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Freitag, 12. September 2025

Lisa Stidl : "Adalinde Addix ermittelt - Die letzte Aufführung"

Lisa Stidl :
"Adalinde Addix ermittelt - Die letzte Aufführung"
2020, Buchschmiede
282 Seiten
ISBN 978-3-99125-4347-8

Im einem zentral gelegenen gemütlichem Wiener Hotel mit Spa und schönen Salons kommen zusammen : Adalinde Addix, die zum ersten Mal aus München in diesem Hotel ist; der attraktive Stefano, dem Kellner und einer der guten Geister des Hotels; die pflichtbewußte Rezeptionistin Gabi Hicks; Ellen Bay, eine frühere hochgefeierte aber intrigante sehr selbstbewußte  Schauspielerin; Ruben und Torin, alte Freunde von Adalinde älteren Alters aus dem Zirkus kommend; dem Hotelbesitzer Richard; Lia Hubertus, eine schöne junge rothaarige Frau mit heimlicher Liebe; Samuel Bay, Enkelsohn von Ellen Bay; der erfolgreiche Geschäftsmann Antony Storm; Rose, ein Zimmermädchen; Nora Menke, eine alte Freundin von Richard und von früher von Ellen; ein freundliches Pensionistenehepaar Amanda und Harald
Ellen Bay wird getötet gefunden, Adalinde findet, daß sie hier ihr aktiv werden muß, bis der Mord geklärt ist; und auch einige andere Geheimnisse gelüftet sind.

Das Hotel ist gut vorstellbar geschildert. Manche Menschen sind klar vor, andere eher stereotyp und unspürbar. Leider habe ich auch länger gebraucht, um mich bei den Paaren auszukennen.

Es wird viel über Theater und Intrigen erzählt, auch daß manche Auswirkungen spät und gründlich kommen. Liebe findet statt - manchmal geglückt, manche unerfüllt, und manche nie erfüllbar.

Leider ist mir die Hauptperson Adalinde nicht sympathisch durch ihre durchaus besserwisserische Art; es wird ein Geheimnis um sie angedeutet, daß nicht gelöst wird, vermutlich um in Band zwei erzählt zu werden.

Mitraten nach dem Mörder ist möglich - die Geschichte dahinter ist gelungen.

Lisa Stidl ist Schriftstellerin, und Lektorin bei Goldegg-Training (Buch-, Medien- & Verlagsakademie).

Samstag, 22. Juni 2024

Ahmet Ümit : "Das Derwischtor"

Ahmet Ümit :
"Das Derwischtor"
Kriminalroman
original "Bab-i-Esrar"
2012, Verlag Everest Yarinlari, Istanbul
Aus dem Türkischen von Sabine Adetepe
2020, btb verlag bei Verlagsgruppe Random House GmbH
499 Seiten + 2 Seiten Anmerkungen der Übersetzerin (betreffend Aussprache, Anrede und Begrifflichkeiten; Schreibweisen) + 1 Seite Danksagung + 3 Seiten Quellen
ISBN 97-3-442-71765-1

Karen Kimya Greenwood wird wegen einer Versicherungssache und weil sie Türkisch kann, nach Konya geschickt. Dort hat sie mehrere mystische Begegnungen mit einem geheimnisvollen charismatischen Mann und arbeitet das Verschwinden ihres Vaters auf.
Bei dem charismatischen Mann geht es um mystische Erlebnisse mit Shams-e Tabrizzi und den Sufi-Meister und Poeten Rumi, deren Freundschaft und wie diese anderen Menschen irritierte.
Ihr Vater hatte die Familie verlassen, weil der Ruf des Sufi-Ordens wieder stärker für ihn geworden war, wie ihr in Koya langsam vermittelt wird.
Parallel muß sich Karen Kimya entscheiden, ob sie ihre Schwangerschaft leben möchte oder nicht.

Konya ist faszinierend geschildert. In dem Roman ist geschildert wie schöne alte Häuser mit Innenhöfen neuen Hotel-bauten ohne Ausstrahlung weichen müssen; aber der Zauber der alten Häuser ist spürbar.
Für Touristen ist diese Stadt durch die "drehenden Derwische" bekannt.

Die Menschen sind für mich leider wenig spürbar, bis auf Karen Kimya selbst (mit den Problemen und Entscheidungen, die anstehen) und ihre flippige Mutter. 

Rumi und Sufi-Orden sind verzaubernd. Die Kapitel, in denen nach Spiritualität gesucht wird, finde ich gut geschrieben.

In Summe ein angenehmer Urlaubs-Roman mit etwas Krimi, bei dem ich mich gut entspannen konnte. Gutes Lesen !                                       

 Ahmet Ümit  wurde 1960 in Gaziantep (Südanatolien) geboren. Er studierte Verwaltungswissenschaften und begann zu schreiben. Seine erste Erzählung entstand 1983. Er veröffentlichte mehrere Kriminalromane, von denen einige auch ins Deutsche übersetzt wurden, außerdem Gedichte, zahlreiche Kurzgeschichten und ein Märchen. Außerdem schreibt er Drehbücher.   

Samstag, 27. April 2024

Nick Bradley : " The Cat and the City"

Nick Bradley :
"The Cat and the City"
2020, Atlantik Books Ldt / Paperback 2021
287 Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis + 2 Seiten Gedicht "blue Cat" von Hagiwara Sakutaro inkl englische Übersetzung + 3 Seiten Danksagungen
Paperback ISBN: 978-1-78649-991-2

In fünfzehn Erzählungen geht es um Menschen, und meist um eine kleine zarte dreifarbige Katze, die den Weg kreuzt.
Ein bekannte Tattoo-künstler zeichnet die Skyline von Tokyo auf den Rücken einer zarten Frau, und eine kleine Katze ist dabei.
Ein obdachloser Geschichtenerzähler mit Katze besucht andere Obdachlose, und wird am Schluß von der Polizei erwischt; die Polizei bereinigt die Straßen vor den Olympischen Spielen von Obdachlosen und interniert sie.
Drei Angestellte müssen zum verpflichtenden Firmen Karaoke Abend, und sprechen über Videospiele.
Ein Taxi fahrer denkt über sein einsames Leben nach.
Ein Privatdetektiv hat meist mit Untreuefällen zu tun, und freut sich wenn er mit Vermisstenfällen betraut wird.
Flo aus Oregon ist in Japan als Übersetzerin geblieben; sie liebt das Land und die Varianten der Sprache mit ihren chinesischen Wurzeln und träumt davon eine bestimmte Erzählung zu übersetzen und veröffentlichen. Am Nachbartisch streitet sich ein Paar laut.
Eine japanische Karrierefrau zahlt das Leben ihres Freundes, eines Amerikaners weil diese derzeit als originell gelten. Bei einem Ausflug wird klar, daß sie heiraten möchte und er nicht, worauf die Beziehung zerbricht.
Ein Techniker will eine künstliche Katze anhand einer natürlichen dreifarbigen nachmachen, denn sein Kind ist allergisch auf Katzenhaare. Es gelingt ihm die mechanische Katze fast echt zu gestalten - auch das Kind ist glücklich; die natürliche Katze ist allerdings irritiert. Am Schluß ist die mechanische Katze kaputt, und die natürliche Katze fühlt sich merkwürdig allein.
Zwei Angestellte geben sich einen Abend mit viel Alkohol und Essen.
Eine junge Frau mit dominanter Mutter ist in einen jungen Mann verliebt, der andere Frauen liebt, und wird vom Postmann angehimmelt (sie kennt die japanische Karrierefrau).
Ein Automechaniker träumt von Sex (russische Prostituierte wie im Klischee) und Ameisen.
Ein einsamer Knabe hilft einer Katze was seine Eltern nicht wollen, und freundet sich mit einem einsamen Agoraphobiker an, und hilft ihm wieder ein normaleres Leben, indem er ihm ein Manga widmet.
Ein junge Frau kommt aus den USA zurück nach Japan (ihr Mann liest ein Buch in dem Flo die Geschichte des Technikers mit der Katze übersetzt hat) und trifft ihren Vater (den Taxifahrer) wieder und ihren Onkel (den Geschichtenerzähler); sie denkt an die dreifarbige Katze ihrer Kindheit.

Ich hatte mir das Buch gekauft in der Hoffnung auf einen poetisch freundlichen Roman oder Geschichten. Leider waren die meisten Geschichten traurig, weil die Menschen einsam waren, sie sich in den Beziehungen unglücklich machten und viel Einsamkeit zu merken war.

Interessant ist wie manche Menschen in einer Geschichte als Hauptpersonen sind, und dann irgendwo als Nebenperson auftauchen.

Manche Menschen bleiben stark mir in Erinnerung wie die Karrierefrau die ein Blättertagebuch führt (jeden Tag ein schönes Baum ? Blüten ? Blatt), der Geschichtenerzähler und auch der Detektiv. Andere Menschen bleiben blaß für mich.

Es gibt Beschreibungen von gewünschtem Sex der mir beim Lesen wenig Freude macht.

In Summe ein interessantes Buch mit einigen schönen Stellen und selten humorvoller Situationskomik, aber mir blieb vieles doch fremd.

Nick Bradley wurde in Deutschland 1982 geboren, und wuchs in Bath auf. Aus einem geplanten Aufenthalt in Japan für ein Jahr nach seinem Studium Englischer Literatur wurden zehn Jahre Leben und Lernen in Japan. Er spricht fließend Japanisch und hat sich während des Studiums in Japan auf die Figur der Katze in der Japanischen Literatur fokusiert. "The cat and the city" ist sein erstes Buch.
Im Nachwort bedankt er sich bei seinen zwei Katzen für deren Unterstützung.

Sonntag, 26. Februar 2023

Nancy Campbell : "Fünfzig Wörter für Schnee"

Nancy Campbell :
"Fünfzig Wörter für Schnee"
original "Fifty Words for Snow"
2020, Elliot and Thompson Ltd, London
Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit
2021, Hoffmann und Campe
Umschlaggestaltung : Jo Walker
214 Seiten + 1 Seite Dank + 6 Seiten Quellenverzeichnis + 1 Seite über Autorin und Übersetzerin
ISBN 978-3-455-01180-7

In diesem wunderschönen Buch mit weißem Schneeflockenmuster auf blau, das auf den Innenseiten umgedreht ist indem blaue Muster auf weiß sind, sind weltweite Geschichten und Gedanken über Schnee gesammelt. Es wird das für ausgewählte 50 Sprachen Wort für Schnee oder eine besondere Art Schnee, denn es gibt ja Schneeflocken von fluffig weich, bis knirschend und erdrückend hart und kompakten Schnee, genannt, und daraus eine bezaubernde Geschichte oder etwas erzählt, das gänzlich ohne Magie ist.

Manche Geschichten brachten mir Tränen in die Augen, andere fand ich einfach nur schlecht.

Zwischen den kurzen Geschichten ist immer eine Seite in der eine wunderschöne weiße Schneeflocke auf blau gedruckt ist.

Die Auswahl der Sprachen ist interessant. Es geht von Sprachen die oft auf der Welt gesprochen werden zu ganz seltenen die kurz davor stehen von niemandem mehr gesprochen werden zu können.

Ich konnte meist nur zwei oder drei Geschichten pro Tag lesen; rasches Durchlesen ging für mich bei diesen Erzählungen / Übersetzungen nicht.

In Summe ein wunderbares schönes Buch mit viel Magie, das Freude auf Sprache und Verständigen macht.

Nancy Campbell, wurde 1978 in Exeter geboren; Sie wuchs in Schottland und Northumberland auf, lebt in Oxford / UK. Sie lernte traditionelle Buchhandwerkskunst bei Barbarian Press in Kanada und Woodside Press in New York und arbeitete anschließend bei Kunstbuchdruckereien in den USA und in Großbritannien. Mehrere Aufenthalte bei arktischen Forschungseinrichtungen inspirierten sie zu verschiedenen literarischen Projekten, die sich mit der Umwelt der arktischen Zone beschäftigen. 

Brigitte Jakobeit wurde 1955 in Hirschfeld geboren. Sie studierte Anglistik, Romanistik, Germanistik und Biologie. Sie ist Jouranlistin, Redakteurin und Übersetzerin.

Dienstag, 14. Februar 2023

Roberto Andò : "Ciros Versteck"

Roberto Andò :
"Ciros Versteck"
Roman
original "Il bambino nascosto"
2020, La nave di Tesco editore
Aus dem Italienischen von Verena von Koskull
2021, PolioVerlag Bozen
216  Seiten + 3 Seiten Anmerkungen + 5 Seiten Zitatnachweise
ISBN 978-3-85256-826-3

Gabriele Santoro, ehemaliger Pianist und jetzt Lehrer am Musikkonservatorium in Neapel, lebt in seiner eigenen Welt aus Ritualen wie Gedichte beim Rasieren rezitieren, sich seiner Kleidung zu widmen, Musik zu spielen und zu hören, und sonst seine Gewohnheiten zu pflegen. Nachbarsjunge Ciró flüchtet sich zu ihm, denn er und ein Freund hatten eine ältere Frau um ihre Handtasche erleichtern wollen; diese hatte sich gewehrt, war unglücklich gefallen und verstorben - und war die Mutter eines Mafiabosses, der nun Rache sucht.
Im Haus sieht Gabriele immer mehr unbekannte Menschen und bemerkt, daß er beobachtet, und sogar von einem ehemaligen, sehr schmierigen Schüler beobachtet wird. Er versucht einerseits seinen Bruder einen Staatsanwalt um Hilfe zu ersuchen was scheitert, den Mafia-boss zu erschießen was ebenso scheitert. Der Besuch bei seinem Vater ist zwar harmonisch, bald sehen sich Pianist und der Junge zur Weiterfahrt genötigt. Die Spirale der Gewalt dreht sich weiter, wird leider nur wenig durchbrochen.

Der Stil des Romans ist distanziert beobachtend. Alles wird aus Sicht von Gabriele Santoro beschrieben - der Roman folgt seinen Aktionen und Gedanken, wie sich aus einem Menschen mit geregeltem Leben jemand entwickelt, der versucht einen ca 10 jährigen Buben zu retten. 

Die Personen sind ebenfalls distanziert. Gabriele Santoro ein gepflegter Mann, Ciro mit dunklen Haaren und sehr blauen Augen, Diego der ehemalige Schüler als schmierigen Typen, Renato Santoro ebenfalls gepflegt und sehr von sich eingenommen, Vater Santoro warmherzig, der Mafiaboss klischeebehaftet.

Fast jedem der Kapitel ist ein kleiner Vers von  Konstantinos Kavafis voranstellt, der die Stimmung des kommenden Kapitels widerspiegelt.

Da der Protagonist Pianist ist werden viele Musikstücke zitiert. Es geht auch um die Kunst des Klavier lehrens. 

Der Roman ist nicht in einem und rasch lesbar, sondern es brauchte Muße da in dem Buch keinerlei Geschwindigkeit herrscht.

In Summe ein intensives Buch, das aufgrund seiner Geschichte und Personen etwas länger nachhallt.

Samstag, 22. Januar 2022

Pierre Lagrange : "Düstere Provence"

Pierre Lagrange :
"Düstere Provence" - Ein neuer Fall für Albin Leclerc
2020, Scherz / S. Fischer Verlag
404 Seiten + Karten auf der Innenseite des einschlagbaren Covers mit der Provence
ISBN 978-3-651-02500-4

Band 5 für den Polizeiberater Ablin Leclerc, seinen Mops Tyson, Freundin, Tochter, Enkeltochter, und sein Polizeiteam.
Louis Rey ist nach 25 Jahren aus Gefägnnis gelassen worden. Der ehemalige Drogen-king war von vielen Leuten verraten worden, wofür er sich genußvoll rächt. Drei grauslich zugerichtete Leichen sind bereits entdeckt, als der ehemalige Polizist Leclerc die Tatsachen durchschaut und eine ehemalige Freundin, die Gattin des verstorbenen Drogenbarons, Flores besucht. Ein Versuch dem Ex-häftling ein Geständnis und gleichzeitig dem aktuellen jungen Drogenbaron die aktuellen Schmuggeltricks zu entlocken wird inszeniert. Im Showdown gibt es einige Tote.
Im Nebenstrang geht es wieder um Albins Tochter, deren gewalttätiger bald Ex-Ehemann wiederholt das Leben seiner Frau verschlechtern möchte.
Albin unterhält sich immer wieder mit Mops Tyson, wobei der Mops in kursiv antwortet. Oft geht es um das Interesse des Mopses an einer Möpsin, aber auch um Zweibeiner.

Albin ist meist gemtülich mit gutem Kaffee unterwegs. Flores, deren Familie mit Drogen handelt, wird als trainierte schöne Frau geschildert, die fast alles für ihre Familie tut; daß sie zuerst zur Unterhaltung von Männern gearbeitet hatte, und hier bereits Kontakt mit Albin ist etwas spürbar.

Die Geschichte ist spannend erzählt, auch wenn sie mir zwischendurch zu reißerisch ist. Viel Spaß beim Lesen !

Mittwoch, 15. Dezember 2021

Stephan Haas : "Belgische Finsternis"

Stephan Haas :
"Belgische Finsternis" - ein Fall für Piet Donker
2020, Emons Verlag
328 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-7408-0912-6

Piet Donker, Polizist, dessen Ehe zerbrochen ist, und mühsam versucht für seine Tochter da zu sein, wird in den kleinen deutschsprachigen Teil Belgiens bei Raafburg geschickt, weil dort 15 Jahr nach erschreckenden Morden ein neues Detail aufgetaucht ist. Vor Ort arbeitet er mit teilweise engagierten, oder destruktiven Polizisten zusammen und versucht alte Zeugen aufzutreiben. Erst nach einem Anschlag auf ihn, einen weiteren auf eine Journalistin und zwei gelungenen Morden wird einiges aufgeschlüsselt. Die Toten vor 15 Jahren werden endlich richtig recherchiert, alte Liebensbande aufgeräumt, traditionelle Verachtungen genannt, und aufgeklärt welche Unfälle wie vertuscht wurden. Das Ende ist dann doch überraschend.

Der Roman ist unterschiedlich zu lesen. Der Krimi-plot ist spannend geschrieben, und ich war neugierig wer der oder die Täter sind. Etwas störend waren die Probleme von Piet und die Launen der Polizisten.

Die Personen waren gut geschildert. Die gehemmte und manipulierte Ella, die schön kühle als Frau nicht geschätzte Rebecca Rehnhof, ihr braver Bruder Frank, der Matcho Marlon der meinte bei Frauen gut anzukommen was eher nicht mehr der Fall war, die gutmütig scheinende Pensionsinhaberin Wilma, die attraktive zu neugierige Journalisten Sina. Bei den Polizisten gibt es : Lechat der den Fall vor 15 Jahren schon bearbeitet hatte und den Willen hat ihn zu lösen, den braven dann wichtigen Bender, und den meist aggressiven Vanderhagen.

In Summe ein guter, wenn auch etwas grauslicher Krimi. Viel Spaß beim Lesen !

Mittwoch, 8. Dezember 2021

"Mord auf leisen Pfoten - Kriminell gute Katzengeschichten"

"Mord auf leisen Pfoten - Kriminell gute Katzengeschichten"
Herausgegeben von Rotraut Schöberl
Illustrationen von Livia Klingl
2020, Residenz Verlag gmbH
253 Seiten + 2 Seiten Einführung mörderische Katzenerlebniss + 1 Seite Textnachweise + 2 Seiten Inhaltsverzeichnis
ISBN 978-37017-1738-5

20 Kriminalgeschichten von arrivierten Autoren und  -innen wie Agatha Christie, Patricia Highsmith und Edgar Alan Poe werden mit Geschichten von aktuellen Schriftstellern und -innen vermischt.

Lilian Jackson Brown : Madame Phlois Sünde (1988)
spannenden Geschichte über 2 Siamkatzen, bei denen Madame die gescheite und neugierige Katze ist, die leider ihren Sohn auf einen gefährlichen Trip mitnimmt, sich aber dann katzenhaft für die Gemeinheit revanchiert.

Rita Mae Brown & Sneaky Pie Brown: Entdeckung im Tunnel (1992/94)
Kapitel aus einem der Katzenkrimis in Corzet mit Sneaky Pie Brown

Agatha Christie : Der seltsame Fall des Sir Arthur Carmichael (1964)
in der sich ein verhexter Mann in Form einer Katze um seine Verlobte kümmert, und seine gierige Stiefmutter überführt

Patricia Highsmith : Mings fetteste Beute (2004/06)
in der ein Kater bösartige Menschen ausspielt, und auch den geldgierigen Liebhaber seiner liebevollen reichen Schmusemenschin

Livia Klingl : Katzenmord
wieder serviert ein Kater den Liebhaber seiner Schmusemenschin ab, der diesmal nur stört.

Bestrix Kramlovsky : Nichts ist von Dauer hier
Kater deckt Mord auf, zeigt es aber nicht, sondern erpresst Menschen

Sharyn McCrumb : Nine Lives to Live (1992/2001)
Mensch kommt als wunderschöner flauschiger Kater wieder auf die Welt, und versucht die ehemaligen Geschäftspartner zu beseitigen.

Edgar Allan Poe : die schwarze Katze
Klassiker ! ein Alkoholiker macht seiner Familie das Leben schwer, ermordet seine Frau und rechnet nicht mit einer Katze.

Theresa Prammer : Sieben Leben
Katze möchte ihren Hauptmenschen um sich, und entledigt sich der Damen um ihn.

Thomas Raab : Das letzte Abendmahl
Koch bekocht berechnende Frau, die am Schluß flüchtet, und deren schöne Angorakatze endlich glücklich macht. (Das Gericht Katzengschroa beinhaltet kein ! Katzenfleisch)

Julya Rabinovich : Chronik eines angekündigten Supperls
Mann ermordet Katze, und stirbt darauf an Pilzgericht

Eva Rossmann : K.
Katze bekommt während des Lockdowns mit, daß in Nachbarwohnung gequälte Geräusche hörbar sind. Sie schickt Krähen aus, und der Quäler ist beseitigt.

Tex Rubinowitz : Die Maus mit den fünf Beinen
eigentümliche Detektivsache

Dorothy L. Sayers : Die Tigerkatze
Klassiker ! Mann erschießt eine Katze, und eine Frau ist tot. Spannend !

Susanne Scholl :  Herr Moritz ermittelt
und entdecket, daß seine Liebe verstorben ist, aber findet auch einen Ehering.

Margit Schreiner : Der Mörder mit der weißen Weste
2 Katzen und eine Katzenschmuserin verhindern, daß sich ein vogelmördender Kater bei ihnen wohlfühlt und einnistet.

Justin Scott : Der weiße Tod (1989)
Kater in Conneticut muß eingreifen, als er entdeckt, daß Hütehunde nicht die Kojoten sondern anderen Hütehunde töten.

Cornelia Travnicek : Purrlock Bowles und die Hunde von Barkerville
Catson, Kater des Doktors als Revier-Detektiv

Peter Zirbs : Der Hai
bei dem ein aus einem ausländischen Hotel mitgenommener Kater mitbekommt, wie ältere Herrschaften systhematisch aus einem gemütlichen Miethaus sekkiert werden, und er das mit seiner eigenen Methode bereinigt, um es weiterhin gemütlich zu haben.

Manche Geschichten gefallen mir gut, weil sie nicht nur spannend sonder auch gut geschrieben sind. Andere sind mir zu einfach, und auch zu wenig mit bösem feinen Humor.

In Summe ein gutes Buch, ideal als Geschenk, oder sonst für kurze Unterhaltung; viel Spaß ! Miau !

Samstag, 4. Dezember 2021

Clarice Lispector : "Aber es wird regnen"

Clarice Lispector :
"Aber es wird regnen" - sämtliche Erzählungen II
original "Todos os contos"
2016, Editora Rocco Ltda
Herausgegeben von Benjamin Moser
Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Luis Ruby
2020, Pinguin Verlag
Band I war 2019 auf deutsch erschienen
253 Seiten + 3 Seiten Inhaltsverzeichnis + 2 Seiten Auflistung der Originaltitel + 6 Anhang (bibliographische Notizen)
Lesebändchen !
ISBN 978-3-328-60095-4

In diesem Band sind kurze und lange Erzählungen gesammelt. Die Geschichten sind zwischen bezaubernd bis sehr unter die Haut gehend; manche wirken lange nach. Die Erzählungen sind über einen längeren Zeitraum entstanden. 

Von den vielen Geschichten zogen mich vor allem "Wo wart ihr in der Nacht", "Brasilia" und "Bericht vom Ding" zogen mich in ihren Bann.

In den Geschichten ist viel von Einsamkeit und kleinen und großen Unglücken der Menschen zu lesen. Es gibt wenig Hoffnung.

Ich habe einige Monate an den Geschichten gelesen, weil sie weder einfach noch schnell zu lesen waren, und sehr eindrücklich sind. 

In Summe ein sehr intensives, sehr empfehlenswertes Buch. Viel Freude an diesen Erzählungen.

 Clarice Lispektor (eigentlich Chaja Pinkussowna Lispektor) wurde am 10 Dezeber 1920 in Tschetschelnyk / Ukraine geboren. Die Familie kam 1922 in Brasilien an. Sie arbeitete als Lehrerin und schrieb Artikel. 1944 erschien ihr erster Roman "Perto do coração selvagem" (Nahe dem wilden Herzen). Nach der Scheidung schrieb sie weiter Artikel, betrieb eine Zeitschrift, und machte Interviews. Sie starb am 9. Dezember 1977 in Rio de Janeiro / Brasilien.

Montag, 20. September 2021

Dani Scarpa : "Mord in Parma"

Dani Scarpa :
"Mord in Parma" - Paolo Ritter ermittelt
2020, Rowohlt Taschenbuch Verlag
345 Seiten + 2 Seiten Rezept Lucias Maltagliati / Stadtplan von Parma in Innencover
ISBN 978-3-499-00242-7

Paolo Ritter, Ermittler, wird aus Deutschland mit einem Raubkunst Gemälde nach Parma geschickt. Bei der großen Enthüllung des Denkmals lernt er einige wichtige Menschen kennen, von denen prompt einer an Abend darauf tot aufgefunden wird. Paolo vermutet Mord, die italienische Polizei Tod durch Medikament. Er macht sich auf die Suche nach dem Original des Gemäldes, denn kurz nach der Präsentation ist dieses gegen eine ausgezeichnete Fälschung ausgetauscht worden. Hilfe ist ihm bei der Recherche, die ehemalige Mitarbeiterin seines verstorbenen Bruders bei seinem Hotel-Ristorante an der Küste, Lucia; sie weckt nicht nur seine schönen Erinnerungen an Italien aus der Kindheit, sondern bringt ihm bei wieder menschlich bei den Befragungen vorzugehen, was den Durchbruch bringt. Am Schluß ist das original Gemälde zurück, und einige Beziehungen geklärt.

Parallel zum Krimistrang wird Paolo, der extrem gutes visuelles Gedächtnis hat und fast authistisch agiert, mit seinen Kindheitserinnerungen konfrontiert. Ihn hatten seine Eltern in ihrer Liebe für Italien mit einem italienischen Namen versehen. Sein verstorbener Bruder erscheint ihm immer wieder um mit ihm zu reden. In der Stadt an der Küste begegnen ihm durch Lucia Warmherzigkeit und Fröhlichkeit, die seine Pedanterie aufweichen. 
Seine Beziehung zu einer erfolgreichen blonden Frau wird der lebhaften, warmherzigen, temperamentvollen Italienerin gegenübergestellt. Die Sympathie des Autors ist klar.

Die weiteren Personen sind unterschiedlich: es gibt einen engagierten, aber Deutsche nicht mögenden Kommissar, einen engagierten Kurator der die Kunstwerke leidenschaftlich liebt, einen aalglatten aufstrebenden Politiker, einen eigenartigen Kunstsammler, und freundliche Nachbarn.

Orte der Handlung sind München, Parma und die Küstenstadt. Es ist Sommer und allen ist heiß.

Die Absätze über Kunstfälschung sind sehr interessant und lehrreich.

Der Roman ist gut geschrieben, die Personen gut vorstellbar. Viel Spaß beim Lesen !

Sonntag, 29. August 2021

Goscinny, Uderzo, Molden : "Es Brojeggd" - Asterix redt Wienerisch 5

"Es Brojeggd"  - Asterix redt Wienerisch 5
Gschichtl : René Goscinny
Büdln : Albert Uderzo
original "Le Domaine des Dieux" / "Die Trabantenstadt" (15. Band)
1971/1999, Hachette Livre
aus dem Französischen übersetzt von Gudrun Penndorf M.A.
Iwadrogn von Ernst Molden
2020, Egmont Berlin
44 Seiten + 1 Seite "klaans Glossarium"
ISBN 978-3-7704-4014-6

'Die Trabantenstadt' hat es ins Wienerische geschafft, und wurde zur "Großfeldsiedlung". Liebevoll bis bösartig hat Ernst Molden bei der fünfte Geschichte um das gallische "Deafö"/Uatschaft" - diesmal mit dem ehrgeizigen Architekten Quadratus - die Dialoge ins Wienerische übertragen.

Idefix wird Rattla genannt, die römischen Soldaten versuchen sich mit einem Gschnaasfestl herauszureden, und die Gallier versuchen es wieder mit Geschäftstüchtigkeit.

Viel Spaß und Auflachen beim Lesen !

Biographien bei "Köölch uman Asterix" - Asterix redt Wienerisch.(13. Nov 2018)

Mittwoch, 30. Juni 2021

Magne Hovden : "Die Kunst, einen Elefanten zum Tanzen zu bringen"

 Magne Hovden :
"Die Kunst, einen Elefanten zum Tanzen zu bringen"
Roman
original "Cirkus"
2019, Cappelen Damm Oslo
aus dem Norwegischen von Frank Zuber
2020, Knaur Verlag
295 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-426-22714-5

Lise Gundersen, die seit einigen Jahren einem toughen Geschäftsmann zu Seite steht, Firmen aufzukaufen und viele Menschen durch Merger zu entlassen, erbt von dem unbekannten Bruder ihres Vaters einen Zirkus; sie erbt nur wenn sie einige Zeit mit dem Zirkus lebt und fünf Vorstellungen - inklusive daß Elephantendame Lucille tanzt - durchhält.
In der Zirkus gibt es Fillipp - einen Clown -, Tatjana - eine Trapezkünstlerin -, Miranda - mit trainierten Kaninchen -, Schwertschlucker und einen tanzenden Elephanten. Onkel Hilmar hatte eine Freundin im Zirkus, die warmherzige Diana, die als einzige versucht zwischen der wirtschaftsorientierten Lise und dem zerfledderten Zauber des Zirkus zu vermitteln.
Lises Chef Borge hat als Käufer des Zirkus einen Künstler, der bereit ist die Mindestsumme zu zahlen, zum Zirkus eingeladen. Das Ende ist ziemlich überraschend.

Die Beschreibungen sind entweder cooles Stadt-ambiente in gestyltem Mobiliar oder wie der Zirkus durch ländliche Gegend fährt, nette Dörfer mit Fluß, oder sonst abgelegene Gegenden. 

Lise ist die Hauptperson, die entweder für menschliches Miteinander und Mitgefühl oder genau das andere Extrem nämlich Mitarbeiter in Arbeitslosigkeit bringen pendelt. Ihr abendliches bei der Elephantendame Lucille sitzen und reden, bringt sie durcheinander.
Borge, ihr Chef, von dem sie das Handwerk des Mergens und Kündigens gelernt hat, ist der kühle, gefühllose Punkt in diesem Märchen.
Die Artisten und Acrobaten im Zirkus bilden das menschliche Sammelsurium mit heimlicher Liebe, enttäuschte Liebe, verletzte Liebe, und später dann etwas Hoffnung in Liebe.
Der Künstler der sich für den Zirkus interessiert ist als ziemlich bizarre Figur gezeichnet.

Im Hintergrund wird die Geschichte von Vater und Onkel Ilses erzählt, und in kurzen Kapiteln in Briefen Onkel Hilmars erste Eindrücke Ilse übermittelt.

Der Roman ist liebevoll geschrieben, und macht Hoffnung auf Menschen und daß doch Entscheidungen, die gut tun getroffen werden können.

Mittwoch, 16. Juni 2021

Frida Gronover : "Dänische Schuld"

Frida Gronover :
"Dänische Schuld" - Gritte Madsen ermittelt
2020, Ullstein Verlag
361 Seiten
ISBN 978-3-548-06078-1

Gitte Madsen lebt in einer freundlichen Feriensiedlung am Meer in Dänemark, und arbeitet bei einem Bestatter. Als beim Abendessen in einem Restaurant am Nachbartisch ein Mann vergiftet wird, bemüht sie sich den/die Mörder herauszubekommen, und trifft wieder mit Kommissar Ole zusammen. Parallel versucht sie weiterhin herauszubekommen, wohin und warum ihr Vater verschwunden ist.
Die Familie des Ermordeten ist interessant, ihre Nachbarn in der Feriensiedlung ebenfalls, und auch andere Begräbnisse bringen interessante Menschen.
Am Schluß ist der Mord gelöst - der Tod eines Kindes hatte Reaktionen nach sich gezogen - , und ein Puzzlestein über ihren Vater ist dazugekommen.

Gitte stammt aus Münster, und hat nach einer Beziehung mit einem besitzergreifenden Mann beschlossen zu übersiedeln um sich wohl zu fühlen.
Es ist einiges über verschiedene Bestattungen und Vorbereitungen zu lesen, was wenig mordid, dafür humorvoll unterhaltend ist und zeigt wie verschieden die Kunden in den Metier sind.

Gitte fährt entweder im Auto oder auf dem Rad durch die Gegend. Der Ferienort ist nett beschrieben.
Das Sammelsurium an Menschen die hier beschrieben werden ist unterhaltend : ein charismatischer junger Mann im Rollstuhl, eine bodenständige Großmutter, zwei Künstlerinnen, ein attraktiver Kommissar, tätowierte Männer mit Hund, eine faszinierende Witwe, und eine von Gerüchten umwitterte Frau sind mit Mitgefühl und Humor beschrieben.

Die Liebe bzw der Wunsch nach Liebe kommt nicht zu kurz, sowohl für Gitte als auch für ihren Chef könnte sich etwas entwickeln.

Mir ist die betonte Freundlichkeit, die die Dänen (angeblich) leben, etwas zu viel, vor allem in Kombination daß jeder jeden dutzt und das auch noch freundlich findet.

Mitraten im Sinn des Who-dunnit ist möglich.
 
In Summe ist der Krimi ein schwungvoll geschriebener Kriminalroman. Viel Spaß beim Lesen.

Mittwoch, 2. Juni 2021

Claudia Pineiro : "Der Privatsekretär"

Claudia Pineiro :
"Der Privatsekretär"
Thriller
original "Las Maldiciones"
2017, Verlag Alfaguara, Buenos Aires
Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
2020, Unionsverlag
308 Seiten
ISBN 978-3-293-20882-7

Román Sabaté, groß, schlank, grüne Augen, wird zu seinem eigenen Erstaunen als Mitarbeiter der neuen Partei "Pragma" aufgenommen und unterstützt den charismatischen Fernando Rovira als Personaltrainer, und nach der Ermordung dessen Frau als Betreuer seines kleinen Sohnes. In den fünf Jahren, die er dort arbeitet bringt er seinen Freund Sebastian Petit, einen klar denkenden und sehr strukturierten Menschen, in die Partei ein, der sich bei dem Projekt der Splittung der Provinz Buenos Aires einbringt. Parallel lernt er die Journalistin Valentina Sureda, genannt "China", kennen, die eigentlich ein Buch schreiben möchte, zu einem anderen Buch manipuliert wird und versucht an 'die' große Geschichte zu kommen - und in Román verliebt ist.
In strukturell nicht linearen Kapiteln wird erzählt wie Román mit dem Kleinen flüchtet, in der Partei nach ihm gesucht wird, und springend aus verschiedenen Persektiven diese Situtionen beschrieben und rückblickend die letzten fünf Jahre.

Román wird groß, attraktiv, aber nicht sehr engagiert beschrieben. Er wundert sich lange warum er ausgesucht wurde, was sich cirka in der Mitte des Buches entschlüsselt.
Sebastian Petit ist hoch intelligent, begeistert von der Firma, lange sehr loyal zu dieser, aber auch loyal zu Román.
Valentina Sureda, genannt "China", ist Journalistin. Die Passagen, in denen beschrieben wird, wie sie manipuliert und gezwungen wird, an dem Buch über Flüche, die über Politikern hängen zu schreiben, sind gespenstisch, weil hier ihr keinerlei künstlerische Freiheit mehr gegeben wird; Vorschuß wird auch keiner für die viele Vorarbeit geleistet. Für die manche Menschen gilt sie als attraktive Frau, für andere ist sie nicht einen zweiten Blick wert.
Fernando Rovira ist ehemaliger Bauunternehmer, der die neue schneidige Partei Pragma gegründet hat, und Präsident werden möchte, nachdem er Gouverneur von Buenos Aires gewesen sein möchte. Er ist attraktiv, berechnend, manipulativ, grandios in Rhetorik und erwartet rückhaltlose Loyalität.
Seine Mutter ist offiziell nicht merkbar, aber sie zieht im Hintergrund ihre spirituellen Fäden, und Mitinitiatorin der eigenartigen Menage a trois die zu dem kleinen Joachín führt. Sie ist eine eigentümliche Mischung aus Mutterglucke, Hexe, Unberechenbarkeit, schlechtem Gewissen und Skrupellosigkeit.
Handlanger Sylvestre umgibt Rovira ohne auch nur einen Gedanken an Skrupel zu verwenden.
Románs Onkel Adolfo hat Gemisch aus Tischlerei und Möbelgeschäft am Land, und hat seine kommunistischen Verbindungen nie verleugnet, aber im Alter selten aktiviert.

Der Roman spielt in Buenos Aires und am Land. Orte sind zwischen hypermoderner Parteizentrale bis zum Möbelgeschäft am Land eines politisch anders denkenden Onkels.

Die Geschichte ist im Jetzt angesiedelt. Handies sind selbstverständlich, deren Überwachung auch, die älteren Damen beherrschen die sozialen Plauder-netze.

Die Partei an sich und die Menschen darin sind zwar erfunden, die Systeme wie Menschen benutzt und manipuliert werden, und unliebsame mehr oder minder rüde ausgeschaltet werden, ist faszinierend.

Die Welt der Flüche, die Politiker trifft, ist unterhaltsam zu lesen.

Mich hat der Roman in den Bann geschlagen, da er sehr sehr spannend geschrieben ist. Ich war sehr neugierig wie das Ende sein wird, war dann von der Einfachheit aber etwas enttäuscht. Viel Freude beim Lesen !

Dienstag, 6. April 2021

Julen Zabache : "Baskischer Tod"

Julen Zabache :
"Baskischer Tod" - Rafael Ibara ermittelt
2020, Harper Collins Hamburg
247 Seiten
ISBN 978-3-95967-417-1

Comisario Rafael Ibara, der seine Polizeiausbildung in Deutschland hatte, lebt seit Jahren mit seiner Teenagertochter bei seiner Schwiegermutter auf ihrem Bauernhof im Baskenland. Als eine Touristin ermordet aufgefunden wird, und darunter alte Knochen liegend, werden dem Team vor Ort eine übergeordnete Gruppe vor die Nase gesetzt. Vor allem macht der fette und unhöfliche Comisario Arbos jegliche Art der Zusammenarbeit schwer, sodaß Rafa(el) sich selber aufmacht um kleine Ungereimheiten zu klären, und um einen unschuldigen Ziegenhirten zu entlasten. Eine alte Geschichte, die mit der ETA zu tun hat, sowie ein Geheimnis um ein Grundstück bringen Ibara auf die richtige Idee.
Parallel wird Ibara als alleinerziehender Vater einer Teenagertochter in Zeiten der sozialen Medien ziemlich gefordert.

Die Personen sind gut vorstellbar geschildert. Ibara der sehr großgewachsen ist, und Ruhetechniken beherrscht, ist sympathisch, genauso wie seine Tochter Isobel und seine Schwiegermutter Finia, die dies unter einer Portion Grant versteckt. Im Kommissariat gibt es positive Menschen und überforderte, sowie einen sehr unsympathischen Zeitgenossen, der die Antipathie zum motivieren zum Erfolg einsetzen möchte. Das Mordopfer war sympathisch, der Mörder aalglatt und berechnend, die Menschen vor Ort sind eckig aber mit Liebe gezeichnet.

Ort der Handlung sind Getaria und Zarautz in der Provinz Gipuzkoa, die teilweise am Meer liegt, und ein wunderschönes Gebiet ist, das teilweise von zu vielen Touristen besucht wird.
Die Geschichte spielt im Hochsommer.

Es wird einiges über das spanische Baskenland erzählt, wie die Franzosen dazu stehen, Erfolge und Mißerfolge der ETA und die Komplexheit der baskischen Sprache. 
Netterweise wird etwas lokales Essen in dem Roman genannt : zum Frühstück 'pastelitos' und dann über den Tag hinweg 'pintxos', die Spanien gewohnt Menschen 'tapas' nennen würden, was im Baskenland streng verpönt ist, und oft aus anderen Zutaten besteht.

Die Geschichte ist spannend geschrieben. Für den Leser ist der Prolog aus Sicht einer alten Dame und dann alles aus der von Raffael Ibara beschrieben.

In Summe ein gut geschriebener Kriminalroman, der ein bißchen Sommerfeeling erzeugt. Mitraten des Who dunnit ist nicht möglich. Viel Spaß beim Lesen.

Julen Zabache ist das Pseudonym eines deutschen Autors, der bereits einige Romane veröffentlicht hat. Er arbeitet als Hochschuldozent.

Montag, 22. Februar 2021

Claudia Santana : "Der Tote von Sines"

Claudia Santana :
"Der Tote von Sines" - Inspector Cabral ermittelt
2020, Aufbau Taschenbuch Verlag
342 Seiten
ISBN 978-3-7499-3594-1

Inspector Nuno Cabral muß aus privaten Gründen in den Alentejo. Beruflich muß er gerade eine Pause machen, was niemanden in seinem Heimatort interessiert da eine häßlich ermordete Leiche gefunden wurde. Ein Netzwerk aus älteren Damen und Herren hilft ihm mehr oder weniger auffällig den Hintergrund des Opfers und aktuelle Immobilienverstrickungen aufzudecken. Auch eine junge Frau die überlegt als Journalistin zu arbeiten hift ihm manchmal freundlich, manchmal unfreundlich weiter. Nebenbei wird ihm die Chance gewährt sich bei einem alten Rivalen innerhalb der Polizei zu rächen. Der Hintergrund des Mordes liegt in einem grauslichen Kapitel Portugals im Umgang mit Regime.gegnern und Kapverde und Angola.

Cabral wird als Mitte 30 und sehr eigen in Kleidung geschildert. Seine Umgangsformen sind unhöflich bis ruppig, ohne die Bereitschaft etwas zu ändern. Die Menschen seines Netzwerks sind im Gegensatz zu ihm freundlich, tolerant, und mehr als hilfsbereit geschildert. Die Selbstverständlichkeit dieser dörflichen Gemeinschaft ist faszinierend geschildert. Gewissen Fußball-Jargon mußte ich aber überlesen.

Orte sind ein kleines Dort und die Küste mit der Kraft des Meeres, und bizarren Felsen.

Bei Schilderung des relevanten Hintergrunds sind große zwischenmenschliche Grausamkeiten beschrieben, die sehr unter die Haut gehen.

Das Buch ist Großteils sehr gut zu lesen und ich habe es genossen; die Grobheit der Hauptperson hat mich allerdings abgestoßen. Trotzdem viel Spaß beim Lesen !

Claudia Santana wurde in Hamburg geboren. 2009 war sie zum ersten Mal nach Portugal, und lernte Mann, Menschen, Kultur und Geschichte des Landes lieben

Samstag, 30. Januar 2021

Heide Schmidt : "Ich sehe das so"

 Heide Schmidt :
"Ich sehe das so" - "Warum Freiheit, Feminismus und Demokratie nicht verhandelbar sind"
2020, Christian Brandstätter Verlag Wien
167 Seiten
ISBN 978-3-7106-0485-0

Dr. Heide Schmidt beschreibt hier in fünf Kapiteln daß und wieso ihr das Engagement für Demokratie und demokratische Prozesse so wichtig ist. 

In einem starken Gemisch aus nüchternen Erklärung und doch starkem Engagement tritt sie für aktive demokratische Prozesse, offenen respektvollen Diskurs mit anders denkenden Menschen egal welchen Hintergrunds ein.
Sie geht auf ihre Zeit bei der FPÖ ein, beleuchtet die Arbeit gemeinsam mit Jörg Heider, dessen Weg zum BZÖ wird aber nicht genannt.

Sehr kritisch sieht sie die das Krisenmanagement durch den Virus in Österreich und vergleicht ihn mit Deutschland.

Sie tritt auch für gleiche Bezahlung gleichwertiger Arbeit von Männern und Frauen ein, und führt hier den Vergleich körperlicher Belastung von Schwerarbeitern und Pflegekräften an. Auch für sie sieht Frauenarbeit oft strukturell schlechter bezahlt, obwohl sie zugibt damit nicht konfrontiert gewesen zu sein. Mir fehlt der Bezug, daß Frauen aufgrund möglicher Schwangerschaft schlechtere Berufschancen haben.

Sie geht auch auf das Thema bedingungsloses Grundeinkommen ein, daß über dem Mindesteinkommen sein sollte, da sonst niemand mehr arbeiten geht.

Die Überlegungen sind sehr interessant und fordern Mitdenken heraus. Ich konnte das Buch nur seitenweise lesen - bei manchen Absätzen mußte ich länger verweilen um den Gedankengängen zu folgen.

In dem Buch fehlt mir ein kleiner Abschnitt über die Autorin, der sonst immer im kleinst-punkt-größe zu Lesen ist.

In Summe ein hochinteressantes Buch das Gedanken und Werte hinterfragt und zu aktiver Demokratie bzw zum Einfordern eines respektvollen Miteinanders in einer Demokratie aufruft. Fast ein Pflichtbuch in Zeiten von Corona und Beschränkungen !

Heide Schmidt, geb. Kollmann wurde am 27. November 1948 in Kempten im bayerischen Allgäu geboren. Als Kleinkind kam sie nach Wien, studiert hier Jus (Abschluß mit Dr juris ab) und später Wirtschaftswissenschaften. Sie arbeitete bei der Volksanwaltschaft, beim Österreichischen Rundfunk. Als Mitglied der FPÖ war sie im österreichische Parlament tätig. 1993 trat sie aus der FPÖ aus, und gründete gemeinsam mit vier anderen Abgeordneten das Liberale Forum. Das LIF war bis 1999 im österreichischen Parlament. Sie engagiert sich jetzt im sozialen und demokratie-politischen Bereich.

Freitag, 15. Januar 2021

Veit Heinichen : "Borderless"

 Veit Heinichen :
"Borderless" - Thriller
2020, Piper Verlag
458 Seiten
ISBN 978-3-492-31608-8

Xenia Ylenier Zannier ist eine eigenwillige Polizistin, Commissario, die in Grado versucht einer skrupellosen Politikerin endlich das Handwerk zu legen. Diese Politikerin ist mit ehemaligen Handlangern aus der yugoslawischen Zeit im Waffengeschäft, bereichert sich an Flüchtlingsdramen und Immobiliendeals. In Grado taucht auch ein deutscher hochrangiger - machtbesessener und intriganter - Beamter auf, der sich bereichert, und dessen Frau aus dem ehemaligen Bereich Yugoslawien stammte. Eine ehemalige DDR-Schwimmerin und jetzt Photographin taucht mit ihrem Freund, der aus Slowenien, ist, auf, und macht noch einiges mehr an Komplikationen, bevor Xenia endlich die Politikerin und ihren extremistischen Bruder, sowie einen lange gesuchten Verbrecher der ex-Yugoslawien-Zeit verhaften kann.

Die Personen des Buches sind sehr unterschiedlich, manchmal auch ambivalent gezeichnet.
Xenia ist eigenwillig, dünn-attraktiv, mit Kindheitstraumata und ehrgeizig, aber nicht immer sympathisch. Wichtig sind ihr Cousin-Bruder Floriano, der aufgrund der Machenschaften der Politikerin ums Leben kam, und Jordon S Becker, ein Journalist, der wie ein ex-68-er geschildert wird, und zäh an Politikern, die meinen sich alles richten zu können, dran bleibt.
Wichtig war ihr auch ein ehemaliger Vorgesetzter, der attraktive und unbestechliche Nicola Bonnani, der aus Rom versucht zu helfen, und mit dem sie eine schöne Zeit verband.
Als "Bösewichte" sind die Politikerin, deren Bruder, die Waffenschieber in Deutschland und ex-Yugoslawien, sowie deren Hanglanger geschildert.
Dann gibt es noch den charismatischen ehemaligen Broker und jetzt Gemüse- und sonstiges Händler Valerio Alfieri, der nicht ganz einschätzbar ist, aber zwischendurch doch hilft. Und Clarissa die als ehemalige DDR-Schwimmerin mit Atemtechnik grausliche Folter übersteht. Milos ist ihr Fahrer, und Freund der so lange zu ihr hält, wie er es aushält, um dann zurück nach Slowenien zu kehren.

Es gibt einige sehr grausliche und brutale Szenen, die im Krieg als Yugoslawien auseinanderfällt und Zivilbevölkerung schikaniert wird, sind. Die Art und Weise der Dialoge der machtgeilen Menschen untereinander, sind erschreckend und respektlos gegenüber vielen zwischenmenschlichen Werten.

Der Roman ist spannend erzählt. Manchmal ist es mühsam den Zeit- und Ortsprüngen innerhalb der Kapitel zu folgen, die bis zu 20 Jahre auseinander sind, und Italien, Deutschland, Salzburg und Slowenien. 

Der Widerwillen gegen Politiker wird nach diesen Buch nicht weniger. Viel Spaß beim Lesen und der Spannung folgen.

Donnerstag, 24. Dezember 2020

"24 Katzengeschichten"

"24 Katzengeschichten" - Ein Adventbuch zum Aufschneiden
2020, ars edition
ISBN 978-3-8458-396-9

24 Katzengeschichten zum Aufschneiden für jeden Adventtag sind hier zusammengestellt. Es gibt berühmte Autoren (Fontane, Kafka, Hesse, von Chamisso, ETA Hoffmann, Theodor Storm, T S Eliott, Andrea Schacht, Busch, Grimm, Wilde, Baudelaire, Brehm, Armory) und auch mir weniger bekannte. Manche haben starken Weihnachtsbezug, andere sind einfach nur nette Katzengeschichten die eher das Wesen der Katze beschreiben. Es gibt Prosa, und auch Lyrik (mit der ich leider wenig anfangen kann).

Entzückend fand ich den Ausschnitt "Die Teegesellschaft der Katzen" von Gertrude Jekyll.

Leider sind mir die Geschichten und Ausschnitte der Erzählungen zu kurz. Trotzdem ein nettes kleines Weihnachtsbücherl.

Samstag, 12. Dezember 2020

Jörg Maurer : "Den letzten Gang serviert der Tod"

Jörg Maurer
"Den letzten Gang serviert der Tod" – der 13. Alpenkrimi
2020, Scherz Fischerverlag
402 Seiten + 3 Seiten Nachwort (mit amüsanten Betrachtungen eines Fast-food-Restaurant-besuchs)
ISBN 978-3-651-02589-9 

Vier Tote werden in einem Sternerestaurant auf einem Hügel in Bayern gefunden – alle Mitglieder eines illustren Kochzirkels, denen das Kochen Freude macht. Kommissar Hubertus Jenewein, und Polizeimeister Franz Hölleisen (kurz auch Hölli genannt) und ihr Team tauchen ein in eine Welt des Sternekochens, gekauften Restaurantbewertungen und dessen Algorithmus, Eifersüchteleien innerhalb des Zirkels, mögliche Mafia-Einflüsse und Spielsucht. Am Schluß entdecken die Polizisten daß jemand sehr falsch gespielt hat und in eine show-down in einem Flugzeug werden die Morde geklärt.

Parallel wird in Abschnitten von einem eher häßlichen Pilze-sammler und Pilze-maler erzählt der entweder auf Pilz-rausch ist oder Panik, weil er Augenzeuge war und jetzt Albträume hat. In diesen Absätzen wimmelt es von originellen (aber richtigen) Pilznamen (meine Favoriten : der 'Gemeine Gurkenschnitzling' und der 'Klebrige Schleimfußsaftling') und es werden Analogien zur Kunstgeschichte gezogen, die mich gut unterhalten haben.

Als dritte Schiene werden Restaurantbewertungen aus dem Internet zitiert. Bei manchen wird erklärt  wie man erkennt, daß das gekaufte Rezensionen waren, andere sind bodenständig gut oder vernichtend geschrieben. Mein Favorit hier die Kritik eines 10-jährigen Buben – grandios.

Im Roman werden mindestens drei Versionen - sehr unterhaltsam - erzählt wer wann in welchem Land der Erde die Niedriggarmethode als erstes entwickelt hatte. 

Die Personen die zu vernehmen sind, sind unterschiedlich geschildert: es gibt die biedere korrekte   Ehefrau die auf den Ruf ihres Ehemanns bedacht ist. Es gibt die etwas übertriebene Ehefrau eines Piloten. Es gibt einen zurückhaltenden koreanischen Herren, einen pedantischen Herren der Gerüchte streut. Ein zwielichtiger Gastwirt wird geschildet.

Der Stil ist unterhaltend, viele Situationen laufen vor im Kopfkino ab und brachten mich laut zum Lachen, weil sie so komisch waren.