Giuliano Ramella (Szenario) & Stefano Cattaneo (Zeichnungen):
"El Che"
original "El Che - la victoire ou la mort"
2012, Heupé Sarl / Emmanuel Proust Editions, Paris
aus dem Französischen von Anja Kootz
2018, Knesenbeck, München
100 Seiten Graphic + 2 Seiten über Che Guevara von Marcel Niedergang
ISBN 978-3-95728-221-7
In assoziativen Geschichten wird einiges aus dem Leben von Che Guevara erzählt. Es beginnt mit seiner Jugend und dem Bestreben etwas zu ändern und springt dann zwischen Kuba, Bolivien, Kongo, der Rede vor der UNO und Kuba. Die Szenerien sind im Wald, in der Guerilla, etc. Mittendrin ist seine Erschießung, aber auch daß er selbst zur Waffe zur Disziplinierung griff; das Ende ist die Vision vor Sonnenuntergang, daß um Gerechtigkeit gekämpt werden muß.
Ich habe das Buch auch wegen meines Interesses für die Zeichnungen gekauft. Diese sind sehr statisch, was mitten um Regen-/Urwald fasziniert. Die Zeichnungen wenn ein Soldat am Fluß steht und raucht, wirken wie erstarrt - auch der Rauch in seiner fein ziselierten Strichelweise. Auch die flache Architekturzeichnung funktioniert.
Die Gesichter sind rauh, und ausdrucksstark.
Am Anfang dauert es bis ich in die Geschichte gekommen, dann war es einfacher den auch geographischen Sprüngen zu folgen.
Aus dem an sich schon vielfältigen und spannenden Leben Che Guevaras wurden einige Punkte herausgeholt und betont; damit fehlen bei dem Seitenumfang andere Themen.
Bei der Übersetzung sind mir paar Hoppalas und Eigenheiten bei Phrasen aufgefallen.
In Summe ein beeindruckendes Buch über einen brutalen, aber visionären Menschen. Alleine schon die Graphiken sprechen auch für sich und machen damit eine Empfehlung aus. Viel Freude beim Einlassen auf dieses Buch.
Giuliano Ramella heißt eigentlich Giuliano Ramella Peza, studierte an der Hochschule für Comic-Kunst in Mailand und arbeitete bereits an der italienischen Comic-Serie 'John Raider'.
Stefano Cattaneo ist Italiener, der in England lebt. Sein Zeichenstil ist italienische Schule, beeinflußt von Pratt à Giardino.
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Sonntag, 6. Januar 2019
Donnerstag, 5. Juli 2018
Helen MacDonald : "H wie Habicht"
Helen MacDonald :
"H wie Habicht"
original "H wie Hawk"
2014, Verlag Jonathan Cape, Random House
Aus dem Englischen von Ulrike Kretschmer
2015, Allagria, Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin
372 Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis + 4 Seiten Postskriptum + 18 Seiten Anmerkungen (Quellenangaben) + 2 Seiten Danksagung
mit Lesebändchen
ISBN 978-3-7934-2298-3
Das schöne Cover mit einem Linolschnitt eines Habichts hat mich zum Griff nach diesem Buch veranlaßt.
Die Geschichte wird aus Sicht der Autorin in Ich-Sicht erzählt. Man nimmt an ihren Gedanken, Sorgen, Trauer um den Vater und ihre Besessenheit um T.H.White und seinen Habicht Gos(hawk) und die Erziehung ihres wunderschönen Habichts teil.
In schöner Sprache aber ziemlicher Egozentrik erzählt sie von ihren Kindheitserinnerungen an Vater, und Tier/Falken-bücher, über Falknerei, und wie sie gemeinsam mit ihrem Habicht Mabel (liebevoll auch Mabes genannt) eine Einheit aufbaut. Diese Teile in denen sie die Aufzucht, das Training, das immer mehr loslassen, die Sorge, die Feinfühligkeit um diesen faszinierenden und auch geliebten Vogel erzählt zogen mich in den Bann.
Die Abschnitte in denen sie sich an T.H.White abarbeitet sind sehr eigen. Es wird von Whites brutaler Kindheit erzählt, und wie er diese im Erwachsenenleben an anderen Menschen und Tieren auslebt, dabei weder mit seinem Sadismus noch seiner Homoerotik fertig wird. Seine sogenannte Liebe zu Gos wird nur als besitzergreifend transportier und ist oft unachtsam und seine Verantwortung dem Habicht gegenüber falsch einschätzen. Kein Wunder daß Gos das Vertrauen verliert und verloren geht (wie es diesem Habicht weiter ergeht bleibt offen - leider).
Exkurs : Terence Hanbury White lebte von 1906 bis 1964. Er veröffentlichte unter T.H. White oder dem Pseudonym James Aston. Am bekanntesten dürfte seine Version der Merlin-, und Arthussage sein.
Das Buch umfaßt gefühlt das Trauerjahr nach dem Tod des Vaters - die Autorin verwendet die Formulierung 'Archäologie der Trauer'.
Die Welt in der sich die Autorin bewegt ist eine der belesenen Professoren in Cambridge, die Wälder der Umgebung, und andere Menschen die Falken bis Habichte lieben und mit ihnen leben. Normales Leben ist wenig zu spüren; skurril ist es wenn sie beschreibt mit welchem Habichtsfutter die Tiefkühltruhe gefüllt ist.
Berührend ist es wenn sie von den Beobachtungen von Flugzeugen über England, die ihr Vater als Kind und Jugendlicher penibel aufgeschrieben hat, schreibt.
Schön finde ich die Beschreibungen wenn sie und Mabel durch das Land streifen, sie die Landschaft beschreibt und dann Mabels Verhalten mit der Natur genau schildert.
Das Buch ist nicht einfach zu lesen, da die Ich-zentriert der Autorin zeitweise strapaziös ist. Ich habe länger dazu gebraucht und es zwischendurch mit Lesezeichen liegen gelassen bis ich weiterlesen konnte.
Diese Buch ist für alle Menschen die sich für Greifvögel und schöne Sprache interessieren sehr empfehlenswert. Viel Freude dabei !
Helen MacDonald wurde 1970 geboren. Sie ist Lyrikerin und Autorin und unterrichtet in Cambridge. 1993 erschienen ihre erste Gedichte.
"H wie Habicht"
original "H wie Hawk"
2014, Verlag Jonathan Cape, Random House
Aus dem Englischen von Ulrike Kretschmer
2015, Allagria, Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin
372 Seiten + 1 Seite Inhaltsverzeichnis + 4 Seiten Postskriptum + 18 Seiten Anmerkungen (Quellenangaben) + 2 Seiten Danksagung
mit Lesebändchen
ISBN 978-3-7934-2298-3
Das schöne Cover mit einem Linolschnitt eines Habichts hat mich zum Griff nach diesem Buch veranlaßt.
Die Geschichte wird aus Sicht der Autorin in Ich-Sicht erzählt. Man nimmt an ihren Gedanken, Sorgen, Trauer um den Vater und ihre Besessenheit um T.H.White und seinen Habicht Gos(hawk) und die Erziehung ihres wunderschönen Habichts teil.
In schöner Sprache aber ziemlicher Egozentrik erzählt sie von ihren Kindheitserinnerungen an Vater, und Tier/Falken-bücher, über Falknerei, und wie sie gemeinsam mit ihrem Habicht Mabel (liebevoll auch Mabes genannt) eine Einheit aufbaut. Diese Teile in denen sie die Aufzucht, das Training, das immer mehr loslassen, die Sorge, die Feinfühligkeit um diesen faszinierenden und auch geliebten Vogel erzählt zogen mich in den Bann.
Die Abschnitte in denen sie sich an T.H.White abarbeitet sind sehr eigen. Es wird von Whites brutaler Kindheit erzählt, und wie er diese im Erwachsenenleben an anderen Menschen und Tieren auslebt, dabei weder mit seinem Sadismus noch seiner Homoerotik fertig wird. Seine sogenannte Liebe zu Gos wird nur als besitzergreifend transportier und ist oft unachtsam und seine Verantwortung dem Habicht gegenüber falsch einschätzen. Kein Wunder daß Gos das Vertrauen verliert und verloren geht (wie es diesem Habicht weiter ergeht bleibt offen - leider).
Exkurs : Terence Hanbury White lebte von 1906 bis 1964. Er veröffentlichte unter T.H. White oder dem Pseudonym James Aston. Am bekanntesten dürfte seine Version der Merlin-, und Arthussage sein.
Das Buch umfaßt gefühlt das Trauerjahr nach dem Tod des Vaters - die Autorin verwendet die Formulierung 'Archäologie der Trauer'.
Die Welt in der sich die Autorin bewegt ist eine der belesenen Professoren in Cambridge, die Wälder der Umgebung, und andere Menschen die Falken bis Habichte lieben und mit ihnen leben. Normales Leben ist wenig zu spüren; skurril ist es wenn sie beschreibt mit welchem Habichtsfutter die Tiefkühltruhe gefüllt ist.
Berührend ist es wenn sie von den Beobachtungen von Flugzeugen über England, die ihr Vater als Kind und Jugendlicher penibel aufgeschrieben hat, schreibt.
Schön finde ich die Beschreibungen wenn sie und Mabel durch das Land streifen, sie die Landschaft beschreibt und dann Mabels Verhalten mit der Natur genau schildert.
Das Buch ist nicht einfach zu lesen, da die Ich-zentriert der Autorin zeitweise strapaziös ist. Ich habe länger dazu gebraucht und es zwischendurch mit Lesezeichen liegen gelassen bis ich weiterlesen konnte.
Diese Buch ist für alle Menschen die sich für Greifvögel und schöne Sprache interessieren sehr empfehlenswert. Viel Freude dabei !
Helen MacDonald wurde 1970 geboren. Sie ist Lyrikerin und Autorin und unterrichtet in Cambridge. 1993 erschienen ihre erste Gedichte.
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Montag, 17. Juli 2017
Hernán Rivera Letelier : "Der Traumkicker"
Hernán Rivera Letelier :
"Der Traumkicker"
Roman
original "El fantasista"
2006, Chilena de Ediciones, Santiago de Chile
Aus dem Spanischen von Svenja Becker
2013, Insel Verlag
200 Seiten
ISBN 978-3-458-35932-6
Ich hatte von dem Autor das entzückende Buch "Die Filmerzählerin" gelesen, das mich wegen seines Zaubers mitten in Kargheit fasziniert hat.
Bei dem "Kicker" ist kein Zauber zu spüren sondern das knochentrockene Leben der Menschen um den Salpeterabbau vermischt mit viel Essen, viel Trinken, viel Sex und noch mehr über Sex reden und noch mehr Gespräche über Fußball.
In der Rivalität zur Nachbargemeinde wird um Frauen und Fußball rivalisiert, wobei die Karten ungleich verteilt sind, da die Nachbargemeinde mehr Geld für gute Fußballer zur Verfügung hat. Als sich ein Mann der mit einen Fußball Tricks spielt in den Ort verirrt, hoffe alle auf einen legendären Sieg - vor allem da der Siedlung der komplette Abriß wegen Baustellenschließung bevorsteht. Parallel zu den Vorbereitungen auf das letzte Spiel gibt es zwei Liebesgeschichten, viele erotische Ausflüge, und das Begleiten der verschiedenen Charaktere in der Siedlung. Am Ende steht ein spannendes Fußballmatch und die Destruktion der Siedlung.
Die Story zieht sich manchmal etwas, aber die Menschen in dem Roman / in der Siedlung sind ein ziemliches Panoptikum.
Expedito González : der Mann der stehend mit einem Fußball fasziniert - und seine rothaarige grünäugige Freundin die aus dem Unterhaltungsgewerbe stammt.
Cachimoco Farfán : mit Mikrophon, originellen Fußballmatch-Beschreibungen und dem Tick diese mit medizinischem Fachjargon zu ergänzen; Tuny Robledo - der endlich seine Angst vor dem Elfmeter schießen vergißt; Siedlungscasanova Choche Marivilla; bis zu sieben Menschen die unter einem Dach leben und die sieben Todsünden verkörpern
Leider ist kein Verständnis für den Tormann in dem Buch zu lesen - es geht nur um Angriff und Prügeleien.
Ort der Handlung ist eine Siedlung mit Laden, Kino, Gasthaus, vier Elektrikern und einem rachegeifernden Priester in der trockenen Atacamawüste bei den Salpetersiedlungen. Es wird beschrieben wie trocken die Gegend ist, wie sich eine Windhose gemütlich ausbreitet und ein seltener Wolkenbruch.
Zeit dürfte einige nach dem Putsch von Augusto Pinochet 1973 sein, der aber nur kurz gestreift wird. Als fußballgeschichtlicher Hintergrund wird auch ein Flugzeugabsturz in den Anden erzählt, der am 3. April 1961 gewesen sein dürfte und der Fußballclub 'Green Cross' wird bewundernd genannt.
Die Geschichte aus einer Wir- bzw. Ich-Sicht geschrieben, wobei nie ganz klar ist wer der Ich /die wir sind außer Einwohner der Siedlung.
Die Geschichte ist etwas deftig ge- und beschrieben als Sex, Trinken, Essen, und medizinische Einläufe oft und genau geschildert werden. Liebhaber, Seitensprünge, Hodengrößen und Huren werden moralfrei erzählt. Das Buch ist nichts für Feinde von Fußball. Allen anderen viel Zeit und Spaß beim Lesen !
Hernán Rivera Letelier wurde am 11. Juli 1950 in Talca (Anm : Mitte von Chile südlich von Santiago de Chile) geboren. Er lebte als Kind und Jugendlicher im Norden Chiles bei den Salpeterbaustellen, auch nach dem Tod seiner Eltern. Einige Zeit reiste er durch die Nachbarländer bis er bei den Salpeterminen zu arbeiten begann, und nebenbei die Matura nachmachte. 1987 veröffentlichte er die ersten Gedichte, 1990 die ersten Kurzgeschichten und mit "La reina Isabel cantaba rancheras" erschien 1994 der erste Roman. Jetzt lebt er mit seiner Familie in Antofagasta.
"Der Traumkicker"
Roman
original "El fantasista"
2006, Chilena de Ediciones, Santiago de Chile
Aus dem Spanischen von Svenja Becker
2013, Insel Verlag
200 Seiten
ISBN 978-3-458-35932-6
Ich hatte von dem Autor das entzückende Buch "Die Filmerzählerin" gelesen, das mich wegen seines Zaubers mitten in Kargheit fasziniert hat.
Bei dem "Kicker" ist kein Zauber zu spüren sondern das knochentrockene Leben der Menschen um den Salpeterabbau vermischt mit viel Essen, viel Trinken, viel Sex und noch mehr über Sex reden und noch mehr Gespräche über Fußball.
In der Rivalität zur Nachbargemeinde wird um Frauen und Fußball rivalisiert, wobei die Karten ungleich verteilt sind, da die Nachbargemeinde mehr Geld für gute Fußballer zur Verfügung hat. Als sich ein Mann der mit einen Fußball Tricks spielt in den Ort verirrt, hoffe alle auf einen legendären Sieg - vor allem da der Siedlung der komplette Abriß wegen Baustellenschließung bevorsteht. Parallel zu den Vorbereitungen auf das letzte Spiel gibt es zwei Liebesgeschichten, viele erotische Ausflüge, und das Begleiten der verschiedenen Charaktere in der Siedlung. Am Ende steht ein spannendes Fußballmatch und die Destruktion der Siedlung.
Die Story zieht sich manchmal etwas, aber die Menschen in dem Roman / in der Siedlung sind ein ziemliches Panoptikum.
Expedito González : der Mann der stehend mit einem Fußball fasziniert - und seine rothaarige grünäugige Freundin die aus dem Unterhaltungsgewerbe stammt.
Cachimoco Farfán : mit Mikrophon, originellen Fußballmatch-Beschreibungen und dem Tick diese mit medizinischem Fachjargon zu ergänzen; Tuny Robledo - der endlich seine Angst vor dem Elfmeter schießen vergißt; Siedlungscasanova Choche Marivilla; bis zu sieben Menschen die unter einem Dach leben und die sieben Todsünden verkörpern
Leider ist kein Verständnis für den Tormann in dem Buch zu lesen - es geht nur um Angriff und Prügeleien.
Ort der Handlung ist eine Siedlung mit Laden, Kino, Gasthaus, vier Elektrikern und einem rachegeifernden Priester in der trockenen Atacamawüste bei den Salpetersiedlungen. Es wird beschrieben wie trocken die Gegend ist, wie sich eine Windhose gemütlich ausbreitet und ein seltener Wolkenbruch.
Zeit dürfte einige nach dem Putsch von Augusto Pinochet 1973 sein, der aber nur kurz gestreift wird. Als fußballgeschichtlicher Hintergrund wird auch ein Flugzeugabsturz in den Anden erzählt, der am 3. April 1961 gewesen sein dürfte und der Fußballclub 'Green Cross' wird bewundernd genannt.
Die Geschichte aus einer Wir- bzw. Ich-Sicht geschrieben, wobei nie ganz klar ist wer der Ich /die wir sind außer Einwohner der Siedlung.
Die Geschichte ist etwas deftig ge- und beschrieben als Sex, Trinken, Essen, und medizinische Einläufe oft und genau geschildert werden. Liebhaber, Seitensprünge, Hodengrößen und Huren werden moralfrei erzählt. Das Buch ist nichts für Feinde von Fußball. Allen anderen viel Zeit und Spaß beim Lesen !
Hernán Rivera Letelier wurde am 11. Juli 1950 in Talca (Anm : Mitte von Chile südlich von Santiago de Chile) geboren. Er lebte als Kind und Jugendlicher im Norden Chiles bei den Salpeterbaustellen, auch nach dem Tod seiner Eltern. Einige Zeit reiste er durch die Nachbarländer bis er bei den Salpeterminen zu arbeiten begann, und nebenbei die Matura nachmachte. 1987 veröffentlichte er die ersten Gedichte, 1990 die ersten Kurzgeschichten und mit "La reina Isabel cantaba rancheras" erschien 1994 der erste Roman. Jetzt lebt er mit seiner Familie in Antofagasta.
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Dienstag, 12. Juli 2016
Petra Hartlieb : "Meine wundervolle Buchhandlung"
Petra Hartlieb :
"Meine wundervolle Buchhandlung"
2014, DuMont Buchverlag Köln
201 Seiten
ISBN 978-3-8321-6343-3
Mit viel Begeisterung erzählt die Autorin, Ex-Literaturkritikerin und doppelte Buchhandlungsbesitzerin von dem Entstehen der ersten Buchhaltung im 18. Wiener Gemeindebezirk. Aus einem Konkurs erhalten sie und ihr Mann den Zuschlag eine Buchhandlung in einer gut frequentierten Einkaufsstraße und guter Gegend zu erwerben. Sie sind selbst überrascht und springen mit beiden Beinen in das Projekt. Der große Vorteil für beide ist, daß sie beide aus der Verlagsbranche kommen und damit ein großes berufliches Netzwerk haben. Auch ihre privates Netzwerk mit vielen Menschen die viel helfen funktioniert. Glück ist auch daß die gemeinsame kleine, dann heranwachsende Tochter leicht zum organisieren ist; der ältere Sohn aus einer früheren Beziehung hat mit Wien seine Probleme und bleibt lieber in Hamburg mit Freunden. Allen Unkenrufen zum Trotz wird die Buchhandlung ein Erfolg, und eine zweite Buchhandlung, die sich auf Sprachen spezialisiert, wird später auch aufgemacht.
Die Geschichte ist gut lesbar erzählt und unterhaltend, obwohl manche Situationen mit Baustelle, Computerchaos oder Schnee auf der Markise wenig unterhaltend sind.
Schön ist das Gefühl, daß offenbar immer wieder die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt in das Leben der beiden Buchhandlungsbesitzer gekommen sind. Sei es Mitarbeiter oder auch die richtigen Kunden (ohne die kein Erfolg möglich ist).
Witzig wird es wenn erzählt wird daß Kundenwünsche manchmal unterhalten oder auch schwierig sind, denn ein 'gutes Buch' ist für jeden anders; und als Geschenk noch schwieriger.
Da die Autorin aus der Buchszene kommt, kennt sie viele Schriftstellernamen bereits von früher. Hier kann es anstrengend werden, wenn manche Autorennamen mit Selbstverständlichkeit genannt werden, die aber vielleicht nicht jedem Leser/jeder Leserin vertraut sind. Man kann durchaus eine Anregung sich mit diesen Autoren auseinanderzusetzten verstehen ;-)
In Summe ein empfehlenswertes Buch, das v.a. Publikum das gerne Literatur liest, wirklich genießen kann.
Petra Hartlieb wurde 1967 in München geboren. Sie wuchs in Oberösterreich auf und studierte Psychologie und Geschichte an der Uni Wien: Später arbeitete als Pressefrau und Literaturkritikerin in Wien und Hamburg. Ab 2001 ändert sich ihr Leben, wovon dieses Buch erzählt.
"Meine wundervolle Buchhandlung"
2014, DuMont Buchverlag Köln
201 Seiten
ISBN 978-3-8321-6343-3
Mit viel Begeisterung erzählt die Autorin, Ex-Literaturkritikerin und doppelte Buchhandlungsbesitzerin von dem Entstehen der ersten Buchhaltung im 18. Wiener Gemeindebezirk. Aus einem Konkurs erhalten sie und ihr Mann den Zuschlag eine Buchhandlung in einer gut frequentierten Einkaufsstraße und guter Gegend zu erwerben. Sie sind selbst überrascht und springen mit beiden Beinen in das Projekt. Der große Vorteil für beide ist, daß sie beide aus der Verlagsbranche kommen und damit ein großes berufliches Netzwerk haben. Auch ihre privates Netzwerk mit vielen Menschen die viel helfen funktioniert. Glück ist auch daß die gemeinsame kleine, dann heranwachsende Tochter leicht zum organisieren ist; der ältere Sohn aus einer früheren Beziehung hat mit Wien seine Probleme und bleibt lieber in Hamburg mit Freunden. Allen Unkenrufen zum Trotz wird die Buchhandlung ein Erfolg, und eine zweite Buchhandlung, die sich auf Sprachen spezialisiert, wird später auch aufgemacht.
Die Geschichte ist gut lesbar erzählt und unterhaltend, obwohl manche Situationen mit Baustelle, Computerchaos oder Schnee auf der Markise wenig unterhaltend sind.
Schön ist das Gefühl, daß offenbar immer wieder die richtigen Menschen zum richtigen Zeitpunkt in das Leben der beiden Buchhandlungsbesitzer gekommen sind. Sei es Mitarbeiter oder auch die richtigen Kunden (ohne die kein Erfolg möglich ist).
Witzig wird es wenn erzählt wird daß Kundenwünsche manchmal unterhalten oder auch schwierig sind, denn ein 'gutes Buch' ist für jeden anders; und als Geschenk noch schwieriger.
Da die Autorin aus der Buchszene kommt, kennt sie viele Schriftstellernamen bereits von früher. Hier kann es anstrengend werden, wenn manche Autorennamen mit Selbstverständlichkeit genannt werden, die aber vielleicht nicht jedem Leser/jeder Leserin vertraut sind. Man kann durchaus eine Anregung sich mit diesen Autoren auseinanderzusetzten verstehen ;-)
In Summe ein empfehlenswertes Buch, das v.a. Publikum das gerne Literatur liest, wirklich genießen kann.
Petra Hartlieb wurde 1967 in München geboren. Sie wuchs in Oberösterreich auf und studierte Psychologie und Geschichte an der Uni Wien: Später arbeitete als Pressefrau und Literaturkritikerin in Wien und Hamburg. Ab 2001 ändert sich ihr Leben, wovon dieses Buch erzählt.
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Montag, 30. Dezember 2013
Stefan Zweig : "Brasilien"
Stefan Zweig :
"Brasilien" - Ein Land der Zukunft
1941 erstmals bei Bermann-Fischer Verlag AB, Stockholm erschienen
Insel Taschenbuch 4208
2013, Suhrkamp Berlin
275 Seiten
13 Seiten Einleitung von Stefan Zweig
13 Seiten Nachwort von Volker Michaels, Frankfurt a. Main 1994
ISBN 978-3-458-35908-1
Das Buch ist ein wunderbares Buch mit wunderschöner Sprache, schönen Bildern im Kopf und spannend geschrieben. Der Roman eignet sich weniger zum Querhinunterlesen sondern es ist schöner hier die Sätze, Metaphern bewußt und konzentriert zu lesen, auch wenn das mehr Zeit benötigt.
Vor allem die Geschichte grandios erzählt. Auf diesen Teil wieder immer wieder zurückgegriffen, wenn die Wirtschaft extra erzählt wird oder einzelnen Städte in ihrem auf und ab mit der Entwicklung der Rohstoffe wie Kautschuk, Kakao oder Kaffee reflektiert. Am willkürlichsten liest sich der Teil als der Goldrausch ausgebrochen war, und zwei Generationen später bereits erloschen war.
Die ersten 80 Seiten Geschichte sind spannend erzählt. Fast so spannend wie ein gut geschriebener Thriller. Brasilien wurde meist in Ruhe gelassen, die hohen Erwartungen die an die von den Spaniern entdeckten Länder gerichtet waren und zu derem raschen kulturellem Ruin führten, fand hier nicht statt. Dafür haben hier die Jesuiten über Generationen viel an Schulung durchgeführt, die später von den eigenen Landsleuten durch Menschenraub zunichte gemacht wurde. Dann kam interimistisch der portugiesische Königshof um den europäischen Wirren zu entfliehen. Für Rohstoffgewinnung brachten später Schiffe ladungenweise Arbeiter aus Afrika. Zuwanderer kamen aus Deutschland, Holland etc ..
Das Völkergemisch aus ausgewanderten und angelieferten Menschen bietet ein vielfältiges Kulturangebot, das sich Kirchen der verschiedensten Ausstattungen wiederspiegelt. Wie Stefan Zweig die vielen unterschiedlichen Kirchen in Bahia, 'der alten Dame', beschreibt macht Freude zu lesen.
Stefan Zweig betrachtet Literatur, Lyrik, Musik, Architektur, das reiche Pflanzenangebot und die Freundlichkeit der Menschen und im Miteinander. Er sah sich Kaffee und Kautschukplantagen an, und auch den damals aktuellen Stand der Goldgewinnung. Hier war er enttäuscht, denn keine Sinnlichkeit war zu spüren, obwohl so viel Arbeit in der Gewinnung steckt, die dann wegegesperrt wird
Hochinteressant ist zu lesen wie er Rio de Janeiro, Sao Paolo, Bahia, die Goldstädte, Recife in ihren Unterschiedlichkeiten vergleicht und auch Lebensqualität wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und kulturelle Umgebung eingeht.
Das Buch ist nicht unumstritten. Teilweise wird behauptet, daß das Buch quasi ein Auftragswerk im Gegenzug zum guten Leben in Brasilien sei. Im Nachwort ist vermerkt, daß Zweig vorgeworfen wurde zu positiv über Brasilien schrieb und die durchaus existierenden Probleme schön schrieb. Bei den Absätzen in denen er die Favelas in Rio pitturesk beschreibt und die Neger (er verwendet das Wort) so nett und freundlich und unbekümmert ihre Blechbehausungen gelassen von einem Hügel auf den anderen tragen, versteht man diese Überlegungen.
Vorwort und Nachwort sind hier absolut empfehlenswert ebenfalls zu lesen. In Summe ein großartiges Buch, das ich großteils genossen habe. Viel Muße und Freude beim Lesen !
Stefan Zweig wurde am 28. November 1887 in Wien geboren. Er war rasch als Romancier anerkannt und seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt. Er reiste viel und lernte über den PEN-Club Brasilien kennen. Als der von ihm initiierte Verlag nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten seine Werke nicht mehr drucken durfte, und es auch in Österreich (Zweig lebte in Salzburg) eng wurde, nahm er die Einladung in Brasilien zu leben - nach Scheidung für Neuvermählung - an. Trotzdem nahm er sich 1942 in Petrópolis, Brasilien, das Leben.
"Brasilien" - Ein Land der Zukunft
1941 erstmals bei Bermann-Fischer Verlag AB, Stockholm erschienen
Insel Taschenbuch 4208
2013, Suhrkamp Berlin
275 Seiten
13 Seiten Einleitung von Stefan Zweig
13 Seiten Nachwort von Volker Michaels, Frankfurt a. Main 1994
ISBN 978-3-458-35908-1
Das Buch ist ein wunderbares Buch mit wunderschöner Sprache, schönen Bildern im Kopf und spannend geschrieben. Der Roman eignet sich weniger zum Querhinunterlesen sondern es ist schöner hier die Sätze, Metaphern bewußt und konzentriert zu lesen, auch wenn das mehr Zeit benötigt.
Vor allem die Geschichte grandios erzählt. Auf diesen Teil wieder immer wieder zurückgegriffen, wenn die Wirtschaft extra erzählt wird oder einzelnen Städte in ihrem auf und ab mit der Entwicklung der Rohstoffe wie Kautschuk, Kakao oder Kaffee reflektiert. Am willkürlichsten liest sich der Teil als der Goldrausch ausgebrochen war, und zwei Generationen später bereits erloschen war.
Die ersten 80 Seiten Geschichte sind spannend erzählt. Fast so spannend wie ein gut geschriebener Thriller. Brasilien wurde meist in Ruhe gelassen, die hohen Erwartungen die an die von den Spaniern entdeckten Länder gerichtet waren und zu derem raschen kulturellem Ruin führten, fand hier nicht statt. Dafür haben hier die Jesuiten über Generationen viel an Schulung durchgeführt, die später von den eigenen Landsleuten durch Menschenraub zunichte gemacht wurde. Dann kam interimistisch der portugiesische Königshof um den europäischen Wirren zu entfliehen. Für Rohstoffgewinnung brachten später Schiffe ladungenweise Arbeiter aus Afrika. Zuwanderer kamen aus Deutschland, Holland etc ..
Das Völkergemisch aus ausgewanderten und angelieferten Menschen bietet ein vielfältiges Kulturangebot, das sich Kirchen der verschiedensten Ausstattungen wiederspiegelt. Wie Stefan Zweig die vielen unterschiedlichen Kirchen in Bahia, 'der alten Dame', beschreibt macht Freude zu lesen.
Stefan Zweig betrachtet Literatur, Lyrik, Musik, Architektur, das reiche Pflanzenangebot und die Freundlichkeit der Menschen und im Miteinander. Er sah sich Kaffee und Kautschukplantagen an, und auch den damals aktuellen Stand der Goldgewinnung. Hier war er enttäuscht, denn keine Sinnlichkeit war zu spüren, obwohl so viel Arbeit in der Gewinnung steckt, die dann wegegesperrt wird
Hochinteressant ist zu lesen wie er Rio de Janeiro, Sao Paolo, Bahia, die Goldstädte, Recife in ihren Unterschiedlichkeiten vergleicht und auch Lebensqualität wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und kulturelle Umgebung eingeht.
Das Buch ist nicht unumstritten. Teilweise wird behauptet, daß das Buch quasi ein Auftragswerk im Gegenzug zum guten Leben in Brasilien sei. Im Nachwort ist vermerkt, daß Zweig vorgeworfen wurde zu positiv über Brasilien schrieb und die durchaus existierenden Probleme schön schrieb. Bei den Absätzen in denen er die Favelas in Rio pitturesk beschreibt und die Neger (er verwendet das Wort) so nett und freundlich und unbekümmert ihre Blechbehausungen gelassen von einem Hügel auf den anderen tragen, versteht man diese Überlegungen.
Vorwort und Nachwort sind hier absolut empfehlenswert ebenfalls zu lesen. In Summe ein großartiges Buch, das ich großteils genossen habe. Viel Muße und Freude beim Lesen !
Stefan Zweig wurde am 28. November 1887 in Wien geboren. Er war rasch als Romancier anerkannt und seine Werke wurden in viele Sprachen übersetzt. Er reiste viel und lernte über den PEN-Club Brasilien kennen. Als der von ihm initiierte Verlag nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten seine Werke nicht mehr drucken durfte, und es auch in Österreich (Zweig lebte in Salzburg) eng wurde, nahm er die Einladung in Brasilien zu leben - nach Scheidung für Neuvermählung - an. Trotzdem nahm er sich 1942 in Petrópolis, Brasilien, das Leben.
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Literatur,
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Sonntag, 16. Dezember 2012
Sarah Quigley : "Der Dirigent"
Sarah Quigley :
"Der Dirigent"
Roman
original "The Conductor"
2011, Vintage Books, Auckland
aus dem Englischen von Bettina Abarbanell
2012, Aufbau Verlag Berlin
2. Auflage (bei der 1. Auflage war eine CD mit der 7. Symphonie von Dmitri Schostakowitsch beilegt)
378 Seiten
2 Seiten Danksagungen
13 Seiten Anhang: über 1. Dmitri Schostakowitsch 2. Die Leningrader Sinfonie 3. Die Belagerung Leningrads 4. Interview mit Sarah Quigley
ISBN 978-3-351-03502-2
In diesem faszinierenden, gut geschriebenen Roman wird die Geschichte von faszinierenden Persönlichkeiten mitten während der Blockade und Belagerung der Stadt Leningrad zwischen Sommer 1941 und Sommer 1942 erzählt. Die Persönlichkeiten sind der Dirigent Karl Eliasberg, der Komponist Dmitri Schostakowitsch, und der Geiger Nikolai, sowie Freunde und Nachbarn in Leningrad.
Im Hauptinteresse des Buchs steht der Dirigent des Leningrader Rundfunk Orchesters Karl Eliasberg. Er ist Sohn eines Schusters und mußte zuerst sein Violinstudium, nach Verletzungen sein Dirigierstudium hart erarbeiten. Während der Blockade kümmert er sich so weit es geht um seine ziemlich immobile Mutter, die geistig erschreckend abbaut.
Dmitri Schostakowitsch lebt mit seiner Frau Nina, Tochter Galina und Sohn Maxim in der Stadt. Er dürfte sich evakuieren lassen, will aber in Leningrad bleiben. Die ersten drei Sätze der siebenten Symphonie schreibt er in Leningrad - tw. im Beschuß durch Bomben. Alle erwarten Großartiges von dem Werk - eine Art Kriegssymphonie. Den vierten Satz schreibt er in Kuibyschew.
Nach der triumphalen Uraufführung wird Eliasberg beauftragt mit dem Rest des Rundfunkorchesters diese Symphonie in Leningrad - die Stadt hat soeben einen grauenvollen Winter überstanden - aufzuführen. Verstärkung sind andere Musiker aus der Stadt sowie aus den Militärkapellen. Das Buch endet in der Vorbereitung für diese Aufführung.
Dritter Strang ist der Musiker /Violinist Nikolai und - da seine Gattin gestorben war - seine Liebe zu der präzisen Tochter Sonja (und dem Cello von Mutter und Tochter). Er glaubt sie lange verloren, da es schlechte Nachrichten über einen Zug mit evakuierten Kindern (und seiner Sonja) gibt.
Für Leser/Leserin die sich mit klassischer Musik und deren Komposition beschäftigen ist dieses Buch sehr sehr gelungen. Es ist spannend der Fiktion zu folgen wenn aus Ehegezänk, Bombardement im Schutzkeller oder salbungsvollem Gesäusel eines linientreuen Notenschreiberlings plötzlich Ideen zu der siebenten Symphonie auftauchen und Dmitri Schostakowitsch einen Weg findet sich die Melodie / den Aufbau zu merken. Der Druck etwas schaffen zu müssen, ist auch spürbar - ebenso wie die Leere danach, die manchmal in einem Wodka-Exzeß endet.
Das Buch ist faszinierend mit seinen Menschenbeobachtungen und Schilderungen und fast schrecklich mit seinen Beschreibungen des Elends der Menschen in der blockierten Stadt. Es ist fast unvorstellbar welchen Hunger, welche Kälte und welche Schmerzen diese Menschen ausgehalten haben - oder auch nicht. Im Roman überleben die meisten der Bezugspersonen.
Neben dem Schrecken der Belagerung und der Bombardierung verliert der Terror den Stalin vor dem zweiten Weltkrieg ausgeübt hat, nicht seine angstvolle Wirkung. Immer noch nicht trauen sich die Menschen etwas ehrlich miteinander zu sein - und sie haben recht damit.
Beim Querlesen/Recherche im Internet über die handelnden Personen fällt auf, daß die Aufführung aus dem belagerten Leningrad tw. genannt wird, oft aber neben den berühmten Dirigenten und Aufführungen nicht genannt wird. Eine andere Quelle meinte sinngemäß etwa : 'als wir Deutschen diese Musik hörten, wußten wir, daß wir diese Stadt nicht besiegen werden.'
Das Buch ist für jeden Musikfan empfehlenswert - ich habe die Sätze der Symphonie nach Kapitelende auf CD jeweils nachgehört. Die Atmosphäre ist dicht beschrieben, die Menschen sehr gut vorstellbar, die Stadt mit Überlebenswillen und Elend packend und unter die Haut gehend gezeichnet. Ich kann diesen Roman nur wärmstens empfehlen.
"Der Dirigent"
Roman
original "The Conductor"
2011, Vintage Books, Auckland
aus dem Englischen von Bettina Abarbanell
2012, Aufbau Verlag Berlin
2. Auflage (bei der 1. Auflage war eine CD mit der 7. Symphonie von Dmitri Schostakowitsch beilegt)
378 Seiten
2 Seiten Danksagungen
13 Seiten Anhang: über 1. Dmitri Schostakowitsch 2. Die Leningrader Sinfonie 3. Die Belagerung Leningrads 4. Interview mit Sarah Quigley
ISBN 978-3-351-03502-2
In diesem faszinierenden, gut geschriebenen Roman wird die Geschichte von faszinierenden Persönlichkeiten mitten während der Blockade und Belagerung der Stadt Leningrad zwischen Sommer 1941 und Sommer 1942 erzählt. Die Persönlichkeiten sind der Dirigent Karl Eliasberg, der Komponist Dmitri Schostakowitsch, und der Geiger Nikolai, sowie Freunde und Nachbarn in Leningrad.
Im Hauptinteresse des Buchs steht der Dirigent des Leningrader Rundfunk Orchesters Karl Eliasberg. Er ist Sohn eines Schusters und mußte zuerst sein Violinstudium, nach Verletzungen sein Dirigierstudium hart erarbeiten. Während der Blockade kümmert er sich so weit es geht um seine ziemlich immobile Mutter, die geistig erschreckend abbaut.
Dmitri Schostakowitsch lebt mit seiner Frau Nina, Tochter Galina und Sohn Maxim in der Stadt. Er dürfte sich evakuieren lassen, will aber in Leningrad bleiben. Die ersten drei Sätze der siebenten Symphonie schreibt er in Leningrad - tw. im Beschuß durch Bomben. Alle erwarten Großartiges von dem Werk - eine Art Kriegssymphonie. Den vierten Satz schreibt er in Kuibyschew.
Nach der triumphalen Uraufführung wird Eliasberg beauftragt mit dem Rest des Rundfunkorchesters diese Symphonie in Leningrad - die Stadt hat soeben einen grauenvollen Winter überstanden - aufzuführen. Verstärkung sind andere Musiker aus der Stadt sowie aus den Militärkapellen. Das Buch endet in der Vorbereitung für diese Aufführung.
Dritter Strang ist der Musiker /Violinist Nikolai und - da seine Gattin gestorben war - seine Liebe zu der präzisen Tochter Sonja (und dem Cello von Mutter und Tochter). Er glaubt sie lange verloren, da es schlechte Nachrichten über einen Zug mit evakuierten Kindern (und seiner Sonja) gibt.
Für Leser/Leserin die sich mit klassischer Musik und deren Komposition beschäftigen ist dieses Buch sehr sehr gelungen. Es ist spannend der Fiktion zu folgen wenn aus Ehegezänk, Bombardement im Schutzkeller oder salbungsvollem Gesäusel eines linientreuen Notenschreiberlings plötzlich Ideen zu der siebenten Symphonie auftauchen und Dmitri Schostakowitsch einen Weg findet sich die Melodie / den Aufbau zu merken. Der Druck etwas schaffen zu müssen, ist auch spürbar - ebenso wie die Leere danach, die manchmal in einem Wodka-Exzeß endet.
Das Buch ist faszinierend mit seinen Menschenbeobachtungen und Schilderungen und fast schrecklich mit seinen Beschreibungen des Elends der Menschen in der blockierten Stadt. Es ist fast unvorstellbar welchen Hunger, welche Kälte und welche Schmerzen diese Menschen ausgehalten haben - oder auch nicht. Im Roman überleben die meisten der Bezugspersonen.
Neben dem Schrecken der Belagerung und der Bombardierung verliert der Terror den Stalin vor dem zweiten Weltkrieg ausgeübt hat, nicht seine angstvolle Wirkung. Immer noch nicht trauen sich die Menschen etwas ehrlich miteinander zu sein - und sie haben recht damit.
Beim Querlesen/Recherche im Internet über die handelnden Personen fällt auf, daß die Aufführung aus dem belagerten Leningrad tw. genannt wird, oft aber neben den berühmten Dirigenten und Aufführungen nicht genannt wird. Eine andere Quelle meinte sinngemäß etwa : 'als wir Deutschen diese Musik hörten, wußten wir, daß wir diese Stadt nicht besiegen werden.'
Das Buch ist für jeden Musikfan empfehlenswert - ich habe die Sätze der Symphonie nach Kapitelende auf CD jeweils nachgehört. Die Atmosphäre ist dicht beschrieben, die Menschen sehr gut vorstellbar, die Stadt mit Überlebenswillen und Elend packend und unter die Haut gehend gezeichnet. Ich kann diesen Roman nur wärmstens empfehlen.
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Dienstag, 27. November 2012
Shahinda Maklad + Gerhard Haase-Hindenberg : "Ich werde nicht zerbrechen"
Shahinda Maklad - Mit Gerhard Haase-Hindenberg:
"Ich werde nicht zerbrechen"
'Ein Frau auf dem Weg zum Tahirplatz. Wie ich nach der Ermordung meines Mannes weiterkämpfte'
2012, Bastei Lübbe Taschenbuch
Vorwort 1 Seite
35 Kapitel auf 320 Seiten
Nachwort des Co-Autors auf 3 Seiten
ISBN 978-3-404-60675-7
Gerhard Haase-Hindenberg hat in Gesprächen die Biographie der heute 73-jährigen ägyptischen politischen Aktivistin Shahinda Maklad (sie wurde im November 1938 geboren) aufgezeichnet und erzählt das intensive spannende Leben einer Frau die Ungerechtigkeiten in ihrem Ägypten ändern möchte.
Shahinda Maklad wuchs als Tochter eines Polizeioffiziers in bürgerlichen gebildeten Verhältnissen auf. Ihr Vater behandelte seine Töchter genauso auf Augenhöhe wie er seine Söhne. Islam als Religion ist für sie vorhanden, aber nichts was ihr Leben bestimmt.
Mit neun Jahren wird ihr von ihrem Cousin Salah erzählt (Sohn der Schwester ihrer Mutter), der sich Grundgrundbesitzern im Kamshish in den Weg gestellt hatte und dafür im Gefängnis gelandet war.
Die Verteilung des Grundbesitzes in Ägypten, wer was besitzen darf, wie die Gesetze umgangen werden und wer welches Land bearbeiten darf/muß wird zum leitenden Thema von Salah, dann Salah und Shahinda und nach Salahs Ermordung von Shahinda.
Sie setzt gegen den Willen ihrer Mutter eine Heirat mit Salah durch, gebiert drei Kinder und ist mit 27 Jahren Witwe. Als Kämpfernatur gibt sie nicht auf; das Begräbnis und auch Jahrestage der Ermordung ihres Mannes werden immer wieder Demonstrationen gegen Willkür in der Politik. Auch innerhalb der / ihrer sozialistischen Partei hat sie manchmal Fürsprecher, oft aber Gegenwind.
Ihre Familie hat wenig von ihr, aber als sie merkt, daß man versucht sie über ihre zwei Söhne zu erpressen, schafft sie es diese außer Landes zu bringen.
Im Jänner 2011 ist sie am Tahrirplatz unter den Aktivisten zu finden und diskutiert viel und leidenschaftlich mit der jüngeren Generation.
Spannend das Buch weil Frau Maklads Sichtweise Ägyptens und der Präsidentschaft von Anwar as-Sadat eine andere ist, als die via Friedensvertrag mit Israel in der Außenwelt transportiert war. Sadat war ein Freund der Großgrundbesitzer. Die Erzählungen unter seiner Präsidentschaft wie Parteien gegründet wurden, gefördert wurden, erlaubt wurden und dann wieder verboten wurden und mit Gefängnis bestraft wurden, muten unter dem Deckmantel von Demokratie seltsam an.
Überhaupt ist das Parteiengeflecht eigenartig: die Muslimbrüder sind war verboten, stehen aber nicht auf der Seite der Unterdrückten (böse Zungen behaupten, daß sie nicht einmal auf der Seite des Islam stehen), die Sozialistische Partei hilft auch niemanden, diverse von Sadat gegründete Parteien die die oppositionellen Meinungen auffangen sollen werden reglementiert. Nach der Ermordung Sadats geht das Regime eher strenger unter Präsident Mubarak weiter.
Die Kapitel erzählt chronologisch das Leben dieser starken Frau, jeweils am Ende sind aktuelle Zeilen über das Geschehen am Tahrirplatz im Jänner 2011. Der Leser/die Leserin muß selbst entscheiden, ob er/sie das Buch von Anfang bis Beginn wie gedruckt liest, oder lieber die Chronologie dieses Frauenlebens zuerst auf sich wirken läßt und dann die aktuellen Teile der Kapitel hintereinander liest.
Drei 'Verbesserungsvorschläge' habe ich für das Buch: eine Zeittafel die z.B. mit der Geburt von Frau Maklad startet und ihr Leben mit den Ereignissen in Ägypten ein zwei Spalten gegenüber stellt.
Das zweite ist ein Glossar von typischen Worten/Vokabeln Ägyptens, die Menschen aus anderen Kulturen erst nachsehen müssen. Und eine Karte Ägyptens auf der Kamshish, Kairo und Alexandria eingezeichnet sind - sowie die Regionen in die ihr Vater weit weg versetzt wurde - wäre auch erläuternd.
In Summe ein sehr empfehlenswertes Buch über eine starke Frau, das Nachdenken macht über Politik und Werte. Und ein Buch das bewußt macht, daß der Kampf um Demokratie im 'ägyptischen Frühling' noch nicht gewonnen ist.
"Ich werde nicht zerbrechen"
'Ein Frau auf dem Weg zum Tahirplatz. Wie ich nach der Ermordung meines Mannes weiterkämpfte'
2012, Bastei Lübbe Taschenbuch
Vorwort 1 Seite
35 Kapitel auf 320 Seiten
Nachwort des Co-Autors auf 3 Seiten
ISBN 978-3-404-60675-7
Gerhard Haase-Hindenberg hat in Gesprächen die Biographie der heute 73-jährigen ägyptischen politischen Aktivistin Shahinda Maklad (sie wurde im November 1938 geboren) aufgezeichnet und erzählt das intensive spannende Leben einer Frau die Ungerechtigkeiten in ihrem Ägypten ändern möchte.
Shahinda Maklad wuchs als Tochter eines Polizeioffiziers in bürgerlichen gebildeten Verhältnissen auf. Ihr Vater behandelte seine Töchter genauso auf Augenhöhe wie er seine Söhne. Islam als Religion ist für sie vorhanden, aber nichts was ihr Leben bestimmt.
Mit neun Jahren wird ihr von ihrem Cousin Salah erzählt (Sohn der Schwester ihrer Mutter), der sich Grundgrundbesitzern im Kamshish in den Weg gestellt hatte und dafür im Gefängnis gelandet war.
Die Verteilung des Grundbesitzes in Ägypten, wer was besitzen darf, wie die Gesetze umgangen werden und wer welches Land bearbeiten darf/muß wird zum leitenden Thema von Salah, dann Salah und Shahinda und nach Salahs Ermordung von Shahinda.
Sie setzt gegen den Willen ihrer Mutter eine Heirat mit Salah durch, gebiert drei Kinder und ist mit 27 Jahren Witwe. Als Kämpfernatur gibt sie nicht auf; das Begräbnis und auch Jahrestage der Ermordung ihres Mannes werden immer wieder Demonstrationen gegen Willkür in der Politik. Auch innerhalb der / ihrer sozialistischen Partei hat sie manchmal Fürsprecher, oft aber Gegenwind.
Ihre Familie hat wenig von ihr, aber als sie merkt, daß man versucht sie über ihre zwei Söhne zu erpressen, schafft sie es diese außer Landes zu bringen.
Im Jänner 2011 ist sie am Tahrirplatz unter den Aktivisten zu finden und diskutiert viel und leidenschaftlich mit der jüngeren Generation.
Spannend das Buch weil Frau Maklads Sichtweise Ägyptens und der Präsidentschaft von Anwar as-Sadat eine andere ist, als die via Friedensvertrag mit Israel in der Außenwelt transportiert war. Sadat war ein Freund der Großgrundbesitzer. Die Erzählungen unter seiner Präsidentschaft wie Parteien gegründet wurden, gefördert wurden, erlaubt wurden und dann wieder verboten wurden und mit Gefängnis bestraft wurden, muten unter dem Deckmantel von Demokratie seltsam an.
Überhaupt ist das Parteiengeflecht eigenartig: die Muslimbrüder sind war verboten, stehen aber nicht auf der Seite der Unterdrückten (böse Zungen behaupten, daß sie nicht einmal auf der Seite des Islam stehen), die Sozialistische Partei hilft auch niemanden, diverse von Sadat gegründete Parteien die die oppositionellen Meinungen auffangen sollen werden reglementiert. Nach der Ermordung Sadats geht das Regime eher strenger unter Präsident Mubarak weiter.
Die Kapitel erzählt chronologisch das Leben dieser starken Frau, jeweils am Ende sind aktuelle Zeilen über das Geschehen am Tahrirplatz im Jänner 2011. Der Leser/die Leserin muß selbst entscheiden, ob er/sie das Buch von Anfang bis Beginn wie gedruckt liest, oder lieber die Chronologie dieses Frauenlebens zuerst auf sich wirken läßt und dann die aktuellen Teile der Kapitel hintereinander liest.
Drei 'Verbesserungsvorschläge' habe ich für das Buch: eine Zeittafel die z.B. mit der Geburt von Frau Maklad startet und ihr Leben mit den Ereignissen in Ägypten ein zwei Spalten gegenüber stellt.
Das zweite ist ein Glossar von typischen Worten/Vokabeln Ägyptens, die Menschen aus anderen Kulturen erst nachsehen müssen. Und eine Karte Ägyptens auf der Kamshish, Kairo und Alexandria eingezeichnet sind - sowie die Regionen in die ihr Vater weit weg versetzt wurde - wäre auch erläuternd.
In Summe ein sehr empfehlenswertes Buch über eine starke Frau, das Nachdenken macht über Politik und Werte. Und ein Buch das bewußt macht, daß der Kampf um Demokratie im 'ägyptischen Frühling' noch nicht gewonnen ist.
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Sonntag, 2. September 2012
George Sand : "Ein Winter auf Mallorca"
George Sand :
"Ein Winter auf Mallorca"
1985, Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH München
(16. Auflage 2004)
8 Seiten Vorwort des Herausgebers
17 Seiten J.B. Laurens - Erinnerungen einer Kunstreise nach Mallorca
219 Seiten George Sand - "ein Winter auf Mallorca" in drei Teilen
15 Seiten George Sand - Geschichte meines Aufenthalts auf Mallorca
1 Seite Bibliographie
1 Seite Bildquellen Nachweis
2 Seiten Karte vom Mallorca
ISBN 3-423-12497-0
Titel der Originalausgabe:
Paris 1842
Ich hatte einiges über George Sand gehört und war neugierig darauf wie sie schreibt. Mein Wissen über sie war, daß sie unkonventionell war, Schriftstellerin, 2 Kinder und - v.a. - die Gefährtin Chopins.
"Ein Winter auf Mallorca" ist entstanden nachdem sie mit ihren Kindern und Chopin drei Monate 1838 auf der Insel verbracht hatte, mit den Ziel dem kalten Winter in Paris zu entfliehen und damit ihrem Sohn Maurice Krankheiten zu ersparen bzw. daß er sich erholen kann. Maurice hat sich erholt und sie beschreibt wie er und ihre Tochter Solange wie die Ziegen auf den Steinen der Insel herumkraxeln.
Leider ist Chopin erkrankt, weshalb der Aufenthalt auf der Insel kürzer als geplant war. Die gewünschte Erholung hatten die Erwachsenen bei dem Aufenthalt nicht.
Sie beschreibt die Insel, die Vegetation, die Architektur, die Art und Weise wie Menschen wohnen die mehr haben, genauso wie die Bauern, Landwirtschaft, Nutztiere und viel was sie an Benehmen ihnen gegebenüber wahrgenommen hat.
Die vier Reisenden wurden nicht wohlwollend aufgenommen: sie und ihre Tochter trugen Hosen, sie und Chopin waren nicht verheiratet und sie gingen sonntags nicht in die Kirche . Verhalten das in Paris als extravagant galt, war auf der Insel unerwünscht.
Hilfe für Kranke war nicht üblich - im Gegenteil Kranke galten als ansteckend und wurde gemieden, was v.a. Chopin erfahren mußte.
Seitenlang beschreibt sie die Kartause in Vallemosa, mit ihren Trakten, Höfen, Bäumen, Ruinenteilen, wenigen Mönchen. Wie sie beschreibt und welche Metaphern sie findet, hat mich fasziniert. Schön sind ihre Assoziationen wenn sie Romantisches mit Operninszenierungen vergleicht oder französische Maler (wie Delacroix) zitiert.
Faszinierend finde ich ihre Beschreibungen der Kleidung der Menschen und wie sie die Menschen ans sich beschreibt - Gesichter, Körper, Benehmen (das sie als ungastlich und schmarotzend empfindet).
Geschichtliche Rückblicke auf den Zusammenhang zwischen Spanien und der Insel werden aufgeblättert. Keine Pferde, weil die nur vom Festland für den Krieg eingezogen wurden, kaum Rind weil das gleiche hier geschah, dafür Schweine, weil die wollten die Spanier nicht.
Sie beschäftigte sich auch mit der Geschichte der Klöster, bzw. der Auflassung und of Niederbrennung. Viele verbrannte Klosterruinen zieren die Landschaft. Dem zur Zeit herrschenden Romantizismus stellt sie in einem fiktiven Gespräch einen Mönch entgegeben, der von den eigenen Katholiken im Kerker ohne Sonne gehalten wurde. Die Inquisition hatte auch hier reiche Beute gefunden und Schuldlosigkeit galt noch nicht - was für Menschen der Aufklärung im Nachhinein schwer zu verstehen ist. Das Gespräch ist sehr packend geschrieben.
Ich habe einige Wochen an dem Buch gelesen - immer wieder unterbrochen von anderen Büchern. Mich hat der Stil und was Frau Sand schreibt fasziniert und ich kann jedem Leser nur das gleiche Verngügen an Sprache, Beschreibung und auch Fiktion wünschen.
George Sand, (eigentlich Amandine Aurore Lucile Dupin de Francueil) lebte vom 1. Juli 1804 bis 8 Juno 1876. Sie war Schriftstellerin und galt als Vielschreiberin (was einige Zeitgenossen nicht schätzten). Ihre Werke sind Romane, Novellen und auch Theaterstücke - viele Briefe von ihr sollen erhalten sein.
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Freitag, 6. Juli 2012
Hernán Rivera Letelier : "Die Filmerzählerin"
Hernán Rivera Letelier :
"Die Filmerzählerin"
original "La cantadora de películas"
2009, Aguilar Chilena de Ediciones, Santiago de Chile
aus dem Spanischen von Svenja Becker
2012, Insel Verlag Berlin
96 Seiten
ISBN 978-3-458-35822-0
Diese Erzählung/Novelle/kleine Roman erzählt eine berührende Geschichte eines Mädchens, das mit viel Phantasie Filme nacherzählt und dann auf dem Boden der Wirklichkeit landet.
María Margarita ist das jüngste von fünf Kinder und einziges Mädchen. Die Familie lebt in einer löchrigen Wellblechhütte nahe den Salpeterabbaustätten in Chile. Den familieninternen Wettbewerb wer am besten einen Kinofilm nachherzählen kann - die Familie kann sich nur eine Kinokarte leisten - gewinnt sie. Mit etwas Material, viel Phantasie und Einfühlvermögen ergänzt durch ihre Singstimme holt sie die Filme in die Hütte der Familie. Sie geht auch auf Besuch zu Menschen die nicht mehr ins Kino gehen können und legt sich einen Künstlernamen zu.
Die Wirklichkeit holt sie aus ihren Filmträumen als männlicher Übergriff, der erste Fernseher im Dorf, der Tod des Vaters, Pinochets Machtergreifung und das Abwandern der Brüder bis zum Auflassen der Minensiedlung sie alleine im Dorf zurücklassen.
Die Personen sind spürbar, aber nicht detailgenau gezeichnet. María Margarita erzählt die Geschichte aus ihrer Sicht - auch daß die Mutter die Familie nach dem Unfall verlassen hatte, was ihre Brüder so tun, wie das Kino aussieht, wie sie sich die Filme erarbeitet (sie sieht es als Aufgabe die gut zu lösen ist).
Die Armut in der Siedlung, das Leben der Familien, die Alkoholsucht der Mienenarbeiter, die Kälte des Wucherers, die alten Weibleins die sich kaum mehr bewegen können aber irgendwo noch einen Laden haben den Verwandte führen - diese Umgebung ist mit paar Strichen wie ein Aquarell angezeichnet und greifbar.
Die Geschichte habe ich langsam gelesen und genossen - sie läßt einen Zauber zurück. Ich empfehle das Buch gerne weiter.
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Dienstag, 14. Juni 2011
Ruth Rybarski (Herausgeberin) : "Katze liebt Frau liebt Katze"
"Katze liebt Frau liebt Katze"
Literarische Streicheleinheiten aufgelesen von Ruth Rybarski
226 Seiten
4 Seiten Überblick über die Autorinnen
2011, Residenz Verlag
23 Erzählungen und ein Gedicht zum Thema Katze hat Frau Rybarski bei Schriftstellerinnen und Journalistinnen erfragt und geliefert bekommen. Die Geschichten sind unterschiedlich lange (oder kurz), humorvoll - liebevoll - skeptisch - skurril - abenteuerlich - spannend (manche auch überraschend fad).
Meine Lieblingsgeschichte ist von Emmy Werner (ja ! der ehemaligen Volkstheaterdirektorin), in der die Katze der Geschichte allergisch auf den Menschen wird.
Skurril und humorvoll ist die kurze Geschichte in der Silke Hassler beschreibt wie sie dabei ist sich in eine Katze zu verwandeln, sich für Katzenfutter zu interessieren und zum Eigenschutz mit der Geschichte aufhört.
Fast gespenstisch ist die Geschichte von Linda Stift, in der sie eine mechanische Katze schildert.
Weitere Geschichten die mir sehr gut gefallen haben sind von Luisa Francia, Julia Franck, und Susanne Scholl.
Die Geschichten sind tw. von der Liebe zu Katzen geschrieben, in denen ich das Gefühl hatte die Autorin hat sich mit dem Wesen der Katzen beschäftigt und von ihrer Grazie und Arroganz um den Finger winkeln lassen. Andere Geschichten sind sehr skurrill und schildern Katzenkämpfe oder Katzenwelten.
Auf dem Cover ist eine sehr nette Katze gezeichnet, deren Körper ein Herz ist. Das Vorwort ist für mich fast eine Liebeserkärung an 'die Katze'. Wer Katzenfan ist wird das Buch sicher genießen - miau ;-)
Das Inhaltsverzeichnis:
Ruth Rybarski : Vorwort
Ingrid Noll : Alles für die Katz
Kathrin Schmidt : Heisser Brei
Christine Haiden : Katz oder Maus ?
Luisa Francia : Die Zauberin
Silke Hassler : Eine Absage
Andrea Maria Dusl : Die Katze des Wahnsinns
Julia Franck : Die Schöne aus Siam im kalten Norden
Ruth Klüger : Cats
Anna Mitgutsch : Wahlverwandtschaften und Todfeindschaften
Andrea Grill : Max
Polly Adler : Bei Doctor Mouse
Mieze Medusa : Miu Miu Miau Miau
Jutta Winklemann und Gisela Getty : Unter dem Cherrybaum
Christine Kaufmann : Kat Zen
Julia Kospach : Der ruhige Genuss des Dekorativen
Lilo Wanders : Onken
Eva Menasse : Ich hasse Katzen
Elisabeth Reichart : Minos von Kreta
Susanne Scholl : Das Familienoberhaupt
Clarissa Stadler : Ivans Rache
Linda Stift : Mary
Emmy Werner : Katzenallergie
Erika Wimmer : Katzen, keine Jammer
Petra Hartlieb : Das Lächeln der Siegerin
Literarische Streicheleinheiten aufgelesen von Ruth Rybarski
226 Seiten
4 Seiten Überblick über die Autorinnen
2011, Residenz Verlag
23 Erzählungen und ein Gedicht zum Thema Katze hat Frau Rybarski bei Schriftstellerinnen und Journalistinnen erfragt und geliefert bekommen. Die Geschichten sind unterschiedlich lange (oder kurz), humorvoll - liebevoll - skeptisch - skurril - abenteuerlich - spannend (manche auch überraschend fad).
Meine Lieblingsgeschichte ist von Emmy Werner (ja ! der ehemaligen Volkstheaterdirektorin), in der die Katze der Geschichte allergisch auf den Menschen wird.
Skurril und humorvoll ist die kurze Geschichte in der Silke Hassler beschreibt wie sie dabei ist sich in eine Katze zu verwandeln, sich für Katzenfutter zu interessieren und zum Eigenschutz mit der Geschichte aufhört.
Fast gespenstisch ist die Geschichte von Linda Stift, in der sie eine mechanische Katze schildert.
Weitere Geschichten die mir sehr gut gefallen haben sind von Luisa Francia, Julia Franck, und Susanne Scholl.
Die Geschichten sind tw. von der Liebe zu Katzen geschrieben, in denen ich das Gefühl hatte die Autorin hat sich mit dem Wesen der Katzen beschäftigt und von ihrer Grazie und Arroganz um den Finger winkeln lassen. Andere Geschichten sind sehr skurrill und schildern Katzenkämpfe oder Katzenwelten.
Auf dem Cover ist eine sehr nette Katze gezeichnet, deren Körper ein Herz ist. Das Vorwort ist für mich fast eine Liebeserkärung an 'die Katze'. Wer Katzenfan ist wird das Buch sicher genießen - miau ;-)
Das Inhaltsverzeichnis:
Ruth Rybarski : Vorwort
Ingrid Noll : Alles für die Katz
Kathrin Schmidt : Heisser Brei
Christine Haiden : Katz oder Maus ?
Luisa Francia : Die Zauberin
Silke Hassler : Eine Absage
Andrea Maria Dusl : Die Katze des Wahnsinns
Julia Franck : Die Schöne aus Siam im kalten Norden
Ruth Klüger : Cats
Anna Mitgutsch : Wahlverwandtschaften und Todfeindschaften
Andrea Grill : Max
Polly Adler : Bei Doctor Mouse
Mieze Medusa : Miu Miu Miau Miau
Jutta Winklemann und Gisela Getty : Unter dem Cherrybaum
Christine Kaufmann : Kat Zen
Julia Kospach : Der ruhige Genuss des Dekorativen
Lilo Wanders : Onken
Eva Menasse : Ich hasse Katzen
Elisabeth Reichart : Minos von Kreta
Susanne Scholl : Das Familienoberhaupt
Clarissa Stadler : Ivans Rache
Linda Stift : Mary
Emmy Werner : Katzenallergie
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Petra Hartlieb : Das Lächeln der Siegerin
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Sonntag, 14. November 2010
Monika Mertl: "Nikolaus Harnoncourt - Vom Denken des Herzens"

Monika Mertl:
"Nikolaus Harnoncourt
- Vom Denken des Herzens"
Eine Biographie
2004, Residenz Verlag
366 Seiten
2 Seiten Einstimmung
9 Seiten Zeittafel
22 Seiten Diskographie
5 Seiten Personenregister
ISBN 3-7017-1409-6
Ein faszinierendes Buch über faszinierende Menschen, das mich einige Monate in Spannung gehalten hat.
Die Autorin schildert Nikolaus Harnoncourt als Musiker, als Familienmenschen, als 'Bastler' und geht auf die musikalische Umgebung und deren Wandlungen ein.
Das Buch startet bei dem familiären Hintergrund (den Großeltern und Eltern) von Nikolaus Harnoncourt, geht dann über Jugend in der Steiermark, und dann Studium und Liebe in Wien, in der er der späteren Ehefrau und Mitstreiterin Alice Harnoncourt geborene Hoffelner in Wien begegnet, über die Zeit bei den Wiener Symphonikern als Cellist. Es ist Zeit und Beschreibungen der Rezeption der "alten" Musik in den 50-er und 60-er Jahren in Wien gewidmet und zeigt die Auseinandersetzung und das Entwickeln einer eigener Rezeption und Musikdarstellung.
Schön sind die Einblicke in Studenten-, Musikerzeit, Ehe- und Familienleben - faszinierend wie Menschen genau zu spüren scheinen wo sie hingehen und hingehören um genau das Richtige zu tun (auch wenn dies Nikolaus Harnoncourt anders wahrgenommen hat).
Als geschichtsinteressierten Menschen waren für mich die Reflexionen auf Zwischenkriegszeit (Familie), Weltkrieg und Aufbau des Lebens hochinteressant.
Die Menschen sind interessant, aber fast spannend wird es für musikinteressierten Menschen wenn erzählt wie mit alter Musik damals an der Uni umgegangen wurde, wie die Welt der Konzert in den 60-er Jahren bestückt war, wie die Entwicklung / Herausforderung verlief und welche Polarisierungen die unterschiedlichen Musikauseinandersetzungen hervorrief.
Am Schluß des Buches geht es um Salzburg und wie damals mit Karajan, Post-Karajan und Mortier etc. in der Ausseinandersetzung um Mozart umgegangen wurde.
Platz finden die wichtigen Ensembles und Orchester mit denen Zusammenarbeit besteht und besteht : wichtig sind der Concentus Wien, dessen Wachsen und Gedeien bis zu großen Reisen, sehr intensiv und fast nahe geschildert ist, aber auch das Concertgebouw orkest, das Zürcher Opernorchester bis zu den Wiener Philharmonikern finden viel Raum.
Faszinierend ist für mich wie die Zeit der Zusammenarbeit für die Mozart - Opern in der Schweiz beschrieben wird: für mich entstand der Eindruck einer fast idealen Zeit in der sich ein 'Dream Team' mit Jean-Pierre Ponelle zusammenfunden haben dürfte.
Da immer wieder Ausschnitte aus Gesprächen mit Nikolaus Harnoncourt abgedruckt sind, (und ich seine Stimme aus Interviews kenne), hatte ich immer wieder das Gefühl direkt angesprochen zu werden oder direkt manches 'gesprochen' zu erhalten.
Für mich ein Buch bei dem ich immer wieder die Seiten zumachen und durchdenken mußte, auch hinterfragend, was ich mitgekriegt habe oder was auch nicht, ob ich in dem Konzert / der Aufführung gewesen war und wie ich dieses Konzert / Aufführung in Erinnerung habe.
Ein wunderbares Buch für musikverliebte Leser, die sich von einem faszierenden Menschen und einer außergewöhnlichen Harmonie in Beziehung in den Bann ziehen lassen möchten.
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