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Samstag, 6. Januar 2018

Erich Kästner : "Der 35. Mai"

Erich Kästner :
"Der 35. Mai oder Konrad reitet in die Südsee"
Copyright 1933, Atrium Verlag Zürich
Illustriert von Walter Trier
1950, Carl Ueberreuter Wien
117 Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis + 1 Seite Verzeichnis der Abbildungen
keine ISBN

Der kleine Konrad ist jeden Donnerstag nachmittag bei seinem Onkel, dem Apotheker Ringelhuth. Gemeinsam mit dem schwarzen Zirkuspferd, Negro Caballo, machen sie sich auf die Reise in die Südsee, da Konrad einen möglichst phantasievollen Aufsatz darüber schreiben soll.
Auf dem Weg dorthin kommen sie ins Schlaraffenland mit Präsident Seidelbast, später treffen sie Napoleon, Cäsar, die beiden Ajaxe aus der Illias, Barbarossa und Turnvater Jahn, Alexander der große und Achilles, und beobachten Hannibal und Wallenstein mit Zinnsoldaten im Kampf um einen Rosenstrauch mithilfe von Erbsenkanonen.
In der verkehrten Welt werden böse Eltern erzogen. Der Äquator ist ein Metallband, das vor dem rosten bewahrt werden muß. In der Südsee treffen sie auf die schwarz-weiß-karierte Prinzessin Petersilie und einem Wal im Urwald.
Mittels König und Zauberspruch kommen sie wieder nach Hause, und überfordern Konrads Eltern.

Die Reise Phantansiewelt macht nach den ersten irgendwie eher mühsamen Seiten dann viel Spaß zu lesen. Vermutlich merkt sich jede/r Leser/in andere feine Details, die z.B. von Vier-Frucht-Baum, über spiegelei-legende Hennen bis zu furchtsamen Tigern reichen.

Schön ist in dieser Ausgabe, daß alle Zeichnungen von Walter Trier aus der ersten Ausgabe von 1931 hier abgedruckt sind.

Viel Spaß beim Lesen !

Emil Erich Kästner wurde am 23. Februar 1899 in Dresden geboren. Er war bekannter Kinderschriftsteller, Schriftsteller für Erwachsene, bis zu Texter für das Kabarett. Als regimekritischer Mensch in Deutschland in der NS-Zeit hatte er es zwar nicht leicht, durfte aber immerhin unter Pseudonym veröffentlichen. Am bekanntesten dürften seine Kinderbücher wie "Das doppelte Lottchen", "Emil und die Detektive" sowie "Das fliegende Klassenzimmer" sein. Er starb am 29. Jui 1974 in München.

Samstag, 17. September 2016

Gaito Gasdanow : "Die Rückkehr des Buddha"

Gaito Gasdanow :
"Die Rückkehr des Buddha"
Roman
original "Возвращение Будды"
1950, in der russischen Literaturzeitschrift 'The New Review', NY
übersetzt aus dem Russischen, mit einem Nachwort von Rosemarie Tietze
2016, Hanser Verlag
208 Seiten und 5 Seiten Nachwort
ISBN 978-3-446-25047-5

Der Roman spielt in Paris in den frühen 20-jahren des 20. Jahrhunderts. Ein junger Mann der geschichtliches recherchiert taucht immer wieder in eine Traumwelt ab, spendiert einem Bettler einen Geldschein, trifft Pawel Alexandrowitsch /den Bettler wieder, wird des Mordes an ihm verdächtigt und auf Grund des Diebstahls einer kleinen goldenen Buddha-statue, die der Mörder zuerst genutzt hatte und dann gestohlen hatte, von dem Vorwurf des Mordes befreit.

Der "ich" des Buches erzählt anfangs von seinem traumatischen Sterben in den Bergen, was allerdings nur im Kopf stattfindet.
Paris wird viel im Nebel, in Grau und in Elendsviertel geschildert. Die Freundin Pawels Lina, die unglücklich in einen groben Mann aus dem Orient verliebt ist und gewohnt ist ihren Körper zu verkaufen, wird als eigenartige Mischung aus schön, lasziv, kalt, leidenschaftlich bis schlammig geschildert. Pawel selbst ist ein belesener Mensch, nur durch sein Glück an Geld kam. Der Erzähler erzählt auch von einem Schnorrer, der seine große Liebe eine nicht echte Gräfin nicht vergessen kann und vor und nach einer Erzählung immer auf sie zurückkommt. Auch andere Figuren in dem Roman sind zwar für die Erzählung nicht notwendig aber gut gezeichnet und gut vorstellbar.
Die Menschen sind entweder russisch - französisch, oder Franzosen, oder aus einem Gemisch aus Europa und dem Orient um das Atlasgebirge.

Die Bruchstücke die französisch geschrieben sind, sind erfreulicherweise übersetzt, und bleibt nicht als Leser/Leserin dem Rätseln überlassen (oder der Suche nach Vokabeln).

Der Stil des Buches ist gemessen. Es herrscht keine Eile. es gibt immer wieder schöne Beschreibungen wie : ' unisono irgendwelchen musikalischen Müll zu singen', 'undefinierbaren Seelennebel', 'deren Haltlosigkeit sich erst danach herausstellte und nur darum, weil er sich mit dem Sterben verspätet hatte' etc.

Ich habe länger an den Buch gelesen, und konnte es nicht in einem Rutsch durchlesen, weil mich die Sprache bremste. Es ist ein Buch das ich wieder lesen werde ! Viel Freude auch anderen beim Lesen !

Gaito Gasdanow (eigentlich Georgi Iwanowitsch Gasdanow), wurde am 23, Nov (jul Kal)/6. Dezember (greg. Kal) 1903 in St. Petersburg geboren und ist am 4. Dezember 1971 in München gestorben. Da sein Vater Forstbeamter war wurde er als Kind oft mit der Familie versetzt. Er kämpft ab 1919 auf Seite der Weißen Arme. Als Flüchtling nach der Niederlage reist er über Türkei und Bulgarien an Paris, wo er viele unterschiedliche Beschäftigungen hatte und an der Sorbonne Vorlesungen zuhörte. Er begann, regelmäßig literarische und journalistische Texte zu veröffentlichen. Während des zweiten Weltkrieges war er in der Resistance. Ab 1952 berichtete er als Journalist unter dem Pseudonym „Georgij Tscherkassow“ über das Pariser Kulturleben. Ab 1954 bis  berichtete er zuerst aus München, dann Paris, und wieder München bis zu seinem Tod. Sein Werk umfasst zahlreiche Romane und Erzählungen. Als wichtigstes Buch gilt "Das Phantom des Alexander Wolf " (Призрак Александра Вольфа, 1948).