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Samstag, 15. Januar 2022

Florent Silloray : "Capa - die Wahrheit ist das beste Bild"

Florent Silloray :
"Capa - die Wahrheit ist das beste Bild"
original "Capa - l'Etoile filante"
2016, Casterman, Brüssel
Aus dem Französischen von Anja Kootz
2017 Knesebeck, München
81 Seiten
ISBN 978-3-95728-067-1

Endre Friedmann, Künstlername als Photograph Robert Capa, blickt auf sein Leben zurück. In braun-schwarz-weißen Bildern wird sein Leben in Ungarn, dann Frankreich, Bürgerkriegszeit in Spanien, USA, Mexico, D-Day in der Normandie, japanische Invasion in China, Indiochine, Gründung der Photoagentur Magnum und dazwischen die großen Lieben in seinem Leben, photographin Gerda und Schauspielerin Ingrid erzählt. Daß er gerne teuer lebte, trank und beim Poker verlor wird nicht ausgelassen.
Faszinierend ist die Sehnsucht des Photographen nach dem intensiven Teilhaben am kriegerischen und politischen Geschehen photographieren zu dürfen - und wie er in Rußland und China behindert wurde. 

Wichtige Teile wie "Mexican Suitcase" und auch daß 11 Photos bei dem Wasser im D-Day brauchbar waren, sind gezeichnet; kleine Details wie  Heirat für Staatsbürgerschaft ebenfalls.

Die Graphic novel ist spannend und zieht in den Bann, sowohl von der Geschichte, also auch den dynamischen zeichnen.

Viel Freude beim Lesen und Betrachten der Zeichnen !

Montag, 18. April 2016

Per J. Andersson : "Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden"

Per J. Andersson :
"Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden" - eine wahre Geschichte
original "New Delhi - Bords"
2013
Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
2015, Kiepenheuer & Witsch
312 Seiten + 12 Seiten Photos in sw
ISBN 978-3-462-04747-9

Pikay ist der jüngste Sohn einer Familie der Kaste der Dalait im indischen Bundesstat Orissa (seit 2011 Odisha). Er wächst geliebt und behütet auf; erst in der Schule lernt er was er als Kastenausgestossener alles nicht darf und muß brutale Zurückweisungen erfahren. Ihm wird die Schulausbildung ermöglicht, und ein Lehrer erkennt, wie grandios er zeichnet und daß er auf die Kunsthochschule in Delhi soll. Da die Stipendienzahlungen ausfallen, zeichnet er am Springbrunnen Porträits. Dadurch und durch Freunde kann er im wahrsten Sinne überleben. Es ist die Zeit der 70-er Jahre in denen Indira Ghandi erstmals regiert und europäische und amerikanische Jugendliche die Spiritualität Indiens bereisen und besuchen kommen. Hier kommt auch Lotta aus Schweden, die eine Parallelität zwischen einigen schwedischen und indischen Stoffmustern erkennt und den mittlerweile berühmten Zeichner am Brunnen kennenlernt.
Im zweiten Teil des Buches reist Pikay zuerst mit dem Fahrrad durch Pakistan, dann dem Iran, und mithilfe von Freunden weiter nach Istanbul, dort wieder mit Hilfe weiter nach Wien, und dann wieder mit Hilfe weiter nach Schweden. Dort bauen er und Lotta wirklich ein gemeinsames Leben inkl. Heirat und Kinder auf, wobei er beruflich wieder seine künstlerische Seite lebt.

Da Buch liest sich wie eine Art Märchen in dem zwar einige Menschen nicht angenehm sind, aber auch auch wieviele freundlich sind und weiterhelfen.

Von Indien wird der Bundesstaat Orissa geschildert mit seinem unterschiedlichen Kastenwesen, den Trennungen zwischen Waldmenschen die mit den Göttern und Geistern des Waldes vertraut sind aber von allen anderen mißtrauisch bis abwertend behandelt werden, und dann der großen Stadt Delhi mit den vielen unterschiedlichen Menschen aber einem gemütlichen Café mit offenherzigen Menschen die ihn einladen, seine Zeichnungen schätzen und weiterhelfen. Durch die Zeichnungen öffnen sich manche Pforte für ihn bis hinauf zu Indira Ghandi.
Ihm immer wieder seine Nicht-Kaste vorgehalten, auch wenn offiziell das Kastenwesen abgeschafft wurde. Für andere Menschen, v.a. in Künstlerkreisen, ist dieses Schachteldenken nicht vorhanden.

Durch seine Zeichenkenntnisse und gewinnende Art gelingt es ihm bei der Reise durch Pakistan, und Afghanistan auf dem Rad durchzuhalten und sich weiterhelfen zu lassen. Es ist faszinierend zu lesen wie Pikay damals Pakistan und Afghanistan Mitte der 70-ger Jahre schildert, vor allem wenn man sich die aktuellen polisch-verfeindeten Verhältnisse ansieht. Auch im damaligen Persien / heute Iran kam man ihm hilfreich und freundlich entgegen. Auch in Wien bekommt er Hilfe, Wohnung, Zugkarte und kann Zeichnungen verkaufen.

Die Situationen die ihm dann in Schweden Probleme machen sind eher als Kulturunterschied zu sehen ? Wenn er Floskeln über das Wetter für Small Talk, ernst nimmt, oder Worte so vermischt, daß sie als Beleidigungen verstanden werden. Aber er lernt die Sprache und wird so ernst genommen, daß er als Zeichenlehrer arbeiten kann. Spät lebt er dann die Spiritualität mit Yoga und Meditation, die eigentlich mit Indien assoziiert wird.

In Summe ein wunderbares Buch das ich sehr genossen habe, vor allem weil es positiv stimmt. Diese Freude wünsche ich auch anderen Leserinnen und Lesern !

Per J. Andersson wurde 1962 in Halstahammar (Provinz Västmanland/ Schweden) geboren. Er ist Mitbegründer von Schwedens bekanntestem Reisemagazin Vagabond und viel gereist.

Samstag, 14. Februar 2015

Mo Yan : "Die Schnapsstadt"

Mo Yan :
"Die Schnapsstadt"
Roman
original "Jiuguo"
1992, Hungfan, Taibei
Deutsch von Peter Weber-Schäfer
2012, Unionsverlag Zürich
506 Seiten
ISBN 978-3-293-20563-5

Der Wunsch ein Werk des Nobelpreisträgers 2012 zu lesen ließ mich zu diesem Buch greifen. Gleich vornweg: ich hatte ziemliche Anstrengung mit diesem vielseitigen Roman über Alkohol, Gewalt, Alkohol, möglichem Kinder essen, Gewalt, Sex und Alkohol; sowie eigenartigen hierarchischem Bewußtsein und Stolz und gleichmachendem Kommunismus und Verehrung des großen Mao Tse

Drei Stränge gibt es in diesem Roman. Die Hauptgeschichte gilt dem Sonderermittler Ding Gou'er, der in die (Fantasie)-Provinz Jiuguo geschickt wird um dem Verdacht, daß hier hohe Verwaltungsbeamte Kinder essen würden, nachzugehen. Die Untersuchung ertrinkt im Alkohol. Unter anderem trifft Sonderermittler Ding Gou'er auf die Lastwagenfahrerin, die mit einem hohen Verwaltungsbeamten verheiratet ist, und genießt eine brutale Sexnacht mit ihr. Sie bringt ihn zu dem Zwergen Yu Yichi, der ein Spezialitätenrestaurant führt. Schlußendlich trifft der Sonderermittler auf einen alten Veteranen, der einen Heldenfriedhof bewacht, flieht vor Ratten und geht unter.
Parallel schreibt der Doktorand der Alkoholkunde Li Yidou Briefe an Mo Yan, in denen er um Rat und auch Unterstützung ersucht. Er organisiert das Affenschnaps-Festival und bringt seinen verehrten Mentor dazu, dieses zu besuchen.
Li Yidou schreibt Geschichten, eigenartige Geschichten; über Kinder die so gefüttert werden, daß sie gut verkauft werden können, über Schwalbennester aus dem Speichel der Vögel, die gekocht ebenfalls als Delikatesse erzählt werden, Spezialschnaps aus Früchten die von Affen gesammelt werden, über den Zwergen mit seinem Restaurant mit Esels-Spezialitäten und Geschichten über den alkoholkundigen Professor und Schwiegervater Yuan Shuangyu und seine wunderschöne Frau, die leider die begehrenswerte Schwiegermutter sei.

Die Geschichten haben mich inhaltlich abgestossen und mir sind das hierarchische Kriechen und Schleimen und dann wieder gleichtun ziemlich fremd. Allerdings ist das Buch spannend geschrieben oder genial übersetzt, denn es zieht in den Bann.

Sonderermittler Ding Gou'er wird zwar mit Respekt ausgestattet, geht aber in seinen erotischen Wünschen und Phantasien unter; er tritt gerne ihm untergebene Menschen oder solche die er als minderwertig betrachtet. Das bißchen vorhandene Liebe gelten kurz der Lastwagenfahrerin, und kurz vor dem Untergang seinem Sohn. Die Elemente aus denen der Zwerg Yu Yichi zusammengesetzt ist sind Macht, Genuß, erotische Ausstrahlung und Überzeugungskraft. Leider haben die beiden Frauen des Buches keine Namen, denn sie werden nur als 'Lastwagenfahrerin' und 'Schwiegermutter' geführt - im Gegensatz zu Konkubinen der alten Zeit deren Namen entweder für Raumgestaltung oder Schnapsbenennung herhalten.

Die englische Übersetzung lautet die des Titels heißt übrigens "the Rupublic of Wine".

Ich habe über an Jahr an dem Buch mit Unterbrechungen gelesen, und mußte mich immer wieder motivieren dieses eigenartige Werk komplett und fertig zu lesen; Unterbrechungen von kurzweiligeren, spannenderen oder nicht ganz so fremden Büchern waren willkommen.

In Summe ein durchaus beeindruckendes Buch, das vermutlich für Leser und Leserinnen, die mit Werten in China besser vertraut sind als ich, sehr zu empfehlen ist.

Mo Yan (was so viel heißt wie »keine Sprache«) ist das Pseudonym von Guan Moye. Er wurde 1956 in Gaomi in der Provinz Shandong geboren und entstammt einer bäuerlichen Familie. Seine Bücher wurden mit zahlreichen bedeutenden Literaturpreisen ausgezeichnet. Spätestens seit Zhang Yimous preisgekrönter Verfilmung seines Romans »Das rote Kornfeld« gilt Mo Yan auch international als einer der wichtigsten und erfolgreichsten Autoren der chinesischen Gegenwartsliteratur. Mo Yan hat 2012 den Literatur Nobelpreis gewonnen

Donnerstag, 4. September 2014

Francois Lelord : "Hector und das Wunder der Freundschaft"

Francois Lelord :
"Hector und das Wunder der Freundschaft"
aus dem Französischen von Ralf Pannowitsch
2010, Piper Verlag München
246 Seiten
ISBN 978-3-492-05166-8
Band fünf der "Hector"-Serie (ich haben keinen original französischen Titel veröffentlicht gefunden).

Hector wird aus seinen psychiatrischen Stunden gerissen um einem alten Freund zu helfen, der angeblich 3 Mio veruntreut haben soll. Da das Geld nicht offiziell war wird die Sache geheim gehalten, aber trotzdem viel Druck aufgebaut.
Über die verschiedenen Arten von Freundschaft nachdenkend reist Hector durch verschiedene Gegenden Asiens, sieht die Liebe von käuflichen Mädchen die sich einen Hauch von Romantik bewahrt haben, sieht Elephanten und findet den gesunden Freund auch. Dieser ist auf einem buddhistisch spirituellen Weg und hat das Geld genutzt Organisationen zu helfen. Er befindet sich bei als brutal verschrienen Menschen, die ihn bewundern. Nach Kidnapping und Einschalten von Journalisten gibt es ein Happy End.

Das Buch war mir geborgt worden, weil die Definition & Thema von Freundschaft für mich ein Thema war, und es mir ermöglichen sollte Antworten zu finden. Diese Erwartung ist enttäuscht worden. Die 21 Merksätze sind im Buch zusammengefaßt, und mit einem 22. Satz ergänzt.

Leider bin ich nicht in den Fluß dieses Romans hineingekommen. Vermutlich wirkten die theoretischen Betrachtungen von Aristoteles und Thomas von Aquin oder die von "Hector" bremsend auf mich. Auch daß sich der glücklich verheiratete "Hector" sind ziemlich oft mit Problem der möglichen Erotik zu allen möglichen Frauen im Buch herumschlägt, hat mich irritiert. Auch er findet übrigens Erotik in Freundschaft zwischen den Gendern problematisch und eher störend.

Gut gefallen haben mir Beschreibungen der Ländern, Wälder, Menschen in Asien. Die Geschichte habe ich etwas gestrickt gefunden, denn so einfach wird es nicht sein mitten im Urwald bei Kannibalen zu landen, und eigenartige Militärs im Hintergrund zu haben.

Das Buch macht beim Lesen aber gute Stimmung, und ich habe es einige zum Einschlafen gelesen um mit freundlichen Gedanken in die Träumewelt zu wechseln. Viel Spaß beim Lesen !

Francois Lelord wurde am 22. Juni 1953 in Paris geboren. Der Autor ist als Psychiater tätig und lebt mit seiner Familie abwechselnd in Paris und Bankog. Er schreibt Sachbücher und Belletristik (die "Hector"-Bücher).

Sonntag, 25. Mai 2014

Jonas Jonasson : "Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand"

Jonas Jonasson :
"Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand"
2009, Piratförlaget, Stockholm
original "Hundraaringen som klev ut genom fönstret och försvann" 
2011, Carl´s Books, München
übersetzt von Wibke Kuhn
   Seiten
ISBN 978-3-570-58501-6

Allan Karlsson ist der 100-jährige der aus dem Fenster eines Altersheims steigt und einfach weggeht. Damit beginnt einer der unterhaltsamsten Romane die ich in letzter Zeit gelesen habe.

Der alte Mann macht sich auf die Reise durch Schweden, lernt netten und böse Menschen kennen, einen Hund und einen Elephanten. Und erzählt parallel die Teile der Weltgeschichte bei denen er zufällig anwesend war.
Das gedankliche Roadmovie führt in den spanischen Bürgerkrieg (Tequila trinken mit Franco), Ziegenmilchschnaps im Himalaya entwickelt, Churchill im Iran vor eine Autobombe rettet, in Amerika die maßgebliche Ideen zur Atombombe hat (Kaffee mit Truman), sich mit den Russen verplaudert (Wodka mit Stalin und ab in den Gulag), den kleinen heulenden Koreaner Kim Il-sung  am Schoß hat und mit Mao in China speist. Leben auf Bali, modellhaftes Beschreiben von Korruption, Aufenthalt in Paris (Abendessen mit De Gaulle) und später gemütliches Spion zwischen USA - UDSSR sein runden sein humorvoll beschriebenes Leben ab.
In diese zeitliche Chronologie sind Kapitel in Schweden nach dem Verschwinden das alten Mannes beschrieben - wie Presse (intelligent) und Polizei (intelligent) und Staatsanwalt (dumm) versuchen das 'Geheimnis' zu lüften und vielen verrückten Geschichten auf den Leim geht.
Letztendlich reisen ein frisch verliebtes Paar, ein ex-Gauner, ein wiedergefundener Bruder, ein ex-Kommisar, der alte Mann, eine sehr intelligente Elephantendame und ein hübscher Rüde ab. Die zwei Leichen werden unlogisch erklärt und kümmern niemanden mehr.

Die Geschichte ist mit viel Humor beschrieben. Ob die Vorlage bereits so witzig war, oder die Übersetzung so gut ist, läßt sich von mir nicht feststellen. Es ist ein Buch auf der ich öfters laut auflachen durfte.

Bei den Figuren waren der Alte Mann die Hauptperson, aber "die Schöne Frau" (Gunilla), die herzhaft fluchen konnte, hat es mir auch angetan.

In Summe ein wunderbares Buch, das ich nur empfehlen kann - v.a. Leser und Leserinnen die ein bißchen in der Schule bei Geschichte aufgepaßt haben, wird dieses Buch unterhalten. Viel Vergnügen !

Jonas Jonasson wurde am 6 Juli 1961 in Vaxjö (Smaland /Schweden) geboren. Er ist Journalist, lebte in Schweden, dann im Tessin und jetzt wieder in Schweden. Der "100-jährige .." ist sein Debüt als Schriftsteller.

Donnerstag, 7. Oktober 2010

Tschingis Aitmatow : "Der Junge und das Meer"


Tschingis Aitmatow :
"Der Junge und das Meer"
original "Пегий пес, бегущий краем моря“
1977 Zeitschrift Snamja
aus dem Russischen von Charlotte Kossuth
1978 Bertelsmann/München/ Verlag Volk und Welt, Berlin DDR
160 Seiten
ISBN 3-570-05431-4

In dem Buch wird eine spannende Geschichte über das Erwachsen werden, Sterben für die Familie und die Urgewalt der Natur , in diesem Fall des Meeres, erzählt wird.

Kirgis wird das erste Mal von Großvater, Vater und Onkel im Kajak mitgenommen. Er soll lernen in der Tradition der Familie Robben zun töten und als Jäger seine Familie zu ernähren. Die Fahrt zu den Inseln, auf denen die Robben leben wird bei gutem Wetter angetreten. Dann kippt das Wetter, riesige Wellen gefährden Kajak und Männer, und Nebel fällt ein. Mit dem Nebel kommt die absolute Stille und Windlosigkeit. Da das Trinkwasser - der größte Schatz in dieser Situation - auszugehen droht, beschließt zuerst der Großvater, später der Onkel, und am Schluß der Vater über Nacht das Boot zu verlassen, um den Jungen die letzten Trinkwasserschlucke und damit vielleicht das Überleben zu sichern.
Die Polareule und Sterne, die endlich auftauchen, leiten den Jungen heim. Er hat seinen Stern (den Vater), seine Welle (seinen Onkel) und sein Lebensgedicht auf dieser Fahrt kennen gelernt.

Der Roman ist stark, er ging mir unter die Haut. Das rauhe Leben auf dem Meer, die Art wie das einfache Überleben geschildert wird, und nach welch archaischen Regeln die Männer beschließn in den Tod zu gehen um anderen das überleben zu ermöglichen, setzen sich wie Widerhacken fest und die Bilder lassen nicht einfach los.

Die Schilderungen des Lebens im Dorf und später die Windlosigkeit und Stille im Meer liefen wie ein Film vor mir ab.
Schön finde ich wie der Autor die zarten Bande zwischen Kirgis und einem Mädchen andeutet.

Schauplatz ist das ochotskische Meer und einige Inseln dort; ich mußte erst einmal den Atlas bemühen damit ich wußte wo der Roman spielt.

Ein starkes Buch für alle Leser, die keine Angst vor Urgewalten haben, und Leser, die sich in eine Geschichte hineinziehen lassen wollen.

Donnerstag, 18. März 2010

Eva Demski : "Das siamesische Dorf"

Eva Demski
"Das siamesische Dorf"
2006, Suhrkamp Verlag Frankfurt
382 Seiten
ISBN 3-518-41740-1

Ein bißchen wirres Buch mit vielen parallelen Handlungssträngen, unterschiedlichen Menschen, das was sich europäische Touristen unter Urlaub in den Tropen und Exotik vorstellen, etwas Machenschaften und ein Hauch von Buddhismus, das aber die Spannung gehalten hat und neugierig macht auf die Auflösung.

Die Hauptpersonen sind die Journalistin Kecki und der Photograph Max die losgeschickt werden mit netten Reisephotos und nettem Reisebericht nach Deutschland zurückzukommen. Organisator vor Ort ist Herr Ost (eigentlich Horst, aber der Name ist nichts für asiatische Zungen) mit seinem Helferlein Mow.
Mit von der Partie sind andere Urlaubssuchende wie eine kleine Kanadierin mit Rückenproblemen, ein Hoteliersehepaar aus Deutschland, ein Arzt mit Ehefrau etc ...
auf der anderen Seite stehen die Hausdame des Feriendorfes mit einem Mädchen, viele helfende Hände, 2 Klöster (eines mit heiliger Schlange, das andere mit überdimensionalem Hendl), und ab und zu Leichenteile die sich in Windeseile auflösen (scheinen).

Im letzten Viertel kommt heraus, daß Investoren in das Paradies eingreifen wollen, massiv ins die Wälder und die Dörfer der Umgebung eingreifen / planieren wollen, diverse wirtschaftgruppen um Einfluß kämpfen, versuchen den Richtigen zu bestechen zu erreichen, nebenbei wird der deutsche Hoteliersmann entführt, bis dann doch die spirituellen Kräfte siegen dürften und das Ferienparadies genau das bleibt.
Herr Horst bleibt der Organisator, sein Helfer Mow hatte sich auf die Seite der neuen Investorengruppe geschlagen und auch einen Mord begangen, weshalb auf ihn nicht der erstrebte Aufstiegt wartet.

Den Gegensätzen von Urlaubsfeeling mit Sand, Meer das zum Schwimmen einlädt, Freß-buffets, Cocktails in (un)-Mengen, eine Unmenge von entzückend anzusehenden Helfern und Köchen, Thai-massage und der anderen Welt mit tropischen Wäldern deren Bäume die unbewohnten Häuserflächen zurückerobern, Geisterhäusern, einem kleinen blauen Elephanten als Anhänger, und vielen Fragen was die Menschen hier fühlen und denken wird schön Raum gegeben, ohne auf die Nerven zu gehen.

Das Thema Pädophilie wird angesprochen allerdings wird die Zweischneidigkeit von heimlichem Genießen wollen, Kinderdörfer zu gründen und dem finanziellen Erhalt von Familien durch das verborgen von Kindern gehalten.

Nebengeschichte ist übrigens einem Hund gewidmet, den Kecki Katuschuk nennt, und den sie am Ende des Buches auch wirklich mitnimmt.

Gut lesbares Buch, das mir innere Wärme bei dem winterlichen Außentemperaturen gab und gut unterhielt; die spirituellen Welten und Symbole bleiben fremd, aber es ist nicht der Sinn eines Romans eine komplexe Religion mit ihrer Mystik zu transportieren.