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Freitag, 16. Dezember 2016

Roland Zingerle : "Ein Mord am Wörthersee"

Roland Zingerle :
"Ein Mord am Wörthersee" - Kärnten-Krimi
2015, Haymon Verlag Innsbruck
271 Seiten
ISBN 978-3-7099-7827-6

Der Detektiv Heinz Slabatnig wird von einer Versicherung beauftragt den dritten Todesfall innerhalb einer Familie beim Ironman Klagenfurt zu vermeiden. Das gelingt natürlich nicht, und Slabatnig macht sich auf die Suche, recherchiert beim smarten Sportarzt, plaudert mit der Ex-Freundin eines der Mordopfers und versucht seine Kenntnisse beim Catering des Ironmans umzusetzen. Nebenbei versucht er bei der Frau seiner Träume zu landen. Schlußendlich hat er viel Glück und seine Schwester, die Polizistin, kann die Morde offiziell aufklären

Ort der Handlung ist Klagenfurt, der Wörthersee und einige Hügel der Umgebung. Die Lokale, Uferpromenaden, sportstrecken wirken authentisch (aber das werden Menschen aus Klagenfurt besser wissen).

Die Geschichte ist fast komplett aus der Sichtweise von Heinz erzählt und folgt seinem Gedanken- und Handlungsstrang. Aus seiner Sicht werden der smarte Arzt, die neckische Arzthelferin, die toughe Cateringfrau deren Familie wegstirbt, deren guter alter Freund sowie die verwelkte Ex-Freundin des einen Opfers geschildert. Auch die Hoffnungen auf eine neue Liebe wird aus seiner Sichtweise geschildert, wobei ihr etwas Raum zur Reflexion eingeräumt wird. Am Schluß agieren dann die Polizei und Hintergrundrecherche zu den Morden.
Die Personen sind gut vorstellbar, wobei sie angenehmerweise weder komplett sympathisch, noch komplett unsympathisch sind.

Die Story ist gut geschrieben und rasch lesbar. Etwas auf die Nerven geht, daß der Detektiv als Decknamen Dichter der Romantik verwendet und hofft daß die Allgemeinbildung so schlecht ist, daß dies nicht auffliegt.

In Summe ein gut lesbarerer Krimi mit Mit-Rate-Möglichkeit zu Unterhaltung. Viel Spaß beim Lesen.

Roland Zingerle, geboren 1973, studierte nach einem Ausflug in die Betriebswirtschaft, Germanistik und Kommunikationswissenschaften. Er arbeitete als Journalist und Kulturmanager, ehe er sich als Schriftsteller selbständig machte und die "Kärntner Schreibschule" mitbegründete, eine Erwachsenenbildungseinrichtung für kreatives Schreiben. Er lebt mit seiner Familie in Klagenfurt am Wörthersee.

Freitag, 29. Januar 2016

Isabel Allende : "Amandas Suche"

Isabel Allende :
"Amandas Suche"
Roman
original, "El juego de Ripper"
2014, Plaza & Janés Barcelona
Aus dem Spanischen von Svenja Becker
2015, Suhrkamp Berlin
470  Seiten
ISBN 978-3-518-46600-1

Dieser Roman ist der erste Kriminalroman, den die berühmte Schriftstellerin geschrieben hat. Sie hat einen Kosmos von unterschiedlichen Menschen in San Francisco angesammelt und erzählt  die Geschichte in einem Gemisch mehr Roman als Thriller mit Serienmörder, bei dem der Leser/die Leserin durchaus mitraten könnte wer der Mörder ist.

Amanda ist eine 17-jährige blitzgescheite junge Frau, deren Mutter Indiana mit esoterischen Mitteln und viele Liebe ihren Patienten hilft, und deren Vater Bob Martín in der Polizei arbeitet. Amanda hat ein Netzwerk von innovativen Mitstreitern via Internet über die Welt verteilt und kommt Gemeinsamkeiten bei Morden auf die Spur. In der Zwischenzeit hat Indiana Probleme weil ihr langjähriger Freund sie betrügt, sie Gemeinsamkeiten mit einem Navy Seal entwickelt und einem Psychopathen in die Hände fällt. Die Morde geschahen als Rache auf mehrfachen Kindsmißbrauch, und zu scharfe Gesetze die tw Kindsmißbrauch fördern.

Der Roman ist sehr gut zu lesen, bei denen die geschilderten Menschen am meisten Freude machen.
Die Figuren von Amanda, der 17-jährigen Schülerin, und ihrem Großvater Jake, einem Apotheker, sind wunderbar und gehen zu Herzen. Amandas Mutter Indiana ist zwar warmherzig und mit blonden Haarwuscheln geschildert, aber irgendwie ging sie mir mit ihrer naiven Esoterik etwas auf die Nerven. Bob Martín ist ein charmanter effizienter Polizist, mit vielen Affären. Im zur Seite steht Petra Horr, eine zarte wirkenden, aber durchtrainierte und klar denkende und helfende Polizistin. Bobs Familie sind Mexikaner, die in den Staaten etwas aufgebaut haben, und mit mexikanischer Herzlichkeit Amanda und ihrer Familie zur Seite stehen.
Indians Langzeitliebhaber Alan Keller, wird als Nichtstuer und Snob der oberen Gesellschaft geschildert, der Indiana immer wieder Freude gemacht.
Indianas Kunden sind unterschiedlich : der Navy Seal Ryan Miller, der im Irak viel erlebt hat und seitdem mit einer Prothese lebt, und das Leben sportlich meistert; Gary Brunswick, bei dem sie nicht an des Wurzels Übel kommt, die krebskranke Carol Underwater etc.
Netterweise gibt es auch Kriegshund 'Attila' der mit Ryan lebt, und die gemeinsam ihre Kriegsverletzungen aufarbeiten, und eine nette Tierkatze die in der deutschen Übersetzung den Namen 'Rettet-den-Thunfisch' abbekommen hat, und Amanda tröstet.

'Ripper' heißt nicht nur der ominöse Killer Londons sondern auch das Spiel, das Amanda mit ihren ziemlich gleichaltrigen Freunden in Canada und Neuseeland via Internet spielt.

In Summe hat mir das Buch mit seiner romanhaften Dichte sehr sehr gut gefallen. Der Showdown ist sehr spannend und gut gelungen. Ob die Story ein Krimi ist muß jeder/jede selbst entscheiden. Viel Freude beim Lesen !

Isabel Allende Llona wurde am 2. August 1942 in Lima (Peru) geboren. Sie ist eine Nichte des ehemaligen Präsidenten Salvador Allende. Da ihre Mutter mit einem Diplomaten verheiratet war, ging sie in lateinamerikanischen, europäischen und arabischen Hauptstädten zur Schule.
Von 1959 bis 1965 arbeitete sie als bekannte Fernsehjournalistin für den Informationsdienst der FAO). Ihr erstes Kind Paula wurde 1963 geboren; sie nannte eine Frauenzeitschrift ebenfalls Paula, entwickelte eine Kinderzeitschrift und eine Filmzeitschrift.
1975 ging sie ins Exil nach Venezuela, wo sie wieder als Journalistin arbeitete. Ihr Erstlingswerk als Romanautorin "Das Geisterhaus" erschien 1982 auf spanisch "La casa de los espíritus", wurde ein  und Bestseller und wurde auch als Film 1993 ein Welterfolg. Ihr Roman "Paula" erschien 1994; hier verarbeitete sie deren Koma und Krankheit an  Porphyrie. Viele weitere Roman und Erzählungen von ihr wurden veröffentlicht.
Ab 1988 lebte sie mit ihrem zweiten Ehemann in San Rafael (Kalifornien).

Sonntag, 14. Dezember 2014

Mitra Devi : "Seelensplitter"

Mitra Devi :
"Seelensplitter" - Ein Fall für Nora Tabani
2013, Unionsverlag Taschenbuch 622, Zürich
270 Seiten
ISBN 978-3-293-20622-9

Die Detektivin Nora Tabani mit ihrem Partner Jan Berger erhalten die Auftrag den Unfalltod eines Firmenchefs aufklären. Bei einer Firmenfeier war er mit dem Wunsch fliegen zu können vom Basler Penthouse gesprungen. Leider springt bei einem Firmenausflug einige Zeit später wieder ein Mitarbeiter mit dem selben Wunsch vom Ausflugschiff am Bodensee. Ein weiterer Tote wird gefunden. Der Showdown findet im ersten Unterschoß des Storage-hauses statt.

Der Roman ist meist aus Beobachterperspektive geschrieben und begleitet Nora Tabani bei ihren Gespräche, Besuchen beim Labor und in der Pathologie und auf diversen Suchen.
Dazwischen ist aus der Ich-Perspektive geschrieben wie ein junges Mädchen in eine Hippie-Haushalt mit Eltern mit Hang zu natürlichen Drogen aufwächst; diverse Pilze, Gräser und Wurzeln sind üblich. Auch sie muß diese Produkte für Grenzerfahrung essen - und kippt in die dämonische Seite. Erst spät finden die beiden Stränge zusammen.

Hintergrund des Buches ist eine Firma in der Storage-Räumlichkeiten angeboten werden. Der Wettbewerb, die Interna mit den unterschiedlichen Abteilungen und deren Eigenarten wird beschrieben.
Die Personen des Buches sind gut vorstellbar. Nora Tabani ist Ex-Polizistin, die immer noch geschätzt wird und gute Kontakte hat. Jan hat eine Freundin und liebt Nutella-Brote. Die Menschen der Storage-Firma sind unterschiedlich geschildert in Temperamenten, Lebenszielen und Geheimnissen; für jeden der in einem Bürokosmos arbeitet fast gewohnt-überspitztes Umfeld.
Es gibt die treu-verantwortliche Sekretärin Sarah Dobler, den präsumptiven kühlen Chefnachfolger Cedric Stark, den verkaufsgewandten charmanten der Damenwelt zugeneigten pseudo-Italiener Marco Bennedetti, die junge Mitarbeiterin mit schrillen Farben Claudia, die ältere Mitarbeiterin Ruth, die versierten Männer im Untergeschoß Gerhard und Tim und die Chefswitwe Antje.

Die Teile in denen das Mädchen ihre Wandlung vom Mädchen zur Vertrauten der Wurzel Alrune beschreibt und wie sie die Dämonen schildert die die den Drogenversuche der Eltern an ihr als Kind auslösen, sind erschreckend und einfühlsam geschrieben.

Ich habe Ablenkung gebraucht, da ich gerade dabei bin einen eher anstrengenden Schmöker eines Nobelpreisträgers zu lesen - diese Erwartung ist komplett erfüllt worden.

Mitraten wer der/die Mörder/in ist ist möglich. Viel Spaß beim Lesen.

Mitra Devi wurde am 30. Oktober 1963 geboren und lebte als Jugendliche zwei Jahre in Israel und ein halbes Jahr in Indien. Sie absolvierte die Kunstschule in Zürich, war in verschiedenen Jobs tätig. Sie ist Zeichnerin, Autorin, Film-Regisseurin.

Sonntag, 27. April 2014

Cara Black : "Murder in Montmatre"

Cara Black :
"Murder in Montmatre"
305 Seiten
1 Seite mit dem Plan von Montmatre am Beginn des Buches
2005, Soho Press Inc, New York
298 Seiten
ISBN 978-1-56947-445-7

Auf deutsch heißt der Kriminalroman "Mord am Montmartre: Aimée Leduc läuft in die Falle" und ist 2014 beim Thiele Verlag erschienen.

Dieser sechste Kriminalroman der amerikanischen Autorin mit der Pirvatdetektivin Aimée Leduc spielt wie gewohnt in Paris. Es geht um die Menschen, Künstler, Lokale im Montmatre. Es ist feucht, kalt, windig, regnet viel und die meisten Menschen hier haben nicht viel zum Leben. Hintergrund sind die 90-er Jahr des 20. Jahrhunderts, in dem Internet noch was seltenes ist, ein Computer Bubenherzen höher schlagen läßt, und die ersten eigenartigen Überwachungsszenarien steigen.

Aimée steigt ein, nachdem eine ihrer besten Freundinnen Laure beschuldigt wird, bei einem Polizeieinsatz ihren Kollegen Jacques erschossen zu haben. Aus ihrer Pistole kam der tödliche Schuß. Sie wird abgeschirmt und mit Medikamenten zugedröhnt, während Aimée auf die Suche geht. Ein Bub könnte etwas gesehen haben. Ein korsischer Musiker taucht auf. Ein korsischer Barbesitzer wird ermordet. Ein Musikproduzent nutzt seine Beziehungen. Show down auf der vorletzten Seite.

Bei einem privaten Handlungsstrang - der Todes ihre Vaters - taucht ein wichtiges Puzzlestück zu seiner posthumen Entlastung auf.
Aimées Liebesleben hat Schwankungen: Freund Guy geht, und ein neuer Mann verwirrt sie.
Aimée selber wird als attraktive, modebewußte Frau beschrieben, kochen ist nicht ihr Metier, aber sie kann sich verteidigen. Und Kater Miles Davis lebt bei ihr.

Das Thema der Bombenangst durch korsische Separatisten taucht auf. Flüge werden gestrichen. Für Menschen aus Korsika ist es zeitweise unangenehm in Frankreich zu leben. Andere Korsen führen ihre Privatfehde. Und wieder geht es um Waffen, Waffenschmuggel und Menschen, die unter der Hand reich werden durch den dortigen Bürgerkrieg.

Die Szenerien sind nicht das reiche, schimmernde, goldene Paris, sondern eines bei dem ich an Picassos blaue Phase denken mußte. Vieles wird dunkel, grau, schwarz, blau, düster gezeichnet. 
Probleme hatte ich mit den Abkürzungen französischer Polizei- und semi-Polizei-Einheiten (flics - o.k, aber mecs?).

In Summe ein spannendes Buch, das einiges an 'Action' bietet, aber durchaus logisch ist. Viel Spaß beim Lesen !

Cara Black wurden in Chicago geboren. Sie hatte verschiedene Jobs und studierte in Tokyo chinesische Geschichte. Ihre Liebe zu Frankreich begann mit dem Französisch Unterricht, worauf viele Besuche in Paris erfolgten.

Mittwoch, 25. April 2012

Moritz Matthies (Pseud.) : "Ausgefressen"

Moritz Matthies (Pseud.) :
"Ausgefressen"
Roman
2012, Scherz Verlag (4. Auflage) des S. Fischer Verlag GmbH Frankfurt
266 Seiten
ISBN: 978-3-651-00026-1

Ein entzückendes Buch ! In dem Roman erzählt das Erdmännchen Ray, - Entschuldigung - der Erdmann Ray, wie er seinen Wunsch Detektiv zu sein durch Lösung eines Mordes im Tiergarten mit Hilfe des schmudeligen Detektiv Phils umsetzen kann und damit zum Star unter den Tiergartentieren wird.

Ein alter Mann wird vermißt - er wurde im Tiergarten zum letzten Mal gesehen. Ray versucht mithilfe seines Bruders Rufus, einem sehr gebildeten und belesen Erdmännchen, zu helfen. Phil, ein Detektiv mit traurigen Augen und zerknittertem Sakko versteht in seinem Alkoholdussel erdmännisch und es kommt zur Kooperation.
Alle Erdmännchen helfen suchen, kämpfen gegen Ratten, lassen eine Bombe hochgehen und das Elephantengehege droht zu versinken. Leichen werden gefunden - der Vermißte ist nicht dabei. Weitere Hilfe der Erdmännchen kostet den armen Phil ein XPad, eine Enzyklopädie der Philosophie (in Leinen gebunden), und Lebendfutter.
Da im Erdmännchenclan der größere, stärkere, aber ziemlich dumme Bruder Rocky zum Clanführer ernannt wird und nebenbei Rays großer Liebe, der Chincilla-Dame Elsa, ein Chinchilla-mann kurzfristig lieber ist, entflieht Ray dem Tiergarten.
Die Stadt draußen ist voller Gerüche und Gefahren - aber Freund Phil rettet ihn und die Recherche geht weiter. Wie die Geschichte weitergeht, was Ray in der Stadt erlebt, wer im Tiergarten noch hilft den Fall zu lösen und wie die Lösung ist, muß jeder selber nachlesen.

Das Buch ist in Ich-Form aus der Sicht von Ray geschrieben. Wie diese Sicht beschrieben wird, auch Gerüche zuerst im Tiergarten, dann auch in der Stadt ist einfach gute amüsante Unterhaltung. Mich hat Rufus, der belesene Erdmann, zu Lachen gebracht, wenn er Machiavelli etc. von sich gibt. Die Schilderung der Party bei Perserkatze Holly mit allen möglichen Partygästen liest sich wie eine vergnügte Abrechnung mit der Schicki-Micki-Gesellschaft.

Ich habe auf der ersten Seite zu Lächeln angefangen, und es schmunzelnd ausgelesen am gleichen Tag abends auf die Couch gelegt. Der Autor schafft es fast auf jeder Seite mit neuen Ansätzen, Einbringen anderer Tiere oder Seitenhieben durch den sehr belesen Rufus und den Rest des Erdmannclans einen neuen Schwenk zu machen. Die Unterhaltung und auch Spannung bleiben damit erhalten.

In der Klappe vorne des Umschlags werden die Clan-mitglieder vorgestellt, in der Klappe hinten gibt es eine Skizze des Tiergartens und für Wißbegierige einen wissenschaftlichen Auszug über das Erdmännchen (Suricata Suricatta).

Ob das Buch für Kinder geeignet ist, traue ich mich nicht zu entscheiden - ab welchem Alter Vokabel wie 'bumsen' für Mädchen & Buben geeignet sind, werden hoffentlich Menschen die mit Kindern viel zu tun haben, richtig entscheiden.

Ich weiß nur, daß ich dieses Buch einigen Freundinnen und Freunden empfehlen / borgen muß, die Aufmunterung & Aufheiterung gerne annehmen. Lesern mit Tierliebe und viel Humor ist das Buch sehr zu Empfehlen.

Dienstag, 27. März 2012

Tarquin Hall : "Der lachende Tote"

Tarquin Hall :
"Der lachende Tote" - Ein neuer Fall für Vish Puri
2010, Simon & Schuster
original "the case of the man who died laughing"
aus dem Englischen von Jochen Stemmel
Deutsche Erstausgabe
2010, Heyne Taschenbuch Verlag
374 Seiten
14 Seiten Glossar (mit typischen indischen Phrasen und v.a. Erläuterungen der herrlichen Speisen)
ISBN 978-3-453-43417-2

Das Buch ist ein vergnüglicher Krimi der Freude zu Lesen macht. Der rundliche Detektiv Vish Puri lebt in Delhi, löst pikante oder wichtige Fälle als Detektiv mit seinem Netzwerk, ist aktiver Familienmensch und geht zwischendurch gut Essen oder nimmt geschmackvolle Imbisse zu sich.

Dr. Jiha, ein Wissenschaftler, der nicht an Götter glaubt, entmystifiziert mit Logik immer wieder Magiere oder andere Menschen, die durch ihre sogenannte Spiritualität viel Geld verdienen. Morddrohungen folgen. Mitten in einem Lachseminar, das Dr. Jiha jeden Tag in der Früh im Park besucht, ersticht ihn eine Gestalt in  Form der Göttin Kali (Anmerkung: sie hat Menschenköpfe als Schmuck, und ist eine der starken dämonischenhöchsten Göttinnen im Hindu-Glauben).
Vish Puri, der sich gut mit Dr. Jiha verstanden hatte, sieht es als Ehrenpflicht diesen Mord aufzuklären aber noch mehr die sogenannte Vision zu erklären. Besuche bei mehreren Magieren bringen ihn langfristig auf die richtige Fährte. Leider ist jemand schneller als er und ein Freund Dr. Jihas und dessen Chauffeur werden ermordet.
Letztendlich stellt sich allerdings heraus daß der mächtige Magier mit dem sich Dr. Jiha angelegt hatte ein geschickter Illusionist war, der vor Erpressung und (auch sexuellem) Machtmißbrauch nicht zurückschreckte.

In der Zwischenzeit lösen die Mutter und Gattin von Vish Puri einen Geldüberfall in ihrer illustren Damenrunde. Die Beschreibung der Damen, ihrer Lebensarten und ihre Eigenheiten ist vergnüglich zu lesen.

Privat werden Herr Vish Puri und seine Gattin Großeltern von Zwillingen - auch hier sind die Beschreibungen der einzelnen Familienmitglieder, und der Festivitäten und Rituale vor der Niederkunft schön beschrieben und bringen beim Lesen zum Schmunzeln.

Die Personen sind klar und liebevoll gezeichnet - auch wenn sie jmd verachten. Vish Puri's Eigenart seinen Mitmenschen sofort Spitznamen zu geben ist faszinierend - sein Chauffeur wird Handbremse genannt etc. Dezente geistige Verwandtschaft ist mit Hercule Poirot zu merken, weil beide Detektive von der Überrangenheit ihres Verstandes und Durchblicks überzeugt sind (was zu komischen Dialogen mit geübten Stichwortgebern im Buch führt).

Die Ort der diversen Geschehnisse - wie Park in Indien, Haus von Vish Puri, diverse Tempel, der Bereich des großen Magiers, etc. wird beschrieben und läuft wie ein Film vor dem geistigen Auge ab. Vor dem entsetzlichen Elend der bettelarmen Menschen in (hier) Delhi bzw. einzelnen Stadtteilen werden die Augen nicht verschlossen, sondern auch etwas Raum gegeben.

Danke an Übersetzer/Verlag für den Glossar. Hier werden tw die typisch indischen Ausdrucke erklärt und auch die vielen verschiedenen Imbisse und lukullischen Köstlichkeiten erläutert. Mich hat das Buch sehr an meinen Indienaufenthalt erinnert und regt an wieder zu probieren etwas Indisches (nach)zu kochen.

Alles in allem eine Freude das Buch zu Lesen. Ich empfehle es gerne Menschen mit Humor und Neugier für das schöne Land Indien weiter.

Montag, 20. Februar 2012

Jô Soares : "Sherlock Holmes in Rio"

Jô Soares :
"Sherlock Holmes in Rio"
1995, Companhia das Letras, Sao Paulo
"O Xangô de Baker Street"
Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Karin von Schweder-Schreiner
1997, Insel Verlag
307 Seite
auf den U2 und U3 ein alter Stadtplan von Rio
sorry - in der alten Ausgabe (hardcover, rot) fand ich nirgends eine ISBN
(aber aus dem Internet fand ich: ISBN-10: 3458168400 ; ISBN-13: 978-3458168409)

Der humorvolle, und leicht respektlose Kriminalroman ist gut zu lesen und macht Spaß.

Der Geliebten des Königs wird eines seiner Geschenke gestohlen - eine Stradivari. Junge Frauen werden ermordet - es ist kein Schema bei den Frauen zu erkennen. Sarah Bernhardt, die große Umschwärmte + Bewunderte, gastiert in Rio und empfiehlt den größten Detektiv, der ihr einmal geholfen hat, zu Hilfe zu rufen. Sherlock Holmes und Dr. Watson kommen wirklich.
Kommissar Mello Pimenta freut sich über die Unterstützung. Leider werden noch 2 Frauen ermordet, aber die verschwundene Geige taucht - allerdings ohne Saiten - wieder auf. Da je eine Saite in den ermordeten Frauen gesteckt war, schließen alle, daß der Serienkiller damit seinen persönlichen Zweck erfüllt hat und nicht mehr morden wird. Die gefeierte Schauspielerin und die beiden Briten fahren wieder nach Europa.

Der Begriff des Serienkiller wird diesmal von Holmes geprägt, der sein portugiesische vor Ort testet. Alle sind fasziniert. Witzigerweise sind seine - uns durch Doyle - gewohnten Schlußfolgerungen jedesmal grottesk falsch, und auch sonst ist der berühmte Detektiv eher als Mensch der die Schönheit v.a. einer Frau entdeckt und v.a. Cannabis zu schätzen lernt gezeichnet. Er läuft in weißem Anzug herum und befremdet damit alle Brasilianer, die lieber in europäisch zu warmer Kleidung schwitzen.

Watson hat noch weniger als sonst zu lachen - aber : ihm wird die Erfindung des Caipirinha in die Schuhe geschoben, da er tw. wie ein Hirt angezogen ist, um die brasilianischen Temperaturen besser zu ertragen.

Mit viel Witz ist beschrieben, wie sich Kaiser, Hofstaat, die schleimenden Hofschratzen benehmen - Gegenpol sind einige Bohemiens wie die Operetten schreibende und rauchende Chinqhinha, der Buchhändler Miguel Solera de Lara und paar andere Marques von verschiedenen Intelligenzgraden und passenden oder eben nicht passenden Bemerkungen.
Eine andere Welt ist die der schwarzen Sklaven, die als Sache gehandhabt werden, sich aber tw. ihre eigene Sprache und Magie bewahrt haben. Sie haben das Gespür für den Serienkiller, nehmen das Bösartige wahr und lenken Holmes auch auf die richtige Spur - wo sie dann versandet.

Ich habe den Krimi als Entspannung zwischen einem anspruchsvollen, aber großartigen Buch gelesen und mich sehr gut dabei unterhalten und entspannt. Wer kein bierernster Sherlock-Holmes-Fan ist und ihm seine Amour in Brasilien zu gönnen bereit ist, wird den Roman hoffentlich genießen. Wer einen who-dunn-it-Krimi sucht, kann auch hier mitraten wer der Mörder ist - die Lösung ist beschrieben.
Viel Lesevergnügen im rauschhaften Rio.

Montag, 30. Januar 2012

Óscar Urra : "Poker mit Pandora"

Óscar Urra :
"Poker mit Pandora"
2008 bei Salto de Página, Madrid
"A timba abierta"
aus dem Spanischen von Peter Kultzen
Deutsche Erstausgabe
2011, Unionsverlag Zürich
185 Seiten
1 Seite über Autor und Übersetzer
4 Seiten des Autors über sich selbst
ISBN 978-3-293-00428-3

Der Privatdetektiv und leidenschaftliche Spieler Julio Cabria möchte sich eigentlich umbringen, wird aber von seiner eigenen Laschheit und einem lukrativen Auftrag davon abgehalten. Er soll eine Frau namens Pandora finden, deren Suche bereits einigen Männern das Leben gekostet hat. Mehr oder minder freiwillig macht er sich gemeinsam mit dem Polizisten Meléndez, der seine Chance sieht nicht in die Pension abgeschoben zu werden, auf die Suche. Bei der Lösung des Krimis wird klar, daß Pandora keine leibhaftige, lebendige Frau, sondern ein Ergebnis der Computerwelt ist.

Es sind fast nur Männer die Darsteller in diesem Buch: der Detektiv + Spieler + Gin Tonic Fan Gabria, Polizist Meléndez der Gabrias Ex-Frau heiraten möchte, der Kellner und César der alles hört aber wenig spricht, der hinkende und wunderbare Zuhörer Vitorio und damit leicht in die falschen Hände gerät, der Polizeichef Subirats, der Mafiachef El Botines und seine schlagkräftigen Jungs ...
Die 2 Frauen sind Gabrias Ex-Frau, die den Polizisten heiraten möchte und eine junge Frau, die die Energie hat Gabria aus seiner Lethargie zu reißen.

Ort des Romans ist Madrid und hier einige Hauptstraßen, die auch mir etwas sagen und einige Plätze und kleinere Straßen, die offenbar eher der Spieler-Szene zugeschrieben werden.

Das Buch ist spannend geschrieben, ist aber kein Krimi im who-dunn-it-Genre. Die Lösung bietet ein eigenbrötlerischer junger Mann, der sich mit Internet, Bloggs, Kommunikation via Internet und Viren (eigentlich Trojanern) excellent auskennt, aber die echten Menschen keinen Umgang mehr pflegen kann.
Genau wird auf die verschiedenen (Karten-)Spiele die Gabria spielt eingegangen, bei denen ich erst ein Lexikon oder im Internet eine Suchfunktion starten mußte. Auch die Schuß- und Prügel-szenen sind detalliert geschildert, mir aber zu brutal.

Die Stimmung des Buches ist eher pessimistisch oder hoffnungslos - erinnert mich an Krimis aus Spanien, die aus den 80-ern stammen. Das Buch kann ich jedem empfehlen, der einen bösen schwarzen Krimi mit Prügeln, Schußwechseln und leider auch 'Guten', die sterben, verträgt.

Freitag, 13. Januar 2012

Teresa Solana : "Mord auf katalanisch"

Teresa Solana :
"Mord auf katalanisch" - ein Barcelona-Krimi
2006 bei Edicions 62 in Barcelona
"Un crim imperfect"
aus dem Katalanischen übersetzt von Petra Zickmann
2007, Piper München Zürich
2 Seiten Stadtplan auf den beiden Innencovers
1 Seite Spezialitäten
271 Seiten
ISBN 978-3-492-04951-1

Barcelona im Winter. Das Brüderpaar Eduard und 'Borja' nennt, betreiben miteinander eine Detektei und erledigen meist - erfolgreich und diskret - Seitensprung-Angelegenheiten. Diesmal verdächtigt ein Politiker seine Gattin des Seitensprungs, da ein bekannter Maler ein Bild von ihr gemalt hat. Beweise findet das Brüderpaar keine, aber sie sehen viele Gespräche der verdächtigten Dame mit Menschen, die sie meist unglücklich zurück läßt. Am Weihnachtstag wird die Dame vergiftet aufgefunden.
Die beiden Detektive gehen einiges Spuren nach, und lösen letztendlich den Fall. Polizei und Presse lösen den Fall anders, aber die Detektive sind mit dem Ausgang zufrieden.

Ein zwei-seitiger Epilog erzählt im Kurzüberblick wie sich das Leben einiger Beteiligter über die nächsten Jahre weiterentwickelt.

Die Personen und ihre Umgebung sind detailliert und mit Freude zum Detail geschildert.
Eduardo ist verheiratet, hat 3 Kinder und ist ehemaliger Bankangestellter und Buchhalter. Sein Zwillingsbruder Pep, nennt sich Borja und hat sich einen fantasievollen Nachnahmen zugelegt - er ist der Schillernde und Faszinierende des Duos; aber da sich die beiden nicht ähnlich sehen, funktioniert die Geschichte mit der beruflichen Freundschaft sehr gut.
Am besten hat mir die Schilderung einer niveauvollen Dame der reichen Oberschicht mit viel Humor, Macht und Intelligenz gefallen. Böse sind die Beobachtungen des Mordopfers das als eine wunderschöne aber durch extremen Ehrgeinz eher ungute Person geschildert wird. Die Frauen in dem Krimi sind sehr unterschiedlich - die etwas alternative Montse, die verheiratete geliftete erfolgreiche Geliebte, die überkandidelte Direktorin einer Schule. Die sonstigen Männer sind Politiker wie der Mann des späteren Opfers, ein Lehrer und ein fürsorglicher Butler.

Eine schöne Idee finde ich, daß das Portrait der Dame über ein Photo im Zug seinen Ursprung hat. Der Künstler hatte das Photo einer schlafenden Frau gemacht und dann - seinem Stil entsprechend - in wunderschöner Weise gemalt.
Gut gefällt mir, daß im Anhang auf einige gastronomische Spezialitäten Katalonien stehen. Ob man sich die Restaurant-empfehlungen am Ende des Buches ansehen will, ist Entscheidung des Lesers (ich habe es nicht getan).

In Summe finde ich das Buch gut lesbar, die Geschichte und die Menschen sprechen mich an und meine Erwartung im Winter ein Buch aus wärmeren Gegenden wärmt meine Seele wurde erfüllt. Viel Vergnügen beim Lesen !

Dienstag, 13. Dezember 2011

Ramón Díaz Eterovic : "Engel und Einsame"

Ramón Díaz Eterovic :
"Engel und Einsame"
original "Angeles y solitarios"
1995, Editorial Planeta Chilena
aus dem chilenischen Spanisch übersetzt von Maralde Mayer-Minnemann
2000, Diogenes Verlag Zürich
323 Seiten
ISBN 3-257-06246-x

Das Buch enthält einen starken, intensiven Roman in dem der Detektiv Heredia von der Liebe aus der Vergangenheit eingeholt wird, und aktuellen Waffenfirmen auf die Spur kommt. Die hier gemeinten Waffen sind hier eher die chemischen - wie Sarin.

Heredia erhält die Ansichtskarte einer vergangenen großen Liebe, die ihn in Santiago besuchen will. Leider wird nur noch ihre Leiche gefunden. Da Fernanda Journalistin gewesen war und sich vor einiger Zeit mit einem amerikanischen Journalisten über Waffen in Chile unterhalten hatte, und ein lebensfroher Mensch war, ist die Selbstmordtheorie hinfällig.
Sein alter Freund bei der Polizei Dagoberto Solis hilft ihm heimlich, denn offiziell wurde der Fall von oben als erledigt erklärt. Leider geraten Heredia und Solis zu nahe an geheim gewünschte Informationen - auch über zwei ältere Morde, die mit den Tod Fernandas zusammenhängen - und Solis wird zu Tode geprügelt.
Über einen mysteriösen blinden Nachbarn von Heredia, der ihm immer wieder aus emotionalen Gründen mit Informationen behilflich ist, kann er sich an dem Mörder von Solis rächen und eine Fabrik von chemischen Waffen in Feuer aufgehen lassen. Auf vielfachen Rat verschwindet er dann - mit Freundin und Kater.

Hilfe hat Heredia privat durch die Tochter eines Freundes Griseta (die seine Freundin wird) und seinen weißen Kater mit dem Namen Simenon, mit der er sich tw. unterhält und somit die Funktion des Alter Ego erhält und sympathische Dialoge abliefern.

Der Titel dürfte sich auf ihn / Heredia /den Einsamen und sie /Griseta/Engel beziehen.
Die Geschichte ist gut und spannend geschrieben. Santiago bzw. in den Teilen in deren sich Heredia mit Wodka und Mädchen herumtreibt gut vorstellbar. Der Drive zieht sich durchs Buch. Die Absätze über Waffenhandel, illegale Firmen und deren weltweite Rückendeckung lassen bei mir ein Gruseln zurück.

In Summe ein sehr gutes Buch, das ich jedem empfehlen kann der in die dunklen Teile Chiles abtauchen möchte, mit einem Detektiv der sich bei Mahler & Chet Baker erholt literarisch mitleben möchte und am Schluß wenigstens das Gefühl möchte, daß doch die Guten siegen werden.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Anne Cuneo : "Herz aus Eisen"

Anne Cuneo:
"Herz aus Eisen"
- der erste Fall der Marie Machiavelli
original "Ame de bronze"
1998, Bernard Campiche Editeur, Orbe
aus dem Französischen von Peter Sidler
2000, Limmat Verlag, Zürich
231 Seiten
2 Seiten Nachwort
ISBN 3-85791-340-1

In der Detektivgeschichte geht es um Marie Machiavelli, die in Lausanne ihr Büro hat.

Einerseits geht es um einen arroganten Engländer, der sie beauftragt Geld einzutreiben - was sie erledigt.
Dann geht es um eine Politkergattin, die ein gestohlenes Paket wieder haben möchte - was nicht gelingt.
Große Sorgen bereiten ihr, daß ihre beste Freundin vergewaltigt worden war.
Nebenbei versucht sie ihr Gewissen rein zu halten und recherchiert wiederholt bei der Geldeintreibesache des arroganten Engländers nach. Als dieser in Bern ermordet aufgefunden wird, kommt bei Recherchen heraus wie unbeliebt er gewesen war, da er sich den Kick im Leben durch erpresserische Spielchen geholt hat (Geld hatte er genug).
Am Schluß führen fast alle Handlungsstränge zu diesem unsympathischen ermordeten Zeitgenossen, und auch die Vergewaltigung wird hoffentlich leichter verarbeitbar. Ob er ein Herz aus Eisen (deutsche Übersetzung) oder Bronze (französisches Original) hatte, ist nur noch Geschmackssache.

Das Buch ist nett geschrieben, die Menschen skizziert, sodaß mir manchmal die Tiefe fehlt, aber die Spannung hält. Auch wenn viele verschiedene Fäden verkreuzt sind, sind mir die Linien doch klar geblieben. Irritierend war für mich der Umgang mit Zeit, da mir hier einiges im Ablauf nicht wirklich klar war.

Die Hauptfigur gefällt mir gut mit ihrem Spiel mit dem berühmten Namen, den sie wirklich von dem berühmten Mann hat, und dem Eingehen auf zweisprachiges Aufwachsen und die Schwierigkeiten in zwei Sprachen (italienisch und französisch) zu denken, das autobiographisch ist.

Die Nebenfiguren sind zahlreich aber signifikant geschildert : der gut kochende Journalisten-Freund, der Anwalt der auch Schauspieler ist, der englische Detektiv im Rollstuhl, die Freundin und Lehrerkollegin der Freundin, der schweizerische hartnäckige Polizist, die Onkels des Engländers bis zur geschiedenen zarten Ex-Frau des Engländers und ihrer Großmutter.

Das Buch kann ich empfehlen - ob ich die Folgebücher (es gibt 2) lesen möchte, oder doch lieber etwas ganz anderes,  muß ich netterweise nicht gleich entscheiden.

Dienstag, 5. Juli 2011

Eugenio Fuentes : "Das Herz des Mörders"

Eugenio Fuentes :
"Das Herz des Mörders"
Untertitel "Nur wer liebt, kann auch töten ..."
"Ein Fall für Ricardo Cupido"
original "Cuerpo a cuerpo", 2007
übersetzt von Roberto de Hollanda
2008, Goldmannverlag - Deutsche Erstveröffentlichung
400 Seiten
ISBN 978-3-442-46673-3

Ein schöner dicht geschriebener Detektivroman, mit verschiedenen starken Charakteren, die allesamt genau beschrieben werden. Am Schluß bleibt leise Traurigkeit, weil die Frage wie die Menschen weiterleben im Raum stehen bleibt.

Samuel, Kleinunternehmer der Altpapier sammelt und recycelt, macht bei der Beobachtung einer schönen Nachbarin mittels automatischer Kamera Photos in denen ein Bitbullterrier einen Teenager ums Leben bringt. Er löscht die Photos nicht. Ein Zufall gibt ihm die Chance die schöne Frau Marina kennen zu lernen. Deren Vater Camilo Olmedo ist Soldat und wird eines Tages erschossen aufgefunden. Seine Tochter glaubt nicht an Selbstmord und beauftragt Ricardo Cupido (und seinen Freund El Alkalino) hier nachzuforschen.

Camilo Olmedo hatte den Auftrag Kasernen auf ihre Wirtschaftlichkeit zu überprüfen und auch wie weit der aktuelle Stand des Heeres den Anforderungen des 21. Jahrhunderts entspricht. Er hat empfohlen eine nahe gelegene Kaserne zu schließen, und sich damit einige Feinde gemacht (und damit 3 schöne Charaktere in Fuentes' Buch initiiert).
Die Mutter Marinas war an einer Schönheitsoperation verstorben. Ursache war ein kaputtes Gerät gewesen, das dem Anästesisten damit keine notwendigen Informationen gegeben hatte - Olmedo hatte eine zeitweise Suspendierung dieses Arztes von seiner Arbeit durchgesetzt. Seit einiger Zeit ist er mit Gabriela, der Mutter des verstorbenen Teenagers befreundet.

Fuentes nimmt sich Zeit für seine Darsteller und widmet fast jedem mindestens ein Kapitel : dem Obersten der Kaserne der nur noch mit Würde die Kaserne schließen möchte, zwei anderen Offizieren - der eine möchte nur noch nach Afghanistan (wo wirklich Krieg ist) und der andere sich zurückziehen um seinen dementen Vater zu pflegen, der Arzt der endlich wieder arbeiten darf und doch immer wieder von der 'alten' Geschichte eingeholt wird bis zum Noch-Ehemann von Marina, der als der rücksichtslose Filou geschildert wird wie ihn sein Schwiegervater befürchtet hatte. Zarten Raum hat die sich anbahnende Liebesbeziehung zwischen Marina und Samuel. Auch Ricardo Cupido, der seine Werte hinterfragt und sein Freund finden Platz sich zu entwickeln.

Daß Samuel die Photos auf denen der Hund einen Teenager umbringt nicht gelöscht hat, bringt den Tod von Olmede.

Die Personenbeschreibung gefällt mir sehr gut, sie ist klar aber der 'drive' der Handlung leidet nicht darunter. Die Orte sind auch klar skizziert von Strand mit Jugendlichen, bis elegantem Hotel, die Präzision und auch Melancholie der Kaserne bis zum Ausflug durch die Villengebiete.

Ein schönes Buch das gedanklich entführt - ich kann es nur empfehlen; ich überlege mir eine der anderen Detektivgeschichten mit Ricardo Cupido zum Lesen zu organisieren.

Dienstag, 11. Mai 2010

Linda Mather : "Schlechte Zeiten für den Widder" - "ein Astro Krimi"

Linda Mather :
"Schlechte Zeiten für den Widder"
"ein Astro Krimi"
Original "Blood of an Aries"
1993 Macmillan London/Pan Macmillan Ltd.
aus dem Englischen von Wolfgang Thon
1. Auflage, 1996, Aufbau Taschenbuch Verlag Berlin
242 Seiten
ISBN 3-7466-1204-7

Nett lesbarer Krimi, der gut in den Öffentlichen unterhält, in dem eine kleine Detektei in Coventry der Ermordung eines Steuerberaters in Ausbildung, eines Universitätsprofessors und eines Amerikaners auf der Spur ist.

Jo, die einen Job neben ihrer Freiberuflichkeit als Astrologin braucht, nimmt eine Teilzeitarbeit als Mitarbeiterin in einer netten kleinen Detektei an. Diese soll einen Leichenfund in einem Hotel klären – den werdenden Steuerberater -, beim Aufarbeiten seiner Kontakte wird der Universitätsprofessor erschossen. Jo und die Leute der Detektei lernen die Familie des aus den USA zurückgekehrten Professors kennen, und auch einige Freunde der Familie.
Dann taucht auch noch ein ehemaliger Student aus den USA aus, der sich als ehemalige Freund/Liebhaber des Professors erklärt. Auch dieser wird ermordet.
Letztendlich kommt Jo drauf, daß der Professor bevor er in die USA ging, eine Freundin seiner damaligen Verlobten und jetzigen Frau vergewaltigt hatte, und diese ihn als Rache erschoß - und, weil er sie erpresste, den amerikanischen Studenten auch umbrachte. Der aufstrebende Steuerberater hat Selbstmord begangen, da er keine Chance sah seine Beziehung zu dem Professor zu leben. Da die Polizei aber die Morde dem amerikanischen Stundenten mit anschließendem Selbstmord in die Schuhe schiebt, bleibt die rächende Frau unbehelligt.

Nett lesbare Geschichte, in der sich auch mit einer Annäherung zwischen Jo und dem Chef der Detektei Macy eine Liebesgeschichte anspinnt.
Die Menschen sind teilweise nett beschrieben, sehr klar die Familie des Professors (die superfreundliche Frau und 2 Töchter, einmal charismatisch kritisch, die andere neugierig und Teenager), auch der Nachbar der Familie (= Liebhaber der Ehefrau) hat klare Konturen, die Freundin der Familie und deren Nichte (die sich in der charismatischen Professor verliebt, und damit die Emotionen ihrer [vergewaltigten] Tante endgültig zum übergehen bringt) sind schön in ihrer Zurückgezogenheit und Verbittertheit die eine, sinnlos verknallt die andere gezeichnet. Auch die Hilfsgeister der Detektei wie der ruppige Al und die positive, plaudernde Bürochefin Celia haben Linien.

Astrologie wird als Thema bißchen angerissen, aber bleibt für mich an der Oberfläche, daß für mich die Kategorisierung ‚Astrokrimi’ zu wenig Substanz hat.