Tina Schlegel :
"Die dunkle Seite des Sees" - Bodensee Krimi
2017, emons Verlag
362 Seiten
ISBN 978-3-7408-0078-9
Kommissar ist Paul Sito ist nach Krebserkrankung und Unfalltod seiner Frau zwar zurück im normalen Leben, aber noch zaghaft im Beruf. Ihm zur Seite wurde der Roman Enzig, der ihm als Psychologe durch Trauma und Krebs geholfen hat, gestellt. Rascher als allen lieb ist werden sie auf die Fähre eines Serienmörders gesetzt, der Kopf und Corpus von Frauen getrennt finden läßt. Während die Polizei fieberhaft sucht, findet Paul einen Sparringpartner um über Tod, Leben, Scheinleben, die verschiedenen Seiten des Lebens zu diskutieren. Dieser Curt Schewege ist charismatischer, charmanter, belesener aber auch eiskalt kalkulierender Professor an die Universität in Konstanz. Es gibt noch einige Leichen, bis die Polizei endlich einen weiteren Mord verhindern kann und den Mörder schnappt.
Die ersten hundert Seiten lesen sich zähe, vor allem da die Vorgeschichten von Paul Sito sich erst langsam entschlüssen. Bei einige Absätzen ist nicht klar ob Sito hier Albträume hat, Todesphantasien oder gar der Mörder selbst ist.
Dann beginnt die Geschichte Fahrt zu bekommen und am Schluß ist es hochspannend.
Die Gespräche zwischen Paul und Curt sind zwischen traumverloren, hoch intelligent, einander in ihren Gedankengängen überraschend und eigenartig vertraut in ihrer Nähe und Selbstverständlichkeit mit dem Tod.
Die Polizeitruppe rund um Sito ist unterschiedlich geschildert. Staatsanwalt Bolder der poltert, dann bremst und am Schluß doch Tempo macht. Kollege Marc Busch der fleißig und engagiert Steinchen um Steinchen zusammen setzt. andere Kollegen mißtrauen Sito, ob er wieder zu 150 % einsatzfähig ist. Enzig ist endlich wieder verliebt und als Psychologe im Fall und als Freund und Betreuer Sitos viel gefordert. Auch Sito traut sich wieder Nähe zu einer Frau zu, wird aber von seiner Vergangenheit oft in Frage gestellt.
Ort der Handlung ist Konstanz am Bodensee, an einem flirrend heißen Sommer und frühen Herbst, der alle Kraft kostet.
In Summe ein doch spannender Krimi, bei der für mich die Gestalt des Professors und die Gespräche zwischen ihm und dem Kommissar bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Viel Freude beim Lesen !
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Donnerstag, 19. September 2019
Samstag, 27. April 2019
Alan Bennett : "Die Souveräne Leserin"
Alan Bennett :
"Die Souveräne Leserin"
original "London Review of Books" oder auch "The Uncommon Reader"
2007, Forelake Ltd
Aus dem Englischen von Ingo Herzke
2008, 2012, 19. Auflage 2017, Verlag Wagenbach Salto, Berlin
111 Seiten + 1 Seite Porträt des Autors
ISBN 978-3-8031-1254-5
Der Queen kommen ihre berühmten, aber etwas unerzogenen Corgis aus, und sie entdeckt einen Bücherbus und damit das Lesen. In dieser Liebeserklärung an das Lesen und Literatur, wird die Queen in die Welt der Bücher, der Phantasie, und der Geschichten gezogen. Die pflichtbewußte Dame beginnt ihre Termine etwas zu vernachlässigen und Bücher der Gesellschaft von Menschen vorzuziehen. Nach den ersten Buchempfehlungen des Bücherbusmannes, hilft ihr ein belesener Diener den sie aus der Küche geholt hat ihren eigenen Lesengeschmack zu entwickeln. Hofintrigen lassen nicht auf sich warten; manche gehen auf, manche werden zurück geschlagen. Die Gäste der Queen die bislang Smalltalk über Autos gemacht hatten, mußten sich überlegen welches Buch sie gerade lesen würden. Mit feinem Humor führt die Geschichte zur Überlegung, ob die Queen selbst zu schreiben anfangen sollte.
Das Buch ist liebevoll geschrieben. Mit Feingefühl ist das Leben, das Denken der Queen beschrieben, wie sich ihre Gedanken mit den Qualität der Bücher emanzipieren.
Am Hof lebende Menschen sind fast nur der Herzog mit seinen trockenen Kommentaren und ein ziemlich intriganter Sekretär beschrieben.
Es gibt kleine feine Betrachtungen über den Unterschied zwischen Lesen und Informieren, ob Literatur buckelt oder unabhängig ist, ob Lesen Bürgerpflicht sein sollte oder nicht, und die Überlegung, daß es schade ist so viele Autoren gekannt zu haben, ohne mit ihnen wirklich geplaudert zu haben. Ihr Versuch dies nachzuholen scheitert leider gründlich.
In Summe ein wunderbares feines Buch, das Anregungen zu vielen Büchern gibt. Viel Freude beim Lesen !
Alan Bennett wurde am 9. Mai 1934 in Leeds geboren. Als Sohn eines Fleischhauers konnte er dank eines Stipendiums Geschichte in Exeter studieren. Darauf folgte eine Professur in Oxford. Später wurde der Dramatiker, Regisseur, Drehbuchautor und Schriftsteller. Er verarbeitete seine Krebserkrankung literarisch, und erhielt viele Auszeichnungen. Im den Buch ist der mit Hausschwein an der Leine abgebildet.
"Die Souveräne Leserin"
original "London Review of Books" oder auch "The Uncommon Reader"
2007, Forelake Ltd
Aus dem Englischen von Ingo Herzke
2008, 2012, 19. Auflage 2017, Verlag Wagenbach Salto, Berlin
111 Seiten + 1 Seite Porträt des Autors
ISBN 978-3-8031-1254-5
Der Queen kommen ihre berühmten, aber etwas unerzogenen Corgis aus, und sie entdeckt einen Bücherbus und damit das Lesen. In dieser Liebeserklärung an das Lesen und Literatur, wird die Queen in die Welt der Bücher, der Phantasie, und der Geschichten gezogen. Die pflichtbewußte Dame beginnt ihre Termine etwas zu vernachlässigen und Bücher der Gesellschaft von Menschen vorzuziehen. Nach den ersten Buchempfehlungen des Bücherbusmannes, hilft ihr ein belesener Diener den sie aus der Küche geholt hat ihren eigenen Lesengeschmack zu entwickeln. Hofintrigen lassen nicht auf sich warten; manche gehen auf, manche werden zurück geschlagen. Die Gäste der Queen die bislang Smalltalk über Autos gemacht hatten, mußten sich überlegen welches Buch sie gerade lesen würden. Mit feinem Humor führt die Geschichte zur Überlegung, ob die Queen selbst zu schreiben anfangen sollte.
Das Buch ist liebevoll geschrieben. Mit Feingefühl ist das Leben, das Denken der Queen beschrieben, wie sich ihre Gedanken mit den Qualität der Bücher emanzipieren.
Am Hof lebende Menschen sind fast nur der Herzog mit seinen trockenen Kommentaren und ein ziemlich intriganter Sekretär beschrieben.
Es gibt kleine feine Betrachtungen über den Unterschied zwischen Lesen und Informieren, ob Literatur buckelt oder unabhängig ist, ob Lesen Bürgerpflicht sein sollte oder nicht, und die Überlegung, daß es schade ist so viele Autoren gekannt zu haben, ohne mit ihnen wirklich geplaudert zu haben. Ihr Versuch dies nachzuholen scheitert leider gründlich.
In Summe ein wunderbares feines Buch, das Anregungen zu vielen Büchern gibt. Viel Freude beim Lesen !
Alan Bennett wurde am 9. Mai 1934 in Leeds geboren. Als Sohn eines Fleischhauers konnte er dank eines Stipendiums Geschichte in Exeter studieren. Darauf folgte eine Professur in Oxford. Später wurde der Dramatiker, Regisseur, Drehbuchautor und Schriftsteller. Er verarbeitete seine Krebserkrankung literarisch, und erhielt viele Auszeichnungen. Im den Buch ist der mit Hausschwein an der Leine abgebildet.
Donnerstag, 31. Januar 2019
Rabih Alameddine : "Eine überflüssige Frau"
Rabih Alameddine : 
"Eine überflüssige Frau"
Roman
original "An Unnecessary Woman"
2013, Grove Press
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Marion Hertle
2016 / 4. Auflage 2017 Louisoder Verlags GmbH München
Lesebändchen
440 Seiten
ISBN 978-3-944153-30-8
Aaliya Saleh, eine 72-jährige Frau erzählt von ihrem Leben als Buchhändlerin, als erste Tochter ihrer Mutter die nach dem Tod des Vaters an dessen Bruder verheiratet wurde und immer übersehen wurde, ihrer Freundin Hannah, dem Leben in der Stadt Beirut in den Angriffen und auch in Friedenszeiten. Ihre Liebe gehört der arabischen Sprache, und deshalb übersetzt sie grandiose Romane aus englischen und französischen Übersetzungen ins arabische. Hier ist ihr Ziel pro Roman ein max zwei Jahre zu übersetzten.
Das beginnt Ende des Jahres mit ihren Überlegungen welches Buch sie zu Neujahr zu übersetzen beginnen wird. Es endet mit der Entscheidung für die nächsten zwei Bücher. Dazwischen sind der Versuch des ältesten (gräßlichen) Halbbruders die gemeinsame Mutter bei ihr abzuladen, ein Besuch im Museum, ein Besuch bei ihrer Mutter und überraschende Zusammenarbeit mit ihrer Nichte, und ein Wasserrohrbruch im Haus, das ihr überraschende Hilfe der drei anderen Frauen im Haus zuteil wird.
Das Buch ist aus ich-sicht geschrieben. Ihre Blicke, was sie sieht, was sie denkt ist notiert.
Am wichtigsten sind ihr Hannah eine Freundin die Teil der Familie ihres kurzzeit-Ehemannes gewesen war, dann kommen ihre Bücher und dann lange nichts. Ihre Familie hat sie nicht für sie interessiert, also macht sie es genauso; die drei starken Frauen in ihrem Haus sind ganz anders als sie, sie kümmern sich um Kinder, Mode, Männer und Intrigen (in unterschiedlichen Gewichtungen).
Auf fast vierhundert Seiten werden großartige Bücher der Weltliteratur beschrieben, und die Liebe Aaliyas zu diesen. Mir sind die Hälfte der Bücher bekannt, was Platz für Lesenanregung der nächsten Jahre macht.
Dazwischen wird Glen Gould genannt und andere Meilensteine der klassischen Musik, aber auch die großen Damen des arabischen Gesangs wie Oum Kouthoum.
Das Buch ist für mich eine Art Liebeserklärung an gute Bücher quer durch die Literaturgeschichte, die Art und Weise wie über Bücher und deren Charaktere geschrieben wird ist, macht neugierig auf deren (wieder oder erstmals) Lesen.
Aaliya schreibt über sich selbst auch humorvoll und selbstironisch. Übersetzt heißt Aaliya 'die Erhabene'. Es bringt zum Lächeln, wenn sie mit ihre Namen mit fehlerhaft blau gefärbten Haaren in Verbindung bringt und damit sprachlich spielt, und andere Mißgeschicke oder verblaßte Träume aus ihrem Leben.
Die Ausdrucksweise in diesem Buch fasziniert mich. Die Metaphern und andere Bilder in der beeindruckenden Stadt Beirut, die Gedanken über die Bücher haben mich in den Bann gezogen. Eigen war für mich daß ein Mann diese Frau so schön beschrieben hat, vielleicht ist hier aber auch der Übersetzerin der Tribut für diese sprachliche Schönheit und Dichte zu zollen.
Dieses wunderbare Buch hat meiner Ansicht nach leider den falschen Titel - auch wenn Aaliya sich selbst - da geschieden und kinderlos - als überflüssig sieht.
Auf spanisch lautet der Titel "La mujer de papel" (cirka 'Die Frau aus Papier'), auf französisch wurde "Les Vies de papier" (übersetzt cirka als 'Die Leben am Papier') als Titel gefunden, die mir beide viel besser als der Original und deutschsprachige Titel gefallen. Der italienische Titel ist "La traduttrice" ('die Übersetzerin').
In Summe ein großartiges Buch mit einer Offenheit für die Schönheit von Sprache und Literatur, aber auch zu Menschen. Viel viel Freude beim Lesen und Versinken in diese Welt !
Rabih Alameddine wurde in 1959 in Amman/ Jordanien geboren. Er ist Maler und ist in englischer Sprache schreibender Schriftsteller. Er ist Sohn libanesischer Drusen und wuchs in Kuwait, Libanon auf und lebt ab seinem 17. Lebensjahr in England, später Kalifornien. Nach seinem Studium war er als Ingenieur tätig. 1998 erschien sein erster Roman "Koolaids. The Art of War". Er lebt in San Francisco und Beirut.

"Eine überflüssige Frau"
Roman
original "An Unnecessary Woman"
2013, Grove Press
Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Marion Hertle
2016 / 4. Auflage 2017 Louisoder Verlags GmbH München
Lesebändchen
440 Seiten
ISBN 978-3-944153-30-8
Aaliya Saleh, eine 72-jährige Frau erzählt von ihrem Leben als Buchhändlerin, als erste Tochter ihrer Mutter die nach dem Tod des Vaters an dessen Bruder verheiratet wurde und immer übersehen wurde, ihrer Freundin Hannah, dem Leben in der Stadt Beirut in den Angriffen und auch in Friedenszeiten. Ihre Liebe gehört der arabischen Sprache, und deshalb übersetzt sie grandiose Romane aus englischen und französischen Übersetzungen ins arabische. Hier ist ihr Ziel pro Roman ein max zwei Jahre zu übersetzten.
Das beginnt Ende des Jahres mit ihren Überlegungen welches Buch sie zu Neujahr zu übersetzen beginnen wird. Es endet mit der Entscheidung für die nächsten zwei Bücher. Dazwischen sind der Versuch des ältesten (gräßlichen) Halbbruders die gemeinsame Mutter bei ihr abzuladen, ein Besuch im Museum, ein Besuch bei ihrer Mutter und überraschende Zusammenarbeit mit ihrer Nichte, und ein Wasserrohrbruch im Haus, das ihr überraschende Hilfe der drei anderen Frauen im Haus zuteil wird.
Das Buch ist aus ich-sicht geschrieben. Ihre Blicke, was sie sieht, was sie denkt ist notiert.
Am wichtigsten sind ihr Hannah eine Freundin die Teil der Familie ihres kurzzeit-Ehemannes gewesen war, dann kommen ihre Bücher und dann lange nichts. Ihre Familie hat sie nicht für sie interessiert, also macht sie es genauso; die drei starken Frauen in ihrem Haus sind ganz anders als sie, sie kümmern sich um Kinder, Mode, Männer und Intrigen (in unterschiedlichen Gewichtungen).
Auf fast vierhundert Seiten werden großartige Bücher der Weltliteratur beschrieben, und die Liebe Aaliyas zu diesen. Mir sind die Hälfte der Bücher bekannt, was Platz für Lesenanregung der nächsten Jahre macht.
Dazwischen wird Glen Gould genannt und andere Meilensteine der klassischen Musik, aber auch die großen Damen des arabischen Gesangs wie Oum Kouthoum.
Das Buch ist für mich eine Art Liebeserklärung an gute Bücher quer durch die Literaturgeschichte, die Art und Weise wie über Bücher und deren Charaktere geschrieben wird ist, macht neugierig auf deren (wieder oder erstmals) Lesen.
Aaliya schreibt über sich selbst auch humorvoll und selbstironisch. Übersetzt heißt Aaliya 'die Erhabene'. Es bringt zum Lächeln, wenn sie mit ihre Namen mit fehlerhaft blau gefärbten Haaren in Verbindung bringt und damit sprachlich spielt, und andere Mißgeschicke oder verblaßte Träume aus ihrem Leben.
Die Ausdrucksweise in diesem Buch fasziniert mich. Die Metaphern und andere Bilder in der beeindruckenden Stadt Beirut, die Gedanken über die Bücher haben mich in den Bann gezogen. Eigen war für mich daß ein Mann diese Frau so schön beschrieben hat, vielleicht ist hier aber auch der Übersetzerin der Tribut für diese sprachliche Schönheit und Dichte zu zollen.
Dieses wunderbare Buch hat meiner Ansicht nach leider den falschen Titel - auch wenn Aaliya sich selbst - da geschieden und kinderlos - als überflüssig sieht.
Auf spanisch lautet der Titel "La mujer de papel" (cirka 'Die Frau aus Papier'), auf französisch wurde "Les Vies de papier" (übersetzt cirka als 'Die Leben am Papier') als Titel gefunden, die mir beide viel besser als der Original und deutschsprachige Titel gefallen. Der italienische Titel ist "La traduttrice" ('die Übersetzerin').
In Summe ein großartiges Buch mit einer Offenheit für die Schönheit von Sprache und Literatur, aber auch zu Menschen. Viel viel Freude beim Lesen und Versinken in diese Welt !
Rabih Alameddine wurde in 1959 in Amman/ Jordanien geboren. Er ist Maler und ist in englischer Sprache schreibender Schriftsteller. Er ist Sohn libanesischer Drusen und wuchs in Kuwait, Libanon auf und lebt ab seinem 17. Lebensjahr in England, später Kalifornien. Nach seinem Studium war er als Ingenieur tätig. 1998 erschien sein erster Roman "Koolaids. The Art of War". Er lebt in San Francisco und Beirut.
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Sonntag, 28. Oktober 2018
Marlene Streeruwitz : "Nachkommen"
Marlene Streeruwitz :
"Nachkommen"
Roman
2014, S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt
328 Seiten
ISBN 978-3-10-074445-6
Die junge große gutaussehende Nelia Fehn hat ein Buch geschrieben. Am ersten Tag der Frankfurter Buchmesse wird in Großvater in Österreich begraben, bevor sie nach Frankfurt abfliegt. Bei der Buchmesse gewinnt sie den begehrten Buchpreis leider nicht - sie hätte das Geld für die Operation ihres griechischen Freundes gebraucht. Sie lernt ihren biologischen Vater kennen, wird am Verlagsmarkt präsentiert, absolviert zwei Interviews und merkt wie wenig sie in das Bücherbusiness hineinpaßt. Erschwerend kommt dazu, daß ihre Mutter mit dem Literaturbetrieb gut umgehen konnte, und etabliert war; sie wird immer mit ihrer Mutter, die gestorben war als Nelia 16 war, verglichen.
Das Thema Banken und Griechenland wird durch die Bankenhochbauten in Frankfurt – es werden keine Menschen geschildert – und ihren Freund Marios an dessen Existenz die Bankenentscheidungen gehen geschildert.
"Nachkommen"
Roman
2014, S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt
328 Seiten
ISBN 978-3-10-074445-6
Die junge große gutaussehende Nelia Fehn hat ein Buch geschrieben. Am ersten Tag der Frankfurter Buchmesse wird in Großvater in Österreich begraben, bevor sie nach Frankfurt abfliegt. Bei der Buchmesse gewinnt sie den begehrten Buchpreis leider nicht - sie hätte das Geld für die Operation ihres griechischen Freundes gebraucht. Sie lernt ihren biologischen Vater kennen, wird am Verlagsmarkt präsentiert, absolviert zwei Interviews und merkt wie wenig sie in das Bücherbusiness hineinpaßt. Erschwerend kommt dazu, daß ihre Mutter mit dem Literaturbetrieb gut umgehen konnte, und etabliert war; sie wird immer mit ihrer Mutter, die gestorben war als Nelia 16 war, verglichen.
Der
Roman ist aus Sicht der jungen Frau / der Autorin geschildert. Ihre Handlungen
und Gedanken und Eindrücke werden beschrieben. Bei ihren Gedanken handelt es
sich oft um nicht um ganze Gedankengänge, sondern oft um Gedankenfetzten,
einzelne Worte, Assoziationen. Manches dreht sich im Kreis und droht sich tot
zu laufen, manche Gedankenstränge machen sich quasi selbstständig und es
entstehen teilweise skurrile Ideen und Wortschöpfungen.
Es
geht unter die Haut wenn sie beschreibt, daß sie als spät gekommenes Kind ihrer
Mutter von fast allen ihrer Familie abgelehnt wurde. Nur eine Freundin und
deren Freund in Griechenland schaffen es nach der Mutter Tod eine Art Heimat zu
geben. Nur der Großvater war für sie eine positive Gestalt innerhalb der
Familie, der sie in ihrer offenbar Andersheit akzeptiert hat. (Das anders sein
waren die illegitime Geburt und daß sie ihrem Vater ähnlich sieht).Das Thema Banken und Griechenland wird durch die Bankenhochbauten in Frankfurt – es werden keine Menschen geschildert – und ihren Freund Marios an dessen Existenz die Bankenentscheidungen gehen geschildert.
Skurril
lesen sich Beobachtungen wie über den elektronischen Kartenschlitz im Hotel für
eine Nacht, die senffarbene Wand in der Hotelabsteige für die Folgenächte, die vielen
schwarzen Suvs und das Fehlen roter Autos auf den Straßen.
Die Beschreibungen der Buchmesse von Autorenseite war faszinierend : das Warten auf den Preisverleih, die Machtspiele der Autoren/innen untereinander, wie sich Verlagsvertreter untereinander benehmen, das unterschiedliche Benehmen von Literaturjournalisten/innen. Dazu werden Generationenkonflikt und Genderthematik gemischt, daß es teilweise beim Lesen weh tat.
Liebe ist leider fern. Denn zwischen ihrem Vater aus dem Bildungsbürgertum Frankfurts und ihr, die ihn erst spät und jetzt kennen lernt, sind keine Brücken möglich. Seine aktuelle Freundin ist so junge, wie sie - seine Tochter. Liebe sind nur in den sms-s mit Marios in Griechenland spürbar.
Spannend ist das Ringen der fiktiven Autorin um Qualitätsbegriffe im Buchbetrieb, wenn sie ihr Buch nicht nur Buch, sondern Roman genannt haben möchte. Und daß sie bewußtes Definieren von Literatur und Belletristik wünscht.
Den zerfransten Schreibstil muß man mögen. Mich hat er in den Bann gezogen. Viel Freude beim Lesen !
Marlene Streeruwitz wurde 28. Juni 1950 in Baden (Niederösterreich) geboren. Sie studierte Slawistik und Kunstgeschichte in Wien. 1992 wurde ihr erstes theaterstück aufgeführt. Ihr erster Roman "Verführungen. 3. Folge. Frauenjahre" erschien 1996. Mittlerweile ist sie vielfach ausgezeichnet.
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Dienstag, 11. September 2018
Antonio Tabucchi : "Erklärt Pereira"
Antonio Tabucchi :
"Erklärt Pereira" - eine Zeugenaussage
original "sostiene Pereira"
1994, Feltrinelli Mailand
Aus dem Italienischen von Karin Fleischhanderl
1995, Carl Hanser Verlag
201 Seiten
ISBN 3-446-18298-5
Pereira, ein rundlicher Kulturjournalist in Portugal mit Faible für französische Autoren des 19. Jahrhunderts wird mit einem jungen Mann, den er als Praktikenten beschäftigt, bekannt. Dieser engagiert sich für die Republikaner im benachbarten Spanien, und das 1938 in der Zeit des Guernica-Angriffs. Während der Journalist versucht in seiner Welt zu bleiben, indem er französische Autoren übersetzt und Nachrufe plant, Omelette verspeist und Limonade trinkt, was auf 190 Seiten geschieht, bricht in den letzten Seiten die Brutalität der Realität in seine Wohnung ein, der junge Mann wird gefoltert und stirbt, worauf Pereira eine List für den Nachruf über den jungen Mann anwendet und sein Verschwinden plant.
Als Kunstgriff ist immer wieder "erklärt Pereira" in den Erzählstrom eingefügt, als ob er das Geschehen jemandem erzählte oder etwas beweisen muß.
Pereira ist Witwer, und unterhält sich mit dem Photo seiner Frau. Offen sprechen kann er mit einem lange bekannten Priester und später einem Arzt in einem Erholungsspital; sonst hält er sich mit dem Sprechen zurück, und versinkt lieber im Übersetzen. Der Roman liest sich gemütlich, Literatur und Philosophie und die Überlegungen über das 'hegemonische Ich' werden gepflegt.
Die Welt des Praktikanten und seiner Freundin, die sich beide für die Nationalisten und gegen Franco entschieden haben, sind ihm fremd. Erst als sich die spanische Kirche auf die Seite Francos schlägt, das Dorf Guernica zerstört wird und der vertrauensselige Praktikant in seiner Wohnung getötet wird, gewinnt der Roman an Geschwindigkeit und Wendigkeit.
Personen der Handlung sind Pereira, der Herausgeber der Zeitung, die Hausmeisterin (und wahrscheinlich Polizeispitzel der Salazar-Diktatur), Praktikant Rossi und seine Freundin Martha. Orte sind Lissabon, und Gegenden am Land oder am Meer.
Es fallen viele Namen von Autoren und Philosophen die mir nicht immer etwas gesagt haben. Beispielsweise sind genannt : Francois Mauriac (französischer Schriftsteller; 1885 - 1970), Filippo Marinetti (italienischer Schrifsteller, Futurist 1876 - 1944), Georges Bernanos (französischer Schriftsteller, 1888 - 1948), Gabriele D'Annunzio (italienischer Schrifsteller, Symbolist; 1863 - 1938), Alphonse Daudet (französischer Schriftsteller; 1840 - 1897).
Das Buch war nicht einfach zu Lesen. Die Welt des dicken einsamen Mannes bietet nicht viel Abwechslung. Faszinierend wie er den Krieg im Nachbarland komplett ausklammert.
Das Buch wurde 1995 mit Marcello Mastroianni in der Rolle des Dr. Pereira verfilmt.
Antonio Tabucchi wurde am 24. September 1943 in Pisa geboren. Er lernte portugiesisch, als er an der Universität in Genua studierte. er war Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Übersetzer. Sein erstes Buch erschien 1975 in Italien (" Piazza d'Italia"). Er starb am 25. März 2012 in Lissabon.
"Erklärt Pereira" - eine Zeugenaussage
original "sostiene Pereira"
1994, Feltrinelli Mailand
Aus dem Italienischen von Karin Fleischhanderl
1995, Carl Hanser Verlag
201 Seiten
ISBN 3-446-18298-5
Pereira, ein rundlicher Kulturjournalist in Portugal mit Faible für französische Autoren des 19. Jahrhunderts wird mit einem jungen Mann, den er als Praktikenten beschäftigt, bekannt. Dieser engagiert sich für die Republikaner im benachbarten Spanien, und das 1938 in der Zeit des Guernica-Angriffs. Während der Journalist versucht in seiner Welt zu bleiben, indem er französische Autoren übersetzt und Nachrufe plant, Omelette verspeist und Limonade trinkt, was auf 190 Seiten geschieht, bricht in den letzten Seiten die Brutalität der Realität in seine Wohnung ein, der junge Mann wird gefoltert und stirbt, worauf Pereira eine List für den Nachruf über den jungen Mann anwendet und sein Verschwinden plant.
Als Kunstgriff ist immer wieder "erklärt Pereira" in den Erzählstrom eingefügt, als ob er das Geschehen jemandem erzählte oder etwas beweisen muß.
Pereira ist Witwer, und unterhält sich mit dem Photo seiner Frau. Offen sprechen kann er mit einem lange bekannten Priester und später einem Arzt in einem Erholungsspital; sonst hält er sich mit dem Sprechen zurück, und versinkt lieber im Übersetzen. Der Roman liest sich gemütlich, Literatur und Philosophie und die Überlegungen über das 'hegemonische Ich' werden gepflegt.
Die Welt des Praktikanten und seiner Freundin, die sich beide für die Nationalisten und gegen Franco entschieden haben, sind ihm fremd. Erst als sich die spanische Kirche auf die Seite Francos schlägt, das Dorf Guernica zerstört wird und der vertrauensselige Praktikant in seiner Wohnung getötet wird, gewinnt der Roman an Geschwindigkeit und Wendigkeit.
Personen der Handlung sind Pereira, der Herausgeber der Zeitung, die Hausmeisterin (und wahrscheinlich Polizeispitzel der Salazar-Diktatur), Praktikant Rossi und seine Freundin Martha. Orte sind Lissabon, und Gegenden am Land oder am Meer.
Es fallen viele Namen von Autoren und Philosophen die mir nicht immer etwas gesagt haben. Beispielsweise sind genannt : Francois Mauriac (französischer Schriftsteller; 1885 - 1970), Filippo Marinetti (italienischer Schrifsteller, Futurist 1876 - 1944), Georges Bernanos (französischer Schriftsteller, 1888 - 1948), Gabriele D'Annunzio (italienischer Schrifsteller, Symbolist; 1863 - 1938), Alphonse Daudet (französischer Schriftsteller; 1840 - 1897).
Das Buch war nicht einfach zu Lesen. Die Welt des dicken einsamen Mannes bietet nicht viel Abwechslung. Faszinierend wie er den Krieg im Nachbarland komplett ausklammert.
Das Buch wurde 1995 mit Marcello Mastroianni in der Rolle des Dr. Pereira verfilmt.
Antonio Tabucchi wurde am 24. September 1943 in Pisa geboren. Er lernte portugiesisch, als er an der Universität in Genua studierte. er war Schriftsteller, Literaturwissenschaftler und Übersetzer. Sein erstes Buch erschien 1975 in Italien (" Piazza d'Italia"). Er starb am 25. März 2012 in Lissabon.
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Übersetzerin
Samstag, 23. Juni 2018
Anfänge - Neue österreichische Literatur
Anfänge - Neue österreichische Literatur
Herausgegeben von Heinz Sychrovsky
Welttag des Buches - 23. April 2018
Hauptverband des Österreichischen Buchhandels
Jeweils die ersten zehn Seiten der Texte sind hier abgedruckt.
+Nava Ebrahimi - Sechzehn Wörter : eine junge Frau aus Deutschland fliegt nach Persien, weil ihre Großmutter gestorben ist und denkt über ihre Familie nach. Und welche Wörter es in deutsch gibt, aber nicht in Farsi - und umgekehrt. Um welche titelgebenden 16 Wörter es hier geht, wird aus dem Ausschnitt nicht klar. Der Stil ist dicht und zieht in die Welt der Fragen und Wörter und hier starken Frauen hinein.
+ Christoph Linher - Ungemach : Ein Mann hat seine Rechtsanwaltslizenz verloren, und folgt daher dem Ruf einer Tante ihn am Pflegebett in der Einöde zu besuchen. am besten gefiel mir die Formulierung in der Wolken mit 'geschichteterem Schiefer' verglichen wurden.
+ Irene Diwiak - Liebwies : ein Musiklehrer ohne Freude an irgendwas kehrt aus dem ersten Weltkrieg zurück, säuft einige Zeit bis er beschließt aufs Land zu fahren und durch mehrere Zufälle als Dorflehrer beginnt.
+ Theodora Bauer - Chikago : Katica ist als Mädchen von einem Ort schwanger von einem jungen Soldaten. Das Kind wird von der Großmutter aufgezogen. Die Absätze springen in der Zeit hin und her. Es kommen kurze Sätze in einer anderen Sprache vor, die leider nicht übersetzt werden. Sprachlich hat mich der Ausschnitt nicht angesprochen.
+ Marie Luise Lehner - Fliegenpilze aus Kork : kurze Absätze machen Schlaglichter eines Kindes und seine Erinnerungen an die getrennt lebenden Eltern. Der Vater ist attraktiv und lieb zu ihr. Das Kind erinnert sich an ein Meerschweinchen, an Radfahren, an Ausflug auf den Schneeberg, an eine Demonstration bei der es auf den Schultern des Vaters sitzt. Die Absätze, kurzen Abschnitte oder auch das eine Gedicht machen starke Stimmung.
+ Laura Freudenthaler - Die Königin schweigt : Fanny hat eine alte Aufpasserin, was sie besonders macht. Ihr Bruder darf den Eltern auf dem Feld helfen. - die beschrieben Atmosphäre ist dicht, aber ich konnte nicht erkennen wohin der Raum führt.
+ Elias Hirschl - Hundert schwarze Nähmaschinen : Ein Zivi wird eine WG mit ziemlich schrägen bis älteren Menschen zugeteilt. Die Beschreibungen sind heftig. Spannend ist wie er Geruch der Kleidung und einer Wohnung mit der Sprache aus der Parfumbranche beschreibt.
+ Mario Hladicz - Gedichte zwischen Uhr und Bett : Gedichte
+ Sophie Reyer - Schildkrötentage : eine Frau bekommt mit 40 die erste tiefe Falte und denkt an ihren Kindheitswunsch eine Schildkröte zu haben und diese durch Plastikechsen zu substituieren.
+ Cordula Simon - Der Neubauer : Eine obdachlose Ich-Person beschreibt wie sie einen jungen reichen Schnösel in einer Bar kennenlernt und sich bei ihm - weil es Winter ist - für einige Tage einquartiert. Die Frauen und der farblose reiche Mann schneiden nicht gut ab.
+ Mascha Dabic - Reibungsverluste : Nora hat zu ihrem 30-er beschlossen ein Vierteljahr keine Bücher zu lesen. Für sie ist das fast eine Revolution, da sie sich schon als Kind die die Welt der Bücher geflüchtet hat. Sie beschreibt auch ihre Zeit als sie in Russland lebte und sich eine Freundin um ihre Hände gekümmert hatte. Witzig fand ich die Formulierung, daß sich Bücher auf einem Sofa räkeln. Die Sprache und Situationen sind dicht und gut vorstellbar und schön lesbar.
+ Jakob Pretterhofer - Tagwache : hier ist Herr Hüttner Ausbildner im österreichischen Bundesheer, und denkt immer noch an den Selbstmord eines Rekruten nach.
+ Raphaela Edelbauer - Entdecker. Eine Poetik / mit Zeichnungen von Simon Goritschnig : Gebrauchsanweisung und Bestiarium, die sich mit Text-Bestien und Sprachanweisungen beschäftigen. Es werden hochgestochene Vokabel eingesetzt. Dazwischen sind kleine faszinierende Zeichnungen aus verschiedenen Elementen zusammengesetzter Objekte aus der Natur.
Theodora Bauer : * 1990 in Wien
Mascha Dabic : * 1981 in Sarajevo
Irene Diwiak : * 1991 in Graz
Nava Ebrahimi : * 1978 in Teheran
Raphaela Edelbauer : * 1990 in Wien
Laura Freudenthaler : * 1984 in Salzburg
Elias Hirschl : * 1994 in Wien
Mario Hladicz : * 1984 in Graz
Marie Luise Lehner : * 1995
Christoph Linher : * 1983 in Bludenz
Jakob Pretterhofer : * 1985 in Graz
Sophie Reyer : * 1984 in Wien
Cordula Simon : * 1986 in Graz
Herausgegeben von Heinz Sychrovsky
Welttag des Buches - 23. April 2018
Hauptverband des Österreichischen Buchhandels
Jeweils die ersten zehn Seiten der Texte sind hier abgedruckt.
+Nava Ebrahimi - Sechzehn Wörter : eine junge Frau aus Deutschland fliegt nach Persien, weil ihre Großmutter gestorben ist und denkt über ihre Familie nach. Und welche Wörter es in deutsch gibt, aber nicht in Farsi - und umgekehrt. Um welche titelgebenden 16 Wörter es hier geht, wird aus dem Ausschnitt nicht klar. Der Stil ist dicht und zieht in die Welt der Fragen und Wörter und hier starken Frauen hinein.
+ Christoph Linher - Ungemach : Ein Mann hat seine Rechtsanwaltslizenz verloren, und folgt daher dem Ruf einer Tante ihn am Pflegebett in der Einöde zu besuchen. am besten gefiel mir die Formulierung in der Wolken mit 'geschichteterem Schiefer' verglichen wurden.
+ Irene Diwiak - Liebwies : ein Musiklehrer ohne Freude an irgendwas kehrt aus dem ersten Weltkrieg zurück, säuft einige Zeit bis er beschließt aufs Land zu fahren und durch mehrere Zufälle als Dorflehrer beginnt.
+ Theodora Bauer - Chikago : Katica ist als Mädchen von einem Ort schwanger von einem jungen Soldaten. Das Kind wird von der Großmutter aufgezogen. Die Absätze springen in der Zeit hin und her. Es kommen kurze Sätze in einer anderen Sprache vor, die leider nicht übersetzt werden. Sprachlich hat mich der Ausschnitt nicht angesprochen.
+ Marie Luise Lehner - Fliegenpilze aus Kork : kurze Absätze machen Schlaglichter eines Kindes und seine Erinnerungen an die getrennt lebenden Eltern. Der Vater ist attraktiv und lieb zu ihr. Das Kind erinnert sich an ein Meerschweinchen, an Radfahren, an Ausflug auf den Schneeberg, an eine Demonstration bei der es auf den Schultern des Vaters sitzt. Die Absätze, kurzen Abschnitte oder auch das eine Gedicht machen starke Stimmung.
+ Laura Freudenthaler - Die Königin schweigt : Fanny hat eine alte Aufpasserin, was sie besonders macht. Ihr Bruder darf den Eltern auf dem Feld helfen. - die beschrieben Atmosphäre ist dicht, aber ich konnte nicht erkennen wohin der Raum führt.
+ Elias Hirschl - Hundert schwarze Nähmaschinen : Ein Zivi wird eine WG mit ziemlich schrägen bis älteren Menschen zugeteilt. Die Beschreibungen sind heftig. Spannend ist wie er Geruch der Kleidung und einer Wohnung mit der Sprache aus der Parfumbranche beschreibt.
+ Mario Hladicz - Gedichte zwischen Uhr und Bett : Gedichte
+ Sophie Reyer - Schildkrötentage : eine Frau bekommt mit 40 die erste tiefe Falte und denkt an ihren Kindheitswunsch eine Schildkröte zu haben und diese durch Plastikechsen zu substituieren.
+ Cordula Simon - Der Neubauer : Eine obdachlose Ich-Person beschreibt wie sie einen jungen reichen Schnösel in einer Bar kennenlernt und sich bei ihm - weil es Winter ist - für einige Tage einquartiert. Die Frauen und der farblose reiche Mann schneiden nicht gut ab.
+ Mascha Dabic - Reibungsverluste : Nora hat zu ihrem 30-er beschlossen ein Vierteljahr keine Bücher zu lesen. Für sie ist das fast eine Revolution, da sie sich schon als Kind die die Welt der Bücher geflüchtet hat. Sie beschreibt auch ihre Zeit als sie in Russland lebte und sich eine Freundin um ihre Hände gekümmert hatte. Witzig fand ich die Formulierung, daß sich Bücher auf einem Sofa räkeln. Die Sprache und Situationen sind dicht und gut vorstellbar und schön lesbar.
+ Jakob Pretterhofer - Tagwache : hier ist Herr Hüttner Ausbildner im österreichischen Bundesheer, und denkt immer noch an den Selbstmord eines Rekruten nach.
+ Raphaela Edelbauer - Entdecker. Eine Poetik / mit Zeichnungen von Simon Goritschnig : Gebrauchsanweisung und Bestiarium, die sich mit Text-Bestien und Sprachanweisungen beschäftigen. Es werden hochgestochene Vokabel eingesetzt. Dazwischen sind kleine faszinierende Zeichnungen aus verschiedenen Elementen zusammengesetzter Objekte aus der Natur.
Theodora Bauer : * 1990 in Wien
Mascha Dabic : * 1981 in Sarajevo
Irene Diwiak : * 1991 in Graz
Nava Ebrahimi : * 1978 in Teheran
Raphaela Edelbauer : * 1990 in Wien
Laura Freudenthaler : * 1984 in Salzburg
Elias Hirschl : * 1994 in Wien
Mario Hladicz : * 1984 in Graz
Marie Luise Lehner : * 1995
Christoph Linher : * 1983 in Bludenz
Jakob Pretterhofer : * 1985 in Graz
Sophie Reyer : * 1984 in Wien
Cordula Simon : * 1986 in Graz
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Samstag, 7. Oktober 2017
Longlist 2017
Longlist 2017
2017, Österreichischer Buchpreis
1 Seite Vorwort + 2 Seiten Inhaltsverzeichnis + 92 Seiten Gedichte/Textausschnitte/ je 1 Seite mit Photo und Vita des/r Autoren/in + 2 Seiten Jury
Oswald Egger: Val Di Non (Suhrkamp)
- Sprachspielereien und Gedichte; dazwischen schöne kleine Zeichnungen
Brigitta Falkner: Strategien der Wirtsfindung (Matthes & Seitz Berlin)
- Sprachspiele um Insekten und 2 schöne große Zeichnungen in weiß-schwarz
Olga Flor: Klartraum (Jung und Jung)
- Romanausschnitt mit zerfetzt-anspruchsvollen Text über eine Beziehung
Paulus Hochgatterer: Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war (Deuticke)
- Romanausschnitt mit Kindern im Frühjahr 1945 in Niederösterreich
Doris Knecht: Alles über Beziehungen (Rowohlt Berlin)
- Romanausschnitt über Victor, Intendant, Ex-Freund und verlobt
Eva Menasse: Tiere für Fortgeschrittene (Kiepenheuer & Witsch)
- Romanausschnitt über Enten / eine Familie die in Urlaub fährt
Robert Menasse: Die Hauptstadt (Suhrkamp Verlag)
- Romanausschnitt bei dem ein Schwein durch Brüssel galoppiert
Karin Peschka: Autolyse Wien (Otto Müller Verlag)
- Romanausschnitt durch ein zerstörtes Wien, in dem einzelne Menschen alleine mühsam überleben
Doron Rabinovici: Die Außerirdischen (Suhrkamp)
- Romanausschnitt mit Vorbereitungen und Ankunft der Außerirdischen
Franz Schuh: Fortuna. Aus dem Magazin des Glücks (Zsolnay)
- Gedichte und Absätze mit einer unterhaltsamen Wortschöpfung - dem Dummdödel - und einer Abhandlung zwischen Thomas Mann und Bürgerlichkeit
Die Titel der Shortlist Debüt:
Mascha Dabić: Reibungsverluste (Edition Atelier)
- Romanausschnitt : Übersetzerin von Texten Gefolterter und bei Interviews; die Problematik wie man sich bei den Geschichten abgrenzen soll, aber auch wie übersetzt man zwischen wortgenau und sinngemäß richtig.
Irene Diwiak: Liebwies (Deuticke)
- Romanausschnitt in dem ein versehrter Musiklehrer nach dem ersten Weltkrieg wieder Fuß fassen will.
Nava Ebrahimi: Sechzehn Wörter (btb Verlag)
- Romanausschnitt über eine Frau die zwar in Deutschland lebt aber gerade ihre Großmutter in Persien besucht.
Mich hat der Ausschnitt von Karin Peschka am meisten angesprochen. Ich bin neugierig welche Bücher es auf die Shortlist schaffen werden.
Oswald Egger: * 1963 in Lana (Südtirol)
Brigitta Falkner: * 1959 in Wien
Olga Flor: * 1968 in Wien
Paulus Hochgatterer: * 1961 in Amstetten (NÖ)
Doris Knecht: * 1966 in Rankweil (Vorarlberg)
Eva Menasse: * 1970 in Wien
Robert Menasse: * 1954 in Wien
Karin Peschka: * 1967 in Eferding (ÖO)
Doron Rabinovici: * 1961 In Tel Aviv
Franz Schuh: * 1947 in Wien
Mascha Dabić: * 1981 in Sarejevo
Irene Diwiak: * 1991 in Graz
Nava Ebrahimi: * 1978 in Teheran
2017, Österreichischer Buchpreis
1 Seite Vorwort + 2 Seiten Inhaltsverzeichnis + 92 Seiten Gedichte/Textausschnitte/ je 1 Seite mit Photo und Vita des/r Autoren/in + 2 Seiten Jury
Oswald Egger: Val Di Non (Suhrkamp)
- Sprachspielereien und Gedichte; dazwischen schöne kleine Zeichnungen
Brigitta Falkner: Strategien der Wirtsfindung (Matthes & Seitz Berlin)
- Sprachspiele um Insekten und 2 schöne große Zeichnungen in weiß-schwarz
Olga Flor: Klartraum (Jung und Jung)
- Romanausschnitt mit zerfetzt-anspruchsvollen Text über eine Beziehung
Paulus Hochgatterer: Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war (Deuticke)
- Romanausschnitt mit Kindern im Frühjahr 1945 in Niederösterreich
Doris Knecht: Alles über Beziehungen (Rowohlt Berlin)
- Romanausschnitt über Victor, Intendant, Ex-Freund und verlobt
Eva Menasse: Tiere für Fortgeschrittene (Kiepenheuer & Witsch)
- Romanausschnitt über Enten / eine Familie die in Urlaub fährt
Robert Menasse: Die Hauptstadt (Suhrkamp Verlag)
- Romanausschnitt bei dem ein Schwein durch Brüssel galoppiert
Karin Peschka: Autolyse Wien (Otto Müller Verlag)
- Romanausschnitt durch ein zerstörtes Wien, in dem einzelne Menschen alleine mühsam überleben
Doron Rabinovici: Die Außerirdischen (Suhrkamp)
- Romanausschnitt mit Vorbereitungen und Ankunft der Außerirdischen
Franz Schuh: Fortuna. Aus dem Magazin des Glücks (Zsolnay)
- Gedichte und Absätze mit einer unterhaltsamen Wortschöpfung - dem Dummdödel - und einer Abhandlung zwischen Thomas Mann und Bürgerlichkeit
Die Titel der Shortlist Debüt:
Mascha Dabić: Reibungsverluste (Edition Atelier)
- Romanausschnitt : Übersetzerin von Texten Gefolterter und bei Interviews; die Problematik wie man sich bei den Geschichten abgrenzen soll, aber auch wie übersetzt man zwischen wortgenau und sinngemäß richtig.
Irene Diwiak: Liebwies (Deuticke)
- Romanausschnitt in dem ein versehrter Musiklehrer nach dem ersten Weltkrieg wieder Fuß fassen will.
Nava Ebrahimi: Sechzehn Wörter (btb Verlag)
- Romanausschnitt über eine Frau die zwar in Deutschland lebt aber gerade ihre Großmutter in Persien besucht.
Mich hat der Ausschnitt von Karin Peschka am meisten angesprochen. Ich bin neugierig welche Bücher es auf die Shortlist schaffen werden.
Oswald Egger: * 1963 in Lana (Südtirol)
Brigitta Falkner: * 1959 in Wien
Olga Flor: * 1968 in Wien
Paulus Hochgatterer: * 1961 in Amstetten (NÖ)
Doris Knecht: * 1966 in Rankweil (Vorarlberg)
Eva Menasse: * 1970 in Wien
Robert Menasse: * 1954 in Wien
Karin Peschka: * 1967 in Eferding (ÖO)
Doron Rabinovici: * 1961 In Tel Aviv
Franz Schuh: * 1947 in Wien
Mascha Dabić: * 1981 in Sarejevo
Irene Diwiak: * 1991 in Graz
Nava Ebrahimi: * 1978 in Teheran
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Sonntag, 11. Juni 2017
Hrsg Alexander Groh, Daniel Resch und Alexandra Rotter : "Das Buch - Buch"
"Das Buch - Buch" - über das Verlegen
herausgegeben von Alexandra Rotter, Alexander Groh und Daniel Resch
2017, Edition Grünanger Wien (Website ist in Konzeption)
113 Seiten + 5 Seiten Biografien
ISBN 978-3902678348
Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der 'Werkstätte Buchverlag 2013/14' unternehmen hier den Versuch über Verlagswesen (v.a. die Neugründung), über Buchmedien und auch etwas aus Autorensicht in kleinen feinen Artikeln zu formulieren und sich damit auseinanderzusetzten. Ein Graphiker hat den schmalen kleinen Band in klares Schwarz-Weiß ohne Schnörkel gesetzt.
Ausgangspunkt war daß alle Werkstatt-Teilnehmer wissen wollten wie man zu einem eigenen Verlag kommt. Vornweg - es geht nicht um Finanzierung, sondern um Begeisterung und wie bleibt man am Ball, hier am Umsatz. Eine Verlegerin wurde hier interviewt, ein Professor mit einigen gescheiterten Verlagsprojekten kommt zu Wort, ein Herausgeber einer Zeitschrift zeigt seine Liebe zu Texten und ist berührend in seinem Engagement um Veröffentlichung von Literatur, und der Leiter der Werkstatt der das Rüstzeug zur Verlagsgründung und etwas Nachdenken wie man wenigstens einige Fehler vermeiden kann weitergeben will, bringt mit pointierten Aussagen manche Probleme auf den Punkt.
Bei den Medien geht es auch um das e-book aber vor allem um die Veröffentlichung, Speicherung und zur Verfügungsstellung wissenschaftlicher Texte. Wer so wie ich von diesem Thema vorher keine Ahnung hatte liest mit steigender Faszination über eine Welt aus Pflichtveröffentlichungen, anerkannten Plattformen, teuren und preiswerteren Veröffentlichungsansätzen. Problematisch wird es mit dem Thema Speichern-auf-lange-Zeit und Zugriffsgarantien. hochinteressant !
Im dritten Bereich geht es über Autoren, bei denen ein 'echter' Schreiber (weil Journalist und Schriftsteller), eine 'echte' Schriftstellerin, eine Ghostwriterin, eine Schulbuchautorin ihre Erfahrungen zusammenfassen. Hier sind vier komplett unterschiedliche Ansätze über Texte schreiben (ohne die Buchverlage sinnlos sind) angeboten.
Die Texte sind unterschiedlich einfach oder mühsam zu lesen, da jede/r Verfasser/in seinen/ihren persönlichen Stil hat.
Sehr gut hat mir das Interview mit Walter Famler gefallen der meint "was nicht auch physisch vorhanden ist, wird irgendwann gänzlich verschwunden sein"; und sich damit für das gedruckte Buch ausdrückt !?
Aufgefallen ist mir daß in mehreren Artikeln die Rede davon ist, daß Adjektive wenig zu nutzen oder zu streichen sind. Schade denn ich mag die gute Nutzung von passenden Eigenschaftswörtern.
Mir ist bei dem Buch aufgefallen, daß es meist ums Wort oder um Texte geht. Die Thematik von Bildern/Photos/Illustrationen oder gar Photobänden/Cartoons/Zeichnungen/Comics/Mangas wird nur gestreift. Eine im Buch interviewte Verlegerin gibt ihre Bücher ausschließlich als gedrucktes Buch heraus, da sie in Illustrationen investiert; ein bei der Buch-Präsentation anwesender Schriftsteller hat gar keine Bilder in seinem E-book (wie auch wenn es hier keinen gemeinsamen Codex gibt, wie aus einem Artikel der Print-Buch und e-book miteinander vergleicht zu lernen ist)
In Summe eine hochinteressante Sammlung verschiedener Texte zum Thema Buch-Verlag.
Bei den Biographien geht mir ein ca. Geburtsjahr der Beteiligten ab, denn ich hätte gerne gewußt ob die Verfasser und Herausgeber entweder der Generation 'Nachkriegszeit (Buch ist rar und wertvoll)', oder der Generation 'gesättigte Zeit aber noch kein Computer dafür ist Buchkauf etwas selbstverständliches geworden', oder der Generation 'mit Joy-Stick-aufgewachsen und weniger Buch lesen' angehören.
Witzigerweise wurde ich beim Lesen dieses Buches in der U-Bahn zum zweiten Mal seit ich diesen Blogg habe auf das Buch das ich gerade lese angesprochen (das erste war "Empty Minds - Texte von John Cage" gewesen)
herausgegeben von Alexandra Rotter, Alexander Groh und Daniel Resch
2017, Edition Grünanger Wien (Website ist in Konzeption)
113 Seiten + 5 Seiten Biografien
ISBN 978-3902678348
Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der 'Werkstätte Buchverlag 2013/14' unternehmen hier den Versuch über Verlagswesen (v.a. die Neugründung), über Buchmedien und auch etwas aus Autorensicht in kleinen feinen Artikeln zu formulieren und sich damit auseinanderzusetzten. Ein Graphiker hat den schmalen kleinen Band in klares Schwarz-Weiß ohne Schnörkel gesetzt.
Ausgangspunkt war daß alle Werkstatt-Teilnehmer wissen wollten wie man zu einem eigenen Verlag kommt. Vornweg - es geht nicht um Finanzierung, sondern um Begeisterung und wie bleibt man am Ball, hier am Umsatz. Eine Verlegerin wurde hier interviewt, ein Professor mit einigen gescheiterten Verlagsprojekten kommt zu Wort, ein Herausgeber einer Zeitschrift zeigt seine Liebe zu Texten und ist berührend in seinem Engagement um Veröffentlichung von Literatur, und der Leiter der Werkstatt der das Rüstzeug zur Verlagsgründung und etwas Nachdenken wie man wenigstens einige Fehler vermeiden kann weitergeben will, bringt mit pointierten Aussagen manche Probleme auf den Punkt.
Bei den Medien geht es auch um das e-book aber vor allem um die Veröffentlichung, Speicherung und zur Verfügungsstellung wissenschaftlicher Texte. Wer so wie ich von diesem Thema vorher keine Ahnung hatte liest mit steigender Faszination über eine Welt aus Pflichtveröffentlichungen, anerkannten Plattformen, teuren und preiswerteren Veröffentlichungsansätzen. Problematisch wird es mit dem Thema Speichern-auf-lange-Zeit und Zugriffsgarantien. hochinteressant !
Im dritten Bereich geht es über Autoren, bei denen ein 'echter' Schreiber (weil Journalist und Schriftsteller), eine 'echte' Schriftstellerin, eine Ghostwriterin, eine Schulbuchautorin ihre Erfahrungen zusammenfassen. Hier sind vier komplett unterschiedliche Ansätze über Texte schreiben (ohne die Buchverlage sinnlos sind) angeboten.
Die Texte sind unterschiedlich einfach oder mühsam zu lesen, da jede/r Verfasser/in seinen/ihren persönlichen Stil hat.
Sehr gut hat mir das Interview mit Walter Famler gefallen der meint "was nicht auch physisch vorhanden ist, wird irgendwann gänzlich verschwunden sein"; und sich damit für das gedruckte Buch ausdrückt !?
Aufgefallen ist mir daß in mehreren Artikeln die Rede davon ist, daß Adjektive wenig zu nutzen oder zu streichen sind. Schade denn ich mag die gute Nutzung von passenden Eigenschaftswörtern.
Mir ist bei dem Buch aufgefallen, daß es meist ums Wort oder um Texte geht. Die Thematik von Bildern/Photos/Illustrationen oder gar Photobänden/Cartoons/Zeichnungen/Comics/Mangas wird nur gestreift. Eine im Buch interviewte Verlegerin gibt ihre Bücher ausschließlich als gedrucktes Buch heraus, da sie in Illustrationen investiert; ein bei der Buch-Präsentation anwesender Schriftsteller hat gar keine Bilder in seinem E-book (wie auch wenn es hier keinen gemeinsamen Codex gibt, wie aus einem Artikel der Print-Buch und e-book miteinander vergleicht zu lernen ist)
In Summe eine hochinteressante Sammlung verschiedener Texte zum Thema Buch-Verlag.
Bei den Biographien geht mir ein ca. Geburtsjahr der Beteiligten ab, denn ich hätte gerne gewußt ob die Verfasser und Herausgeber entweder der Generation 'Nachkriegszeit (Buch ist rar und wertvoll)', oder der Generation 'gesättigte Zeit aber noch kein Computer dafür ist Buchkauf etwas selbstverständliches geworden', oder der Generation 'mit Joy-Stick-aufgewachsen und weniger Buch lesen' angehören.
Witzigerweise wurde ich beim Lesen dieses Buches in der U-Bahn zum zweiten Mal seit ich diesen Blogg habe auf das Buch das ich gerade lese angesprochen (das erste war "Empty Minds - Texte von John Cage" gewesen)
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Sonntag, 13. September 2015
Oliver von Schaewen : "Schillerhöhe"
Oliver von Schaewen :
"Schillerhöhe"
Kriminalroman
2009, Gmeiner Verlag GmbH
269 Seiten
ISBN 978-3-89977-802-1
Der Kriminalroman ist im Literaturmilieu angesiedelt. In Marbach ist ein Schiller-Zentrum, in dem auch andere Original und Nachläße gesammelt werden. Der Mann einer ehemaligen DDR-Autorin, die jetzt gehypet wird, wird in Analogie zu Schillers 'Tell' mit Pfeil und Bogen ermordet. Ein anderer Mord ist weniger schiller-isch und die abschließende Bombe ebenfalls. Kommissar Peter Struve und Polizeineuling Melanie Förster ermitteln im Streit um etwaige Nachlässe bei denen es um viel Geld und Provision geht und um Menschen die nach der DDR ihre Namen wechselten. Das Dilemma und die Diskussion um DDR-Grenzschützen, die auf Flüchtlinge schießen mußten, und laufende Gerichtsverfahren entpuppt sich als Schlüssel zu den Morden.
Die Geschichte ist ein bißchen mühsam erzählt, aber ohne Schnörkel laufend. Leider ist keine schiller-ische Sprache verwendet, sondern alles eher gerade ausgedrückt.
Die Menschen sind gut vorstellbar : die sensible DDR-Autorin Erika Scharf, ihr schmieriger Ehemann Dietmar, der arrogante Literaturmuseumschef Dollinger, der kühl unangenehme Gehilfe Schärf, die liebenswürdige Sekretärin Bäuerle, Bürgermeister Rieker, der schleimige Nachlaßwerber Selldorf, die üppige lebenslustige schöne Hotelbesitzerin Gianna Signorini, der gemütliche Literat Derwitzer, der junge Photograph und Journalist Luca Santos, der Polizist Peter Struve mit seiner Frau Marie und die motorradfahrende Polizeiabsolventin Melanie Förster etc ..
Interessant finde ich zwei Themen : einerseits den Hintergrund bei dem bereits zu Lebzeiten Institute an literarische Nachläße kommen wollen, indem sie bei Künstlern und/oder Erben bereits Interesse anmelden; andererseits das Thema mit den DDR-Grenzsoldaten die unter Druck bekannte oder unbekannte Menschen die fliehen wollten zielgerecht zu erschießen hatten.
Zur Entspannung ist dieser Kriminalroman sehr gut geeignet. Viel Spaß beim Lesen.
Oliver von Schaewen wurde 1965 bei Siegen westfälischen Kreuztal geboren und lebt bei Marbach, der Geburtsstadt Friedrich Schillers. Er studierte Theologie in Münster in den Jahren 1985 bis 1992, und erhielt anschließenden Ausbildung in der Kirchenpresse in Osnabrück. Er arbeitet seit 1997 als Redakteur der Marbacher Lokalausgabe der Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung. Seine Krimis widmet von Schaewen zentralen Werken Friedrich von Schillers. "Schillerhöhe" ist der erste Roman, 2010 "Räuberblut" und 2014 erschien "Glockenstille".
"Schillerhöhe"
Kriminalroman
2009, Gmeiner Verlag GmbH
269 Seiten
ISBN 978-3-89977-802-1
Der Kriminalroman ist im Literaturmilieu angesiedelt. In Marbach ist ein Schiller-Zentrum, in dem auch andere Original und Nachläße gesammelt werden. Der Mann einer ehemaligen DDR-Autorin, die jetzt gehypet wird, wird in Analogie zu Schillers 'Tell' mit Pfeil und Bogen ermordet. Ein anderer Mord ist weniger schiller-isch und die abschließende Bombe ebenfalls. Kommissar Peter Struve und Polizeineuling Melanie Förster ermitteln im Streit um etwaige Nachlässe bei denen es um viel Geld und Provision geht und um Menschen die nach der DDR ihre Namen wechselten. Das Dilemma und die Diskussion um DDR-Grenzschützen, die auf Flüchtlinge schießen mußten, und laufende Gerichtsverfahren entpuppt sich als Schlüssel zu den Morden.
Die Geschichte ist ein bißchen mühsam erzählt, aber ohne Schnörkel laufend. Leider ist keine schiller-ische Sprache verwendet, sondern alles eher gerade ausgedrückt.
Die Menschen sind gut vorstellbar : die sensible DDR-Autorin Erika Scharf, ihr schmieriger Ehemann Dietmar, der arrogante Literaturmuseumschef Dollinger, der kühl unangenehme Gehilfe Schärf, die liebenswürdige Sekretärin Bäuerle, Bürgermeister Rieker, der schleimige Nachlaßwerber Selldorf, die üppige lebenslustige schöne Hotelbesitzerin Gianna Signorini, der gemütliche Literat Derwitzer, der junge Photograph und Journalist Luca Santos, der Polizist Peter Struve mit seiner Frau Marie und die motorradfahrende Polizeiabsolventin Melanie Förster etc ..
Interessant finde ich zwei Themen : einerseits den Hintergrund bei dem bereits zu Lebzeiten Institute an literarische Nachläße kommen wollen, indem sie bei Künstlern und/oder Erben bereits Interesse anmelden; andererseits das Thema mit den DDR-Grenzsoldaten die unter Druck bekannte oder unbekannte Menschen die fliehen wollten zielgerecht zu erschießen hatten.
Zur Entspannung ist dieser Kriminalroman sehr gut geeignet. Viel Spaß beim Lesen.
Oliver von Schaewen wurde 1965 bei Siegen westfälischen Kreuztal geboren und lebt bei Marbach, der Geburtsstadt Friedrich Schillers. Er studierte Theologie in Münster in den Jahren 1985 bis 1992, und erhielt anschließenden Ausbildung in der Kirchenpresse in Osnabrück. Er arbeitet seit 1997 als Redakteur der Marbacher Lokalausgabe der Stuttgarter Nachrichten und der Stuttgarter Zeitung. Seine Krimis widmet von Schaewen zentralen Werken Friedrich von Schillers. "Schillerhöhe" ist der erste Roman, 2010 "Räuberblut" und 2014 erschien "Glockenstille".
Samstag, 31. Januar 2015
Wedekind/Mahler : "Lulu und das schwarze Quadrat"
Wedekind/Mahler :
"Lulu und das schwarze Quadrat"
2014, Suhrkamp Taschenbuch 4575
ISBN 978-3-518-46575-2
In reduzierter Weise mit drei Farben (weiß, schwarz und gelb) erzählt der Graphiker die bekannte Geschichte der Lulu als einer großen Frau mit kleinen rundlichen Männern, die genauso tragisch wie die Oper ausgeht.
Lulu ist als große Frau mit verschiedenen Gewändern gezeichnet. Der Hintergrund sind Bilder mit schwarzen Vierecken, oder auch Türen - Reduktion á la Kasimir Malewitsch; kleine Kommentare verweisen auf Konstruktivismus, einer auf Suprematismus.
Das erste Durchlesen/Durchblätter geht rasch. Das Gefühl, das war es schon , stand bei mir am Ende.
Dann habe ich mir die Graphiken nochmals genüßlich und langsam angesehen und die Varianten der Details der Männerzeichnungen ansehen.
Ein kleines feines Buch ! Viel Freude damit.
Frank Wedekind hat 1864 bis 1918 gelebt und u.a. 'Erdgeist' und 'Die Büchse der Pandora' geschrieben.
Nicolas Mahler, wurde 1969 geboren und lebt in Wien. Er ist Comiczeichner und Illustrator, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Seit 1999 hat er mehrere Preise für Comics und Trickfilme gewonnen.
"Lulu und das schwarze Quadrat"
2014, Suhrkamp Taschenbuch 4575
ISBN 978-3-518-46575-2
In reduzierter Weise mit drei Farben (weiß, schwarz und gelb) erzählt der Graphiker die bekannte Geschichte der Lulu als einer großen Frau mit kleinen rundlichen Männern, die genauso tragisch wie die Oper ausgeht.
Lulu ist als große Frau mit verschiedenen Gewändern gezeichnet. Der Hintergrund sind Bilder mit schwarzen Vierecken, oder auch Türen - Reduktion á la Kasimir Malewitsch; kleine Kommentare verweisen auf Konstruktivismus, einer auf Suprematismus.
Das erste Durchlesen/Durchblätter geht rasch. Das Gefühl, das war es schon , stand bei mir am Ende.
Dann habe ich mir die Graphiken nochmals genüßlich und langsam angesehen und die Varianten der Details der Männerzeichnungen ansehen.
Ein kleines feines Buch ! Viel Freude damit.
Frank Wedekind hat 1864 bis 1918 gelebt und u.a. 'Erdgeist' und 'Die Büchse der Pandora' geschrieben.
Nicolas Mahler, wurde 1969 geboren und lebt in Wien. Er ist Comiczeichner und Illustrator, sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Seit 1999 hat er mehrere Preise für Comics und Trickfilme gewonnen.
Montag, 30. Dezember 2013
Stefan Zweig : "Brasilien"
Stefan Zweig :
"Brasilien" - Ein Land der Zukunft
1941 erstmals bei Bermann-Fischer Verlag AB, Stockholm erschienen
Insel Taschenbuch 4208
2013, Suhrkamp Berlin
275 Seiten
13 Seiten Einleitung von Stefan Zweig
13 Seiten Nachwort von Volker Michaels, Frankfurt a. Main 1994
ISBN 978-3-458-35908-1
Das Buch ist ein wunderbares Buch mit wunderschöner Sprache, schönen Bildern im Kopf und spannend geschrieben. Der Roman eignet sich weniger zum Querhinunterlesen sondern es ist schöner hier die Sätze, Metaphern bewußt und konzentriert zu lesen, auch wenn das mehr Zeit benötigt.
Vor allem die Geschichte grandios erzählt. Auf diesen Teil wieder immer wieder zurückgegriffen, wenn die Wirtschaft extra erzählt wird oder einzelnen Städte in ihrem auf und ab mit der Entwicklung der Rohstoffe wie Kautschuk, Kakao oder Kaffee reflektiert. Am willkürlichsten liest sich der Teil als der Goldrausch ausgebrochen war, und zwei Generationen später bereits erloschen war.
Die ersten 80 Seiten Geschichte sind spannend erzählt. Fast so spannend wie ein gut geschriebener Thriller. Brasilien wurde meist in Ruhe gelassen, die hohen Erwartungen die an die von den Spaniern entdeckten Länder gerichtet waren und zu derem raschen kulturellem Ruin führten, fand hier nicht statt. Dafür haben hier die Jesuiten über Generationen viel an Schulung durchgeführt, die später von den eigenen Landsleuten durch Menschenraub zunichte gemacht wurde. Dann kam interimistisch der portugiesische Königshof um den europäischen Wirren zu entfliehen. Für Rohstoffgewinnung brachten später Schiffe ladungenweise Arbeiter aus Afrika. Zuwanderer kamen aus Deutschland, Holland etc ..
Das Völkergemisch aus ausgewanderten und angelieferten Menschen bietet ein vielfältiges Kulturangebot, das sich Kirchen der verschiedensten Ausstattungen wiederspiegelt. Wie Stefan Zweig die vielen unterschiedlichen Kirchen in Bahia, 'der alten Dame', beschreibt macht Freude zu lesen.
Stefan Zweig betrachtet Literatur, Lyrik, Musik, Architektur, das reiche Pflanzenangebot und die Freundlichkeit der Menschen und im Miteinander. Er sah sich Kaffee und Kautschukplantagen an, und auch den damals aktuellen Stand der Goldgewinnung. Hier war er enttäuscht, denn keine Sinnlichkeit war zu spüren, obwohl so viel Arbeit in der Gewinnung steckt, die dann wegegesperrt wird
Hochinteressant ist zu lesen wie er Rio de Janeiro, Sao Paolo, Bahia, die Goldstädte, Recife in ihren Unterschiedlichkeiten vergleicht und auch Lebensqualität wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und kulturelle Umgebung eingeht.
Das Buch ist nicht unumstritten. Teilweise wird behauptet, daß das Buch quasi ein Auftragswerk im Gegenzug zum guten Leben in Brasilien sei. Im Nachwort ist vermerkt, daß Zweig vorgeworfen wurde zu positiv über Brasilien schrieb und die durchaus existierenden Probleme schön schrieb. Bei den Absätzen in denen er die Favelas in Rio pitturesk beschreibt und die Neger (er verwendet das Wort) so nett und freundlich und unbekümmert ihre Blechbehausungen gelassen von einem Hügel auf den anderen tragen, versteht man diese Überlegungen.
Vorwort und Nachwort sind hier absolut empfehlenswert ebenfalls zu lesen. In Summe ein großartiges Buch, das ich großteils genossen habe. Viel Muße und Freude beim Lesen !
Stefan Zweig wurde am 28. November 1887 in Wien geboren. Er war rasch als Romancier anerkannt und seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt. Er reiste viel und lernte über den PEN-Club Brasilien kennen. Als der von ihm initiierte Verlag nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten seine Werke nicht mehr drucken durfte, und es auch in Österreich (Zweig lebte in Salzburg) eng wurde, nahm er die Einladung in Brasilien zu leben - nach Scheidung für Neuvermählung - an. Trotzdem nahm er sich 1942 in Petrópolis, Brasilien, das Leben.
"Brasilien" - Ein Land der Zukunft
1941 erstmals bei Bermann-Fischer Verlag AB, Stockholm erschienen
Insel Taschenbuch 4208
2013, Suhrkamp Berlin
275 Seiten
13 Seiten Einleitung von Stefan Zweig
13 Seiten Nachwort von Volker Michaels, Frankfurt a. Main 1994
ISBN 978-3-458-35908-1
Das Buch ist ein wunderbares Buch mit wunderschöner Sprache, schönen Bildern im Kopf und spannend geschrieben. Der Roman eignet sich weniger zum Querhinunterlesen sondern es ist schöner hier die Sätze, Metaphern bewußt und konzentriert zu lesen, auch wenn das mehr Zeit benötigt.
Vor allem die Geschichte grandios erzählt. Auf diesen Teil wieder immer wieder zurückgegriffen, wenn die Wirtschaft extra erzählt wird oder einzelnen Städte in ihrem auf und ab mit der Entwicklung der Rohstoffe wie Kautschuk, Kakao oder Kaffee reflektiert. Am willkürlichsten liest sich der Teil als der Goldrausch ausgebrochen war, und zwei Generationen später bereits erloschen war.
Die ersten 80 Seiten Geschichte sind spannend erzählt. Fast so spannend wie ein gut geschriebener Thriller. Brasilien wurde meist in Ruhe gelassen, die hohen Erwartungen die an die von den Spaniern entdeckten Länder gerichtet waren und zu derem raschen kulturellem Ruin führten, fand hier nicht statt. Dafür haben hier die Jesuiten über Generationen viel an Schulung durchgeführt, die später von den eigenen Landsleuten durch Menschenraub zunichte gemacht wurde. Dann kam interimistisch der portugiesische Königshof um den europäischen Wirren zu entfliehen. Für Rohstoffgewinnung brachten später Schiffe ladungenweise Arbeiter aus Afrika. Zuwanderer kamen aus Deutschland, Holland etc ..
Das Völkergemisch aus ausgewanderten und angelieferten Menschen bietet ein vielfältiges Kulturangebot, das sich Kirchen der verschiedensten Ausstattungen wiederspiegelt. Wie Stefan Zweig die vielen unterschiedlichen Kirchen in Bahia, 'der alten Dame', beschreibt macht Freude zu lesen.
Stefan Zweig betrachtet Literatur, Lyrik, Musik, Architektur, das reiche Pflanzenangebot und die Freundlichkeit der Menschen und im Miteinander. Er sah sich Kaffee und Kautschukplantagen an, und auch den damals aktuellen Stand der Goldgewinnung. Hier war er enttäuscht, denn keine Sinnlichkeit war zu spüren, obwohl so viel Arbeit in der Gewinnung steckt, die dann wegegesperrt wird
Hochinteressant ist zu lesen wie er Rio de Janeiro, Sao Paolo, Bahia, die Goldstädte, Recife in ihren Unterschiedlichkeiten vergleicht und auch Lebensqualität wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und kulturelle Umgebung eingeht.
Das Buch ist nicht unumstritten. Teilweise wird behauptet, daß das Buch quasi ein Auftragswerk im Gegenzug zum guten Leben in Brasilien sei. Im Nachwort ist vermerkt, daß Zweig vorgeworfen wurde zu positiv über Brasilien schrieb und die durchaus existierenden Probleme schön schrieb. Bei den Absätzen in denen er die Favelas in Rio pitturesk beschreibt und die Neger (er verwendet das Wort) so nett und freundlich und unbekümmert ihre Blechbehausungen gelassen von einem Hügel auf den anderen tragen, versteht man diese Überlegungen.
Vorwort und Nachwort sind hier absolut empfehlenswert ebenfalls zu lesen. In Summe ein großartiges Buch, das ich großteils genossen habe. Viel Muße und Freude beim Lesen !
Stefan Zweig wurde am 28. November 1887 in Wien geboren. Er war rasch als Romancier anerkannt und seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt. Er reiste viel und lernte über den PEN-Club Brasilien kennen. Als der von ihm initiierte Verlag nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten seine Werke nicht mehr drucken durfte, und es auch in Österreich (Zweig lebte in Salzburg) eng wurde, nahm er die Einladung in Brasilien zu leben - nach Scheidung für Neuvermählung - an. Trotzdem nahm er sich 1942 in Petrópolis, Brasilien, das Leben.
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Wirtschaft
Samstag, 30. November 2013
Franz Josef Weißenböck : "Mord im Parlament"
Franz Josef Weißenböck :
"Mord im Parlament" - ein konstruktivistischer Kriminalroman
'Eine Ungeheuerlichkeit'
2011, Edition VA bENE, Klosterneuburg
255 Seiten
ISBN 978-3-85167-252-7
Thomas Thomas arbeitet im österreichischen Parlament. Einer seiner besten Freunde dort ist Franz Ferdinand Schwarzenberger, Pressechef und genauso wie er Freund und Verfechter guter schöner österreichischer Sprache. Ein Kriminologenkongreß ist geplant - genau an der Stelle an der Kriminologen aus Israel plaziert sein sollen, war ein Luster zerschellt. er Kongreß wird ins Parlament verfrachtet. Bevor die Mitglieder des Kongresses eintreffen wird ein Politiker ermordet im Keller aufgefunden. Dieser Politiker war gewieft im Anpassen an Politisches und hatte einen manifesten Ruf als Frauenheld. Polizist Hans Scherzer tritt auf - er hat auf Wunsch seiner Gattin deren Namen angenommen weswegen ihn Thomas nicht sofort als ehemaligen Klassenkollegen im humanistischen Gymnasium erkennt. Die Krimologen treffen ein - es sind die Protagonisten vieler Kriminalgeschichten von Commissarion Brunetti bis Mira Valevsyk, Benno Berghammer, Salvo Montalbano, Erlendur Sveinsson, Marga Zymsteyn und Kostas Charitos etc. Nach drei Tagen Diskussionen, Workshops und Theorien zu dem aktuellen Politikermord reisen die Herrschaften ab. Im Mord wird noch ermittelt.
In dem Buch das zwar ein Krimi ist, aber kein who-dunn-it ist werden viele unterschiedliche Themen und rote Fäden verfolgt.
Plot der zusammenhält sind der heruntergefallene Luster und der Mord. Den anderen Themen wird mehr Raum gewährt - bis auf die kurze Geschichte als der Mord inoffiziell geklärt wird.
Einigen Raum nehmen die Politiker, das sich zu wichtig fühlen der Mitglieder des Bundesrats, der Wankelmut in politischen Themen ein. Bösartig werden politische Diskussionen auf dieser Nebenbühne, dem Bundesrat, beschrieben, indem es einerseits um ein lächerliches Gesetz (Ausländer mit Linksbegabung und Linkshänderförderung mit grandioser Abkürzung) geht und andererseits nur inhaltlos, aber mit floskelgewaltig darum geht die eigene Existenz zu rechtfertigen.
Hobby von Thomas und Schwarzenberger ist Sprache. Beiden macht der Umgang Freude, bzw der Umgang in den Medien die der deutschen Sprache nicht mehr mächtig scheinen Kummer. Sie werfen sich lateinische und griechische Bibelübersetzungen an den Kopf und amüsieren sich dabei großartig.
Bei den Kriminologen ist es spannend und unterhaltsam wie diese hier geschildert werden: Der arme Brunnetti dem ein Philosoph den er nicht ausstehen kann angedichtet wurde, Laurenti der sich als Schöpfung mit italienischer Kunst wohlfühlen darf, Valevsyk die einen Spaghetti-disput vom Zaun bricht und eine Gruppe daheim bekocht. Thomas ist glücklich als er über Caravaggio reden darf. (ein ganzes Kapitel ist Caravaggio und Rembrandt gewidmet).
Das Buch ist nicht einfach zu lesen, da doch ein gerütteltes Maß an Allgemeinbildung und auch gelesenen & gemerkten Krimigestalten vorausgesetzt wird. Die lateinischen und griechischen Stellen sind netterweise fließend im folgenden Text zumindest ansatzhalber übersetzt, denn das Schullatein manches Lesers/mancher Leserin kann schon länger zurückliegen oder verschüttet sein.
Skurril sind Ansätze wenn zwei Disputanten nachfragen warum die griechischen Götter lächeln, und warum sie Trankopfer bringen. Sie sind doch unsterblich, warum bringen sie dann Opfer dar ? Oder wissen sie um die Totenwelt und es gibt keine Unsterblichkeit ?
Auf dem ersten Blatt des Buches verweist der Verlag darauf, "daß seine Bücher der alten Rechtschreibung folgen. Die Entscheidung bezieht sich auf die Sinnwidrigkeit der meisten neuen Regeln und darauf, daß sie sich gegen die deutsche Sprache selbst richten."
Im Absatz darunter der Hinweis, daß der Druck mit Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien, des Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur etc ... erfolgte. Wenn das nicht Humor hat :-)
Die Kapitel haben tw. witzige Bezeichnungen abseits der Zeitstruktur die an einem Samstag morgen beginnt, und dann die Woche davor beginnend mit Samstag schildert: 'Nil nisi bene de Carlo Malfatti', 'Small talk und Caravaggio', 'Pasta mit Hypothesen', 'Caravaggio gegen Rembrandt 1:0', 'Odysseus auf Scheria' und 'Das Lächeln de Mona Lisa'.
In Summe ein Buch das mir sehr gut gefallen hat, aber keines ist das sich rasch diagonal Lesen läßt. Viele sehr interessanten Themen sind angeschnitten über die bei Bedarf noch diskutiert werden kann. Ich überlege derzeit wem ich das Buch schenken kann, um ebenfalls die grauen Zellen zu trainieren. Viel Spaß !
PS: Poirot ist natürlich nicht bei dem Kriminologenkongreß; auch Miss Marple fehlt.
Franz Josef Weißenböck wurde 1949 in Neunkirchen (Niederösterreich) geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern: und lebt in Wien und Niederösterreich. Eintritt ins Wiener Priesterseminar und Studium der Theologie an der Universität Wien, wo er 1979 mit einer praktisch-theologischen Arbeit über „Katholische Kirche und Öffentlichkeit“ zum Doktor der Theologie promoviert wurde. 1999 Abschluß einer Ausbildung zum systemischen Supervisor und Coach.
Parallel zum Studium zuerst frei-, später hauptberufliche Tätigkeit als Redakteur der katholischen Presseagentur Kathpress, dazwischen als Religionslehrer an einer Wiener Volksschule. Mitarbeit bei verschiedenen in- und ausländischen Print- und elektronischen Medien. Seit 1980 Arbeit in verschiedenen Ministerien (Gesundheit und Umweltschutz, Finanzen, Soziales), seit 1999 Chefredakteur des parlamentarischen Pressedienstes - bis 2011.
Buchveröffentlichungen bisher: „Übrigens. Gespräche mit großen Geistern aus sechs Jahrhunderten. Mit einem Vorwort von Adolf Holl.“ (Innsbruck 2005). „Coaching für Platon, Caesar, Ovid, Pilatus, Paulus, Konstantin. Mit einem Vorwort von Franz Fischler.“ (EDITION VA bENE 2008). „Handbuch der Kirchenspaltung. Mit einem Vorwort von Weihbischof Helmut Krätzl und einem Gastkommentar von Dr. Walter Weiss" (EDITION VA bENE ISBN 978-3-85167-231-2)
"Mord im Parlament" - ein konstruktivistischer Kriminalroman
'Eine Ungeheuerlichkeit'
2011, Edition VA bENE, Klosterneuburg
255 Seiten
ISBN 978-3-85167-252-7
Thomas Thomas arbeitet im österreichischen Parlament. Einer seiner besten Freunde dort ist Franz Ferdinand Schwarzenberger, Pressechef und genauso wie er Freund und Verfechter guter schöner österreichischer Sprache. Ein Kriminologenkongreß ist geplant - genau an der Stelle an der Kriminologen aus Israel plaziert sein sollen, war ein Luster zerschellt. er Kongreß wird ins Parlament verfrachtet. Bevor die Mitglieder des Kongresses eintreffen wird ein Politiker ermordet im Keller aufgefunden. Dieser Politiker war gewieft im Anpassen an Politisches und hatte einen manifesten Ruf als Frauenheld. Polizist Hans Scherzer tritt auf - er hat auf Wunsch seiner Gattin deren Namen angenommen weswegen ihn Thomas nicht sofort als ehemaligen Klassenkollegen im humanistischen Gymnasium erkennt. Die Krimologen treffen ein - es sind die Protagonisten vieler Kriminalgeschichten von Commissarion Brunetti bis Mira Valevsyk, Benno Berghammer, Salvo Montalbano, Erlendur Sveinsson, Marga Zymsteyn und Kostas Charitos etc. Nach drei Tagen Diskussionen, Workshops und Theorien zu dem aktuellen Politikermord reisen die Herrschaften ab. Im Mord wird noch ermittelt.
In dem Buch das zwar ein Krimi ist, aber kein who-dunn-it ist werden viele unterschiedliche Themen und rote Fäden verfolgt.
Plot der zusammenhält sind der heruntergefallene Luster und der Mord. Den anderen Themen wird mehr Raum gewährt - bis auf die kurze Geschichte als der Mord inoffiziell geklärt wird.
Einigen Raum nehmen die Politiker, das sich zu wichtig fühlen der Mitglieder des Bundesrats, der Wankelmut in politischen Themen ein. Bösartig werden politische Diskussionen auf dieser Nebenbühne, dem Bundesrat, beschrieben, indem es einerseits um ein lächerliches Gesetz (Ausländer mit Linksbegabung und Linkshänderförderung mit grandioser Abkürzung) geht und andererseits nur inhaltlos, aber mit floskelgewaltig darum geht die eigene Existenz zu rechtfertigen.
Hobby von Thomas und Schwarzenberger ist Sprache. Beiden macht der Umgang Freude, bzw der Umgang in den Medien die der deutschen Sprache nicht mehr mächtig scheinen Kummer. Sie werfen sich lateinische und griechische Bibelübersetzungen an den Kopf und amüsieren sich dabei großartig.
Bei den Kriminologen ist es spannend und unterhaltsam wie diese hier geschildert werden: Der arme Brunnetti dem ein Philosoph den er nicht ausstehen kann angedichtet wurde, Laurenti der sich als Schöpfung mit italienischer Kunst wohlfühlen darf, Valevsyk die einen Spaghetti-disput vom Zaun bricht und eine Gruppe daheim bekocht. Thomas ist glücklich als er über Caravaggio reden darf. (ein ganzes Kapitel ist Caravaggio und Rembrandt gewidmet).
Das Buch ist nicht einfach zu lesen, da doch ein gerütteltes Maß an Allgemeinbildung und auch gelesenen & gemerkten Krimigestalten vorausgesetzt wird. Die lateinischen und griechischen Stellen sind netterweise fließend im folgenden Text zumindest ansatzhalber übersetzt, denn das Schullatein manches Lesers/mancher Leserin kann schon länger zurückliegen oder verschüttet sein.
Skurril sind Ansätze wenn zwei Disputanten nachfragen warum die griechischen Götter lächeln, und warum sie Trankopfer bringen. Sie sind doch unsterblich, warum bringen sie dann Opfer dar ? Oder wissen sie um die Totenwelt und es gibt keine Unsterblichkeit ?
Auf dem ersten Blatt des Buches verweist der Verlag darauf, "daß seine Bücher der alten Rechtschreibung folgen. Die Entscheidung bezieht sich auf die Sinnwidrigkeit der meisten neuen Regeln und darauf, daß sie sich gegen die deutsche Sprache selbst richten."
Im Absatz darunter der Hinweis, daß der Druck mit Unterstützung der Kulturabteilung der Stadt Wien, des Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur etc ... erfolgte. Wenn das nicht Humor hat :-)
Die Kapitel haben tw. witzige Bezeichnungen abseits der Zeitstruktur die an einem Samstag morgen beginnt, und dann die Woche davor beginnend mit Samstag schildert: 'Nil nisi bene de Carlo Malfatti', 'Small talk und Caravaggio', 'Pasta mit Hypothesen', 'Caravaggio gegen Rembrandt 1:0', 'Odysseus auf Scheria' und 'Das Lächeln de Mona Lisa'.
In Summe ein Buch das mir sehr gut gefallen hat, aber keines ist das sich rasch diagonal Lesen läßt. Viele sehr interessanten Themen sind angeschnitten über die bei Bedarf noch diskutiert werden kann. Ich überlege derzeit wem ich das Buch schenken kann, um ebenfalls die grauen Zellen zu trainieren. Viel Spaß !
PS: Poirot ist natürlich nicht bei dem Kriminologenkongreß; auch Miss Marple fehlt.
Franz Josef Weißenböck wurde 1949 in Neunkirchen (Niederösterreich) geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern: und lebt in Wien und Niederösterreich. Eintritt ins Wiener Priesterseminar und Studium der Theologie an der Universität Wien, wo er 1979 mit einer praktisch-theologischen Arbeit über „Katholische Kirche und Öffentlichkeit“ zum Doktor der Theologie promoviert wurde. 1999 Abschluß einer Ausbildung zum systemischen Supervisor und Coach.
Parallel zum Studium zuerst frei-, später hauptberufliche Tätigkeit als Redakteur der katholischen Presseagentur Kathpress, dazwischen als Religionslehrer an einer Wiener Volksschule. Mitarbeit bei verschiedenen in- und ausländischen Print- und elektronischen Medien. Seit 1980 Arbeit in verschiedenen Ministerien (Gesundheit und Umweltschutz, Finanzen, Soziales), seit 1999 Chefredakteur des parlamentarischen Pressedienstes - bis 2011.
Buchveröffentlichungen bisher: „Übrigens. Gespräche mit großen Geistern aus sechs Jahrhunderten. Mit einem Vorwort von Adolf Holl.“ (Innsbruck 2005). „Coaching für Platon, Caesar, Ovid, Pilatus, Paulus, Konstantin. Mit einem Vorwort von Franz Fischler.“ (EDITION VA bENE 2008). „Handbuch der Kirchenspaltung. Mit einem Vorwort von Weihbischof Helmut Krätzl und einem Gastkommentar von Dr. Walter Weiss" (EDITION VA bENE ISBN 978-3-85167-231-2)
Samstag, 25. Mai 2013
Jakob Arjouni : "Bruder Kemal"
Jakob Arjouni :
"Bruder Kemal" - Ein Kayankaya-Roman
2012, Diogenes Verlag AG, Zürich
220 Seiten
ISBN 978-3-257-06829-0
Der 53-jährige Detektiv wird in das Diplomatenviertel von Frankfurt gerufen. Dort soll er die Tochter einer schönen attraktiven Frau finden - sie ist nicht so reich wie die Wohngegend vermuten läßt. Der Detektiv überrascht einen toten vermutlichen Freier, das Mädchen das verkauft werden soll und den Mann der sich als Photograph ausgegeben hatte, aber lieber Kontakte zwischen Freiern und blutjungen Mädchen knüpft. Der Detektiv stellt eine Falle für die Polizei auf und bringt das Mädchen heim; hinterläßt aber die bereits vorgefundene Leiche eines unbekannten Mannes. Leider ist der sogenannte Photograph Neffe eines ziemlich islamistisch auftretenden Mannes mit vielen Verbindungen. Dieser bringt einen Schützling des Detektivs in seine Gewalt - dieser Schützling ist Autor eines Werkes auf das traditionelle Islamisten negativ reagieren. Der Detektiv schwächt seine Aussage gegen den Photographen ab, der Autor kommt frei, die Auflagen steigern sich. Im Abschlußgespräch klärt der Detektiv wer der Mörder ist; alle bleiben frei.
Der fünfte Fall des Privatdetektivs mit türkischem Namen (aber deutschen Pflegeeltern) ist gut und rasch lesbar. Der Detektiv hat eine schöne Freundin mit viel Energie, die ein gutes Lokal führt, excellente Küche bietet und endlich eine Familie haben möchte.
Die Menschen sind schön und klar geschildert, leider kommt bei mir keine Sympathie auf - für keine der handelnden Personen (ob dies an der Sprache liegt oder wirklich nur an den geschilderten Menschen kann ich nicht festhalten).
Interessant finde ich die Ansätze, daß sowohl Drogenhandel als auch Islamismus parallel behandelt werden. Die Beobachtungen der Buchmesseszene sind unterhaltsam geschildert.
In Summe in unterhaltsames Buch, das ideal für Urlaub, Ferien an Strand oder Balkon geeignet sein dürfte, aber keines meiner Lieblingsbücher wird.
Jakob Arjouni wurde 8. Oktober1964 in Frankfurt geboren und lebte hier. 'Arjouni" ist der Nachnahme seiner Ex-Frau. Seinen Helden, den Detektiv Kemal Kayankaya, hat er als 21-jähringer in seinem ersten Kriminalroman 'Happy Türke !' erfunden (dieser Roman ist verfilmt worden). Der Autor hat auch Bücher ohne den Detektiv Kayankaya geschrieben. Herr Arjouni starb im Jänner 2013 in Berlin.
"Bruder Kemal" - Ein Kayankaya-Roman
2012, Diogenes Verlag AG, Zürich
220 Seiten
ISBN 978-3-257-06829-0
Der 53-jährige Detektiv wird in das Diplomatenviertel von Frankfurt gerufen. Dort soll er die Tochter einer schönen attraktiven Frau finden - sie ist nicht so reich wie die Wohngegend vermuten läßt. Der Detektiv überrascht einen toten vermutlichen Freier, das Mädchen das verkauft werden soll und den Mann der sich als Photograph ausgegeben hatte, aber lieber Kontakte zwischen Freiern und blutjungen Mädchen knüpft. Der Detektiv stellt eine Falle für die Polizei auf und bringt das Mädchen heim; hinterläßt aber die bereits vorgefundene Leiche eines unbekannten Mannes. Leider ist der sogenannte Photograph Neffe eines ziemlich islamistisch auftretenden Mannes mit vielen Verbindungen. Dieser bringt einen Schützling des Detektivs in seine Gewalt - dieser Schützling ist Autor eines Werkes auf das traditionelle Islamisten negativ reagieren. Der Detektiv schwächt seine Aussage gegen den Photographen ab, der Autor kommt frei, die Auflagen steigern sich. Im Abschlußgespräch klärt der Detektiv wer der Mörder ist; alle bleiben frei.
Der fünfte Fall des Privatdetektivs mit türkischem Namen (aber deutschen Pflegeeltern) ist gut und rasch lesbar. Der Detektiv hat eine schöne Freundin mit viel Energie, die ein gutes Lokal führt, excellente Küche bietet und endlich eine Familie haben möchte.
Die Menschen sind schön und klar geschildert, leider kommt bei mir keine Sympathie auf - für keine der handelnden Personen (ob dies an der Sprache liegt oder wirklich nur an den geschilderten Menschen kann ich nicht festhalten).
Interessant finde ich die Ansätze, daß sowohl Drogenhandel als auch Islamismus parallel behandelt werden. Die Beobachtungen der Buchmesseszene sind unterhaltsam geschildert.
In Summe in unterhaltsames Buch, das ideal für Urlaub, Ferien an Strand oder Balkon geeignet sein dürfte, aber keines meiner Lieblingsbücher wird.
Jakob Arjouni wurde 8. Oktober1964 in Frankfurt geboren und lebte hier. 'Arjouni" ist der Nachnahme seiner Ex-Frau. Seinen Helden, den Detektiv Kemal Kayankaya, hat er als 21-jähringer in seinem ersten Kriminalroman 'Happy Türke !' erfunden (dieser Roman ist verfilmt worden). Der Autor hat auch Bücher ohne den Detektiv Kayankaya geschrieben. Herr Arjouni starb im Jänner 2013 in Berlin.
Sonntag, 31. März 2013
Antonio Skármeta : "Mit brennender Geduld"
Antonio Skármeta :
"Mit brennender Geduld"
Roman
original "Ardiente paciencia", 1984
aus dem chilenischen Spanisch von Willi Zurbrüggen
1985, erstmals bei Piper Verlag, München
2000, ungekürzte Taschenbuchausgabe
143 Seiten inkl. 4 Seiten Prolog und 2 Seiten Epilog
ISBN 3-492-22678-7
Der wunderbare dichte Roman, schildert die Freundschaft zwischen den berühmten Dichter Pablo Neruda und dem jungen, einfachen Fischersohn Mario, der lieber als Briefträger arbeitet.
Pablo Neruda ist der einzige in dem Dort am Meer der Post erhält. Mario traut sich ihn stotternd anzusprechen. Der große Dichter hilft ihm die große Liebe Marios zu erringen (sie heißt Beatriz). Nach Allendes Wahlsieg wird Neruda Botschafter in Paris. Als der große Dichter den Nobelpreis verliehen erhält, organisiert Mario in dem Dorf an Meer eine riesengroße Fiesta, bei der ausnahmsweise niemand merkt daß Boykotte, Streiks und Nahrungsmittelunterversorgung mittlerweile an der Tagesordnung stehen. Neruda kehrt krank zurück, Allende wird getötet und das Militär übernimmt die Macht, die Kontrolle - aber Mario schafft es den Dichter noch einmal vor dem Tod zu besuchen. Nach dem Begräbnis wird auch Mario verhaftet.
Neben der Freundschaft zwischen Neruda und Mario ist die große Liebesgeschichte zwischen Mario und Beatriz, inkl. Schwierigkeiten durch Institution Schwiegermutter, sinnlicher Gegenpol. Die starke sinnliche Erotik der Schmuseszenen und mehr sind deutlich, die Spannung schön beschrieben.
Humorvoll finde ich wie Neruda Metaphern beschreibt und versucht dem einfach gestrickten Menschen vor ihm Ideen, Bilder und Anregungen zu eigenen Metaphern zu vermitteln (nicht nur seine einzusetzten). Knochentrocken ist die Schwiegermutter, die mit Metaphern ebenfalls, aber handfest, umzugehen weiß. Mario hat am Ende des Buches auch ein Gedicht geschrieben.
Berührend ist die Idee, in der Neruda Mario ein Kassettengerät aus Paris schickt und ihn ersucht ihm die Töne der Heimat aufzunehmen (die Möwen, das Meer, die Glocken, etc.), weil er im Winter vom Schnee eingeschlossen Paris Heimweh hat.
Der Titel des Romans ist einem Gedicht Rimbauds entnommen. Dieses Gedicht hat Pablo Neruda anläßlich der Verleihung des Nobelpreises für Literatur 1971 an ihn in seiner Rede zitiert.
Der Druck des Buches ist netterweise in einer etwas größere Schrift (Brille suchen entfällt).
Ein eindrücklicher schöner poetischer Roman, der mich gepackt und in seinen Bann gezogen hat. Die Beschreibungen gingen unter die Haut. Ein wunderbares Buch !
Antonio Skármete wurde am 7. November 1940 in Antofagasta in Chile geboren. Seine Eltern waren aus Brac, dem heutigen Kroatien nach Chile gekommen. Als Anhänger Salvador Allende mußte er Chile verlassen und lebt in West-Berlin. Er war Dozent für Lateinamerikamische Literatur und schrieb auch Drehbücher. 1989 bis 2000 lebte er wieder in Chile, bis er zwischen 2000 und 2003 als Botschafter nach Berlin gesandt wurde. Im chilenischen Fernsehen präsentiert er Buch-Neuerscheinungen.
"Mit brennender Geduld"
Roman
original "Ardiente paciencia", 1984
aus dem chilenischen Spanisch von Willi Zurbrüggen
1985, erstmals bei Piper Verlag, München
2000, ungekürzte Taschenbuchausgabe
143 Seiten inkl. 4 Seiten Prolog und 2 Seiten Epilog
ISBN 3-492-22678-7
Der wunderbare dichte Roman, schildert die Freundschaft zwischen den berühmten Dichter Pablo Neruda und dem jungen, einfachen Fischersohn Mario, der lieber als Briefträger arbeitet.
Pablo Neruda ist der einzige in dem Dort am Meer der Post erhält. Mario traut sich ihn stotternd anzusprechen. Der große Dichter hilft ihm die große Liebe Marios zu erringen (sie heißt Beatriz). Nach Allendes Wahlsieg wird Neruda Botschafter in Paris. Als der große Dichter den Nobelpreis verliehen erhält, organisiert Mario in dem Dorf an Meer eine riesengroße Fiesta, bei der ausnahmsweise niemand merkt daß Boykotte, Streiks und Nahrungsmittelunterversorgung mittlerweile an der Tagesordnung stehen. Neruda kehrt krank zurück, Allende wird getötet und das Militär übernimmt die Macht, die Kontrolle - aber Mario schafft es den Dichter noch einmal vor dem Tod zu besuchen. Nach dem Begräbnis wird auch Mario verhaftet.
Neben der Freundschaft zwischen Neruda und Mario ist die große Liebesgeschichte zwischen Mario und Beatriz, inkl. Schwierigkeiten durch Institution Schwiegermutter, sinnlicher Gegenpol. Die starke sinnliche Erotik der Schmuseszenen und mehr sind deutlich, die Spannung schön beschrieben.
Humorvoll finde ich wie Neruda Metaphern beschreibt und versucht dem einfach gestrickten Menschen vor ihm Ideen, Bilder und Anregungen zu eigenen Metaphern zu vermitteln (nicht nur seine einzusetzten). Knochentrocken ist die Schwiegermutter, die mit Metaphern ebenfalls, aber handfest, umzugehen weiß. Mario hat am Ende des Buches auch ein Gedicht geschrieben.
Berührend ist die Idee, in der Neruda Mario ein Kassettengerät aus Paris schickt und ihn ersucht ihm die Töne der Heimat aufzunehmen (die Möwen, das Meer, die Glocken, etc.), weil er im Winter vom Schnee eingeschlossen Paris Heimweh hat.
Der Titel des Romans ist einem Gedicht Rimbauds entnommen. Dieses Gedicht hat Pablo Neruda anläßlich der Verleihung des Nobelpreises für Literatur 1971 an ihn in seiner Rede zitiert.
Der Druck des Buches ist netterweise in einer etwas größere Schrift (Brille suchen entfällt).
Ein eindrücklicher schöner poetischer Roman, der mich gepackt und in seinen Bann gezogen hat. Die Beschreibungen gingen unter die Haut. Ein wunderbares Buch !
Antonio Skármete wurde am 7. November 1940 in Antofagasta in Chile geboren. Seine Eltern waren aus Brac, dem heutigen Kroatien nach Chile gekommen. Als Anhänger Salvador Allende mußte er Chile verlassen und lebt in West-Berlin. Er war Dozent für Lateinamerikamische Literatur und schrieb auch Drehbücher. 1989 bis 2000 lebte er wieder in Chile, bis er zwischen 2000 und 2003 als Botschafter nach Berlin gesandt wurde. Im chilenischen Fernsehen präsentiert er Buch-Neuerscheinungen.
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Wertung - 5 Bücher
Montag, 11. März 2013
Claudia Pineiro : "Betibú"
Claudia Pineiro :
"Betibú"
Roman
original "Betibú"
2011, Alfaguara Argentia, Buenes Aires
aus dem Spanischen von Peter Kultzen
2013, Unionsverlag
333 Seiten
ISBN 978-3-293-00453-5
In diesem Kriminal-Roman wird in schöner Sprache mit schöner und dichter Stimmung eine Geschichte um Frauen um die 50, Schriftstellerei versus Journalismus und Morde die auf uraltes Unrecht zurückgehen geschildert. Die Schilderungen der Menschen und Umgebung ziehen in den Bann und in das Buch fast hinein.
Nurit Iscar, eine schöne 50-jährige Frau, geschieden, 2 Söhne, ehemals erfolgreiche Krimischriftstellerin, wird nach drei Jahren Mißerfolg wegen ihres gescheiterten Versuchs einen Liebesroman zu schreiben beauftragt über einen Mord in einer mehr als geschützten Wohnsiedlung, mit dem irreführenden Namen 'La Maravillosa' zu berichten. Ihr Ex-Liebhaber, Herausgeber einer wichtigen Zeitung, überredet sie dazu. Er gibt ihr einen jungen, noch unbedarften Journalisten zur Seite, der sich Jaime, einen Journalisten der alten Schule, der abserviert werden soll, als Hilfe mitnimmt. Das Team erkennt zunehmend, daß einige Menschen in den Mord verwickelt sind und bereits einige aus einer ehemaligen Männerfreundschaftsrunde Unfällen zum Opfer gefallen sind. Ihnen wird auch einiges klar, und sie haben Glück, daß sie nicht in sogenannte Unfälle produziert durch Mächtige verwickelt werden.
Es ist gespenstisch wie die Kontrollen an der Eingangspforte zu der geschützten Wohnsiedlung geschildert werden. Alles wird kontrolliert: nicht nur Ausweis, sondern auch Autoversicherung und Handy. Die, die dort arbeiten dürfen, werden noch mehr kontrolliert. Innen drin leben die Menschen in einer großzügigen Anlage mit viel Comfort. Daß auch Menschen in Buenos Aires leben, die viel weniger haben, wird aus dem Roman nicht ausgespart.
Schön sind die Personen geschildert, v.a. die Freundinnen um Nurit, die ebenfalls Anfang 50 sind. Die gruppendynamischen Aktionen und wie wer mit auftauchenden Männern umgeht ist humorvoll geschildert. Politik kommt ins Spiel wenn eine dieser Freundinnen, die Schauspielerin ist, meint, daß sie sich nicht mit einem Polizisten treffen (und in ihn verlieben) darf, weil sie vor 30 Jahren in revolutionärem sozialistischem Theater in Buenos Aires gespielt hat.
"Betibú" ist die Aussprache einer sehr weiblichen Comicfigur aus den 30-er Jahren : Betty Boop. Die Hauptfigur des Romans hat diesen Kosenamen erhalten, weil sie mit ihren schwarzen Locken und großen Augen und weiblicher Ausstrahlung dieser Figur entsprochen hat/noch entspricht. Der Exkurs im Buch auf die Weiblichkeit dieser Comic-figur, die Kontroversen um die gezeigte Fraulichkeit und auch Veränderungen mit steigendem Puritanismus sind faszinierend.
Schön fand ich in dem Buch den Bezug auf andere Bücher bzw. Autoren aus bekannter Literatur und mir bis dato unbekannten lateinamerikanischen Autoren. Eine kleine Lese-Liste für mich daraus entstanden.
Ich habe das Buch mit seinen Schilderungen und seinem Plot sehr genossen - auch wenn es kein Happy End im Sinne der Gerechtigkeit gibt, sondern 'nur' menschliches Zusammenfinden.
"Betibú"
Roman
original "Betibú"
2011, Alfaguara Argentia, Buenes Aires
aus dem Spanischen von Peter Kultzen
2013, Unionsverlag
333 Seiten
ISBN 978-3-293-00453-5
In diesem Kriminal-Roman wird in schöner Sprache mit schöner und dichter Stimmung eine Geschichte um Frauen um die 50, Schriftstellerei versus Journalismus und Morde die auf uraltes Unrecht zurückgehen geschildert. Die Schilderungen der Menschen und Umgebung ziehen in den Bann und in das Buch fast hinein.
Nurit Iscar, eine schöne 50-jährige Frau, geschieden, 2 Söhne, ehemals erfolgreiche Krimischriftstellerin, wird nach drei Jahren Mißerfolg wegen ihres gescheiterten Versuchs einen Liebesroman zu schreiben beauftragt über einen Mord in einer mehr als geschützten Wohnsiedlung, mit dem irreführenden Namen 'La Maravillosa' zu berichten. Ihr Ex-Liebhaber, Herausgeber einer wichtigen Zeitung, überredet sie dazu. Er gibt ihr einen jungen, noch unbedarften Journalisten zur Seite, der sich Jaime, einen Journalisten der alten Schule, der abserviert werden soll, als Hilfe mitnimmt. Das Team erkennt zunehmend, daß einige Menschen in den Mord verwickelt sind und bereits einige aus einer ehemaligen Männerfreundschaftsrunde Unfällen zum Opfer gefallen sind. Ihnen wird auch einiges klar, und sie haben Glück, daß sie nicht in sogenannte Unfälle produziert durch Mächtige verwickelt werden.
Es ist gespenstisch wie die Kontrollen an der Eingangspforte zu der geschützten Wohnsiedlung geschildert werden. Alles wird kontrolliert: nicht nur Ausweis, sondern auch Autoversicherung und Handy. Die, die dort arbeiten dürfen, werden noch mehr kontrolliert. Innen drin leben die Menschen in einer großzügigen Anlage mit viel Comfort. Daß auch Menschen in Buenos Aires leben, die viel weniger haben, wird aus dem Roman nicht ausgespart.
Schön sind die Personen geschildert, v.a. die Freundinnen um Nurit, die ebenfalls Anfang 50 sind. Die gruppendynamischen Aktionen und wie wer mit auftauchenden Männern umgeht ist humorvoll geschildert. Politik kommt ins Spiel wenn eine dieser Freundinnen, die Schauspielerin ist, meint, daß sie sich nicht mit einem Polizisten treffen (und in ihn verlieben) darf, weil sie vor 30 Jahren in revolutionärem sozialistischem Theater in Buenos Aires gespielt hat.
"Betibú" ist die Aussprache einer sehr weiblichen Comicfigur aus den 30-er Jahren : Betty Boop. Die Hauptfigur des Romans hat diesen Kosenamen erhalten, weil sie mit ihren schwarzen Locken und großen Augen und weiblicher Ausstrahlung dieser Figur entsprochen hat/noch entspricht. Der Exkurs im Buch auf die Weiblichkeit dieser Comic-figur, die Kontroversen um die gezeigte Fraulichkeit und auch Veränderungen mit steigendem Puritanismus sind faszinierend.
Schön fand ich in dem Buch den Bezug auf andere Bücher bzw. Autoren aus bekannter Literatur und mir bis dato unbekannten lateinamerikanischen Autoren. Eine kleine Lese-Liste für mich daraus entstanden.
Ich habe das Buch mit seinen Schilderungen und seinem Plot sehr genossen - auch wenn es kein Happy End im Sinne der Gerechtigkeit gibt, sondern 'nur' menschliches Zusammenfinden.
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Wertung - 4 Bücher
Samstag, 28. April 2012
Guillermo Martínez : "Der langsame Tod der Luciana B."
Guillermo Martínez :
"Der langsame Tod der Luciana B."
2007 erschienen
original "La muerte lenta de Luciana B."
Aus dem Spanischen von Angelica Ammar
2008 Eichborn AG, Frankfurt
192 Seiten
ISBN 978-3-8218-7200-1
Der Roman beschreibt eine starke Geschichte zwischen zwei Schriftstellern und einer Frau. Es ist keine Liebesgeschichte zwischen drei Menschen, sondern läßt weil zwei komplett verschiedene Sichtweisen von Situationen erzählt werden, einige Fragen offen.
Luciana, eine junge attraktive Frau arbeitet als Sekretärin, sie tippt nach Diktat, für einen gerühmten Schriftsteller. Kloster - er ist nur nur seinen Nachnamen präsent. Während er verreist ist, wird Luciana an einen anderen Schriftsteller mit Gips in Schreibhand über den Verlag vermittelt. Dieser Schriftsteller ist namenlos und beschreibt den Roman in Ich-form, mit seinen Gesprächen/Gedanken/Reflexionen.
Zehn Jahre nach der Aushilfe meldet sich Luciana und ersucht um Hilfe. Es sind mittlerweile ihr Freund, ihre Eltern und auch ihr Bruder verstorben. Sie beschreibt dem Erzähler wie es möglich ist, daß hinter all diesen Todesfällen Kloster steckt/stecken kann. Auf ihr Ersuchen besucht der weniger erfolgreiche Schriftsteller den mittlerweile hochberühmten Bestseller-Schriftsteller um seine quasi Gegendarstellung zu erfahren, die prompt erfolgt. Ob am Ende das Böse siegt, wer oder was das Böse ist oder sein kann, oder ob doch ein zartes happy End mit anderen Menschen möglich ist, sollte selber nachgelesen werden.
Die Geschichte ist spannend. Ich habe den Roman immer wieder zusammengeklappt um mir die Darstellungen und Antworten darauf durchzudenken.
Die Figuren sind klar gezeichnet, leben aber vor meinem geistigen Auge nicht. Eher habe ich das Gefühl ich höre die Geschichte erzählt. Nervig finde ich das Matcho-getue, daß eine Frau letztendlich daran beurteilt wird, ob und welchen Busen sie hat und ob deshalb Liebe möglich ist oder nicht.
Auf die geschilderte Umgebung schien mir weniger geachtet, nur den Urlaubsort Gsell in Argentinien nachgelesen, da mir der Name fremd gewesen war.
Der Roman arbeitet nach. Ich empfehle ihn gerne weiter, weil er mich beim Lesen fasziniert hat.
"Der langsame Tod der Luciana B."
2007 erschienen
original "La muerte lenta de Luciana B."
Aus dem Spanischen von Angelica Ammar
2008 Eichborn AG, Frankfurt
192 Seiten
ISBN 978-3-8218-7200-1
Der Roman beschreibt eine starke Geschichte zwischen zwei Schriftstellern und einer Frau. Es ist keine Liebesgeschichte zwischen drei Menschen, sondern läßt weil zwei komplett verschiedene Sichtweisen von Situationen erzählt werden, einige Fragen offen.
Luciana, eine junge attraktive Frau arbeitet als Sekretärin, sie tippt nach Diktat, für einen gerühmten Schriftsteller. Kloster - er ist nur nur seinen Nachnamen präsent. Während er verreist ist, wird Luciana an einen anderen Schriftsteller mit Gips in Schreibhand über den Verlag vermittelt. Dieser Schriftsteller ist namenlos und beschreibt den Roman in Ich-form, mit seinen Gesprächen/Gedanken/Reflexionen.
Zehn Jahre nach der Aushilfe meldet sich Luciana und ersucht um Hilfe. Es sind mittlerweile ihr Freund, ihre Eltern und auch ihr Bruder verstorben. Sie beschreibt dem Erzähler wie es möglich ist, daß hinter all diesen Todesfällen Kloster steckt/stecken kann. Auf ihr Ersuchen besucht der weniger erfolgreiche Schriftsteller den mittlerweile hochberühmten Bestseller-Schriftsteller um seine quasi Gegendarstellung zu erfahren, die prompt erfolgt. Ob am Ende das Böse siegt, wer oder was das Böse ist oder sein kann, oder ob doch ein zartes happy End mit anderen Menschen möglich ist, sollte selber nachgelesen werden.
Die Geschichte ist spannend. Ich habe den Roman immer wieder zusammengeklappt um mir die Darstellungen und Antworten darauf durchzudenken.
Die Figuren sind klar gezeichnet, leben aber vor meinem geistigen Auge nicht. Eher habe ich das Gefühl ich höre die Geschichte erzählt. Nervig finde ich das Matcho-getue, daß eine Frau letztendlich daran beurteilt wird, ob und welchen Busen sie hat und ob deshalb Liebe möglich ist oder nicht.
Auf die geschilderte Umgebung schien mir weniger geachtet, nur den Urlaubsort Gsell in Argentinien nachgelesen, da mir der Name fremd gewesen war.
Der Roman arbeitet nach. Ich empfehle ihn gerne weiter, weil er mich beim Lesen fasziniert hat.
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Sonntag, 1. August 2010
Maria Norowska : "Der russische Geliebte"
Maria Norowska :
"Der russische Geliebte"
1996 'Rosyjski kochanek" bei Wydawnictwo W.A.B.,Warschau
aus dem Polnischen von Karin Wolff
2000 Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt
254 Seiten
ISBN 3-596-14876-6
Ein Buch von einer Frau eher mit Zielgruppe für Frauen geschrieben, das von einer großen, oder der richtigen Liebe glauben machen kann, oder zumindest Mut auf Liebe.
Julia, ist Literaturprofessorin in Warschau, Mutter und vielfache Großmutter (was ihr nicht angenehm ist), und auf ein Jahr an die Universtität in Paris als Dozentin eingeladen. Ihre Nachbarn im Hotel sind ein russisches Päarchen - Aleksander ist Historiker und schreibt an einem Buch über die letzten Tage des letzten russischen Zaren und Nadja, die Friseuse ist und über alle Ohren und Zellen in Aleksander verliebt. Nachdem Najda im Streit zurück fuhr, gehen Julia und Aleksander öfters miteinander essen, bis sie nach einem Streit miteinander das Bett teilen. Während für Aleksander die Beziehung kein Problem zu haben scheint, tut sich Julia mit dem Altersunterschied schwer / mehr noch der Beginn der biologischen Menopause führt ihr ihr Alter noch mehr vor Augen. Nach einem gemeinsam Urlaub auf Mallorca - wie vor langer Zeit auch Frederic Chopin und George Sand - zieht das Paar in eine Pariser Mansardenwohnung. Aleksanders Buch wird ein großer Erfolg. Im letzten Kapitel schreibt Julia ihrer Tochter einen Brief und schildert ihr ihr Leben als Ehefrau eines Historikers in Moskau.
In Rückblenden rollt Julia ihre Kindheit auf, die sie bei ihrer hilflosen Mutter und dem lieblosen autoritären Großvater verbracht hat. In der gleichen Beiläufigkeit und Lieblosigkeit wird sie beim Erstkontakt mit einem Mitstudenten schwanger. Die Tochter Ewa baut sich ihre Familie auf, in dem sie innerhalb kürzester Zeit einen liebenvollen Mann und mehrere Kinder hat - etwas das Julia lange suspekt ist.
Die Menschen in dem Buch sind schön gezeichnet - die Persönlichkeiten der verschiedenen Freunde Aleksanders in Paris klar und nachfühlbar geschildert. Auch die Szenerien sind fast filmhaft - sei es in Paris, auf Mallorca oder in Moskau.
Kurz kommt das Thema Krieg zu Wort, als einer der Freunde Aleksanders als Photograph ins zerfallende Jugoslawien geschickt wird, und Julia in einem Absatz die Greueltaten und Unmenschlichkeiten der Sieger schildert.
Das Buch ist gut geschrieben, macht das Frau sein und geht schön mit den Veränderungen des Körpers um. Die Liebe des jüngeren Mannes ist für mich romanhaft, denn das Gemisch aus Sensibilität und Sorgen-um-die-Frau ist zwar eine schöne Idee, aber unglaubhaft. Wer die Idee genießen möchte, ist in dieser Geschichte gut aufgehoben.
"Der russische Geliebte"
1996 'Rosyjski kochanek" bei Wydawnictwo W.A.B.,Warschau
aus dem Polnischen von Karin Wolff
2000 Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt
254 Seiten
ISBN 3-596-14876-6
Ein Buch von einer Frau eher mit Zielgruppe für Frauen geschrieben, das von einer großen, oder der richtigen Liebe glauben machen kann, oder zumindest Mut auf Liebe.
Julia, ist Literaturprofessorin in Warschau, Mutter und vielfache Großmutter (was ihr nicht angenehm ist), und auf ein Jahr an die Universtität in Paris als Dozentin eingeladen. Ihre Nachbarn im Hotel sind ein russisches Päarchen - Aleksander ist Historiker und schreibt an einem Buch über die letzten Tage des letzten russischen Zaren und Nadja, die Friseuse ist und über alle Ohren und Zellen in Aleksander verliebt. Nachdem Najda im Streit zurück fuhr, gehen Julia und Aleksander öfters miteinander essen, bis sie nach einem Streit miteinander das Bett teilen. Während für Aleksander die Beziehung kein Problem zu haben scheint, tut sich Julia mit dem Altersunterschied schwer / mehr noch der Beginn der biologischen Menopause führt ihr ihr Alter noch mehr vor Augen. Nach einem gemeinsam Urlaub auf Mallorca - wie vor langer Zeit auch Frederic Chopin und George Sand - zieht das Paar in eine Pariser Mansardenwohnung. Aleksanders Buch wird ein großer Erfolg. Im letzten Kapitel schreibt Julia ihrer Tochter einen Brief und schildert ihr ihr Leben als Ehefrau eines Historikers in Moskau.
In Rückblenden rollt Julia ihre Kindheit auf, die sie bei ihrer hilflosen Mutter und dem lieblosen autoritären Großvater verbracht hat. In der gleichen Beiläufigkeit und Lieblosigkeit wird sie beim Erstkontakt mit einem Mitstudenten schwanger. Die Tochter Ewa baut sich ihre Familie auf, in dem sie innerhalb kürzester Zeit einen liebenvollen Mann und mehrere Kinder hat - etwas das Julia lange suspekt ist.
Die Menschen in dem Buch sind schön gezeichnet - die Persönlichkeiten der verschiedenen Freunde Aleksanders in Paris klar und nachfühlbar geschildert. Auch die Szenerien sind fast filmhaft - sei es in Paris, auf Mallorca oder in Moskau.
Kurz kommt das Thema Krieg zu Wort, als einer der Freunde Aleksanders als Photograph ins zerfallende Jugoslawien geschickt wird, und Julia in einem Absatz die Greueltaten und Unmenschlichkeiten der Sieger schildert.
Das Buch ist gut geschrieben, macht das Frau sein und geht schön mit den Veränderungen des Körpers um. Die Liebe des jüngeren Mannes ist für mich romanhaft, denn das Gemisch aus Sensibilität und Sorgen-um-die-Frau ist zwar eine schöne Idee, aber unglaubhaft. Wer die Idee genießen möchte, ist in dieser Geschichte gut aufgehoben.
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