Deon Mayer :
"Dreizehn Stunden"
original "13Uur"
2009,
Aus dem Afrikaans von Stefanie Schäfer
2011, Aufbau Taschenbuch
457 Seiten + 2 Seiten Danksagung + 2 Seiten Glossar von afrikaanssprachigen Wörtern + Leseprobe
ISBN 978-3-7466-2737-3
Bernie Griessel muß als Mentor zwei parallel laufende Morduntersuchungen in Kapstadt begleiten und leiten. Ein junge Amerikanerin und ein Plattenproduzent sind ermordet worden. Die Amerikanerin hat eine Freundin, die auf der Flucht vor Männern ist, beim Produzenten deutet alles auf seine immer betrunkene Ehefrau, eine ehemals berühmte Sängerin hin. Die Medien und internationale Probleme erleichtern nicht die Arbeit, genausowenig wie polizeiinterne Machtprobleme, Rassismus innerhalb der Polizei, Sexismus in den eigenen Reihen und am Schluß auch polizeiinterne Korruption. Der Verdacht auf Drogenhandel hält lange an, bis der Schwenk zu Organhandel auf höchstem Niveau offenbart wird. Am Schluß werden die Morde überraschend zusammen gelöst und ein weiterer verhindert.
Die Kapitelüberschriften sind Uhrzeiten, die von der Früh bis in den frühen Abend an einem Tag führen. Innerhalb dieser wird in Absätzen sprunghaft beschrieben was die junge Frau auf der Flucht macht und denkt, wie Inspector Griessel seine Alkoholsucht, seine Untreue, seine Überlegungen zu den Fällen, wie er seine Kollegen durch die Fälle choacht, wie er Probleme zu Vorgesetzten und zu Mitarbeitern versucht flach zu halten. Andere Polizisten und Polizistinnen vermischen ebenso private wie berufliche Probleme und zeigen oft keinerlei Bereitschaft zusammen zu arbeiten; dazu sitzt das Rassismusproblem in Südafrika zu tief.
Interessant ist was über den Musikmarkt geschrieben ist. Die Musikströmungen sagen mir zwar persönlich nichts, die Art wie über Musikpropuktion geschrieben wird hat mich fasziniert. Die Figur des ermordeten Musikproduzenten ist hier charismatisch, und für die Musikschaffenden überraschend positiv geschildert.
Der Roman ist spannend geschrieben. Leider hatte ich Schwierigkeiten mir die vielen Namen und Menschen zu merken und habe die "Figuren" öfters durcheinander gebracht, was das Lesen nicht einfach machte. Als Gegenpol zu dem rothaarischen, irisch-stämmigen Griesel, der als Mentor Ruhe bewahren muß, ist eine dicke unsympathische feministische taktlose schwarze Kaleni Mbali gezeichnet.
Im Glossar sind Afrikaans Wörter genannt, mir wären auch weitere Wörter aus dem geographischen Bereich in Kaptstadt, Hinweise auf Xhosa, etc. wichtig gewesen.
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Donnerstag, 16. Juli 2020
Dienstag, 25. August 2015
Lucía Puenzo : 'Wakolda"
Lucía Puenzo :
'Wakolda"
original " Wakolda"
2011, Emecé, Buenos Aires
aus dem argentinischen Spanisch von Rike Bolte
2012 Verlag Klaus Wagenbach, Berlin
200 Seiten
ISBN 978 3 8031 2715 0
In diesem dichten Roman wird die Geschichte eines jungen Mädchens erzählt, das etwas klein geraten ist, und in der argentinischen Pampa einem Arzt begegnet, der ihr Wachstum verspricht, und der geflohene Dr. Mengele ist.
Lilith und ihre Familie fahren ins argentinische Patagonien, um dort die Pension von Liliths Großmutter wiederzueröffnen. Auf einem Parkplatz kommt das Mädchen mit einem Mann ins Gespräch, der sich ihnen anschließt. Dieser Mann ist der erste Gast der Pension, und erwirbt das Vertrauen von Lilith und der Familie. Er investiert in das Puppenhobby von Enzo und interessiert sich für die Zwillingsschwangerschaft von Eva. Dank seines Tuns kommen die Zwillinge gut auf die Welt, und auch Eva überlebt. Er hilft mit Präparaten daß Lilith wächst und beide Zwillinge überleben. Die Präparate sind in den Konzentrationslagern zu Versuchen an Menschen entwickelt worden. Der israelische Geheimdienst ist den alten Hauptverbrechern aus den Konzentrationslagern - auch ihm - auf der Spur, und der Gast verschwindet im Schnee.
Die Figuren der jungen charmanten aufgeweckten aber kleinwüchsigen Lilith und der kühle besessene gewissensfreie Arzt sind eindrücklich geschildert. Lilith fragt direkt, schnüffelt im Zimmer des Arztes und entdeckt dort alte Nazi-Insignien, hält aber den Mund, weil sie der für sie charismatische Arzt fasziniert. Jose/Joseph reizt der Stammbaum der Familie mit schönen und unschönen Menschen und der Zwillingsbauch der Mutter; er hatte sich immer für Zwillingsgeburten und das Machbare bei den Frühgeburten interessiert. Auch mit Wachstum hat er experimentiert. Die Tragbarkeit der Folgen waren für ihn kein Thema, nur die Machbarkeit. Mitgefühl hat er keines; so wie diese Figur wenig Gefühle hat und nur auf Touren kommt wenn es um Versuche am Menschen geht. Die Flucht über Italien nach Argentinien, und daß sein Sohn ihn "Onkel Fritz" nennt, wird auch erzählt.
Vater Enzo hatte Lilith eine Puppe - Herlitzka -, mit weißer Porzellanhaut und sehr fein gemacht; diese tauscht sie als sie bei eine Nacht wegen Wolkenbruchs bei den Mapuche verbringen gegen eine hölzern und stofflich gemachte Puppe -Walkolda - ein. Die Puppen die Jose/Joseph herstellen läßt sind blonde blau-äugige weißhäutige Figuren, die für Exil-Nazis von Bedeutung sind.
Kurz wird das Nebenthema der Mapuche und Tehuelce in Argentinien angesprochen. Auch hier hatte es Konzentrationslager gegeben und Ausrottung von Kulturen. Einige wenige haben überlebt.
Eine weitere Nebenfigur ist Nora, die eines der Versuchskinder im Konzentrationslager gewesen war, und nur auf der Suche nach Menschen ist, die ihr das angetan haben. Sie bleibt im Schnee zurück.
Ort des Geschehens ist die Fahrt nach Bariloche, das Leben dort und der See Nahuel Huapi. Eine deutsche Schule hat es dort bereits vor dem zweiten Weltkrieg gegeben, weshalb dann die deutsch sprechenden Menschen, die nach dem zweiten Weltkrieg kamen nicht weiter auffielen.
Der Roman ist dicht, gut vorstellbar und faszinierend geschrieben/übersetzt. Die Figur der Lilith die dem Arzt alles glaubt, manches in Frage stellt, aber für einiges akzeptiert geht unter die Haut. Die Stellen in denen die neugeborenen Zwillinge unterschiedlich behandelt werden, machen mir Schauder.
In Summe in grandioses Buch, das jedem/r zu empfehlen ist der/die einen guten Roman lesen möchte, auch für Menschen die sich nicht für die Nachbetrachtung der Nazi-zeit interessieren mögen.
Lucía Puenzo wurde am 28. November 1976 in Buenos Aires geboren. Ihr Vater ist Filmdirektor Luis Puenzo - sie ist Autorin und Regisseurin. Ihr Debüt als Drehbuchautorin gab sie 2001 mit dem Dokumentarfilm (H) Historias cotidianas. Anschließend war sie vor allem für das Fernsehen tätig und verfasste Drehbücher für verschiedene Fernsehserien, wie etwa Final Minute. 2004 erschien ihr erster Roman "El niño pez", das erst 2009 auf deutsch "Das Fischkinder" schien. Im Jahre 2007 gab sie ihr Debüt als Regisseurin mit dem Filmdrama "XXY" , in dem es um Intersexualität geht. Für diesen wurde sie unter anderem 2008 mit dem 'Goya' in der Kategorie Bester ausländischer Film in spanischer Sprache ausgezeichnet. Sowohl "Das Fischkind" als auch "Wakolda" wurde verfilmt.
'Wakolda"
original " Wakolda"
2011, Emecé, Buenos Aires
aus dem argentinischen Spanisch von Rike Bolte
2012 Verlag Klaus Wagenbach, Berlin
200 Seiten
ISBN 978 3 8031 2715 0
In diesem dichten Roman wird die Geschichte eines jungen Mädchens erzählt, das etwas klein geraten ist, und in der argentinischen Pampa einem Arzt begegnet, der ihr Wachstum verspricht, und der geflohene Dr. Mengele ist.
Lilith und ihre Familie fahren ins argentinische Patagonien, um dort die Pension von Liliths Großmutter wiederzueröffnen. Auf einem Parkplatz kommt das Mädchen mit einem Mann ins Gespräch, der sich ihnen anschließt. Dieser Mann ist der erste Gast der Pension, und erwirbt das Vertrauen von Lilith und der Familie. Er investiert in das Puppenhobby von Enzo und interessiert sich für die Zwillingsschwangerschaft von Eva. Dank seines Tuns kommen die Zwillinge gut auf die Welt, und auch Eva überlebt. Er hilft mit Präparaten daß Lilith wächst und beide Zwillinge überleben. Die Präparate sind in den Konzentrationslagern zu Versuchen an Menschen entwickelt worden. Der israelische Geheimdienst ist den alten Hauptverbrechern aus den Konzentrationslagern - auch ihm - auf der Spur, und der Gast verschwindet im Schnee.
Die Figuren der jungen charmanten aufgeweckten aber kleinwüchsigen Lilith und der kühle besessene gewissensfreie Arzt sind eindrücklich geschildert. Lilith fragt direkt, schnüffelt im Zimmer des Arztes und entdeckt dort alte Nazi-Insignien, hält aber den Mund, weil sie der für sie charismatische Arzt fasziniert. Jose/Joseph reizt der Stammbaum der Familie mit schönen und unschönen Menschen und der Zwillingsbauch der Mutter; er hatte sich immer für Zwillingsgeburten und das Machbare bei den Frühgeburten interessiert. Auch mit Wachstum hat er experimentiert. Die Tragbarkeit der Folgen waren für ihn kein Thema, nur die Machbarkeit. Mitgefühl hat er keines; so wie diese Figur wenig Gefühle hat und nur auf Touren kommt wenn es um Versuche am Menschen geht. Die Flucht über Italien nach Argentinien, und daß sein Sohn ihn "Onkel Fritz" nennt, wird auch erzählt.
Vater Enzo hatte Lilith eine Puppe - Herlitzka -, mit weißer Porzellanhaut und sehr fein gemacht; diese tauscht sie als sie bei eine Nacht wegen Wolkenbruchs bei den Mapuche verbringen gegen eine hölzern und stofflich gemachte Puppe -Walkolda - ein. Die Puppen die Jose/Joseph herstellen läßt sind blonde blau-äugige weißhäutige Figuren, die für Exil-Nazis von Bedeutung sind.
Kurz wird das Nebenthema der Mapuche und Tehuelce in Argentinien angesprochen. Auch hier hatte es Konzentrationslager gegeben und Ausrottung von Kulturen. Einige wenige haben überlebt.
Eine weitere Nebenfigur ist Nora, die eines der Versuchskinder im Konzentrationslager gewesen war, und nur auf der Suche nach Menschen ist, die ihr das angetan haben. Sie bleibt im Schnee zurück.
Ort des Geschehens ist die Fahrt nach Bariloche, das Leben dort und der See Nahuel Huapi. Eine deutsche Schule hat es dort bereits vor dem zweiten Weltkrieg gegeben, weshalb dann die deutsch sprechenden Menschen, die nach dem zweiten Weltkrieg kamen nicht weiter auffielen.
Der Roman ist dicht, gut vorstellbar und faszinierend geschrieben/übersetzt. Die Figur der Lilith die dem Arzt alles glaubt, manches in Frage stellt, aber für einiges akzeptiert geht unter die Haut. Die Stellen in denen die neugeborenen Zwillinge unterschiedlich behandelt werden, machen mir Schauder.
In Summe in grandioses Buch, das jedem/r zu empfehlen ist der/die einen guten Roman lesen möchte, auch für Menschen die sich nicht für die Nachbetrachtung der Nazi-zeit interessieren mögen.
Lucía Puenzo wurde am 28. November 1976 in Buenos Aires geboren. Ihr Vater ist Filmdirektor Luis Puenzo - sie ist Autorin und Regisseurin. Ihr Debüt als Drehbuchautorin gab sie 2001 mit dem Dokumentarfilm (H) Historias cotidianas. Anschließend war sie vor allem für das Fernsehen tätig und verfasste Drehbücher für verschiedene Fernsehserien, wie etwa Final Minute. 2004 erschien ihr erster Roman "El niño pez", das erst 2009 auf deutsch "Das Fischkinder" schien. Im Jahre 2007 gab sie ihr Debüt als Regisseurin mit dem Filmdrama "XXY" , in dem es um Intersexualität geht. Für diesen wurde sie unter anderem 2008 mit dem 'Goya' in der Kategorie Bester ausländischer Film in spanischer Sprache ausgezeichnet. Sowohl "Das Fischkind" als auch "Wakolda" wurde verfilmt.
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Wertung - 4 Bücher
Sonntag, 24. April 2011
M.K.Wren : "Medusa Pool"
M.K.Wren :
"Medusa Pool"
1999, St. Martin's Press, New York
original "Neely Jones : The Medusa Pool"
aus dem Englischen von Annette Blum
2001, Unionsverlag Zürich
283 Seiten
ISBN 3-293-20211-X
Eine spannende Geschichte aus dem Unionsverlag, dessen Bücher mich immer wieder in den Bann ziehen.
Neely Jones, wird als erste schwarze Frau überraschend zum Sheriff gewählt - und das in Oregon. Ihr Freund, ein Meeresbiologe und Japaner, kurz darauf später in einem Pool aus Medusa Quallen tot schwimmend gefunden. Parallel taucht ein Agent auf, der sie informiert, daß ein Drogenboß unter falschem Namen im Ort ist und er versucht ihn endlich in flagranti zu erwischen. Und sie findet ein dickes Kuvert mit Geld unter einer der Laden ihres Vorgängers.
Am Ende finden alle diese Stränge in einem Showdown im Regen zueinander, einige Säulen der Gesellschaft werden der Ungesetzlichkeiten überführt, die Drogenleute endlich erwischt und zumindest bei einigen Menschen hat sich Sheriff Jones behauptet.
Rassismus ist das permanente Thema - egal ob innerhalb der Polizei oder in der Gesellschaft mit Skinheads.
Die Personen sind klar geschildert, auch wenn alles aus der Warte von Sherrif Jones beschrieben wird. Die Szenerien sind nicht so klar erkennbar, der Focus liegt auf den Menschen und deren (nicht) miteinander. Die Sprache führt rasch und manchmal mit pointierten coolen Vergleichen durch die Handlungs- und Seitendtränge. Tröstlich die Nähe des Meeres und dessen Ruhe.
Die Geschichte ist spannend, und an einem verregnete Sonn- oder Feiertag schön auslesbar. Viel Vergnügen
"Medusa Pool"
1999, St. Martin's Press, New York
original "Neely Jones : The Medusa Pool"
aus dem Englischen von Annette Blum
2001, Unionsverlag Zürich
283 Seiten
ISBN 3-293-20211-X
Eine spannende Geschichte aus dem Unionsverlag, dessen Bücher mich immer wieder in den Bann ziehen.
Neely Jones, wird als erste schwarze Frau überraschend zum Sheriff gewählt - und das in Oregon. Ihr Freund, ein Meeresbiologe und Japaner, kurz darauf später in einem Pool aus Medusa Quallen tot schwimmend gefunden. Parallel taucht ein Agent auf, der sie informiert, daß ein Drogenboß unter falschem Namen im Ort ist und er versucht ihn endlich in flagranti zu erwischen. Und sie findet ein dickes Kuvert mit Geld unter einer der Laden ihres Vorgängers.
Am Ende finden alle diese Stränge in einem Showdown im Regen zueinander, einige Säulen der Gesellschaft werden der Ungesetzlichkeiten überführt, die Drogenleute endlich erwischt und zumindest bei einigen Menschen hat sich Sheriff Jones behauptet.
Rassismus ist das permanente Thema - egal ob innerhalb der Polizei oder in der Gesellschaft mit Skinheads.
Die Personen sind klar geschildert, auch wenn alles aus der Warte von Sherrif Jones beschrieben wird. Die Szenerien sind nicht so klar erkennbar, der Focus liegt auf den Menschen und deren (nicht) miteinander. Die Sprache führt rasch und manchmal mit pointierten coolen Vergleichen durch die Handlungs- und Seitendtränge. Tröstlich die Nähe des Meeres und dessen Ruhe.
Die Geschichte ist spannend, und an einem verregnete Sonn- oder Feiertag schön auslesbar. Viel Vergnügen
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