Andrea Carter :
"Die kalten Wasser von Donegal"
original "Death at Whitewater Church"
2015, Constable, Brown Group London
Aus dem Englischen von Claudia Franz
2017, Goldmann Verlag
407 Seiten
ISBN 978-3-442-48547-5
Die Notarin/Rechtsanwältin Ben O'Keefe lebt auf der Halbinsel Inishowen. Hier wird sie bei Häuserverkäufen und Familienangelegenheiten zu rate gezogen, und stolpert prompt über eine alte Leiche. Alle im Dorf vermuten, daß es hier um einen verschwundenen Bräutigam handelt. Im Schneetreiben wird später der Bruder des Vermisten gefunden. Eine alte und eine neue Liebesgeschichte werden aufgedeckt, Vermutungen über Familien diskutiert, und eine alte Geschichte mit einem Schiff und die IRA taucht auf. Ben fährt im Schneetreiben durch die Landschaft und geht im kalten Meer schwimmen. Der Showdown findet in der Kirchenruine statt.
Ein kuscheliger schwarzer Kater mit weißem Fleck, namens Guiness, hilft Ben durch die Geschichte.
Einige Orte sind nicht-existent, andere wie die Malin und Derry gibt es wirklich.
Bei den Menschen gab es einige sehr interessante Namen und Persönlichkeiten. Die Rechtsanwältin lebt mit zweitem Vornamen Ben(edicta) und Mädchennamen in dem fernen Ort und versucht ihrer Familiengeschichte zu entrinnen. Als Hauptansprechpartner bei der Polizei ist Tom Molloy, als ruhiger Mensch, dem einige nicht erzählt wird, geschildert. Weitere Namen sind Eithne, Phyllis, Claire, Paul, Liam, Leah, Kelly und Lisa. Connor, der verschwundene Mann wird als Gemisch eines verläßlichen, patriarchischem, engagierten Mensch geschildert, ein Bild das im Laufe der Geschichte brüchig wird.
Im Hintergrund steht die Geschichte eines Schiffes das von der IRA gesprengt worden, bei dem einige Menschen ums Leben gekommen waren.
Die Geschichte ist spannend erzählt, und hat einige spannende Wendungen. Viel Spaß beim Lesen !
Andrea Carter wuchs im irischen Ballyfin, auf und studierte
Jus in Dublin. Sie lebte lange Jahre
auf der Inishowen. Ihr Krimidebüt »Death at Whitewater Church« war 2015.2018 erschien der vierte Kriminalroman auf Inishowe.
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Samstag, 8. Februar 2020
Sonntag, 24. November 2019
Hannah O'Brien : "Irische Totenwache"
Hannah O'Brien :
"Irische Totenwache"
2019, dtv
400 Seiten + 3 Seiten Glossar von irischen Wörtern + 2 Seiten Personen + 2 Seiten Landkarte von Irland
ISBN 978-3-423-21780-4
Das ist der fünfter Fall mit Kommissarin Grace O Malley, unterstützt von Rory Coyne. Ein bekannter und provokanter Umweltaktivst ist ermordet worden. Mit der Ehefrau hatte er ein Arrangement, die Geliebte und Sohn kurz davor verlassen, und er war einem verschuldeten Geschäftsmann mit dubiosen Waldaktionen auf der Spur. Nebenbei tut Grace Freund, der Detektiv Peter, eine Spur auf in der aus alten geschützten Bäumen Amulette für viel Geld verkauft werden.
Grace - irisch Grainee - genannt, wird mit dem Unfalltod ihres Vaters konfrontiert, der durch Fahrerflucht verursacht war, und hätte bei rechtzeitiger Hilfe gerettet werden können.
Am Schluß wird Vergangenheit aufgelöst und Krankheit diagnostiziert.
Hauptort der Handlung ist Galway und Umgebung. Allerdings wird auch nach Dublin geflogen und einsame Seen und Inseln besucht.
Grace wird als starke Frau geschildert, die das Gefühl für den Wald und die Umwelt behalten hat. Rory recherchiert als Polizist gut, hat aber auch das zweite Gesicht und damit Gespür für unausgesprochenes. Detektiv Peter ist flexibel, phantasiereich im Job und weiß wie er mit Grace umgehen muß. Journalistin Laura ist jung, schön, deckt etwas auf. Erin, die Gattin des Toten, richtet sich ihr Leben zurecht. Tochter Kelly ist eine wunderschöne Frau, die mit Menschen spielt. Jim Taylor ist Graces Vorgesetzer in Dublin, sehr attraktiv, und erfüllt Erwartungen nicht. Caitlin ist PR Managerin, hat einen Sohn mit dem Mordopfer, und ein Problem.
Die Wälder sind Spielball für einige Menschen. Während einige sich viel um Bäume kümmern und Menschen für unwichtig halten, sehen andere Wälder nur als Element zur Gewinnerreichung.
Der Roman ist gut geschrieben, die Szenerien und Menschen gut vorstellbar. Ein Mitraten des who-dunnit ist möglich. Viel Spaß beim Lesen.
"Irische Totenwache"
2019, dtv
400 Seiten + 3 Seiten Glossar von irischen Wörtern + 2 Seiten Personen + 2 Seiten Landkarte von Irland
ISBN 978-3-423-21780-4
Das ist der fünfter Fall mit Kommissarin Grace O Malley, unterstützt von Rory Coyne. Ein bekannter und provokanter Umweltaktivst ist ermordet worden. Mit der Ehefrau hatte er ein Arrangement, die Geliebte und Sohn kurz davor verlassen, und er war einem verschuldeten Geschäftsmann mit dubiosen Waldaktionen auf der Spur. Nebenbei tut Grace Freund, der Detektiv Peter, eine Spur auf in der aus alten geschützten Bäumen Amulette für viel Geld verkauft werden.
Grace - irisch Grainee - genannt, wird mit dem Unfalltod ihres Vaters konfrontiert, der durch Fahrerflucht verursacht war, und hätte bei rechtzeitiger Hilfe gerettet werden können.
Am Schluß wird Vergangenheit aufgelöst und Krankheit diagnostiziert.
Hauptort der Handlung ist Galway und Umgebung. Allerdings wird auch nach Dublin geflogen und einsame Seen und Inseln besucht.
Grace wird als starke Frau geschildert, die das Gefühl für den Wald und die Umwelt behalten hat. Rory recherchiert als Polizist gut, hat aber auch das zweite Gesicht und damit Gespür für unausgesprochenes. Detektiv Peter ist flexibel, phantasiereich im Job und weiß wie er mit Grace umgehen muß. Journalistin Laura ist jung, schön, deckt etwas auf. Erin, die Gattin des Toten, richtet sich ihr Leben zurecht. Tochter Kelly ist eine wunderschöne Frau, die mit Menschen spielt. Jim Taylor ist Graces Vorgesetzer in Dublin, sehr attraktiv, und erfüllt Erwartungen nicht. Caitlin ist PR Managerin, hat einen Sohn mit dem Mordopfer, und ein Problem.
Die Wälder sind Spielball für einige Menschen. Während einige sich viel um Bäume kümmern und Menschen für unwichtig halten, sehen andere Wälder nur als Element zur Gewinnerreichung.
Der Roman ist gut geschrieben, die Szenerien und Menschen gut vorstellbar. Ein Mitraten des who-dunnit ist möglich. Viel Spaß beim Lesen.
Freitag, 14. Oktober 2016
John Boyne : "Die Geschichte der Einsamkeit"
John Boyne :
"Die Geschichte der Einsamkeit"
Roman
original "A History of Loneliness"
2014, Doubleday, Transworld Publishers
Aus dem Englischen von Sonja Finck
2015, Piper Verlag
404 Seiten
ISBN 978-3-492-06014-1
Dieser spannende Roman aus der Ich-Sicht des irischen Mönches Odran Yates von den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts bis ins heute schildert seine Naivität und den Gott- und Menschenglauben und endet mit der Frage warum er Übergriffe an Kindern und Jugendlichen nicht gemerkt hatte und nicht verhindern konnte.
In zeitlich springenden Kapiteln wird sein Leben in der Kindheit, im Priesterseminar, im Auslandjahr in Rom (dem der drei Päpste), als Bibliothekar in einem Internat und dann draußen in einer Gemeinde aufgerollt. Seit dem Priesterseminar ist sein engster Freund Thomas Craddle, der sich anfangs merklich gegen das Seminar wehrt, sich aber nach einer Prügelattacke seines Vater nicht mehr auflehnt. Erst in den 2000-er Jahren bekommt Pater Yates Antworten auf seine vorsichtigen Fragen und wie fallende Domino-Steine klären sich endlich eigenartige Verhaltensweisen seines Neffe, des Bischofs.
Er bekommt als Pater zu spüren, daß er durch seinen Stand nicht mehr die gewohnte Vertrauensperson ist, sondern als zuerst als Mißtrauensperson Kindern gegenüber gilt.
Stark sind die Bilder der Intoleranz gegen über Unverheirateten, Geschiedenen, ledigen Müttern und jeder Art von Abweichung im Irland der 70-er Jahre.
Stark ist auch wie die fiktiven hohen Vertreter der Kirche Übergriffe an Kinder aus ihren Reihen zu vertuschen gewohnt sind.
Wie unterschiedlich die drei Päpste in dem Jahr 1978 geschildert sind, ist spannend, wobei die Sympathie beim 33-Tage-Papst, einem liebevollen Mann mit seinem freundlichen Lächeln aus dem Veneto.
Im Nachwort bedankt sich Autor für die Gespräche mit Priestern und Menschen in der katholischen Kirche, die ihm aus dem Leben im Vatikan, in den Seminaren, in dem Leben in Gemeinden erzählt haben. Einige Fragenstellungen für den zwischenmenschlichen Bereich wie Eheseminare, Homosexualität dürften hieraus genommen worden sein.
Die Schilderungen der Menschen ist stark. Auf die Orte sind gut vorstellbar. Der Roman ist so spannend geschrieben, daß ich bin 2 Uhr früh (aus-)gelesen habe, weil ich wissen wollte welche Ende der Autor für die Geschichte hatte.
Allerdings bleibt die Frage ob man wirklich schuldig sei wenn man etwas nicht mitgekriegt hat und auf Fragen keine rechtzeitige Antwort bekam. Für Odran ist klar, daß er schuld ist.
Am Anfang haben die Germanizismen der Übersetzung wie 'hoch gehen' (für hinauf gehen), 'eine' 7up (ein 7up), 'eine' Fanta (ein Fanta) etc. meine österreichische Sprachseele ziemlich gestört. Durch die spannende Geschichte wurde bald aufgelöst.
In Summe eine grandiose Geschichte die unter die Haut geht, und ziemlich berührt. Viel Freude beim Lesen !
John Boyne wurde am 30. April 1971 in Dublin geboren. Bis jetzt verfasste er vierzehn Romane und verschiedene Kurzgeschichten.
"Die Geschichte der Einsamkeit"
Roman
original "A History of Loneliness"
2014, Doubleday, Transworld Publishers
Aus dem Englischen von Sonja Finck
2015, Piper Verlag
404 Seiten
ISBN 978-3-492-06014-1
Dieser spannende Roman aus der Ich-Sicht des irischen Mönches Odran Yates von den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts bis ins heute schildert seine Naivität und den Gott- und Menschenglauben und endet mit der Frage warum er Übergriffe an Kindern und Jugendlichen nicht gemerkt hatte und nicht verhindern konnte.
In zeitlich springenden Kapiteln wird sein Leben in der Kindheit, im Priesterseminar, im Auslandjahr in Rom (dem der drei Päpste), als Bibliothekar in einem Internat und dann draußen in einer Gemeinde aufgerollt. Seit dem Priesterseminar ist sein engster Freund Thomas Craddle, der sich anfangs merklich gegen das Seminar wehrt, sich aber nach einer Prügelattacke seines Vater nicht mehr auflehnt. Erst in den 2000-er Jahren bekommt Pater Yates Antworten auf seine vorsichtigen Fragen und wie fallende Domino-Steine klären sich endlich eigenartige Verhaltensweisen seines Neffe, des Bischofs.
Er bekommt als Pater zu spüren, daß er durch seinen Stand nicht mehr die gewohnte Vertrauensperson ist, sondern als zuerst als Mißtrauensperson Kindern gegenüber gilt.
Stark sind die Bilder der Intoleranz gegen über Unverheirateten, Geschiedenen, ledigen Müttern und jeder Art von Abweichung im Irland der 70-er Jahre.
Stark ist auch wie die fiktiven hohen Vertreter der Kirche Übergriffe an Kinder aus ihren Reihen zu vertuschen gewohnt sind.
Wie unterschiedlich die drei Päpste in dem Jahr 1978 geschildert sind, ist spannend, wobei die Sympathie beim 33-Tage-Papst, einem liebevollen Mann mit seinem freundlichen Lächeln aus dem Veneto.
Im Nachwort bedankt sich Autor für die Gespräche mit Priestern und Menschen in der katholischen Kirche, die ihm aus dem Leben im Vatikan, in den Seminaren, in dem Leben in Gemeinden erzählt haben. Einige Fragenstellungen für den zwischenmenschlichen Bereich wie Eheseminare, Homosexualität dürften hieraus genommen worden sein.
Die Schilderungen der Menschen ist stark. Auf die Orte sind gut vorstellbar. Der Roman ist so spannend geschrieben, daß ich bin 2 Uhr früh (aus-)gelesen habe, weil ich wissen wollte welche Ende der Autor für die Geschichte hatte.
Allerdings bleibt die Frage ob man wirklich schuldig sei wenn man etwas nicht mitgekriegt hat und auf Fragen keine rechtzeitige Antwort bekam. Für Odran ist klar, daß er schuld ist.
Am Anfang haben die Germanizismen der Übersetzung wie 'hoch gehen' (für hinauf gehen), 'eine' 7up (ein 7up), 'eine' Fanta (ein Fanta) etc. meine österreichische Sprachseele ziemlich gestört. Durch die spannende Geschichte wurde bald aufgelöst.
In Summe eine grandiose Geschichte die unter die Haut geht, und ziemlich berührt. Viel Freude beim Lesen !
John Boyne wurde am 30. April 1971 in Dublin geboren. Bis jetzt verfasste er vierzehn Romane und verschiedene Kurzgeschichten.
Samstag, 8. Dezember 2012
Leonie Swann : "Glennkill"
Leonie Swann :
"Glennkill" - ein Schafskrimi
2005, Wilhelm Goldmann Verlag, München
12. Ausgabe 2007
2 Seiten Dramatis Oves (die wichtigen Schafe der Handlung)
366 Seiten
ISBN 978-3-442-46415-9
Mit Daumenkino von Weibke Rossa und Richard Igel :-)
(Daumenkino: hier ein tanzendes Schaf im rechten unteren Eck der rechten Seite - entzückend !)
Der Schäfer George Glenn wird von seiner Schafherde tot aufgefunden - eine Schaufel in seinem Körper finden auch die Schafe dubios, allen voran das intelligenteste Schaf der Herde Miss Maple (sie hatte in ihren Jugend den Ahornsirup vom Brot des Schäfers geschleckt). Die Schafe mit Leitwidder Sir Ritchfield, beobachten, erlauschen und erriechen die Reaktionen der Menschen auf den Tod ihres Schäfers. Komisch kommt ihnen das Gerede von 'Gras', denn warum sollte man das verstecken müssen, wenn es vor der Nase wächst. Miss Maple schafft es mithilfe von Othello, einem vierhörnigen schwarzen Widder, der das Zeug zum Leitwidder hat, und Mopple the Whale, einem dicken flauschigen Merinowidder mit Supergedächtnis, den Rest der Herde zu motivieren, daß es gerecht ist beim Tod des Schäfers zu helfen. Die Menschen sind wenig hilfreich : ein Mann den sie Gott nennen, weil er in einem Haus mit spitzen Dach wohnt, riecht ungut; dem Fleischhauer Ham mißtrauen sie aus logischen gründen und weil er komisch riecht, auch der zwischendurch Schäfer Gabriel stellt sich als schlechter Mensch heraus. Nur eine Frau in rotem Kleid ist nett zu den Schafen. Im Testament stellt sich heraus, daß die Herde die allen Menschen komisch vorkam, die letzte Herde Irlands ist, in der alte fast ausgestorbene Schafrassen gezüchtet werden, und daß sie - die Schafe - das Geld für eine Europareise geerbt haben. Die Frau im roten Kleid wird sich darum kümmern.
Beim Wettbewerb des intelligentesten Schafes spielen die Schafe eine Charade um der Klärung des Todes ihres Schäfers nachzuhelfen, was klappt.
Das Buch ist kein Reißer oder Thriller, sondern ist gemütlich wie eine grasende, nur manchmal nachdenkende Schafherde. Wer Spannung erwartet, wird enttäuscht. Wer bereit ist, sich auf die Schilderungen der unterschiedlichen Schafe, ihrer Temperamente und Intelligenzen einzulassen, wird humorvoll unterhalten.
Etwas metaphysisch sind die Teile in denen Melmoth auftaucht, seine Beiträge liefert, und dann wieder verschwindet. Ob es Wolkenschafe wirklich gibt ? Ob ein Schaf wenn es stirbt ein Wolkenschaf wird ? Melmoth war Zwillingsbruder von Sir Ritchfield, der jahrelang verschollen war, und plötzlich wieder der Herde hilft, indem er ihnen gedanklich weiterhilft, sich dann aber plötzlich auflöst und (wieder) verschwindet. Bei Othello hat er den stärksten Einfluß, da er ihn gedanklich - als Stimme aus dem off - schon lange begleitet hatte.
In Summe ein schönes Buch, bei dem etwas Geduld von Nöten ist, das mir mit seinen Schilderungen von Schafen, von Landschaft, und der nicht-Hektik sehr gut gefallen hat.
"Glennkill" - ein Schafskrimi
2005, Wilhelm Goldmann Verlag, München
12. Ausgabe 2007
2 Seiten Dramatis Oves (die wichtigen Schafe der Handlung)
366 Seiten
ISBN 978-3-442-46415-9
Mit Daumenkino von Weibke Rossa und Richard Igel :-)
(Daumenkino: hier ein tanzendes Schaf im rechten unteren Eck der rechten Seite - entzückend !)
Der Schäfer George Glenn wird von seiner Schafherde tot aufgefunden - eine Schaufel in seinem Körper finden auch die Schafe dubios, allen voran das intelligenteste Schaf der Herde Miss Maple (sie hatte in ihren Jugend den Ahornsirup vom Brot des Schäfers geschleckt). Die Schafe mit Leitwidder Sir Ritchfield, beobachten, erlauschen und erriechen die Reaktionen der Menschen auf den Tod ihres Schäfers. Komisch kommt ihnen das Gerede von 'Gras', denn warum sollte man das verstecken müssen, wenn es vor der Nase wächst. Miss Maple schafft es mithilfe von Othello, einem vierhörnigen schwarzen Widder, der das Zeug zum Leitwidder hat, und Mopple the Whale, einem dicken flauschigen Merinowidder mit Supergedächtnis, den Rest der Herde zu motivieren, daß es gerecht ist beim Tod des Schäfers zu helfen. Die Menschen sind wenig hilfreich : ein Mann den sie Gott nennen, weil er in einem Haus mit spitzen Dach wohnt, riecht ungut; dem Fleischhauer Ham mißtrauen sie aus logischen gründen und weil er komisch riecht, auch der zwischendurch Schäfer Gabriel stellt sich als schlechter Mensch heraus. Nur eine Frau in rotem Kleid ist nett zu den Schafen. Im Testament stellt sich heraus, daß die Herde die allen Menschen komisch vorkam, die letzte Herde Irlands ist, in der alte fast ausgestorbene Schafrassen gezüchtet werden, und daß sie - die Schafe - das Geld für eine Europareise geerbt haben. Die Frau im roten Kleid wird sich darum kümmern.
Beim Wettbewerb des intelligentesten Schafes spielen die Schafe eine Charade um der Klärung des Todes ihres Schäfers nachzuhelfen, was klappt.
Das Buch ist kein Reißer oder Thriller, sondern ist gemütlich wie eine grasende, nur manchmal nachdenkende Schafherde. Wer Spannung erwartet, wird enttäuscht. Wer bereit ist, sich auf die Schilderungen der unterschiedlichen Schafe, ihrer Temperamente und Intelligenzen einzulassen, wird humorvoll unterhalten.
Etwas metaphysisch sind die Teile in denen Melmoth auftaucht, seine Beiträge liefert, und dann wieder verschwindet. Ob es Wolkenschafe wirklich gibt ? Ob ein Schaf wenn es stirbt ein Wolkenschaf wird ? Melmoth war Zwillingsbruder von Sir Ritchfield, der jahrelang verschollen war, und plötzlich wieder der Herde hilft, indem er ihnen gedanklich weiterhilft, sich dann aber plötzlich auflöst und (wieder) verschwindet. Bei Othello hat er den stärksten Einfluß, da er ihn gedanklich - als Stimme aus dem off - schon lange begleitet hatte.
In Summe ein schönes Buch, bei dem etwas Geduld von Nöten ist, das mir mit seinen Schilderungen von Schafen, von Landschaft, und der nicht-Hektik sehr gut gefallen hat.
Donnerstag, 20. Mai 2010
Peter. R. Wieninger : "Die Spur der Katzen"
Peter. R. Wieninger :
"Die Spur der Katzen"
Roman
1996, Reclam Verlag Leipzig
219 Seiten
ISBN 3-379-00756-0
Eigenartige Geschichte, bei der in der Jetztzeit ein verwöhnter schicki-micki Beamter spirituell erleuchtet wird, und parallel die Geschichte des 'Book of Kells' erzählt wird.
Die titelgebenden Katzen sind als Verteidiger der bösen Energie nur fauchend und kratzend geschildert - leider. Der Hund auf der Seite der positiven Energie, klassisch treu.
Das Buch ist in zwei Strängen aufgebaut, die am Schluß zusammenfinden.
Die Handlung in der Jetztzeit beschreibt den Beamten Steinwändter in Armani/Boss/etc. Anzügen und Sportautos mit "i" am Schluß, der beim Rasen einen Mann überfährt, sein Auto versteckt, trickst um eine Anzeige wegen Autodiebstahls machen zu können, das Auto wider Erwarten ohne Schaden retourerhält (bald aber merkt, daß es nicht sein Auto ist), und dann neugierig geworden und weil seine Kinder und sein Hund bedroht werden (seine Frau ist ihm egal, da er eine Geliebte hat), nach St. Pölten fährt weil ein Hinweis es so will. Im Dom findet er dann die relevanten und rätsellösenden Antworten.
Parallel wird die Geschichte des 'Book of Kells' erzählt, an dessen 340 Seiten im 9 Jahrhunder 4 Mönche arbeiteten, zeichneten, kallographierten, für Farbe Würmer zerrieben ließen , Gold in malbare Konstistenz bringen ließen und für dessen Existenz sie von Inseln bei Schottland, zu Inseln bei Irland fliehen mußten. In den nächsten historischen Wirren wird das Buch in Dublin untergebracht, wo es im 20. Jahrhundert unter Alarmglocken geschützt der Öffentlichkeit gezeigt wird. Berühmt ist es für seine Zeichnungen und die Farben die auch nach einem Jahrtausend noch frisch sein sollen.
Nebenzweig die Geschichte und der spirituelle Hintergrund der Zoroaster, und wie sie den Ausgleich von Gut und Böse auf der Welt sehen.
Das Buch ist so geschrieben, daß ich das Ende wissen wollte, sprachlich hat es mich aber nicht gereizt.
Den Beschreibungen des Buches, der Kleidungen, der diversen Interieurs, der Landschaften, der Stadt St. Pölten und Teilen Wiens ist Raum gegeben ohne sich festzulaufen - leider bleiben die Menschen für mich an der Oberfläche und auch die Wandlung des Abteilungsleiters Steinwändtner durch spirituelle Informationen ist eher belustigend.
Oder macht sich der Autor über seinen eigenen 'halben' Fantasyroman (die andere Hälfte kann eher als Kriminalroman klassifiziert werden) selber lustig ? Beim Lesen des Endes habe ich zumindest mehrmals den Eindruck.
Nettes Detail ist die Beschreibung von "Uisce beatha" ... genau: Whiskey :-)
"Die Spur der Katzen"
Roman
1996, Reclam Verlag Leipzig
219 Seiten
ISBN 3-379-00756-0
Eigenartige Geschichte, bei der in der Jetztzeit ein verwöhnter schicki-micki Beamter spirituell erleuchtet wird, und parallel die Geschichte des 'Book of Kells' erzählt wird.
Die titelgebenden Katzen sind als Verteidiger der bösen Energie nur fauchend und kratzend geschildert - leider. Der Hund auf der Seite der positiven Energie, klassisch treu.
Das Buch ist in zwei Strängen aufgebaut, die am Schluß zusammenfinden.
Die Handlung in der Jetztzeit beschreibt den Beamten Steinwändter in Armani/Boss/etc. Anzügen und Sportautos mit "i" am Schluß, der beim Rasen einen Mann überfährt, sein Auto versteckt, trickst um eine Anzeige wegen Autodiebstahls machen zu können, das Auto wider Erwarten ohne Schaden retourerhält (bald aber merkt, daß es nicht sein Auto ist), und dann neugierig geworden und weil seine Kinder und sein Hund bedroht werden (seine Frau ist ihm egal, da er eine Geliebte hat), nach St. Pölten fährt weil ein Hinweis es so will. Im Dom findet er dann die relevanten und rätsellösenden Antworten.
Parallel wird die Geschichte des 'Book of Kells' erzählt, an dessen 340 Seiten im 9 Jahrhunder 4 Mönche arbeiteten, zeichneten, kallographierten, für Farbe Würmer zerrieben ließen , Gold in malbare Konstistenz bringen ließen und für dessen Existenz sie von Inseln bei Schottland, zu Inseln bei Irland fliehen mußten. In den nächsten historischen Wirren wird das Buch in Dublin untergebracht, wo es im 20. Jahrhundert unter Alarmglocken geschützt der Öffentlichkeit gezeigt wird. Berühmt ist es für seine Zeichnungen und die Farben die auch nach einem Jahrtausend noch frisch sein sollen.
Nebenzweig die Geschichte und der spirituelle Hintergrund der Zoroaster, und wie sie den Ausgleich von Gut und Böse auf der Welt sehen.
Das Buch ist so geschrieben, daß ich das Ende wissen wollte, sprachlich hat es mich aber nicht gereizt.
Den Beschreibungen des Buches, der Kleidungen, der diversen Interieurs, der Landschaften, der Stadt St. Pölten und Teilen Wiens ist Raum gegeben ohne sich festzulaufen - leider bleiben die Menschen für mich an der Oberfläche und auch die Wandlung des Abteilungsleiters Steinwändtner durch spirituelle Informationen ist eher belustigend.
Oder macht sich der Autor über seinen eigenen 'halben' Fantasyroman (die andere Hälfte kann eher als Kriminalroman klassifiziert werden) selber lustig ? Beim Lesen des Endes habe ich zumindest mehrmals den Eindruck.
Nettes Detail ist die Beschreibung von "Uisce beatha" ... genau: Whiskey :-)
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