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Montag, 24. Februar 2025

Andrej Kurkow : "Picknick auf dem Eis"

Andrej Kurkow :
"Picknick auf dem Eis"
original "Smert' postoronnego"
1996, Folio, Charkiw
Aus dem Russischen von Christa Vogel
1999 / 2024 Echomedia Buchverlag / Eine Stadt. Ein Buch.
283 Seiten + 6 Seiten Interview mit Andrej Kurkow
keine ISBN 

Viktor lebt mit dem Pinguin Mischa, den er aus einem Tiergarten zu sich genommen hat. Als Möchtegern Schriftsteller und arbeitsloser Journalist kann er leider nicht schreiben, bis ihm angeboten wird Nachrufe auf Vorrat für eine Zeitung zu schreiben. Er bekommt Stichworte an die er sich zu halten hat, darf nicht darüber erzählen und wird gut bezahlt. Einige der Menschen für die er Nachrufe verfaßt hat, sterben wirklich und sein Werk wird unter einem Pseudonym abgedruckt. Zum Pinguin dazu vertraut ihm der Chefredakteur, auch ein Mischa, seine Tochter an. Der Chefredakteur verschwindet, und Viktor, die Tochter des Redakteurs, die Kindersitterin und Pinguin fahren gemeinsam mit einem Polizisten in eine hübsches Haus am Land. Später verreist der Polizist und kommt nicht mehr zurück. Viktor möchte dem Pinguin eine Reise in die Antarktis spendieren, damit er unter Artgenossen kommt, aber alles kommt anders.

Die Menschen sind in ihrer Traurigkeit und Einsamkeit gut vorstellbar. 
Viktor lebt traurig vor sich hin, trinkt, schreibt, versorgt Pinguin und die immer größer werdende Quasi-Familie. Seine Gedanken sind eher mißmutig, und freudlos. Für den Pinguin macht er mehr als für viele Menschen. So besucht er einen alten Mann der Pinguinforscher gewesen war. In den Grsprächen ist große Traurigkeit spürbar.
Der Kontakt zum Chefredakteur ist eigenartig und es schwingt Gewalt mit. Der Ausflug in eine andere Stadt wird zum Desaster und es gibt plötzlich Leichen.

Der deutsche Titel kommt von einem Picknick am Eis der kleinen Quasi-Familie. Skurril wird in der Szene erzählt wie die Angler erstaunt sind einen Pinguin unter Eis zu sehen.

Daß auch andere Mächte und Gesellscahfgten am Werk sind, läßt der Autor durchblicken, wenn verschlossene Türen nicht ausreichen, und eigenartige Informationen kommen.

Skurril ist das Wort das mir beim Lesen dieses Romans am meisten durch den Kopf schoß : ein Pinguin der den Kopf auf den Schoß des Menschens legt ? ein Pinguin der auf Begräbnissen gewünscht wird ?
Weniger skurril ist wie Menschen verschwinden oder sarkastisch zurückgeliefert werden. 

Der Roman ist eindrücklich - zuerst zog er mich mit seinen verrückten Gestalten und Einsamkeit in den Bann, die Falle der Gewalt am Schluß der sich Viktor entzieht wirkt nach.

Viel Genuß beim Lesen !

Andrej Kurkow wurde am 23. April 1961 in St. Petersburg geboren. Er lebt seit seiner Kindheit in Kiew und schreibt in russischer Sprache. Er studierte Fremdsprachen, war Zeitungsredakteur und während des Militärdienstes Gefängniswärter. Danach schrieb er zahlreiche Drehbücher. Er lebt in Kiew. 

Montag, 15. Juli 2024

Pedro Almodóvar : "Der letzte Traum"

Pedro Almodóvar :
"Der letzte Traum" - Zwölf Erzählungen
original " El último dueno"
2023, Penguin Random House Gruop Editorial, Barcelon
Aus dem Spanischen von Angelica Ammar
2024, S. Fischer Verlag
214 Seiten inkl Vorwort + 1 Seite Inhaltsverzeichnis + Lesebändchen
ISBN 978-3-10-397569-7

In den Buch sind zwölf sehr unterschiedliche Erzählungen über längeren Zeitraum zu sehr verschiedenen Themen zusammengestellt. Im Vorwort erklärt der bekannte Regisseur, daß er nie eine Autobiographie schreiben wollte und diese Erzählungen als Teil eines Tagebuch sieht, daß er Ideen für seine Filme vorgreift oder sie auf diese Art anders abschließt.

Der Besuch - eine attraktive und sehr hergerichtete junge Frau geht in einem ländlichen Dorf in die Kirche mit angeschlossenem Internat und verwickelt den ehemaliger Pater jetzt Direktor in ein Gespräch. Sie zeigt ihm Texte des Bruders, indem er über die sexuellen Übergriffe der Patres aus seiner Kindheit und seine Verwirrung daraus zählt.  Die letzte Wendung der Geschichte überrascht, oder eigentlich bei Almodovar nicht.

Zu viele Geschlechtsumwandlungen - es geht um Leon, Schauspieler und Geliebter und Partner, und vielen Varianten von Endstation Sehnsucht (zumindest ist es das, was mir am stärksten in Erinnerung blieb)

Die Spiegelzeremonie - Graf Dracula und der Abt eines strengen Klosters finden zu eine eigenartigen Symbiose.

Johanna, das Wahnröschen - Johanna, spanische Köngistochter, fällt nach dem Stich einer Nadel in riefen Schlaf, ihre Eltern organisieren den Niederländischen Prinzen sie wach zu küssen, leider stirbt ihr Ehemann und sie meint daß er nur schläft und wird von ihrem Vater in einem Schloß eingesperrt. Jahre später holen sie Revolutionäre und sie ist Königin. Die Vermischung der spanischen Geschichte um Johanna die Wahnsinnige gemischt mit Dornröschen ist faszinierend.

Der letzte Traum (2002) - über seine Mutter, die ihm den Unterschied zwischen Wirklichkeit und Fiktion beibrachte, und daß Fiktion das Leben erträglich macht(e).

Leben und Tod von Miguel - Miguel erlebt sein Leben vom Tod rückwärts, er wurde erschossen, schrieb Literatur, wollte mit einer Frau ins Ausland gehen, und alles läuft zurück bis er wieder im Schoß seiner Mutter ist und sich niemand mehr an ihn erinnert. Faszinierend erzählt !

Bekenntnisse eines Sex-Symbols (1979) - Patty Diphusa, eine grandiose Porno-Darstellerin, erzählt über das Leben mit Männer, Drogen, Schmuck und Machtspiele. 

Bittere Weihnachten - eine erfolgreiche Regisseurin kämpft mit Hilfe ihres Freundes gegen gräßliche Schmerzen und vergißt diese erst als sie bei einer guten Freundin und deren Tochter ist, und Musik von Chavela Vargas La Lorrona spielt.

Adieu, Vulkan - ist eine Liebeserklärung an das Leben der mexikanischen Diva Chavela Vargas La Lorrona.

Die Erlösung - eine Variante von Jesus ist auf der Erde, spricht zu den Menschen und lernt hier im Gefängnis Barbaras kennen. Auch hier wird Barbaras freigesprochen, das Ende ist aber nicht das was in der Bibel steht sondern ein Bekenntnis zu Freundschaft zwischen sehr verschiedenen Menschen die sich einander angeglichen haben.

Erinnerung an einen leeren Tag - es ist Gründonnerstag und er schreibt über Andy Warhols Tagebücher, über Slimani die sich in die Dugan in Venedig einschließen läßt um kreativ zu sein, und daß das für ihn gar nicht geht, denn er braucht die Menschen um sich, auch wenn er es verabsäumt hat Freundschaften zu pflegen.

Ein schlechter Roman (2022) - ist ein Diskurs ob jemand der keinen Roman schreiben kann, nicht Drehbuchautor sein kein (nein), und endet dabei das Drehbücher und Roman ganz unterschiedliche Stärken haben und Drehbuchautor nahe dem Geschehen sein muß, während sich der Schriftsteller vergraben kann. 

Ich war fasziniert von den vielen Büchern und Autoren, die Almodovar hier zitiert und werde mir das Buch nochmals durchlesen und die Bücher für mich herausschreiben (in der Hoffnung sie zu lesen).

Nachdem ich zwischen Erzählungen immer wieder Pausen mache, habe ich über das Leben von Chavela Vargas nachgelesen und mir einige Canciones in ihrer sehr markanten intensiven Stimme angehört. Die Stimme macht bei mir Gänsehaut.

In Summe eine Sammlung für mich intensiven, starken Erzählungen, die ich gerne weiterempfehle. Viel Freude beim Lesen !

Dienstag, 17. März 2020

Frida Mey : "Radieschen von unten"

Frida Mey :
"Radieschen von unten" - ein Bestatter Krimi
2013, Aufbau Verlag, Berlin
275 Seiten
ISBN 978-3-7466-2976-6

Elfie Ruhland soll buchhalterische Genauigkeit für eine Überprüfung eines Bestattungsunternehmens einbringen. Während sie dem Chaos der Belege nachgeht. beobachtet sie die diktatorische Chefin, und ihren unterdrückten Sohn. Ein Witwer beschwert sich und wird erschlagen aufgefunden. Später wird die Chefin tot über einem der Särge aufgefunden. Kommissarin Alex hat einiges zu tun um hier zu klären was abgelaufen ist.
 
Am Cover schaut ein Mops-Gesicht aus einem Karton heraus. Der etwas rundliche Mops Amadeus wurde eigentlich nur für eine Kreuzfahrtreise geparkt, wird aber ins Polizeikommissariat mitgenommen, begleitet zum Bestatter und auf den Friedhof und liebt Pralinen.

Elfie plaudert auch noch nach 30 Jahren mit ihrem Gefährten am Friedhof, auch wenn die Zeichen der Kerze nicht immer klar sind. Sie glaubt lange an das Gute im Menschen, aber wehe denjenigen die bei ihr Minusstriche in geheimen Buch ansammeln; da hilft manchmal ein Unfall um neue Liebe in die Wege zu leiten.
Alex ist eine attraktive fröhliche Frau, die nicht bereit ist von ihrem Freund an der Nase herum führen zu lassen. Sie packt in der Polizei an, und löst ihre Fälle.
Der Sohn der Bestatterin wird höflich, unterdrückt und verliebt geschildert. Die Azubine ist mit Piercings übersäht, was die Chefin nicht mag, die anderen aber nicht stört.

Das Buch ist humorvoll geschrieben. Es gibt einige skurrile Szenen, die mit Vergnügen zelebriert werden.

Es ist von Vorteil wenn man Hundefan ist, um das Buch komplett zu genießen . Viel Spaß beim Lesen !

Frida Mey ist ein Pseudonym, das  für Friedlind Lipsky (Frida) und Ingeborg Struckmeyer (Mey) steht.  
Friedlind Lipsky (Frida) wurde 1957 in Weserbergland geboren, studierte Lehramt für Englisch und Französisch, und arbeitete in einer PR-Agentur. und d
Ingeborg Struckmeyer wurde in Bottrop geboren, studierte in Münster und Köln,und war anschließend als Diplom-Bibliothekarin tätig.
2012 erschien der erste Roman der beiden Autorinnen mit Elfie Ruhland "Manchmal muß es eben Mord sein".

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Tessa Korber : "Zum Sterben schön"

Tessa Korber :
"Zum Sterben schön" - Ein Bestatter-Krimi
2014, btb Verlag
280 Seiten
ISBN 978-3-442-74725-2

Viktor ist nach seiner Auszeit und Reisen durch die Welt zum familiären Bestattungsunternehmen zurückgekehrt. Seine Frauengeschichten und eine frühere Detektivtätigkeit machen jetzt auch wieder Probleme. Die Polizei ist damit beschäftigt einen Mörder, der seine weiblichen Opfer mit Blumen garniert, zu suchen. Interne Intrigen und Machtspiele bei der Polizei helfen hier nicht wirklich. Miriam mi ihren Kurven versucht den Mörder zu locken, was leider auch gelingt. Karoline, die bei der Polizei droht ausgespielt zu werden, kann letztendlich doch einiges verhindern.

Menschen gibt es viele : Viktor den es zwischen seinem Detektivwunsch und der Arbeit im Bestatterunternehmen zerreißt, sein Onkel Wolfgang der Angst hat, seine Tante Hedwig die vor Sorgen um den autistischen Sohn fast eingeht, der authistische Tobias selbst, Miriam vom Konditorladen, Malte der dort aushilft, Karoline von der Polizei, ihr Chef Euler der mit aller Macht Karriere machen will, Christine die ein Heim leitet und eine patente Frau zu sein scheint, Friedhelm ein Psychologe der viel bei Tobias bewegt.
Bei der Familie gibt es einen altes Geheimnis, das für einige eine Bedrohung darstellt, andere eher entspannt sehen.

Ort der Handlung ist Nürnberg und Umgebung.
Viele Blumen werden beschrieben.

Die Geschichte ist meist flüssig und gut geschrieben, manchmal eckt es und manche Personenbeschreibungen kommen nicht ganz in Schwung. Einige Handlungen sind eher mühsam und sehr gewollt. Andere Szenen haben Humor und bringen mit ihrer Situationskomik und Dialogen durchaus zum Lächeln.

Eine schöne schwarze Krähe sitzt am Cover und auch die Kapitelanfänge sind durch eine Krähe angezeigt.

In Summe ein unterhaltsamer Krimi, der für verregnete Wochenende oder entspannten Urlaub genau das richtige Buch ist. Viel Spaß beim Lesen !

Tessa Korber - eigentlich Tessy Jeanette Klier - wurde am 23. Juni 1966 der Pfalz geboren. Sie studierte Literatuwissenschaft und Kommunikationswissenschaft. Zuerst arbeitete sie in Verlagen, dann als Schriftstellerin und dies mit unterschiedlichen Pseudonymen.

Donnerstag, 19. September 2019

Tina Schlegel : "Die dunkle Seite des Sees"

Tina Schlegel :
"Die dunkle Seite des Sees" - Bodensee Krimi
2017, emons Verlag
362 Seiten
ISBN 978-3-7408-0078-9

Kommissar ist Paul Sito ist nach Krebserkrankung und Unfalltod seiner Frau zwar zurück im normalen Leben, aber noch zaghaft im Beruf. Ihm zur Seite wurde der Roman Enzig, der ihm als Psychologe durch Trauma und Krebs geholfen hat, gestellt. Rascher als allen lieb ist werden sie auf die Fähre eines Serienmörders gesetzt, der Kopf und Corpus von Frauen getrennt finden läßt. Während die Polizei fieberhaft sucht, findet Paul einen Sparringpartner um über Tod, Leben, Scheinleben, die verschiedenen Seiten des Lebens zu diskutieren. Dieser Curt Schewege ist charismatischer, charmanter, belesener aber auch eiskalt kalkulierender Professor an die Universität in Konstanz. Es gibt noch einige Leichen, bis die Polizei endlich einen weiteren Mord verhindern kann und den Mörder schnappt.

Die ersten hundert Seiten lesen sich zähe, vor allem da die Vorgeschichten von Paul Sito sich erst langsam entschlüssen. Bei einige Absätzen ist nicht klar ob Sito hier Albträume hat, Todesphantasien oder gar der Mörder selbst ist.
Dann beginnt die Geschichte Fahrt zu bekommen und am Schluß ist es hochspannend.

Die Gespräche zwischen Paul und Curt sind zwischen traumverloren, hoch intelligent, einander in ihren Gedankengängen überraschend und eigenartig vertraut in ihrer Nähe und Selbstverständlichkeit mit dem Tod.

Die Polizeitruppe rund um Sito ist unterschiedlich geschildert. Staatsanwalt Bolder der poltert, dann bremst und am Schluß doch Tempo macht. Kollege Marc Busch der fleißig und engagiert Steinchen um Steinchen zusammen setzt. andere Kollegen mißtrauen Sito, ob er wieder zu 150 % einsatzfähig ist. Enzig ist endlich wieder verliebt und als Psychologe im Fall und als Freund und Betreuer Sitos viel gefordert. Auch Sito traut sich wieder Nähe zu einer Frau zu, wird aber von seiner Vergangenheit oft in Frage gestellt.

Ort der Handlung ist Konstanz am Bodensee, an einem flirrend heißen Sommer und frühen Herbst, der alle Kraft kostet.

In Summe ein doch spannender Krimi, bei der für mich die Gestalt des Professors und die Gespräche zwischen ihm und dem Kommissar bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Viel Freude beim Lesen !

Dienstag, 6. Dezember 2016

Tessa Korber : "Die Katzen von Montmartre"

Tessa Korber :
"Die Katzen von Montmartre"
Kriminalroman
2016, btb Verlag
245 Seiten + 2 Seitenpersonal
ISBN 978-3-442-71444-5

Wunderbare verschiedene Katzen am Montmartre erzählen von Menschen und ihren Menschen. Bonnard, ein roter Kater erzählt in ich-form, was ihm die Menschen am Friedhof - ihn kraulend - erzählen. Ein Mädchen wird ermordet auf dem Friedhof aufgefunden, und die entzückende graue Katze Grisette verschwindet. Beides alarmiert die Katzen, wobei der schwarze Kater Degas wegen der grauen Schönheit alle Such-katzschaften in Bewegung bringt. Nur der gefleckte Kater Matisse der eigentlich bei dem Antiquitätenhändler lebt, hat sein Interessen für einen dunkelhäutigen Buben aus Afrika entdeckt und boxt diesen aus mehreren gefährlichen Situationen aus. Am Schluß wird es zwar knapp, aber einige neue Beziehungen auf Katzen- und Menschenebene sind entstanden.

Der Großteil der Kapitel ist aus Katzensicht, bzw, mit den Aktionen der Katzen geschildert, wenige Kapitel sind aus Sicht der Menschen geschrieben. Die dreifärbige Katze Suzanne lebt bei der Patissiere Mme Valladon, die Kater Pablo und Miro leben bei dem Bistrobesitzer Moulin, Grisette lebt bei der Kiosk-besitzerin und ehemaligen Prostituierten Mme Chauchau. Als zusätzliche Menschen gibt es einen alten Maler, einen liebevoller Tierarzt, einen durchaus weisen Polizisten sowie einen Tischler und dessen Sohn mit Lokalprojekt.

In Nebenlinien sind Themen wie KZ, Pädophilie, ein gräßlicher Autounfall der eine fast komplette Familie auslöscht, ein Vater der fast ein Kind umbringt und ein mittelalterlicher Aberglaube im Mauerbau wichtig

Faszinierend sind die typisch französischen Süßigkeiten, die Mme Valladon herstellt und deren Zubereitung beschrieben wird. Die 'Religieuses' waren mir neu.

Katzentechnisch werden interessante Vokabel verwendet wie Vibrissen (ich war nur Schnurrbartharre gewohnt) und Jacob'sches Organ. Ob Katzen wirklich so feinstufig riechen vermögen wie Degas hier beschrieben ist ?

Der Kriminalroman ist gut geschrieben, Katzen & Menschen & Orte sind gut vorstellbar.
Viel Freude beim Lesen über die Katzen, miau !

Tessa Korber (eigentlich Tessy Jeannette Klier) wurde am 23. Juni 1966 in Grünstadt/Pfalz geboren. Sie hat Geschichte, Germanistik und Kommunikationswissenschaften studiert, promovierte 1997, arbeitete dann in einem Verlag und im Buchhandel, als Werbetexterin und Dozentin. Sie schreibt historische Romane, Kriminalromane tw. unter eigenen Namen oder auch unter Pseudonym. 1998 wurde ihr Roman 'Die Karawanenkönigin' ein Bestseller. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin in der Nähe von Erlangen mit Mann, Kind, Hund und Katzen.

Samstag, 6. August 2016

Werner Bergengruen : "Der Tod von Reval"

Werner Bergengruen :
"Der Tod von Reval"
1939 geschrieben
1949 Peter Schifferli, Verlags-AG "Die Arche", Zürich
1979, Deutscher Taschenbuchverlag, München
dtv-Großdruck 2524
168 Seiten
ISBN 3-423-02524-7

Reval ist der deutschsprachige Name für Tallinn, die estnische Landeshauptstadt. In skurrilen Geschichten wird hier ein dichtes Porträt von eigenwilligen Charakteren, die diese Stadt im Mittelalter und bis in die Neuzeit geprägt haben können gezeichnet.

  'Die Stadt der Toten' ist quasi das Vorwort und lädt ein sich zu jeder Menge Alkohol Geschichten erzählen zu lassen.
  'Bericht vom Lebens- und Todeslauf eines merkwürdigen Mannes' ist die längste Geschichte und handelt vom Herzog von Croy der ein leutseliger unverläßlicher Mann in der Zeit des 30-jährigen Krieges gewesen sein. Er war vielen Herrschern treu oder untreu gewesen und strandete in Reval, wo er ohne Gedanken an Schulden sein Leben genoß, und es ihm leutseligerweisen niemand verbot. Als er starb versuchte man zuerst die Leiche gegen Schuldendeckung zu verhandeln, als die mangels Interesse nicht möglich war mutierte der durch alkohol quasi balsamierte Mann nach seinem Tod zum Geldbringer bis nach weiteren 200 Jahren ein Machtwort gesprochen wurde und er endlich unter der Erde verschwand.
  'Der Seeteufel' war die Kapitänin, Frau eines Kapitäns, die Alkohol an Bord verbot, aber die leider an Bord starb, und in einem Faß mit Alkohol wieder heim gebracht wurde. Der Zustand der Mannschaft brach Bände.
  'Jakubsons Zuflucht' war das Totenbett der gottfrömmigen Witwe Heydenacker, was leider der armen vorgeworfen wurde.
  'Die wunderliche Herberge' war wunderlich, da sie von Doktor Brag eingerichtet worden war, falls jemand lebendig begraben worden war und nun neben dem Friedhof eine Herberge suchte. Seine Haushälterin, die Sebberische, hatte dafür nach seinem Tod zu sorgen. Sie sorgte bei Nachfrage aber auch für junge Paare, leider auch für einen entflohenen Sträfling. Der Polizist erzählte nichts, da er keine Schwierigkeiten wollte.
  'Kaddri in der Wake' erzählt die eigenartige Liebesgeschichte zwischen dem Fischer Tönno und seiner trinkfreudigen Frau Kaddri, die er eines Tages nicht mehr findet. Die Aale fanden die arme Frau, worauf Tönno sich der Liebe besinnt und ihr ein großes Begräbnis ausrichtet.
  'Schneider und sein Obelisk' ist eine glüclich-unglückliges Liebesgeschichte. Schneider liebt seine erste Frau Ebba die zu rasch stirbt, er macht es sich auf dem Friedhof ihr zu ehren gemütlich und lernt Alwine kennen. die beiden heiraten. er stirbt, sie heiratet den Prokuristen "mit schwärzlichem Favoris", sie stirbt, er stirbt - alle 4 haben ein Relief am Grab der Ebba.
  'Der Kopf' gehört dem in der Heimat nicht anerkannten Dichters Magnus Rutz. In Italien leben möchte er seinen Leib in Italien, seinen Kopf aber in Reval bei der "literärischen" Gesellschaft bestattet wissen. Es geht schief, da die Kisten mit Honig und Topf verwechselt werden.
  'Die gelbe Totenvorreitersche' ist eine Frau die es sich zu Ehre gemacht hat jeden Totenzug anzuführen - in gelbem Wams. Sie denkt damit, daß in Ferne jemand ihrem Mann diese Ehre hatte angedeien lassen. Bei ihrem Totenzug gehen auch eine paar Gespenster (lange schon tot Seiende) mit.
  'Abschied' ist der Dank sich diese Geschichten erzählen zu lassen.

Die Geschichten sind ziemlich skurril aber unterhalten gut. Die Personen sind dicht und gut vorstellbar beschrieben. Manches bleibt schräg - die Totenkulte, die Aktionen der Besoffenen und die Reaktionen darauf. Manches ist sehr hinterfragt (Liebe, langanhaltende Trauer, Totenriten etc.), dafür manches überhaupt nicht (junge Paare in Herberge, wer zahlt Schulden, wieso ist der Ruf der Toten befleckt wenn ein Betrunkener nicht merkt daß er neben einer Toten schläft etc.)

Das Buch ist in Großdruck gedruckt, was mir erlaubte die Lesebrille nicht suchen zu müssen.

Wer in dichtes Beschreiben alter Zeit von Mittelalter und Grafen bis zur Neuzeit und hart arbeitenden Fischern eintauchen möchte, ist bei diesen Erzählungen gut aufgehoben. Viel Freude damit !

Werner Max Oskar Paul Bergengruen wurde am 16. September 1892 in Riga geboren, war nach dem Ersten Weltkrieg Journalist und begann ab 1923 zu veröffentlichen. 1936 trat er zum Katholizismus über, 1937 wurde er aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen und lebte danach zurückgezogen in Bayern und Tirol, später in der Schweiz. Er schrieb Romane, Novellen, Erzählungs-bände und Lyrik. Asl bekanntes Buch gilt "Der Großtyrann und das Gericht" dem er die Probleme mit der Kammer verdankte. Er starb am 4. September 1964 in Baden-Baden.

PS: Seine Literatur waren in der kommunistischen Zeit unbekannt und werden jetzt auf estnisch und lettisch übersetzt um die Zeit und Kultur der Deutschbalten der jetzigen Bevölkerung zum Lesen anzubieten.

Dienstag, 22. November 2011

Hannes Gans : "Dem Wiener sein Tod"

Hannes Gans :
"Dem Wiener sein Tod" - Ein Totentanz
Cartoons
Agens Ketterl, Wien 2008
ISBN 978-3-8502573-3-5

In diesem quadratischen Buch sind Federzeichnungen und Texte von Hannes Gans über den Tod bzw. dem launigen Zugang des Wieners zu Tod. Herr Gans hat viele Jahre lang mit seiner Tuba auf Begräbnissen aufgespielt.

In sehr schönen Federzeichnungen hat er die verschiedenen Ausdrücke "des Wieners" über das Sterben zu beschwingten Linien geführt. Mit ebenso leichten Linien werden die Lieblinge des Wieners wie die Kapuzinergruft, die Barockkirchen bis zum Heurigen als Schauplätze oder zu humorvollen Situationen über das Sterben genutzt.

Ein Buch für Menschen die schöne Zeichnungen mit etwas skurrilem Humor lieben.