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Donnerstag, 14. Dezember 2023

Andrea Stift-Laube : "Schiff oder Schornstein"

Andrea Stift-Laube :
"Schiff oder Schornstein"
Roman
2019, Kremayr & Scheriau
180 Seiten + 1 Seite Dank + Lesebändchen
ISBN 978-3-218-01154-9

Franziska ist die ältere Schwester von Ilia, und aktive Umweltschützerin; sie macht bei Aktionen auf Schornsteinen und Schiffen mit bei denen auf den Klimawandelt aufmerksam gemacht werden soll.
Ila ist die jüngere Schwester, der die Umwelt auch wichtig ist. Die macht aber bei kleinen Gruppen mit, die Tiere pflegen, ist Vegetarierin. Sie bewundert ihre Schwester, traut sich aber deren Leben nicht zu. Sie sucht ihre verschwundene Schwester.
Konstantin ist verliebt in Franziska und würde alles für sie tun. Er geht mit ihr Hühner als Legebatterien befreien, bleibt nach ihrem Weggehen am Hof mit vielen Obstbäumen leben. 

Franziska bleibt verschwunden.
Ila beginnt mit Konstantin eine Kunst-Installation um auf den Klimawandel hinzuweisen, und baut eine Fake-website mit Katzenfleisch auf. Der erwartete Shit.storm kommt, ohne auf den Klimawandel hinzuweisen.

Konstantin kippt in den Kapitalismus, Ila hilft einer netten älteren Dame die zu viele Tiere beherbergt.

Die Geschichte ist entweder aus Sicht von Ila oder Konstantin in Ich-Form geschrieben. Beide zweifeln an dem was sie tun, aber während Ila langsam ihre weg findet, driftet Konstantin weiterhin unglücklich verliebt herum.

Das Thema Klimawandel, Sorge um die Umwelt wird thematisiert. Es geht entweder um die großen Umweltsünder oder vegetarisches/'veganes Leben.
Die ältere Dame mit ihren Tieren, die aber nicht vegetarisch lebt, ist hier eine Mischung aus beiden Positionen.

Orte der Handlung sind irgendwo in Österreich, ohne konkrete Ortsnennung mit Stadt und Land.

Die Sätze sind kurz, teilweise als ob sie gesprochen wären. 

Das Thema Katze zieht sich durch das Buch, da Ila durch ihre Katze Lucky  zur Umwelt findet, und ihre Entscheidungen beeinflußt.

Am Cover ist ein schwarzer Katzenkopf abgebildet.

Der Roman ist gut geschrieben, wollte aber daß ich ihn bewußt lese, und nicht beim Lesen einfach überflogen werden.

Andrea Stift-Laube wurde am 16. Jänner 1976 in der Südsteiermark (Österreich) geboren. Sie studierte Germanistik und Sprachwissenschaft und ist Schriftstellerin und Herausgeberin einer Zeitschrift. Ihre erste schriftstellerische Veröffentlichung war 2007 "Reben" (Erzählungen).

Mittwoch, 10. November 2021

Michael Schnitzler : "Der Geiger und der Regenwald"

Michael Schnitzler :
"Der Geiger und der Regenwald" - Erinnerungen
Mitarbeit und Vorwort : Petra Hartlieb
2021, Amalthea Signum Verlag
250 Seiten (mit zahlreichen Abbildungen) + 2 Seiten Inhaltsverzeichnis + 3 Seiten Vorwort + 3 Seiten Prolog + 2 Seiten Epilog + 1 Seite Dank + 1 Seite Bildnachweis + 5 Seiten Namensregister
ISBN 978-3-99050-204-4

Michael Schnitzler, Musiker und Regenwald-Engagierter, hat seine Lebensgeschichte und einiges über seine Familie in engagierter und humorvoller Weise zusammengefaßt. In den ersten Kapiteln geht es um seine Großeltern, inklusive dem berühmten Großvater den er selbst nie kennengelernt hat, und wie sie es geschafft haben aus dem Nazi-Reich herausgekommen.
Er selbst kam erst in Amerika zur Welt, haßte Sport und begann früh Violine zu spielen.
Als Teenager zurück in Wien wurde er von Prof Samohyl unterrichtet, war Substitut bei den Wiener Philharmonikern, und seine berufliche Karriere begann. Er wurde rasch Konzertmeister bei den Wiener Symphonikern, mit denen er ein großes Repertoire aufbaute, und war Mitglied von Kammerensembles und kleineren Musikergruppen. Die "Schnurren" aus dem Musikerleben, in denen Situationen oder Menschen liebevoll bis trocken erzählt werden, sind zum Lesen sehr unterhaltend.
Der Autor erzählt viel über Bergsteigen in den USA, und Schweiz und - wie er sich in Costa Rica in den Regenwald verliebt. Zuerst kauft er ein Haus, dann beginnt das Engagement für diese Region, die Gründung des "Regenwald der Österreicher" und seine Verhandlungen für Hilfe. Die Erzählungen über nicht klappende Installationen, einbrechende Dächer, Regengüsse die Bäche in Sturzbäche verwandeln ziehen in den Bann.
Der Epilog bleibt zwiespältig in seiner postiven Einschätzung für die Zukunft der "klassischen" Musik, aber negativen für den Regenwald.

Der Stil ist leicht lesbar und unterhaltend, trotz der nicht einfachen Themen wie Flucht und Regenwald.

Die Seiten, in denen über die großen Dirigenten und Solisten in der klassischen Musikbranche erzählt werden, sind für Liebhaber der Branche unterhaltend bis weiterbildend; mit Sympathie wird nicht gegeizt.

Die gleiche Leidenschaft, die über viele Seiten für Kammermusik zu spüren ist, wird später dem Regenwald zuteil. Als Unterstützer des 'Regenwald der Österreicher' hat mich vorallem der Beginn dieser Idee fasziniert.

Berührend ist wie der Autor erzählt, daß seine Mutter in Amerika mit Krankenschwesterjob und Kammermusik glücklich, während sein Vater mit Studententheatern unterfordert war, und daß es in Wien umgekehrtwar das der Vater im Theater glücklich wurde, aber seine Mutter nicht mehr als Krankenschwester arbeitete und auch wenig von Musikmachen erzählt wurde.

In Summe ein interessantes Buch mit ernsten Themen aber auch humorvollen Absätzen. Viel Freude beim Lesen !

Freitag, 17. September 2021

Yann Sola : "Tödlicher Tramontane"

Yann Sola :
"Tödlicher Tramontane" - ein Südfrankreich Krimi
2016, Kiepenhauer &Witsch
346 Seiten
ISBN 978-3-462-04868-1

Perez, rundlicher Gastronom mit Hang zum Detektiv, geht an der Cote Vermeille den Gerüchten um eine exorbitanten Hafenerweiterung und der Explosion eines Schiffes nach. Noch engagierter ist er, als eine sehr gute Freundin von ihm bedroht wird, und verschwindet. Bei der Suche nach Unterlagen zu den Gerüchten über Hafenerweiterung, die alles charismatische der Gegend kosten würde, tappt er zuerst ein Falle, später sucht er sich Hilfe bei einem einflußreichen Mann mit Bodygard. Am Schluß wird eine alte Rechnung mit einem zutiefst unsympathischen Menschen beglichen, einige größenwahnsinnige Menschen verhaftet und ein wirklich reicher Mann stellt sicher, daß der Charme des Ortes und seine Umgebung gewahrt bleibt.
Parallel gibt es viel über das excellente Essen und Trinken der Gastro um Perez zu lesen. Alle Zutaten sind vom Feinsten, oft über Schleichwege aus dem benachbarten Spanien gebracht. Sein Anspruch an Weintrinker, daß diese gewissen "Trinkintelligenz" mitbringen sollten, denn Wein schmeckt nun mal unterschiedlich je nach Jahrgang, hat mich gut unterhalten.

Die Geschichte spielt zur Zeit des Tramontane / Tramontana, einem Wind der an den Nerven zerrt und und alle unruhig macht. Alles Schlechte und Unangenehme wird sofort auf die Launen dieses Windes geschoben. Ort der Handlung ist meist Banyuls sur Mer, und die Berge dahinter.

Das Projekt mit dem rücksichtslos Natur gesprengt, und willkürlich ergänzt werden soll, wobei nur einige wenige profitieren und den großen Gewinn teilen wollen, ist erschreckend.

Interessant ist, daß dieser Teil Südfrankreichs Nord-Katalonien ist. Sprachfetzen in dem Buch sind katalonisch. Hier möchte ich geschichtliches Nachlesen

Dieser Roman ist mit viel Schwung geschrieben und macht Spaß zu lesen, und brachte mich oft zum Kichern. Viel Freude beim Lesen !

Yann Sola ist das Pseudonym des Romanautors Werner Köhler. Er lebt und arbeitet in Deutschland und an der Côte Vermeille, im äußersten Südwesten Frankreichs, in unmittelbarer Nähe zur spanischen Grenze.

Samstag, 13. Juni 2020

Pierre Martin : "Madame le Commissaire und der tote Liebhaber"

Pierre Martin :
"Madame le Commissaire und der tote Liebhaber" - ein Provence Krimi
2019, Knaur Verlag
370 Seiten
ISBN 978-3-426-52198-4

Kommissarin Isabelle Bonnet, die nach einer Dienstverletzung, wieder zurück ist, muß den hinterhältigen Mord an ihrem Ex-Liebhaber, dem Bürgermeister Thierry, aufklären. Neu im Ort ist ein charismatischer Künstler. Isabelle recherchiert im Ort der Ermordung und entdeckt, daß Thierry auf der Spur deutscher Künstler gewesen war, die vor dem NS-Regime in die Provence geflohen waren, um dann vor der Vichy-Regierung zu fliegen. Spät setzt sich die Informationen zusammen, daß Thierry ein Frauenheld, sehr charmant, offen für Umweltanliegen und erfolgreich, und damit Neider auf den Spielplan rief.

Der Krimi ist der sechste Band dieser Serie und ist gut geschrieben. Das Gefühl für kleine Ort der Provence, Nähe zu Meer, und gutem Essen ist spürbar.

Die Menschen sind optisch überraschend wenig beschrieben, aber genug skizziert um ein Greifbarkeit zu erzeugen. Als 'running gag' entpuppt sich der Assistent Apollinaire, der Computeraffin ist, und bei dem sich seine innere Korrektheit mit äußerlichem Chaos ausdrückt.

Es gibt die Menschen in Ort, und einen Neuzugang im Ort, über den alle sprechen, und der sich die Neugier höflich freundlich distanziert auf Abstand zu halten weiß. Isabelles Freund in der Kunstbranche freut sich über diesen Neuzugang.

Bei Regen ist dieses Buch ideal. Viel Spaß beim Lesen !

Pierre Martin ist Pseudonym. Er veröffentlichte unter diesem Namen seit 2014 den ersten Krimi mit Kommissarin Isabelle Bonnet und ihr Assistent Apollinaire 'Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer'. 2020 erschien der siebente Roman dieser Serie.

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Jean-Yves Ferri + Didier Conrad: "Die Tochter des Vercingetorix" (Asterix Band 38)

Jean-Yves Ferri + Didier Conrad: "Die Tochter des Vercingetorix" (Asterix Band 38)
original "La fille de Vercingetorix"
2019, Editions Albert René
aus dem Französischen übersetzt von Klaus Jöken
2019, Egmont Comic Collection
46 Seiten
ISBN 978-3-7704-3638-5

Die Tochter des großen Helden der Gallier wird heimlich ins Dorf gebracht, da ein Verräter der schon den Vater verraten hatte, auch  hinter ihr her ist. Die Kids im Dorf sind begeistert über den eigenwilligen Besuch. Adrenalie läßt sich nichts sagen und büxt - wie befürchtet - aus. Zusammentreffen mit alten Bekannten wie den Römern, den Piraten und einem Händler, unterhalten. Ein junger blonder Mann malt Blumen auf ein Schiff und die Utopie alle Kinder auf einer Insel zu versammeln scheint greifbar. Der Verräter dürfte Haifutter werden, ein alter Halsring des Vercingertorix verschwindet im Meer, und alle feiern Aufbruch in die Zukunft.

Gewiefte Leser von Harry Potter werden vermutlich über die Formulierung 'die Tochter von du weißt schon wem' köstlich unterhalten. Idefix-fans finden jede Menge netter Kleinigkeiten gezeichnet.
Die Idee den Sohn des Fischer Surimix zu nennen, finde ich köstlich und den Helm den der Sohn des Schmieds - Selfix - bastelt, bei dem Helm und Schirmkappe kombiniert sind, ebenfalls.

Einige Jugendliche wollen zwar die Welt verändern, aber auch die Erleichterungen durch den Zaubertrank.

In Summe genieße ich den neuen Asterix, da viele nette Kleinigkeiten gezeichnet sind.

Biographien von Autor und Illustrator bei Band 35 (Asterix bei den Pikten).

Sonntag, 24. November 2019

Hannah O'Brien : "Irische Totenwache"

Hannah O'Brien :
"Irische Totenwache"
2019, dtv
400 Seiten + 3 Seiten Glossar von irischen Wörtern + 2 Seiten Personen + 2 Seiten Landkarte von Irland
ISBN 978-3-423-21780-4

Das ist der fünfter Fall mit Kommissarin Grace O Malley, unterstützt von Rory Coyne. Ein bekannter und provokanter Umweltaktivst ist ermordet worden. Mit der Ehefrau hatte er ein Arrangement, die Geliebte und Sohn kurz davor verlassen, und er war einem verschuldeten Geschäftsmann mit dubiosen Waldaktionen auf der Spur. Nebenbei tut Grace Freund, der Detektiv Peter, eine Spur auf in der aus alten geschützten Bäumen Amulette für viel Geld verkauft werden.
Grace - irisch Grainee - genannt, wird mit dem Unfalltod ihres Vaters konfrontiert, der durch Fahrerflucht verursacht war, und hätte bei rechtzeitiger Hilfe gerettet werden können.
Am Schluß wird Vergangenheit aufgelöst und Krankheit diagnostiziert.

Hauptort der Handlung ist Galway und Umgebung. Allerdings wird auch nach Dublin geflogen und einsame Seen und Inseln besucht.

Grace wird als starke Frau geschildert, die das Gefühl für den Wald und die Umwelt behalten hat. Rory recherchiert als Polizist gut, hat aber auch das zweite Gesicht und damit Gespür für unausgesprochenes. Detektiv Peter ist flexibel, phantasiereich im Job und weiß wie er mit Grace umgehen muß. Journalistin Laura ist jung, schön, deckt etwas auf. Erin, die Gattin des Toten, richtet sich ihr Leben zurecht. Tochter Kelly ist eine wunderschöne Frau, die mit Menschen spielt. Jim Taylor ist Graces Vorgesetzer in Dublin, sehr attraktiv, und erfüllt Erwartungen nicht. Caitlin ist PR Managerin, hat einen Sohn mit dem Mordopfer, und ein Problem.

Die Wälder sind Spielball für einige Menschen. Während einige sich viel um Bäume kümmern und Menschen für unwichtig halten, sehen andere Wälder nur als Element zur Gewinnerreichung.

Der Roman ist gut geschrieben, die Szenerien und Menschen gut vorstellbar. Ein Mitraten des who-dunnit ist möglich. Viel Spaß beim Lesen.

Sonntag, 27. Oktober 2019

Philipp Weiss : "Am Weltenrand sitzen die Menschen und Lachen" / Jona Jonas : "Terrain vague"

Philipp Weiss :
"Am Weltenrand sitzen die Menschen und Lachen" / Jona Jonas : "Terrain vague" - Erzählung
2018, Suhrkamp Verlag  (2. Auflage 2019)
152 Seiten
ISBN 978-3-518-42817-7

Den Text erzählt in ich-Form der fiktive Autor Jona Jonas, der Photograph ist, seiner großen Liebe der Naturwissenschaftlerin Chantal - die älter als er ist - nachtrauert und sich nach Japan quasi gerettet hat. Hier lernt er Abra kennen, und erlebt Erdbeben inkl. Nachbeben in Tokyo mit.
Im zweiten Teil sitzt er am Krankenbett eines Mannes der als Tagelöhner Seebeben, Tsunami und Zerstörung der Atomkraftwerke miterlebte. Die Strahlungen denen er und andere ausgesetzt waren, zerlegen letztendlich auch seinen Körper.

Faszinierend sind die Klimamodelle die Chantal entwickelt.
Unter die Haut gingen mir die Teile in denen aus dem Inneren des Atomkraftwerkes und dann von den Riesenwellen des Tsunami erzählt wird.

Orte der Handlung sind Wien, Frankreich, Antarktis und viel in Japan.
In Wien hat Jonas eine Katze, die er Ophelia nennt.

Der Schreibstil sind lange Sätze, die teilweise assoziativ wirken, die mich sehr ansprechen. Es gibt jede Menge für mich neue Fremdworte, die v.a. Chantal in die Sprache gelegt werden.
Leider sind immer wieder Worte die nicht österreichisch, sondern deutsch sind gedruckt - was mir weh tut, wenn man weiß, daß der Autor Wiener ist.

Ich hatte bei diesem fünf-teiligen Werk eigentlich mit dem Manga, bei dem Abra erzählt angefangen, wechselte dann zum klassischen Element der Erzählung. In welcher Reihenfolge ich die anderen Teile des Werkes lesen werde, habe ich noch nicht entschieden.

Die Erzählung war für mich anfangs anstrengend, hat mich aber dann in Bann gezogen. Viel Freude beim Lesen !

Philipp Weiss wurde am 5. Februar 1982 in Wien geboren. Er studierte Germanistik, Philosophie und Deutsch-als-Fremdsprache in Wien. Er arbeitet einige Zeit in Baku / Aserbeitschan. Sein erster Text "Egon" erschien 2008, mit "Blätterliebe" nahm er 2009 am Ingeborg-Bachmann-Preis teil, 2010 wurde sein Stück "Seifenblasenoper" am Burgtheater präsentiert.

Sonntag, 20. Januar 2019

Jean-Luc Bannalec : "Bretonische Brandung"

Jean-Luc Bannalec :
"Bretonische Brandung" - Kommissar Dupins zweiter Fall
2014, Kiepenheuer & Witsch, Köln
372 Seiten + Innencover mit einer reduzierten Landkarte  
ISBN 978-3-442-47928-3

Kommissar Georges Dupin verbringt diesmal viel Zeit auf den Glénaninseln, nachdem bei einem Sturm ein berühmter Segler und zwei seiner Freunde umgekommen waren. Während er sich wie gewohnt gutes Essen, hier Hummer und ein offenbar grandioser Muschel-Fisch-Eintopf, genießt, arbeiten er und sein Team sich durch Fragen um ökologische Nutzung des Inselparadieses gegen gigantomanische touristische Ideen, egoistische Seglerphantasien gegen gemeinschaftliche Inselzusammengehörigkeit. Am Schluß ist es Rache an einem alten Mordes wegen Geldgier, der die Egoisten ihr Leben gekostet hat.

Rund um Kommissar Dupin sind am Telephon Nolwenn mit ihren Verbindungen, der etwas obergescheite Kadeg, der effiziente und spirituelle Inspektor Riwal und der ruhige Polizist Goulch. An Gesprächspartnern gibt es die Schwester des berühmten Seglers die gemeinsam eine Tauchschule hatten, ihre Assistentin, Wirtin und Töchter und Schwiegervater eines bodenständigen grandiosen Restaurants, ein schleimiger Bürgermeister, ein tougher Taucher, der Direktor eines Meeresinstituts der unter der Hand Patente weitergibt.

Die Schilderungen der Inseln, die mehr oder weniger von Ebbe, Flut und Springflut abgekommen, ist faszinierend. St Nicolas, als Hauptstation für die Polizisten bei diesem Fall, wird für den Kommissar Konfrontation mit vielen unterschiedlichen Wettern inklusive Wolkenbruch und wunderschönen Lichtbeschreibungen.

Der Hintergrund der Inseln und auch die Art, wie versucht wird hier die Natur und Besonderheiten zu schützen, aber doch behutsam für die wichtige Quelle des Tourismus zu öffnen ist hochinteressant zu lesen.

Der Roman begleitet den Kommissar in seinen Gedanken, Bewegungen, auch Spaziergängen, bei seinen Vorlieben aber auch Aversionen, und manchmal auch seinen Unsicherheiten. Die Telephonate die der an Insel-enden führt wie mit Claire in Paris (erfreut) und mit seinem Präsidenten (unerfreut) sind unterhaltend.

Die Geschichte ist schön erzählt. Es ist spannend der Diskussion um Nutzung der Inseln, den Menschen zu folgen und Gusto zu bekommen. Viel Spaß beim Lesen !

Jean-Luc Bannalec Bio bei "Bretonisches Leuchten" (Kommissar Dupins sechster Fall) am 20. Jänner 2018.

Sonntag, 6. Mai 2018

Carolina Conrad : "Mord an der Algarve"

Carolina Conrad :
"Mord an der Algarve" - Anabela Silva ermittelt
2018, Rowohlt Verlag
275 Seiten
ISBN 978-3-499-27112-0

Anabela hört bei einem Besuch bei ihren Eltern von vielen Beerdigungen, die ihr merkwürdig vorkommen, worauf sie nachzufragen beginnt. Parallel wird ein Tourist ermordet und die Polizei fragt um ihre Mithilfe beim Deutsch - Portugiesisch Übersetzen an. Bei den Recherchen über Geschichte und Tote der Familie Aves ist ihr Mário behilflich, bei der Polizei trifft sie auf den sympathischen Chefinspektor Joao Almeida  und den kühlen Inspektor Paolo Pinto. Neugier auf der Suche nach einem geographischen Punkt helfen der Lösung des Touristenmordes, Durchblättern ihres Familienalbums beim Entdecken einen Familiengeheimnisses das zu einigen Toten geführt hatte. Das zweite macht Anabela ziemlich unglücklich.

Der Roman begleitet Anabela / Bela / 'Filha' in ihrem Tun und ihren Überlegungen. Die alte böse Geschichte und ihre Rache sind in kursiv gedruckt und aus dieser Sicht geschildert.

Geschichtlich fließen die konservativ-autoritäre Diktatur unter Antonio de Oliveira Salazar, dem 'Estado Novo' und seine Geheimdiensttruppe PIDE ein, unter denen gesetzlose Übergriffe der Machthaber ohne Chance für die Kleinen gelebt wurde.

Leider kenne ich den Teil Portugals nicht, aber die Schilderungen waren gut und eindrücklich. Sowohl das Dorf ist gut vorstellbar, sowie das Naturschutzgebiet.

An Menschen ist ein schönes Gemisch im Angebot: Anabela selber die mit netten Journalistengeschichten ihr Geld verdient hat aber von ihrem Ehemann einem Politikprofessor für nicht gescheit genug gehalten wird und ihn verliert. Der Ehemann tritt nie auf, es wird nur von ihm erzählt. Bela Eltern sind liebevolle ältere Herrschaften die sich freuen daß die Tochter aus Deutschland zu ihnen in ihre Heimat kommt. Cousin Luis ist gemischt nett bis unfreundlich zu ihr, wobei er mehr über die Hintergründe der eigenen und der Familie Aves weiß. Die deutschen Touristen sind unterhaltsam geschildert. Mário ist attraktiv aber Bela kennt sich bei ihm nicht aus. Der Chefinspektor ist freundlich und tut ihr gut, während der durchtrainierte Inspektor kühl bis unfreundlich ist.

In Summe ein gemütlicher schöner Kriminalroman - ideal für verregnete Tage (da er im Sommer spielt) und als Geschenk. Viel Spaß beim Lesen !

Carolina Conrad ist das Pseudonym für die Journalistin/Autorin Bettina Haskamp. Sie wurde 1960 in Oldenburg geboren, und arbeitete als gelernte Journalistin für WDR und NDR. Nach einer Segelreise auf der das erste Buch entstand, entschied sie sich für das Leben als Schriftstellerin. Sie lebt entweder in Hamburg oder in Ostportugal mit Familie, Katzen, Hund und Esel.

Montag, 19. März 2018

Klaus Schwab : "Die Vierte Industrielle Revolution"

Klaus Schwab :
"Die Vierte Industrielle Revolution"
original "The Fourth Industrial Revolution"
aus dem Englischen von Petra Pyka und Thorsten Schmidt
2016, Pantheon Verlag
162 Seiten + 4 Seiten Dank + 58 Seiten Anhang Tiefgreifende Änderungen + 12 Seiten Anmerkungen
ISBN : 978-3-570-55345-9

In diesem Buch faßt einer globalen Denker unsere Zeit die Chancen und Aufgaben für die vor uns stehende nächste Welle der Industrialisierung, diesmal nicht durch Maschinen, sondern durch verstärkte Digitalisierung und Vernetzung zusammen.
Er ruft die oberen Hierarchien der Unternehmen auf, hier offen, flexibel und verantwortungsbewußt vorzugehen und den Zug der Zeit nicht zu verpassen.
Es werden Themen wie Staatseinfluß, Reglementierung von Datenmengen, bis zu Kundenerwartungen einbezogen und ein großer Bogen des Durchdenkens gezogen.

Schlagworte wie "Vierte Industrielle Revolution" und "Digitalisierung" sind jetzt öfters in den Medien, weshalb ich zu diesem Buch gegriffen habe.
Manche Tatsachen und Überlegungen sind mir neu, einiges bekannt. Bei manchen Tatsachen stimme ich zu, bei anderen sehe ich den Autorenansatz als zu fortschrittsgläubig. Beispielsweise nennt er vermehrten gemeinsamen Nutzen an wie bei Autos, Wohnungsvermittlung - als Gegenbeispiel sind für mich das Teilen eines Buches über einen gewissen e-Reader nicht möglich oder das private weiterverwenden eines aufgenommenen Filmes auf einer neuen TV-Festplatte nicht mehr möglich.
Auch den Arbeitsmarkt sehe ich für junge Arbeitskräfte als offen, die Frage was mit der Baby-Boomer Generation (das sind die Menschen die derzeit ab 50 aufwärts sind) sein wird, wird nicht einmal angekratzt.
Gänzlich unverständlich ist mir, warum der Beruf des Arztes durch die Digitalisierung aufgehoben sein soll - das Gespür der Diagnostik stelle ich mir schlecht ersetzbar vor, die Gabe einen Patienten zu berühren gar nicht ersetzbar, und wie nimmt ein Roboter Blut ab ?


Klaus Martin Schwab steht zwar als Autor auf dem Buch. Da er sich aber für die Mitarbeit bei vielen Autoren in dem Buch bedankt, frage ich mich ob er eher der Autor-Herausgeber ist ?

 .. die Kritik ist noch nicht fertig ...

.. aber das Buch ist sehr interessant, durchaus kontroversiell und lesenswert.


Klaus Martin Schwab wurde am 30. März 1938 in Ravensburg geboren . Er studierte Maschinenbau in Zürich inkl. Doktorat, später Wirtschaft in Fribourg ebenfalls inkl. Doktorat und in Harvard Public Administration. Er unterrichtete an der Universität in Genf und gründete das Weltwirtschaftsforum. 

Samstag, 20. Januar 2018

Jean-Luc Bannalec : "Bretonisches Leuchten"

Jean-Luc Bannalec :
"Bretonisches Leuchten" - Kommissar Dupins sechster Fall
2017, Kiepenheuer & Witsch, Köln
306 Seiten + Innencover mit einer reduzierten Landkarte
ISBN 978-3-462-05056-1

Der Kommissar ist auf Urlaub geschickt worden und langweilt sich am Strand mitten in rosa Steinformationen in Trégastel in der Bretagne. Der Gastgeber will ihn in mögliche Kleinkriminalitäten einbeziehen, aber erst bei einer verschwundenen Ehefrau, einer Frau in einem Steinbruch und einem weiteren Mord darf er in Höchstform auflaufen und dem Kommissar vor Ort die Auflösung präsentieren.
Parallel werden undurchsichtige Umwidmungen die in ein Naturschutzgebiet eingreifen würden aufgedeckt.

Es wird einiges als Lokalkolorit in dem Roman indem über die rosa Felsen der Côte d'armor, das romantische Traouiero-Tal erzählt. Unterhaltsam ist die tägliche Zeitungsrubrik woran man einen echten Bretonen erkennen könne, was mitunter sehr zum Schmunzeln oder Auflachen bringt.
Lukullisch ist einiges zu lesen; manches würde ich gerne testen, wie pan pagnat etc.

Die Menschen sind teilweise gut vorstellbar geschildert. Während Dupin und seine Ärztin-Freundin Claire nicht bildhaft beschrieben sind, sondern nur in Gesprächen spürbar sind, sind der Immobilienhai Durand, der Bauunternehmer Chastagner und der hiesige Commissaire Desespringalle auch in ihrer Erscheinung gezeichnet. Gemütlich bis geschwätzig ist das Gastgeberehepaar Bellet, die Dame am Zeitungsstand, der Bäcker sowie der Friseur des Ortes.

Für mich faszinierend waren einige französische, oder auch bretonische Vornamen wie Alizée, Maiwenn, Nolwenn.

Die Geschichte ist komplett aus Sicht des Komissars erzählt. Er wird in seinem Verhalten, seinen Gedanken und Gefühlen und Grübeleien begleitet.
Dazwischen wird manchmal etwas viel über die Gegend fabuliert, was - wenn man an der Auflösung des Falles interessiert ist - etwas nervt.

In Summe ein gut unterhaltsamer Krimi der im Sommer bei Badetuch und Entspannung spielt. Viel Spaß beim Lesen.

'Jean-Luc Bannalec' ist ein Pseudonym für Jörg Bong. Dieser wurde 1966 in Bad Godesberg geboren. Er studierte in Bonn und Frankfurt Germanistik, Philosophie, Geschichte und Psychoanalyse. Seit ist er 2002 Programmgeschäftsführer im Fischerverlag und seit 2014 verlegerischer Geschäftsführer dieses Verlages. Die Kommissar Dupin Serie begann 2012 unter dem oben genannten Pseudonym. Es gibt auch viele Veröffentlichungen unter eigenem Namen.
2016 erhielt er eine Auszeichnung als 'Mäzen der Bretagne'.

Mittwoch, 27. Dezember 2017

Eskil Engdal, Kjetil Saeter : "Fischmafia"

Eskil Engdal, Kjetil Saeter :
"Fischmafia" - Die Jagd nach den skrupellosen Geschäftemachern auf unseren Weltmeeren
original "Jakten pâ Thunder"
2017, Forlaget Vigmostad & Bjorke AS
Aus dem Norwegischen von Lothar Schneider
2017 Campus Verlag Frankfurt / New York
306 Seiten Text + 16 Seiten bunte Photos mitten im Buch + 3 Seiten Dank + 21 Seiten Anmerkungen
Hardcover und Lesebändchen
ISBN 978-3-593-50671-5

Fast 200 Seiten geht es um die Verfolgung der "Thunder" unter Kapitän Gataldo durch das Schiff der 'Sea Shepherd' durch die "Rob Barker" unter Kapitän Peter Hammerstadt. Hintergrund ist der Verdacht, daß Schiffbesatzungen illegal schwarzer Antarktisdorsch (genannt das "weiße Gold") aus den Tiefen von 600 Meter entlang des Südpoles fischen, konservieren und an einem Hafen meist in Asien oder Afrika illegal an Land bringen. Von dort wird der hochbezahlte fein schmeckende Fisch für hohe Preise weltweit weiterverkauft.
Ziel ist es eines der Schiffe auf frischer Tat zu erwischen und alles zu belegen und damit an die Hintermänner und Drahzieher zu gelangen.

Am 17 Dezember wird die "Thunder" erstmals von der Brücker der "Rob Barker" gesehen. 110 Tage später geht die "Thunder", nachdem Wasser über Lucken hereingelassen wurde, um 12h52 ziemlich spektakulär zwischen nahe San Tome vor Äquatorial-Guinea unter - und sinkt auf 3.800 Meter Tiefe ab. Die Mannschaft wird über Rettungsinsel auf zwei Schiffe der 'Sea Shepherd' gerettet und interviewt, vor Gericht gestellt, verurteilt und dann über Hintertüren heimwärts geschafft.

Auf vielen Seiten wird das Hintereinanderherfahren und Manövrieren der beiden Schiffe inkl. Kommunikation beschrieben.
Während am Schiff der 'Sea Sheperd' lauter Freiwillige und Begeisterte an einem Strang ziehen, ist auf dem berufsmäßigen Fischereischiff eine indonesische Mannschaft für die niedrigen Dienste und Spanier sowie Lateinamerikaner an den entscheidenden Positionen nach Willen der Auftraggeber angestellt.
Emotional faszinierend bleibt für mich als Leser, daß zwei doch kleine Schiffe über diese riesige Wasserfläche einen Wettkampf führen; es wird über brüllende Breitengrade, Zyklone, 20 Meter hohe Wellen und sonst Unwetter berichtet.

Parallel zur "Thunder" hat die 'Sea Shepherd' weitere fünf Schiffe als Jagdziele auserkoren, da auch sie zur illegalen Jagd auf Schwarzen Seehecht im Südpol eingesetzt werden. Im Buch werden immer wieder die "Yongding" sowie "Kunlun" genannt; später auch die "Viking".
Das Schiff "Tiantai" geht nahe dem Eisrand unter - die Mannschaft konnte sich vorher noch auf ein Nachbarschiff retten. (In den Medien war damals mehr von der Suche nach dem vermißten Flugzeug der Malaysia Airlines 2014 zu lesen)
Mühsam zu verfolgen, sind die vielen unterschiedlichen Namen, die Schiffe im Rahmen ihres Schifflebens haben. Nur die IMO-Nummer bleibt, sonst bekommen die Schiffe, die illegal eingesetzt werden, manchmal sehr plötzlich neue Namen, und neue Flaggen unter deren Staaten sie angeblich angemeldet sind.

Weiteres Schiff der Sea Shepard ist die "Sam Simon" unter dem Kapitän Sid Chakravarty.
Faszinierend ist die Besessenheit mit der die Leute der 'Sea Shepherd' unterwegs sind; für einige war 'Greenpeace' nicht extrem genug.

Die Geschichte Nigerias ab den 80-er Jahren mit wechselnden Präsidenten, aber gleichbleibender Brutalität wird erzählt. Ähnlich liest sich die Geschichte Äquatorial-Guineas in und nach den 80-er Jahren als das Meer sogar als Feind angesehen wurde. Auch die Geschichte der Insel San Tome mit möglichem Kakaoanbau und dann fast komplettem Abbau von legaler Arbeitsmöglichkeit liest sich interessant bis erschreckend.

Das Gegenteil ist Ribeira in Departement Galicien (Spanien nahe Portugal / am Atlantik). Hier wohnen einerseits arme arbeitssame Fischer, aber es gibt auch bestens geschützte, bestens ausgestattete Villen für einige Mitglieder einer reich gewordenen Familie. Einige der Beteiligten werden/wurden vor Gericht gestellt, manche verurteilt. Viele der Kapitäne und Maschinisten der illegalen Schiffe haben kaum mehr Chancen eine Heuer zu erhalten.

Die Karten im Buchinnendeckel zeigen zwar die Fahrt der beiden Schiffe zwischen Antarktis und Versenkpunkt der Thunder, aber die vielen Feinheiten auf der Verfolgungsfahrt fehlen.
Karten auf denen z.B. die Banzare-bank eingezeichnet ist fehlen, genauso wie die Breitengrade die gerade mit ihren maritimen Herausforderungen an die Schiffe wichtig ist.

Der Inhalt des Buches in hochinteressant und spannend. Allerdings ist mir die Sprache zu einfach, und erinnert mich stilistisch an die Schulaufsätze eines 15-jährigen, was mir zum Lesen wenig Freude macht.

Auch hat mich irritiert daß das Schiff als böse und illegal Fische jagend oder Hacken auf dem Meer schlagend erzählt wird, als ob das Schiff selbst böse wäre und abstrakt selbstständig einen Weg wählt, statt von Entscheidungen auf der Offiziersbrücke zu schreiben. Warum die "Viking" explodiert, also zerstört werden mußte war mir nicht nachvollziehbar.

In Summe aber ein hochinteressantes Buch über ein wichtiges Thema wenn wir uns unsere Erde ansehen.

Über die Journalisten/Autoren Eskil Engdal und Kjetil Saeter habe ich leider keine autobiographischen Daten im Internet gefunden.
Übersetzer Lothar Schneider wurde 1946 geboren und hat Skandinavistik, Geschichte und Philosophie studiert und besonderes Naheverhältnis zu Norwegen.


Dienstag, 10. Oktober 2017

Donna Leon : "Stille Wasser"

Donna Leon :
"Stille Wasser" - Commissario Brunettis 26. Fall
Roman
original "Earthly Remains"
2017, Atlantic Monthly Press
aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz
2017, Diogenes Verlag
334  Seiten + Innencover Grundriß von Venedig - Mestre - Laguna Nord
ISBN 978-3-257-06988-4

Commissario Brunetti nimmt sich nach einem Vorfall mit einem Prominenten der Stadt Auszeit und lebt einige Zeit auf einer der Insel in der Lagune vor Venedig. Dort rudert er mit einem alten Mann der ihm die Lagune mit den Gezeiten und die Bienen auf den Inseln zeigt. Auch hier sterben Bienen und der alte Mann forscht nach, was ihm nicht gut tut. Brunetti kommt hier einer Umweltverschmutzung von vor dreißig Jahren auf die Spur, wobei wenigstens zwei ältere Herren sich einen Lebensstandard sichern konnten.

Der Krimi hat diesmal keinen rasanten Drive sondern mäandert gemütlich wie das Wasser in der Lagune vor sich hin. Faszinierend sind die Stellen in denen einfach nur gerudert wird und das Gefühl des Bootes - einem puparìn geschildert wird.
An Menschen gibt es wie gewohnt Ehefrau und Ruhepol Paola, Computergenie Elletra, geschickten Vianello, bildschöne hochintelligente Polizistin Griffoni, Pathologen Rizzardi und Patta (der sich nur um einen anlassigen junge Mädchen schädigenden Promi sorgt), sowie den alten Fischer Davide Casati, seine liebevolle Tochter und bodenständigen fischenden Ehemann, eine engagierte aber zurückgepfiffene Bodenbiologin. Den alten Fischer interessieren nur noch das Andenken an seine Frau und die Sorge um die Bienen; erst spät wird seine Arbeit bei einer Abfallfirma erzählt. Seine ehemaligen Arbeitskollegen Bianchi und Pozzi sind eine eher ungute Mischung aus Überleben wollen und harter Selbstgefälligkeit.

Ort der Handlung sind nicht wie gewohnt die Calli Venedigs, sondern die Kanäle in der Lagune mit ihrem Schilf, Vögeln im Takt der Gezeiten. Geruhsamkeit ist hier merkbar, beim Rudern sowie in der Bar beim Espresso. Es gibt viele italienische Ausdrücke die mit dem Rudern zusammenhängen wie 'puparìn', 'fòrcola', 'sanpierota'

Der Exkurs der Bodenbiologin über den verschwindenden See und die Folgend daraus in Usbekistan macht schaudern.

In Summe ein guter Kriminalroman, der mich in den Bann gezogen hat, obwohl hier wie gewohnt keiner der Schuldigen auch nur irgendwie zur Rechenschaft gezogen wird. Trotzdem : viel Freude beim Lesen !

Biographie bei "Endlich mein" - Commissario Brunettis vierundzwanzigster Fall / 25. Mai 2016.

Freitag, 22. September 2017

Gil Ribeiro : "Lost in Fuseta"

Gil Ribeiro :
"Lost in Fuseta" - ein Portugal-Krimi
2017, Kiepenheuer & Witsch Köln
374 Seiten + 2 Seiten Danksagung + 2 Seiten 'Über den Roman'
ISBN 978-3-462-04887-2

In diesem unterhaltsamen und durchaus fröhlichen Krimi werden das Ermittlerpaar bildhübsche, temperamentvolle Graciana Rosado und verfressene Carlos Esteves durch innereuropäischen Polizeiaustausch der deutsche Leander Lost zusammen auf Verbrecherjagd geschickt. Ein Toter einem Schiff bei einer Insel, eine frühere Tote bei einem Verkehrsunfall, zwei komplett ausgebrannte Behausungen, noch eine Leiche fordern die drei Menschen. Eine trickreiche Firma, die Wasser entnimmt und teuer verkaufen möchte, sowie Umweltaktivisten sind der Hintergrund für die Geschichte.

Zusätzlich hat Leander Lost das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus, die die Kommunikation seiner Umgebung ziemlich fordert da er nicht lügen kann; sein grandioses photographisches Gedächtnis und seine absolute Logik helfen nach Anfangsproblemen den Fall zu lösen.

Liebevolles rundherum ist die Familie von Graciana die sowohl Leander als auch eine Jugendliche liebevoll umsorgen. Der Eintopf mit Herzmuscheln klingt so gut, daß ich ihn gerne dem Buch entnommen hätte.

Die Orte der Handlung sind gut vorstellbar; vor allem wenn man in Portugal gewesen war, spielt sich vieles wie ein Film vor den Augen ab.
Die Menschen sind großteils als sympathische, freundliche, aufgeschlossene Mitmenschen geschildert. Das freundliche miteinander Umgehen und der liebevolle Humor sind schön zu lesen.

Es gibt keine Sex-Szenen, schon gar keine mühsamen und unnotwendigen. Nur eine Romanze liegt in der Luft, was fein zu Lesen ist .

Leider gibt es keine Seite Glossar über portugal-typische Wörter und Erläuterungen wie "Bica" (der portugiesische Espresso), Sagres (eine der typischen Bier-marken in Portugal) und paar Süßigkeiten, die sich zwar sehr süß aber sehr gut lesen.

In den Coverinnenseiten vorne und hinten sind Detailkarten von Portugal und der beschriebenen Gegend abgedruckt, die helfen sich in der Geographie zurecht zu finden.

In Summe in gemütliches Buch mit schöner Geschichte und sympathischen Menschen das gut zu lesen ist, und für einen verregneten Tag ideal geeignet ist. Viel Freude beim Lesen !

Gil Ribeiro, echter Name Holger Karsten Schmidt, wurde 1965 in Hamburg geboren. Er verliebte sich in das Land Portugal während seiner Interrailreisen und er reist noch heute gerne dorthin. Beruflich ist er Drehbuchautor. Derzeit lebt er in Baden-Württemberg, und in der Freizeit in Fuseta.

Samstag, 2. September 2017

Michail Gorbatschow : "Das neue Russland: Der Umbruch und das System Putin"

Michail Gorbatschow
"Das neue Russland: Der Umbruch und das System Putin"
original "Posle Kremlja"
2015, Bastei Lübbe (Quadriga)
Übersetzer : Boris Reitschuster
514 Seiten + 5 Seiten Inhaltsverzeichnis + 9 Seiten 'Gedanken über mich' + 6 Seiten Anhang + 7 Seiten Personenregister + 9 Seiten Anmerkungen (Fußnoten)
ISBN 978-3-869950822

In diesem dicken gescheiten Buch mit vielen herausfordernden Überlegungen erzählt einer der wichtigsten Politiker des 20. Jahrhunderts über 25 Jahre Rußland. Er geht etwas auf die verkrusteten Strukturen ein bevor es ihm gelang Rußland zu öffnen, und erzählt dann im 1. Kapitel die Zeit der 90-er Jahre mit dem Elend der Bevölkerung und den Fehlern Präsident Boris Jelzins, im 2. Kapitel die Nuller-Jahre des 21. Jahrhunderts inkl. Wirtschaftskrise und dann im 3. Kapitel die Chancen, die Gefahren und die Fehler in Rußland und der Welt und räsoniert über Punkte die ihm in der Welt wichtig sind.

Am Anfang beschreibt er wie man innenpolitisch mit ihm nach dem Präsidentenwechsle 1991 umgegangen ist, wie grob wie abweisend plötzlich viele Menschen und Organisationen waren - er konnte sich nur seine Position als Meinung halten weil er und seine Organisationen zu bekannt waren.
Er blickt auf die Jahre der Perestroika zurück und auf viele Gespräche mit anderen hochkarätigen Politikern in USA, Deutschland und anderen großen Staaten der Welt.

Wie er über Wladimir Wladimirowitsch Putin schreibt ist faszinierend zu lesen. Er bemüht sich um Sachlichkeit und versucht das Positive und Negative abzuwägen. Im dritten Abschnitt findet er nichts mehr Positives zu schreiben. Die Schwachheit von Präsident Boris Nikolajewitsch Jelzin nennt er allerdings klar.

Viele Themen und Fragestellungen werden angesprochen - u.a. :
Frage ob zuerst Reformen laufen sollen und erst dann die Meinungsfreiheit forciert gehört , weil gleichzeitiges die Menschen überfordert ?
was ist für ihn Sozialismus ?
wie wichtig ist Demokratie (vorneweg : es geht nicht ohne)
Gefahren und Chancen der Globalisierung
Seine Sorgen um die Ukraine (ein Elternteil waren Raissa Maximowna Gorbatschowa war aus der Ukraine)
Syrien ist 2015 bei Drucklegung bereits Thema aber noch nicht mit der derzeitigen politischen und menschlichen Tragweite.

Seine Definition von Nationalismus - er meinte aber hier den russischen - ist sehr eigen.
Irritierend ist, daß für ihn Rußland zu Europa gehört, und daß es für ihn erschreckend ist, daß dies Europäer anders sehen.
Wie er China einschätzt ist vollkommen anders als man gewohnt ist zu Lesen.

Das Buch ist nicht einfach zu lesen, weil es viel zitiert wird aus Gesprächen, aus Veröffentlichungen und diese mit anderen Fonts, Absätzen gekennzeichnet sind, was das einfache Lesen herausfordert.

Ich habe mit vielen Unterbrechungen von anderen Büchern fast eineinhalb Jahre an dem Buch gelesen und es hat mich immer fasziniert. Meine Umgebung hat es meist abgekommen wenn ich wieder 10 oder 15 Seiten gelesen hatte und darüber erzählen mußte, weil es hochinteressant - aber kompakt - ist.

In Summe ein faszinierendes Buch über Politik, Demokratie, Meinungsfreiheit das nicht so leicht losläßt und öfters gelesen werden sollte !

Michail Sergejewitsch Gorbatschow wurde am 2. März 1931 in Priwolnoje / Region Stawropol / UdSSR geboren.  Er war von März 1985 bis August 1991 Generalsekretär der KPdSU und von März 1990 bis Dezember 1991 Präsident der Sowjetunion. Er leitete 'Glasnost' (steht für Öffnung und Kommunikation mit den Menschen) und 'Perestroika' (steht für Umbau des politischen, wirtschaftlichen Systems) ein, und beendete den Kalten Krieg mit den USA.
Boris Reitschuster wurde a. 12. Mai 1971 in Augsburg geboren. Er war als Journalisten lange in Rußland tätig und ist auch Sachbuchautor.

Sonntag, 12. März 2017

Traudi und Hugo Portisch : "Die Olive & Wir"

Traudi und Hugo Portisch :
"Die Olive & Wir"
2009, Ecowin Verlag Salzburg
2 Seiten Vorwort + 214 Seiten + 2 Seiten "Liebe Leser .."  + 1 Seite Dank
ISBN 978-3-902404-72-5

Ein Haus in der Toskana lädt ein, und das Ehepaar kauft dieses dank vieler Zufälle. Mit Glück kommen die richtigen Menschen zusammen und ein wunderschönes Heim entsteht inmitten von Oliven, und anderen schönen Pflanzen und Bäumen. Sie lernt die Sprache. Ein Kater bleibt, ein Hund, noch ein Kater und noch eine Hündin. Weihnachten und Sylvester werden dort erlebt.
Und - titelgebend - wird ein Film über das Ernten von Oliven mit Nachbarn nachgestellt und mit Ton während des Ausstrahlens bespielt, sehr zur Unterhaltung des Dorfes.

Den verschiedenen Kapiteln sind italienische Sprichworte mit deutscher Übersetzung vorangestellt. In den Kapiteln geht es um Weinbau, Oliven, Hunde, Hausbau, Nachbarschaftspflege, einen wunderbaren alten Mann als Gärtner, eine wunderbare Nachbarin als Haushälterin, die bodenständige Polizei, den Pfarrer, einen weisen Mann der zwischen Professor und Magier wirkt, zwei Begegnungen mit Eulen, Weinbau, Schnapsgewinnung etc.

Da in einem Kapitel von Lire geschrieben wird, sind diese Geschichten vermutlich in den 90-er Jahren erlebt worden, was ihren Reiz nicht schmälert.

Im Nachwort geht der politische Journalist kurz darauf ein, daß in Italien Politik zwar vorhanden ist, aber wenig im Leben der Menschen bestimmt. Es ist nicht einmal klar welcher der Nachbar welche politische Einstellung hat, was ihn ziemlich verwundert.

Das Buch ist gut zu lesen und strömt etwas Urlaubsfeeling. Viel Spaß dabei.

Hugo Portisch  wurde am 19. Februar 1927 in Pressburg geboren. Seine Eltern und er mußten nach 1945 in St. Pölten bleiben. Hugo studierte dann an der Universität Wien Geschichte, Germanistik, Anglistik und Publizistik und schloss 1951 das Studium mit der Dissertation 'Das Zeitungswesen und die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika vor und während des Bürger-krieges 1861–1865'. Er arbeitete zuerst beim Kurier, später beim ORF, für den er als Auslandskorrespondent unterwegs war. Dann kamen geschichtliche Dokumentation für das Fernsehen u.a.  über Österreich nach dem ersten und zweiten Weltkrieg.
Gertraude Portisch geboren und aufgewachsen in Wien, erwachsen geworden in England, heim-gekehrt nach Österreich, verheiratet mit dem Journalisten Hugo Portisch. Unter dem Namen Traudi Reich verfaßt sie eine Reihe von Kinder- und Jugendbüchern. Gertraude Portisch / Traudi Reich lebt und schreibt heute in Wien und der Toskana.

Samstag, 13. August 2016

Nadja Bucher : "Die wilde Gärtnerin"

Nadja Bucher :
"Die wilde Gärtnerin"
Roman
2013, Milena Verlag Wien
349 Seiten
ISBN 978-3-85286-237-8

Helen Cerny lebt seit dem Unfalltod ihres Freundes in ihrem Haus und ihren Garten mitten in Wien. Die Mieter im Haus lassen sie in Ruhe, nur ihre beste Freundin Toni (eigentlich Antonia) versucht sie ins Leben zurück zu locken. Helen beschreibt im Tagebuch was sie im Garten tut (v.a ihre Naturtoilette ist ihr wichtig) und wie in der leeren Wohnung gegenüber eine junge Frau einzieht. Diese junge Frau erzählt ihr von den Mächtigen der Welt, den Netzwerken und daß diese zerstört werden müssen. Helen beginnt wieder einkaufen zu gehen und ein Workshop von Toni beginnt gut, als plötzlich die Polizei auftaucht, und die Gespräche Helens mit der Nachbarin als Terrorgefahr einstuft und alles Helen in die Schuhe schiebt.
Parallel zu dieser Geschichte die 2011, 2012 geschieht wird kapitelweise, und wie ein gewohnter Roman die Geschichte von Helens weiblichen Vorgängerin zuerst zur Zeit des Kaisers, dann der Zwischenkriegszeit, der zweite Weltkrieg und Besatzungszeit, Wiederaufbau und die Hippie-Bewegung geschildert. Die Frauen halten Krieg durch, das Warten auf den liebevollen Ehemann, erhalten ein Gasthaus neben dem Alkoholiker von Ehemann, begraben Träume für den Ehemann, oder brechen aus dem was sie Diktat der Männer nennen aus.

Der Großteil der Geschichte spielt in Wien, manches auch im Waldviertel.
Neben den Tagebüchern von Helen, sind Verhörprotokolle aus der Sicht von Toni zu lesen. Toni ist die empathische sensible sehr esoterisch geschilderte (ein wenige verrückte) Freundin, die hilfreich einspringt, aber wenig Verständnis für paranoide Polizeiaktionen aufbringt.
Am Anfang liest sich der Roman etwas mühsam weil die aktuellen Personen erst langsam aufgebaut werden, am Schluß gibt es aber Energie und man freut sich daß die Geschichte doch ein gutes Ende findet.

Die Welt Helens mit ihrem Garten in dem sie vieles ziehen kann, Kompost macht, und den Kreislauf der Jahreszeiten mit Erdlager gut lebt ist faszinierend.
Die Gespräche mit der Nachbarin, die globales vernetzt, gegen die Mächtigen wettert, und vor Gewalt nicht halt macht, wirkt hier wie ein Gegenpol zur ökologischen, in ihrer Welt verharrenden Helen. Toni schwirrt wie ein Planet um die beiden herum.

Die Figuren der Männer sind sehr unterschiedlich. Ein Großvater von Helen kommt zwar einbeinig aus dem Krieg ist aber liebevoll und langsam. Der andere ist ein Haustyrann von dem die Mutter nach der Matura in eine Kommune wegzog. Es gibt auch einen Bruder der Großmutter der in der Zwischenzeit die Familie durch Schleichhandel und auch beitritt zur NSDAP durchbrachte.

In  Summe in intensives Buch mit gut vorstellbaren Menschen. Einige Ideen bleiben hängen. Viel Freude beim Lesen.

Nadja Bucher wurde in Wien geboren. Sie studierte Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Wien und University of Sussex, UK. Ihr Debütroman "Rosa gegen den Dreck der Welt" erschien  2011 Milena Verlag. Sie arbeitet an Theaterstücken und Hörspielen und ist Performerin für Poetry Slam.                

Montag, 27. Juli 2015

Martin Windrow : "Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank"

Martin Windrow :
"Die Eule, die gern aus dem Wasserhahn trank - Mein Leben mit Mumble"
original "The Owl liked Sitting on Caesar. Life With a Lovable Tawny Owl"
2014, Bantam Press, London
aus dem Englischen von Sabine Hübner
2015, Carl Hanser München
307  Seiten + 2 Seiten Vorwort des Autors + 2 Seiten Inhaltsverzeichnis
ISBN 978-3-446-44328-0

Ein britischer Militärhistoriker erzählt auf humorvolle Weise über seine wunderbare Beziehung zu einem bezaubernden Waldkauz, einer Dame namens Mumble.

Der Autor sah bei der Familie das Zusammenleben mit dem Waldkauz "Wol" und versuchte zuerst mit einer kleinen Eule (Athene noctua) namens "Wellington"; leider war diese schon zu weit in ihrem Erwachsen werden, sodaß ein Zusammenleben mit dem Menschen nicht mehr möglich war.
"Mumble" war das erste Ei eines Geleges und wurde vom Neffen mit Hand gefüttert; der erste Name war "Nutellabrot" (im englischen  Original "Marmite Sandwich") und ist ein Waldkauz (Strix aluco).
Der Autor schmuggelt die Eule in seine Dachgeschoßwohnung im 7. Stock in London und langsam gewöhnen sich er und das zerrupfte Flauschi mit den großen Augen aneinander.
Liebevoll schildert er wie die Eule fliegen lernt, welche die Lieblingsplätze sind, wie oft Lampenschirme zerfetzt werden, die Nutzbarkeit von gesammelten Militärkopfbedeckungen gegen scharfe Eulenkrallen und wie die halbwüchsige Eule auf Freunde und Nachbarn reagiert. Als Mumble erwachsen wird, schränkt sich ihr Freundschaftskreis ein und er ist die alleinig wichtige Bezugsperson / füttern dürfen auch andere Menschen.
Der Autor übersiedelt nach Sussex, baut eine Voliere und die beiden leben gemütlich zusammen in dem sie das Jahr mit Mauser, Distanz-Nähe, Winter, Mäuse fressen etc. genießen. Leider wollte ein Unbekannter Mumble gewaltsam ins Freie (und die sogenannte Freiheit) bringen, was deren Herz durch die Aufregung und das Eindringen in ihr Terrain (die Voliere) vermutlich nicht ausgehalten hatte.

Der Autor ist Wissenschaftler; dementsprechend erzählt er nicht einfach sein Leben mit diesem faszinierenden Lebewesen, sondern er schreibt auch über die Abstammung der Eulen, deren Körperbau, Physik des Fliegens (hier bin ich ausgestiegen), die verschiedenen Laute und Geräusche, das unterschiedliche Federkleid, Ablauf der Mauser und vieles theoretische mehr. Am Ende "rettet" er sich ins Abstrakte um die Zuneigung zu diesem Wesen, mit dem er 15 Jahre in einer Beziehung gelebt hat irgendwie erklären zu können; in dem Wissen daß er scheitert.

Mumble hat es übrigens geliebt aus dem tropfenden Wasserhahn Wasser in den Schnabel zu nehmen und sie hatte in der Londoner Wohnung einen ihrer Lieblingsplätze auf der Kopfskulptur des Germanicus (Bruder des Claudius).

Martin Widrow beschreibt mit Humor und Zärtlichkeit wie ihn die Eule um die Kralle wickelt; ein kleines Piepsen, oder Köpfchen drehen um etwas Schmusen zu initiieren. Es ist berührend zu lesen wie er die Schmusestunde am Samstag vormittag beschreibt (auch wenn die Eule durch das Frühstück zu ihm trabt und dabei Mist macht).

Im Vorwort warnt der Autor eindringlich davor angeblich gestrandete Eulenküken retten zu wollen; er plädiert dafür den Kauzeltern die sicher in der Umgebung sind, Zeit zu lassen sich um ihren Nachwuchs zu kümmern und nichts zu tun.

Das Buch ist für Eulenfans ein "muß", weil viel Wissenswertes und Lebenswertes erzählt wird. Nicht ganz so intensive Eulenfans könnten die Kapitel 2, 4, etc in deren sehr theoretisches Wissen transportiert wird, etwas ermüdend finden.

Ich habe das Buch langsam und bewußt gelesen und sehr genossen; mich hat der Charme dieser Kauzdame und Autor / Übersetzerin fasziniert und in eine andere Welt eintauchen lassen. Diese Freude wünsche ich auch anderen Lesern.

Martin C. Windrow wurde 1944 geboren und im Wellington College erzogen. Er ist britischer Historiker, mit Konzentration auf das Militär. 2004 erschien sein Buch über den ersten Indochina Krieg. Er ist Mitglied der "Royal Historical Society" und lebt in Sussex.

Sonntag, 4. Januar 2015

Julia Alvarez : "Die Mission der Isabel Gómez"

Julia Alvarez :
"Die Mission der Isabel Gómez"
Roman
original "Saving the World"
2006, Algonquin Books of Chapel Hill, New York
aus dem Amerikanischen von Elke Link
2008, Piper Verlag GmbH München
490 Seiten
ISBN 978-3-492-27132-5

Das Cover mit einem Selbstbildnis von Frida Kahlo hat mich zum Kauf dieses Romans gebracht.

Zwei Handlungsstränge, die zu verschiedenen Zeiten spielen, werden verwoben. In der Jetztzeit ist Alma die Hauptperson. Sie ist aus der Dominikanischen Republik, Autorin die sich mühsam durchgeschlagen hat bis sie der liebenswürdigen Richard mit Helferssyndrom in Vermont geheiratet hat. Sie ist lt. Selbstschilderungen mit dem täglichen Leben überfordert, besucht ihre liebe alte Nachbarin und hat eine ziemlich verrückte Aktivistin als Freundin. Richard wird in die Dominikanische Republik zu einer Klinik als Entwicklungshelfer geschickt. Dort wird er mit Patienten gekidnappt; leider geht diese Geschichte nicht aus.
Der zweite Strang erzählt die Geschichte in der Doña Isabel Sendales y Gómez, die 1801 in Galizien ein Waisenhaus mit Liebe, Strenge und Gottglauben führt. Don Francisco und sie gehen auf Befehl des Königs mit einigen Waisenknaben auf große Seefahrt, wobei das große Ziel Pockenserum über Impflinge zu entwickeln und so der Seuche Einhalt zu gebieten. Über die Kanarischen Inseln geht es über den Atlantik zu Inseln, Kuba, Venezuela, Mexico wobei der Empfang und die Freude sehr unterschiedlich bis enttäuschend ist. Doña Isabel reist weiter zu den Philippinen, die Jungen bleiben zurück. Sie kehrt zurück und sieht was inzwischen passiert ist ...

Alma und ihre Geschichte sind aus Erzählperspektive erzählt, während die Geschichte von Isabel aus allein ihrer Sicht wie eine Art Tagebuch an Farben gewinnt. Mir hat Isabel und ihre Erzählungen mit der Schiffsreise, der Unterschiedlichkeit der Menschen, der Ungeduld und Engstirnigkeit von Don Francisco, und wie sie mit den unterschiedlichen Buben umgeht besser gefallen. Alma und ihre Geschichte war mir zu farblos, bzw. mir ging diese Frau eher auf die Nerven.

Spannend waren für  mich die Abschnitte in denen Isabel ganz anderes Leben jenseits des Atlantik beschreibt. Sie beschreibt auch die Befreiungskriege um Pastor Hidalgo in Mexiko. Im Nachwort erzählt die Autorin wie sie den Spuren Dr. Balmins folgt und den Informationen, daß eine Frau für die Waisenknaben an Schiff war.

Die Beschreibungen des Kidnappings in der Dom.Rep und die eigenartigen Gruppendynamik der desorganisierten Jungs die die Zukunftslosigkeit leitet sind schön beschrieben. Die Amerikaner die hier auf Entwicklungshelfer machen sind entweder als Idealisten oder Geschäftemacher gezeichnet.

Warum ein Selbstportrait von Frida Kahlo, einer Mexikanerin, auf dem Cover eines Buches mit US-Amerikaner und Menschen der Dominikanischen Republik, landet, verstehe ich nicht; auch nicht ob es einen Zusammenhang zwischen den zwei Frauen in dem Buch und der beeindruckenden berührenden Malerin geben soll.

In Summe ein Buch, das meine Erwartungen nicht erfüllte. Andererseits fand ich die Geschichte mit den Pocken und den Kampf gegen diese Seuche spannend.

Freitag, 4. April 2014

Julie Masson : "Pastis für den Commissaire"

Julie Masson :
"Pastis für den Commissaire"
Kriminalroman
2014, Rowohlt Taschenbuch Verlag
312 Seiten
ISBN  978-3-499-23248-07  

Commissaire Lucien Lefevres, geschieden, gut aussehend und nach dem Tod seines Kollegen ein Mann am Schreibtisch wird aus Bordeaux an die französische Küste geschickt. In dem malerischen Touristenort, der bei Surfern und Familien beliebt ist, wurde eine Leiche angeschwemmt. Die beiden Dorfpolizisten halten sich mit Unterstützung zurück, ebenso die Dorfgemeinschaft - jeder hat seine Fehler und Geheimnisse, die er nicht publik machen möchte.
Sophie Schumacher möchte ihren Bruder besuchen, findet ihn aber nur als die Leiche. Sie und ihr Bruder hatten als Kinder in dem Dorf gelebt, ihr Bruder war als Ökö zurückgekommen und sich mehr Feinde als Freunde gemacht. Lucien und Sophie stochern in der Vergangenheit und entdecken, daß der seltene Eissturmvogel gerade an einer der hiesigen Dünen brüten wollten, was für die heimische Wirtschaft ein Desaster hätte werden können, da alles als Naturschutzgebiet gewidmet worden wäre.
Lucien zieht noch einige Fäden aus der doppelbödigen und vertratschten Dorfgemeinschaft und ermöglicht damit einige durchaus notwendige Korrekturen ehe er wieder nach Bordeaux zurückfährt.

Die Personen sind gut geschildert, die sympathischen sind wirklich nett, die unsympathischen freundlich böse. Der kleine Ort an der Küste ist gut vorstellbar, selbst wenn man noch nie dort gewesesen ist. Bürgermeister, Supermarkt mit nebenberuflichen Tratschtanten sind vorhanden, ebenso ein großes Unternehmen in der Nachbarschaft - es fehlt eigentlich nur ein Dorfgeistlicher.

Pastis ist das Lieblingsgetränk von Lucien. Er trinkt ihn am liebsten mit Grenadine und Pfefferminzsirup, und ermöglicht damit ein schönes Farbenspiel.

Liebesgeschichten finden auch statt. Die Tendresse zwischen Lucien und Sophie wird gelebt, und eine uralte Liebesgeschichte findet ein gutes Ende. Dafür zerbrechen bereits kaputte Ehen und lange heimliche Liebschaften werden offiziell.

In Summe ein netter Krimi der gut unterhält, Spaß zu Lesen macht und (da ich gerade ein mühsames Buch lese) gerade das richtige zum entspannen. Die Urlaubsgegend in der er spielt, macht das Buch auch zu einem idealen Urlaubslesebuch.

Julie Masson wurde 1975 in Frankreich geboren. Sie studierte Germanistik und Literatur an der Sorbonne in Paris. Bei einem Auslandssemester in Berlin verliebte sie sich und blieb.