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Samstag, 14. Juni 2025

Liza Markland : "Prime Time"

Liza Markland :
"Prime Time" - ein Annika Bengtzon - Roman
original "Prime Time
2002, Piratförlaget, Stockhom
Deutsch von Susanne Dahmann
2005, Rowohlt Taschenbuch Verlag
408  Seiten + 3 Seiten Danksagung
ISBN 978-6-499-23298-7

Annika muß nach der Geburts des zweiten Kindes nach der Karenz wieder zurück in ihre journalistische Arbeit, während ihr Partner mit den beiden gemeinsamen  Kindern einige Tage bei seiner Familie im Urlaub ist. Eine charismatische Fernsehmoderatorin war ein einem dort Regen abgeschlossenen Ort ermordet worden - weshalb es genug eindeutige Verdächtige aus der Medienbranche gibt, von denen jeder einiges zu verbergen hat.
Nebenbei kämpft der Herausgeber der Zeitung, in der Annika angestellt ist, gegen das Gefühl, daß der aktuelle Besitzer die Zeitung in den Abgrund und Verkauf führen möchte, und setzt Annika auf heimlich Recherche an.
Am Schluß hat Annika Insiderhandel aufgedeckt, die Zeitung gerettet und in einem großen Showdown wird der Mord aufgeklärt.

In dem Kriminalroman wird einiges aus dem Hintergrund des Fernsehjournalismus erzählt - Bänder recherche, Datenbank, Machtkampf und Intrigen mit Terminen, Menschen die es nie schaffen werden aber notwendig sind, und zerstörte Visionen weil zuwenig Kameracharisma vorhanden sein kann. Diese Abschnitte sind sehr glaubhaft, und habe mich am meisten berührt.

Nebenbei gibt es Familienthemen weil Annikas Partner einige Erwartungen seiner Familie zurecht rückt, und mit Glück sich auch seiner Arbeit neue Türen auftun.

Der Roman ist gut geschrieben und durchaus unterhaltend. Viel Spaß beim Lesen über die Medienbranche.

Eva Elisabeth „Liza“ Marklund wude am 9. September 1962 in Parmark, einem Dorf bei Pitea , in Stadt in der Provinz Norrbottens geboren . Sie  eine schwedische Journalistin, Krimiautorin und Gründerin des Verlages Piragförlaget. Annika BengtzonRomane erschienen ab 1999 auf schwedisch; mittlerweile gibt es 13 Romane. Ihr erster Roman war 'Mia. Ein Leben im Versteck', Originaltitel 'Gömda' (1995, überarbeitete Auflage 2000).

Samstag, 24. Mai 2025

Han Kang : "Deine Kalten Hände"

Han Kang :
"Deine Kalten Hände"
original 2002, Moonji Publishing
Aus dem Koreanischen von Kyong-Hae Flügel
3. Auflage 2023 Aufbau Taschenbuch
307 Seiten +  1 Seite Nachwort
ISBN 978-3-7466-3731-0

In der Rahmenhandlung wird die Erzählerin immer wieder von Skulpturen die schwebende Hände zeigen fasziniert.
Ihr wird ein Manuskript überspielt, in dem ein Künstler von seiner kaltherzigen Familie erzählt und wie er sich ins Funktionieren retten muß, und später Bildhauer wird. Er entwickelt seine spezielle Technik dünne Gipsabzüge von Händen zu nehmen, dieser Abzüge nochmals abzuziehen und zu bearbeiten. Ein rundliche Frau mit schönen Händen ist lange sein Modell, und er beginnt nicht nur Hände zu gestalten. Später sind es andere Frauen. Manchmal werde alle seine fertigen Werke zerstört, was ihn nur dazu bringt weiter zu arbeiten. Über einen Auftrag lernt er eine bildschöne perfekte Frau kennen, die er zuerst auch als Modell einsetzen darf, bis sie umgekehrt ihn als Modell für Gipsabzüge verwendet. Hier erkennt er, daß seine Technik für seine Modells extrem schmerzhaft ist. Die bildschöne Frau hat eine Hand-operation hinter sich, weil sie 6 Finger gehabt hatte; die seelischen Narben sind nie verheilt.
In einer Galerie könnten der Künstler und seine Freundin gesehen worden sein, aber das ist unklar.

Die Menschen in diesem Buch haben keine Namen, maximal Buchstaben. Allerdings waren die Beschreibungen sehr gut, und haben mich sehr berührt. Bei den Menschen waren für mich zwei Frauen in ihrem Wandel stark : die rundliche Frau mit starker Seele, die es schafft abzunehmen, dann bulemisch wird und mit dem gesellschaftlich gewünschten schlank sein ihre Persönlichkeit und Charme einbüßt; und die schöne Frau die durch ihre 6 Finger so geächtet war, daß sie sich auf perfekt trainiert mit perfekt abgestimmter Kleidung, vorschriftsmäßiger Wohnungseinrichtung und extrem angepaßter strahlender Höflichkeit und Schönheit. 

Manchmal reist der Künstler, aber mir die koreanische Geographie und Städte nichts sagen, war mir das nicht wichtig.

Mich hat das Gemisch aus getrieben sein und dann wieder kompletter Abgehobenheit des Künstlers fasziniert; manchmal ist er was, dann auch wieder nicht; er arbeitet wenn ihn eine Idee gepackt hat ganz intensiv. Als praktisch denkender Mensch habe ich manchmal überlegt, wie er dieses Leben finanziert ..

In Summe ein grandioser Roman der mich sehr berührt habe, auch wenn die Gesichter für mich gesichtslos geblieben sind. Viel Freude beim Lesen !

Hang Kang wurde am 27. November 1970 in Gwangju, Provinz Süd-Jeolla, Südkorea geboren. Sie studierte koreanische Literatur in Seoul, und begann danach Gedichte und Prosa zu veröffentlichen. Nebenbei arbeitete sie als Journalistin. 2007 erschien ihr erster Roman "Die Vegetarierin" auf koreanisch, der 2016 auf deutsch erschien. 2024 erhielt sie den Literatur-Nobelpreis.

Dienstag, 29. April 2025

Gerhard Roth : "Der Strom"

Gerhard Roth :
"Der Strom"
Roman
3. Auflage 2002 S. Fischer
337  Seiten + 4 Seiten Inhaltsverzeichnung + blaues Lesebändchen
ISBN 3-10-066056-0

Thomas Mach wird vom Reisebüro seines Onkels in Österreich nach Ägypten gesandt um herauszufinden, was mit seiner Vorgängerin Eva Blum als Fremdenführerin passiert ist, da sie über den Hotelbalkon gefallen oder gesprungen war. Er folgt hier mehr seiner inneren Stimme und den Notizen Eva Blums als den Wünschen eines deutschen ehemaligen Polizisten und einen Arbeitskollegen von Frau Blum. Er kutschiert durch Kairo und seine Vororte, er fährt nach Alexandria und in die Oase, er besucht eine Moschee und Menschen auf Hausbooten in der Corniche von Kairo. Er bleibt in Ägypten.

Eigentlich soll ein möglicher Mord aufgeklärt werden, aber in dem Roman bewegt sich Thomas durch eigenartige, skurille und sehr ägyptischen Situationen und Gegenden; er hat keine Scheu vor den Handwerksbezirken, den Friedhöfen in denen die Armen leben.
In den Notizen Eva Blums findet er mehrsprachige Informationen über Orte, und ein Kloster in einer Oase; auch stellt er fest, daß sie koptisch kann.

Die Stimmung ist für mich oft unwirklich als ob Thomas mach wie in einer Traumlandschaft unterwegs ist; wenn der den Witwer von Eva Blum einen Tag lang verfolgt wird es teilweise sehr skurril.
Ebenso unwirklich wirkt es wenn er sich mit seinem Chauffeur einem älteren Mann versucht zu unterhalten, ohne daß einer auch nur eine Sprache des anderen sprechen kann. Die beiden finden eine gemeinsame Sprache.

"Der Strom" ist Teil des Romanzyklus "Orkus", an dem der Autor 1995 bis 2011 geschrieben hat.

Der Roman hat mich in den Bann gezogen. Der Nil glitzert und ist ruhig, und immer vorhanden als Lebensmotor in Kairo und Alexandria. Der Krimi ist für mich kein Krimi, sondern ein träumender Roman. 

Viel Freude beim Lesen.

Gerhard Roth wurde am 24. Juni 1942 in Graz, er starb am 8 Februar 2022. Er begann Medizin zu studieren, sattelte dann auf Organisationsleiter eines Rechenzentrums um, und hatte seine erste Veröffentlichung 1972. Später reiste er nach Amerika und schrieb weiter. Er war Erzähler, Dramatiker und Essayist und auch Drehbuchautor.

Donnerstag, 10. April 2025

Alaa al-Aswani : "Der Jakubijan-Bau"

Alaa al-Aswani :
"Der Jakubijan-Bau"
original "Imârat Ya'qûbyân!
2002, published by arrangement with the American University in Cairo Press
Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich
(2007), 4. Auflage 2011, Lenos Pocket 123, Basel
354 Seiten + 2 Seiten 'Die wichtigsten Personen' + 7 Seiten Nachwort
ISBN 978-3-85787-723-0

Der "Jakubijan-Bau" in der Suleiman Pascha Straße hat schöne Wohnungen, schöne Geschäfte und je höher es geht umso einfachere Behausungen, vor allem auf dem Dach. In diesem Roman erzählt der Autor das Leben einiger wie ihnen das Leben spielt oder auch wie sie mit dem Leben anderer spielen.
Taha lernt und will auf die Polizeischule, was ihm trotz seiner Noten nur wegen seiner Abstammung zu einem Torhüter verwehrt wird. Ihm wird mitgeteilt daß er studieren darf, lernt dort sehr gläubige Menschen kennen und folgt einem manipulativen Scheich. Sein Aufenthalt im Gefängnis bringt ihn weiter auf die aggressive Bahn, die schlecht für ihn ausgeht.
Buthina ist seine ehemalige Freundin. Als intelligente Frau ohne Vater kann sie nicht weiterstudieren, muß arbeiten gehen und lernen wie man als hübsche Frau mit lästigen Männern umgeht. Durch eine List wird sie Assistentin von Saki, einem nicht mehr ganz jungen Bonvivant mit Faible für schöne Frauen. Sie hilft ihm und die Geschichte geht gut für sie aus.
Hatim ist ein gescheiter, belesener aber einsamer und homosexueller Chefredakteur. Seine Verbindung zu einem jungen attraktiven verheirateten Soldaten wird für den jungen Mann immer problematischer. Hatim hilft ihm weiter, die Beziehung hat keine Chancen.
Hagg ist ein Unternehmer mit vielen Beziehungen und dem Wunsch auch politisch aufzusteigen. Er findet immer die richtigen Leute die ihm die richtigen Ratschläge geben - sei es für die Politik als auch für sein Privatleben. Er heiratet heimlich die junge schöne Suad, wobei sie nur als seine geliebte gilt und kein Kind von ihm haben darf. Als doch ein Kind entsteht weiß ein machtbewußter Scheich wie man auch dieses Problem - dem Koran zum Trotz - erledigt.
Als Nebenfiguren gibt es den Diener von Saki, der geschäftstüchtig ist und mit seinem Bruder weiß wie man gut mit Nebengeschäften und Brutalität durchkommt.

Die Menschen sind teilweise gut gezeichnet, manchmal auch etwas plakativ. Die Lebensgeschichten der einzelnen Menschen ist intensiv geschrieben, die einen in ihrer durch Ungerechtigkeit angestachelten religiöser Überzeugung, andere die durch Anpassung versuchen etwas besser zu leben.

Die beiden Scheichs werden skrupellos geschildert, der eine für die religiöse Sache, der andere zum Nutzen der Reichen und Schaden der Armen.

Unter die Haut ging mir das Schicksal von Suad, die als zweite Frau vollkommen rechtlos ist, mit deren Bruder ein Vertrag über sie gemacht wurde, die ihren eigenen Sohn aus der Ehe davor nicht sehen darf, aber einem ältlichen Mann die reizvolle Frau spielt; sie paßt sich auch an als der Scheich kommt. Wie dann die Rache der Mächtigen über sie kommt fand ich schaurig.

Die Beschreibungen von Gewalt sind deftig, genauso von Sexualität. Der Roman ist kraftvoll wie er zwischen von den Schicksalen der Menschen erzählt, auch wenn er den Tod des kleines Kind des Freundes von Hatim beschreibt, oder die noch stärkere Verzweiflung Hatims auf der Suche nach Liebe und Beziehung als andere Figuren in dem Roman.

Mit den Orten der Handlungen konnte ich wenig anfangen, mir sind die Menschen nahe gegangen.

In Summe ein starker Roman, bei dem ich manchmal auch mit weniger Brutalität verstanden hätte, was der Autor bezweckt.

ʿAla' al-Aswani (vom Verlag verwendete Transkription Alaa al-Aswani) wurde am 26. Mai 1957 in Kairo geboren. Er war in Kairo im Lycee und studierte später Zahnmedizin in Kairo und Paris, mit späterer Weiterbildung in USA. Er ist Wortführer für die demokratische Opposition in Ägypten, war wichtig bei dem Sturz Mubaraks 2011. 2002 veröffentlichte er den Roman ʿImarat Yaʿqubian' (Der Jakubijan-Bau), 2006 schrieb er den Roman (ar.: 'riwayah') 'Shikaju', 2021 erschien sein Roman 'Die Republik der Träumer' über den Arabischen Frühling in Kairo. Er lebt seit 2019 zwischen Paris und New York im selbstgewählten Exil.

Dienstag, 30. Juni 2020

Bill Moody : "Auf der Suche nach Chet Baker"

Bill Moody :
"Auf der Suche nach Chet Baker"
original "Looking for Chet Baker"
2002, Walker & Company NY
Auf dem Englischen von Anke Caroline Burger
2012, Union Taschenbuchverlag 557
244 Seiten + 1 Seite Gedicht John Harvey + 1 Seite Vorwort von Russ Freeman + 1 Seite Dank
ISBN 978-3-293-20557-4

Evan Horne, Jazzpianist und Detektiv durch Gelegenheit, wird in den USA von einem Freund gebeten, bei einem Buch über Chet Baker mitzuarbeiten. Er lehnt ab, weil er nichts mehr recherchieren möchte, und weil ein Angebot in Amsterdam Jazz zu spielen lockt.
In Amsterdam angekommen kann er der Versuchung nicht widerstehen zwischen grandios beschriebenen Auftritten mit Jazz, doch den tödlichen Unfall Chet Bakers zu untersuchen. Er besucht ein Jazz Archiv in Amsterdam, ein ehemaliges Drogenviertel und fährt nach Rotterdam, und versucht alte Spuren zu finden. Am Schluß entdeckt er, daß ein Freund ihn ausgetrickt hat, und Chet Bakers Tod ist als Unfall endlich akzeptiert.

Der Roman ist ein Gemisch aus vielen vielen Jazz Legenden, Nennung von Standards, sowie dem Vermitteln wie Musiker gemeinsam auf der Bühne improvisieren - und einer Detektivgeschichte mit fiktionalen Gestalten.
Amsterdam ist gut geschildert, Amerika für mich nicht erfaßbar.
Die Leidenschaft der Musiker ist spürbar; faszinierend die Überlegungen über das Publikum, das manchmal nahe, manchmal ferne, manchmal erwünscht, und manchmal auch nur aufdringlich.

Chet Baker, hieß mit bürgerlichem Namen 'Chesney Henry Baker Jr.' . Er wurde am 23. Dezember 1929 in Yale (Oklahoma) geboren und starb am 13. Mai 1988 in Amsterdam. Er spielte Trompete und Flügelhhorn, sang selbst und war Komponist. Er nahm ungezählte Aufnahmen auf, manche davon technisch gut, einige eher schlecht. Drogen hatten zu starken Einfluß in seinem Leben.

Der Roman ist gut geschrieben und zog mich in den Bann, wobei dies vorallem die Absätze über Musik, Sehnsucht nach Balladen, die "moll-stimmung" des Protagonisten waren.

Viel Freude beim Lesen - mit Musik mit Chet Baker aus der Stereoanlage, oder in den Kopfhörern.

Bill Moody wurde am 27. September 1931 in Webb City ( Missouri) geboren; er starb am 14. Jänner 2018. Er war zuerst Jazz-schlagzeuger, später begann er über Jazz Bücher zu schreiben, ab 1994 begann er mit der Figur des Evan Horne Kriminalromane zu veröffentlichen.

Sonntag, 5. Juni 2016

Rita Mae Brown & Sneaky Pie Brown : "Mord auf Rezept"

Rita Mae Brown & Sneaky Pie Brown :
"Mord auf Rezept" - der 9. Fall mit Mrs. Murphy
original "Claws and Effects"
2001, Bantam Books, New York
Aus dem Englisch von Margarete Längsfeld
2002, Econ Ullstein
2 Bestseller in einem Band - gemeinsam mit "Rache auf leisen Pfoten" / "Pawing the Past"
2016 Ullstein Taschenbuch
ISBN 3-548-26384-4

Der Cheftechniker des Krankenhauses in Crozet wird ermordet aufgefunden. Nach einer Fuchsjagd wird auch der beliebte mittlerweile pensionierte Gemeindearzt ermordet aufgefunden. Harry (Mary Minor Harristeen) und Cynthia Coop(er) folgen Harrys zwei Katzen und Hund, die schon längst eine Geheimtüre in den Keller des Krankenhauses gefunden haben. Mrs. Murphy (Tigerkatze), Pewter (graue etwas rundliche Katze) und Tee Tucker (Corgi) helfen im Show-Down im Krankenhaus den Mörder (Grund: Geld und Gier) zu überführen.

Dieser Krimi spielt vor dem Hintergrund des Valentinstages mit viel Post, und Fuchsjagden. Eine uralte Liebesgeschichte wird aufgearbeitet, als eine imponierende schöne reiche Frau früher gefällte Entscheidungen überarbeiten kann.
Rundherum sind die Menschen die Fans dieser Serie gut kennen : Susan (Harrys beste Freundin), Miranda Hoggendobber (die in der Post mithilft und fantastisch böckt), die große und die kleine Mim (Sandburne), der Reverend mit seinen zwei Katzen, Fair (Harry Ex.mann), und auch Boom-Boom ist auch kurz dabei.

Pferde- und Fuchsjagd-fans werden diese Krimi vermutlich mehr als ich genießen können / dem Fuchs passiert nichts.

Als Katzenfan gibt es einige unterhaltsame Gespräche und Diskussionen zu lesen; das Geplänkel zwischen Hund und Katze(n) wer gescheiter oder überlegener wäre ist durchaus witzig. Das Buch ist ein gute Zerstreuung nach einem anstrengenden Tag oder bei anhaltendem Regen - Mitraten über den Mörder ist möglich ! miau !

Rita Mae Brown wurde am 28. November 1944 in Hanover (Pennsylvania / USA) geboren. Sie studierte Anglistik und Kinematographie und war aktiv in der Frauenbewegung. Sie war zuerst Schriftstellerin für feministische Literatur : Rubyfruit Jungle (1973) / 'Rubinroter Dschungel' .
Der erste Kriminalroman gemeinsam mit der Tigerkatze Sneaky Pie Brown als Mrs. Murphy war 'Wish You Were Here' (1990)/ 'Schade, dass du nicht tot bist' (Rowohlt, Reinbek 1992); mittlerweile ist der 21. Roman mit diesem bewährten Team erschienen.  Rita Mae Brown lebt als Schriftstellerin und Drehbuchautorin auf einer Farm in Charlottesville (Virginia).

Sonntag, 1. Mai 2016

Jörg Juretzka : "Fallera"

Jörg Juretzka :
"Fallera"
Kriminalroman
2002, Unionsverlag Zürich
210  Seiten
ISBN 978-3-293-20578-9

Kristof Kryszinski erzählt hier als Ich-Erzähler im fünften Band, von derzeit 13, wie er von der Polizei zu einer Begleitung von Behinderten bei einem Ausflug in die Schweizer Berge verdonnert wird. Hier stehen seine Drogenabhängigkeit und sein Ruf zur Bewährung an. Bergführer Toni leitet die gemischte Gruppe aus Behinderten aller Sorten und Knackis aus sieben verschiedenen Bundesländern Deutschlands. Leider wird er nach der zweiten Nacht tot aufgefunden, nach der dritten Nacht wird gerade noch rechtzeitig Frau Doktor Marx, die den Rollstuhl braucht, gefunden. Das muntere Gruppendezimieren geht weiter, als bewußt eine Lawine losgetreten wird. Eine wüste Erpressergeschichte mit Gold und ein tödlicher Verkehrsunfall durch Alkoholmißbrauch werden genannt, bis am Schluß ein kleine Restgruppe politischer Willkür entkommen kann.

Die Menschen des Romans sind ziemlich gemischt. Polizeimensch Menden wird respektlos geschildert, Drogenkurier Scuzzi mit trockenen Kommentaren, der bewertende Arzt am Berg Dr. Welfenheim ist klein und kugelrund. Die Behinderten sind die MS-beeinträchtigte Ärztin, der riesenwüchsige und stotternde Alfred, Sportler Horst im Rollstuhl, der spastische Uwe, der liebevoll Downsyndrom-Mann Egon und Christine mit Hirntrauma nach Pflasterstein am Kopf.
Die 'Knackis' sind Kristof, Ostbacke Ernesto Che, ExBiker Atze, Igelschnitt Alex, Rattengesicht Tom, Gewohnheitsverbrecher Sigismund Piepenkopp und Familienauslöscher Wurstauge.
Zwei Frauen werden genannt - Kim eine große Liebe von Kristof, die leider starb und Mona, mit der wieder Freude kommt.

Der Stil des Buches ist ziemlich flappsig bis schnoddrig. Respekt ist nicht wichtig, aber es kommt soetwas wie Verständnis zwischen den Menschen auf, und auch ein Miteinander.
Witzig ist die Art der Kommunikation bei der sich alles mischt, von kurzen Sätzen, einigen Silben bis zu mühsamen Ausdruck.

Orte der Handlung sind eine Stadt im Ruhrgebiet, und die Berge mit allen Wettern von Sonne, Nebel, Regen bis Schnee. Die Natur bietet  Steine, Bäume, Gräser und auch Höhlen an.

Mir war der Stil etwas zu flappsig und vieles zu konstruiert, aber dann wieder zu wenig skurril. Die Menschen und ihr miteinander war trotz anfänglicher Rauheiten gut zu lesen.

Jörg Juretzka, 1955 in Mülheim an der Ruhr geboren, ist gelernter Zimmermann und baute zuerst Blockhütten in Kanada, bevor er sich aufs Schreiben konzentrierte. 'Prickel', war sein Krimidebüt und der erste Fall für den Privatermittler Kristof Kryszinski, erschien 1998.

Dienstag, 19. Januar 2016

Lisa Scott : "Mord mit kleinen Fehlern"

Lisa Scott :
"Mord mit kleinen Fehlern"
Roman
original "Courting Trouble"
2002, Harper Collins N.Y
aus dem Amerikanischen von Tatjana  Kruse
2003, Wilhelm Goldmann Verlag München
372  Seiten
ISBN 3-442-35861-2

Dieser Kriminalroman, bei dem viele Frauen einer Anwaltskanzlei in Philadelphia wichtig sind, ist stromlininenförmig geschrieben. Die handelnden Personen sind meist attraktiv (leider klischeehaft), aber die Chemie zwischen ihnen ist oft nicht menschlich nachvollziehbar.

Die Story ist klar : gut aussehende Anwältin verteidigt einen sexuelle Belästigung Fall vor Gericht: während sie nicht in der Stadt ist wird ihre Katzensitterin mit ähnlichen roten Haaren ermordet. Sie verdächtigt den Stalker der ihr der Leben bereits einmal schwer gemacht hat, hat eine hinreißende Nacht mit dem Anwalt der gegnerischen Seite, Unterstützung aller Frauen in ihrer Sozietät und es gibt einen überraschenden Showdown. Das Motiv für den Mord ist das cirka älteste der Welt.

Alles wird gerade erzählt. Es gibt leider keine frechen unterhaltsamen Seitenlinien. Die Geschichte, daß ihre Mitanwältinnen, mit denen sie keinen Kontakt hat plötzlich über Nacht die besten Freundinnen seien, ist für Leserinnen und Leser die im normalen Büroarbeitsleben stehen ziemlich unglaubwürdig.

Im Internet war zu finden, daß dieser Band ist die Nr.7 in der Reihe "Rosato and Associates" sei. Leiterin des Anwaltsbüros ist Bennie Rosato, die offenbar als engagierte, 'toughe' gewiefte Anwältin gefürchtet ist; mit ihr als Anwältinnen sind Mary, die Mare oder Maria genannt wird, und liebevolle italienische Eltern hat sowie Judy, die offenbar die Rolle der reschen resoluten Frau hat. Die Mutter von Mary übernimmt den Anteil Esoterik, der aus keinem Grund notwendig ist.
Die Hauptperson Anne Murphy ist als etwas kurvige rothaarige Frau mit imponierendem Vorbau geschildert, die durchaus ihr Leben trotz alkoholkranker Mutter geschafft hat. In Philly lebt sie mit Kater Mel, um den sie sich nicht wirklich schlüssig für Katzenfans kümmert.

Weitere wichtige Menschen im Buch sind der Freund Gil, den sie vor Gericht verteidigen muß; er ist zuerst charmant, dann mühsam geschildert. Anwalt der Gegenseite ist ein (nona) gutaussehender Matt, der die Anklage für seine Mandantin und deren Ehemann führt.

Hintergrund der Geschichte sind die Feiern zum, 4. Juli bei denen die Polizei eher überlastet ist, viele Feiern auf den Parks und Straßen stattfinden, und sich dadurch einige Möglichkeiten zum Verkleiden und damit unentdeckt bleiben ergeben.

Die Geschichte ist insofern spannend geschrieben, als der Wunsch nach der Auflösung des Mordes blieb. Mir war der Krimi bei den vielen anspruchsvollen Kriminalromanen zu flach; hoffentlich gefällt die Geschichte anderen Leserinnen und Lesern besser als mir.

Lisa Scott hat als Anwältin für das US-Berufungsgericht und in einer großen Kanzlei in Philadelphia gearbeitet. Bereits ihr erster Roman »Die Katze war noch da« wurde von Publikum und Kritikern gleichermaßen gefeiert. Für ihr zweites Buch »Rosen sind rot« erhielt sie den Edgar-Allan-Poe-Preis, den begehrtesten Preis für Kriminalliteratur in Amerika. Ihre Bücher erschienen teilweise unter ihrem richtigen Namen Scott. Ihre Serienheldinnen sind die Anwältinnen der Kanzlei Rosato & Partner. Lisa Scott lebt als freie Schriftstellerin in der Nähe von Philadelphia. Achtung : nicht mit Lisa E. Scott verwechseln, die Liebes-Romanzen-Romane schreibt.

Samstag, 17. Januar 2015

Gabriel Trujillo Munoz : "Tijuana Blues"

Gabriel Trujillo Munoz :
"Tijuana Blues"
die vier Kurzromane sind gemeinsam unter "El Festin de los cuervos"
2002, Norma Ediciones Mexico-Stadt erschienen
Aus dem Spanischen von Sabine Giersberg
2006, Unionsverlag Zürich
253 Seiten
ISBN 978-3-293-00359-0

Die vier Kurzgeschichten sind in Mexicali nahe der amerikanischen Grenze lokalisiert. Der Anwalt    Miguel Ángel Mogado für Menschenrechte, der aus Mexicali kommt aber in den Vereinigten Staaten lebt ist mit vier unterschiedlichen Fällen beauftragt. Informationen kommen vom Feind-Freund, charakterisiert durch den FBI Mann Harry Jeremy Dávalos; und aus einer Gruppe Harley fahrender Männer, den "Cuervos" die in Mexicali Gutes tun und von Jimmy angeführt wird.

In "Mezquito Road" klärt er den Mord an dem versoffenen, spielsüchtigen Heriberto auf, dessen Witwe den posthumen schlechten Ruf bereinigen möchte. Letztendlich war er am falschem Platz bei einem Drogendeal gewesen.

In "Tijuana City Blues" geht Morgado der Geschichte des Kunsttischlers El Güero nach, dessen Vater mit dem Schriftsteller Burroughs befreundet war und verschwunden war. Morgado findet den Vater, einen ehemaligen Spion den das Doppelleben der Vergangenheit ziemlich egal ist.

"Loverboy" ist der Spitzname für einen verrückten jungen Mann, der mit einer berechnenden Frau Kinder entführt, Organe entnimmt und diese betuchten amerikanischen Eltern mit kranken Kindern verkauft. Leider bleiben die mexikanischen Kinder auf der Strecke, und Menschen die sich dagegen wehren auch. Am Schluß siegt eine eigenartige 'Gerechtigkeit'.

In "Laguna Salada" wird in der gleichnamigen Wüste ein männlicher Leichnam mit Füllfeder gefunden. Der Chef der "Chuervos" hilft hier bei der Aufarbeitung kräftig mit. Am Schluß stellt sich heraus, daß Radioaktivität die jemand anderen beseitigen sollte auch hier effektiv verscharrt worden war.

Die Geschichten sind gerade und schörkellos erzählt. Es gibt keine Nebenstränge.
Die Stimmung ist als trocken geschildert, Leben wird durch Alkohol und Sex gezeigt. Sex ist männlich geschildert und machte mir beim Lesen keinen Spaß.
Herzlichkeit und Wärme kommen nur bei den Kindern auf, und wenn es um Kunst geht.

Mich hat die Direktheit durchaus in die Geschichten hineingezogen. Gutes Hineinversinken !

Gabriel Trujillo Muñoz, geboren 1958 in Mexicali im Norden Mexikos, war ursprünglich Chirurg und hat heute eine Professur in Kommunikationswissenschaften an der Universidad Autónoma de Baja California inne. Seinen ersten Kriminalroman schrieb er 1987. Als Schriftsteller gilt er als Vertreter der »frontera«, als »die Stimme der Baja«.

Donnerstag, 31. Mai 2012

Albert Sánchez Piñol : "Im Rausch der Stille"

Albert Sánchez Piñol :
"Im Rausch der Stille"
2002, Edicions La Campana, Barcelona
aus dem Katalanischen von Angelika Maass
2005, S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt
Roman
246 Seiten
ISBN 3-10-061602-2

Ein Mann wird auf eine Insel inmitten der antarktischen Eisberge gebracht. Er soll dort für ein Jahr das Wetter beobachten. Der Wetterbeobachter, der abgelöst werden soll, ist nicht zu finden, dafür ein wortkarger Leuchtturmwächter. Das Schiff fährt ab. Der Kampf ums Überleben gegen eigenartige Wesen mit fischartigen Klaueen, die das Licht fürchten, und nur nächtens kommen beginnt.

Dank seines Vorlebens als irischer Untergrundkämpfer überlebt der Neuankömmling - bis ihn der andere Mann in den Turm läßt. Batís entpuppt sich als der frühere Wetterbeobachter, und geht in Strategien im nächtlichen Kampf gegen die - wie er sie nennt - Froschmänner auf. Eines der Wesen hat er trainiert: es warnt ihn vor den Angriffen, fängt ihm Fische Krebse und Muscheln und wird auch zu häuslichen und erotischen Zwecken eingesetzt.

Lange wird gekämpft - mit Gewehren, bengalischen Feuern und auch mit unter Mühsal ertauchtem Dynamit. Der Erzähler beginnt sich langsam mit dem weiblichen Froschwesen anzufreunden, und entwickelt über etwas ähnliches wie Zuneigung Interesse für die Wesen. Er beginnt aus dem Singen des Wesens zu interessieren - es entstehen einen Namen für die Wesen (Citauren) und dieses speziellen eine (Aneris). Und er beginnt mit den Kindern zu spielen.

Die Zusammenarbeit der beiden Männer bröckelt, Batis kommt um, ein neuer Wetterbeobachter wird abgeliefert und das Spiel beginnt fast von Neuem.

Die Männer werden charakterlich unterschiedlich geschildert: Batís Caffó, dem österreichische Nationalität angedichtet wird (was bei dem Namen ziemlicher Unfug ist) ist als ehemaliger Förster zwar den Umgang mit Natur gewöhnt, aber trotz Schach spielens kein Stratege. Der Erzähler ist zumindest ein Weg mehr offen, nämlich die Wesen als eigenständig zu verstehen, und in ihrem Handeln auch freundliches Tun zu suchen.

Spät beginnt man sich zu fragen, warum der Batís nicht die Chance ergriff von der Insel zu gehen. Die gleiche Frage stellt sich als der neue Wetterbeobachter kommt und der Erzähler die Chance zu gehen nicht erkennt /erkennen will.

Das Buch ist aus Sicht des neuen Wetterbeobachters geschrieben - Namen hat er keinen. Nur die anderen wie Batís, und Tom der Freund aus der Kinderzeit sowie sein alter Tutor etc.
Spannend finde ich die Hintergrundgeschichte aus Irland, in der beschrieben wird, welche Aufgaben er erfüllte und v.a. als dann endlich die Befreiung da war sich die neuen Menschen, denen er vertraut war, plötzlich wie die alten Machthaber benahmen.

Das Buch ist spannend, es zieht wie ein Tornado hinein und hat Zug bis zur letzten Seite.

Dienstag, 15. November 2011

Bo Balderson : "Der Fall des Staatsministers"

Bo Balderon (Pseudonym) :
"Der Fall des Staatsministers"
2000, Bengt Nordin Agency Schweden
original 'Sta°tsradets fall'
2002, Typographische Werkstatt & Verlag Stegemann
übersetzt aus dem Schwedischen von Dagmar Mißfeldt
274 Seiten
+ 1 Seite am Anfang : Mitwirkende
+ 1 Seite am Schluß : Glossar
ISBN 3-9808037-4-0

Studienrat Vilhelm Persson, ein etwas betulicher und biederer Einzelgänger, wird vom Mann seiner Schwester (die beiden haben 15 Kinder gemeinsam) in die Aufdeckung eines Mordfalles gezogen.
Sein Schwager ist Staatsminister, ein Mensch mit sprunghaften Gedankengängen und eine bei der Bevölkerung beliebte Gestalt.

In Ich-form beschreibt der Studienrat, wie Staatssekretär Svanberg wird erwürgt im Schrank des Arbeitszimmers des Staatsministers - in seiner Villa - aufgefunden wird.
Der Staatsminister meint, daß er es seiner Funktion als Polizeiminister schuldig ist diesen Mord aufzuklären und fordert die permanente Unterstützung mit Zeit und Mitdenken des Studienrats.
Menschen die als mögliche Täter in Betracht kommen sind die Tennis spielende Gattin, Justizschef Rylander und Gattin, Konsul Karling - ein Unternehmer -, Ministerialrat Da°a°bh, sowie der Unternehmer in Sache Toilettenherstellung Johann Johansson mit seiner sehr attraktiven Gattin, die Assistentin von Herrn Svanberg ist und sich 2 Liebhaber (beide unter den Verdächtigen) hält.
Leider gibt es noch einen Mord. Am Schluß löst der Staatsminister mit einer Falle die Morde auf - und erfährt daß er zum 16. Mal Vater wird.

Unterhaltsam und leicht böse wird die Politik, die Politiker, das Fäden ziehen, das Umsetzen der eigenen Wünsche und auch Gerechtigkeitssinn in der Politik geschildert.
Der Absatz in dem sich der Staatsminister bei einem Auftritt nicht an die vorgeschriebene Rede hält, sondern sagt was die logischen denkende Bürger denken aber damit seine politische Security schwer beunruhigt ist vergnüglich gut geschrieben (übersetzt).

Das Buch ist etwas mühsam zu lesen, da ich mit den schwedischen Namen und wer-ist-jetzt-wer etwas Probleme hatte, aber die etwas respektlosen (aber nie untergriffigen) Personenschilderungen oder andere nette kleine boshafte Halbsätze machen den Aufwand wett.
Ich kann den Krimi guten Gewissens allen Lesern mit Sinn für Humor empfehlen.

Sonntag, 24. Juli 2011

Andrea Camilleri : "Das Spiel des Patriarchen"

Andrea Camilleri :
"Das Spiel des Patriarchen"
- "Commissario Montalbanos fünfter Fall"
Original "La Gita a Tindari"
2000, Sellerio Editore, Palermo
aus dem Italienischen von Christiane von Bechtoldsheim
2002 Edition Lübbe, Bergisch Gladbach
304 Seiten
1 Seite Anmerkung des Autors
2 Seiten Anmerkungen der Übersetzerin (mit Aussprüchen, Erklärungen, Namenserläuterungen)
1 Seite im Text erwähnte kulinarische Köstlichkeiten (leider nicht vollständig)
ISBN 3-404-92114-3

Nachdem ich vor vielen Jahren einige Krimis von Andrea Camilleri gelesen hatte, war mir an einem verregneten Wochenende nach einem guten Krimi der im warmen Süden Europas spielt und mich gut unterhält. Meine Erwartungen wurden erfüllt - inkl. daß ich Gusto auf Fisch bekam.

Ein älteres Ehepaar verschwindet und ein junger Mann wird erschossen.
Commissario Montalban besucht auf Einladung eines windigen Advokaten den alternden Chef der Mafia, dessen Beschreibung mich an Raymond Chandlers Schilderung des alten Generals Sternwood in die "Der große Schlaf" erinnert, und soll in eine Intrige verwickelt werden. Es geht um den Enkel des alten Herrn, den die Polizei ermordet findet, wie von der Mafia geplant. Montalban fädelt es ein daß der Schuß nach hinten los geht.
Letztendlich wird ein unschöner Organhandel aufgedeckt, bei dem sich die Reichen die notwendigen Organe besorgen und implantieren gelassen haben.

Das gewohnte Team aus Mimí, Fazio und Cateré arbeitet um den Commissario herum, Mimí erfreut den Chef mit seinen Damenamouren, und mit Livia erfolgen die in der Serie gewohnten Telephonate.

Genossen habe ich die Beschreibung der Gerichte und wie der Commissario Fisch(e) vertilgt, und schön finde ich die Bruchstücke der sizilianischen Ausdrücke und Formulierungen, die immer wieder einfließen (netterweise mit Übersetzung daneben).

Meine  Erwartungen sind erfüllt worden : meine Seele durch das sizilianische Ambiente trotz des Regens draußen erwärmt und ich bin gut unterhalten worden. Viel Vergnügen beim Lesen !

Sonntag, 10. Juli 2011

Matti Y. Joensuu : "Blinder Neid"

Matti Y. Joensuu :
"Blinder Neid"
1993, Otava, Helsiniki
"Harjunpää ja kiusantekijät"
aus dem Finnischen von Stefan Moster
Deutsche Erstveröffentlichung 2002, Wilhelm Goldmann Verlag
246 Seiten
ISBN 3-442-72856-8

In dem Buch wird die Geschichte von zwei armen Menschen erzählt, die einem willkürlich gewählten erfolgreichen Menschen das Leben so schwierig gestalten, daß am Schluß alle unglücklich und einige nicht mehr am Leben sind.

Jari und Sanna Lehikonen sind ein erfolgreiches Ehepaar, denen seit Monaten unwillkommene Bestellungen vor die Haustür gestellt werden oder nicht bestellte Handwerkerbesuche erhalten etc. Als ein Spanner von Baum stürzt und dabei umkommt, wird zuerst das Ehepaar verdächtig.
Kommissar Hajunpää und seine Kollegin Onerva ermitteln wegen der Belästigungen, bleiben aber erfolglos.
Parallell dazu verliert Dödö (Raikas) Poikolainen seine schlechte Arbeitsstelle bei einem Wachdienst und beim jüngsten Kind wird grauer Star diagnostiziert, was seinen Haß auf die reichen Lehikonens verstärkt. Er plant die Erpressung von Jari Lehikonen - dessen Frau Sanna mittlerweile überzeugt ist, daß er die unwillkommenen Besucher angezettelt hat und ihn daher verlassen hat.
Die Erpressung geht schief, aber Jari Lehikonen ist von den Ereignissen dermassen gezeichnet, daß er auf in die psychiatrische Anstalt kommt und Dödö einen Selbstmordversuch unternimmt - Dödös dummer Gehilfe Antull ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen, aber die Polizei findet bei ihm alle Anrufe zur Belästigung der Lehikonens gelistet.

Das Buch ist gut geschrieben, die Menschen und ihre Beweggründe gehen unter die Haut - zumindest mir. Alle Beteiligten kämpfen ums Überleben : Dödö und Antull in ihrer unziemlichen Art und Weise, die reichen Lehikonens und auch die Polizeimitarbeiter. Leider finden wenige positive Lösungen, sodaß Traurigkeit am Schluß in mir übrig blieb.
Da das Buch fasziniert, kann ich es nur empfehlen.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Virginie Brac : "In den Nächten brütet still der Tod"

Virginie Brac :
"In den Nächten brütet still der Tod" - Ein Fall für Véra Cabral
original "Notre-Dames des barjots"
2002, Éditions Fleuve Noir
Deutsch von Kerstin Krolak
2006, Rowohlt Taschenbuch Verlag
351 Seiten
ISBN 978-3-499-24242-7

Ein spannende Geschichte die mit einem grauslichen Mord beginnt, und Frau Dr. Véra Cabral, eine junge Psychiaterin in einem Krisenzentrum begleitet, bis sie am Schluß den Mord löst.

Umfeld ist ein Krankenhaus, in dem jede Menge Menschen Machtspiele spielen und vom Aufstieg träumen. Hier versteckt der kommende große Mann Prof. Russel seinen Sohn, der verdächtig ist eine junge Frau ermordet zu haben. Leider ist der Mann von Drogen gedämpft - Psychiater und Neurologen kümmern sich abwechselnd um ihn. Es sei nur verraten - er hat den Mord nicht beganngen.

Nebenbei entwickelt sich eine Zusammenarbeit zwischen Véra und Hugo, dem Neurologen, basierend auf Kontakten die sie zu Studienzeiten miteinander hatten. Andere Nebengeschichte ist Transversiten gewidmet und der Hilfe an Frauen am ältesten Gewerbe. Last but not least finden bunte Szenen aus der aus Portugal stammenden Familie von Véra Platz und die Psychiaterin schlägt sich mit einer Steuerprüfung herum, an der der Steuerberater von ihr und ihrem etwas zwielichtigen Bruder Schuld ist.

Der Krimi ist schön und flüssig geschrieben, und hat Drive der weitertreibt.
Manche der Personen sind genau gezeichnet und gut vorstellbar, manche bleiben Klischees, was aber nicht wirklich stört.

In der Ausgabe ist der Kapitelanfang originell gelöst: die Seite ist jeweils eine Stadt in der Nacht - also ziemlich schwarz - und im unteren Drittel startet das Kapitel in weißen Lettern.

Den spannenden Roman/ Thriller / Krimi kann ich gerne empfehlen.

Mittwoch, 15. September 2010

Alice Munro : "Der Traum meiner Mutter"

Alice Munro : "Der Traum meiner Mutter"
unter "The Love of a Good Woman"
1998 bei A. Knopf, New York
aus dem Englischen von Heidi Zerning
2002, S. Fischer Verlag, Frankfurt
221 Seiten
7 Seiten Nachwort von Judith Hermann
ISBN 3-10-048817-2

* Der Traum meiner Mutter (62 Seiten)
* Die Kinder bleiben hier (44 Seiten)
* Stinkreich (50 Seiten)
* Vor dem Wandel (50 Seiten)

Das Buch enthält vier starke, dicht beschriebene Geschichten, in denen Frauen in ihrem Leben , in ihrer Entwicklung beschrieben werden.

Der 'Traum meiner Mutter' beschreibt wie eine junge Frau Jill, die Musikerin werden möchte, von einem Mann der im Krieg umkommt ein Kind auf die Welt bringt. Sie ist so überfordert, daß die Schwestern des Mannes einspringen. Erst als die jungen Mutter einen Tag alleine mit dem Baby ist, ist es möglich, daß die beiden miteinander eine Beziehung aufzubauen beginnen.

In die 'Kinder bleiben hier' erzählt eine junge Frau und doppelte Mutter Pauline, wie sie beim Schauspielen in eine Affäre gleitet, und ihr Mann am Schluß als Rache die Kinder behält. Schön sind hier die Beschreibungen des Strandes an dem die Familie mit ihren Schwiegereltern ist.
Das Stück das geschauspielert werden soll, ist die "Eurydike" von Jean Anouilh, in dem die junge Mutter die Eurydike spielt, und der spätere Geliebte der Regisseur ist.

In "stinkreich" geht es um drei Frauen und einen Mann. Die drei Frauen sind die Ehefrau, eine Lektorin und deren Tochter. Die Tochter Karin ist die bei der die Entwicklungen, die Versuchungen ans Lebens erzählt werden. Als sie sich spaßhalber das Hochzeitskleid der Ehefrau ausborgt, gerät sie in Kerzen und holt sich schlimme Hautverletzungen. Auf der letzen Seite ist die Zeile, daß sie ihre innere Kraft gefunden hat.

„Vor dem Wandel“ ist für mich fast gespenstisch, da die junge Frau die heimkehrt ins Haus ihres wortkargen Vaters fast keine Kommunikation findet. Erst als Erwachsene findet sie heraus, daß ihr Vater als Landarzt Besuch von Stadtfrauen zur heimlichen Abtreibung bekommt. Als er nach einem Schlaganfall stirbt, entdecken alle daß er nie Geld damit gemacht hat und es fast nichts zum Erben gibt. Parallel zur den vergeblichen Kommunikationsversuchen erzählt die junge Frau, daß sie in der Hauptstadt beim Studium einen Theologiestudenten kennengelernt hatte, dieser aber einen Schwangerschaftsabbruch gefordert hatte, der für sie nicht möglich war, weshalb das Kind jetzt Adoptiveltern hat.

Der Aufbau der Geschichten erscheint mir sehr ähnlich, denn mehr als drei Viertel der Geschichte verlaufen in einem ruhigen deskriptiven Strom, und dann plötzlich schlägt die Geschichte einen Hacken und man landet ganz woanders.
Im 'Traum meiner Mutter' hat es die junge Mutter geschafft als Musikerin in einem Orchester zu spielen; in 'die Kinder bleiben hier' ist klar, daß der Regisseur nur eine Affäre und ja nichts wichtiges war.
Im „Vor dem Wandel“ befreit der unerwartete Tod des Vaters die junge Frau von engen Erwartungen, auch wenn nicht klar ist, was sie damit tun möchte.

Mir gefällt sehr gut wie die ruhigen, beobachtenden (fast passiven) Menschen beschrieben sind. Trotzdem dreht sich die Geschichte um sie, und die Welt dreht sich um sie herum.
Beim Lesen der Geschichten habe ich mich gefragt wann diese Geschichten handeln – für mich haben sie eine Enge, die mich an den konservativen Filme aus den 60-Jahren erinnert. Für Frauen gab es einige Lebensperpektiven und wenige Ausdrucksmöglichkeiten.

Die Landschaften, die Häuser, deren Einrichtung, das Geschirr sind schön skizziert, das Gewand und die Szenerie sind wie eine aquarellierte Bleistiftzeichnung beschrieben.

Das Buch kann ich allen Lesern empfehlen, die sich gerne in eine andere - in dem Fall die der kanadischen Landschaft – Welt ziehen lassen und das Gefühl, daß die Zeit still gestanden sein könnte genießen wollen.

Sonntag, 18. April 2010

Viktoria Platowa : "Die Frau mit dem Engelsgesicht"

Viktoria Platowa
"Die Frau mit dem Engelsgesicht"
original "в тихoм oмуте"
1998 bei EKSMO-Press, Moskau
aus dem Russischen von Olga Kouvchinnikova und Ingolf Hoppmann
2002, Aufbau Taschenbuch Verlag GmbH Berlin
404 Seiten
ISBN 3-7466-1875-4

Rasch lesbares Buch, das aber eine ziemlich unglaubwürdige, aber nicht einmal skurile Geschichte erzählt.

Eine unscheinbare Frau, die auf der Filmakademie Moskau nur ihren Freunden hilft, und nachher weiterhilft in dem sie blutrünstige Pornoplots schreibt, wird in den Mord an zwei guten Freunden verwickelt.
Sie läßt sich ihr Gesicht operieren und beschließt den Mord an ihren Freunden zu rächen. Ihre Porno-Storys mit viel künstlichem Blut waren alle Mord durch erschlagen etc. also natürlichem Blut umgesetzt worden. Das Entstehen so eines Gewaltpornos war durch einen der Freunde mitgeschnitten worden - was den Mord an ihm erklärt.
Mit der Ausstrahlung einer schönen selbstbewußten Frau nimmt Eva, in ihrem neuem post-operativen Namen, Kontakt zu einer attraktiven einflußreichen lesbischen Frau auf (die ihr einen Paß machen läßt), zu dubiosen Ladenbesitzern, und wärmt mit neuem Gesicht und neuem Namen alte Bekannte auf. Sie pendelt zwischen Moskau und St. Petersburg hin- und her - die Schilderungen beider Städte sind nicht wirklich anheimelnd. Nebenbei vereitelt sie einen Mord an einem einflußreichen Geschäftsmann, der ihr dafür mit Geld, Wohnung und Rechtsanwalt bei etwaigen Problemen weiterhilft. Dazwischen gibt es weiter Morde - zufällige mit einem Badezimmerhacken oder welche bei denen eine Kugel in einer Pistole vergessen worden war. Auch ein kleiner Ausflug ans Meer mit dem Mann der Träume wird nicht vergessen. Nachdem wieder ein Mann ungebracht wurden war, entpuppt sich, daß genau der Mann der Träume derjenige ist, der hinter den blutigen Pornos steht, aber Eva ist auch hier geschützt also kann sie nach dem Showdown mit Tod des Manns der Träume die Illusion starten, daß jetzt das neue Leben wirklich für sie beginnt.

Die Menschen bleiben für mich ungreifbar, eher Abziehbilder oder Fassaden. Maus/Eva spüre ich leider gar nicht. Witztig ist nur Serga ein ehemaliger Studienkollege, dessen Art immer am flaschen Platz zu sein, einige hilfreiche zu haben und v.a. zu malen einigermassen Konturen hat. Dan, der Mann der Träume erscheint mir als "Mann/Matcho/Macher" zu konstruiert, und Oleg, der rettende Jurist, zu ruhig und zu hilfreich und damit - für meinen Geschmack - zu unwahrscheinlich skizziert wird.

Der Krimi ist gut lesbar, auch wenn er mich immer wieder zum Kopf-schütteln bringt, weil Elemente nicht zusammenpassen (einmal Geldnot, dann ohne Quellenangabe von Einkommen Einkaufsorgien, u.ä.m.).