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Mittwoch, 5. Februar 2020

Barbara Büchner : "Basiliskenmord"

Barbara Büchner :
"Basiliskenmord"
2015, emons verlag
182 Seiten + 2 Seiten Glossar (wienerisch und Wien Geographie)
ISBN 978-3-95451-712-1

Ein prominenter arroganter Psychiater wird ermordet, mit geschlitzer Zunge und mit Text beschrieben aufgefunden. Später fällt ein charismatischer Psychotherapeut ebenfalls ermordet als Rabenfutter aus den Bäumen, wieder mit geschlitzter Zunge. Die Kommissarin sucht mit ihrer Hilfe und der eines arroganten Profilers und meint den Täter in dem Pathologen Benesch gefunden zu haben. Als ein psychiatrischer Amtsarzt ermordet gefunden wird, beginnt sich die Ermittlungsspirale rascher zu drehen. Am Schluß werden noch einige Rechnungen beglichen, bevor das Kanalnetz Wiens seine Pforten öffnet.

Der Kriminalroman ist gut und zwischendurch schön böse geschrieben. Pathologie, trockene Witze, Internetforen in denen verbal Dampf abgelassen wird, Menschen die Spielball machtbesessener Psychiater/Psychologen/Psychotherapeuten waren, werden durchmischt.
Die Kapitel werden aus Sicht der Kommissarin, des Pathologen, eines Wärters in Steinhof (Irrenhaus), der Tatortreinigerin Charlie, einem wunderschönem Opfer eines Verkehrsunfall, und eines Patienten geschildert. Charlie führt einen Blogg, der im Text in anderem Font ersichtlich ist.

Die Orte in Wien von Pathologie, über Gärten im 16. Bezirk, dem BKA bei der Spittelau, und andere mehr sind gut erkennbar.
Die Kommissarin ist selbst-kritisch und zielbewußt, der Profiler als glatter wiederlicher Mensche, der Pathologe als gutmütiger großer Bär, Charlie als üppige begeisterungsfähige Frau, Tilde als behinderte klar denkene schöne Frau, eine Witwe ist ein blondes Gift geschildert . 'runnig gag' ist eine kurvige Frau die im schönstem Amtsdeutsch nur als weiblicher Kriminalbeamter / w. Krb. doch ein wichtiges Puzzlestück aus einem widerlichen Gesprächgegenüber entlockt.

Die Schilderungen von arroganten und selbstherrlichen Auswüchsen in der Branche der Psychiater/Psychotherapeuten liest sich zwar sehr unterhaltsam, die seelischen Schäden an den Klienten/Patienten und deren vorstellbare Wut ist weniger witzig.

Ich habe mich beim Lesen köstlich unterhalten und öfters laut auflachen müssen. Der schwarze Humor blitzt durch, und ist zugunsten der Geschichte nicht immer vorhanden.
Gute Unterhaltung beim Lesen !!  

Barbara Büchner wurde am 1. Februar 1950 in Wien geboren. Sie war Journalistin, bevor sie sich ihrem eigentlichen Wunsch dem Schrfitstellern widmete. Sie ist für Kinder- und Jugendbücher, Horro- udn Fantasyromane bekannt. Mittlerweile sind über 50 Bücher von ihr erschienen.

Montag, 15. Mai 2017

Frank Tallis : "Vienna Blood"

Frank Tallis :
"Vienna Blood" - Volume two of the Liebermann Papers
2007, Arrow Books, U.K.
474 Seiten + 2 Seiten Acknowledgment and Sources
ISBN 978-0-099-47132-5

Auf deutsch ist der Kriminalroman unter dem Titel "Wiener Blut" erschienen. Der Titel bezieht sich auf einen Absatz in dem der Walzer dieses Namens gespielt wird.

Psychiater Max(imilian) Liebermann und sein guter Freund Inspektor Oskar Rheinhardt sind wieder auf der Suche nach einem Mörder. Die Lieblingsschlange des Kaisers in Schönbrunn wurde zerschnitten, drei Huren und ihre Puffmutter in einem Bordell bestialisch ermordet, ein dunkelhäutiger Diener erdolcht - Die Wien geht die Angst um. Zuerst wird ein Schlächter verdächtigt, aber die damals noch neue Technik einer Blutuntersuchung beweist, daß nur jede Menge Tierblut an seinen Kleidern ist.  Eine Aufführung der  "Die Zauberflöte" in der Staatsoper wird zum Schlüssel um endlich der Lösung nach zu kommen. Liebermann und Rheinhardt, die beide gebildete Mittelschicht mit verschiedenen Religionen darstellen, beginnen sich mit Kreisen zu beschäftigen die Ausländer, Zureisende, Andersfärbige, Andersreligiöse und Freimaurer zutiefst hassen. In einer Bibliothek kommt es zum Showdown mit Fechtszene.

Die Kriminalgeschichte ist großzügig geschrieben, in der Menschen, ihren Beweggründen und Bewegungen Raum gegeben wird, ohne zu kitschig zu werden.
Die Menschen sind unterschiedlichst.
Dem Titelgebenden Max Liebermann wird der meiste Platz eingeräumt: er ist verlobt und nicht wirklich glücklich. Fein wird beschrieben wie er damit umgeht, und wie die Gesellschaft mit seiner Entscheidung umgeht. Mir als Musikfan haben die Stellen in denen er Musik genießt bzw, mit dem Inspektor gemeinsam musiziert sehr gut gefallen. Als Psychiater sucht er auch den großen Freud auf. Neue Ideen werden entwickelt. Die Kapitel in denen er einen Patienten der in Liebe zu einer unerreichbaren Erzherzogin entbrannt ist schildert sind faszinierend; erschreckend eine altmodische Methode psychisch kranke Menschen durch Drehungen sogenannt zu kurieren.
Der Inspektor hat einen freundlichen Untergebenen, und einen mieselsüchtigen Vorgesetzten. Er selbst geht seinen Weg und versucht den Mord zu klären. Er ist ein wirklich guter Freund Liebermanns, der ihm als Mensch und Polizist zur Seite steht und seine Denkansätze zu schätzen weiß.
Die Künstler und Literaten aus dem deutsch-tümelden Bereich sind gut vorstellbar, auch wenn es fasziniert daß Menschen mit Hunde- oder Rattengesicht beschrieben werden. Künstler zerbrechen an ihrem Anspruch genial zu sein, aber zu bemerken, daß sie mittelmäßig sind. 
Die stolzen Uhlanen sind in dem Buch die Soldaten deren Benehmen mit Arroganz, Selbstgefälligkeit, und eigenartigen Werten mit Duellen und Ehrenmorden auffallen.

Es wird viel aus Wien beschrieben wie das Burgtheater, das Rathaus, die schwebende Straßenbahn, etc. Stimmungsmäßig ist festgehalten, daß die Freimaurer auch politisch bedroht sind, und sehr versteckt ihren Werten und Ritualen nachgehen müssen. Wien ist geographisch gut geschildert und als Wienerin sind die Wege und Strecken gut nachvollziehbar.

Die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten werden beschrieben. Max Liebermann lebt als gebildeter Mensch in seiner Schichte aber lernt viel aus anderen Leben durch seine Arbeit . Er erlebt auch die Oper in der Loge und genießt Gustav Mahler als Dirigent. Das Elend der Prostituierten, die verrauchten billigen Lokale sowie das Vegetieren der ganz Armen in den Kanälen unterhalb der Stadt wird bildhaft eingefangen.
Das Buch ist schönem reichen vielfältigen Englisch geschrieben. Ich habe jede Menge neuer schöner Adjektive und Redewendungen kennen gelernt (darunter einige Vokabel für 'durchsichtig').

Ich habe zwar länger an dem Buch gelesen, es aber sehr genossen. Viel Freude auch anderen Leserinnen und Lesern !
 
Frank Tallis, wurde am 1 September 1958in London geboren. Er ist klinischer Psychologe mit Spezialisierung auf Zwangsstörungen. Er schreibt sowohl Fachliteratur, als auch Kriminalgeschichten und Fantasyromane (diese allerdings unter dem Autorennamen 'F. R. Tallis')

Mittwoch, 25. Mai 2011

Virginie Brac : "In den Nächten brütet still der Tod"

Virginie Brac :
"In den Nächten brütet still der Tod" - Ein Fall für Véra Cabral
original "Notre-Dames des barjots"
2002, Éditions Fleuve Noir
Deutsch von Kerstin Krolak
2006, Rowohlt Taschenbuch Verlag
351 Seiten
ISBN 978-3-499-24242-7

Ein spannende Geschichte die mit einem grauslichen Mord beginnt, und Frau Dr. Véra Cabral, eine junge Psychiaterin in einem Krisenzentrum begleitet, bis sie am Schluß den Mord löst.

Umfeld ist ein Krankenhaus, in dem jede Menge Menschen Machtspiele spielen und vom Aufstieg träumen. Hier versteckt der kommende große Mann Prof. Russel seinen Sohn, der verdächtig ist eine junge Frau ermordet zu haben. Leider ist der Mann von Drogen gedämpft - Psychiater und Neurologen kümmern sich abwechselnd um ihn. Es sei nur verraten - er hat den Mord nicht beganngen.

Nebenbei entwickelt sich eine Zusammenarbeit zwischen Véra und Hugo, dem Neurologen, basierend auf Kontakten die sie zu Studienzeiten miteinander hatten. Andere Nebengeschichte ist Transversiten gewidmet und der Hilfe an Frauen am ältesten Gewerbe. Last but not least finden bunte Szenen aus der aus Portugal stammenden Familie von Véra Platz und die Psychiaterin schlägt sich mit einer Steuerprüfung herum, an der der Steuerberater von ihr und ihrem etwas zwielichtigen Bruder Schuld ist.

Der Krimi ist schön und flüssig geschrieben, und hat Drive der weitertreibt.
Manche der Personen sind genau gezeichnet und gut vorstellbar, manche bleiben Klischees, was aber nicht wirklich stört.

In der Ausgabe ist der Kapitelanfang originell gelöst: die Seite ist jeweils eine Stadt in der Nacht - also ziemlich schwarz - und im unteren Drittel startet das Kapitel in weißen Lettern.

Den spannenden Roman/ Thriller / Krimi kann ich gerne empfehlen.