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Samstag, 25. September 2021

Donna Leon : "In Sachen Signora Brunetti"

Donna Leon :
"In Sachen Signora Brunetti" - der achte Fall
original "Fatal Remedies"
1980,
Aus dem Amerikanischen von Monika Elwenspoek
2000, Diogenes
    Seiten
ISBN 3-257-06262-1

Paola Brunetti schlägt wiederholt Fensterscheibe eines Reisebüros ein, weil dieses Reisen in Länder mit Kinderprostitution vermittelt. Kommissarin Guido Brunetti wird aufgefordert zu helfen, hält sich aber aus allem zurück, weil er das für die Entscheidung seiner Frau hält. Als ein Unternehmer ermordet wird, wird zuerst ein Zusammenhang mit den Reisen vermutet. Wie aus dem englischen Titel des Buches zu lesen ist, geht es aber um Medikamentenhandel und Herstellung von Produkten, deren Zusammensetzung keine Medikamente und deren Komponenten tödlich sind. Am Schluß hilft die Eifersucht einer Frau den Beweis für den Mord an dem Unternehmer zu beweisen.

Bei den Abschnitten in denen über den Handel mit abgelaufenen Medikamenten, der vor allem an Organisationen, die den besonders Armen der Welt helfen wollen, geht und dann die Steigerung in lebensnotwendige Medikamente Frostschutzmittel zu geben, das getrunken tödlich ist, wurde mir beim Lesen fast schlecht.

Damals wie heute hat Elletra ihre genialen Giftfinger bei der Datenrecherche, Patta versucht den Prominenten ihre Launen zu erfüllen, nur die Kinder von Paola und Guido gehen noch in die Schule und sind noch unkritisch. Es gibt noch Lire, kein telefonino, und die Technik der 80-er einfach anders.

Inhaltlich ist der Krimi interessant vor allem mit der zweiten Thematik der Kinderprostitution in anderen Ländern, und daß es fast nicht möglich ist den Konsumenten hier einen Riegel vorzuschieben.

Ich hatte überraschend Probleme beim Lesen, weil mich diesmal die Sprache nicht wie gewohnt in den Bann gezogen hat. Entweder hat die Autorin damals anders geschrieben, oder die Übersetzung ist nicht wirklich gelungen.

Wie auch immer - Viel spaß beim Lesen !

Dienstag, 22. Juni 2021

Antonio Hill : "Der Sommer der toten Puppen"

Antonio Hill :
"Der Sommer der toten Puppen" - ein Barcelona-Krimi
original "El verano de los juguetes muertos"
2011, Debolsillo Barcelona
Aus dem Spanischen von Thomas Brovot
2013, Suhrkamp Taschenbuch
362 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-518-46467-0

Hauptperson ist der argentinische Inspektor Hector Salgado, dem in Barcelona die Wut über einen Mädchenhändler Schwierigkeiten beschert hat. Ein Freund ersucht ihn  zu untersuchen ob ein Teenager wirklich beim Rauchen aus dem Fenster gefallen ist, oder ob mehr dahinter steckt.
Aus mehreren Blickpunkten wird spannend erzählt und auch in die Vergangenheit gesprungen, wie ein Kindheitserlebnis - bei dem Puppen um eine Leiche im Wasser trieben - Jahre später endlich gelöst wird, und weitere Tote bringt.
Die Lösung und das wieso hatte ich nicht erwartet, es geht aber um Kindesmißbrauch.

Hector Salgado, war der Liebe wegen in Barcelona hängen geblieben; seine Ex-Frau liebt jetzt eine Frau; es gibt einen Sohn. Innerhalb der Polizei hat er Menschen die ihn  unterstützen, was wichtig ist, da aus dem Mädchenhändlerring ein sehr bösartiger Rachefeldzug gegen ihn aktiv ist. Er wird als schwierig, verschwiegen und eigenbrötlerisch beschrieben.
Die neue ihm zugeteilte Kollegin Leire ist jung, gescheit, denkt schräg und ist sexuell sehr aktiv.
Marc Castell ist der Teenager, der aus dem Fenster gefallen war; er war sehr verschlossen, hatte sich erst im Auslandssemester wegen Englisch zu öffnen begonnen, und eine junge Frau kennen gelernt.
Sein bester Freund Aleix Rovira hat Krebs besiegt, ist sehr attraktiv und charmant, und spielt mit der Gefahr und Frauen. Seine Familie zählt zu den wichtigen und reichen der Stadt; liebevoll und ihm durch die Krankheit geholfen hat ihm allerdings nur sein Bruder Eduard.
Deren gemeinsame Freundin Gina Ballester ist lieb, besorgt und läßt sich leider zu leicht zu führen.
Enric Castell, der Vater von Marc, ist erzkatholisch, zeigt wenig Liebe, was zu einem Teil des Problems wird.
Joanna, die Mutter Marcs, hat ihren Mann und Sohn verlassen, ist aber diejenige die nicht aufgibt die Lösung um ihren Sohn zu wissen zu wollen.
Felix Castell ist der Onkel von Marc, ein Priester, der sich immer um seinen Neffen liebevoll gekümmert hat, und der ihm wichtig ist. Er weiß mehr über die Leiche mit den Puppen, sah sich aber veranlaßt zwei  Menschen zu schützen.

Der Roman ist spannend geschrieben.
Die Menschen sind oft einsam und in ihren Gedanken und Problemen geschildert.

In Summe ein sehr empfehlenswerter Kriminalroman der auch unter die Haut geht. Viel Freude beim Lesen !

Antonio Hill, wurde 1966 in Barcelona geboren. Er studierte Psychologie und arbeitet dann als Übersetzer aus dem Englischen. Er lebt und arbeitet in Barcelona.

Freitag, 24. Januar 2020

Judith Arendt : "Helle und der Tote im Tivoli"

Judith Arendt :
"Helle und der Tote im Tivoli" - Der erste Fall für Kommissarin Jespers
Kriminalroman
2. Auflage 2018  Atlantik Bücher bei Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
280 Seiten
ISBN 978-3-455-00271-3

Helle ist ein Dänischer Frauenvorname, und gehört zur weiblichen Hauptperson Frau Jespers, die in einem kleinen Urlaubsort am Meer in Dänemark die Polizeistation führt. Ein pensionierter Schuldirektor wird in der fünf Stunden entfernten Hauptstadt bestialisch ermordet gefunden. Das kleine Team vor Ort macht sich gegen den Wunsch der Truppe der Hauptstadt auf die Suche nach Information und wird bei einem charismatischen Esoterik-Psychologen fündig. In der Hauptstadt wird eine zweite ebenfalls bestialisch ermordete Leiche gefunden. Eine kleine Reise nach Deutschland, einige Gespräche im kleinen Küstenort weiter, entwickelt sich die Geschichte um einen gewissenlosen Pädophilen, der viele Menschen getäuscht hat.

Die Geschichte wird meist aus Sicht von Helle erzählt, einige von einem Polizisten, einige von einem Psychologen; kursiv sind Texte aus Sicht eines der traumatisierten Kinder eingestreut, der mit seinem inneren bösen Kind in Kontakt ist. Diese Stellen sind beängstigend.

Die Gedanken und Gefühle der rundlichen Polizistin mit Sozialarbeiter-ehemann und Kind und Hund sind engagiert, warmherzig und logisch. Ihr Kollege bei der Polizei hat mit privaten Problemen zu kämpfen und eine alte Geschichte wird wichtig. Der Guru und Psychologe wird als gutaussehend aber kaltschnäuzig geschildert. Sören aus Kopenhagen ist Helles Quasi-Vorgesetzter bei der Polizei, unterkühlt, rechthaberisch, kann dann doch richtig reagieren. Hilfe aus Deutschland bei der Recherche um einen Buben wird sympathisch geschildert.

Der Druck hat gemütlich halbwegs große Buchstaben.

Der Kriminalroman ist spannend geschrieben. Die Verzweiflung des Mörders ist greifbar, auch daß er um das Richtige ringt. Die Ursprungsgeschichte ging mir unter die Haut. gutes Lesen ! 

Judith Arendt ist ein Pseudonym für eine Drehbuchautorin. Sie lebt in Deutschland.

Samstag, 30. November 2019

Robert Galbraith (Pseud.) : "Die Ernte des Bösen"

Robert Galbraith (Pseud.) :
"Die Ernte des Bösen"
 Roman
"Career of Evil"
2015, Brown Group Book
Aus dem Englischen von Wulf Bergner, Christoph Göhler und Kristof Kurz
2016, Blanvalent Verlag
Lesebändchen
654 Seiten
ISBN 978-3-7645-0574-5

Cormorans Strikes Assistentin Robin Ellacott bekommt ein abgeschnittenes Bein zugeschickt. Cormoran hat drei Verdächtige, und alle wollen sich eigentlich an ihm rächen. Da die offizielle Polizei kein Engagement zeigt, machen sich Robin und Cormaran auf die Suche nach drei sehr unsympathischen Männern, die sich alle durch Mißbrauch, Manipulation und Ausnutzen von Menschen auszeichnen. Während Robins Verlobter vor Eifersucht tobt, fahren Detektiv und Assistenin durchs Land, besuchen Menschen in sehr desolaten Lebensverhältnissen und versuchen damit dem Phantom auf die Spur zu kommen. Der Frauen zerschnippelnde Bösewicht schafft es kurz an Robin heranzukommen, bis dann doch eine Falle zuklappt.

Die Geschichte ist sehr flüssig geschrieben, auch wenn mir die drei unsypathischen Bösewichte immer wieder durcheinander geraten. In eigenen Kapiteln sind die Gedanken und Aktionen des tatsächlichen Mörders geschildert, der seiner Wut auf Cormoran freien Lauf läßt.

Faszininierend wird das Leben von Cormorans Mutter als Popstar-grupie beschrieben, und wie der ungute Stiefvater vieles falsch einschätzte.
Ich wurde das Gefühl nicht los, daß Robins Verlobter Matthew, der bieder und gutaussehend und etwas hinterhältig geschildert wird, von der Autorin gerollt wird.
Heftig ist die Vorgeschichte Robins, die sie aus dem Profilerwunsch gekippt hatte.

Den Kapiteln sind Zeilen aus der Cultband Blue Öyster Cult vorangestellt, die manchmal passen, manchmal aber gar nicht.

In Summe hat es mir Spaß gemacht den dritten Band mit diesen Protagonisten zu lesen, weil er so spannend geschrieben ist. Viel Freunde beim Lesen !

Bio siehe Robert Galbraith (Pseud.) : "Der Ruf des Kuckucks"

Mittwoch, 28. November 2018

Christine Anlauf : "Schnurr mir das Lied vom Tod"

Christine Anlauf :
"Schnurr mir das Lied vom Tod" - Kater Serrano ermittelt
2014, Piper Verlag
386 Seiten + 1 Seite Dank + 3 Seiten menschliches und kätzisches Personenregister
ISBN 978-3-492-30243-2

In dem Kriminalroman wird eine Leiche in einem Schneemann versteckt gefunden. Da Kommissar Liebermann nach Ansicht der Katzen wichtige Hinweise übersieht, machen sich Kater Serrano, ein zerzauster Streuner, eine rundliche weise Katze und eine dünne Zuchtkatze daran den Menschen mit Hinweisen zu helfen. Auf zwei Ebenen spielt sich das Geschehen ab. Liebermann und sein Team forschen parallel nach dem Mörder des Obdachlosen und einem Mann der Frauen attackiert und mordet. Die Katzentruppe gibt wichtige Hinweise, weil der Geist des Obdachlosen den einen Kater heimzusuchen scheint, und findet noch eine Leiche. Das Lösung ist dann ziemlich einfach, obwohl es kurz brutal wird.

Ort der Handlung ist Potsdam mit seinen Parks, Vierteln, dem Fluß. Die Geschichte spielt im Winter.

In einem Strang folgen die Polizisten dem Leben des Obdachlosen als Kind in ein trostloses und strenges Kinderheim der DDR. Die Traurigkeit, die Einsamkeit, daß ihm die Schwester weggenommen wurde, und dann noch Mißbrauch an dem Opfer setzen dem Kommissar zu. Dieser Mißbrauch ist gedeckt worden, auch wenn so manche Frau hier versuchte das Kind schützend einzugreifen.
Der andere Strang ist die Verfolgung eines netten Mannes, der bei einem Date plötzlich grundlos auszuckt und die betreffende Frau tötet.

Parallele Familiengeschichten gibt es zu Hauf. Liebermann, der mit seiner Liebe Nico (eine bezaubernde Frau) das erste Kind erwartet, bei der die Schwangerschaft aber nicht einfach ist, und er es daher mit den Töchtern seiner Liebe und einem einmischenden Nachbar zu tun hat.
Kater Streuner, Katze Maja, Kater Serrano, Katze Wu haben auch einiges zu klären, vorallem wer bei dem übernachten und flirten darf, was nicht immer das Gleiche ist. Über den Katzen gibt es den Geist des ehemaligen Katers Bismarck der irgendwie mitmischen darf, und nur verwirrt.

Die Menschencrew ist ziemlich gemischt. Henrick Liebermann der ein durchaus guter Kommissar und Vorgesetzter sein dürfte, Jean-Pierre Simon der unglücklich verliebt ist aber dieses mit Arbeit zu übertauchen sucht, Jana Holzmann die anpackt, und die enttäuschte und bissige Pathologin Franziska Genrich die alle in die Flucht knurrt.
Tischler Enno Abrahams, dessen Freundin Sonja, dessen schmarotzenden Bruder Jakob, eine polnische abgelegte Freundin des Bruders, der stumme Obdachlose Roman Stölzl, seine Schwester Nora komplettieren das unterschiedliche Menschen Angebot.
Bei den Katzen hat es mir die weise, ortskundige, rundliche Maja mit ihrem Handschuh-sammel-Tick durchaus angetan; sie schaut auf ihr Revier und macht es Katern schwer. Der Streuer ist zerzaust, und wird vom Geist des Menschen geplagt. Kater Serrano ist in die dünne Zuchtkatze Wu verknallt, und versucht es taktisch; leider kommt dieser titelgebende Kater nicht wirklich symphathisch bei mir an. Katze Wu durchschaut viel, und wenn es ihr reicht tut sie es kund. Im Hause Liebermann gibt es Kater Dienstag, den der Zweibeiner bei zuviel nerven entweder auf die Straße setzt oder ins Badezimmer verfrachtet.

Auf dem Cover ist der Roman als schwebend leicht beworben. Leider kann ich das nicht nachvollziehen. Im Gegenteil : es war für mich als Leseratte überraschend schwer in den Stil und die Geschichte hineinzukommen. Zu viele Ebenen und Charaktere dürften hier verwoben sein, und/oder die Geschichte zu konstruiert sein, um wirklich zu fließen.

Schade,  denn manche Metaphern haben mir sehr gefallen z.B. wie ein müder Mauersegler oder übergewichtiger Kondor im Sessel zu hängen, Plapperemmissionen freisetzen etc.

Christine Anlauf wurde 1971 in Potsdam geboren. Sie ist gelernte Buchhändlerin und veröffentlichte ihren ersten Roman 2005. Der erste Teil der Serie um Kater Serrano und Kommissar Liebermann „Katzengold“ erschien 2010.