Posts mit dem Label Essen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Essen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 8. Mai 2025

Karosh Taha : "Beschreibung einer Krabbenwanderung"

Karosh Taha :
"Beschreibung einer Krabbenwanderung"
Roman
2018, DoMont Buchverlag Köln
200 Seiten + 1 Seite Danksagung + rotes Lesebändchen
ISBN 978-3-8121-9880-0

Sanaa lebt mit ihren Eltern, ihrer jüngeren Schwester und vielen ebenfalls kurdischen Familien in einem deutschen Hochhaus. Sie ist Studentin, trifft sich aber parallel mit zwei jungen Männern, und lebt ein westliches Leben. Ihr Sorge gilt ihrer Mutter Asia, die meist träumend am Balkon steht, oft vergißt etwas zu kochen, und dünn und schmal ist. Ihre Schwester ist einiges jünger, und am Beginn der Pubertät. Ihr Vater, der die treibende Kraft zur Übersiedlung nach Deutschland war, wechselt dauernd seine Hilfsjobs und ist selten bei seiner Familie.
Meist sitzt Besuch auf der Wohnzimmercouch; zwei dicke Tanten machen es sich bequem, rauchen und lästern und manipulieren nach Lust und Laune. Es dauert bis Sanaa es schafft sich deren Einfluß zu entziehen und ihre Mutter wieder Lust am Kochen, v.a. am Backen wieder entdeckt und damit auch ihre Würde.

Der Roman ist aus der Sicht von Sanaa geschrieben. Sie kann sich noch Kurdistan, den Irak, die Farben des Flußes und der Erde erinnern; und denkt oft an ihre damalige beste beste Freundin, die etwas älter war und bereits mit der Pubertät begann.
Es ist spannend wie sie versucht an das Hochzeitsvideo ihrer Eltern zu kommen, um zu sehen ob ihre Eltern jemals glücklich miteinander waren; es gibt unterschiedliche Erzählungen wie sich die beiden kennen lernten und dann je nach Sichtweise heirateten bzw heiraten mußten. 

Die titelgebenden Krabben bzw deren Wanderung ist ein Bild das die Autorin/ Saana öfters verwendet, sei es um die Bewegungen und Ziele der Menschen zu beschreiben, aber auch um die Schrammen durch die Handwerkarbeiten am gesamten Arm ihres Vaters zu charakterisieren. Manchmal beschreibt sie eine Krabbe alleine, manchmal auch viele die gerade einen ziemlich eigenartigen Weg gehen.

Die Beschreibungen der Menschen sind gut gelungen: die fetten Tanten wie sie am Tisch sitzen, die Heimlichtuerei mit ihrem deutschen Universitätsfreund, die Doppelbödigkeit der kurdischen Familien auch in Deutschland.

Die Rezepte, die ihre Mutter zubereitet, lesen sich wunderbar.

Der Roman ist gut geschrieben; mich hat die Geschichte der jungen Frau die den Spagat aus zwei Kulturen macht fasziniert, und die Liebe wie sie über ihre Großmutter im Irak schreibt.
Viel Freude beim Lesen.

Karosh Taha wurde 1987 in Zaxo, Kurdistan - Irak geboren. 1997 kam sie mit ihren Eltern nach Deutschland, wo sie in Duisburg aufwuchs. Sie absolvierte zuerst eine Lehramtsstudium für Englisch und Geschichte und arbeitete auch als Lehrerin, ehe sie ab 2021 ausschließlich als Schriftstellerin tätig ist.

Dienstag, 7. Mai 2024

Hisashi Kashowai : "The Kamogawa Food Detectives"

Hisashi Kashowai :
"The Kamogawa Food Detectives"
original "Kamogawashokudo "
2013, Shogakukan
translated from Japanese by Jesse Kirkwood
2023, Mantle, imprint of Pan Mamillan
201 Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis
ISBN 978-1-035009589

auf deutsch : "Das Restaurant der verlorenen Rezepte"

Vater Kamagowa, ein ehemaliger Polizist, und seine Tochter führen ein kleines, geheimes Restaurant in einer Seitengasse Kyotos. Werbung gibt es nur mit einer einzigen Zeile, die wenige Menschen finden. Sie werben damit, daß sie Rezepte finden, die lange vergessen sind. Die Suchenden erhalten meist an Anfang viele kleine Teller mit grandiosen kleinen Häppchen (von denen ich zwar leider nur die Hälfte verstanden habe, die aber köstlich beschrieben sind). 

Die Geschichten sind ähnlich aufgebaut : jemand sucht ein Gericht, Vater und Tochter recherchieren und kochen und lösen dabei das Rätsel, das für die suchenden Personen mit dem Gericht verbunden ist.

1) Nabeyaki-Udon - Suppe mit dicken Nudeln, Shrips, Karottenscheiben, Spinat, Fisch-kuchen, Zwiebeln, Hendl-stücken. Diese Suppe ist einem Herren in Erinnerung, da seine Frau sie immer so gut gemacht hatte, aber seine jetzige Liebe sie leider nicht kann. Die Gastgeber triksen etwas um der jetztigen Frau zu helfen.

2) Beef Stew - Rind stew mit Brokoli und Shitake-pilzen. Eine ältere Dame trauert einem Rendezvous vor 55 Jahren nach, bei dem ihre Familie einem weitere Treffen verboten hatten und den arrangierten Ehemann präsentierten. Der jungen Mann damals konnte sie auch nicht vergessen, lebt aber nicht mehr.

3) Meckerel sushi. Ein wichtiger Funktionär taucht in seine Kindheit, bei der ihm dieses Gericht angerichtet worden war.

4) Tonkatsu - paniertes Schnitzel, in Streifen geschnitten auf Kohl serviert mit Tonkatsu oder Soja-sauce serviert. Ein Frau sucht dieses Gericht in Erinnerung an ihren Mann, deren Ehe wegen Stolz geschieden worden war, und die im Alter vielleicht wieder hätten gemeinsam sein können.

5) Napolitan Spaghetti - Spaghetti mit Frankfurter Würstel in Scheiben, Zwiebel, Paprika. Eine Enkelin sucht die Essenserinnerung in ihren Großvater, aber damit auch seine Liebe zu ihr und sein Vertrauen, daß sie eine großartige junge Frau ist. (warum Frankfurter Würstel aber neapolitanisch seien, entschloß sich mir nicht)

6) Nikujaga - Fleisch und Kartoffel-Eintopf mit Zwiebeln und Soja-sauce. Ein junger erfolgreicher Unternehmer erinnert sich an dieses Gericht, das seine Mutter immer gekocht hatte, aber bei seiner Stiefmutter nie so gut gewesen war. Es stellt sich heraus, daß die kranke Mutter der Stiefmutter das Lieblingsrezept gegegeben hatte.

Eine rote Tigerkatze ist am Cover der englischen Übersetzung. Ein Tigerkatze geht manchmal am Anfang oder Ende der Episode in oder aus dem Restaurant; mehr gibt es nicht über die Katze, was ich nach dem Cover sehr schade fand.

Ich hätte mir eine Zusammenfassung der Rezepte gewünscht und mehr Information über die Produkte, da nicht jedem/r japanisches Essen außerhalb der üblichen Sushi-produkte geläufig ist.

Die Geschichten sind schön zu lesen, sollten m.a.n aher langsam gelesen werden, damit sie wirken. Leider sind für mich Traurigkeit und Einsamkeit zu dominierend in dem Buch. Lesenswert sind die Geschicheten trotzdem.

Hisashi Kashiwai wurde 1952 in Kyoto geboren und wuchs dort auf. Seine Zahnarztausbildung war in Osaka. Zurück in Kyoto arbeitete er als Zahnarzt, schrieb über 'seine' Stadt und hat bei Fernsehberichten über Kyoto mitgearbeitet.

Donnerstag, 30. September 2021

Roland Freisitzer : "Frey"

Roland Freisitzer :
"Frey"
Roman
2021, Septime Verlag
251 Seiten + 1 Seite Porträt + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-99120-005-5

Daniel Frey, frustriert in seinem Job in einem Verlag, streitet mit seiner Frau, haut aus der Wohnung ab, hat einen kleinen Verkehrsunfall, fährt zum Flughafen und fliegt mit dem ersten Flugzeug - und das ist nach Tokyo. Im Flugzeug plaudert er mit seinem Sitznachbarn Daniel Bernhaugen, der mit seiner japanischen Frau in Nagasaki eine wunderbare Buchhandlung hat - und bucht weiter. Im Anflug auf diese Nachbarinsel kommt es zu einem Flugzeugunfall, aus dem D Frey als D Bernhaugen erwacht, was er immer wieder hinterfragt, aber dann auch zu akzeptieren bereit ist, denn seine quasi Frau ist wunderschön, seine quasi Angestellte für ihn hochinteressant und anregend. In einem Kaffeehaus lernt er den aggressiven Amerikaner Charles kennen, der erzählt, daß er der Enkel des Piloten sei, der die zweite Atombombe - die auf Nagasaki - fallen gelassen habe. Dann nimmt der Roman an Geschwindigkeit auf, denn Charles wird angeblich ermordet, er wäre der Mörder, ein Schwert verschwindet, der vertrauensvolle Arzt weiß merkwürdig viel Bescheid, einige japanische Mafia-gruppen jagen ihn, Charles und die Angestellte, plötzlich könnte D Bernhaugen auftauchen ..... bis der Roman ein plötzliche Wendung macht.

Ort des Buches sind Wien (sehr erkennbar), und Nagasaki (keine Ahnung ob erkennbar oder nicht). Das Museum, das sich den Auswirkungen der 'fat boy' widmet wird detailreich und zugleich spannend beschrieben. Die Buchhandlung dort sei fiktiv, aber trotzdem gut vorstellbar.

Daniel Frey ist um die 40, lebt sein Leben vor sich hin, bis er durch die zuerst Kommunikationslosigkeit, dann lauten Streit mit seiner langjährigen Frau alles in Frage stellt. Er ist die zentrale Figur, durch die sich alles entwickelt. Er ist aktiv, und sei es bei einer halsbrecherischen Autofahrt, oder als er versucht gegen die Mafiagruppen mit seinen Mitmenschen zu überleben.
Greifbar ist auch die Angestellte Yuki, die zwar nicht hübsch ist, aber Ausstrahlung und Netzwerk hat. Charles ist als Amerikaner ein Gemisch aus Elephant im Porzellanladen, aber dann mit positiver Energie dabei. 
Der Arzt ist freundlich-zurückhaltend-positiv-hilfreich, aber ob er wirklich der ist, bleibt zwischen den Zeilen stecken.

Der Roman ist teilweise grandios geschrieben, die Beschreibungen ziehen in den Bann, die Unsicherheiten  von D Frey nachvollziehbar, die 6-szenen brauche ich nicht.

In Summe ein empfehlenswerter Roman. Viel Freude beim Lesen !

Montag, 20. September 2021

Dani Scarpa : "Mord in Parma"

Dani Scarpa :
"Mord in Parma" - Paolo Ritter ermittelt
2020, Rowohlt Taschenbuch Verlag
345 Seiten + 2 Seiten Rezept Lucias Maltagliati / Stadtplan von Parma in Innencover
ISBN 978-3-499-00242-7

Paolo Ritter, Ermittler, wird aus Deutschland mit einem Raubkunst Gemälde nach Parma geschickt. Bei der großen Enthüllung des Denkmals lernt er einige wichtige Menschen kennen, von denen prompt einer an Abend darauf tot aufgefunden wird. Paolo vermutet Mord, die italienische Polizei Tod durch Medikament. Er macht sich auf die Suche nach dem Original des Gemäldes, denn kurz nach der Präsentation ist dieses gegen eine ausgezeichnete Fälschung ausgetauscht worden. Hilfe ist ihm bei der Recherche, die ehemalige Mitarbeiterin seines verstorbenen Bruders bei seinem Hotel-Ristorante an der Küste, Lucia; sie weckt nicht nur seine schönen Erinnerungen an Italien aus der Kindheit, sondern bringt ihm bei wieder menschlich bei den Befragungen vorzugehen, was den Durchbruch bringt. Am Schluß ist das original Gemälde zurück, und einige Beziehungen geklärt.

Parallel zum Krimistrang wird Paolo, der extrem gutes visuelles Gedächtnis hat und fast authistisch agiert, mit seinen Kindheitserinnerungen konfrontiert. Ihn hatten seine Eltern in ihrer Liebe für Italien mit einem italienischen Namen versehen. Sein verstorbener Bruder erscheint ihm immer wieder um mit ihm zu reden. In der Stadt an der Küste begegnen ihm durch Lucia Warmherzigkeit und Fröhlichkeit, die seine Pedanterie aufweichen. 
Seine Beziehung zu einer erfolgreichen blonden Frau wird der lebhaften, warmherzigen, temperamentvollen Italienerin gegenübergestellt. Die Sympathie des Autors ist klar.

Die weiteren Personen sind unterschiedlich: es gibt einen engagierten, aber Deutsche nicht mögenden Kommissar, einen engagierten Kurator der die Kunstwerke leidenschaftlich liebt, einen aalglatten aufstrebenden Politiker, einen eigenartigen Kunstsammler, und freundliche Nachbarn.

Orte der Handlung sind München, Parma und die Küstenstadt. Es ist Sommer und allen ist heiß.

Die Absätze über Kunstfälschung sind sehr interessant und lehrreich.

Der Roman ist gut geschrieben, die Personen gut vorstellbar. Viel Spaß beim Lesen !

Freitag, 17. September 2021

Yann Sola : "Tödlicher Tramontane"

Yann Sola :
"Tödlicher Tramontane" - ein Südfrankreich Krimi
2016, Kiepenhauer &Witsch
346 Seiten
ISBN 978-3-462-04868-1

Perez, rundlicher Gastronom mit Hang zum Detektiv, geht an der Cote Vermeille den Gerüchten um eine exorbitanten Hafenerweiterung und der Explosion eines Schiffes nach. Noch engagierter ist er, als eine sehr gute Freundin von ihm bedroht wird, und verschwindet. Bei der Suche nach Unterlagen zu den Gerüchten über Hafenerweiterung, die alles charismatische der Gegend kosten würde, tappt er zuerst ein Falle, später sucht er sich Hilfe bei einem einflußreichen Mann mit Bodygard. Am Schluß wird eine alte Rechnung mit einem zutiefst unsympathischen Menschen beglichen, einige größenwahnsinnige Menschen verhaftet und ein wirklich reicher Mann stellt sicher, daß der Charme des Ortes und seine Umgebung gewahrt bleibt.
Parallel gibt es viel über das excellente Essen und Trinken der Gastro um Perez zu lesen. Alle Zutaten sind vom Feinsten, oft über Schleichwege aus dem benachbarten Spanien gebracht. Sein Anspruch an Weintrinker, daß diese gewissen "Trinkintelligenz" mitbringen sollten, denn Wein schmeckt nun mal unterschiedlich je nach Jahrgang, hat mich gut unterhalten.

Die Geschichte spielt zur Zeit des Tramontane / Tramontana, einem Wind der an den Nerven zerrt und und alle unruhig macht. Alles Schlechte und Unangenehme wird sofort auf die Launen dieses Windes geschoben. Ort der Handlung ist meist Banyuls sur Mer, und die Berge dahinter.

Das Projekt mit dem rücksichtslos Natur gesprengt, und willkürlich ergänzt werden soll, wobei nur einige wenige profitieren und den großen Gewinn teilen wollen, ist erschreckend.

Interessant ist, daß dieser Teil Südfrankreichs Nord-Katalonien ist. Sprachfetzen in dem Buch sind katalonisch. Hier möchte ich geschichtliches Nachlesen

Dieser Roman ist mit viel Schwung geschrieben und macht Spaß zu lesen, und brachte mich oft zum Kichern. Viel Freude beim Lesen !

Yann Sola ist das Pseudonym des Romanautors Werner Köhler. Er lebt und arbeitet in Deutschland und an der Côte Vermeille, im äußersten Südwesten Frankreichs, in unmittelbarer Nähe zur spanischen Grenze.

Samstag, 11. September 2021

Philip Gwynne Jones : "Venezianische Vergeltung"

Philip Gwynne Jones :
"Venezianische Vergeltung"
original "Vengeace in Venice"
2018, Constable/Little London
Aus dem Englischen von Birgit Salzmann
2021, Rowohlt Taschenbuch Verlag
355 Seiten + 3 Seiten Glossar
ISBN 978-3-499-17660-6

Nathan Sutherland lebt als - unbezahlter - Honorarkonsul in Venedig, und macht Übersetzungen ins englische für die Biennale. Kunstinteressiert und Vernissagen schätzend ist er auch dieses Jahr bei der Eröffnung des Britischen Pavillons anwesend, als ein bekannter, für seine Verrisse bekannter Kritiker in die spitze Glasinstallation stürzt. Nathan sieht sich verpflichtet dem britischen Pavillon und dem schüchternen Künstler zu helfen, arbeitet mit der Polizeit zusanmmen, legt sich mit einem schmierigen Journalisten an, verletzt sich in einem Bereich der Biennale und kann mit Hilfe seines Katers Gramsci und seiner Freundin Frederica gerade noch sein Ende abwenden.

Dieser zweiter Band mit Nat Sutherland ist für Genießer des Charmes Venedig und der alle zwei Jahre stattfindenden Kunstbiennale wie mich ein Genuß. Es macht Freude den Straßerln, Vaporetto-linien und Kirchenbesuchen in Venedig zu folgen, sowie die Beschreibungen der Kunstpavillons zu lesen.

Nathan selber wohnt in einer Wohnung mitten in Venedig, seine Freundin wohnt am Lido. Er wohnt mit seinem grantigen, sportsüchtigen Kater Gramsci zusammen, kocht gut, und ist ohne Kaffee nicht ansprechbar. Seine Freundin Frederica / Fede ist Kunsthistorikerin, und arbeitet gerade in einer der schönsten Kirchen Venedigs. Freund Dario hilft ihm am Schluß des Romans zur Lösung des Falles, auch wenn es brenzlig wird.

Im Glossar sind italienische und venezianische Redewendungen und Worte abgedruckt, die Freude machen nachzulesen.

Der Kriminalroman ist sehr gut geschrieben, und hat mir Freude gemacht ihn zu lesen. Mitraten des Who-dunnit ist möglich. Viel Freude beim Lesen !

Samstag, 21. August 2021

Ines Eberl : "Blunzengröstel"

Ines Eberl :
"Blunzengröstel" - kulinarischer Alpenkrimi
2015, Emons Verlag
200 Seiten Roman inklusive Kochrezepte + 1 Seite Nachwort
ISBN 978-3-95451-547-9

Mark Vanlathen, ehemaliger Koch und jetzt Autor von Kochbüchern, fährt von der Nordsee nach Altausee um einen alten Freund und Koch zu besuchen; findet dort nur seine Witwe Olga, deren Sohn und eine junge Frau Melusine vor, sie sich als Tochter des Hauses entpuppt. Mark hört verschiedene Geschichten wie Anton um gekommen sein soll, fragt nach, hört daß das Haus sollte als Restaurant und Hotel umgebaut werden sollte, trifft einen ehemaligen Kollegen der ein sehr gutes Restaurant führt und kennt sich nicht mehr aus ob ihm die rothaarige bildhübsche Witwe nicht mehr als ihm gut tut gefällt. Ein Versicherungsmakler kommt ums Leben, Mark verletzt sich und verträgt Medikamente nicht und Mark entdeckt ein eigenartiges Video. Im  Showdown kann Mark sein Leben retten, und ein geübter Mörder wird gestellt.

Ort der Handlung sind großteils Altausee, eine alte Villa, ein See, ein klappriger Seezugang, und ein exzellentes Restaurant.

Die Geschichte ist aus Sicht von Mark in Ich.sicht erzählt - und am Ende jeden Kapitels wird ein Rezept erzählt, das manchmal sehr einfach nachzukochen ist, manchmal auch komplizierter.
Mark ist großteils des Buches von der Witwe und deren Lächeln faszininiert, und von deren rundlichen, handfesten Stieftochter abgestossen. Sein ehemaliger Koch-Kollege wird etwas schmierig beschrieben.

Der Roman ist durchaus spannend, aber es stellte sich bei mir kein gemütliches Krimilesegefühl ein, was sowohl an der Beschreibung sehr eigenartigen Essens liegt als auch daß ich mit den Personen nicht warm wurde. Mitraten des Who-dunnit ist möglich.

Mittwoch, 7. Juli 2021

Beate Ferchländer : "Das Zimtschneckenfiasko"

Beate Ferchländer :
"Das Zimtschneckenfiasko"
2017, Emons Verlag
311 Seiten + 2 Seiten Danksagung
ISBN 978-3-7408-0172-4

Minerva, genannt Minnerl, unterrichtet mit Leidenschaft, bezaubert mit dem Oma Rezept der Zimtschnecken, lebt gesund und ökologisch und ist mit ebenfalls Lehrer Wolfram verheiratet. einziges Problem: sie will Kriminalautorin werden. Zweites Problem : eine ungute machtlüsterne Inspektorin soll die Schule bewerten und schafft Probleme. Mitte des Buches ist die Inspektorin ein Leiche, ihr Hund kläfft, und Minnerl hat alle Hände voll zu tun mit einem Call Boy, Videoaufnahmen der Inspektorin, und Probleme mit Überwachungstechnik. Mit Hilfe kann sie am Ende das Chaos so glätten, daß fast keine Nachteile für die Überlebenden sind, und sie ein neues Leben hat.

Die Kapitel sind bis Mitte des Buches nicht chronologisch, sondern bauen die Geschichte auf. Dazwischen sind in kursiv immer wieder einige Absätze mit immer kruder werdenden Gedanken abgedruckt.

Die Personen der Handlung und Seitenstränge sind mit Humor geschildert, wobei Autorin bei den Schilderungen der Lehrer und der Struktur der Lehrerschaft auf dem vollen zu schöpfen scheint. Es gibt die sexy junge Lehrerin mit kurzem Rock, und viel Humor; es gibt die bodenständige Freundin die bei Schülern und Kollegin wegen ihrer wenigen Probleme viele Freunde hat; es gibt die hochkorrekte aber dumme und humorlose Lehrerin die nicht merkt wenn sie auf der Schaufel ist; es gibt den braven biederen Lehrer, der keinerlei Rückgrat oder Werte hat; es gibt den netten freundlichen Lehrer der weil er EDV unterrichtet bei den Schülern beliebt ist; der Schuldirektor hat wenig Rückrat.
Zusätzlich gibt es noch besserwissende Schwiegereltern und einen knackigen Mann, der sich als hilfreich entpuppt.
Minnerl ist eine dünne Frau, die sehr auf Bio und gesund achtet, und vegane Schuhe trägt; eine Schiene die mich beim Lesen etwas nervt. 

Ort der Handlung ist das Weinviertel mit kleinem Ausflug nach Wien. 

Die Situationen sind am Anfang immer wieder sehr humorvoll, und leben von der Situationskomik die im Kopf abläuft. Gegen Ende wird es dann ziemlich skurril, obwohl der Grund des Mordes in sehr unguten Machtspielen und dem Loswerden eines ungewünschten Kindes liegen.

In Summe ein sehr unterhaltsamer Roman, bei dem ich immer wieder sehr Lachen konnte.

Dienstag, 6. April 2021

Julen Zabache : "Baskischer Tod"

Julen Zabache :
"Baskischer Tod" - Rafael Ibara ermittelt
2020, Harper Collins Hamburg
247 Seiten
ISBN 978-3-95967-417-1

Comisario Rafael Ibara, der seine Polizeiausbildung in Deutschland hatte, lebt seit Jahren mit seiner Teenagertochter bei seiner Schwiegermutter auf ihrem Bauernhof im Baskenland. Als eine Touristin ermordet aufgefunden wird, und darunter alte Knochen liegend, werden dem Team vor Ort eine übergeordnete Gruppe vor die Nase gesetzt. Vor allem macht der fette und unhöfliche Comisario Arbos jegliche Art der Zusammenarbeit schwer, sodaß Rafa(el) sich selber aufmacht um kleine Ungereimheiten zu klären, und um einen unschuldigen Ziegenhirten zu entlasten. Eine alte Geschichte, die mit der ETA zu tun hat, sowie ein Geheimnis um ein Grundstück bringen Ibara auf die richtige Idee.
Parallel wird Ibara als alleinerziehender Vater einer Teenagertochter in Zeiten der sozialen Medien ziemlich gefordert.

Die Personen sind gut vorstellbar geschildert. Ibara der sehr großgewachsen ist, und Ruhetechniken beherrscht, ist sympathisch, genauso wie seine Tochter Isobel und seine Schwiegermutter Finia, die dies unter einer Portion Grant versteckt. Im Kommissariat gibt es positive Menschen und überforderte, sowie einen sehr unsympathischen Zeitgenossen, der die Antipathie zum motivieren zum Erfolg einsetzen möchte. Das Mordopfer war sympathisch, der Mörder aalglatt und berechnend, die Menschen vor Ort sind eckig aber mit Liebe gezeichnet.

Ort der Handlung sind Getaria und Zarautz in der Provinz Gipuzkoa, die teilweise am Meer liegt, und ein wunderschönes Gebiet ist, das teilweise von zu vielen Touristen besucht wird.
Die Geschichte spielt im Hochsommer.

Es wird einiges über das spanische Baskenland erzählt, wie die Franzosen dazu stehen, Erfolge und Mißerfolge der ETA und die Komplexheit der baskischen Sprache. 
Netterweise wird etwas lokales Essen in dem Roman genannt : zum Frühstück 'pastelitos' und dann über den Tag hinweg 'pintxos', die Spanien gewohnt Menschen 'tapas' nennen würden, was im Baskenland streng verpönt ist, und oft aus anderen Zutaten besteht.

Die Geschichte ist spannend geschrieben. Für den Leser ist der Prolog aus Sicht einer alten Dame und dann alles aus der von Raffael Ibara beschrieben.

In Summe ein gut geschriebener Kriminalroman, der ein bißchen Sommerfeeling erzeugt. Mitraten des Who dunnit ist nicht möglich. Viel Spaß beim Lesen.

Julen Zabache ist das Pseudonym eines deutschen Autors, der bereits einige Romane veröffentlicht hat. Er arbeitet als Hochschuldozent.

Samstag, 12. Dezember 2020

Jörg Maurer : "Den letzten Gang serviert der Tod"

Jörg Maurer
"Den letzten Gang serviert der Tod" – der 13. Alpenkrimi
2020, Scherz Fischerverlag
402 Seiten + 3 Seiten Nachwort (mit amüsanten Betrachtungen eines Fast-food-Restaurant-besuchs)
ISBN 978-3-651-02589-9 

Vier Tote werden in einem Sternerestaurant auf einem Hügel in Bayern gefunden – alle Mitglieder eines illustren Kochzirkels, denen das Kochen Freude macht. Kommissar Hubertus Jenewein, und Polizeimeister Franz Hölleisen (kurz auch Hölli genannt) und ihr Team tauchen ein in eine Welt des Sternekochens, gekauften Restaurantbewertungen und dessen Algorithmus, Eifersüchteleien innerhalb des Zirkels, mögliche Mafia-Einflüsse und Spielsucht. Am Schluß entdecken die Polizisten daß jemand sehr falsch gespielt hat und in eine show-down in einem Flugzeug werden die Morde geklärt.

Parallel wird in Abschnitten von einem eher häßlichen Pilze-sammler und Pilze-maler erzählt der entweder auf Pilz-rausch ist oder Panik, weil er Augenzeuge war und jetzt Albträume hat. In diesen Absätzen wimmelt es von originellen (aber richtigen) Pilznamen (meine Favoriten : der 'Gemeine Gurkenschnitzling' und der 'Klebrige Schleimfußsaftling') und es werden Analogien zur Kunstgeschichte gezogen, die mich gut unterhalten haben.

Als dritte Schiene werden Restaurantbewertungen aus dem Internet zitiert. Bei manchen wird erklärt  wie man erkennt, daß das gekaufte Rezensionen waren, andere sind bodenständig gut oder vernichtend geschrieben. Mein Favorit hier die Kritik eines 10-jährigen Buben – grandios.

Im Roman werden mindestens drei Versionen - sehr unterhaltsam - erzählt wer wann in welchem Land der Erde die Niedriggarmethode als erstes entwickelt hatte. 

Die Personen die zu vernehmen sind, sind unterschiedlich geschildert: es gibt die biedere korrekte   Ehefrau die auf den Ruf ihres Ehemanns bedacht ist. Es gibt die etwas übertriebene Ehefrau eines Piloten. Es gibt einen zurückhaltenden koreanischen Herren, einen pedantischen Herren der Gerüchte streut. Ein zwielichtiger Gastwirt wird geschildet.

Der Stil ist unterhaltend, viele Situationen laufen vor im Kopfkino ab und brachten mich laut zum Lachen, weil sie so komisch waren.

Sonntag, 18. Oktober 2020

Johannes Gans, Eva Wrazdil : "Weingeschichten aus Friaul"

Johannes Gans, Eva Wrazdil :
"Weingeschichten aus Friaul"
2019, Verlag Anton Pustet
148 Seiten + 2 Seiten Inhaltsverzeichnis + 2 Seiten Glossar + geographische Karte auf den Innenseiten
ISBN 978-3-7025-0925-5

Während vielen von uns die Einschränkungen rund um den Corona-Virus die Reiselust nach "bella Italia" gründlich in Frage stellt, lädt dieses Buch mit Wein, Oliven, Käse, Schinken ins schöne Friaul und kleinen Ausläufern ein.

Auf zwei bis drei Seiten ist liebevoll beschrieben wie die Inhaber*innen der Weingüter - sei es seit Generationen oder mit neuem Mut - schaffen gute Qualität zu erzeugen und selbst verwöhnte Geschmäcker mit Variationen zu begeistern.

40 Genußgüter in Friaul, in Isonzo-Tal, bei Triest und Miramare, und um Aquleia sind genannt. 

Es geht auch um autochthone Weinsorten der Region, um Worte wie "picolit", "refosco", "ribolla gialla", "friulano", "verduzoo", "malvasia" aber auch um "salumi" und "torta di miele al balsamico".

Die Photos lassen uns durch die Weingegend und bis in die etruskische Kultur zurück träumen. 

Ein Buch zum Kostreisen planen, oder sich wegträumen.

Eva Wrazdil war 41 Jahre bei dem renommierten Photostudio Simonis in wien, dann freie Photographin. sie ist für die graphische Gestaltung des online-magazins "Kultur & Wein" zuständig.

Johannes Gans wurde 1955 geobren, studierte Kunst in Wien, zeichnet, und ist seit 2010 Herausgeber des online-magazins "Kultur & Wein".

Samstag, 4. Juli 2020

Anthony Coles : "Ein Gentlemen in Arles - mörderische Machenschaften"

Anthony Coles :
"Ein Gentlemen in Arles - mörderische Machenschaften" - ein Provence-Krimi
Peter-Smith-Reihe-1
original "A Retirement Disturbed"
2016, CreateSpace Independent Publishing Platform
Aus dem Englischen von Michael Windgasse
2019, Piper Verlag Gmbh
355 Seiten
ISBN 978-3-23206-7

Peter Smith hat sich mit seinem Windspiel Arthur in die Provence zurückgezogen und möchte seine Pension genießen. Durch Zufall wird er in einen Mord hineingezogen, und plötzlich interessieren sich die unterschiedlichsten Menschen für ihn und sein Wissen. Auf der einen Seite ist es die wunderschöne, reiche, charmante Witwe des Toten, auf der anderen Seite ziemlich gewaltbereite obskure Gestalten. Während ihm die Witwe die Geschichte der Camargue näher bringt, und ihm Treffen mit ihr wohl tun, eröffnen ihm die anderen Menschen die Sichtweise zu anderen lokalen Mafia-ähnlichen Gruppierungen, wobei die Familie der Witwe ebensoviel Macht in der Camargue hat.
Der Ermordete war ein glänzender Geschäftsmann gewesen, der geschickt EU-Förderungen gelenkt hat, aber vorallem eine unsittliche Neigungen hatte.
Am Schluß ist werden die Mörder zwar nicht erwischt, aber es bleibt das wohltuende Gefühl, daß die Welt ein paar böse Menschen weniger hat.

Peter Smith und eine alter Freund von ihm, der geheimdienstmäßig informiert ist, werden als typische Engländer mittleren Alters geschildert, denen es zuhause einfach zu kalt ist.
Die Witwe ist eine schöne gescheite reiche Frau, die ihn fast immer bezaubert.

Der Roman ist gut lesbar, die Zeit fliegt beim Lesen dahin. Ort, Menschen und Essen in diesem Roman sind gut vorstellbar.

Viel Spaß beim Lesen !

Samstag, 13. Juni 2020

Pierre Martin : "Madame le Commissaire und der tote Liebhaber"

Pierre Martin :
"Madame le Commissaire und der tote Liebhaber" - ein Provence Krimi
2019, Knaur Verlag
370 Seiten
ISBN 978-3-426-52198-4

Kommissarin Isabelle Bonnet, die nach einer Dienstverletzung, wieder zurück ist, muß den hinterhältigen Mord an ihrem Ex-Liebhaber, dem Bürgermeister Thierry, aufklären. Neu im Ort ist ein charismatischer Künstler. Isabelle recherchiert im Ort der Ermordung und entdeckt, daß Thierry auf der Spur deutscher Künstler gewesen war, die vor dem NS-Regime in die Provence geflohen waren, um dann vor der Vichy-Regierung zu fliegen. Spät setzt sich die Informationen zusammen, daß Thierry ein Frauenheld, sehr charmant, offen für Umweltanliegen und erfolgreich, und damit Neider auf den Spielplan rief.

Der Krimi ist der sechste Band dieser Serie und ist gut geschrieben. Das Gefühl für kleine Ort der Provence, Nähe zu Meer, und gutem Essen ist spürbar.

Die Menschen sind optisch überraschend wenig beschrieben, aber genug skizziert um ein Greifbarkeit zu erzeugen. Als 'running gag' entpuppt sich der Assistent Apollinaire, der Computeraffin ist, und bei dem sich seine innere Korrektheit mit äußerlichem Chaos ausdrückt.

Es gibt die Menschen in Ort, und einen Neuzugang im Ort, über den alle sprechen, und der sich die Neugier höflich freundlich distanziert auf Abstand zu halten weiß. Isabelles Freund in der Kunstbranche freut sich über diesen Neuzugang.

Bei Regen ist dieses Buch ideal. Viel Spaß beim Lesen !

Pierre Martin ist Pseudonym. Er veröffentlichte unter diesem Namen seit 2014 den ersten Krimi mit Kommissarin Isabelle Bonnet und ihr Assistent Apollinaire 'Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer'. 2020 erschien der siebente Roman dieser Serie.

Mittwoch, 10. Juni 2020

Catalina Ferrera : "Spanischer Feuerlauf"

Catalina Ferrera :
"Spanischer Feuerlauf" - ein Barcelona-Krimi
2020, Droemer Taschenbuch
301 Seiten + 3 Seiten Correfocs - eine katalanische Mutprobe + 9 Seiten Rezepte Pintxos
ISBN 978-3-426-30737-3

In diesem dritten Band sind Karl Lindberg und Alex Diaz auf der Suche nach dem Hintergrund einer weiblichen Leiche, die mitten bei den tanzenden Correfocs, aus der Luft in der Menschenmenge landete. Es ist die vor Jahren verschwundene Gattin eines Industriellen. Karl und Alex machen sich auf in die Pyrenäen, recherchieren in einem kleinen dunklen Dorf, und kommen doch der Geschichte dieser toten Frau auf die Spur. Das dunkle Geheimnis birgt einen schönen gefährlichen Mann, zu viel Gewalt und Frauensolidarität.
Parallel ist Karls Ehefrau hochschwanger, was die Recherchen für Karl nicht einfacher macht.

In diesem Band ist die Truppe um Karl und Alex wieder die Gerichtsmedizinerin Chi, für die Alex entflammt ist, Chefin Arbol die sich diesmal überraschend menschlich zeigt, und Marla im Kommissariat, die alles glänzend organisiert und recherchiert.
Als Interviewpartner stehen Herr Firmenbesitzer Vega, der charismatisch aber nicht immer durchschaubar ist, und später Vio(letta) im verfluchten Dorf gegenüber. Violetta schafft es den beiden Stadtpolizisten ein Gefühl für die Kargheit in den Bergen zu vermitteln.

Diesmal wird zwar über die Feuerläufe in Barcelona erzählt und die wunderbaren Spießchen mit kleinen Essen, aber sonst erfährt man auch über die Umgebung von Barcelona bis hinauf in die Pyrenäen.

Die Geschichte ist spannend erzählt und es gibt einige Überraschungen; und einen klaren bösen Charakter und einen liebevollen Menschen, der manchmal überfordert ist.

Mich hat dieser Kriminalroman in den Bann gezogen; viel Spaß (trotz der inherenten Gewalt) beim Lesen.

Catalina Ferrara ist ein Pseudonym, und steht für Eva Siegmund, die 1983 in Bad Soden (Hessen) geboren wurde. Sie arbeitete als Kirchenmalerin, als Juristin und Verlagsmitarbeiterin, ehe sie Schriftstellerin wurde.

Samstag, 25. April 2020

Gisa Pauly : "Inselzirkus"

Gisa Pauly :
"Inselzirkus" - ein Sylt -Krimi
2011, Piper Verlag München
484 Seiten
ISBN 978-3-42-26450-1

Auf Sylt wird für eine Herz-Schmerz-Serie gedreht. Die italienische Großmutter Carlotta aus Umbrien steht mit ihren Enkeln als Komparsen zur Verfügung, als der Schwiegersohn der Polizist ist zu einer Leiche gerufen wird. Es ist ein Journaillist, der für ein Revolverblatt möglichst saftige Geschichten aus dem Leben der Fernsehstars ausgräbt. Polizist Erik und sein Kollegen Sören fragen sich durch das Fernsehteam, und lernen die Machtspiele des Regisseurs kennen, den gutaussenden Gaststar, einer jungen Schauspielerin Andrea und der Lehrerin des Ortes Alina. Mamma Carlotta unterhält sich inzwischen mit den nicht mehr ganz jungen Schauspielerinnen, der sehr rundlichen und gemütlichen Organisatorin, und zeigt diesen auch ein abgewohntes Gasthaus. Als der Regisseur tot aufgefunden wird, gerät die Polizei kurzfristig unter Druck kann aber dann doch beide Morde auflösen.

Die Personen des Buches sind sehr unterhaltsam beschrieben.
Hauptperson ist die temperamentvolle, fürsorgliche, plaudernder Großmutter Carlotta. Sie kocht der Familie der verstorbenen Tochter immer wieder für Wochen wunderbares italienisches Essen und bemuttert. sie bezaubert nicht nur die Kollegen ihres Schwiegersohns mit ihren Antipasti, sondern auch den Wirten und einen Obdachlosen.
Enkelin Carolin zickt als Teenager, Enkel Felix ist ein netter Lausbub; Schwiegersohn Erik ist ein braver ordentlicher Polizist der seine verstorbene Frau Lucia immer noch vermißt.
Bruce Margreiter ist cooler gutaussehender Star mit bewegter Frauen-Vergangenheit. Die junge hübsche Schauspielerin Andrea Zielcke tanzt um ihn herum und spioniert ihm nach. Die nette gescheite hübsche Deutschlehrerin Carolins, Alina Olsted, wird immer wieder mit Bruce gesehen. Harry Jumperz wird als unguter Regisseur beschrieben, der nicht attraktiv aber mächtig ist, und Frauen ausnutzt. Luca ist der Stuntman für Bruce und sieht ihm, wenn er geschminkt ist, wirklich ähnlich. Tanja Möck ist ruhig und sehr rund - und die einzige die in der Fernsehtruppe ruhig und freundlich ist. Heidi, Beate und Kristen sind nicht mehr junge, nicht mehr schöne Frauen die weiterhin auf größere Rollen im Fernsehen hoffen.

Die Geschichte aus entweder aus der Sicht von Carlotta erzählt, oder aus der des Polizisten Erik.
Dieser Roman ist der fünfte Band mit Mama Carlotta - es ist nicht irritierend die Romane davor zu lesen, was sehr angenehm ist.

Am Anfang habe ich mich sehr gut beim Lesen unterhalten. Später hat die Geschichte dann für mich an Schwung verloren. Vor allem das Ende hat mich enttäuscht, hier hatte ich auf etwas Spannenderes gehofft.

In Summe habe ich mich gut beim Lesen unterhalten, das beschriebene Essen macht Gusto. Viel Spaß beim Lesen !

Gisa Pauly wurde am 23. Februar 1947 in Gronau im Münsterland geboren. Sie arbeitete als Lehrerin einer Berufsschule, wurde dann freie Autorin ab 1993 und schrieb als Autorin für eine Telenovelas der ARD. Der erste Roman mit Mama Carlotta erschien 2007 'Die Tote am Watt'. 2013 erschien bereits der dreizehnte Roman mit dieser Großmutter. Die ersten Romane der Autorin erschienen bereits in den 90-er Jahren



Montag, 23. März 2020

Alexander Oetker : "Winter-Austern"

Alexander Oetker :
"Winter-Austern" - Luc Verlains dritter Fall
Roman
2019, Hoffmann und Campe
305 Seiten + 3 Seiten "merci beaucoup" + vordere Innenklappe geographische Karte gezeichnet + hintere Innenklappe Karte Bordeaux gezeichnet
ISBN 978-3-455-00078-8

Kommissar Luc Verlain ermittelt diesmal im Austernmilieu, das ihm durch seine Kindheit und seinen Vater sehr vertraut ist. Die kleinen Austernproduzenten werden von einem Konzern aus dem Markt gedrängt oder aufgekauft. Es gibt Austerndiebe, und keine einhellige Meinung aller Austernzüchter der Nouvelelle-Aquitanie wie die Austern zu schützen seien. Bootsgendarmarie und Verlain retten einen zusammengeschlagenen Mann vor der für ihn verhängnisvollen Flut und finden zwei Jugendliche tot an Austernstäbe. Verlain fragt und kostet sich durch die Austernszene, verfolgt die Spur zu einem Schläger nach Paris, und löst am Schluß den Tod der Jugendlichen, was ihm keine Befriedigung verleiht.
Parallel findet die Liebesgeschichte zwischen ihm und der schönen dunkelhaarigen Anouk Filipetti, ebenfalls Polizeikommissarin, in gemeinsames Fahrwasser.

Beim Lesen lernt man viel über die Austern der Aquitanie, was an ihnen speziell ist, wie lange sie gepflegt werden müssen, daß es Austernbasains gibt die es zu schützen gilt. Einige sehr appetitliche Zubereitungen sind angeführt, und einige Weinempfehlungen.

Die Menschen sind nachvollziehbar geschildert. Luc, der seinen Jaguar liebt, aber dann doch den TGV genießt. Sein baskischer Mitarbeiter, er eine Geschichte mit Alkohol hatte, aber ein patenter Polizist ist. Lieutante Giroundin die engagiert in der Nacht die Austern versucht im Auge zu behalten. Die Austernzüchterfamilien Labadie und Pujol, Austernlangfinger Lascasse und Großinvestor Chevalier der zwischen Jovialität und Hektik schwankt. Die toten Jugendlichen verbindet mehr als manch Konservativem gefällt.

Der Krimi spielt in der Vorweihnachtszeit, in der die Austern für den Weihnachtsabend für die Nation geliefert werden. Die berühmte Dühne von Pilat wird hier mit Schnee angezuckert, was in dem Buch zu Begeisterung führt.

Der Kriminalroman ist gut zu lesen und macht Gusto auf Austern und deren nicht nur rohen Genuß. Viel Spaß beim Lesen ! 
  
Alexander Oetker wurde am 20. März 1982 in Ost-Berlin geboren. Er studierte Sozial- und Politikwissenschaften, wollte aber nicht abschließen. Seit 1998 schreibt er als Journalist für verschiedene Medien; er war jahrelang von Paris aus tätig. 2017 erschien sein erster Kriminalroman mit Luc Verlain "Retour".

Mittwoch, 19. Februar 2020

Catherine Simon : "Bitterer Calvados"

Catherine Simon :
"Bitterer Calvados" - der dritte Fall für Kommissar Leblanc
2017, Goldmann Verlag
250 Seiten + erste Innenseite mit Karte der Haute- und Basse-Normandie
ISBN 978-3-442-48540-6

Kommissar Leblanc muß diesmal am Strand der Normandie bei einem Krimi-festival recherchieren. Der gut aussehende, charismatische Bestsellerautor PPP (für Jean-Paul Picard) wurde mit Calvados vergiftet. Bei Recherchen findet Leblanc heraus, daß PPP ehrgeizig, unbeliebt und launisch war; Frauen war nur Selbstbestätigung, oder er setzte sie anders ein, was seinem großen Damenpublikum verborgen bleibt. Leblanc recherchiert bei PPPs Verleger und erfährt, daß PPP aufhören wollte. Am Schluß zerbricht das Image des genialen Schriftstellers mit Kriminalgeschichten im Wirtschafts- und Finanzbereich, und der Mord ist gelöst.

Einige grandiose Spezialitäten aus der Patisserie werden geschildert. Ich hatte fast einen Zuckerschock beim Lesen. Die anderen Spezialitäten sind auch grandios.

Leblanc reißt es zwischen drei Frauen hin- und her. Er spürt den Zauber einer deutlich jüngeren Frau, die Vertrautheit mit einer alten Freundin die seine Stärken und Schwächen gut kennt, und eine alte Bekannte bei der auch vieles eingespielt ist.

Die Menschen in diesem Roman sind gut vorstellbar beschrieben : der erfolgreiche Schriftsteller Jean-Paul kalt ohne Empathie für menschliche Schwächen, sein Konkurrent Marc der zwar weniger Erfolg hat aber menschlicher agiert, Verleger Dofour der manches nur marktbezogen sieht sich aber einen Rest an menschlichem Respekt behalten hat, Camille die eine gescheite Frau im Hintergrund ist die leider falsch eingesetzt wurde und Claude ein pensionierter Psychologe der hilft die Egoismen der Menschen zu erklären.
Die Krimiverlagsszene ist mit dem Wettbewerb, der Beobachtung der Regionalkrimis, und dem Wunsch einen seriösen Bestseller zu landen schön beschrieben. Dem Betrug mit ghostwriting und damit den ehrlichen Erfolg zu verhindern ist immer noch Tür und Tor geöffnet.

Der Roman ist gut und spannend geschrieben und hat mich gut unterhalten. Mitraten nach dem Mörder ist diesmal nicht möglich. Trotzdem viel Spaß beim Lesen.

Catherine Simon ist das Pseudonym für Sabine Grimkowski. Die Redakteurin ist seit 1999 beim Südwestrundfunk in der Redaktion Literatur tätig und hat Sachbücher und Romane zu Fernsehserien geschrieben. Sie liebt die Normandie (und Marcel Proust) seit Jahren und verbringt dort Teile des Jahres - wenn sie nicht in Baden-Baden lebt. 

Mittwoch, 12. Februar 2020

Jean-Luc Bannalec : "Bretonischer Stolz"

Jean-Luc Bannalec :
"Bretonischer Stolz" - Kommissar Dupins vierter Fall
2015, Kiepenheuer & Witsch Köln
369 Seiten + Innencover mit einer reduzierten Landkarte rundum Quimper und Kernévez
ISBN 978-3-462-04813-1

Kommissar Dupin möchte eigentlich in Ruhe die verschiedenen Pinguine der Bretagne beobachten als er zu einem Mord gerufen wird. Die Leiche verschwindet, eine andere taucht auf und er muß sich mit von ihm nicht geschätzten Austern beschäftigen. Verbindungen nach Schottland tauchen auf, und es gibt gemeinsame keltische Druiden- und Musikervereine. Einige charismatischer, kalte Unternehmer ins Sachen Austern, und anderen Unternehmen tauchen auf. Die Soko Sandraub wird gegründet. Nach Brandstiftung und einem Autounfall schafft Dupin es endlich die Puzzleteile zusammen zusetzen, und eine alte Bankraubgeschichte wird ausgegraben.

Auch diesmal sind rund um Kommissar Dupin sind am Telephon Nolwenn mit ihren Verbindungen, der etwas obergescheite Kadeg - der sich diesmal in Sand verbissen hat - , der effiziente und spirituelle Inspektor Riwal und als neue Polizistin vor Ort Magalie Melen und die berühmte Schauspielerin Bandol bzw ihre Zwillingsschwester als Ergänzung. An Gesprächspartnern gibt es vielen Austernfarmer wie den schweigsamen Kolenc mit Tochter, bis zur wunderschönen Frau Frau Premel , der  charismatische coole Geschäftsmann Tordeux, der grantige Geschäftsmann Cueff, den Bankmann der auch Chef-druide und Chef der keltischen Musikband ist, und einige Lokalbesitzer. Ein örtlicher Färtenleser hat diesmal auch Platz, und zwei schottische Männer, die viel mit Austern zu tun haben.
Claire überrascht Dupin mit einer sehr plötzlichen Entscheidung.

Der Roman begleitet den Kommissar in seinen Gedanken, Bewegungen, auch Spaziergängen, bei seinen Vorlieben aber auch Aversionen, und manchmal auch seinen Unsicherheiten. Die Telephonate  mit seinem eitlen Präsidenten (unerfreut) sind zwischen unterhaltend auch daß man sich nie so einen Vorgesetzten wünscht.

Es gibt viel Wissenswertes über Austern zu lesen. Es gibt nicht nur geographische Unterschiede, sondern auch verschiedene Arten, und verschiedene Arten diese aufzufüttern oder zu veredeln. Spannend war daß immer wieder Epedemien Austernstämme ziemlich dezimieren, und auch daß es regionale Probleme mit den Sorten gibt.

Einige Landstriche sind wunderschön als geheimnisvoll, andere als kantig und gefährlich geschildert.

Der Kriminalroman ist gewohnt gut und spannend geschrieben, bereichert mit speziellem Wissen und das Mitraten des Who-dunnit ist möglich. Viel Spaß ! 

Jean-Luc Bannalec Bio bei "Bretonisches Leuchten" (Kommissar Dupins sechster Fall) am 20. Jänner 2018.

Montag, 18. November 2019

Sophie Bonnet : "Provenzalisches Feuer"

Sophie Bonnet :
"Provenzalisches Feuer" - ein Fall für Pierre Durand
2017, Blanvalet in Random House gmbh
300 Seiten + 2 Seiten Anmerkungen der Autorin + 3 Seiten Glossar + 7 Seiten Rezepte
Innenklappe vorne mit Karte von Occitánia, Innenklappe hinten mit Saint Valérie
ISBN 978-3-7645-0613-1

Der Bürgermeister veranstaltet ein traditionelles Fest mit Mittelaltergestaltung und Fackeln in der Provence mit vielen Touristen und Journalisten. Polizist vor Ort, Pierre Durand, genießt den Auftritt der schönen Sängerin Aurelie und ihre Band, als ein älterer Journalist ermordet wird. Durand wird von seinem Vorgesetzten aus Paris lange Leine gelassen und er deckt eine ältere Geschichte auf, in der ein feinsinniger Schriftsteller zu Tode gekommen war. Die Wünsche das alte Okzitanien zu vereinen, werden von einigen Menschen fein bis grob verfolgt. Durand kommt gerade noch rechtzeitig um den Fall zu lösen.

Das ist der vierte Fall, indem Pierre Durand ermittelt.
Geschichtlich wird viel über das alte Okzitanien, die alten Kreuzzüge, das dominante franzöische Paris gegen andere Sprachen und Kulturen innerhalb Frankreichs erzählt.

Es wird viel über gutes und bodenständiges Essen geschrieben, das oft mit ziemlichem Aufwand zum Zubereiten ist. Einiges wird während der Krimihandlung beschrieben, es gibt aber Rezepte im Anhang.

Die Geschichte ist gemütlich und spannend erzählt, mitraten nach dem Mördert ist möglich.
Viel Spaß beim Lesen !

Die Autorin hat hier ein Pseudonym gewählt. Sie wurde 1967 geboren und lebt in Deutschland.

Freitag, 27. September 2019

Tom Hillenbrand : "Teufelsfrucht"

Tom Hillenbrand :
"Teufelsfrucht" - ein kulinarischer Krimi
2011, Kiepenheuer & Witsch
292 Seiten + 3 Seiten Glossar Küchenlatein (meist lützelburgische Ausdrücke)
ISBN 978-3-462-04287-0

Xavier Kieffer ist Koch für luxemburgische rustikale Spezialitäten in Luxemburg. Als ein Gastrokritiker vor seinem Lokal ermordet wird, beginnen die Probleme. Er reist nach Paris zum Arbeitgeber dieses Gastrokritikers, in den Süden Frankreichs zu seinem ehemaligen sehr despotischen Lehrmeister, findet dort nur ein abgebranntes Restaurant, eine geheime Küche und recherchiert in Richtung einer eigenartigen Frucht, die alle Nahrungsmittelverstärkungsstoffe in den Schatten stellt. Hier sind ihm einige Leute auf den Fersen und er hat Glück zu entwischen. Am Schluß findet ein Nahrungsmittelkonzern eine für ihn noble Lösung.

Xavier Kieefer ist als mitteljunger Mensch geschildert, für den Kochen, Essen und Trinken essentiell ist. Er sitzt oft bei Sylvaner und anderen guten Tropfen Wein oder Schnaps und liest oder diskutiert. Guter Freund in Luxenburg ist ein Finne, logischer Denker und den Genüssen zugetan, der in der EU-Kommission arbeitet, was zu einigen vergnüglichen bösartigen Kommentaren über die dortige Bürokratie führt. Valerie ist die attraktive Besitzerin eines Gourmentführerverlages. Es gibt einen charismatischen blitzgescheiten durchgeknallten Wissenschaftler, dessen Visionen Insekten oder Fertigbreipampe mit dem Nahrungsmittelverstärker Genuß vorzugaukeln ziemlich erschreckend sind; leider nicht unrealistisch. Ein aufdringlicher sich wichtig fühlender ehemaliger Kochkollege hat mit Fernsehshows und Büchern das Kochen als gewinnbringend entdeckt; wie er vor sich hinflucht, liest sich unterhaltsam.

Das Buch sollte man nur lesen,wenn man keinen Hunger hat. Es wimmelt von guten Würsten, gutem Käse (leider auch künstlichem Käsezustand), Haseneintopf, weich gekochtem Hendlfleisch etc. Auch die Weine und Schnäpse sind in ihren Schilderungen sehr geschmackvoll zu lesen.

Viel Spaß bei diesem Kriminalroman.

Tom Hillenbrand wurde 1972 in Hamburg geboren. Er studierte Politik und Wirtschaft, wechselte dann zur Jounalistenausbildung. Mit "Teufelsfrucht" erschien 2011 der erste Krimi mit Xavier Kieffer - mittlerweile ist der sechste Kriminalroman dieser Serien am Markt "Bittere Schokolade" (2018). Der Autor hat auch anderen Bücher veröffentlicht.