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Samstag, 24. Mai 2025

Han Kang : "Deine Kalten Hände"

Han Kang :
"Deine Kalten Hände"
original 2002, Moonji Publishing
Aus dem Koreanischen von Kyong-Hae Flügel
3. Auflage 2023 Aufbau Taschenbuch
307 Seiten +  1 Seite Nachwort
ISBN 978-3-7466-3731-0

In der Rahmenhandlung wird die Erzählerin immer wieder von Skulpturen die schwebende Hände zeigen fasziniert.
Ihr wird ein Manuskript überspielt, in dem ein Künstler von seiner kaltherzigen Familie erzählt und wie er sich ins Funktionieren retten muß, und später Bildhauer wird. Er entwickelt seine spezielle Technik dünne Gipsabzüge von Händen zu nehmen, dieser Abzüge nochmals abzuziehen und zu bearbeiten. Ein rundliche Frau mit schönen Händen ist lange sein Modell, und er beginnt nicht nur Hände zu gestalten. Später sind es andere Frauen. Manchmal werde alle seine fertigen Werke zerstört, was ihn nur dazu bringt weiter zu arbeiten. Über einen Auftrag lernt er eine bildschöne perfekte Frau kennen, die er zuerst auch als Modell einsetzen darf, bis sie umgekehrt ihn als Modell für Gipsabzüge verwendet. Hier erkennt er, daß seine Technik für seine Modells extrem schmerzhaft ist. Die bildschöne Frau hat eine Hand-operation hinter sich, weil sie 6 Finger gehabt hatte; die seelischen Narben sind nie verheilt.
In einer Galerie könnten der Künstler und seine Freundin gesehen worden sein, aber das ist unklar.

Die Menschen in diesem Buch haben keine Namen, maximal Buchstaben. Allerdings waren die Beschreibungen sehr gut, und haben mich sehr berührt. Bei den Menschen waren für mich zwei Frauen in ihrem Wandel stark : die rundliche Frau mit starker Seele, die es schafft abzunehmen, dann bulemisch wird und mit dem gesellschaftlich gewünschten schlank sein ihre Persönlichkeit und Charme einbüßt; und die schöne Frau die durch ihre 6 Finger so geächtet war, daß sie sich auf perfekt trainiert mit perfekt abgestimmter Kleidung, vorschriftsmäßiger Wohnungseinrichtung und extrem angepaßter strahlender Höflichkeit und Schönheit. 

Manchmal reist der Künstler, aber mir die koreanische Geographie und Städte nichts sagen, war mir das nicht wichtig.

Mich hat das Gemisch aus getrieben sein und dann wieder kompletter Abgehobenheit des Künstlers fasziniert; manchmal ist er was, dann auch wieder nicht; er arbeitet wenn ihn eine Idee gepackt hat ganz intensiv. Als praktisch denkender Mensch habe ich manchmal überlegt, wie er dieses Leben finanziert ..

In Summe ein grandioser Roman der mich sehr berührt habe, auch wenn die Gesichter für mich gesichtslos geblieben sind. Viel Freude beim Lesen !

Hang Kang wurde am 27. November 1970 in Gwangju, Provinz Süd-Jeolla, Südkorea geboren. Sie studierte koreanische Literatur in Seoul, und begann danach Gedichte und Prosa zu veröffentlichen. Nebenbei arbeitete sie als Journalistin. 2007 erschien ihr erster Roman "Die Vegetarierin" auf koreanisch, der 2016 auf deutsch erschien. 2024 erhielt sie den Literatur-Nobelpreis.

Dienstag, 20. August 2024

Michael Köhlmeier : "Matou"

Michael Köhlmeier :                                                                                          
"Matou"
2021, Hanser Verlag
947 Seiten + rotes Lesebändchen
ISBN 978-3-446-27079-4 

Matou ist ein hübscher roter Kater mit weißer Schwanzspitze, der bereits in seinem ersten Leben entdeckt, daß er menschliches Sprechen lernen kann. Später lernt er auch Lesen, und liest sich im Laufe des Romans durch die Enzyklopädien, Romane, Philosophischen Traktate der Weltgeschichte des Menschen.
Im ersten Kapitel lebt er zur Zeit der französischen Revolution bei Camille Desmoulins, dessen Frau, Kind und Schwiegermutter und lernt auch die wichtigen Menschen der französischen Revolution kennen. Der Kater lernt Liebe, Romantik, Charme, Machtspiele kennen. Und menschliches Sprechen
Für das zweite Leben sucht er sich das Leben bei E.T.A. Hoffman und seiner Frau aus. Hier lernt er Lesen. Hoffmans Frau ist allerdings sehr mißtrauisch. Später unternimmt er eine Schiffreise, überlebt im Dschungel und perfektioniert sein intrigantes Spiel indem er Menschen gegeneinander aufhetzt.
Im dritten Leben lebt er auf einer Insel mit anderen Katzen, schwingt sich mit einigen Schlägerkatzen um Diktator auf, hält manipulative Reden, erzählt eigenartige Narrative und kommt am Schluß drauf, daß ihn auch das nicht interessiert.
Im vierten Leben ist er in Afrika und lebt als Leopard, erzählt die Übergriffe aus dem belgischen Königreich auf deren Kosten viele Menschenleben gingen und zieht mit einem verstümmelten Mädchen als Albtraumerinnerung durchs Land.
Das fünfte Leben ist in Prag bei einem Ehepaar mit dick gefüllter Bibliothek, deren Enzyklopädie er liest. Paulina Bartok ist eine sensible Künstlerin, die das Wilde sucht. Bei Kriegsausbruch 1914 ist alles vorbei.
Sein sechstes Leben verbringt er in den USA, was für europäische Katzen sehr ungewöhnlich ist. Er hat sich Andy Warhol ausgesucht, weil er sich ein luxuriöses Leben gewünscht hat und eine große Bibliothek, was beides nicht geklappt hat.
Im siebenten Leben ist er in Wien, und wohnt bei einer netten älteren Frau und ihrem etwas faden Neffen, den er bereits als Kind tröstet. Der Neffe studiert Philosophie und der Kater hilft ihm dabei, und versucht ihm die Wichtigkeit von Charme beizubringen.

Zwischen den verschiedenen Leben erzählt der Kater vom Leben im "Weggemachten" mit den anderen Katern und Katzen in der Zeit zwischen den sieben (europäische Katzen) bis neun (amerikanische Katzen) Leben der Katzen.
Eine der Katzen merkt sich wie Matou (wie er sich selbst nennt, auch wenn ihm Menschen anderen Namen geben) die verschiedenen Leben; Fragnichtchen ist eine schöne Katze mit blauen Augen, die Matou vom dritten bis fünften Leben immer wieder trifft.

Die Geschichte ist aus Ich-Sicht des Katers geschrieben, und springt dementsprechend auch in den Erzählebenen, und es gibt jede Menge Hinweise auf andere Leben.

Es gibt lange Abhandlungen über den "Charme", wer ihn hatte oder gehabt haben mag, und wie man Charme lernen kann. Viel ist über Macht und Machtspiele zu lesen. Matou vergräbt sich auch in die Werke der großen Philosophen und versucht damit den Menschen zu entschlüsseln, denn ihm bleibt immer unklar warum manches für Menschen wichtig ist und einiges nicht.

Da ich zugegebenermassen den Stil des Autors sehr mag habe ich mich in die langen Sätze, komplizierten Schachtelungen gerne eingelassen.
Es gibt viele Hinweise und lange Leselisten für weiterführendes Lesen.

Ich habe fast drei Jahre an diesem Buch gelesen, das mich zwar sehr interessiert hat im Sinne von wie geht es weiter, mußte aber meinen Widerwillen gegen diesen obergescheiten arroganten intriganten und eigentlich mir nicht sympathischen "Kater" kämpfen.

In Summe ein wunderbares Buch, das mich viele Stunden gut unterhalten und in den Bann gezogen hat.

Michael Johannes Maria Köhlmeier wurde am 15. Oktober 1949 in Hard (Vorarlberg) geboren. In den 70-er Jahren begann er mit Hörspielen, in den 80-er Jahren wurden die ersten schriftstellerischen Arbeiten veröffentlicht.

Mittwoch, 12. Juni 2024

Martin Suter : "Lila, Lila"

Martin Suter :
"Lila, Lila"
2004, Diogenes Verlag
341 Seiten
ISBN 978-3-257-23469-5

David, der als Kellner arbeitet, findet in einer alten Kommode ein Manuskript mit einer unglücklichen endenden Liebesgeschichte aus den 50-er Jahren. Verliebt in die schöne Marie erzählt er ihr, daß das sein Werk ist. Sie sucht einen Verlag, und der Roman wird veröffentlicht mit leichter Abänderung des Frauennamens. Er muß durch kleine Orte tingeln und in halbleeren Buchhandlungen vorlesen, was er mehr schlecht als recht macht, bis plötzlich eine grandiose Kritik erscheint und der Roman die Bestsellerlisten stürmt und die Buchmessen. Bei einer der Buchlesungen wird er von einem charistmatischen Mann namens Jacky mit vielen humorvollen Geschichten angesprochen, der sich als Autor der Liebesgeschichte vorstellt, und seinen Anteil des Erfolgs unter der Hand möchte. David verschweigt Marie, warum Jacky ihn immer mehr begleitet. Am Höhepunkt streiten sich die Verlage um sein nächstes Werk, es gibt zwei Agenten. Am Schluß hat sich Marie einen anderen Weg gesucht, und David versucht einen Liebesroman zu schreiben.

Von Anfang an begleitet man David mit seinen Unsicherheiten und Zweifeln über seinen Selbstwert, seine Kreativität, seine Liebe zur schönen Marie. Allerdings wurde mir dieser inaktive Mann im Laufe des Lesens immer unsympathischer.
Marie ist eine schöne junge Frau die eine Ausbildung parallel zur Arbeit macht, mit der sich hofft mehr Freude zu haben. Sie findet leicht Anklang bei Menschen, auch wenn ihre Beziehungen und Kurzzeit-beziehungen sie meist doch nicht glücklich machen. Sie merkt, daß David ihr was vorspielt und hat sofort Mißtrauen gegenüber Jacky.

Die Orte der Handlung sind gut vorstellbar. Es ist unterhaltsam zu lesen wie David durch die ersten Buchhandlungen in kleinen Ortschaften tingeln muß und sich durch die Lesungen durchstottert. Ebenso unterhaltsam ist die große Frankfurter Buchmesse mit allem was Rang und Namen hat, und wie dort genetzwerkt wird.

In Summe ein Buch das mich einerseits gut unterhalten hat, andererseits ist mir die Hauptperson sehr auf die Nerven gegangen. Trotzdem viel Freude beim Lesen. 

Freitag, 24. Dezember 2021

Andrea Schacht : "Weihnachtskatze gesucht"

Andrea Schacht : 
"Weihnachtskatze gesucht" 
2012, 2. Auflage Aufbau Verlag 
134 Seiten + 1 Seite Personen (und Katzen) + 2 Seiten Nachwort
ISBN 978-3-7466-2881-3

Blumenhändlerin Silvia ist unglücklich, weil sie SueSue ihre innig geliebte Katze vermißt und für tot hält. Bei einer Photoausstellung sieht sie ein Photo auf einem Friedhof mit einer Katze, die ihrer sehr ähnlich sieht. Der Photograph ist ein grantiger Zeitgenosse, der bei Kriegsphotos ein Bein verloren hat.
Parallel dazu erzählt eine Katze wie es ihr in einem Gnadenhof gemeinsam mit anderen Katzen und Katers, auch Pferden und Schafen geht. Dort trifft sie den dreibeinigen Mac und den blinden weisen Kater Ormuz, dem sie beim orientieren hilft. Sie erzählt von Menschen, die ein drittes gläsernes Auge haben, für das sie schon posiert hat. Es dauert etwas bis sich die zwei Erzählschleifen finden, aber es gibt für einige Menschen und vor allem Katzen/Katers ein "Happy End".

Die Menschen haben Charakter und sind durch diverse Ereignisse nicht mehr einfach zu behandeln. Die Katzen und Kater ebenfalls, wobei ich bei den Katzen/Kater mehr Durchhaltevermögen lese.

Es wird viel über Rangordnungen im Gnadenhof erzählt, wobei sich die dreifarbige erzählende Katze als durchsetzungsfähig erweist. Auch einige Katzenrassen werden genannt - SueSue ist eine Devon Rex.

Ein wunderbares Buch für einen verregneten oder sonst trübsinnigen Tag. Miau !

Montag, 20. September 2021

Dani Scarpa : "Mord in Parma"

Dani Scarpa :
"Mord in Parma" - Paolo Ritter ermittelt
2020, Rowohlt Taschenbuch Verlag
345 Seiten + 2 Seiten Rezept Lucias Maltagliati / Stadtplan von Parma in Innencover
ISBN 978-3-499-00242-7

Paolo Ritter, Ermittler, wird aus Deutschland mit einem Raubkunst Gemälde nach Parma geschickt. Bei der großen Enthüllung des Denkmals lernt er einige wichtige Menschen kennen, von denen prompt einer an Abend darauf tot aufgefunden wird. Paolo vermutet Mord, die italienische Polizei Tod durch Medikament. Er macht sich auf die Suche nach dem Original des Gemäldes, denn kurz nach der Präsentation ist dieses gegen eine ausgezeichnete Fälschung ausgetauscht worden. Hilfe ist ihm bei der Recherche, die ehemalige Mitarbeiterin seines verstorbenen Bruders bei seinem Hotel-Ristorante an der Küste, Lucia; sie weckt nicht nur seine schönen Erinnerungen an Italien aus der Kindheit, sondern bringt ihm bei wieder menschlich bei den Befragungen vorzugehen, was den Durchbruch bringt. Am Schluß ist das original Gemälde zurück, und einige Beziehungen geklärt.

Parallel zum Krimistrang wird Paolo, der extrem gutes visuelles Gedächtnis hat und fast authistisch agiert, mit seinen Kindheitserinnerungen konfrontiert. Ihn hatten seine Eltern in ihrer Liebe für Italien mit einem italienischen Namen versehen. Sein verstorbener Bruder erscheint ihm immer wieder um mit ihm zu reden. In der Stadt an der Küste begegnen ihm durch Lucia Warmherzigkeit und Fröhlichkeit, die seine Pedanterie aufweichen. 
Seine Beziehung zu einer erfolgreichen blonden Frau wird der lebhaften, warmherzigen, temperamentvollen Italienerin gegenübergestellt. Die Sympathie des Autors ist klar.

Die weiteren Personen sind unterschiedlich: es gibt einen engagierten, aber Deutsche nicht mögenden Kommissar, einen engagierten Kurator der die Kunstwerke leidenschaftlich liebt, einen aalglatten aufstrebenden Politiker, einen eigenartigen Kunstsammler, und freundliche Nachbarn.

Orte der Handlung sind München, Parma und die Küstenstadt. Es ist Sommer und allen ist heiß.

Die Absätze über Kunstfälschung sind sehr interessant und lehrreich.

Der Roman ist gut geschrieben, die Personen gut vorstellbar. Viel Spaß beim Lesen !

Samstag, 11. September 2021

Philip Gwynne Jones : "Venezianische Vergeltung"

Philip Gwynne Jones :
"Venezianische Vergeltung"
original "Vengeace in Venice"
2018, Constable/Little London
Aus dem Englischen von Birgit Salzmann
2021, Rowohlt Taschenbuch Verlag
355 Seiten + 3 Seiten Glossar
ISBN 978-3-499-17660-6

Nathan Sutherland lebt als - unbezahlter - Honorarkonsul in Venedig, und macht Übersetzungen ins englische für die Biennale. Kunstinteressiert und Vernissagen schätzend ist er auch dieses Jahr bei der Eröffnung des Britischen Pavillons anwesend, als ein bekannter, für seine Verrisse bekannter Kritiker in die spitze Glasinstallation stürzt. Nathan sieht sich verpflichtet dem britischen Pavillon und dem schüchternen Künstler zu helfen, arbeitet mit der Polizeit zusanmmen, legt sich mit einem schmierigen Journalisten an, verletzt sich in einem Bereich der Biennale und kann mit Hilfe seines Katers Gramsci und seiner Freundin Frederica gerade noch sein Ende abwenden.

Dieser zweiter Band mit Nat Sutherland ist für Genießer des Charmes Venedig und der alle zwei Jahre stattfindenden Kunstbiennale wie mich ein Genuß. Es macht Freude den Straßerln, Vaporetto-linien und Kirchenbesuchen in Venedig zu folgen, sowie die Beschreibungen der Kunstpavillons zu lesen.

Nathan selber wohnt in einer Wohnung mitten in Venedig, seine Freundin wohnt am Lido. Er wohnt mit seinem grantigen, sportsüchtigen Kater Gramsci zusammen, kocht gut, und ist ohne Kaffee nicht ansprechbar. Seine Freundin Frederica / Fede ist Kunsthistorikerin, und arbeitet gerade in einer der schönsten Kirchen Venedigs. Freund Dario hilft ihm am Schluß des Romans zur Lösung des Falles, auch wenn es brenzlig wird.

Im Glossar sind italienische und venezianische Redewendungen und Worte abgedruckt, die Freude machen nachzulesen.

Der Kriminalroman ist sehr gut geschrieben, und hat mir Freude gemacht ihn zu lesen. Mitraten des Who-dunnit ist möglich. Viel Freude beim Lesen !

Samstag, 27. April 2019

Alan Bennett : "Die Souveräne Leserin"

Alan Bennett :
"Die Souveräne Leserin"
original "London Review of Books" oder auch "The Uncommon Reader"
2007, Forelake Ltd
Aus dem Englischen von Ingo Herzke
2008, 2012, 19. Auflage 2017, Verlag Wagenbach Salto, Berlin
111 Seiten + 1 Seite Porträt des Autors
ISBN 978-3-8031-1254-5

Der Queen kommen ihre berühmten, aber etwas unerzogenen Corgis aus, und sie entdeckt einen Bücherbus und damit das Lesen. In dieser Liebeserklärung an das Lesen und Literatur, wird die Queen in die Welt der Bücher, der Phantasie, und der Geschichten gezogen. Die pflichtbewußte Dame beginnt ihre Termine etwas zu vernachlässigen und Bücher der Gesellschaft von Menschen vorzuziehen. Nach den ersten Buchempfehlungen des Bücherbusmannes, hilft ihr ein belesener Diener den sie aus der Küche geholt hat ihren eigenen Lesengeschmack zu entwickeln. Hofintrigen lassen nicht auf sich warten; manche gehen auf, manche werden zurück geschlagen. Die Gäste der Queen die bislang Smalltalk über Autos gemacht hatten, mußten sich überlegen welches Buch sie gerade lesen würden. Mit feinem Humor führt die Geschichte zur Überlegung, ob die Queen selbst zu schreiben anfangen sollte.

Das Buch ist liebevoll geschrieben. Mit Feingefühl ist das Leben, das Denken der Queen beschrieben, wie sich ihre Gedanken mit den Qualität der Bücher emanzipieren.
Am Hof lebende Menschen sind fast nur der Herzog mit seinen trockenen Kommentaren und ein ziemlich intriganter Sekretär beschrieben.

Es gibt kleine feine Betrachtungen über den Unterschied zwischen Lesen und Informieren, ob Literatur buckelt oder unabhängig ist, ob Lesen Bürgerpflicht sein sollte oder nicht, und die Überlegung, daß es schade ist so viele Autoren gekannt zu haben, ohne mit ihnen wirklich geplaudert zu haben. Ihr Versuch dies nachzuholen scheitert leider gründlich.

In Summe ein wunderbares feines Buch, das Anregungen zu vielen Büchern gibt. Viel Freude beim Lesen !

Alan Bennett wurde am 9. Mai 1934 in Leeds geboren. Als Sohn eines Fleischhauers konnte er dank eines Stipendiums Geschichte in Exeter studieren. Darauf folgte eine Professur in Oxford. Später wurde der Dramatiker, Regisseur, Drehbuchautor und Schriftsteller. Er verarbeitete seine Krebserkrankung literarisch, und erhielt viele Auszeichnungen. Im den Buch ist der mit Hausschwein an der Leine abgebildet. 

Freitag, 11. Januar 2019

"Katzen in der Kunst"

"Katzen in der Kunst"
Hrsg : Angus Hyland & Text : Caroline Roberts
original "The Book of Cat"
2017, Laurence King Publishing
Übersetzung : Birgit Lamerz-Beckschäfer
2017, Dumont Köln
159 Seiten
ISBN 978-3-8321-9916-6

Text auf der Rückseite des Buches : "Dieses Buch hat einen eigensinnigen Charakter". Natürlich, da es um Katzen geht.

In dem quadratischen Buch sind zwischen den Abbildungen von Katzen Sprichwörter über Katzen, Aussagen über Katzen oder manchmal auch die Geschichte zu einem ausgewählten, speziellen Bild abgedruckt.
Katzen aller Farben, von Leonardo da Vinci über Andy Warhol bis heute, gezeichnet, gemalt, gekleckst, gestrichelt sind abgebildet.
Überraschend viele sehr schöne schwarze Katzen scheinen mir in diesem Buch versammelt zu sein.

Katzen dösen, schlafen, rekeln sich, warten auf Beute, schauen sehnsüchtig zum Fenster hinaus, verziehren das Zimmer oder den Menschen oder ein Möbel, und sind oft einfach nur bezaubernd.

Meine Lieblingskatze ist schwer zu nennen, aber guter Anwärter ist auf der schwarze Kater auf Seite 143 von Endre Penovac aus 2014.

Das einzige was mir an dem Buch mißfällt, ist das Fehlen von technischen Informationen über die Werke. Hier hätte ich gerne mehr erfahren.

In Summe ist es ein wunderbares Buch über Katzen das ideal zum Schmökern ist, oder als Geschenk für Katzenfans. Miau !

Angus Hyland wurde born 1963 in Brightin / East Sussex geboren. Er ist Autor, Kreativdirektor und Grafikdesigner.
Caroline Roberts ist Gründerin des Magazins ›Grafik‹ und Ko-Autorin mehrerer Bücher über Kunst und Design

Donnerstag, 5. Juli 2018

Helen MacDonald : "H wie Habicht"

Helen MacDonald :
"H wie Habicht"
original "H wie Hawk"
2014, Verlag Jonathan Cape, Random House
Aus dem Englischen von Ulrike Kretschmer
2015, Allagria, Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin
372 Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis + 4 Seiten Postskriptum + 18 Seiten Anmerkungen  (Quellenangaben) + 2 Seiten Danksagung
mit Lesebändchen
ISBN 978-3-7934-2298-3

Das schöne Cover mit einem Linolschnitt eines Habichts hat mich zum Griff nach diesem Buch veranlaßt.

Die Geschichte wird aus Sicht der Autorin in Ich-Sicht erzählt. Man nimmt an ihren Gedanken, Sorgen, Trauer um den Vater und ihre Besessenheit um T.H.White und seinen Habicht Gos(hawk) und die Erziehung ihres wunderschönen Habichts teil.

In schöner Sprache aber ziemlicher Egozentrik erzählt sie von ihren Kindheitserinnerungen an Vater, und Tier/Falken-bücher, über Falknerei, und wie sie gemeinsam mit ihrem Habicht Mabel (liebevoll auch Mabes genannt) eine Einheit aufbaut. Diese Teile in denen sie die Aufzucht, das Training, das immer mehr loslassen, die Sorge, die Feinfühligkeit um diesen faszinierenden und auch geliebten Vogel erzählt zogen mich in den Bann.
Die Abschnitte in denen sie sich an T.H.White abarbeitet sind sehr eigen. Es wird von Whites brutaler Kindheit erzählt, und wie er diese im Erwachsenenleben an anderen Menschen und Tieren auslebt, dabei weder mit seinem Sadismus noch seiner Homoerotik fertig wird. Seine sogenannte Liebe zu Gos wird nur als besitzergreifend transportier und ist oft unachtsam und seine Verantwortung dem Habicht gegenüber falsch einschätzen. Kein Wunder daß Gos das Vertrauen verliert und verloren geht (wie es diesem Habicht weiter ergeht bleibt offen - leider).

Exkurs :  Terence Hanbury White lebte von 1906 bis 1964. Er veröffentlichte unter T.H. White oder dem Pseudonym James Aston. Am bekanntesten dürfte seine Version der Merlin-, und Arthussage sein.

Das Buch umfaßt gefühlt das Trauerjahr nach dem Tod des Vaters - die Autorin verwendet die Formulierung 'Archäologie der Trauer'.

Die Welt in der sich die Autorin bewegt ist eine der belesenen Professoren in Cambridge, die Wälder der Umgebung, und andere Menschen die Falken bis Habichte lieben und mit ihnen leben. Normales Leben ist wenig zu spüren; skurril ist es wenn sie beschreibt mit welchem Habichtsfutter die Tiefkühltruhe gefüllt ist.

Berührend ist es wenn sie von den Beobachtungen von Flugzeugen über England, die ihr Vater als Kind und Jugendlicher penibel aufgeschrieben hat, schreibt.
Schön finde ich die Beschreibungen wenn sie und Mabel durch das Land streifen, sie die Landschaft beschreibt und dann Mabels Verhalten mit der Natur genau schildert.

Das Buch ist nicht einfach zu lesen, da die Ich-zentriert der Autorin zeitweise strapaziös ist. Ich habe länger dazu gebraucht und es zwischendurch mit Lesezeichen liegen gelassen bis ich weiterlesen konnte.

Diese Buch ist für alle Menschen die sich für Greifvögel und schöne Sprache interessieren sehr empfehlenswert. Viel Freude dabei !

Helen MacDonald wurde 1970 geboren. Sie ist Lyrikerin und Autorin und unterrichtet in Cambridge. 1993 erschienen ihre erste Gedichte. 

Freitag, 29. Dezember 2017

Ross Macdonald : "Unterwegs im Leichenwagen"

Ross Macdonald :
"Unterwegs im Leichenwagen"
Roman
original "The Zebra-Striped Hearse"
1962, Alfred A. Knopf New York
Neuübersetzung aus dem Amerikanischen von Karsten Singelmann
2017, Diogenes Verlag Zürich
402 Seiten + 6 Seiten Nachwort von Donna Leon
ISBN 978-3-527-3052-9

Der Krimi beginnt fast klassisch: reicher Colonel ersucht Privatdetektiv Lew Archer den neuen Freund der Tochter zu hinterfragen weil er vermutet, daß dieser nur hinter dem Familiengeld her ist. Archer besucht den jungen attraktiven Mann, der sich nur seinem Malen widmet. Dann bekommt die Geschichte Tempo, denn nach Familienkrach fährt das junge Paar weg. Archer sucht sie in Mexiko, entdeckte einige Leichen und ältere Morde, redet mit der echten Mutter der jungen reichen Frau, der neuen sympathischen Frau des Colonel, einer ex-freundin des Malers, und weiteren Menschen. Die Geschichte windet sich zwischen mexikanischen Dörfer, armen Spelunken, eleganten Badehäusern und teuren Villen, bis erst auf der vorvorletzen Seite einige alte Morde und ein Selbstmord aufgeklärt werden.

Die Geschichte wird spannend erzählt. Lew Archer erzählt die Handlung und Dialoge aus seiner Ich-sicht und seinen Eindrücken der Menschen, Einrichtungen und Örtlichkeiten aus seiner Sicht.

Die Menschen sind anschaulich geschildert in ihrer Art zu sprechen, sich anzuziehen und zu bewegen. Die Beobachtungen sind eher sachlich und weniger wertend. Sympathie oder anthipathie fließen in die Schilderungen ein. Während der cholerische, tyrannische Colonel fast sofort Anthipathie auslöst, ist seine zweite Frau Isobel die versucht fair und liebevoll zu bleiben als sehr sympathisch spürbar. Tochter Harriet ist leider nur reich, groß und eher ungelenk. Der künstlerisch talentierte Bruce Damian/Campion sieht gut aus, was er manchmal weiß, aber er lebt lieber seine künstlerischen Ambitionen. Das Schicksal der mollig-süßen Dolly die ein Kind geboren hat, aber ermordet wurde und auch der Mord an Ralph Simpson wird geklärt.

Während sofort berechnet wird, daß ein Künstler eine reiche Erbin nur wegen ihres Geldes interessant findet, kommt erst spät auf, daß ein gestandener Mann an kindlichen Frauen Gefallen findet, und hier eine Kette von Ereignissen auslöst.

Der englische Original Titel bezieht sich auf einen mit Streifen angemalten Leichenwagen, in dem junge Surf-wütige Leute den schönen Wellen die Küste entlang fahren und Archer immer wieder begegnen. Ein wichtiges Beweismittel fischen sie aus dem Meer.

Die Beschreibungen sind bildhaft. Die Atmosphäre sowohl im snobistischen Bereich als auch in der armseligen mexikansichen Stadt mit originellen Figuren ist spürbar.

Ich habe diesen Kriminalroman sehr genossen  ! Viel Freude beim Lesen !

Ross Macdold wurde am 13. Dezember 1915 unter dem Namen Kenneth Millar in Los Gatos (Kalifornien) geboren. Er wuchs in Ontario auf, studierte in Michigan, wo er war Dozent war, bevor er mit dem Schreiben von Kriminalromanen begann. 1946 erstand der Privatdetektiv 'Lew Archer' in einer Kurzgeschichte. 1949 erschien der erste Roman. Er starb am 11. Juli 1983 in Kalifornien.

Samstag, 19. August 2017

Bernhard Aichner : "Nur Blau"

Bernhard Aichner :
"Nur Blau"
Roman
2012, Haymon Innsbruck
222 Seiten
ISBN 978-3-85218-903-1

In diesem dichten großartigen Roman geht es um das Blau und dem Maler Yves Klein. Mehrere Fäden werden erzählt, die sich lose miteinander verbinden :

Der eine ist Jo, ein ungestümer junger Mann der so lange mit blau probiert, bis der das Yves Klein blau hat und Kopieren herstellen kann. Mosca ist sein Freund, Literaturagent, gepflegt, elegant und belesen. Ben ist Taxifahrer in Frankfurt und hat grausliche Alpträume durch Tabletten. Oliver ist Mistmann, findet ein Bild von Yves Klein in einer Mülltonne und verliebt sich in Herta die von einem eigenen Restaurant träumt. Anna war mit Ludwig einem Radiosprecher zusammen, der sich quälte - jetzt zeichnet sie mit Bleistift und arbeitet in einem Restaurant; nebenbei hatte sie was mit Ben laufen. Mirella ist aus Italien, lebt in einem Wohnwagen und kannte Yves Klein als sie jung war und er in einer Galerie in Mailand ausstellte. Onnie ist Däne, dünn und hat ein Harnproblem und schnupft Rauschgift; als Mosca ihm helfen will wird das von Ming, einer ehrgeizigen Asiatin, vereitelt. Am Schluß ist ein Fenster offen.

Mich hat der Roman fasziniert und ich mußte weiter- und durchlesen bis ich auf der letzten Seite war. Die Menschen und ihren 2-er oder auch 3-er Beziehungen sind gut spürbar, aber auch die Suche nach wie-will-ich-leben bei denen die Haupt- und Nebenplaneten ist nachvollziehbar.

Die Beziehung zwischen Mosca und Jo ist haptisch und in ihrer Sinnlichkeit schön vorstellbar. Auch die Beziehung zwischen Anna und Ludwig, die Ludwig durch Verletzungen ruiniert, ist in ihrer Körperlichkeit nachvollziehbar.
Als Gegenpole sind Jo der dem abstrakten Klein-Blau nachjagt und Anna die viele Bleistiftzeichnungen ihres eigenen verletzten Körpers zeichnet aufgebaut.

Im Gegensatz zu einem Kriminalroman des Autors bei dem mir die Eigenschaftswörter fehlten, gibt es hier genug vorstellbares und ich konnte in die spannenden Erzählfäden eintauchen.

In Summe : ein grandioses Buch, das ich gerne weiterempfehle !

Yves Klein lebte von 28. April 1928 in Nizza bis 6. Juni 1962 in Paris (Herzinfarkt).

Freitag, 28. Juli 2017

Bielefeld & Hartlieb : "Auf der Strecke"

Claus-Ulrich Bielefeld & Petra Hartlieb :
"Auf der Strecke - Ein Fall für Berlin und Wien"
Roman
2011 Diogenes
353 Seiten
ISBN 978-3-257-24068-9

Auf der Zugstrecke zwischen Wien und Berlin wird der aufstrebende Stern am Literaturhimmel ermordet. In Wien ermittelt Anna Haberl, die in Berlin Kommissar Thomas Bernhardt kontaktiert. Der Literaturagent in Berlin wird ebenfalls ermordet, die Berliner Freundin des Schriftstellers springt in den Tod und die Wiener Freundin versucht Selbstmord zu begehen; die ursprüngliche Wiener Verlegerin kommt zu Wort, ein guter Freund des Schriftstellers der ebenfalls Schriftsteller ist aber weniger Erfolg hat und in Berlin ein zwielichtiger Geschäftsmann im Bereich Ex-DDR, Vermögen, Immobilien und aktuelle Politikverknüpfung. Bei einer Abendveranstaltung um die Frankfurter Buchmesse kommt es zum show-down.

Der ermordete Schriftsteller wird als arroganter Schnösl geschildert. Nur das teuerste wäre ihm gut genug. Die Idee den Roman mehrfach zu verschlüsseln und parallel an Verlage zu senden um sich abzusichern finde ich durchaus gut.
Die Frauen in dem Buch sind großteils attraktiv geschildert, die Männer netterweise meist interessant.

Die Hintergrundgeschichte mit DDR - Immobilien - Vermögen - Ausläufer in KPÖ sind spannend. Die Infos über die KPÖ interessant. Der Zynismus zwischen Trotzkisten und Maoisten ist heftig.

Nette Hinweise auf Bücher, Buchregale sind vorhanden, was bei Autoren die aus der Buchbranche stammen vermutlich kein Wunder ist.

Der Krimi ist gut und rasch zu lesen. Ein ideales Buch für Regentage und zum Entspannen. Viel Spaß beim Lesen.

Die Kooperation im Buch von Wien und Berlin ist auch bei den Autoren dieses Buches, wobei Petra Hartlieb in Wien ist und Claus-Ulrich Bielefeld in Berlin. Beide sind in der Buch-Zunft als Kritiker, Ex-Kritikerin und Buchhändlerin verwurzelt.

Donnerstag, 15. Juni 2017

Juan Gómez Bárcena : "Der Himmel von Lima"

Juan Gómez Bárcena :
"Der Himmel von Lima"
Roman
original "El Cielo de Lima"
2014, Editorial Salto de Página, S.L. Madrid
Aus dem Spanischen von Steven Uhly
2016, Secession Verlag für Literatur, Zürich
308 Seiten
ISBN 978-3-905951-95-0

Der Roman führt durch vier Kapitel : Komödie - eine Liebesgeschichte - eine Tragödie - Ein Gedicht. José und Carlos sind reiche junge Männer in Lima (Peru) die sich als Dichter sehen, statt sich auf die Nachfolge in den Firmen der Väter vorzubereiten. Um näher an einen bewunderten Dichter in Spanien heranzukommen erfinden sie eine junge Frau, in deren Namen sie dem Dichter bewundernde Briefe zu schreiben mit dem Ziel ein Gedicht dafür zu erhalten. Die Briefe gehen 1904 / 05 noch per schiff, die Damen sind entweder elegant zurückhaltend oder in Bordellen beschrieben. Die jungen Möchte-gern-Dichter holen sich Ratschläge bei Magister Cristóbal, der auf dem Hauptplatz von Lima als Schreiber für Analphabeten und für Verliebte agiert. Der Dichter im fernen Spanien schreibt immer zärtlicher und verliebter, José und Carlos zerstreiten sich, der Dichter plant ein Schiff zu nehmen und die erfundene junge Frau darf endlich an Schwindsucht sterben.

Der Schreibstil ist langsam und bewußt. Der Autor nimmt sich Zeit das damalige Peru, seine alte Oberschicht, die Neureichen, die Hobbies der Reichen, aber auch Politik die Arbeitern etwas menschenwürdiges Leben zugestehen möchte, und Bordelle bei denen dieser Ehrgeiz nicht vorhanden ist zu beschreiben.

Im Mittelpunkt stehen für mich José und Carlos. Beide sind reich, aber Carlos' Vater hat sich vom Kautschukarbeiter hinaufgearbeitet. Er versucht seinen Sohn zum Mann zu machen und fast peinlich in die bessere alt-reiche Gesellschaft zu bringen. Während Jose kein Problem hat die Bordelle zu besuchen, ist es eines für Carlos. Da Carlos eine schönere Handschrift nachmachen kann und somit die erfundene 'Georgina Hübner'-Briefe schreibt, nennt ihn José halb scherzhaft halb ärgernd 'Carlota' was v.a. in der jungen Männer Runde zum Problem escaliert. José ist der verwegenere der beiden, sammelt aber die Briefe des angeschwärmten Dichters; Carlos erfindet als Bub einen imaginären Freund, weshalb er auch eher das Gespür hat wie sich die erfundene Frau verhalten könnte.
Faszinierend finde ich die Gestalt des Magister Cristóbal, der nach einem Krieg als Schreiber am Hauptplatz zurückkehrt. Die Kapitel in denen er den beiden jungen Männern über den Reiz und Nicht-Reiz der Frauen die Chemie zwischen Mann und Frau zu erklären sucht sind sehr unterhaltsam.

Eigenartig sind die Stellen in denen Carlos zu einer Hure geht. Die anderen Mädchen/Frauen in dem Haus haben Namen, nur die die er besucht ist/bleibt namenlos.

Der Schriftsteller vergleicht Liebesgeschichten aus der Literatur wobei "María" von Jorge Isaacs aus Kolumbien neu für mich war.

Für diesen Roman sollte man sich Zeit nehmen, denn er ist nicht einfach von links oben nach recht unten zu lesen; ich habe ihn aber genossen. Viel Freude beim Lesen !
   
Juan Gómez Bárcena wurde am 5. Dezember 1984 in Santander (Spanien) geboren. Er studierte Literaturtheorie und Vergleichende Literatur sowie Geschichte in Madrid und auch Philosophie. Er arbeitet als spanischer Autor, Literaturkritiker  und Dozent für 'Kreatives Schreiben'. Derzeit lebt er in Barcelona.

Sonntag, 7. Mai 2017

Christiane Franke, Cornelia Kuhnert : "Mörderjagd mit Inselblick"

Christiane Franke, Cornelia Kuhnert :
"Mörderjagd mit Inselblick" - Ein Ostfriesenkrimi
2017, Rowohlt Taschenbuchverlag
265 Seiten + 10 Seiten Rezepte + 1 Seite Danksagung + 3 Seiten Stammpersonal
ISBN:  978-3-499-29061-9

In dem mittlerweile vierten Band findet die Mörderjagd von Rosa, Rudi und Henner bei einem Krimi-autoren-Festival auf diversen Inseln statt. Henner ist auf Kur und versucht allen Verkupplungsversuchen der Familie auszuweichen. Rudi hat Probleme weil sein direkter Vorgesetzter krank ist, und der Ersatz sich zu profilieren versucht. Bleibt Rosa in deren Gegenwart drei Autoren versterben, und die alles versucht hier den Mörder und seine Methode(n) zu entlarven. Ihre Gespräche mit den Autoren, und Kritikern sind amüsant zu lesen, bis am Schluß der Mörder entlarvt wird.

Der Krimi ist gemütlich und rasch zu lesen. Die Personen - bekannte und neue - sind markant und freundlich geschildert, selbst wenn es Ekelpakete sind. Das Essen bei Henners Mutter im Rahmen der Familie ist mit üppigem Essen und Intrigen sehr unterhaltsam beschrieben.

Im Hintergrund wird die Wichtigkeit von Kritikern, Lesungen der Romane beschrieben, aber auch was das unüberlegte Geschreibe in einer Internetzeitung ausmachen kann. Das Hickhack zwischen begabten und leider weniger begabten Autoren ist heftig und löst Negatives aus.

Mord mittels Grünkohlpraline stelle ich mir aber eher nicht g'schmackig vor.

Leider kenne ich mich in Ostfriesland nicht aus, aber die Beschreibungen von Ebbe und Flut, dem Glitzern des Meeres sind spannend. Bei den Namen der Inseln bin ich leider ausgestiegen.
Ich hätte mir auch durchaus ein Glossar auf den letzten Seiten mit ostfriesisch - Schriftdeutsch gewünscht. (z.B. daß Jever eine Biermarke ist weiß leider nicht jeder).

In Summe ist es ein sehr unterhaltsamer Roman der genau das richtige für ein verregnetes Wochenende oder nach einem anstrengenden Tag ist. Viel Spaß beim Lesen !

Christine Franke wurde 1963 an der Nordseeküste geboren und lebt auch jetzt noch dort. Zuerst arbeitete sie als Bankkauffrau, bis 2000 ihr Erstling erschien. Neben ihrer Tätigkeit als Autorin und Herausgeberin arbeitet sie als Dozentin für kreatives Schreiben.
Cornelia Kuhnert wurde 1956 Hannover geboren, lebt auch jetzt noch dort. Sie studierte Germanistik und Geschichte. und arbeitete dann als Lehrerin und im Stadtrat.  Sie hat bereits einige Kriminalromane veröffentlicht.
Gemeinsam erschienen : Band 1 "Krabbenbrot und Seemannstod" erschien 2014, "Der letzte Heuler"(2015) und "Miss Wattenmeer singt nicht mehr" (2016).

Dienstag, 29. November 2016

Peter Henisch : "Suchbild mit Katze"

Peter Henisch :
"Suchbild mit Katze"
2016, Deutike im Zsolnay Verlag Wien
198 Seiten
ISBN 978-3-552-06327-31

Auf dem Cover ist ein Bub mit Katze, umrahmt von Menschen die den beiden zusehen könnten. Der Autor beschreibt in Ich-Form in Bezug zu der Katze seiner Kindheit, einem schwarzen Kater namens Murli, und dem 'Jetzt', mit einer dreifarbigen Katzenschönheit namens Mimí beides in Wien.
Großteil der Geschichte nimmt sprunghaft die Kindheit des Buben der drei Jahre alt ist, als der zweite Weltkrieg vorbei ist, dessen Vater als Photograph zuerst für die Wehrmacht, dann für alle Zeitungen tätig ist, wie das Wien nach dem Weltkrieg für ein Kind aussieht. Er beschreibt den Schutt, den Aufbau, den Schwarzhandel, aber auch die Eltern seines Vater mit 'belesener' Großmutter und den Eltern seiner Mutter deren Vater Lokomotivfahrer und überzeugter Sozialist ist. Das Jetzt ist in einem hübschen Haus mit Blick ins Grüne, wo er einer jungen Journalistin versucht seine Welt zu erzählen. Es kommt noch eine Katze vor - der rote Kater Hoffmann, den sich die Tochter wünscht und der lange bei der Familie lebt.

Der Autor zeichnet die Szenerien schön in die Phantasie. Wie er die Annäherung und Entfremdung an die Nachbarstochter Friedi beschreibt, die roten Haare deren Mutter, die Streitereien und Anziehungen zwischen seinen attraktiven Eltern mit all ihren Problemen.

Orte des Geschehens sind der dritte Bezirk um die Keinergasse, der achtzehnte um die Schulgasse, der zehnte um die Hasengasse und auch der fünfte.
Situationskomisch war es beim Lesen hier über die Stichwahl mittels kleinen Plakaten an Zäunen zwischen Schutt und Baustellen zwischen Körner und Geißler 1951 als Bundespräsidentschaftskandidaten für Österreich zu lesen, und gleichzeitig den österreichischen Wahlkampf zwischen Van der Bellen und Hofer in den aktuellen Medien mitzubekommen.

Witzig ist wenn er beschreibt, daß die Software am Computer bei älteren Wörtern wie 'belesen' und 'umfehdet' (aus der neuen österreichischen Bundeshymne) rote Linien baut. Auch 'bakschierlich' wird erklärt.

Das Buch ist zwar schön zu lesen, aber keines das 'verschlungen' werden kann; dazu sind mir die Szenen zu behutsam und zu sehr wie  ein Aquarell geschrieben. Viel Freude beim Lesen !

Peter Henisch wurde am 27. August 1943 in Wien geboren. Sein Vater arbeitete als Photograph während des zweiten Weltkrieges und auch danach. Peter Heinisch studierte Germanistik, Philosophie, Geschichte und Psychologie. Er war Lokalredakteur bei der sozialistischen 'Arbeiterzeitung'. Seit 1971 lebt er als freier Schriftsteller in Wien, Niederösterreich und in der Toskana. Er gründete die Zeitschrift für Literatur 'Wespennest' und war auch musikalisch aktiv.
1971 erschien sein erste Werk 'Hamlet bleibt'. Das bekannteste Werke ist der Roman 'Die kleine Figur meines Vaters' 1975 / 2003 aktualisiert.

Mittwoch, 31. August 2016

Ulrich von Lilienfeld / Roland Martin : "Die Lilienfelder concordantiae caritatis"

Roland Martin : "Die Lilienfelder concordantiae caritatis"
Stiftsbibliothek Lilienfeld Cli 151
2012, Akademische Druck- u. Verlagsanstalt, Graz
79 Seiten, Weichcover
ISBN 3-204-01780-9

Ulrich von Lilienfeld verfasste nach seinem Rückzug als Abt des Zisterzienserklosters Lilienfeld (1345-1351) das Werk "Concordantiae Caritatis" (Konkordanzen der Liebe), das mit 263 Blättern und 245 Miniaturen als der umfangreichste Zyklus verschiedener Geschichten aus dem Mittelalter gilt.

Der Hauptteil besteht aus je einer Bildgruppe auf der linken Seite und dem erklärenden Text auf der rechten Seite des aufgeschlagenen Buches. Dem Evangelium jedes Sonn- und Feiertags und der Legende des jeweiligen Tagesheiligen (bzw. Gruppen von Heiligen) werden je zwei Entsprechungen vor allem aus dem Alten Testament und aus dem Tierreich gegenüber gestellt. Diese Methode übernahm Ulrich von Lilienfeld er von ähnlichen, ebenfalls umfassend illustrierten Werken. Ein Anhang, der teilweise auch mittelhochdeutsche Texte enthält, befasst sich vor allem mit den Tugenden und Lastern.

Die Originalhandschrift, die Ulrich teilweise selbst geschrieben hat, befindet sich noch heute in Lilienfeld. Es gibt vier unterschiedliche Illustratoren, von denen einer grandios war und 'fortschrittlicher Meister genannt wird, der zweitbeste Illustrator wird 'Hauptmeister' genannt und die zwei anderen waren bemüht aber lange nicht so innovativ wie erste. Die Mimik des ersten ist aussagekräftig, und die Falten werfen sich spürbar um die Figuren - im Gegensatz zu den anderen Zeichnern, die eher Einheitsgesichter haben und die Falten auch nicht plastisch sind.

Mich haben die Szenen mit den Naturzeichnungen bz.w. deren Vorstellungen am meisten fasziniert. Ein Delphin wirkt wie ein Gemisch aus Hecht und Sägezahnfisch, Elephanten sind so klein wie Kühe und gehen den Menschen bis zur Achsel, dafür sind Bienen ziemlich groß geraten. Trotzdem sind die Zeichnungen entzückend.

Leider sind die zwei Seiten, die mich persönlich interessieren nämlich der "Rat der Vögel"-Baum in dem schmalen Band nicht abgebildet.  - aber im Internet nachzusehen (Der Zaunkönig sitzt an der Spitze des linken Baumes und bittet seine Artgenossen um Rat. Alle Vögel auf der rechten Seite des Baumes raten zu einem lasterhaften Leben, während die Vögel auf der linken Seite, also zur Rechten des Zaunkönigs, zu einem tugendhaften Leben raten. Der Eisvogel am Fuß des rechten Baumes nimmt die Ratschläge entgegen.)

Der Katalog ist schön zum durchblättern, zum Lesen der Erklärungen (auch wenn hier manchmal sehr kunsthistorisch beobachtend argumentiert wird). Die Phantasie der Zeichnungen hat mich fasziniert.

Ulrich von Lilienfeld (Ulricus Campililiensis) wurde ca. 1308 in Klosterneuburg oder Wien geboren. Er trat ca. um 1327 in das Stift Lilienfeld (Zisterzienserorden)ein, von 1345 bis 1351 war er Abt des Stiftes Lilienfeld, wo 1358 starb. Er trat von seiner Position als Abt zurück um sich seiner Arbeit als Schriftsteller widmen zu können.

Nachtrag : Das Stift Lilienfeld (südlich von St. Pölten in Niederösterreich) mit seinem gotischen Dom und Kreuzgängen ist einen Besuch wert. Viel Freude dort !

Montag, 16. Mai 2016

Tomás González : "Das spröde Licht"

Tomás González :
"Das spröde Licht"
Roman
original "La luz dificil"
2011, Verlag Alfaguara, Bogotá
Aus dem Spanischen von Rainer Schultze-Kraft und Peter Schultze-Kraft
2012, S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt a. Main
165 Seiten
ISBN 978-3-10-026605-7

In diesem dichten, etwas spröden Roman erzählt der Maler David sprunghaft von dem Leben seiner Familie, das durch den Autounfall das ersten Sohnes ziemlich umgekrempelt wird. Die Familie war aus Kolumbien zuerst nach Miami ausgewandert, dann lange in New York bis er im Alter mit seiner wunderschönen, erdenden Frau Sarah wieder an La Mesa in Kolumbien siedelt.
In New York sind das Einkommen von Sara als Krankenschwester, sein werdender Ruhm als Mahler und dann der Unfall von Jacobo bestimmend. In dem Roman wird immer wieder auf die Folgen des Unfalls inklusive Schmerzen trotz Rollstuhl, und der Entscheidung den Freitod zu suchen umkreist; die Nacht in der die Schmerzen beendet werden sind der Angelpunkt auf den immer wieder in ganzen Kapiteln später sprunghaft in einzelnen Absätzen zurückgegriffen wird.

David beschreibt alles aus seiner Sicht, wie er zuerst malt und malte während Sara die Familie erhält, und alles organisiert. Er beschreibt die Farben die er sieht und die Formen, die Flammen in seinem Inneren, den Rost der Fahrräder, Pfeilschwanzkrebse, Gischt und wie er sich müht diese auf großformartigen Bildern abzubilden, die sich zum Glück für die Familie gut umsetzen.

Die Familie besteht aus Jacobo der den Unfall hatte, seine Physiotherapeutin und dann Freundin Venus, Bruder Pablo der Photograph wird und der jüngste Arturo der um die Zeit des Freitodes eine flippige junge Freundin namens Amber hat. Ergänzt wird die Familie von Kater Cristobál und Pagagei Sparky. David und Sara finden Freunde, die sie ihr ganzes Leben begleiten, und auch in der Nacht beistehen.

Schön sind die spanischen Ausdrücke, die immer wieder in der deutschen Übersetzung gebracht werden: 'chontaduros' (Süßigkeit), 'Macho sapiens' (etwas böse), 'Pielroja' (ist das eine spezielle Zigarette ohne Zusätze), 'Aguardiente' (kolumbianischer Schnaps aus Anis und Zuckerrohr) bis 'Envigado' (grüne Ausläufer von Medellín).

Der Roman ist nicht so schnell lesbar, weil die Beschreibungen schöne Bilder im Kopf machen und weil die Hoffnung und Angst um den Freitod wie ein Bumerang immer wieder kommen bis ein Schlußstrich kommt. Ein eindrücklicher starker Roman, den ich sehr genossen habe. Viel Freude beim Lesen !

Tomás González wurde am 18. März 1950 in Medellín / Kolumbien geboren. Er studierte Philosophie in Kolumbien, arbeitete hinter einer Bar, betrieb in Miami eine Fahrradwerkstatt, war Journalist und Übersetzter in New York und schrieb Gedichte, Erzählungen und Romane. 2002 kehrte er nach Kolumbien zurück und lebte acht Jahre lang in Chia, einem Städtchen an der Stadtgrenze von Bogotá. Heute lebt er nördlich der kolumbianischen Hauptstadt im Department Cundinamarca.
Sein erstes veröffentlichtes Buch ist 'Primero estaba el mar' in 1983, das auf deutsch 2010 beim Fischer Taschenbuch Verlag erschien.

Montag, 18. April 2016

Per J. Andersson : "Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden"

Per J. Andersson :
"Vom Inder, der mit dem Fahrrad bis nach Schweden fuhr, um dort seine große Liebe wiederzufinden" - eine wahre Geschichte
original "New Delhi - Bords"
2013
Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann
2015, Kiepenheuer & Witsch
312 Seiten + 12 Seiten Photos in sw
ISBN 978-3-462-04747-9

Pikay ist der jüngste Sohn einer Familie der Kaste der Dalait im indischen Bundesstat Orissa (seit 2011 Odisha). Er wächst geliebt und behütet auf; erst in der Schule lernt er was er als Kastenausgestossener alles nicht darf und muß brutale Zurückweisungen erfahren. Ihm wird die Schulausbildung ermöglicht, und ein Lehrer erkennt, wie grandios er zeichnet und daß er auf die Kunsthochschule in Delhi soll. Da die Stipendienzahlungen ausfallen, zeichnet er am Springbrunnen Porträits. Dadurch und durch Freunde kann er im wahrsten Sinne überleben. Es ist die Zeit der 70-er Jahre in denen Indira Ghandi erstmals regiert und europäische und amerikanische Jugendliche die Spiritualität Indiens bereisen und besuchen kommen. Hier kommt auch Lotta aus Schweden, die eine Parallelität zwischen einigen schwedischen und indischen Stoffmustern erkennt und den mittlerweile berühmten Zeichner am Brunnen kennenlernt.
Im zweiten Teil des Buches reist Pikay zuerst mit dem Fahrrad durch Pakistan, dann dem Iran, und mithilfe von Freunden weiter nach Istanbul, dort wieder mit Hilfe weiter nach Wien, und dann wieder mit Hilfe weiter nach Schweden. Dort bauen er und Lotta wirklich ein gemeinsames Leben inkl. Heirat und Kinder auf, wobei er beruflich wieder seine künstlerische Seite lebt.

Da Buch liest sich wie eine Art Märchen in dem zwar einige Menschen nicht angenehm sind, aber auch auch wieviele freundlich sind und weiterhelfen.

Von Indien wird der Bundesstaat Orissa geschildert mit seinem unterschiedlichen Kastenwesen, den Trennungen zwischen Waldmenschen die mit den Göttern und Geistern des Waldes vertraut sind aber von allen anderen mißtrauisch bis abwertend behandelt werden, und dann der großen Stadt Delhi mit den vielen unterschiedlichen Menschen aber einem gemütlichen Café mit offenherzigen Menschen die ihn einladen, seine Zeichnungen schätzen und weiterhelfen. Durch die Zeichnungen öffnen sich manche Pforte für ihn bis hinauf zu Indira Ghandi.
Ihm immer wieder seine Nicht-Kaste vorgehalten, auch wenn offiziell das Kastenwesen abgeschafft wurde. Für andere Menschen, v.a. in Künstlerkreisen, ist dieses Schachteldenken nicht vorhanden.

Durch seine Zeichenkenntnisse und gewinnende Art gelingt es ihm bei der Reise durch Pakistan, und Afghanistan auf dem Rad durchzuhalten und sich weiterhelfen zu lassen. Es ist faszinierend zu lesen wie Pikay damals Pakistan und Afghanistan Mitte der 70-ger Jahre schildert, vor allem wenn man sich die aktuellen polisch-verfeindeten Verhältnisse ansieht. Auch im damaligen Persien / heute Iran kam man ihm hilfreich und freundlich entgegen. Auch in Wien bekommt er Hilfe, Wohnung, Zugkarte und kann Zeichnungen verkaufen.

Die Situationen die ihm dann in Schweden Probleme machen sind eher als Kulturunterschied zu sehen ? Wenn er Floskeln über das Wetter für Small Talk, ernst nimmt, oder Worte so vermischt, daß sie als Beleidigungen verstanden werden. Aber er lernt die Sprache und wird so ernst genommen, daß er als Zeichenlehrer arbeiten kann. Spät lebt er dann die Spiritualität mit Yoga und Meditation, die eigentlich mit Indien assoziiert wird.

In Summe ein wunderbares Buch das ich sehr genossen habe, vor allem weil es positiv stimmt. Diese Freude wünsche ich auch anderen Leserinnen und Lesern !

Per J. Andersson wurde 1962 in Halstahammar (Provinz Västmanland/ Schweden) geboren. Er ist Mitbegründer von Schwedens bekanntestem Reisemagazin Vagabond und viel gereist.

Freitag, 29. Januar 2016

Isabel Allende : "Amandas Suche"

Isabel Allende :
"Amandas Suche"
Roman
original, "El juego de Ripper"
2014, Plaza & Janés Barcelona
Aus dem Spanischen von Svenja Becker
2015, Suhrkamp Berlin
470  Seiten
ISBN 978-3-518-46600-1

Dieser Roman ist der erste Kriminalroman, den die berühmte Schriftstellerin geschrieben hat. Sie hat einen Kosmos von unterschiedlichen Menschen in San Francisco angesammelt und erzählt  die Geschichte in einem Gemisch mehr Roman als Thriller mit Serienmörder, bei dem der Leser/die Leserin durchaus mitraten könnte wer der Mörder ist.

Amanda ist eine 17-jährige blitzgescheite junge Frau, deren Mutter Indiana mit esoterischen Mitteln und viele Liebe ihren Patienten hilft, und deren Vater Bob Martín in der Polizei arbeitet. Amanda hat ein Netzwerk von innovativen Mitstreitern via Internet über die Welt verteilt und kommt Gemeinsamkeiten bei Morden auf die Spur. In der Zwischenzeit hat Indiana Probleme weil ihr langjähriger Freund sie betrügt, sie Gemeinsamkeiten mit einem Navy Seal entwickelt und einem Psychopathen in die Hände fällt. Die Morde geschahen als Rache auf mehrfachen Kindsmißbrauch, und zu scharfe Gesetze die tw Kindsmißbrauch fördern.

Der Roman ist sehr gut zu lesen, bei denen die geschilderten Menschen am meisten Freude machen.
Die Figuren von Amanda, der 17-jährigen Schülerin, und ihrem Großvater Jake, einem Apotheker, sind wunderbar und gehen zu Herzen. Amandas Mutter Indiana ist zwar warmherzig und mit blonden Haarwuscheln geschildert, aber irgendwie ging sie mir mit ihrer naiven Esoterik etwas auf die Nerven. Bob Martín ist ein charmanter effizienter Polizist, mit vielen Affären. Im zur Seite steht Petra Horr, eine zarte wirkenden, aber durchtrainierte und klar denkende und helfende Polizistin. Bobs Familie sind Mexikaner, die in den Staaten etwas aufgebaut haben, und mit mexikanischer Herzlichkeit Amanda und ihrer Familie zur Seite stehen.
Indians Langzeitliebhaber Alan Keller, wird als Nichtstuer und Snob der oberen Gesellschaft geschildert, der Indiana immer wieder Freude gemacht.
Indianas Kunden sind unterschiedlich : der Navy Seal Ryan Miller, der im Irak viel erlebt hat und seitdem mit einer Prothese lebt, und das Leben sportlich meistert; Gary Brunswick, bei dem sie nicht an des Wurzels Übel kommt, die krebskranke Carol Underwater etc.
Netterweise gibt es auch Kriegshund 'Attila' der mit Ryan lebt, und die gemeinsam ihre Kriegsverletzungen aufarbeiten, und eine nette Tierkatze die in der deutschen Übersetzung den Namen 'Rettet-den-Thunfisch' abbekommen hat, und Amanda tröstet.

'Ripper' heißt nicht nur der ominöse Killer Londons sondern auch das Spiel, das Amanda mit ihren ziemlich gleichaltrigen Freunden in Canada und Neuseeland via Internet spielt.

In Summe hat mir das Buch mit seiner romanhaften Dichte sehr sehr gut gefallen. Der Showdown ist sehr spannend und gut gelungen. Ob die Story ein Krimi ist muß jeder/jede selbst entscheiden. Viel Freude beim Lesen !

Isabel Allende Llona wurde am 2. August 1942 in Lima (Peru) geboren. Sie ist eine Nichte des ehemaligen Präsidenten Salvador Allende. Da ihre Mutter mit einem Diplomaten verheiratet war, ging sie in lateinamerikanischen, europäischen und arabischen Hauptstädten zur Schule.
Von 1959 bis 1965 arbeitete sie als bekannte Fernsehjournalistin für den Informationsdienst der FAO). Ihr erstes Kind Paula wurde 1963 geboren; sie nannte eine Frauenzeitschrift ebenfalls Paula, entwickelte eine Kinderzeitschrift und eine Filmzeitschrift.
1975 ging sie ins Exil nach Venezuela, wo sie wieder als Journalistin arbeitete. Ihr Erstlingswerk als Romanautorin "Das Geisterhaus" erschien 1982 auf spanisch "La casa de los espíritus", wurde ein  und Bestseller und wurde auch als Film 1993 ein Welterfolg. Ihr Roman "Paula" erschien 1994; hier verarbeitete sie deren Koma und Krankheit an  Porphyrie. Viele weitere Roman und Erzählungen von ihr wurden veröffentlicht.
Ab 1988 lebte sie mit ihrem zweiten Ehemann in San Rafael (Kalifornien).

Freitag, 15. Januar 2016

Alison Nastasi : "Artists and their cats"

Alison Nastasi :
"Artists and their cats"
2015, Chronicle Books, San Francisco
101 Seiten
ISBN 978-1-4521-3355-3

Künstler und ihre Katzen sind ein wunderbares Thema. In diesem Buch sind auf einer Seite Photo oder Gemälde eines Künstlers/einer Künstlerin meist mit Katze/Kater/Katzen abgebildet - gegenüber wird entweder erzählt wie es zu diesem Photo kam, oder wer es aufgenommen hat, oder welche Beziehung zu Katzen im allgemeinen oder zu diesem Zimmertiger im Speziellen hatten.

Die Künstler sind mehrheitlich männlich, aber es gibt einige großartige Pionierinnen dabei. Es sind viele Photographen angesammelt aber auch ein Puppenkünstler. Der Großteil der Künstler/-innen ist aus den amerikanischen Staaten, einige Franzosen, ein Asiate, eine Mexikanerin, und sonst gemischte Europäer/-innen sind genannt. Einige Menschen sind Ikonen der Kunst, andere waren mir eher unbekannt. Die Liste ist nach Vornamen sortiert.

Im Vorwort wird ausgeführt, daß Künstler oft Grenzübertreter sind, die teilweise mit Charme (wenn notwendig auch ohne) ihre Ideen weiterentwickeln - ähnlich wie Katzen die meist eher rücksichtlos ihr Leben durchzusetzten versuchen (allerdings meist mit Charme).

Pablo Picasso, John Lennon (mit Yoko Ono) und Paul Klee (mit Lily Blum) genossen z.B. die Gesellschaft vieler unterschiedlicher Katzencharaktere. Salvador Dali hatte einen exotischen kolumbianischen Ozelot. Frida Kahlo hatte eine Menagerie von Tieren - darunter auch eine Katze.

Die Namensgebungen sind von humorvoll bis einfach gehalten. John Lennon und Yoko Ono nannten u.a. eine schwarze Katze 'Salz' eine weiße 'Pfeffer', eine andere wiederum 'Jesus'. Gustav Klimt nannte eine seiner Zimmertiger einfach "Katze", Hermann Hesse seine "Lion" und "Tiger", Matisse lebte unter anderem mit einer "Minouche".

Bei den Katzen gibt es von gemütlich schlafenden Schoßtieren bis zu neugierig den Schreibtisch inspizierenden bis etwas drastisch gesetzten eher unglücklich schauenden Schnurrwesen.
Es gibt viele Siamkatzen, und auch einfache gestreift-gestromte Hauskatzen; und wenige aber vorhandene Langhaar-/Perserkatzen.

Das Englisch ist teilweise 'sophisticated' mit feinen, eher selten genutzten Vokabeln um die besondere Atmosphäre von Künstlern und Katzen feinnervig zu beschreiben.

In Summe ein schönes Buch das Katzenfans viel Freude macht.

Alison Nastasi wurde 1976 geboren. Sie ist internationale Künstlerin und Journalistin. Sie lebt bis 2012 in Philadelphia.