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Mittwoch, 2. Juni 2021

Claudia Pineiro : "Der Privatsekretär"

Claudia Pineiro :
"Der Privatsekretär"
Thriller
original "Las Maldiciones"
2017, Verlag Alfaguara, Buenos Aires
Aus dem Spanischen von Peter Kultzen
2020, Unionsverlag
308 Seiten
ISBN 978-3-293-20882-7

Román Sabaté, groß, schlank, grüne Augen, wird zu seinem eigenen Erstaunen als Mitarbeiter der neuen Partei "Pragma" aufgenommen und unterstützt den charismatischen Fernando Rovira als Personaltrainer, und nach der Ermordung dessen Frau als Betreuer seines kleinen Sohnes. In den fünf Jahren, die er dort arbeitet bringt er seinen Freund Sebastian Petit, einen klar denkenden und sehr strukturierten Menschen, in die Partei ein, der sich bei dem Projekt der Splittung der Provinz Buenos Aires einbringt. Parallel lernt er die Journalistin Valentina Sureda, genannt "China", kennen, die eigentlich ein Buch schreiben möchte, zu einem anderen Buch manipuliert wird und versucht an 'die' große Geschichte zu kommen - und in Román verliebt ist.
In strukturell nicht linearen Kapiteln wird erzählt wie Román mit dem Kleinen flüchtet, in der Partei nach ihm gesucht wird, und springend aus verschiedenen Persektiven diese Situtionen beschrieben und rückblickend die letzten fünf Jahre.

Román wird groß, attraktiv, aber nicht sehr engagiert beschrieben. Er wundert sich lange warum er ausgesucht wurde, was sich cirka in der Mitte des Buches entschlüsselt.
Sebastian Petit ist hoch intelligent, begeistert von der Firma, lange sehr loyal zu dieser, aber auch loyal zu Román.
Valentina Sureda, genannt "China", ist Journalistin. Die Passagen, in denen beschrieben wird, wie sie manipuliert und gezwungen wird, an dem Buch über Flüche, die über Politikern hängen zu schreiben, sind gespenstisch, weil hier ihr keinerlei künstlerische Freiheit mehr gegeben wird; Vorschuß wird auch keiner für die viele Vorarbeit geleistet. Für die manche Menschen gilt sie als attraktive Frau, für andere ist sie nicht einen zweiten Blick wert.
Fernando Rovira ist ehemaliger Bauunternehmer, der die neue schneidige Partei Pragma gegründet hat, und Präsident werden möchte, nachdem er Gouverneur von Buenos Aires gewesen sein möchte. Er ist attraktiv, berechnend, manipulativ, grandios in Rhetorik und erwartet rückhaltlose Loyalität.
Seine Mutter ist offiziell nicht merkbar, aber sie zieht im Hintergrund ihre spirituellen Fäden, und Mitinitiatorin der eigenartigen Menage a trois die zu dem kleinen Joachín führt. Sie ist eine eigentümliche Mischung aus Mutterglucke, Hexe, Unberechenbarkeit, schlechtem Gewissen und Skrupellosigkeit.
Handlanger Sylvestre umgibt Rovira ohne auch nur einen Gedanken an Skrupel zu verwenden.
Románs Onkel Adolfo hat Gemisch aus Tischlerei und Möbelgeschäft am Land, und hat seine kommunistischen Verbindungen nie verleugnet, aber im Alter selten aktiviert.

Der Roman spielt in Buenos Aires und am Land. Orte sind zwischen hypermoderner Parteizentrale bis zum Möbelgeschäft am Land eines politisch anders denkenden Onkels.

Die Geschichte ist im Jetzt angesiedelt. Handies sind selbstverständlich, deren Überwachung auch, die älteren Damen beherrschen die sozialen Plauder-netze.

Die Partei an sich und die Menschen darin sind zwar erfunden, die Systeme wie Menschen benutzt und manipuliert werden, und unliebsame mehr oder minder rüde ausgeschaltet werden, ist faszinierend.

Die Welt der Flüche, die Politiker trifft, ist unterhaltsam zu lesen.

Mich hat der Roman in den Bann geschlagen, da er sehr sehr spannend geschrieben ist. Ich war sehr neugierig wie das Ende sein wird, war dann von der Einfachheit aber etwas enttäuscht. Viel Freude beim Lesen !

Freitag, 15. Januar 2021

Veit Heinichen : "Borderless"

 Veit Heinichen :
"Borderless" - Thriller
2020, Piper Verlag
458 Seiten
ISBN 978-3-492-31608-8

Xenia Ylenier Zannier ist eine eigenwillige Polizistin, Commissario, die in Grado versucht einer skrupellosen Politikerin endlich das Handwerk zu legen. Diese Politikerin ist mit ehemaligen Handlangern aus der yugoslawischen Zeit im Waffengeschäft, bereichert sich an Flüchtlingsdramen und Immobiliendeals. In Grado taucht auch ein deutscher hochrangiger - machtbesessener und intriganter - Beamter auf, der sich bereichert, und dessen Frau aus dem ehemaligen Bereich Yugoslawien stammte. Eine ehemalige DDR-Schwimmerin und jetzt Photographin taucht mit ihrem Freund, der aus Slowenien, ist, auf, und macht noch einiges mehr an Komplikationen, bevor Xenia endlich die Politikerin und ihren extremistischen Bruder, sowie einen lange gesuchten Verbrecher der ex-Yugoslawien-Zeit verhaften kann.

Die Personen des Buches sind sehr unterschiedlich, manchmal auch ambivalent gezeichnet.
Xenia ist eigenwillig, dünn-attraktiv, mit Kindheitstraumata und ehrgeizig, aber nicht immer sympathisch. Wichtig sind ihr Cousin-Bruder Floriano, der aufgrund der Machenschaften der Politikerin ums Leben kam, und Jordon S Becker, ein Journalist, der wie ein ex-68-er geschildert wird, und zäh an Politikern, die meinen sich alles richten zu können, dran bleibt.
Wichtig war ihr auch ein ehemaliger Vorgesetzter, der attraktive und unbestechliche Nicola Bonnani, der aus Rom versucht zu helfen, und mit dem sie eine schöne Zeit verband.
Als "Bösewichte" sind die Politikerin, deren Bruder, die Waffenschieber in Deutschland und ex-Yugoslawien, sowie deren Hanglanger geschildert.
Dann gibt es noch den charismatischen ehemaligen Broker und jetzt Gemüse- und sonstiges Händler Valerio Alfieri, der nicht ganz einschätzbar ist, aber zwischendurch doch hilft. Und Clarissa die als ehemalige DDR-Schwimmerin mit Atemtechnik grausliche Folter übersteht. Milos ist ihr Fahrer, und Freund der so lange zu ihr hält, wie er es aushält, um dann zurück nach Slowenien zu kehren.

Es gibt einige sehr grausliche und brutale Szenen, die im Krieg als Yugoslawien auseinanderfällt und Zivilbevölkerung schikaniert wird, sind. Die Art und Weise der Dialoge der machtgeilen Menschen untereinander, sind erschreckend und respektlos gegenüber vielen zwischenmenschlichen Werten.

Der Roman ist spannend erzählt. Manchmal ist es mühsam den Zeit- und Ortsprüngen innerhalb der Kapitel zu folgen, die bis zu 20 Jahre auseinander sind, und Italien, Deutschland, Salzburg und Slowenien. 

Der Widerwillen gegen Politiker wird nach diesen Buch nicht weniger. Viel Spaß beim Lesen und der Spannung folgen.

Dienstag, 13. August 2019

Doris Gercke : "Beringers Auftrag"

Doris Gercke :
"Beringers Auftrag" - Ein Milena - Proháska - Krimi
Original 2003 Ullstein Verlag München
2016, Haymon Verlag Innsbruck
333 Seiten
ISBN 978-3-7099-7855-9

Der ehemalige Kommissar Beringer beschließt sich von der schönen Rechtsanwältin Milena Prohaska beruflich und privat zu trennen, und nimmt daher den Auftrag aus Hamburg zu verschwinden und Kaliningrad einem dubiosen Auftrag nachzugehen, an. Im Hintergrund ziehen der mächtige, undurchsichtige Politiker Waller und ein dubioser reicher mächtiger Geschäftsmann Alik/Usbeck die Fäden. Im Hamburg läßt sich Milena auf eine Affäre mit Waller ein, in Kaliningrad zeigt der Milizsoldat Wadim, daß es auch ehrliche Polizisten und Soldaten in Kaliningrad gibt. In beiden Städten werden aus Machtgründen Menschen, die als kleine Rädchen gesehen werden, rücksichtslos umgebracht und deren Familien bedroht. Am Schluß sind zwar einige böse Ränkeschmiede auch tot, Zufriedenheit stellt sich allerdings nicht ein.

Orte der Handlung sind Hamburg, und Kaliningrad. Das Kaliningrad hier ist trostlos, mit trostlosen Bauten und Menschen ohne Hoffnung; das Hotel für Beringer ist ordentlich, aber auch hier ist die Hoffnungslosigkeit greifbar.

Während Milena versucht Unterlagen zurückzubekommen und mit den Mächtigen und Bösen mitzuspielen, allerdings Waller falsch einschätzt, begleitet Beringer Wadim im zur Witwe eines ermordeten Soldaten, zu einer Abtreibungsklinik, und Wami rettet ihn später aus Verhandlungen in einem U-boot.

Die Stimmung ist dicht und grau. Auch wenn Milena kraftvoll auftritt und aktiver Sexualität offen gegenüber ist, ist spürbar wie ihr die Kraft ausgeht.

Das Ende habe ich mit sehr gemischten Gefühlen gelesen. Der Kriminalroman ist trotz der Traurigkeit, die wie eine Wolke über der Geschichte liegt, sehr gut erzählt und zieht in den Bann. Gutes hineinfallen in den Roman !

Biographie der Autorin ist 11. September 2015 (Bella Block ermittelt in "Giorgia").

Sonntag, 21. Juli 2019

Jutta Mehler : "Mord mit Marzipan"

Jutta Mehler :
"Mord mit Marzipan"
2015, emons Verlag
193 Seiten
ISBN 978-3-95451-664-3

Band drei mit Hilde, Thekla und Wally, die diesmal den Tod einer ruhigen Frau auf einer Gartenschau in Niederbayern eigenartig befinden und zu recherchieren beginnen. Die Tote hatte im Bauamt gearbeitet, weshalb sie dort die Ursache für den als Unfall eingeschätzten Mord vermuten. Sie befragen den faden Ehemann, den gutausehenden Nachbar der Immobilienmakler ist, und rollen die Familiengeschichte auf. Wally wird Augenzeuge als auf Hildes Partner ein Anschlag erfolgt. Am Schluß wird Wally aus einer brenzligen Lage gerettet und der Mörder gefunden.

Die drei Frauen sind charakterlich ziemlich unterschiedlich. Hilde ist eher rauhbeinig unterwegs, und gut mit dem Feuerwehrmann Alfi zusammen. Thekla packt vorsichtig aber doch mit an. Wally ist aktuell mit abnehmen beschäftigt, ein etwas naiver liebevoller Mensch und diejenige die am meisten Verständnis für Menschen hat, aber ihr Mann hat mehrere Freundinnen.

Marzipan ist die Dekoration auf der der Gartenschau gewidmeten Torte.

Die Geschichte ist nett erzählt, manchmal etwas umständlich und mit mir zu wenig Elan geschrieben. Aber ich habe mich beim Lesen gut unterhalten. Viel Spaß !

Jutta Mehler wurde 1949 in Bodenmais / Bayern geboren. sie lebt in Niederbayern und hat mehrere Krimis geschrieben. eingige sind mit Hilde-Thekla-Wally (mittlerweile Band 6), andere mit Fanni Rot in Niederbayern (mittlerweile Band 11)

Samstag, 2. September 2017

Michail Gorbatschow : "Das neue Russland: Der Umbruch und das System Putin"

Michail Gorbatschow
"Das neue Russland: Der Umbruch und das System Putin"
original "Posle Kremlja"
2015, Bastei Lübbe (Quadriga)
Übersetzer : Boris Reitschuster
514 Seiten + 5 Seiten Inhaltsverzeichnis + 9 Seiten 'Gedanken über mich' + 6 Seiten Anhang + 7 Seiten Personenregister + 9 Seiten Anmerkungen (Fußnoten)
ISBN 978-3-869950822

In diesem dicken gescheiten Buch mit vielen herausfordernden Überlegungen erzählt einer der wichtigsten Politiker des 20. Jahrhunderts über 25 Jahre Rußland. Er geht etwas auf die verkrusteten Strukturen ein bevor es ihm gelang Rußland zu öffnen, und erzählt dann im 1. Kapitel die Zeit der 90-er Jahre mit dem Elend der Bevölkerung und den Fehlern Präsident Boris Jelzins, im 2. Kapitel die Nuller-Jahre des 21. Jahrhunderts inkl. Wirtschaftskrise und dann im 3. Kapitel die Chancen, die Gefahren und die Fehler in Rußland und der Welt und räsoniert über Punkte die ihm in der Welt wichtig sind.

Am Anfang beschreibt er wie man innenpolitisch mit ihm nach dem Präsidentenwechsle 1991 umgegangen ist, wie grob wie abweisend plötzlich viele Menschen und Organisationen waren - er konnte sich nur seine Position als Meinung halten weil er und seine Organisationen zu bekannt waren.
Er blickt auf die Jahre der Perestroika zurück und auf viele Gespräche mit anderen hochkarätigen Politikern in USA, Deutschland und anderen großen Staaten der Welt.

Wie er über Wladimir Wladimirowitsch Putin schreibt ist faszinierend zu lesen. Er bemüht sich um Sachlichkeit und versucht das Positive und Negative abzuwägen. Im dritten Abschnitt findet er nichts mehr Positives zu schreiben. Die Schwachheit von Präsident Boris Nikolajewitsch Jelzin nennt er allerdings klar.

Viele Themen und Fragestellungen werden angesprochen - u.a. :
Frage ob zuerst Reformen laufen sollen und erst dann die Meinungsfreiheit forciert gehört , weil gleichzeitiges die Menschen überfordert ?
was ist für ihn Sozialismus ?
wie wichtig ist Demokratie (vorneweg : es geht nicht ohne)
Gefahren und Chancen der Globalisierung
Seine Sorgen um die Ukraine (ein Elternteil waren Raissa Maximowna Gorbatschowa war aus der Ukraine)
Syrien ist 2015 bei Drucklegung bereits Thema aber noch nicht mit der derzeitigen politischen und menschlichen Tragweite.

Seine Definition von Nationalismus - er meinte aber hier den russischen - ist sehr eigen.
Irritierend ist, daß für ihn Rußland zu Europa gehört, und daß es für ihn erschreckend ist, daß dies Europäer anders sehen.
Wie er China einschätzt ist vollkommen anders als man gewohnt ist zu Lesen.

Das Buch ist nicht einfach zu lesen, weil es viel zitiert wird aus Gesprächen, aus Veröffentlichungen und diese mit anderen Fonts, Absätzen gekennzeichnet sind, was das einfache Lesen herausfordert.

Ich habe mit vielen Unterbrechungen von anderen Büchern fast eineinhalb Jahre an dem Buch gelesen und es hat mich immer fasziniert. Meine Umgebung hat es meist abgekommen wenn ich wieder 10 oder 15 Seiten gelesen hatte und darüber erzählen mußte, weil es hochinteressant - aber kompakt - ist.

In Summe ein faszinierendes Buch über Politik, Demokratie, Meinungsfreiheit das nicht so leicht losläßt und öfters gelesen werden sollte !

Michail Sergejewitsch Gorbatschow wurde am 2. März 1931 in Priwolnoje / Region Stawropol / UdSSR geboren.  Er war von März 1985 bis August 1991 Generalsekretär der KPdSU und von März 1990 bis Dezember 1991 Präsident der Sowjetunion. Er leitete 'Glasnost' (steht für Öffnung und Kommunikation mit den Menschen) und 'Perestroika' (steht für Umbau des politischen, wirtschaftlichen Systems) ein, und beendete den Kalten Krieg mit den USA.
Boris Reitschuster wurde a. 12. Mai 1971 in Augsburg geboren. Er war als Journalisten lange in Rußland tätig und ist auch Sachbuchautor.

Samstag, 27. August 2016

Kirk Delaney : "Life Changing Money"

Kirk Delaney
"Life Changing Money: A Harry Beckett Private Eye Novel"
Dateigröße: 646 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 201 Seiten
Sprache: Englisch
ASIN: B00T0NIU14

In diesem Roman werden einige Themen und Handlungsstränge angerissen, manche weitergespielt, während andere Nebenlinien sind.
Harry Becket, der von seinem Vater aufgezogen wurde, kommt als Landei an die amerikanische Küste nach San Francisco, wird von einem Schlitzohr aufgenommen dem er quasi als Detektiv hilft, er kämpft als Marine in Korea und lernt dort seinen guten verläßlichen Freund Charnett Washington (genannt Wash) kennen. Nach dem Krieg versucht sich Becket als Boxer, mit Wash als Coach. Zu dieser Zeit geht ein Geheimnis umwittertes U-boot in San Francisco unter - die Leviatan, die mit futuristischen Tesla-Logik angetrieben wurde. Die beiden Detektive versuchen dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, was Wash das Leben kostet. Jahre später hat sich Harry komplett in die Recherche verzettelt, er kommt einigen grausamen Morden auf die Spur, und hat Glück daß ihm nicht mehr als öfter zusammengeprügelt zu werden passiert. Im Showdown gegen den Bösewicht sind dann zuerst drei Frauen, dann die Wangs und auch die guten Cops an seiner Seite. Ende gut, Agentur läuft ab nun gut.

Als Nebengeschichten werden geschildert:
Harry Beckets Leben bei seinem Vater inkl. einer wilden Geschichte, bei denen er einem Sheriff hilft in den Rocky Mountains Gefängnisausbrecher zu erledigen.
Charlie Wangs Leben in Asien bei den Mönchen, deren Werten, deren Art zu überleben und wie er es zu einem Schiffimperium brachte; faszinierend ist wie er manches in Amerika anpaßt und bei welchen Punkten er sich lieber nicht anpassen möchte.
Die Ideen von Nikola Tesla, der vorauseilend geniale Ideen im Bereich der Elektrotechnik gehabt haben dürfte, aber kein Geschäftsmann gewesen sein dürfte und sich mit Edison überwarf. Das Leben in einem U-boot und welche Befehlsketten beachtet werden müssen und wie die Rettungsaktionen ablaufen sollten.
Tibbidoe-s Imperium mit Bordellen, Kaschemmen und korrupten Polizisten.

Die Geschichte ist ein Gemisch aus der Coolness von Mike Hammer, alten Matrosenfilmen mit vielen Raufszenen, ein wenig Bogarth und Raymond Chandler als B-movie; auch eine schöne Frau namens Jasmine gibt es, die singt und Becket in ziemlich verrückte Lokale bringt, sowie die treue ex-Mitarbeiterin Dandy die ihn wiederholt zusammenklaubt.
Der Roman wird soweit es Harry Becket betrifft in Ich-form erzählt, weshalb der Leser/die Leserin an den Schlägen die er einsteckt und Bewegungen im Showdown einiges mitbekommt.

Die Sprache ist tw. sehr umgangssprachlich (z.b. 'kraut' für Polizisten) und ich mußte einiges nachrecherchieren. Manche Vokabel sind gar nicht recherchierbar, sondern kann sich der Leser/die Leserin nur zusammenreimen.

Ich habe länger an dem Buch gelesen, weil diese Art Englisch für mich ungewohnt war, und weil die Handlungsstränge manchmal nicht einfach zusammengehängt sind, oder eben nicht.

Über Kirk Delany habe ich nur herausgefunden, daß er oder sie in Wellesly Hills, Massachuttes (USA) leben könnte.

Dienstag, 9. Februar 2016

Felicitas Mayall : "Schwarze Katzen"

Felicitas Mayall :
"Schwarze Katzen" - Laura Gottberg ermittelt
2015, Rowohlt Taschenbuch
405 Seiten
ISBN 978-3-499-26737-6

Kommissarin Laura Gottberg, der vergnügt aus Urlaub in Siena bei ihrem Commissario Angelo Guerrini, nach München zurückgekehrt war, wird mit einem neuen Mitarbeiter und einer Leiche in Beton mitten im Herzen Münchens konfrontiert. Lange tappt die Soko im Dunkeln und versucht Mafia-Wege in München nachzugehen, bis in einem plötzlichen Showdown eine Mafia-Familie von innen auflöst.
Während ein Handlungsstrang Laura Gottberg in polizeilichen und privaten Leben begleitet, erzählt der andere Strang von Sergio Cavallini, der aus einer Mafia-Familien stammt und in München ein erlesenes Fischrestaurant aufbaut. Ihm gehen die alten Wertvorstellungen, und das hierarchische sowie unterdurchsichtige Benehmen seiner Onkel immer mehr auf die Nerven, bis er eine Entscheidung trifft.

Die geschriebenen Teile in München und Siena sind anschaulich, aber nicht zu groß.
Die Menschen sind gelungen und anschaulich. Für Menschen die noch keinen Laura-gottberg-Krimi gelesen haben (es ist dies der neunte): Laura ist Mutter von zwei Teenagern, ihre Tochter ist zum ersten Mal verliebt, Lauras Vater ist ein liebenswürdiger gescheiter Großvater für die Familie. Lauras Liebe mit Angelo ist leider eine Distanzbeziehung, aber beide genießen die Zeit des Zusammenseins.
Die Figur des Sergio als Mafia-Mitglied, der zuerst immer mehr Angst und dann Abstand gewinnt, ist interessant und gewinnend beschrieben.

Der Titel "Schwarze Katzen" gilt leider nicht den zwei nur kurz auftauchenden schwarzen Katzen, sondern einer Mafia-gruppe die sich den Namen 'Gatti Neri', gegeben hat.

Wer ein bißchen italienisch kann um zu verstehen wie die Italiener miteinander reden, wird beim Lesen den Romans zum Schmunzeln kommen. Andererseits darf der Leser/die Leserin nicht wirklich darüber nachdenken, in welcher Sprache die Menschen in München und Siena/Sizilien wirklich miteinander reden.

Der Roman ist schwungvoll geschrieben und machte - v.a. an einem verregneten grauen Tag - Spaß zu lesen. Viel Vergnügen !

Felicitas Mayall, wurde als Barbara Veit 1947 in München geboren. Sie studierte Politik- und Zeitungswissenschaften und arbeitete bei der Süddeutschen Zeitung. Gleichzeitig begann sie zu schreiben, was ab 1978 ihr Hauptberuf als Schriftstellerin wurde. Sie schrieb sowohl Kinder- und Jugendbücher, Sachbücher - allerdings unter ihrem echten Namen, Kriminalromane unter dem Pseudonym. 1995 heiratete sie den Australier Paul Mayall und lebt  abwechselnd in Australien und am Chiemsee.

Donnerstag, 21. Januar 2016

Santiago Gamboa : "Verlieren ist eine Frage der Methode"

Santiago Gamboa :
"Verlieren ist eine Frage der Methode"
original "Perder es cuestión de método"
1979, Grijalbo Mondadori, Barcelona
aus dem Spanischen von Stefanie Gerhold
2000, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin
Roman
315 Seiten
ISBN 3 8031 3149 9

Victor Silanpa ist Privatdektektiv, Journalist und gut mit Polizeichef Aristófanes Moya befreundet. Dieser setzt ihn auf eine grauslich mißhandelte Leiche außerhalb Bogotas an, da er sich lieber den wichtigen Problem des Abnehmens widmet. Silanpa findet heraus daß einige wichtige Menschen an einem Grundstück in Bestlage interessiert sind, die einen um ihren Nudistenclub weiterhin dort zu halten, die anderen weil ihnen Reichtum durch Golfanlage etc. vorschwebt. Ein Rechtsanwalt, ein Senator, ein Bauunternehmer und ein Mafioso sind in die Machenschaften verwickelt. Am Ende sind einige tot, und einige Schuldige trotzdem frei.

Silanpa wird von Estupinán unterstützt, der in dem mißhandelten Toten seinen Bruder Ósler zu erkennen meint. Die Tour der beiden durch Bogota und Randbezirke, durch Clubs, Bordelle, Landschaft, Wohnungen und Büros nimmt den Großteil des Romans ein.
Unterbrochen wird der Aktionsfluß von einer Erzählungsabschnitten in der der dicke Polizeichef eine selbstmitleidige Rede trainiert, die ihm helfen soll einer spirituellen Gruppe mit dem Ziel abzunehmen, beizutreten.

Die Gruppe die um das Grundstück giert sind: der ehemalige Eigentümer und Nudist Pereira Antúnez, der mit grober Gewalt zur Übergabe gezwungen und dann getötet worden war. Zuerst hatte der Mafioso Heliodoro Tiflis und seine Schlägertypen die Hände im Spiel, Senator Marco Tullio Esquilache war auf der Seite von Tiflis aktiv, dann wollten sie den Bauunternehmer Doktor Ángel Vargas Vicuna drohend überzeugen ihnen das Grundstück zu überlassen, der die Leiche mißhandeln ließ um seine Macht zu zeigen. Anwalt Emilio Barragán hat eigentlich damit nichts zu tun, aber solche Schulden daß er alles für Geld macht; in seiner Verzweiflung erschießt er Esquilache, was ihm die Polizei beweisen kann und auch die anderen Machenschaften werden ihm erfolgreich in die Schuhe geschoben.

Die Geschichte ist so verwirrend geschrieben, wie sie für Silanpa ist. Allerdings versucht er für sich und Leser seiner Zeitung immer wieder Klarheit zu finden. Es gibt einige Stellen in denen Brutalität, Gewalt, oder einfach nur kaputt machen geschildert wird; es ist allerdings schlüßig.

Die Abschnitte in denen Moya schildert wie er zu dem dicken Kerl wurde, sind faszinierend. Wie der Mann beschönigt, daß er gutes und viel essen mußte, ist hochinteressant aus kulinarischer Hinsicht und auch in psychologischen Begründungen. Es werden einige sehr appetitliche Gerichte aus Kolumbien geschildert (die Eintöpfe und Süßspeisen dürften exzellent sein).

Liebe bzw. Sex gibt es zuhauf in dem Buch. Eigentlich ist Silanpa seit einigen Jahren mit Mónica zusammen, die er aber vernachläßigt und betrügt. Als sie Schluß macht bricht zuerst die Welt zusammen, dann rettet er sich zur jugendlichen Hure Chica. Sowohl Moya als auch Estupinán haben herrlich kochende Ehefrauen. Tiflis benutzt seine Couch mit Susan (einer erwachsenen bildschönen kalten Frau), und Barragán betrügt seine Frau mit seiner blutjungen Bürogehilfin Nancy im Büro, im Motel, im Auto etc.

Zwei skurrile Ideen gibt es um Silanpa: das eine ist eine Schneiderpuppe, mit der er spricht und die er als Orakel benutzt in dem er 'Gescheite Sprüche' zieht oder neue hineinstopft. Das andere ist er Freund Fernando Guzmán, der ein genialer Journalist mit Spürsinn gewesen war, bis er an Aufputschmittel zusammengebrochen ist und seitdem im Krankenhaus lebt.

In Summe ein sehr interessantes Buch, das zwar nicht ganz einfach zu lesen ist, bei dem sowohl die Personenbeschreibungen als auch die Geschichte sehr spannend sind. Viel Freude beim Lesen !

Santiago Gamboa wurde 1965 in Bogota geboren. Er studierte spanische Philologie in Bogota und Madrid. Gamboa arbeitet als Korrespondent für ein Tageszeitungen und lebt in Rom. 1995 erschien sein erster Roman "Páginas de vuelta".

Samstag, 14. Februar 2015

Mo Yan : "Die Schnapsstadt"

Mo Yan :
"Die Schnapsstadt"
Roman
original "Jiuguo"
1992, Hungfan, Taibei
Deutsch von Peter Weber-Schäfer
2012, Unionsverlag Zürich
506 Seiten
ISBN 978-3-293-20563-5

Der Wunsch ein Werk des Nobelpreisträgers 2012 zu lesen ließ mich zu diesem Buch greifen. Gleich vornweg: ich hatte ziemliche Anstrengung mit diesem vielseitigen Roman über Alkohol, Gewalt, Alkohol, möglichem Kinder essen, Gewalt, Sex und Alkohol; sowie eigenartigen hierarchischem Bewußtsein und Stolz und gleichmachendem Kommunismus und Verehrung des großen Mao Tse

Drei Stränge gibt es in diesem Roman. Die Hauptgeschichte gilt dem Sonderermittler Ding Gou'er, der in die (Fantasie)-Provinz Jiuguo geschickt wird um dem Verdacht, daß hier hohe Verwaltungsbeamte Kinder essen würden, nachzugehen. Die Untersuchung ertrinkt im Alkohol. Unter anderem trifft Sonderermittler Ding Gou'er auf die Lastwagenfahrerin, die mit einem hohen Verwaltungsbeamten verheiratet ist, und genießt eine brutale Sexnacht mit ihr. Sie bringt ihn zu dem Zwergen Yu Yichi, der ein Spezialitätenrestaurant führt. Schlußendlich trifft der Sonderermittler auf einen alten Veteranen, der einen Heldenfriedhof bewacht, flieht vor Ratten und geht unter.
Parallel schreibt der Doktorand der Alkoholkunde Li Yidou Briefe an Mo Yan, in denen er um Rat und auch Unterstützung ersucht. Er organisiert das Affenschnaps-Festival und bringt seinen verehrten Mentor dazu, dieses zu besuchen.
Li Yidou schreibt Geschichten, eigenartige Geschichten; über Kinder die so gefüttert werden, daß sie gut verkauft werden können, über Schwalbennester aus dem Speichel der Vögel, die gekocht ebenfalls als Delikatesse erzählt werden, Spezialschnaps aus Früchten die von Affen gesammelt werden, über den Zwergen mit seinem Restaurant mit Esels-Spezialitäten und Geschichten über den alkoholkundigen Professor und Schwiegervater Yuan Shuangyu und seine wunderschöne Frau, die leider die begehrenswerte Schwiegermutter sei.

Die Geschichten haben mich inhaltlich abgestossen und mir sind das hierarchische Kriechen und Schleimen und dann wieder gleichtun ziemlich fremd. Allerdings ist das Buch spannend geschrieben oder genial übersetzt, denn es zieht in den Bann.

Sonderermittler Ding Gou'er wird zwar mit Respekt ausgestattet, geht aber in seinen erotischen Wünschen und Phantasien unter; er tritt gerne ihm untergebene Menschen oder solche die er als minderwertig betrachtet. Das bißchen vorhandene Liebe gelten kurz der Lastwagenfahrerin, und kurz vor dem Untergang seinem Sohn. Die Elemente aus denen der Zwerg Yu Yichi zusammengesetzt ist sind Macht, Genuß, erotische Ausstrahlung und Überzeugungskraft. Leider haben die beiden Frauen des Buches keine Namen, denn sie werden nur als 'Lastwagenfahrerin' und 'Schwiegermutter' geführt - im Gegensatz zu Konkubinen der alten Zeit deren Namen entweder für Raumgestaltung oder Schnapsbenennung herhalten.

Die englische Übersetzung lautet die des Titels heißt übrigens "the Rupublic of Wine".

Ich habe über an Jahr an dem Buch mit Unterbrechungen gelesen, und mußte mich immer wieder motivieren dieses eigenartige Werk komplett und fertig zu lesen; Unterbrechungen von kurzweiligeren, spannenderen oder nicht ganz so fremden Büchern waren willkommen.

In Summe ein durchaus beeindruckendes Buch, das vermutlich für Leser und Leserinnen, die mit Werten in China besser vertraut sind als ich, sehr zu empfehlen ist.

Mo Yan (was so viel heißt wie »keine Sprache«) ist das Pseudonym von Guan Moye. Er wurde 1956 in Gaomi in der Provinz Shandong geboren und entstammt einer bäuerlichen Familie. Seine Bücher wurden mit zahlreichen bedeutenden Literaturpreisen ausgezeichnet. Spätestens seit Zhang Yimous preisgekrönter Verfilmung seines Romans »Das rote Kornfeld« gilt Mo Yan auch international als einer der wichtigsten und erfolgreichsten Autoren der chinesischen Gegenwartsliteratur. Mo Yan hat 2012 den Literatur Nobelpreis gewonnen

Sonntag, 27. Januar 2013

Swindler Uli T. : "Der Poliziotto tappt im Dunkeln"

Swindler Uli T. :
"Der Poliziotto tappt im Dunkeln"
2012 Rowohlt Taschenbuch Verlag
1 Seite Stadtplan Urbino
3 Seiten Personenregister
352 Seiten
ISBN 978-3-25982-1

In dem Krimi, der in Urbino spielt, wird eine unterhaltsame Geschichte erzählt bei der die Stadtbewohner wichtige Charaktere sind und Polizist Roberto Rossi mehrere Morde aufzuklären hat.

Franco, ein Klangkünstler und Komponist sehr freier Musik, beobachtet eine Rauferei, die in Mord endet. Den Rest des Buches hat er Angst, weil ihn die gedrungene Gestalt des Mörders an einen Golem erinnert. Die Gestalt ist in der Synagoge verschwunden. Roberto wird vom Commissario beauftragt sich um die Lösung dieses Mordes zu kümmern - während der Commissario selber ein familiäres Problem zu lösen hat.
Ein weiterer Mord geschieht - diesmal beobachtet von der adligen Melpomena, die schon länger Medizin studiert und da der Pathologe gerade nicht da ist, die erste Leiche obduziert hat.
Im Dorf rätseln mittlerweile alle über den Golem, welches Ziel er hat, ob nicht doch eine Verschwörung dahinter steckt, bis die wackere Großmutter Melpomenas die ihren Kater von einer Mauer holen möchte, überfallen wird. Gespräche mit Rechtsanwalt und Grundbuchsrecherche helfen weiter und führen zum EU-Förderungstopf. Roberto schafft es seinem direkten Vorgesetzten und plaudernden Gastronomiefreunden zum Trotz den Fall zu lösen.

Das Buch ist unterhaltsam - die Personenschilderungen haben mir sehr gut gefallen. Die Vielzahl der auftretenden Personen hat Ausstrahlung und wer mit wem kann oder warum nicht ist immer wieder zum Schmunzeln.
Die verschiedenen Handlungsstränge neben der Mordsgeschichte wie das nicht-mehr-Beziehungslebens des Poliziottos, die Ehekrise des Commisarios in Südtirol, die unterschiedlichen Lebensauffassungen der vier sehr variantenreichen Enkelinnen der Baronessa die endlich einen Erben produzieren sollen, Barista Tito, etc. sind schön geschildert und machen Spaß.
Die Rituale, die der schrecklich abergläubische Roberto zum Schutz gegen diversen Unbill praktiziert, sind humorvoll geschildert und werden von Figuren aus dem Krimi bösartig kommentiert.

Essen und Trinken fehlen auch hier nicht. Die Informationen über Olivenöl waren liebevoll und lehrreich. Wein ist und bleibt in der Toskana wichtig.

Manko sind die italienischen Ausdrücke, die zwar kursiv gesetzt sind, aber deren Erläuterungen in einem Glossar ich vermisse. Ohne leo.org hätte ich 'cazzo' oder 'cugino' nicht verstanden, die verschiedenartigen Flüche, die durchaus Charme besitzen noch weniger. Poliziotto ist übrigens die Bezeichnung für Verkehrspolizisten und meist verachtet (lt. Info der Verlags-website). Ob hier in der nächsten Auflage ein vermutlich 2 bis 3-seitiges Glossar inkludiert werden könnte ?

Die Geschichte ist nett und humorvoll erzählt und gerade das richtige für ein nebeliges Wochenende, Urlaub oder sich die Zeit zu vertreiben, wenn die Grippe grassiert und zur Ruhe zwingt.

Montag, 20. Juni 2011

Juan Madrid : "Nichts zu machen"

Juan Madrid :
"Nichts zu machen"
1986, Original 'Nada que hacer'
(Hinweis unter der letzten Zeile : Madrid, November 1983)
übersetzt von Hans-Joachim Hartstein
1990, Elster Verlag Moos & Moos Baden-Baden
191 Seiten
2 Seiten Nachwort von Dietmut Roether
ISBN 3-89151-090-X


Das Buch ist ein schwarzer, für mich negativer Roman, der mich in den Bann gezogen hat. Es hat zwar eine Art positives Ende, da die Rache gelungen ist, aber positiven Ausblick spürte ich beim Lesen nicht.

Der Kriminelle Silverio Roca ist ein gefragter Fahrer - bei Überfällen, Banküberfällen und auch für Transport gefährlicher Ware. Eigentlich  w a r   er es, denn er ist einem ehemaligen Mitsträfling und einflußreichem Chefkriminellem in eine Falle getappt und wurde dabei lebensgefährlich verletzt. Als er aus dem Krankenhaus und dann Gefängnis entlassen wird, entdeckt er daß die einzigen die ihm eine quasi-Familie gebildet hatten nämlich die Pensionswirtin Amparito und ihre Tochter Conchita (die sich an einflußreiche Männer verkaufte) nicht mehr am Leben sind (Amparito starb an Krebs, ihre Tochter wurde ermordet). Silverio macht sich an die Arbeit und beseitigt diejenigen die er an dem Tod der beiden für schuldig hält, bei denen es sich um eine ungute Mischung aus Bankmanagern und Kriminellen handelt.

Die Geschichte wird nicht linear erzählt, sondern der Autor springt in der Vergangenheit und der aktuellen Suche nach dem/n Verursacher/n des Leids von Conchita und ihrer Mutter hin und her.

Die handelnden Personen sind meist hilflos, überfordert, oft unglücklich - weder die gut situierten Bankmenschen noch die Kriminellen auf den verschiedenen Hierarchiestufen. Es geht für die einen nur ums Überleben, für die anderen um rücksichtslos ihre Macht durchzusetzen.
Das Ambiente sind meist zwielichtige Lokale, viel Alkohol, käufliche Damen oder Bankräume/eine Villa/Friedhof. Nirgends ist auch nur ein Hauch von Geborgenheit zu spüren.

Trotz der negativen Atmosphäre hat mich die Geschichte fasziniert  und ich wollte wissen, ob die Rache gelingt. Ob das Buch die Atmosphäre anfang/Mitte der 80-er der Post-franco-ära authentisch einfängt, kann ich nicht beurteilen, aber das Buch durchaus empfehlen.

Samstag, 3. Juli 2010

Juan Madrid : "Der Schein trügt nicht"

Juan Madrid :
"Der Schein trügt nicht"
Originaltitel "Las apariencias no enganan"
1981, Ediciones Jucar, Madrid
aus dem Spanischen übersetzt von Hans-Joachim Hartstein
1993, Piper Gmbh München
184 Seiten
2 Seiten Anmerkungen des Übersetzers (Übersetzungen, Anmerkungen zu den Abkürzungen oder Informationen über typische nicht übersetzbare Vokabel oder Worte)
ISBN 3-492-15606-1

Ein Kriminalroman der desillusioniert über Macht (und Ohnmacht) von Polizisten, Wirtschaft, bis kleinen Ladenbesitzern und jeder Menge Leichen erzählt.

Antonio Carpintero, als Boxer unter dem Namen Toni Romano bekannt, war jahrelang Polizist und arbeitet als Rausschmeißer einer Diskothek. An einem Abend in einem heruntergekommenen Laden eines Freundes startet eine Schießerei an einem Tisch, bei der Toni in Notwehr einen der Schützen trifft.
Damit beginnt für ihn eine Suche nach den Hintermännern, da er sowohl von Polizei, Ex-Chef, Ex-Kollegen, Männern mit Einfluß in verschiedene Richtungen gedrängt wird.
Es sind eine Menge Alkohol, Pistolenkugeln, die unterschiedlichsten Faustfeuerwaffen, einige Frauen und jede Menge Leichen im Spiel, bis am Schluß klar wird, daß die Schießerei am Beginn simple Erpressung wegen Seitensprung gewesen war, die allerdings ziemlich schief ging.

Niemand steigt bei diesem Kriminalroman gut aus - v.a. die negative bis desillusionierte Stimmung bis Bestechung/Lenkung der Polizei wird genau geschildert. Ob das ein Abbild der Polizei in Spanien Anfang der 80-er Jahre des letzten Jahrhundert ist, ist möglich.

Das Buch ist gut lesbar, die Personen sind zwar manchmal stereotyp, aber doch ziemlich anschaulich geschildert. Die Szenerien sind in ihrer Trostlosigkeit spürbar. Ob die Schußwechsel und Trinkszenen so sein mögen, muß der Leser selber entscheiden.