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Samstag, 4. Juli 2020

Anthony Coles : "Ein Gentlemen in Arles - mörderische Machenschaften"

Anthony Coles :
"Ein Gentlemen in Arles - mörderische Machenschaften" - ein Provence-Krimi
Peter-Smith-Reihe-1
original "A Retirement Disturbed"
2016, CreateSpace Independent Publishing Platform
Aus dem Englischen von Michael Windgasse
2019, Piper Verlag Gmbh
355 Seiten
ISBN 978-3-23206-7

Peter Smith hat sich mit seinem Windspiel Arthur in die Provence zurückgezogen und möchte seine Pension genießen. Durch Zufall wird er in einen Mord hineingezogen, und plötzlich interessieren sich die unterschiedlichsten Menschen für ihn und sein Wissen. Auf der einen Seite ist es die wunderschöne, reiche, charmante Witwe des Toten, auf der anderen Seite ziemlich gewaltbereite obskure Gestalten. Während ihm die Witwe die Geschichte der Camargue näher bringt, und ihm Treffen mit ihr wohl tun, eröffnen ihm die anderen Menschen die Sichtweise zu anderen lokalen Mafia-ähnlichen Gruppierungen, wobei die Familie der Witwe ebensoviel Macht in der Camargue hat.
Der Ermordete war ein glänzender Geschäftsmann gewesen, der geschickt EU-Förderungen gelenkt hat, aber vorallem eine unsittliche Neigungen hatte.
Am Schluß ist werden die Mörder zwar nicht erwischt, aber es bleibt das wohltuende Gefühl, daß die Welt ein paar böse Menschen weniger hat.

Peter Smith und eine alter Freund von ihm, der geheimdienstmäßig informiert ist, werden als typische Engländer mittleren Alters geschildert, denen es zuhause einfach zu kalt ist.
Die Witwe ist eine schöne gescheite reiche Frau, die ihn fast immer bezaubert.

Der Roman ist gut lesbar, die Zeit fliegt beim Lesen dahin. Ort, Menschen und Essen in diesem Roman sind gut vorstellbar.

Viel Spaß beim Lesen !

Freitag, 24. Januar 2020

Judith Arendt : "Helle und der Tote im Tivoli"

Judith Arendt :
"Helle und der Tote im Tivoli" - Der erste Fall für Kommissarin Jespers
Kriminalroman
2. Auflage 2018  Atlantik Bücher bei Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg
280 Seiten
ISBN 978-3-455-00271-3

Helle ist ein Dänischer Frauenvorname, und gehört zur weiblichen Hauptperson Frau Jespers, die in einem kleinen Urlaubsort am Meer in Dänemark die Polizeistation führt. Ein pensionierter Schuldirektor wird in der fünf Stunden entfernten Hauptstadt bestialisch ermordet gefunden. Das kleine Team vor Ort macht sich gegen den Wunsch der Truppe der Hauptstadt auf die Suche nach Information und wird bei einem charismatischen Esoterik-Psychologen fündig. In der Hauptstadt wird eine zweite ebenfalls bestialisch ermordete Leiche gefunden. Eine kleine Reise nach Deutschland, einige Gespräche im kleinen Küstenort weiter, entwickelt sich die Geschichte um einen gewissenlosen Pädophilen, der viele Menschen getäuscht hat.

Die Geschichte wird meist aus Sicht von Helle erzählt, einige von einem Polizisten, einige von einem Psychologen; kursiv sind Texte aus Sicht eines der traumatisierten Kinder eingestreut, der mit seinem inneren bösen Kind in Kontakt ist. Diese Stellen sind beängstigend.

Die Gedanken und Gefühle der rundlichen Polizistin mit Sozialarbeiter-ehemann und Kind und Hund sind engagiert, warmherzig und logisch. Ihr Kollege bei der Polizei hat mit privaten Problemen zu kämpfen und eine alte Geschichte wird wichtig. Der Guru und Psychologe wird als gutaussehend aber kaltschnäuzig geschildert. Sören aus Kopenhagen ist Helles Quasi-Vorgesetzter bei der Polizei, unterkühlt, rechthaberisch, kann dann doch richtig reagieren. Hilfe aus Deutschland bei der Recherche um einen Buben wird sympathisch geschildert.

Der Druck hat gemütlich halbwegs große Buchstaben.

Der Kriminalroman ist spannend geschrieben. Die Verzweiflung des Mörders ist greifbar, auch daß er um das Richtige ringt. Die Ursprungsgeschichte ging mir unter die Haut. gutes Lesen ! 

Judith Arendt ist ein Pseudonym für eine Drehbuchautorin. Sie lebt in Deutschland.

Dienstag, 6. Dezember 2016

Tessa Korber : "Die Katzen von Montmartre"

Tessa Korber :
"Die Katzen von Montmartre"
Kriminalroman
2016, btb Verlag
245 Seiten + 2 Seitenpersonal
ISBN 978-3-442-71444-5

Wunderbare verschiedene Katzen am Montmartre erzählen von Menschen und ihren Menschen. Bonnard, ein roter Kater erzählt in ich-form, was ihm die Menschen am Friedhof - ihn kraulend - erzählen. Ein Mädchen wird ermordet auf dem Friedhof aufgefunden, und die entzückende graue Katze Grisette verschwindet. Beides alarmiert die Katzen, wobei der schwarze Kater Degas wegen der grauen Schönheit alle Such-katzschaften in Bewegung bringt. Nur der gefleckte Kater Matisse der eigentlich bei dem Antiquitätenhändler lebt, hat sein Interessen für einen dunkelhäutigen Buben aus Afrika entdeckt und boxt diesen aus mehreren gefährlichen Situationen aus. Am Schluß wird es zwar knapp, aber einige neue Beziehungen auf Katzen- und Menschenebene sind entstanden.

Der Großteil der Kapitel ist aus Katzensicht, bzw, mit den Aktionen der Katzen geschildert, wenige Kapitel sind aus Sicht der Menschen geschrieben. Die dreifärbige Katze Suzanne lebt bei der Patissiere Mme Valladon, die Kater Pablo und Miro leben bei dem Bistrobesitzer Moulin, Grisette lebt bei der Kiosk-besitzerin und ehemaligen Prostituierten Mme Chauchau. Als zusätzliche Menschen gibt es einen alten Maler, einen liebevoller Tierarzt, einen durchaus weisen Polizisten sowie einen Tischler und dessen Sohn mit Lokalprojekt.

In Nebenlinien sind Themen wie KZ, Pädophilie, ein gräßlicher Autounfall der eine fast komplette Familie auslöscht, ein Vater der fast ein Kind umbringt und ein mittelalterlicher Aberglaube im Mauerbau wichtig

Faszinierend sind die typisch französischen Süßigkeiten, die Mme Valladon herstellt und deren Zubereitung beschrieben wird. Die 'Religieuses' waren mir neu.

Katzentechnisch werden interessante Vokabel verwendet wie Vibrissen (ich war nur Schnurrbartharre gewohnt) und Jacob'sches Organ. Ob Katzen wirklich so feinstufig riechen vermögen wie Degas hier beschrieben ist ?

Der Kriminalroman ist gut geschrieben, Katzen & Menschen & Orte sind gut vorstellbar.
Viel Freude beim Lesen über die Katzen, miau !

Tessa Korber (eigentlich Tessy Jeannette Klier) wurde am 23. Juni 1966 in Grünstadt/Pfalz geboren. Sie hat Geschichte, Germanistik und Kommunikationswissenschaften studiert, promovierte 1997, arbeitete dann in einem Verlag und im Buchhandel, als Werbetexterin und Dozentin. Sie schreibt historische Romane, Kriminalromane tw. unter eigenen Namen oder auch unter Pseudonym. 1998 wurde ihr Roman 'Die Karawanenkönigin' ein Bestseller. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin in der Nähe von Erlangen mit Mann, Kind, Hund und Katzen.

Freitag, 14. Oktober 2016

John Boyne : "Die Geschichte der Einsamkeit"

John Boyne :
"Die Geschichte der Einsamkeit"
Roman
original "A History of Loneliness"
2014, Doubleday, Transworld Publishers
Aus dem Englischen von Sonja Finck
2015, Piper Verlag
404 Seiten
ISBN 978-3-492-06014-1

Dieser spannende Roman aus der Ich-Sicht des irischen Mönches Odran Yates von den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts bis ins heute schildert seine Naivität und den Gott- und Menschenglauben und endet mit der Frage warum er Übergriffe an Kindern und Jugendlichen nicht gemerkt hatte und nicht verhindern konnte.

In zeitlich springenden Kapiteln wird sein Leben in der Kindheit, im Priesterseminar, im Auslandjahr in Rom (dem der drei Päpste), als Bibliothekar in einem Internat und dann draußen in einer Gemeinde aufgerollt. Seit dem Priesterseminar ist sein engster Freund Thomas Craddle, der sich anfangs merklich gegen das Seminar wehrt, sich aber nach einer Prügelattacke seines Vater nicht mehr auflehnt. Erst in den 2000-er Jahren bekommt Pater Yates Antworten auf seine vorsichtigen Fragen und wie fallende Domino-Steine klären sich endlich eigenartige Verhaltensweisen seines Neffe, des Bischofs.
Er bekommt als Pater zu spüren, daß er durch seinen Stand nicht mehr die gewohnte Vertrauensperson ist, sondern als zuerst als Mißtrauensperson Kindern gegenüber gilt.

Stark sind die Bilder der Intoleranz gegen über Unverheirateten, Geschiedenen, ledigen Müttern und jeder Art von Abweichung im Irland der 70-er Jahre.
Stark ist auch wie die fiktiven hohen Vertreter der Kirche Übergriffe an Kinder aus ihren Reihen zu vertuschen gewohnt sind.
Wie unterschiedlich die drei Päpste in dem Jahr 1978 geschildert sind, ist spannend, wobei die Sympathie beim 33-Tage-Papst, einem liebevollen Mann mit seinem freundlichen Lächeln aus dem Veneto.
Im Nachwort bedankt sich Autor für die Gespräche mit Priestern und Menschen in der katholischen Kirche, die ihm aus dem Leben im Vatikan, in den Seminaren, in dem Leben in Gemeinden erzählt haben. Einige Fragenstellungen für den zwischenmenschlichen Bereich wie Eheseminare, Homosexualität dürften hieraus genommen worden sein.

Die Schilderungen der Menschen ist stark. Auf die Orte sind gut vorstellbar. Der Roman ist so spannend geschrieben, daß ich bin 2 Uhr früh (aus-)gelesen habe, weil ich wissen wollte welche Ende der Autor für die Geschichte hatte.
Allerdings bleibt die Frage ob man wirklich schuldig sei wenn man etwas nicht mitgekriegt hat und auf Fragen keine rechtzeitige Antwort bekam. Für Odran ist klar, daß er schuld ist.

Am Anfang haben die Germanizismen der Übersetzung wie 'hoch gehen' (für hinauf gehen), 'eine' 7up (ein 7up), 'eine' Fanta (ein Fanta) etc. meine österreichische Sprachseele ziemlich gestört. Durch die spannende Geschichte wurde bald aufgelöst.

In Summe eine grandiose Geschichte die unter die Haut geht, und ziemlich berührt. Viel Freude beim Lesen !

John Boyne wurde am 30. April 1971 in Dublin geboren. Bis jetzt verfasste er vierzehn Romane und verschiedene Kurzgeschichten.