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Montag, 24. Februar 2025

Andrej Kurkow : "Picknick auf dem Eis"

Andrej Kurkow :
"Picknick auf dem Eis"
original "Smert' postoronnego"
1996, Folio, Charkiw
Aus dem Russischen von Christa Vogel
1999 / 2024 Echomedia Buchverlag / Eine Stadt. Ein Buch.
283 Seiten + 6 Seiten Interview mit Andrej Kurkow
keine ISBN 

Viktor lebt mit dem Pinguin Mischa, den er aus einem Tiergarten zu sich genommen hat. Als Möchtegern Schriftsteller und arbeitsloser Journalist kann er leider nicht schreiben, bis ihm angeboten wird Nachrufe auf Vorrat für eine Zeitung zu schreiben. Er bekommt Stichworte an die er sich zu halten hat, darf nicht darüber erzählen und wird gut bezahlt. Einige der Menschen für die er Nachrufe verfaßt hat, sterben wirklich und sein Werk wird unter einem Pseudonym abgedruckt. Zum Pinguin dazu vertraut ihm der Chefredakteur, auch ein Mischa, seine Tochter an. Der Chefredakteur verschwindet, und Viktor, die Tochter des Redakteurs, die Kindersitterin und Pinguin fahren gemeinsam mit einem Polizisten in eine hübsches Haus am Land. Später verreist der Polizist und kommt nicht mehr zurück. Viktor möchte dem Pinguin eine Reise in die Antarktis spendieren, damit er unter Artgenossen kommt, aber alles kommt anders.

Die Menschen sind in ihrer Traurigkeit und Einsamkeit gut vorstellbar. 
Viktor lebt traurig vor sich hin, trinkt, schreibt, versorgt Pinguin und die immer größer werdende Quasi-Familie. Seine Gedanken sind eher mißmutig, und freudlos. Für den Pinguin macht er mehr als für viele Menschen. So besucht er einen alten Mann der Pinguinforscher gewesen war. In den Grsprächen ist große Traurigkeit spürbar.
Der Kontakt zum Chefredakteur ist eigenartig und es schwingt Gewalt mit. Der Ausflug in eine andere Stadt wird zum Desaster und es gibt plötzlich Leichen.

Der deutsche Titel kommt von einem Picknick am Eis der kleinen Quasi-Familie. Skurril wird in der Szene erzählt wie die Angler erstaunt sind einen Pinguin unter Eis zu sehen.

Daß auch andere Mächte und Gesellscahfgten am Werk sind, läßt der Autor durchblicken, wenn verschlossene Türen nicht ausreichen, und eigenartige Informationen kommen.

Skurril ist das Wort das mir beim Lesen dieses Romans am meisten durch den Kopf schoß : ein Pinguin der den Kopf auf den Schoß des Menschens legt ? ein Pinguin der auf Begräbnissen gewünscht wird ?
Weniger skurril ist wie Menschen verschwinden oder sarkastisch zurückgeliefert werden. 

Der Roman ist eindrücklich - zuerst zog er mich mit seinen verrückten Gestalten und Einsamkeit in den Bann, die Falle der Gewalt am Schluß der sich Viktor entzieht wirkt nach.

Viel Genuß beim Lesen !

Andrej Kurkow wurde am 23. April 1961 in St. Petersburg geboren. Er lebt seit seiner Kindheit in Kiew und schreibt in russischer Sprache. Er studierte Fremdsprachen, war Zeitungsredakteur und während des Militärdienstes Gefängniswärter. Danach schrieb er zahlreiche Drehbücher. Er lebt in Kiew. 

Samstag, 14. Oktober 2017

Fjodor Dostojewski : "Der Spieler"

Fjodor Dostojewski :
"Der Spieler"
1867 erstmals erschienen bei Verleger Stellowski
Aus Gesammelte Werke in zwanzig Bänden - Band "Der Spieler" und "Späte Prosa"
Herausgegeben von Gerhard Dudek und Michael Wegner
Deutsch von Werner Creutziger
1990, Aufbau-Verlag Berlin und Weimar
184 Seiten (von 348 bis 530) + passenden Anmerkungen (hier meist Übersetzungen aus dem französischen) im Anhang
ISBN 3-351-01509-7

In einem deutschen Kurort haben sich eine verarmte russische Familie, der in die Stieftochter verliebte Hauslehrer, ein reicher französischer Adeliger, ein verliebter Engländer, eine schöne junge etwas frivol wirkende Frau mit Mutter eingefunden. Der Chef der Familie ist Witwer, braucht das Geld der Erbtante um die schöne junge Frau heiraten zu können. Inzwischen lebt mittels Schuldscheinen bei dem französischen eitlen unangenehmen Mann, der nebenbei Tochter Polina zu einem Verhältnis erpresst. Die Erbtante erscheint mit großem Auftritt, und verspielt in drei Tagen den großteils ihres Geldes und damit die Zukunft des Generals, seiner Stieftochter Polina und legt den Grundstein zur Spielsucht des Hauslehrers. Polina ist hin- und her gerissen zwischen gehobener Tochter-Dünkel, Liebe zu dem Hauslehrer und keinem Vertrauen zu ihm. Der Hauslehrer lebt einige Zeit mit der schönen Frau von seinem Geld in Paris, verheiratet sie mit dem General und bleibt selbst spielend in Deutschland hängen.

Der Hauslehrer Alexej Iwanowitsch erzählt aus seiner Ich-Sicht, wie er den Franzosen provozieren will, wie er Enkelin/Stieftochter Polina helfen will oder auch nicht, wie er die schöne Blanche beobachtet und eigentlich Angst vor ihr hat und wie ihn das Spiel, das ihn am Anfang nicht interessiert hat, am Schluß dirigiert. Nicht einmal die klaren Worte des Engländers können ihn aus der Sucht reißen.

Dostojewski springt mit dem ersten Satz in die Handlung als ob jede Leser alles über die Personen bereits wüßte. Aber erst langsam entschlüsseln sich trotz Schreianfällen die Absichten und Gefühle der handelnden oder reagierenden Personen.
Wie die Hauptperson Alexej die Lethargie aller Liebe und dem Leben gegenüber erfaßt, und dafür die Spielsucht ihn in die Krallen bekommt, ist dicht und faszinierend beschrieben.

Die Geschichte ist fast in Dialogen geschrieben. Es wird wenig beschrieben, außer Luxus der russischen Familie im fiktiven Ort Roulettenburg oder später in Paris.

Im Text sind immer wieder französische Phrasen oder Wörter eingebaut, die im Anhang übersetzt werden. Nicht übersetzt ist der Begriff "Outchitel", der ein französischer Begriff für einen russischen Lehrer ist, und den v.a. die Babuschka und später Blanche an Alexej verwendet.

Eine berühmte Geschichte zur Entstehungsgeschichte ist, daß die Stenographin und spätere zweite Gattin Anna Snitkina auf den Einfall kam, das Manuskript bei einem Notar zu hinterlegen, um dem Autor die rechtzeitige Abgabe des Manuskripts zu bestätigen, da der Verleger hinterlistigerweise die Stadt verlassen hatte.

In Summe ein dichter spannender Roman, der packt. Viel Freude beim Lesen !

Fjodor Michailowitsch Dostojewski wurde am 11. November 1821 in Moskau geboren. Er studierte Ingenieurtechnik, wollte dann aber Schriftsteller werden. 1849 wurde er verhaftet und verlor nach einer Scheinhinrichtung alles Vermögen, und für fünf Jahre ins Arbeitslager gesteckt. 1866 erschien "Schuld und Sühne" in einer Monatszeitschrift über einige Monate. 1866 erschien auch "Der Spieler".1869 war der Roman "Der Idiot" fertig.1872 schloß er "Die Dämonen" ab. 1875 war "Der Jüngling" fertig. 1880 schloß er "Die Brüder Karamasow" ab. Er starb am 9. Februar 1881 in Sankt Petersburg.

Dienstag, 4. April 2017

M. Blanken : "Der Zeuge aus der Dunkelkammer"

M. Blanken :
"Der Zeuge aus der Dunkelkammer"
Dateigröße: 2428 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 147 Seiten
Verlag: idb (5. Januar 2017)
ASIN: B01N7PKU1L

Die Geschichte spielt in Deutschland als ein Amateurphotograph beim Entwickeln eines Photos entdeckt, daß er einen Mord in einem Haus photographiert hatte. Die Polizei findet keine Leiche. Dank einiger hartnäckiger Menschen werden sowohl die Leiche gefunden, als auch zwei Intrigen gegen einen Bankdirektor gelöst und in einem Gerichtsauftritt der Mörder entlarvt.

Ort der Handlung ist ein Städtchen mitten in Deutschland, in dem sich Vater und Tochter gut verstehen und lieben, Anbeter des hübschen Mädchens vorhanden sind, Hierarchie herrscht und es noch kaum wissenschaftliche Untersuchungen und damit nur Indizien gibt.

Die Menschen sind lieb, gütig, gehen teilweise übertrieben zartfühlend oder sehr grob miteinander um. Der Bankdirektor wird als liebevoller Mensch mit hehren Werten beschrieben, dem die Tochter zu zugetan ist; ihre Liebe getraut sie sich nicht zu gestehen. Daß ihre Mutter ein Geheimnis hatte, kommt spät aus der Geschichte. Der Compagnon des Bankdirektors wird mit allen sinisteren Eigenschaften geschildert. Der Polizist, dann Detektiv wird als logisch denkender und agierender Mensch ohne viel Sentimentalität geschildert, was angenehm ist, da die anderen Menschen umso mehr haben.

Des Rätsels Lösung ist überraschend und Mitraten über den Mörder durchaus möglich.
Die Geschichte ist trotz ihrer altmodischen Sprache gut und rasch lesebar und für einen verregneten Abend gut als Lektüre geeignet. Viel Spaß !

Leider habe ich keine Daten über den Autor gefunden.

Mittwoch, 9. November 2016

Rafael Cardoso : "Sechzehn Frauen"

Rafael Cardoso :
"Sechzehn Frauen" - Geschichten aus Rio
original "Entre as mulheres"
2007, Editora Record, Rio de Janeiro
aus dem brasilianischen Portugiesisch von Peter Kultzen
2013, S. Fischer Verlag, Frankfurt
312 Seiten
ISBN 978-3-10-010850-0

16 kurze Geschichten über Frau in Rio de Janeiro sind hier gesammelt. Die Frauen im Alter von 6 bis 93 sind aus allen Gesellschafts- und Einkommensschichten, verliebt -entliebt - verheiratet - geschieden - verwitwet, schwanger - kinderlos - mit Kind, reich - arm - arbeitssuchend, hetero- homo-erotisch, reich an Erfahrung bis naiv-freundlich.

Manche Geschichten sind lose miteinander verbunden, wenn einzelne Figuren nicht nur erzählen, sondern auch in anderen Geschichten vorkommen - z.B. Frau Yete, oder so wie ein Raffael/Raffa, ein attraktiver DJ mit grünen Augen, der durch das Leben einiger Frauen geistert, der aber nicht selbst zu Wort kommt.

Das Ende der kurzen Geschichten ist sehr unterschiedlich: bei manchen bleibt alles beim Gleichen, bei manchen dreht sich das Ende zu positivem Ende, bei anderen zerplatzen alle Träume bis keine Hoffnung übrig bleibt.

Leider kenne ich Rio überhaupt nicht weshalb ich die Hinweise auf das südliche Rio bei dem die Menschen anders, reicher, positiver, bunter, lebensfroher geschildert werden.

Skurril finde ich die letzte Geschichte von Ana, die als Stewardess Höhenkrankheit mittel Schokolade bekämpft. Cíntia ist eine wunderschöne aber gehbehinderte Frau - sie erzählt wie Männerfantasien bei ihrem Anblick auf Touren gehen, und wie sie zerfallen wenn sie humpeln beginnt; sie empanzipiert sich von der überbehütenden Mutter. Maria, pflegt mit ihren 93 die demente Schwester und muß mit einem jugendlichen unerfahrenen Einbrecher fertig werden, der nicht versteht, daß er als siebenter Einbrecher nichts mehr vorfinden kann. Auch die Geschichte von Renata hat Faszinierendes; da sie von ihrem Mann keine Aufmerksamkeit und keine Mutterschaft dank seiner Damenbesuche mehr erwarten kann, und sich beides von einer Zufallsbekanntschaft holt, wobei die Ehelüge aufrecht bleibt.

Die Frauen sind sehr gut vorstellbar beschrieben; die Erzählungen die tw aus der Ich-Sicht geschrieben sind ziehen in die Gedanken und Emotionswelt der Darstellerinnen hinein.
Viel Freude beim Lesen.

Rafael Cardoso Denis wurde am 4. Juni 1964 in Rio de Janeiro geboren. Er wuchs ab seinem fünften Lebensjahr in den USA auf und studierte Kunstgeschichte in USA, Brasilien und London; später wurde er Professor für Kunstgeschichte und Kurator von Ausstellungen. Er veröffentlichte sowohl Werke über brasilianische Kunst, als auch drei Romane.

Donnerstag, 4. September 2014

Francois Lelord : "Hector und das Wunder der Freundschaft"

Francois Lelord :
"Hector und das Wunder der Freundschaft"
aus dem Französischen von Ralf Pannowitsch
2010, Piper Verlag München
246 Seiten
ISBN 978-3-492-05166-8
Band fünf der "Hector"-Serie (ich haben keinen original französischen Titel veröffentlicht gefunden).

Hector wird aus seinen psychiatrischen Stunden gerissen um einem alten Freund zu helfen, der angeblich 3 Mio veruntreut haben soll. Da das Geld nicht offiziell war wird die Sache geheim gehalten, aber trotzdem viel Druck aufgebaut.
Über die verschiedenen Arten von Freundschaft nachdenkend reist Hector durch verschiedene Gegenden Asiens, sieht die Liebe von käuflichen Mädchen die sich einen Hauch von Romantik bewahrt haben, sieht Elephanten und findet den gesunden Freund auch. Dieser ist auf einem buddhistisch spirituellen Weg und hat das Geld genutzt Organisationen zu helfen. Er befindet sich bei als brutal verschrienen Menschen, die ihn bewundern. Nach Kidnapping und Einschalten von Journalisten gibt es ein Happy End.

Das Buch war mir geborgt worden, weil die Definition & Thema von Freundschaft für mich ein Thema war, und es mir ermöglichen sollte Antworten zu finden. Diese Erwartung ist enttäuscht worden. Die 21 Merksätze sind im Buch zusammengefaßt, und mit einem 22. Satz ergänzt.

Leider bin ich nicht in den Fluß dieses Romans hineingekommen. Vermutlich wirkten die theoretischen Betrachtungen von Aristoteles und Thomas von Aquin oder die von "Hector" bremsend auf mich. Auch daß sich der glücklich verheiratete "Hector" sind ziemlich oft mit Problem der möglichen Erotik zu allen möglichen Frauen im Buch herumschlägt, hat mich irritiert. Auch er findet übrigens Erotik in Freundschaft zwischen den Gendern problematisch und eher störend.

Gut gefallen haben mir Beschreibungen der Ländern, Wälder, Menschen in Asien. Die Geschichte habe ich etwas gestrickt gefunden, denn so einfach wird es nicht sein mitten im Urwald bei Kannibalen zu landen, und eigenartige Militärs im Hintergrund zu haben.

Das Buch macht beim Lesen aber gute Stimmung, und ich habe es einige zum Einschlafen gelesen um mit freundlichen Gedanken in die Träumewelt zu wechseln. Viel Spaß beim Lesen !

Francois Lelord wurde am 22. Juni 1953 in Paris geboren. Der Autor ist als Psychiater tätig und lebt mit seiner Familie abwechselnd in Paris und Bankog. Er schreibt Sachbücher und Belletristik (die "Hector"-Bücher).

Sonntag, 5. Januar 2014

Sabina Naber : "Marathon-duell"

Sabina Naber :
"Marathon-Duell" - Erster Fall für Mayer & Katz
2013, Gmeiner Verlag
358 Seiten + 4 Seiten Glossar Wiener Ausdrücke
ISBN 978-3-8392-1379-3

Während des Wiener Marathons wird eine unschöne, reiche Frau ermordet. Das neue Team Katz und Mayer ermittelt und untersucht wie der geschickte, brutal klare Mörder sein Alibi getrickst hat. ein Tip: es immer praktisch auch einen laufenden Zwillingsbruder zu haben.

In den Kapiteln wird gesprungen - es wird nicht chronologisch erzählt wie Katz, und unabhängig davon der Mörder den Marathon laufen und alte Kindheitstraumata Revue passieren lassen, und wie das Team Katz & Mayer ermittelt.
Daniela Mayer hat parallel eine zu Ende gehende Beziehung mit einer wunderschönen, aber dummen Frau zu verarbeiten. Und die Probleme dieses Privatleben vor dummen, chauvinistischen Kommentaren zu schützen.

Die Kapitel über das Marathonlaufen und wie man durchhält, und welche Tricks die Läufer und Läuferinnen anwenden, ist für jeden halbwegs sportlichen Menschen der bei Wettbewerben durchhalten möchte, interessant mitzulesen.

Die Geschichte ist gut geschrieben, und spannend. Leider ist die Sprache und die Art und Weise der Sprüche nicht so angenehm. Die Ansagen und tiefen Sprüche über Frauen, egal ob Lesben oder hetero-erotischer Frauen, sind herabwürdigend und nicht unterhaltend. Schade, denn der Plot macht neugierig und bringt zum Weiterlesen.

Sabine Naber wurde 1965 in Niederösterreich geboren. Sie studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Geschichte. Sie arbeitete als Journalistin, Regisseurin, Schauspielerin und startet 2002 mit dem Geschichten und Krimi schreiben. 

Dienstag, 20. August 2013

Gidon Kremer : "Briefe an eine junge Pianistin"

Gidon Kremer :
"Briefe an eine junge Pianistin"
2013, Braumüller GmbH Verlag, Wien
110 Seiten für 3 Erzählungen
2 Seiten Danksagung
ISBN 978-3-99200-089-0

"Briefe an eine junge Pianistin" . 2012, L'Arche Editeur, aus dem Russischen von Rosemarie Tietze
"Albtraumsymphonie"; aus dem Russischen von Rosemarie Tietze
"Dekalog eines Interpreten"; aus dem Russischen von Claudia Zecher
Zeichnungen im Buch von Sandro Kancheli; Zeichnung vorne von Gidon Kremer

In zehn "Briefen" schreibt der hochintelligente hochberühmte Violinist Gidon Kremer zwischen Mai 2010 und August 2012 an eine - möglicherweise echte, möglicherweise fiktive - junge Pianistin. Der über 60-jährige Ausnahmemusiker reflektiert über die Klassikbranche, seine Chancen und Gefahren und macht die junge Musikerin auf Zusammenhänge und Gefahren aufmerksam.

Sein großes Ziel ist es der Musik zu dienen, die Musik erlebbar zu machen und nie die Vision zu verlieren. Er schreibt über die wechselseitigen Wichtigkeiten von berühmtem Musiker zu wichtigen Musikfestivals - wer ist für wen wichtig ?

Berührend sind die Stellen in denen er beschreibt, daß er sich für Uraufführungen lebender Komponisten eingesetzt hat - und bisweilen in der Uraufführung erst die Schwächen des Werkes erkannte. Andererseits hat er sich getreu seines Lehrers/Mentors David Oistrach nicht nehmen lassen sich für u.U. spröde Kompositionen von Gubaidulina, Schnittke, Sylvestrow etc. einzusetzen.

Es ging mir unter die Haut als er über das Phänomen 'Zeit' in der Musik schrieb - anhand des 2. Violinkonzerts von Sofia Gubaidulina beschrieb er wie Dirigent/Orchester die Nuance bei diesem Werk mitgehen können oder auch nicht. In den Noten stehen diese Feinheiten nicht, aber stehen zwischen den Registern.

Herr Kremer warnt davor sich einnehmen und vermarkten zu lassen. Er fragt berechtigt, was ein Parfum mit der Virtuosität oder Interpretationskraft eines/r Künstlers/in zu tun hat. Er warnt vor den Gefahren des Kommerzes, zulasten der eigenen inneren künstlerischen Stimme. Er sieht die Gefahren daß das Bedürfnis berühmt zu sein, und auch diese Seite des Lebens zusehen und gelebt zu werden wichtiger als der künstlerische Auftrag sein kann.
Er warnt davor nur eine Kopie eines - wenn auch genialen - Vorbildes zu sein.

Manches ist auch kritisch zu hinterfragen. Wenn Herr Kremer das Autogramm-un-wesen verurteilt habe ich die kostbaren Erinnerungen meiner Autogrammzeit vor mir als mir der gebrechliche, zarte und intensive Yehudi Menuhin oder genauso intensive Jeffrey Tate in die Augen/Seele blickten, oder als eine kleine Gruppe nach einer Aufführung der 14. Schostakowitsch mit Hildegard Behrens und Thomas Quasthoff über Schostakowitsch (auch über 'Lady Macbeth von Mzensk') diskutieren durfte.

In "Albtraumsymphonie" beschreibt Herr Kremer ein Orchester, bei dem die Musiker die am falschesten, unrhythmischsten, wenigsten im Takt spielen etc. die Schlüsselpositionen im Orchester erhalten. Das Publikum akklamiert mit Vergnügen und freut sich nicht mehr genaues hören zu müssen. Es ist ein Albtraum - Glück gehabt :-)

Im "Dekalog eines Interpreten" sind nochmals die Ideen, Visionen, Anregungen und auch Warnungen aus den Briefen zusammengefaßt.

In Summe ein faszinierendes Buch, bei dem ich immer wieder nach Absätzen das Buch zugeklappt und nachgedacht habe. Daß ich dieses Buch mindestens noch einmal lesen und durchdenken werde, ist mir klar. Ich wünsche allen musikbegeisterten Menschen viel Freude beim Lesen der Meinungen & Gedanken & Anregungen dieses Musikers.

Gidon Markowitsch Kremer wurde am 27. Februar 1947 in Riga / Lettland geboren. 1965 ging er an Moskauer Konservatorium - als Schüler von David Oistrach. 1978 reiste er nicht mehr in die UdSSR zurück. 1981 gründete er das Kammermusikfestival in Lockenhaus / Burgenland / Österreich. Viele zeitgenössische Komponisten haben ihm Werke gewidmet.

Montag, 30. April 2012

Elke Marion Weiss : "Triangel"

Elke Marion Weiss :
"Triangel"
Kriminalroman
2012,  Gmeiner-Verlag GmbH, Meßkirch
363 Seiten + Danksagung
ISBN 978-3-8392-1246-2

Das grüne Buch mit Katzencover erzählt eine nette feine etwas böse Geschichte vom Überleben einer Frau - tw. mithilfe von Freunden, oder auch ohne diese.

Die Malerin Emily lernt im Elsaß eine nette schöne liebe Witwe kennen. Josette zieht zu ihr in ein Dorf in Südbaden, da eine Wohngemeinschaft dem schmalen Geldbörsel der beiden Frauen entgegenkommt.
Als die beiden in einem eleganten Restaurant einen bekannten Manager auf der Flucht entdecken, quartieren sie ihn kurzerhand gegen seinen Willen bei ihnen ein. Zunächst widerwillig läßt sich Felix Traunfelder auf den Verwandten Jonathan Brix ummodeln.
Endlich ist Geld in der Kassa und Emily besorgt eine Kreuzfahrt für drei - inklusive 'neuem' Paß für Jonathan bei einem ehemaligen Freund der Kunstuniversität. Nachdem dieser Geld erpressen wollte, erfriert er leider in der klirrend kalten Sylvesterzeit (Pech, daß er kein Auto hatte).
Die Kreuzfahrt muß Emily alleine machen. Dafür kommen sich daheim Josette und Jonathan näher. Jonathan flieht, weil seine Managermachenschaften doch auffliegen und Josette bringt beider Kind Coco auf die Welt.
Wie Emily eine Galerie in Straßbourg erwirbt, Josette und der Maler Cohn umkommen, und was mit der Anwältin Carlotta geschieht, bis Emily am Schluß gemütlich in ihrem Garten sitzt und Husky Wölfchen streichelt sind bitte selber zu lesen.

"Triangel" dürfte das Buch nach einem Geschenk für die kleine Coco heißen. Warum eine schwarze Katze am Cover ist habe ich nicht verstanden - aber es ist eine schöne Katze.

Da Buch habe ich fast in einem Rutsch gelesen. Ein feine, dezent böse Geschichte über das Leben, das Überleben mit Beobachtungen über die Dorf-Idylle und dortige tw. Wichtigmacher. Die Beobachtungen über die Mitmenschen bei Josettes Begräbnis, als Emily mangels Babysitter mit deren Tochter am Arm auftaucht und fast ins Grab abrutscht ist ziemlich komödiantisch geschildert.

Die Menschen und deren Umgebung laufen vor dem Auge ab. Die Schilderungen sind fast wie Aquarelle - duftig, farbig, leicht gezeichnet. Es gibt viele Menschen in diesem Roman - Reisebekanntschaften, Verwandte von Josette, vergangene Liebe von Emily die mit Drive skizziert sind.

Ein gelungenes Buch, das ich gerne weiterempfehle - für verregnete Wochenenden, oder Reiselektüre bestens geeignet.