Posts mit dem Label Freundschaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Freundschaft werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 11. Januar 2025

Pedro Badrán : "Verbrechen in der Provinz"

Pedro Badrán :
"Verbrechen in der Provinz" - Auch ein Kriminalroman
Kolumbien in der edition 8
original "Crimenes de providencia"
2022, Penguin Random House Grupo Editorial, Bogota
Aus dem kolumbianischen Spanisch übersetzt von Richard Gross
2024, edition 8
170 Seiten + 4 Seiten sehr umfangreiches Glossar + mauve-farbenes Lesebändchen
ISBN 978-3-85990-515-3

Rodolfo Cuesta beginnt sich mit dem Tod seines besten Freundes, Horacio, Sohn des Senators in einer fiktiven Stadt zu beschäftigen. Er war erschossen worden. Horacio war ein lebensfroher aber auch idealistischer Arzt gewesen, der sich mehr für die Armen engagiert hatte, als für die Karriere, wie es seinem mächtigen Vater besser gefallen hätte.
Rodolfo trifft sich mit Horacios Schwester Marielita und erzählt über die Zeit als er, als Kind einer Ladenbesitzerin und eines getöteten Aufständischen, im Haus des Senators immer willkommen war.
Sehr vorsichtig versucht er, selbst Arzt, das Geheimnis des eigenen Vaters, die vielen Geheimnisse um den Senator und gesellschaftliche Verstrickungen zu entwirren. Auch lernt er die letzten Freundin von Horacio kennen. Unterlagen werden versprochen und kommen nie an; Menschen sterben mit denen er sprechen möchte. Sehr langsam tastet er sich vor und fragt im Umfeld des Senators, den viele als Wohltäter der Stadt sehen.
Der Senator stirbt ebenfalls - aber einen natürlichen Todes. Ende gibt es keines.

Der Roman ist in Ich-Form aus Sicht von Rodolfo geschrieben.

Mich fasziniert die Langsamkeit in diesem Buch, in der sich einiges zäh entwickelt oder anderes nie entwirren wird.
Polizei, Gesellschaft, Politik und Überleben sind eng verkettet. Mord eines Sohnes wenn er gesellschaftlichen Normen widerhandelt wird in dieser Stadt nicht nur toleriert, sondern auch gut geheißen.

Die Rolle einer Tochter, oder Frau ist in dem Buch sehr unterschiedlich. Die Schwester ist Langzeitstudentin und hinterfragt alles. Ihre frühere beste Freundin war zuerst mit ihrem Bruder verheiratet, und nach dessen Ermordung mit ihrem früheren Schwiegervater und mit diesem glücklicher als zuvor. Rudolfos Mutter findet, daß der Senator ein Held ist und nicht kritisiert werden darf. 

Mich hat der Roman in den Bann gezogen. Viel Freude beim langsamen Lesen.

Pedro Badrán wurde 1960 geboren in Magangué (Departamento Bolívar), im Hinterland der karibischen Küste Kolumbiens. Er ist Nachkomme palästinensisch-syrischer Einwanderer. Er wuchs in Cartagena auf und studierte Linguistik in Bogotá, wo er heute als freier Schriftsteller lebt. Mit je fünf Romanen und Erzählungsbänden gilt er in der kolumbianischen Literatur als einer der herausragenden Vertreter der Post-post-García-Márquez-Generation. Sein erster auf Deutsch erschienener Roman "Der Mann mit der magischen Kamera" (edition 8, 2019) schaffte es auf die Hotlist der zehn besten Bücher aus unabhängigen Verlagen.

Dienstag, 31. Dezember 2024

Orhan Pamuk : "Die weiße Festung"

Orhan Pamuk :
"Die weiße Festung"
original "Beyaz kale"
1985, Can Yayinlari, Istanbul
Aus dem Türkischen von Ingrid Iren
1990, Insel Verlag / 2008 Fischer Verlag Frankfurt a. Main
206 Seiten + 2 Seiten Glossar
ISBN 978-3-596-17762-2

Ein Manuskript wird gefunden : in ihm erzählt ein junger gebildeter Venezianer wie er von Türken im 17. Jahrhundert gefangen genommen wird und dort sein Leben verbringt. Zuerst hilft er Mitgefangenen mit seinen rudimentären medizinischen Kenntnissen und bringt sich Türkisch bei; er wird weiterverkauft und landet bei dem "Hodscha", einen neugierigen wissensdurstigen Mann, der ihm ähnlich sieht. Der Venezianer gibt ihm Stück für Stück sein Wissen weiter und gemeinsam bereiten sie ein Feuerwerk vor, da alle in Istanbul in Staunen versetzt. Um Einfluß auf den Padischa zu erlangen schreiben die beiden Bücher über exotische (oft italienische) Tiere die in Fabeln den unabhängigen Geist des Jungen entwickeln soll, damit er sich aus den Intrigen lösen vermöge. Der Hodscha wird oft gerufen um aus Träumen, Wolken und Tierverhalten die Zukunft hervor zu sagen. Manchmal ist der Venezianer in der verknechteten Zusammenarbeit der geistig Führende, manchmal setzt er sich als Ziel den Hodscha zu zerstören oder wenigstens zu deprimieren. Der Padischah hält den Venezianer für den wahrhaft Intelligenten, und holt ab später diesen zu sich, während der Padischah an einer Riesenkanone arbeitet. Bei dem Feldzug ist das riesenhafte Ding unbrauchbar; der Hodscha und der Venezianer wechseln die Kleidung, und der Hodscha macht sich auf den Weg nach Venedig  ........

Die Geschichte wird aus Ich-Sicht des Venezianers erzählt; er beobachtet, kommentiert, fühlt, und erzählt von dem Leben in Istanbul an dem er lange nicht teilhaben kann, es später aber doch möglich ist.
Die Überlegungen, und Ängste des Venezianers ziehen in den Bann; er ist sich jederzeit bewußt, daß jederzeit sein Kopf rollen kann und wird.

Die Beziehung zwischen Hodscha und den Venezianer ist vielfältig und kompliziert; sie wechselt von Herr-Sklave, Arbeitsgemeinschaft, Freundschaft, gemeinsamen und verschiedenen Zielen und bei dem Venezianer auch Verkauf seiner Seele und Werte, mit Ausnahme der Aufgabe des Christentums.

Das Buch zog mich in den Bann; mich haben die Sprache, die Intensität, die feinen Bilder, und die Beschreibung der menschlichen Beziehungen sehr angesprochen. 

Viel Freude beim Lesen dieses wunderbaren Romans.

Orhan Pamuk  wurde am 7. Juni 1952 in Istanbul geboren. Er wurde erster türkischer Schriftsteller 2006 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet.

Sonntag, 19. Dezember 2021

Donna Leon : "Flüchtiges Begehren"

Donna Leon : 
"Flüchtiges Begehren" - Commissario Brunettis dreißigster Fall 
original "Transient Desires" 
Aus dem Amerikanischen von Werner Schmitz 
2021, Diogenes Verlag 
307 Seiten 
ISBN 978-3-257-07120-7

Zwei verletzte amerikanische Touristinnen werden vor einem Krankenhaus abgelegt, die jungen Männer die das tun verschwinden. Gemeinsam mit der Küstenwache kommt rasch heraus, daß diese beiden ein junger Anwalt aus guter Familie und der Neffe eines groben Schiffunternehmers waren, wobei diese beiden rasch die Geschichte zu dem Unfall erzählen. Parallel tut sich die Geschichte einer illegalen Prostituierten auf, die unter falschen Zukunftsaussichten ins Land geschmuggelt worden war, und erzählt wie ihre mitflüchtenden Frauen jämmerlich ertrunken waren. Die des Menschenhandels verdächtigen Personen werden erwischt, leider gibt es dann einen sympathischen Toten zuviel.

Brunetti liest in diesem Buch viel aus Tacitus, und geht der Idee nach wie es zu Gerüchten kommt - damals und heute.

Um Brunetti ist das bewährte Team aus Vianello, Griffoni und Singbar Elettra; auch Patta gibt es. zu Hause sind Paola und die beiden Kinder - wie gewohnt. Neu sind die jungen Männer Berto und Vito, der erfolgsgewohnte brutale Onkel von Vito, und die Mitarbeiter der Küstenwache. 

Behutsam wird das Thema Freundschaft behandelt. Auch wenn sich daraus mehr entwickeln kann.

Ich bin mit dem Ende gar nicht einverstanden; es hat mich geschockt, auch wenn ich mittlerweile die manchmal unbefriedigenden Geschichtsenden bei Frau Leon gewohnt sein sollte.

In Summe ein gewohnt guter Venedig-Roman, der diesmal viel auf der Giudecca spielt. Viel Freude am Lesen !

Montag, 31. Mai 2021

Marjane Satrapi : "Persepolis"

Marjane Satrapi :
"Persepolis"
2001 / 7. Auflage 2021 Edition Moderne, Zürich
Übersetzung : Stephan Pörtner
342 Seiten
ISBN 978-3-03731-210-0

Endlich habe ich mich in diese Graphic Novel begeben.
In dieser Ausgabe werden die Jugend von Marjane in Teheran zur Zeit des Schahs, die Änderungen unter dem Regime danach, ihr Leben als 14 bis 18-jährige in Wien mit französischer Schule und dann weitere vier Jahre in Teheran an der Kunstuniversität und mit ihrer (ersten) Ehe gezeichnet, erzählt, beschrieben, nachvollziehbar gemacht.

Sie beschreibt sich als denkende eher links-liberale einzige Tochter, für die der Glauben durchaus wichtig ist, auch ohne Kopftuch. Sie geht mit ihrer Mutter gegen die Einschränkungen demonstrieren. Sie widerspricht den engstirnigen doktrinären Lehrerinnen im islamischen Staat, weil nur Respekt gefordert, aber keiner gezollt wird.

In Wien hilft ihr die Freundin der Mutter leider nicht weiter, schiebt sie zu Nonnen ab, und in der französischen Schule muß sie sich erst Freunde/Freundinnen suchen. Sie lebt vier Jahre in Wien, lernt hier aber nur genug Deutsch um im Supermarkt einkaufen zu gehen. Hier hat sie immerhin ihre erste Liebe, der diese aber nicht zu schätzen weiß. 

Zurück in Teheran schreibt / zeichnet sie eine Doppelgesellschaft : einerseits verschleiert und brav als Frau zu sein, andererseits wilde Partys mit allem was verboten ist. 

Diese Graphic Novel erzählte mir fast wie in einem Buch die Geschichte der Halbwüchsigen, die Sorge der Eltern um diese, viele Menschen die nicht da sind, viele Cliquen, und viel Entwicklung.

Die Graphiken sind klare eher dicke Linien, die mich an Linolschnitte erinnern. Manchmal wird das schwarz-weiß umgedreht, das mir sehr gut gefallen hat.

In Summe ein faszinierendes Buch, das ich weiterborgen werde. Viel Freude beim Ansehen und Lesen !

Marjane  Statrapi wurde am 22. November 1969 in Rascht, im jetzigen Iran geboren. Sie lebt jetzt in Paris und ist Comiczeichnerin.

Samstag, 13. Juni 2020

Pierre Martin : "Madame le Commissaire und der tote Liebhaber"

Pierre Martin :
"Madame le Commissaire und der tote Liebhaber" - ein Provence Krimi
2019, Knaur Verlag
370 Seiten
ISBN 978-3-426-52198-4

Kommissarin Isabelle Bonnet, die nach einer Dienstverletzung, wieder zurück ist, muß den hinterhältigen Mord an ihrem Ex-Liebhaber, dem Bürgermeister Thierry, aufklären. Neu im Ort ist ein charismatischer Künstler. Isabelle recherchiert im Ort der Ermordung und entdeckt, daß Thierry auf der Spur deutscher Künstler gewesen war, die vor dem NS-Regime in die Provence geflohen waren, um dann vor der Vichy-Regierung zu fliegen. Spät setzt sich die Informationen zusammen, daß Thierry ein Frauenheld, sehr charmant, offen für Umweltanliegen und erfolgreich, und damit Neider auf den Spielplan rief.

Der Krimi ist der sechste Band dieser Serie und ist gut geschrieben. Das Gefühl für kleine Ort der Provence, Nähe zu Meer, und gutem Essen ist spürbar.

Die Menschen sind optisch überraschend wenig beschrieben, aber genug skizziert um ein Greifbarkeit zu erzeugen. Als 'running gag' entpuppt sich der Assistent Apollinaire, der Computeraffin ist, und bei dem sich seine innere Korrektheit mit äußerlichem Chaos ausdrückt.

Es gibt die Menschen in Ort, und einen Neuzugang im Ort, über den alle sprechen, und der sich die Neugier höflich freundlich distanziert auf Abstand zu halten weiß. Isabelles Freund in der Kunstbranche freut sich über diesen Neuzugang.

Bei Regen ist dieses Buch ideal. Viel Spaß beim Lesen !

Pierre Martin ist Pseudonym. Er veröffentlichte unter diesem Namen seit 2014 den ersten Krimi mit Kommissarin Isabelle Bonnet und ihr Assistent Apollinaire 'Madame le Commissaire und der verschwundene Engländer'. 2020 erschien der siebente Roman dieser Serie.

Sonntag, 5. August 2018

Marie-Sabine Roger : "Das Leben ist ein listiger Kater"

Marie-Sabine Roger :
"Das Leben ist ein listiger Kater"
Roman
original "Bon rétablissement"
2012, Èditions du Rouergue
Aus dem Französischen von Claudia Kalscheuer
2014, Atlantik Verlag
217 Seiten
ISBN 978-3-455-60002-5

Jean-Pierre ist Witwer und findet sich in einem Krankenbett wieder. Der Polizist bemüht sich herauszubekommen was passiert ist. Ein studierender Stricher hatte ihn aus der Seine gefischt. Ein rundliches Mädchen kommt ihn im Zimmer besuchen und borgt sich einfach seinen Computer aus. Seine Familie nervt ihn.
Sein rauhbeiniger Charme - er war viel auf Schiffen unterwegs gewesen - kommt bei den Krankenschwestern gut an; bei den Ärzten weniger.
Humorvoll bis zynisch erzählt er vom Krankenhausalltag; traurig auf seine Ehe, in der seine Frau wegen unerfülltem Kinderwunsch immer mehr von ihm abdriftete, und die alleine starb als er weit entfernt war.
Am Schluß gibt es vier Menschen mit denen er in Kontakt bleiben möchte und dafür auch etwas tut.

Die Geschichte ist aus Ich -Sicht erzählt, weil Jean-Pierre an seinen Memoiren formuliert. Eigentlich nerven ihn alle - vor allem die Familie und das manierenlose runde Mädchen Maeva. Nur der Polizist Maxime der nicht aufgibt um das Rätsel um seinen Unfall zu lösen und der junge Mann Camille, der ihn aus der Seine gefischt hat, kommen durch seine harte Schale. Aus seiner Schulzeit poppt eine alte Freundschaft mit Serge auf, die  mit ziemlich skurrillen e-mail-verkehr dargestellt wird.

Die Geschichte ist humorvoll erzählt. Erst langsam wird klar wie sehr sich Jean-Pierre zurückgezogen hat und Menschen nicht mehr um sich haben möchte. Sein kauziger Charme und seine direkte Art machen es nicht einfach für sein Umfeld; daß er sein Herz am rechten Fleck hat ist aber auch klar.

Es macht Spaß die Charaktere zu beobachten, bei den Schilderungen des Krankenhausalltages vergeht der Spaß manchmal. Ort der Handlung ist ein Krankenzimmer.

Immer wieder werden Schriftsteller genannt. Manche sind weltweit bekannt, andere mehr frankophilen Leserinnen und Lesern.

Der französische Originaltitel heißt übersetzt "Gute Gesserung". Kater gibt es einen in der Geschichte; er fügt einige Puzzlestücke zusammen und trägt einen originellen Namen.

In Summe ein Roman, der die Seele wärmt und Hoffnung auf Freunde und liebevolle Menschen macht. Viel Freude beim Lesen !

Marie-Sabine Roger wurde am 19. September 1957 in Bordeeaux geboren. Sie war Lehrerin in der Vorschule als das erste Buch eröffentlicht wurde. Mittlerweile ist sie ausschließlich Roman- und Kinderbuchautorin und hat über 30 Romane und 50 Kinderbücher veröffentlicht. Sie hat einige Zeit in Québec, Madagaskar und La Réunion gelebt.

Montag, 15. Mai 2017

Frank Tallis : "Vienna Blood"

Frank Tallis :
"Vienna Blood" - Volume two of the Liebermann Papers
2007, Arrow Books, U.K.
474 Seiten + 2 Seiten Acknowledgment and Sources
ISBN 978-0-099-47132-5

Auf deutsch ist der Kriminalroman unter dem Titel "Wiener Blut" erschienen. Der Titel bezieht sich auf einen Absatz in dem der Walzer dieses Namens gespielt wird.

Psychiater Max(imilian) Liebermann und sein guter Freund Inspektor Oskar Rheinhardt sind wieder auf der Suche nach einem Mörder. Die Lieblingsschlange des Kaisers in Schönbrunn wurde zerschnitten, drei Huren und ihre Puffmutter in einem Bordell bestialisch ermordet, ein dunkelhäutiger Diener erdolcht - Die Wien geht die Angst um. Zuerst wird ein Schlächter verdächtigt, aber die damals noch neue Technik einer Blutuntersuchung beweist, daß nur jede Menge Tierblut an seinen Kleidern ist.  Eine Aufführung der  "Die Zauberflöte" in der Staatsoper wird zum Schlüssel um endlich der Lösung nach zu kommen. Liebermann und Rheinhardt, die beide gebildete Mittelschicht mit verschiedenen Religionen darstellen, beginnen sich mit Kreisen zu beschäftigen die Ausländer, Zureisende, Andersfärbige, Andersreligiöse und Freimaurer zutiefst hassen. In einer Bibliothek kommt es zum Showdown mit Fechtszene.

Die Kriminalgeschichte ist großzügig geschrieben, in der Menschen, ihren Beweggründen und Bewegungen Raum gegeben wird, ohne zu kitschig zu werden.
Die Menschen sind unterschiedlichst.
Dem Titelgebenden Max Liebermann wird der meiste Platz eingeräumt: er ist verlobt und nicht wirklich glücklich. Fein wird beschrieben wie er damit umgeht, und wie die Gesellschaft mit seiner Entscheidung umgeht. Mir als Musikfan haben die Stellen in denen er Musik genießt bzw, mit dem Inspektor gemeinsam musiziert sehr gut gefallen. Als Psychiater sucht er auch den großen Freud auf. Neue Ideen werden entwickelt. Die Kapitel in denen er einen Patienten der in Liebe zu einer unerreichbaren Erzherzogin entbrannt ist schildert sind faszinierend; erschreckend eine altmodische Methode psychisch kranke Menschen durch Drehungen sogenannt zu kurieren.
Der Inspektor hat einen freundlichen Untergebenen, und einen mieselsüchtigen Vorgesetzten. Er selbst geht seinen Weg und versucht den Mord zu klären. Er ist ein wirklich guter Freund Liebermanns, der ihm als Mensch und Polizist zur Seite steht und seine Denkansätze zu schätzen weiß.
Die Künstler und Literaten aus dem deutsch-tümelden Bereich sind gut vorstellbar, auch wenn es fasziniert daß Menschen mit Hunde- oder Rattengesicht beschrieben werden. Künstler zerbrechen an ihrem Anspruch genial zu sein, aber zu bemerken, daß sie mittelmäßig sind. 
Die stolzen Uhlanen sind in dem Buch die Soldaten deren Benehmen mit Arroganz, Selbstgefälligkeit, und eigenartigen Werten mit Duellen und Ehrenmorden auffallen.

Es wird viel aus Wien beschrieben wie das Burgtheater, das Rathaus, die schwebende Straßenbahn, etc. Stimmungsmäßig ist festgehalten, daß die Freimaurer auch politisch bedroht sind, und sehr versteckt ihren Werten und Ritualen nachgehen müssen. Wien ist geographisch gut geschildert und als Wienerin sind die Wege und Strecken gut nachvollziehbar.

Die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten werden beschrieben. Max Liebermann lebt als gebildeter Mensch in seiner Schichte aber lernt viel aus anderen Leben durch seine Arbeit . Er erlebt auch die Oper in der Loge und genießt Gustav Mahler als Dirigent. Das Elend der Prostituierten, die verrauchten billigen Lokale sowie das Vegetieren der ganz Armen in den Kanälen unterhalb der Stadt wird bildhaft eingefangen.
Das Buch ist schönem reichen vielfältigen Englisch geschrieben. Ich habe jede Menge neuer schöner Adjektive und Redewendungen kennen gelernt (darunter einige Vokabel für 'durchsichtig').

Ich habe zwar länger an dem Buch gelesen, es aber sehr genossen. Viel Freude auch anderen Leserinnen und Lesern !
 
Frank Tallis, wurde am 1 September 1958in London geboren. Er ist klinischer Psychologe mit Spezialisierung auf Zwangsstörungen. Er schreibt sowohl Fachliteratur, als auch Kriminalgeschichten und Fantasyromane (diese allerdings unter dem Autorennamen 'F. R. Tallis')

Mittwoch, 3. August 2016

Alfred Komarek : "Polt"

Alfred Komarek :
"Polt"
Kriminalroman
2009, Haymon Verlag Innsbruck-Wien
163  Seiten
ISBN 978-3-85218-604-7

Simon Polt, ist ex-Gendarm im Wiesbachtal. Er hilft im Nahversorgungsladen des Ortes aus und sitzt damit bei Frau Aloisa an der Quelle des Dorftratsches; die Abende verbringt er mit Freundin Karin oder mit alten Freunden vor oder in deren Presshäusern und Weingärten. Als ein unbekannter Toter in den Weingärten gefunden wird, wird ein ortsfremder Kriminalist geschickt, gegen den eine Wand des Schweigens entsteht. Auch Polt kommt auf seine Art hier zu klären wenig weiter. Am Schluß ist Gewalt der Schlüssel des Mordes.

Die Menschen sind zurückhaltende Weinbauern, die niemandem, schon gar keinem fremden Polizisten trauen. Polt ist einer von ihnen; der Kommisar Primel der geschickt wird hat es schwer, auch weil er als ehemaliger Alkoholiker keinen Wein mehr anrührt. Ortspolizist Nobert gilt als ehrgeiziger Mann, der durch einen Weingarten und Presshaus aber ernst genommen wird. Häusliche Gewalt, v.a. gegen Frauen, ist leider etwas normales, wird aber weniger selbstverständlich akzeptiert als in der Generation davor.

Die getrunkenen Weine sind sehr unterschiedlich: von sehr saurem irgendwie gemischten Trauben bis zu önologisch feinen Tropfen wird alles beschrieben.

Polt liebt die Kellerstraße. Leider geben immer mehr Weinhauer diese Kellerlokale auf. Witzig sind die Situationen, indenen für eine Filmszene plötzlich Schulkinder organisiert und ein Festl verschoben wird, damit sich in der Kellergasse was tut. Auch aus dem Nachbardorf kommen Menschen, woraus sich wider alle Üblichkeiten Kontakte für die Zukunft ergeben.

Die Zukunft für Polt wird auch privat anders, da ihm eröffnet wird daß seine langjährige Freundin von ihm schwanger ist. Wie die beiden die ihr gewohntes sehr eigenes Leben habe, diese Situation besprechen, ist langsam und sehr liebevoll beschrieben.

Sein Kater heißt Czernohorski, kurz Czerno genannt. (Im Film ist es ein dicker roter Kater).

In Summe ein schön lesbares Buch, bei dessen Lesen, mir der Film (u.a. mit den Schauspielern/-innen Steinhauer, Karl, Orth, Rehberg, Obonya, etc.) vor Augen war, der sich v.a. in den Dialogen sehr genau an das Buch hält. Viel Freude beim Lesen !

Alfred Komarek wurde am 5. Oktober 1945 in Bad Aussee geboren. Er arbeitete neben dem Jus-Studium am Journalist und schrieb Texte, später wurde daraus Texte fürs Radio. Seine Texte wurden im ORF, und auch dem Bayerischen und Hessischen Rundfunk ausgestrahlt. Am bekanntesten sind diejenigen für die Natur Serie "Universum".
1998 erschien der erste von bisher sieben Kriminalromanen mit dem Gendarmen "Polt" der im niederösterreichischen Weinviertel nahe der tschechischen Grenze spielt. 2004 erschien der erste der bisher vier Kriminalromane mit Daniel Käfer, die in und um Bad Aussee spielen
Er lebt als freier Autor in Wien, Bad Aussee und in Niederösterreich.

Sonntag, 25. Oktober 2015

Adolf Opel : "Wo mir das Lachen zurückgekommen ist"

Adolf Opel :
"Wo mir das Lachen zurückgekommen ist - Auf Reisen mit Ingeborg Bachmann"
2001, Langen Müller / Herbigs Verlagsbuchhandlung GmbH, München
208  Seiten + 1 Seite Quellen- und Bildnachweis
ISBN 3-784-2830-4

In Tagebuch- und damit ich-form erzählt der Autor von seinen Reisen die er ab Jänner 1964 in Bezug auf Ingeborg Bachmann und mit ihr unternommen hat. Auf Besuch in Berlin im Jänner entstanden Ideen zu Reisen nach Prag und über Griechenland nach Äygpten. Beides haben sie auch wirklich unternommen : sie haben das graue Prag erlebt und mit Flauberts Beschreibungen unterstützt vieles von Ägypten gesehen. Im Juni 1964 reisen sie wieder über Griechenland zurück und das Buch endet - mit einer Stichwortliste wann die beiden danach noch in Verbindung miteinander waren.

Mich hat die Sprache und die Art und weise des Lebens in diesem geschilderten halben Jahr in einer Künstler- und Kreativenszene sehr fasziniert. Es werden bereits anerkannte, halbberühmte Menschen geschildert, und auch welche, in deren Zukunft doch keine Berühmtheit gelebt wird. Es ist verzaubernd wie diese Menschen ein Gemisch aus Wissen, Bildung mit Neugier mischen, wie selbstverständlich französisch und spanisch eingeflochten wird (ohne Übersetzung als Fußnote) und wie vergnüglich manche Berühmtheiten mehr oder weniger liebevoll gezeichnet werden.
Erstaunlich war zu lesen wie der Autor um die Hauptperson Frau Bachmann quasi 'herumgetanzt' und sorgsam versucht hat ihr alles so schön und wenig schmerzvoll zu machen (wenn dies nicht wahr ist, ist es zumindest sehr schön zu lesen).
Die große Dichterin, die viele aufgrund ihrer Art mit Worten wunderbar umzugehen, lieben und schätzen wird nach einer offenbar nicht gelungen Beziehung geschildert. Sie ist als sensibler, unsicherer Mensch gezeichnet, für den manches in dieser 'rauhen' Welt zuviel (geworden) sein dürfte.

Exkurs über Ingeborg Bachmann :  Ingeborg Bachmann wurde ab 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren und starb am 17. Oktober 1973 in Rom. Sie studierte Philosophie, Psychologie, Germanistik und Rechtswissenschaften, schrieb Geschichten, Gedichte, Hörspiele, Libretti und Prosatexte. Wichtige Männer in ihrem Leben waren Wiener Essayist und Literaturkritiker Hans Weigel, Komponist Hans Werner Henze und der Autor Max Frisch. Berühmt ist sie u.a. für Prosawerke wie "der Fall Franka" (1966), "Malina" (1971), Libretti für "Der junge Lord" und "Der Prinz von Homburg" und viele Gedichte und Erzählungen.

Die Schilderungen von Prag Mitte der 60-er Jahre mit den damaligen Besuchsproblemen beim Visum und wie unterschiedlich die Menschen dort waren gehen unter die Haut. Ganz anders ist Athen und die Menschen dort geschildert : faszinierend wie der Autor die Häuser, die Antiquitäten und dortige Künstlerszene beschreibt. Ägypten ist unterschiedlich mit Leben am Hausboot, in schlechten und sehr guten Hotels, Wüste mit Kamelknochen, und der vermutlich letzten Bootsfahrt zu Abu Simbel bevor diese beeindruckenden Riesenstatuen zu ihrem jetzigen Ort Transport vor der Flutung für den Stausee transportiert wurden.

Mich hat der Zauber dieser Reisen und Art und Weise der beiden Reisenden gemeinsam mit Flauberts Tagebuch über Ägypten fasziniert. Ich wünsche auch anderen Lesern und Leserinnen das gleiche Vergnügen.

Adolf Opel wurden am 12. Juni 1935 in Wien geboren. Er studiert zwischen 1953 und 1959 an der Universität Wien und der State University of Iowa (Iowa City, USA) Psychologie, Literatur- und Theater- und Filmwissenschaften Ab 1956 war er Journalist, Kritiker und Auslandskorrespondent und schrieb auch Theaterstücke, Radio-Features und Musicals. Er reiste auch viel.

Donnerstag, 4. September 2014

Francois Lelord : "Hector und das Wunder der Freundschaft"

Francois Lelord :
"Hector und das Wunder der Freundschaft"
aus dem Französischen von Ralf Pannowitsch
2010, Piper Verlag München
246 Seiten
ISBN 978-3-492-05166-8
Band fünf der "Hector"-Serie (ich haben keinen original französischen Titel veröffentlicht gefunden).

Hector wird aus seinen psychiatrischen Stunden gerissen um einem alten Freund zu helfen, der angeblich 3 Mio veruntreut haben soll. Da das Geld nicht offiziell war wird die Sache geheim gehalten, aber trotzdem viel Druck aufgebaut.
Über die verschiedenen Arten von Freundschaft nachdenkend reist Hector durch verschiedene Gegenden Asiens, sieht die Liebe von käuflichen Mädchen die sich einen Hauch von Romantik bewahrt haben, sieht Elephanten und findet den gesunden Freund auch. Dieser ist auf einem buddhistisch spirituellen Weg und hat das Geld genutzt Organisationen zu helfen. Er befindet sich bei als brutal verschrienen Menschen, die ihn bewundern. Nach Kidnapping und Einschalten von Journalisten gibt es ein Happy End.

Das Buch war mir geborgt worden, weil die Definition & Thema von Freundschaft für mich ein Thema war, und es mir ermöglichen sollte Antworten zu finden. Diese Erwartung ist enttäuscht worden. Die 21 Merksätze sind im Buch zusammengefaßt, und mit einem 22. Satz ergänzt.

Leider bin ich nicht in den Fluß dieses Romans hineingekommen. Vermutlich wirkten die theoretischen Betrachtungen von Aristoteles und Thomas von Aquin oder die von "Hector" bremsend auf mich. Auch daß sich der glücklich verheiratete "Hector" sind ziemlich oft mit Problem der möglichen Erotik zu allen möglichen Frauen im Buch herumschlägt, hat mich irritiert. Auch er findet übrigens Erotik in Freundschaft zwischen den Gendern problematisch und eher störend.

Gut gefallen haben mir Beschreibungen der Ländern, Wälder, Menschen in Asien. Die Geschichte habe ich etwas gestrickt gefunden, denn so einfach wird es nicht sein mitten im Urwald bei Kannibalen zu landen, und eigenartige Militärs im Hintergrund zu haben.

Das Buch macht beim Lesen aber gute Stimmung, und ich habe es einige zum Einschlafen gelesen um mit freundlichen Gedanken in die Träumewelt zu wechseln. Viel Spaß beim Lesen !

Francois Lelord wurde am 22. Juni 1953 in Paris geboren. Der Autor ist als Psychiater tätig und lebt mit seiner Familie abwechselnd in Paris und Bankog. Er schreibt Sachbücher und Belletristik (die "Hector"-Bücher).

Samstag, 2. Februar 2013

Denby Joolz : "Das Tor des Schmerzes"

Denby Joolz :
"Das Tor des Schmerzes"
Roman
original "Corazon"
2000, HarperCollings Publishers, London
aus dem Englischen von Brigitte Helbling
2001, Rowohlt Taschbuch Verlag
385 Seiten
ISBN 3-499-23036-4

In diesem spannenden Roman wird die Geschichte von Alma, kurz Al, Greer erzählt, die berühmte Eltern hat, deren berühmter Bruder in den USA Erfolg hat und die mit unglücklicher Liebe, dann gescheiterter Ehe fertig werden muß und Zuneigung in einer Stiftung, die sich doch als Sekte bewahrheitet, findet.

Alma, die in Bradford lebt, wird von ihrem Mann vor die Türe gesetzt, nachdem er ihren geliebten Kater - ein Geschenk ihrer großen Liebe Jack, der bei einem Unfall ums Leben gekommen war - noch rasch beim Tierarzt hatte einschläfern lassen. Sie sucht die Hilfe ihrer zwei besten Freundinnen. Ihre Eltern laden sie nach Andalusien an die Küste ein - inmitten anderer wohlhabender Engländer. Bekannte ihrer Eltern ersuchen sie, die mit kurzen Harren, gothic look und piercing herumläuft, zu einer Stiftung am Berg zu fahren und ihre Tochter aus den Fängen der angeblichen Sekte dort zu befreien. Die junge Frau kommt mit, aber der Kontakt Alma's zu der Stiftung, die sich als auf Wissenschaft spezialisiert gibt, wird intensiver. Aufgrund irgendwelcher Elemente, die für sie nicht schlüssig sind, gilt sie für die Menschen dort als wichtig, später sogar als "die Braut". Jane und Huw sind die mentalen Führer dieses Wissenschafts - und spirituellen Bereichs und wollen sie mit allen Mitteln halten und integrieren. Am Schluß entkommt sie.

Der Roman ist gut und flüssig geschrieben, und gut zu lesen - ideal für ein Wochenende. Die Personenschilderungen sind gut vorstellbar, variantenreich, es ist möglich Gefühl für die unterschiedlichen Personen aufzubringen. Es gibt keine wirklichen guten oder nur wenige bösen Typen, den meisten Figuren wird Handlungsspielraum erlaubt und manche kippen dann mehr oder weniger heftig.

Die titelgebenden Vokabel "Corazon" heißt Herz und ist ein Anhänger einer Kette die Alma von ihrem Bruder erhalten hat, dem viele mehr Bedeutung beimessen als die Titelgestalt. "Tor des Schmerzes" ist der Weg den Huw geht und seine Anhänger mit ihm, denen der Schmerz durch Piercing oder an sich herumschneiden durch den Schmerz in eine neue spirituelle Ebene helfen soll.

Mehrere Themenstränge werden in dem Roman miteinander verwirkt.
Der emotional wichtigste ist die Liebesgeschichte zwischen Alma und dem Poeten Jack, der bei einem Unfall stirbt. Spät wird ihr klar, daß der Unfall Selbstmord war, und daß Jack sie fortwährend betrogen hat.
Thema Freundinnen - Millie und Maz, die langjährigen guten Freundinnen die selbst nicht immer glücklich mit ihrem Leben sind.
Thema Eltern und deren Beziehung zu ihren Kindern. Alma hatte eher keine Beziehung, was die Eltern dann erkennen, und beiderseitiges bemühen startet hier etwas zu ändern. Im Gegensatz dazu ist Almas Bruder, dessen Homosexualität für alma immer klar war, aber eine Geheimnis für die Eltern.
Faszinierend die Gegenwelt von Jane und Huw die Liebe, Zuneigung, keine Geheimnisse predigen. Viele Menschen fühlen sich bei ihnen akzeptiert und geliebt - die Vorselektion war allerdings bereits geschehen, indem sie nur hochintelligente Menschen in ihre Stiftung einlassen. Daß die Konstruktion nicht stimmig ist, Inzest gelebt, Krankheit verherrlicht wird und wieder einmal Sponsoren, Geld und Sex vieles bestimmt und letztendlich kaputt macht, führt zum Showdown.

Die Geschichte zieht hinein und fasziniert. Viel Vergnügen auch anderen Lesern & Leserinnen !

Joolz Denby wurde am 9. April 1955 als Julianne Mumford in Bradford, Yorkshire, United Kingdom geboren. Sie hat Gedichte, Kurzgeschichten Novellen veröffentlicht,  eine lange Diskographie mit 'spoken poetry' und machte sich anfangs in der Punk-szene einen Namen. Mittlerweile hat sich sie parallel einen Namen als Illustratorin und Tattoo-künstlerin aufgebaut und tritt immer wieder gerne mit 'spoken words' auf.

Samstag, 14. Juli 2012

Tess Gerritsen : "Totengrund"

Tess Gerritsen :
"Totengrund"
Roman
original "Ice Cold"
2010, Ballantine Books by Random House Inc.,N.Y.
Deutsch von Andeas Jäger
2010, Limes Verlag München
407 Seiten
ISBN 978-3-8090-2576-4

Der Roman ist ein spannend geschriebener Thriller, indem der Tod einer Gerichtmedizinerin und ihrer Freunde vorgetäuscht wird. Freunde lassen nicht locker und am Schluß ein 30 Jahre alter Umweltskandal aufgedeckt.

Die Gerichtsmedizinerin Dr. Maura Isles fährt mit einem alten Studienfreund und dessen Freunden in die Berge. Sie kommen nicht am Ziel an, entdecken aber einer menschenleeres Dorf - in jedem Haus hängt das Photo eines charismatischen Mannes mit faszinierenden Augen.
In Boston wird sie von ihrer Freundin Jane Rizzoli und ihrem heimlichen Liebhaber dem Pfarrer vermißt. Auch das Auffinden von verbrannten Leichen stoppt Jane nicht weiter nachzuforschen. Sie findet Maura, die mithilfe eines 15-jährigen Jungen mit großem Hund in den Wäldern überlebt hat.
Sie entdecken, daß das Dorf leer ist, weil giftige Gase uralten vergrabenen Fässern entwichen war.

Der charismatische Mann ist Jeremiah, der eine große Schar Bewunderer mit seiner religiösen Vision hat. Sein Modell der Gemeinschaftsarbeit im Dorf wird als positiv empfunden, - aber männlichen Teenager ab 14waren  aus der Gemeinschaft zu verweisen (tw. brutal rauszuprügeln), und die 14 jährigen Mädchen älteren Männern zuzuführen hat bei den betroffenen Kindern große Schäden hinterlassen. Eine Ehemalige rechnet ab.

Die Story ist gut geschrieben. Manche Kleinigkeiten werden mir nicht logisch erklärt, aber die Geschichte hat Drive und ich wollte wissen wie es weitergeht. Mißbrauch in religiösen Umfeld aufzuzeigen ist vermutlich wichtiger denn je.

Die Landschaft, das Dorf, das Überleben im Wald sind gut beschrieben. Die Menschen haben Profil. Ich habe erst nach dem Lesen mitgekriegt, daß Maura und Jane bereits im achten Thriller zusammenarbeiten und Janes Ehemann und Mauras reicher Verehrer offenbar fixe Bestandteile sind.

Ich habe den Roman in einem Rutsch gelesen und mich hat die Geschichte angesprochen. Viel Vergnügen.

Montag, 30. April 2012

Elke Marion Weiss : "Triangel"

Elke Marion Weiss :
"Triangel"
Kriminalroman
2012,  Gmeiner-Verlag GmbH, Meßkirch
363 Seiten + Danksagung
ISBN 978-3-8392-1246-2

Das grüne Buch mit Katzencover erzählt eine nette feine etwas böse Geschichte vom Überleben einer Frau - tw. mithilfe von Freunden, oder auch ohne diese.

Die Malerin Emily lernt im Elsaß eine nette schöne liebe Witwe kennen. Josette zieht zu ihr in ein Dorf in Südbaden, da eine Wohngemeinschaft dem schmalen Geldbörsel der beiden Frauen entgegenkommt.
Als die beiden in einem eleganten Restaurant einen bekannten Manager auf der Flucht entdecken, quartieren sie ihn kurzerhand gegen seinen Willen bei ihnen ein. Zunächst widerwillig läßt sich Felix Traunfelder auf den Verwandten Jonathan Brix ummodeln.
Endlich ist Geld in der Kassa und Emily besorgt eine Kreuzfahrt für drei - inklusive 'neuem' Paß für Jonathan bei einem ehemaligen Freund der Kunstuniversität. Nachdem dieser Geld erpressen wollte, erfriert er leider in der klirrend kalten Sylvesterzeit (Pech, daß er kein Auto hatte).
Die Kreuzfahrt muß Emily alleine machen. Dafür kommen sich daheim Josette und Jonathan näher. Jonathan flieht, weil seine Managermachenschaften doch auffliegen und Josette bringt beider Kind Coco auf die Welt.
Wie Emily eine Galerie in Straßbourg erwirbt, Josette und der Maler Cohn umkommen, und was mit der Anwältin Carlotta geschieht, bis Emily am Schluß gemütlich in ihrem Garten sitzt und Husky Wölfchen streichelt sind bitte selber zu lesen.

"Triangel" dürfte das Buch nach einem Geschenk für die kleine Coco heißen. Warum eine schwarze Katze am Cover ist habe ich nicht verstanden - aber es ist eine schöne Katze.

Da Buch habe ich fast in einem Rutsch gelesen. Ein feine, dezent böse Geschichte über das Leben, das Überleben mit Beobachtungen über die Dorf-Idylle und dortige tw. Wichtigmacher. Die Beobachtungen über die Mitmenschen bei Josettes Begräbnis, als Emily mangels Babysitter mit deren Tochter am Arm auftaucht und fast ins Grab abrutscht ist ziemlich komödiantisch geschildert.

Die Menschen und deren Umgebung laufen vor dem Auge ab. Die Schilderungen sind fast wie Aquarelle - duftig, farbig, leicht gezeichnet. Es gibt viele Menschen in diesem Roman - Reisebekanntschaften, Verwandte von Josette, vergangene Liebe von Emily die mit Drive skizziert sind.

Ein gelungenes Buch, das ich gerne weiterempfehle - für verregnete Wochenenden, oder Reiselektüre bestens geeignet.

Freitag, 6. Mai 2011

Thomas Bernhard : "Wittgensteins Neffe"

Thomas Bernhard :
"Wittgensteins Neffe" - 'eine Freundschaft'
1982, Bibliothek Suhrkamp Band 788
163 Seiten
ISBN 3-518-01788-8

Wie schreibt Thomas Bernhard eigentlich, fragt sich ein Theatergeher, der vor Jahren im Wiener Volkstheater eine dramatisierte Version von "Wittgensteins Neffe" im leider halbleeren Raum genossen hat ? Wie seine Biographien, die als 5 Bücherln damals über dtv erhältlich waren ?

Ähnlich intensiv liest sich der Rückblick Thomas Bernhards auf eine Freundschaft mit einem vermutlich faszinierenden, aber vermutlich auch nicht weniger anstrengenden Mann.
Mit Paul Wittgenstein (1907 - 1979) verband Thomas Bernhard Musikliebe, die Gabe Menschen zu beobachten oder zu durchschauen, Gesellschaftsschemata zu bewerten und zu klassifizieren, aber auch gemeinsam Verrücktes zu machen und zu schweigen.
Böse beschreibt Thomas Bernhard u.a. die Überreichung eines Preises an ihn bei der Akademie (bei der nicht einmal seine Biographie korrekt war) und das Verhalten von Menschen gegenüber chronisch Kranken (egal ob Geist [Paul Wittgenstein] oder Körper [er selber]).
Für einen Leser, der Musik liebt, ist es schön in den musikalischen Szenerien (mit) zu mitschwelgen, die Herr Wittgenstein und Herr Bernhard miteinander auch bei Freunden erleben (dürfen).
Eindringlich ist es wenn Thomas Bernhard beschreibt wie ihm die körperlicher Nähe-Bedürftigkeit seines Freundes schwer fiel, und noch mehr als er das Ende von Paul Wittgenstein beschreibt, bei dem die Freunde den geistigen, körperlichen und finanziellen Abstieg miterlebten und aus Scham auf Distanz gingen.

Ein wunderbares, starkes, eindringliches Buch, das nicht wirklich losläßt / nicht loslassen soll.