die ersten zehn Seiten der Texte sind hier abgedruckt.

+Nava Ebrahimi - Sechzehn Wörter : eine junge Frau aus Deutschland fliegt nach Persien, weil ihre Großmutter gestorben ist und denkt über ihre Familie nach. Und welche Wörter es in deutsch gibt, aber nicht in Farsi  - und umgekehrt. Um welche titelgebenden 16 Wörter es hier geht, wird aus dem Ausschnitt nicht klar. Der Stil ist dicht und zieht in die Welt der Fragen und Wörter und hier starken Frauen hinein.
+ Christoph Linher - Ungemach : Ein Mann hat seine Rechtsanwaltslizenz verloren, und folgt daher dem Ruf einer Tante ihn am Pflegebett in der Einöde zu besuchen. am besten gefiel mir die Formulierung in der Wolken  mit  'geschichteterem Schiefer' verglichen wurden.
+ Irene Diwiak - Liebwies : ein Musiklehrer ohne Freude an irgendwas kehrt aus dem ersten Weltkrieg zurück, säuft einige Zeit bis er beschließt aufs Land zu fahren und durch mehrere Zufälle als Dorflehrer beginnt.
+ Theodora Bauer - Chikago : Katica ist als Mädchen von einem Ort schwanger von einem jungen Soldaten. Das Kind wird von der Großmutter aufgezogen. Die Absätze springen in der Zeit hin und her. Es kommen kurze Sätze in einer anderen Sprache vor, die leider nicht übersetzt werden. Sprachlich hat mich der Ausschnitt nicht angesprochen.
+ Marie Luise Lehner - Fliegenpilze aus Kork : kurze Absätze machen Schlaglichter eines Kindes und seine Erinnerungen an die getrennt lebenden Eltern. Der Vater ist attraktiv und lieb zu ihr. Das Kind erinnert sich an ein Meerschweinchen, an Radfahren, an Ausflug auf den Schneeberg, an eine Demonstration bei der es auf den Schultern des Vaters sitzt. Die Absätze, kurzen Abschnitte oder auch das eine Gedicht machen starke Stimmung.
+ Laura Freudenthaler - Die Königin schweigt : Fanny hat eine alte Aufpasserin, was sie besonders macht. Ihr Bruder darf den Eltern auf dem Feld helfen. - die beschrieben Atmosphäre ist dicht, aber ich konnte nicht erkennen wohin der Raum führt.
+ Elias Hirschl - Hundert schwarze Nähmaschinen :  Ein Zivi wird eine WG mit ziemlich schrägen bis älteren Menschen zugeteilt. Die Beschreibungen sind heftig.  Spannend ist wie er Geruch der Kleidung und einer Wohnung mit der Sprache aus der Parfumbranche beschreibt.
+ Mario Hladicz - Gedichte zwischen Uhr und Bett : Gedichte
+ Sophie Reyer - Schildkrötentage : eine Frau bekommt mit 40 die erste tiefe Falte und denkt an ihren Kindheitswunsch eine Schildkröte zu haben und diese durch Plastikechsen zu substituieren.
+ Cordula Simon - Der Neubauer : Eine obdachlose Ich-Person beschreibt wie sie einen jungen reichen Schnösel in einer Bar kennenlernt und sich bei ihm  - weil es Winter ist - für einige Tage einquartiert. Die Frauen und der farblose reiche Mann schneiden nicht gut ab.
+ Mascha Dabic - Reibungsverluste : Nora hat zu ihrem 30-er beschlossen ein Vierteljahr keine Bücher zu lesen. Für sie ist das fast eine Revolution, da sie sich schon als Kind die die Welt der Bücher geflüchtet hat. Sie beschreibt auch ihre Zeit als sie in Russland lebte und sich eine Freundin um ihre Hände gekümmert hatte. Witzig fand ich die Formulierung, daß sich Bücher auf einem Sofa räkeln. Die Sprache und Situationen sind dicht und gut vorstellbar und schön lesbar.
+ Jakob Pretterhofer - Tagwache : hier ist Herr Hüttner Ausbildner im österreichischen Bundesheer, und denkt immer noch an den Selbstmord eines Rekruten nach.
+ Raphaela Edelbauer - Entdecker. Eine Poetik / mit Zeichnungen von Simon Goritschnig : Gebrauchsanweisung und Bestiarium, die sich mit Text-Bestien und Sprachanweisungen beschäftigen. Es werden hochgestochene Vokabel eingesetzt.   Dazwischen sind kleine faszinierende Zeichnungen aus verschiedenen Elementen zusammengesetzter Objekte aus der Natur.

Theodora Bauer : * 1990 in Wien
Mascha Dabic : * 1981 in Sarajevo
Irene Diwiak : * 1991 in Graz
Nava Ebrahimi :  * 1978 in Teheran
Raphaela Edelbauer : * 1990 in Wien
Laura Freudenthaler : * 1984 in Salzburg
Elias Hirschl : * 1994 in Wien
Mario Hladicz : * 1984 in Graz
Marie Luise Lehner : * 1995
Christoph Linher : * 1983 in Bludenz
Jakob Pretterhofer : * 1985 in Graz
Sophie Reyer : * 1984 in Wien
Cordula Simon : * 1986 in Graz