Posts mit dem Label 2014 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 2014 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 29. Mai 2023

Toby Barlow : "Baba Jaga"

 Toby Barlow :
"Baba Jaga"
original "Babayaga"
2103, Straus & Giraux, New York
Aus dem amerikanischen Englisch von Giovanni und Ditte Bandini
2014, Hoffmann und Campe, Hamburg // 2. Auflage 2017
530 Seiten + 1 Seite Prolog + 1 Seite historischer Hintergrund + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-455-65062-4

Zoja, eine attraktive junge Frau mit Kurven hat ein gutes Auge welche Männer ihr behilflich sein könnten, im Paris der 50-er Jahre. Sie hat bereits ein bewegtes Leben hinter sich, da sie aus Rußland kommend durch weise Frauen in die Kunst der Hexerei geschult worden war; ihr sieht man die vielen Jahre ihres Lebens nicht an. Elga ist einer der weisen Frauen, die sie eingeschult hatten, die sich aber zur bösen alten Frau entwickelt hatte, die ausgezeichnet hexen kann.
Will lebt seit einigen Jahren in Paris, hat es aber als Amerikaner nicht weiter als einige Frauenbekanntschaften gebracht, und arbeitet als Werbetexter. Ihm wird ein Naheverhältnis zu einer Außenstelle der CIA nachgesagt. Er lernt über seinen Chef Zoja kennen. Ein Bekannter namens Oliver bringt ihn immer wieder in Schwierigkeiten und mit einigen eigenartigen brutalen Menschen zusammen. Sein Chef Brandon ist etwas undurchsichtig. Seine Liebe zu Zoja bringt beide in Probleme.
Charles Vidot ist Polizist aus Leidenschaft und damit seinem karrieresüchtigen Chef überlegen. Er soll einen Mord aufklären, lernt Elga kennen und wird in einen Floh verwandelt. Er versucht auch als Floh zu überleben, lernt später Will kennen und überlebt.

Der Roman wird vier Büchern erzählt in dem den verschiedenen Figuren gefolgt wird. Es sind immer wieder Strophen abgedruckt bei denen sich langsam entschlüsselt, daß hier Rückblenden stattfinden und manchmal auch gehext wird.

Zojas Leben wird auch in Rückblenden erzählt, als sie eine menschliche junge Frau war, die nur durch die Hilfe der Hexen überlebt. Sie versucht manchmal die menschliche Liebe wieder zu leben, merkt aber daß das sie das nicht mehr machen darf. Elga ist über Jahrhunderte des Lebens hart geworden, für sie zählen Menschenleben nicht mehr. Den beiden sind zwar einige kaltherzige Menschen, die Hexenwissen und magisches Wissen sammeln (wollen), den Menschen nach Wissensübergabe sehr übel mitspielen.
Will lebt zwar in Paris, läßt sich treiben, und wird wie von einem Wirbelwind von den Menschen und Hexen durch die Luft gewirbelt. Vidot ist unterhaltsam wie er als Floh überlebt, er behält seinen Gestaltungswillen auch als Floh, und es gelingt ihm am Schluß sogar seinen unfähigen Chef loszuwerden.
Die Geschichte des Priesters Andrej, der die Hexen über Jahrhunderte begleitet hatte, und seines Bruders Max ist berührend.

Der Roman ist sehr unterhaltsam geschrieben. Die Bilder laufen beim Lesen im Kopf ab. Gewisse Ungereimtheiten, und hier meine ich nicht Hexensprüche und deren Wirkungen, lösen sich doch freundlich auf.

In Summe habe ich diesen Roman sehr genossen und mich köstlich dabei unterhalten (Floh Vidot mit seinen Transporttieren als Beispiel genannt). Viel Spaß beim Lesen !

Samstag, 19. November 2022

Khaled Hosseini : "Tausend strahlende Sonnen"

 

Khaled Hosseini :
"Tausend strahlende Sonnen"
original "A Thousand Splendid Suns"
2007, Riverhead New York
Aus dem Englischen von Michael Windgassen
2014, Fischer Verlag / Fischer TaschenBibliothek 3. Auflage 2018
560 Seiten + 2 Seiten Nachwort + 2 Seiten Danksagung + 12 Seiten Gespräch mit Khaled Hosseini
ISBN 978-3-596-52070-1

Mariam ist die uneheliche Tochter einer reichen Kaufmanns in Herat, die nach dem Tod ihrer Mutter, mit einem Schuster in Kabul verheiratet wird. Nach vielen Fehlgeburten ist die Ehe sehr unglücklich, in der Raschid seiner Frau die schuld für alles gibt, und zuschlägt.
In Kabul wächst Laila als jüngstes Kind und einzige Tochter nach zwei älteren Brüdern in einer Familie mit Universitätsprofessor heran, der an seine Tochter glaubt.
Mitte der 70-er Jahre sind in Afghanistan zumindest die Frauen der Reichen und gehobeneren Schichten halbwegs frei. Dann kommen die Russen, und Bürgerkriege der verschiedenen Stämme, bis die Taliban siegen und alle freier Denkenden entweder töten oder aus Landes zwingen. Lailas Eltern sterben kurz vor der Flucht bei einem Raketenangriff, Raschid nimmt das Mädchen auf - das schwanger von ihrem Uraltfreund Tariqu in die Ehe als Zweitfrau einwilligt.
Wie die beiden Frauen langsam aber stetig beginnen sich eine Art Freundschaft, und fast Geschwisterlichkeit aufbauen, vor allem als die Welt für Frauen rundherum immer kleiner und brutaler wird, liest sich faszinierend; Raschid bleibt immer der böse prügelnde Mann, der leider auch nicht einmal immer gut für seine Familie zu sorgen imstande ist. Als nach Jahren Tariqu aus dem benachbarten Pakistan zurückkommt, kommt es zum Eklat, den Mariam mit dem Leben bezahlt.
In  dem Buch gibt es Hoffnung da Laila, Tariqu und die Kinder wieder zurückkehren und Schulen für Mdächen möglich sind.

Ich habe durch dieses Buch sehr viel über Afghanistan und die verschiedenen Sprachen und Stämme gelernt. Dieses Buch zu lesen während in Afghanistan wieder die Frauen entrechtet sind, tut fast köperlich weh.
In einer Szene wird beschrieben, daß die ärztliche Versorgung für Frauen schlecht ist, weil sie nur für Frauen ist. 

Die Geschichte ist aus Sicht von Mariam und Leila beschrieben. Die Männer kommen mit ihren Sichtweisen nicht zu Wort (der Autor hat ein anderes Buch geschrieben, indem die Männer zu Wort kommen). Es wird sehr anschaulich beschrieben wie die Umstellung auf einen Dschador ist, wie welche Gerichte gekocht werden, wie das Leben der armen Menschen ist die viel improvisieren müssen.

Der Autor nimmt sich Zeit über die Schönheit der afghanischen, und auch später der pakistanischen Landschaft und Kultur zu schreiben. Die großen Buddhas, die später zerstört werden, bekommen einen besonderen Platz in dem Buch.

Der Titel ist eine Ode entnommen.

Die Ausgabe in eine entzückende kleine mit sonnengelben Cover, die gut in kleine Taschen paßt. Leider hat kein Glossar der afghanischen Ausdrücke Platz, was wenn man das Vokabular nicht kennt, sehr schade ist.

In Summe ein wunderbarer, intensiver (Frauen-)Roman, der sehr unter die Haut geht und berührt.

Sonntag, 6. März 2022

José Vicente Alfaro : "Die Tränen der Osterinsel"

José Vicente Alfaro :
"Die Tränen der Osterinsel"
Roman
original "El llanto de la Isla de Pascua"
2014, Selbstverlag
Aus dem Spanischen von Adriana Beatriz Netz
2015, Amazon Crossing
237 Seiten + 2 Seiten Einführung + 1 Seite Landkarte + 4 Seiten Anmerkungen des Autors + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-1-503-95211-9

Germán Luzón ist als Archäologe nach langer Zeit wieder auf der Osterinsel. Chef der Ausgrabungsgruppe ist ein charismatischer Norwerger, der nach einem kurzen Anruf ermordet aufgefunden wird. Die Polizei ermittelt, und auch Germán ist halbherzig bei der Suche dabei. Er wird auf eine Art Schnitzljagd eingeladen und gelangt schlußendlich in eine Falle, aus der er lebend herauskann.
Ablenkung ist ihm, daß er eine gemeinsame voreheliche Tochter mit einer schönen Rapanui-Frau vor Jahren bis dahin unbekannt war. Maeve entpuppt sich als offenes freundliches und an Archäologie interessiertes Mädchen.
Während die Polizei den Mörder suchen sollte, rufen die Rapanui eine große Demonstration gegen die chilenische Regierung zusammen, da vom Festland noch immer viele Restriktionen gegenüber der Ursprungsbevölkerung aktiv sind, und zu wenig der Übergriffe abgegolten sind.

Germán erzählt die Geschichte aus Ich-sicht. In kursiv wird die abenteuerliche Geschichte der Besiedlung, der Moai-Statuen, der Kriege zwischen Lang- und Kurz-Ohren, Piraterie, Sklaverei und Inbesitznahme erzählt. Leider ist bereits viel Wissen, vor allem um die Errichtung der berühmten Moai-statuen, ist bereits verloren gegangen.

Die Idee eine Kriminalgeschichte mit echter Geschichte zu verknüpfen, ist gut, gelingt hier aber zu trocken bzw auch zu aufgesetzt, was schade ist (ob es an Text oder Übersetzung liegt, kann ich nicht entscheiden).

Die Menschen auf der Insel werden meist als offene, freundliche, meist gastfreundliche Menschen geschildert, die starken Bezug zu ihrer noch vorhandenen Geschichte haben. Für die auf die Insel entsandten Chilenen bleibt wenig Sympathie übrig.

Der Schreibstil ist deskriptiv, Landschaft und Orte entstehen durchaus vor dem Auge.
Leider war mir die Geschichte nicht spannend erzählt; trotzdem viel Spaß beim Lesen !

Sonntag, 20. Februar 2022

Anna Ihrén : "Mord in den Schären"

Anna Ihrén :
"Mord in den Schären"
original "Strandsittaren"
2014, Engberg Agency, MIMA Stockholm
Aus dem Schwedischen von Ulla Ackermann
2019, Harper Collings
441 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-95967-295-5

Dennis Wilhelmson, Spitzenpolizist in Göteborg, nimmt Auszeit, und fährt in seine Kindheits- und Jugenderinnerung Smögen. Dort taucht prompt eine Leiche auf, und ein sehr guter Jungendfreund verschwindet, und er muß die Fälle übernehmen. Gemeinsam mit Polizeianwärterin Sandra fragt er ehemalige Freunde und Bekannte aus. In die Recherche funkt Mittsommerfete hinein. während alle ein Wirtschaftsverbrechen vermuten, entpuppt sich eine getäuschte/enttäuschte Frau als Hintergrund der Geschehnisse.

Meist folgt die Geschichte Dennis mit seinem Gedanken und Aktivitäten, einige auch Sandra. Einige Kapitel sind aus dem Herbst 1837. Hier geht es um ein untergehendes Schiff, und eine kleine Fischerfamilie, die wenig hat, aber trotzdem von Steuerschergen besucht wird.

Dennis ist als gutaussehender Mann Ende 30 geschildert, der zwar Humor hat, aber im Eifer der Arbeit alles andere vergißt. Sandra ist ehrgeizig und bereit mitzudenken. Es gibt junge Frau Sofie und Maja, einen kaltherzigen Unternehmer, einen Träumer der von Reichtum durch ein Schiffswrack träumt, eine überreizte Mutter, eine hübsche Frau deren Kind starb, und eine Amerikaner der seie Wurzeln sucht.

Die Mittsommerfete ist gemütlich geschildert. Allerdings tue ich mir schwer eine Heringstorte vorzustellen.

In dem Roman ist Sommer, es ist heiß, die Menschen gehen oft schwimmen. Viel Spaß beim Lesen.

Freitag, 13. August 2021

Alexander McCall Smith : "Übles Spiel mit Mma Ramotswe"

Alexander McCall Smith :
"Übles Spiel mit Mma Ramotswe"
original "Tea Time for the Traditionally Built"
2009, Little Brown London
aus dem Englischen von Verena Kilchlin
2013, Wilhelm Heyne Verlag
295 Seiten
ISBN 978-3453265707

Die gemütliche Mma Precious Ramotswe ist die Chefin der "No 1 Ladies Detective Agency" gemeinsam mit ihrer zur Präzision neigenden Assistentin Mma Grace Makutsi.
Sie werden von dem neuen Besitzer einer Fußballmannschaft zu Rate gezogen, da seine Mannschaft alle Spiele verliert und er einen Verräter vermutet.
Parallel befürchtet Grace um die Zuneigung ihres Verlobten, einen gut situierten Möbelhausbesitzer, an den sich ihre Intimfeindin die schöne Violet heranmacht.
Die dritte Handlungsebene ist
Mma Precious Ramotswe gewidmet, die mit dem wunderbaren Mechaniker
Mr J. L. B. Matekoni verheiratet ist, der es aber unter seinem Stolz sieht, daß seine Frau in einem kleinen klapprigen sehr kaputten Lastwagen durch die Gegend tuckert und nicht merkt daß seine Frau sehr an diesem kleinen Gefährt hängt. Auch der geschicktere der beiden Mechanikergesellen kann hier nicht viel helfen.
Am Schluß ist die überraschend einfache Lösung für die Fußballmannschaft gefunden.

Der Originaltitel bezieht sich auf die üppige Form der Detektivin, die in der deutschen Übersetzung als 'traditionell gebaut' zu lesen ist, und der sich auch der Sitz des Lieferwagens anpassen muß.

Der Stil ist langsam, bei den Gesprächen läßt sich fast jeder Zeit. Platz ist auch für Überlegungen wie Menschen miteinander umgehen und umgehen sollten, damit es ihnen und der Gesellschaft gut geht. Überallem steht der Respekt für Botswana und daß es ein gutes Land zum Leben ist, egal ob Stadt oder Land.

In Summe ein Kriminalroman der weniger Krimi ist (es gibt keine Leiche oder Mord), sondern mehr Detektivgeschichte, die in eine andere Welt einlädt. Viel Spaß beim Lesen !

Alexander McCall Smith wurde am 24. August 1948 in Bulawayo (in Simbabwe) geboren. Er studierte in Simbabwe und Edinburgh Rechtswissenschaften. Er baute in Botswana einen neuen Studienzweig auf. 1999 erschien der erste Kriminalroman mit der "No 1 Ladies Detective Agency" . 2020 erschien der bislang 21. Kriminalroman der "No 1 Ladies Detective Agency"  mit dem Titel "How to Raise an Elephant".

Freitag, 6. August 2021

Marc Elsberg : "Zero"

Marc Elsberg :
"Zero" - Sie wissen, was du tust
Roman
2014, Blanvalet Verlag München + Lesebändchen
463 Seiten + 1 Seite Anmerkung + 4 Seiten Glossar + 1 Seite Figurenverzeichnis + 2 Seiten Nachwort und Dank
ISBN 978-3-7645-0492-2 
 
Daten sammeln und Menschen lenken könnte das große Geschäft werden. Eine Gruppe von Menschen verfolgt diesen Plan und schafft es Menschen mit Action Apps zu anderem Benehmen zu verleiten. Eine andere Gruppe - "Zero" - ist gegen Überwachung der Daten von einigen (sondern wenn dann für alle verfügbar), möchte daß Datenkraken zerschlagen werden und scheut nicht davor zurück den Präsidenten der Vereinigten Staaten mit Filmchen bloß zu stellen. Dazwischen wird die Journalistin Cyn(thia) beschrieben, die als Mutter einer technik-affinen Teenagerin, mühsam den Kontakt mit der Technik und ihren Job in London behält. Das Blatt dreht sich als ein Freund der Tochter bei dem Einsatz einer Datenbrille, zu Tode kommt, und sich alle Medien (von print bis zu bloggs etc) auf Tochter und Mutter stürzt.
Ein weiterer Freund der Tochter recherchiert Nebeneffekte der Action apps, die Mutter reist nach Wien später New York, und in mehrere Fluchten verwickelt; geheime Besprechungen finden statt, Videozuspielungen von "Zero" kommentieren, lenken und helfen.

Der Roman ist sehr spannend geschrieben. Das Aufeinanderprallen der Freidenkenden kritischen Computergruppe gegen die anderen Computergruppen, die entweder machtpolitisch oder wirtschaftlich agieren, ist mit Energie geschildert. Die Flucht Cynthias durch Wien und später das Kanalsystem, und dann auch in New York durch das metro-system haben mich an berühmte Stellen aus Filmen erinnert.

Eine kleine Romanze zwischen Cynthia und einem attraktiven jüngeren Computertechniker lebt auf; sie ist für mich der Teil der am wenigsten empathisch beschrieben ist.

Die Zahl der Menschen die an den Machthebeln sitzen und keinerlei Rücksicht auf die Vielzahl der Menschen nehmen, sind zahlreich und erschreckend. Einige nennen die Wichtigkeit des Präsidenten als Grund, andere nur Macht, andere Geld, einige sind zu krank für Mitgefühl, und bei erschreckend vielen ist komplett übersteigertes Selbstwertgefühl und Wichtigkeit skizziert.

Als Lösung für das Datensammeln einige  Firmen, die ihre Daten zu ihrem  Eigennutz benützen wollen, wird eine open source Technologie angeboten, bei der ich mich frage wiewenige Menschen damit umgehen können, um hier eine echte Lösung gegen Datenkraken anzubieten.

In Summe jedoch ein sehr spannender Roman, der auch etwas Generationenkonflikt zwischen technik-affinien Teenagern und deren Elterngeneration, die nicht ganz so firm ist, inkludiert. Viel Freude beim Lesen !

Sonntag, 14. Juni 2020

Fulvio Ervas : "Nur der Spumante kann uns retten"

Fulvio Ervas :
"Nur der Spumante kann uns retten"
original "Pinguini arrosto"
2008, Marcos y Marcos Mailand
Aus dem Italienischen von Sylvia Höfer
2014, Piper Verlag
300 Seiten
ISBN 978-3-8333-0967-0

Ein Priester wurde in einem kleinen Ort ermordet. Inspektor Stucky wird ausgeschickt um zu ermitteln. Stuck befragt sich in diesem Ort den zusätzlichen Priester der auch Motorradfan ist, im Wirtshaus, und einen älteren Mann der autark und einsam lebt. Langsam tut sich ihm eine alte Geschichte auf in der die mächtige Familie de Zhol, die viel in Immobilien macht, eine schöne Frau erobert hat, und keiner Intrige ausweicht.
Parallel dazu wird er von drei aufdringlichen Nachbarinnen, die jeden Abend laufen gehen, einem brutalen Menschen der laufende Menschen anrempelt und dabei verletzt, auf die Spur gebracht.

Kursiv sind die Betrachtungen der rumänischen Pflegefrau für die demente Frau de Zhol eingefügt. Sie räsoniert über Pflege, Alter, Religion, die Würde des Menschen und wie schön die lateinische Sprache ist.

Leider konnte ich mit den meisten Personen der Handlung nichts anfangen. Der Inspektor bleibt für mich farblos, die Läufergemeinde plakatativ, den Nachbarinnen möchte ich nicht begegnen. Nur zwei Menschen sind für mich greifbar : Die Handpflegerin Frau Ferrand plaudert viel, hilft den Menschen gerne und durchschaut sie liebevoll. Signor Bressan lebt in der Pension als Aussteiger und bewirtschaftet sein Stück Land ohne Strom, und sonstige Annehmlichkeiten.

Leider tat ich mir mit dem Stil schwer, und habe mich mühsam durch das Buch durchgearbeitet. Schade, denn ich mag die Gegend um Treviso, und Venetien, und hatte mich auf den Roman gefreut.

Fulvio Ervas wurde am 23 Juli 1955 in Musile di Piave geboren. Er studierte Agrarwissenschaften und forschte über Tierhaltung, insbesondere bei Kühen. 2005 erschien sein erster Roman. Das Buch 'Se ti abbraccio non aver paura' aus 2012 ( dt.„Wenn ich dich umarme, hab keine Angst“ 2013) über den Autismus seines Neffen wurde ein internationaler Bestseller. 

Montag, 24. Februar 2020

Antti Tuomainen : "Todesschlaf"

Antti Tuomainen :
"Todesschlaf"
original "Synkkä Niin Kuin Sydämeni"
2013, Like Kustannus Oy, Helsinki
Aus dem Finnischen von Anke Michler-Janhunen
2014,  List Taschenbuch
324 Seiten
ISBN 978-3-548-61229-4

Aleksi verliert mit 13 seine Mutter und sucht mit 31 noch immer nach ihr, nachdem er sich die Position des Hausmeisters bei einem charismatischen reichen älteren Ex-Industriellen erarbeitet hat. Dort lernt er die attraktive Tochter des Hauses kennen, den durchtrainierten Chauffeur und die Haushälterin und Köchin, die den ehemaligen Industriellen seit Langem kennt. Die kalt-heiße Art der Tochter bringt ihn durcheinander, ein alter Polizist und der ex-Industrielle krachen aneinander. Er spät entschlüsselt sich ihm wer wirklich seine Mutter getötet hat (es ist einer der ältesten Gründe).

Die Kapitel springen vom Zeitraum der Ermordung der Mutter Aleksis und der Suche nach ihrem Mörder, und werden alle aus Sicht von Aleksi beschrieben. Sie beschreiben seine Zielgerichtet, aber auch sein Unvermögen mit Menschen umzugehen oder wieder etwas Vertrauen aufzubauen. 

Der Millionär wird als gut aussendend, mit Lächeln beschrieben, die Tochter als bildschön und eiskalt, der Chauffeur weiß daß er kräftig ist, die Köchin daß sie gut kocht. Der alte Polizist begleitet Aleksi seit dem Tod der Mutter und dürfte der einzig Vertraute sein. Es gibt einige Sex-szenen.

Der Originaltitel heißt laut automatischer Internetübersetzung "Dunkel wie mein Herz" was mir zur Geschichte besser gefällt, als der Titel der Übersetzung.

Die Geschichte ist sehr spannend geschrieben. Die Spannung zog mich in die Erzählung hinein. Das Ende hat dann ziemlich überrascht. Viel Spaß beim Lesen !

Antti Tuomainen wurde 1971 geboren. Der erste Roman "Tappaja, toivoakseni" erschien 2006. Sein Durchbruch war "Parantaja" / dt. 'Der Heiler' der 2010/2012 erschien.

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Maurizio de Giovanni : "Die Klagen der Toten"

Maurizio de Giovanni :
"Die Klagen der Toten" - ein Fall für Commissario Ricciardo
original "In fondo al tuo cuore"
2014, Einaudi Turin
übersetzt von Judith Schwaab
2015, Goldmann
467 Seiten
ISBN 978-3-442-31407-2

Im Hochsommer wird in Neapel der 30-er Jahre ein Frauenarzt in den Tod geworfen. Seine letzten Gedanken sind bei seiner schönen Geliebten - was der Commissario mit seiner Gabe mitbekommt. Luigi Ricciardo, schlank, schwarze Haartolle und smaragdgrüne Augen, in Begleitung seines bulligen Sergante Maiello besuchen Witwe und Sohn, das Arbeitsumfeld, die Geliebte, einen Goldschmied der für die Damen des Arztes zwei Schmuckstücke zauberte, und befördern zutage, daß der bekannte Arzt nicht so liebevoll wie sein Ruf war. Als der Mord aufgeklärt wird, wird die Kaltblütigkeit dieses Mannes aufgeblättert.
Parallel dazu geht es um Liebe. Während Maiello in seiner Familie glücklich ist, falls ihn nicht seine Eifersucht plagt, schaffte es Ricciardo nicht mit seiner Nachbarin, die sich für ihn genauso wie umgekehrt interessiert, einige Worte zu wechseln. Hier scheint es daß die beiden Menschen - auch inmitten vorsichtiger Gesellschaftsformen - zu beider Schmerz nicht zusammenkommen dürften.

Politisch spielt die Geschichte daß bereits Musolini und seinen Denkart an der Macht sind. Geheimpolizei und Spitzelei hat bereits begonnen; eigenständig denkende Menschen, die kritisch denken, werden bereits engmaschiger kontrolliert.

Es gibt viel Liebe in dem Buch, die aber oft nicht ausgelebt werden darf. Livia ist in Ricciardi verliebt, der die Opernsängerin zwar schätzt aber nicht liebt. Die Geliebte des Arztes ist in einen Leierkastenmann verliebt, der sie wiederrum nur benutzt. Der Mafiaboss, der seiner geborenen Tochter nicht verzeihen kann, daß seine Frau - seine Jugendliebe - bei ihrer Geburt starb. Der Goldschmied denkt nur an seine Jugendliebe, kann sie aber nie ausleben.
Eine andere Liebe lebt Ricciardis Kinderfrau und Haushälterin Rosa, die in ihrer Sorge um ihn eine Nichte anlernt, wie er umsorgt werden muß.

Stilistisch war das Buch für mich leider etwas mühsam zu lesen. Es dauerte bei mir bis sich der Lesefluß einstellte. Mir wurde zu viel in den Zeiten und Sichtweisen der Personen gesprungen, und es dauerte leider zu lange mich im neuen Absatz zurecht zu finden.

Etwas auf die Nerven ging mir das oftmalige eingehen auf die Augen des Commissarios. Daß sie grün sind war klar. Interessanter finde ich die eigenartige Begabung den letzten Gedanken eines Sterbenden zu "hören".
Aus diesem stammt der italienische Originaltitel, denn "In fondo al tuo cuore", denkt einer der Toten in dem Kriminalroman als Letztes.

Warum eine Katze auf diesem Romancover ist, konnte ich nicht entschlüsseln, auch wenn diese aus einem Ölgemälde stammen dürfte.

In Summe ein nicht uninteresanter Kriminalroman, dessen Langsamkeit vermutlich der Hochsommerhitze und der Reminiszenz an die 30-er Jahre geschuldet ist. Mitraten nach dem Mörder ist möglich. Interessiertes Lesen !

Biographie des Autors : siehe "Frost in Neapel" vom 18. Mai 2019

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Tessa Korber : "Zum Sterben schön"

Tessa Korber :
"Zum Sterben schön" - Ein Bestatter-Krimi
2014, btb Verlag
280 Seiten
ISBN 978-3-442-74725-2

Viktor ist nach seiner Auszeit und Reisen durch die Welt zum familiären Bestattungsunternehmen zurückgekehrt. Seine Frauengeschichten und eine frühere Detektivtätigkeit machen jetzt auch wieder Probleme. Die Polizei ist damit beschäftigt einen Mörder, der seine weiblichen Opfer mit Blumen garniert, zu suchen. Interne Intrigen und Machtspiele bei der Polizei helfen hier nicht wirklich. Miriam mi ihren Kurven versucht den Mörder zu locken, was leider auch gelingt. Karoline, die bei der Polizei droht ausgespielt zu werden, kann letztendlich doch einiges verhindern.

Menschen gibt es viele : Viktor den es zwischen seinem Detektivwunsch und der Arbeit im Bestatterunternehmen zerreißt, sein Onkel Wolfgang der Angst hat, seine Tante Hedwig die vor Sorgen um den autistischen Sohn fast eingeht, der authistische Tobias selbst, Miriam vom Konditorladen, Malte der dort aushilft, Karoline von der Polizei, ihr Chef Euler der mit aller Macht Karriere machen will, Christine die ein Heim leitet und eine patente Frau zu sein scheint, Friedhelm ein Psychologe der viel bei Tobias bewegt.
Bei der Familie gibt es einen altes Geheimnis, das für einige eine Bedrohung darstellt, andere eher entspannt sehen.

Ort der Handlung ist Nürnberg und Umgebung.
Viele Blumen werden beschrieben.

Die Geschichte ist meist flüssig und gut geschrieben, manchmal eckt es und manche Personenbeschreibungen kommen nicht ganz in Schwung. Einige Handlungen sind eher mühsam und sehr gewollt. Andere Szenen haben Humor und bringen mit ihrer Situationskomik und Dialogen durchaus zum Lächeln.

Eine schöne schwarze Krähe sitzt am Cover und auch die Kapitelanfänge sind durch eine Krähe angezeigt.

In Summe ein unterhaltsamer Krimi, der für verregnete Wochenende oder entspannten Urlaub genau das richtige Buch ist. Viel Spaß beim Lesen !

Tessa Korber - eigentlich Tessy Jeanette Klier - wurde am 23. Juni 1966 der Pfalz geboren. Sie studierte Literatuwissenschaft und Kommunikationswissenschaft. Zuerst arbeitete sie in Verlagen, dann als Schriftstellerin und dies mit unterschiedlichen Pseudonymen.

Montag, 26. August 2019

Robert de Paca : "In den Straßen von Nizza"

Robert de Paca :
"In den Straßen von Nizza" - Côte d'azur Krimi
2014, emons Verlag
209 Seiten + 3 Seiten Nachwort + 6 Seiten Rezepte
ISBN 978-3-95451-282-9

Nicolas Donnard kümmert sich um reiche, oft russische Kunden an der Côte d'azur als Chauffeur, Reiseorganisator, Fremdenführer, und Wunscherfüller für gesetzlich Erlaubtes. Während ein mysteriöser russischer Klient einige Tage seine Aufmerksamkeit bezahlt, wird die Gemäldesammlung des Gastgebers einer Insel durch einige Tricks und Erpressung gestohlen. Nicolas wird aufgefordert diese zurückzugewinnen, und eine Dame - Nathalie Taran - der Versicherung der Bilder zur Seite gestellt. Beide recherchieren mühsam die Identität der ehemaligen Klienten, um drauf zu kommen, daß diese die Strippenzieher waren. Jetzt kommt Druck auch von der anderen Seite, die Nicolas und Nathalie mit einigen filmreichen Szenen zu einem Ergebnis führen, indem sie beide gesund und mit Geld aussteigen.

Zwischen dieser Geschichte inmitten einiger reicher, selbstherrlicher und unguter Männer sind kocht Nicolas immer wieder hervorragend, und Nicolas und Nathalie bleiben als sich anbahnendes Paar am Ende.

Ort der Handlung sind Nizza, Antibes, einige Boote, einige Autos, ein Motorrad, gehobene Gastronimie, eine Villa mit Garten.
Bei den Personen der Handlung sind Nicolas und Nathalie als durch attraktive Menschen geschildert, die zwar für die Reichen arbeiten, aber den Boden unter den Füßen bewahren.
Die zwei reichen Russen und der französische Villenbesitzer sind mit etwas Bosheit jenseits aller Sympathie als selbstgefällige Machtmenschen geschildert.

Der Kriminalroman ist flüssig und unterhaltsam geschrieben. Die beschriebenen Kochrezepte lassen beim Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Viel Spaß beim Lesen !

Robert de Paca lebt seit 1997 an der Côte d'azur und arbeitet in der gehobenen Hotellerie. er liest gerne Kriminalromane und Romane, was ihn motiviert hat den oben genannten ersten Kriminalroman zu schreiben. Der Folgekrimi erschien 2017.

Mittwoch, 21. August 2019

Keigo Higashino : "Heilige Mörderin"

Keigo Higashino :
"Heilige Mörderin"
Kriminalroman
original "Seijo no Kyüsai"
2008, Bungeisdunju Ltd Tokio
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe
2014, J.G. Cotta'sche Buchhandlung
311 Seiten
ISBN 978-3-608-98012-7

Der Firmenchef Yoshitaka Mashiba teilt seiner Frau Ayane mit, daß er die Scheidung möchte, weil sie nicht schwanger wurde. Nach einer Nacht mit seiner Geliebten Hiromi, die die Assistentin seiner Frau ist, wird der tot aufgefunden. Polizeidetektiv Kusanagi ist von der Charme der Witwe fasziniert, seine Kollegin Utsumi mißtrauischer und schaltet den besten Freund des Detektivs, den Physikprofessor Yukawa ein. Im Stil von Inspector Colombo forscht dieser solange, bis der Trick mit dem Giftmord herausbekommt. Im Hintergrund recherchiert die Polizei, daß für Yoshitaka jede Frau die ihm seinen Kinderwunsch nicht erfüllen konnte, wertlos erachtet und gegen eine neue ausgetauscht wurde.

Die Geschichte springt zwischen den Personen der Handlung dem Inspektor, seiner Kollegin, der Witwe, der Geliebten, und dem Professor hin und her. Es geht ausschließlich um den Mord, es gibt leider keinen Nebenstrang in diesem Roman.

Polizeidetektiv Kusanagi ist der Ermordete mit seinem absoluten Wunsch und Verwendung von Frau als Gebärmaschine zutiefst unsympathisch, und sensibler als andere zu diesem Thema.
Yoshitaka Mashiba wird als gutaussehend und unterhaltend beschrieben, Witwe Ayane als schöne Frau mit Charisma, die Geliebte Hiromi blieb in ihren Beschreibungen nicht begreifbar.

Die Gespräche mit den Verdächtigen sind immer sehr höflich. 
Interessant ist die Beschreibung der Patchwork Kunst, die Ayane herstellt.

Der Roman ist spannend geschrieben. Gute Unterhaltung an einem Regentag !

Keigo Higashino wurde am 4. Februar 1958 geboren. Er begann bereits in der Schulzeit Kriminalromane zu schreiben. Später studierte er Elektrotechnik und begann 1981 als Ingenieur zu arbeiten. 1985 wurde ein Roman von ihm bei einem Preis ausgezeichnet , und seine Schriftstellerkarriere begann. Mittlerweile sind seine Kriminalromane Bestseller, einige wurden auch verfilmt.

Freitag, 28. Juni 2019

Ernest Zederbauer : "Da draussen im Wald"

Ernest Zederbauer :
"Da draussen im Wald" - ein Waldviertel Krimi
2014, Styria Verlag
152 Seiten
ISBN 978-3-222-13443-2

Der Förster wurde in einem dunklen Wald- und Felsteil im schönen Waldviertel erschossen aufgefunden. Dorfpolizist Raffl und Kripo Ebert recherchieren bei der Witwe und im Klatsch des Dorfes. Viel boshaftes das sonst unter der höflichen Fassade des Dorflebens begraben ist, kommt ans Tageslicht. Erst dem Verdacht der Witwe daß ihr Ehemann eine Freundin gehabt haben könnte und nach Canada wollte, hilft auf die Spur des eifersüchtigen, besitzergreifenden und jagenden Mörders.

Ort der Handlung sind ein Ort im Waldviertel, ein Försterei gebiet mit Forsthaus, und ein Heurigen bei Krems.

Die Menschen sind sehr unterschiedlich. Witwe Susanne ist Lehrerin, hat für mystische Plötze und Wald viel übrig und war über die Kinderlosigkeite ihrer Ehe sehr unglücklich; sie ist in ihren Gedanken und Entwicklungen  Dorfpolizist Raffl muß sich den örtlichen Gepflogenheiten anpassen, was ihm nicht immer leicht fällt; er füllt sich zur Witwe hingezogen, was ihm schlechtes Wissen macht. Der hinzugezogene Polizist Ebert trampelt auf den Menschen herum und hält alle für schuldig. Die Freundin des Ermordeten ist durchaus sympathisch, hat aber beim Ehemann einen schlechten Griff getan.

Die Geschichte ist spannend geschrieben, wobei mir der Showdown am Schluß mit den Damen unnötig brutal wurde.

In Summe ist der Krimi gute Unterhaltung. viel Spaß beim Lesen !

Ernest Zederbauer wurde 1947 in Unserfrau bei Weitra (NÖ) geboren. Er war Spengler, und ist jetzt in der Pension Fremdenführer in Weitra. 2013 erschien sein erster Krimi "Mord an der Grenze"

Samstag, 18. Mai 2019

Maurizio de Giovanni : "Frost in Neapel"

Maurizio de Giovanni :
"Frost in Neapel" - Lojacono ermittelt in Neapel
original "Gelo"
2014, Giulio Einaudi editore spa, Turin
Aus dem Italienischen von Olaf M. Roth und Susanne Van Volxem
2017, Rowohlt Taschenbuch
371 Seiten
ISBN 978-3-499-27235-6

In Neapel ist es bitterkalt. Ispettore Lojacono und sein Team aus Polizisten mit verschiedenen Problemen ist diesmal mit dem Mord an einem introvertierten Chemie-Genie und seiner bildschönen Schwester, die auch Modell war, und die beide aus Sizilien kommen beschäftigt. Parallel setzen sich zwei Commissarii mit Schüleraufsätzen auseinander, in denen sexuelle Annäherung des Vater angedeutet wird.
Während die Truppe im neapolitischen Bezirk Pizzofalcone wieder einmal beweisen muß, daß sie nicht wie ihre Vorgänger Drogengeschäfte machten, sondern ausgezeichnete Polizeiarbeit, wird gefragt und recherchiert, bis sich die Puzzlesteine zusammensetzen. Während kurz der Presse der gewalttätige Vater der beiden, der nach einem Mord aus dem Gefängnis entlassen worden war, aufgetischt wurde kommt die Polizeigruppe mit vereinten Kräften dem echten Mörder auf die Spur. Die Sache mit der Schülerin konnte ebenfalls - aber anders als erwartet - bereinigt werden.

Jeder der Menschen in der Polizei hat sein großes privates Problem, an dem jeder auf seine Weise zu scheitern scheint. Diesmal geht es um Enttäuschungen in Vater-Tochter-Ebene im Hause Lojacono, eine Verliebtheit zu Lojacono die zerbricht, Romano der den Gewaltausbruch an seiner Frau mit Scheidung beantwortet bekommt statt einer weiteren Chance, Alex di Nardi die sich nicht traut ihrem autoritären Vater zu sagen daß sie Frauen liebt und wieder das Glück mit einer anderen Frau an diese Feigheit verliert, Aragona der eine Kellnerin anschmachtet aber lieber schaut als endlich zu reden, Pisanello der mit seiner verstorbenen Frau spricht, seinen Krebs negiert und dem Mörder von traurigen Menschen auf der Spur ist. Chef der Truppe ist Palma, der ihnen den Rücken freihält und sich nicht traut einer verläßlichen Mitarbeiterin seine Gefühle zu vermitteln.


Die Charaktäre der Toten und Verdächtigen ist genauso feinfühlig in ihren Ebenen und Problemen beschrieben. 
Faszinierend ist die Boshaftigkeit hinter der Geschichte der Schülerin geschildert, mit den Personen rundherum wie der älteren gescheiten Professorin, der attraktiven Schulleiterin, der bildschönen Mutter, dem mittelmäßigen Vater und der flexiblen Schülerin selbst.
Die Probleme des genialen Chemie-Absolventen und seiner schönen Schwester gingen mir weniger unter die Haut, auch wenn die Hinweise wie die sizilianische Bevölkerung mit der Familie eines Mörders ziemlich unzimperlich umgeht berührt haben. Im Hintergrund geht es um Anerkennung von genialen Verknüpfungen aus dem Bereich der Chemie.

Mich hat dieser Kriminalroman der die Stimmungen der Stadt und der Menschen schön einfängt, wo man bei der ungewohnte Kälte fast mitbibbern muß, eingefangen. 

Eigentlich lese ich zu gerne von jedem Autor nur ein Buch der Serie, da es zu viele grandiose Autoren gibt, aber hier überlege ich doch nach Band vier, Band eins mit dem Start der Truppe zu lesen.

In Summe ein sehr guter Roman mit Kriminalgeschichte und Bosheiten der Menschen, aber auch ihren Träumen, die hier auf verschiedenen Ebenen bröseln. Viel Freude beim Lesen !

Maurizio de Giovanni Greuther die Duchi di Santa Severina wurde am 31. Mai 1958 in Neapel geboren. Er arbeitet als Bankanstellter in Sizilien und später in Neapel. Dort studierte auch alte Sprachen und Archäologie. Er besuchte eine Schreibwerkstatt, und begann mit 2006 die Serie mit Comissario Ricciardi, dessen Krimis in dern 30-er Jahren im italienischen Faschismus angesiedelt sind // auf italienisch sind mittlerweile 14 Bände erschienen. Seit 2012 gibt es die Serie mit Ispettore Lojacono, die in der Gegenwart und in Süditalien - Neapel spielen // auf italienisch sind mittlerweile 9 Bände erschienen. Er spielte Wasserball.

Samstag, 4. Mai 2019

Reinhard Kleindl : "Gezeichnet"

Reinhard Kleindl :
"Gezeichnet"
Kriminalroman
2014, haymon tb
278 Seiten
ISBN 978-3-85218-957-4

Am Mathematikinstitut in Graz wird eine entstellte und verrenkte Leiche gefunden. Der ruhige Chefinspektor Franz Baumgartner und sein Team werden zur Ermittlung gerufen. Langsam entwickelt sich die Geschichte bei der es um einen geometrischen Schnitt am Körper der Leiche geht, mathematische Klarheit, wissenschaftlichen Ruhm und eine eigenartige elitäre mathematische Gruppierung. In die Geschichte wird noch eine Sekte um biologisches Leben verwickelt, bis eine Journalistin, die in eine Falle geraten war, gerade noch rechtzeitig gerettet und einige Spinner überführt werden.

Spannend sind die Strukturen in dem Team um Chef Baumgartner und die Gedanken seines Chefs, ob dessen Bestellung wirklich gut war. Nebenbei gibt es Probleme mit dem Staatsanwalt und dessen Verbindungen zur sogenannten Elite.
Im Team gibt es sowohl eine lesbische toughe Polizistin, als auch einen rassistisch denkenden aber sonst sehr guten Polizisten; die Zusammenarbeit mit dem Pathologen ist mäßig gut und führt zu Problemen, dafür die mit der Profilerin aus Tirol umso besser und ergiebiger.

Gewisse mathematische Überlegungen sind faszinierend, manche erschrecken weil Menschen nur beliebige Bausteine sind.

Wer Graz kennt, wird den Bewegungen und Orten gut folgen können. Es gibt sowohl die Uni-Gegend, als auch die die viele Zuwanderer beherbergen.

Leider kann ich den Titel "gezeichnet" nicht ganz nachvollziehen; die Erzählungen über den Goldenen Schnitt scheinen mir hier nicht zusammenhängend.

Die Geschichte ist gut lesebar. Viel Spaß beim Lesen !

Reinhard Kleindl wurd 1980 ist Graz geboren. Er studierte dort Theoretische Physik, und arbeitete  später als Trainer für sportklettern. Später war er erfolgreicher Sportler und veröffentlichte parallel Kurzgeschichten, und später mittlerweile drei Kriminalromane.

Samstag, 26. Januar 2019

Rita Mae Brown & Sneaky Pie Brown : "Morgen, Katze, wird's was geben"

Rita Mae Brown & Sneaky Pie Brown :
"Morgen, Katze, wird's was geben"
original "nine lives to die"
2014, Bantam Books NY
aus dem Amerikanischen Englisch von Margarete Längsfeld
2016, List Verlag Berlin / 2018, Ullstein
244 Seiten + 5 Seiten Personen der Handlung + 2 Seiten Katzen, Hund, Eule, Opossum, Pferde
ISBN 978-3-548-29090-4

Auch in dem mittlerweile 22. Band um Harry und ihre Gang aus Mrs. Murphy, Tucker und Pewter gibt es Morde. Diesmal erwischt es zwei aktive Männer und ein uraltes Skelett wird gefunden. Harry und Cooper ermitteln, zwei ältere einsame nicht einfache Menschen finden zueinander, und die Tier-gang von Harry nimmt Kontakt mit einem Kojoten auf.

Vor dem Hintergrund von viel charitativer Organisation in den unterschiedlichen Kirchen vor Weihnachten gibt es auch gesellschaftliche Ereignisse, zu denen man gehen muß. Eines davon ist ein Event bei denen junge Sportler unterstützt werden. Daß diesbezüglich zu großer Ehrgeiz von Eltern zuviel wird und auch zu Gewalt führen kann, und Interessen der Kinder nicht einbezogen werden, macht traurig.
Bei dem "cold case" geht es um Liebe, die bei einem Menschen zerbricht, beim anderen nur auf Lüge besteht, aber wenigstens bei jemand drittem eine lange Last von den Schultern nimmt.

Die Tiere gehen unterschiedlich mit den menschlichen Ereignissen um. Die rundliche verfressene Pewter, die sich oft in einen grauen kuscheligen Fellball verwandelt, hat mich diesmal am meisten unterhalten. Tigerkatze Mrs Murphy ist wie gewohnt die neugierig und aktive Katze, Korgi Tucker folgt tapfer, und wichtige Informationen kommen von Odin, dem Kojoten, bei dem alle auf vorsichtiger Distanz bleiben. Die Katzen eines Pfarrers, die in seiner Kirchenbank weit hinten sitzen, machen ein vergnügtes Bild.

Etwas nervig ist diesmal, daß die Menschen und Tiere, die schon vorne im Glossar erläutert werden, im Text auch noch öfters beschrieben werden. Bei einem Folgeroman ist dies für mich schlüssig, in einem Roman, der mir als ganzes vorliegt, nicht.

Ort der Handlung ist wie gewohnt das Crozet, diesmal im Kampf gegen tiefen Winter und Schneemassen.

Der englische Titel kommt aus dem Wortgeplänkel zwischen Mrs Murphy und dem Kojoten, der sie damit reizen möchte eines ihre Leben an ihm auszuprobieren.

In Summe ein netter Katzenkrimi, dem gut zu folgen ist. Viel Spaß !

Bio der (menschlichen) Autorin ist bei "Mord auf Rezept" vom 5. Juni 2016.

Sonntag, 20. Januar 2019

Jean-Luc Bannalec : "Bretonische Brandung"

Jean-Luc Bannalec :
"Bretonische Brandung" - Kommissar Dupins zweiter Fall
2014, Kiepenheuer & Witsch, Köln
372 Seiten + Innencover mit einer reduzierten Landkarte  
ISBN 978-3-442-47928-3

Kommissar Georges Dupin verbringt diesmal viel Zeit auf den Glénaninseln, nachdem bei einem Sturm ein berühmter Segler und zwei seiner Freunde umgekommen waren. Während er sich wie gewohnt gutes Essen, hier Hummer und ein offenbar grandioser Muschel-Fisch-Eintopf, genießt, arbeiten er und sein Team sich durch Fragen um ökologische Nutzung des Inselparadieses gegen gigantomanische touristische Ideen, egoistische Seglerphantasien gegen gemeinschaftliche Inselzusammengehörigkeit. Am Schluß ist es Rache an einem alten Mordes wegen Geldgier, der die Egoisten ihr Leben gekostet hat.

Rund um Kommissar Dupin sind am Telephon Nolwenn mit ihren Verbindungen, der etwas obergescheite Kadeg, der effiziente und spirituelle Inspektor Riwal und der ruhige Polizist Goulch. An Gesprächspartnern gibt es die Schwester des berühmten Seglers die gemeinsam eine Tauchschule hatten, ihre Assistentin, Wirtin und Töchter und Schwiegervater eines bodenständigen grandiosen Restaurants, ein schleimiger Bürgermeister, ein tougher Taucher, der Direktor eines Meeresinstituts der unter der Hand Patente weitergibt.

Die Schilderungen der Inseln, die mehr oder weniger von Ebbe, Flut und Springflut abgekommen, ist faszinierend. St Nicolas, als Hauptstation für die Polizisten bei diesem Fall, wird für den Kommissar Konfrontation mit vielen unterschiedlichen Wettern inklusive Wolkenbruch und wunderschönen Lichtbeschreibungen.

Der Hintergrund der Inseln und auch die Art, wie versucht wird hier die Natur und Besonderheiten zu schützen, aber doch behutsam für die wichtige Quelle des Tourismus zu öffnen ist hochinteressant zu lesen.

Der Roman begleitet den Kommissar in seinen Gedanken, Bewegungen, auch Spaziergängen, bei seinen Vorlieben aber auch Aversionen, und manchmal auch seinen Unsicherheiten. Die Telephonate die der an Insel-enden führt wie mit Claire in Paris (erfreut) und mit seinem Präsidenten (unerfreut) sind unterhaltend.

Die Geschichte ist schön erzählt. Es ist spannend der Diskussion um Nutzung der Inseln, den Menschen zu folgen und Gusto zu bekommen. Viel Spaß beim Lesen !

Jean-Luc Bannalec Bio bei "Bretonisches Leuchten" (Kommissar Dupins sechster Fall) am 20. Jänner 2018.

Mittwoch, 28. November 2018

Christine Anlauf : "Schnurr mir das Lied vom Tod"

Christine Anlauf :
"Schnurr mir das Lied vom Tod" - Kater Serrano ermittelt
2014, Piper Verlag
386 Seiten + 1 Seite Dank + 3 Seiten menschliches und kätzisches Personenregister
ISBN 978-3-492-30243-2

In dem Kriminalroman wird eine Leiche in einem Schneemann versteckt gefunden. Da Kommissar Liebermann nach Ansicht der Katzen wichtige Hinweise übersieht, machen sich Kater Serrano, ein zerzauster Streuner, eine rundliche weise Katze und eine dünne Zuchtkatze daran den Menschen mit Hinweisen zu helfen. Auf zwei Ebenen spielt sich das Geschehen ab. Liebermann und sein Team forschen parallel nach dem Mörder des Obdachlosen und einem Mann der Frauen attackiert und mordet. Die Katzentruppe gibt wichtige Hinweise, weil der Geist des Obdachlosen den einen Kater heimzusuchen scheint, und findet noch eine Leiche. Das Lösung ist dann ziemlich einfach, obwohl es kurz brutal wird.

Ort der Handlung ist Potsdam mit seinen Parks, Vierteln, dem Fluß. Die Geschichte spielt im Winter.

In einem Strang folgen die Polizisten dem Leben des Obdachlosen als Kind in ein trostloses und strenges Kinderheim der DDR. Die Traurigkeit, die Einsamkeit, daß ihm die Schwester weggenommen wurde, und dann noch Mißbrauch an dem Opfer setzen dem Kommissar zu. Dieser Mißbrauch ist gedeckt worden, auch wenn so manche Frau hier versuchte das Kind schützend einzugreifen.
Der andere Strang ist die Verfolgung eines netten Mannes, der bei einem Date plötzlich grundlos auszuckt und die betreffende Frau tötet.

Parallele Familiengeschichten gibt es zu Hauf. Liebermann, der mit seiner Liebe Nico (eine bezaubernde Frau) das erste Kind erwartet, bei der die Schwangerschaft aber nicht einfach ist, und er es daher mit den Töchtern seiner Liebe und einem einmischenden Nachbar zu tun hat.
Kater Streuner, Katze Maja, Kater Serrano, Katze Wu haben auch einiges zu klären, vorallem wer bei dem übernachten und flirten darf, was nicht immer das Gleiche ist. Über den Katzen gibt es den Geist des ehemaligen Katers Bismarck der irgendwie mitmischen darf, und nur verwirrt.

Die Menschencrew ist ziemlich gemischt. Henrick Liebermann der ein durchaus guter Kommissar und Vorgesetzter sein dürfte, Jean-Pierre Simon der unglücklich verliebt ist aber dieses mit Arbeit zu übertauchen sucht, Jana Holzmann die anpackt, und die enttäuschte und bissige Pathologin Franziska Genrich die alle in die Flucht knurrt.
Tischler Enno Abrahams, dessen Freundin Sonja, dessen schmarotzenden Bruder Jakob, eine polnische abgelegte Freundin des Bruders, der stumme Obdachlose Roman Stölzl, seine Schwester Nora komplettieren das unterschiedliche Menschen Angebot.
Bei den Katzen hat es mir die weise, ortskundige, rundliche Maja mit ihrem Handschuh-sammel-Tick durchaus angetan; sie schaut auf ihr Revier und macht es Katern schwer. Der Streuer ist zerzaust, und wird vom Geist des Menschen geplagt. Kater Serrano ist in die dünne Zuchtkatze Wu verknallt, und versucht es taktisch; leider kommt dieser titelgebende Kater nicht wirklich symphathisch bei mir an. Katze Wu durchschaut viel, und wenn es ihr reicht tut sie es kund. Im Hause Liebermann gibt es Kater Dienstag, den der Zweibeiner bei zuviel nerven entweder auf die Straße setzt oder ins Badezimmer verfrachtet.

Auf dem Cover ist der Roman als schwebend leicht beworben. Leider kann ich das nicht nachvollziehen. Im Gegenteil : es war für mich als Leseratte überraschend schwer in den Stil und die Geschichte hineinzukommen. Zu viele Ebenen und Charaktere dürften hier verwoben sein, und/oder die Geschichte zu konstruiert sein, um wirklich zu fließen.

Schade,  denn manche Metaphern haben mir sehr gefallen z.B. wie ein müder Mauersegler oder übergewichtiger Kondor im Sessel zu hängen, Plapperemmissionen freisetzen etc.

Christine Anlauf wurde 1971 in Potsdam geboren. Sie ist gelernte Buchhändlerin und veröffentlichte ihren ersten Roman 2005. Der erste Teil der Serie um Kater Serrano und Kommissar Liebermann „Katzengold“ erschien 2010.

Sonntag, 28. Oktober 2018

Marlene Streeruwitz : "Nachkommen"

Marlene Streeruwitz :
"Nachkommen"
Roman
2014, S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt
328 Seiten
ISBN 978-3-10-074445-6

Die junge große gutaussehende Nelia Fehn hat ein Buch geschrieben. Am ersten Tag der Frankfurter Buchmesse wird in Großvater in Österreich begraben, bevor sie nach Frankfurt abfliegt. Bei der Buchmesse gewinnt sie den begehrten Buchpreis leider nicht - sie hätte das Geld für die Operation ihres griechischen Freundes gebraucht. Sie lernt ihren biologischen Vater kennen, wird am Verlagsmarkt präsentiert, absolviert zwei Interviews und merkt wie wenig sie in das Bücherbusiness hineinpaßt. Erschwerend kommt dazu, daß ihre Mutter mit dem Literaturbetrieb gut umgehen konnte, und etabliert war; sie wird immer mit ihrer Mutter, die gestorben war als Nelia 16 war, verglichen.

Der Roman ist aus Sicht der jungen Frau / der Autorin geschildert. Ihre Handlungen und Gedanken und Eindrücke werden beschrieben. Bei ihren Gedanken handelt es sich oft um nicht um ganze Gedankengänge, sondern oft um Gedankenfetzten, einzelne Worte, Assoziationen. Manches dreht sich im Kreis und droht sich tot zu laufen, manche Gedankenstränge machen sich quasi selbstständig und es entstehen teilweise skurrile Ideen und Wortschöpfungen.
Es geht unter die Haut wenn sie beschreibt, daß sie als spät gekommenes Kind ihrer Mutter von fast allen ihrer Familie abgelehnt wurde. Nur eine Freundin und deren Freund in Griechenland schaffen es nach der Mutter Tod eine Art Heimat zu geben. Nur der Großvater war für sie eine positive Gestalt innerhalb der Familie, der sie in ihrer offenbar Andersheit akzeptiert hat. (Das anders sein waren die illegitime Geburt und daß sie ihrem Vater ähnlich sieht).

Das Thema Banken und Griechenland wird durch die Bankenhochbauten in Frankfurt – es werden keine Menschen geschildert – und ihren Freund Marios an dessen Existenz die Bankenentscheidungen gehen geschildert.

Skurril lesen sich Beobachtungen wie über den elektronischen Kartenschlitz im Hotel für eine Nacht, die senffarbene Wand in der Hotelabsteige für die Folgenächte, die vielen schwarzen Suvs und das Fehlen roter Autos auf den Straßen.
Die Beschreibungen der Buchmesse von Autorenseite war faszinierend : das Warten auf den Preisverleih, die Machtspiele der Autoren/innen untereinander, wie sich Verlagsvertreter untereinander benehmen, das unterschiedliche Benehmen von Literaturjournalisten/innen. Dazu werden Generationenkonflikt und Genderthematik gemischt, daß es teilweise beim Lesen weh tat.
Liebe ist leider fern. Denn zwischen ihrem Vater aus dem Bildungsbürgertum Frankfurts und ihr, die ihn erst spät und jetzt kennen lernt, sind keine Brücken möglich. Seine aktuelle Freundin ist so junge, wie sie - seine Tochter. Liebe sind nur in den sms-s mit Marios in Griechenland spürbar.
Spannend ist das Ringen der fiktiven Autorin um Qualitätsbegriffe im Buchbetrieb, wenn sie ihr Buch nicht nur Buch, sondern Roman genannt haben möchte. Und daß sie bewußtes Definieren von Literatur und Belletristik wünscht.
Den zerfransten Schreibstil muß man mögen. Mich hat er in den Bann gezogen. Viel Freude beim Lesen !
Marlene Streeruwitz wurde 28. Juni 1950 in Baden (Niederösterreich) geboren. Sie studierte Slawistik und Kunstgeschichte in Wien. 1992 wurde ihr erstes theaterstück aufgeführt. Ihr erster Roman "Verführungen. 3. Folge. Frauenjahre" erschien 1996. Mittlerweile ist sie vielfach ausgezeichnet.

Samstag, 29. September 2018

Goncalo M. Taveres : "Joseph Walsers Maschine"

Goncalo M. Taveres :
"Joseph Walsers Maschine"
Roman
original "A máquina de Joseph Walser"
2004, Editorial Caminho, SA
Aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis
2014, Deutsche Verlags Anstalt München
164 Seiten
ISBN 978-3-421-04627-7

Joseph Walser arbeitet in einer Fabrik an einer Maschine. Diktatur oder Krieg baut sich rings um ihn auf. Seine Frau betrügt ihn mit Klober, dem intellektuellen Vorarbeiter. Walser verliert einen Finger beim Hantieren mit der Maschine und wird einer anderen Arbeit zugeteilt. Walser hat eine Affaire mit der Witwe eines guten Freundes, den er verraten hatte. Nach dem Krieg lädt ihn Klober in eine Falle ein. Das Ende bleibt offen.

Das Buch ist in drei Teil aufgeteilt, die wiederum meist kurze Kapitel umfassen.
Der Schreibstil ist konzentriert und sachlich. Empathie kommt wenig auf - nur wenn Walser sich seiner Metallstücke-sammlung widmet ist etwas wie emotionale Bindung und Leidenschaft zu merken. Eine Art Emotionalität ist beschrieben, wenn Walser fast im gleichen Tempo zu atmen und sich bewegen scheint wie die Maschine.

Die Quasi-Monologe die Klober über Werte, Individualität contra Allgemeinheit, Verhalten mit und ohne abgeschnittenem Finger hält, lesen sich zwar anstrengend, sind aber in ihrer Stringenz durchaus reizvoll.

Das Geschehen wirkt wie im flachen schwarz-weiß-Film ohne Tiefenwirkung. Die Menschen sind alle nicht attraktiv, und bis auf Klober ziemlich schweigsam. Walser selbst sagt wenig, agiert aber möglichst unauffällig.

Der Roman liest sich spröde und nicht einfach. Die Betrachtungen über Krieg, das Verhalten der Menschen in diesem abstrakten Krieg etc arbeiten nach. Gutes Auseinandersetzen mit diesem Buch !

Gonçalo Manuel Tavares wurde im August 1970 in Luandam Angola geboren. Er zog mit 18 Jahren nach Lissabon. Er studierte sport, Kunst und ist rofessor für Erkenntnistheorie an der Technischen Universität Lissabon. 2001 erschien sein erster Gedichtband - seitdem ist er als Schriftsteller tätig.