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Sonntag, 15. September 2024

Francesc Miralles : "Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen"

Francesc Miralles :
"Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen"
Roman
original "Amor en minúscula"
2006, Vergara, Barcelona
Aus dem Spanischen von Anja Lutter
2010, List Verlag
296 Seiten + 1 Seite Danke
ISBN 978-3-548-60936-2

Samuel lebt sein sehr organisiertes Leben in Barcelona als Literaturdozent für deutsche Sprache & Literatur. Am ersten Jänner sitzt eine Katze vor seiner Türe, nennt sie Mishima und er muß sich um sie kümmern indem er unter anderem eine/n Tierarzt/ärztin sucht. Auf einer Straßenkreuzung begegnet ihm seine Schulliebe, die er seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Der Zufall führt ihn in genau das Musikgeschäft, in dem diese Frau arbeitet.
Parallel kommt er mit einem Nachbarn ins Gespräch und bemüht sich um dessen Angelegenheiten, während dieser im Krankenhaus ist. Und er hilft einem obdachlosen Professor.
Am Schluß gibt es Liebe.

In fünf Kapiteln denkt, liest, sinniert und läuft Samuel durch sein Barcelona.
Witzig wird es wenn er beschreibt, daß die Studenten nicht mal die rudimentärsten Grundlagen haben und sie nur durchläßt, damit er sich nicht mehr mit ihnen beschäftigen muß.

Samuel ist für mich leider nicht fühlbar geworden; nur sein Faible für das Wörterbuch der Wörter, deren Bedeutung es nur in einer Sprache gibt, hat mich angesprochen. Die warmherzige Tierärztin war für mich gut spürbar. Die Jugendliebe Gabriele bliebt leider etwas ferne. Unterhaltsam sind der weise wißbegierige Nachbar & Journalist, sowie der Professor der von der geplanten Zukunft schreibt.

Leider ist zu wenig von der Katze geschrieben. 

Ich hatte mir mehr von diesem Roman versprochen, und hatte bei der Liebe doch auf anderes Ende gehofft.

Francesc Miralles Contijoch  wurde am 27. August in Barcelona geboren. Er ist ein Catalanischer Schriftsteller, Essayist, Übersetzer, und Musiker. Er war viel gereist, und hatte sich auf Indien spezialisiert. Sein erster Roman auf katalanisch war 'Perdut a Bombai' (Lost in Bombay) (2001); auf spanisch 'El lector de Kafka', Ed. Océano, 2000. Er hat auch einige Jugend- und Kinderbücher geschrieben.

Dienstag, 22. Juni 2021

Antonio Hill : "Der Sommer der toten Puppen"

Antonio Hill :
"Der Sommer der toten Puppen" - ein Barcelona-Krimi
original "El verano de los juguetes muertos"
2011, Debolsillo Barcelona
Aus dem Spanischen von Thomas Brovot
2013, Suhrkamp Taschenbuch
362 Seiten + 1 Seite Danksagung
ISBN 978-3-518-46467-0

Hauptperson ist der argentinische Inspektor Hector Salgado, dem in Barcelona die Wut über einen Mädchenhändler Schwierigkeiten beschert hat. Ein Freund ersucht ihn  zu untersuchen ob ein Teenager wirklich beim Rauchen aus dem Fenster gefallen ist, oder ob mehr dahinter steckt.
Aus mehreren Blickpunkten wird spannend erzählt und auch in die Vergangenheit gesprungen, wie ein Kindheitserlebnis - bei dem Puppen um eine Leiche im Wasser trieben - Jahre später endlich gelöst wird, und weitere Tote bringt.
Die Lösung und das wieso hatte ich nicht erwartet, es geht aber um Kindesmißbrauch.

Hector Salgado, war der Liebe wegen in Barcelona hängen geblieben; seine Ex-Frau liebt jetzt eine Frau; es gibt einen Sohn. Innerhalb der Polizei hat er Menschen die ihn  unterstützen, was wichtig ist, da aus dem Mädchenhändlerring ein sehr bösartiger Rachefeldzug gegen ihn aktiv ist. Er wird als schwierig, verschwiegen und eigenbrötlerisch beschrieben.
Die neue ihm zugeteilte Kollegin Leire ist jung, gescheit, denkt schräg und ist sexuell sehr aktiv.
Marc Castell ist der Teenager, der aus dem Fenster gefallen war; er war sehr verschlossen, hatte sich erst im Auslandssemester wegen Englisch zu öffnen begonnen, und eine junge Frau kennen gelernt.
Sein bester Freund Aleix Rovira hat Krebs besiegt, ist sehr attraktiv und charmant, und spielt mit der Gefahr und Frauen. Seine Familie zählt zu den wichtigen und reichen der Stadt; liebevoll und ihm durch die Krankheit geholfen hat ihm allerdings nur sein Bruder Eduard.
Deren gemeinsame Freundin Gina Ballester ist lieb, besorgt und läßt sich leider zu leicht zu führen.
Enric Castell, der Vater von Marc, ist erzkatholisch, zeigt wenig Liebe, was zu einem Teil des Problems wird.
Joanna, die Mutter Marcs, hat ihren Mann und Sohn verlassen, ist aber diejenige die nicht aufgibt die Lösung um ihren Sohn zu wissen zu wollen.
Felix Castell ist der Onkel von Marc, ein Priester, der sich immer um seinen Neffen liebevoll gekümmert hat, und der ihm wichtig ist. Er weiß mehr über die Leiche mit den Puppen, sah sich aber veranlaßt zwei  Menschen zu schützen.

Der Roman ist spannend geschrieben.
Die Menschen sind oft einsam und in ihren Gedanken und Problemen geschildert.

In Summe ein sehr empfehlenswerter Kriminalroman der auch unter die Haut geht. Viel Freude beim Lesen !

Antonio Hill, wurde 1966 in Barcelona geboren. Er studierte Psychologie und arbeitet dann als Übersetzer aus dem Englischen. Er lebt und arbeitet in Barcelona.

Mittwoch, 10. Juni 2020

Catalina Ferrera : "Spanischer Feuerlauf"

Catalina Ferrera :
"Spanischer Feuerlauf" - ein Barcelona-Krimi
2020, Droemer Taschenbuch
301 Seiten + 3 Seiten Correfocs - eine katalanische Mutprobe + 9 Seiten Rezepte Pintxos
ISBN 978-3-426-30737-3

In diesem dritten Band sind Karl Lindberg und Alex Diaz auf der Suche nach dem Hintergrund einer weiblichen Leiche, die mitten bei den tanzenden Correfocs, aus der Luft in der Menschenmenge landete. Es ist die vor Jahren verschwundene Gattin eines Industriellen. Karl und Alex machen sich auf in die Pyrenäen, recherchieren in einem kleinen dunklen Dorf, und kommen doch der Geschichte dieser toten Frau auf die Spur. Das dunkle Geheimnis birgt einen schönen gefährlichen Mann, zu viel Gewalt und Frauensolidarität.
Parallel ist Karls Ehefrau hochschwanger, was die Recherchen für Karl nicht einfacher macht.

In diesem Band ist die Truppe um Karl und Alex wieder die Gerichtsmedizinerin Chi, für die Alex entflammt ist, Chefin Arbol die sich diesmal überraschend menschlich zeigt, und Marla im Kommissariat, die alles glänzend organisiert und recherchiert.
Als Interviewpartner stehen Herr Firmenbesitzer Vega, der charismatisch aber nicht immer durchschaubar ist, und später Vio(letta) im verfluchten Dorf gegenüber. Violetta schafft es den beiden Stadtpolizisten ein Gefühl für die Kargheit in den Bergen zu vermitteln.

Diesmal wird zwar über die Feuerläufe in Barcelona erzählt und die wunderbaren Spießchen mit kleinen Essen, aber sonst erfährt man auch über die Umgebung von Barcelona bis hinauf in die Pyrenäen.

Die Geschichte ist spannend erzählt und es gibt einige Überraschungen; und einen klaren bösen Charakter und einen liebevollen Menschen, der manchmal überfordert ist.

Mich hat dieser Kriminalroman in den Bann gezogen; viel Spaß (trotz der inherenten Gewalt) beim Lesen.

Catalina Ferrara ist ein Pseudonym, und steht für Eva Siegmund, die 1983 in Bad Soden (Hessen) geboren wurde. Sie arbeitete als Kirchenmalerin, als Juristin und Verlagsmitarbeiterin, ehe sie Schriftstellerin wurde.

Freitag, 22. Mai 2020

Albert Sánchez Pinol : "Der Untergang Barcelonas"

Albert Sánchez Pinol :
"Der Untergang Barcelonas"
Roman
original "VICTUS. Barcelona 1714"
2012, Edicions La Campana, Barcelona
Aus dem Spanischen von Susanne Lange
2016, Fischer Verlag Frankfurt - Taschbuchausgabe
695 Seiten + 2 Seiten Vorbemerkung + 4 Seiten Chronologie des spanischen Erbfolgekrieges + 11 Seiten Verzeichnis der Personen
ISBN 978-3-596-19773-6

Der Autor führt uns anhand der halbfiktiven Gestalt des Martí Zuviria durch die zweite Hälfte des spanischen Erbfolgekrieges Anfang des 18. Jahrhunderts, und auch die Unverträglichkeit zwischen Katalanen und Kastillanen. Martí Zuviria, kurz Zuvi genannt, wird in Frankreich von einem der Großen der Baumeister der Stadtmauern, Sebastian Vauban, in die Ingenieurskunst eingeführt. Nach dessen Tod beteiligt sich Zuvi zuerst auf der Seite der Franzosen und Spanier, dann auf Seite der Österreicher und Katalanen, und am Schluß an der Verteidigung Barcelonas gegen alle. Der Autor nutzt eine fiktive Gefangennahme um das Geschehen der Franzosen-Spanier beschreiben zu können, bis Barcelona fällt.

Das Buch ist in drei große Kapitel unterteilt.
In "Veni" ist Zuvi der unbeherrschte versoffene Jugendliche, der nur Unsinn und Frauen im Kopf hat, der aber Schloß Bazoches das Beobachten, das Denken, und Planen lernt.
In "Vedi" zieht er mit den Heeren durch Spanien, lernt Herzog Beswick, Don Antonio Villaroel, Rafael Casanova, Miliquet Ballester und andere großherzige und letztklassige Menschen auf dem Schachbrett des aktuellen Krieges kennen. Auch die privat für ihn wichtigen Menschen treffen in diesem Kapitel zusammen. Allerdings bleibt er unbeherrscht und versoffen.
In "Victus" geht es um die letzten 14 Monate bis Barcelona fällt, in der die Verzweiflung, die Sturheit der Menschen aber auch die arrogante Dummheit der regierenden Oberschicht mit viel Leidenschaft beschrieben wird.

Der Roman ist dicht, emotional, und packend geschrieben. Obwohl ich Kriegsbeschreibungen nicht mag, haben mich die Schilderungen der Kriegs-Ingenieurskunst, die verschiedenen Ansätze des Schlachten führens, und die Probleme zwischen Militär und Fehleinschätzungen von Politik, fasziniert.
Die Sympathie liegt bei den Katalanen, die damals bereits 200 Jahre von den Kastillern ungerecht behandelt wurden; es gibt zu große Unterschiede zwischen den Werten, der Art des Lebens um hier ein schönes Zusammen zu finden. Der Fall Barcelonas am 11. September 1714 hat weitere Ungerechtigkeiten als Folge. Mir war nicht klar gewesen, daß die aktuelle Unabhängigkeitsbewegung der Katalanen (2019/2020) eigentlich jahrhundertealte Wurzeln hat.

Es gibt deftige, erotische Beschreibungen, auch die Kriegswirren und Kollaterralschäden herum sind handfest beschrieben.

Die Menschen in dem Roman werden mit starken Beschreibungen entweder sympathisch - unsympathisch, fähig - unfähig, charismatisch - uninteressant, loyal - illoyal - situationselastisch oder mit starken Vorlieben und Vorurteilen beschrieben.
Die Liebe, Frauen, eine wichtige Frau (Amelis), Kindersatz in Form eines verwahrlosten Buben (Anfan) und eines Zwerges (Nan) bilden die emotionale Familie die Zuvi eine Art von Rückhalt gibt.

Humor blitzt auf wenn besonders einfältige Adelige beschrieben werden, unfähige Oberste oder die fiktive Gestalt, der das Buch diktiert wird.

Als roter Faden zieht sich die Suche Zuvi-s nach dem sogenannten "Mystere" durch das Buch. Es geht bei diesem Geheimnis um eine zugrundeliegenden Wert der Kriegs-Ingenieurskunst, von dem Zuvis Lehrer immer wieder sprechen, und das Zuvi erst ganz am Schluß entschlüsselt.
Spannend ist die Anerkennung und Rivalität der Kriegsingenieure untereinander. Tätowierungen zeigen den Rang an, der Anerkennung erzeugt, aber auch Neid.

In dem Buch sind auch Abbildungen von Barcelona und dem Kriegsgeschehen untergebracht, die helfen das Geschehen zu verstehen.

In Summe ein starkes, großartiges Buch, das ist gerne weiterempfehle !

Albert Sánchez Piñol wurde am 11 Juli 1965 in Barcelona geboren. Er begann Jus zu studierte, beendet dann aber sein Studium der Anthropologie. Er schreibt meist auf katalanisch, das oben genannte Buch ist bis jetzt das einzige, das er auf spanisch geschrieben hat. 2000 erschien sein erstes Buch 'Compagnie difficili'. Mit 'La pell freda', auf dt. "Rausch der Stille" kam 2002 sein Druchbruch (ich habe das Buch am 31. Mai 2012 in den Blogg gehängt).

Samstag, 21. April 2018

Catalina Ferrara : "Spanische Delikatessen"

Catalina Ferrara :
"Spanische Delikatessen" - ein Barcelona Krimi
2018, Droemer Verlag
283 Seiten + 2 Seiten über Jamón + 2 Seiten über Tapas + 10 Seiten Rezepte + 2 Seiten Einstieger Vokabel Katalanisch
ISBN 978-3-426-30617-8

In diesem Krimi ist es möglich durch Barcelona Stadt zu gehen und die einzelnen durchaus bekannten Viertel (wieder) zu erleben.
Der irisch-stämmige deutsche ehemalige Polizeikommissar Karl Lindberg (hier mit Flugangst) ist mit seiner aus Barcelona stammenden Apothekergemahlin Alba und Sohn Oli in die Stadt am Meer übersiedelt. Sein charmanter Schwager Alex ist zu aller Erstauenen bei der Polizei und ersucht ihn um Hilfe, da in einem bekannten Delikatessenladen ein Schinken aus Menschenfleisch aufgetaucht ist. Gemeinsam macht sich das Duett auf die Suche nach dem Mörder bei der Delikattessenfamilie, sucht die ehemalige Geliebte des sehr unsympathischen Verstorbenen, und arbeitet innerhalb der Polizei mit und auch gegen die eigenen Leute, bis am Schluß eine akzeptierbare Lösung vorhanden ist.
Parallel gibt die Familie Albas einigen Rückhalt und Homosexualität bekommt auch einen Nebenstrang der Handlung.

Das Leben und die Schwierigkeiten der Stadt werden beschrieben - die schönen und reichen Seiten, genauso wie die armen und verwahrlosten, die Probleme mit Touristen, nach Olympia 1992 und der dunkle Schatten aus der Franco-zeit als die Spanier den Kataloniern das Leben schwer machten. Kleinigkeiten wie daß in der Kathedrale die Spanier heirateten, in Sta Maria del Mar die Katalanen machen das Buch lesenswert.

Die Geschichte ist aus Sicht von Karl beschrieben - mit seinen Überlegungen und Handlungen und Eindrücken von Menschen und Wohnungen / Ambiente. Er selbst dürfte ein knorriger Rotkopf sein, seine Frau eine fröhliche bildschöne Katalonierin, Rafa - der Freund von Oli - ein schlanksiger 18-jähriger mit blauen Augen, Alex ein charmanter frauengewöhnter attraktiver Mann mit Dackelblick aber überraschend auftauchenden grundsoliden Werten, Dolores Molina die Delikatessenladenbesitzerin eine arbeitsame solide Frau, ihr Sohn José ein dummer brutaler Kerl, die Geliebte Carmen eine schöne Frau mit Geschmack die sich in ihren Traumbereich zurückziehen kann, Vater Mateu ein gepflegter armer gebliebener Mann mit einer grauenvollen Geschichte, Thomas Sedlmayer ist Manager einer eher neuen Wurstfabrik und aalglatt, Marla die Assistentin in der Commissaria ist eine bildschöne Frau deren Bruder ein Verbrecher ist was ihr alle Chancen für Freundschaften nimmt, Maria Arbol als Capitan ist als Vorgesetzte nicht mit Sympathie gezeichnet, dafür die Forensikerin Chi umso mehr.

Der Roman ist gut und unterhaltsam geschrieben. Wer gerade in Barcelona zu Gast gewesen war, oder Sehnsucht nach dieser Stadt hat, ist bei diesem Krimi gut aufgehoben.

Montag, 19. Februar 2018

Gabriel Garcia Marquez : "Zwölf Geschichten aus der Fremde"

Gabriel García Márquez :
"Zwölf Geschichten aus der Fremde"
original "Doce cuentos peregrinos"
1992, Mondadori, Madrid
Deutsch von Dagmar Ploetz und Dieter E. Zimmer
1993, Kiepenheuer & Witsch
212 Seiten
ISBN 3-462-02238-5

Im 'Prolog. Warum zwölf, warum fremd und warum Geschichten' (1992) erzählt der Autor von den Ideenfetzen für Romane und Erzählungen, dem Leben außerhalb seiner Heimat und wie diese Erzählungen oder Hörspielvorlagen entstanden sind. Berührt hat mich der Satz, daß er sich ein Schulheft bei seinen Kindern ausgeborgt hat um Ideen hineinzuschreiben.
* 'Gute Reise, Herr President' (1979) spielt in Bern und begleitet einen wohlgepflegten älteren Herrn, dem einer Operation bevorsteht. Eine Familie aus seiner Heimat kümmert sich zuerst berechnend, dann liebevoll um ihn.
* 'Die Heilige' (1981) ist eine Geschichte in Rom, in der junge kreative Menschen einem Mann begegnen der mit einem Kindersarg unterwegs ist und versucht das schöne schwebende Kind als Wunder heiligen sprechen zu lassen.
* 'Dornröschens Flugzeug' (1982) ist eine kurze Geschichte über eine schöne Frau, die der Erzähler im Flugzeug, während sie schläft, bewundert.
* In 'Ich vermiete mich zum Träumen' (1980) hat eine Frau einen Job als Traumdeuterin in Familien in Wien, in der Karabik; eine poetische Geschichte die verzaubert.
* 'Ich bin nur zum Telefonieren gekommen' (1978) macht Angst, weil eine Künstlerin durch eine Panne in einem Gefängnis für Verrückte landet und ihr Mann wegen Eifersucht nicht hilft. Ort ist Katalonien.
* 'Augustspuk' (1980) ist auch im Raum Barcelona angesiedelt und ist am Ende wirklich 'spooky'.
* In 'María dos Prazeres' (1979) berührt die Geschichte über eine alternde Prostituierte mit Hund, die sich um ihr Grab kümmert, bis sie feststellt, daß noch Liebe auf sie wartet. Ort ist Barcelona.
* in 'Siebzehn vergiftete Engländer' (1980) kehrt Prudencia Linero aus Südamerika nach Neapel zurück, möchte den Papst sehen und ist am Schluß glücklich daß sie keine Austernsuppe gegessen hat.
* 'Tramontana' (1982) ist ein Wind, der sich auch an den Nerven der Menschen in Katalonien auswirkt.
* 'Der glückliche Sommer der Frau Forbes' (1976) erzählt von der strengenden Frau Forbes als Kindermädchen von zwei ausgelassenen Buben am Strand von Sizilien
* Phantasievoll ist 'Das Licht ist wie das Wasser' (1978) wenn Kinder mit Tauchzeugs in der Wohnung eines Hochhauses unterwegs sind.
* 'Die Spur deines Blutes im Schnee' (1976) zieht sich zwischen Madrid bis Paris, als ein jung verheiratetes sehr verliebtes Ehepaar mit dem Auto unterwegs ist. Die schöne Ehefrau hatte sich an einer Rosendorne gestochen und tropft vor sich hin. Die Geschichte geht wie die meisten Geschichten in dem Buch nicht gut aus.

Die Menschen und Szenerien klar bis kraftvoll gezeichnet und wunderbar vorstellbar. Nähe, Kälte, Liebe, Gewalt, Sehnsucht, Erotik, Wind, Sonne, etc. fast körperlich spürbar.

Auch wenn fast alle Geschichten in Europa spielen, ist die emotionale Nähe zu Lateinamerika vorhanden wenn mexikanische Erdbeben, Bolivien, und die Karibik genannt sind.

Mich haben die kraftvollen Geschichten, auch wenn sie manchmal traurig machen in den Bann gezogen.  Diese Freude wünsche ich auch anderen beim Lesen !

Gabriel José García Márquez wurde am 6. März 1927 in Aracataca (Kolumbien) geboren. Er begann Jus zu studieren, wandte sich aber bald der Literatur zu. Er arbeitete zuerst als Journalist, schrieb ein Buch über Fidel Castro (mit dem er sehr befreundet war). Sein erstes Werk dürfte "La hojarasca" (Laubsturm) aus 1955 sein.  1967 kam sein literarischer Durchbruch mit „Cien años de soledad“ ("100 Jahre Einsamkeit"). Er erhielt 1982 den Nobelpreis für Literatur. Sein Schreibstil ist der 'magische Realismus'. Er starb am 17. April 2014 in Mexico-Stadt, der Stadt seines Lebensmittelpunktes.

Dienstag, 17. Dezember 2013

Pablo Tusset : "Im Namen des Schweins"

Pablo Tusset :
"Im Namen des Schweins"
2006, Ediciones Destino, S.A. Barcelona
im Original "En el nombre del cerdo"
aus dem Spanischen von Ralph Amann
2009, Heyne Taschenbuch Verlag
559  Seiten
ISBN 978-3-453-81176-8

Dieser durchaus dicke Roman beginnt wie ein Krimi mit dem Auffinden einer ziemlich grauslich zerstückelten Leiche. Dann wird in zwei parallel laufenden Geschichten vom dicklichen Comissario Pujol, der kurz vor seiner Pensionnierung steht und einen zweiten Frühling mit seiner eigenen Frau erlebt. Die andere Geschichte handelt von seinem Ziehsohn Thomas, den jeder auch er sich selber nur 'T' nennt. Sein Ziehvater hat ihn zum Inspector ausbilden lassen, und der Hauptkommissar ist der einzigem dem er soetwas wie Liebe entgegen bringt. Frauen bekommen seine Fixierung auf eine Bellini - Madonna bisweilen sehr schmerzhaft ab.
'T' wird undercover zum Dorf des Leichenfundes gebracht. Er soll dort einem Dichter und wichtigen Wirtschaftsmann und nebenbei der Dorfstruktur auf die Schliche kommen. Er ist dort als 'P', als Pedro, bekannt. Das Ende ist anders als erwartet.

Orte der Handlung sind der neue Polizeibau in Barcelona, Calabrava, ein Hügel in Katalonien und New York. Innenausstattung und Örtlichkeiten sind anschaulich, aber nicht mühsam geschildert.

Hauptkommissar Pujol wird mit viel Humor geschildert. Wenn er Kassetten mit Musik kaufen möchte, und ihm ein vorlauter schwuler Verkäufer frech eine CD mit guter Pop-musik verkauft. Auch die ätzenden Bemerkungen des jungen Mannes über Kleidung machen ihn gewissen Kleidungsvorschriften offener und auch bereit dem Leben mit Freunde zu begegnen. Kleidung, Frisur, ein CD-player und eine neues Auto irritieren seine Frau kurz, dann macht sie freundlich mit.

'T' ist eher düster geschildert, wie er die Straßen New York durchläuft, die Billigläden nach Markenware durchforstet und in der Liebe Schiffbruch erleidet. Gruselig ist wie 'P' im Dorf dann auf 'T' trifft und sich die Bilder aus New York, die Flugzeugeinstürze in die Tower, und Balkon und Landschaft des Kaffs in Katalonien durcheinander schieben.

Eigentümlich ist die Beschäftigung mit dem Zettel in der Leiche, der der Titel des Buches ist. Und daraus folgend das Lesen eines GEdichtes, das der wichtige Wirtschaftsmann des Kaffs geschrieben hat. Mühsam werden Stilformen und Ergänzungen herausgearbeitet.

Der Roman ist spannend geschrieben, aber die Zeilen sind genau zu lesen. Das Buch ist empfehlenswert für alle neugierigen Leser und Leserinnen.

Pablo Tusset ist das Pseudonym für David Homedes Cameo, der 1965 in Barcelona geboren wurde. Über seine Vita ist wenig bekannt. Eine Quelle meint er sei Informatiker, eine andere vermutet, daß er eine Bar oder sonst etwas Gastronomisches betreibt, noch eine andere Quelle nennt die unterschiedlichsten Arbeitsarbeiten in seinem Leben. Sein erstes Buch "Das Beste was einem Croissant wiederfahren kann' wurde 2001 (spanisch und deutsch) veröffentlicht

Mittwoch, 3. Oktober 2012

Carlos Ruiz Zafón : "Marina"

Carlos Ruiz Zafón : "Marina" Roman
original "Marina"
1999, Edebé, Barcelona
geschrieben lt. Vorwort zwischen 1996 und 1997
aus dem Spanischen von Peter Schwaar
2011, S. Fischer Verlag
339 Seiten
3 Seiten Vorwort
2 Seiten Epilog
ISBN 978-3-10-095401-5

'Marina' ist ein Roman über Jugendliebe, erste Liebe, und Kunst, der zu einem guten Drittel eine Gruselgeschichte ist, in der es wieder um Liebe und Kunst geht. Mit schönen, starken dichten Metaphern sind die Umgebung und die Menschen beschrieben - die Geschichte zieht in den Bann.

Òscar Drai, ein junger Mann der 1979 im Internat in Barcelona lebt, durchstreift gerne die Straße und lernt nachdem er Kater Kafka verfolgt hat, deren Besitzerin die zarte, schöne, gleichaltrige Marina und deren Vater Géronimo Blau kennen. Sie leben in einer ziemlich verfallenen Jugendstilvilla in einer Gegend mit alten, eher verfallenen Häusern. Die Mutter Marinas war eine wunderbare, gefeierte begnadete Sängerin gewesen, die an TBC verstorben ist. Géronimo hatte den Zauber seiner Frau als genialer Maler der er war, in wunderschönen Bildern festgehalten.
Marina zeigt Òscar auf dem Friedhof in Serría eine schöne tiefverschleierte Frau. Beim Verfolgen dieser Frau entdecken sie ein gespenstisches Gartenhaus mit mißgestalteten Marionetten. Òscar und Marina folgen der Geschichte und Stück für Stück wird ihnen die bizarre Lebensgeschichte von Michael Kolwenik aus Waisentum, Varieté, Geld, medizinischen Gelenken, großer Liebe, Salzsäure, Betrug und beginnendem Wahnsinn aus Mißbildung erzählt.

Die Menschen in den Roman sind wunderschön geschildert - Òscar als ungelenker aber netter junger Mann, Marina als schöne gescheite junge Frau, ihr Vater Géronimo als Herr der alten Schule mit Manieren, mit Bildung, und Zurückhaltung, Kater Kafka der genau weiß was er will, Pater Sergiu im Internet, die verschleierte Frau, Dr. Shelley mit Tochter. Schöne Metaphern umschreiben die Personen - Géronimo dessen Fahrweise beschrieben wird, daß er selbst Ameisen den Vortritt läßt. Auch Géronimo hat seine Familiengeschichte als Liebe, Schönheit und Verrat vorzuweisen. Die verschiedenen menschlichen Facetten von Michael Kolwenig, vom genialen Ingenieur, zum verliebten Mann der einen Traum gestalten will und sich über menschliche Grenzen hinwegsetzen möchte sind beängstigend nahe beschrieben.

Mir haben die Formulieren und Beschreibungen des in Ich-Form geschriebenen Buchs in diesem Buch besonders gut gefallen: Beispiele dafür sind ' Regen kratzt am Fenster', 'Maler heißt schreiben mit Licht', 'wo die Gezeiten atmeten wie ein versteinerter Wal', 'das Lichtdiadem des Vordachs' bis 'Kobold der Zeit' und ' Müdigkeit begann mich zu umzingeln wie hungrige Wölfe'.

Das Buch in lesbaren großen Buchstaben geschrieben - es war nicht notwendig nach der Lesebrille zu suchen.
Sehr angesprochen haben mich auf die Beschreibungen der Ort, des Mystik der Ort, der Nebel der die Villengegenden verhängt. Es ist kein buntes Barcelona, das hier beschrieben wird, sondern die scharz-grau schillernden geheimnisvollen Teile der Stadt.

Im Vorwort erzählt der Autor, daß es lange dauerte bis ein Verlag das Buch komplett veröffentlichte und nicht mit Strichen, die die Gesamtheit der Geschichte sehr beeinträchtigt hatten.

Der Roman ist sehr empfehlenswert, wenn der Leser/die Leserin in eine vergangene Welt mit Zauber tauchen will, denn die Stadt wird als sehr versunken geschildert. Das Erwachsen werden von Òscar ist behutsam geschildert, seine Freundschaft und der Zauber zu Marina, das Kennenlernen von Rücksicht wie sie in der Familie von Marina praktiziert wird. Mir hat das Buch sehr sehr gut gefallen.

Samstag, 23. Juni 2012

Alicia Giménez - Bartlett : "Samariter ohne Herz"

Alicia Giménez - Bartlett :
"Samariter ohne Herz"
Petra Delicado löst ihren sechsten Fall
"Un barco cargado de arroz"
2004, Editorial Planeta, S.A. Barcelona
Aus dem Spanischen von Sybille Martin
2005, BLT, Verlagsgruppe Lübbe GmbH & co KG, Bergisch Gladbach
404 Seiten
ISBN 978-3-404-92246-8

Nachdem ich vor Jahren den ersten 'Fall' von Petra Delicado gelesen hatte, war ich neugierig wie sich dieser Fall in Barcelona entwickelt.

Petra Delicado, die resche durchsetzungsfähige attraktive Inspectora und ihr rundlicher konservativer Subinspector Fermín Marquéz lösen ziemliche brutale Morde an Obdachlosen und kommen einer betrügerischen karitativen Organisation auf die Spur.
Große Hilfe ist die junge Polizistin Yolanda, die so begeistert von der Inspectora ist, daß sie zur Mordkommission wechselt um weiter mit ihr zusammenzuarbeiten.
Erotische, sinnliche und streitbare Abwechslung für Petra bietet Ricardo, ein blitzgescheiter origineller Psychiater, der sich wünscht mit Petra gemeinsam zu Leben.

Bösartig entwickelt sich der Strang, daß es einige schwarze Schafe unter den karitativen Organisationen gibt, die nur für sich selber Geld sammeln - der offizielle Hilfszweck wird nicht annäherungsweise erfüllt. Früher nahm man Blinden das Geld aus dem Hut, heute sanieren sich Unternehmen mit solchen Konstrukten. Daß hier eine alte Waffe und emotionslos brutale Jungs aus dem Schlägermilieu zur Wahrung der Konstruktion eingesetzt werden, ist hoffentlich nur Fiktion.

Der Originaltitel 'eine Schiffsladung voll Reis' zieht sich durch das Buch: Anselmo, einer der ermordeten Obdachlosen träumt davon und später wird diese Formulierung als Sinnbild für den Wunschtraum des Lebens verwendet. Bei einem ist es Familie, bei anderen so leben zu dürfen wie man möchte etc.

In diesem Roman ist mehr Platz für das Privatleben von Inspectora und Subinspector, bei denen Veränderungen anklopfen, geprüft und verworfen werden. Die beiden sind ein wunderbar eingespieltes Team und ihre Wortgeplänkel um Emanzipation und Traditionalismus sind meist ziemlich amüsant. Ebenso wie sie mit ihrem Chef Herrn Canares umgehen.

Ich habe den Krimi sehr genossen, und beschlossen möglichst bald nach Barcelona zu reisen um mir etwas von dem Stadtgefühl mit seinem guten Essen zu gemüte zu führen.



Freitag, 8. Juni 2012

Francisco González Ledesma : "Die Rache der Träumerin"

Francisco González Ledesma :
"Die Rache der Träumerin"
Kriminalroman
1986, original "La Dama de Cachamira"
Aus dem Spanischen von Sabine Giersberg
2012, Lübbe Ehrenwirth, Bastei Lübbe GmbH & Co KG
293 Seiten
ISBN 978-3-431-03850-7

Der Kriminalroman ist ein starker, dichter, eigentlich tieftrauriger Roman in dem Inspector Méndez durch die eher armseligen Viertel in Barcelona streift und den von der Presse sogenannten "Rollstuhlmörder" findet.

Paquito wird ermordet gefunden. Ein Rubinring, der nicht mehr abstreifbar war, führt zu seinem Freund Abel. Die Witwe Esther lebt in einem geordneten, aber armseligen Umfeld. Sie wird von einer Freundin besucht, die ihr von den Reisen spendiert von ihrem reichen aber unsichtbaren Liebhaber erzählt.
In einem alten charismatischen Haus mit Marmorkamin und Spiegel, das kurz vor dem Abriß steht, weil Spekulanten auf dem Terrain neues bauen wollen, gibt es noch Rest einer Familie. Die alten Besitzer haben längst den Bescheid zum wegsiedeln erhalten, versuchen aber so lange wie möglich zu bleiben. Die noch lebende Tochter Elvira der ehemaligen Schneiderin Ros wird Schikanen ausgesetzt, damit die Baulöwen um Ricardo rascher starten können.
Inspektor Méndez, hat ziemliche Fußschmerzen und in seinem Kommissariat wird gewünscht, daß er endlich seinen Dienst aufgibt. Er tingelt weiter durch die Lokale, trinkt mehr schlechten als guten Cognac, manchmal Anis und hört sich die kleinen und kleineren Probleme der Prostituierten, Freier, Wirtsleute und Kleinkriminellen an. Er stoßt hier auf den Namen einer Frau namens Tere.
Nach mehreren falschen Ideen findet den Rollstuhlfahrer, der die Morde begangen hatte, - es macht ihn aber nicht glücklich.

Das Buch hat eine kraftvolle Traurigkeit, die abgelebten Häuser, Lokale, Pensionen, Puffs, Wirtschaften, Wohnungen, Wohnhöhlen mit Wäschestricks mit ausrangierter löchriger Kleidung, Untergewand aus besseren Zeiten und andere Versatzstücke aus etwas besserem Leben.
Die Welt der Menschen die durch neue Immobilien reicher werden möchte und die deren Welt zehn Jahr nach Francos Tod noch mehr ins Elend abrutschen triftet noch mehr auseinander.

Deftige Sinnlichkeit ist ein weiteres starkes Element in dem Buch. Etwas skurril finde ich die Unterhaltung von zwei Polizisten über die Hinterfront von Kollegen. Homosexualität wird erst ein Thema - und ist zu dieser Zeit noch ein Grund, daß beide Männer festgenommen werden. Frauen werden oft sehr körperlich beschrieben - wobei gerade der Po oft sehr detailliert geschildert wird. Daß brutale Sexualität einer der Schlüssel zu den Morden ist, ist ein Detail. Das Leben der Prostituierten mit zahlenden / nicht zahlenden, freundlichen /brutalen Freiern wird immer wieder skizziert.

Ich empfand das Buch als dicht und stark geschrieben, die Menschen und Umgebung sind zwar düster aber vorstellbar geschildert. Leider gibt es kein positives Ende im Sinne von 'happy end'. Das Buch hat mich in den Sog hineingezogen, ich kann diesen spannenden Kriminalroman nur weiterempfehlen.



Freitag, 13. Januar 2012

Teresa Solana : "Mord auf katalanisch"

Teresa Solana :
"Mord auf katalanisch" - ein Barcelona-Krimi
2006 bei Edicions 62 in Barcelona
"Un crim imperfect"
aus dem Katalanischen übersetzt von Petra Zickmann
2007, Piper München Zürich
2 Seiten Stadtplan auf den beiden Innencovers
1 Seite Spezialitäten
271 Seiten
ISBN 978-3-492-04951-1

Barcelona im Winter. Das Brüderpaar Eduard und 'Borja' nennt, betreiben miteinander eine Detektei und erledigen meist - erfolgreich und diskret - Seitensprung-Angelegenheiten. Diesmal verdächtigt ein Politiker seine Gattin des Seitensprungs, da ein bekannter Maler ein Bild von ihr gemalt hat. Beweise findet das Brüderpaar keine, aber sie sehen viele Gespräche der verdächtigten Dame mit Menschen, die sie meist unglücklich zurück läßt. Am Weihnachtstag wird die Dame vergiftet aufgefunden.
Die beiden Detektive gehen einiges Spuren nach, und lösen letztendlich den Fall. Polizei und Presse lösen den Fall anders, aber die Detektive sind mit dem Ausgang zufrieden.

Ein zwei-seitiger Epilog erzählt im Kurzüberblick wie sich das Leben einiger Beteiligter über die nächsten Jahre weiterentwickelt.

Die Personen und ihre Umgebung sind detailliert und mit Freude zum Detail geschildert.
Eduardo ist verheiratet, hat 3 Kinder und ist ehemaliger Bankangestellter und Buchhalter. Sein Zwillingsbruder Pep, nennt sich Borja und hat sich einen fantasievollen Nachnahmen zugelegt - er ist der Schillernde und Faszinierende des Duos; aber da sich die beiden nicht ähnlich sehen, funktioniert die Geschichte mit der beruflichen Freundschaft sehr gut.
Am besten hat mir die Schilderung einer niveauvollen Dame der reichen Oberschicht mit viel Humor, Macht und Intelligenz gefallen. Böse sind die Beobachtungen des Mordopfers das als eine wunderschöne aber durch extremen Ehrgeinz eher ungute Person geschildert wird. Die Frauen in dem Krimi sind sehr unterschiedlich - die etwas alternative Montse, die verheiratete geliftete erfolgreiche Geliebte, die überkandidelte Direktorin einer Schule. Die sonstigen Männer sind Politiker wie der Mann des späteren Opfers, ein Lehrer und ein fürsorglicher Butler.

Eine schöne Idee finde ich, daß das Portrait der Dame über ein Photo im Zug seinen Ursprung hat. Der Künstler hatte das Photo einer schlafenden Frau gemacht und dann - seinem Stil entsprechend - in wunderschöner Weise gemalt.
Gut gefällt mir, daß im Anhang auf einige gastronomische Spezialitäten Katalonien stehen. Ob man sich die Restaurant-empfehlungen am Ende des Buches ansehen will, ist Entscheidung des Lesers (ich habe es nicht getan).

In Summe finde ich das Buch gut lesbar, die Geschichte und die Menschen sprechen mich an und meine Erwartung im Winter ein Buch aus wärmeren Gegenden wärmt meine Seele wurde erfüllt. Viel Vergnügen beim Lesen !