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Freitag, 16. August 2024

Radek Knapp : "Herr Kuka's Reiseempfehlungen"

Radek Knapp :
"Herr Kuka's Reiseempfehlungen" 
1999, Piper Verlag
   Seiten
ISBN 978-3-492-23311-8

Waldemar möchte die Welt sehen, und schafft es durch die Hilfe seines Nachbars - Herrn Kuka - nach Wien. Herr Kuka hatte ihm Reisetips und Geschenke mitgegeben, die ihm auch Probleme machen. 
Die Schilderungen des klapprigen Reisebuses und der Reisegefährten ist bereits unterhaltsam-abenteuerlich. In Wien geht fast alles schief was er beginnt : die Arbeitssuche ist erfolgslos, er entkommt mit Glück der Polizei, und beginnt im Belvedere Garten zu übernachten.
Mit Glück bekommt er Arbeit in einem Spielzeuggeschäft am Mexikoplatz und lernt die attraktive Freundin des Geschäftsbesitzers kennen.
Nach einigen Verwicklungen passen Arbeit und Liebe für Waldemar zusammen.

Das Wien Anfang der 90-er, zu dem diese humorvolle Geschichte erzählt wird, ist das ohne Handy und mit viel Gefühl für etwas ungesetzliche Geschichten.
Der Besuch der Hausbesitzerin bei der Wohngemeinschaft von Waldemar und den beiden anderen Herren ist köstlich beschrieben.

In Summe ein sehr unterhaltsames Buch, mit immer wieder herrlich skurrilen Situationen.

Radek Knapp wurde am 3. August 1964 in Warschau geboren. 1976 zog er zu seiner Mutter nach Wien, und studierte hier. Der Durchbruch als Autor gelang ihm 1994 mit dem  Erzählband 'Franio'.

Samstag, 27. Mai 2017

Jorge Bucay : "Komm, ich erzähl dir eine Geschichte"

Jorge Bucay :
"Komm, ich erzähl dir eine Geschichte"
original "Déjame que tu cuente ..."
1999, Editorial del Nuevo Extremo, Buenos Aires
Aus dem Spanischen von Stephanie von Harrach
2007, Fischer Taschenbuch Verlag
275 Seiten + 2 Seiten Inhaltsverzeichnis
ISBN 978-3-296-17092-0

Demian, ein junger Mann mit vielen Fragen, kommt nach Besuch bei einigen Therapeuten zu dem dicklichen Jorge, der ihm auf seine Fragen und Probleme im Alltag, mit Geschichten antwortet. Manche Geschichten sind zwei Seiten lang, manche auch länger - aber sie haben oft überraschendes Ende.

Die Geschichten sind aus vielen Kultur- und Religionskreisen der Welt - auch Saint-Exupery schaut ums Eck'. Oft ist ein weiser Mensch dabei, der Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt. Manche Geschichten bezaubern durch Humor, und erfreuen damit; andere bringen zu Nachdenken.

Die Kapitel über Lügen, sich-die-Welt-zurecht-biegen, Phantasiewelt-leben, Lügen-bringt-wem-was-? brachten mich zum Grübeln. Es geht um Liebe, Anerkennung, den Weg-finden, Erwartungen-zurückschrauben etc ...

Ich habe dieses Buch vornehmlich vor dem Einschlafen gelesen, da mir die freundliche Gelassenheit  gut getan hat. Manchmal schien es so, als sei so etwas wie Liebe zu spüren.

In Summe für mich ein wunderbares Buch. Diese Freude wünsche ich auch anderen Leserinnen und Lesern.

Jorge Bucay wurde am 30. Oktober 1949 in Buenos Aires, Argentinien, geboren. Sein familiärer Background ist kulturell gemischt, da er aus einer Familie mit arabisch-jüdischen Wurzeln stammt und in einem überwiegend christlichen Viertel von Buenos Aires aufwuchs. Er studierte Medizin und Psychoanalyse und ist heute einer der einflussreichsten Gestalttherapeuten des Landes.

Dienstag, 22. März 2016

Arnon Grünberg : "Statisten"

Arnon Grünberg :
"Statisten"
Roman
original "Figuranten"
1997, Nijgh & Van Ditmar, Amsterdam
Aus dem Niederländischen von Rainer Kersten
1999, Diogenes Zürich
454 Seiten
ISBN 3-257-06198-6

In dem Roman geht es um drei junge Menschen - Ewald, Michael und Elvira. Ewald Stanislaus Krieg erzählt das Leben mit diesen Freunden aus seiner Welt. Er selbst in 19 jahre jung und auf der Suche nach Arbeit, nach Zielen und Wünschen und lebt passiv in den Tag hinein. Michael Eckstein nennt sich derzeit 'Broccoli' und gibt das Geld seiner Familie aus, indem er Menschen zum Essen einlädt und viele leider erfolglose Projekte startet. Er versucht Ewald mit seiner Filmkarriere zu schubsen, gründet den "Club der Genialen", beauftragt verrückte Visitenkarten und unterstützt Elvira. Elvira ist aus Buenos Aires, wo sie Serviererin und Filmschauspielering gewesen war, dann in Paris hatte sie einen Film gedreht und hofft in Holland weiter. Zu dritt trinken sie Artischokenliqueur und pflegen eine menage-a-trois. Elviras Mutter kommt mit ihrem Liebhaber und verbreitet Chaos. Noch chaotischer wird es als später 'Broccoli's Eltern kommen, das Haus halb ausräumen und weiter fliehen. Ewald beginnt einen Monolog für eine bekannte blau-äugige Schauspielerin zu schreiben und läßt sich in Privat leben verwickeln. Parallel scheitert 'Broccoli's Theaterversuch in Elvira - beide reisen nach New York. Jahre später folgt Ewald, immer noch auf der Suche nach einem Job und findet keine Spuren.

Die etwas mehr als 400 Seiten sind eher mühsam zu lesen, weil es wenig Kraft, Hoffnung oder Spannendes zu Lesen gibt. Einige Ideen sind skurril wie das Streben wie-Marlon-Brando-auszusehen, die Liebesgeschichten der blauäugigen Schönheit die doch zu keinem Monolog führen können, oder auch der "Club der Genialen" der hier aus Menschen ohne Ziel besteht.

Die Figuren sind alle ziellos oder chaotisch, oder beides geschildert. Eltern Eckstein leben in der Furcht vor irgendwas erwischt zu werden; das Packen der restlichen wichtigen Sachen im Haus ist nur chaotisch. Herr Berc(owicz) der getreu helfen möchte verliert nach dem entgültigen Rückzug der beiden den Halt; seine Schwester ist eine überzeugte Jüdin die den Übertritt des Bruders zum Christentum verhindern möchte. Der ehemalige Chef und Pelzhändler Galani in Buenes Aires trinkt die ganze Zeit Chamagner und ist zur Hälfte des Films pleite - aber er hat versucht seinen Traum einen Film zu machen umzusetzen.

Der Buch war mir zu chaotisch und auch zu hoffnungslos. Leider fand ich auch am Schluß keine Pointe. Hoffentlich fangen andere Leser und Leserinnen mehr mit diesem Roman an und finden einen Witz darin, der mir verborgen blieb.

Arnon (Yasha Yves) Grünberg wurde am 22. Februar 1971 in Amsterdam geboren. Er ist Journalist und Schriftsteller; Teile seiner Publikationen sind unter dem Pseudonym 'Marek van der Jagt' publiziert. Er lebt seit 1995 in New York.

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Carlos Ruiz Zafón : "Marina"

Carlos Ruiz Zafón : "Marina" Roman
original "Marina"
1999, Edebé, Barcelona
geschrieben lt. Vorwort zwischen 1996 und 1997
aus dem Spanischen von Peter Schwaar
2011, S. Fischer Verlag
339 Seiten
3 Seiten Vorwort
2 Seiten Epilog
ISBN 978-3-10-095401-5

'Marina' ist ein Roman über Jugendliebe, erste Liebe, und Kunst, der zu einem guten Drittel eine Gruselgeschichte ist, in der es wieder um Liebe und Kunst geht. Mit schönen, starken dichten Metaphern sind die Umgebung und die Menschen beschrieben - die Geschichte zieht in den Bann.

Òscar Drai, ein junger Mann der 1979 im Internat in Barcelona lebt, durchstreift gerne die Straße und lernt nachdem er Kater Kafka verfolgt hat, deren Besitzerin die zarte, schöne, gleichaltrige Marina und deren Vater Géronimo Blau kennen. Sie leben in einer ziemlich verfallenen Jugendstilvilla in einer Gegend mit alten, eher verfallenen Häusern. Die Mutter Marinas war eine wunderbare, gefeierte begnadete Sängerin gewesen, die an TBC verstorben ist. Géronimo hatte den Zauber seiner Frau als genialer Maler der er war, in wunderschönen Bildern festgehalten.
Marina zeigt Òscar auf dem Friedhof in Serría eine schöne tiefverschleierte Frau. Beim Verfolgen dieser Frau entdecken sie ein gespenstisches Gartenhaus mit mißgestalteten Marionetten. Òscar und Marina folgen der Geschichte und Stück für Stück wird ihnen die bizarre Lebensgeschichte von Michael Kolwenik aus Waisentum, Varieté, Geld, medizinischen Gelenken, großer Liebe, Salzsäure, Betrug und beginnendem Wahnsinn aus Mißbildung erzählt.

Die Menschen in den Roman sind wunderschön geschildert - Òscar als ungelenker aber netter junger Mann, Marina als schöne gescheite junge Frau, ihr Vater Géronimo als Herr der alten Schule mit Manieren, mit Bildung, und Zurückhaltung, Kater Kafka der genau weiß was er will, Pater Sergiu im Internet, die verschleierte Frau, Dr. Shelley mit Tochter. Schöne Metaphern umschreiben die Personen - Géronimo dessen Fahrweise beschrieben wird, daß er selbst Ameisen den Vortritt läßt. Auch Géronimo hat seine Familiengeschichte als Liebe, Schönheit und Verrat vorzuweisen. Die verschiedenen menschlichen Facetten von Michael Kolwenig, vom genialen Ingenieur, zum verliebten Mann der einen Traum gestalten will und sich über menschliche Grenzen hinwegsetzen möchte sind beängstigend nahe beschrieben.

Mir haben die Formulieren und Beschreibungen des in Ich-Form geschriebenen Buchs in diesem Buch besonders gut gefallen: Beispiele dafür sind ' Regen kratzt am Fenster', 'Maler heißt schreiben mit Licht', 'wo die Gezeiten atmeten wie ein versteinerter Wal', 'das Lichtdiadem des Vordachs' bis 'Kobold der Zeit' und ' Müdigkeit begann mich zu umzingeln wie hungrige Wölfe'.

Das Buch in lesbaren großen Buchstaben geschrieben - es war nicht notwendig nach der Lesebrille zu suchen.
Sehr angesprochen haben mich auf die Beschreibungen der Ort, des Mystik der Ort, der Nebel der die Villengegenden verhängt. Es ist kein buntes Barcelona, das hier beschrieben wird, sondern die scharz-grau schillernden geheimnisvollen Teile der Stadt.

Im Vorwort erzählt der Autor, daß es lange dauerte bis ein Verlag das Buch komplett veröffentlichte und nicht mit Strichen, die die Gesamtheit der Geschichte sehr beeinträchtigt hatten.

Der Roman ist sehr empfehlenswert, wenn der Leser/die Leserin in eine vergangene Welt mit Zauber tauchen will, denn die Stadt wird als sehr versunken geschildert. Das Erwachsen werden von Òscar ist behutsam geschildert, seine Freundschaft und der Zauber zu Marina, das Kennenlernen von Rücksicht wie sie in der Familie von Marina praktiziert wird. Mir hat das Buch sehr sehr gut gefallen.

Dienstag, 9. November 2010

Caroline Roe : "Der blinde Heiler von Girona"

Caroline Roe :
"Der blinde Heiler von Girona"
auf englisch "Cure for a Charlatan"
1999, Penguin Group, New York
Deutsch von Marc Staudacher
2001, Deutsche Erstausgabe, Rowohlt Taschenbuch Verlag
316 Seiten
2 Seiten Personenregister
ISBN 3-499-22520-4

Ein gut lesbarer Roman, der bei mir in die Kategorie Krimi fällt, weil ich doch mitgeraten resp. mitgedacht habe, wer der Mörder sein könnte.

Girona im Mittelalter, ist eine Stadt des Handels, der Handwerker, der Juden, der Christen, der hart arbeitenden Menschen und solcher die es nicht tun.
Isaac ist der blinde Arzt, den alle Menschen der Stadt in Anspruch nehmen, egal welcher Konfession sie sind. Seine zweite Tochter Raquel und der Bub Yussuf, den er aufgenommen hat, ersetzen ihm Augen und schildern was sie bei den Patienten sehen.
Drei Morde erschüttern das Vertrauen der Menschen, 2 unschuldige Frauen kommen bei plötzlich ausgerufenen Hexenjagden ums Leben - auch die ältere Tochter Isaacs, die einen Christen geheiratet hat, wird verdächtig, aber rechtzeitig von den Mannen des Bischofs geschützt.
Am Schluß kommt heraus, daß der Diener eines magischen Scharlatans seine private Fehde gegen seinen erfolgreichen Bruder bestritten hat, und die Morde dem Bruder in die Schuhe schieben wollte.

Die Medizin, die Isaac verschreibt, scheint mir ein Gemisch aus Hahnemann und fünf Elementen zu sein, aber sie dürfte funktionieren.
Nettes Detail ist die Katze nahmens 'Feliz'.
Witzig finde ich wie "die Magi" geschrieben wurde, denn offenbar dürfte es auch hier einige Änderungen der Schreibweise gegeben haben.

Personen wie Bischof, Schreiber, Bäcker, Wollspinner bis zu Bordell- und Schankbesitzerin sind kräftig gezeichnet. Auch die Landschaft in der die Jungen auftragsgemäß nach Kräutern suchen, ist vorstellbar.

In Summe ein gut lesbares Buch, dessen Kleinigkeiten Freude zu lesen machen.

Mittwoch, 11. August 2010

Dagmar Hansen : "Frühstück mit Puschkin"

Dagmar Hansen :
"Frühstück mit Puschkin"
1999 Gustav Lübbe Verlag GmbH
223 Seiten
ISBN 3-7857-0973-0

Zu dem Buch habe ich aufgrund des Titels, und des Konterfeis des schwarzes Katers am Cover gegriffen. Der Buchumschlag hat daraufhingewiesen, daß Puschkin genau dieser schwarze Kater ist.

Der wunderschöne schwarze Kater, mit Stammbaum (nona!) erzählt aus seiner Beobachtungswarte was die Specie Homo Sapiens, v.a. seine Dosenöffnerin und ihre drei Freundinnen und diverse Männer in Thema Beziehung oder eben nicht aufführen. Gestört wird er von einem neuen roten Katertier namens Nemo (ohne Stammbaum!) und 2 Hunden der Umgebung. Daß nur er und Nemo es schaffen letztendlich ein Happy End zwischen einem katzenliebenden Mann und ihrem Dösenoffner herbeizuführen, ist jedem/r Liebesromanleser/in klar.

Gut unterhalten haben mich nur die Szenen, in denen der Kater das Wort hat - das was vier Frauen Ende der zwanzig zu bequatschen haben, war für mich nur zum quer hinunterlesen (und fad). Das wunderschöne wuschelige (dicke) Katergetier Puschkin hätte ich durchaus gerne mal gekrault.

Donnerstag, 8. April 2010

Nicci French : "Höhenangst"


Nicci French
"Höhenangst"
original "Killing Me Softly" bei Michael Joseph, London, 1999
aus dem Englischen von Birgit Moosmüller
1999, C. Bertelsmann Verlag, München
383 Seiten
ISBN 3-570-00294-2

Spannende gut lesbare Geschichte, bei der sich das leise Grauen behutsam einstellt.

Alice ist mit Jake zusammen. Die beiden leben ein nettes Leben mit gutem Beruf, netten Freunden und eigentlich läuft alles gut. Nur - plötzlich steht Adam Talllis vor Alice. Sie beginnt eine Affäre mit ihm, beendet ihre Beziehung und heiratet Adam.
Adam ist Kletterer im Himalaya und hat einen Ruf als ruhiger besonnener hilfsbereiter Held, während Alice Wissenschaftlerin mit Höhenangst ist. Nach der Heirat beginnt sie nachzufragen wer dieser attraktive Ehe-Mann menschlich ist und wie seine Vergangenheit. Gemütlich beginnt sich dann zu entspinnen, daß dieser Mann Frauen, die es gewagt hatten ihn zu verlassen oder zu hintergehen, tötete - entweder selber, oder mithilfe des Berges. Alice schafft es trotz ihrer starken sexuellen Beziehung, die auch körperlich tief verletzt, zur Polizei zu gehen. Sie weist den Weg zu einer Leiche - Adam weiß daß es vorbei ist und hängt sich an einem Kletterseil auf.

Spannend finde ich die Bergtourenbeschreibungen und auch schön, daß das Thema Bergwanderung für Touristen reflektiert und diskutiert wird.

Lange bleibt das Buch an der auch erotischen Oberfläche und erst langsam geht Schicht für Schicht der Weg zu dem geheimnisvollen Puzzle auf.

Gutes Buch, das ich jedem empfehlen kann, der sich in die Welt der Berge aber auch der Spannung zwischen 2 Menschen nicht entziehen will.