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Samstag, 22. Januar 2022

Pierre Lagrange : "Düstere Provence"

Pierre Lagrange :
"Düstere Provence" - Ein neuer Fall für Albin Leclerc
2020, Scherz / S. Fischer Verlag
404 Seiten + Karten auf der Innenseite des einschlagbaren Covers mit der Provence
ISBN 978-3-651-02500-4

Band 5 für den Polizeiberater Ablin Leclerc, seinen Mops Tyson, Freundin, Tochter, Enkeltochter, und sein Polizeiteam.
Louis Rey ist nach 25 Jahren aus Gefägnnis gelassen worden. Der ehemalige Drogen-king war von vielen Leuten verraten worden, wofür er sich genußvoll rächt. Drei grauslich zugerichtete Leichen sind bereits entdeckt, als der ehemalige Polizist Leclerc die Tatsachen durchschaut und eine ehemalige Freundin, die Gattin des verstorbenen Drogenbarons, Flores besucht. Ein Versuch dem Ex-häftling ein Geständnis und gleichzeitig dem aktuellen jungen Drogenbaron die aktuellen Schmuggeltricks zu entlocken wird inszeniert. Im Showdown gibt es einige Tote.
Im Nebenstrang geht es wieder um Albins Tochter, deren gewalttätiger bald Ex-Ehemann wiederholt das Leben seiner Frau verschlechtern möchte.
Albin unterhält sich immer wieder mit Mops Tyson, wobei der Mops in kursiv antwortet. Oft geht es um das Interesse des Mopses an einer Möpsin, aber auch um Zweibeiner.

Albin ist meist gemtülich mit gutem Kaffee unterwegs. Flores, deren Familie mit Drogen handelt, wird als trainierte schöne Frau geschildert, die fast alles für ihre Familie tut; daß sie zuerst zur Unterhaltung von Männern gearbeitet hatte, und hier bereits Kontakt mit Albin ist etwas spürbar.

Die Geschichte ist spannend erzählt, auch wenn sie mir zwischendurch zu reißerisch ist. Viel Spaß beim Lesen !

Samstag, 4. Juli 2020

Anthony Coles : "Ein Gentlemen in Arles - mörderische Machenschaften"

Anthony Coles :
"Ein Gentlemen in Arles - mörderische Machenschaften" - ein Provence-Krimi
Peter-Smith-Reihe-1
original "A Retirement Disturbed"
2016, CreateSpace Independent Publishing Platform
Aus dem Englischen von Michael Windgasse
2019, Piper Verlag Gmbh
355 Seiten
ISBN 978-3-23206-7

Peter Smith hat sich mit seinem Windspiel Arthur in die Provence zurückgezogen und möchte seine Pension genießen. Durch Zufall wird er in einen Mord hineingezogen, und plötzlich interessieren sich die unterschiedlichsten Menschen für ihn und sein Wissen. Auf der einen Seite ist es die wunderschöne, reiche, charmante Witwe des Toten, auf der anderen Seite ziemlich gewaltbereite obskure Gestalten. Während ihm die Witwe die Geschichte der Camargue näher bringt, und ihm Treffen mit ihr wohl tun, eröffnen ihm die anderen Menschen die Sichtweise zu anderen lokalen Mafia-ähnlichen Gruppierungen, wobei die Familie der Witwe ebensoviel Macht in der Camargue hat.
Der Ermordete war ein glänzender Geschäftsmann gewesen, der geschickt EU-Förderungen gelenkt hat, aber vorallem eine unsittliche Neigungen hatte.
Am Schluß ist werden die Mörder zwar nicht erwischt, aber es bleibt das wohltuende Gefühl, daß die Welt ein paar böse Menschen weniger hat.

Peter Smith und eine alter Freund von ihm, der geheimdienstmäßig informiert ist, werden als typische Engländer mittleren Alters geschildert, denen es zuhause einfach zu kalt ist.
Die Witwe ist eine schöne gescheite reiche Frau, die ihn fast immer bezaubert.

Der Roman ist gut lesbar, die Zeit fliegt beim Lesen dahin. Ort, Menschen und Essen in diesem Roman sind gut vorstellbar.

Viel Spaß beim Lesen !

Montag, 18. November 2019

Sophie Bonnet : "Provenzalisches Feuer"

Sophie Bonnet :
"Provenzalisches Feuer" - ein Fall für Pierre Durand
2017, Blanvalet in Random House gmbh
300 Seiten + 2 Seiten Anmerkungen der Autorin + 3 Seiten Glossar + 7 Seiten Rezepte
Innenklappe vorne mit Karte von Occitánia, Innenklappe hinten mit Saint Valérie
ISBN 978-3-7645-0613-1

Der Bürgermeister veranstaltet ein traditionelles Fest mit Mittelaltergestaltung und Fackeln in der Provence mit vielen Touristen und Journalisten. Polizist vor Ort, Pierre Durand, genießt den Auftritt der schönen Sängerin Aurelie und ihre Band, als ein älterer Journalist ermordet wird. Durand wird von seinem Vorgesetzten aus Paris lange Leine gelassen und er deckt eine ältere Geschichte auf, in der ein feinsinniger Schriftsteller zu Tode gekommen war. Die Wünsche das alte Okzitanien zu vereinen, werden von einigen Menschen fein bis grob verfolgt. Durand kommt gerade noch rechtzeitig um den Fall zu lösen.

Das ist der vierte Fall, indem Pierre Durand ermittelt.
Geschichtlich wird viel über das alte Okzitanien, die alten Kreuzzüge, das dominante franzöische Paris gegen andere Sprachen und Kulturen innerhalb Frankreichs erzählt.

Es wird viel über gutes und bodenständiges Essen geschrieben, das oft mit ziemlichem Aufwand zum Zubereiten ist. Einiges wird während der Krimihandlung beschrieben, es gibt aber Rezepte im Anhang.

Die Geschichte ist gemütlich und spannend erzählt, mitraten nach dem Mördert ist möglich.
Viel Spaß beim Lesen !

Die Autorin hat hier ein Pseudonym gewählt. Sie wurde 1967 geboren und lebt in Deutschland.

Freitag, 17. Juni 2016

Christine Cazon : "Stürmische Côte d'azur"

Christine Cazon :
"Stürmische Côte d'azur" - der dritte Fall für Kommissar Duval
2016, Kiepenheuer & Witsch. Kiwi 1469
284 Seiten; auf der Innenseite ist eine Skizze der Insel und die Schiffswege an das Festland
ISBN 978-3-462-04883-4

Kommissar Léon Duval muß über das schwankende Meer von Cannes auf die Insel Sainte-Marguerite. Dort wurde ein toter Seemann gemeldet, später findet sich ein zweiter, ein schönes wenig genutztes Schiff liegt in der Bucht und das eines mit der Mafia verbundenen Geschäftsmannes wartet auf Ersatzteile. Auf der Insel gibt es ein Naturschutzreservat für seltene Vögel das ein brummig wirkender Ecoló verwaltet; als Reste der Wirtschaft ist für die Arbeitenden eine Werft vorhanden. Treffpunkt ist das Bistro in dem der ständiger Wirt, und eine aktuelle Hilfe, ein Mädchen das seinen Sinn sucht, sowie vorzüglich kocht aber einen schlechten Männergeschmack hat, führen. Der Kommissar führt endlose Gespräche, Telephonate, friert im Herbstregen, und kann schlußendlich ein Ergebnis präsentieren.

Die Geschichte wird am Anfang aus Sicht von Alice, der jungen Frau die nach dem Surf-Sommer auf der Insel geblieben ist, beschrieben, dann wird der Kommissar begleitet. Er wird leicht seekrank, was sich durch den Roman zieht.
Duval ist eine gepflegte Erscheinung, geschieden, 2 Kinder, in einer frischen Beziehung mit einer Journalistin. Sein Team mit Pathologen und Spurensicherung arbeitet gut zusammen. Er kommt mit Hilfe eines kleines Buben einer Tatwaffe auf die Spur. Alice ist eine attraktive jungen Frau, die sich dessen bewußt ist; sie ist nicht wirklich sympathisch in ihrer Launenhaftigkeit. Alle Männer der Insel machen sich Hoffnungen auf sie; Hoffnungen die sie oft enttäuscht. 2 ältere Fischer, der Wirt, der Ecolo, die Seeleute und ein Kapitän scharwenzeln um sie herum; auf der einen Yacht ist eine Familie, die es eher ruhig mag, aber einen guten Kapitän hat.

Einheimisches Essen wird genannt wie eine 'Daube', eine 'Brandade' und ein saftiger 'Croque Monsieur'. Der Croque wird genauer erzählt, die anderen Speisen mußte ich im Internet nachlesen, weil es in diesem Buch leider kein Glossar zu ortstypischen Ausdrücken gibt. Hier wären auch die Vokabel für die ortsüblichen Messer nachzulesen gewesen - erhoffte ich mir als nicht dem Französischen verbundener/in Leser/in.

Drogen und Mafiaverbindungen spielen in diesen Roman hinein. Auch die Geschichte wie es auf der Insel zum Vogelreservat kam.
Die Menschen bleiben nicht ganz greifbar. es ist nicht schlüssig wenn Alice anbaggert oder wen nicht. Die Vorgesetzte Duvals ist von anfang an unangenehm und zieht Arroganz durch.
Das windige Seeklima ist spürbar, auch die kalten Winde vor denen sich die Menschen entweder unter windgeschützte Balkone oder ins Bistro retten.

Vieles ist in dem Buch gut lesbar, und gut vorstellbar. Die Seekrankheit von Duval hätte es kürzer auch gebracht. In Summe aber ein guter Roman für Unterhaltung, Entspannung und Urlaubsgefühl.

Christine Cazon wurde 1962 geboren. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Katzen in Cannes.

Samstag, 28. Mai 2016

Jean Bagnol : "Commissaire Mazan und der blinde Engel"

Jean Bagnol :
"Commissaire Mazan und der blinde Engel"
Kriminalroman
2015, Droemer Knaur GmbH
412 Seiten
ISBN 978-3-426-51653-9

Band 2 für Commissaire Zadira Matéo und ihren schwarzen Kater, ein Findelkind das sie Commissaire Mazan nennt: diesmal geht es um den blinden Künstler Etienne Idka, dessen Temperament und Fehler, und dessen auch blinde weiße Katze Camille, die ein Gefühl sowohl für Sicherheit als auch Gefahr entwickelt hat. Nach dem Vorbild einiger neuer Bilder geschehen häßliche Morde, für die die Zusammenhänge gesucht werden.
Parallel dazu ist Sergant Brell auf der Jagd eine snobistische Gruppe von Menschen aufzudecken, die einen Kick darin finden geschützte Tiere zu essen; beispielsweise kommt er dem heimlichen Mästen von Ortolanen (Gartenammer)[kleine gelb-grüne Zugvögel] auf die Spur; in einem schrägen Show-down gelingt ihm dies.
Immer von der Partie und letztendlich hilfreich sind Commissaire Mazan und seine Kater/Katzenfreunde  - für beide Handlungsstränge.

Der Roman ist spannend geschrieben. Die verschiedenen Handlungsstränge sind geschickt verflochten - Menschen haben ihre Kapitel, wie Katzen auch.

Die Katzen sind als Charaktere geschildert. Alpha-kater ist schwarzfellige Mazan. Als seine große Liebe zur ingwerfarbenen Manon plötzlich nicht mehr auffindbar ist, wird er gründlich nervös; das Auffinden von inkl. vier kleiner frisch Kätzchen überfordert ihn allerdings ziemlich. Rocky steht ihm bei, ein italienischer Kater der alle Farben im Fell hat nervt mit permanenten Kommentaren (die Katzen nennen ihn Orangino, sein 2-Beiner allerdings Pavarotti was die Katzen zum Lachen bringt), Tin-Tin übt weiterhin tot stellen, ein alte weise Katze namens Morgaine gibt Tips - etc. Atlas, der große Hund des Tierarztes, ist auch wieder von der Partie.

Für die Menschen werden zwei bis drei Liebesschichten gesponnen, inkl. Erotik, aber auch die Komplikationen, die die Katzen kommentieren. Zadira und Tierarzt Jules, Zadira und der attraktive Pariser Geheimpolizist, Tierarzt Jules und Ex-Verlobte tummeln sich eher mühsam, Vegetarier & Koch & Sergent Brell und Zadiras beste Freundin & Journalistin finden über die Singvogelsache hoffentlich zusammen, Künstler Etienne Idka und seine Langzeitfreundin/Geliebte/Haushälterin Solange haben weniger Glück.

Der Abschnitt über das illegale Fangen und vor allem Mästen der entzückenden kleinen Singvögel ist stark. Bei den Beschreibungen, wie man dieses Nichts aus Haut und Knochen zu sich nimmt, war spürbar, wie sehr es den vegetarischen Polizisten anwidert. Verständnis für snobistische Menschen die diesen illegalen Kick brauchen, kommt nicht auf. Katzen wollen die auch essen ....

Hintergrund des Krimis ist auch der Kunstmarkt. Fragen wer wie warum als Künstler gefördert oder niedergemacht wird, wer Chancen bekommt, wer wen kennen muß, welche Galerie hilft, welcher Kunstkritiker neutral sein kann, und wie schräge Geschichten dem Marktwert sehr förderlich sein können werden angerissen und durchaus diskutiert.

Witzig waren die Beschreibungen der Haute Volee in der Provence die sich mit Amuse Gueules (die neuerdings auch Amuse Bouche genannt werden) über Wasser hält. Respektlos aber humorvoll wird einmal ein sehr liebenswürdiger Dackel damit gefüttert.

Dieses Buch war so spannend, das ich diesmal wirklich versäumt habe bei der gewünschten Station aus den Öffis zu steigen, was mir schon lange nicht mehr passiert ist !
Viel Spaß beim Lesen !

'Jean Bagnol' ist das Pseudonym des Schriftsteller-Ehepaares Nina George und Jens "Jo" Kramer.
Die Spiegel-Bestsellerautorin George und der Journalist, Pilot und Schriftsteller Kramer sind seit 2006 verheiratet, leben in Hamburg, schreiben unter insgesamt sieben Namen und Pseudonymen und veröffentlichten bisher insgesamt 29 Solowerke (Romane, Sachbücher, Thriller, historische Romane). "Commissaire Mazan und die Erben des Marquis" ist der erste gemeinsame Jean-Bagnol-Provencethriller.

Nina Georg wurde 1973 in Bielefeld geboren. Sie arbeitete als Polizei Journalistin und Kolumnistin in vielen Zeitungen. Sie lebte in Berlin oder der Bretagne.
Jens "Jo" Kramer, wurde 1957 in Cuxhaven geboren, studierte Ethnologie und Islamwissenschaften in Berlin. Er verdiente sein Geld in Kreuzberg als Messerhändler, in der Steiermark als Steinmetz, verkaufte Autos nach Marokko und lebte einige Jahre in der Bretagne, um sich als Pilot ausbilden zu lassen. Der Schriftsteller lebte in Hamburg-Eimsbüttel.

Samstag, 29. Juni 2013

Mary L. Longworth : "Mord in der Rue Dumas"

Mary L. Longworth :
"Mord in der Rue Dumas" - Ein Provence Krimi
original "Murder in the Rue Dumas"
2012, Penguin Books, New York
aus dem Amerikanischen von Helmut Ettinger
2013, Aufbau Taschenbuch Verlag GmbH & co KG
342 Seiten
ISBN 978-3-7466-2932-2


Dieser Kriminalroman erzählt eine vergnügliche Geschichte die viel in der Provence spielt, Ausflüge nach Italien macht und im Universitäts- und Stipendiatsmilieu spielt. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz, Essensgenuß noch weniger.

Untersuchungsrichter Antoine Verlaque, ein gutaussehender erfolgreicher Mann löst hier seinen zweiten Fall. Er wird gerufen um den Mord an einem Theologieprofessor in Aix-en-Provence aufzuklären. Dieser hatte genüßlich seine Macht ausgespielt als er seine Pensionierung zuerst angekündigt und dann widerrufen hatte, und als er die Anwärter auf das "Dumas"-Stipendium gegeneinander ausspielte. An Verdächtigen besteht bereits auf der Universität kein Mangel, als sich dann noch herausstellt, daß der ausgewiesene Gallé-Vasensammler auch eine Fälschung besessen hatte, wird das mögliche Täterfeld noch erweitert. Nach einem Kurzbesuch ins nahegelegene Italien werden Mord und Fälschungshintergrund aufgeklärt.

Die Geschichte ist schön geschrieben, und ist mit bißchen Muße schön zu genießen. Die Personenschilderungen sind vielfältig an Temperament, Interessen, Intellektualität, familiärem Background. Auf den Ebenen Liebe, Ehe, Beziehungen, Flirts sind auch alle vorhanden.

Die Orte der Handlung sind detailliert geschildert und gut vorstellbar. Auch die auftragen oder gekochten oder geplanten lukullischen Köstlichkeiten sind so plastisch, daß beim Lesen Gusto entstehen kann.

Die Welt der theologischen Fakultäten in 21. Jahrhundert, in Zeiten der Sparsamkeit, aber auch die geistigen Dispute zwischen den verschiedenen spirituellen 'Lagern' macht Vergnügen zu Verfolgen.

In Summe ein empfehlenswertes Buch, das ich mir als Geschenk in meinem Freundeskreis gut vorstellen kann.