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Samstag, 11. Juli 2020

Ann Cleves : "Was niemand sieht"

Ann Cleves :
"Was niemand sieht" - Ein Shetland-Krimi
original "Wild Fire"
2018, Verlag Macmillan London
Aus dem Englischen von Stefanie Kremer
2020, Rowohlt Taschenbuch Hamburg
420 Seiten
ISBN  978-3-499-00309-7

Jimmy Perez und seine Stieftochter bekommen Besuch : Helena Fleming, die erfolgreiche Designerin, die sich um ihren entfremdeten Ehemann, den autistischen Teenagersohn und die quirlige Tochter sorgt. Der Sohn findet das ermordete Kindermädchen Emma einer befreundeten Familie im Stall auf familiären Grund. Jimmy Perez und seine Vorgesetzte Willow Reves versuchen zu erkennen was für ein Mensch das Kindermädchen gewesen war, da sie durchaus hübsch gewesen ist. Ein junger Mann mit sehr dominanter Mutter hatte Interesse an ihr gehabt, Helens Ehemann Daniel in seiner Midlife Crises ebenfalls. Es bleibt lange unklar was für ein Mensch Emma gewesen war, da viele sie nur als Funktion wahrgenommen haben. Jimmy recherchiert im Geburtsort von Emma über die Brutalität, die sie als Kind erlebt hat, und wie sie die jüngeren Brüder aufziehen mußte. Im Showdown werden Mörder und Ursache erzählt.

Das ist der achte Roman mit Jimmy Perez und ist von der Autorin als letzter dieser Serie geplant.

Jimmy Perez und Willow Reves biegen hoffentlich in ein gemeinsames Leben ein. Ein junger Mann und eine unterdrückte ältere Frau dürfen endlich ihr eigenes Leben entwickeln. Während eine Familie trachtet wieder als Familie zusammenzusetzen, geht es einer anderen Familie weniger gut.

Die Menschen sind gut vorstellbar beschrieben, die Spannung zwischen Jimmy und Willow ist spürbar, genauso wie die Unsicherheit von Helena und Daniel für ihre Familie, und die Angst des autistischen Jugendlichen. Die Familie des Arztes dessen Vorfahren schon lange auf der Insel leben, seine übertriebene Frau und die vier Kinder ist charakterlich sehr unterschiedlich. Auch die bösen Intrigen einer enttäuschten Frau gegenüber Sohn und Schwester werden erzählt.

Ort der Handlung ist die Shetlandinsel Northmavine, kleine Orte, Meer in unterschiedlichen Lichtstimmungen, und viel unbewohnte Landschaft.

Zwischen den Handlungen grübelt Jimmy über sein Stiefkind, und seine große Liebe nach, und ob er sich eine Beziehung überhaupt zutraut.

Spannend ist wie beschrieben wird, wie lange erlebte Gewalt als Kind weiterwirkt, und wie wenig das Umfeld davon mitbekommt.

Der Roman ist spannend geschrieben. Mitraten des Who-Dunnit ist möglich. Viel Spaß beim Lesen !

Ann Cleeves wurde 1954 in der Grafschaft Herefordshire / Region West Midlands geboren. Sie arbeitet als Erzieherin, in einem Frauenhaus, und als Köchin auf einer Vogelwarte.
Bei ihrer ersten Romanserie geht es um den Naturforscher 'George Palmer-Jones' zwischen 1986 und 1996, die noch nicht auf Deutsch erschienen ist. "Inspector Ramsey" war zwischen 1990 und 1997 die Hauptperson dieser Serie, die ebenfalls noch nicht auf Deutsch erhältlich ist. "Vera Stanhope" ist die Hauptperson von Romanen zwischen 1999 und 2020, die es auf Deutsch gibt und es zu Fernsehehren geschafft hat. Die "Shetland Island"s sind mit Jimmy Perez in zweimal vier Kriminalromanen erschienen und auf Deutsch erhältlich.

Sonntag, 7. Mai 2017

Christiane Franke, Cornelia Kuhnert : "Mörderjagd mit Inselblick"

Christiane Franke, Cornelia Kuhnert :
"Mörderjagd mit Inselblick" - Ein Ostfriesenkrimi
2017, Rowohlt Taschenbuchverlag
265 Seiten + 10 Seiten Rezepte + 1 Seite Danksagung + 3 Seiten Stammpersonal
ISBN:  978-3-499-29061-9

In dem mittlerweile vierten Band findet die Mörderjagd von Rosa, Rudi und Henner bei einem Krimi-autoren-Festival auf diversen Inseln statt. Henner ist auf Kur und versucht allen Verkupplungsversuchen der Familie auszuweichen. Rudi hat Probleme weil sein direkter Vorgesetzter krank ist, und der Ersatz sich zu profilieren versucht. Bleibt Rosa in deren Gegenwart drei Autoren versterben, und die alles versucht hier den Mörder und seine Methode(n) zu entlarven. Ihre Gespräche mit den Autoren, und Kritikern sind amüsant zu lesen, bis am Schluß der Mörder entlarvt wird.

Der Krimi ist gemütlich und rasch zu lesen. Die Personen - bekannte und neue - sind markant und freundlich geschildert, selbst wenn es Ekelpakete sind. Das Essen bei Henners Mutter im Rahmen der Familie ist mit üppigem Essen und Intrigen sehr unterhaltsam beschrieben.

Im Hintergrund wird die Wichtigkeit von Kritikern, Lesungen der Romane beschrieben, aber auch was das unüberlegte Geschreibe in einer Internetzeitung ausmachen kann. Das Hickhack zwischen begabten und leider weniger begabten Autoren ist heftig und löst Negatives aus.

Mord mittels Grünkohlpraline stelle ich mir aber eher nicht g'schmackig vor.

Leider kenne ich mich in Ostfriesland nicht aus, aber die Beschreibungen von Ebbe und Flut, dem Glitzern des Meeres sind spannend. Bei den Namen der Inseln bin ich leider ausgestiegen.
Ich hätte mir auch durchaus ein Glossar auf den letzten Seiten mit ostfriesisch - Schriftdeutsch gewünscht. (z.B. daß Jever eine Biermarke ist weiß leider nicht jeder).

In Summe ist es ein sehr unterhaltsamer Roman der genau das richtige für ein verregnetes Wochenende oder nach einem anstrengenden Tag ist. Viel Spaß beim Lesen !

Christine Franke wurde 1963 an der Nordseeküste geboren und lebt auch jetzt noch dort. Zuerst arbeitete sie als Bankkauffrau, bis 2000 ihr Erstling erschien. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin und Herausgeberin arbeitet sie als Dozentin für kreatives Schreiben.
Cornelia Kuhnert wurde 1956 Hannover geboren, lebt auch jetzt noch dort. Sie studierte Germanistik und Geschichte. und arbeitete dann als Lehrerin und im Stadtrat.  Sie hat bereits einige Kriminalromane veröffentlicht.
Gemeinsam erschienen : Band 1 "Krabbenbrot und Seemannstod" erschien 2014, "Der letzte Heuler"(2015) und "Miss Wattenmeer singt nicht mehr" (2016).

Montag, 19. Dezember 2016

Alberto Vázquez-Figueroa : "Der Leguan"

Alberto Vázquez-Figueroa :
"Der Leguan"
original "La Iguana"
1982, Palaza & Janés, Barcelona
Aus dem Spanischen von Jan Moewes
2003, Unionsverlag, Zürich
245 Seiten
ISBN 978-3-293-20324-2

Der Leguan ist der böse Spitzname die einem häßlichen unliebenswürdigen Menschen auf einem Schiff gegeben werden. Nach einigen bösen Events bleibt er auf einer Insel als einziger zurück und richtet sich diese als seinen Herrschaftsbereich ein. Nur die Vögel, die Riesenschildkröten und die Leguane sind seine Gefährten, bis er sich - oftmals böse überrascht - Gefährten kidnappt und zwingt für ihn auf der Insel zu schuften. Einer bringt ihm sogar Lesen und eine Art Schreiben bei, bis 'Leguan Oberlus' auch eine bildschöne Frau kidnappen kann. Nach Jahresfrist kam ein Kind, und auch Probleme, denen er sich durch eine wahnwitzige Flucht zu entziehen sucht.

Ort der Handlung ist eine der kleinen Galapagos Inseln, die damals noch "Hood" hieß, jetzt unter 'Espanola' bekannt ist. Es wird von Kakteen, Albatrossen, Riesenschildkröten erzählt - die Nutzungen/Abschlachtungen der Schildkröten sind genauso grausam wie die Kämpfe zwischen den Menschen und Demütigungen der Unterlegenen.

Der 'Leguan' ist grundsätzliche wahre Geschichte, die zur Zeit der Schiffstransporte und Piraten mit Machete und Pistolen gewesen sei.

Der Großteil der Geschichte ist aus seiner Sicht geschrieben. Wie die Menschen lieblos mit ihm umgehen, wie sie ihn nur als excellenten Harpunierer schätzen, wie er lernt auf nie gespürte Zuneigung zu verzichten, wie er grausam zu seinen Sklaven auf der Insel ist und wie er das Leben auf der Insel organisiert, genauso wie die Flucht.
Einige Kapitel sind der schönen Frau Carmen de Ibarra gewidmet, die zwar immer wieder Männer liebt und wiedergeliebt wird, aber nicht glücklich dabei ist. Sie paßt sich dem Leguan irgendwie an, verzeiht ihm aber nicht, daß er ihr/das Kind getötet hat ohne daß sie es sehen konnte.

Das Geschehen ist sehr anschaulich beschrieben. Es sind die Kargheit der Insel, der langsame Tod der Schildkröten, das Luftschnappen der Jungvögel nach dem Vulkanausbruch nach Frischluft, die große Welle des Tsunami, die Qualen sowie Verzweiflung der gekidnappten Menschen spürbar. Fremd bleiben die Stellen mit der Frau, die irgendwie männlichen Wunschvorstellungen zu entspringen scheinen.

Der Roman ist dicht geschrieben und spannend, weil man nie weiß wie die Geschichte weitergeht, welcher Gekidnappte es schafft, und wie es der Hauptperson weiter ergehen wird. Viel Freude beim Lesen !

Alberto Vázquez-Figueroa Rial wurde am 11. Oktober 1936 in Santa Cruz de Tenerife geboren. Sein Kindheit und Jugend verbrachte Vázquez-Figueroa in der jetzt marrokanischen  Wüste in der damaligen Kolonie 'Spanisch Sahara'. Mehrere seiner Romane wurden für das Kino verfilmt. Als Journalist und Auslandskorrespondent reiste er von 1965 bis Ende der 1970er Jahre durch Afrika und Lateinamerika. Als sein erster goßer Roman gilt „Ébano“ (1975 auf spanisch). 1980 erschien dann der erste große Erfolgsroman „Tuareg“, der 1984 unter dem Titel „Tuareg - Il guerriero del deserto“ (dt. 'Gazel, der Wüstenkrieger') verfilmt wurde. Der Autor lebt zurzeit auf Tenerriffa.

Freitag, 17. Juni 2016

Christine Cazon : "Stürmische Côte d'azur"

Christine Cazon :
"Stürmische Côte d'azur" - der dritte Fall für Kommissar Duval
2016, Kiepenheuer & Witsch. Kiwi 1469
284 Seiten; auf der Innenseite ist eine Skizze der Insel und die Schiffswege an das Festland
ISBN 978-3-462-04883-4

Kommissar Léon Duval muß über das schwankende Meer von Cannes auf die Insel Sainte-Marguerite. Dort wurde ein toter Seemann gemeldet, später findet sich ein zweiter, ein schönes wenig genutztes Schiff liegt in der Bucht und das eines mit der Mafia verbundenen Geschäftsmannes wartet auf Ersatzteile. Auf der Insel gibt es ein Naturschutzreservat für seltene Vögel das ein brummig wirkender Ecoló verwaltet; als Reste der Wirtschaft ist für die Arbeitenden eine Werft vorhanden. Treffpunkt ist das Bistro in dem der ständiger Wirt, und eine aktuelle Hilfe, ein Mädchen das seinen Sinn sucht, sowie vorzüglich kocht aber einen schlechten Männergeschmack hat, führen. Der Kommissar führt endlose Gespräche, Telephonate, friert im Herbstregen, und kann schlußendlich ein Ergebnis präsentieren.

Die Geschichte wird am Anfang aus Sicht von Alice, der jungen Frau die nach dem Surf-Sommer auf der Insel geblieben ist, beschrieben, dann wird der Kommissar begleitet. Er wird leicht seekrank, was sich durch den Roman zieht.
Duval ist eine gepflegte Erscheinung, geschieden, 2 Kinder, in einer frischen Beziehung mit einer Journalistin. Sein Team mit Pathologen und Spurensicherung arbeitet gut zusammen. Er kommt mit Hilfe eines kleines Buben einer Tatwaffe auf die Spur. Alice ist eine attraktive jungen Frau, die sich dessen bewußt ist; sie ist nicht wirklich sympathisch in ihrer Launenhaftigkeit. Alle Männer der Insel machen sich Hoffnungen auf sie; Hoffnungen die sie oft enttäuscht. 2 ältere Fischer, der Wirt, der Ecolo, die Seeleute und ein Kapitän scharwenzeln um sie herum; auf der einen Yacht ist eine Familie, die es eher ruhig mag, aber einen guten Kapitän hat.

Einheimisches Essen wird genannt wie eine 'Daube', eine 'Brandade' und ein saftiger 'Croque Monsieur'. Der Croque wird genauer erzählt, die anderen Speisen mußte ich im Internet nachlesen, weil es in diesem Buch leider kein Glossar zu ortstypischen Ausdrücken gibt. Hier wären auch die Vokabel für die ortsüblichen Messer nachzulesen gewesen - erhoffte ich mir als nicht dem Französischen verbundener/in Leser/in.

Drogen und Mafiaverbindungen spielen in diesen Roman hinein. Auch die Geschichte wie es auf der Insel zum Vogelreservat kam.
Die Menschen bleiben nicht ganz greifbar. es ist nicht schlüssig wenn Alice anbaggert oder wen nicht. Die Vorgesetzte Duvals ist von anfang an unangenehm und zieht Arroganz durch.
Das windige Seeklima ist spürbar, auch die kalten Winde vor denen sich die Menschen entweder unter windgeschützte Balkone oder ins Bistro retten.

Vieles ist in dem Buch gut lesbar, und gut vorstellbar. Die Seekrankheit von Duval hätte es kürzer auch gebracht. In Summe aber ein guter Roman für Unterhaltung, Entspannung und Urlaubsgefühl.

Christine Cazon wurde 1962 geboren. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Katzen in Cannes.

Sonntag, 2. September 2012

George Sand : "Ein Winter auf Mallorca"


George Sand :
"Ein Winter auf Mallorca"
1985, Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH München
(16. Auflage 2004)
8 Seiten Vorwort des Herausgebers
17 Seiten J.B. Laurens - Erinnerungen einer Kunstreise nach Mallorca
219 Seiten George Sand - "ein Winter auf Mallorca" in drei Teilen
15 Seiten George Sand - Geschichte meines Aufenthalts auf Mallorca
1 Seite Bibliographie
1 Seite Bildquellen Nachweis
2 Seiten Karte vom Mallorca
ISBN 3-423-12497-0

Titel der Originalausgabe:
'Un hiver à Majorque'
Paris 1842

Ich hatte einiges über George Sand gehört und war neugierig darauf wie sie schreibt. Mein Wissen über sie war, daß sie unkonventionell war, Schriftstellerin, 2 Kinder und - v.a. - die Gefährtin Chopins.

"Ein Winter auf Mallorca" ist entstanden nachdem sie mit ihren Kindern und Chopin drei Monate 1838 auf der Insel verbracht hatte, mit den Ziel dem kalten Winter in Paris zu entfliehen und damit ihrem Sohn Maurice Krankheiten zu ersparen bzw. daß er sich erholen kann. Maurice hat sich erholt und sie beschreibt wie er und ihre Tochter Solange wie die Ziegen auf den Steinen der Insel herumkraxeln.
Leider ist Chopin erkrankt, weshalb der Aufenthalt auf der Insel kürzer als geplant war. Die gewünschte Erholung hatten die Erwachsenen bei dem Aufenthalt nicht.

Sie beschreibt die Insel, die Vegetation, die Architektur, die Art und Weise wie Menschen wohnen die mehr haben, genauso wie die Bauern, Landwirtschaft, Nutztiere und viel was sie an Benehmen ihnen gegebenüber wahrgenommen hat.

Die vier Reisenden wurden nicht wohlwollend aufgenommen: sie und ihre Tochter trugen Hosen, sie und Chopin waren nicht verheiratet und sie gingen sonntags nicht in die Kirche . Verhalten das in Paris als extravagant galt, war auf der Insel unerwünscht.
Hilfe für Kranke war nicht üblich - im Gegenteil Kranke galten als ansteckend und wurde gemieden, was v.a. Chopin erfahren mußte.

Seitenlang beschreibt sie die Kartause in Vallemosa, mit ihren Trakten, Höfen, Bäumen, Ruinenteilen, wenigen Mönchen. Wie sie beschreibt und welche Metaphern sie findet, hat mich fasziniert. Schön sind ihre Assoziationen wenn sie Romantisches mit Operninszenierungen vergleicht oder französische Maler (wie Delacroix) zitiert.

Faszinierend finde ich ihre Beschreibungen der Kleidung der Menschen und wie sie die Menschen ans sich beschreibt - Gesichter, Körper, Benehmen (das sie als ungastlich und schmarotzend empfindet).

Geschichtliche Rückblicke auf den Zusammenhang zwischen Spanien und der Insel werden aufgeblättert. Keine Pferde, weil die nur vom Festland für den Krieg eingezogen wurden, kaum Rind weil das gleiche hier geschah, dafür Schweine, weil die wollten die Spanier nicht.

Sie beschäftigte sich auch mit der Geschichte der Klöster, bzw. der Auflassung und of Niederbrennung. Viele verbrannte Klosterruinen zieren die Landschaft. Dem zur Zeit herrschenden Romantizismus stellt sie in einem fiktiven Gespräch einen Mönch entgegeben, der von den eigenen Katholiken im Kerker ohne Sonne gehalten wurde. Die Inquisition hatte auch hier reiche Beute gefunden und Schuldlosigkeit galt noch nicht - was für Menschen der Aufklärung im Nachhinein schwer zu verstehen ist. Das Gespräch ist sehr packend geschrieben.

Ich habe einige Wochen an dem Buch gelesen - immer wieder unterbrochen von anderen Büchern. Mich hat der Stil und was Frau Sand schreibt fasziniert und ich kann jedem Leser nur das gleiche Verngügen an Sprache, Beschreibung und auch Fiktion wünschen.

George Sand, (eigentlich Amandine Aurore Lucile Dupin de Francueil)  lebte vom 1. Juli 1804 bis 8 Juno 1876. Sie war Schriftstellerin und galt als Vielschreiberin (was einige Zeitgenossen nicht schätzten). Ihre Werke sind Romane, Novellen und auch Theaterstücke - viele Briefe von ihr sollen erhalten sein.

Donnerstag, 31. Mai 2012

Albert Sánchez Piñol : "Im Rausch der Stille"

Albert Sánchez Piñol :
"Im Rausch der Stille"
2002, Edicions La Campana, Barcelona
aus dem Katalanischen von Angelika Maass
2005, S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt
Roman
246 Seiten
ISBN 3-10-061602-2

Ein Mann wird auf eine Insel inmitten der antarktischen Eisberge gebracht. Er soll dort für ein Jahr das Wetter beobachten. Der Wetterbeobachter, der abgelöst werden soll, ist nicht zu finden, dafür ein wortkarger Leuchtturmwächter. Das Schiff fährt ab. Der Kampf ums Überleben gegen eigenartige Wesen mit fischartigen Klaueen, die das Licht fürchten, und nur nächtens kommen beginnt.

Dank seines Vorlebens als irischer Untergrundkämpfer überlebt der Neuankömmling - bis ihn der andere Mann in den Turm läßt. Batís entpuppt sich als der frühere Wetterbeobachter, und geht in Strategien im nächtlichen Kampf gegen die - wie er sie nennt - Froschmänner auf. Eines der Wesen hat er trainiert: es warnt ihn vor den Angriffen, fängt ihm Fische Krebse und Muscheln und wird auch zu häuslichen und erotischen Zwecken eingesetzt.

Lange wird gekämpft - mit Gewehren, bengalischen Feuern und auch mit unter Mühsal ertauchtem Dynamit. Der Erzähler beginnt sich langsam mit dem weiblichen Froschwesen anzufreunden, und entwickelt über etwas ähnliches wie Zuneigung Interesse für die Wesen. Er beginnt aus dem Singen des Wesens zu interessieren - es entstehen einen Namen für die Wesen (Citauren) und dieses speziellen eine (Aneris). Und er beginnt mit den Kindern zu spielen.

Die Zusammenarbeit der beiden Männer bröckelt, Batis kommt um, ein neuer Wetterbeobachter wird abgeliefert und das Spiel beginnt fast von Neuem.

Die Männer werden charakterlich unterschiedlich geschildert: Batís Caffó, dem österreichische Nationalität angedichtet wird (was bei dem Namen ziemlicher Unfug ist) ist als ehemaliger Förster zwar den Umgang mit Natur gewöhnt, aber trotz Schach spielens kein Stratege. Der Erzähler ist zumindest ein Weg mehr offen, nämlich die Wesen als eigenständig zu verstehen, und in ihrem Handeln auch freundliches Tun zu suchen.

Spät beginnt man sich zu fragen, warum der Batís nicht die Chance ergriff von der Insel zu gehen. Die gleiche Frage stellt sich als der neue Wetterbeobachter kommt und der Erzähler die Chance zu gehen nicht erkennt /erkennen will.

Das Buch ist aus Sicht des neuen Wetterbeobachters geschrieben - Namen hat er keinen. Nur die anderen wie Batís, und Tom der Freund aus der Kinderzeit sowie sein alter Tutor etc.
Spannend finde ich die Hintergrundgeschichte aus Irland, in der beschrieben wird, welche Aufgaben er erfüllte und v.a. als dann endlich die Befreiung da war sich die neuen Menschen, denen er vertraut war, plötzlich wie die alten Machthaber benahmen.

Das Buch ist spannend, es zieht wie ein Tornado hinein und hat Zug bis zur letzten Seite.