Posts mit dem Label Homosexualität werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Homosexualität werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 10. April 2025

Alaa al-Aswani : "Der Jakubijan-Bau"

Alaa al-Aswani :
"Der Jakubijan-Bau"
original "Imârat Ya'qûbyân!
2002, published by arrangement with the American University in Cairo Press
Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich
(2007), 4. Auflage 2011, Lenos Pocket 123, Basel
354 Seiten + 2 Seiten 'Die wichtigsten Personen' + 7 Seiten Nachwort
ISBN 978-3-85787-723-0

Der "Jakubijan-Bau" in der Suleiman Pascha Straße hat schöne Wohnungen, schöne Geschäfte und je höher es geht umso einfachere Behausungen, vor allem auf dem Dach. In diesem Roman erzählt der Autor das Leben einiger wie ihnen das Leben spielt oder auch wie sie mit dem Leben anderer spielen.
Taha lernt und will auf die Polizeischule, was ihm trotz seiner Noten nur wegen seiner Abstammung zu einem Torhüter verwehrt wird. Ihm wird mitgeteilt daß er studieren darf, lernt dort sehr gläubige Menschen kennen und folgt einem manipulativen Scheich. Sein Aufenthalt im Gefängnis bringt ihn weiter auf die aggressive Bahn, die schlecht für ihn ausgeht.
Buthina ist seine ehemalige Freundin. Als intelligente Frau ohne Vater kann sie nicht weiterstudieren, muß arbeiten gehen und lernen wie man als hübsche Frau mit lästigen Männern umgeht. Durch eine List wird sie Assistentin von Saki, einem nicht mehr ganz jungen Bonvivant mit Faible für schöne Frauen. Sie hilft ihm und die Geschichte geht gut für sie aus.
Hatim ist ein gescheiter, belesener aber einsamer und homosexueller Chefredakteur. Seine Verbindung zu einem jungen attraktiven verheirateten Soldaten wird für den jungen Mann immer problematischer. Hatim hilft ihm weiter, die Beziehung hat keine Chancen.
Hagg ist ein Unternehmer mit vielen Beziehungen und dem Wunsch auch politisch aufzusteigen. Er findet immer die richtigen Leute die ihm die richtigen Ratschläge geben - sei es für die Politik als auch für sein Privatleben. Er heiratet heimlich die junge schöne Suad, wobei sie nur als seine geliebte gilt und kein Kind von ihm haben darf. Als doch ein Kind entsteht weiß ein machtbewußter Scheich wie man auch dieses Problem - dem Koran zum Trotz - erledigt.
Als Nebenfiguren gibt es den Diener von Saki, der geschäftstüchtig ist und mit seinem Bruder weiß wie man gut mit Nebengeschäften und Brutalität durchkommt.

Die Menschen sind teilweise gut gezeichnet, manchmal auch etwas plakativ. Die Lebensgeschichten der einzelnen Menschen ist intensiv geschrieben, die einen in ihrer durch Ungerechtigkeit angestachelten religiöser Überzeugung, andere die durch Anpassung versuchen etwas besser zu leben.

Die beiden Scheichs werden skrupellos geschildert, der eine für die religiöse Sache, der andere zum Nutzen der Reichen und Schaden der Armen.

Unter die Haut ging mir das Schicksal von Suad, die als zweite Frau vollkommen rechtlos ist, mit deren Bruder ein Vertrag über sie gemacht wurde, die ihren eigenen Sohn aus der Ehe davor nicht sehen darf, aber einem ältlichen Mann die reizvolle Frau spielt; sie paßt sich auch an als der Scheich kommt. Wie dann die Rache der Mächtigen über sie kommt fand ich schaurig.

Die Beschreibungen von Gewalt sind deftig, genauso von Sexualität. Der Roman ist kraftvoll wie er zwischen von den Schicksalen der Menschen erzählt, auch wenn er den Tod des kleines Kind des Freundes von Hatim beschreibt, oder die noch stärkere Verzweiflung Hatims auf der Suche nach Liebe und Beziehung als andere Figuren in dem Roman.

Mit den Orten der Handlungen konnte ich wenig anfangen, mir sind die Menschen nahe gegangen.

In Summe ein starker Roman, bei dem ich manchmal auch mit weniger Brutalität verstanden hätte, was der Autor bezweckt.

ʿAla' al-Aswani (vom Verlag verwendete Transkription Alaa al-Aswani) wurde am 26. Mai 1957 in Kairo geboren. Er war in Kairo im Lycee und studierte später Zahnmedizin in Kairo und Paris, mit späterer Weiterbildung in USA. Er ist Wortführer für die demokratische Opposition in Ägypten, war wichtig bei dem Sturz Mubaraks 2011. 2002 veröffentlichte er den Roman ʿImarat Yaʿqubian' (Der Jakubijan-Bau), 2006 schrieb er den Roman (ar.: 'riwayah') 'Shikaju', 2021 erschien sein Roman 'Die Republik der Träumer' über den Arabischen Frühling in Kairo. Er lebt seit 2019 zwischen Paris und New York im selbstgewählten Exil.

Montag, 15. Juli 2024

Pedro Almodóvar : "Der letzte Traum"

Pedro Almodóvar :
"Der letzte Traum" - Zwölf Erzählungen
original " El último dueno"
2023, Penguin Random House Gruop Editorial, Barcelon
Aus dem Spanischen von Angelica Ammar
2024, S. Fischer Verlag
214 Seiten inkl Vorwort + 1 Seite Inhaltsverzeichnis + Lesebändchen
ISBN 978-3-10-397569-7

In den Buch sind zwölf sehr unterschiedliche Erzählungen über längeren Zeitraum zu sehr verschiedenen Themen zusammengestellt. Im Vorwort erklärt der bekannte Regisseur, daß er nie eine Autobiographie schreiben wollte und diese Erzählungen als Teil eines Tagebuch sieht, daß er Ideen für seine Filme vorgreift oder sie auf diese Art anders abschließt.

Der Besuch - eine attraktive und sehr hergerichtete junge Frau geht in einem ländlichen Dorf in die Kirche mit angeschlossenem Internat und verwickelt den ehemaliger Pater jetzt Direktor in ein Gespräch. Sie zeigt ihm Texte des Bruders, indem er über die sexuellen Übergriffe der Patres aus seiner Kindheit und seine Verwirrung daraus zählt.  Die letzte Wendung der Geschichte überrascht, oder eigentlich bei Almodovar nicht.

Zu viele Geschlechtsumwandlungen - es geht um Leon, Schauspieler und Geliebter und Partner, und vielen Varianten von Endstation Sehnsucht (zumindest ist es das, was mir am stärksten in Erinnerung blieb)

Die Spiegelzeremonie - Graf Dracula und der Abt eines strengen Klosters finden zu eine eigenartigen Symbiose.

Johanna, das Wahnröschen - Johanna, spanische Köngistochter, fällt nach dem Stich einer Nadel in riefen Schlaf, ihre Eltern organisieren den Niederländischen Prinzen sie wach zu küssen, leider stirbt ihr Ehemann und sie meint daß er nur schläft und wird von ihrem Vater in einem Schloß eingesperrt. Jahre später holen sie Revolutionäre und sie ist Königin. Die Vermischung der spanischen Geschichte um Johanna die Wahnsinnige gemischt mit Dornröschen ist faszinierend.

Der letzte Traum (2002) - über seine Mutter, die ihm den Unterschied zwischen Wirklichkeit und Fiktion beibrachte, und daß Fiktion das Leben erträglich macht(e).

Leben und Tod von Miguel - Miguel erlebt sein Leben vom Tod rückwärts, er wurde erschossen, schrieb Literatur, wollte mit einer Frau ins Ausland gehen, und alles läuft zurück bis er wieder im Schoß seiner Mutter ist und sich niemand mehr an ihn erinnert. Faszinierend erzählt !

Bekenntnisse eines Sex-Symbols (1979) - Patty Diphusa, eine grandiose Porno-Darstellerin, erzählt über das Leben mit Männer, Drogen, Schmuck und Machtspiele. 

Bittere Weihnachten - eine erfolgreiche Regisseurin kämpft mit Hilfe ihres Freundes gegen gräßliche Schmerzen und vergißt diese erst als sie bei einer guten Freundin und deren Tochter ist, und Musik von Chavela Vargas La Lorrona spielt.

Adieu, Vulkan - ist eine Liebeserklärung an das Leben der mexikanischen Diva Chavela Vargas La Lorrona.

Die Erlösung - eine Variante von Jesus ist auf der Erde, spricht zu den Menschen und lernt hier im Gefängnis Barbaras kennen. Auch hier wird Barbaras freigesprochen, das Ende ist aber nicht das was in der Bibel steht sondern ein Bekenntnis zu Freundschaft zwischen sehr verschiedenen Menschen die sich einander angeglichen haben.

Erinnerung an einen leeren Tag - es ist Gründonnerstag und er schreibt über Andy Warhols Tagebücher, über Slimani die sich in die Dugan in Venedig einschließen läßt um kreativ zu sein, und daß das für ihn gar nicht geht, denn er braucht die Menschen um sich, auch wenn er es verabsäumt hat Freundschaften zu pflegen.

Ein schlechter Roman (2022) - ist ein Diskurs ob jemand der keinen Roman schreiben kann, nicht Drehbuchautor sein kein (nein), und endet dabei das Drehbücher und Roman ganz unterschiedliche Stärken haben und Drehbuchautor nahe dem Geschehen sein muß, während sich der Schriftsteller vergraben kann. 

Ich war fasziniert von den vielen Büchern und Autoren, die Almodovar hier zitiert und werde mir das Buch nochmals durchlesen und die Bücher für mich herausschreiben (in der Hoffnung sie zu lesen).

Nachdem ich zwischen Erzählungen immer wieder Pausen mache, habe ich über das Leben von Chavela Vargas nachgelesen und mir einige Canciones in ihrer sehr markanten intensiven Stimme angehört. Die Stimme macht bei mir Gänsehaut.

In Summe eine Sammlung für mich intensiven, starken Erzählungen, die ich gerne weiterempfehle. Viel Freude beim Lesen !

Donnerstag, 10. Juni 2021

Giulia Conti : "Lago Mortale"

Giulia Conti :
"Lago Mortale" - Ein Piemont-Krimi
2019, Hoffman und Campe Verlag, Hamburg
280 Seiten + 2 Seiten Nachbemerkungen der Autorin / Karten auf den Innenklappen
ISBN 978-3-455-00546-2

Simon Strasser, deutscher Journalist mit italienischer Mutter, lebt seit Jahren am Ortasee mit der Tochter einer Freundin, die ihn als Vater sieht. Er entdeckt eine führerlose Segelyacht auf dem See, und eine Leiche, was ihn wieder in Kontakt mit der toughen Maresciallo Carla Moretti in Kontakt bringt. Sie folgen gemeinsam der Spur zu einer Hippiekomune, Drogen, Homosexualität, besserer Gesellschaft in wichtigen Wirtschaftszweigen, und Simon auch einigen Segelfahrten. Auch Besuch bei einem Steinmetz und in ein Krankenhaus ist bei den Ausflügen im Hochsommer. Am Schluß kommt heraus, wie schwer sich manche Eltern mit der Homosexualität ihres Kindes tun.

Parallel sieht er sich als Ersatzvater gefordert und hinterfragt seine Beziehungsfähigkeit. Da er einige Auswahl an interessanten Frauen in seiner Umgebung hat, ist der Strang etwas mühsam.

Interessant sind die Erzählungen über die Alessi und andere reale Firmen, die im Piemont ihren Unternehmensstandort haben; hier wurde schriftstellerische Freiheit und Wirklichkeit gemischt. Es gibt dort eine Dombauhütte des Mailänder Doms, die nicht so wie beschrieben ist, aber dieser Teil ist faszinierend zu Lesen.

Als Hintergrund kommt immer wieder die Geschichte der Partisanenrepublik Ossola, die 44 Tage im Jahr 1944 mit eigenem Parlament, eigener Währung, Zeitungen und demokratischem Leben hatte. Die Hälfte der Menschen flohen beim Zusammenbruch durch Kriegsinvasion in die Schweiz.

Ort ist der See und die Region mit ihrem Bergen, und auch kleinen Dörfern. Es ist Hochsommer und sehr heiß.
Es gibt viel über schöne Segelschiffe und auch eine traditionelle Segelregatta zu lesen.

Mitraten des Who-dunnit ist möglich.

Der Summe ist der Krimin ein wunderbarer Ferienkrimi, bei dem über Wirtschaft, Geschichte und auch über bodenständiges italienisches Essen erzählt wird. Viel Freude beim Lesen !

Montag, 27. Januar 2020

Nicolas Remin : "Schnee in Venedig"

Nicolas Remin :
"Schnee in Venedig" - Commissario Trons erster Fall
2006, Rowohlt Taschenbuch Verlag / 3. Auflage 2010
537 Seiten / Großdruck
ISBN 978-3-499-33241-8

Commissario Alvise Tron, Sohn verarmter Adeliger in einem riesigen venezianischen Palazzo, wird berufsbedingt zum Raddampfer geschickt, auf dem ein Offizier ermordet worden war. Ein österreichischer Offiziert verhindert Recherchetätigkeiten der Beamten vor Ort, erklärt die Sache nach einem Selbstmord im Gefängnis als erledigt und motiviert Tron damit dem Wunsch der Kaiserin Elisabeth, die incognito in Venedig ist, hier einige Ungereimtheiten zu klären. Leider werden die Menschen, die er befragen möchte, kurz vor seinem Hinzukommen ermordet. Nach einem Tanz mit der Kaiserin wird eine Falle gegen den Commissario aufgebaut. Am Schluß sind der Mörder und einige Hintermänner tot, und eine Liebesgeschichte ist dabei gut auszugehen.

Conte Alivise Tron ist ein schlanker Mann mit schlechten Augen und charmantem Kneifer. Die Principissa di Montalcino ist ein schöne charmante zurückhaltende Frau mit bezaubernder Boticelli-Nase, die durch Heirat zu Geld gekommen ist und in der Kindheit Schlimmes erlebt hat. Kaiserin Elisabeth wird hier als 25-jährige Frau mit Humor und Gespür für Grenzen geschildert. Spaur ist der Vorgesetzte Trons, der versucht das Richtige für seine Stadt aber auch die Gerechtigkeit zu tun, aber ohne seine eigene Karriere zu gefährden. Oberst Pergen ist kaiserlicher Offizier, der mit Macht und oft ohne Benehmen auftritt und sich die Wahrheit zu seinen Gunsten zurechtbiegt. Die Mutter des Conte, sowie Alessandro der alte Diener und Hausfaktotum sind schön skizziert. Ein ehemaliger Cellist des Fenice ist ein schöner Mann, der Männer mag. Ein ehemaliger Offizier ist jetzt Mönch, der photographiert, aber kein Mitleid mit Menschen hat. Ein anderer ehemaliger Offizier arbeitet für die Gasgesellschaft und ist mit dem Ersetzen von Petroleumlampen beschäftigt; er ist gut aussehend, gebildet und sehr skrupellos.

Venedig ist diesmal im Schnee mit Scheegestöber geschildert. Alle fahren Gondel, egal ob gemietet oder der individuellen militärischen Gruppen die gerade in der Stadt weilen.

Die Orte der Handlung sind dem Venedig-kundigen nachvollziehbar.
Der Großdruck ist sehr angenehm zu lesen.

Die Geschichte ist gut zu lesen, die Ort und Menschen gut vorstellbar. Das Ende überraschend. Ein Mord wird nicht wirklich bewertet, der böse Mörder ist erratbar. Viel Spaß beim Lesen !

Bio von Nicolas Remin bei "Venezianische Verlobung"(20. Okt 2013)

Montag, 8. Juli 2019

Beate Maly : "Tod an der Wien"

Beate Maly :
"Tod an der Wien" - Historischer Kriminalroman
2017, emons Verlag
263 Seiten + 3 Seiten Nachwort
ISBN 978-3-7408-0221-9

Nach dem Prolog in einer sehr strengen Bubeninternat springt die Handlung in den Winter 1922 in Wien. Die pensionierte Lateinlehrerin Ernestige Kirsch, die im Haus des Apothekers Anton Böck wohnt, liebt Musik und Operette. Nach Lehars Operette "Die gelbe Jacke" rauscht die beliebte Diva ab, und wird später tot aufgefunden. Ein ehemaliger Schüler von ihr ist bei der Kriminalpolizei und erzählt ihr einiges. Sie recherchiert alleine oder gemeinsam die Geschichte des aktuellen Liebhabers der Diva, das Leben des Ehemannes der Diva, das Leben der Putzfrau im Theater an der Wien und recherchiert in alten Schuldokumenten und einer Cabarett-Spelunke. Am Schluß stehen viele Unfälle und die Erkenntnis, daß etwas mehr Offenheit und weniger Drill weniger Unheil gebracht hätte.

Die Geschichte folgt dem Leben von Frau Kirsch und Hern Böck mit dem was sie sehen und erleben. Während Frau Kirsch versucht mit Fragen Anworten zu bekommen, und hier manchmal etwas vorwitzig vorgeht, ist Herr Böck zurückhaltend und beoabachtet, und wird eher wiederwillig ins Geschehen gezogen.
Die zarte Zuneigung, die sich zwischen den beiden entspinnt, ist entzückend zu lesen. Es beginnt sich auch eine zweite Romanze im Buch anzubahnen. Die große Liebe in dem Buch muß leider geheim gelebt werden.

Die Typen im Buch sich unterhaltsam geschildert. Es gibt die große Diva mit großer Berechnung, die zweite Diva mit Hang zum Alkohol, die resche Hausmeisterin, die unterdrückte Putzfrau mit hungriger Kinderschar, den häßlichen Theaterdirektor mit schöner Begleitung, den eleganten Ehemann der Diva, die erotische Cabarett sängerin, bis zur eifersüchtigen reichen Gattin des Geliebten der Diva zu lesen.
Das strenge Internat soll es zwar nicht geben, allerdings sind die Erziehung mit kaltem Wasser und Rohrstäben noch lange gültig, und erst langsam beginnen sich rohrstock-freie Erziehung wie bei Montesorri und anderen Pädadogen mit Vehemenz durchzusetzen.

Das Cover ist liebevoll mit Jugendstil-Geschnörksel gestaltet.

Die Geschichte ist gut erzählt und wenn man sich etwas in Wien auskennt, ist die geographische Geschichte gut verfolgbar. Die Operette "Land des Lächelns" hatte wirklich die erste Aufführung unter obigem Titel, sonst ist aber vieles der Phantasie entsprungen.
Viel Spaß beim Lesen.

Beate Maly wurde 1970 in Wien geboren. Sie ist ausgebildete Kindergärtnerin und Kinderpädagogin und begann zuerst Kinderbücher zu schreiben. 2008 erschien ihr erster Kriminal im historischen Wien "Die Hebamme"; 2018 erschien ihr 11. Kriminalroman "Mord auf der Donau".

Montag, 18. März 2019

Gudrun Lerchbaum : "Wo Rauch ist"

Gudrun Lerchbaum :
"Wo Rauch ist"
2018, Argument Verlag, Ariadne 1233
276  Seiten + 2 Seiten Anmerkungen und Dank
ISBN 978-3-86754-233-3

Olga, die an Multiple Sklerose erkrankt ist, versucht mithilfe des Trauerredners Adrian und der etwas verrückten Kiki, die nach einem Mord aus dem Gefängnis entlassen wurde, den Tod ihres Exmannes Can zu erklären. Can war ein charismatischer und investigativer Journalist gewesen, der sein Heimatland Türkei zwar geliebt hat, aber keine extremen und diktatorischen oder gar freiheitseinschränkenden Ideologien unterstützte, im Gegenteil diese medial anprangerte. Die Suche nach Unterlagen führt zum Laptop und einem charismatischen Friseur, unangenehmen Besuch durch einen kampferprobten Mann, Kontakt mit der Wiener Polizei und Cans Familie. Am Schluß wird Cans Tod durch die tatkräftige Unterstützung von Cans Familie aufgeklärt.

Die Geschichte wird aus drei Blickwinkeln und Persönlichkeiten geschildert : Olga, Kiki und Adrian.
Olga muß neben ihrem Mißtrauen gegenüber vielen Menschen und etablierten Strukturen, auch mit ihrem Körper der immer weniger da macht was sie will, auseinander setzten; ihren Verstand betrifft die Krankheit nicht, allerdings ist sie nicht bereit weniger bissig mit ihrem Umfeld umzugehen.
Adrian, der als Grabredner die richtigen Sätze drechselt und Verwandte mit Mitgefühl begleiten kann, läßt sich wiederwillig in die Recherchearbeiten ziehen und entdeckt, daß ihm die üppige ermittelnde Polizistin gefällt.
Kiki wird als Assistenz von Olga engagiert, und macht bei ihren Versuchen zu helfen, ziemliche Fehler und Selbstüberschätzungen. Mich persönlich hat die Figur ziemlich genervt.

Die türkischen politischen Hintergründe und Seilschaften sind frei erfunden, bleiben aber trotzdem ungut in Erinnerung. Die Konstruktionen von militärischen Organisationen mit kampflustigen Gesellen, sowie engstirnige Frauengemeinschaften und der unfreundliche Auftritt der Staatsgewalt machen beim Lesen Angst.

Die Menschen sind unterschiedlich engagiert, charmant, intelligent, organisationstreu oder flexibel im Denken geschildert. Es kommt viele wirklich gut weg, da jeder meint daß nur seine Gesinnung und Toleranz-Intoleranz richtig sei. Einzig Adrian versucht einen Weg zu gehen, um Menschen nicht nur vor den Kopf zu stossen oder anderen seine Ansichten aufzudrücken.

Beim Lesen bekam ich wieder einmal Respekt vor der Arbeit als Assistenz für körperlich behinderte Menschen. Wie diese einerseits nur Hände oder Füße sein sollen, ohne zu denken, andererseits aber die körperlichen Probleme bereits vorweg denken sollen, imponiert mir.

In Summe ein spannender Kriminalroman.

Gudrun Lerchbaum wurde als Gudrun Hepperle am 13. April 1965 in wien geboren. Sie lebte als Kind in Wien, Paris und Düsseldorf. In Wien studierte sie an der Technischen Universität Architektur und konzepierte Textilkunst. 2015 erschien ihr erster Roman "Die Venezianerin und der Baumeister".

Freitag, 31. August 2018

Andrea Camilleri : "Jagd nach einem Schatten"

Andrea Camilleri :
"Jagd nach einem Schatten"
Roman
original "Inseguendo un'ombra"
2014, Sellerio editore, Palermo
Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki
2018, Nagel & Kimche
195 Seiten
ISBN : 978-3-312-01086-8

Diese Jagd nach einem Schatten gilt einem Mann im 15 Jahrhundert. Geboren als Jude - vermutlich unter dem Namen Samuel Ben Nissim Abul Farag - merkt er die Nachteile als Juden in Sizilien, konvertiert - und nimmt den Namen Guglielmo Raimondo an-, wird mit Hetzpredigten gegen Juden und grandioser Rhetorik zu einem der Stars im Vatikan. Nach einer 'Verfehlung' - es wird Mord vermutet - flieht er zuerst nach Deutschland, und dann zurück diesmal in die Toskana, wo er unter dem Namen Flavio Mitridate, Übersetzer für Pico della Mirandola wird. Nachdem die Verfehlung nach Jahren wieder verfolgt wird, geht sein weiteres Schicksal unter - Camilleri hat einige Endvorschläge.

Camilleri geht hier auf Spuren anderer Schriftsteller und Historiker wie Leonardo Sciascia, und schreibt drei Kapitel in denen zuerst romanhaft wie gescheit, sprachengenial aber unangenehm und launenhaft der Mensch Samuel/Guglielmo/Flavio gewesen sein könnte / dürfte. In anderem Font arbeitet Camilleri die Unterschiede zwischen seiner Romanfigur und dem, was als es als Belegen gibt, auf.

Ob diese Menschen mit unterschiedlichem Namen wirklich ein Mensch sind, ist nicht geklärt. Geklärt ist die Homosexualität von Flavio, sowie eine Amoure die ihm vielleicht wichtig gewesen sein dürfte. Camilleri macht eine Liebesgeschichte daraus. Daß Flavio einen Liebensjungen vertraglich gesichert hat und diesen wiederholt einfordert, gilt als gesichert.

Die Menschen und Beziehungen im Vatikan zeichnen ein machtgieriges Beziehungsgerüst, in dem erotische Leidenschaften und Cliquen Jahrzehnte vor Luther und Papst Alexander VI den Kirchstaat diktieren.

Samuel/Guglielmo/Flavio ist das Zentrum des Romans. Ihm werden Gefühle, Gedanken und Handlungen im Roman angedichtet; seine Verwandlungen, sein Ehrgeiz und Geldgier sind die Angelpunkte seines Handelns. Einzig sympathisch wirkt seine Vorliebe für wunderbare Bücher.

Die Geschichte ist spannend erzählt, auch wenn etwas zu viele Fachvokabel wie Neophyt (bekehrter Jude), Sbirren (quasi Geheimpolizei in Rom/Vatikan) und v.a. lateinische Sätze aus dem Kirchenbereich, die ich mit den Resten meines Schullateins irgendwie sinnhaft übersetzen konnte. Sinngemäß wird oft im darauf folgenden Satz darauf hingewiesen und einigermaßen erklärt.

Das Buch ist für Menschen die sich gerne in die Renaissance einlesen vermutlich große Freude. Mich hat die Spannung und Ambivalenz zwischen Fantasie und Recherche fasziniert. Viel Freude beim Lesen !

Andrea Camilleri wurde am 6. September 1925 in Porto Empedocle auf Sizielien geboren. Er ist Drehbuchautor, Regisseur und ermutlich am bekanntesten als Schriftsteller. 1978 erschien sein erster Roman, 1994 sein erster Kriminalroman mit Commissario Montalbano (1999 auf Deutsch).

Samstag, 19. August 2017

Bernhard Aichner : "Nur Blau"

Bernhard Aichner :
"Nur Blau"
Roman
2012, Haymon Innsbruck
222 Seiten
ISBN 978-3-85218-903-1

In diesem dichten großartigen Roman geht es um das Blau und dem Maler Yves Klein. Mehrere Fäden werden erzählt, die sich lose miteinander verbinden :

Der eine ist Jo, ein ungestümer junger Mann der so lange mit blau probiert, bis der das Yves Klein blau hat und Kopieren herstellen kann. Mosca ist sein Freund, Literaturagent, gepflegt, elegant und belesen. Ben ist Taxifahrer in Frankfurt und hat grausliche Alpträume durch Tabletten. Oliver ist Mistmann, findet ein Bild von Yves Klein in einer Mülltonne und verliebt sich in Herta die von einem eigenen Restaurant träumt. Anna war mit Ludwig einem Radiosprecher zusammen, der sich quälte - jetzt zeichnet sie mit Bleistift und arbeitet in einem Restaurant; nebenbei hatte sie was mit Ben laufen. Mirella ist aus Italien, lebt in einem Wohnwagen und kannte Yves Klein als sie jung war und er in einer Galerie in Mailand ausstellte. Onnie ist Däne, dünn und hat ein Harnproblem und schnupft Rauschgift; als Mosca ihm helfen will wird das von Ming, einer ehrgeizigen Asiatin, vereitelt. Am Schluß ist ein Fenster offen.

Mich hat der Roman fasziniert und ich mußte weiter- und durchlesen bis ich auf der letzten Seite war. Die Menschen und ihren 2-er oder auch 3-er Beziehungen sind gut spürbar, aber auch die Suche nach wie-will-ich-leben bei denen die Haupt- und Nebenplaneten ist nachvollziehbar.

Die Beziehung zwischen Mosca und Jo ist haptisch und in ihrer Sinnlichkeit schön vorstellbar. Auch die Beziehung zwischen Anna und Ludwig, die Ludwig durch Verletzungen ruiniert, ist in ihrer Körperlichkeit nachvollziehbar.
Als Gegenpole sind Jo der dem abstrakten Klein-Blau nachjagt und Anna die viele Bleistiftzeichnungen ihres eigenen verletzten Körpers zeichnet aufgebaut.

Im Gegensatz zu einem Kriminalroman des Autors bei dem mir die Eigenschaftswörter fehlten, gibt es hier genug vorstellbares und ich konnte in die spannenden Erzählfäden eintauchen.

In Summe : ein grandioses Buch, das ich gerne weiterempfehle !

Yves Klein lebte von 28. April 1928 in Nizza bis 6. Juni 1962 in Paris (Herzinfarkt).

Dienstag, 19. Juli 2016

Viveca Sten : "Tod im Schärengarten"

Viveca Sten :
"Tod im Schärengarten" - ein fall für thomas andreasson
Roman
original "I den innersta krestsen"
2009, Forum Bokförlag, Stockholm
Aus dem Schwedischen von Dagmar Lendt
2011, Kiepenheuer & Witsch
355 Seiten
ISBN 978-3-462-04396-9

Bei einer renommierten Segelwettfahrt wird im Moment des Startschusses ein reicher, eingebildeter Machtmann auf seinem neuen Schiff (einer Swan 601) ermordet. Kommissar Thomas Andreasson und sein Team ermitteln im privaten (es gibt reihenweise Geliebte) und beruflichen (der Tote war Konkursanwalt) Umfeld, und ist teilweise mit den Adeligen in Schweden konfrontiert. Rasch wird klar, daß der Tote zwar sehr charmant, aber nicht beliebt war; seine Machtspiele wurden ihm zum Verhängnis.
Parallel geht es um Nora Linde, eine alte Jugendfreundin von Thomas Andreasson, die ein altes Haus geerbt hat, das ihr Mann gerne verkaufen möchte um sich was Besseres zu gönnen. Nora entscheidet sich anders, was zu ziemlichen Problemen in der Ehe führt.
Immer wieder sind Gedanken und Erinnerungen in kursiv gedruckt. Erst rückwirkend lassen sie sich verschiedenen Menschen zuordnen.

Das Polizeiteam besteht aus dem Mentor Göran Persson, dessen Tochter Carina (mit der Thomas ein Verhältnis hat), Margit (mit der Thomas am besten und eingespielt zusammenarbeitet), sowie Kalle und Eric.
Diesmal stehen sie einer Gruppe aus einer traditionsreichen Segelvereinigung gegenüber: der dynamische Hans Rosensjöö, der 2 Perioden lang der Geschäftsführer gewesen war; dessen Ehefrau Britta; Ingmar von Hahne, den sein Benehmen und Abstammung auszeichnet, aber wenig Konturen zeigt; dessen schöner kühler Ehefrau Isabelle; dem Bankmenschen Martin Nyrén. Es wird hier zeitweise reiches abgehobenes Leben geschildert, als auch die Doppelbödigkeit der Gesellschaft, aber auch daß Menschen für ihren Lebensstandard arbeiten müssen (oder betrügen).

Die Orte der Handlung sind entweder das Meer um die Inseln und im Schärenmeer, Stockholm mit Banken, Polizei-Konferenzräumen und Bibliotheken.
Die Beziehungen sind meist nicht glücklich : entweder lange anspruchslos laufend, oder kur und intensiv, manchmal sehr einseitig, oder auch von Änderungen in Ansprüchen und Werten ausgeliefert.

Die Menschen sind gut vorstellbar. Bei den Orten tue ich mir schon schwerer.
In Summe ein gut lesbarer Kriminalroman bei dem Mitraten nach dem Mörder und dem Motiv möglich ist. Viel Freude beim Lesen !

Viveca Anne Bergstedt Sten wurde am 18. Juni 1969 in Stockholm geboren. Sie studierte Jus, und arbeitet als Juristin bei der schwedischen Post. 2008 wurde der erste Kriminalroman mit den beiden Figuren Kommissar Thomas Andreasson und dessen Jugendfreundin Nora Linde veröffentlicht. Die Romane spielen in den Schären auf Sandhamn, wo sie auch privat lebt.

Mittwoch, 9. Dezember 2015

Robert Wilson : "Der Blinde von Sevilla"

Robert Wilson :
"Der Blinde von Sevilla"
Roman
original "the Blind Man of Seville"
2003, Harper Collins, London
Aus dem Englischen von Kristian Lutz
2004, Wilhelm Goldmann Verlag, München
2 Seiten Stadtplan Sevilla + 628 Seiten + 2 Seiten Danksagung
ISBN 3-442-459637-1

Dieser Kriminalroman spielt meist in Sevilla mit Ausflügen nach Rußland und nach Tanger. Javier Falcon ist ein kühler erfolgreicher Kommissar der aus Madrid nach Sevilla geholt wird um hier seine Erfolge weiterzuführen.

Er hat bestialische Morde aufzuklären. Ein erfolgreicher Geschäftsmann und Besitzer mehrerer Restaurants mußte sich vor seiner Ermordung Filme ansehen; ein erfolgreicher Galerist mußte sich vor seinem Tod Filme ansehen. Er spät entrollt sich dem Kommissar, daß sein Vater, ein berühmter Maler, mit beiden Männern in intensivem Kontakt gestanden war und erst im Showdown wird ihm enthüllt wie sein Schicksal mit den Morden verknüpft ist.

Der dicke Roman ist dicht geschrieben. Das Leben in Sevilla, in Tanger (Marokko) 30 Jahre zuvor, im klirrend kalten Rußland Krieg zu Francos Zeiten, der waghalsige Schmuggel von Zigaretten und Wertvollerem, die unterschiedlichen Menschen in den Familien des Geschäftsmannes und die eigene Künstlerfamilie von Falcon sind gut vor dem geistigen Auge vorstellbar.

Viele Themen finden in dem mehr als 600 Seiten starken Roman Platz: die Fremdenlegion, der zweite Weltkrieg, das freie Leben und die Liebe in Spanisch-Marokko, Gewalt im Krieg, Homosexualität manchmal offen - manchmal versteckt, einige Lebenslügen, verschiedene Überlebenstechniken, Arbeit von Künstlern, und oft Eifersucht.

Viele Personen finden ihren Platz; der Autor begleitet allerdings meist den Kommissar Falcon dessen sichere Fassade immer mehr bröckelt, nicht nur daß ihm seine Ex-frau oft über den Weg läuft auch viele aus seiner Familie muß er am Schluß des Buches ganz anders sehen. Ihn begleiten innerhalb der Polizei ein eher intriganter-eifersüchtiger Kollege, zwei Vorgesetzte von denen einer genauer hinsieht und zu schützen gewillt ist, während der andere nur sein Netzwerk in Sicherheit bringen will und ein durchaus interessierter Staatsanwalt.
Die Frauen sind ziemlich unterschiedlich: lange Zeit ist die gepflegte starke charismatische Witwe Consuelo des ersten Mordopfers ein Gegenpol zu Falcon, eine mädchenhafte Prostituierte wird leider ermordet, die sexy Ex-frau kommt immer wieder vor und eine blinde Psychologin hilft ihm blinde Flecken zu sehen.
Die Männer sind unterschiedlich in Geschichte, Temperament und Familienbildung. Während der eine sich in eine Kindfrau verschaut, baut der andere mit seiner Muse eine Familie auf; beide bleiben aber ihren Familien gegenüber distanziert, woran letztendlich die Familien auseinanderbrechen. Der Galerist wird großartig als teils schleimiger, teils wirklich kunstinteressierter Mensch geschildert.

Zwischen den Kapiteln die den Kommissar begleiten, wird in Tagebüchern das Leben seines Vaters, des Künstlers geschildert. Erst das Geschenk von Büchern mit leeren Seiten bringen ihn dazu zuerst zu schreiben und dann das gesehene in Bilder, später Gemälde, umzusetzen. Die Kapitel gehen ziemlich unter die Haut.

Rückgriffe in die Geschichte bieten da Leben von Falcons Vater der in Rußland mit der 'Division Azul' für Franco kämpft, dort einen guten Freund verliert, aber überlebt und durch den Geschäftsmann mit Schmuggel nach Tanger kommt. Tanger war nach dem zweiten Weltkrieg internationale Zone gewesen und viele wohlhabende Menschen begannen sich dort niederzulassen.

Ein Spanienbuch kann nicht ohne regionale Spezialitäten auskommen, so auch diese hier. Es wird wohltuend kurz und sachlich das wunderbare Essen genannt, ohne nennenswert von der spannenden Geschichte mit seinen Seitenlinien abzulenken.

In Summe ein großartiger Roman mit Kriminalgeschichte, den ich sehr genossen habe und den ich gerne weiterempfehle.

Robert Wilson  wurde 1957 geboren. Er hat seinen Abschluß für englische Literatur in Oxford. Er arbeitet in verschiedenen Berufen bevor er seine Karriere als Schriftsteller begann. Zuerst erfand er 'Bruce Medway', einen Säufer und Privatdetektiv, dessen Geschichten in Westafrika spielen (1995 - 1997). 2003 begannen die 'Javier Falcon' Kriminalromane, die großteils in Sevilla spielen. Er schrieb auch einen Spionageroman 'The Company of Strangers' und einen historisch bassierenden Roman 'A Small death' . Die Geschichten um Javier Falcon werden derzeit auf englisch verfilmt.
Der Autor lebt derzeit in Portugal.

Sonntag, 5. Januar 2014

Sabina Naber : "Marathon-duell"

Sabina Naber :
"Marathon-Duell" - Erster Fall für Mayer & Katz
2013, Gmeiner Verlag
358 Seiten + 4 Seiten Glossar Wiener Ausdrücke
ISBN 978-3-8392-1379-3

Während des Wiener Marathons wird eine unschöne, reiche Frau ermordet. Das neue Team Katz und Mayer ermittelt und untersucht wie der geschickte, brutal klare Mörder sein Alibi getrickst hat. ein Tip: es immer praktisch auch einen laufenden Zwillingsbruder zu haben.

In den Kapiteln wird gesprungen - es wird nicht chronologisch erzählt wie Katz, und unabhängig davon der Mörder den Marathon laufen und alte Kindheitstraumata Revue passieren lassen, und wie das Team Katz & Mayer ermittelt.
Daniela Mayer hat parallel eine zu Ende gehende Beziehung mit einer wunderschönen, aber dummen Frau zu verarbeiten. Und die Probleme dieses Privatleben vor dummen, chauvinistischen Kommentaren zu schützen.

Die Kapitel über das Marathonlaufen und wie man durchhält, und welche Tricks die Läufer und Läuferinnen anwenden, ist für jeden halbwegs sportlichen Menschen der bei Wettbewerben durchhalten möchte, interessant mitzulesen.

Die Geschichte ist gut geschrieben, und spannend. Leider ist die Sprache und die Art und Weise der Sprüche nicht so angenehm. Die Ansagen und tiefen Sprüche über Frauen, egal ob Lesben oder hetero-erotischer Frauen, sind herabwürdigend und nicht unterhaltend. Schade, denn der Plot macht neugierig und bringt zum Weiterlesen.

Sabine Naber wurde 1965 in Niederösterreich geboren. Sie studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Geschichte. Sie arbeitete als Journalistin, Regisseurin, Schauspielerin und startet 2002 mit dem Geschichten und Krimi schreiben. 

Dienstag, 12. November 2013

Fernando Vallejo : "Die Madonna der Mörder"

Fernando Vallejo :
"Die Madonna der Mörder"
original "La Virgen de los Sicarios"
1994, Verlag Santilla, Santafé de Bogotá
aus dem kolumbianischen Spanisch von Klaus Laabs
2000, Paul Zsolnay Verlag Wien
161 Seiten
ISBN 3-552-04988-6

Ein älterer Herr, ein Grammatikprofessor, erlebt eine Liebe mit ein jungen schönen Mann mit grünen Augen. Alexis ist Mörder, er kommt aus einer der vielen Mörderbanden in Medellín und kann nichts anderes als punktgenau schießen. Der ältere Herr - Fernando - schildert seine Liebe zu dem Jungen, die Banden in Medellín, die Drogenkriege, das erschießen Pablo Escobars, das Bereichern mancher katholischer Herren damit sie nach Rom kommen dürfen, und immer wieder Gewalt bei der es einfach nur ums Behaupten geht. Die Gewalt trifft alle : Taxifahrer die zu laut Musik hören, Taxifahrer die leider etwas gesehen haben, faule Serviererinnen, Schwangere die zufällig auf der Straße sind etc. Als Alexis erschossen wird, bringt er in noch rasch in ein Krankenhaus und vergräbt sich dann. Später trifft er Wilmar, auch ein schöner Junge mit grünen Augen, der Mörder ist. Ihm wird offenbart, daß er Alexis umgebracht hat. Er kann den Grund akzeptieren und möchte raus aus der Stadt - gemeinsam mit Wilmar. Leider ist eine Kugel rascher und trifft den jungen Mann. Jetzt geht er alleine aus der Stadt.

Das Buch ist in Ich-form aus der Sicht des älteren Herrn, dem die Musik zu laut, die Fernsehserien zu dumm, die Polizisten zu bestechlich und die katholischen Kirchenmänner zu raffgierig und zu wenig menschlich sind. Die Kirchen sind das einzig beständige. Dorthin geht er alleine oder gemeinsam. Manche Kirchen liebt er weil dort 'sein' Gott ist, andere sind so leblos, daß er 'seinen' Gott dort nicht vermutet.

Die Gewalt, die Drogenkriegen, die Bandenkriege, Beobachtungen über Viertel in Medellín die man besser nicht betritt werden klar, sachlich und ohne moralische Bewertung geschrieben. Kühl werden Gemetzel zwischen Banden vor Kirchen erzählt - inklusive Kollateralschaden, denn die Menschen die es zufällig auch erlegt, zählen nicht.
Für die Jungen, die Mörder, sind nur Markenwaren wie Jeans, Schuhe, Leiberln, Stereoanlage und Riesenfernseher wichtig; und Kühlschränke - die amerikanischen die Eis machen können.

Die Metaphern bringen mitunter zum Schmunzeln, wenn er z.B. einen lauten Fernseher tollwütig nennt.

Mich hat das Buch fasziniert. Ich habe dann wieder einiges über die Zeit der 90-er Jahr in Kolumbien nachgelesen. Der Stil ging mir unter die Haut. Ich kann den Roman nur empfehlen.

Fernando Vallejo wurde am 24. Oktober 1942 in Antioquia, einem Teilbezirk von Medellín geboren. Er studierte Biologie. Nachdem er einen Film über die Gewalt in Kolumbien in Mexico gedreht hatte, zog er 1971 wegen Schwierigkeiten in Kolumbien nach Mexico. 2007 wurde er mexikanischer Staatsbürger. Er hat Biographien geschrieben, Romane, über Grammatik und diverse hochdotierte renommierte Preise erhalten. Und er ist Filmemacher.

Samstag, 17. August 2013

Donna Leon : "A question of belief"

Donna Leon :
"A question of belief"
2011, Arrow Books, London
291 Seiten
2 Seiten mit Stadtplan von Venedig
ISBN 978-00-9954-763-1

i n   e n g l i s c h e r   O r i g i n a l f a s s u n g   g e l e s e n
auf Deutsch ist das Buch unter dem Titel "Auf Treu und Glauben" erschienen.

Dieser Krimi dürfte der 19-te aus der Serie der Venedig Krimis mit Commissario Brunetti, Sergente Vianello und dem gewohnten Team aus der schönen Assistentin Singorina Elletra, dem eitlen Vice-Questore Patta, Brunettis Familie mit Ehefrau Paolo und Kindern, etc. sein.

Dieser Krimi beginnt langsam zu laufen. "Die" Leiche ist erst nach der 100-sten Seite. Auf den vorderen Seiten wird Stimmung gezeichnet - die Hitze in Venedig, die gefinkelten Tricks brillianten Zuhörens in der Karten-legen-Horoskop-deute-Esoterik-szene bei deren Telephonaten der Geldzähler mitläuft, und die fiese Praktik Prozesse zu verschleppen indem mal das eine, mal das andere Dokument verschwindet und dann mit langen Zeitabständen der nächste Gerichtstermin angeraumt wird - dies zum Zwecke einer Partei, und zum Schaden der anderen.

Die Story ist kurz. Ein braver korrekter Beamter um die 50, der seine Arbeit korrektest erledigt, wird ermordet aufgefunden. Eigenartigerweise wohnen er und seine Mutter in einem eher teuren Appartment - was seiner Mutter sehr konveniert. Im Haus wohnen noch ein Bankerehepaar, und eine Familie mit illegaler treuer Angestellter. Es taucht dann ein Rechtsanwalt auf, mit dem er Ermordete nie seine Liebe ausleben durfte. Das Mordmotiv liegt im privaten und nicht im beruflichen Umfeld.
Wie bei Donna Leon gewohnt, wird es vielleicht die Mörder erwischen, aber die schiefe Ebene bei Gericht bleibt unbehelligt.

Es hat mir Freude gemacht das Buch auf englisch zu lesen, weil die Autorin sehr fein in ihren Beschreibungen abstimmt (manche Vokabel mußte ich hier nachsehen !). Stimmungen, Unausgesprochenes aber Fühlbares beschreibt sie sehr schön. Die Menschen sind unterschiedlich tief und fein beschrieben - die gewohnten Protagonisten bleiben in ihren gewohnten Schemata, die Ironie über dumme Polizisten ist diesmal greifbar, die neuen Charaktere sind mit mehr Empathie beschrieben selbst wenn es die gräßliche despotische Mutter des Ermordeten ist, die frustrierte Bankergattin, der feinsinnige aber doch Bankdirektor, die Richterin mit der schiefen Ebene etc ....

Wer Südtirol mag wird die Passagen die über den schneebedeckten Ortler, eine Speckplatte und Nudeln mit Eierschwammerln sind, hoffentlich genauso wie ich genießen.

Wer Donna Leon-Krimis mag ist hier gut aufgehoben, auch wenn die 'Action' der ersten Romane nicht mehr so stark ist. In Summe ein empfehlenswertes Buch

Sonntag, 23. Dezember 2012

Sybille Bedford : "Ein trügerischer Sommer"

Sybille Bedford :
"Ein trügerischer Sommer"
Roman
original "A Compass Error"
1968, Williams Collins Sons, London
Aus dem Englischen von Sigrid Ruschmeier
2000, SchirmerGraf Verlag, München
Auf Wunsch und nach Absprache mit der Autorin wurde der Text für die deutsche Neuausgabe bearbeitet; es bestehen daher geringfügige Abweichungen gegenüber der englischen Originalausgabe.
263 Seiten inkl. Prolog
12  Seiten Nachwort der Autorin zur Neuausgabe 2000
ISBN 3-86555-028-2

Der Roman erzählt die Geschichte der jungen Flavia, die sich vorgenommen hat für ihre Aufnahmeprüfung in Oxford zu lernen. Ihr Mutter und ihr neuer Freund sind heimlich weggefahren - sie hat den Auftrag nichts zu verraten, da seine Scheidung noch nicht gelungen ist.

Der Roman ist die Folgegeschichte von "Liebling der Götter", in der über Constanza erzählt wird - einer faszinierenden Frau, die als Tochter eines italienischen verarmten Grafen und der reichen Amerikanerin Anna nach Scheidung der Eltern in London lebte. Constanze ist eine bezaubernde Frau mit viel Charme, die meist versucht es ihrer Mutter gerecht zu machen. Flavia ist ihre Tochter mit einem Briten - die Ehe war gescheitert.  Flavia hat sich einen Tages- und Wochenablauf an der Côte eingeteilt in der sie arbeitet, lernt und Aufsätze schreibt. Als sie ihr gewohntes Abendessen im Nachbarort einnimmt, beobachtet sie eine Gruppe Menschen, die ihr wie Künstler vorkommen. Die Gruppe nimmt sie unter ihre Fittiche, und Thérèse die charismatische Ehefrau eines Malers nimmt sich ihrer - auch erotisch - an.
Über Nachbarn wird ihr eine andere sehr charismatische Frau vorgestellt : Andrée. Flavia verliebt sich.
Letztendlich stellt sich heraus, daß die Frau des Freundes ihres Mutter herauskriegen (will), wo die beiden sind ...

Die Personenschilderungen sind gelungen und sehr deutlich. Stark sind die Frauenpersönlichkeiten wie Thérèse, Andrée, Nachbarin Rosette, ihre Mutter Constanze und ihre Großmutter Anna. Flavia sucht ihren Platz - sie träumt von einer literarisch-wissenschaftlichen Karriere und ist sich erotisch nicht ganz sicher.
Die Männer kommen meist sporadisch vor - Ehen und Beziehungen scheitern. Der neue Freund der Mutter Michel hat Visionen und Charakter, die meisten anderen Männer haben es mehr auf das Geld von Anna abgesehen.

Die Ortsbeschreibungen in London, Rom, Toskana und Côte d'Azur sind eher skizziert, aber als Leser kennt man sich aus.
Schön ist das Gruppengefühl um Thérèse geschildert, deren Mann, die Kinder und was sonst als Menschen beim abendliche Essen versammelt ist. Gespräche über fast alle Themen sind erlaubt - nur ein Mann der den Nationalsozialismus zu loben beginnt, wird handfest aus der Runde befördert.

Der Roman ist schön dicht geschrieben, und die Personenschilderungen haben mich sehr angesprochen. Viel Vergnügen beim Lesen !

Sybille Bedford kam 16. März 1911 als geborene Freiin Sybille Aleid Elsa von Schoenebeck in Berlin  als Tochter eines deutschen Barons auf die Welt. Sie lebte mit ihrer Mutter und ihrem zweiten italienischen Ehemann an der Côte d'Azur. Sie war Journalistin - und berichtete u.a. über die Ermordung John F. Kennedys - und Schriftstellerin von Romanen und Reiseerzählungen. Der Schriftsteller Aldous Huxley verhalf ihr - da sie Vierteljüdin war - zu einer vorgetäuschten Ehe mit Walter („Terry“) Bedford. Sie starb am 17. Februar 2006 in London.

Dienstag, 10. Juli 2012

Lisa Haddock : "Falsche Korrektur"

Lisa Haddock :
"Falsche Korrektur"
original "Editited out"
1994, The Naiad Press, Inc
aus dem amerikanischen Englisch von Elisabeth Brock
1996, Verlag Frauenoffensive, München
1 Seite mit handelnden Personen inkl. 2 Kater der Protagonistin
181 Seiten
ISBN 3-88104-278-4

Der Krimi ist eine rasch lesbare Geschichte in der die Zeitungskorrektorin Carmen Ramirez in einem Kaff in Oklahoma eine alte Mordgeschichte auflöst.

Carmen Ramirez lebt mit 2 Kater bei ihrer Großmutter und wird beauftragt einem Chefjournalisten beim Beschreiben alter Morde behilflich zu sein. Eine Schülerin, die Tochter eines bekannten Kirchenmannes, sei von einer lesbischen Lehrerin vor Jahren ermordet worden. Die Lehrerin hatte eine Woche später Selbstmord begangen, was als Schuldgeständnis ausgelegt wird. Einseitige Berichterstattung bringen Carmen dazu in ihrer Freizeit zu recherchieren. Mithilfe ihrer neuen Liebe Julia stochert sie Fragen stellend herum, wird bedroht und nach einiger Aktion wird der alte Mordfall gelöst. Mißbrauch und Geldgier waren die Motive.

Schön sind die Beschreibungen wie in den 90-er Jahren in Akten recherchiert wird, es auch damals bereits Computerabstürze gab, im Zeitungswesen damals händisch Beistriche oder sonstiges Grammatikalisches korrigiert worden ist.

Die Personen sind unterschiedlich greifbar - Carmen und Julia sehr, die Großmutter als baptistisch verknöcherte Frau bereits weniger, die Redakteure teilweise gut. Die Orte sind klar - wie die kleinen Garagenwohnungen von Carmen, die besseren Häuschen mit Vorgarten und auch das Lesbencafe, wo mit einem Alibi für die damals beschuldigte Lehrerin aufgewartet wird (es aber damals niemanden interessiert hatte).

Der Krimi hat Drive und ich habe ihn in einem durch- und ausgelesen. Ich wünsche viel Krimivergnügen.

Montag, 9. Juli 2012

Günter Neuwirth : "Erdenkinder"

Günter Neuwirth :
"Erdenkinder"
Krimi
2012, Molden Verlag
Verlagsgruppe Styria GmbH & Co KG
256 Seiten
ISBN 978-3-85485-307-7

Der Krimi der in Oberösterreich, nahe der Stadt Steyr spielt, erzählt spannend eine Geschichte über Energieerzeuger, Manager, gutes Leben versus Aussteiger in einem Öködorf.

Christina Kayserling, attraktive Polizistin in Steyr löst binnen einer Woche einen Mord an einem reichen aber verrückt geltenden weil sehr ökologisch denkenden Bauer. Er hatte Teile seines Grundes an eine Gruppe von Menschen verliehen die sehr mit der Natur verbunden sind und hier versuchen neue Art der Landwirtschaft umzusetzen. Erbstreitereien und alte Familienzwiste kommen ans Tageslicht.
Parallel ist Robert Wieser, ein Projektmanager dessen Gabe es ist Kompromisse zu finden und Menschen zusammenzubringen. Er zweifelt an allem und kommt durch Zufall zu dieser Öko-Gruppe. Er hilft einem jungen Mann aus der Gruppe einen Freund zu suchen, der schon länger als gewohnt nicht mehr zurück in die Gruppe zurückgekommen ist.

Der Krimi ist spannend geschrieben und gut zu lesen. Die Menschen stehen plastisch vor dem Lesen - die Polizistin aus Steyr, der sympathische bodenständige Landpolizist Raimund, die Söhne des Ermordeten einerseits Spieler-Säufer und andererseits Schönling der sich reiche Erbin geangelt hat, die unterschiedlichen Charaktere der Ökogruppe. Bei den Beschreibungen der Gruppe ist nicht vernachläßigt, daß es für die Jungen die nur die Gruppe kennen und in der Gruppe ihre Grundschulausbildung erhalten, andere Fragen an die eigene Zukunft gibt, als für die Arrivierten die eine bewußte Entscheidung für diese Leben nach anderem Erlebten getroffen haben.

Die titelgebenden "Erdenkinder" ist der Name der Gruppe, die hier versucht anderes mit den Ressourcen der Erde umzugehen.

Die Absätze in denen der Autor auf die Art der Landwirtschaft der ökologischen Gruppe beschreibt ist selbst für nicht Landwirte verständlich und anschaulich und vorstellbar beschrieben.

Warum in einem Krimi der in Österreich spielt, von einem österreichischer Autor geschrieben wurde und von einem österreichischen Verlag gedruckt wird das deutsche Wort Rente, statt dem österreichischen Pension verwendet, verstehe ich nicht.

In Summe ein gutes Buch, ein gut geschriebener Krimi, dessen darunterliegendes Thema weiterarbeitet - und das ich guten Gewissens weiterempfehlen kann.

Sonntag, 22. April 2012

Bettina Isabel Rocha : "Buenos Aires, mi amor"

Bettina Isabel Rocha :
"Buenos Aires, mi amor"
2011 Verlag Krug & Schadenberg, Berlin
Originalausgabe
336 Seiten
ISBN 978-3-930041-77-0

Der kraftvolle Roman mit einem dunkelroten Cover erzählt eine schöne starke Geschichte in der die Argentinierin Elena auf den Kanarischen Inseln dem - auch künstlerischen - Schicksal ihrer Tante Marí nachgeht.

Lt. Internetrecherche ist "Buenos Aires, mi amor" quasi Teil zwei einer Geschichte, deren erster Teil großteils auf den Kanarischen Inseln spielen dürfte (und den ich nicht gelesen habe).

Die zweiundvierzige Elena kommt nach Suche nach Gemälden und Lebensgeschichte ihrer Tante Marí auf Gran Canaria wieder nach Buenos Aires zurück. Hier geht ihre langjährige Beziehung mit Charidad, einer Künstlerin, in die Brüche - sie hat endlich ihren Ausdruck gefunden, um die Greueltaten der argentinischen Junta an ihrer Schwester zu verarbeiten und sich frei zuspielen.
Elena wäre nun frei für ihre Liebe zu Ines - einer Deutschen mit spanischen Wurzeln, die sie sehr bei der Suche nach Spuren der künstlerischen Tante unterstützt hat.
Esperanza, eine energische Galeristin auf  Gran Canaria, findet eine Spur dieser Künstlerin, die nach Buenos Aires führt. Wie die Kunstlandschaft in Buenos Aires geschildert wird, macht Spaß zu lesen.
Schließlich finden die Frauen heraus, daß Tante Marí eine Frau geliebt hatte, die mit einem homosexuellen Mann verheiratet war - beide hatten ihren (traurigerweise notwendigen) Deal daß der Schein für die Karriere und die v.a. die Gesellschaft gewahrt würde. Ein Erpresser hatte Marí gezwungen ihre Bilder abzutreten, die er als seine verkaufte. Unter dem Druck wechselte ihr Stil von farbenfrohen, fröhlichen Gemälden, zu dunkeln und düsteren, die nicht schlecht bis gar nicht verkaufbar waren.
Parallel zu der eher unglücklich verlaufenden Liebe zwischen Tante und verheirateter Frau des Diplomaten, trauen sich Elena und Ines mit Hindernissen ihrer Liebe zu trauen.

Der Roman ist auf deutsch geschrieben, hat aber jede Menge argentinischer/kastillanischer Floskeln, die sogleich übersetzt werden, im Text.

Obwohl es um viel Liebe (erfüllt oder unerfüllt, einfach oder kompliziert) geht, sind die Geschichten der Liebe mit viel Energie und erfreulicherweise ohne Kitsch erzählt. Die Erotikszenen zwischen den Frauen sind mit viel Drive geschrieben

Die Frauen, die Menschen, die Figuren stehen ziemlich lebendig vor mir. Alle haben schöne Kanten. Männer steigen als Figuren eher schlecht aus - als weich, als Erpresser, als un-kreativ. Die Szenerien wie einzelne Viertel der Stadt Buenos Aires sind mit viel Charisma geschildert, der Ausflug nach Montevideo lädt ein ihn nachzuvollziehen und die Beschreibungen des Deltas mit Fischerbooten gefiel mir sehr gut.

Daß die Verbrechen der Junta weder aufgeklärt noch gesühnt wurden, ist großes Thema. Aber auch der Seitenzweig indem die spanischen Eltern von Ines die Zeit von Franco nicht aufarbeiten können oder wollen, ist angerissen.
Die Nachbeben der Wirtschaftskrise 2001 in Argentinien werden beschrieben, mit dem Elend derer die damals viel verloren hatten, neben denen die niemals etwas besaßen - keinem von beiden wird viel Chance zum Neuaufbau gegeben.

Etwas Schwierigkeiten hatte ich mich den genauen Schilderungen des argentinischen (nicht europäischen) Tangos, da ich weder mit den Feinheiten der Drehungen noch Wechsel der Aufteilung der Tanzpartner vertraut bin.

Ich habe das Buch sehr genossen. Ich kann es jedem Leser / jeder Leserin empfehlen die schöne kreative Frauenenergie genießen kann und will.

Mittwoch, 27. Oktober 2010

Val McDermid : "Die Geiselnahme"

Val McDermid :
"Die Geiselnahme"
original "Hostage to murder"
deutsch von Sonja Finck
Ariadne Krimi 1143 - 2003, Argument Verlag
250 Seiten
ISBN 3-88619-873-1

Guter, schön lesbarer Krimi der einige Handlungsstränge miteinander vermengt, und - was ich mag - sich die Zeilen nimmt um auf Menschen und deren Umgebung einzugehen.

Lindsay, ehemalige Journalistin in Kalifornien, ist mit ihrer Traumfrau Sophie nach Schottland zurückgekehrt, weil Sophie hier eine Universitätsprofessur angenommen hat. Lindsay lernt Rory kennen : jung, lebenslustig, Journalistin mit zu vielen Themen um sie alleine zu bearbeiten. Als ein Schulbub entführt wird (erst rückblickend wird klar, daß dies nur zum Schutz des Buben war), setzen die zwei Frauen einen verrückten Plan den Buben aus Rußland zurückzuholen mithilfe des Stiefvaters des Buben, Lindsays Vater und einem Schiff um. Kurz darauf wird das Auto mit dem Stiefvater mittels Bombe zerstört. Im Showdown in einer Garage können die Mutter und Bub den Erpressungsversuchen des biologischen Kindesvaters entgehen, und Männer deren Mitgliedschaft bei der extremen IRA bekannt ist, kommen ums Leben.

Parallel zur Journalisten-Enthüllungsgeschichte wird die Beziehungskrise zwischen den Frauen geschildert. Sophie hat ein Männerpaar gefunden, dessen ein Teil bereit ist als biologischer Vater zu fungieren. Lindsay ist der ganze Kinderwunsch suspekt, und erst am Ende des Romans als die kleine Tochter da ist, funkt es und sie ist bereit ihren Part als Co-Mutter zu übernehmen.

Schön finde ich wie die Autorin die Menschen schildert.
Alleine wie sie die Typen der IRA skizziert - den coooolen Chef, den habichtsartigen zynischen Mörder, den ewig zerstrubelten chaotischen 'Idioten' dem man aber auch einen Job geben muß, sind für mich ein Genuß.
Im Gegensatz dazu die Farben in denen das Schwulen-lesben-Café gezeichnet ist und deren verschiedenen mehr oder weniger ausdrucksstarken Menschen, v.a. das Leben von Rory, die in dem Café einen Stammtisch als ihr Büro aufgebaut hat.

Die Story ist rasch, mit starken Linein gezeichnet, Personen / Landschaften / Umgebung sind klar; für mich war es ein Vergnügen das Buch zu lesen.

Dienstag, 11. Mai 2010

Linda Mather : "Schlechte Zeiten für den Widder" - "ein Astro Krimi"

Linda Mather :
"Schlechte Zeiten für den Widder"
"ein Astro Krimi"
Original "Blood of an Aries"
1993 Macmillan London/Pan Macmillan Ltd.
aus dem Englischen von Wolfgang Thon
1. Auflage, 1996, Aufbau Taschenbuch Verlag Berlin
242 Seiten
ISBN 3-7466-1204-7

Nett lesbarer Krimi, der gut in den Öffentlichen unterhält, in dem eine kleine Detektei in Coventry der Ermordung eines Steuerberaters in Ausbildung, eines Universitätsprofessors und eines Amerikaners auf der Spur ist.

Jo, die einen Job neben ihrer Freiberuflichkeit als Astrologin braucht, nimmt eine Teilzeitarbeit als Mitarbeiterin in einer netten kleinen Detektei an. Diese soll einen Leichenfund in einem Hotel klären – den werdenden Steuerberater -, beim Aufarbeiten seiner Kontakte wird der Universitätsprofessor erschossen. Jo und die Leute der Detektei lernen die Familie des aus den USA zurückgekehrten Professors kennen, und auch einige Freunde der Familie.
Dann taucht auch noch ein ehemaliger Student aus den USA aus, der sich als ehemalige Freund/Liebhaber des Professors erklärt. Auch dieser wird ermordet.
Letztendlich kommt Jo drauf, daß der Professor bevor er in die USA ging, eine Freundin seiner damaligen Verlobten und jetzigen Frau vergewaltigt hatte, und diese ihn als Rache erschoß - und, weil er sie erpresste, den amerikanischen Studenten auch umbrachte. Der aufstrebende Steuerberater hat Selbstmord begangen, da er keine Chance sah seine Beziehung zu dem Professor zu leben. Da die Polizei aber die Morde dem amerikanischen Stundenten mit anschließendem Selbstmord in die Schuhe schiebt, bleibt die rächende Frau unbehelligt.

Nett lesbare Geschichte, in der sich auch mit einer Annäherung zwischen Jo und dem Chef der Detektei Macy eine Liebesgeschichte anspinnt.
Die Menschen sind teilweise nett beschrieben, sehr klar die Familie des Professors (die superfreundliche Frau und 2 Töchter, einmal charismatisch kritisch, die andere neugierig und Teenager), auch der Nachbar der Familie (= Liebhaber der Ehefrau) hat klare Konturen, die Freundin der Familie und deren Nichte (die sich in der charismatischen Professor verliebt, und damit die Emotionen ihrer [vergewaltigten] Tante endgültig zum übergehen bringt) sind schön in ihrer Zurückgezogenheit und Verbittertheit die eine, sinnlos verknallt die andere gezeichnet. Auch die Hilfsgeister der Detektei wie der ruppige Al und die positive, plaudernde Bürochefin Celia haben Linien.

Astrologie wird als Thema bißchen angerissen, aber bleibt für mich an der Oberfläche, daß für mich die Kategorisierung ‚Astrokrimi’ zu wenig Substanz hat.

Freitag, 26. März 2010

Connie Palmen : "Luzifer"


Connie Palmen :
Luzifer
'Lucifer' 2007 bei Prometheus, Amsterdam
aus dem Niederländischen von Hanny Ehlers
Diogenes Verlag Zürich, 2008
414 Seiten
1 Seite Nachwort
ISBN 978-3-257-06642-5

Ein großartiges Buch, das Menschen wie mich die Musik lieben, inkl. der verrückten und starken Menschen in den Bann zieht.

Das Buch handelt von der Beziehung 2 "wahrer" Menschen - da ich aber keinen Bezug zu den "Vorbildern" habe, habe ich beschlossen das Buch einfach als das zu sehen was es ist: als einem faszinierenden Roman der von ziemlichen Egozentrikern handelt.

Ein Komponist ist mit seiner Lebensgefährtin und dem gemeinsamn Sohn auf Urlaub in Griechenland. Sie stürzt beschwipst über eine Mauer in die Tiefe und stirbt.
Gerüchte wollen wissen ob dieser Fall ein Unfall ist oder doch Absicht ?
Lösung wird keine angeboten, aber jede Menge von faszinierenden aber verstörend egoistischen Menschen in der Künstlerszene, die sich entweder in Szene setzen oder die Szene beobachtend geschildert werden.

Der Komponist bekennt sich nach dem Unfall zu seiner Homosexualität, schreibt seine Oper (in der Tschaikowski gezwungen worden sei das verseuchte Wasser zu trinken, da er sonst bloßgestellt worden wird) und entwickelt eine "Klanguhr" mit deren Hilfe er Harmonie in der Komposition schaffen möchte.
Kommentar eines seiner Beobachter: er redet vom Leben, aber bringt vielen seiner jungen Partner (in Zeiten von Aids) den Tod.

Einer der Freunde des Komponisten ist Journalist/Schriftsteller und schreibt in seiner Beobachtung wunderbare Portaits. Er nennt seines über den Komponisten "Luzifer" und ein anderes über Claude Villier "Schwarzer Engel" - "Luzifer" wird allerdings nie veröffentlicht.

Das Buch ist stark wie es in Dichtung und auch Musik des 20. Jahrhunderts inkl. Auseinandersetzung mit Arnold Schönberg, aber auch Boulez und Stockhausen herumspringt.
Die Menschen in der Niederlande, die hier beschrieben werden sind starke Charaktäre, stark in Beobachtung, stark in Emotion, stark auch in Beobachtung und Zerlegen der Psyche des anderen.

Das Buch will genossen werden, und ist nicht einfach zu lesen - Hut ab vor der Übersetzterin !

Ich kann den Roman wärmstens Lesern empfehlen, die Musikfreaks sind und sich gedanklich auf verrückte, charismatische und auch entsetzliche egoistische Menschen einlassen wollen.