Donna Leon :
"Geheime Quellen" - Commissario Brunettis neunundzwanzigster Fall
original "Trace Elements"
2020, Cornerstone Digital
Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz
2020, Diogenes Verlag
307 Seiten
ISBN 978-3-257-07099-6
Commissario Guido Brunetti und seine neapolitanische Kollegin Commissaria Claudia Griffoni werden im drückend heißen Venedig zu einer sterbenden Patientin gerufen. Sie setzt die beiden auf den Tod ihres Mannes und schmutziges Geld an. Während sich Vice-Questore um Handtaschendiebe die zufällig die Frau des Bürgermeisters beklaut haben sorgt, gehen die beiden mit Hilfe des bekannten Teams, also Sergente Lorenzo Vianello und Signora Elletra Zorzi, der Spur zu einer Wasserprüfanstalt im Veneto nach. Dort begegnen sie der Personalchefin und dem Chef der chemischen Abteilung, die einander mit großer Antipathie begegnen. Brunetti und Vianello arbeiten sich durch Daten und Grenzwerte, um am Schluß einen unsympathischen Menschen laufen lassen zu müssen, und einen möglichen Unfall zur Anzeige bringen.
Donna Leon greift diesmal zwei Themen auf. Das eine wie manche Firmen rücksichtslos mit dem Wasser, das für alle da ist, firmen-egoistisch umgehen und nicht vor Vergiftung für alle zurückschrecken. Das andere Thema ist, daß es bei Krankheit die Zwei-Klassen-Gesellschaft bei Behandlung gibt, die sich durch Vorhandensein von Geld oder nicht, definiert. Beide Themen ließen mich bedrückt zurück.
Etwas Platz ist Griffoni gewidmet, bei der beschrieben wird, daß sie bereits Veneziano umsetzt, wie sie genial Gespräche führt, aber auch wie sehr sie sich an Venedig gewöhnt hat.
Die Menschen sind wie immer genial skizziert. Der Chefchemiker der im Luxus lebt, und der sich jegliche Empathie mit Mensch und Tier abgewöhnt hat; die Personalchefin die sich mit fremden Federn schmückt und in den falschen Mann verliebt ist; der Unfalltote der absolute Werte lebte, sich damit wenig Freunde machte.
Wer gerade bei einem lieben Menschen den Krebstod miterlebt hat, oder dem körperlichen Abbau eines nahestehenden Menschen zusehen mußte, sollte vielleicht einige Kapitel überspringen.
Der Kriminalroman ist wie gewohnt sehr gut geschrieben und gut zu lesen. Leider läßt das Ende keine Freude aufkommen. Trotzdem viel Freude beim Lesen.
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Mittwoch, 19. August 2020
Dienstag, 24. September 2019
Alessandro Montano : "Die Toten vom Gardasee"
Alessandro Montano :
"Die Toten vom Gardasee"
2017, emons Verlag
266 Seiten
ISBN 978-3-7408-0070-3
Luca Spinelli, ein Dokumentarfilmer, der am Gardasee aufgewachsen ist, wird eingeladen bei einer Polizeigruppe beratend mitzuarbeiten. Hier geht es um Jugendliche die nicht auffindbar sind, und ein Verbrechen vermutet wird. Luca findet einige Schlüssel, die diese Vermutung bestätigen. Der Chef und die Profilerin der Gruppe unterstützen ihn, und ein traumatisierendes Erlebnis als Jugendlicher taucht aus den Unterbewußtsein empor und hilft das die Verbrechen zu aufzuklären.
Die Geschichte wird aus Sicht von Luca erzählt, wie er recherchiert, wie er sich verliebt, und wie er gegen die Lücken und Panik aus der Vergangenheit und seine Angst vor dem Wasser kämpft.
In der spannenden Geschichte um einen wahnsinnigen Narzissten, blüht auch die Liebe zwischen Luca und der Profilerin auf.
Die Personen sind anschaulich geschildert. Die Menschen in der Polizei sind eher sympathisch geschildert, der einzig unsympathische Mensch im Buch außer dem Mörder ist ein aufdringlicher Journaillist. Die alteingesessene Menschen im den kleinen Ort zwischen Wand und See sind mit Wärme und Charisma beschrieben.
Der Kriminalroman ist spannend und mit rasantem Showdown zu ziemlicher Grauslichkeit beschrieben. Trotzdem viel Spaß beim Lesen !
Alessandro Montano verbrachte viele Jahre am Gardasee und schrieb Kritiken für verschiedene Filmmagazine, bevor er in Bologna Filmgeschichte lehrte. 2017 erschien sein erster Roman »Die Toten vom Gardasee«. Der Folgeroman heißt "Fluch am Gardasee".
"Die Toten vom Gardasee"
2017, emons Verlag
266 Seiten
ISBN 978-3-7408-0070-3
Luca Spinelli, ein Dokumentarfilmer, der am Gardasee aufgewachsen ist, wird eingeladen bei einer Polizeigruppe beratend mitzuarbeiten. Hier geht es um Jugendliche die nicht auffindbar sind, und ein Verbrechen vermutet wird. Luca findet einige Schlüssel, die diese Vermutung bestätigen. Der Chef und die Profilerin der Gruppe unterstützen ihn, und ein traumatisierendes Erlebnis als Jugendlicher taucht aus den Unterbewußtsein empor und hilft das die Verbrechen zu aufzuklären.
Die Geschichte wird aus Sicht von Luca erzählt, wie er recherchiert, wie er sich verliebt, und wie er gegen die Lücken und Panik aus der Vergangenheit und seine Angst vor dem Wasser kämpft.
In der spannenden Geschichte um einen wahnsinnigen Narzissten, blüht auch die Liebe zwischen Luca und der Profilerin auf.
Die Personen sind anschaulich geschildert. Die Menschen in der Polizei sind eher sympathisch geschildert, der einzig unsympathische Mensch im Buch außer dem Mörder ist ein aufdringlicher Journaillist. Die alteingesessene Menschen im den kleinen Ort zwischen Wand und See sind mit Wärme und Charisma beschrieben.
Der Kriminalroman ist spannend und mit rasantem Showdown zu ziemlicher Grauslichkeit beschrieben. Trotzdem viel Spaß beim Lesen !
Alessandro Montano verbrachte viele Jahre am Gardasee und schrieb Kritiken für verschiedene Filmmagazine, bevor er in Bologna Filmgeschichte lehrte. 2017 erschien sein erster Roman »Die Toten vom Gardasee«. Der Folgeroman heißt "Fluch am Gardasee".
Samstag, 15. September 2018
Erling Sandmo : "Ungeheuerlich - Seemonster in Karten und Literatur 1491-1895"
Erling Sandmo :
"Ungeheuerlich - Seemonster in Karten und Literatur 1491-1895"
original "Uhyrlig"
2017, Olso
aus dem Norwegischen übersetzt von Sylvia Kall
2018, Nagel & Kimche
91 Seiten - dickes ausgeschnittenes Cover durch das ein Fischmonster-Auge lugt + 2 Seiten Quellen
ISBN : 978-3-312-01094-3
Phantasievolle Tiere der Wasserwelt die auf Karten die sich in Norwegens Büchereien befinden sind hier liebevoll beschrieben und erläutert. Kapitelweise wird auf zwei Seiten das ausgewählte mehr oder minder gefährliche Wassermonster beschrieben und auf den folgenden zwei Seiten ist die schöne Abbildung dazu.
Bischof Erik Pontoppidan und Olaus Magnus sind die Grundlagen für das meiste Getier. In die Beschreibungen geht einerseits katholische Bewertung von gar fürchterlichen Verbrechen wie Sinnlichkeit einher; andererseits wird auch auf Übersetzungsfehler eingegangen die dann zu ziemlich schrägen Umsetzungen führten. Andere Übersetzer von Grundlagentexten sind weniger klerikal unterwegs.
Es werden Superriesenkraken beschrieben, phantasievoll zusammengesetzte Fabelwesen, singende Wesen die wir aus der Odyssee kennen aber in den Norden reklamiert werden, verschiedene Walarten die Jonas beherbergt hatten, etc.
Das schmale Buch mit gutem hartem Einband ist entzückend und macht es macht Spaß einerseits den Angstphantasien der Menschen auf dem Meer zu folgen, aber mir noch mehr die faszinierenden Zeichnungen zu betrachten. Viel Freunde dabei !
Erling Sverdrup Sandmo wurde am 6. November 1963 geboren. Er ist Historiker, Musikkritiker und hat eine Radiosendung. Außerdem ist der Professor für Geschichte und Archäologie an der Universität Oslo.
"Ungeheuerlich - Seemonster in Karten und Literatur 1491-1895"
original "Uhyrlig"
2017, Olso
aus dem Norwegischen übersetzt von Sylvia Kall
2018, Nagel & Kimche
91 Seiten - dickes ausgeschnittenes Cover durch das ein Fischmonster-Auge lugt + 2 Seiten Quellen
ISBN : 978-3-312-01094-3
Phantasievolle Tiere der Wasserwelt die auf Karten die sich in Norwegens Büchereien befinden sind hier liebevoll beschrieben und erläutert. Kapitelweise wird auf zwei Seiten das ausgewählte mehr oder minder gefährliche Wassermonster beschrieben und auf den folgenden zwei Seiten ist die schöne Abbildung dazu.
Bischof Erik Pontoppidan und Olaus Magnus sind die Grundlagen für das meiste Getier. In die Beschreibungen geht einerseits katholische Bewertung von gar fürchterlichen Verbrechen wie Sinnlichkeit einher; andererseits wird auch auf Übersetzungsfehler eingegangen die dann zu ziemlich schrägen Umsetzungen führten. Andere Übersetzer von Grundlagentexten sind weniger klerikal unterwegs.
Es werden Superriesenkraken beschrieben, phantasievoll zusammengesetzte Fabelwesen, singende Wesen die wir aus der Odyssee kennen aber in den Norden reklamiert werden, verschiedene Walarten die Jonas beherbergt hatten, etc.
Das schmale Buch mit gutem hartem Einband ist entzückend und macht es macht Spaß einerseits den Angstphantasien der Menschen auf dem Meer zu folgen, aber mir noch mehr die faszinierenden Zeichnungen zu betrachten. Viel Freunde dabei !
Erling Sverdrup Sandmo wurde am 6. November 1963 geboren. Er ist Historiker, Musikkritiker und hat eine Radiosendung. Außerdem ist der Professor für Geschichte und Archäologie an der Universität Oslo.
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Freitag, 22. September 2017
Gil Ribeiro : "Lost in Fuseta"
Gil Ribeiro :
"Lost in Fuseta" - ein Portugal-Krimi
2017, Kiepenheuer & Witsch Köln
374 Seiten + 2 Seiten Danksagung + 2 Seiten 'Über den Roman'
ISBN 978-3-462-04887-2
In diesem unterhaltsamen und durchaus fröhlichen Krimi werden das Ermittlerpaar bildhübsche, temperamentvolle Graciana Rosado und verfressene Carlos Esteves durch innereuropäischen Polizeiaustausch der deutsche Leander Lost zusammen auf Verbrecherjagd geschickt. Ein Toter einem Schiff bei einer Insel, eine frühere Tote bei einem Verkehrsunfall, zwei komplett ausgebrannte Behausungen, noch eine Leiche fordern die drei Menschen. Eine trickreiche Firma, die Wasser entnimmt und teuer verkaufen möchte, sowie Umweltaktivisten sind der Hintergrund für die Geschichte.
Zusätzlich hat Leander Lost das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus, die die Kommunikation seiner Umgebung ziemlich fordert da er nicht lügen kann; sein grandioses photographisches Gedächtnis und seine absolute Logik helfen nach Anfangsproblemen den Fall zu lösen.
Liebevolles rundherum ist die Familie von Graciana die sowohl Leander als auch eine Jugendliche liebevoll umsorgen. Der Eintopf mit Herzmuscheln klingt so gut, daß ich ihn gerne dem Buch entnommen hätte.
Die Orte der Handlung sind gut vorstellbar; vor allem wenn man in Portugal gewesen war, spielt sich vieles wie ein Film vor den Augen ab.
Die Menschen sind großteils als sympathische, freundliche, aufgeschlossene Mitmenschen geschildert. Das freundliche miteinander Umgehen und der liebevolle Humor sind schön zu lesen.
Es gibt keine Sex-Szenen, schon gar keine mühsamen und unnotwendigen. Nur eine Romanze liegt in der Luft, was fein zu Lesen ist .
Leider gibt es keine Seite Glossar über portugal-typische Wörter und Erläuterungen wie "Bica" (der portugiesische Espresso), Sagres (eine der typischen Bier-marken in Portugal) und paar Süßigkeiten, die sich zwar sehr süß aber sehr gut lesen.
In den Coverinnenseiten vorne und hinten sind Detailkarten von Portugal und der beschriebenen Gegend abgedruckt, die helfen sich in der Geographie zurecht zu finden.
In Summe in gemütliches Buch mit schöner Geschichte und sympathischen Menschen das gut zu lesen ist, und für einen verregneten Tag ideal geeignet ist. Viel Freude beim Lesen !
Gil Ribeiro, echter Name Holger Karsten Schmidt, wurde 1965 in Hamburg geboren. Er verliebte sich in das Land Portugal während seiner Interrailreisen und er reist noch heute gerne dorthin. Beruflich ist er Drehbuchautor. Derzeit lebt er in Baden-Württemberg, und in der Freizeit in Fuseta.
"Lost in Fuseta" - ein Portugal-Krimi
2017, Kiepenheuer & Witsch Köln
374 Seiten + 2 Seiten Danksagung + 2 Seiten 'Über den Roman'
ISBN 978-3-462-04887-2
In diesem unterhaltsamen und durchaus fröhlichen Krimi werden das Ermittlerpaar bildhübsche, temperamentvolle Graciana Rosado und verfressene Carlos Esteves durch innereuropäischen Polizeiaustausch der deutsche Leander Lost zusammen auf Verbrecherjagd geschickt. Ein Toter einem Schiff bei einer Insel, eine frühere Tote bei einem Verkehrsunfall, zwei komplett ausgebrannte Behausungen, noch eine Leiche fordern die drei Menschen. Eine trickreiche Firma, die Wasser entnimmt und teuer verkaufen möchte, sowie Umweltaktivisten sind der Hintergrund für die Geschichte.
Zusätzlich hat Leander Lost das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus, die die Kommunikation seiner Umgebung ziemlich fordert da er nicht lügen kann; sein grandioses photographisches Gedächtnis und seine absolute Logik helfen nach Anfangsproblemen den Fall zu lösen.
Liebevolles rundherum ist die Familie von Graciana die sowohl Leander als auch eine Jugendliche liebevoll umsorgen. Der Eintopf mit Herzmuscheln klingt so gut, daß ich ihn gerne dem Buch entnommen hätte.
Die Orte der Handlung sind gut vorstellbar; vor allem wenn man in Portugal gewesen war, spielt sich vieles wie ein Film vor den Augen ab.
Die Menschen sind großteils als sympathische, freundliche, aufgeschlossene Mitmenschen geschildert. Das freundliche miteinander Umgehen und der liebevolle Humor sind schön zu lesen.
Es gibt keine Sex-Szenen, schon gar keine mühsamen und unnotwendigen. Nur eine Romanze liegt in der Luft, was fein zu Lesen ist .
Leider gibt es keine Seite Glossar über portugal-typische Wörter und Erläuterungen wie "Bica" (der portugiesische Espresso), Sagres (eine der typischen Bier-marken in Portugal) und paar Süßigkeiten, die sich zwar sehr süß aber sehr gut lesen.
In den Coverinnenseiten vorne und hinten sind Detailkarten von Portugal und der beschriebenen Gegend abgedruckt, die helfen sich in der Geographie zurecht zu finden.
In Summe in gemütliches Buch mit schöner Geschichte und sympathischen Menschen das gut zu lesen ist, und für einen verregneten Tag ideal geeignet ist. Viel Freude beim Lesen !
Gil Ribeiro, echter Name Holger Karsten Schmidt, wurde 1965 in Hamburg geboren. Er verliebte sich in das Land Portugal während seiner Interrailreisen und er reist noch heute gerne dorthin. Beruflich ist er Drehbuchautor. Derzeit lebt er in Baden-Württemberg, und in der Freizeit in Fuseta.
Sonntag, 12. März 2017
Traudi und Hugo Portisch : "Die Olive & Wir"
Traudi und Hugo Portisch :
"Die Olive & Wir"
2009, Ecowin Verlag Salzburg
2 Seiten Vorwort + 214 Seiten + 2 Seiten "Liebe Leser .." + 1 Seite Dank
ISBN 978-3-902404-72-5
Ein Haus in der Toskana lädt ein, und das Ehepaar kauft dieses dank vieler Zufälle. Mit Glück kommen die richtigen Menschen zusammen und ein wunderschönes Heim entsteht inmitten von Oliven, und anderen schönen Pflanzen und Bäumen. Sie lernt die Sprache. Ein Kater bleibt, ein Hund, noch ein Kater und noch eine Hündin. Weihnachten und Sylvester werden dort erlebt.
Und - titelgebend - wird ein Film über das Ernten von Oliven mit Nachbarn nachgestellt und mit Ton während des Ausstrahlens bespielt, sehr zur Unterhaltung des Dorfes.
Den verschiedenen Kapiteln sind italienische Sprichworte mit deutscher Übersetzung vorangestellt. In den Kapiteln geht es um Weinbau, Oliven, Hunde, Hausbau, Nachbarschaftspflege, einen wunderbaren alten Mann als Gärtner, eine wunderbare Nachbarin als Haushälterin, die bodenständige Polizei, den Pfarrer, einen weisen Mann der zwischen Professor und Magier wirkt, zwei Begegnungen mit Eulen, Weinbau, Schnapsgewinnung etc.
Da in einem Kapitel von Lire geschrieben wird, sind diese Geschichten vermutlich in den 90-er Jahren erlebt worden, was ihren Reiz nicht schmälert.
Im Nachwort geht der politische Journalist kurz darauf ein, daß in Italien Politik zwar vorhanden ist, aber wenig im Leben der Menschen bestimmt. Es ist nicht einmal klar welcher der Nachbar welche politische Einstellung hat, was ihn ziemlich verwundert.
Das Buch ist gut zu lesen und strömt etwas Urlaubsfeeling. Viel Spaß dabei.
Hugo Portisch wurde am 19. Februar 1927 in Pressburg geboren. Seine Eltern und er mußten nach 1945 in St. Pölten bleiben. Hugo studierte dann an der Universität Wien Geschichte, Germanistik, Anglistik und Publizistik und schloss 1951 das Studium mit der Dissertation 'Das Zeitungswesen und die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika vor und während des Bürger-krieges 1861–1865'. Er arbeitete zuerst beim Kurier, später beim ORF, für den er als Auslandskorrespondent unterwegs war. Dann kamen geschichtliche Dokumentation für das Fernsehen u.a. über Österreich nach dem ersten und zweiten Weltkrieg.
Gertraude Portisch geboren und aufgewachsen in Wien, erwachsen geworden in England, heim-gekehrt nach Österreich, verheiratet mit dem Journalisten Hugo Portisch. Unter dem Namen Traudi Reich verfaßt sie eine Reihe von Kinder- und Jugendbüchern. Gertraude Portisch / Traudi Reich lebt und schreibt heute in Wien und der Toskana.
"Die Olive & Wir"
2009, Ecowin Verlag Salzburg
2 Seiten Vorwort + 214 Seiten + 2 Seiten "Liebe Leser .." + 1 Seite Dank
ISBN 978-3-902404-72-5
Ein Haus in der Toskana lädt ein, und das Ehepaar kauft dieses dank vieler Zufälle. Mit Glück kommen die richtigen Menschen zusammen und ein wunderschönes Heim entsteht inmitten von Oliven, und anderen schönen Pflanzen und Bäumen. Sie lernt die Sprache. Ein Kater bleibt, ein Hund, noch ein Kater und noch eine Hündin. Weihnachten und Sylvester werden dort erlebt.
Und - titelgebend - wird ein Film über das Ernten von Oliven mit Nachbarn nachgestellt und mit Ton während des Ausstrahlens bespielt, sehr zur Unterhaltung des Dorfes.
Den verschiedenen Kapiteln sind italienische Sprichworte mit deutscher Übersetzung vorangestellt. In den Kapiteln geht es um Weinbau, Oliven, Hunde, Hausbau, Nachbarschaftspflege, einen wunderbaren alten Mann als Gärtner, eine wunderbare Nachbarin als Haushälterin, die bodenständige Polizei, den Pfarrer, einen weisen Mann der zwischen Professor und Magier wirkt, zwei Begegnungen mit Eulen, Weinbau, Schnapsgewinnung etc.
Da in einem Kapitel von Lire geschrieben wird, sind diese Geschichten vermutlich in den 90-er Jahren erlebt worden, was ihren Reiz nicht schmälert.
Im Nachwort geht der politische Journalist kurz darauf ein, daß in Italien Politik zwar vorhanden ist, aber wenig im Leben der Menschen bestimmt. Es ist nicht einmal klar welcher der Nachbar welche politische Einstellung hat, was ihn ziemlich verwundert.
Das Buch ist gut zu lesen und strömt etwas Urlaubsfeeling. Viel Spaß dabei.
Hugo Portisch wurde am 19. Februar 1927 in Pressburg geboren. Seine Eltern und er mußten nach 1945 in St. Pölten bleiben. Hugo studierte dann an der Universität Wien Geschichte, Germanistik, Anglistik und Publizistik und schloss 1951 das Studium mit der Dissertation 'Das Zeitungswesen und die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika vor und während des Bürger-krieges 1861–1865'. Er arbeitete zuerst beim Kurier, später beim ORF, für den er als Auslandskorrespondent unterwegs war. Dann kamen geschichtliche Dokumentation für das Fernsehen u.a. über Österreich nach dem ersten und zweiten Weltkrieg.
Gertraude Portisch geboren und aufgewachsen in Wien, erwachsen geworden in England, heim-gekehrt nach Österreich, verheiratet mit dem Journalisten Hugo Portisch. Unter dem Namen Traudi Reich verfaßt sie eine Reihe von Kinder- und Jugendbüchern. Gertraude Portisch / Traudi Reich lebt und schreibt heute in Wien und der Toskana.
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Dienstag, 28. Februar 2017
Siegfried Lenz : "Der Mann im Strom"
Siegfried Lenz :
"Der Mann im Strom"
Roman
1957, Lizenz Hoffmann und Campe, Hamburg / 1975, Fackelverlag AG Brugg
201 Seiten
keine ISBN
Hinrich ist über 50 Jahre alt, was ihn dazu bringt sein Geburtsdatum zu ändern damit er Arbeit als Taucher bekommt und seine Tochter und seinen Sohn ernähren kann. Er bekommt rasch Arbeit und freundet sich mit Kuddl einem ruhigen Mann an. Inzwischen taucht Manfred wieder auf - der bei Hinrich als Taucher gelernt hatte, seine Tochter Lena liebt und schwängerte bis er verschwand und jetzt als Führer einer Diebstahlsbande lebt. Leider kommt der Urkundendiebstahl von Hinrich auf, und Manfred stirbt bei einem Tauchgang mit Diebstahlsabsicht.
Diese Geschichte wird dicht beschrieben. Hinrich der ruhig und besonnen versucht Arbeit zu bekommen und dann genauso ruhig dem Tauchen nachgeht, wobei er seinem Boss viel bringt. Manfred war zuerst ein offener Mensch, als er hier in der Geschichte wiederkommt wird er als Mensch mit schmalen Augen, Spott und Verachtung geschildert. Lena liebt ihn am Anfang, träumt von einer gemeinsamen Zukunft mit ihm und dem Kind, entschließt sich dann doch gegen ihn und für ihren Vater.
Das Thema Alter am Arbeitsmarkt war damals offenbar genauso ein Thema, wie es heute wieder ist. Damals wie heute war man ab einem gewissen Alter nur noch ein altes Schiffswrack das ausgeschlachtet wurde, bevor es verschrottet wurde. Hinrich hat zwei Absätze in denen er sich mit einem der abgewrackten Schiffe vergleicht - die ziemlich unter die Haut gehen.
Ort der Handlung ist Hamburg, am Hafen. Es werden viele Ausdrücke aus dem See- und Tauchbereich verwendet, von denen mir einige nicht bekannt waren (aber die Dichte und Vorstellungskraft des Buches nicht beeinträchtigten).
Der Autor nennt Hinrich oft beim Namen, Manfred ist lange nur "der Junge" bis auch sein Name eingesetzt wird. Dafür ist in der Diebstahlsgruppe einer der "Kleine". Lena und Timmo werden immer mit Namen genannt. Kuddl wird immer mit Namen genannt, der Boss ist meist der Boss. Der Hintergrund mit Politikern und afrikanischem Präsidenten bleibt namenlos.
Ich habe die schöne Sprache und die Bilder die mit Worten gezeichnet werden, sehr genossen.
Im Summe ein wunderbares Buch, das in die Geschichte hineinzieht - auch wenn sie nicht positiv ist. Viel Freude beim Lesen !
Siegfried Lenz wurde am 17. März 1926 in Lyck, Ostpreußen geboren. Er hat über hundert Erzählungen, Hörspiele, Essays, Theaterstücke, Reden sowie Rezensionen umfasst. Als eines seiner bekanntesten Werke zählt der Roman 'Deutschstunde' aus dem Jahr 1968, welcher die geläufige Aussage, man habe während des Nationalsozialismus nur seine Pflicht getan, kritisch durchleuchtet. Das Werk zählt zu den größten Verkaufserfolge in Deutschland nach 1945. Er starb am 7. Oktober 2014 in Hamburg.
"Der Mann im Strom"
Roman
1957, Lizenz Hoffmann und Campe, Hamburg / 1975, Fackelverlag AG Brugg
201 Seiten
keine ISBN
Hinrich ist über 50 Jahre alt, was ihn dazu bringt sein Geburtsdatum zu ändern damit er Arbeit als Taucher bekommt und seine Tochter und seinen Sohn ernähren kann. Er bekommt rasch Arbeit und freundet sich mit Kuddl einem ruhigen Mann an. Inzwischen taucht Manfred wieder auf - der bei Hinrich als Taucher gelernt hatte, seine Tochter Lena liebt und schwängerte bis er verschwand und jetzt als Führer einer Diebstahlsbande lebt. Leider kommt der Urkundendiebstahl von Hinrich auf, und Manfred stirbt bei einem Tauchgang mit Diebstahlsabsicht.
Diese Geschichte wird dicht beschrieben. Hinrich der ruhig und besonnen versucht Arbeit zu bekommen und dann genauso ruhig dem Tauchen nachgeht, wobei er seinem Boss viel bringt. Manfred war zuerst ein offener Mensch, als er hier in der Geschichte wiederkommt wird er als Mensch mit schmalen Augen, Spott und Verachtung geschildert. Lena liebt ihn am Anfang, träumt von einer gemeinsamen Zukunft mit ihm und dem Kind, entschließt sich dann doch gegen ihn und für ihren Vater.
Das Thema Alter am Arbeitsmarkt war damals offenbar genauso ein Thema, wie es heute wieder ist. Damals wie heute war man ab einem gewissen Alter nur noch ein altes Schiffswrack das ausgeschlachtet wurde, bevor es verschrottet wurde. Hinrich hat zwei Absätze in denen er sich mit einem der abgewrackten Schiffe vergleicht - die ziemlich unter die Haut gehen.
Ort der Handlung ist Hamburg, am Hafen. Es werden viele Ausdrücke aus dem See- und Tauchbereich verwendet, von denen mir einige nicht bekannt waren (aber die Dichte und Vorstellungskraft des Buches nicht beeinträchtigten).
Der Autor nennt Hinrich oft beim Namen, Manfred ist lange nur "der Junge" bis auch sein Name eingesetzt wird. Dafür ist in der Diebstahlsgruppe einer der "Kleine". Lena und Timmo werden immer mit Namen genannt. Kuddl wird immer mit Namen genannt, der Boss ist meist der Boss. Der Hintergrund mit Politikern und afrikanischem Präsidenten bleibt namenlos.
Ich habe die schöne Sprache und die Bilder die mit Worten gezeichnet werden, sehr genossen.
Im Summe ein wunderbares Buch, das in die Geschichte hineinzieht - auch wenn sie nicht positiv ist. Viel Freude beim Lesen !
Siegfried Lenz wurde am 17. März 1926 in Lyck, Ostpreußen geboren. Er hat über hundert Erzählungen, Hörspiele, Essays, Theaterstücke, Reden sowie Rezensionen umfasst. Als eines seiner bekanntesten Werke zählt der Roman 'Deutschstunde' aus dem Jahr 1968, welcher die geläufige Aussage, man habe während des Nationalsozialismus nur seine Pflicht getan, kritisch durchleuchtet. Das Werk zählt zu den größten Verkaufserfolge in Deutschland nach 1945. Er starb am 7. Oktober 2014 in Hamburg.
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Wertung - 4 Bücher
Sonntag, 28. September 2014
Christoph Ransmayr : "Morbus Kitahara"
Christoph Ransmayr :
"Morbus Kitahara"
Roman
1997, S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt
434 Seiten + 2 Seiten Inhaltsverzeichnis
ISBN 3-596-13782-9
Das Buch ist ein wunderschöner, dichter, düsterer Roman der mit feinen und starken Strichen den Untergang einer Region nach dem Krieg erzählt.
Der Untergang ist von oben befohlen : es werden die Schienen zerlegt und Maschinen entfernt, damit die Menschen die früher um ein Konzentrationslager gelebt haben Sühne leisten. Unter den Menschen leben ein Schmied, seine bigotte Frau und ein Junge der zuerst wie ein Vogel spricht und erst spät die menschliche Sprache erlernt. Bering lernt Schmied wie sein Vater und mit Tricks schafft es die Familie, daß sie es ihren Amboß nicht verlieren. Die Schmiedekünste führen Bering zu einem mächtigen Mann, der in einer verfallenen Villa mit herrenlosen Hunden lebt. Sie folgen ihm, weshalb Ambras als Hundeführer gilt. Als dritte Persönlichkeit ist Lily geschildert - sie träumt von Brasilien, ist aber kundig in Geheimpfaden übers Gebirge zu anderen Menschen, zum Leben hin.
Passierscheine gibt es fast nicht zu ergattern, sondern Sühne wird in theatralischen militärischen Shows verlangt. Dann beschließt das Militär auch noch den letzten Stolz der Menschen zu demontieren - den Steinbruch mit grünem Granit. Alle werden ausgesiedelt, da dies Sperrgebiet wird. Jetzt dürfen sie weg - sind aber nicht glücklich. Lily, Bering und Ambras fahren wirklich nach Brasilien - ob jeder zum seinem Ziel, seinem Wunsch kommt ?
Das Buch ist faszinierend geschrieben. Menschen die deprimiert sind, ist diesen Buch nicht zu empfehlen, aber anderen die in diese beschriebene Welt der Düsternis, des Bergwerks, des Militärs das zwingt und demütigt, Bering der sich mit dem Bau eines vogelartigen Autos (die Krähe) verwirklichen darf, eine zarte unerfüllte Liebe zu Lily spüren darf, Ambras dessen Frau (eine zarte schöne Jüdin) schwer mißhandelt wurde und ihm im Steinbruch/Konzentrationslager die Schultergelenke ruiniert wurden, Lily die nie ihr Ziel vor Augen verliert und überall behende durchkommt.
Morbus Kitahara ist das Wort für die blinden / schwarzen Flecken in Berings Augen. Die Frage des Arztes lautet: was willst du nicht sehen ? beantworte die Frage, dann gehen die Flecken wieder weg.
Mich hat die Sprache des Autors mit seinem Metaphern fasziniert. Er schreibt von der 'Wildnis der Kabel' und ähnliche Vergleiche die mich in den Roman hineingezogen haben.
Ich wünsche viel Freude beim Eintauchen in diesen großartigen Roman.
Christoph Ransmayr wurde am 20. März 1954 in Wels (OÖ) geboren. Er studiert Ethnologie und Philosophie in Wien und arbeitete als Redakteur/Autor für Zeitschriften. Seit 1982 ist er hauptberuflicher Schriftsteller. Er hat viele renommierte Preise und Auszeichnungen erhalten.
"Morbus Kitahara"
Roman
1997, S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt
434 Seiten + 2 Seiten Inhaltsverzeichnis
ISBN 3-596-13782-9
Das Buch ist ein wunderschöner, dichter, düsterer Roman der mit feinen und starken Strichen den Untergang einer Region nach dem Krieg erzählt.
Der Untergang ist von oben befohlen : es werden die Schienen zerlegt und Maschinen entfernt, damit die Menschen die früher um ein Konzentrationslager gelebt haben Sühne leisten. Unter den Menschen leben ein Schmied, seine bigotte Frau und ein Junge der zuerst wie ein Vogel spricht und erst spät die menschliche Sprache erlernt. Bering lernt Schmied wie sein Vater und mit Tricks schafft es die Familie, daß sie es ihren Amboß nicht verlieren. Die Schmiedekünste führen Bering zu einem mächtigen Mann, der in einer verfallenen Villa mit herrenlosen Hunden lebt. Sie folgen ihm, weshalb Ambras als Hundeführer gilt. Als dritte Persönlichkeit ist Lily geschildert - sie träumt von Brasilien, ist aber kundig in Geheimpfaden übers Gebirge zu anderen Menschen, zum Leben hin.
Passierscheine gibt es fast nicht zu ergattern, sondern Sühne wird in theatralischen militärischen Shows verlangt. Dann beschließt das Militär auch noch den letzten Stolz der Menschen zu demontieren - den Steinbruch mit grünem Granit. Alle werden ausgesiedelt, da dies Sperrgebiet wird. Jetzt dürfen sie weg - sind aber nicht glücklich. Lily, Bering und Ambras fahren wirklich nach Brasilien - ob jeder zum seinem Ziel, seinem Wunsch kommt ?
Das Buch ist faszinierend geschrieben. Menschen die deprimiert sind, ist diesen Buch nicht zu empfehlen, aber anderen die in diese beschriebene Welt der Düsternis, des Bergwerks, des Militärs das zwingt und demütigt, Bering der sich mit dem Bau eines vogelartigen Autos (die Krähe) verwirklichen darf, eine zarte unerfüllte Liebe zu Lily spüren darf, Ambras dessen Frau (eine zarte schöne Jüdin) schwer mißhandelt wurde und ihm im Steinbruch/Konzentrationslager die Schultergelenke ruiniert wurden, Lily die nie ihr Ziel vor Augen verliert und überall behende durchkommt.
Morbus Kitahara ist das Wort für die blinden / schwarzen Flecken in Berings Augen. Die Frage des Arztes lautet: was willst du nicht sehen ? beantworte die Frage, dann gehen die Flecken wieder weg.
Mich hat die Sprache des Autors mit seinem Metaphern fasziniert. Er schreibt von der 'Wildnis der Kabel' und ähnliche Vergleiche die mich in den Roman hineingezogen haben.
Ich wünsche viel Freude beim Eintauchen in diesen großartigen Roman.
Christoph Ransmayr wurde am 20. März 1954 in Wels (OÖ) geboren. Er studiert Ethnologie und Philosophie in Wien und arbeitete als Redakteur/Autor für Zeitschriften. Seit 1982 ist er hauptberuflicher Schriftsteller. Er hat viele renommierte Preise und Auszeichnungen erhalten.
Sonntag, 7. April 2013
Carlos María Domínguez : "Wüste Meere"
Carlos María Domínguez :
"Wüste Meere"
original "mares baldíos"
2005, Carlos María Domínguez
aus dem Spanischen übersetzt von Elisabeth Müller
2006, Eichborn AG, Frankfurt
158 Seiten
ISBN 3-8218-5774-9
In diesem Buch sind sieben wunderschöne dichte Erzählungen abgedruckt, die sich alle mit dem Thema Wasser, Fluß oder Meer beschäftigen. Allen Geschichten ist für mich auch eine Art von Laissez-faire oder auch Toleranz eigen - man läßt dem anderen sein Tun. Die Geschichten sind dicht und schön geschildert, und gehören zu den wenigen Erzählungen die ich gerne gelesen habe und nicht mit dem Gefühl übrig geblieben bin, um einen Teil quasi betrogen worden zu sein.
In 'Johnnys Bekenntnis' lernt ein junger Uruguayer mitten unter seinen argentinischen Schwimmkollegen den großen Star Johnny Weißmüller kennen. Als alternder Star gibt er Masterclasses für die schwimmbegeisterte Jugend. Bei einem Wettschwimmen läßt der Junge den Alten gewinnen, weil er es braucht. Das Idol bekommt Risse, aber mit Menschlichkeit kommen die beiden auf neue Ebenen.
In 'Der Baum mit den Reihern' wird eine winzige Insel mit einem Baum, einer miserablen Hütte, einem Menschen und vielen Reihern von einem Orkan heimgesucht. Obwohl Orkane gewohnt, ist diesmal die nassen und windigen Elemente doch stärker als gewohnt. Der Mensch versucht Hütte und sich zu retten, verliert die Hütte aber überlebt. Die Reiher müssen ihn zwischendurch wärmen.
'Mancuso' ist ein alternder berühmter Pirat. Er versucht mit seiner Crew ein Schiff, das auf eine Sandbank gelaufen ist, zu heben und sich des Guts zu bemächtigen. Der Versicherungsbetrug des Eigentümers inkl. dessen machtvolle Vernetzungen sind stärker als er und seine Crew. Mißtrauen steigt, der Ruhm ist am Ende dahin. Die Mafia hat gesiegt.
'Die Falle im Sand' erzähltvon einem Schiff, das gute und schlechte Frachten gehabt hat und bereits mehrere Namen getragen hatte. Der Kapitän versucht das zu verheimlichen, denn Schiffe mit vielen Namen haben einen schlechten Ruf. Als sie auf einer neuen Sandbank des Rio Plato auflaufen (die Sandbänke sind hier tückisch und flexibel), werden ihm und seinen drei Leuten das Wohl des Schiffes anvertraut. Versicherungen, Beamte, Eigentümer streiten wie es weitergehen soll. Die Crew hält das Schiff bei einem Orkan. Später wird das Schiff gesichtet - es hat wieder einen neuen Namen.
In 'Delta' erzählt ein alter Mann gegen paar Schnäpse die Geschichte eines Mannes der Frau und Kind am Gardasee verläßt um wieder am Wasser zu arbeiten. Er schließt sich Marcia Brooke, einer Piratin in den Flüssen an. Als es durch die Entwicklung immer schwerer wird mit Piraterie Erfolg zu haben, zieht sich die Gruppe zurück. Der Sohn taucht auf und findet statt dem ersehnten reichen Vater ein Wrack, das sein Hirn durch zuviel Alkohol vernichtet hat. Als der Sohn geht, läßt er eine Schachtel zurück - ein Finger mit einem Ehering.
In 'Brände' erzählt ein ehemaliger erster Schiffsoffizier wie er im Irakkrieg auf einem imponierenden hochmodernen Tanker, der mit Inertgasen fährt (unbrennbar), bei einem Überfall und anschließender Panik, leider einen Menschen tötet/töten muß um die Hierarchie aufrecht zu halten. Er rettet damit das Schiff und die vielen Menschen an Mord. Reederei, Ministerium, alle anderen sprechen ihn von Verantwortung frei - nur er kann sich nicht verzeihen und zieht ans Land, mit Blick auf die großen Schiffe im Hafen.
'Eine aufrichtige Unterhaltung' findet zwischen einem polnischen Maschinisten (Mirko) und einem lateinamerikanischen Offizier (Adrede) bei einer Flasche Grappa statt. Jeder spricht nur seine Muttersprache. Sie sprechen von Zweifeln, alten Geschichten und alten Lieben. Keiner versteht die Wort, nur die Mimik. Am Schluß entdecken sie einen erfrorenen Chinesen (blinder Passagier) in der defekt geglaubten Klimaanlage an Bord und wickeln das Geheimnis in beider Fremdsprache (englisch) ab.
Die Geschichten sind zwischen 15 und 20 Seiten lang. Nur die letzte Erzählung braucht fast 30 Seiten.
Alle Geschichten habe ich gerne gelesen, und nach dem fertigwerden etwas nachwirken lassen. Es ist keine Hektik, sondern Gelassenheit vorherrschend.
Die Landschaften und Zustände des Wassers sind schön geschildert. Die handelnden oder erzählenden Personen gut vorstellbar. Kein Knick stört.
In Summe ein sehr schönes Buch, das ich Menschen die sich entspannen und gleichzeitig mit den Gedanken reisen wollen, sehr empfehlen kann.
Carlos María Domínguez wurde am 23. April 1955 in Buenos Aires geboren. Er lebt seit 1989 in Montevideo, wo er als Journalist für Wochenzeitschriften und literarische Wochenendbeilagen, Literaturkritiker und Schriftsteller arbeitet.
Andere auf deutsch erhältliche Bücher von ihm sind : 'Das Papierhaus'. Erzählung. Eichborn Verlag, Frankfurt 2004 (Originaltitel: 'Casa de Papel', übersetzt von Elisabeth Müller); 'Die blinde Küste'. Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin 16. August 2010 (Originaltitel: 'Costa Ciega', übersetzt von Susanne Lange). Seit 1985 schreibt er Erzählungen und Berichte die in Verlagen aus Argentinien und Uruguay verlegt sind. 2002 erhielt er 2 einheimische und einen spanischen Preis, 2004 einen aus Darmstadt und 2005 den Preis der jungen Autoren in Österreich.
"Wüste Meere"
original "mares baldíos"
2005, Carlos María Domínguez
aus dem Spanischen übersetzt von Elisabeth Müller
2006, Eichborn AG, Frankfurt
158 Seiten
ISBN 3-8218-5774-9
In diesem Buch sind sieben wunderschöne dichte Erzählungen abgedruckt, die sich alle mit dem Thema Wasser, Fluß oder Meer beschäftigen. Allen Geschichten ist für mich auch eine Art von Laissez-faire oder auch Toleranz eigen - man läßt dem anderen sein Tun. Die Geschichten sind dicht und schön geschildert, und gehören zu den wenigen Erzählungen die ich gerne gelesen habe und nicht mit dem Gefühl übrig geblieben bin, um einen Teil quasi betrogen worden zu sein.
In 'Johnnys Bekenntnis' lernt ein junger Uruguayer mitten unter seinen argentinischen Schwimmkollegen den großen Star Johnny Weißmüller kennen. Als alternder Star gibt er Masterclasses für die schwimmbegeisterte Jugend. Bei einem Wettschwimmen läßt der Junge den Alten gewinnen, weil er es braucht. Das Idol bekommt Risse, aber mit Menschlichkeit kommen die beiden auf neue Ebenen.
In 'Der Baum mit den Reihern' wird eine winzige Insel mit einem Baum, einer miserablen Hütte, einem Menschen und vielen Reihern von einem Orkan heimgesucht. Obwohl Orkane gewohnt, ist diesmal die nassen und windigen Elemente doch stärker als gewohnt. Der Mensch versucht Hütte und sich zu retten, verliert die Hütte aber überlebt. Die Reiher müssen ihn zwischendurch wärmen.
'Mancuso' ist ein alternder berühmter Pirat. Er versucht mit seiner Crew ein Schiff, das auf eine Sandbank gelaufen ist, zu heben und sich des Guts zu bemächtigen. Der Versicherungsbetrug des Eigentümers inkl. dessen machtvolle Vernetzungen sind stärker als er und seine Crew. Mißtrauen steigt, der Ruhm ist am Ende dahin. Die Mafia hat gesiegt.
'Die Falle im Sand' erzähltvon einem Schiff, das gute und schlechte Frachten gehabt hat und bereits mehrere Namen getragen hatte. Der Kapitän versucht das zu verheimlichen, denn Schiffe mit vielen Namen haben einen schlechten Ruf. Als sie auf einer neuen Sandbank des Rio Plato auflaufen (die Sandbänke sind hier tückisch und flexibel), werden ihm und seinen drei Leuten das Wohl des Schiffes anvertraut. Versicherungen, Beamte, Eigentümer streiten wie es weitergehen soll. Die Crew hält das Schiff bei einem Orkan. Später wird das Schiff gesichtet - es hat wieder einen neuen Namen.
In 'Delta' erzählt ein alter Mann gegen paar Schnäpse die Geschichte eines Mannes der Frau und Kind am Gardasee verläßt um wieder am Wasser zu arbeiten. Er schließt sich Marcia Brooke, einer Piratin in den Flüssen an. Als es durch die Entwicklung immer schwerer wird mit Piraterie Erfolg zu haben, zieht sich die Gruppe zurück. Der Sohn taucht auf und findet statt dem ersehnten reichen Vater ein Wrack, das sein Hirn durch zuviel Alkohol vernichtet hat. Als der Sohn geht, läßt er eine Schachtel zurück - ein Finger mit einem Ehering.
In 'Brände' erzählt ein ehemaliger erster Schiffsoffizier wie er im Irakkrieg auf einem imponierenden hochmodernen Tanker, der mit Inertgasen fährt (unbrennbar), bei einem Überfall und anschließender Panik, leider einen Menschen tötet/töten muß um die Hierarchie aufrecht zu halten. Er rettet damit das Schiff und die vielen Menschen an Mord. Reederei, Ministerium, alle anderen sprechen ihn von Verantwortung frei - nur er kann sich nicht verzeihen und zieht ans Land, mit Blick auf die großen Schiffe im Hafen.
'Eine aufrichtige Unterhaltung' findet zwischen einem polnischen Maschinisten (Mirko) und einem lateinamerikanischen Offizier (Adrede) bei einer Flasche Grappa statt. Jeder spricht nur seine Muttersprache. Sie sprechen von Zweifeln, alten Geschichten und alten Lieben. Keiner versteht die Wort, nur die Mimik. Am Schluß entdecken sie einen erfrorenen Chinesen (blinder Passagier) in der defekt geglaubten Klimaanlage an Bord und wickeln das Geheimnis in beider Fremdsprache (englisch) ab.
Die Geschichten sind zwischen 15 und 20 Seiten lang. Nur die letzte Erzählung braucht fast 30 Seiten.
Alle Geschichten habe ich gerne gelesen, und nach dem fertigwerden etwas nachwirken lassen. Es ist keine Hektik, sondern Gelassenheit vorherrschend.
Die Landschaften und Zustände des Wassers sind schön geschildert. Die handelnden oder erzählenden Personen gut vorstellbar. Kein Knick stört.
In Summe ein sehr schönes Buch, das ich Menschen die sich entspannen und gleichzeitig mit den Gedanken reisen wollen, sehr empfehlen kann.
Carlos María Domínguez wurde am 23. April 1955 in Buenos Aires geboren. Er lebt seit 1989 in Montevideo, wo er als Journalist für Wochenzeitschriften und literarische Wochenendbeilagen, Literaturkritiker und Schriftsteller arbeitet.
Andere auf deutsch erhältliche Bücher von ihm sind : 'Das Papierhaus'. Erzählung. Eichborn Verlag, Frankfurt 2004 (Originaltitel: 'Casa de Papel', übersetzt von Elisabeth Müller); 'Die blinde Küste'. Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin 16. August 2010 (Originaltitel: 'Costa Ciega', übersetzt von Susanne Lange). Seit 1985 schreibt er Erzählungen und Berichte die in Verlagen aus Argentinien und Uruguay verlegt sind. 2002 erhielt er 2 einheimische und einen spanischen Preis, 2004 einen aus Darmstadt und 2005 den Preis der jungen Autoren in Österreich.
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