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Sonntag, 30. Oktober 2022

Thomas Bernhard : "Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mir essen"

Thomas Bernhard :
"Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen"
Drei Dramolette (1986/1986/1987)
1990, Suhrkamp Verlag Frankfurt
72 Seiten
ISBN 3-518-38722-7

Dramolett 1 : 'Claus Peymann verläßt Bochum und geht als Burgtheaterdirektor nach Wien'
Claus Peymann ist beim Kofferpacken bzw gibt Anleitungen an seine Sekretärin was und wie alles in den Koffer zu packen sei. Hier sind Stücke und Menschen durcheinander gemischt, Zeitgenössisches und Abgelaufenes, Politiker bis Kritiker, wohlwollende wie kritische Menschen.
Manches ist humorvoll, manches zynisch; in Summe tut mir die Sekretärin bei dem launischen Chef leid.

Dramolett 2 : 'Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen'
Claus Peymann kauft sich eine italienische teure Hose in Wien in einer der teuersten Einkaufsstraßen Wiens, und plaudert mit dem Ich / Thomas Bernhard darüber. Dann raisoniert Peymann darüber, daß man als Burgtheaterdirektor stark genug sein muß, die alte Hose selbst zu tragen, daß er das Theater liebt, daß er gerne in ein Geschäft gehen würde um sich einen neuen Kopf zu kaufen, und daß er sich vom Ich ein echte Welt-ekel-Stück wünscht. Am Schluß sitzen beide vor Tafelspitz mit Beilagen.

Ich habe zwei faszinierende Wörter kennen gelernt : 'Kleiderhausprobierzellenschlag' - hier geht es darum, daß man beim probieren von Kleidung im Kaufhaus einen schlaganfall erleiden könnte;
und 'Andernaseherumführer', das mich sehr zum Schmunzeln brachte.

Dramolett 3 : 'Claus Peymann und Hermann Beil auf der Sulzwiese'
Beide haben kaltes Schnitzel eingepackt und schauen auf Wien. Peymann erzählt von einer Idee den "Sturm" und am liebsten alle Shakespeare stücke auf einmal aufführen zu lassen. Dann erzählen sie sich gegenseitig von ihren Albträumen, die bei Beil voll mit Theater und bei Peymann voll mit Politikern sind.

In Summe schöne kleine böse Dramolette in denen die Politiker schlechte Kritik erhalten, und nur das Theater wichtig ist.

Samstag, 14. Oktober 2017

Fjodor Dostojewski : "Der Spieler"

Fjodor Dostojewski :
"Der Spieler"
1867 erstmals erschienen bei Verleger Stellowski
Aus Gesammelte Werke in zwanzig Bänden - Band "Der Spieler" und "Späte Prosa"
Herausgegeben von Gerhard Dudek und Michael Wegner
Deutsch von Werner Creutziger
1990, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
184 Seiten (von 348 bis 530) + passenden Anmerkungen (hier meist Übersetzungen aus dem französischen) im Anhang
ISBN 3-351-01509-7

In einem deutschen Kurort haben sich eine verarmte russische Familie, der in die Stieftochter verliebte Hauslehrer, ein reicher französischer Adeliger, ein verliebter Engländer, eine schöne junge etwas frivol wirkende Frau mit Mutter eingefunden. Der Chef der Familie ist Witwer, braucht das Geld der Erbtante um die schöne junge Frau heiraten zu können. Inzwischen lebt mittels Schuldscheinen bei dem französischen eitlen unangenehmen Mann, der nebenbei Tochter Polina zu einem Verhältnis erpresst. Die Erbtante erscheint mit großem Auftritt, und verspielt in drei Tagen den großteils ihres Geldes und damit die Zukunft des Generals, seiner Stieftochter Polina und legt den Grundstein zur Spielsucht des Hauslehrers. Polina ist hin- und her gerissen zwischen gehobener Tochter-Dünkel, Liebe zu dem Hauslehrer und keinem Vertrauen zu ihm. Der Hauslehrer lebt einige Zeit mit der schönen Frau von seinem Geld in Paris, verheiratet sie mit dem General und bleibt selbst spielend in Deutschland hängen.

Der Hauslehrer Alexej Iwanowitsch erzählt aus seiner Ich-Sicht, wie er den Franzosen provozieren will, wie er Enkelin/Stieftochter Polina helfen will oder auch nicht, wie er die schöne Blanche beobachtet und eigentlich Angst vor ihr hat und wie ihn das Spiel, das ihn am Anfang nicht interessiert hat, am Schluß dirigiert. Nicht einmal die klaren Worte des Engländers können ihn aus der Sucht reißen.

Dostojewski springt mit dem ersten Satz in die Handlung als ob jede Leser alles über die Personen bereits wüßte. Aber erst langsam entschlüsseln sich trotz Schreianfällen die Absichten und Gefühle der handelnden oder reagierenden Personen.
Wie die Hauptperson Alexej die Lethargie aller Liebe und dem Leben gegenüber erfaßt, und dafür die Spielsucht ihn in die Krallen bekommt, ist dicht und faszinierend beschrieben.

Die Geschichte ist fast in Dialogen geschrieben. Es wird wenig beschrieben, außer Luxus der russischen Familie im fiktiven Ort Roulettenburg oder später in Paris.

Im Text sind immer wieder französische Phrasen oder Wörter eingebaut, die im Anhang übersetzt werden. Nicht übersetzt ist der Begriff "Outchitel", der ein französischer Begriff für einen russischen Lehrer ist, und den v.a. die Babuschka und später Blanche an Alexej verwendet.

Eine berühmte Geschichte zur Entstehungsgeschichte ist, daß die Stenographin und spätere zweite Gattin Anna Snitkina auf den Einfall kam, das Manuskript bei einem Notar zu hinterlegen, um dem Autor die rechtzeitige Abgabe des Manuskripts zu bestätigen, da der Verleger hinterlistigerweise die Stadt verlassen hatte.

In Summe ein dichter spannender Roman, der packt. Viel Freude beim Lesen !

Fjodor Michailowitsch Dostojewski wurde am 11. November 1821 in Moskau geboren. Er studierte Ingenieurtechnik, wollte dann aber Schriftsteller werden. 1849 wurde er verhaftet und verlor nach einer Scheinhinrichtung alles Vermögen, und für fünf Jahre ins Arbeitslager gesteckt. 1866 erschien "Schuld und Sühne" in einer Monatszeitschrift über einige Monate. 1866 erschien auch "Der Spieler".1869 war der Roman "Der Idiot" fertig.1872 schloß er "Die Dämonen" ab. 1875 war "Der Jüngling" fertig. 1880 schloß er "Die Brüder Karamasow" ab. Er starb am 9. Februar 1881 in Sankt Petersburg.

Montag, 20. Juni 2011

Juan Madrid : "Nichts zu machen"

Juan Madrid :
"Nichts zu machen"
1986, Original 'Nada que hacer'
(Hinweis unter der letzten Zeile : Madrid, November 1983)
übersetzt von Hans-Joachim Hartstein
1990, Elster Verlag Moos & Moos Baden-Baden
191 Seiten
2 Seiten Nachwort von Dietmut Roether
ISBN 3-89151-090-X


Das Buch ist ein schwarzer, für mich negativer Roman, der mich in den Bann gezogen hat. Es hat zwar eine Art positives Ende, da die Rache gelungen ist, aber positiven Ausblick spürte ich beim Lesen nicht.

Der Kriminelle Silverio Roca ist ein gefragter Fahrer - bei Überfällen, Banküberfällen und auch für Transport gefährlicher Ware. Eigentlich  w a r   er es, denn er ist einem ehemaligen Mitsträfling und einflußreichem Chefkriminellem in eine Falle getappt und wurde dabei lebensgefährlich verletzt. Als er aus dem Krankenhaus und dann Gefängnis entlassen wird, entdeckt er daß die einzigen die ihm eine quasi-Familie gebildet hatten nämlich die Pensionswirtin Amparito und ihre Tochter Conchita (die sich an einflußreiche Männer verkaufte) nicht mehr am Leben sind (Amparito starb an Krebs, ihre Tochter wurde ermordet). Silverio macht sich an die Arbeit und beseitigt diejenigen die er an dem Tod der beiden für schuldig hält, bei denen es sich um eine ungute Mischung aus Bankmanagern und Kriminellen handelt.

Die Geschichte wird nicht linear erzählt, sondern der Autor springt in der Vergangenheit und der aktuellen Suche nach dem/n Verursacher/n des Leids von Conchita und ihrer Mutter hin und her.

Die handelnden Personen sind meist hilflos, überfordert, oft unglücklich - weder die gut situierten Bankmenschen noch die Kriminellen auf den verschiedenen Hierarchiestufen. Es geht für die einen nur ums Überleben, für die anderen um rücksichtslos ihre Macht durchzusetzen.
Das Ambiente sind meist zwielichtige Lokale, viel Alkohol, käufliche Damen oder Bankräume/eine Villa/Friedhof. Nirgends ist auch nur ein Hauch von Geborgenheit zu spüren.

Trotz der negativen Atmosphäre hat mich die Geschichte fasziniert  und ich wollte wissen, ob die Rache gelingt. Ob das Buch die Atmosphäre anfang/Mitte der 80-er der Post-franco-ära authentisch einfängt, kann ich nicht beurteilen, aber das Buch durchaus empfehlen.

Sonntag, 24. April 2011

M.K.Wren : "Medusa Pool"

M.K.Wren :
"Medusa Pool"
1999, St. Martin's Press, New York
original "Neely Jones : The Medusa Pool"
aus dem Englischen von Annette Blum
2001, Unionsverlag Zürich
283 Seiten
ISBN 3-293-20211-X

Eine spannende Geschichte aus dem Unionsverlag, dessen Bücher mich immer wieder in den Bann ziehen.

Neely Jones, wird als erste schwarze Frau überraschend zum Sheriff gewählt - und das in Oregon. Ihr Freund, ein Meeresbiologe und Japaner, kurz darauf später in einem Pool aus Medusa Quallen tot schwimmend gefunden. Parallel taucht ein Agent auf, der sie informiert, daß ein Drogenboß unter falschem Namen im Ort ist und er versucht ihn endlich in flagranti zu erwischen. Und sie findet ein dickes Kuvert mit Geld unter einer der Laden ihres Vorgängers.
Am Ende finden alle diese Stränge in einem Showdown im Regen zueinander, einige Säulen der Gesellschaft werden der Ungesetzlichkeiten überführt, die Drogenleute endlich erwischt und zumindest bei einigen Menschen hat sich Sheriff Jones behauptet.
Rassismus ist das permanente Thema - egal ob innerhalb der Polizei oder in der Gesellschaft mit Skinheads.

Die Personen sind klar geschildert, auch wenn alles aus der Warte von Sherrif Jones beschrieben wird. Die Szenerien sind nicht so klar erkennbar, der Focus liegt auf den Menschen und deren (nicht) miteinander. Die Sprache führt rasch und manchmal mit pointierten coolen Vergleichen durch die Handlungs- und Seitendtränge. Tröstlich die Nähe des Meeres und dessen Ruhe.

Die Geschichte ist spannend, und an einem verregnete Sonn- oder Feiertag schön auslesbar. Viel Vergnügen

Donnerstag, 24. März 2011

Trow M.J.: "Lestrade und das Rätsel des Skarabäus"

Trow M.J.:
"Lestrade und das Rätsel des Skarabäus"
original 1990 bei Constable and Company, London
"Lestrade and the Guardian Angel"
aus dem Englischen von Hans J. Schütz
1996, rororo Taschenbuch Verlag GmbH
269 Seiten
ISBN 3-499-43020-7

Die Thriller genannte Geschichte spielt 1897 und hat Inspector Lestrade - ja den aus den Sherlock Holmes Romanen - als Hauptfigur. Diesmal hat der Inspector Erfolg und ein Watson hilft ein wenig und ein Conan Doyle gibt auch wichtige Informationen.

Inspector Lestrade wird offiziell mit einem Mord getraut, bei dem einem Offizier sein Abzeichen in den Mund gelegt worden war. Kurz darauf bittet ihn ein Freund um Hilfe, weil ein Pächter mit einem Skarabäus im Mund verfrüht starb. Weitere mysteriöse Leichen mit wichtigen Hinweisen aus dem Leben folgen - viele sind durch Phosphor umgekommen. Obwohl ihm sein direkter Vorgesetzter eher hinderlich ist, schafft es der Inspector mithilfe seiner 3 Getreuen auf die Logik des Mörders zu kommen.

Die Figuren sind unterhaltsam geschildert, das englische Stadt- und auch Landleben mit den Unterschiedlichkeiten wird schön geschildert, Menschen aus allen möglichen Gesellschafts- und Berufsschichten Platz eingeräumt. Es wird nicht an kleinen Seitenhieben auf die Absonderlichkeiten aus der jweiligen Herkunft gespart - sowohl die Verhandlungen mit 3 Gangs gleichzeitig, die nur noch losschlagen wollen finden Platz, wie das betulichen Benehmen einer ältlichen Dame mit Hörrohr.

'running gag' wird die Unsportlichkeit des Inspectors der sowohl auf ein Pferd, ein Fahrrad und in einen Ballon gezwungen wird und bei allem nicht gut abschneidet, aber witzig geschildert wird.

Ich wünsche gute Unterhaltung beim Lesen !