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Freitag, 2. Februar 2024

Alex Beer : "Die rote Frau"

Alex Beer :
Die rote Frau - ein Fall für August Emmerich"
Kriminalroman
2018, Limes in Verlagsgruppe Random House GmbH
400 Seiten + 3 Seiten Nachwort + 2 Seiten Danke + 2 Seiten Quellenangaben
ISBN 978-3-8090-2676-1

Rayoninspektor August Emmerich, humpelnd nach Kriegsverletzung, und sein Mitarbeiter Ferdinand Winter mit kaputtem Arm nach dem Krieg, werden von ihrem Vorgesetzten mit dummer Papierarbeit gequält. Erst die Morddrohung an einer Filmdiva bringt die beiden in Recherche. Parallel wurde ein Stadtrat ermordet, der viel für die vielen Bedürftigen in Wien um 1920 macht.
Ausgehend von dem Arbeiterwohnheim in dem er wohnen muß, weiß er, daß der Beschuldigte nicht der Mörder sein kann, und sucht mit Genehmigung, weiter.
Es gibt Gesellschaften die den Armen nach dem Weltkrieg weiterhelfen (wollen), und ebenso gibt es Gesellschaften die einzelnen Auserlesenen mit Verletzungen mit Prothesen aushelfen wollen.
Erst spät tut sich Emmerich auf, daß die rote Frau bei den einzelnen Gesellschaften mit unterschiedlichen Utensilien gezeichnet ist und erschreckend andere Konzepte zur Beseitigung der Massenarmut angestrebt werden.

Wien ist in seinen verschiedenen Örtlichkeiten der Armut genau beschrieben : Das menschliche Elend und die Machtspiele im Männer-Obdachlosenheim, die Kohlefabriken mit Dreck und Hitze, das Leben der Menschen die überall sparen müssen.
Einige wenige können sich Leben leisten, ohne auf Geld achtgeben müssen.
Die Beschreibungen gehen unter die Haut.

Die Menschen sind stark und eindrücklich beschrieben. Es sind sowohl die direkte als auch süffisante Brutalität der Menschen spürbar, als auch wenn jemand versucht sich noch ein bißchen die restliche Würde zu bewahren.
Emmerichs Verzweiflung daß er seine Liebe an ihren aus dem Krieg zurückgekehrten brutalen Ehemann verloren hat, ist greifbar. 

In Summe ist dieser Kriminalroman trotz seiner Düsterkeit empfehlenswert. Gutes Lesen !

Alex Beer, eigentlich Daniela Larcher wurde am 8. April 1977 in Bregenz geboren. 2008 erschien ihr erster Kriminalroman . Mittlerweile gibt es vier Kriminalroman-Reihen : Otto Morell, August Emmerich, Isaak Rubinstein  und Felix Blom sind die Hauptprotagonisten.

Donnerstag, 30. November 2023

Karl Rittner : "Die Toten von Wien"

Karl Rittner :
"Die Toten von Wien" - ein Fall für Alexander Baran
2023, Goldmann Verlag
13 Seiten Prolog + 400 Seiten + 3 Seiten Danksagung
ISBN 978-3-442-49090-5

Im Prolog wird von der kurzen aber glücklichen Ehe zwischen Szonja und Anton Graf von Waldstetten, die zeitgleich mit dem Jagdbesuch des Kronprinzen vor dem ersten Weltkrieg endet, und einem Fluch erzählt.

1922 in Wien, ist Alexander Baran, eigentlich Sandor von Barany, Kriminalbeamter, der immer noch nach seiner vermissten Schwester Szonja sucht; ihm zur Seite steht Bezirksinspector Florian Meisel.
Eine Balletttänzerin wird ermordet gefunden, ein pensionierter Hofrat vor die Straßenbahn gestossen, ein Student (der sich als Dieb entpuppt) verhaftet, eine weitere Balletttänzerin ermordet .
Eine junge Anwältin, Frau Eleonore Wertheim, vertritt zuerst den Studenten, hilft Baran dann weiter. Ein ehemaliger Graf, Otto Schöntan, hat ein Unterhaltungsetablissement mit Tänzerinnen. Pathologe Alfred Bernstein mit seiner Kartenspielrunde u.a. mit dem Schriftsteller Hugo Bettauer, den Herausgebern Robert Sticker und Arthur Freud, bringt Baran auf richtige und falsche Spuren; und wird ebenfalls als Wissender ermordet. Ein mysteriöser Mann mit blauen, sehr kalten Augen aber sonst wenig  Wiedererkennungsmerkmalen, entpuppt sich als Strippenzieher, da er als Kind nicht so umsorgt worden war wie sein Zwillingsbruder. 
Hintergrund war auch eine politische Verschwörung und ein Zusammenhang mit Geheimpolizei gewesen.
Letztendlich kann Baran auch die Sache mit seiner verschwundenen Schwester lösen, und einen unguten Vorgesetzten dank eines Fehlers loswerden.

Der Kriminalroman ist sehr gut geschrieben. Wien damals ist nachvollziehbar, mit seinen reichen Villen, aber auch armen Gegenden im zweiten Bezirk und elendsarmen, menschenunwürdigen Zuständen in Baracken. Der Ausdruck "Grabennymphen" für käufliche Frauen war mir bis dato nicht bekannt gewesen.

An Wiener Örtlichkeiten gibt es die Wiener Staatsoper, die American Bar (auch: Loos Bar genannt), den Wiener Wurschtl-prater mit Rotunde, Café Siller (wurde 1945 zerbombt), Martinkirche im 18. Bezirk, Villen in Dornbach, Sechs-Schimmel-hof im 8. Bezirk, Chatham-Bar in 1. Bezirk (jetzt Café Hawelka), ehemaliges Kriegsspital im 19 Bezirk aus dem Wohnbaracken gemacht wurden; Gasthaus "zur güldenen Waldschnepfe" in Dornbach, das es als Lokal allerdings mit anderem Namen immer noch gibt.

Die Persönlichkeiten sind greifbar geschildert, auch wie eigentlich alle sehr daran arbeiten müssen in diesen Zeiten über die Runden zu kommen und die Einsamkeit zu bewältigen.

In Summe ein sehr guter Kriminalroman, der spannend ist.

Karl Rittner ist das Pseudonym eines österreichischen Schriftstellers und Hochschulprofessors. Er wurde 1960 im Land Salzburg geboren, und lebt zur Zeitpunkt der Buchveröffentlichung in Wien.

                      

Freitag, 17. November 2023

Elena Ferrante : "Meine geniale Freundin"

Elena Ferrante :
"Meine geniale Freundin" -Band 1/ Kindheit, frühe Junged
Roman
original "L'amica geniale"
2011, Edizione e/o, Rom
Aus dem Italienischen von Karin Krieger
2016, Suhrkamp
406 Seiten - 5 Seiten mit handelnden Personen
ISBN 978-3-518-42553-4

Im Prolog erzählt die Ich-Person, Lenuccia genannt Lenù oder Elena Greco, daß der Sohn von Raffaela Cerullo, genannt Lina oder Elena, seine Mutter sucht, weil sich die beiden seit mehr als sechzig Jahren kennen. Hier startet die Rückblende in die Kindheit.

Kindheit heißt hier eines der Armenviertel Neapels - konkret Rione - , in denen die Familien eher unter sich bleiben und sehr vorsichtig sind, wenn es um Familien mit Machteinfluß geht. Manche Familien gehen leise mit Problemen um, andere sehr laut. Elena Greco ist das Kind eines Pförtners und wird in der Schule sehr gefödert, während Lila Cerullo keine Förderung bekommt aber durch viel Lesen viel Wissen und Logik kombiniert, und damit Elena damit für schulische Leistungen herausfordert. Die beiden Mädchen werden enge Freundinnen, wobei Lila Elena auch menschlich zu neuen Grenzen bringt.
Während Elena weiterhin in die Schule gehen darf und schönes Italienisch lernt, Latein und später auch Griechisch, muß Lila ihrem Vater und Bruder im Schuhladen helfen. Sie hat Ideen für neue schöne Schuhe, die ihr Bruder nach viel Mühen zusammenbringt.
Elena macht einen Kururlaub auf Ischia, und wird hübsch; Lila entwickelt sich zu einer interessanten Schönheit und verlobt sich mit Stefano Carracci, der ihr verspricht ihre Schuhideen umzusetzen und ihrer Familie zu helfen.
Bei der Hochzeit entdeckt sie, daß ihr Ehemann sie belogen hat, da das Geld von der verhaßten Familie Solara kommt, die mit der Mafia zusammenarbeitet, und alle anderen Familien unter Druck setzt.

In dem Buch sind 10 Familien aufgezählt, was viel hilft die Namen und Zusammenhänge halbwegs im Überblick zu halten. Ich habe mir schwer getan die vielen Familien- und Mädchennamen zu behalten.
Dieser Roman ist der erste von vier Teilen.

Die Menschen und ihre Leben sind spannend beschrieben. Die meisten Familien sind arm, Kleider werden lange gepflegt, und die meisten Menschen haben Arbeit die wenig Einkommen bringt.

Die Freundschaft der beiden Mädchen wird schön beschrieben, in ihrem Gegensatz von brav und blond zu hager und blitzenden Augen.

Der Roman ist dicht geschreiben, die Szenerien liefen vor meinem geistigen Auge. Viel Freude beim Lesen.

Elena Ferrante, geboren am 4. April 1943 in Neapel, ist  ein Pseudonym einer italienischen Schriftstellerin, die es geschafft hat seit den 1990-er Jahrn anonym zu bleiben. Die Interviews werden ausschließlich schriftlich geführt. 1992 erschien ihr erster Roman "L'amore molesto", der 1994 auf deutsch, und dann nochmals 2018 übersetzt wurde. "L'amica geniale" ist der erste Band einer Tetralogie.

Montag, 20. September 2021

Dani Scarpa : "Mord in Parma"

Dani Scarpa :
"Mord in Parma" - Paolo Ritter ermittelt
2020, Rowohlt Taschenbuch Verlag
345 Seiten + 2 Seiten Rezept Lucias Maltagliati / Stadtplan von Parma in Innencover
ISBN 978-3-499-00242-7

Paolo Ritter, Ermittler, wird aus Deutschland mit einem Raubkunst Gemälde nach Parma geschickt. Bei der großen Enthüllung des Denkmals lernt er einige wichtige Menschen kennen, von denen prompt einer an Abend darauf tot aufgefunden wird. Paolo vermutet Mord, die italienische Polizei Tod durch Medikament. Er macht sich auf die Suche nach dem Original des Gemäldes, denn kurz nach der Präsentation ist dieses gegen eine ausgezeichnete Fälschung ausgetauscht worden. Hilfe ist ihm bei der Recherche, die ehemalige Mitarbeiterin seines verstorbenen Bruders bei seinem Hotel-Ristorante an der Küste, Lucia; sie weckt nicht nur seine schönen Erinnerungen an Italien aus der Kindheit, sondern bringt ihm bei wieder menschlich bei den Befragungen vorzugehen, was den Durchbruch bringt. Am Schluß ist das original Gemälde zurück, und einige Beziehungen geklärt.

Parallel zum Krimistrang wird Paolo, der extrem gutes visuelles Gedächtnis hat und fast authistisch agiert, mit seinen Kindheitserinnerungen konfrontiert. Ihn hatten seine Eltern in ihrer Liebe für Italien mit einem italienischen Namen versehen. Sein verstorbener Bruder erscheint ihm immer wieder um mit ihm zu reden. In der Stadt an der Küste begegnen ihm durch Lucia Warmherzigkeit und Fröhlichkeit, die seine Pedanterie aufweichen. 
Seine Beziehung zu einer erfolgreichen blonden Frau wird der lebhaften, warmherzigen, temperamentvollen Italienerin gegenübergestellt. Die Sympathie des Autors ist klar.

Die weiteren Personen sind unterschiedlich: es gibt einen engagierten, aber Deutsche nicht mögenden Kommissar, einen engagierten Kurator der die Kunstwerke leidenschaftlich liebt, einen aalglatten aufstrebenden Politiker, einen eigenartigen Kunstsammler, und freundliche Nachbarn.

Orte der Handlung sind München, Parma und die Küstenstadt. Es ist Sommer und allen ist heiß.

Die Absätze über Kunstfälschung sind sehr interessant und lehrreich.

Der Roman ist gut geschrieben, die Personen gut vorstellbar. Viel Spaß beim Lesen !

Freitag, 17. September 2021

Yann Sola : "Tödlicher Tramontane"

Yann Sola :
"Tödlicher Tramontane" - ein Südfrankreich Krimi
2016, Kiepenhauer &Witsch
346 Seiten
ISBN 978-3-462-04868-1

Perez, rundlicher Gastronom mit Hang zum Detektiv, geht an der Cote Vermeille den Gerüchten um eine exorbitanten Hafenerweiterung und der Explosion eines Schiffes nach. Noch engagierter ist er, als eine sehr gute Freundin von ihm bedroht wird, und verschwindet. Bei der Suche nach Unterlagen zu den Gerüchten über Hafenerweiterung, die alles charismatische der Gegend kosten würde, tappt er zuerst ein Falle, später sucht er sich Hilfe bei einem einflußreichen Mann mit Bodygard. Am Schluß wird eine alte Rechnung mit einem zutiefst unsympathischen Menschen beglichen, einige größenwahnsinnige Menschen verhaftet und ein wirklich reicher Mann stellt sicher, daß der Charme des Ortes und seine Umgebung gewahrt bleibt.
Parallel gibt es viel über das excellente Essen und Trinken der Gastro um Perez zu lesen. Alle Zutaten sind vom Feinsten, oft über Schleichwege aus dem benachbarten Spanien gebracht. Sein Anspruch an Weintrinker, daß diese gewissen "Trinkintelligenz" mitbringen sollten, denn Wein schmeckt nun mal unterschiedlich je nach Jahrgang, hat mich gut unterhalten.

Die Geschichte spielt zur Zeit des Tramontane / Tramontana, einem Wind der an den Nerven zerrt und und alle unruhig macht. Alles Schlechte und Unangenehme wird sofort auf die Launen dieses Windes geschoben. Ort der Handlung ist meist Banyuls sur Mer, und die Berge dahinter.

Das Projekt mit dem rücksichtslos Natur gesprengt, und willkürlich ergänzt werden soll, wobei nur einige wenige profitieren und den großen Gewinn teilen wollen, ist erschreckend.

Interessant ist, daß dieser Teil Südfrankreichs Nord-Katalonien ist. Sprachfetzen in dem Buch sind katalonisch. Hier möchte ich geschichtliches Nachlesen

Dieser Roman ist mit viel Schwung geschrieben und macht Spaß zu lesen, und brachte mich oft zum Kichern. Viel Freude beim Lesen !

Yann Sola ist das Pseudonym des Romanautors Werner Köhler. Er lebt und arbeitet in Deutschland und an der Côte Vermeille, im äußersten Südwesten Frankreichs, in unmittelbarer Nähe zur spanischen Grenze.

Dienstag, 6. April 2021

Julen Zabache : "Baskischer Tod"

Julen Zabache :
"Baskischer Tod" - Rafael Ibara ermittelt
2020, Harper Collins Hamburg
247 Seiten
ISBN 978-3-95967-417-1

Comisario Rafael Ibara, der seine Polizeiausbildung in Deutschland hatte, lebt seit Jahren mit seiner Teenagertochter bei seiner Schwiegermutter auf ihrem Bauernhof im Baskenland. Als eine Touristin ermordet aufgefunden wird, und darunter alte Knochen liegend, werden dem Team vor Ort eine übergeordnete Gruppe vor die Nase gesetzt. Vor allem macht der fette und unhöfliche Comisario Arbos jegliche Art der Zusammenarbeit schwer, sodaß Rafa(el) sich selber aufmacht um kleine Ungereimheiten zu klären, und um einen unschuldigen Ziegenhirten zu entlasten. Eine alte Geschichte, die mit der ETA zu tun hat, sowie ein Geheimnis um ein Grundstück bringen Ibara auf die richtige Idee.
Parallel wird Ibara als alleinerziehender Vater einer Teenagertochter in Zeiten der sozialen Medien ziemlich gefordert.

Die Personen sind gut vorstellbar geschildert. Ibara der sehr großgewachsen ist, und Ruhetechniken beherrscht, ist sympathisch, genauso wie seine Tochter Isobel und seine Schwiegermutter Finia, die dies unter einer Portion Grant versteckt. Im Kommissariat gibt es positive Menschen und überforderte, sowie einen sehr unsympathischen Zeitgenossen, der die Antipathie zum motivieren zum Erfolg einsetzen möchte. Das Mordopfer war sympathisch, der Mörder aalglatt und berechnend, die Menschen vor Ort sind eckig aber mit Liebe gezeichnet.

Ort der Handlung sind Getaria und Zarautz in der Provinz Gipuzkoa, die teilweise am Meer liegt, und ein wunderschönes Gebiet ist, das teilweise von zu vielen Touristen besucht wird.
Die Geschichte spielt im Hochsommer.

Es wird einiges über das spanische Baskenland erzählt, wie die Franzosen dazu stehen, Erfolge und Mißerfolge der ETA und die Komplexheit der baskischen Sprache. 
Netterweise wird etwas lokales Essen in dem Roman genannt : zum Frühstück 'pastelitos' und dann über den Tag hinweg 'pintxos', die Spanien gewohnt Menschen 'tapas' nennen würden, was im Baskenland streng verpönt ist, und oft aus anderen Zutaten besteht.

Die Geschichte ist spannend geschrieben. Für den Leser ist der Prolog aus Sicht einer alten Dame und dann alles aus der von Raffael Ibara beschrieben.

In Summe ein gut geschriebener Kriminalroman, der ein bißchen Sommerfeeling erzeugt. Mitraten des Who dunnit ist nicht möglich. Viel Spaß beim Lesen.

Julen Zabache ist das Pseudonym eines deutschen Autors, der bereits einige Romane veröffentlicht hat. Er arbeitet als Hochschuldozent.

Samstag, 7. November 2020

Gil Ribeiro : "Schwarzer August"

 Gil Ribeiro :
"Schwarzer August" - Lost in Fuseta - ein Portugal Krimi
2020, Kiepenheuer & Witsch
390 Seiten - vordere Innenseite Karte Portugal - hintere Innenseite Karte Faro
ISBN 978-3-462-05269-5

Leander Lost ist in diesem vierten Krimi, in dem der deutsche Asperger Polizist mit seiner unbarmherzigen Logik und Wahrheit mithilft Attentate aufzuklären. Zuerst wird eine Bank gesprengt, dann Schiffe eines asiatischen Thunfischfängers, dann gibt es zielgerichtete Attacken auf Menschen die sehr auf die persönlichen Schwächen derjenigen eingehen. Das Telephonat zwischen dem Attentäter und Leander deckt viel Verständnis für die gegenseitigen Eigenheiten auf. Am Schluß wird aufgedeckt wer dahinter steckt und einige bestechliche Menschen verlieren ihre Jobs.

Parallel wird die Beziehung zwischen Leander und Soraia erzählt, die nach dem ersten Kennenlernen in gemeinsames Wohnen mündet. Es ist entzückend zu Lesen wie die beiden sich bemühen einander zu verstehen und etwas für den anderen zu machen .
Die seit Kindheit bestehende Freundschaft zwischen dem Polizisten Carlos (mit Kleidungsmäßig ziemlich verrückten Kombinationen) und Soraias Schwester Graciana, die seine Vorgesetzte ist, bleibt weiterhin bestehen, auch wenn sich Graciana eine schöne Zeit mit einem Zeugen gönnt.
Inzwischen ist auch Luis wieder zurück, der statt Leander im Austauschprogramm in Deutschland gewesen war - er ist fast ein runnig gag, weil er zwar wirklich gut aussieht, aber leider nicht so gescheit wie attraktiv ist.

Hintergrund der Attentate sind einerseits Schwarzmarktgeschäfte bei denen Geschäftemacher außerhalb der EU Grund erwerben wollen, um damit den Schengeneintritt zu umgehen. Der andere Hintergrund sind asiatische Fischunternehmen, die den Orten mit heimischen Fischern lokale Fischrechte abkaufen, diese Regionen leerfischen ohne zu bedenken, daß damit die wirtschaftliche Zukunft der Region unsicher ist.

Auch diesmal werden wunderbare Fischgerichte beschrieben, die ich mir gerade in der grauen Novemberzeit besonders gut vorstelle.

Viel Spaß beim Lesen dieses humorvollen Hochsommerkrimis am Mittelmeer.

Biographie des Autors bei "Lost in Fuseta" am 22. September 2017.

Samstag, 13. Juni 2020

Pierre Martin : "Madame le Commissaire und der tote Liebhaber"

Pierre Martin :
"Madame le Commissaire und der tote Liebhaber" - ein Provence Krimi
2019, Knaur Verlag
370 Seiten
ISBN 978-3-426-52198-4

Kommissarin Isabelle Bonnet, die nach einer Dienstverletzung, wieder zurück ist, muß den hinterhältigen Mord an ihrem Ex-Liebhaber, dem Bürgermeister Thierry, aufklären. Neu im Ort ist ein charismatischer Künstler. Isabelle recherchiert im Ort der Ermordung und entdeckt, daß Thierry auf der Spur deutscher Künstler gewesen war, die vor dem NS-Regime in die Provence geflohen waren, um dann vor der Vichy-Regierung zu fliegen. Spät setzt sich die Informationen zusammen, daß Thierry ein Frauenheld, sehr charmant, offen für Umweltanliegen und erfolgreich, und damit Neider auf den Spielplan rief.

Der Krimi ist der sechste Band dieser Serie und ist gut geschrieben. Das Gefühl für kleine Ort der Provence, Nähe zu Meer, und gutem Essen ist spürbar.

Die Menschen sind optisch überraschend wenig beschrieben, aber genug skizziert um ein Greifbarkeit zu erzeugen. Als 'running gag' entpuppt sich der Assistent Apollinaire, der Computeraffin ist, und bei dem sich seine innere Korrektheit mit äußerlichem Chaos ausdrückt.

Es gibt die Menschen in Ort, und einen Neuzugang im Ort, über den alle sprechen, und der sich die Neugier höflich freundlich distanziert auf Abstand zu halten weiß. Isabelles Freund in der Kunstbranche freut sich über diesen Neuzugang.

Bei Regen ist dieses Buch ideal. Viel Spaß beim Lesen !

Pierre Martin ist Pseudonym. Er veröffentlichte unter diesem Namen seit 2014 den ersten Krimi mit Kommissarin Isabelle Bonnet und ihr Assistent Apollinaire 'Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer'. 2020 erschien der siebente Roman dieser Serie.

Freitag, 12. Juni 2020

Catherine Simon : "Falsche Austern"

Catherine Simon :
"Falsche Austern" - der vierte Fall für Kommissar Leblanc
2018, Goldmann Verlag
244 Seiten
ISBN 978-3-442-48553-6

Der Museumsdirektor ist erschossen geworden. Weder Ehefrau noch Freundinnen können dem Kommissar bei der Recherche weiterhelfen. 
Es geht diesmal nicht um echte Austern, von denen es verschiedene Sorten in der Normandie gibt, sondern um ein Gemälde von Eugene Boudin, dessen Werke in Museen der Normandie gesehen werden können.
Kommissar Leblanc wird innerhalb der Arbeit mit einem zweiten Kommissar zusammengespannt, der nicht mit Menschen redet und der Intuition vertraut, sondern direkt bis rücksichtlos und brutal vorgeht.
Leblanc, der durch die Liebe seiner Mutter zu einem Mann in Kameroun, offen für die oft nicht ruhmreiche Geschichte Frankreichs in Afrika ist, lernt einiges über die 'Pieds-noirs', die algerische Geschichte und kommt wirklich einem gefährlichen Mann auf die Spur.
Das Ende ist zynisch, denn Leblanc wird in Frühpension geschickt, der junge dynamische Kommissar übernimmt die zusammengelegten Kommissariate und muß die Fälle erst recht neu aufrollen.

Parallel muß sich Leblanc der sich nie für eine Frau entscheiden konnte, und leicht entflammbar ist, für die eine engagieren, die ihm fast von einem Heiratsschwindler verdorben wird.

Der Roman ist meist gut geschrieben, wobei diesmal das Lesen traurig machte, weil die wirklich Bösen nicht erwischt werden.

Die Hintergrundgeschichte der Unabhängigkeit Algeriens, aber auch ein entsetzliches Massaker, Menschen die politisch zerrieben wurden, werden erzählt. Politische Intoleranz herrschte damals wie heute.

In Summe ein empfehlenswerter Roman, wenn man sich für Fälschungen im Kunstbereich interessiert und nicht über Algeriens Geschichte Bescheid weiß.

Biographie der Autorin ist bei "Bitterer Calvados" vom 19 Feb 2020.

Mittwoch, 10. Juni 2020

Catalina Ferrera : "Spanischer Feuerlauf"

Catalina Ferrera :
"Spanischer Feuerlauf" - ein Barcelona-Krimi
2020, Droemer Taschenbuch
301 Seiten + 3 Seiten Correfocs - eine katalanische Mutprobe + 9 Seiten Rezepte Pintxos
ISBN 978-3-426-30737-3

In diesem dritten Band sind Karl Lindberg und Alex Diaz auf der Suche nach dem Hintergrund einer weiblichen Leiche, die mitten bei den tanzenden Correfocs, aus der Luft in der Menschenmenge landete. Es ist die vor Jahren verschwundene Gattin eines Industriellen. Karl und Alex machen sich auf in die Pyrenäen, recherchieren in einem kleinen dunklen Dorf, und kommen doch der Geschichte dieser toten Frau auf die Spur. Das dunkle Geheimnis birgt einen schönen gefährlichen Mann, zu viel Gewalt und Frauensolidarität.
Parallel ist Karls Ehefrau hochschwanger, was die Recherchen für Karl nicht einfacher macht.

In diesem Band ist die Truppe um Karl und Alex wieder die Gerichtsmedizinerin Chi, für die Alex entflammt ist, Chefin Arbol die sich diesmal überraschend menschlich zeigt, und Marla im Kommissariat, die alles glänzend organisiert und recherchiert.
Als Interviewpartner stehen Herr Firmenbesitzer Vega, der charismatisch aber nicht immer durchschaubar ist, und später Vio(letta) im verfluchten Dorf gegenüber. Violetta schafft es den beiden Stadtpolizisten ein Gefühl für die Kargheit in den Bergen zu vermitteln.

Diesmal wird zwar über die Feuerläufe in Barcelona erzählt und die wunderbaren Spießchen mit kleinen Essen, aber sonst erfährt man auch über die Umgebung von Barcelona bis hinauf in die Pyrenäen.

Die Geschichte ist spannend erzählt und es gibt einige Überraschungen; und einen klaren bösen Charakter und einen liebevollen Menschen, der manchmal überfordert ist.

Mich hat dieser Kriminalroman in den Bann gezogen; viel Spaß (trotz der inherenten Gewalt) beim Lesen.

Catalina Ferrara ist ein Pseudonym, und steht für Eva Siegmund, die 1983 in Bad Soden (Hessen) geboren wurde. Sie arbeitete als Kirchenmalerin, als Juristin und Verlagsmitarbeiterin, ehe sie Schriftstellerin wurde.

Donnerstag, 9. April 2020

Klara Nordin : "September-Schuld"

Klara Nordin :
"September-Schuld" - ein Lappland-Krimi
2015, Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln
367  Seiten + Karte von Lappland in den beiden Innenseiten des Umschlages
ISBN 978-3-462-04836-0

Ein schöne Ärztin wird ermordet in Rentierteilen gefunden. Kommissarin Linda Lundin, Margareta und Bengt durchforsten das Leben dieser Frau und kommen einigen Ungereimtheiten auf die Spur. Ein Umweltskandal aus den 70-er jahren, für den nie die Verantwortung übernommen worden war, denn hier waren die im Wald arbeitenden Samen für den Einsatz eines giftigen Unkrautmittels eingesetzt worden, das massive Schäden im Körper der Menschen und Kinder verursacht hatte. Der Verantwortliche war verschwunden, seine Tochter hatte ihn sein Leben lang gesucht. Auf der anderen Seite steht die Welt der Samen mit ihrer Naturverbundenheit, und dem Überleben mit und durch die Rentiere. Am Schluß sind das Verschwinden gelöst und auch der Mord.

Ort der Handlung ist Lappland, das für Menschen die sich nicht gut in Schweden auskennen, im Norden Schwedens liegt.
Kulturell kämpfen die dort lebenden Samen um ihre kulturelle Eigenständigkeit, die über reine Folklore hinausgeht, und Akzeptanz im schwedischen Leben.

Das Team um Kommissarin Linda Lundin sowie sie selbst hat auch seine private Seite und damit Probleme. Es gibt Eheprobleme, Kindesverlust, pubertierende Tochter und neue Liebe in den rüstigen Jahren.
Die Menschen sind für mich teilweise gut greifbar, dann werden sie flach und gehen weniger unter die Haut.
Unter die Haut ging mir der Ehemann der Ermordeten der für seine Rentiere lebt und den Boden unter den Füßen hat. Dieser beginnt erst zu wanken, als ihm immer mehr klar wird, daß er für seine große Liebe dies leider nicht umgekehrt war.
Die Ambivalenz und das Aushorchen bis Benutzen ihrer Umgebung, das die Ermordete betrieb, unterband mein Mitleid mit ihr.
Warum immer wieder eine Frauengruppe, die sich wenig leiden kann, geschildert wird, hat sich mir nicht erschlossen.

Spannend ist der Hintergrund des Romans, in dem verantwortungslos mit Natur und Mensch umgegangen wird, und niemand bereit ist dafür Verantwortung zu übernehmen und bereit ist vieles zu ruinieren.

In Summe ein interessantes Buch mit starken Motiven. Viel Spaß beim Lesen ! 

Klara Nordin ist ein Pseudonym. Die Autorin wurde 1960 in Heilbronn geboren. Nach Buchhändlerlehre folgt Studium von Germanistik und Pädagogik in Tübingen und viele Jahre in verschiedenen Verlagen. 2001 wanderte die Autorin nach Schweden aus und lebt nun seit einigen Jahren im schwedischen Lappland. Der erste Kriminalroman mit Linda Lundin erschien 2014 unter dem Titel "Totenleuchten". 

Dienstag, 17. März 2020

Frida Mey : "Radieschen von unten"

Frida Mey :
"Radieschen von unten" - ein Bestatter Krimi
2013, Aufbau Verlag, Berlin
275 Seiten
ISBN 978-3-7466-2976-6

Elfie Ruhland soll buchhalterische Genauigkeit für eine Überprüfung eines Bestattungsunternehmens einbringen. Während sie dem Chaos der Belege nachgeht. beobachtet sie die diktatorische Chefin, und ihren unterdrückten Sohn. Ein Witwer beschwert sich und wird erschlagen aufgefunden. Später wird die Chefin tot über einem der Särge aufgefunden. Kommissarin Alex hat einiges zu tun um hier zu klären was abgelaufen ist.
 
Am Cover schaut ein Mops-Gesicht aus einem Karton heraus. Der etwas rundliche Mops Amadeus wurde eigentlich nur für eine Kreuzfahrtreise geparkt, wird aber ins Polizeikommissariat mitgenommen, begleitet zum Bestatter und auf den Friedhof und liebt Pralinen.

Elfie plaudert auch noch nach 30 Jahren mit ihrem Gefährten am Friedhof, auch wenn die Zeichen der Kerze nicht immer klar sind. Sie glaubt lange an das Gute im Menschen, aber wehe denjenigen die bei ihr Minusstriche in geheimen Buch ansammeln; da hilft manchmal ein Unfall um neue Liebe in die Wege zu leiten.
Alex ist eine attraktive fröhliche Frau, die nicht bereit ist von ihrem Freund an der Nase herum führen zu lassen. Sie packt in der Polizei an, und löst ihre Fälle.
Der Sohn der Bestatterin wird höflich, unterdrückt und verliebt geschildert. Die Azubine ist mit Piercings übersäht, was die Chefin nicht mag, die anderen aber nicht stört.

Das Buch ist humorvoll geschrieben. Es gibt einige skurrile Szenen, die mit Vergnügen zelebriert werden.

Es ist von Vorteil wenn man Hundefan ist, um das Buch komplett zu genießen . Viel Spaß beim Lesen !

Frida Mey ist ein Pseudonym, das  für Friedlind Lipsky (Frida) und Ingeborg Struckmeyer (Mey) steht.  
Friedlind Lipsky (Frida) wurde 1957 in Weserbergland geboren, studierte Lehramt für Englisch und Französisch, und arbeitete in einer PR-Agentur. und d
Ingeborg Struckmeyer wurde in Bottrop geboren, studierte in Münster und Köln,und war anschließend als Diplom-Bibliothekarin tätig.
2012 erschien der erste Roman der beiden Autorinnen mit Elfie Ruhland "Manchmal muß es eben Mord sein".

Samstag, 14. März 2020

Rebecca Michéle : "Die Tote von Higher Barton"

Rebecca Michéle :
"Die Tote von Higher Barton" - ein Cornwall-Krimi
2011, Goldfinch Verlag, Frankfurt
347 Seiten
ISBN 978-3-940258-14-4

In diesem Krimi besucht die pensionierte Mabel ihre Cousine Abigail, die ihr einst den Freund ausgespannt hatte. Sie findet eine tote Frau in der Bibliothek, die als die Polizei erscheint verschwunden ist. Mabel gibt nicht auf, bekommt zögerlich Hilfe des Tierarztes, bekommt mit der Laientheatergruppe des Ortes Kontakt und fragt sich durch. Im Schloß der Cousine ist der zu attraktive Chauffeur Justin. Während die Leiche verschwunden bleibt, hat ein junger schauspieler einen Unfall mit derm Motorrad und auch bei Mabels Auto gibt es Probleme. Am Ende wird die Leiche gefunden und der Mörder gefaßt.

Als kleine Parallelgeschichte findet eine Liebe zwischen zwei Frauen statt, was in diesem Ort überhaupt nicht tragbar ist.
In dem Ort wird auch noch gesellschaftlicher Dünkel gelebt, der hilft oder gerade bei jungen Menschen sehr hinderlich ist. Auch alte Geschichten heben den Kopf und stören die Klärung von Situationen.

Mabel ist als praktische Frau ohne Allüren geschildert, die trachtet den Boden unter den Füßen zu halten. Victor der verschrobene Tierarzt hat mehr Gefühl für Tiere, als Menschen, ist tatkräftig. Abigail ist eine schöne reiche Frau, die gewohnt ist alles durchzusetzen was sie will; die dann ziemlich desillusioniert wird.

Die Roman ist gut zu lesen und unterhält gut. Mitraten nach dem Mörder ist möglich. Viel Spaß beim Lesen !

Rebecca Michéle, eigentlich verheiratete Ursula Schreiber, wurde am 11. Juni 1963 in Rottweil (Baden Württemberg) geboren. Sie arbeitete zuerst in einer Krankenkasse, ehe sie nach zwei Romanen nur noch Schriftstellerin ist. 1996 erschien der Roman "Das Erbe der Lady Marian". Bis 2018 sind bereits sieben Cornwall-Krimis erschienen. Sie veröffentlicht auch unter zwei anderen Pseudonymen.

Mittwoch, 19. Februar 2020

Catherine Simon : "Bitterer Calvados"

Catherine Simon :
"Bitterer Calvados" - der dritte Fall für Kommissar Leblanc
2017, Goldmann Verlag
250 Seiten + erste Innenseite mit Karte der Haute- und Basse-Normandie
ISBN 978-3-442-48540-6

Kommissar Leblanc muß diesmal am Strand der Normandie bei einem Krimi-festival recherchieren. Der gut aussehende, charismatische Bestsellerautor PPP (für Jean-Paul Picard) wurde mit Calvados vergiftet. Bei Recherchen findet Leblanc heraus, daß PPP ehrgeizig, unbeliebt und launisch war; Frauen war nur Selbstbestätigung, oder er setzte sie anders ein, was seinem großen Damenpublikum verborgen bleibt. Leblanc recherchiert bei PPPs Verleger und erfährt, daß PPP aufhören wollte. Am Schluß zerbricht das Image des genialen Schriftstellers mit Kriminalgeschichten im Wirtschafts- und Finanzbereich, und der Mord ist gelöst.

Einige grandiose Spezialitäten aus der Patisserie werden geschildert. Ich hatte fast einen Zuckerschock beim Lesen. Die anderen Spezialitäten sind auch grandios.

Leblanc reißt es zwischen drei Frauen hin- und her. Er spürt den Zauber einer deutlich jüngeren Frau, die Vertrautheit mit einer alten Freundin die seine Stärken und Schwächen gut kennt, und eine alte Bekannte bei der auch vieles eingespielt ist.

Die Menschen in diesem Roman sind gut vorstellbar beschrieben : der erfolgreiche Schriftsteller Jean-Paul kalt ohne Empathie für menschliche Schwächen, sein Konkurrent Marc der zwar weniger Erfolg hat aber menschlicher agiert, Verleger Dofour der manches nur marktbezogen sieht sich aber einen Rest an menschlichem Respekt behalten hat, Camille die eine gescheite Frau im Hintergrund ist die leider falsch eingesetzt wurde und Claude ein pensionierter Psychologe der hilft die Egoismen der Menschen zu erklären.
Die Krimiverlagsszene ist mit dem Wettbewerb, der Beobachtung der Regionalkrimis, und dem Wunsch einen seriösen Bestseller zu landen schön beschrieben. Dem Betrug mit ghostwriting und damit den ehrlichen Erfolg zu verhindern ist immer noch Tür und Tor geöffnet.

Der Roman ist gut und spannend geschrieben und hat mich gut unterhalten. Mitraten nach dem Mörder ist diesmal nicht möglich. Trotzdem viel Spaß beim Lesen.

Catherine Simon ist das Pseudonym für Sabine Grimkowski. Die Redakteurin ist seit 1999 beim Südwestrundfunk in der Redaktion Literatur tätig und hat Sachbücher und Romane zu Fernsehserien geschrieben. Sie liebt die Normandie (und Marcel Proust) seit Jahren und verbringt dort Teile des Jahres - wenn sie nicht in Baden-Baden lebt. 

Freitag, 24. Januar 2020

Judith Arendt : "Helle und der Tote im Tivoli"

Judith Arendt :
"Helle und der Tote im Tivoli" - Der erste Fall für Kommissarin Jespers
Kriminalroman
2. Auflage 2018  Atlantik Bücher bei Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
280 Seiten
ISBN 978-3-455-00271-3

Helle ist ein Dänischer Frauenvorname, und gehört zur weiblichen Hauptperson Frau Jespers, die in einem kleinen Urlaubsort am Meer in Dänemark die Polizeistation führt. Ein pensionierter Schuldirektor wird in der fünf Stunden entfernten Hauptstadt bestialisch ermordet gefunden. Das kleine Team vor Ort macht sich gegen den Wunsch der Truppe der Hauptstadt auf die Suche nach Information und wird bei einem charismatischen Esoterik-Psychologen fündig. In der Hauptstadt wird eine zweite ebenfalls bestialisch ermordete Leiche gefunden. Eine kleine Reise nach Deutschland, einige Gespräche im kleinen Küstenort weiter, entwickelt sich die Geschichte um einen gewissenlosen Pädophilen, der viele Menschen getäuscht hat.

Die Geschichte wird meist aus Sicht von Helle erzählt, einige von einem Polizisten, einige von einem Psychologen; kursiv sind Texte aus Sicht eines der traumatisierten Kinder eingestreut, der mit seinem inneren bösen Kind in Kontakt ist. Diese Stellen sind beängstigend.

Die Gedanken und Gefühle der rundlichen Polizistin mit Sozialarbeiter-ehemann und Kind und Hund sind engagiert, warmherzig und logisch. Ihr Kollege bei der Polizei hat mit privaten Problemen zu kämpfen und eine alte Geschichte wird wichtig. Der Guru und Psychologe wird als gutaussehend aber kaltschnäuzig geschildert. Sören aus Kopenhagen ist Helles Quasi-Vorgesetzter bei der Polizei, unterkühlt, rechthaberisch, kann dann doch richtig reagieren. Hilfe aus Deutschland bei der Recherche um einen Buben wird sympathisch geschildert.

Der Druck hat gemütlich halbwegs große Buchstaben.

Der Kriminalroman ist spannend geschrieben. Die Verzweiflung des Mörders ist greifbar, auch daß er um das Richtige ringt. Die Ursprungsgeschichte ging mir unter die Haut. gutes Lesen ! 

Judith Arendt ist ein Pseudonym für eine Drehbuchautorin. Sie lebt in Deutschland.

Samstag, 30. November 2019

Robert Galbraith (Pseud.) : "Die Ernte des Bösen"

Robert Galbraith (Pseud.) :
"Die Ernte des Bösen"
 Roman
"Career of Evil"
2015, Brown Group Book
Aus dem Englischen von Wulf Bergner, Christoph Göhler und Kristof Kurz
2016, Blanvalent Verlag
Lesebändchen
654 Seiten
ISBN 978-3-7645-0574-5

Cormorans Strikes Assistentin Robin Ellacott bekommt ein abgeschnittenes Bein zugeschickt. Cormoran hat drei Verdächtige, und alle wollen sich eigentlich an ihm rächen. Da die offizielle Polizei kein Engagement zeigt, machen sich Robin und Cormaran auf die Suche nach drei sehr unsympathischen Männern, die sich alle durch Mißbrauch, Manipulation und Ausnutzen von Menschen auszeichnen. Während Robins Verlobter vor Eifersucht tobt, fahren Detektiv und Assistenin durchs Land, besuchen Menschen in sehr desolaten Lebensverhältnissen und versuchen damit dem Phantom auf die Spur zu kommen. Der Frauen zerschnippelnde Bösewicht schafft es kurz an Robin heranzukommen, bis dann doch eine Falle zuklappt.

Die Geschichte ist sehr flüssig geschrieben, auch wenn mir die drei unsypathischen Bösewichte immer wieder durcheinander geraten. In eigenen Kapiteln sind die Gedanken und Aktionen des tatsächlichen Mörders geschildert, der seiner Wut auf Cormoran freien Lauf läßt.

Faszininierend wird das Leben von Cormorans Mutter als Popstar-grupie beschrieben, und wie der ungute Stiefvater vieles falsch einschätzte.
Ich wurde das Gefühl nicht los, daß Robins Verlobter Matthew, der bieder und gutaussehend und etwas hinterhältig geschildert wird, von der Autorin gerollt wird.
Heftig ist die Vorgeschichte Robins, die sie aus dem Profilerwunsch gekippt hatte.

Den Kapiteln sind Zeilen aus der Cultband Blue Öyster Cult vorangestellt, die manchmal passen, manchmal aber gar nicht.

In Summe hat es mir Spaß gemacht den dritten Band mit diesen Protagonisten zu lesen, weil er so spannend geschrieben ist. Viel Freunde beim Lesen !

Bio siehe Robert Galbraith (Pseud.) : "Der Ruf des Kuckucks"

Montag, 18. November 2019

Sophie Bonnet : "Provenzalisches Feuer"

Sophie Bonnet :
"Provenzalisches Feuer" - ein Fall für Pierre Durand
2017, Blanvalet in Random House gmbh
300 Seiten + 2 Seiten Anmerkungen der Autorin + 3 Seiten Glossar + 7 Seiten Rezepte
Innenklappe vorne mit Karte von Occitánia, Innenklappe hinten mit Saint Valérie
ISBN 978-3-7645-0613-1

Der Bürgermeister veranstaltet ein traditionelles Fest mit Mittelaltergestaltung und Fackeln in der Provence mit vielen Touristen und Journalisten. Polizist vor Ort, Pierre Durand, genießt den Auftritt der schönen Sängerin Aurelie und ihre Band, als ein älterer Journalist ermordet wird. Durand wird von seinem Vorgesetzten aus Paris lange Leine gelassen und er deckt eine ältere Geschichte auf, in der ein feinsinniger Schriftsteller zu Tode gekommen war. Die Wünsche das alte Okzitanien zu vereinen, werden von einigen Menschen fein bis grob verfolgt. Durand kommt gerade noch rechtzeitig um den Fall zu lösen.

Das ist der vierte Fall, indem Pierre Durand ermittelt.
Geschichtlich wird viel über das alte Okzitanien, die alten Kreuzzüge, das dominante franzöische Paris gegen andere Sprachen und Kulturen innerhalb Frankreichs erzählt.

Es wird viel über gutes und bodenständiges Essen geschrieben, das oft mit ziemlichem Aufwand zum Zubereiten ist. Einiges wird während der Krimihandlung beschrieben, es gibt aber Rezepte im Anhang.

Die Geschichte ist gemütlich und spannend erzählt, mitraten nach dem Mördert ist möglich.
Viel Spaß beim Lesen !

Die Autorin hat hier ein Pseudonym gewählt. Sie wurde 1967 geboren und lebt in Deutschland.

Dienstag, 16. Juli 2019

Pierre Lagrange : "Mörderische Provence"

Pierre Lagrange :
"Mörderische Provence" - Ein neuer Fall für Albin Leclerc
2018, Fischer Verlag GmbH
418 Seiten + 17 Seiten Leseprobe des viertes Bandes mit Albin Leclerc
ISBN 978-3-651-02563-9

Der pensionierte Polizist Albin Leclerc ist mit seinem Mops Tyson (Pensionsgeschenk) ist im Departement Vaucluse unterwegs als er um Hilfe nach der erwachsenen Tochter eines Freundes suchen soll. Parallel zu dieser Recherche kommt seine Tochter mit seiner Enkelin wegen des prügelnden Ehemanns auf Suche nach Schutz und Hilfe. Leclerc scheucht seine alten Kollegen und einige Freunde sowohl für seine und die fremde Tochter auf, um am Schluß den prügelnden Ehemann zu vertreiben zu lassen und einer gewissenlosen machtgierigen Männerclique ihre bösartigen Spiele zu überführen.

Der Roman ist sehr spannend geschrieben, denn es werden die vier Handlungstränge um Albins Recherchen, Albin Tochter und Enkelin, die verschwundene Tochter und die Gelüste eines machtgierigen Mannes miteinander verschränkt.

Die Absätze mit der vorgestellten und später angedrohten körperlichen und seelischen Gewalt gehen unter die Haut. Die Vorstellung, daß diese Aktionen gewissenlosen Menschen mit Ausreden über die eigene Macht möglich sind, bleiben unter der Haut.

 Die Menschen sind gut vorstellbar geschildert: Albin als großer weißhaariger durchsetzungsfähiger Mann, seine humorvolle Freundin Veronique mit ihrem Blumenladen, die liebevolle Enkelin Clara, Manons Ehemann Gilles der meint im Erfolg auch Menschen zu besitzen, die kämpferische Isabella, Bankenvorstandsmitglied Brian dessen Luxus Menschenleben sind und auf die er ein Recht zu haben meint, bis zur temperamentvollen disziplinierten Polizistin Castel.

Unterhaltsam sind die Teile in denen Albin versucht zu kochen. Die szene auf der Terrasse und der Kochkurs sind zum schmunzeln. Die Beobachtungen zu den Bloggerinnen bei dem Kochkurs brachten mich zum Lachen.

Im Summe ein gut geschriebener Kriminalroman, der allerdings sehr unter die Haut geht. Gutes Lesen !!

Sven Koch wurde 1969 geboren. Er arbeitet als Tageszeitungsredakteur, Musiker und Fotograf. Unter dem Pseudonym Pierre Lagrange schreibt der Autor die Commissaire Leclerc-Reihe, bei der der erste Band "Tod in der Provence" 2016 erschien.

Samstag, 22. Juni 2019

Pascal Mercier : "Nachtzug nach Lissabon"

Pascal Mercier :
"Nachtzug nach Lissabon"
Roman
2006, Btb Taschenbuch
484 Seiten
ISBN 978-3-422-73436-8

Raimund Gregorius, Lehrer für Griechisch und Latein wird durch den versuchten Selbstmord einer Portugiesin mit einem Buch auf portugiesisch aus seinem Lebenstrott gerissen. Er reißt mit dem Zug nach Portugal und lernt dabei den Geschäftsmann Silviero kennen. In Lissabon lernt er eine Augenärztin kennen, deren Verwandt Erca, dessen Hände zerbrochen worden waren, und andere Menschen des Autors des Buches Amadeu Prado. Dieser war ein hochintelligenter Mensch gewesen, der schon in der Schulzeit über die Grenzen gedacht hatte, und proviziert hatte. Hier begann die lebenslange Freundschaft mit dem Apotheker O'kelly, und mit seiner Seelenfreundin Maria. Er studierte Medizin, rettete seiner Schwester das Leben, rettet einem der brutalsten Menschen der Militärdiktatur das Leben, und rettet auch eine junge attraktive Frau mit phänomenalem Gedächtnis die alles über den Widerstand wußte.
Gregorius besucht die Menschen und Orte an denen Prado gelebt und gedacht hat, und spricht mit vielen Menschen über den charistmatischen, leidenschaftlichen, suchenden aber auch enorm egoistischen Menschen.

Der Roman besteht aus vier Kapiteln, die 'Der Aufbruch', 'Die Begegnung', 'Der Versuch' und 'Die Rückkehr' heißen.
Die Gedanken die Amadeu Prado zu Papier gebracht hatte, sind in kursiv abgedruckt und ziehen sich bruchstückhaft durch den Roman.

Die vielen Menschen in dem Buch sind stark, faszinierend, eigenwillig, stur, eindrücklich, und prägen sich beim Lesen ein. Dies obwohl sehr viele Menschen geschildert und miterlebt werden.
Amadeu selber wird als eigenwillig, hochintelligent, engangiert, geschildert, aber auch als jemand der Menschen die nicht ihm kognitiv oder menschlich das Wasser reichen konnte, liegen ließ. Mich hat negativ berührt, daß ihm der seiner Frau Kinder verwehrte Jahre später meinte Anspruch an eine Frau zu haben seine Ergänzung nach seinem Wunsch zu werden.
Der Erzähler Raimund Gregorius ist zurückhaltend, in seine alten Sprachen hinter seinen Brillengläsern versunken, der erst lernen muß wieder mit Menschen umzugehen und sich auf sie einzulassen.
Die Unterschiedlichkeit der beiden Schwestern von Amadeu ist schillernd, die drei Frauen im Leben Amadues ebenso wobei seine Frau Fatima die er um ihren Kinderwunsch betrügt mein größtes Mitgefühl hat, die beiden anderen Frau bewahren ihre Mitte und Abstand. Der alte Widerstandskämpfer im Altersheim ist berührend in seiner inneren Kraft und Überlebenswillen.

Orte der Handlung sind Bern, die Züge nach Portugal, Lissabon, Coimbra, Finisterre und Salamanca. Alles ist gut vorstellbar und mit den Stimmungen vor Ort geschildert.

Der Beginn des Buches hat sich für mich gezogen, die ersten Texte von Amadeu habe ich nur überflogen, da ich wissen wollte wie der Roman weitergeht. Die Geschichte zog mich immer mehr in den Bann.
Beim Hintergrundlesen über die PIDE und die Militärdiktatur unter Salazar fiel auf wie wenig im Internet nachzulesen war.

Die Sprache in dem Roman hat mich sehr angesprochen. Formulierungen wie 'Goldschmied der Worte' finde ich wunderschön.

In Summe ein wunderschöner beeindruckender Roman. Viel viel Freude beim Lesen !

Peter Bieri wurde am 23. Juni 1944 in Bern geboren. Er ist Philosoph und Schriftsteller, wobei er unter dem Namen Pascal Mercier - nach einem Sprachmix aus Blaise Pascal und Louis-Sebastien Mercier - publiziert. Sein erster Roman "Perlmanns Schweigen" erschien 1995.

Freitag, 24. Mai 2019

Luis Sellano : "Portugiesische Rache"

Luis Sellano :
"Portugiesische Rache" - Ein Lissabon - Krimi
2017, Wilhelm Heyne Verlag, München
344 Seiten + Stadtplan Lissabons in den Innenumschlägen des Buches
ISBN 978-3-453-41945-2

Henrik Falkner verkauft endlich im ererbten Antiquariat ein Buch, und prompt wird der Käufer des Buches erstochen. Nach einiger Recherche und Laufen durch Lissabon, Zusammentreffen mit einer aggressiven schlagkräftigen Truppe die auf Auftrag eines emeritierten Militärs der von der alten Militärdikatur träumt und kennen lernen einer bildschönen investigativen Journalistin, dreht sich alles noch mehrmals bis Henrik endlich den Mord geklärt hat.
Allerdings sind drei Frauen an ihm sehr interessiert, die sich öfters in die Quere kommen; er ist nur an einer einzigen interessiert, was aber ein Geheimnis für beide bleiben muß.
Der unangekündigte Besuch seines Vaters, der sich eine Auszeit von der bestimmenden Mutter nimmt, sorgt für weitere Aktionen rund um den eigentlich ruhebedürftigen Henrik.

Dieser Krimi ist Band zwei in dieser Serie die mittlerweile bei Band vier angelangt ist.

Henrik trauert seiner Frau Nina nach, weshalb er Deutschland verlassen hat. Die attraktive Ärztin Adriana ist am ihm interessiert, eine Journalistin, die Polizistin Helena mit Kind und seine Angestellte Catia im Antiquariat. Mit seinen Recherchen bringt er alle in Gefahr, und am Schluß gibt es leider noch eine Leiche, und Catia wird entführt.
Die lebenslustigen Gespräche zwischem seinem Vater und der Mutter eines seiner Mieter, die gerade im Hause weilt, sind als Lesende unterhaltsam, für Henrik beunruhigend.

Der Hintergrund ist, daß manche Menschen das Regime Salazars aufleben lassen möchten und mit militärischer Unmenschlichkeit beginnen Strippen in Gang zu setzen, kidnappen und zuschlagen. Diese Kapitel sind schauerlich. Genauso als die ehemals charmante Journalistin plötzlich ziemlich skrupellos agiert.

Mir ist zu viel Gerenne hinauf und hinunter und durch Lissabon los, und Messerstechereien, die alle superleicht verkraften.

Der Roman ist gut und rasch lesbar, und spannend. Viel Spaß beim Lesen.

Oliver Kern wurde am 7. November 1968 in Esslingen am Neckar geboren. Der Autor hat seinen Hauptberuf im Marketing . Er veröffentlichte unter seinem eigenen Namen aber auch zwei Pseudonymen Romane - Kriminalromane. 2007 erschien der sein erster Roman "Die steinernen Drachen". Unter 'Luis Sellano' - einem gemisch aus Vornamen Portugal und einer Ortschaft in Italien - erschien 2016 der erste Kriminal Roman, Seit 2015 gibt es auch 'Mark Neustädter'.