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Samstag, 7. Mai 2022

Zoe Beck : "Der frühe Tod"

Zoe Beck :
"Der frühe Tod"
2011, Bastei Lübbe Taschenbuch
291 Seiten + 2 Seiten Landkarten
ISBN 978-3-404-16309-0

Caitlin Anderson hat unter anderem Namen einen Job im fernen Schottland bei einer Stiftung für Jugendliche angenommen, um ihrem Exmann zu entkommen. Sie findet seine Leiche am Strand.
Journalist Ben Edwards wird durch ein Fax auf die Fährte von toten Jugendlichen bei einer Stiftung gesetzt.
Während Caitlin die Polizei auf den Fersen ist, sie sich nach einem Unfall in einer Klinik eingesperrt findet, und nach London zu einer Freundin flieht, wo es noch spannender wird, versucht Ben an Jugendliche und Familien der toten Jugendlichen heranzukommen.
Lange denkt man beim Lesen an eine Lösungsspur, bis sich eine sehr überraschende aber nicht weniger menschenverachtende Ursache für die toten Jugendlichen ergibt.

Die Personen dieser vielfältig und interessant geschildert.
Caitlin ist als unsichere manipulierte Frau mit starkem Überlebenswillen geschildert. Es ist spannend wie sie beginnt die Lügen um sich herum zu begreifen und sich durch zusetzen. Bei diesem Durchsetzen bleiben einige durchaus liebenswerte Menschen wegen des mächtigen Gegners auf der Strecke.
Ben ist aus der Unterschicht und hat das Ziel und den Instinkt ein guter Journalist zu werden. Er recherchiert unter teilweise nicht einfachen menschlichen Verhältnissen, bis er die Vernetzung zwischen Wirtschaft, Philantropie und Medikamentenversuche zieht. Er kann erkennen, daß eine Falle für Caitlin aufgestellt worden war, weil man an ihren ex-mann herankommen wollte.

Es ist spannend geschrieben wie Caitlin in dem kleinen Ort abgelehnt wird, und genau die Menschen die ihr helfen, auf die Seite geräumt werden. Am Schluß zeigen sich Hoffnungsstreifen.

Der Roman ist spannend geschrieben; die Einsamkeit der mißtrauischen Caitlin ist fast körperlich spürbar.

Zoe Beck wurde als Heinrike Heiland in Ehrlingshause am 12. März 1975 geboren. 2007 nahm sie den Namen Zoe Beck an. Sie ist ist eine Schriftstellerin, Übersetzerin aus dem Englischen, Dialogbuchautorin, Synchron-Regisseurin und hat 2015 einen Verlag gegründet.

Freitag, 6. August 2021

Marc Elsberg : "Zero"

Marc Elsberg :
"Zero" - Sie wissen, was du tust
Roman
2014, Blanvalet Verlag München + Lesebändchen
463 Seiten + 1 Seite Anmerkung + 4 Seiten Glossar + 1 Seite Figurenverzeichnis + 2 Seiten Nachwort und Dank
ISBN 978-3-7645-0492-2 
 
Daten sammeln und Menschen lenken könnte das große Geschäft werden. Eine Gruppe von Menschen verfolgt diesen Plan und schafft es Menschen mit Action Apps zu anderem Benehmen zu verleiten. Eine andere Gruppe - "Zero" - ist gegen Überwachung der Daten von einigen (sondern wenn dann für alle verfügbar), möchte daß Datenkraken zerschlagen werden und scheut nicht davor zurück den Präsidenten der Vereinigten Staaten mit Filmchen bloß zu stellen. Dazwischen wird die Journalistin Cyn(thia) beschrieben, die als Mutter einer technik-affinen Teenagerin, mühsam den Kontakt mit der Technik und ihren Job in London behält. Das Blatt dreht sich als ein Freund der Tochter bei dem Einsatz einer Datenbrille, zu Tode kommt, und sich alle Medien (von print bis zu bloggs etc) auf Tochter und Mutter stürzt.
Ein weiterer Freund der Tochter recherchiert Nebeneffekte der Action apps, die Mutter reist nach Wien später New York, und in mehrere Fluchten verwickelt; geheime Besprechungen finden statt, Videozuspielungen von "Zero" kommentieren, lenken und helfen.

Der Roman ist sehr spannend geschrieben. Das Aufeinanderprallen der Freidenkenden kritischen Computergruppe gegen die anderen Computergruppen, die entweder machtpolitisch oder wirtschaftlich agieren, ist mit Energie geschildert. Die Flucht Cynthias durch Wien und später das Kanalsystem, und dann auch in New York durch das metro-system haben mich an berühmte Stellen aus Filmen erinnert.

Eine kleine Romanze zwischen Cynthia und einem attraktiven jüngeren Computertechniker lebt auf; sie ist für mich der Teil der am wenigsten empathisch beschrieben ist.

Die Zahl der Menschen die an den Machthebeln sitzen und keinerlei Rücksicht auf die Vielzahl der Menschen nehmen, sind zahlreich und erschreckend. Einige nennen die Wichtigkeit des Präsidenten als Grund, andere nur Macht, andere Geld, einige sind zu krank für Mitgefühl, und bei erschreckend vielen ist komplett übersteigertes Selbstwertgefühl und Wichtigkeit skizziert.

Als Lösung für das Datensammeln einige  Firmen, die ihre Daten zu ihrem  Eigennutz benützen wollen, wird eine open source Technologie angeboten, bei der ich mich frage wiewenige Menschen damit umgehen können, um hier eine echte Lösung gegen Datenkraken anzubieten.

In Summe jedoch ein sehr spannender Roman, der auch etwas Generationenkonflikt zwischen technik-affinien Teenagern und deren Elterngeneration, die nicht ganz so firm ist, inkludiert. Viel Freude beim Lesen !

Donnerstag, 16. Juli 2020

Deon Mayer : "Dreizehn Stunden"

Deon Mayer :
"Dreizehn Stunden"
original "13Uur"
2009,
Aus dem Afrikaans von Stefanie Schäfer
2011, Aufbau Taschenbuch
457 Seiten + 2 Seiten Danksagung + 2 Seiten Glossar von afrikaanssprachigen Wörtern + Leseprobe
ISBN 978-3-7466-2737-3

Bernie Griessel muß als Mentor zwei parallel laufende Morduntersuchungen in Kapstadt begleiten und leiten. Ein junge Amerikanerin und ein Plattenproduzent sind ermordet worden. Die Amerikanerin hat eine Freundin, die auf der Flucht vor Männern ist, beim Produzenten deutet alles auf seine immer betrunkene Ehefrau, eine ehemals berühmte Sängerin hin. Die Medien und internationale Probleme erleichtern nicht die Arbeit, genausowenig wie polizeiinterne Machtprobleme, Rassismus innerhalb der Polizei, Sexismus in den eigenen Reihen und am Schluß auch polizeiinterne Korruption. Der Verdacht auf Drogenhandel hält lange an, bis der Schwenk zu Organhandel auf höchstem Niveau offenbart wird. Am Schluß werden die Morde überraschend zusammen gelöst und ein weiterer verhindert.

Die Kapitelüberschriften sind Uhrzeiten, die von der Früh bis in den frühen Abend an einem Tag führen. Innerhalb dieser wird in Absätzen sprunghaft beschrieben was die junge Frau auf der Flucht macht und denkt, wie Inspector Griessel seine Alkoholsucht, seine Untreue, seine Überlegungen zu den Fällen, wie er seine Kollegen durch die Fälle choacht, wie er Probleme zu Vorgesetzten und zu Mitarbeitern versucht flach zu halten. Andere Polizisten und Polizistinnen vermischen ebenso private wie berufliche Probleme und zeigen oft keinerlei Bereitschaft zusammen zu arbeiten; dazu sitzt das Rassismusproblem in Südafrika zu tief.

Interessant ist was über den Musikmarkt geschrieben ist. Die Musikströmungen sagen mir zwar persönlich nichts, die Art wie über Musikpropuktion geschrieben wird hat mich fasziniert. Die Figur des ermordeten Musikproduzenten ist hier charismatisch, und für die Musikschaffenden überraschend positiv geschildert.

Der Roman ist spannend geschrieben. Leider hatte ich Schwierigkeiten mir die vielen Namen und Menschen zu merken und habe die "Figuren" öfters durcheinander gebracht, was das Lesen nicht einfach machte. Als Gegenpol zu dem rothaarischen, irisch-stämmigen Griesel, der als Mentor Ruhe bewahren muß, ist eine dicke unsympathische feministische taktlose schwarze Kaleni Mbali gezeichnet.

Im Glossar sind Afrikaans Wörter genannt, mir wären auch weitere Wörter aus dem geographischen Bereich in Kaptstadt, Hinweise auf Xhosa, etc. wichtig gewesen.

Montag, 24. Februar 2020

Antti Tuomainen : "Todesschlaf"

Antti Tuomainen :
"Todesschlaf"
original "Synkkä Niin Kuin Sydämeni"
2013, Like Kustannus Oy, Helsinki
Aus dem Finnischen von Anke Michler-Janhunen
2014,  List Taschenbuch
324 Seiten
ISBN 978-3-548-61229-4

Aleksi verliert mit 13 seine Mutter und sucht mit 31 noch immer nach ihr, nachdem er sich die Position des Hausmeisters bei einem charismatischen reichen älteren Ex-Industriellen erarbeitet hat. Dort lernt er die attraktive Tochter des Hauses kennen, den durchtrainierten Chauffeur und die Haushälterin und Köchin, die den ehemaligen Industriellen seit Langem kennt. Die kalt-heiße Art der Tochter bringt ihn durcheinander, ein alter Polizist und der ex-Industrielle krachen aneinander. Er spät entschlüsselt sich ihm wer wirklich seine Mutter getötet hat (es ist einer der ältesten Gründe).

Die Kapitel springen vom Zeitraum der Ermordung der Mutter Aleksis und der Suche nach ihrem Mörder, und werden alle aus Sicht von Aleksi beschrieben. Sie beschreiben seine Zielgerichtet, aber auch sein Unvermögen mit Menschen umzugehen oder wieder etwas Vertrauen aufzubauen. 

Der Millionär wird als gut aussendend, mit Lächeln beschrieben, die Tochter als bildschön und eiskalt, der Chauffeur weiß daß er kräftig ist, die Köchin daß sie gut kocht. Der alte Polizist begleitet Aleksi seit dem Tod der Mutter und dürfte der einzig Vertraute sein. Es gibt einige Sex-szenen.

Der Originaltitel heißt laut automatischer Internetübersetzung "Dunkel wie mein Herz" was mir zur Geschichte besser gefällt, als der Titel der Übersetzung.

Die Geschichte ist sehr spannend geschrieben. Die Spannung zog mich in die Erzählung hinein. Das Ende hat dann ziemlich überrascht. Viel Spaß beim Lesen !

Antti Tuomainen wurde 1971 geboren. Der erste Roman "Tappaja, toivoakseni" erschien 2006. Sein Durchbruch war "Parantaja" / dt. 'Der Heiler' der 2010/2012 erschien.

Dienstag, 16. Juli 2019

Pierre Lagrange : "Mörderische Provence"

Pierre Lagrange :
"Mörderische Provence" - Ein neuer Fall für Albin Leclerc
2018, Fischer Verlag GmbH
418 Seiten + 17 Seiten Leseprobe des viertes Bandes mit Albin Leclerc
ISBN 978-3-651-02563-9

Der pensionierte Polizist Albin Leclerc ist mit seinem Mops Tyson (Pensionsgeschenk) ist im Departement Vaucluse unterwegs als er um Hilfe nach der erwachsenen Tochter eines Freundes suchen soll. Parallel zu dieser Recherche kommt seine Tochter mit seiner Enkelin wegen des prügelnden Ehemanns auf Suche nach Schutz und Hilfe. Leclerc scheucht seine alten Kollegen und einige Freunde sowohl für seine und die fremde Tochter auf, um am Schluß den prügelnden Ehemann zu vertreiben zu lassen und einer gewissenlosen machtgierigen Männerclique ihre bösartigen Spiele zu überführen.

Der Roman ist sehr spannend geschrieben, denn es werden die vier Handlungstränge um Albins Recherchen, Albin Tochter und Enkelin, die verschwundene Tochter und die Gelüste eines machtgierigen Mannes miteinander verschränkt.

Die Absätze mit der vorgestellten und später angedrohten körperlichen und seelischen Gewalt gehen unter die Haut. Die Vorstellung, daß diese Aktionen gewissenlosen Menschen mit Ausreden über die eigene Macht möglich sind, bleiben unter der Haut.

 Die Menschen sind gut vorstellbar geschildert: Albin als großer weißhaariger durchsetzungsfähiger Mann, seine humorvolle Freundin Veronique mit ihrem Blumenladen, die liebevolle Enkelin Clara, Manons Ehemann Gilles der meint im Erfolg auch Menschen zu besitzen, die kämpferische Isabella, Bankenvorstandsmitglied Brian dessen Luxus Menschenleben sind und auf die er ein Recht zu haben meint, bis zur temperamentvollen disziplinierten Polizistin Castel.

Unterhaltsam sind die Teile in denen Albin versucht zu kochen. Die szene auf der Terrasse und der Kochkurs sind zum schmunzeln. Die Beobachtungen zu den Bloggerinnen bei dem Kochkurs brachten mich zum Lachen.

Im Summe ein gut geschriebener Kriminalroman, der allerdings sehr unter die Haut geht. Gutes Lesen !!

Sven Koch wurde 1969 geboren. Er arbeitet als Tageszeitungsredakteur, Musiker und Fotograf. Unter dem Pseudonym Pierre Lagrange schreibt der Autor die Commissaire Leclerc-Reihe, bei der der erste Band "Tod in der Provence" 2016 erschien.

Montag, 15. April 2019

Michael Connelly : "Ehrensache"

Michael Connelly :
"Ehrensache"
Thriller
original "The Crossing"
2015, Little Brow and company, NY
Aus dem Amerikanischen von Sepp Leeb
2018, Droemer
2019, Droemer Taschenbuchausgabe
404 Seiten
ISBN 978-3-426-30671-0

Harry (Hieronymus) Bosch ist in seinem 20. Band nicht mehr bei der Polizei, sondern wegen Ungereimtheiten in Frage gestellt. Sein Halbbruder, der findige Anwalt Mickey Haller, ersucht ihn zuerst nur um Hilfe sich etwas anzusehen, bis Bosch mitten im Fall um ein ehemaliges Gang-Mitglied steckt, dem eine brutale Vergewaltigung und Mord an einer Prominenten, angehängt werden soll. Sein Alibi wurde ebenfalls tot aufgefunden. Er geht Ideen und Beweisen nach, bis es einen Besuch bei einem Schönheitschirurgen zum Showdown kommt. Haller gewinnt seinen Fall.

Die Geschichte ist aus der Sicht von Harry Bosch inkl. seiner Lokalbesuche und in kürzeren Sequenzen aus denen von Ellis und Long geschildert. Während sich Bosch nach und nach mit dem Fall und seinen Fallstricken vertraut macht, handeln Ellis und Long wegen Habgier und Zielgerichtetheit, und weil Polizisten ohne viel Federlesens.

Ort der Handlung sind Los Angeles, bei der jede Menge von Straßennamen und Ecken genannt werden, die Menschen die sich dort auskennen vermutlich Spaß beim Lesen machen.

Harry hadert mit seinem Schicksal am Anfang des Buches als seine Polizeikarriere gekippt ist. Nur mühsam läßt er sich motivieren auf der anderen Seite mitzuarbeiten und damit die Verachtung vieler ehemaliger Kollegen dafür zu ernten. Seine Tochter ist ihm da keine Hilfe.

Der Thriller ist spannend geschrieben. Wie sich das Ende zusammensetzt ist und die Geschichte sich dreht, hat mich fasziniert. Viel Spaß beim Lesen !

Michael Connelly wurde am 21. Juli 1956 in Philadelphia geboren. Er studierte Journalismus und Kreatives Schreiben. Zuerst war er Journalist for Krimi-Reportagen, später war er Polizeireporter für die Los Angeles Times. 1992 erschien der erste Harry (Hieronymus)-Bosch- Thriller.

Mittwoch, 7. November 2018

Paula Hawkins : "The Girl in the train"

Paula Hawkins :
"The Girl in the train" - "Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich"
Roman
original "The Girl in the train"
2015, Doubleday London
Deutsch von Christoph Göhler
2015, Blanvalet München
438 Seiten
ISBN 978-3-7645-0522-6

Rachel, die durch Alkohol ihre Ehe und den Job verloren hat, behält ihre Zugfahrroutine und beobachtet wiederholt voll Freunde ein attraktives Ehepaar vor seinem Haus - aus dem Zug heraus. Als die Frau dieses Ehepaares Megan vermißt wird, und später ihre Leiche gefunden wird, kommt Rachel der Polizei in die Quere da einige Häuser weiter ihr Exmann Tom mit seiner neuen Frau Anna und Kind lebt und sie diese im Suff wiederholt belästet hat. Rachel versucht mit dem Ehemann des opfers Scott als auch mit deren Psychotherapeuten Kamal näher zu kommen, was sie bei der Polizei noch verdächtiger macht. Als Rachel erkennt, was sie im Suff vergessen hat und was hier wirklich läuft, kommt es zum spannenden Show Down.

Das Buch ist aus drei Blickwinkeln aus beschrieben - von Rachel, Megan und Anna. Keiner der drei Männer hat hier eine eigene Stimme. Alle schreiben aus ihrer Sicht zeitlich chronologisch, aber die Kapitel starten zu unterschiedlichen Zeitpunkten : Rachel beim Beobachten der Häuser, Megan schon ein Jahr zuvor und Anna wird erst später dazu eingestreut.

Ziemlich lange zieht sich das Buch, vor allem wenn man Rachels Alkoholsucht folgt. Dann beginnt sich die Geschichte zu drehen, und die Charaktäre der Männer wird deutlicher. Spannend ist es dem einem Mann beim Verfall zuzusehen, dem anderen der sein innere Ruhe versucht zu leben und der dritte der ein genialer Lügner ist der versucht seine Lügen aufrecht zu halten.
Eigenartig ist der rothaarige Mann den Rachel immer wieder trifft, der dann wieder in die Unwichtigkeit versinkt.

Die Personen werden alle als attraktiv geschildert, mit Ausnahme daß man Rachel die Alkoholsucht ansieht. Auch die Männer sind gutaussehend und auf unterschiedliche Art charmant.

Der Ort der Handlung ist ein Vorort an der Eisenbahn. Rachel erzählt hier von der Einsamkeit im Zug, von den Menschen im Zug, von der Verachtung die sie spürt wenn sie früh morgens im Zug zu trinken anfängt. Die Orte der Handlung sind entweder Vorstadthäuser die alle den gleichen Aufbau haben, oder das Zimmerchen, das ihr eine Bekannte als Zuflucht nach der Scheidung zur Verfügung stellt.

Der Thriller ist in angenehm großen Buchstaben gedruckt.

In Summe ein gut geschriebenes Buch das in den Bann zieht. Viel Spaß beim Lesen !

Paula Hawkins wurde am 26. August 1972 in Salisbury / Britisch-Rhodesien geboren. Sie arbeitete lange als Journalistin, bis sie 2009 mit ihrem ersten Buch mit "Confessions of a Reluctant Recessionista" veröffentlicht wurde.

Freitag, 9. Februar 2018

Stieg Larsson : "Verblendung"

Stieg Larsson :
"Verblendung"
Roman
original " Män som hatar kvinnor" (dt. „Männer, die Frauen hassen“)
2005, Norstedts
Aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn
2006, Wilhelm Heyne Verlag, München
683 Seiten
ISBN 978-3-453-43245-1

In dem Thriller werden die Suche nach einer Vermißten mit der Recherche gegen einen gut vernetzen Wirtschaftsboss.
Am Anfang steht daß der Journalist Mikael in eine Falle getappt ist, weswegen er eine Auszeit nimmt. Diese nutzt ein anderer Wirtschaftsboss um ihn zu beauftragen eine Familienchronik zu verfassen, aber ihm vor allem das Verschwinden bzw den Tod seiner Enkelin Harriet aufzuklären. Parallel wird die Hackerin Lisbeth zu Recherchezwecken eingeschaltet. Für das Verschwinden von Harriett arbeiten sie zusammen, was ihm letztendlich das Leben rettet. Am Ende werden die Netze des betrügerischen Wirtschaftsbosses medienwirksam entflochten.

Die Familie des Wirtschaftsmagnaten Vanger wird mit vielen Menschen geschildert, von denen die meisten ziemlich ungemütlich bis eigen sind, nur wenige sind liebenswert und bereit sich positiv für anderen Menschen einzusetzen. Es gibt nicht nur Workoholics, Alkoholiker, Religionsbesessene, politisch einseitige Persönlichkeiten, sondern auch wirklich Schädliche für Menschen und Gesellschaft.

Als wichtige handelnde Personen sind der Journalist Mikael Blomkvist der eine privat finanzierte also unabhängige Zeitschrift mit einer uralten Freundin führt. Er hinterfragt politische und wirtschaftliche Machenschaften und hat jede Menge Feinde.
Ihm gegenüber und gleichzeitig als Hilfe ist Lisbeth Salander, die etwas ähnliches wie Asperger Syndrom hat, damit Menschen emotional neutral bleibt aber grandios mit Daten ist. Ihr Leben war gezeichnet von Menschen die sie dirigieren wollten, und auch Übergriffen, sie saftig geschildert sind.
Während Mikael journalistisch getrieben ist, ist Lisbeth entweder neutral denkend oder auf Seiten der unterdrückten und gequälten Frauen aktiv. Von ihr kommt cirka der Satz "auch nur ein Mann der Frauen haßt".

Die Geschichte ist spannend geschrieben (und übersetzt). Die Sprache ist direkt und schnörkellos, ohne großartige Metaphern, fällt manchmal ab, ist aber nicht störend tief.

Der Roman ist der erste Teil der Trilogie. Ich habe mich noch nicht entschieden ob ich die beiden weiteren Teile lese, oder mich den vielen anderen von mir noch nicht gelesen Büchern widme. 

In Summe ein spannender Roman, bei dem mir die Frauengestalten mehr unter die Haut gingen, den ich gerne weiterempfehle.

Karl Stig-Erland Larsson - als Schriftsteller unter Stieg Larsson - wurde am 15. Augugust 1954 in Skelleftehamn Västerboten (Nordschweden) geboren. Er war Jounalist,  arbeitete bei einer Nachrichtenagentur, gab das Magazin "Expo" heraus und Schriftsteller über Extremismus. Die "Milleniumstrilogie" kam posthum heraus; der vierte Band blieb unfertig; weitere vier bis sechs Bücher liegen als Expose vor. Er starb am 9. November 2004 (Herzinfarkt).

Freitag, 25. August 2017

Jeff Lindsay : "Dearly devoted Dexter"

Jeff Lindsay :
"Dearly devoted Dexter"
2005, Orion Books / 2006, paperpack edition
296 Seiten
ISBN 978-0-7528-7788-4

Dexter Morgan, Blutspezialist bei der Polizei in Miami, hat eine nette Freundin mit Kindern und einen 'dunklen Passagier', der gerne Menschen tötet. Dexters Adoptivvater hat ihm beigebracht daß er erst sicher sein muß, daß ein Mensch bewiesenermaßen Böses getan hat und durch die Lücken der Gesellschaft keine Strafe erwartet oder erwischt wird bevor er zuschlagen darf. Ein Kinderschänder ist hier genau das richtige um die dunkle Stimme in ihm zu beruhigen. Mitten in den Vorbereitungen wird er genauso wie seine Schwester und das andere Polizeiteam zu einem Tatort gerufen, bei dem ein menschliches verstümmeltes Wrack gefunden wird. Externe Hilfe trifft ein und wir den Leuten vor Ort vor die Nase gesetzt. Es werden noch einige Menschen verstümmelt, eine Falle aufgestellt die leider nicht wie geplant funktioniert bis ab Schluß der Verstümmelnde getötet wird und Dexter - und der 'dunklen Passagier' endlich den Kinderschänder seiner Strafe zuführen darf.

Parallelgeschichte ist daß sich Dexters Schwester Debra in den externen Polizisten verliebt. Und Dexter sich irrtümlich mit Rita verlobt, was in einer ziemlich alkohol-lastigen Party gefeiert wird.

Das ist Buch 2 aus der Dexter Serie, das auf deutsch mit dem Titel "Dunkler Dämon" übersetzt wurde. Da ich Dexter, die Serie zwar nur teilweise gesehen habe, interessiert mich die Vorlage. Eingeweihten zufolge ist diese Geschichte nicht eins-zu-eins in einer Serie gelandet.
Das wirkliche Problem ist für das auseinanderklaffen der Figur von Debra, die im Buch eher üppig beschrieben wird, in der Serie aber eine dünne Frau ist. Netterweise ist die mich ziemlich nervende Rita im Buch weniger präsent.

Ich habe mich köstlich beim Lesen amüsiert. Der böse schwarze Humor, das Spiel zwischen echter Emotionslosigkeit, bemühen um freundliche Fassade als emotionaler Mensch aber professionellem Interesse an der Technik des Verstümmelnden sind zynisch unterhaltend beschrieben. Zynisch unterhaltsam sind auch Kommentare über eine Pädophilenvereinigung, von der Dexter gar nichts hält.

Das Englisch ist unterhaltsam v.a. wenn der Autor mit Aussagen wie "Dexter the Avenger" oder "Dutiful Dexter" spielt. Gewisse Vokabel wie 'dismemberment' mußte ich nachblättern.

In Summe ein herrlich rabenschwarzes Buch. Viel Freude beim Lesen !

Jeffry P. Freundlich,  Pseudonym Jeff Lindsay, wurde am 14. Juli 1952 in Florida geboren. 
Sein erster Roman 'Tropical Depression: A Novel of Suspense' wurde 1994 veröffentlicht. In den 1990er-Jahren folgten noch drei Werke, jedoch erst 2004 feierte Lindsay mit Darkly Dreaming Dexter den Durchbruch und seinen ersten großen Erfolg. Mittlerweile gibt es acht Bücher mit Dexter Morgan.

Dienstag, 19. Januar 2016

Lisa Scott : "Mord mit kleinen Fehlern"

Lisa Scott :
"Mord mit kleinen Fehlern"
Roman
original "Courting Trouble"
2002, Harper Collins N.Y
aus dem Amerikanischen von Tatjana  Kruse
2003, Wilhelm Goldmann Verlag München
372  Seiten
ISBN 3-442-35861-2

Dieser Kriminalroman, bei dem viele Frauen einer Anwaltskanzlei in Philadelphia wichtig sind, ist stromlininenförmig geschrieben. Die handelnden Personen sind meist attraktiv (leider klischeehaft), aber die Chemie zwischen ihnen ist oft nicht menschlich nachvollziehbar.

Die Story ist klar : gut aussehende Anwältin verteidigt einen sexuelle Belästigung Fall vor Gericht: während sie nicht in der Stadt ist wird ihre Katzensitterin mit ähnlichen roten Haaren ermordet. Sie verdächtigt den Stalker der ihr der Leben bereits einmal schwer gemacht hat, hat eine hinreißende Nacht mit dem Anwalt der gegnerischen Seite, Unterstützung aller Frauen in ihrer Sozietät und es gibt einen überraschenden Showdown. Das Motiv für den Mord ist das cirka älteste der Welt.

Alles wird gerade erzählt. Es gibt leider keine frechen unterhaltsamen Seitenlinien. Die Geschichte, daß ihre Mitanwältinnen, mit denen sie keinen Kontakt hat plötzlich über Nacht die besten Freundinnen seien, ist für Leserinnen und Leser die im normalen Büroarbeitsleben stehen ziemlich unglaubwürdig.

Im Internet war zu finden, daß dieser Band ist die Nr.7 in der Reihe "Rosato and Associates" sei. Leiterin des Anwaltsbüros ist Bennie Rosato, die offenbar als engagierte, 'toughe' gewiefte Anwältin gefürchtet ist; mit ihr als Anwältinnen sind Mary, die Mare oder Maria genannt wird, und liebevolle italienische Eltern hat sowie Judy, die offenbar die Rolle der reschen resoluten Frau hat. Die Mutter von Mary übernimmt den Anteil Esoterik, der aus keinem Grund notwendig ist.
Die Hauptperson Anne Murphy ist als etwas kurvige rothaarige Frau mit imponierendem Vorbau geschildert, die durchaus ihr Leben trotz alkoholkranker Mutter geschafft hat. In Philly lebt sie mit Kater Mel, um den sie sich nicht wirklich schlüssig für Katzenfans kümmert.

Weitere wichtige Menschen im Buch sind der Freund Gil, den sie vor Gericht verteidigen muß; er ist zuerst charmant, dann mühsam geschildert. Anwalt der Gegenseite ist ein (nona) gutaussehender Matt, der die Anklage für seine Mandantin und deren Ehemann führt.

Hintergrund der Geschichte sind die Feiern zum, 4. Juli bei denen die Polizei eher überlastet ist, viele Feiern auf den Parks und Straßen stattfinden, und sich dadurch einige Möglichkeiten zum Verkleiden und damit unentdeckt bleiben ergeben.

Die Geschichte ist insofern spannend geschrieben, als der Wunsch nach der Auflösung des Mordes blieb. Mir war der Krimi bei den vielen anspruchsvollen Kriminalromanen zu flach; hoffentlich gefällt die Geschichte anderen Leserinnen und Lesern besser als mir.

Lisa Scott hat als Anwältin für das US-Berufungsgericht und in einer großen Kanzlei in Philadelphia gearbeitet. Bereits ihr erster Roman »Die Katze war noch da« wurde von Publikum und Kritikern gleichermaßen gefeiert. Für ihr zweites Buch »Rosen sind rot« erhielt sie den Edgar-Allan-Poe-Preis, den begehrtesten Preis für Kriminalliteratur in Amerika. Ihre Bücher erschienen teilweise unter ihrem richtigen Namen Scott. Ihre Serienheldinnen sind die Anwältinnen der Kanzlei Rosato & Partner. Lisa Scott lebt als freie Schriftstellerin in der Nähe von Philadelphia. Achtung : nicht mit Lisa E. Scott verwechseln, die Liebes-Romanzen-Romane schreibt.

Sonntag, 23. November 2014

Mary Higgins Clark : "Du entkommst mir nicht"

Mary Higgins Clark :
"Du entkommst mir nicht"
original "On the street where you live"
2001
aus dem Amerikanischen von Karin Dufner
2005, Wilhelm Heyne Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Taschenbuchausgabe
382 Seiten
ISBN -453-72054-7

Nachdem ich vor Jahren einige Kriminalromane von Mary Higgins Clark auf englisch gelesen hatte, ist mir diese deutschsprachige Taschenbuchausgabe mit Katze am Cover in die Hände gefallen.

Die geschiedene Strafverteidigerin Emily Graham zieht in ein Haus der Küstenstadt Spring Lake. Dort waren in den 90-er Jahren des 19. Jahrhunderts drei junge hübsche Frauen spurlos verschwunden. 110 Jahre später verschwinden wieder zwei. Beim Aufarbeiten der alten Geschehnisse liest Emily alte Briefe, Tagebücher, Zeitungen und baut die kleine alte Straße aus Spielzeugboxen wieder auf. Der Mörder hat sie als drittes Opfer auserkoren, was sie aber nicht merkt, denn sie wird durch Photos gestalkt. Die Polizei findet zwar noch einige andere tote Frauen, kann bei ihr aber rechtzeitig dazwischen schießen.

Die Geschichte wird in sieben großen Kapiteln geschrieben. Das jeweils erste Unterkapitel ist aus der Sicht des Mörders aus Ich-Sicht geschrieben; sonst ist das Buch wie gewohnt aus der Autoren-Beobachtungs-Perspektive.

Ort der Handlung ist ein Ferienort an der Küste, an dem langjährige Bewohner seit Generationen wohnen, aber auch nur am Wochenende bewohnt werden, da New York nahe liegt oder überhaupt als Ferienidylle dient.
Die Personen im Buch sind als alle Altersstufen und Charaktere geschildert. Die Polizisten werden engagiert gezeichnet; ein alternder Rektor mit seiner dominierenden Frau, ein alternder Geschäftsmann mit seiner jungen schönen Frau, ein Immobilienanwalt, eine Journalistin, eine Psychologin, Vater und Sohn einer Rechtsanwaltskanzlei und ältere Herrschaften sind liebevoll mit feinen Details gezeichnet

Das Buch ist genau das richtige für einen grauen Tag, den der Leser/die Leserin lieber auf der Couch lesend als draußen verbringen möchte.

Mary Higgins Clark (geboren als Mary Theresa Eleanor Higgins) wurde am 24. Dezember in New York City geboren - die Jahreszahlen sind unterschiedlich 19291927, 1928 oder 1931. Sie arbeitete eine Zeitlang als Stewardess, bis sie nach ihrer Heirat zu schreiben begann. Nach dessen frühem Tod begann sie mit Kriminalgeschichten und studierte Philosophie. 2013 ist ihr 43. Kriminalroman erschienen ("On the street where you live" ist der 26.)

Dienstag, 6. August 2013

Patricia Melo : "Leichenraub"

Patricia Melo :
"Leichenraub"
Original: "Ladrão de Caváderes"
2010, Editora Rocco
aus dem Brasilianischen von Barbara Mesquita
2012, Tropen bei Klett-Cotta
   Seiten
ISBN: 978-3-608-50118-6

Auf dem Cover dieses Buches steht Tropenthriller. Der Roman erzählt die Geschichte eines Mannes dem Drogen in die Hände fallen.

Der Erzähler, ein ehemaliger Unternehmer der Call-Center führte und die Leute dort schulte, mußte wegen einer Ohrfeige und darauf folgenden Selbstmord die Hauptstadt Sao Paolo verlassen. Jetzt lebt er mit der Polizistin Sulamita in Corumbá, einer kleiner Stadt nahe Bolivien und Paraguay. Er findet ein Flugzeug, einen sterbenden Piloten und Drogen. Die Drogen verkauft er heimlich. Bei der reichen Familie des Piloten findet er durch Zufall Arbeit. Durch die Zusammenarbeit mit einem Freund beginnt sich die Spirale zu drehen und es ist spannend zu lesen wie er, die ich-Person, aus dem Schlammassel findet.

Der Ich-Erzähler ist ein normaler egoistischer Zeitgenosse. Er hat zwar schlechtes Gewissen, aber daraus leitet er kein besseres Handeln ab, sondern sieht zu wie sich alles entwickelt. Erst als ihm die Pistole angesetzt wird, überlegt er wie was wer wie lösen kann. Nebenbei betrügt er seine Freundin mit der Freundin seinen Cousins, was ihm zwischendurch leid tut. Das einzig Nette das er tut, ist daß er sich um die alte Indio-mutter seines Freundes kümmert.

Seine Freundin Sulamita arbeitet zuerst bei der Polizei, dann auf der Gerichtsmedizin. Als er ihr endlich seine Probleme gesteht, entwickelt sie Plan B und zieht ihn durch. Sie träumt von Liebe, Familie, eigener Landwirtschaft und wird als konsequenter Mensch geschildert, dem Werte und Illusionen vor den Augen zerfallen. Ihr Wendepunkt ist als sie merkt, daß Polizistenkollegen die sie für integer gehalten hatte, genauso korrupt sind wie andere auch.

Die reiche Familie des Piloten wird als beruflicher Vater, emotionale liebevolle und daher todtraurige Mutter und einige Angestellte geschildert. Der Vater wirft ihn am Schluß hinaus - ob er Komplott und Betrug durchschaut hat ?

Eigen sind der Drogenmann den der Erzähler später kennen lernt und die Art wie zwischen Bolivien und spanisch-portugiesisch nicht verstanden wird. Macht ist wichtig, aber auch Nicht-Kommunikation.

Der Erzählstil ist eher in kurzen Sätzen. Es kommt selten Stimmung bei den Beschreibungen auf - und wenn dann sind es abgeblätterte Wände, dreckige Straßen, Alkoholiker und freundlose Beobachtungen. Es ist schwer in dieser Umgebung Hoffnung zu finden.

In Summe ein Buch das Eindruck macht und die Frage themasisiert wie leicht es ist vom korrekten Weg abzukommen. Ein empfehlenswertes Buch.

Patricia Melo ist am 2. Oktober 1962 in Sao Paolo auf die Welt gekommen. 1996 ist ihr erstes Buch erschienen. Mittlerweile wurden 11 Bücher von ihr veröffentlicht. Ihre Themen sind Politik, meist gemischt mit Kriminalität.

Samstag, 14. Juli 2012

Tess Gerritsen : "Totengrund"

Tess Gerritsen :
"Totengrund"
Roman
original "Ice Cold"
2010, Ballantine Books by Random House Inc.,N.Y.
Deutsch von Andeas Jäger
2010, Limes Verlag München
407 Seiten
ISBN 978-3-8090-2576-4

Der Roman ist ein spannend geschriebener Thriller, indem der Tod einer Gerichtmedizinerin und ihrer Freunde vorgetäuscht wird. Freunde lassen nicht locker und am Schluß ein 30 Jahre alter Umweltskandal aufgedeckt.

Die Gerichtsmedizinerin Dr. Maura Isles fährt mit einem alten Studienfreund und dessen Freunden in die Berge. Sie kommen nicht am Ziel an, entdecken aber einer menschenleeres Dorf - in jedem Haus hängt das Photo eines charismatischen Mannes mit faszinierenden Augen.
In Boston wird sie von ihrer Freundin Jane Rizzoli und ihrem heimlichen Liebhaber dem Pfarrer vermißt. Auch das Auffinden von verbrannten Leichen stoppt Jane nicht weiter nachzuforschen. Sie findet Maura, die mithilfe eines 15-jährigen Jungen mit großem Hund in den Wäldern überlebt hat.
Sie entdecken, daß das Dorf leer ist, weil giftige Gase uralten vergrabenen Fässern entwichen war.

Der charismatische Mann ist Jeremiah, der eine große Schar Bewunderer mit seiner religiösen Vision hat. Sein Modell der Gemeinschaftsarbeit im Dorf wird als positiv empfunden, - aber männlichen Teenager ab 14waren  aus der Gemeinschaft zu verweisen (tw. brutal rauszuprügeln), und die 14 jährigen Mädchen älteren Männern zuzuführen hat bei den betroffenen Kindern große Schäden hinterlassen. Eine Ehemalige rechnet ab.

Die Story ist gut geschrieben. Manche Kleinigkeiten werden mir nicht logisch erklärt, aber die Geschichte hat Drive und ich wollte wissen wie es weitergeht. Mißbrauch in religiösen Umfeld aufzuzeigen ist vermutlich wichtiger denn je.

Die Landschaft, das Dorf, das Überleben im Wald sind gut beschrieben. Die Menschen haben Profil. Ich habe erst nach dem Lesen mitgekriegt, daß Maura und Jane bereits im achten Thriller zusammenarbeiten und Janes Ehemann und Mauras reicher Verehrer offenbar fixe Bestandteile sind.

Ich habe den Roman in einem Rutsch gelesen und mich hat die Geschichte angesprochen. Viel Vergnügen.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Gordon Reece : "Mucksmäuschentot"

Gordon Reece :
"Mucksmäuschentot"
Thriller
Originaltitel "Mice"
2010, Allen & Unwin, Australien
Aus dem Englischen von Susanna Goga-Klinkenberg
2012, S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt
336 Seiten
ISBN 978-3-8414-2133-3

Das Buch erzählt eine gut geschriebene, schön rasch lesbare spannende Geschichte, in der zwei Frauen die gewohnt sind sich wie kleine unterdrückte Mäuse (daher der Originaltitel) zu verhalten und sich alles gefallen zu lassen, bei Einbruch in ihr geliebtes einsames Haus am Land, doch zur Wehr setzen.

Shelley, ein fünfzehnjähriges Pummelchen, wird in der Schule von ihren ehemals besten Freundinnen immer böser gemobbt und grauslichen Übergriffen ausgesetzt. Da sie hofft, daß diese (Prügel-)Attacken aufhören, wehrt sie sich nicht. Ihr Vater verliebt sich in eine andere Frau, und Shelleys Mutter akzeptiert fast alle Scheidungsbedingungen. Ein Haus in der Einsamkeit und Privatlehrer sollen Shelley helfen, daß die Brandattacken an ihrem Körper heilen können.
In der Nacht zu Shelleys sechzehnten Geburtstag bricht ein betrunkener junger Mann in das Haus ein. Diesmal lassen sich zuerst Shelley, dann auch ihre Mutter nicht mehr alles gefallen. Ein Rosenbeet wird zweckentfremdet, ein Auto auf einem öffentlichen Platz zurückgelassen und auch ein Erpresser wird abserviert. Nichts mehr mit Maus !

Das Buch ist in Ich-Form aus Sicht der Tochter Shelley geschildert. Ihre Gefühle und Ängste, ihr nicht sich etwas ge- und zutraun ist deutlich; ebenso die Fragen die bei und nach einer Scheidung der Eltern übrig bleiben.
Mutter und Tochter sind schön geschildert. Es bringt zum Schmunzeln zu lesen wie Shelleys Mutter dem anlassigen, schlecht zahlenden, launischen Chef langsam beginnt Paroli zu bieten.
Die Umgebung mit Garten, Bäumen, Häuschen und vorher Stadt und Schulgemeinschaft ist klar, aber nicht übergenau geschildert.

In Summe ein schön lesbares Buch, das ich in meinem Leseanfall bei schlechtem Wetter in zwei Stunden gemütlich gelesen habe. Dieses Vergnügen kann ich gerne weiterempfehlen.

Sonntag, 15. April 2012

Lilja Sigurdardóttir : "Zwölf Schritte"

Lilja Sigurdardóttir :
"Zwölf Schritte"
2009 Bjartur, Reykjavík
original "spor"
aus dem isländischen übersetzt von Ursula Giger und Angela Schamberger
2011, Rowohlt Taschenbuch Verlag
Deutsche Erstausgabe
247 Seiten
ISBN 978-3-499-25658-5

Dieser Debütroman ist ein spannender Thriller, bei dem sich ein Serienmörder unter anonymen Alkoholikern herumtreibt.

Idunn bekommt ihren ersten großen Fall bei der Polizei und fragt Magni, ihren Exmann um Hilfe.
Magni ist Übersetzer von Romanen, und war nach dem Tod ihres gemeinsamen einwöchigen Kindes in die Alkoholsucht abgeglitten. Er ist gerade aus dem Krankenhaus nach gelungenem Entzug entlassen worden und muß sich im Leben ohne Alkohol behaupten.
Es sind einige Leichen gefunden worden, deren gemeinsamer Nenner Treffen bei den Anonymen Alkoholikern sind. Da diese treffen anonym sind, soll Magni, der diese Treffen besuchen muß, sich dort umhören. Ihm ist das Spion sein unangenehm, und nur die Hoffnung daß doch wieder eine Beziehung mit Idunn möglich sein könnte, veranlaßt ihn mitzumachen.

Bei den Treffen der Anonymen Alkoholikern gibt es als spirituelle Unterstützung die 12 Schritte, bei denen es darum geht zur eigenen Schwäche zu stehen, Fehler gutzumachen zu versuchen aber auch spirituelle/christliche Hilfe anzuerkennen und anzunehmen. Die Treffen sind unterschiedlich religiös oder einfach nur als tägliche Zusammentreffen geschildert.

Die bisherigen Morde werden durch Magnis Hilfe unterschiedlichen Stufen dieses 12-schritte-programms zugeordnet. Leider passieren noch einige Übergriffe und Morde die aus dem näheren Umfeld von Magni sind, bis Idunn und Megan, eine norwegisch-amerikanische Profilerin, und die Polizei Magni aus der Gewalt des Serienkillers (er wollte Gott helfen) befreien.

Der Roman ist in Ich-Form geschrieben und schildert wie Magni mit den Polizeiphotos, den Anonymen Alkoholikern - Treffen und auch seiner Freizeit umgeht, um möglichst nicht wieder dem Alkohol zu verfallen. Die anderen Personen bewegen sich wie Planeten um ihn herum - auch die Auflösung des Falles wird ihm erzählt.
Die Schilderungen des täglichen Kampfes gegen den Wunsch nach Alkohol und welche Strategien Magni entwickelt - z.B. kochen und essen - sind faszinierend.

Die Menschen sind schön geschildert - Idunn, Megan auch sein Bruder Egill, die attraktive Frida, der sympathische vertrauenerweckende Geir, der handfest Atli oder der Polizist Njördur. Islands Weite ist bei einem Ausflug geschildert, als die beiden im Schnee stecken bleiben und dann im Konvoi mit anderen Autos hinter einem Schneepflug herfahren dürfen.

Der Krimi ist empfehlenswert und spannend geschrieben - ich hatte einen anderen 'Mörder' in Verdacht gehabt, muß aber gestehen, daß ich dieses Buch nur bei Tag gelesen habe.

Sonntag, 4. September 2011

Patricia Cornwell : "The Front"

Patricia Cornwell :
"The Front"
Paperback edition published 2008 by Sphere, UK
229 Seiten
ISBN 978-0-7515-3965-3

i n   e n g l i s c h e r   O r i g i n a l f a s s u n g   g e l e s e n
Auf deutsch wurde das Buch unter dem Namen "undercover" veröffentlicht.

Win Garano wird von seiner Vorgesetzten Monique Lamont auf einen 45 Jahre zurückliegenden Fall angesetzt. Eine blinde Britin könnte eines der  Opfer des Boston Mörders sein - womit sich eine wunderbare Gelegenheit zur Zusammenarbeit mit den Briten jenseits des Meeres ergibt.
Ein anderer Handlungsstrang erzählt, daß jede Menge Rohstoffe gestohlen und verschoben werden. Parallel dazu wird geschildert wie politische Machenschaften ablaufen (können) oder wie einer dem anderen eine Falle stellt.
Letztendlich löst "Win" den Fall und es ist klar, daß nicht der Boston Mörder die junge Frau ermordet hat, sondern sie einen Mord auf der Straße an einem Jurymitglied in einem Mordprozeß an einem Mafiamann gesehen hatte (sie war nicht blind gewesen, sondern nur lichtempfindlich), weshalb sie und ihr Freund umgebracht wurden. Auch der Rohstoffdiebstahl wird aufgelöst.

Die Menschen bleiben plakativ: die kalte, schöne, machtbesessene, kalkulierende Lamont, Win der sich gängeln läßt und sie und seine Mitarbeiterin "Stump" schützt oder es zumindest probiert, der schmierige Journalist, der liebenswürdig aussehende aber glatte Politiker. Spaß hat mir eigentlich nur die Schilderung der esoterischen Großmutter gemacht.
Im Hintergrund ziehen Heimatschutz, E-spionage, und die Überzeugung manches Protagonisten, daß jeder zu überwachen sei, ungute Fäden.

Auch wenn ziemlich viele Klischees bedient werden, bin ich froh, das Buch auf englisch gelesen zu haben, denn ich habe einige neue Vokabel dazugelernt.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Virginie Brac : "In den Nächten brütet still der Tod"

Virginie Brac :
"In den Nächten brütet still der Tod" - Ein Fall für Véra Cabral
original "Notre-Dames des barjots"
2002, Éditions Fleuve Noir
Deutsch von Kerstin Krolak
2006, Rowohlt Taschenbuch Verlag
351 Seiten
ISBN 978-3-499-24242-7

Ein spannende Geschichte die mit einem grauslichen Mord beginnt, und Frau Dr. Véra Cabral, eine junge Psychiaterin in einem Krisenzentrum begleitet, bis sie am Schluß den Mord löst.

Umfeld ist ein Krankenhaus, in dem jede Menge Menschen Machtspiele spielen und vom Aufstieg träumen. Hier versteckt der kommende große Mann Prof. Russel seinen Sohn, der verdächtig ist eine junge Frau ermordet zu haben. Leider ist der Mann von Drogen gedämpft - Psychiater und Neurologen kümmern sich abwechselnd um ihn. Es sei nur verraten - er hat den Mord nicht beganngen.

Nebenbei entwickelt sich eine Zusammenarbeit zwischen Véra und Hugo, dem Neurologen, basierend auf Kontakten die sie zu Studienzeiten miteinander hatten. Andere Nebengeschichte ist Transversiten gewidmet und der Hilfe an Frauen am ältesten Gewerbe. Last but not least finden bunte Szenen aus der aus Portugal stammenden Familie von Véra Platz und die Psychiaterin schlägt sich mit einer Steuerprüfung herum, an der der Steuerberater von ihr und ihrem etwas zwielichtigen Bruder Schuld ist.

Der Krimi ist schön und flüssig geschrieben, und hat Drive der weitertreibt.
Manche der Personen sind genau gezeichnet und gut vorstellbar, manche bleiben Klischees, was aber nicht wirklich stört.

In der Ausgabe ist der Kapitelanfang originell gelöst: die Seite ist jeweils eine Stadt in der Nacht - also ziemlich schwarz - und im unteren Drittel startet das Kapitel in weißen Lettern.

Den spannenden Roman/ Thriller / Krimi kann ich gerne empfehlen.

Samstag, 23. April 2011

Alexander Trocchi : "Wasserläufe"

Alexander Trocchi :
"Wasserläufe"
1954 erster Entwurf
mehrere Fassungen - 1957 "Young Adam"
Nachwort 1996 John Pringle
aus dem Englischen übersetzt von Ulrike Beck und Marie Rahn
1997, Ullstein Verlag Berlin
164 Seiten
9 Seiten Nachwort
ISBN 3-548-24226-X

Ein starke Geschiche mit einer eigenartigen Eindringlichkeit.
Fischer finden eine Frauenleiche in einem Fluß, die Polizei kommt und Mord wird vermutet. Die Fischer sind Leslie und sein Helfer Joe, der die Geschichte in Ich-Form erzählt. Joe beginnt eine Affäre mit der Frau von Leslie, als Leslie dahinterkommt verläßt er das Boot. Ein Installateur wird des Mordes an der Frau - Cathy - verdächtigt, Joe beobachtet den Prozess.

Mitte des Buches kippt die Geschichte und Joe erzählt wie die Frau bei einem Unfall ums Leben gekommen war. Ab hier ist das Geschehen auf Joe, sein Leben und seine Sichtweise konzentriert. Seine Wahrnehmung der Frauen wird geschildert, das Sehen, das Berühren, die Affäre mit Leslies Frau Ella, der Versuch mit deren Schwester und Rückblenden auf die Zeit mit Cathy.

In langen Passagen wird das Leben dreier Menschen auf einem Boot erzählt, das tägliche Leben, die Einöde beim Betrachten des Lebens neben dem Fluß und erfüllte und unerfüllte Sexualität.

Ich habe das Buch in 2 Tagen ausgelesen, weil mich die Spannung in der Geschichte gehalten hat.