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Mittwoch, 6. Januar 2016

Timur Vermes : "Er ist wieder da"

Timur Vermes :
"Er ist wieder da"
Roman
2012, Eichborn Verlag bei Bastei Lübbe GmbH & Co KG Köln
390 Seiten
ISBN 978-3-8479-0517-2

In dieser bitterbösen Satire erwacht Herr Hitler im August 2011 mitten auf dem Bauplatz in Berlin. Über den Kontakt eines Zeitungsstandlers wird er Fernsehmenschen vorgestellt, die sofort von dieser Comedy Nummer begeistert sind. Hitler wird in ein Hotelzimmer verfrachtet, lernt Vormittagsfernsehen und die derzeit gängigen Politiker und wird als Comedy-Ergänzung dem Publikum vorgestellt. Er hat sofort Erfolg, bekommt eine nette junge Frau als Assistentin, die wie alle anderen davon fasziniert ist, wie er die Rolle 'Hitler' durchhält. Im Rahmen des Erfolges besucht er erstmals das Münchner Oktoberfest; in Berlin wird er von einer nationalen Gruppe zusammengeschlagen und er denkt über die Übernahme einer kleiner Partei zur weiteren Machtübernahme nach.

Der Autor hat Geschichte studiert, was in den präzisen Informationen im Kampf um Berlin und auch geschichtlichen Bemerkungen fühlbar ist. Allerdings ist das Buch vermutlich mehr etwas für Menschen denen die Größen des damaligen Reichs aus ihrem Geschichtsunterricht oder Eigeninteresse etwas sagen; wer bei Namen wie Himmler, (Hermann) Göring, Goebbels oder gar Heß und Stauffenberg strauchelt bekommt vieles vermutlich nicht (geschweige von der Einsatztruppe Steiner). Auch Namen wie Wolfsschanze etc. sind als Grundwissen brauchbar um die Feinheiten im Buch erkennen zu können.

In den Kommentaren über die Medien wie Internet, die Fernsehprogramme und die Zeitungen die der Figur Hitler in den Mund gelegt werden sind bitterböse, oft punktgenau und bringen mit ihrer Bösartigkeit zum Grinsen. Kommentare zum Vormittagsfernsehen wie "heliumbelichtete Muse" bringen sehr zum Lachen, Kommentare über das auflagenstärkste Blatt Deutschlands und den medialen Nutzen mit den großen Buchstaben um ältere Menschen zu manipulieren lassen den Humor fast im Hals stecken bleiben.
Auch die aktuelle Politik wird nicht von des Hitlers Figur Kommentaren verschont - die Kanzlermatrone hat bei ihm keine guten Karten.
Die Bemerkungen über das Sauf- und Dekolleté-verhalten am Müncher Oktoberfest sind ebenfalls bitterböse und treffen nicht den Geschmack des Vegetariers, der auch dort nur Mineralwasser trinkt.

Erschreckend gut ist der Stil Hitlers in den Comedy Shows getroffen, in denen der abgehackte Rhetorikstil schauerlich gut getroffen ist, auch in der Art der Manipulation der Zuhörenden.

Die Fiktion daß das Umfeld davon fasziniert ist wie sehr diese Figur den Hitler durchzieht, wird durch das Umfeld im Fernsehkanal gezeigt. Die nette junge Frau, die ihm als Sekretärin zugeteilt wird, sprich ihn wirklich mit "meen Führa" an, und auch das Schicksal daß die Familie ihrer Großmutter als illegale Juden im Konzentrationslager umkam, ändert nichts. Für sie ist der Komödiant nur jemand der genial mit "Method Action" in den Charakter geschlüpft ist. Für andere Menschen im diesem Team ist er Träger für Einschaltquoten, was das einzige Ziel ist bis auch noch die Merchandising Maschine anläuft.

Die fast vierhundert Seiten sind teilweise wunderbar rasch lesbar, zwischen Seite 2oo und 3oo wurde es dann etwas mühsamer, bis die Neugier kam welche Ende das Buch haben wird. In Summe ein sehr lesenswertes Buch, bei dem immer wieder die Frage ist auf wie dünnem Eis die Satire hier tanzt.

Timur Vernes wurde 1967 in Nürnberg geboren. Sein Vater kam 1956 aus Ungarn und heiratete eine deutsche Frau. Er studierte Geschichte und Politik und wurde Journalist. Seine Artikel sind in 'Abendzeitung', Kölner 'Express' und die 'Zeit'. Seit 2009 ist er auch Ghostwirter für diverse Bücher. "Er ist wieder da" wurde ein Bestseller und wurde verfilmt.

Dienstag, 5. Februar 2013

Ebertowski Jürgen : "Agentur Istanbul"

Ebertowski Jürgen :
"Agentur Istanbul"
(Eugen Meuniers dritter Fall)
Kriminalroman
2007 Rotbuch Verlag GmbH, Berlin
199 Seiten
2 Seiten Personen
ISBN 978-3-86789-002-1

Eugen Meunier, wird von seiner Ex Olga um Mitarbeit in ihrer Organisation "Agentur Istanbul" ersucht - seine türkisch und japanisch Kenntnisse sind gefragt. Daß er ein Aikido-Studio hatte,  aktuell immer noch unterrichtet stört nicht. Der Brotberuf als Journalist und Buchschreiber bringt nicht genug fananziell ein. Bei seinen Nachforschungen nach einem türkischen Übersetzer trifft er mit schlagwütigen Japanern zusammen. Die Geschichte spinnt sind weiter als seine türkischen guten Freunde, die auch sehr enge Geschäftsfreunde sind, ihn nach Istanbul einladen und dort in einem ziemlich blutgetränkten Show down einige Japaner, Türken ihr Leben lassen. Im Hintergrund waren eine geplante Erpressung vor der EM in Deutschland gewesen, Waffendeals, und Versuche mit Psychopharmaka, die willenlos und ausführend machen, gestanden.

Der Krimi ist rasch und gut zu lesen. Es ist einiges an Aktion drin. Welcher der Männer gerade mit welcher der Damen erotisch verbandelt ist, wer die Hauptfrau oder der Neben/Ersatzmann für welchen Mann / welche Frau ist ist nicht immer klar, aber für die Handlung nicht notwendig.

Für ein entspannendes Wochenende ist der Krimi gerade richtig. Viel Spaß.

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Jutta Motz : "Drei Frauen und die Kunst"

Jutta Motz :
"Drei Frauen und die Kunst"
Roman
2001, Piper GmbH München Berlin
340 Seiten
2 Seiten Danksagung
2 Seiten über Tugenden - deren deutsche und lateinische Namen als Kapitelüberschriften eingesetzt werden
ISBN 3-492-23153-5

Lisa Wolf wird beauftragt als Kunstjournalistin, die nach dem Tod ihren Mannes nach Berlin zurückkehrt, heimlich für eine Kunstversicherung den weltweitem Handel von gefälschten Druckgraphiken / gefälschten Signaturen zu recherchieren. Ihre Tante Marlene, Schwester ihres Vaters, die Mutter und Tochter nach deren DDR-Flucht in Berlin aufgenommen hatte, nimmt wieder wieder unter ihre Fittiche. - Marlene ist Juristin und arbeitet bei einem Fernsehsender.
Als Lisa's Wohnung nach einem Vernissagenbesuch komplett verwüstet wird, lernt sie die Kirminalhauptkommissarin Traute kennen. die drei Frauen schließen sich zusammen um deb Kunstfälscherein auf die Spur zu kommen.
Lisa lernt den Künstler Bobo Scheußlich kennen - nomen est omen, der kurz darauf ermordet wird. Ihr Vater kannte ihn schon aus DDR-Zeiten - ihr Vater war damals Zeichenlehrer ohne Arbeit, der nach der Flucht von Frau und Tochter noch mehr Schwierigkeiten hatten.
Später reist sie zu ehemaligen Schulkollegen in Halle, wo sich eine Motorradgang wieder sieht die langfristig zur Lösung von Mord und Fälschung führt.

Der Roman ist in Ich-form aus Sicht von Lisa erzählt. Sie beginnt bei der Einsamkeit als Witwe in den USA, und endet als Frau die sich entschließt in Berlin bei Vater und Familie zu bleiben.

Stark sind die kurzen Informationen über das sogenannte normale Leben in der DDR, als Stasileute überall waren, Spitzel für Mißtrauen sorgten und harmloses Kunstinteresse sofort als staatsfeindlich galt (allerdings auch mit Tricks umspielt werden konnte).

Witziger Seitenstrang ist eine Telephon-Sex-Hotline, die irrtümlich auf Lisas Nummer landet. Die Meldungen der Herren Anrufer, wie sich Lisa bei der Telephongesellschaft endlich durchsetzt und da sie die Dame der Hotline persönlich kennen lernt, auch kurz deren Hilfe in Anspruch nimmt, ist humorvoll geschildert.

Die Menschen sind lebensnah, humorvoll und gut vorstellbar geschildert. Die Szenerien auch jemandenr der nur einiges Male kurz in Berlin war, wiedererkennbar bzw. vorstellbar.

Die Geschichte ist gut und spannend, aber trotzdem mit Gemütlichkeit und Zeit für Schilderungen erzählt. Viel Spaß beim Lesen.