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Freitag, 13. November 2020

Heidi van Elderen : "Sterben auf Portugiesisch"

 Heidi van Elderen :
"Sterben auf Portugiesisch" - ein neuer Fall für Inspektor Valente und Polizeischwein Raquel
2020, Penguin Verlag, München
    Seiten
ISBN 978-3-328-10311-0

Inspektor Fernando Valente wird an den Strand zu einem Toten gerufen. Es gibt noch weitere Leichen, während Polizeischwein Raquel mit Vergnügen das Schwimmen entdeckt. Fernando fährt in Alentejo auf der Suche nach Antworten auf und ab, wobei einige kulinarische Köstlichkeiten erzählt werden. Er kommt dem Grund der Morde auf die Spur, als endlich die Geschichte einiger grausamer arroganter Jugendlicher entschlüsselt wird.

Fernando, der sich zuhause gegen die humorvolle Großmutter und die arbeitssame aber deprimierte Mutter durchsetzen muß, erfreut beide durch die wunderschöne Taucherin Lucia; dies hilft ihm seine unerwiderte Liebe zu Anabela, die leider verheiratet ist, zu überwinden.

Polizeischwein Raquel ist ein charmantes, verfressenes Schwein, das es durch Band 1 zu Ruhm gebracht hat. Sie liebt es in ihrem Lieblingslokal gefüttert zu werden und für Photos zu posieren. Diese Stellen sind sehr humorvoll geschildert.

Die Geschichte wird im Sommer erzählt, es glänzen die Berge, der Sand, das Meer. Beim Lesen kommt entspannendes Sommer-feeling auf.

Die Figuren in dem Roman sind gut vorstellbar geschildert. Fernandos Großmutter mit den langen weißen starken Haaren macht fast den stärksten Eindruck. Von Komik ist die Szene als Fernando Frauenschuhe trägt und damit endlich eine Stalkerin los wird.

In Summe ein herrliches Buch zum entspannen. Viel Spaß beim Lesen. 

Heidi van Elderen wurde 1980 am Niederrhein geboren. sie ist viel über die Welt gereist und ist  freiberufliche Journalistin. Aktuell wohnt sie in Neuseeland.

Sonntag, 6. September 2020

Keip Rainer : "Eine Kogge aus Gotland"

Keip Rainer :
"Eine Kogge aus Gotland" - Ein Küsten-Krimi
Dateigröße : 923 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe : 116 Seiten 
e-publi : 2019
Herausgeber : Uksak E-Books (17. Juli 2020)
Word Wise : Nicht aktiviert
ASIN : B07XLF8GCS

Kommissar Falk Möller wird nach Polen geschickt um mit der Kommissarin Ewa Stepinska vor Ort den Tod eines Tauchers in der Ostsee aufzuklären, der einen mittelalterlichen Fund in der Hand umkrallt hält. Zwischen den beiden Kommissaren prickelt es fast sofort, auch die Tochter der polnischen Kommissarin schließt den neuen Mann sofort ins Herz.
Beruflich recherchieren die beiden bei den Besitzern des Bootes, und kommen einem groß angelegten Antiquitätenschmuggel auf die Schliche.

Der Roman ist gut vorstellbar geschrieben. Landschaft, Ostsee und Menschen, sind klar umrissen. Die Sexszene hätte ich nicht gebraucht. Als aktuellen Touch ist von "Nord Stream 2"geschrieben.

Als harmloses Lesevergnügen inkl. Mitraten nach dem Mörder ist das Buch empfehlenswert.

Rainer Keip wurde 1957 in Düsseldorf geboren. Nach der Beendigung seines Berufslebens als Angestellter eines Versicherungsunternehmens, wandte er sich dem Schreiben von Geschichten zu. In seiner Freizeit ist der Autor als ehrenamtlicher Helfer des Bodendenkmalamtes tätig. 

Donnerstag, 27. August 2020

Karl von Holtei : "Ein Mord in Riga"

Karl von Holtei :
"Ein Mord in Riga"
erstmals 1854 in Graz erschienen
Dateigröße: 403 KB
ASIN: B004UBDTUI

In dieser episch geschriebenen Geschichte geht es um das Leben in Riga, in dem Lebensbereich zwischen und mit Russland, Deutschland, im damaligen Livland, in dem der betuchte Kaufmann Sigward mit seiner Frau mit viel Personal. Zuerst geht es hier immer wieder um den hübschen intriganten Simeon, dann um Iwan dessen Vater aus politisch-religiösen Gründen verschleppt worden war. Iwan arbeitet bei einem Geldverleiher, und wird nach dessen Ermordung des Mordes verdächtigt und gefoltert. Gerade noch rechtzeitig wird der neue Stadtvorsteher auf die Situation aufmerksam gemacht, er macht sich auf die Suche und findet genug Beweismaterial um Iwan zu entlasten, und ihn in die Freiheit entlassen zu können.
Später verreist Iwan und muß in Deutschland untertauchen. Auch hier macht ihm das Leben durch Mißtrauen das Leben schwer, bis endlich ein happy end beschrieben wird.

Der Stil ist altmodisch und langsam; es werden viele nicht mehr geläufige deutsche Wörter verwendet, auch einige russische Umschreibungen gibt es.

Der Autor nimmt sich Zeit die Stimmung der Orte, die Gepflogenheiten im Haus, mit Gästen oder in der Öffentlichkeit zu erzählen, er beschreibt die Gegend um Riga, Riga selbst und einige Gebiete in Deutschland ziemlich genau.
Es gibt in Riga bereits Verkehrsregeln, bei denen der Rücksicht auf Fußgänger seitens der Kutschen-fahrer genommen werden muß; bei bereits leichter Berührung mit einem Fußgänger gibt es heftige Strafen für Kutscher und Besitzer der Kutsche.

Die Menschen in Haushalt der Sigwalds sind schön beschrieben : die Gutmütigkeit des Kaufmanns und seiner Frau, die Fehde zwischen Köchin und Kammerzofe, die Intrigen des hübschen Dieners, die unscheinbare bösartige 'Muhme' des Dieners, Pferdenarr und positiver Mensch Iwan, der ehrgeizige neue Stadtherr der noch die richtigen Entscheidungen treffen kann.

Ein Drittel lang wird beschrieben, wie das Leben in Riga abläuft, welche Einflüsse aus Rußland und Deutschland auf Livland einwirken, welche großzügigen Lebensregeln herrschen. Ein Drittel lang wird beschrieben wie Iwan verdächtigt und gefoltert wird, und auch wie der echte Täter überführt wird. Im letzten Drittel lebt Iwan in Deutschland.

Mich hat diese Kriminal-Erzählung interessiert weil sie zu den ältesten des Genre Kriminalromans gezählt wird. Mitraten des Who-dunnit für den Kriminalteil ist möglich.

Für das Lesen mußte ich mir Zeit und Ruhe nehmen, weil das Tempo sehr gemütlich ist.
Meine Gedanken gingen einige Zeit durch die alten schönen Straßerln in Riga mit.

Viel Freude beim Lesen !

Karl Eduard von Holtei, auch Carl (von) Holtei, eigentlich Karl Eduard von Holtey wurde am 24. Jänner 1798 in Breslau, damals Schlesien in Königreich Preußen, geboren. Er spielte Theater in Breslau, war auf Wanderschaft in Frankfurt Paris Prag Dresden Weimar Berlin Hamburg sowohl als Schauspieler als auch Theaterleiter. ab 1850 schrieb er in Graz Theaterstücke und Romane, ab 1863 lebte er wieder in Breslau, wo er am 12. Februar 1880 starb.

Montag, 23. März 2020

Alexander Oetker : "Winter-Austern"

Alexander Oetker :
"Winter-Austern" - Luc Verlains dritter Fall
Roman
2019, Hoffmann und Campe
305 Seiten + 3 Seiten "merci beaucoup" + vordere Innenklappe geographische Karte gezeichnet + hintere Innenklappe Karte Bordeaux gezeichnet
ISBN 978-3-455-00078-8

Kommissar Luc Verlain ermittelt diesmal im Austernmilieu, das ihm durch seine Kindheit und seinen Vater sehr vertraut ist. Die kleinen Austernproduzenten werden von einem Konzern aus dem Markt gedrängt oder aufgekauft. Es gibt Austerndiebe, und keine einhellige Meinung aller Austernzüchter der Nouvelelle-Aquitanie wie die Austern zu schützen seien. Bootsgendarmarie und Verlain retten einen zusammengeschlagenen Mann vor der für ihn verhängnisvollen Flut und finden zwei Jugendliche tot an Austernstäbe. Verlain fragt und kostet sich durch die Austernszene, verfolgt die Spur zu einem Schläger nach Paris, und löst am Schluß den Tod der Jugendlichen, was ihm keine Befriedigung verleiht.
Parallel findet die Liebesgeschichte zwischen ihm und der schönen dunkelhaarigen Anouk Filipetti, ebenfalls Polizeikommissarin, in gemeinsames Fahrwasser.

Beim Lesen lernt man viel über die Austern der Aquitanie, was an ihnen speziell ist, wie lange sie gepflegt werden müssen, daß es Austernbasains gibt die es zu schützen gilt. Einige sehr appetitliche Zubereitungen sind angeführt, und einige Weinempfehlungen.

Die Menschen sind nachvollziehbar geschildert. Luc, der seinen Jaguar liebt, aber dann doch den TGV genießt. Sein baskischer Mitarbeiter, er eine Geschichte mit Alkohol hatte, aber ein patenter Polizist ist. Lieutante Giroundin die engagiert in der Nacht die Austern versucht im Auge zu behalten. Die Austernzüchterfamilien Labadie und Pujol, Austernlangfinger Lascasse und Großinvestor Chevalier der zwischen Jovialität und Hektik schwankt. Die toten Jugendlichen verbindet mehr als manch Konservativem gefällt.

Der Krimi spielt in der Vorweihnachtszeit, in der die Austern für den Weihnachtsabend für die Nation geliefert werden. Die berühmte Dühne von Pilat wird hier mit Schnee angezuckert, was in dem Buch zu Begeisterung führt.

Der Kriminalroman ist gut zu lesen und macht Gusto auf Austern und deren nicht nur rohen Genuß. Viel Spaß beim Lesen ! 
  
Alexander Oetker wurde am 20. März 1982 in Ost-Berlin geboren. Er studierte Sozial- und Politikwissenschaften, wollte aber nicht abschließen. Seit 1998 schreibt er als Journalist für verschiedene Medien; er war jahrelang von Paris aus tätig. 2017 erschien sein erster Kriminalroman mit Luc Verlain "Retour".

Montag, 17. Februar 2020

Claudio Paglieri : "Kein Vorteil für Commissario Luciani"

Claudio Paglieri :
"Kein Vorteil für Commissario Luciani"
Roman
original "Delitto e rovescio"
2016, Editione Piemme Mailand
Aus dem Italienischen von Christian Försch
2017, Aufbau Verlag
363 Seiten + 2 Seiten Danksagung
ISBN 978-3-7466-3348-0

In dem sechsten Band mit dem Marco Luciani, ist er nicht mehr Commissario in Italien, sondern Privatier in Barcelona und lebt mit seinem Sohn vom vermieten einer Wohnung an Touristen. Ein Freund beauftragt ihn nach einer vermißten schönen erwachsenen Tochter zu suchen, die aus einem Tenniskamp bei Barcelona verschwunden ist.
Parallel und in Rückblenden wird das Leben dieser Tochter Martina geschildert, wie sie sich dem Tennis entzieht und ins Leben mit reichen Männern, gemeinsam mit Freundin Irina, abrutscht.
Am Ende lebt ein Mädchen, eines ist tot, einige der bösen Jungs werden erwischt und Luciani schafft es das Angebot der Mutter seines Sohnes eine Art Familie zu leben, anzunehmen.

Es kommen mir zu viele Sexszenen vor. Es ist unverständlich warum Luciani wirklich mit fast jeder jungen Frau ins Bett gehen muß, abgesehen davon, daß die Szenen nicht einmal erotisch sind.

Die Frauen sind alle entweder wunderschön und supersexy oder häßlich. Die Enttäuschungen der Mädchen Irina und Martina gehen allerdings unter die Haut.
Bei den Männern wird leider auch in den Klischeetopf gegriffen - entweder knackig oder alt und faltig oder verkrüppelt.

Der original italienische Titel heißt wortwörtlich eigentlich "Delikt und Rückhand", und geht damit mehr auf den starken Tennisbezug als die deutsche Übersetzung ein. Die Kapitel sind mit Satz eins, Satz zwei etc. und Tie Break übertitelt.

Das Buch werden nur Sportfans - Tennis und fußball - genießen können, da die wichtigen Tennisspielerinnen und -spieler mit Vor- und Nachteilen genannt werden, und drei Seiten Fußballmatch geschildert werden.

Als Urlaubslektüre ist das Buch gut geeignet, ich werde allerdings kein zweites Buch dieses Autors lesen. Für Sportfans - viel Spaß beim Lesen ! 

Claudio Paglieri wurde am 26. September 1965 in Genua geboren. Er ist Journalist und Schriftsteller. 1996 erschien sein erstes Werk, ein satirischer nicht auf deutsch erschieneneer Roman. 2005 erschien Band 1 mit Commissario Luciani.

Mittwoch, 12. Februar 2020

Jean-Luc Bannalec : "Bretonischer Stolz"

Jean-Luc Bannalec :
"Bretonischer Stolz" - Kommissar Dupins vierter Fall
2015, Kiepenheuer & Witsch Köln
369 Seiten + Innencover mit einer reduzierten Landkarte rundum Quimper und Kernévez
ISBN 978-3-462-04813-1

Kommissar Dupin möchte eigentlich in Ruhe die verschiedenen Pinguine der Bretagne beobachten als er zu einem Mord gerufen wird. Die Leiche verschwindet, eine andere taucht auf und er muß sich mit von ihm nicht geschätzten Austern beschäftigen. Verbindungen nach Schottland tauchen auf, und es gibt gemeinsame keltische Druiden- und Musikervereine. Einige charismatischer, kalte Unternehmer ins Sachen Austern, und anderen Unternehmen tauchen auf. Die Soko Sandraub wird gegründet. Nach Brandstiftung und einem Autounfall schafft Dupin es endlich die Puzzleteile zusammen zusetzen, und eine alte Bankraubgeschichte wird ausgegraben.

Auch diesmal sind rund um Kommissar Dupin sind am Telephon Nolwenn mit ihren Verbindungen, der etwas obergescheite Kadeg - der sich diesmal in Sand verbissen hat - , der effiziente und spirituelle Inspektor Riwal und als neue Polizistin vor Ort Magalie Melen und die berühmte Schauspielerin Bandol bzw ihre Zwillingsschwester als Ergänzung. An Gesprächspartnern gibt es vielen Austernfarmer wie den schweigsamen Kolenc mit Tochter, bis zur wunderschönen Frau Frau Premel , der  charismatische coole Geschäftsmann Tordeux, der grantige Geschäftsmann Cueff, den Bankmann der auch Chef-druide und Chef der keltischen Musikband ist, und einige Lokalbesitzer. Ein örtlicher Färtenleser hat diesmal auch Platz, und zwei schottische Männer, die viel mit Austern zu tun haben.
Claire überrascht Dupin mit einer sehr plötzlichen Entscheidung.

Der Roman begleitet den Kommissar in seinen Gedanken, Bewegungen, auch Spaziergängen, bei seinen Vorlieben aber auch Aversionen, und manchmal auch seinen Unsicherheiten. Die Telephonate  mit seinem eitlen Präsidenten (unerfreut) sind zwischen unterhaltend auch daß man sich nie so einen Vorgesetzten wünscht.

Es gibt viel Wissenswertes über Austern zu lesen. Es gibt nicht nur geographische Unterschiede, sondern auch verschiedene Arten, und verschiedene Arten diese aufzufüttern oder zu veredeln. Spannend war daß immer wieder Epedemien Austernstämme ziemlich dezimieren, und auch daß es regionale Probleme mit den Sorten gibt.

Einige Landstriche sind wunderschön als geheimnisvoll, andere als kantig und gefährlich geschildert.

Der Kriminalroman ist gewohnt gut und spannend geschrieben, bereichert mit speziellem Wissen und das Mitraten des Who-dunnit ist möglich. Viel Spaß ! 

Jean-Luc Bannalec Bio bei "Bretonisches Leuchten" (Kommissar Dupins sechster Fall) am 20. Jänner 2018.

Samstag, 8. Februar 2020

Andrea Carter : "Die kalten Wasser von Donegal"

Andrea Carter :
"Die kalten Wasser von Donegal"
original "Death at Whitewater Church"
2015, Constable, Brown Group London
Aus dem Englischen von Claudia Franz
2017, Goldmann Verlag
407 Seiten
ISBN 978-3-442-48547-5

Die Notarin/Rechtsanwältin Ben O'Keefe lebt auf der Halbinsel Inishowen. Hier wird sie bei Häuserverkäufen und Familienangelegenheiten zu rate gezogen, und stolpert prompt über eine alte Leiche. Alle im Dorf vermuten, daß es hier um einen verschwundenen Bräutigam handelt. Im Schneetreiben wird später der Bruder des Vermisten gefunden. Eine alte und eine neue Liebesgeschichte werden aufgedeckt, Vermutungen über Familien diskutiert, und eine alte Geschichte mit einem Schiff und die IRA taucht auf. Ben fährt im Schneetreiben durch die Landschaft und geht im kalten Meer schwimmen. Der Showdown findet in der Kirchenruine statt.

Ein kuscheliger schwarzer Kater mit weißem Fleck, namens Guiness, hilft Ben durch die Geschichte.

Einige Orte sind nicht-existent, andere wie die Malin und Derry gibt es wirklich.

Bei den Menschen gab es einige sehr interessante Namen und Persönlichkeiten. Die Rechtsanwältin lebt mit zweitem Vornamen Ben(edicta) und Mädchennamen in dem fernen Ort und versucht ihrer Familiengeschichte zu entrinnen. Als Hauptansprechpartner bei der Polizei ist Tom Molloy, als ruhiger Mensch, dem einige nicht erzählt wird, geschildert. Weitere Namen sind Eithne, Phyllis, Claire, Paul, Liam, Leah, Kelly und Lisa. Connor, der verschwundene Mann wird als Gemisch eines verläßlichen, patriarchischem, engagierten Mensch geschildert, ein Bild das im Laufe der Geschichte brüchig wird.
Im Hintergrund steht die Geschichte eines Schiffes das von der IRA gesprengt worden, bei dem einige Menschen ums Leben gekommen waren.

Die Geschichte ist spannend erzählt, und hat einige spannende Wendungen. Viel Spaß beim Lesen !

Andrea Carter wuchs im irischen Ballyfin, auf und studierte Jus  in Dublin. Sie lebte lange Jahre auf der Inishowen. Ihr Krimidebüt »Death at Whitewater Church« war 2015.2018 erschien der vierte Kriminalroman auf  Inishowe.

Samstag, 14. Dezember 2019

Pedro Badrán : "Der Mann mit der magischen Kamera"

Pedro Badrán :
"Der Mann mit der magischen Kamera" - Roman aus Cartagena de Indias
original "El hombre de la cámera mágica"
2015, Random house Kolumbien
Aus dem kolumbianischen Spanisch von Peter Schultze-Kraft und Rainer Schultze-Kraft / die deutsche Übersetzung berücksichtigt geringfügige spätere Änderungen des Autors
2019, Edition 8
209 Seiten + 6 Seiten Worterklärungen (zugleich eine kleine Kolumbienkunde, verfaßt von den Übersetzern)
Lesebändchen
ISBN 978-3-85990-359-3

Alle erzählen über Tony Lafont. Dieser war vor vielen Jahren mit seiner Polaroidkamera und Logbuch in Cartagena in Stadt, Strand und Strandhotel unterwegs. Besucher aus den USA ermutigen ihn weiterzumachen, während sich in seiner Familie und Bekannten die Begeisterung teilt.
In den Kapiteln werden aus verschiedenen Seiten über das Zusammensein mit dem jungen Photographen, bis zum endgültigen Niedergang des Hotels erzählt.
Tony selbst kommt nicht zu Wort, nur sein Logbuch und die Beschreibung seiner Photos.
Im Hotel ist Rezeptionist Charlie der die Reste verwaltet. Ein junger Künstler, der glückbringende Eulen aus Metalldose und Draht herstellt, verbringt einige Zeit im Hotel und lernt die dort lebenden Menschen mit ihren Träumen kennen, wobei er selber leider wenig Glück hat. Einige Frauen die im Hotel leben und lebten kommen zu Wort - erst spät fügt sich alles zusammen, da hier in Zeiten gesprungen wird, und Lebende und Tote gemischt werden.

Die rundliche Karen wird geschildert, die überhaupt kein Gefühl für passende Kleidung hat, aber ein wunderbares Lachen. Maribel wirft sich jedem Ausländer an den Hals, in der Hoffnung aus dem Elend heraus zu kommen. Claudia Soraya kommt aus den USA, und genießt das gemeinsame Leben mit Tony. Ein Tango Orchester wird genannt, große Schachweltmeister, ein Mönch sucht den Sinn des Lebens, ein pensionierter Arzt sitzt oft mit Zigarre in dem Patio des Hotels umgeben von Katzen.

Danke für die Erklärung der Worte aus Kolumbien und die Ergänzung der kolumbianischen Geschichte.

Die Geschichte wird spröde, sprunghaft und stellenweise sinnlich erzählt. Man erfährt viel über die Träume der Menschen aus ihrem elenden Leben herauszukommen, oder auch nicht. Am Schluß hebt der Surrealismus zumindst für mich ab.

Gutes Lesen und eine andere Welt genießen ! 

Pedro Badrán wurde 1960 in der Nähe des Rio Magdalena in Magangué (Departamento Bolívar) , einem heissen Ort im Hinterland der karibischen Küste Kolumbiens, geboren. Er ist Nachkomme palästinensisch-syrischer Einwanderer und wuchs in Cartagena auf. Er studierte Linguistik in Bogotá, wo er heute als freier Schriftsteller lebt. Mit je fünf Romanen und Erzählungsbänden gilt er in der kolumbianischen Literatur als einer der herausragenden Vertreter der Post-post-García-Márquez-Generation.

Freitag, 17. Juni 2016

Christine Cazon : "Stürmische Côte d'azur"

Christine Cazon :
"Stürmische Côte d'azur" - der dritte Fall für Kommissar Duval
2016, Kiepenheuer & Witsch. Kiwi 1469
284 Seiten; auf der Innenseite ist eine Skizze der Insel und die Schiffswege an das Festland
ISBN 978-3-462-04883-4

Kommissar Léon Duval muß über das schwankende Meer von Cannes auf die Insel Sainte-Marguerite. Dort wurde ein toter Seemann gemeldet, später findet sich ein zweiter, ein schönes wenig genutztes Schiff liegt in der Bucht und das eines mit der Mafia verbundenen Geschäftsmannes wartet auf Ersatzteile. Auf der Insel gibt es ein Naturschutzreservat für seltene Vögel das ein brummig wirkender Ecoló verwaltet; als Reste der Wirtschaft ist für die Arbeitenden eine Werft vorhanden. Treffpunkt ist das Bistro in dem der ständiger Wirt, und eine aktuelle Hilfe, ein Mädchen das seinen Sinn sucht, sowie vorzüglich kocht aber einen schlechten Männergeschmack hat, führen. Der Kommissar führt endlose Gespräche, Telephonate, friert im Herbstregen, und kann schlußendlich ein Ergebnis präsentieren.

Die Geschichte wird am Anfang aus Sicht von Alice, der jungen Frau die nach dem Surf-Sommer auf der Insel geblieben ist, beschrieben, dann wird der Kommissar begleitet. Er wird leicht seekrank, was sich durch den Roman zieht.
Duval ist eine gepflegte Erscheinung, geschieden, 2 Kinder, in einer frischen Beziehung mit einer Journalistin. Sein Team mit Pathologen und Spurensicherung arbeitet gut zusammen. Er kommt mit Hilfe eines kleines Buben einer Tatwaffe auf die Spur. Alice ist eine attraktive jungen Frau, die sich dessen bewußt ist; sie ist nicht wirklich sympathisch in ihrer Launenhaftigkeit. Alle Männer der Insel machen sich Hoffnungen auf sie; Hoffnungen die sie oft enttäuscht. 2 ältere Fischer, der Wirt, der Ecolo, die Seeleute und ein Kapitän scharwenzeln um sie herum; auf der einen Yacht ist eine Familie, die es eher ruhig mag, aber einen guten Kapitän hat.

Einheimisches Essen wird genannt wie eine 'Daube', eine 'Brandade' und ein saftiger 'Croque Monsieur'. Der Croque wird genauer erzählt, die anderen Speisen mußte ich im Internet nachlesen, weil es in diesem Buch leider kein Glossar zu ortstypischen Ausdrücken gibt. Hier wären auch die Vokabel für die ortsüblichen Messer nachzulesen gewesen - erhoffte ich mir als nicht dem Französischen verbundener/in Leser/in.

Drogen und Mafiaverbindungen spielen in diesen Roman hinein. Auch die Geschichte wie es auf der Insel zum Vogelreservat kam.
Die Menschen bleiben nicht ganz greifbar. es ist nicht schlüssig wenn Alice anbaggert oder wen nicht. Die Vorgesetzte Duvals ist von anfang an unangenehm und zieht Arroganz durch.
Das windige Seeklima ist spürbar, auch die kalten Winde vor denen sich die Menschen entweder unter windgeschützte Balkone oder ins Bistro retten.

Vieles ist in dem Buch gut lesbar, und gut vorstellbar. Die Seekrankheit von Duval hätte es kürzer auch gebracht. In Summe aber ein guter Roman für Unterhaltung, Entspannung und Urlaubsgefühl.

Christine Cazon wurde 1962 geboren. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Katzen in Cannes.

Sonntag, 7. April 2013

Carlos María Domínguez : "Wüste Meere"

Carlos María Domínguez :
"Wüste Meere"
original "mares baldíos"
2005, Carlos María Domínguez
aus dem Spanischen übersetzt von Elisabeth Müller
2006, Eichborn AG, Frankfurt
158 Seiten
ISBN 3-8218-5774-9

In diesem Buch sind sieben wunderschöne dichte Erzählungen abgedruckt, die sich alle mit dem Thema Wasser, Fluß oder Meer beschäftigen. Allen Geschichten ist für mich auch eine Art von Laissez-faire oder auch Toleranz eigen - man läßt dem anderen sein Tun. Die Geschichten sind dicht und schön geschildert, und gehören zu den wenigen Erzählungen die ich gerne gelesen habe und nicht mit dem Gefühl übrig geblieben bin, um einen Teil quasi betrogen worden zu sein.

In 'Johnnys Bekenntnis' lernt ein junger Uruguayer mitten unter seinen argentinischen Schwimmkollegen den großen Star Johnny Weißmüller kennen. Als alternder Star gibt er Masterclasses für die schwimmbegeisterte Jugend. Bei einem Wettschwimmen läßt der Junge den Alten gewinnen, weil er es braucht. Das Idol bekommt Risse, aber mit Menschlichkeit kommen die beiden auf neue Ebenen.

In 'Der Baum mit den Reihern' wird eine winzige Insel mit einem Baum, einer miserablen Hütte, einem Menschen und vielen Reihern von einem Orkan heimgesucht. Obwohl Orkane gewohnt, ist diesmal die nassen und windigen Elemente doch stärker als gewohnt. Der Mensch versucht Hütte und sich zu retten, verliert die Hütte aber überlebt. Die Reiher müssen ihn zwischendurch wärmen.

'Mancuso' ist ein alternder berühmter Pirat. Er versucht mit seiner Crew ein Schiff, das auf eine Sandbank gelaufen ist, zu heben und sich des Guts zu bemächtigen. Der Versicherungsbetrug des Eigentümers inkl. dessen machtvolle Vernetzungen sind stärker als er und seine Crew. Mißtrauen steigt, der Ruhm ist am Ende dahin. Die Mafia hat gesiegt.

'Die Falle im Sand' erzähltvon einem Schiff, das gute und schlechte Frachten gehabt hat und bereits mehrere Namen getragen hatte. Der Kapitän versucht das zu verheimlichen, denn Schiffe mit vielen Namen haben einen schlechten Ruf. Als sie auf einer neuen Sandbank des Rio Plato auflaufen (die Sandbänke sind hier tückisch und flexibel), werden ihm und seinen drei Leuten das Wohl des Schiffes anvertraut. Versicherungen, Beamte, Eigentümer streiten wie es weitergehen soll. Die Crew hält das Schiff bei einem Orkan. Später wird das Schiff gesichtet - es hat wieder einen neuen Namen.

In 'Delta' erzählt ein alter Mann gegen paar Schnäpse die Geschichte eines Mannes der Frau und Kind am Gardasee verläßt um wieder am Wasser zu arbeiten. Er schließt sich Marcia Brooke, einer Piratin in den Flüssen an. Als es durch die Entwicklung immer schwerer wird mit Piraterie Erfolg zu haben, zieht sich die Gruppe zurück. Der Sohn taucht auf und findet statt dem ersehnten reichen Vater ein Wrack, das sein Hirn durch zuviel Alkohol vernichtet hat. Als der Sohn geht, läßt er eine Schachtel zurück - ein Finger mit einem Ehering.

In 'Brände' erzählt ein ehemaliger erster Schiffsoffizier wie er im Irakkrieg auf einem imponierenden hochmodernen Tanker, der mit Inertgasen fährt (unbrennbar), bei einem Überfall und anschließender Panik, leider einen Menschen tötet/töten muß um die Hierarchie aufrecht zu halten. Er rettet damit das Schiff und die vielen Menschen an Mord. Reederei, Ministerium, alle anderen sprechen ihn von Verantwortung frei - nur er kann sich nicht verzeihen und zieht ans Land, mit Blick auf die großen Schiffe im Hafen.

'Eine aufrichtige Unterhaltung' findet zwischen einem polnischen Maschinisten (Mirko) und einem lateinamerikanischen Offizier (Adrede) bei einer Flasche Grappa statt. Jeder spricht nur seine Muttersprache. Sie sprechen von Zweifeln, alten Geschichten und alten Lieben. Keiner versteht die Wort, nur die Mimik. Am Schluß entdecken sie einen erfrorenen Chinesen (blinder Passagier) in der defekt geglaubten Klimaanlage an Bord und wickeln das Geheimnis in beider Fremdsprache (englisch) ab.

Die Geschichten sind zwischen 15 und 20 Seiten lang. Nur die letzte Erzählung braucht fast 30 Seiten.

Alle Geschichten habe ich gerne gelesen, und nach dem fertigwerden etwas nachwirken lassen. Es ist keine Hektik, sondern Gelassenheit vorherrschend.

Die Landschaften und Zustände des Wassers sind schön geschildert. Die handelnden oder erzählenden Personen gut vorstellbar. Kein Knick stört.

In Summe ein sehr schönes Buch, das ich Menschen die sich entspannen und gleichzeitig mit den Gedanken reisen wollen, sehr empfehlen kann.


Carlos María Domínguez wurde am 23. April 1955 in Buenos Aires geboren. Er lebt seit 1989 in Montevideo, wo er als Journalist für Wochenzeitschriften und literarische Wochenendbeilagen, Literaturkritiker und Schriftsteller arbeitet.
Andere auf deutsch erhältliche Bücher von ihm sind : 'Das Papierhaus'. Erzählung. Eichborn Verlag, Frankfurt 2004 (Originaltitel: 'Casa de Papel', übersetzt von Elisabeth Müller); 'Die blinde Küste'. Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin 16. August 2010 (Originaltitel: 'Costa Ciega', übersetzt von Susanne Lange). Seit 1985 schreibt er Erzählungen und Berichte die in Verlagen aus Argentinien und Uruguay verlegt sind. 2002 erhielt er 2 einheimische und einen spanischen Preis, 2004 einen aus Darmstadt und 2005 den Preis der jungen Autoren in Österreich.

Donnerstag, 8. November 2012

Sabina Berman : "Die Frau, die ins Innerste der Welt tauchte"

Sabina Berman :
"Die Frau, die ins Innerste der Welt tauchte"
original "La mujer que buceó dentro del corazón del mundo"
2010, Ediciones Destino, Barcelona
aus dem Spanischen von Angelica Ammar
2011, S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt
299 Seiten
ISBN 978-3-10-021609-9

Der verzaubernde Roman in dem wunderschönen türkisblauen Umschlag erzählt von einer jungen Frau, die erst durch Zuneigung/Zuwendung ihrer Tante mit ihrem Autismus umgehen lernt und aus dieser Sicht das Meer, das Leben (und Vernichten) von Thunfischen kennen und lieben lernt. Eine wunderbare Geschichte, die in Bann zieht und trotz Fischtötens verzaubert.

Karen wird von ihrer Tante Isabell in einer ererbten Haus in Mexiko im Keller gefunden. Sie bemüht sich der bereits jugendlichen Sprechen beizubringen, ihre Denken zu formulieren und mit Menschen trotz ihres Autismus so normal wie möglich umzugehen.
Tante Isabell ist die Eigentümerin mehrerer Thunfischfabriken, und ermöglicht ihrer Nichte diese anzusehen. Sie entdeckt dort ihre Liebe zum Tauchen und Mitschwimmen mit den Fischen.
Mit ihrer Empathie für Tiere, Ausschalten von Verständnis für menschliches Denken und Fühlen gemischt mit sehr logischem Denken entwickelt Karen Methoden die Thunfischfischerei schonend für Delphine und relativ streßfrei für die zu tötenden Thunfische zu entwickeln. Es gibt Rückschläge, aber aufgrund von superreichen, entsetzlich verwöhnten Sushi-fans plötzlich riesige Erfolge zu verzeichnen. Die Naturschützer schlagen zu und sie entwickelt die Idee vom Paradies für Fische - sehr zum Mißfallen ihrer Geschäftspartner, die nicht ihre Erlebnisse im Meer und mit den Fischen teilen (können).

Der Roman ist in Ich-Form geschrieben. Da das erste Wort, das Karen lernte Ich ist bedeutet es sehr viel für sie. Es ist faszinierend wie sie beschreibt wie sie mit den Menschen und deren oberflächlichen Ausdrucken umgeht; fast witzig wenn sie beschreibt wie sie lernt was welcher Gesichtsausdruck heißen soll und lernt diese Gesichter zu kopieren, um sich mit nicht-autisten leichter zu tun.

Kares Auseinandersetzung mit der Wissenschaft und Philosphie hat ganz eigene kognitive Zugänge. Descartes empfiehlt sie zu verbrennnen; viel hält sie von Darwin - der vermutlich wie sie und auch Einstein ein Autist gewesen sein dürfte.

Schön sind die Beschreibungen wie sie im Meer schwimmt, mit den Thunfischen Nase-schubsen spielt, und wie sie die Tiefe des Meeres wahrnimmt.

Ich habe das Buch sehr genossen und kann es Lesern und Leserinnen, die ein Gefühl für Zauber, das Meer, und auch andere Gedankenansätze zu arrivierter Philosophie vertragen nur sehr empfehlen. Achtung: Leser taucht gedanklich fast mit !