Ernst Solér :
"Staub im Paradies"
2009, Grafiti Verlag
203 Seiten + 1 Seite Erklärung und Danke + 2 Seiten Glossar (gemischt schweizerische und tamilische Ausdrücke)
ISBN 978-3-89425-357-8
In diesem großartigen Kriminalroman werden in zwei Strängen Morde einmal in der Schweiz, einmal in Sri Lanka erzählt. Der schweizerische Kriminalkommissar Staub besucht mit seiner Familie die Tochter aus einer früheren Beziehung. Mitten in den Bergen wird ein Malariaforscher, ein Kollege der Tochter, erschossen. Währenddessen wird in der Schweiz die übrige Truppe von Staub mit einem ermordeten Tamilen konfrontiert.
Staub holt einige Informationen aus der Schweiz für quasi seinen Mord, und hilft den Mord seiner Gruppe aufzulösen.
Mordursache sind der (Bürger-)Krieg zwischen Tamilen und Singhalesen, der wie ein scharfes Schwert über den Menschen hängt, und Intrigen.
Eine kleine Liebesgeschichte bahnt sich zwischen Gret und einem Lokalbesitzer an. Staubs große Tochter hat sich endlich in einen für den Vater brauchbaren Mann, einen engagierten Arzt, verliebt. Sein Sohn hat sich einen temperamentvolle Schönheit verliebt, und auch Staubs Frau hat Witz und Willen.
Die Orte der Handlung sind in Sri Lanka die Bergwelt bei Pelmadulla, aber auch Stadt und Strandgegenden. In der Schweiz dürfte es um Zürich, mit Ausflüge nach Basel gehen.
Die Absätze über Ansätze die Übertragung der Malaria zu übertragen sind hochinteressant. DDT wird sehr kritisch betrachtet.
Ich habe die Sprache und die Metaphern in diesem Buch genossen. Ich habe in gefühlt jedem zweiten Absatz mindestens eine Formulierung oder Analogie gefunden, die mich zum Schmunzeln brachte : hier einige Beispiele : Schweizer Mücken als flügellahme Lachnummern, abgasgeplagte Palmen,
Die zwei verwebten Geschichten sind in sehr schöner Sprache geschrieben, die ich sehr genossen habe. Spannend sind die beide Handlungsstränge ebenfalls. Leider gibt es keine gutes Ende mit dem ich mich wohl gefühlt habe (was mich an Donna Leon erinnert hat).
Viel Freude beim Lesen dieses unterhaltsamen und spannenden Kriminalromans !
Ernst Solèr wurde am 7. Juli 1960 in Männedorf (Kanton Zürich) geboren. Einige zeitlang war er Ethnologie-Student, Rock-Gitarrist und Spiele-erfinder. Ab 1987 arbeitete er als beim Schweizer Fernsehen. Ab 1999 widmetet er sich dem Schreiben - als Journalist und Schriftsteller. 2006 erschien der erste der vier Krimis um Hauptmann Fred Staub. Er starb am 16. Juli 2008 an Krebs.
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Samstag, 16. Dezember 2017
Donnerstag, 22. Juni 2017
Martin Suter : "Der Koch"
Martin Suter :
"Der Koch"
Roman
2010, Diogenes
285 Seiten + 16 Seiten Maravans Rezepte + 1 Seiten Quellen + 2 Seiten Dank
ISBN 978-3-257-23999-7
In diesem Roman geht es um überraschend viel Kochen. Maravan, ein Flüchtling aus Sri Lanka, hilft in einem Haubenlokal in der Schweiz in der Küche. Zu Hause hatte er von seiner Großmutter Kochen mit vielen Gewürzen und Sinnlichkeit gelernt - ein Wissen das er in der Schweiz nicht als Beruf einsetzen kann. Nachdem er für seine Arbeitskollegin Andrea gekocht hatte, verliert er die Arbeit. Er versucht durch das Netzwerk der Flüchtlinge aus Sri Lanka zu überleben und kommt mit einer militanten Gruppe in Kontakt. Gemeinsam mit der Arbeitskollegin entsteht die Idee zu erotischem Essen in zehn Gängen, das bei Ehepaaren die ihre Beziehung in Stimmung bringen wollen, und auch Geschäftsmännern mit Berufsunterhalterinnen Erfolg hat. Während Andrea eine Professionelle gut gefällt, kommt Maravan einem Geschäft auf die Spur, bei dem Waffen nach Sri Lanka geschmuggelt werden, was einem lieben Verwandten das Leben kostete.
In vielen und intensiven Absätzen wird das Kochen von Maravan beschrieben. Faszinierend sind die Mischungen aus Gewürzen und die Ideologie der Sinnlichkeit, die dahinter steckt. Allerdings konnte ich mit dem Spiel mit Essenzen und Parfüms die über das Essen geträufelt werden, wenig anfangen.
Hintergründe sind die Kämpfe in Sri Lanka und im Herbst 2008 die Bankenkrise, die sich zur internationalen Wirtschaftskrise auswächst. Die Wirtschaftskrise ist bekannt; neu waren die Erzählungen über die Gruppen die in Sri Lanka teilweise mit unendlicher Gewalt gegen eigene und fremde Menschen umgehen. Die Finanzierung der Kämpfe läuft über mafia-ähnliche Strukturen, die Schutzgelder erpressen.
Die Menschen sind intensiv geschildert : Maravan als großer ruhiger Mensch mit ruhiger Ausstrahlung, Ándrea als attraktive Frau die auf Frauen steht, Dallmann ein rücksichtloser sinnlicher Wirtschaftsmensch, Makeda ein schöne afrikanische Professionelle, und Sandana eine junge Frau aus Sri Lanka die behutsam die engen geistigen Grenzen der Gemeinschaft öffnet.
Der Roman ist spannend geschrieben und hat mich bis ein Uhr Nacht wach gehalten bis ich wußte wie die Geschichte ausgeht. Viel Freude beim Lesen !
Martin Suter wurde am 29. Februar 1948 in Zürich geboren. Er war erfolgreicher Werbetexter und Drehbuchautor. 1997 sattelte er komplett auf Schriftsteller um als sein Roman "Small World" Durchbruch hatte. Mittlerweile sind 14 Romane und einige Drehbücher erschienen. Er lebt in Zürich, auf Ibiza und in Guatemala.
"Der Koch"
Roman
2010, Diogenes
285 Seiten + 16 Seiten Maravans Rezepte + 1 Seiten Quellen + 2 Seiten Dank
ISBN 978-3-257-23999-7
In diesem Roman geht es um überraschend viel Kochen. Maravan, ein Flüchtling aus Sri Lanka, hilft in einem Haubenlokal in der Schweiz in der Küche. Zu Hause hatte er von seiner Großmutter Kochen mit vielen Gewürzen und Sinnlichkeit gelernt - ein Wissen das er in der Schweiz nicht als Beruf einsetzen kann. Nachdem er für seine Arbeitskollegin Andrea gekocht hatte, verliert er die Arbeit. Er versucht durch das Netzwerk der Flüchtlinge aus Sri Lanka zu überleben und kommt mit einer militanten Gruppe in Kontakt. Gemeinsam mit der Arbeitskollegin entsteht die Idee zu erotischem Essen in zehn Gängen, das bei Ehepaaren die ihre Beziehung in Stimmung bringen wollen, und auch Geschäftsmännern mit Berufsunterhalterinnen Erfolg hat. Während Andrea eine Professionelle gut gefällt, kommt Maravan einem Geschäft auf die Spur, bei dem Waffen nach Sri Lanka geschmuggelt werden, was einem lieben Verwandten das Leben kostete.
In vielen und intensiven Absätzen wird das Kochen von Maravan beschrieben. Faszinierend sind die Mischungen aus Gewürzen und die Ideologie der Sinnlichkeit, die dahinter steckt. Allerdings konnte ich mit dem Spiel mit Essenzen und Parfüms die über das Essen geträufelt werden, wenig anfangen.
Hintergründe sind die Kämpfe in Sri Lanka und im Herbst 2008 die Bankenkrise, die sich zur internationalen Wirtschaftskrise auswächst. Die Wirtschaftskrise ist bekannt; neu waren die Erzählungen über die Gruppen die in Sri Lanka teilweise mit unendlicher Gewalt gegen eigene und fremde Menschen umgehen. Die Finanzierung der Kämpfe läuft über mafia-ähnliche Strukturen, die Schutzgelder erpressen.
Die Menschen sind intensiv geschildert : Maravan als großer ruhiger Mensch mit ruhiger Ausstrahlung, Ándrea als attraktive Frau die auf Frauen steht, Dallmann ein rücksichtloser sinnlicher Wirtschaftsmensch, Makeda ein schöne afrikanische Professionelle, und Sandana eine junge Frau aus Sri Lanka die behutsam die engen geistigen Grenzen der Gemeinschaft öffnet.
Der Roman ist spannend geschrieben und hat mich bis ein Uhr Nacht wach gehalten bis ich wußte wie die Geschichte ausgeht. Viel Freude beim Lesen !
Martin Suter wurde am 29. Februar 1948 in Zürich geboren. Er war erfolgreicher Werbetexter und Drehbuchautor. 1997 sattelte er komplett auf Schriftsteller um als sein Roman "Small World" Durchbruch hatte. Mittlerweile sind 14 Romane und einige Drehbücher erschienen. Er lebt in Zürich, auf Ibiza und in Guatemala.
Freitag, 23. Dezember 2016
Michelle de Kretser : "Der Fall Hamilton"
Michelle de Kretser :
"Der Fall Hamilton"
original "The Hamilton Case"
2003, Verlag Knopf (Australien)
Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger
2006, Klett Cotta Verlag
300 Seiten
ISBN 3-608-93740-4
In dem Roman geht es anhand von Sam (eigentlich Stanley Alban Marriott) Obeysekere, seiner Mutter Maud und seinem Sohn Harry um die Geschichte Sri Lankas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als zuerst die Briten die Herrschaft auf der Insel innehatten, und diese dann an die Kämpfe zwischen Tamilen und Singhalesen abgeben mußten. Sam ist zwar dunkelhäutig aber britisch bis ins Detail, während seine Mutter als Kind und im Alter die Weisheit der Eingesessenen lebt und dazwischen durch ihre Schönheit den Menschen auf der Nase tanzt, während sein Sohn Harry sich komplett aus dem System ausklinkt und in England Vegetarier wird. Am Schluß wird klar, daß Sam wunderbar in Details war, aber nie den großen Zusammenhang erkannte.
Der Hauptteil der Geschichte ist Sam gewidmet, der in einer Familie mit Geld aber auch Verschwendung aufwächst, eine Schwester Claudia hat die er innig lieb und einen Bruder der früh stirbt. Im Internat lernt er Jaya kennen, der später sein Schwager, dann Politiker wird, und Shiva (Shivanathan) der genauso wie Sam Jus studiert und später Geschichten (unwahr und exotisch) schreibt. Sam eine Karriere im Staatsdienst vor sich die er sich mit seinen Schlußfolgerungen um den Mord an dem Farmer Hamilton verbaut, als hier das ewige Mißtrauen gegen eingeborene Dienstboten, die Oberhoheit der Briten, sich ändernde Zeiten gegeneinander spielen. Seine Heirat mit der reichen häßlichen Leela macht ihn nicht glücklich, aber es gibt spät Sohn Harry, der sich gar nicht den Wünschen von Sam entwickelt.
Kapitelweise wird das Leben von Sams Mutter Maud beschrieben, die es durch große Schönheit und Extravaganz schafft bewundert zu werden. Als gleichzeitig Alter und Armut kommen entwickelt sie sich zur wunderlichen Alten die in Glitzergewändern durch die Wälder streift. Diese Kapitel haben eigenen Charme da hier viele Baum- und Tiernamen vorkommen.
Hintergrund ist der Geschichte von Ceylon, in der von den holländischen Einwanderern und Stolz erzählt wird, dann den Briten, und den Unterschieden zwischen Tamilen und Singhalesen. Die Loslösung der Briten von Indien und den Lösungen im Norden die Haß sähen und zu blutigen Konflikten führen, sind nur kurz genannt. Auf der Insel verschieben sich die Machtverhältnisse zugunsten der ursprünglichen Einwohner.
Die Menschen sind gut vorstellbar beschrieben. Sam bleibt brav, seine Mutter schildernd, seine Schwester durchsichtig und zart, Kurzzeit-Schwager Jaya als dickes schleimiges Ekelpaket mit grandioser wetterwendischer Rhetorik, das Kind Harry dem die Welt der Mutter und Großmutter wichtig ist, Pater/der Vater Sams der ein großer Verschwender war, die unterschiedlichen Helferleins im Gut mitten im Nirgendwo im Regenwald, oder im Haus am Meer das nur Sam liebt.
Leider gibt es keinen Glossar um die verschiedenen Ausdrücke die vermutlich typisch für Sri Lanka sind oder waren und die Essen, Herrschaft - Dienerschaft, und anderes beschreibt nachzuschlagen. Das ist schade weil es den Charme des Buches ausmacht, daß diese Ausdrücke zwar unübersetzt und immerhin kursiv gedruckt im Text stehen.
Der Roman ist stark und eindrücklich. Auch wenn man mit dem Leben auf dieser Insel und dem geschichtlichen Hintergrund nicht vertraut ist, zieht es in diesen Roman mit seinen Menschen und dem feuchten Klima und verschiedenartigen Essen hinein. Viel Freude beim Lesen !
Michelle de Kretser wurde am 11. November 1957 in Sri Lanka (Ceylon) geboren und wanderte mit 14 nach Australian aus. Sie studierte Literaturwissenschaft und Französisch in Melbourne und Paris. Dann arbeitete sich als Lektorin für ein Reise Magazin und begann zu schreiben. 1999 erschien der erste Roman "The Rose Grower" (auf deutsch 'Rosenzüchterin von Montsignac' bei Rütten und Loening 2001).
"Der Fall Hamilton"
original "The Hamilton Case"
2003, Verlag Knopf (Australien)
Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger
2006, Klett Cotta Verlag
300 Seiten
ISBN 3-608-93740-4
In dem Roman geht es anhand von Sam (eigentlich Stanley Alban Marriott) Obeysekere, seiner Mutter Maud und seinem Sohn Harry um die Geschichte Sri Lankas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als zuerst die Briten die Herrschaft auf der Insel innehatten, und diese dann an die Kämpfe zwischen Tamilen und Singhalesen abgeben mußten. Sam ist zwar dunkelhäutig aber britisch bis ins Detail, während seine Mutter als Kind und im Alter die Weisheit der Eingesessenen lebt und dazwischen durch ihre Schönheit den Menschen auf der Nase tanzt, während sein Sohn Harry sich komplett aus dem System ausklinkt und in England Vegetarier wird. Am Schluß wird klar, daß Sam wunderbar in Details war, aber nie den großen Zusammenhang erkannte.
Der Hauptteil der Geschichte ist Sam gewidmet, der in einer Familie mit Geld aber auch Verschwendung aufwächst, eine Schwester Claudia hat die er innig lieb und einen Bruder der früh stirbt. Im Internat lernt er Jaya kennen, der später sein Schwager, dann Politiker wird, und Shiva (Shivanathan) der genauso wie Sam Jus studiert und später Geschichten (unwahr und exotisch) schreibt. Sam eine Karriere im Staatsdienst vor sich die er sich mit seinen Schlußfolgerungen um den Mord an dem Farmer Hamilton verbaut, als hier das ewige Mißtrauen gegen eingeborene Dienstboten, die Oberhoheit der Briten, sich ändernde Zeiten gegeneinander spielen. Seine Heirat mit der reichen häßlichen Leela macht ihn nicht glücklich, aber es gibt spät Sohn Harry, der sich gar nicht den Wünschen von Sam entwickelt.
Kapitelweise wird das Leben von Sams Mutter Maud beschrieben, die es durch große Schönheit und Extravaganz schafft bewundert zu werden. Als gleichzeitig Alter und Armut kommen entwickelt sie sich zur wunderlichen Alten die in Glitzergewändern durch die Wälder streift. Diese Kapitel haben eigenen Charme da hier viele Baum- und Tiernamen vorkommen.
Hintergrund ist der Geschichte von Ceylon, in der von den holländischen Einwanderern und Stolz erzählt wird, dann den Briten, und den Unterschieden zwischen Tamilen und Singhalesen. Die Loslösung der Briten von Indien und den Lösungen im Norden die Haß sähen und zu blutigen Konflikten führen, sind nur kurz genannt. Auf der Insel verschieben sich die Machtverhältnisse zugunsten der ursprünglichen Einwohner.
Die Menschen sind gut vorstellbar beschrieben. Sam bleibt brav, seine Mutter schildernd, seine Schwester durchsichtig und zart, Kurzzeit-Schwager Jaya als dickes schleimiges Ekelpaket mit grandioser wetterwendischer Rhetorik, das Kind Harry dem die Welt der Mutter und Großmutter wichtig ist, Pater/der Vater Sams der ein großer Verschwender war, die unterschiedlichen Helferleins im Gut mitten im Nirgendwo im Regenwald, oder im Haus am Meer das nur Sam liebt.
Leider gibt es keinen Glossar um die verschiedenen Ausdrücke die vermutlich typisch für Sri Lanka sind oder waren und die Essen, Herrschaft - Dienerschaft, und anderes beschreibt nachzuschlagen. Das ist schade weil es den Charme des Buches ausmacht, daß diese Ausdrücke zwar unübersetzt und immerhin kursiv gedruckt im Text stehen.
Der Roman ist stark und eindrücklich. Auch wenn man mit dem Leben auf dieser Insel und dem geschichtlichen Hintergrund nicht vertraut ist, zieht es in diesen Roman mit seinen Menschen und dem feuchten Klima und verschiedenartigen Essen hinein. Viel Freude beim Lesen !
Michelle de Kretser wurde am 11. November 1957 in Sri Lanka (Ceylon) geboren und wanderte mit 14 nach Australian aus. Sie studierte Literaturwissenschaft und Französisch in Melbourne und Paris. Dann arbeitete sich als Lektorin für ein Reise Magazin und begann zu schreiben. 1999 erschien der erste Roman "The Rose Grower" (auf deutsch 'Rosenzüchterin von Montsignac' bei Rütten und Loening 2001).
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