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Montag, 5. Januar 2026

Fabcaro + Didier Conrad: "Asterix in Lusitanien" (Asterix Band 41)

Fabcaro + Didier Conrad: "Asterix in Lusitanien" (Asterix Band 41)
Kolorierung: Thierry Mebarki
original 'Asterix en Lusitanie'
2025, Hachette Livre / Goscinny-Uderzo
aus dem Französischen übersetzt von Klaus Jöken
2025, Egmont Comic Collection
44 Seiten
ISBN 978-3-7704-2441-2

Ein phönizisches Schiff kommt zum gallischen Dorf und bringt nicht nur die neueste Mode, sondern auch den Lusitanier Schnurres, der um Hilfe ersucht, weil es Wettbewerb um vergorenen Fischsud gibt, und der Produzent von Cäsars Lieblings-garum, namens Schäoprozess, verhaftet worden ist. Diese Gelegenheit die Piraten auf dem Meer, und neue frische Römer in Lusitanien freundlich (nach Obelix' Art) zu begrüßen, lassen sich die Asterix, Obelix und Idefix nicht entgehen. Sie führen den intriganten Karies mit Alkohol in eine Falle, Präfekt Fetterbonus winkt genau dieses nicht, und Zenturio Pistorius ist eher glücklos.
Hilfe erhalten die Gallier von dem gallischen Ehepaar Mandarfjagarnix und seine Flottebine, die mit Wohnwagen durch die Gegend touren.

Wie immer gibt es wunderbare Kleinigkeiten, wie die Obelix mit spanischem Temperament loslegt und portugiesischem Fado haltlos heult, und auch Talent für diese Lieder entwickelt; er allerdings seine Abneigung gegen Kabeljau, die bleibt; dafür testet er sich durch ein Buffet mit netten kleinen Tapas, wie Gemisch aus Fleischstückchen mit Muscheln, gemütlich durch; daß Hinkelsteine in kleine quadratische Stücke geschnitten werden, um Mosaik zu legen, versteht er auch nicht.
Auf zwei Seiten werden Werbe-slogans in einem Think-tank mit Anmeldung Benutzerkonto und den Besonderheiten bei Passwortnotwendigkeiten gemütlich durch den Kakao gezogen.

Zeichnerisch erfreulich ist die Variante der gelben Straßenbahn, die hier von Pferde gezogen wird.
 
Zum Lachen brachte mich der Koch Mayopommes, eine Schlacht mit Kalorienbomben ('pastel de nata'), ein Helferlein des Präfekten namens Benfica und es gibt ein Lokal namens "vaso da gama"

In Summe habe ich mich sehr gut beim ersten Lesen und Ansehen unterhalten, und werde vermutlich viele Feinheiten beim zweiten Durchgang entdecken. Viel Spaß !

Montag, 22. Februar 2021

Claudia Santana : "Der Tote von Sines"

Claudia Santana :
"Der Tote von Sines" - Inspector Cabral ermittelt
2020, Aufbau Taschenbuch Verlag
342 Seiten
ISBN 978-3-7499-3594-1

Inspector Nuno Cabral muß aus privaten Gründen in den Alentejo. Beruflich muß er gerade eine Pause machen, was niemanden in seinem Heimatort interessiert da eine häßlich ermordete Leiche gefunden wurde. Ein Netzwerk aus älteren Damen und Herren hilft ihm mehr oder weniger auffällig den Hintergrund des Opfers und aktuelle Immobilienverstrickungen aufzudecken. Auch eine junge Frau die überlegt als Journalistin zu arbeiten hift ihm manchmal freundlich, manchmal unfreundlich weiter. Nebenbei wird ihm die Chance gewährt sich bei einem alten Rivalen innerhalb der Polizei zu rächen. Der Hintergrund des Mordes liegt in einem grauslichen Kapitel Portugals im Umgang mit Regime.gegnern und Kapverde und Angola.

Cabral wird als Mitte 30 und sehr eigen in Kleidung geschildert. Seine Umgangsformen sind unhöflich bis ruppig, ohne die Bereitschaft etwas zu ändern. Die Menschen seines Netzwerks sind im Gegensatz zu ihm freundlich, tolerant, und mehr als hilfsbereit geschildert. Die Selbstverständlichkeit dieser dörflichen Gemeinschaft ist faszinierend geschildert. Gewissen Fußball-Jargon mußte ich aber überlesen.

Orte sind ein kleines Dort und die Küste mit der Kraft des Meeres, und bizarren Felsen.

Bei Schilderung des relevanten Hintergrunds sind große zwischenmenschliche Grausamkeiten beschrieben, die sehr unter die Haut gehen.

Das Buch ist Großteils sehr gut zu lesen und ich habe es genossen; die Grobheit der Hauptperson hat mich allerdings abgestoßen. Trotzdem viel Spaß beim Lesen !

Claudia Santana wurde in Hamburg geboren. 2009 war sie zum ersten Mal nach Portugal, und lernte Mann, Menschen, Kultur und Geschichte des Landes lieben

Freitag, 13. November 2020

Heidi van Elderen : "Sterben auf Portugiesisch"

 Heidi van Elderen :
"Sterben auf Portugiesisch" - ein neuer Fall für Inspektor Valente und Polizeischwein Raquel
2020, Penguin Verlag, München
    Seiten
ISBN 978-3-328-10311-0

Inspektor Fernando Valente wird an den Strand zu einem Toten gerufen. Es gibt noch weitere Leichen, während Polizeischwein Raquel mit Vergnügen das Schwimmen entdeckt. Fernando fährt in Alentejo auf der Suche nach Antworten auf und ab, wobei einige kulinarische Köstlichkeiten erzählt werden. Er kommt dem Grund der Morde auf die Spur, als endlich die Geschichte einiger grausamer arroganter Jugendlicher entschlüsselt wird.

Fernando, der sich zuhause gegen die humorvolle Großmutter und die arbeitssame aber deprimierte Mutter durchsetzen muß, erfreut beide durch die wunderschöne Taucherin Lucia; dies hilft ihm seine unerwiderte Liebe zu Anabela, die leider verheiratet ist, zu überwinden.

Polizeischwein Raquel ist ein charmantes, verfressenes Schwein, das es durch Band 1 zu Ruhm gebracht hat. Sie liebt es in ihrem Lieblingslokal gefüttert zu werden und für Photos zu posieren. Diese Stellen sind sehr humorvoll geschildert.

Die Geschichte wird im Sommer erzählt, es glänzen die Berge, der Sand, das Meer. Beim Lesen kommt entspannendes Sommer-feeling auf.

Die Figuren in dem Roman sind gut vorstellbar geschildert. Fernandos Großmutter mit den langen weißen starken Haaren macht fast den stärksten Eindruck. Von Komik ist die Szene als Fernando Frauenschuhe trägt und damit endlich eine Stalkerin los wird.

In Summe ein herrliches Buch zum entspannen. Viel Spaß beim Lesen. 

Heidi van Elderen wurde 1980 am Niederrhein geboren. sie ist viel über die Welt gereist und ist  freiberufliche Journalistin. Aktuell wohnt sie in Neuseeland.

Samstag, 7. November 2020

Gil Ribeiro : "Schwarzer August"

 Gil Ribeiro :
"Schwarzer August" - Lost in Fuseta - ein Portugal Krimi
2020, Kiepenheuer & Witsch
390 Seiten - vordere Innenseite Karte Portugal - hintere Innenseite Karte Faro
ISBN 978-3-462-05269-5

Leander Lost ist in diesem vierten Krimi, in dem der deutsche Asperger Polizist mit seiner unbarmherzigen Logik und Wahrheit mithilft Attentate aufzuklären. Zuerst wird eine Bank gesprengt, dann Schiffe eines asiatischen Thunfischfängers, dann gibt es zielgerichtete Attacken auf Menschen die sehr auf die persönlichen Schwächen derjenigen eingehen. Das Telephonat zwischen dem Attentäter und Leander deckt viel Verständnis für die gegenseitigen Eigenheiten auf. Am Schluß wird aufgedeckt wer dahinter steckt und einige bestechliche Menschen verlieren ihre Jobs.

Parallel wird die Beziehung zwischen Leander und Soraia erzählt, die nach dem ersten Kennenlernen in gemeinsames Wohnen mündet. Es ist entzückend zu Lesen wie die beiden sich bemühen einander zu verstehen und etwas für den anderen zu machen .
Die seit Kindheit bestehende Freundschaft zwischen dem Polizisten Carlos (mit Kleidungsmäßig ziemlich verrückten Kombinationen) und Soraias Schwester Graciana, die seine Vorgesetzte ist, bleibt weiterhin bestehen, auch wenn sich Graciana eine schöne Zeit mit einem Zeugen gönnt.
Inzwischen ist auch Luis wieder zurück, der statt Leander im Austauschprogramm in Deutschland gewesen war - er ist fast ein runnig gag, weil er zwar wirklich gut aussieht, aber leider nicht so gescheit wie attraktiv ist.

Hintergrund der Attentate sind einerseits Schwarzmarktgeschäfte bei denen Geschäftemacher außerhalb der EU Grund erwerben wollen, um damit den Schengeneintritt zu umgehen. Der andere Hintergrund sind asiatische Fischunternehmen, die den Orten mit heimischen Fischern lokale Fischrechte abkaufen, diese Regionen leerfischen ohne zu bedenken, daß damit die wirtschaftliche Zukunft der Region unsicher ist.

Auch diesmal werden wunderbare Fischgerichte beschrieben, die ich mir gerade in der grauen Novemberzeit besonders gut vorstelle.

Viel Spaß beim Lesen dieses humorvollen Hochsommerkrimis am Mittelmeer.

Biographie des Autors bei "Lost in Fuseta" am 22. September 2017.

Samstag, 22. Juni 2019

Pascal Mercier : "Nachtzug nach Lissabon"

Pascal Mercier :
"Nachtzug nach Lissabon"
Roman
2006, Btb Taschenbuch
484 Seiten
ISBN 978-3-422-73436-8

Raimund Gregorius, Lehrer für Griechisch und Latein wird durch den versuchten Selbstmord einer Portugiesin mit einem Buch auf portugiesisch aus seinem Lebenstrott gerissen. Er reißt mit dem Zug nach Portugal und lernt dabei den Geschäftsmann Silviero kennen. In Lissabon lernt er eine Augenärztin kennen, deren Verwandt Erca, dessen Hände zerbrochen worden waren, und andere Menschen des Autors des Buches Amadeu Prado. Dieser war ein hochintelligenter Mensch gewesen, der schon in der Schulzeit über die Grenzen gedacht hatte, und proviziert hatte. Hier begann die lebenslange Freundschaft mit dem Apotheker O'kelly, und mit seiner Seelenfreundin Maria. Er studierte Medizin, rettete seiner Schwester das Leben, rettet einem der brutalsten Menschen der Militärdiktatur das Leben, und rettet auch eine junge attraktive Frau mit phänomenalem Gedächtnis die alles über den Widerstand wußte.
Gregorius besucht die Menschen und Orte an denen Prado gelebt und gedacht hat, und spricht mit vielen Menschen über den charistmatischen, leidenschaftlichen, suchenden aber auch enorm egoistischen Menschen.

Der Roman besteht aus vier Kapiteln, die 'Der Aufbruch', 'Die Begegnung', 'Der Versuch' und 'Die Rückkehr' heißen.
Die Gedanken die Amadeu Prado zu Papier gebracht hatte, sind in kursiv abgedruckt und ziehen sich bruchstückhaft durch den Roman.

Die vielen Menschen in dem Buch sind stark, faszinierend, eigenwillig, stur, eindrücklich, und prägen sich beim Lesen ein. Dies obwohl sehr viele Menschen geschildert und miterlebt werden.
Amadeu selber wird als eigenwillig, hochintelligent, engangiert, geschildert, aber auch als jemand der Menschen die nicht ihm kognitiv oder menschlich das Wasser reichen konnte, liegen ließ. Mich hat negativ berührt, daß ihm der seiner Frau Kinder verwehrte Jahre später meinte Anspruch an eine Frau zu haben seine Ergänzung nach seinem Wunsch zu werden.
Der Erzähler Raimund Gregorius ist zurückhaltend, in seine alten Sprachen hinter seinen Brillengläsern versunken, der erst lernen muß wieder mit Menschen umzugehen und sich auf sie einzulassen.
Die Unterschiedlichkeit der beiden Schwestern von Amadeu ist schillernd, die drei Frauen im Leben Amadues ebenso wobei seine Frau Fatima die er um ihren Kinderwunsch betrügt mein größtes Mitgefühl hat, die beiden anderen Frau bewahren ihre Mitte und Abstand. Der alte Widerstandskämpfer im Altersheim ist berührend in seiner inneren Kraft und Überlebenswillen.

Orte der Handlung sind Bern, die Züge nach Portugal, Lissabon, Coimbra, Finisterre und Salamanca. Alles ist gut vorstellbar und mit den Stimmungen vor Ort geschildert.

Der Beginn des Buches hat sich für mich gezogen, die ersten Texte von Amadeu habe ich nur überflogen, da ich wissen wollte wie der Roman weitergeht. Die Geschichte zog mich immer mehr in den Bann.
Beim Hintergrundlesen über die PIDE und die Militärdiktatur unter Salazar fiel auf wie wenig im Internet nachzulesen war.

Die Sprache in dem Roman hat mich sehr angesprochen. Formulierungen wie 'Goldschmied der Worte' finde ich wunderschön.

In Summe ein wunderschöner beeindruckender Roman. Viel viel Freude beim Lesen !

Peter Bieri wurde am 23. Juni 1944 in Bern geboren. Er ist Philosoph und Schriftsteller, wobei er unter dem Namen Pascal Mercier - nach einem Sprachmix aus Blaise Pascal und Louis-Sebastien Mercier - publiziert. Sein erster Roman "Perlmanns Schweigen" erschien 1995.

Freitag, 24. Mai 2019

Luis Sellano : "Portugiesische Rache"

Luis Sellano :
"Portugiesische Rache" - Ein Lissabon - Krimi
2017, Wilhelm Heyne Verlag, München
344 Seiten + Stadtplan Lissabons in den Innenumschlägen des Buches
ISBN 978-3-453-41945-2

Henrik Falkner verkauft endlich im ererbten Antiquariat ein Buch, und prompt wird der Käufer des Buches erstochen. Nach einiger Recherche und Laufen durch Lissabon, Zusammentreffen mit einer aggressiven schlagkräftigen Truppe die auf Auftrag eines emeritierten Militärs der von der alten Militärdikatur träumt und kennen lernen einer bildschönen investigativen Journalistin, dreht sich alles noch mehrmals bis Henrik endlich den Mord geklärt hat.
Allerdings sind drei Frauen an ihm sehr interessiert, die sich öfters in die Quere kommen; er ist nur an einer einzigen interessiert, was aber ein Geheimnis für beide bleiben muß.
Der unangekündigte Besuch seines Vaters, der sich eine Auszeit von der bestimmenden Mutter nimmt, sorgt für weitere Aktionen rund um den eigentlich ruhebedürftigen Henrik.

Dieser Krimi ist Band zwei in dieser Serie die mittlerweile bei Band vier angelangt ist.

Henrik trauert seiner Frau Nina nach, weshalb er Deutschland verlassen hat. Die attraktive Ärztin Adriana ist am ihm interessiert, eine Journalistin, die Polizistin Helena mit Kind und seine Angestellte Catia im Antiquariat. Mit seinen Recherchen bringt er alle in Gefahr, und am Schluß gibt es leider noch eine Leiche, und Catia wird entführt.
Die lebenslustigen Gespräche zwischem seinem Vater und der Mutter eines seiner Mieter, die gerade im Hause weilt, sind als Lesende unterhaltsam, für Henrik beunruhigend.

Der Hintergrund ist, daß manche Menschen das Regime Salazars aufleben lassen möchten und mit militärischer Unmenschlichkeit beginnen Strippen in Gang zu setzen, kidnappen und zuschlagen. Diese Kapitel sind schauerlich. Genauso als die ehemals charmante Journalistin plötzlich ziemlich skrupellos agiert.

Mir ist zu viel Gerenne hinauf und hinunter und durch Lissabon los, und Messerstechereien, die alle superleicht verkraften.

Der Roman ist gut und rasch lesbar, und spannend. Viel Spaß beim Lesen.

Oliver Kern wurde am 7. November 1968 in Esslingen am Neckar geboren. Der Autor hat seinen Hauptberuf im Marketing . Er veröffentlichte unter seinem eigenen Namen aber auch zwei Pseudonymen Romane - Kriminalromane. 2007 erschien der sein erster Roman "Die steinernen Drachen". Unter 'Luis Sellano' - einem gemisch aus Vornamen Portugal und einer Ortschaft in Italien - erschien 2016 der erste Kriminal Roman, Seit 2015 gibt es auch 'Mark Neustädter'.

Samstag, 29. September 2018

Goncalo M. Taveres : "Joseph Walsers Maschine"

Goncalo M. Taveres :
"Joseph Walsers Maschine"
Roman
original "A máquina de Joseph Walser"
2004, Editorial Caminho, SA
Aus dem Portugiesischen von Marianne Gareis
2014, Deutsche Verlags Anstalt München
164 Seiten
ISBN 978-3-421-04627-7

Joseph Walser arbeitet in einer Fabrik an einer Maschine. Diktatur oder Krieg baut sich rings um ihn auf. Seine Frau betrügt ihn mit Klober, dem intellektuellen Vorarbeiter. Walser verliert einen Finger beim Hantieren mit der Maschine und wird einer anderen Arbeit zugeteilt. Walser hat eine Affaire mit der Witwe eines guten Freundes, den er verraten hatte. Nach dem Krieg lädt ihn Klober in eine Falle ein. Das Ende bleibt offen.

Das Buch ist in drei Teil aufgeteilt, die wiederum meist kurze Kapitel umfassen.
Der Schreibstil ist konzentriert und sachlich. Empathie kommt wenig auf - nur wenn Walser sich seiner Metallstücke-sammlung widmet ist etwas wie emotionale Bindung und Leidenschaft zu merken. Eine Art Emotionalität ist beschrieben, wenn Walser fast im gleichen Tempo zu atmen und sich bewegen scheint wie die Maschine.

Die Quasi-Monologe die Klober über Werte, Individualität contra Allgemeinheit, Verhalten mit und ohne abgeschnittenem Finger hält, lesen sich zwar anstrengend, sind aber in ihrer Stringenz durchaus reizvoll.

Das Geschehen wirkt wie im flachen schwarz-weiß-Film ohne Tiefenwirkung. Die Menschen sind alle nicht attraktiv, und bis auf Klober ziemlich schweigsam. Walser selbst sagt wenig, agiert aber möglichst unauffällig.

Der Roman liest sich spröde und nicht einfach. Die Betrachtungen über Krieg, das Verhalten der Menschen in diesem abstrakten Krieg etc arbeiten nach. Gutes Auseinandersetzen mit diesem Buch !

Gonçalo Manuel Tavares wurde im August 1970 in Luandam Angola geboren. Er zog mit 18 Jahren nach Lissabon. Er studierte sport, Kunst und ist rofessor für Erkenntnistheorie an der Technischen Universität Lissabon. 2001 erschien sein erster Gedichtband - seitdem ist er als Schriftsteller tätig.

Dienstag, 11. September 2018

Antonio Tabucchi : "Erklärt Pereira"

Antonio Tabucchi :
"Erklärt Pereira" - eine Zeugenaussage
original "sostiene Pereira"
1994, Feltrinelli Mailand
Aus dem Italienischen von Karin Fleischhanderl
1995, Carl Hanser Verlag
201 Seiten
ISBN 3-446-18298-5

Pereira, ein rundlicher Kulturjournalist in Portugal mit Faible für französische Autoren des 19. Jahrhunderts wird mit einem jungen Mann, den er als Praktikenten beschäftigt, bekannt. Dieser engagiert sich für die Republikaner im benachbarten Spanien, und das 1938 in der Zeit des Guernica-Angriffs. Während der Journalist versucht in seiner Welt zu bleiben, indem er französische Autoren übersetzt und Nachrufe plant, Omelette verspeist und Limonade trinkt, was auf 190 Seiten geschieht, bricht in den letzten Seiten die Brutalität der Realität in seine Wohnung ein, der junge Mann wird gefoltert und stirbt, worauf Pereira eine List für den Nachruf über den jungen Mann anwendet und sein Verschwinden plant.

Als Kunstgriff ist immer wieder "erklärt Pereira" in den Erzählstrom eingefügt, als ob er das Geschehen jemandem erzählte oder etwas beweisen muß.

Pereira ist Witwer, und unterhält sich mit dem Photo seiner Frau. Offen sprechen kann er mit einem lange bekannten Priester und später einem Arzt in einem Erholungsspital; sonst hält er sich mit dem Sprechen zurück, und versinkt lieber im Übersetzen. Der Roman liest sich gemütlich, Literatur und Philosophie und die Überlegungen über das 'hegemonische Ich' werden gepflegt.
Die Welt des Praktikanten und seiner Freundin, die sich beide für die Nationalisten und gegen Franco entschieden haben, sind ihm fremd. Erst als sich die spanische Kirche auf die Seite Francos schlägt, das Dorf Guernica zerstört wird und der vertrauensselige Praktikant in seiner Wohnung getötet wird, gewinnt der Roman an Geschwindigkeit und Wendigkeit.

Personen der Handlung sind Pereira, der Herausgeber der Zeitung, die Hausmeisterin (und wahrscheinlich Polizeispitzel der Salazar-Diktatur), Praktikant Rossi und seine Freundin Martha. Orte sind Lissabon, und Gegenden am Land oder am Meer.

Es fallen viele Namen von Autoren und Philosophen die mir nicht immer etwas gesagt haben. Beispielsweise sind genannt : Francois Mauriac (französischer Schriftsteller; 1885 - 1970), Filippo Marinetti (italienischer Schrifsteller, Futurist 1876 - 1944), Georges Bernanos (französischer Schriftsteller, 1888 - 1948), Gabriele D'Annunzio (italienischer Schrifsteller, Symbolist; 1863 - 1938), Alphonse Daudet (französischer Schriftsteller; 1840 - 1897).

Das Buch war nicht einfach zu Lesen. Die Welt des dicken einsamen Mannes bietet nicht viel Abwechslung. Faszinierend wie er den Krieg im Nachbarland komplett ausklammert.

Das Buch wurde 1995 mit Marcello Mastroianni in der Rolle des Dr. Pereira verfilmt.

Antonio Tabucchi wurde am 24. September 1943 in Pisa geboren. Er lernte portugiesisch, als er an der Universität in Genua studierte. er war Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Übersetzer. Sein erstes Buch erschien 1975 in Italien (" Piazza d'Italia"). Er starb am 25. März 2012 in Lissabon.

Sonntag, 6. Mai 2018

Carolina Conrad : "Mord an der Algarve"

Carolina Conrad :
"Mord an der Algarve" - Anabela Silva ermittelt
2018, Rowohlt Verlag
275 Seiten
ISBN 978-3-499-27112-0

Anabela hört bei einem Besuch bei ihren Eltern von vielen Beerdigungen, die ihr merkwürdig vorkommen, worauf sie nachzufragen beginnt. Parallel wird ein Tourist ermordet und die Polizei fragt um ihre Mithilfe beim Deutsch - Portugiesisch Übersetzen an. Bei den Recherchen über Geschichte und Tote der Familie Aves ist ihr Mário behilflich, bei der Polizei trifft sie auf den sympathischen Chefinspektor Joao Almeida  und den kühlen Inspektor Paolo Pinto. Neugier auf der Suche nach einem geographischen Punkt helfen der Lösung des Touristenmordes, Durchblättern ihres Familienalbums beim Entdecken einen Familiengeheimnisses das zu einigen Toten geführt hatte. Das zweite macht Anabela ziemlich unglücklich.

Der Roman begleitet Anabela / Bela / 'Filha' in ihrem Tun und ihren Überlegungen. Die alte böse Geschichte und ihre Rache sind in kursiv gedruckt und aus dieser Sicht geschildert.

Geschichtlich fließen die konservativ-autoritäre Diktatur unter Antonio de Oliveira Salazar, dem 'Estado Novo' und seine Geheimdiensttruppe PIDE ein, unter denen gesetzlose Übergriffe der Machthaber ohne Chance für die Kleinen gelebt wurde.

Leider kenne ich den Teil Portugals nicht, aber die Schilderungen waren gut und eindrücklich. Sowohl das Dorf ist gut vorstellbar, sowie das Naturschutzgebiet.

An Menschen ist ein schönes Gemisch im Angebot: Anabela selber die mit netten Journalistengeschichten ihr Geld verdient hat aber von ihrem Ehemann einem Politikprofessor für nicht gescheit genug gehalten wird und ihn verliert. Der Ehemann tritt nie auf, es wird nur von ihm erzählt. Bela Eltern sind liebevolle ältere Herrschaften die sich freuen daß die Tochter aus Deutschland zu ihnen in ihre Heimat kommt. Cousin Luis ist gemischt nett bis unfreundlich zu ihr, wobei er mehr über die Hintergründe der eigenen und der Familie Aves weiß. Die deutschen Touristen sind unterhaltsam geschildert. Mário ist attraktiv aber Bela kennt sich bei ihm nicht aus. Der Chefinspektor ist freundlich und tut ihr gut, während der durchtrainierte Inspektor kühl bis unfreundlich ist.

In Summe ein gemütlicher schöner Kriminalroman - ideal für verregnete Tage (da er im Sommer spielt) und als Geschenk. Viel Spaß beim Lesen !

Carolina Conrad ist das Pseudonym für die Journalistin/Autorin Bettina Haskamp. Sie wurde 1960 in Oldenburg geboren, und arbeitete als gelernte Journalistin für WDR und NDR. Nach einer Segelreise auf der das erste Buch entstand, entschied sie sich für das Leben als Schriftstellerin. Sie lebt entweder in Hamburg oder in Ostportugal mit Familie, Katzen, Hund und Esel.

Freitag, 22. September 2017

Gil Ribeiro : "Lost in Fuseta"

Gil Ribeiro :
"Lost in Fuseta" - ein Portugal-Krimi
2017, Kiepenheuer & Witsch Köln
374 Seiten + 2 Seiten Danksagung + 2 Seiten 'Über den Roman'
ISBN 978-3-462-04887-2

In diesem unterhaltsamen und durchaus fröhlichen Krimi werden das Ermittlerpaar bildhübsche, temperamentvolle Graciana Rosado und verfressene Carlos Esteves durch innereuropäischen Polizeiaustausch der deutsche Leander Lost zusammen auf Verbrecherjagd geschickt. Ein Toter einem Schiff bei einer Insel, eine frühere Tote bei einem Verkehrsunfall, zwei komplett ausgebrannte Behausungen, noch eine Leiche fordern die drei Menschen. Eine trickreiche Firma, die Wasser entnimmt und teuer verkaufen möchte, sowie Umweltaktivisten sind der Hintergrund für die Geschichte.

Zusätzlich hat Leander Lost das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus, die die Kommunikation seiner Umgebung ziemlich fordert da er nicht lügen kann; sein grandioses photographisches Gedächtnis und seine absolute Logik helfen nach Anfangsproblemen den Fall zu lösen.

Liebevolles rundherum ist die Familie von Graciana die sowohl Leander als auch eine Jugendliche liebevoll umsorgen. Der Eintopf mit Herzmuscheln klingt so gut, daß ich ihn gerne dem Buch entnommen hätte.

Die Orte der Handlung sind gut vorstellbar; vor allem wenn man in Portugal gewesen war, spielt sich vieles wie ein Film vor den Augen ab.
Die Menschen sind großteils als sympathische, freundliche, aufgeschlossene Mitmenschen geschildert. Das freundliche miteinander Umgehen und der liebevolle Humor sind schön zu lesen.

Es gibt keine Sex-Szenen, schon gar keine mühsamen und unnotwendigen. Nur eine Romanze liegt in der Luft, was fein zu Lesen ist .

Leider gibt es keine Seite Glossar über portugal-typische Wörter und Erläuterungen wie "Bica" (der portugiesische Espresso), Sagres (eine der typischen Bier-marken in Portugal) und paar Süßigkeiten, die sich zwar sehr süß aber sehr gut lesen.

In den Coverinnenseiten vorne und hinten sind Detailkarten von Portugal und der beschriebenen Gegend abgedruckt, die helfen sich in der Geographie zurecht zu finden.

In Summe in gemütliches Buch mit schöner Geschichte und sympathischen Menschen das gut zu lesen ist, und für einen verregneten Tag ideal geeignet ist. Viel Freude beim Lesen !

Gil Ribeiro, echter Name Holger Karsten Schmidt, wurde 1965 in Hamburg geboren. Er verliebte sich in das Land Portugal während seiner Interrailreisen und er reist noch heute gerne dorthin. Beruflich ist er Drehbuchautor. Derzeit lebt er in Baden-Württemberg, und in der Freizeit in Fuseta.