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Sonntag, 15. September 2024

Francesc Miralles : "Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen"

Francesc Miralles :
"Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen"
Roman
original "Amor en minúscula"
2006, Vergara, Barcelona
Aus dem Spanischen von Anja Lutter
2010, List Verlag
296 Seiten + 1 Seite Danke
ISBN 978-3-548-60936-2

Samuel lebt sein sehr organisiertes Leben in Barcelona als Literaturdozent für deutsche Sprache & Literatur. Am ersten Jänner sitzt eine Katze vor seiner Türe, nennt sie Mishima und er muß sich um sie kümmern indem er unter anderem eine/n Tierarzt/ärztin sucht. Auf einer Straßenkreuzung begegnet ihm seine Schulliebe, die er seit 30 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Der Zufall führt ihn in genau das Musikgeschäft, in dem diese Frau arbeitet.
Parallel kommt er mit einem Nachbarn ins Gespräch und bemüht sich um dessen Angelegenheiten, während dieser im Krankenhaus ist. Und er hilft einem obdachlosen Professor.
Am Schluß gibt es Liebe.

In fünf Kapiteln denkt, liest, sinniert und läuft Samuel durch sein Barcelona.
Witzig wird es wenn er beschreibt, daß die Studenten nicht mal die rudimentärsten Grundlagen haben und sie nur durchläßt, damit er sich nicht mehr mit ihnen beschäftigen muß.

Samuel ist für mich leider nicht fühlbar geworden; nur sein Faible für das Wörterbuch der Wörter, deren Bedeutung es nur in einer Sprache gibt, hat mich angesprochen. Die warmherzige Tierärztin war für mich gut spürbar. Die Jugendliebe Gabriele bliebt leider etwas ferne. Unterhaltsam sind der weise wißbegierige Nachbar & Journalist, sowie der Professor der von der geplanten Zukunft schreibt.

Leider ist zu wenig von der Katze geschrieben. 

Ich hatte mir mehr von diesem Roman versprochen, und hatte bei der Liebe doch auf anderes Ende gehofft.

Francesc Miralles Contijoch  wurde am 27. August in Barcelona geboren. Er ist ein Catalanischer Schriftsteller, Essayist, Übersetzer, und Musiker. Er war viel gereist, und hatte sich auf Indien spezialisiert. Sein erster Roman auf katalanisch war 'Perdut a Bombai' (Lost in Bombay) (2001); auf spanisch 'El lector de Kafka', Ed. Océano, 2000. Er hat auch einige Jugend- und Kinderbücher geschrieben.

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Peter May : "Die Katakomben von Paris"

Peter May :
"Die Katakomben von Paris" - Ein Fall für Enzo Mackay
original "Extraordinary People"
2006, Poisend Pen Press, Scottsdale AZ
Aus dem Englischen von Anke und Eberhard Kreutzer
2011, Rowohlt Taschenbuch Verlag
437 Seiten + 2 Seiten Danksagung
ISBN 978-3-499-25402-4

Den schottischen Forensiker Enzo Mackay hat die Liebe nach Frankreich gebracht, wofür seine Familie in Schottland zerbrochen war. Aufgrund einer Wette beginnt er nach dem Verbleib eines hochintelligenten Menschen oder deren Reste zu suchen, wobei ihm die Recherchen des Journalisten Raffin behilflich sind. In der Kirche, in die der letzte Kalendereintrag führt, findet er die erste Bestätigung seines Verdachtes. Später wird ihm von einem Koffer mit einem Schädel und fünf eigenartigen Utensilien erzählt. Enzo setzt diese fünf Elemente zu neuer Information zusammen - wobei er Hilfe durch das Wissen aus dem Internet hat. Nachdem ein zweiter Koffer mit weiteren Körperteilen und wieder einigen Utensilien gefunden wurde, wird ihm von der bildschönen berechnenden Justizministerin mitgeteilt, daß die weitere Recherche von Offiziellen übernommen wird. Quer durch Frankreich tauchen noch weitere Koffer mit Körperteilen und Hinweisen auf, es sterben noch einige Menschen gewaltsam, eine junge Frau verschwindet und es kommt zum Showdown in den Katakomben von Paris.

Enzo wird als großer Mann mit längeren Haaren, einer weißen Haarsträhne geschildert, der gerne trinkt, und mit Geld nicht umgehen kann. Er löst die Rätsel mit Leidenschaft, leider ist er bei seinen Damen, hier seine Töchter und auch bei Charlotte nicht ganz so erfolgreich. Der Journalist Raffin wird als gut aussehender, gut gekleideter Pariser Mann geschildert, der mit Coolness durch die Situationen geht. Tochter Sophie ist die Tochter seiner großen Liebe, die Enzo alleine aufgezogen hat, und die sich in einen nicht nur gut aussehenden Fitnesstrainer verliebt hat. Tochter Kirsty aus erster Ehe, ist spröder geschildert. Charlotte ist eine sehr gut aussehende Frau, Psychiaterin, Ex-freundin von Raffin, hilft Enzo einige zeitlang weiter.

Faszinierend ist der Hintergrund der Elite-Universität ENA, deren Ruf, deren Anspruch, das Wissen, daß dort alle Politiker und Wirtschaftstreibenden ausgebildet werden und später netzwerken werden. Enzo merkt an, daß es kein Wunder ist, daß die Politiker nicht mehr wissen, was das Volk möchte, wenn alle Politiker aller Parteien auf eine gemeinsame Elite-Universität gehen. 

Der Roman ist gut geschrieben. Auch wenn viel in der Gegend herumgefahren wird, sind die Ort vorstellbar, und auch die menschlichen Tragödien. Viel spaß beim Lesen !

Montag, 27. Januar 2020

Nicolas Remin : "Schnee in Venedig"

Nicolas Remin :
"Schnee in Venedig" - Commissario Trons erster Fall
2006, Rowohlt Taschenbuch Verlag / 3. Auflage 2010
537 Seiten / Großdruck
ISBN 978-3-499-33241-8

Commissario Alvise Tron, Sohn verarmter Adeliger in einem riesigen venezianischen Palazzo, wird berufsbedingt zum Raddampfer geschickt, auf dem ein Offizier ermordet worden war. Ein österreichischer Offiziert verhindert Recherchetätigkeiten der Beamten vor Ort, erklärt die Sache nach einem Selbstmord im Gefängnis als erledigt und motiviert Tron damit dem Wunsch der Kaiserin Elisabeth, die incognito in Venedig ist, hier einige Ungereimtheiten zu klären. Leider werden die Menschen, die er befragen möchte, kurz vor seinem Hinzukommen ermordet. Nach einem Tanz mit der Kaiserin wird eine Falle gegen den Commissario aufgebaut. Am Schluß sind der Mörder und einige Hintermänner tot, und eine Liebesgeschichte ist dabei gut auszugehen.

Conte Alivise Tron ist ein schlanker Mann mit schlechten Augen und charmantem Kneifer. Die Principissa di Montalcino ist ein schöne charmante zurückhaltende Frau mit bezaubernder Boticelli-Nase, die durch Heirat zu Geld gekommen ist und in der Kindheit Schlimmes erlebt hat. Kaiserin Elisabeth wird hier als 25-jährige Frau mit Humor und Gespür für Grenzen geschildert. Spaur ist der Vorgesetzte Trons, der versucht das Richtige für seine Stadt aber auch die Gerechtigkeit zu tun, aber ohne seine eigene Karriere zu gefährden. Oberst Pergen ist kaiserlicher Offizier, der mit Macht und oft ohne Benehmen auftritt und sich die Wahrheit zu seinen Gunsten zurechtbiegt. Die Mutter des Conte, sowie Alessandro der alte Diener und Hausfaktotum sind schön skizziert. Ein ehemaliger Cellist des Fenice ist ein schöner Mann, der Männer mag. Ein ehemaliger Offizier ist jetzt Mönch, der photographiert, aber kein Mitleid mit Menschen hat. Ein anderer ehemaliger Offizier arbeitet für die Gasgesellschaft und ist mit dem Ersetzen von Petroleumlampen beschäftigt; er ist gut aussehend, gebildet und sehr skrupellos.

Venedig ist diesmal im Schnee mit Scheegestöber geschildert. Alle fahren Gondel, egal ob gemietet oder der individuellen militärischen Gruppen die gerade in der Stadt weilen.

Die Orte der Handlung sind dem Venedig-kundigen nachvollziehbar.
Der Großdruck ist sehr angenehm zu lesen.

Die Geschichte ist gut zu lesen, die Ort und Menschen gut vorstellbar. Das Ende überraschend. Ein Mord wird nicht wirklich bewertet, der böse Mörder ist erratbar. Viel Spaß beim Lesen !

Bio von Nicolas Remin bei "Venezianische Verlobung"(20. Okt 2013)

Samstag, 22. Juni 2019

Pascal Mercier : "Nachtzug nach Lissabon"

Pascal Mercier :
"Nachtzug nach Lissabon"
Roman
2006, Btb Taschenbuch
484 Seiten
ISBN 978-3-422-73436-8

Raimund Gregorius, Lehrer für Griechisch und Latein wird durch den versuchten Selbstmord einer Portugiesin mit einem Buch auf portugiesisch aus seinem Lebenstrott gerissen. Er reißt mit dem Zug nach Portugal und lernt dabei den Geschäftsmann Silviero kennen. In Lissabon lernt er eine Augenärztin kennen, deren Verwandt Erca, dessen Hände zerbrochen worden waren, und andere Menschen des Autors des Buches Amadeu Prado. Dieser war ein hochintelligenter Mensch gewesen, der schon in der Schulzeit über die Grenzen gedacht hatte, und proviziert hatte. Hier begann die lebenslange Freundschaft mit dem Apotheker O'kelly, und mit seiner Seelenfreundin Maria. Er studierte Medizin, rettete seiner Schwester das Leben, rettet einem der brutalsten Menschen der Militärdiktatur das Leben, und rettet auch eine junge attraktive Frau mit phänomenalem Gedächtnis die alles über den Widerstand wußte.
Gregorius besucht die Menschen und Orte an denen Prado gelebt und gedacht hat, und spricht mit vielen Menschen über den charistmatischen, leidenschaftlichen, suchenden aber auch enorm egoistischen Menschen.

Der Roman besteht aus vier Kapiteln, die 'Der Aufbruch', 'Die Begegnung', 'Der Versuch' und 'Die Rückkehr' heißen.
Die Gedanken die Amadeu Prado zu Papier gebracht hatte, sind in kursiv abgedruckt und ziehen sich bruchstückhaft durch den Roman.

Die vielen Menschen in dem Buch sind stark, faszinierend, eigenwillig, stur, eindrücklich, und prägen sich beim Lesen ein. Dies obwohl sehr viele Menschen geschildert und miterlebt werden.
Amadeu selber wird als eigenwillig, hochintelligent, engangiert, geschildert, aber auch als jemand der Menschen die nicht ihm kognitiv oder menschlich das Wasser reichen konnte, liegen ließ. Mich hat negativ berührt, daß ihm der seiner Frau Kinder verwehrte Jahre später meinte Anspruch an eine Frau zu haben seine Ergänzung nach seinem Wunsch zu werden.
Der Erzähler Raimund Gregorius ist zurückhaltend, in seine alten Sprachen hinter seinen Brillengläsern versunken, der erst lernen muß wieder mit Menschen umzugehen und sich auf sie einzulassen.
Die Unterschiedlichkeit der beiden Schwestern von Amadeu ist schillernd, die drei Frauen im Leben Amadues ebenso wobei seine Frau Fatima die er um ihren Kinderwunsch betrügt mein größtes Mitgefühl hat, die beiden anderen Frau bewahren ihre Mitte und Abstand. Der alte Widerstandskämpfer im Altersheim ist berührend in seiner inneren Kraft und Überlebenswillen.

Orte der Handlung sind Bern, die Züge nach Portugal, Lissabon, Coimbra, Finisterre und Salamanca. Alles ist gut vorstellbar und mit den Stimmungen vor Ort geschildert.

Der Beginn des Buches hat sich für mich gezogen, die ersten Texte von Amadeu habe ich nur überflogen, da ich wissen wollte wie der Roman weitergeht. Die Geschichte zog mich immer mehr in den Bann.
Beim Hintergrundlesen über die PIDE und die Militärdiktatur unter Salazar fiel auf wie wenig im Internet nachzulesen war.

Die Sprache in dem Roman hat mich sehr angesprochen. Formulierungen wie 'Goldschmied der Worte' finde ich wunderschön.

In Summe ein wunderschöner beeindruckender Roman. Viel viel Freude beim Lesen !

Peter Bieri wurde am 23. Juni 1944 in Bern geboren. Er ist Philosoph und Schriftsteller, wobei er unter dem Namen Pascal Mercier - nach einem Sprachmix aus Blaise Pascal und Louis-Sebastien Mercier - publiziert. Sein erster Roman "Perlmanns Schweigen" erschien 1995.

Freitag, 9. Februar 2018

Stieg Larsson : "Verblendung"

Stieg Larsson :
"Verblendung"
Roman
original " Män som hatar kvinnor" (dt. „Männer, die Frauen hassen“)
2005, Norstedts
Aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn
2006, Wilhelm Heyne Verlag, München
683 Seiten
ISBN 978-3-453-43245-1

In dem Thriller werden die Suche nach einer Vermißten mit der Recherche gegen einen gut vernetzen Wirtschaftsboss.
Am Anfang steht daß der Journalist Mikael in eine Falle getappt ist, weswegen er eine Auszeit nimmt. Diese nutzt ein anderer Wirtschaftsboss um ihn zu beauftragen eine Familienchronik zu verfassen, aber ihm vor allem das Verschwinden bzw den Tod seiner Enkelin Harriet aufzuklären. Parallel wird die Hackerin Lisbeth zu Recherchezwecken eingeschaltet. Für das Verschwinden von Harriett arbeiten sie zusammen, was ihm letztendlich das Leben rettet. Am Ende werden die Netze des betrügerischen Wirtschaftsbosses medienwirksam entflochten.

Die Familie des Wirtschaftsmagnaten Vanger wird mit vielen Menschen geschildert, von denen die meisten ziemlich ungemütlich bis eigen sind, nur wenige sind liebenswert und bereit sich positiv für anderen Menschen einzusetzen. Es gibt nicht nur Workoholics, Alkoholiker, Religionsbesessene, politisch einseitige Persönlichkeiten, sondern auch wirklich Schädliche für Menschen und Gesellschaft.

Als wichtige handelnde Personen sind der Journalist Mikael Blomkvist der eine privat finanzierte also unabhängige Zeitschrift mit einer uralten Freundin führt. Er hinterfragt politische und wirtschaftliche Machenschaften und hat jede Menge Feinde.
Ihm gegenüber und gleichzeitig als Hilfe ist Lisbeth Salander, die etwas ähnliches wie Asperger Syndrom hat, damit Menschen emotional neutral bleibt aber grandios mit Daten ist. Ihr Leben war gezeichnet von Menschen die sie dirigieren wollten, und auch Übergriffen, sie saftig geschildert sind.
Während Mikael journalistisch getrieben ist, ist Lisbeth entweder neutral denkend oder auf Seiten der unterdrückten und gequälten Frauen aktiv. Von ihr kommt cirka der Satz "auch nur ein Mann der Frauen haßt".

Die Geschichte ist spannend geschrieben (und übersetzt). Die Sprache ist direkt und schnörkellos, ohne großartige Metaphern, fällt manchmal ab, ist aber nicht störend tief.

Der Roman ist der erste Teil der Trilogie. Ich habe mich noch nicht entschieden ob ich die beiden weiteren Teile lese, oder mich den vielen anderen von mir noch nicht gelesen Büchern widme. 

In Summe ein spannender Roman, bei dem mir die Frauengestalten mehr unter die Haut gingen, den ich gerne weiterempfehle.

Karl Stig-Erland Larsson - als Schriftsteller unter Stieg Larsson - wurde am 15. Augugust 1954 in Skelleftehamn Västerboten (Nordschweden) geboren. Er war Jounalist,  arbeitete bei einer Nachrichtenagentur, gab das Magazin "Expo" heraus und Schriftsteller über Extremismus. Die "Milleniumstrilogie" kam posthum heraus; der vierte Band blieb unfertig; weitere vier bis sechs Bücher liegen als Expose vor. Er starb am 9. November 2004 (Herzinfarkt).

Donnerstag, 23. November 2017

Wendy Guerra : "Alle gehen fort"

Wendy Guerra :
"Alle gehen fort"
Roman
original "Todos se van"
2006 Indent Literary Agency
Aus dem Spanischen von Peter Tremp
2017, Unionsverlag Taschenbuch
197 Seiten + 3 Seiten Worterklärungen (Namen, Schlagworte)
ISBN 978-3-293-2077-5

Nieve schreibt in Tagebüchern über ihr Leben, zuerst als Kind, dann als Jugendliche. Sie lernt früh, daß wichtige Menschen gehen, entweder ins Gefängnis oder weil sie Kuba verlassen (müssen). Ihre Mutter, eine kreative Frau die Puppen bastelt und im Radio Kindersendungen macht, glaubt zwar dem kubanischen Kommunismus, versteht aber die Reglementierungen und die Unmenschlichkeit der Diktatur sowie die Brutalität gegen Kunst nicht. Nieves Vater wird als Alkoholiker mit Wandertheater geschildert, der zwar seine Tochter beherrschen, sie aber nicht versorgen will. (Die Abschnitte über Gewalt und Hunger sind heftig). Fausto, der liebevolle freundliche schwedische Freund der Mutter, wird des Landes verwiesen. Nieve verliert alle Kontakte bei jedem Schulwechsel. Sie lernt sich oft zu verabschieden.
Als Jugendliche ist sie in kreativen Kreisen. Sie lernt Osvaldo, einen berühmten Künstler kennen und lieben. Als er nach Paris eingeladen wird, heißt es lange warten, bis klar wird, daß sie nicht nachreisen kann. Filmemacher Antonio bringt sie darauf das echte Leben zu betrachten, nicht nur durch die Seiten der Tagebücher, die sie schreibt.

Die Geschichte wird aus der Ich-Sicht in Tagebuchform erzählt, in die manchmal Gedichte einfließen. Der einzige Teil der nicht aus Nieves Sicht beschrieben ist, ist ein langer Brief von Antonio.

Ich bin eingetaucht in die Welt und die Beschreibungen des Mädchens und später der jungen Frau. Diese Welt bestand am Anfang aus Liebe der Mutter und ihres Freundes, sowie der Brutalität ihres Vaters. Früh lernt sie Angst und Mund halten kennen, weshalb sie sich nur den Tagebüchern anvertraut (was - wie sie weiß - politischer Wahnsinn ist).
Die Stellen in denen kreativ gearbeitet wird und Menschen einfach Kunst und Musik leben wollen sind stark; ebenso die in denen verbotene Literatur, weil zensuriert, versteckt werden muß.

Es gibt einige deftige erotische Absätze.

Politischer Hintergrund ist die Zeit der Repressionen und Hungerszeit der 70-er auf Kuba, in der viele Menschen gehen wollen. Ich habe einiges nachgelesen in der Geschichte Kubas : über die Zeit als die Menschen in der peruanischen Botschaft Zuflucht suchten, als Ausreisewillige wüst beschimpft wurden und die künstlerisch 'graue' Ära auf der Insel.

Die Namen der Worterklärungen führen zu einigen Künstlern die mir neu waren.

Im Summe ein dichter Roman bei dem sich Menschen und Rundherum gut vorstellen lassen - sowohl das Lebensgefühl, auch auch die Diktatur der Lebensverweigerung. Viel Freude beim Lesen !

Wendy Guerra wurde am 11. Dezember 1970 in Havanna (Kuba) geboren. Mit 17 veröffentlichte sie ihren ersten Lyrikband, dann ging sie auf die Kunsthochschule. Später arbeitete sie als Radio- und Fernsehsprecherin und Schauspielerin und besuchte die Filmhochschule um Regie zu lernen. Nach dem außenpolitischen Erfolg ihrer Gedichte, wurde sie in Kuba negiert, was sie dazubrachte in spanischen Zeitungen zu schreiben. Mittlerweile sind drei Gedichtbände und fünf Romane von ihr erschienen. Sie lebt weiterhin auf Kuba.

Montag, 17. Juli 2017

Hernán Rivera Letelier : "Der Traumkicker"

Hernán Rivera Letelier :
"Der Traumkicker"
Roman
original "El fantasista"
2006, Chilena de Ediciones, Santiago de Chile
Aus dem Spanischen von Svenja Becker
2013, Insel Verlag
200 Seiten
ISBN 978-3-458-35932-6

Ich hatte von dem Autor das entzückende Buch "Die Filmerzählerin" gelesen, das mich wegen seines Zaubers mitten in Kargheit fasziniert hat.
Bei dem "Kicker" ist kein Zauber zu spüren sondern das knochentrockene Leben der Menschen um den Salpeterabbau vermischt mit viel Essen, viel Trinken, viel Sex und noch mehr über Sex reden und noch mehr Gespräche über Fußball.

In der Rivalität zur Nachbargemeinde wird um Frauen und Fußball rivalisiert, wobei die Karten ungleich verteilt sind, da die Nachbargemeinde mehr Geld für gute Fußballer zur Verfügung hat. Als sich ein Mann der mit einen Fußball Tricks spielt in den Ort verirrt, hoffe alle auf einen legendären Sieg - vor allem da der Siedlung der komplette Abriß wegen Baustellenschließung bevorsteht. Parallel zu den Vorbereitungen auf das letzte Spiel gibt es zwei Liebesgeschichten, viele erotische Ausflüge, und das Begleiten der verschiedenen Charaktere in der Siedlung. Am Ende steht ein spannendes Fußballmatch und die Destruktion der Siedlung.

Die Story zieht sich manchmal etwas, aber die Menschen in dem Roman / in der Siedlung sind ein ziemliches Panoptikum.
Expedito González : der Mann der stehend mit einem Fußball fasziniert - und seine rothaarige grünäugige Freundin die aus dem Unterhaltungsgewerbe stammt.
Cachimoco Farfán : mit Mikrophon, originellen Fußballmatch-Beschreibungen und dem Tick diese mit medizinischem Fachjargon zu ergänzen; Tuny Robledo - der endlich seine Angst vor dem Elfmeter schießen vergißt; Siedlungscasanova Choche Marivilla; bis zu sieben Menschen die unter einem Dach leben und die sieben Todsünden verkörpern
Leider ist kein Verständnis für den Tormann in dem Buch zu lesen - es geht nur um Angriff und Prügeleien.

Ort der Handlung ist eine Siedlung mit Laden, Kino, Gasthaus, vier Elektrikern und einem rachegeifernden Priester in der trockenen Atacamawüste bei den Salpetersiedlungen. Es wird beschrieben wie trocken die Gegend ist, wie sich eine Windhose gemütlich ausbreitet und ein seltener Wolkenbruch.
Zeit dürfte einige nach dem Putsch von Augusto Pinochet 1973 sein, der aber nur kurz gestreift wird. Als fußballgeschichtlicher Hintergrund wird auch ein Flugzeugabsturz in den Anden erzählt, der am 3. April 1961 gewesen sein dürfte und der Fußballclub 'Green Cross' wird bewundernd genannt.

Die Geschichte aus einer Wir- bzw. Ich-Sicht geschrieben, wobei nie ganz klar ist wer der Ich /die wir sind außer Einwohner der Siedlung.

Die Geschichte ist etwas deftig ge- und beschrieben als Sex, Trinken, Essen, und medizinische Einläufe oft und genau geschildert werden. Liebhaber, Seitensprünge, Hodengrößen und Huren werden moralfrei erzählt. Das Buch ist nichts für Feinde von Fußball. Allen anderen viel Zeit und Spaß beim Lesen !

Hernán Rivera Letelier wurde am 11. Juli 1950 in Talca (Anm : Mitte von Chile südlich von Santiago de Chile) geboren. Er lebte als Kind und Jugendlicher im Norden Chiles bei den Salpeterbaustellen, auch nach dem Tod seiner Eltern. Einige Zeit reiste er durch die Nachbarländer bis er bei den Salpeterminen zu arbeiten begann, und nebenbei die Matura nachmachte. 1987 veröffentlichte er die ersten Gedichte, 1990 die ersten Kurzgeschichten und mit "La reina Isabel cantaba rancheras" erschien 1994 der erste Roman. Jetzt lebt er mit seiner Familie in Antofagasta.

Freitag, 23. Dezember 2016

Michelle de Kretser : "Der Fall Hamilton"

Michelle de Kretser :
"Der Fall Hamilton"
original "The Hamilton Case"
2003, Verlag Knopf (Australien)
Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger
2006, Klett Cotta Verlag
300 Seiten
ISBN 3-608-93740-4

In dem Roman geht es anhand von Sam (eigentlich Stanley Alban Marriott) Obeysekere, seiner Mutter Maud und seinem Sohn Harry um die Geschichte Sri Lankas in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als zuerst die Briten die Herrschaft auf der Insel innehatten, und diese dann an die Kämpfe zwischen Tamilen und Singhalesen abgeben mußten. Sam ist zwar dunkelhäutig aber britisch bis ins Detail, während seine Mutter als Kind und im Alter die Weisheit der Eingesessenen lebt und dazwischen durch ihre Schönheit den Menschen auf der Nase tanzt, während sein Sohn Harry sich komplett aus dem System ausklinkt und in England Vegetarier wird. Am Schluß wird klar, daß Sam wunderbar in Details war, aber nie den großen Zusammenhang erkannte.

Der Hauptteil der Geschichte ist Sam gewidmet, der in einer Familie mit Geld aber auch Verschwendung aufwächst, eine Schwester Claudia hat die er innig lieb und einen Bruder der früh stirbt. Im Internat lernt er Jaya kennen, der später sein Schwager, dann Politiker wird, und Shiva (Shivanathan) der genauso wie Sam Jus studiert und später Geschichten (unwahr und exotisch) schreibt. Sam eine Karriere im Staatsdienst vor sich die er sich mit seinen Schlußfolgerungen um den Mord an dem Farmer Hamilton verbaut, als hier das ewige Mißtrauen gegen eingeborene Dienstboten, die Oberhoheit der Briten, sich ändernde Zeiten gegeneinander spielen. Seine Heirat mit der reichen häßlichen Leela macht ihn nicht glücklich, aber es gibt spät Sohn Harry, der sich gar nicht den Wünschen von Sam entwickelt.
Kapitelweise wird das Leben von Sams Mutter Maud beschrieben, die es durch große Schönheit und Extravaganz schafft bewundert zu werden. Als gleichzeitig Alter und Armut kommen entwickelt sie sich zur wunderlichen Alten die in Glitzergewändern durch die Wälder streift. Diese Kapitel haben eigenen Charme da hier viele Baum- und Tiernamen vorkommen.

Hintergrund ist der Geschichte von Ceylon, in der von den holländischen Einwanderern und Stolz erzählt wird, dann den Briten, und den Unterschieden zwischen Tamilen und Singhalesen. Die Loslösung der Briten von Indien und den Lösungen im Norden die Haß sähen und zu blutigen Konflikten führen, sind nur kurz genannt. Auf der Insel verschieben sich die Machtverhältnisse zugunsten der ursprünglichen Einwohner.

Die Menschen sind gut vorstellbar beschrieben. Sam bleibt brav, seine Mutter schildernd, seine Schwester durchsichtig und zart, Kurzzeit-Schwager Jaya als dickes schleimiges Ekelpaket mit grandioser wetterwendischer Rhetorik, das Kind Harry dem die Welt der Mutter und Großmutter wichtig ist, Pater/der Vater Sams der ein großer Verschwender war, die unterschiedlichen Helferleins im Gut mitten im Nirgendwo im Regenwald, oder im Haus am Meer das nur Sam liebt.

Leider gibt es keinen Glossar um die verschiedenen Ausdrücke die vermutlich typisch für Sri Lanka sind oder waren und die Essen, Herrschaft - Dienerschaft, und anderes beschreibt nachzuschlagen. Das ist schade weil es den Charme des Buches ausmacht, daß diese Ausdrücke zwar unübersetzt und immerhin kursiv gedruckt im Text stehen.

Der Roman ist stark und eindrücklich. Auch wenn man mit dem Leben auf dieser Insel und dem geschichtlichen Hintergrund nicht vertraut ist, zieht es in diesen Roman mit seinen Menschen und dem feuchten Klima und verschiedenartigen Essen hinein. Viel Freude beim Lesen !

Michelle de Kretser wurde am 11. November 1957 in Sri Lanka (Ceylon) geboren und wanderte mit 14 nach Australian aus. Sie studierte Literaturwissenschaft und Französisch in Melbourne und Paris. Dann arbeitete sich als Lektorin für ein Reise Magazin und begann zu schreiben. 1999 erschien der erste Roman "The Rose Grower" (auf deutsch 'Rosenzüchterin von Montsignac' bei Rütten und Loening 2001).

Freitag, 11. September 2015

Doris Gercke : "Georgia"

Doris Gercke :
"Georgia" - Ein Bella-Block-Roman
2006, Hoffmann und Campe
227 Seiten
ISBN 978-3-455-40013-7

Bella Block, mittlerweile nicht mehr im Polizeidienst, sondern als private Ermittlerin tätig, wird aus ihrem beschaulichen Leben mit Lesen, Lyrik und gehobenem Vollpensionsleben gerissen. Die Anwältin Susanne Behrendt möchte Beschattung. In der Nacht nachdem Bella die Arbeit für beendet erklärt, wird die große schöne intelligente Frau tot aufgefunden. Von Anfang an ist klar, daß ihr Ex-mann, ein berühmter aber nicht geliebter Staatsanwalt, bei dem Thema um Folter, Gewalt, Grenzziehung zur persönlichen Würde, Fragen ob diese Würde mit Folter in einem demokratischen Staat erlaubt sein darf, sowie dass mittlerweile alte Milgram-Experiment hier essentiell ist. Leider gibt es kein positives / freundliches / gerechtes Ende dieses Romans.

Die Personen sind anschaulich geschildert : Bella Block selber die sich in Bücher über Rußland und in Lyrik verliert, eine ältere Lyrikerin die in ihren Zeilen lebte, ein Major in Pension dem Straffheit und Order durchs leben hilft, ein Barmann der einiges von der Welt erlebt hat und sich auf seine Tochter aus seiner geschiedenen Ehe freut, die Pensionsleiterin die sich zurückhaltend, verwöhnend durchs Haus bewegt, die ermordetet Susanne Behrendt die sympathisch aber verschlossen agiert, Staatsanwalt Frings der kühl etwas arrogant und bestimmend geschildert wird, Freund Kranz der mit Kontakten und Erotik Bella beisteht und Freude macht etc ...
Etwas mühsam ist die Unterscheidung zwischen dem Barmenschen Franz und dem Freund Kranz, deren Namen mir zu ähnlich sind.

Ort der Handlung ist Hamburg und eine Wohnung in Berlin.

Folter ob und unter welchen Umständen sie erlaubbar sein kann/könnte wird gefragt. Theoretisch wird sie verworfen, aber in diesem Buch sind beruflichen und v.a. privaten Übergriffen Raum gegeben; Ahndung von Übergriffen findet nicht statt, was einen schalen Nachgeschmack macht.
Druck im Bauch beim Lesen erzeugt auch, daß diesmal die großen Machtzieher im Hintergrund die Macht haben und einen unbescholtenen Menschen zugrunde richten indem sie ihm seine Würde und das Vertrauen in einen gerechten Staat absprechen; auch der Bezug zu Georg Orwells '1984' und den Psychospielen dieses totalitären Regimes hilft das nicht viel

Faszinierend ist wieviel hochinteressante Bücher und Lyrik in diesem Buch zitiert oder angerissen wird. Es macht Gusto hier die zitierten und genannten Bücher zu lesen.

Der Roman ist dicht und schön geschrieben. Leider sind die Themen Folter, Einsamkeit, Polizeiwillkühr und das nicht-positive Ende nicht erfreulich; als Buch trotzdem empfehlenswert.

Doris Gercke  wurde am 7. Februar 1937 in Greifswald geboren. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Verwaltungsbeamtin. 1980, nach 15-jähriger Erziehungspause, studierte sie Rechtswissenschaften. 1988 schrieb sie ihren ersten Roman : 'Weinschröter, du mußt hängen'. Der Krimi um die Ermittlerin Bella Block wurde ein Erfolg. In Fernsehverfilmgungen wurde die Figur von Hannelore Hoger verkörpert. Sie schreibt des Weiteren Kinder- und Jugendbücher sowie Lyrikbände. Politisch ist die Autorin für den Frieden und gegen den Neufaschismus engagiert. Sie ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

Dienstag, 14. Juli 2015

Peter Gaymanns "Katzen"

Peter Gaymann :
"Katzen"
2006, Mosaik Verlag - Wilhelm Goldmann Verlag München
88 Seiten
ISBN 978-3-442-39098-4

Arrogante, witzige, bösartige und verspielte Katzen haben in diesem Buch Platz. Sie spielen mit Mäusen, Hunden, Menschen, Dosen, Essen und im Regen.

Die Katzen sind meist als kuschelige graue Fellkäul gemalt; es gibt auch einige sehr adrette rote Katzen. Unterhaltsame kleine Tuschzeichnungen stellen Mäuse dar, die entweder lachen oder gut in die Szenerie passen.

Zum Schmunzeln brachte mich u.a. "die Abwesenheit der Maus" eines Katerkünstlers, "seit wann miezen wir uns" bis zu "Ich war gestern beim Tierarzt - Und? sieht er so gut aus wie alle behaupten? und andere mehr.

Auch das Innencover ist mit Katzen gestaltet - im vorderen ist Kater noch mit Maustapete beschäftigt, im rückseitigen Bereich ist das Werk vollbracht und der Katz' sitzt entspannt davor.
Für Katzenfans ist das Buch eine wunderbare Unterhaltung; und ideal als Geschenk geeignet.

Peter Gaymann wurde am 26. Juni 1950 in  Freiburg im Breisgau  (Baden - Württemberg / Deutschland) geboren. Er studierte Sozialwesen, arbeitete als Pädagoge und Kunsterzieher und seit 1976 als freischaffender Cartoonist und Illustrator. Seine Cartoons sind mit "P.Gay" gekennzeichnet. Peter Gaymann ist verheiratet und Vater von zwei Kindern, hat fünf Jahre in Italien gelebt und lebt derzeit bei Köln.

Freitag, 23. Januar 2015

Ernesto Mallo : "Der Tote von Plaza Once"

Ernesto Mallo :
"Der Tote von Plaza Once"
Roman
original "La Aguja en el Pajar"
2006, Planeta, Buenos Aires
Aus dem argentinischen Spanisch von Matthias Strobel
2010, Aufbauverlag Berlin
210  Seiten
ISBN 978-3-351-03300-2

In diesem Roman werden die Leben dreier Männer miteinander verwoben. Comisario Lascano, dessen großen Liebe und Ehefrau Marisa verstorben ist, und der ein guter aufrechter Polizist ist; Amancio Pérez Lastra, der aus besten Geld und Gesellschaftsschicht kommt, aber nichts außer zu vielen Schulden schafft, und Major Giribaldi (kurz Giri), der es zu einer eindrucksvollen Machtposition im Militär geschafft hat.

Vor dem Hintergrund von Übergriffen von Polizei und Militär auf jeden der möglicherweise anders denkt, oder das Regime im Frage stellt, ermittelt der Comisario. Neben zwei Leichen mit Gesichtsschüssen (Zeichen daß hier das Militär am Werke war) wird auch der Leichnam eines älteren Mannes mit Rumpfverletzungen gefunden. Der Kommissar braucht nicht lange um den Geldverleiher Bitterman zu erkennen und am Schluß seinem Vorgesetzten ein Dossier mit der lückenlosen Aufklärung zu liefern.
Willkür und Gewalt greifen ein, der Vorgesetzte liefert die Unterlagen Giribaldi aus, der wegen Amanacio seine Finger im Spiel gehabt hatte. Giribaldi hat die besseren Schützen weswegen es bald einige Leichen mehr mit Gesichtsschüssen gibt.
Zwei Menschen entkommen: Eva, die Marisa so ähnlich sieht, und die Lascano deshalb geschützt hat und der Gerichtsmediziner Fusili, der als einziger Freund Lascanos eingeweiht gewesen war.

Ort der Handlung ist Buenos Aires. Die Menschen sind mit Autos, Taxi und Bussen unterwegs.
Die Menschen sind gut vorstellbar: Lascano als ruhiger klar denkender Mensch mit Werten, der Gerichtsmediziner der ihm nach dem Tod Marisas geholfen hatte und seine Arbeit gut und korrekt macht, Amancio als verwöhnter Schleimer ohne Rückrat, seine Frau Lara die sich Arbeit sucht und nebenbei mit den Reizen ihres Körpers nicht geizt, der Ehrgeizling Giribaldi der unglücklich mit seiner faden Frau Maisabé und dem Adoptivkind ist, Eva die einige Menschen mit oppositioneller Meinung kannte und jetzt verfolgt wird und die Bitterman Brüder, der aus dem KZ in Europa mit viel Glück geflohen war, den nie die Angst verließ und zum schlimmen Geldverleiher wurde, während sein attraktiver Bruder das gute Leben zu sehr genießt.

Das Adoptivkind war einer Oppositionellen gleich nach der Geburt weggenommen worden. Erst ein strahlend freundlicher Priester kann der sehr gläubigen Maisabé die Sorgen nehmen, daß hier Unrecht passiert war. Die Effizienz mit der das Militär zuerst beim Belästigen von zufällig vorbeikommenden und die Exekutionen bei mal mehr mal, weniger mißliebiger oder zufälliger Personen durchführt ist funktionell und hart.
Etwas Hoffnung bleibt : Eva ist schwanger, und ein Helferlein in der Polizei hat Akten die später entsorgt werden, heimlich kopiert.

Mich hat das Buch sehr beeindruckt. Obwohl das Militär schießt, ist es niemals laut. Es wirkt wie eine kolorierte Tuschzeichnung mit sehr klaren Linien. Dicht sind die Szenen allemal, aber nicht laut. Dicht sind auch die Beschreibungen der Gesellschaftszusammenkünfte.

Es ist ein intensives starkes Buch, das mich in den Sog gezogen hat. Viel Freude beim Lesen !

Ernsto Mallo wurde am 16. August 1948 in La Plata geboren. Er ist Schriftsteller, Drehbuchautor und Journalist. Mallo lebte in den Zeiten der argentinischen Militärdiktatur unter General Videla (Militärdiktatur 1976 bis 1983) als aktiver Gegner und Verfolgter der Militärdiktatur im Untergrund. Mallo lebt und arbeitet in Buenos Aires. Er war mehrfach verheiratet und hat sechs Kinder.
2006 schuf er mit "Der Tote von Plaza Once" den aufrechten Polizisten Comisario Lascano; alle Kriminalgeschichten spielen zur Zeit der Militärdiktatur oder kurz danach.

Samstag, 17. Januar 2015

Gabriel Trujillo Munoz : "Tijuana Blues"

Gabriel Trujillo Munoz :
"Tijuana Blues"
die vier Kurzromane sind gemeinsam unter "El Festin de los cuervos"
2002, Norma Ediciones Mexico-Stadt erschienen
Aus dem Spanischen von Sabine Giersberg
2006, Unionsverlag Zürich
253 Seiten
ISBN 978-3-293-00359-0

Die vier Kurzgeschichten sind in Mexicali nahe der amerikanischen Grenze lokalisiert. Der Anwalt    Miguel Ángel Mogado für Menschenrechte, der aus Mexicali kommt aber in den Vereinigten Staaten lebt ist mit vier unterschiedlichen Fällen beauftragt. Informationen kommen vom Feind-Freund, charakterisiert durch den FBI Mann Harry Jeremy Dávalos; und aus einer Gruppe Harley fahrender Männer, den "Cuervos" die in Mexicali Gutes tun und von Jimmy angeführt wird.

In "Mezquito Road" klärt er den Mord an dem versoffenen, spielsüchtigen Heriberto auf, dessen Witwe den posthumen schlechten Ruf bereinigen möchte. Letztendlich war er am falschem Platz bei einem Drogendeal gewesen.

In "Tijuana City Blues" geht Morgado der Geschichte des Kunsttischlers El Güero nach, dessen Vater mit dem Schriftsteller Burroughs befreundet war und verschwunden war. Morgado findet den Vater, einen ehemaligen Spion den das Doppelleben der Vergangenheit ziemlich egal ist.

"Loverboy" ist der Spitzname für einen verrückten jungen Mann, der mit einer berechnenden Frau Kinder entführt, Organe entnimmt und diese betuchten amerikanischen Eltern mit kranken Kindern verkauft. Leider bleiben die mexikanischen Kinder auf der Strecke, und Menschen die sich dagegen wehren auch. Am Schluß siegt eine eigenartige 'Gerechtigkeit'.

In "Laguna Salada" wird in der gleichnamigen Wüste ein männlicher Leichnam mit Füllfeder gefunden. Der Chef der "Chuervos" hilft hier bei der Aufarbeitung kräftig mit. Am Schluß stellt sich heraus, daß Radioaktivität die jemand anderen beseitigen sollte auch hier effektiv verscharrt worden war.

Die Geschichten sind gerade und schörkellos erzählt. Es gibt keine Nebenstränge.
Die Stimmung ist als trocken geschildert, Leben wird durch Alkohol und Sex gezeigt. Sex ist männlich geschildert und machte mir beim Lesen keinen Spaß.
Herzlichkeit und Wärme kommen nur bei den Kindern auf, und wenn es um Kunst geht.

Mich hat die Direktheit durchaus in die Geschichten hineingezogen. Gutes Hineinversinken !

Gabriel Trujillo Muñoz, geboren 1958 in Mexicali im Norden Mexikos, war ursprünglich Chirurg und hat heute eine Professur in Kommunikationswissenschaften an der Universidad Autónoma de Baja California inne. Seinen ersten Kriminalroman schrieb er 1987. Als Schriftsteller gilt er als Vertreter der »frontera«, als »die Stimme der Baja«.

Sonntag, 4. Januar 2015

Julia Alvarez : "Die Mission der Isabel Gómez"

Julia Alvarez :
"Die Mission der Isabel Gómez"
Roman
original "Saving the World"
2006, Algonquin Books of Chapel Hill, New York
aus dem Amerikanischen von Elke Link
2008, Piper Verlag GmbH München
490 Seiten
ISBN 978-3-492-27132-5

Das Cover mit einem Selbstbildnis von Frida Kahlo hat mich zum Kauf dieses Romans gebracht.

Zwei Handlungsstränge, die zu verschiedenen Zeiten spielen, werden verwoben. In der Jetztzeit ist Alma die Hauptperson. Sie ist aus der Dominikanischen Republik, Autorin die sich mühsam durchgeschlagen hat bis sie der liebenswürdigen Richard mit Helferssyndrom in Vermont geheiratet hat. Sie ist lt. Selbstschilderungen mit dem täglichen Leben überfordert, besucht ihre liebe alte Nachbarin und hat eine ziemlich verrückte Aktivistin als Freundin. Richard wird in die Dominikanische Republik zu einer Klinik als Entwicklungshelfer geschickt. Dort wird er mit Patienten gekidnappt; leider geht diese Geschichte nicht aus.
Der zweite Strang erzählt die Geschichte in der Doña Isabel Sendales y Gómez, die 1801 in Galizien ein Waisenhaus mit Liebe, Strenge und Gottglauben führt. Don Francisco und sie gehen auf Befehl des Königs mit einigen Waisenknaben auf große Seefahrt, wobei das große Ziel Pockenserum über Impflinge zu entwickeln und so der Seuche Einhalt zu gebieten. Über die Kanarischen Inseln geht es über den Atlantik zu Inseln, Kuba, Venezuela, Mexico wobei der Empfang und die Freude sehr unterschiedlich bis enttäuschend ist. Doña Isabel reist weiter zu den Philippinen, die Jungen bleiben zurück. Sie kehrt zurück und sieht was inzwischen passiert ist ...

Alma und ihre Geschichte sind aus Erzählperspektive erzählt, während die Geschichte von Isabel aus allein ihrer Sicht wie eine Art Tagebuch an Farben gewinnt. Mir hat Isabel und ihre Erzählungen mit der Schiffsreise, der Unterschiedlichkeit der Menschen, der Ungeduld und Engstirnigkeit von Don Francisco, und wie sie mit den unterschiedlichen Buben umgeht besser gefallen. Alma und ihre Geschichte war mir zu farblos, bzw. mir ging diese Frau eher auf die Nerven.

Spannend waren für  mich die Abschnitte in denen Isabel ganz anderes Leben jenseits des Atlantik beschreibt. Sie beschreibt auch die Befreiungskriege um Pastor Hidalgo in Mexiko. Im Nachwort erzählt die Autorin wie sie den Spuren Dr. Balmins folgt und den Informationen, daß eine Frau für die Waisenknaben an Schiff war.

Die Beschreibungen des Kidnappings in der Dom.Rep und die eigenartigen Gruppendynamik der desorganisierten Jungs die die Zukunftslosigkeit leitet sind schön beschrieben. Die Amerikaner die hier auf Entwicklungshelfer machen sind entweder als Idealisten oder Geschäftemacher gezeichnet.

Warum ein Selbstportrait von Frida Kahlo, einer Mexikanerin, auf dem Cover eines Buches mit US-Amerikaner und Menschen der Dominikanischen Republik, landet, verstehe ich nicht; auch nicht ob es einen Zusammenhang zwischen den zwei Frauen in dem Buch und der beeindruckenden berührenden Malerin geben soll.

In Summe ein Buch, das meine Erwartungen nicht erfüllte. Andererseits fand ich die Geschichte mit den Pocken und den Kampf gegen diese Seuche spannend.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

José Luis Correa : "Drei Wochen im November"

José Luis Correa :
"Drei Wochen im November - Ricardo Blanco, Privatdetektiv auf Gran Canaria"
original "Quince dias de noviembre"
2003, Alba Editorial, Barcelona
Aus dem Spanischen von Verena Kilchling
2006, Unionsverlag Zürich
180 Seiten
ISBN 978-3-293-20365-5

Aus der Ich-Perspektive erzählt der Privatdetektiv Ricardo Blanco, wie eine wunderschöne Frau in seine Kanzlei kommt und mit der Aufklärung des Todes ihres Verlobten betraut. Maria Arancha Manrique, Kosename Maracha, ist schön, reich, erfolgreich und als Snob geschildert. Sie schleust den Detektiv in ihre Clique ein. Verliebtheit, näher Kommen, eigenartige Vorfälle, Tod eines gutes Freundes, führen langsam zur Aufklärung, die nicht glücklich stimmt.

Er vergleicht sich mit Bogart und Gary Cooper, mich hat der Detektiv eher an die englische Originalfassung der Mike Hammer-Serie (gespielt von Stacy Keach) erinnert. Er liest Pessoa, und genießt Duke Ellington; seine Verletzungen und Bauch hindern ihn nicht daran, als Liebhaber erfolgreich zu sein (auch wenn diese Szenen etwas nerven).

Das Buch nutzt schöne sprachliche Vergleiche, die Bilder erzeugen, und Freude machen.

Ort ist Las Palmas auf den Kanarischen Inseln; der Hafen, die Restaurants, ein ruhiger Bereich auf dem Land und auf dem Meer.
Die Geschichte spielt im Jahr 1998. Internet gab es damals noch nicht - für jedermann. Handys begannen langsam bekannt zu werden - die Snobs hatten schon welche.

Die Menschen sind vorstellbar geschildert - v.a. hat ist die Faszinination des Mannes durch eine schöne Frau, hier Amanda, zu spüren. Die anderen Mitglieder der Clique sind weniger spürbar. Schöne Figuren sind der Großvater von Blanco mit seiner Lebensnähe und positiven Art, und auch Alvaro der Polizist und Freund von Blanco.

Das Buch ist gut zu lesen und lenkt in der kalten Jahreszeit schön ab. Die leise Ironie des Detektivs ist schön zu lesen. Viel Spaß !

José Luis Correa wurde 1962 in Las Palmas geboren. Auf deutsch ist auch "Tod im April" von ihm erschienen

Mittwoch, 23. Juli 2014

Muriel Barbery : "Die Eleganz des Igels"

Muriel Barbery :
"Die Eleganz des Igels"
Roman
original "L'Élegance du hérrison"
2006, Edition Gallimard Paris
aus dem Französischen von Gabriela Zehnder
2008, Deutscher Taschenbuch Verlag München
Donaulandausgabe
358 Seiten + 4 Seiten Inhaltsangabe
Buch-Nr. 069518

Der Roman beschreibt in sehr schöner Art und Weise wie zwei hochintelligente Menschen in ihren einsamen Inseln leben, ein dritter Mensch dazukommt und die Türen öffnet und trotz letalem Ende Hoffnung macht.

Der Igel, das ist die Concierge Renée Michel; sie ist Mitte fünfzig, klein, bucklig, unschön, liebt Philosophie, russische Romane, japanische Kunstfilme und manchen Hollywood Mainstream. Sie lebt mit Kater Leo, nach Tolstoj; die Vorgänger hatte auch beziehungsvolle Namen gehabt. Sie ist Witwe.
Im gleichen Haus, einem feudalen Haus mit großen Appartements in einem eleganten Viertel von Paris, lebt im vierten Stock ein 12 jähriges Mädchen - Paloma Josse - mit klarem Verstand, die Strukturen von Gruppen und Menschen durchschaut, japanisch lernt, Mangas im Original lesen möchte und eigentlich beschlossen hat sich zum ihrem 13 Geburtstag umzubringen, da sie nicht ihr Leben wie ein Fisch im Wasserglas leben möchte.
Bei einem Drittel des Buches betritt Kakuro Ozu das Haus und plötzlich tut sich was. Er durchschaut die Stacheln des Igels von Renée. Behutsam baut sich ein tiefes Verständnis zwischen den beiden Menschen auf, die beide niederländische Stilleben, japanische Filme und Mozart lieben.
Paloma beginnt sich zu Renée zu verziehen wenn sie ihre Ruhe oder ein gutes Gespräch möchte.
Den beginnenden Zauber zwischen Renée und Kakuro zerstört ein Verkehrsunfall.

Das Buch ist in Kapiteln aus der Sicht von Renée und von Paloma beschrieben. Paloma führt mehrere Tagebücher in denen sie ihre Gedanken notiert. Die Kapitel über Bewegungen haben mich fasziniert. Das Thema Alter war nie wichtig, es ist nicht aufgefallen ob eine junge oder mittelalte Frau hier denkt, beide waren ebenbürtig interessant und mitreißend zu lesen.

Ein kleines Details das mir gefallen hat, waren die Haustiere. Renée hatte immer Katzen, die Familie von Paloma hat 2 Katzen (namens 'Constitution' und 'Parlement'), Kakuro hat 2 Siamkatzen; eine Partei hat Spaniel 'Neptun' (eigensinnig und charmant) und dann gibt es noch ein kleines Hundetier.

Kamilien ziehen sich als zartes Thema mit durchs Buch. Renée hat einige gepflanzt, in japanischen Filmen sind sie wichtig, und ein schönes Gespräch kommt auch daraus.

Das Thema Freunde wird wichtig, weil Renée die zeitlebens achtgab, damit niemand durchschaut was sie alles durchschaut und die bisher nur eine wunderbare Freundin hat - eine portugisische Putzfrau mit Herz und Verstand, plötzlich lernen darf daß es nicht nur Einsamkeit sondern miteinander diskutieren und genießen gibt.

Witzig fand ich daß Palomas Schwester Colombe heißt. Beide Namen heißen auf deutsch Taube. Leider ist die Schwester sonst eher unliebenswürdig gezeichnet.

Kleine Seitenhiebe gibt es auf die snobistische Gesellschaft, Werte die Minister leben oder sich nach außen hin verpflichtet fühlen zu leben, kleine Bosheiten auf die politischen Rechten und Linken (die aber nicht untergriffig sind).

Die kleinen Betrachtungen über Philosophie waren mir manchmal etwas zu anstrengend, da mir die Grundlagen fehlen. Die Überlegungen zu Anna Karenina oder Filmen waren unterhaltsam bis anregend zu lesen.

Ein wunderbares Buch, das ich gerne weiterempfehle (auch wenn ich am Schluß ziemlich weinen mußte).

Muriel Barbery wurde am 28. Mai 1969 in Casablanca (Marokko) geboren. Sie studierte Philosiphie und unterrichtete dann diese an der Universität. 2000 veröffentlichte sie ihren ersten Roman : 'Une Gourmandise' (deutsch: Die letzte Delikatesse). 'Die Eleganz des Igels' ist ihr zweiter Roman und wurde zum Bestseller; und wurde 2009 verfilmt. Sie lebt jetzt in Japan.

Sonntag, 27. April 2014

Cara Black : "Murder in Montmatre"

Cara Black :
"Murder in Montmatre"
305 Seiten
1 Seite mit dem Plan von Montmatre am Beginn des Buches
2005, Soho Press Inc, New York
298 Seiten
ISBN 978-1-56947-445-7

Auf deutsch heißt der Kriminalroman "Mord am Montmartre: Aimée Leduc läuft in die Falle" und ist 2014 beim Thiele Verlag erschienen.

Dieser sechste Kriminalroman der amerikanischen Autorin mit der Pirvatdetektivin Aimée Leduc spielt wie gewohnt in Paris. Es geht um die Menschen, Künstler, Lokale im Montmatre. Es ist feucht, kalt, windig, regnet viel und die meisten Menschen hier haben nicht viel zum Leben. Hintergrund sind die 90-er Jahr des 20. Jahrhunderts, in dem Internet noch was seltenes ist, ein Computer Bubenherzen höher schlagen läßt, und die ersten eigenartigen Überwachungsszenarien steigen.

Aimée steigt ein, nachdem eine ihrer besten Freundinnen Laure beschuldigt wird, bei einem Polizeieinsatz ihren Kollegen Jacques erschossen zu haben. Aus ihrer Pistole kam der tödliche Schuß. Sie wird abgeschirmt und mit Medikamenten zugedröhnt, während Aimée auf die Suche geht. Ein Bub könnte etwas gesehen haben. Ein korsischer Musiker taucht auf. Ein korsischer Barbesitzer wird ermordet. Ein Musikproduzent nutzt seine Beziehungen. Show down auf der vorletzten Seite.

Bei einem privaten Handlungsstrang - der Todes ihre Vaters - taucht ein wichtiges Puzzlestück zu seiner posthumen Entlastung auf.
Aimées Liebesleben hat Schwankungen: Freund Guy geht, und ein neuer Mann verwirrt sie.
Aimée selber wird als attraktive, modebewußte Frau beschrieben, kochen ist nicht ihr Metier, aber sie kann sich verteidigen. Und Kater Miles Davis lebt bei ihr.

Das Thema der Bombenangst durch korsische Separatisten taucht auf. Flüge werden gestrichen. Für Menschen aus Korsika ist es zeitweise unangenehm in Frankreich zu leben. Andere Korsen führen ihre Privatfehde. Und wieder geht es um Waffen, Waffenschmuggel und Menschen, die unter der Hand reich werden durch den dortigen Bürgerkrieg.

Die Szenerien sind nicht das reiche, schimmernde, goldene Paris, sondern eines bei dem ich an Picassos blaue Phase denken mußte. Vieles wird dunkel, grau, schwarz, blau, düster gezeichnet. 
Probleme hatte ich mit den Abkürzungen französischer Polizei- und semi-Polizei-Einheiten (flics - o.k, aber mecs?).

In Summe ein spannendes Buch, das einiges an 'Action' bietet, aber durchaus logisch ist. Viel Spaß beim Lesen !

Cara Black wurden in Chicago geboren. Sie hatte verschiedene Jobs und studierte in Tokyo chinesische Geschichte. Ihre Liebe zu Frankreich begann mit dem Französisch Unterricht, worauf viele Besuche in Paris erfolgten.

Freitag, 21. März 2014

Martha Grimes : "Inspektor Jury kommt auf den Hund"

Martha Grimes :
"Inspektor Jury kommt auf den Hund"
Roman
Original "The Old Wine Shades"
2006, Viking, New York
Deutsch von Cornelia Winter
2009, Taschenbuch Goldmann Verlag, München
406  Seiten
ISBN 978-3-442-46992-5

Der Hund der quasi durch diesen Kriminalroman führt ist ein freundlicher brauner Hund, lautend auf den Namen Mungo. Sein Herrchen Harry ist begütert und beginnt Jury, der quasi freigestellt ist, eine Geschichte über eine verschwundenen Frau, mit autistischem Kind und Hund zu erzählen. Jury beginnt der Sache nachzugehen, und besucht den Mann der verschwundenen Frau, schickt Melrose nach Italien zwecks Recherche, lernt viel über hochgestochene Theorien in der Physik und kommt nicht wirklich weiter. Er kennt das Nachbarsmädchen Hilda kennen. Spät taucht eine Leiche auf - es ist nicht verschwundene Frau, sondern eine die die verschwundene Frau gespielt hat. Hilda verschwindet, und kann dann durch Hilfe des Hundes aus dem Weinkeller entkommen. Welcher Teil der Geschichte von Harry jemals wahr war oder ist, bleibt ungeklärt.

Während sich die Story an sich eher trocken und am Schluß emotional unbefriedigend liest - ist Harry ein 'Kinderverzerrer' und niemand kann es beweisen ? - sind die Nebenschauplätze mit Humor gezeichnet bzw. fordern durch Information und dann Witzchen über Wellentheorien bis zu Stringtheorie (alles Physik) die grauen Zellen des Lesers/der Leserin heraus.

Nebenschauplatz : Hund und Katzen.
Vom Hund war schon oben die Rede. Ihm sind kleine Kapitelchen gewidmet in denen er versucht den dummen Menschen zu helfen Harry auf die Schliche zu kommen. Letztendlich kann er nur den Kindern helfen, und Pfoten über die Augen legen.
Jurys Chef hat Kater Cyril, der sich hier als quasi Pilot und Kamikazeflieger in Racers Büro benimmt und durch Jurys taktisches Türenaufhalten auch immer sicher entkommen kann.
Schrödingers Katzen Theorem wird strapaziert (man wird den Eindruck nicht los, daß niemand in dem Buch es wirklich versteht) und es gibt eine verfressene Katze namens Schrödinger, die einen Wurf Kätzchen zu betreuen hat.

Nebenschauplatz : Physikalische Theorien.
Gödel, Niels Bohr, Einstein, Schrödinger etc. werden genannt, zitiert, diskutiert.
Wellentheorien bis zur Superstringtheorie mehrfach dilletantisch erklärt und einige nette Witzchens darüber gemacht. Daß Menschen die gerade ihre drei bis vier Dimensionen verstehen und vielleicht leben, bei der Vorstellung von zehn Dimensionen überfordert sind, ist nachvollziehbar.
Leider gibt es deshalb im Internet böse Kritiken über dieses Buch, die ich nicht nachvollziehen kann.
Die Wortblödeleien der Autorin oder Übersetzerin über Stringtangatheorie etc. haben mich gut unterhalten.

Ort der Handlung sind London mit Jury Büro, Melrose Plant der daheim im Schloß, in London im Club oder Florenz und San Gimignano ist, mehrere gute Restaurants und der kleine Ort an dem Mutter und Kind verschwunden sein sollen, und dann die Leiche auftaucht. Dieser Ort ist mit Pub und den gewohnt dörflicher Gemeinschaft zugerechneten Menschen gezeichnet - die alte Frau die alles sieht, der Pub Besitzer der entscheidet ob was weitergeben wird etc ...

In Summe ein Buch das ich gerne gelesen habe und mich gut unterhalten hat. Die Exkurse in physikalische theoretische Gefilde und das Wirrwarr spiel wer wem was gesagt hat (oder vielleicht auch nicht) war spannend. Leider läßt die Kindergeschichte einen schalen Nachgeschmack zurück.

Martha Grimes wurde am 2 Mai 1931 in Pittsburgh, Pennsylvania geboren.  Sie studierte Anglistik und schrieb Gedichte. 1981 wurde ihr erster Roman veröffentlicht. In den Inspector Jury Romanen wird dieser von Melrose Place, einem reichen ehemals Adeligen unterstützt. Martha Grimes lebt jetzt in Santa Fe und in Washington D.C.

Dienstag, 17. Dezember 2013

Pablo Tusset : "Im Namen des Schweins"

Pablo Tusset :
"Im Namen des Schweins"
2006, Ediciones Destino, S.A. Barcelona
im Original "En el nombre del cerdo"
aus dem Spanischen von Ralph Amann
2009, Heyne Taschenbuch Verlag
559  Seiten
ISBN 978-3-453-81176-8

Dieser durchaus dicke Roman beginnt wie ein Krimi mit dem Auffinden einer ziemlich grauslich zerstückelten Leiche. Dann wird in zwei parallel laufenden Geschichten vom dicklichen Comissario Pujol, der kurz vor seiner Pensionnierung steht und einen zweiten Frühling mit seiner eigenen Frau erlebt. Die andere Geschichte handelt von seinem Ziehsohn Thomas, den jeder auch er sich selber nur 'T' nennt. Sein Ziehvater hat ihn zum Inspector ausbilden lassen, und der Hauptkommissar ist der einzigem dem er soetwas wie Liebe entgegen bringt. Frauen bekommen seine Fixierung auf eine Bellini - Madonna bisweilen sehr schmerzhaft ab.
'T' wird undercover zum Dorf des Leichenfundes gebracht. Er soll dort einem Dichter und wichtigen Wirtschaftsmann und nebenbei der Dorfstruktur auf die Schliche kommen. Er ist dort als 'P', als Pedro, bekannt. Das Ende ist anders als erwartet.

Orte der Handlung sind der neue Polizeibau in Barcelona, Calabrava, ein Hügel in Katalonien und New York. Innenausstattung und Örtlichkeiten sind anschaulich, aber nicht mühsam geschildert.

Hauptkommissar Pujol wird mit viel Humor geschildert. Wenn er Kassetten mit Musik kaufen möchte, und ihm ein vorlauter schwuler Verkäufer frech eine CD mit guter Pop-musik verkauft. Auch die ätzenden Bemerkungen des jungen Mannes über Kleidung machen ihn gewissen Kleidungsvorschriften offener und auch bereit dem Leben mit Freunde zu begegnen. Kleidung, Frisur, ein CD-player und eine neues Auto irritieren seine Frau kurz, dann macht sie freundlich mit.

'T' ist eher düster geschildert, wie er die Straßen New York durchläuft, die Billigläden nach Markenware durchforstet und in der Liebe Schiffbruch erleidet. Gruselig ist wie 'P' im Dorf dann auf 'T' trifft und sich die Bilder aus New York, die Flugzeugeinstürze in die Tower, und Balkon und Landschaft des Kaffs in Katalonien durcheinander schieben.

Eigentümlich ist die Beschäftigung mit dem Zettel in der Leiche, der der Titel des Buches ist. Und daraus folgend das Lesen eines GEdichtes, das der wichtige Wirtschaftsmann des Kaffs geschrieben hat. Mühsam werden Stilformen und Ergänzungen herausgearbeitet.

Der Roman ist spannend geschrieben, aber die Zeilen sind genau zu lesen. Das Buch ist empfehlenswert für alle neugierigen Leser und Leserinnen.

Pablo Tusset ist das Pseudonym für David Homedes Cameo, der 1965 in Barcelona geboren wurde. Über seine Vita ist wenig bekannt. Eine Quelle meint er sei Informatiker, eine andere vermutet, daß er eine Bar oder sonst etwas Gastronomisches betreibt, noch eine andere Quelle nennt die unterschiedlichsten Arbeitsarbeiten in seinem Leben. Sein erstes Buch "Das Beste was einem Croissant wiederfahren kann' wurde 2001 (spanisch und deutsch) veröffentlicht

Sonntag, 20. Oktober 2013

Nicolas Remin : "Venezianische Verlobung"

Nicolas Remin :
"Venezianische Verlobung" - Commissario Trons zweiter Fall
2006, Rowohlt Verlag GmbH
378 Seiten
ISBN 978-3-463-40472-1

Venedig, 1863. Commissario Alvise Thon, verarmt, aber von älterem Adel als die Habsburger, ist in die Principessa die Montalcino verliebt. Die schöne Frau ist erfolgreich als Glasproduzentin, eine Aufgabe, die sie von ihrem verstorbenen Ehemann übernommen hat. In die Heiratsüberlegungen kommt die Nachricht einer ermordeten schönen jungen Frau. Nach und nach endpuppt sich, daß sie eine Amour mit Erzherzog Maximilian, der nach Mexiko fahren soll, hatte. Mehrere Verdächtige treten auf, wie der mexikanische Botschafter, ein charismatischer Pater mit Mexiko-Verbindungen, einige Helferleins um den Herzog. Leider gibt es noch einige Morde ehe, der Commissario den Mord löst, einen Orden versprochen bekommt und die Fragen um die Eheschließung wieder erörtert werden.

Die Personen sind gut geschildert. Gesichter, Gewänder und Wohnungebungen von armseligem Zimmer zu prächtigem Palazzo sind präzise, und gut vorstellbar. Verschiedene Gesellschaftsschichten von altem Adel, neuen Reichen, bigotten Kirchgängern und Bettlern ist vieles geschildert.

Venedig ist meist neblig geschildert. Miramare bei Triest ist mit mehr Sonne geschildert. Schiffe werden zwar nebenbei, aber akkurat genannt.

In Summe ein sehr nett beschriebener Krimi, der schön und rasch zu lesen ist. Viel Spaß !

Nicolas Remin wurde 1948 in Berlin geboren. Er studierte Allgemeinen und vergleichenden Literaturwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte. 2004 erschien sein erster Kriminalroman

Freitag, 4. Oktober 2013

Betina Gonzàlez : "Nach allen Regeln der Kunst"

Betina Gonzàlez : "Nach allen Regeln der Kunst"
Roman
original "Arte Menor"
2006, Alfaguara Argentina
Aus dem spanischen von Hanna Grzimek
2010, Hoffmann und Campe
182 Seiten
ISBN 978-3-455-40156-1

Zitate aus 'Rayuela' wurde entnommen : Julio Cortazar 'Rayuela, Himmel und Hölle', 1996 Frankfurt a Mainz; aus dem argentinischen Spanisch von Fritz Rudolf Fries.

Der Bildhauer Fabio Gemelli kommt bei einem Autounfall ums Leben. Eine seiner mittlerweile erwachsenen Töchter Claudia (Claudita) sucht Kontakte um den selten vorhandenen Vater als Mensch endlich kennenzulernen. Ihre Mutter Susana hat immer nur über ihn geschimpft. Ihre Schwester Florencia (Flor) interessiert sich nicht dafür. Ihr Freund Julián ist skeptisch, läßt sie tun.

Gemelli galt als für Frauen faszinierend. Zuerst erzählt die ehemalige Balletttänzerin des Colón über ihre Zeit mit ihm. Nina Vázquez erzählt vom Zauber, von seinen Geschichten aber auch politischen Kontakten. Graciela Luján kannte ihn aus Zeichenkursen, lebte lange mit ihm zusammen, erzählt von Auftragswerken und Wettbewerben im Ausland. Ein eigenartiger Freund, und Astrologe, erzählt der suchenden Tochter schließlich von Lilian (Lilí) Fiore. Die arrogante Tochter eines anerkannten Bildhauers wollte ihm teilweise helfen und fördern. Sie störten seine Frauengeschichten mehr als alle anderen. Und sie wußte, daß die Auftragsarbeiten und Wettbewerbe im Ausland nur Lüge waren, damit der Bildhauer seine Ruhe hatte. Letztendlich findet Claudia eine Statue ihres Vaters.

In dem Buch ist die Geschichte Argentiniens als Hintergrund vorhanden. Die Zeit Mitte der 70-er hatte einige für Auslandsaufenthalt genutzt und waren mit der Demokratie wieder ins Land gekommen.
Der Ort der Handlung ist Buenos Aires, in dem Claudia mit Bus, Zug, Taxi durch die verschiedensten Gegenden fährt und Reihenhäuser, Wohnungen, billige Einkaufszonen etc. besucht.

Claudia die Hauptperson wird als rundliche Frau geschildert, die die Geschichten annimmt und ihren Erinnerungen vergleicht. Zuerst bleibt sie an Geschichten kleben, bis zur Statue kommt, und keine weiteren Reminiszenzen mehr braucht.
Der bildhauernde Vater wird als zwar schöpferischer, aber nicht genialer Künstler spürbar. Er versagt - keine seiner großartigen Geschichten (oder die der Geliebten) stimmen. Nur einige Erinnerungsstücke bleiben.
Die Ballettänzerin Nina ist mit Ballett, und ihrer Verliebtheit für Gemelli spürbar. Wenn sie beschreibt wie sie ihr arrogantestes Gesicht macht, um nicht angesprochen zu werden, ist sie gut vorstellbar. Als der Zauber zu Gemelli zerbricht, ist die Beziehung dahin.
Graciela, die Kunststudentin aus dem Malkurs, ist als normale Frau die normales Leben lebt geschildert. Sie hat den Mann den sie will bekommen - Gemelli. Als es nicht mehr geht, trennen sie sich wortlos.
Lilian, von der die Tochter am meisten erwartet hatte und wußte, daß sie spitze Bemerkungen austeilt, versucht sich wiederholt als Mäzenin. Sie heiratet nach Gemellis Tod den erstbesten Verehrer.

Das Buch mußte ich konzentriert lesen. Es sind viele kleine Schönheiten in Wortwahl, Sprache und Assoziationen verwendet, die etwas Zeit zum Sickern brauchen.

In Summe ein empfehlenswertes Buch, das es wert ist konzentriert und langsam gelesen zu werden, auch wenn die Geschichte der Suche nach dem Bild des Vaters nicht einfach ist.

Betína González wurde 1972 in Buenos Aires geboren. Sie studierte Comunicacíon Social und arbeitet als Forscherin und Vortragende an der Universität. 2003 übersiedelte sie nach Texas um sich im Kurs Creatives schreiben weiterzubilden. 2012 hat sie den Doktortitel über lateinamerikanische Literatur an der Uni in Pittsburgh erhalten. Nach "Arte Menor" hat sie das Buch "Juegos de Playa" 2008 veröffentlicht, dem Kurzgeschichten und Novellen zusammengefaßt wurden. 2013 erschien "Las poseídas", ein Roman.